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20.
Juni '18

Wenn der Arzt durchs Display schaut – Videosprechstunde nun auch für Kunden der HALLESCHE Krankenversicherung


Es ist keine wahnsinnig neue Idee, denn andere Unternehmen arbeiten mit Partnern wie der Teleclinic bereits zusammen, wie Sie in einem älteren Beitrag hier auf dem Blog nachlesen konnten. (Barmenia Medien App- der Arzt per Videoberatung)

Doch vor uns liegt ein weiter Weg. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa oder der Welt ist das erst der Anfang. Die Hallesche hat sich für deren Kunden für einen anderen Partner entschieden, MD Medicus. Das Unternehmen bietet seit langem Beratungen, Assistenz- und Gesundheitsdienstleistungen an und steht nur auch Kunden der HALLESCHE als Partner zur Seite.

Wer kann die Videosprechstunde nutzen?

Aktuell steht allen Kunden der Hallesche Krankenversicherung dieser Service zur Verfügung. Im Vergleich zur Teleclinic der Mitbewerber jedoch noch etwas eingeschränkter. Voraussetzung ist daher eine bestehende Krankenvollversicherung bei der Hallesche und eine Anmeldung über eine spezielle Website.

Was geht, was nicht?

Derzeit wird den Kunden noch keine echte Sprechstunde geboten, sondern eher eine „Gesundheitsberatung“. Dazu stehen Ärzte verschiedener Fachrichtungen und spezialisiertes Personal zur Verfügung. Dennoch, es ersetzt keinen Arztbesuch. Auch das Ausstellen von Rezepten und/ oder Krankschreibungen ist derzeit noch nicht möglich. Die Videosprechstunde über MD Medicus ist ein erster Schritt, derzeit aber noch nicht viel mehr.

Zugegeben, das können andere Mitbewerber derzeit schon besser. Auch der Weg ist noch etwas umständlicher. Da es keine Smartphone App gibt, ist der einzige Weg die Anmeldung einer gewünschten Beratung über eine spezielle Webseite.

Größte Einschränkung, der Dienst steht nur eingeschränkt zur Verfügung. Die Termine und Beratungen können nur Montag bis Freitag von 8-20 Uhr stattfinden. Ein echtes No-Go, wenn man bedenkt diese Dienste gerade im Ausland oder zu den Zeiten geschlossener Arztpraxen nutzen zu wollen.

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Neben den vertraglichen Voraussetzungen (bestehender Vertrag zur PKV bei der Hallesche) sind einige technische Voraussetzungen zu erfüllen. So benötigen Sie

  • – einen PC, Laptop oder ein Smartphone bzw. Tablett
  • – das Gerät muss mit einer Kamera ausgestattet sein
  • – eine bestehende Internetverbindung ist natürlich Voraussetzung

Der Ablauf der Videosprechstunde

Zunächst einmal suchen Sie sich Ihre Versicherungsnummer, diese finden Sie auf der Versichertenkarte, Ihrer Police oder weiteren Dokumenten zu Ihrer Krankenversicherung. Danach besuchen Sie die Seite

http://www.hallesche.de/videosprechstunde

Dort ist es erforderlich, einige Daten zu erfassen. Name, Geb. Datum und dergleichen sind für den Arzt nicht ganz unwichtig und identifizieren Sie als berechtigten Kunden.

Danach können Sie die Fragestellung eingeben, Ihr Problem und weitere Informationen eintragen um dem Arzt einen ersten Hinweis zu geben oder die Fachrichtung festzulegen. Nun noch Telefonnummer und E-Mailadresse und ein Zeitfenster.

Nach dem absenden der Informationen werden Sie dann in dem gewünschten Zeitrahmen von einem Facharzt per VideoChat/ Anruf kontaktiert und können Ihre Fragen und Probleme besprechen.

Fazit zur Hallesche Videosprechstunde

Es ist ein Anfang, eine Idee und sicher nur der erste Schritt. „Toll“ ist es noch nicht, aber der Dienst ist in einer Testphase und steht allen Versicherten kostenfrei und ohne Anrechnung auf Selbstbeteiligungen oder Beitragsrückerstattung zur Verfügung.

Von einer echten Arztsprechstunde sind wir sicher noch weit entfernt. Größtes Manko ist meiner Meinung nach die zeitliche Beschränkung. Wer Fragen per Videosprechstunde mit einem Arzt besprechen will, der macht das oft abends, im Ausland oder wenn er gerade Hilfe braucht. Das passt schlecht in 2-Stunden Zeitfenster von Montag bis Freitag.

Hoffen wir, dass die Entwicklung hier schnell weitergeht. Im Vergleich der Mitbewerber (Barmenia, Arag, Ottonowa) ist das hier sicher NOCH kein so großer Wurf, aber… es wird.

13.
Juni '18

Rückkehr zur paritätischen Versorgung in der GKV – mehr Arbeitgeberzuschuss für PKV Versicherte


Bereits im Januar hatte ich dazu geschrieben. Die Bundesregierung plant(e) die Rückkehr zur paritätischen Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und damit die gleichmäßige Verteilung der Beiträge. HIER NACHLESEN wie es bisher ist.

Rückkehr zur paritätischen Versorgung in der GKV – das neue Gesetz

Das GKV-Versichertenentlastungsgesetz – GKV-VEG schafft die Grundlage für die Änderungen und wurde am 06. 06. 2018 vom Kabinett verabschiedet. Darin werden unter anderem die Änderungen für die Parität, neue Bemessungsgrundlagen für Selbstständige und auch eine geänderte Versorgung für Soldaten besprochen. In diesem Beitrag geht es zunächst nur um die Änderungen, welche für Versicherte in der Privaten Krankenversicherung relevant sind und sich damit direkt auf die zukünftigen Eigenanteile auswirken,

Bisher setzt sich der Beitrag in der GKV aus drei Komponenten zusammen. So verlangt die gesetzliche Kasse zunächst einen einkommensabhängigen „Grund-„beitrag, welcher derzeit in 2018 bei 14,6% (inkl. Krankentagegeld) liegt.

Abhängig von der gewählten Krankenkassen kommt hierzu ein kassenindividueller Zusatzbeitrag. Im Jahr 2018 liegt dieser bei 0% bei der (nicht bundesweit geöffneten) Metzinger BKK und bis zu 1,7% bei Krankenkassen wie zum Beispiel der Securvita oder der Viactib BKK. Dieser Zusatzbeitrag ist bisher allein vom Versicherten zu zahlen und wird bei dem Arbeitgeberzuschuss nicht berücksichtig.

Diesen Beitrag teilen sich bisher der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur für die Kranken- und Pflegeversicherung, nicht aber für den Zusatzbeitrag. In der Kranken- und Pflegeversicherung zahlt der versicherte Arbeitnehmer also den größeren Anteil. (Pflege nur, wenn kinderlos).

Das wird sich ab dem Jahr 2019 dann ändern.

Mit der Rückkehr zur paritätischen Versorgung ergibt sich dann eine neue Grundlage. Der Arbeitnehmer kann natürlich auch weiterhin seine gesetzliche Krankenkasse frei wählen. Neu ist aber die Aufteilung des Beitrages und damit die Rückkehr zur bekannten „Halbe, Halbe“ Lösung. Neu sieht dann die Beitragsaufteilung wie folgt aus:

Das Neue daran ist hier, der Beitrag für die Krankenversicherung wird auch hälftig gezahlt, INKL. des Zusatzbeitrages. Damit kommen wir wieder in die Situation, dass der Arbeitgeber ein Interesse an der Auswahl der GKV hat. Dieses hatten wir vor einigen Jahren schon einmal, da gab es schwarze Schafe Arbeitgeber welche den MitarbeiterInnen sehr deutlich gesagt haben, geht zur Krankenkasse XYZ. Davon sollten Sie sich aber nicht beeinflussen lassen.

Vergleichen Sie (hier interaktiv) Ihren Kassenbeitrag und die Leistungen und entscheiden sich dann für die passende, gesetzliche Krankenasse. Klar spart Ihr Arbeitgeber auch Geld, falls die Kasse keinen oder einen geringeren Zusatzbeitrag berechnet. Dennoch entscheiden Sie ganz allein welche Krankenkasse richtig und passend für Sie ist.

Rückkehr zur paritätischen Versorgung – Arbeitgeberzuschuss steigt

In 2018 liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag derzeit bei 1%. Rechnen wir also einmal mit diesem Wert (der sich in 2019 natürlich genauso ändern wird, wie die Jahresarbeitentgeltgrenze, deren Werte Sie hier finden), so ergeben sich folgende Unterschiede.

Für das Jahr 2018 ergibt sich somit folgende bisher Berechnung:

14,6% GKV Beitrragssatz, davon trägt der Arbeitgeber 7,3%

+ ggf. einkommensabhängiger Zusatzbeitrag in der GKV (Infos hier)

7,3% x 4.425€ = 323,03 €= AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2018

bei sonst unveränderten Daten, jedoch einer paritätischen Versorgung ergäbe sich folgender Zuschuss:

Für das Jahr 2019 ergäbe SICH FIKTIV sich somit folgende Berechnung:

15,6% GKV Beitragssatz (14,6+1% Zusatzbeitrag), davon trägt der Arbeitgeber 7,8%

7,8% x 4.425€ = 345,15 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2018 (+ 22,12 € gegenüber 2018)

Erhöht sich zudem noch die Beitragsbemessungsgrenze (wie in den letztren Jahren um 1.350 EUR/ Jahr, also 112,50 € pro Monat, so sähe es folgendermaßen aus.

Für das Jahr 2019 ergäbe SICH FIKTIV sich somit folgende Berechnung:

15,6% GKV Beitragssatz (14,6+1% Zusatzbeitrag), davon trägt der Arbeitgeber 7,8%

7,8% x 4.537,50€ = 353,93 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2018 (+30,90 € gegenüber 2018)

30,90 € mehr monatlicher PKV Zuschuss

… sind maximal möglich, wenn die oben genannten Voraussetzungen eintragen. Dazu müsste

  • – die JAEG wie bisher um 1.350 € p.a. steigen und

  • – der durchschnittliche Zusatzbeitrag der GKV gleich bleiben

Im September werden wir genau wissen, wie die Zahlen für das Jahr 2019 aussehen. Klar ist aber, privat krankenversicherte Kunden bekommen in 2019 einen höheren Arbeitgeberzuschuss, wobei natürlich auch hier die maximale Grenze von 50% des eigenen Beitrages nicht überschritten werden darf.

Den kompletten Gesetzestext (des Entwurfes, welcher aber keiner weiteren Zustimmung des Bundesrates bedarf und das Kabinett bereits passiert hat) finden Sie hier:

GKV-Versichertenentlastungsgesetz – GKV-VEG

12.
April '18

Was passiert bei Arbeitslosigkeit mit meiner privaten Krankenversicherung?


Eine Frage die recht häufig im LiveChat (den Sie auch kostenfrei auf der linken Seite auf dieser Website nutzen können) vorkommt, ist die nach dem Verbleib in der privaten Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit. Dabei ist der Ablauf eigentlich ganz einfach und daher werde ich hier in einem kurzen Beitrag die wichtigsten Fragen zusammenfassen.

Ich werde arbeitslos, was passiert mit meinem PKV Vertrag?

Grundsätzlich gibt es, je nach Dauer der Vorversicherung, mehrere Optionen. Zunächst einmal löst eine Arbeitslosigkeit allein noch keine Änderung des Versicherungsstatus aus. Wohl aber der Bezug des Arbeitslosengeldes I.

Die Regelung findet sich in dem Sozialgesetzbuch. genau lautet diese wie folgt:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 5 Versicherungspflicht
(1) Versicherungspflichtig sind

1. Arbeiter, Angestellte und zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind,
2. Personen in der Zeit, für die sie Arbeitslosengeld nach dem Dritten Buch beziehen oder nur deshalb nicht beziehen, weil der Anspruch wegen einer Sperrzeit (§ 159 des Dritten Buches) oder wegen einer Urlaubsabgeltung (§ 157 Absatz 2 des Dritten Buches) ruht; dies gilt auch, wenn die Entscheidung, die zum Bezug der Leistung geführt hat, rückwirkend aufgehoben oder die Leistung zurückgefordert oder zurückgezahlt worden ist,

Das bedeutet dann also auch, Sie werden versicherungspflichtig in einer gesetzlichen Krankenkasse.

Es sei denn…

(3a) Personen, die nach Vollendung des 55. Lebensjahres versicherungspflichtig werden, sind versicherungsfrei, wenn sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich versichert waren. Weitere Voraussetzung ist, dass diese Personen mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, von der Versicherungspflicht befreit oder nach § 5 Abs. 5 nicht versicherungspflichtig waren. Der Voraussetzung nach Satz 2 stehen die Ehe oder die Lebenspartnerschaft mit einer in Satz 2 genannten Person gleich. Satz 1 gilt nicht für Personen, die nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 versicherungspflichtig sind.

Kann ich auch in der PKV bleiben?

Die Antwort lautet hier „vielleicht“. Vielleicht deshalb, weil zuvor eine andere Frage zu klären ist. Voraussetzung für einen Verbleib in der privaten Krankenversicherung ist demnach eine Befreiung von der Versicherungspflicht. Diese ist- Sie ahnen es schon- ebenfalls im Sozialgesetzbuch geregelt.

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 8 Befreiung von der Versicherungspflicht
(1) Auf Antrag wird von der Versicherungspflicht befreit, wer versicherungspflichtig wird

(…)
1a. durch den Bezug von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld (§ 5 Abs. 1 Nr. 2) und in den letzten fünf Jahren vor dem Leistungsbezug nicht gesetzlich krankenversichert war, wenn er bei einem Krankenversicherungsunternehmen versichert ist und Vertragsleistungen erhält, die der Art und dem Umfang nach den Leistungen dieses Buches entsprechen,

(…)

(2) Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse zu stellen. Die Befreiung wirkt vom Beginn der Versicherungspflicht an, wenn seit diesem Zeitpunkt noch keine Leistungen in Anspruch genommen wurden, sonst vom Beginn des Kalendermonats an, der auf die Antragstellung folgt. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden. Die Befreiung wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist.

Wenn Sie also versicherungspflichtig werden und das nicht möchten, kann ein Verbleib in der PKV möglich sein. Dazu müssen aber fünf Jahre Versicherungszeit in der Privaten Krankenversicherung erfüllt sein. Weiterhin müssen Sie folgendes tun:

  • 1.) Sie müssen sich bei einer Krankenkasse (egal welche, wenn die letzte vor der PKV bekannt, dann diese) befreien lassen

  • 2.) Sie müssen dort den Nachweis erbringen, anderweitig versichert zu sein. Eine solche Bescheinigung erhalten Sie bei Ihrer bisherigen PKV

Wie finde ich die passende Gesetzliche Krankenkasse?

Entscheiden Sie sich aber gegen die Befreiung oder haben gar keine Option der Befreiung, dann benötigen Sie kurzfristig einen entsprechenden Versicherungsschutz in der GKV. Dazu können Sie sich frei zwischen allen geöffneten Krankenkassen entscheiden. Eine Entscheidungshilfe bietet Ihnen der Vergleichsrechner zu den Gesetzlichen Kassen. Dieser kann sowohl rein nach Beitragssatz und Zusatzbeitrag, aber auch nach gewünschten Leistungen filtern.Dazu klicken Sie einfach auf das folgende Bild und kommen dann zum Krankenkassenvergleich.

Bei dieser gesetzlichen Krankenkasse müssen Sie dann:

Muss mich jede gesetzliche Krankenkasse aufnehmen?

Ja, wenn Sie versicherungspflichtig sind, besteht für jede geöffnete Kasse Aufnahmezwang. Lediglich bestimmte Kassen für einige wenige Personengruppen oder Kassen die in Ihrem Bundesland nicht geöffnet sind können Sie nicht wählen.

Wie kündige ich meine private Krankenversicherung?

Die private Krankenversicherung ist normalerweise mit einer Frist von drei Monaten zum Versicherungs-/Kalenderjahresende kündbar. Nicht jedoch hier, wenn Versicherungspflicht eintritt. Die Regelungen zur Beendigung der PKV finden sich dazu in dem Paragraphen 205 des Versicherungsvertragsgesetzes. (mehr …)

22.
Februar '18

„Hr. Doktor, ich habe manchmal Kopfschmerzen.“ – „Hey, kein Thema, machen wir eine Gehirn OP“ – leider ist das Alltag in „meiner Branche“


Es ist vielleicht etwas überspitzt und ich bin mir sicher, ich trete damit einigen meiner „Kollegen“ auf die Füße und vielleicht war das auch gleich mein letzter Tag in der internen Facebookgruppe. Aber 1.) will ich niemanden bloßstellen (daher gibt es auch keine Namen oder Profilbilder der Kollegen) und 2.) finde ich es immer noch erschreckend wie zu lebenslangen und bedeutenden Produkten beraten wird. Oder besser, gewürfelt, denn mit Beratung hat das leider nichts, aber auch absolut gar nichts zu tun.

Doch der Reihe nach. Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen mit Kopfschmerzen auf. Nix schlimmes, nur ein bisschen „Aua“. Das haben Sie aber nun zwei, drei Tage. Jetzt wird es dann doch mal Zeit für einen Spezialisten, einen Berater der Ihnen hier helfen kann. Sie machen sich also auf den Weg zu Ihrem Arzt. Nachdem er Sie begrüßt und ins Sprechzimmer gebeten hat, erzählen Sie von Ihren Kopfschmerzen. Ohne weitere Tipps und ohne eine Untersuchung kommt der Rat:

Lieber Herr XYZ, die Lösung gegen Ihre Kopfschmerzen ist eine Gehirn-OP. Ich mache Ihnen da gleich mal einen Termin, morgen um 8 können Sie in den OP.

Was würden Sie wohl tun? Nächsten Morgen zu Ihrer Gehirn-OP aufbrechen, oder dem Arzt „einen Vogel zeigen“ und sich einen neuen suchen?

Jetzt denken wir uns einmal in ein anderes Thema. Sie haben nicht Kopfschmerzen, aber Bauchschmerzen. Die kommen daher, dass Sie sich seit Tagen oder Wochen mit dem Thema Private oder Gesetzliche Krankenkasse beschäftigen. Sie könnten beides, wissen aber nicht so recht wie und wohin. Aber das macht ja nix, denn schließlich gibt es Versicherungsmakler und Berater, dazu noch die Vertreter der einzelnen Gesellschaften. Einen solchen kennen Sie ja schon, er betreut Sie auch in anderen Fragen wie Hausrat, Haftpflicht, Autoversicherung und hilft/ half Ihnen schon bei Geldanlage und anderen Fragen, die „irgendwas mit Versicherungen zu tun hatten.“

Gesagt, getan – den rufe ich an

Das machen Sie dann auch. Anrufen und fragen, ob Sie nicht einmal einen Beratungstermin bekommen können, einen in dem das Thema PKV besprochen werden kann. Klar wird Ihnen der Termin angeboten, Sie freuen sich und machen sich dann in den kommenden Tagen wie vereinbart auf den Weg. Bekommen dort dann Ihren Tarif erklärt/ empfohlen und entscheiden sich dann für einen Abschluss.

Sie fühlen sich gut aufgehoben, denn es gab einen Tarif, einen der Ihnen all die Arbeit abgenommen hat sich Gedanken zu machen, Recherche zu betreiben, Versicherungsbedingungen zu lesen. Ach ja, den Antrag hat man Ihnen auch noch ausgefüllt. Was ein Service, so super und Sie sind einfach rund herum zufrieden… bis… naja…

Was im Hintergrund passierte

Gleich nach dem Anruf und dem Termin, in welchem schon ein paar Daten von Ihnen abgefragt wurden, machte sich Ihre Berater an die Recherche. Bekannt waren einige Daten, alles andere was er wissen musste hat er erfragt. Grundlage der Empfehlung waren also folgende Eckdaten:

  • – Sie sind 29 Jahre alt
  • – Sie möchten keine Kinder
  • – Sie sind gesund
  • – 63.000 € überweist Ihnen Ihr Arbeitgeber jedes Jahr
  • – Ihre PKV darf durchaus etwas kosten. Bis zum GKV Höchstbeitrag is kein Problem, sagten Sie
  • – eher Schulmedizin ist wichtig

Zuerst einmal hat der Kollege festgestellt, er ist nicht mehr „ganz so intensiv in KV unterwegs“. Gut, das ist schon einmal eine gute Einsicht, denn bei einem Produkt welches über die gesundheitliche/ finanzielle Zukunft des Kunden und der nächsten dreißig, vierzig oder wohl fünfzig Jahre entscheidet. Warum dann- statt den Kunden an einen Kollegen zu schicken der es kann und versteht- doch selbst versucht wird zu beraten, darüber werde ich hier sicher nicht spekulieren. Aber, lesen Sie doch mal hier:

Die Versicherungsvertreter, die tausende Euro Provision kassieren…

Also doch keinen Kollegen, doch nicht zu einem Spezialisten, schließlich verdient man dann selbst nichts oder viel weniger, wenn der Kollege dann vielleicht eine kleine Vergütung abgibt für den „Tipp“. Also macht man sich selbst auf die Suche. Schließlich gibt es Pools und Partner. Da muss man nur sagen was man möchte und bekommt dann Tarife, Empfehlungen, Vergleiche und unterlagen. Postwendend und kostenlos.

Das hat auch hier der Berater getan. Er hat bei so einem Servicedienstleister einen Vergleich angefordert. Eben mit den Daten die er da oben schon erfahren hatte, und sicher einigen weiteren Angaben, denn so ein Anfrageformular sieht so aus. (ich habe auch den Namen des Pools und der Serviceplattform ausgeblendet, wie gesagt, es geht mir nur um die Beratung und den Ansatz, keinesfalls um eine Bloßstellung eines Beraters)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit diesen Angaben- mehr gibt das einseitige Formular nicht her- kommt es dann zu einer Tarifempfehlung oder zumindest zu einem Vergleich von mehreren Tarifen. Irgendwas mache ich wohl falsch, wenn ich vor einem ersten Gespräch einen Fragebogen mit vier Seiten ausfüllen lasse und dazu ein 45-minütiges Erklärvideo verschicke, was jede Frage nochmal erläutert und detailliert bespricht. Das alles vor einem ersten Gespräch in welchem dann mind. eine Stunde lang Wünsche, Ziele und Pläne besprochen werden müssen.

Das allein reicht nicht, mal schauen was die Kollegen so meinen

Doch was dann kommt, das war der Auslöser für diesen Beitrag. Der Kollege sucht sich Hilfe. Hilfe in einer Gruppe von Maklern, in der man unter Kollegen Fragen diskutiert, Probleme zu Tarifen bespricht und sich austauscht. Also etwas wie ein Stammtisch, ok, fast. Zuerst kommt die Frage, dann geht es aber los.

 

Ach, nimm mal die Gesellschaft XYZ, oder mir gefällt Tarif ABC gut. Auch DEF sind ganz nett. Der erste hilfreiche Kommentar auf der erste Seite ist der letzte. Warum? Weil hier der Hinweis auf  „erst Gesundheit und Risiko“, sonst gibt es eh kein Angebot kommt. Aber auch hier sind Tarife in den Raum geworfen, solche die dem Kollegen nicht helfen und ihn eher auf den falschen Weg bringen. Warum? Weil er keine Ahnung von KV hat und damit auch nicht beraten sollte.

Ich habe auch keine Ahnung von

  • – Sachversicherungen
  • – Geldanlagen
  • – Baufinanzierungen
  • – betrieblicher Altersvorsorge
  • – gewerblichen Versicherungen

berate diese aber auch nicht und würde auch nie auf die Idee kommen nach einem Tipp für einen Kunden zu fragen, um es dann selbst machen zu können. Ich gebe- wie viele meiner anderen Kollegen auch- Geschäft ab. Ab an Spezialisten, ab an solche Kollegen deren Kerngeschäft es ist.

Auf der zweiten Seite, das rechte Bild, da wird es dann noch besser. Der erste wirft einen Tarif in den Raum, der sein „persönlicher Favorit ist“, weil der Tarif „unschlagbar von den Bedingungen“ ist und noch 6 Monate Beitragsrückerstattung bietet. Nun, wie unschlagbar der Tarif denn ist, steht auf einem anderen Blatt. (hier zum Continentale Business Tarif lesen)

Nun kommen noch ein paar Empfehlungen, der eine wundert sich über die Tarifempfehlung des anderen und dann geht es weiter:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt, auf Seite 3 unten oder hier im Screenshot auf dem 4. Bild ganz oben kommt der erste und leider auch einzige der es anscheinend verstanden hat und verstehen möchte. Björn… schrieb, er möchte sich nicht unbeliebt machen. Kleiner Tipp: Das hab ich schon, ist also nicht so schlimm. 🙂

Da kommt der Hinweis: „Ich habe mir Frau XYZ als Kooperationspartner gesucht“ und gleich noch der Hinweis:

„KV Voll ist nicht mal eben so runter beraten“

Ja lieber Kollege, SIE HABEN ES VERSTANDEN!

Es ist eben nicht mit Software, einem einseitigen Fragebogen und daraus resultierenden Angeboten getan. ES GEHT EINFACH NICHT. Wenn vorn die Angaben unvollständig, falsch, nicht ausreichend oder schlampig erfasst sind, dann kann am Ende auch keine sinnvolle Empfehlung herauskommen, selbst dann nicht, wenn der Tarif selbst gut sein kann.

Viele der hier genannten Tarife könnten vielleicht passen, ebenso können genau diese Tarife bei diesem Kunden GRUNDFALSCH sein und damit die schlechteste Entscheidung seines Lebens sein und werden. Im schlimmsten Fall kann er nie mehr wechseln, hängt in einer Gesellschaft oder in einem Tarif fest und das alles, weil er sich auf einen vermeintlichen Berater und dessen Rat verlassen hat.

Blöd wenn der Rat auf Empfehlung einer kurzen Frage in einer Facebookgruppe kam und so gar nicht hilfreich war.

Auch aus einer anderen Sicht ist es fatal. Der Kollege haftet (mit seiner Vermögenschadenversicherung gemeinsam) für einen Beratungsfehler. Wie das am Ende ausgeht wenn es hier Tatsächlich zu einem Anschluss kommt, das möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Dann können Sie auch ins Casino und Roulett spielen, ist auch mit rot oder grün eine 50:50 Chance ob es gut geht. OK, hier ist die Trefferquote noch deutlich geringer.

Fragen Sie nach Qualifikation und Spezialisierung

Mit einer Krebserkrankung rennen Sie doch auch nicht zum Hautarzt (ja, ich habe mich nicht verschrieben und meine nicht HAUSarzt). Sie suchen sich einen Spezialisten. Auch wenn beide in der gleichen Branche unterwegs sind, hat doch der eine keine Ahnung von dem Fachgebiet des anderen.

Wir müssen endlich weg von dem Bauchladen. Weg von dem „ich kann alles selbst“ und der Einstellung, jeden Euro noch schnell mitnehmen zu wollen. Beratungen wie diese gehören, genau wie andere Spezialthemen wie Baufinanzierung, betriebliche Altersvorsorge, gewerbliche Versicherungen, Anlagen und vieles mehr in die Hände von Spezialisten. Oder der Generalist muss und soll sich Hilfe holen. Diese findet aber NICHT in einem Facebook-Forum oder mit einem einseitigen Fragebogen statt.

Was wäre die Alternative? Richtig, das was der Kollege am Ende empfiehlt. Sich Kontakte suchen, Kontakte zu Spezialisten und den Kunden dorthin abgeben. Warum er das nicht selbst kann? Also Fragen und sich dann im Hintergrund helfen lassen? Weil Nicht-Spezialisten anders fragen, weil FRAGEN die wichtig sind nicht gestellt werden und damit auch die Antworten fehlen. Wenn ich nicht nach Wünschen wie Ausland, beruflichen Veränderungen, AG Wechsel und mehr frage, auch weil ich vielleicht den Hintergrund nicht kenne, dann kann es auch keine sinnvolle Tarifempfehlung geben.

Ein Grund, warum ich Kunden von Kollegen nicht berate. Nur dann, wenn diese wie meine eigenen Kunden komplett hier beraten und betreut werden. Sonst ist eine sinnvolle, bedarfsgerechte und richtige Beratung nicht möglich. Und das mache ich nicht, weil ich Angst vor Haftung habe, sondern weil ich es für

unverantwortlich halte, den Interessenten in ein offenes Messer laufen zu lassen

und damit diesem gar keine Chance auf eine umfangreiche und richtige Beratung zu geben. Was ist denn, wenn sich in der Beratung bei richtigen Fragen herausstellt, es ist gar kein Kandidat für die PKV? Empfehle ich nur Tarife und gebe diese an Kollegen weiter, wer sagt mir, dass es auch genau so ankommt? Das Spiel „Stille Post“ haben Sie als Kind auch gespielt, oder? Dann wissen Sie auch was ich meine.

Wenn Sie also interessiert sind an einem Glücksspiel, fahren Sie ins Casino. Las Vegas soll ja dazu ganz schön sein. Falls es aber um eine Beratung für ein lebenslanges Produkt geht, suchen Sie sich einen Spezialisten und fragen Sie den auch ruhig, ob das Beratungsthema sein Spezialgebiet ist und wie oft er es beträt. Für Glücksspiel ist die PKV definitiv mit einem zu hohen Verlustrisiko verbunden.

Weitere Informationen zum Thema PKV und BU finden Sie hier:

und sonst wandern Sie hier einfach etwas durch den Blog. Viel Spaß beim Lesen !

Ach ja, Freunde und Kollegen sind auch eher so suboptimal.

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind

08.
Dezember '17

Rabatte und Steuerersparnis durch Vorauszahlungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) – das müssen Sie wissen


Ich hätte diesen Artikel auch mit einer Schlagzeile beginnen können. „40% Rabatt in der Privaten Krankenversicherung“ oder so ähnlich. Denn Vorteile in solchen Größenordnungen lassen sich durch eine gezielte Planung und eine geschickte Vorauszahlung der Beiträge in der privaten Krankenversicherung sparen. Voraussetzungen dazu und weitere Informationen wie Sie auch für Ihren Vertrag an einen solchen Vorteil kommen, diese habe ich Ihnen hier einmal zusammengestellt. Eigentlich war es eine Information für die von mir betreuten Kunden, aber gern stelle ich diese nun auch als Blogbeitrag hier ein. Neben der steuerfreien Erstattung Ihrer Selbstbeteiligung haben Sie nun noch eine Möglichkeit der Optimierung.

Wer bekommt einen Nachlass?

In der Privaten Krankenversicherung teilt sich der Beitrag zumindest bei einigen in einen Arbeitgeber- und einen Arbeitnehmeranteil auf. Wobei das nur umgangssprachlich richtig ist, denn zunächst zahlt der Arbeitnehmer seinen Beitrag in der PKV und bekommt dann einen Zuschuss. Die Regelungen hierzu finden sich im § 257 des Sozialgesetzbuches V. Die Zahlen und Fakten für den Arbeitgeberzuschuss 2018 habe ich Ihnen bereits in dem Beitrag zu den Sozialversicherungswerten 2018 bekanntgegeben.

Nun leben wir heute in einer Niedrigzinsphase. Das hat auch zur Folge, dass Sie große Zinsen für eine Geldanlage nicht bekommen und die Zinsen für Tagesgeld oder sicherer Anlagen im Keller sind. Heute kann mancher Bankkunde froh sein, keine Strafzinsen an seine Bank zahlen zu müssen, dafür dass diese auf sein Geld aufpasst.

In der privaten Krankenversicherung gewähren die Versicherer aber teilweise einen Nachlass auf die Beitragszahlung und den immer dann, wenn ich meinen Beitrag nicht in monatlichen Raten „abstottere“, sondern diese als einen Jahresbeitrag im Voraus überweise. Klar gibt es auch Unternehmen, wie zum Beispiel die Landeskrankenhilfe, die sagen „Ätsch, Pech gehabt, Rabatt ist nicht.“. Viele andere Unternehmen sind aber derzeit noch recht großzügig und gewähren hier einen Nachlass zwischen 3 und 4 % auf den Jahresbeitrag.

Betrachten wir die private Krankenversicherung eines Arbeitnehmers, so zahlt dieser schnell 700 € * 12 Monate, also 8.400 € Beitrag in seiner Privaten Krankenversicherung, bekommt hierbei vom Arbeitgeber 323 € erstattet, also auch hier 3.876 € pro Jahr. Blieben in unserem Rechenbeispiel 4.524 € jährlich übrig.

Zahlt unser Kunde nun den Beitrag einmal im Jahr im Voraus, so gewährt der Versicherer hier 4% Nachlass, er muss also nur 8.064 € überweisen, glatte 336 € weniger immerhin. Klar, 4% sind keine Reichtümer, schauen wir aber mal die gesamte Belastung an.

bisher: 8.400 € Gesamt, Arbeitnehmer 4.524 € 

zukünftig: 8.064 € Gesamtbeitrag, 4.188 €, gespart also 336 €

Bezogen auf seinen AN Anteil sind es dann schon nicht mehr „nur“ 4%, sondern in unserem Beispiel schnell mal 7,42%, in manchen Fällen sogar acht Prozent, wenn der KV Beitrag niedriger ist und der AG sich noch mit 50% beteiligt.

Gibt es steuerliche Auswirkungen des Nachlasses?

Eines sei, auch der Fairness und Vollständigkeit halber noch erwähnt. Der weniger gezahlte Beitrag ist natürlich auch steuerlich nicht mehr als Aufwand gelten zu machen. Das sollte zumindest klar sein, denn so sinkt der Aufwand zur Krankenversicherung hier um diese 336 €, denn es geht am Ende immer um den Betrag, der auch gezahlt wurde. Doch steuerlich kommen wir hier noch zu einer ganz anderen und deutlich interessanteren Konstellation.

Woher resultiert die Steuerersparnis?

Bereits seit 2010 sind die Beträge für die Basiskranken- und Pflegeversicherung in unbegrenzter Höhe als Vorsorgeaufwendungen abziehbar. Das ist nicht neu und haben Sie auch hier im Blog einige Mal gelesen und viele meiner Kunden nutzen diese Möglichkeit seither. Interessant ist aber zudem eine Formulierung in dem § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG), welcher regelt, dass Beiträge für künftige Jahre im Zahlungsjahr abziehbar sind, soweit sie das 2,5-fache der für das Zahlungsjahr gezahlten Beiträge nicht übersteigen.

Wer also seinen Beitrag für das Folgejahr oder eben maximal 2,5 Jahre im Voraus zahlen möchte, der bekommt diese Beträge in Höhe der Basisabsicherung noch in diesem Jahr steuerlich als Aufwand in seine Steuererklärung. Das kann sich, je nach Einkommenssituation schon massiv auswirken und zu einer geringeren Steuerbelastung führen.

Nun wird Macheiner anmerken: „Was soll das denn, dann habe ich in dem/den nächsten Jahr(en) ja nix mehr zum Absetzen und zahle dann mehr Steuern.“ Das mag auf den ersten Blick so erscheinen, auf den zweiten Blick aber nicht mehr ganz. Denn: Beiträge für andere Versicherungen unterliegen in der steuerlichen Anrechnung den Höchstbeiträgen.

Bei Personen die steuerlich einen AG Zuschuss bekommen, stehen hier 1.900 € pro Jahr für „sonstige Versicherungen“ zur Verfügung, wer selbstständig oder freiberuflich tätig ist, hat hier gar 2.800 € jedes Jahr neu zur Verfügung. In der Praxis sind diese Höchstbeträge aber nun nicht mehr absetzbar, denn die Krankenversicherung verbraucht normalerweise schon die Höchstbeiträge auf, denn 1.900 € sind schnell erreicht, auch 2.800 € sind hier kein so großes Problem, berücksichtigen wir hier einmal die Tatsache, es sind nur 233 € monatlich.

Wer also seine Krankenversicherung jeden Monat und das Jahr für Jahr überweisen möchte, der kann das tun, sollte sich aber damit abfinden, dass für andere Versicherungen keine steuerliche Berücksichtigung mehr vorhanden ist. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung als private Vorsorge und eine der wichtigsten Absicherungen (mehr auch hier zum Thema Berufsunfähigkeit) geht also steuerlich leer aus.

Ist aber nun die Krankenversicherung schon im (Vorjahr) bezahlt, so kann zum Beispiel eine Absicherung der eigenen Arbeitskraft gegen Berufsunfähigkeit noch angerechnet werden. Hier stehen also dann noch 1.900 € bei Arbeitnehmern oder gar 2.800 € bei allen anderen zur Verfügung. Die folgende Tabelle soll etwas mehr Licht in den Zahlendschungel bringen.

Durch die Vorauszahlung in der mittleren Spalte, also bei einer Vorauszahlungsdauer von 2,5 Jahren, beträgt der Beitrag im Jahr 2018 und 2019 NULL, im Jahr 2020 hingegen wieder 2.400 €. Diese kommen zustande, weil im Jahr 2020 nur noch 1/2 Jahr vorausgezahlt worden ist und damit 6 Monate der Basisabsicherung (also 6* 400 €) wieder steuerlich angerechnet werden. Bei einem Angestellten ergibt sich somit hier kein weiterer Vorteil.

Wäre es aber ein Freiberufler (bitte dann oben in die Tabelle bei AG Zuschuss „0“ statt „1“ eingeben, so ändert sich der max. Betrag auf 2.800 €, also blieben auch hier in 2020 noch 400 € anrechenbar für die Berufsunfähigkeitsversicherung. (berechnet mit 2.800 € max. Betrag abzüglich 6*400 € Basis-KV = 400 €). Der Betrag ist dann höher, weil der- oder diejenige welche den AG Zuschuss nicht bekommt, auch mehr Geld allein anwenden muss.

In unserem Beispiel ist es aber ein Arbeitnehmer (keine Sorge, Sie können es gleich selbst für sich ausprobieren). Die Ersparnis beträgt in unserem Beispiel also:

bei 2,5 Jahren Vorauszahlung:

1.330 € Lohnsteuer, 73,15 € Soli und 840 € Nachlass in der PKV, also 2.243,15 €

bezogen auf den reinen eigenen PKV Anteil sind das 21,42% Nachlass

Selbst bei der Vorauszahlung für nur ein Jahr bleiben hier immer noch 1.037 € Ersparnis übrig, auch hier knapp 22% gespart. (ACHTUNG: Immer siehe „Nachteile“ unten im Beitrag.)

Gilt die Vorauszahlung auch für die Beiträge der Kinder?

Auch die Kinder können hier berücksichtigt werden. In dem entsprechenden Paragraphen des Einkommensteuergesetzes heißt es zudem unter dem Satz 2:

2 Als eigene Beiträge des Steuerpflichtigen werden auch die vom Steuerpflichtigen im Rahmen der Unterhaltsverpflichtung getragenen eigenen Beiträge im Sinne des Buchstaben a oder des Buchstaben b eines Kindes behandelt, für das ein Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Absatz 6 oder auf Kindergeld besteht.

Somit können auch die Beträge der Kinder hier steuerlich berücksichtigt werden, auch hier gibt es natürlich den oben erwähnten Nachlass der PKV, wenn eine entsprechende Vorauszahlung geleistet wird.

Was passiert bei einer (späteren) Beitragsanpassung?

Durch eine Beitragsanpassung in der privaten Krankenversicherung in einem der kommenden Jahre kann es passieren, dass der bereits bezahlte Betrag nicht ganz ausreicht um die Vorauszahlung für genau 2,5 Jahre zu gewährleisten. Dann wird Ihnen der Versicherer eine Nachtragsrechnung schicken und damit auch den Nachlass entsprechend korrigieren. Mehr Beitrag + gleicher prozentualer Nachlass = mehr Euro beim Nachlass. Klar, oder?

Was, wenn ich meinen Versicherungsschutz kündige/ kündigen muss?

Nun könnte es ja passieren, dass Sie in den kommenden Jahren arbeitslos werden, eine neue Tätigkeit unter der Grenze haben, den Versicherer wechseln möchten oder sonst etwas für eine Kündigung der PKV spricht. Dann ist das Geld natürlich nicht verloren. Der Versicherer berechnet den Anspruch neu, zeiht den Beitrag für die verbrauchten Monate ab und erstattet Ihr rechtliches Guthaben einfach wieder zurück. Nur weil ich etwas vorauszahle steht dem Versicherer nicht ein Cent mehr zu, warum auch.

Es geht hier final auch nur um eine Vorfinanzierung von später fälligen Beiträgen, nicht mehr.

Brauche ich andere Versicherungen um die Steuer zu sparen?

Ja. Denn haben Sie außer der Krankenversicherung gar keinen anderen Schutz, also keine Haftpflicht, nichts für das Auto, keine Lebensversicherungen, keinen Schutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, dann ist auch nichts mehr da, was in den nun „leeren“ Folgejahren die Beiträge auffüllen kann und damit den steuerlichen Vorteil generieren. Es geht um eine erhöhte Anrechenbarkeit von Vorsorgeaufwendungen. Sind diese aber nicht da, weil kein Vertrag existiert, dann ist auch nichts mehr da was die Steuer in dem Jahr 2018/19/20 mindern kann und die Steuerersparnis fällt weg.

Haben Sie aber beispielsweise einen Schutz bei Berufsunfähigkeit, dann schauen Sie sich hier die Beiträge an. Oft erreichen diese bei Angestellten mit angemessenen BU Renten auch die Prämienhöhe der 1.900 € pro Jahr, oder es existieren andere Versicherungsverträge parallel.

Wie kann ich die Auswirkungen bei meinem Vertrag berechnen?

Sie haben bis hierhin durchgehalten? Herzlichen Glückwunsch. Als kleine Belohnung stelle ich Ihnen nun die Tabelle, welche Sie oben schon als Screenshot gesehen haben, zur Verfügung. Hier finden Sie einige wenige Felder welche Sie ausfüllen müssen. Folgende Informationen besorgen Sie sich bitte schon einmal:

  • – Beitrag zur Krankenversicherung
  • – Beitrag zur Basisabsicherung (finden Sie auf der Bescheinigung des Versicherers)
  • – Ihren persönlichen Nachlass bei Ihrer PKV (einfach nachfragen)
  • – Ihren Steuersatz
  • – Arbeitnehmer oder Selbstständiger?

Diese fünf Daten tragen Sie dann in die Tabelle ein und am Ende lesen Sie unten den Betrag ab, welcher Ihre persönliche Ersparnis ist. Dabei werden der Nachlass der PKV, die Lohnsteuer und die daraus resultierende Ersparnis bei dem Solidaritätszuschlag separat ausgewiesen.

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Wo liegen die Nachteile?

Wie alles gibt es auch hier nicht nur Vorteile. Wer die Steuerersparnis und den Nachlass der PKV möchte, der braucht Kapital. Das Zauberwort bei den Nachteilen heisst also hier LIQUIDITÄT. Sie geben einen Teil Ihres Vermögens her und bezahlen den im Voraus an die PKV.

Wer also 20 oder mehr Prozent mit einer anderen Kapitalanlage erzielt, für den ist das nichts und der sollte das Geld lieber da verwenden. Wer aber das Kapital hat und dieses sinnvoll einsetzen möchte, der kann mit der Vorauszahlung (der gesamten PKV, Sie zahlen auch den AG Anteil mit) einiges an Geld sparen.

Wie kann ich meine Vorteile nun nutzen?

Zunächst einmal können Sie überschlägig selbst ermitteln, welche Liquidität hierzu erforderlich ist. Ist diese vorhanden und können Sie diese auch kurzfristig an den Versicherer überweisen, so gehen Sie am besten wie folgt vor.

Sprechen Sie Ihren Versicherer oder Berater auf die Vorauszahlung an und teilen Sie ihm mit, welche Jahre Sie vorauszahlen möchten.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei meinem Vertrag zur privaten Krankenversicherung mit der Versicherungsnummer: ________ die Vorauszahlung nutzen. Bitte teilen Sie mir mit, in welchem Umfang dieses bei Ihnen möglich ist und beantworten die folgenden Fragen:

  • 1.) Wie hoch ist der Nachlass bei jährlicher Zahlweise?
  • 2.) Für welchen Zeitraum ist eine Vorauszahlung der Beiträge zur PKV und Pflege maximal in meinem Vertrag möglich?
  • 3.) Bitte nennen Sie mir die Vorauszahlungsbeträge für die  a.) Vorauszahlung für ein Jahr und  b.) maximal mögliche Vorauszahlung.
  • 4.) Bis zu welchem Termin muss der Betrag bei Ihnen eingehen?
  • 5.) Bitte nennen Sie mir eine Bankverbindung oder teilen Sie mir mit, wie ich eine geänderte Lastschrift bei Ihnen beauftragen kann.

Für Ihre Mühe vielen Dank!

Die Antwort können Sie mir, aufgrund der knappen Frist bis zum Jahresende, auch gern per E-Mail an: _______ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

XXX“

Nachdem Sie die Antworten und Beträge erhalten haben, weisen Sie den Betrag entsprechend an und lehnen sich zurück. Viel Erfolg!

(PS: Wer solche Vorauszahlung schon nutzt, posten Sie gern die gewährten Rabatte und maximalen Vorauszahlungen hier unter dem Beitrag als Kommentar, so sammeln wir diese mal branchenweit)

Diese Modellrechnung soll die steuerlichen Auswirkungen und die finanziellen Ersparnisse bei einer Vorauszahhlung der Beiträge zur privaten Krankenversicherung verdeutlichen, ersetzt aber in keinem Fall eine Steuerberatung. Hierzu konsultieren Sie bitte dazu befuge Personen wie Steuerberater, Rechtsanwälte oder Lohnsteuerhilfevereine. Auch bei geänderten Voraussetzungen (verheiratete Versicherungsnehmer und Ehepartner in der GKV) ergeben sich ggf. weitere Besonderheiten, die zu beachten sind!)