02.
März '21

PKV Tarifoptimierung Finanzcheck – Mehmet Göker nach MEG wieder da


Zuerst eines vorab. Menschen machen Fehler, Menschen verdienen eine zweite Change, solange es fair und rechtlich sauber ist. Wer den Namen Göker schon mal gehört hat, dem fällt sofort das Thema PKV – private Krankenversicherung ein. Einer der größten Finanzvertriebe, welche mit fragwürdigen Methoden die Private Krankenversicherung verkauft hat, hat nun ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Die „PKV Tarifoptimierung Finanzcheck Rhein Main“, also einen Tarifwechsel nach § 204 VVG.

PKV Tarifoptimierung – wer ist die Zielgruppe?

Generell sind all die Personen Zielgruppe, welche bisher schon in der privaten Krankenversicherung versichert sind. Auch in der Privaten Krankenversicherung finden Beitragsanpassungen statt, was auch völlig normal und nachvollziehbar ist. Mehr dazu habe ich im letzten Jahr ausführlich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben.

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – wieso, weshalb, warum?

Beitragsanpassungen in der PKV – was Sie tun können (und sollten)

Was nun die Damen und Herren der Finanzcheck Rhein Main GmbH machen, ist recht einfach erklärt und generell erst einmal auch durchaus legitim. Diese wollen einen so genannten Tarifwechsel nach §204 VVG prüfen und damit eine Reduzierung der Prämie bei der privaten Krankenversicherung erreichen. Die Grundlage dazu bietet der Gesetzgeber schon direkt im Versicherungsvertragsgesetz und zwingt die Versicherer auch hier zu handeln.

Aber: Einen solchen Tarifwechsel für den Endkunden allein zu überblicken und vor allem die Tarife für den Wechsel zu vergleichen ist nicht ganz einfach. Um nicht auf vermeintlich großartige „Optimierungen“ mit Verlust von Leistungen oder hohen Selbstbeteiligungen hereinzufallen, benötigen viele einfach den Rat von Experten.

Auch dagegen ist nichts einzuwenden und gerade der Tarifwechsel wird durchaus von einigen sehr seriösen Anbietern am Markt angeboten und begleitet. Diese erstellen Vorschläge, erklären und beraten und nach einem erfolgreichen Wechsel zahlen Sie dem Berater ein Honorar. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, schließlich muss die Dienstleistung auch bezahlt werden.

PKV Tarifoptimierung – dürfen die mich anrufen?

Am Telefon wird oft und schnell erklärt, Sie haben sich eingetragen und werden deshalb angerufen. Wo genau weiß man oft nicht mehr und Angerufene fühlen sich überrumpelt und unter Druck gesetzt. Schließlich ist jeder froh, wenn am Ende die Beiträge zur Privaten Krankenversicherung sinken, wer will das nicht. Das ist auch genau die Masche, mit der am Telefon beraten wird. In wenigen Minuten (so das Training von Mehmet Göker) soll am Telefon verkauft werden. Wobei, verkaufen tun die Berater ja nichts, sagen Sie.

„Wir verkaufen nichts, wir reparieren“

Eine teure Private Krankenversicherung soll von der Finanzcheck Rhein Main GmbH optimiert, oder repariert werden. Diese bieten Kunden am Telefon eine PKV Tarifoptimierung Finanzcheck an. In dem unten verlinkten Film wird auch nochmals das Konzept besprochen, das neue „Göker Konzept“. Nachdem also vor Jahren, fast Jahrzehnten Kunden in die Private Krankenversicherung gelockt wurde, welche da nichts zu suchen haben, will man diesen nun helfen.

Am Telefon ist also keineswegs der, der den Tarif optimieren will, sondern der Verkäufer der Dienstleistung. Dieser muss Ihnen sein Honorar verkaufen und dazu hat er richtig etwas gelernt, im Verkaufstraining bei Hr. Göker. (Quelle: Video siehe Link unten)

drei Std. Coaching
6 Wochen Einarbeitung / 1 Std. netto am Tag
3.500 € Gebühr für das Konzept
10 € pro Datensatz/ Lead (also Name, Tel. Nr. und ggf. Daten zur PKV)

Natürlich verkauft man Ihnen also etwas. Man überredet Sie zu einer Honorarvereinbarung, einem Vertrag zu einem Tarifwechsel Ihrer Privaten Krankenversicherung.

Ob Sie sich tatsächlich irgendwo eingetragen haben oder die Adresse aus alten Beständen der MEG oder anderen Listen stammt, das kann ich Ihnen nicht beantworten. Nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) steht es Ihnen ja frei, eine entsprechende Auskunft an die Firma zu senden und um Auskunft zur Herkunft Ihrer Daten und dem Umfang der Speicherung zu bitten. Auch eine Löschung oder Sperrung kann verlangt werden.

Registriert ist der Berater oder die Firma, in dessen Impressum Mehmet Göker selbst nicht auftaucht, als Versicherungsmakler. Im zentralen Vermittlerregister ist das nachzulesen. PKV Tarifoptimierung Finanzcheck

Für diese Optimierung, werden einige tausend Euro in Rechnung gestellt. Was diese aber wirklich kostet und wie Sie seriöse Anbieter finden, dazu mehr weiter unten im Beitrag.

PKV Tarifoptimierung – das Video

In einer aufwändigen Recherche hat das Team von „Strg-F“ hier zu dem Modell, dem Vertrieb und den Methoden recherchiert und dazu heute ein Video veröffentlicht. Wenn Sie also Zeit und Lust haben… sehr spannend.

Nachdem Sie nun wissen, wie es nicht geht, schauen wir uns dennoch die Frage an, woran Sie einen seriösen Anbieter für die Tarifwechselberatung in der Privaten Krankenversicherung erkennen. Mit einer kleinen Checkliste lässt sich gut erkennen, ob der Anbieter zumindest in die weiteren Überlegungen mit einbezogen werden sollte.

PKV Tarifoptimierung – Fragen rund um den Tarifwechsel?

Tarifwechsel wird von verschiedenen Berufsgruppen beraten. Dazu gehören Versicherungsmakler, Versicherungsberater, Rechtsanwälte und einige Verbraucherschutzverbände. Jeder der Gruppen hat Ihre Berechtigung und mal passt der eine, mal der andere besser.

Alle gemein haben eines. Ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft ist kein Thema, es geht ausschließlich um einen Wechseln INNERHALB der bisherigen Gesellschaft, denn dort sind Sie bereits versichert. Wenn der Berater Ihnen „tausende und abertausende Euro Ersparnis“ verspricht, sollten Sie schon das erste Mal vorsichtig sein. Richtig ist, dass mir einem Tarifwechsel der Beitrag deutlich sinken kann. Das ist aber auch von vielen Faktoren abhängig. Dazu gehören Fragen wie:

  • – wie lange sind Sie bereits bei der Gesellschaft versichert?
  • – sind Sie zufrieden mit dem Leistungsumfang?
  • – haben Sie Ihren Tarif schon einmal gewechselt?

Wichtig bei der Tarifoptimierung und ein immer wieder gern genommenes Argument: „Das geht auch, wenn Sie schon krank sind, wir brauchen keine Gesundheitsprüfung“. Das stimmt so auch, denn ein Tarifwechsel benötigt erstmal keine neue Risikoprüfung. Enthält der Tarif, in den Sie wechseln möchten, jedoch Mehrleistungen gegenüber dem Schutz bisher, so kann eine solche Prüfung und auch ein Zuschlag für eben diese Mehrleistungen in Frage kommen und sinnvoll sein.

Als Alternative kommt aber auch ein so genannter Mehrleistungsverzicht in Frage. Das bedeutet nichts anderes, als das Sie in den Tarif wechseln und die besseren Leistungen nicht für Sie gelten, wohl aber die geringere Prämie. Solche Vereinbarungen sind legitim, sollten aber sehr sorgfältig betrachtet werden, sonst kann ein Tarifwechsel auch schnell wieder nach hinten losgehen.

Auch ist es wichtig Gleiches mit Gleichem zu vergleichen und Tarife sind nun einmal nicht 100% identisch. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung und damit eine Reduzierung der Prämie ist allein für sich genommen nicht unbedingt ein sinnvoller Wechsel. Ganz sicher ist es keiner, den Sie mit tausenden Euro Honorar bezahlen sollten.

PKV Tarifoptimierung – was kostet eine solche Beratung?

Die Beratung zum Tarifwechsel ist arbeitsreich. Braucht es doch einigen Schriftverkehr mit Versicherern, die Aufbereitung der Tarife und Beratung. Daher fällt für eine solche Dienstleistung auch ein Honorar an. Je nach Berater und dessen Berufsgruppe kann dieses ein fixes Honorar sein, ein Honorar welches an den Aufwand (Stunden) geknüpft ist und auch eines, welches sich an der Ersparnis orientiert.

Auch abhängig vom Beruf (Anwalt, Makler, Berater) ist die Frage, ob das Honorar abhängig vom Erfolg ist oder die Beratungsleistung selbst honoriert wird, das geht nur bei wenigen Berufsgruppen. Daher sollten Sie sich immer erst informieren und das Kleingedruckte nicht nur bei der Versicherung lesen, sondern auch bei dem Berater.

Sparen Sie zum Beispiel durch einen Tarifwechsel 100 € im Monat, also 1.200 € im Jahr, so ist ein Honorar von einigen Monatsersparnissen sinnvoll und angemessen. Nur weil ein Berater das 8-, der andere das 5- und der dritte das 9-fache der Ersparnis als Honorar ansetzt, ist nicht einer gut oder schlecht. Je nach Aufwand und auch je nach Qualifikation und Erfahrung des Beraters können auch höhere Honorare durchaus berechtigt sein.

ABER: Wer Ihnen erst ein Honorar von tausenden Euro abnehmen will, da sollten Sie vorsichtig sein.

PKV Tarifoptimierung – wie kommen Sie zu einer seriösen Beratung zur Tarifoptimierung?

Ein seriöser Berater

  • – ruft Sie nicht ungefragt an, niemals!

  • – belästigt Sie nicht nochmals, wenn Sie NEIN gesagt haben!

  • – will keinen Vorschuss auf das Honorar!

  • – bietet Ihnen ein kostenfreies Erstgespräch!

  • – sendet Ihnen alle nötigen Unterlagen und lässt Ihnen Zeit!

Im Video ist noch von einer anderen Masche die Rede. Ob das immer so ist kann ich nicht beurteilen. Aber die Tatsache den Interessenten (oder hier die Interessentin) ein zweites Mal anzurufen und vorzugeben man wäre die Versicherung selbst, die finde ich schon sehr mies.

Zweiter Anruf – angeblich durch die eigene Private Krankenversicherung?

Die Private Krankenversicherung wird Sie niemals anrufen und Sie drängen, das Mandat an einen Tarifoptimierer zu unterschrieben. Sollte Ihnen das so passieren, dann legen Sie auf und rufen am besten zur Sicherheit selbst bei Ihrer Versicherung an. Dabei ist es egal, welche Nummer auf dem Display erschienen ist.

Fragen können Sie auch jederzeit dem Versicherer selbst stellen und sich auch dort informieren.

PKV Tarifoptimierung – kann ich das nicht allein oder direkt bei der Gesellschaft?

Klar. Das Wechselrecht steht Ihnen selbst und allein zu. Natürlich können Sie die Gesellschaften direkt anrufen und sich Angebote und Vorschläge zur Tarifoptimierung und einem solchen Wechsel schicken lassen. Das geht kostenfrei und ganz ohne Berater. Auch eine PKV oder Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie ganz ohne Beratung direkt im Netz abschließen oder bei der Gesellschaft direkt.

Den Berater braucht es nicht zum Tarifwechsel, aber zur Bewertung der Tarife, der Erklärung und Beurteilung der Folgen oder weiterer Hilfestellung schon. Auch ist es bei einigen Gesellschaften nicht ganz so einfach die „richtigen“ Tarife angeboten zu bekommen. Wissen Sie aber wovon Sie reden, oder Ihr Berater, macht es vieles einfacher.

Einen Steuerberater oder Rechtsanwalt brauchen Sie oft auch nicht. Sie können auch selbst die Steuer erklären oder den sich selbst verteidigen. Warum nutzen wir Experten? Richtig, weil diese – wie Sie in Ihrem Beruf – eben Experten sind und mehr Wissen haben.

Haben Sie einen guten Kontakt zu Ihrem Berater, mit dem Sie damals die Private Krankenversicherung abgeschlossen haben? Dann hilft auch der Ihnen gern weiter. Kann er das nicht selbst, so wird er Ihnen hoffentlich auch das sagen und zu einem Spezialisten raten.

PKV Tarifoptimierung – Fragen?

Wenn Sie weitere Fragen haben, vielleicht übereilt eine Honorarvereinbarung unterschrieben haben oder Anrufe bekommen, dann gibt es durchaus Hilfe und Möglichkeiten. Generell stehen Ihnen gesetzliche Rechte wie ein Widerruf (auch einer Honorarvereinbarung) oder dergleichen zu. Dazu lassen Sie sich aber bitte von Personen beraten, welche das dürfen. Rechtsanwälte oder auch die Verbraucherzentralen.

Fragen zur PKV, zu einem Tarif oder Tarifwechsel oder vielleicht einfach nur generelle Fragen können Sie hier im LiveChat kostenfrei stellen, oder melden sich einfach über einen der HIER GENANNTEN Kontaktwege.

Dumme Fragen gibt es auch hier nicht! Fragen Sie also gern nach.

DIE ANTWORT von M. Göker

Wie bei jedem anderen auch, hat auch Hr. Göker die Change dazu Stellung zu nehmen. Im Sinne von Transparenz, hier auch der Beitrag dazu:

Rhetorik kann er, definitiv. Und jede Aussage ist (juristisch) sehr genau überlegt, das hört man durchaus, bei der Wortwahl.

25.
Februar '21

Wenn die Krankenkasse schreibt: „Sie sind nun freiwillig versichert“ – was zu tun ist


Post von der Krankenkasse ist meist nur mittelmäßig erfreulich. „Sie sind nun freiwillig versichert“ ist aber eine durchaus erfreuliche Nachricht. Daher habe ich auch hier einen alten Beitrag von vor einigen Jahren (siehe alte Kommentare) aktualisiert und diese um die neuen Zahlen ergänzt.

Steigen die Beiträge oder gibt es sonst irgendetwas zu klären? Auch das wären Gründe für eine Post der Krankenkasse. Doch für einige ist die Post im Januar, Februar oder manchmal auch erst im März eine andere, eine die durchaus erfreulich ist. Viele gesetzliche Krankenkassen haben diese Mitteilungen bereits verschickt, andere sind noch mitten dabei und einige wenige vergessen es gern auch einmal ganz. Ihnen wird darin mitgeteilt, dass die bisherige Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) endet und diese zu einer freiwilligen Versicherung in der GKV wird.

Sie sind nun freiwillig versichert – Wer bekommt diesen Brief überhaupt?

All diejenigen, welche im Jahr 2020 die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) von 62.550 Euro pro Jahr überschritten haben und mit dem erzielten Einkommen auch voraussichtlich über der neuen JEAG für 2021 von 64.350 Euro liegen. Welche Komponenten Ihres Einkommens hier zu berücksichtigen sind habe ich bereits vor einiger Zeit beschrieben.

Lesetipp: Was zählt zur Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Sozialversicherungswerte 2021

Die Einstufung wer freiwillig oder pflichtig versichert ist übernimmt der Arbeitgeber. Dieser ist auch für die Richtigkeit der Meldung verantwortlich. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden und glauben hier liegt ein Fehler vor, so sprechen Sie am besten zuerst mit Ihrer Personalabteilung. Erst wenn hier keine Klärung möglich ist, kann die gesetzliche Krankenkasse oder im Zweifel auch die Deutsche Rentenversicherung mit einer so genannten Statusfeststellung verbindlich entscheiden.

Sie sind nun freiwillig versichert – Bin ich jetzt nicht mehr versichert?

Mit dem Wechsel vom Pflicht- zum freiwilligen Mitglied ändert sich einiges, dennoch bleiben Sie weiterhin versichert und stehen zu keinem Zeitpunkt ohne Versicherungsschutz da. Nicht nur durch die bestehende Versicherungspflicht endet der Schutz nie, ohne das ein anderer Versicherungsschutz besteht und nachgewiesen wurde. Dennoch kann es sinnvoll sein, hier tätig zu werden, falls Änderungen sinnvoll und gewünscht sind.

Aber anders als bisher können Sie nun selbst entscheiden, in welchem System Sie versichert sein möchten. Das kann weiterhin die gesetzliche Krankenkasse sein, kann aber ebenso ein passender Tarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) sein. Hier gilt es aber zunächst ganz in Ruhe zu überlegen und zu prüfen, ob das System der PKV überhaupt das passende für Sie, Ihre Wünsche und Ihren Bedarf ist. Es gibt weder einen Zwang noch eine Vorgabe jetzt zu wechseln oder zu handeln. Unternehmen Sie nichts, bleibt Ihnen auch weiterhin das Kündigungsrecht zum Ende des übernächsten Monats erhalten und Sie können dieses nutzen.

Lesetipp: Leitfaden zu den Unterschieden der GKV und PKV

Was passiert mit mitversicherten Familienangehörigen?

Hatten Sie bisher neben dem eigenen Versicherungsschutz weitere Familienangehörige im Rahmen der kostenfreien Familienversicherung versichert, so bleibt das auch zunächst weiterhin so, es sei denn Sie ändern etwas daran. Solange die Voraussetzungen des Paragraphen 10 des SGB V erfüllt sind, bleibt alles beim wie bisher. Zu beachten sind aber nun ggf. Änderungen bei den mitversicherten Kindern. Waren oder sind diese in der Familienversicherung kostenfrei versichert, so beachten Sie bitte unbedingt die Gesamtsituation mit beiden Eltern. Denn hier gilt es zu prüfen, wo das Kind zu versichern ist. Durch ein Überschreiten der JAEG ändert sich ggf. der Anspruch auf eine kostenfreie Versicherung, je nachdem wo Sie sich (und wo das zweite Elternteil) versichert ist.

Lesetipp: Beiträge zur Familienversicherung

Muss ich nun in die Private Krankenversicherung wechseln?

Natürlich nicht. Sie müssen zunächst einmal überhaupt nix. Tun Sie nichts und ändern auch nicht, so sind Sie weiterhin bei der bestehenden gesetzlichen Krankenkasse versichert. Nur wenn Sie AKTIV etwas ändern und für sich entscheiden, dass die private Versicherung das richtige, für Sie passende System ist, nur dann ändert sich etwas.

Eine Verpflichtung zur PKV gibt es genau so wenig, wie die unsinnige (aber sich wacker haltende Behauptung) jeder der sich selbstständig machte müsse in die PKV. Viele gehören dort einfach nicht hin.

Lesetipp: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Gibt es auch Nachteile gegenüber der Pflichtversicherung?

Es gibt Unterschiede zwischen beiden Versicherungsarten und sogar Verschlechterungen, so zum Beispiel in der Elternzeit. Während pflichtig versicherte Mitglieder der GKV beitragsfreien Schutz während der Elternzeit haben, ist das bei freiwilligen Mitgliedern nicht so, klar, verdienen Sie doch nun soviel und können sich die GKV auch dann leisten *Ironiemodus aus*

Lesetipp: Die nicht immer beitragsfreie Versicherung in der Elternzeit

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert mit meiner Karte?

Erstmal gar nichts. Denn: Da die Mitgliedschaft so bleibt, ändert sich auch an der Versichertenkarte zunächst nichts. Viele Kassen bieten Ihnen nun aber Wahltarife an. Dabei handelt es sich um Tarife mit Beitragsrückzahlungen, besonderen Leistungen, Selbstbeteiligungen oder anderen Abweichungen und Vergünstigungen. Bitte aufpassen. Durch den Abschluss eines Wahltarifes binden Sie sich langfristig an die Kasse und können somit nicht mehr so einfach kündigen.

Lesetipp: Wahltarife und die Eingeschränkte Kündigung der GKV

Bevor Sie eine solche Vereinbarung unterschreiben, loten Sie bitte für sich alle Möglichkeiten aus, darunter auch die der PKV, anderer gesetzlicher Kassen und dergleichen, SIE HABEN ZEIT!

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert nun bei meinem Arbeitgeber?

Bisher, also als pflichtversichertes Mitglied, hat der Arbeitgeber Ihnen einen Anteil vom Lohn abgezogen. 7,3% + ZUSATZbeitrag der Kasse + Pflegeversicherung + ggf. Zuschlag PV bei Kinderlosen. Zukünftig zahlt der Arbeitgeber Ihnen einen Zuschuss. Dieser ist begrenzt und orientiert sich immer an den aktuellen Zahlen der JAEG des jeweiligen Jahres.

Auch hier ist es wichtig zu wissen, es gibt mehrere Optionen. In der Regel ändert der Arbeitgeber nichts. Außer die Meldung der freiwilligen Versicherung passiert hier wenig. Die Beiträge werden auch weiterhin von dem Arbeitgeber an die Krankenkasse gezahlt und der Zuschuss direkt verrechnet.

ABER: Sie können auch als Selbstzahler bei der Kasse auftreten. Ist das Ihr Wunsch, Zum Rest des Artikels »

24.
Februar '21

Rot, grün, blau oder gelb? Was die unterschiedlichen Farben des Rezeptes bedeuten und wann es eingelöst werden muss




Die Farben des Rezeptes spielen eine entscheidende Rolle bei der Frage für wen und warum bestimmte Rezepte ausgestellt werden. Rezepte, nicht die die beschreiben wie Sie ihre Lieblingssuppe zubereiten, sondern die die der Arzt Ihnen ausstellt um Sie von einer Krankheit zu heilen, genau um diese Art von Rezepten soll es heute gehen.Farben des Rezeptes - Rot, grün, blau oder gelb?

Wer schon einmal bei seinem Arzt gesessen hat, einen Blick über dessen Schreibtisch wirft, der sieht unterschiedlich bunte „Zettel“. Doch warum verwendet der Arzt verschiedene Farben, will er doch mit allen nur ein Medikament für seinen Patienten verordnen.

Farben des Rezeptes – das rote „Standardrezept“

Kassenrezept - Farben des RezeptesFangen wir mit dem am häufigsten verwendeten Rezept an. Das rosarote Rezept kennt jeder, der in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und ein Medikament verordnet bekommt. Hiermit erkennt der Apotheker sofort, dass es sich um ein Medikament handelt, welches die gesetzliche Krankenkasse (gegebenenfalls mit Zuzahlung) erstattet.

Auf diesem Rezept sind also Medikamente verzeichnet, welche apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig sind. Ausnahmen sind jedoch bei Medikamenten und Hilfsmittel möglich, die unter die „bedingt verordnungsfähig“ Kategorie fallen, wie auch bei bestimmten Medizinprodukten.

Für dieses Rezept gibt es zwei unterschiedliche Fristen. Zunächst einmal kann der Patient das Rezept binnen drei Monaten bei der Apotheke einlösen und hat auch so lange ein Anrecht, das verordnete Medikament zu bekommen.

Aber Achtung: die gesetzliche Krankenkasse muss das Medikament nur dann erstatten, wenn es binnen einen Monats nach Ausstellung auch eingelöst wird. (ob der Monat genau 28, 30 oder 31 Tage hat, wird von den Krankenkassen unterschiedlich gehandhabt und ist gegebenenfalls von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich) Nur bei einer Einreichung binnen 28 Tagen ist der Apotheker sicher, auch sein Geld zu bekommen, daher kann er danach die Einreichung (wenn durch GKV erstattet werden soll) verweigern.

Auf der Internetseite des gemeinsamen Bundesausschusses können Sie nachlesen, welche Medikamente verschreibungspflichtig sind.

Farben des Rezeptes – das blaue Rezept für Privatpatienten

Privatrezept blau - Farben des RezeptesDas nächste Rezept ist ein blaues. Dieses Rezept wird bei Privatpatienten verwendet, wobei es keine zwingender Formvorschrift gibt. Der Arzt kann Ihnen ebenso gut auf einem weißen Blatt Papier, einem grünen Rezept (siehe unten), einem Bierdeckel oder der Rückseite eines Kassenzettels ein Medikament verordnen.

Dabei ist es auch bei einer Verordnung auf einem weißen Blatt Papier wichtig: Es muss auch hier bestimmte Angaben enthalten. Name und Geburtsdatum des Patienten sind wichtig, ebenso das genaue Medikament oder aber der Wirkstoff.

Ein solches Privatrezept hat eine Gültigkeit von drei Monaten. Durch dieses andersfarbige Rezept sieht der Apotheker sofort, es handelt sich um einen Privatpatienten und dieser zahlt sein Medikament vollständig in der Apotheke und bekommt es (soweit versichert) von der PKV erstattet.

Je nach versichertem Tarif kann eine Erstattung hier natürlich auch eingeschränkt sein, und eine Verordnung bedeutet nicht zwingend, dass die private Krankenversicherung das Medikament auch bezahlt.

Einige Ärzte verwenden aber statt des blauen, auch einfach das grüne Rezept. Wie gesagt, wenn privat versichert, ist die Farbe (bis auf gelb) nicht entscheidend.

Farben des Rezeptes – das grüne Rezept

Grünes Rezept Farben des RezeptesDas grüne Rezept: Genau betrachtet handelt es sich um gar kein Rezept im eigentlichen Sinne, denn der Arzt empfiehlt hier seinem Patienten ein bestimmtes Medikament. Auch für sogenannte Lifestyleprodukte kann der Arzt dieses nutzen.

Es handelt sich dabei um nicht verschreibungspflichtige aber dennoch apothekenpflichtige Medikamente. Alle Verordnungen auf einem grünen Rezept müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. Ein Beispiel für Medikamente sind bestimmte Präparate bei leichten Erkältungen, die nicht verordnungsfähig sind.

Eine besondere Gültigkeit gibt es für dieses Rezept nicht.

BTM Rezept gelb Farben des RezeptesDas besondere, gelbe BTM Rezept. Es gibt noch ein weiteres Rezept, welches Sie hoffentlich nicht so schnell brauchen. Es handelt sich hierbei um das so genannte Betäubungsmittelrezept. Mit diesem Rezept verordnet der Arzt Medikamente, welche unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Hierbei handelt es sich um stärkere Schmerzmittel oder weitere Betäubungsmittel.

Dieses Rezept ist nur sieben Tage gültig. Es muss also innerhalb dieser sieben Tage bei der Apotheke eingelöst sein, der Ausstellungstag zählt hier als ein Tag mit. Ein Rezept, welches am 01.01. ausgestellt wird, ist somit am 8.1. abgelaufen. Hat der Apotheker das Medikament nicht vorrätig, so könne es bestellen. Wichtig ist aber das rechtzeitige Einreichen, da das Rezept danach seine Gültigkeit verliert.

Es besteht aus einem Original und zwei Durchschlägen, wovon eines bei dem Arzt verbleibt, die anderen beiden gehen zunächst zur Apotheke. Dieses besondere Rezept ist mit fälschungssicheren Merkmalen ausgestattet und an weitere strenge Auflagen gebunden. Mehr Informationen zu der rechtlichen Grundlage und den genauen Vorgaben finden Sie unter anderem auf Wikipedia. Diese Rezepte müssen vom Arzt gesondert aufbewahrt werden, immer unter Verschluss gehalten und die Verordnungen werden durch die Bundesopiumsstelle überprüft. (Mehr Informationen)

Die Farben des Rezeptes – das neue e-Rezept, ab 2022 in Ihrem Smartphone

Ab dem kommenden Jahr kommt dann noch eine weitere Variante dazu. Das e-Rezept. Dieses bietet alles, was bisherige Rezepte auch kennen, nur spart es Papier, Aufwand und Wege. Mit dem neuen e-Rezept wird nach dessen Einführung die Verordnung und auch Überwachung von Neben- und Wechselwirkungen noch einfacher. Der Arzt verordnet und Sie holen in der Apotheke ab oder bestellen dieses einfach online.

Mehr Infos hat das Bundesgesundheitsministerium unter der Seite „Das E-Rezept kommt“ aufbereitet.

Auch in der privaten Krankenversicherung ist dieses heute schon möglich. Anbieter wie MedGate oder Teleclinic, mit denen verschiedene Versicherer bereits kooperieren, nutzen elektronische Verordnungen heute schon. In meinem Artikel „Wenn der Arzt durchs Smartphone schaut“ finden Sie hierzu weitere Informationen.

Farben des Rezeptes – Was müssen Sie nach beachten?

Wenn Sie sich nicht alle unterschiedlichen Fristen und Abläufe vermerken wollen, dann sollten Sie Ihre Rezepte immer sofort nach Verordnung einlösen. Meist empfiehlt auch der Arzt eine sofortige Einnahme und es macht wenig Sinn die Rezepte zuhause zu lagern.

Ob sie das Rezept (falls Sie privat versichert sind) direkt einreichen, oder zusammen mit den Arztrechnungen aufheben um eine eventuelle Beitragsrückerstattung nicht zu gefährden, das hängt von Ihrem Tarif und den persönlichen Vorgaben ab. Als Privatpatient sollten Sie zudem darauf achten, dass auf dem Rezept eine Diagnose angegeben ist, oder Sie dieses zusammen mit der entsprechenden Arztrechnung einreichen. Nur so kann der Versicherer erkennen, welche Erkrankung zu dem verordneten Medikament gehört.

Danke auch an Hr. Powalowski für die fachlichen Ergänzungen als Apotheker.

Weitere Informationen

Kann ich Medikamente auch aus Internetapotheken bestellen?

Und falls Sie interessiert wie der Geldfluss hinter den Rezepten funktioniert, was genau Abrechnungszentren damit zu tun haben und warum wir immer noch Originale mit LKWs durch die Republik karren, dazu empfehle ich Ihnen einen langen, aber sehr spannenden Artikel in der Deutschen Apothekerzeitung.

Wie ein Rezept zu Geld wird

Gerade die noch nicht zu lange vergangene Insolvenz eines großen Abrechenzentrums brachte viele kleine Apotheken in Bedrängnis. Auch das lässt sich mit dem Artikel besser verstehen.

In einem späteren Artikel nehmen wir uns noch einmal der Frage an, was erstattet eine PKV denn bei Medikamenten und worin liegt der Unterschied zwischen rezept- und/oder apothekenpflichtigen Medikamenten. Auch die Frage nach Nahrungsergänzungsmitteln schauen wir uns dann weiter an.

18.
Februar '21

Vollmacht, der Makler und die liebe DKV – Kundenwunsch ist uns egal



Die Vollmacht als Kundenwunsch- interessiert aber nicht.

Als Berater erlebe ich durchaus Sachen, da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Vielleicht erinnern Sie sich, die ContinentaleKV hatte vor einiger Zeit einmal ähnliche „Anwandlungen“ und wollte von Vollmachten nichts wissen. Warum sich Gesellschaften aber so anstellen und mit aller Gewalt versuchen Makler und Kunden völlig unnötig Arbeit zu machen, ist mir leider völlig unklar.

Vor einiger Zeit habe ich einen Kunden bei dem Wechsel aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung beraten. Nachdem das erledigt war, sollte die bestehende Police der Frau noch einmal genauer angeschaut werden. Sie sollten übrigens auch die eigene Private Krankenversicherung immer wieder einmal über die Jahre anschauen. Da geht es neben Fragen zur Angemessenheit des Krankentagegeldes auch um Fragen wie der Ausnutzung des Arbeitgeberzuschusses und anderer Punkte. Wie sich das Leben ändert, so sollte auch der Schutz innerhalb der bestehenden Gesellschaft angepasst werden.

Regelmäßige Überprüfung bestehender Verträge ist Pflicht

Hierfür hat der Gesetzgeber mit dem Paragraphen 204 des VVG eine Grundlage geschaffen. Gleiches Gesetz regelt im Übrigen auch die Überprüfbarkeit der Risikozuschläge über die Vertragslaufzeit. In unserem Fall hier ist es ähnlich. Der Vertrag wurde über Jahre nicht angeschaut. Daher hat die Kundin einen Maklerauftrag erteilt, welcher auch eine Vollmacht enthält. Eine solche Vollmacht kann auch ohne Maklervertrag erteilt werden, dazu aber später mehr.

Also habe ich die DKV einmal angefragt. Am 02. Februar 2021 bat ich also die DKV um die Zusendung einiger Unterlagen zu dem bereits bestehenden Vertrag. Normalerweise sollte es hier kein Problem geben. Ich möchte nichts ändern, nichts anpassen und auch keine Übertragung in unseren Bestand beantragen. Das folgt ggf. später, ist hier aber nicht gewünscht.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

wie heute besprochen finden Sie anbei:

  • auf uns ausgestellte Bevollmächtigung nebst Maklerauftrag und Datenschutzerklärung. Diese sende ich Ihnen gern erneut zu.

Weiterhin senden Sie uns bitte zeitnah:

  • Kopie des letzten Vers. Scheins
  • Kopie des Antrages
  • Kopie der Vereinbarung über den Risiokozuschlag in dem Vertrag

Herzlichen Dank“

Lesen und auch Verstehen, so wichtig – wenn Vollmacht drauf steht, ist es meist auch drin

Nach knapp zwei Wochen schickt die DKV dann auch eine erste Antwort. Nun kann man durchaus glauben, in zwei Wochen wird es möglich gewesen sein, wenige Unterlagen aus dem Archiv zu suchen. Leider weit gefehlt. Denn erstmal lehnen wir einfach alles ab und können anscheinend weder die Mail noch die Anlagen lesen, oder wollen nicht.

Somit schreibt mir die DKV dann folgendes:

Antwort DKV MaklervollmachtZunächst finde ich es persönlich schlimm, wenn sich Mitarbeiter hinter „Ihr DKV Kundenservice“ verstecken. Das ist aber leider eine weit verbreitete Unsitte. Kein Ansprechbarer Mitarbeiter mit Namen, nur eine zentrale service@dkv.com Mailadresse und nichts greifbares. Dann war es am Ende natürlich immer niemand.

Aber schauen wir uns einmal die Antwort an. Da wurde nicht ansatzweise gelesen. Angeblich benötigt man hier für die Zusendung der Kopien des Antrages eine uneingeschränkte Bevollmächtigung zur Vertragsänderung, Kündigung und zum Neuabschluss.“ 

Hätte sich auch nur einer die Mühe gemacht zu Lesen und wäre in der Lage es zu verstehen, dann wüsste er/sie/es recht schnell: Ich will weder etwas Neues abschließen, noch etwas ändern, noch kündigen. (was ich mit dem geschickten Maklerauftrag zumindest teilweise könnte, aber nicht will.)

Auch hinterlegen im Vertrag soll man nichts, denn ich will weder eine generelle Postvollmacht, noch den Vertrag in einen anderen Bestand übernehmen noch sonst etwas was eine solche Vollmacht rechtfertigen würde. Warum auch.

Übrigens: Auch wenn es falsch ist, kundenfreundlich wäre hier gewesen: „wir haben die Unterlagen an unseren Kunden geschickt“. Schnell, einfach, gelöst. Aber nein, wir haben ja derzeit Zeit und angeblich eh nichts zu tun und da schreibt man lieber schnell einen unsinnigen Standardtextbaustein.

Die Vollmacht interessiert die DKV hier aber leider nicht

Da anscheinend die DKV weder der Wunsch der eigenen Kundin interessiert, noch man in der Lage ist einfache Sätze zu lesen und verstehen, habe ich versucht es nochmals zu erklären und schrieb Ende letzter Woche dann ganz freundlich:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit etwas Verwunderung habe ich Ihr anliegendes Schreiben zur Kenntnis genommen.

Nachdem wir Ihnen vor zwei Wochen die Vollmacht und den Maklerauftrag übersandt haben, weisen Sie darauf hin, Sie benötigen eine „uneingeschränkte Vollmacht“ zur Vertragsänderung, Kündigung und Neuabschluss. Hierfür nennen Sie mir bitte die RECHTSGRUNDLAGE und begründen Ihre Ablehnung.

In meiner Anforderung hieß es:

„Weiterhin senden Sie uns bitte zeitnah:

Kopie des letzten Vers. Scheins
Kopie des Antrages
Kopie der Vereinbarung über den Risiokozuschlag in dem Vertrag“

Dort war keineswegs eine Kündigung, ein Neuabschluss oder eine Änderung gewünscht, diese werden wir im Fall des Kundenwunsches mit dessen Unterschrift einreichen. Die Kundin hat uns hier eindeutig und umfänglich bevollmächtigt. Mit welcher Berechtigung Sie die Herausgabe der Unterlagen verweigern, ist hier nicht ersichtlich.

Ungeachtet dessen gehe ich von einem Versehen aus.

Sollten Sie weiter bei der Haltung der Verweigerung der Zusendung angeforderter Vertragsunterlagen (siehe oben) bleiben, so lassen Sie mir das bitte schriftlich zukommen. Dieses werde ich dann im Rahmen einer Vorstandsbeschwerde und im Rahmen einer Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde nachfragen müssen.

Andernfalls erwarte ich die Unterlagen nunmehr binnen 7 Tagen (es sind ja schon 14 verstrichen). Eine Zusendung per EMAIL ist ebenso ausreichend.

Eine Übertragung des Vertrages ist und war aktuell nicht gewünscht!

Eine gesunde Zeit wünscht Ihnen,

Sven Hennig

Jetzt dachte ich, so schwer ist es ja nicht, kommen dann die Unterlagen. Stattdessen rief die Dame heute morgen bei meiner Mitarbeiterin an und lies ausrichten:

Vollmacht DKV Antwort Telefonnotiz

Da frage ich mich ernsthaft wie so wenig Verständnis zum Lesen eines einfachen Textes vorhanden ist. Jetzt will die Dame schon wieder den Vertrag übertragen (was diese übrigens mit dem Maklerauftrag und der enthaltenen Vollmacht tun könnte, was aber NICHT gewünscht und nie beauftragt war).

Vollmacht und DKV – interessiert nicht, was Kunde oder Makler will

Jetzt mag man sagen: „Fehler passieren halt“, das ist auch so und auch gar kein Problem. Aber… !

In einer weiteren Mail habe ich nun jedes wichtige Detail der Mails, des Maklerauftrages und der Vollmacht Satz für Satz auseinandergenommen, farbig die wichtigen Worte markiert und nochmals erklärt (was ich ja erst seit X Mails und Briefen tue), was wir denn wollen. Nämlich, ganz simpel eine Kopie von Vertragsunterlagen.

Ich WILL NIX ÜBERTRAGEN, auch nichts ändern, gar nix!

Leider ist die Bearbeitung in Servicecentern auch bei den Versicherern ein großes Problem. Niemand will sich damit beschäftigen, Hauptsache einen Textbaustein verschickt und weg vom eigenen Schreibtisch.

Das passiert leider hier bei der DKV/Ergo oft und häuft sich immer mehr.

Ich hingegen würde lieber meine Zeit in sinnvolle Beratung, meinen LiveChat oder andere Tätigkeiten investieren und habe es schlechtweg satt 2 Stunden für Sachen aufzuwenden, welche in Minuten erledigt sein können.

Fazit. Der Kunde hat nix bekommen, wir auch nicht. Jetzt warte ich dann mal wie lange die Antwort auf die neue Mail mit den farbigen Markierungen dann so dauert und ob es noch eine Chance gibt der Kundin zu helfen.

08.
Februar '21

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – sieben von elf der Aussagen sind falsch! Das müssen Sie jetzt wissen!


Es war Samstagabend, ich saß entspannt auf dem Sofa, da erschien auf dem iPhone eine dieser allseits beliebten Nachrichten.
Du wurdest bei Facebook erwähnt“. „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“ sollte das Thema sein und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um mir diesen Post einmal anzuschauen. Dabei ging es um einen konkreten Facebookbeitrag von Elisheba Wilde (Der Beitrag ist nach unserem Telefonat bei Facebook leider wieder gelöscht worden.), welche über die private Krankenversicherung ihres Mannes schrieb. Dazu hat sie auch bereits im letzten Jahr einen Blogbeitrag und ein Video veröffentlicht, über die elf Nachteile der privaten Krankenversicherung für Familien.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – was war passiert?

Ich glaube sogar, mich an diesen Beitrag im letzten Jahr zu erinnern, hatte damals, glaube ich, auch schon darüber nachgedacht, etwas dazu zu schreiben, aber irgendwie schien es dann in der Hektik des Alltages untergegangen zu sein. Also las ich zunächst einmal die Kommentare und Bemerkungen der andere Nutzer und fand dann auch den Kommentar, der mich explizit erwähnte.

11 Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Also habe ich die Gelegenheit genutzt, mir den Beitrag einmal etwas genauer anzuschauen. Da die Kommentare zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet waren und ich somit nicht direkt auf die Beiträge antworten konnte, habe ich der Autorin direkt per Nachricht geantwortet und etwas Hilfe angeboten. Hieraus wurde ein längerer Chat und… warten wir es einmal ab.

Doch was genau daraus entstand, warum anderthalb Stunden Telefonat am Samstag einige erhellende Momente brachten und was sie genau konkret beachten sollten, bevor sie Entscheidungen treffen, das schauen wir uns in diesem und einem weiteren Beitrag etwas genauer an.

Bevor wir uns nun mit dem konkreten und aktuellen Leistungsfall und der Familie hier beschäftigen, sollten wir uns aber zunächst über die Fakten Gedanken machen und uns gemeinsam anschauen, was ist denn mit diesen ominösen elf Nachteilen für die private Krankenversicherung auf sich hat.

Wer meinen Blog schon länger liest, und das ist ja nun schon über 20 Jahre so möglich, der weiß, dass ich vielen Konstellationen kritisch gegenüberstehe. Ich habe oft erklärt, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind, ich habe oft gesagt warum es nicht sinnvoll ist, für bestimmte Personen und Personengruppen in die private Krankenversicherung zu wechseln und warum jemand nicht in in der Lage-, sondern geeignet sein muss, sich privat zu versichern.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – der Blogbeitrag ohne Fachwissen schadet mehr, statt zu helfen

Das klingt jetzt hart, und sicher hat es in diesem konkreten Fall einige Fehler des Beraters gegeben, nicht nur einen, sondern über mehrere Jahre, verschiedene. Aber das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht, über ein Thema zu schreiben, von dem die Autorin hier wenig bis keine Kenntnisse hat. Diese elf Aussagen in dem Artikel zu den Nachteilen der privaten Krankenversicherung sind schlichtweg zum großen Teil falsch! Es bringt uns allen nichts weiter, falsche Informationen im Internet zu verbreiten, es bringt neuen Kunden nichts, es hält andere Kunden von richtigen Entscheidungen ab und es ermöglicht somit keine fundierte und faktenbasierte Entscheidung. Daher habe ich mich auch entschlossen, auf diesem Blog Beitrag konkret zu antworten, denn so kann und will ich das nicht stehen lassen.

In ihrem Beitrag, der sicherlich aufgrund der persönlichen Situation stellenweise recht emotional ist, beschreibt Elisheba Wilde die, aus ihrer Sicht nachteiligen Punkte, der privaten Krankenversicherung. Dabei sind die Fakten nur so mittelmäßig recherchiert und der Beitrag weist viele Fehler auf. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zu jedem, der dort angesprochenen Punkte etwas zu schreiben, damit wir zumindest etwas fachlichen Input in die ganze Sache kriegen.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – Was Sie in jedem Fall VOR Unterschrift bedenken sollten!

Die Autorin beginnt ihren Artikel mit der Aussage: „Private Krankenversicherer locken junge Kunden“. Ist noch gar keiner der elf Punkte, sondern eine simple Feststellung. Natürlich ist ein privater Krankenversicherer ein Unternehmen, welches an Neukunden interessiert ist. Aus diesem Grund gibt es Geld für Werbung aus. Das tut jeder andere Hersteller, der Waren verkaufen möchte, auch. Nur weil ein Versicherer mir ein Angebot macht, heißt das nicht, dass man diesem blind vertrauen- oder ohne weitere Beratung dieses einfach abschließen sollte. Ich habe vor längerem einmal erklärt, warum eine Beratung zur privaten Krankenversicherung deutlich länger, im Vergleich zu anderen Beratungen, dauert.
10 Stunden sind hier ein völlig legitimer Wert und reichen in den meisten Fällen meine Kundenberatungen nicht aus.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Mit dem Abschluss einer Versicherung kaufen wir Sicherheit. Gefühlte oder reale Sicherheit, aber wir kaufen ein nicht greifbares Gut, ein gutes Gefühl oder einfach etwas, was uns ruhiger schlafen lässt. Für dieses gute Gefühl zahlen wir Geld, einen Beitrag, der dazu dient, dass jemand anders unser persönliches Risiko trägt. Dabei kann es in der privaten Krankenversicherung das Risiko von Arztkosten sein, ebenso aber das Risiko für den Ausfall des eigenen Einkommens, welcher krankheitsbedingt durchaus passieren kann. Natürlich hat auch jedes System Nachteile und so gibt es eben auch die Nachteile der Privaten Krankenversicherung.

Eine Versicherung, egal welcher Sparte, die muss sich nie „lohnen“. Es geht nicht darum abzuwägen, wie viel Beiträge ich einzahlen und wieder rausbekomme, damit es am Ende möglichst für mich, mehr Geld rausgibt, als ich eingezahlt habe. Es geht darum, einen Versicherungsschutz zu kreieren, der mich im Falle der Fälle vor bestimmten Risiken schützt. Um diese erste Frage des Beitrages somit zu beantworten:

Nein, eine Krankenversicherung lohnt sich nie- sie sichert ab!

Wir sollten uns darüber freuen, wenn wir diese niemals brauchen und nach Jahrzehnten feststellen: „Jetzt habe ich Jahrzehnte Beiträge eingezahlt, und lange nicht das wieder herausbekommen.“ So und genau so funktioniert eine Versicherung.

Eine Anmerkung jedoch speziell zu dieser Familie: Der Abschluss der privaten Krankenversicherung erfolgte auf Rat eines Freundes, vor über 20 Jahren. Die Kinder der Familie sind heute im Grundschulalter. Heißt also auch, es gab vor Geburt der Kinder weit über ein Jahrzehnt, indem durch die private Krankenversicherung hier Monat für Monat Geld gespart wurde. Natürlich wurde dieses Geld mit großer Wahrscheinlichkeit ausgegeben, und nicht separat in einem Topf angelegt.

Aber ich kann doch nicht erwarten, aus einem System mit weniger Leistung in ein System mit mehr Leistung zu wechseln und zusätzlich noch jeden Monat Geld heraus zu nehmen. Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, so finden Sie sich damit ab, dass sie mit der privaten Krankenversicherung eben kein Geld sparen, sondern betrachten Sie das „System“ Private Krankenversicherung als anderes System und keinesfalls mit der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares.

Doch kommen wir nun zu den eigentlichen elf großen Nachteilen der privaten Krankenversicherung, die die Autoren in ihrem Blog Beitrag nach und nach behandelt.

„1. Kurzarbeit während der Corona-Krise“

Richtig ist, dass jemand, der vor der Coronakrise (oder jeder anderen Kurzarbeit) privat versichert war, dass auch weiterhin bleibt. Während der Kurzarbeit wird fiktiv ein vergleichbares Einkommen angenommen.

Was die Autorin aber nicht erwähnt, ist der erhöhte Arbeitgeberzuschuss, welcher den größten Teil des Beitrages abdecken kann. Voraussetzungen sind hier Einkommen in der Kurzarbeit unter der Jahresarbeitentgeltgrenze und damit eine deutliche Verringerung. Ich habe hierzu in einigen Beiträgen detailliert beschrieben, warum es hier notwendig ist, es zu berechnen und zu handeln. Dann aber bekommt der Arbeitnehmer hier weitaus höhere Zuschüsse, eben um die finanziellen Folgen der Kurzarbeit abzumildern. Mehr Informationen zu

Kurzarbeit und Private Krankenversicherung HIER in meinen Beiträgen.

Da es hier in dem konkreten Fall keine Kurzarbeit gab, stellte sich die Frage des erhöhten Zuschusses auch nicht. Auch klingen 1.300 € Beitrag gewaltig, die sind es aber so nicht. In diesem Betrag sind Selbstbeteiligungen enthalten, für sich und die Kinder, welche nur teilweise genutzt wurden. So kann einer der Nachteile der Privaten Krankenversicherung schnell zu einem (finanziellen) Vorteil werden.

„2. Wiedereingliederung in den Beruf nach Krankheit“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Hier kommen mehrere Punkte gleich in einem Beitragsteil zusammen: Die private Krankenversicherung funktioniert nach einer Art Baustein- System. Sie versichern also einen Haupttarif, welcher die Kosten für ambulante, stationäre oder auch zahnärztliche Behandlung übernimmt. Danach ergänzen Sie Ihren Vertrag direkt bei Abschluss um weitere Bausteine. Das kann ein Baustein für Kurleistungen sein, ebenso der wichtige Baustein für das sogenannte „Krankentagegeld“. Also der Baustein, der im Falle der längerfristigen Krankheit über die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers hinaus dafür sorgen soll, dass Ihnen auch im Krankheitsfall kein finanzieller Nachteil entsteht.

Um diesen Baustein aber richtig und sinnvoll ab zu sichern, bedarf es einiger wichtiger Informationen vor ab. Natürlich ist es richtig, dass der Beitrag für die private Krankenversicherung und auch den Baustein für das Krankentagegeld im Leistungsfall weiter zu zahlen ist. Daher habe ich mehrfach (unter anderem hier auf der Seite unter dem Unterpunkt Krankentagegeld) darauf hingewiesen, dass es notwendig und wichtig ist, nicht nur die laufenden Fixkosten, sondern eben auch den Beitrag zur privaten Krankenversicherung, abzusichern.

Soweit zu den generellen Fragen zum Thema „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“. Auch finden wir in diversen Tarifen der privaten Krankentagegeldversicherung Regelungen zur Teil- Arbeitsunfähigkeit und zu der Frage der Wiedereingliederung. Es ist eben nicht generell so, dass es keinerlei Leistung bei Wiedereingliederung gibt. Sondern es ist vielmehr richtig, dass es Tarife und Gesellschaften gibt, bei denen das Thema „Teilarbeitsunfähigkeit und Wiedereingliederung“ nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ nicht sauber und vernünftig gelöst ist. Eine solche Gesellschaft von der eigenen Wahl auszuschließen, das ist aber Aufgabe des Beraters und des Kunden, noch bevor ein Abschluss zustande kommt.

Und lassen Sie mich einen wichtigen Punkt gleich hier schon einmal erwähnen: Eine private Krankenversicherung ist nichts, was man vor 20 Jahren einmal gemacht hat und dann in der Schublade liegt und man sich nie wieder anschaut. Eine private Krankenversicherung bedarf einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung und damit ein „Mitwachsen“ mit dem eigenen Leben.

Lohnersatzleistung und Krankentagegeld – anpassen, prüfen, ändern!

Auch bei der sogenannten Entgeltersatzleistung bringt unsere Autorin in ihrem Beitrag einiges durcheinander: Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fallen von dem ausgezahlten Krankentagegeld auch deshalb nicht an, weil die Sozialversicherungsbeiträge von dem Bruttokrankengeld bereits abgezogen worden. Damit ist die Beitragszahlung in der gesetzlichen Krankenkasse während einer längeren Arbeitsunfähigkeit nicht vorhanden. Aber, ein Unterschied zwischen beiden Systemen, die gesetzliche Krankenkasse darf maximal 78 Wochen zahlen, danach endet die Lohnfortzahlung selbst dann, wenn der Patient weiterhin krank, also arbeitsunfähig ist. In der privaten Krankentagegeld Versicherung kennen wir diese Einschränkung so nicht. Was die Absicherung dort nicht prinzipiell besser oder schlechter, sondern einfach anders macht.

Dazu kommt, dass der private Krankenversicherer schlichtweg nicht wissen kann, wie sich Ihr Einkommen entwickelt. Wer also sein vor 20 Jahren abgeschlossenes Krankentagegeld nicht anpasst und verändert, und das obwohl sich die Familiensituation und die Beiträge der Krankenversicherung massivst verändert haben, der ist (das mag hart klingen) mit Schuld an der eigenen Situation. Das wurde hier in meinem Telefonat auch bestätigt. Die Familie hatte sich aufgrund der zusätzlichen Beitragszahlung gegen eine Erhöhung des Krankentagegeldes entschieden. Und so war es im Wesentlichen noch so, wie es vor 20 Jahren einmal abgeschlossen wurde. Dass das heute nicht reicht und dass der Tarif heute durchaus anders und besser und mit mehr Leistungen zu versichern wäre, das wurde hier „unterschlagen“.

„3. Kein Kinderkrankengeld in der privaten Krankenversicherung“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Vor 20 Jahren, bei Abschluss dieser Versicherung, war die Aussage durchaus richtig. Eine Krankentagegeldversicherung bei Erkrankung des Kindes gab es in der privaten Krankenversicherung so nicht. Das ist- und war ein Nachteil für viele Versicherten, welche sich dieses Risikos bewusst sein sollten.

Aber, so erzählten die Kunden gestern, waren damals Kinder kein Thema. Es wurde weder angesprochen- noch besprochen und die Lebensplanung hat sich schlicht und ergreifend verändert. Heute ist es in der privaten Krankenversicherung bei einigen Versicherern durchaus möglich, eine Lohnersatzleistung bei Erkrankung der Kinder, zu versichern.

Das geht auch heute weiterhin nicht pauschal bei jedem Versicherer, es gibt aber Lösungen dafür. Wer sich also für die private Krankenversicherung entscheidet, und selbst wenn er heute noch keine Kinder plant, gehört das Thema auf den Tisch der Beratung. Auf der anderen Seite ist das Risiko durchaus begrenzt. Die Zeiten der Lohnfortzahlung für Eltern, welche in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, sind ebenfalls stark reglementiert. Aktuell weitet die Bundesregierung aber die Regelungen durch Corona aus, eine generelle Erweiterung ist das aber auch hier nicht.

Auch bei dieser Familie hätten sich die Eltern bei Geburt für die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse entscheiden können und die Kinder dort versichern. Dann bestünde auch ein Anspruch auf Krankentagegeld bei Erkrankung des Kindes. Auch hier ist die Beratung sicherlich nicht optimal gelaufen, ob der Fehler beim Berater, bei dem Kunden oder vielleicht bei beiden lag, vermag ich nicht zu beurteilen.

„4. Jedes Familienmitglied muss eigene Beiträge zahlen“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Punkt vier von elf und wir sind bei dem ersten richtigen Punkt angelangt. Denn vollkommen korrekt ist, dass in der privaten Krankenversicherung es keine Art von Familienversicherung gibt. Die Kinder, oder eine nicht arbeitende Ehefrau oder der nicht arbeitende Ehemann, können in der privaten Krankenversicherung nur gegen eigenen Beitrag mitversichert werden.

Jede Person stellt ein eigenes Risiko da, kann eigene Tarife und Leistungen wählen und Zeit auch für diese einen entsprechenden Beitrag. Unter bestimmten Umständen bekommt aber der Hauptversicherte Arbeitnehmer hier auch einen anteiligen Arbeitgeberzuschuss für seine Kinder oder andere Familienangehörige im Rahmen der Höchstgrenzen.

„5. Auch nach sechs Wochen Krankheit müssen volle Beiträge gezahlt werden“

Dieses Thema hatten wir eingangs schon bei der Frage der Teilarbeitsunfähigkeit oder der Wiedereingliederung. Die Aussage ist so halb richtig. Natürlich bucht der private Krankenversicherer den Beitrag auch während der Krankheit weiter ab. Dazu gibt es eben das Krankentagegeld, welches in der richtigen Höhe versichert, dieses wieder ausgleicht.

Das Beispiel der Autorin:

Nehmen wir mal an, jemand bekommt 60 Euro pro Tag. Die monatlichen Beiträge – zum Beispiel 1.500 Euro für eine Familie – müssen weiterhin in voller Höher gezahlt werden.

Das heißt: Privatversicherte müssen sich eine längere Krankheit finanziell leisten können.

Wer nur 60 € Tagessatz, also 1800 € im Monat an Krankentagegeld versichert hat, der hat entweder einen vollkommen unfähigen Berater gehabt, wollte am Beitrag sparen oder aber hat 20 Jahre lang geschlafen und keinerlei Anpassung vorgenommen. 60 € Krankentagegeld waren schon vor 20 Jahren zu wenig.

Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und einem Krankentagegeld unter 120 € sollten sehr genau überlegen, was sie da tun und sich auch fragen, was im Falle der Krankheit dann passiert. Denn nehmen wir als Beispiel 120 €, so klingen die 3.600 € Auszahlung pro Monat viel. Ziehen wir davon aber einmal 800 € Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) ab und brauchen dann noch Geld für die Rentenversicherung, so bleiben am Ende knapp 2.300 € übrig. Ob das reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden und das auch über die Jahre überdenken und anpassen.

„6. Ausschluss von Leistungen bei Vorerkrankungen“ – definitiv so keine Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (zum Beispiel ein bereits fehlender Zahn bei Abschluss, wo dann der erste Zahnersatz ausgeschlossen werden kann) gibt es in der privaten Krankenversicherung gerade keine Ausschlüsse. Was es natürlich gibt, sind Zuschläge für bereits bestehende Erkrankungen. Sie würden ja auch nicht ein höheres Risiko zum gleichen Preis versichern wie das eines gesunden Kunden.

Doch unsere Familie wollte hier auf ein ganz anderes Thema raus:

„Als ich bei der Versicherung unserer Kinder nach dem Tarif für Kuren nachgefragt habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Mir wurde geantwortet, dass man diesen extra Tarif mit den entsprechenden Leistungen nur bekommt, wenn man vorher eine Gesundheitsprüfung überstanden hat.
Wer als Baby Neurodermitis hatte, scheidet für sämtliche Extras aus. Ich habe genervt geantwortet, dass meine Tochter kerngesund ist und dass bei uns im Kindergarten zahlreiche Mütter erzählen, dass ihr Kind als Baby Probleme mit der Haut hatte.
Der Mitarbeiter hat mir klar gemacht, dass nur Eltern von gesunden Kindern extra Tarife für den Nachwuchs buchen können.“

Denn diese Aussage ist zumindest genauso falsch. Die Kundin wollte hier ein vorher gemachtes Versäumnis korrigieren und später, also Jahre später, einen Zusatzbaustein für Kurleistungen für das Kind versichern. Das Kind bekam eine Hauterkrankung, wie sie schreibt, und sollte nun für einen Tarifbaustein für Kurleistungen nachversichert werden. Dass der Versicherer das nicht möchte, weil das Risiko um ein Vielfaches erhöht ist, (zwischenzeitlich waren die Kinder auch bei der Kur) ist im Sinne des Versichertenkollektivs mehr als verständlich.

Was wir auch festhalten sollten, die Kinder bekommen bei Geburt durch eine entsprechende Anmeldung und nach Versicherungsumfang in dem Vertrag des Vaters/ der Mutter, identischen Schutz ohne jegliche Gesundheitsprüfung. Hätte der Vater also damals mit seinem Berater einen umfassenden Versicherungsschutz gewählt oder noch vor der Geburt für sich selbst einen solchen „Kurtarif“ abgeschlossen, dann wäre auch die Nachversicherung für die Kinder, selbst mit Vorerkrankung, kein Problem gewesen. Wer aber für sich selbst an den Leistungen spart oder an einen solchen Zusatzbaustein nicht denkt, der muss mit der Konsequenz der Gesundheitsprüfung für die Kinder leben. Hier ein eigenes Versäumnis oder das Fehlen der Aufklärung durch den Berater als Nachteil darzustellen, halte ich für etwas fragwürdig.

„7. Zähne sind im Basistarif der Kinder nicht mit drin“

In dem „PKV-Warn-Blogbeitrag“ lesen wir:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich erfahren habe, dass wir knapp 800 Euro für den Zahnarzt selbst zahlen müssen.

Der Grund: Zähne müssen nochmal separat versichert werden.

Ja, ich habe auch nicht schlecht gestaunt als ich eine solche (falsche) Aussage lesen musste. Kinder haben natürlich Anspruch auf Zahnleistungen in dem entsprechenden Tarif. Der Sohn übrigens, für den hat man es bei Geburt auch richtig einfach mitversichert. Für die Tochter hingegen wurde sich aus Ersparnisgründen bei Geburt dafür entschieden, sich doch den „Zahn- Baustein“ ab Geburt zu sparen. Schließlich kann doch für junge Kinder gar kein Kostenrisiko für Zahnbehandlungen oder Zahnersatz bestehen, dachte man zumindest. Dass die dann später auftretenden Kosten nun doch da sind, und dass der Versicherer nun diese nicht übernehmen will, ist schlichtweg der eigenen Ersparnis geschuldet.

Denken wir also einmal darüber hinaus nach, was an Beiträgen in den ersten fünf oder gar acht Jahren nach Geburt der Kinder gespart wurde, dann finde ich das „Jammern“ über die eigene falsche Entscheidung den völlig falschen und irreführenden Weg.

Hier wurde nach Geburt der Kinder eine Entscheidung getroffen (ob der Berater geschlafen hat oder man ist damals bewusst so entschieden hat und sich heute nur nicht mehr erinnern kann, das vermag ich nicht zu beurteilen). Heute, wo es anders gelaufen ist und Kosten für die Kinder angefallen sind, wird nun über die damalige Entscheidung gejammert. Das erweckt nicht nur einen falschen Eindruck über die Versicherungsmöglichkeiten und Varianten, sondern es verzerrt auch ganz deutlich die Tatsachen.

Übrigens hätte es auch damals schon bei der Universa ab Geburt der Kinder Tarife gegeben, welche als so genannte „Kompakttarife“ die Bereiche „Ambulant, Stationär und Zahnleistungen“ enthalten hätten. Auch diese wären ohne Gesundheitsprüfung abschließbar gewesen.

„8. Keine Beitragsfreiheit während Mutterschafts- oder Erziehungszeiten“

Die Beitragsfreiheit bei Mutterschaft – oder Erziehungszeiten sind in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gänzlich anders gelöst. Daher ist zumindest diese Aussage nicht generell falsch.

Auch wenn das vor 20 Jahren bei den meisten Tarifen nicht so war, gibt es heute hierfür Lösungen. So existieren auch in der privaten Krankenversicherung Tarife und Leistungen, welche für den Zeitraum der Elternzeit den Zuschuss des Arbeitgebers übernehmen- oder gar den ganzen Beitrag für eine begrenzte Zeit „auf null setzen“.

Voraussetzung hierfür ist natürlich ein entsprechender Tarif: Das es hier einen solchen bei der Versicherung der Familie nicht gab, ist natürlich ärgerlich und nur deshalb den Versicherer zu wechseln, auch die völlig falsche Wahl. Aber eine generelle Aussage funktioniert auch hier nicht und ist falsch.

Übrigens würde der Mann in Elternzeit gehen und als freiwillig versichertes Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse (was er mit seinem Einkommen wäre) sein, so wäre auch hier die Mitgliedschaft NICHT kostenlos und müsste bezahlt werden. Mehr dazu in meinem Beitrag zur

„Nicht immer beitragsfreien Versicherung in Elternzeit“.

„9. Kuren sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen“ – falsch und nicht zwingend Nachteile der Privaten Krankenversicherung!

Auch diese Aussage ist so nicht richtig! Wir hatten das Thema ja vorhin schon oben bei den Kindern, eine Kurleistung kann entweder Bestandteil des Tarifes sein, oder aber es gibt dazu einen ergänzenden Baustein. Wenn ich mich bei Abschluss gegen einen solchen Tarif entscheide, so kann ich den in der Zukunft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung versichern. Habe ich selber keinen solchen Tarif, so bekommen die Kinder diesen mit Geburt auch nicht automatisch ohne Gesundheitsprüfung.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, warum die sorgfältige Auswahl des eigenen Versicherungsschutzes (und unter Umständen die Anpassung des eigenen Schutzes vor Geburt der Kinder) so wichtig und elementar ist.

Wer sich aber aus finanziellen Gründen (oder weil der Berater anscheinend keine Ahnung hat er auf das Thema hinzuweisen) dagegen entscheidet, der sollte nicht der privaten Krankenversicherung den Vorwurf machen. Schließlich hat er eine Leistung nicht versichert, für die er auch keine Beiträge gezahlt hat. Warum sollte hier eine Leistung erfolgen?

„10. Berge voller Papierkram – jeder Beleg muss eingereicht werden“

Wenigstens dieser Punkt ist richtig. Natürlich muss ich mir als privat versicherter bewusst sein, dass ich einen höheren Aufwand betreiben muss. Es gibt eben keinen direkten Abrechnungsweg zwischen Arzt und Krankenversicherung (ausgenommen sind einige stationäre Rechnungen) und ich bekomme die Rechnung nach Hause.

Dieses Nachhause schicken hat durchaus Vorteile, denn ich kann kontrollieren, was der Arzt abgerechnet hat und ob die Diagnosen auch so stimmen.

Auch kann ich entschieden, welche Rechnungen ich wann einreiche. Das „alles vorgestreckt werden muss“ ist aber wiederum falsch. Private Krankenversicherer erstatten heute binnen weniger Tage, wenn Rechnungen als Foto via App eingereicht oder per Post geschickt werden.

Sie erstatten aber nur das, was auch versichert ist. Anders als in der GKV kann, muss ich aber nicht alle Bereiche versichern und spare somit an den Leistungen, welche mir bei Abschluss nicht wichtig sind. Wenn diese wichtig werden, muss aber auch bei laufendem Vertrag gehandelt werden.

Wer hohe Medikamentenrechnungen hat, sollte zudem über ein Kundenkonto bei der Apotheke nachdenken. Hier bekommt man dann einfach eine Rechnung, reicht diese ein und hat das Geld wieder, bevor es bezahlt werden muss.

Wem dieser Abrechnungsweg aber Sorgen bereitet, hierfür gibt es Dienstleister! Also entweder selbstmachen, oder jemanden für eine monatliche Pauschale damit beschäftigen, die Arbeit für einen selbst zu übernehmen.

Noch einen Satz zu der Aussage:

„Außerdem akzeptieren die privaten Krankenkassen nicht jede Arztrechnung. Mein Mann hat die Rechnung für ein Schlaflabor vorgestreckt und dann von der privaten Krankenkasse erfahren, dass gemäß der Gebührenverordnung zu hoch abgerechnet wurde.“

Was wäre Ihnen lieber? Ein privater Krankenversicherer, der unberechtigte Leistungen trotzdem bezahlt und damit die Beiträge deutlich schneller erhöhen muss, oder einer, der sich an die Regeln hält und dem Arzt gegebenenfalls auch aufzeigt, warum seine Rechnung falsch ist? Das möchte ich gar nicht im Detail bewerten oder kommentieren, machen Sie sich einfach einmal selbst dazu Gedanken.

„11. Du kommst aus einer Ehe leichter raus, als aus einer privaten Krankenkasse“

Die letzte Aussage in dem Beitrag unserer Autorin ist die erste und einzige, welche vollständig richtig ist. Hier wird ganz klar und deutlich dargestellt, dass es eine dauerhafte Entscheidung für die eigene Gesundheitsvorsorge ist.

Wer sich für die private Krankenversicherung heute entscheidet, der sollte das bewusst und wohl überlegt tun. Es gibt eine Unmenge an Gründen, die für eine entsprechende Versorgung und mindestens genauso viele Gründe die gegen eine entsprechende Versorgung in dem privaten Versicherungssystem sprechen.

Ich kann mich kaum noch erinnern wie oft ich darüber aufgeklärt habe, wie wichtig es ist, Lebensentscheidungen von dir zu treffen und eben nicht darauf zu vertrauen, was einem der „gute Kumpel“ (der gerade zufällig auch bei einer Versicherung auch arbeitet und irgendetwas mit Krankenversicherung mal gelesen hat), erzählt.

Hinterfragen Sie Aussagen, beschäftigen Sie sich mit der Zukunftsfähigkeit von Tarifen und schauen Sie sich an, wie sich der Tarif in Zukunft verändern kann. Auch wenn heute eine Familienplanung vielleicht nicht denkbar ist, so kann es doch in Zukunft eine solche geben. Morgen kommt die Partnerin/der Partner um die Ecke, und es ändert sich sprichwörtlich alles.

Hierfür muss ein Versicherungsschutz gemacht sein und angepasst werden.
Wichtig ist aber hier, dass ein Wechsel, zurück in das andere der jeweiligen Systeme, durchaus denkbar und möglich ist, wenn man ihn entsprechend vorbereitet. Hierfür gibt es Spezialisten, die sie als Berater zur Seite stellen sollten, denn wenn man hier gut erkennen kann ist es eben nicht so einfach.

In einem weiteren Beitrag werde ich Ihnen einige solcher Spezialisten vorstellen und auch erklären, wie die ihnen konkret in unserem Beispiel hier helfen können.

Zu dem konkreten Fall und warum es nach meinem anderthalbstündigen Samstagabend- Telefonat plötzlich alles nicht mehr so war wie es schien (und warum der Facebookpost jetzt auch wieder gelöscht wurde), das erzähle ich gern in einem weiteren Beitrag.