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21.
Juni '16

Wer versichert mich ohne Risikozuschlag? Warum ein solcher Ansatz vollkommen falsch ist


Die Auswahl der privaten Krankenversicherung gehört sicher zu einem der umfangreichsten Prozesse die es in der Versicherung Welt gibt. Schließlich sprechen wir über einen (im besten Fall) lebenslangen Vertrag, der nicht so ohne weiteres wieder gelöst werden kann. Gerade wenn später gesundheitliche Probleme dazu kommen, so ist ein Wechsel der privaten Krankenversicherung nicht nur wenig sinnvoll, sondern in vielen Fällen auch schlicht und ergreifend nicht möglich.

Grund für diesen Beitrag sind immer wieder Anfragen nach dem Motto:

Gebrochen war mein Ellbogen links und mein Mittelhandknochen rechts. Alle Kosten hierzu zahlt die BG.

Ist es realistisch ohne RZ das unterzubekommen?

Auch neigen Interessenten für die private Krankenversicherung dazu, keinen Zuschlag für Erkrankungen zahlen zu wollen, welche zum Beispiel mit freiverkäuflichen Medikamenten bezahlt werden kann. Daher möchte ich diesen Beitrag nutzen, um ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen und zu erklären warum sowohl bei der privaten Krankenversicherung als auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ein solcher Auswahlprozess nach den Kriterien „Wer nimmt mich ohne Zuschlag?“ der falsche Ansatz ist.

Risikozuschläge für „kleine Wehwehchen“?

Auch wenn der Frühling fast vorbei ist, so sind doch eine Reihe von Menschen von Heuschnupfen geplagt. Dieses ist mal schlimmer und dann wieder besser, und führt am Ende dazu, dass sich der Versicherte irgendwie mit dieser Erkrankung arrangiert. Irgendwann weiß man einfach, an welchen Tagen man besser nicht vor die Tür gehen soll, meidet blühende Wiesen oder andere allergieauslösende Orte. Viele von Ihnen wissen oder merken wenn es losgeht und gehen dann schnell einmal in die Apotheke um sich ein entsprechendes Medikament zu besorgen. Diese Medikamente sind oftmals frei verkäuflich und kosten nicht wirklich viel Geld. Ein paar Nasentropfen und etwas für die Augen ist schnell gekauft, morgens einmal ein wenig Medizin hinein geträufelt und es lässt sich auch mit einem Heuschnupfen entspannt durch den Tag kommen.

Jetzt ist es jedoch so weit, ein Antrag auf private Krankenversicherung soll gestellt werden. Dabei werden natürlich gesundheitliche Beeinträchtigungen abgefragt, die meisten Versicherer haben für Heuschnupfen und Allergien zudem einen separaten Fragebogen. Hier geht es darum relativ detailliert zu erfahren, wie die konkreten Beschwerden aussehen und wie diese behandelt werden. Wahrheitsgemäß tragen Sie also ein, dass sie im Frühjahr regelmäßig an Heuschnupfen und dessen Folgen leiden. Weiterhin ergänzen Sie wahrheitsgemäß, dass sie sich dafür in der Apotheke ein frei verkäufliches Medikament holen. Die Kosten hierfür von ca. 10-20 € haben sie bisher immer selbst gezahlt und werden sie zukünftig weiter zahlen, schließlich fallen diese unter die Selbstbeteiligung der zukünftigen, privaten Krankenversicherung.

Nachdem sie nun (hoffentlich keinen Antrag, sondern) die Risiko Voranfrage gestellt haben, staunen Sie nicht schlecht. Der Versicherer möchte für diese Allergie/den Heuschnupfen einen Risikozuschlag. Dieser Zuschlag wird monatlich auf den Krankenversicherungsbeitrag gerechnet und soll 11,30 € monatlich betragen. Schnell rechnen Sie einmal hoch, das sind im Jahr immerhin Mehrkosten in Höhe von 135,60 €. Diese fallen natürlich nicht nur im ersten Jahr, sondern auch in den Folgejahren an.

Auf den ersten Blick stehen also Kosten von 10-20 € einem Zuschlag von 135 € gegenüber. Das mag auf den ersten Blick ungerechtfertigt sein, dennoch aus eigener Erfahrung eine kleine Beispielsrechnung. Ich habe neben Heuschnupfen einige andere Allergien, Karotten, einige Gewürze und etwas Obst. Über viele Jahre habe ich absolut keine Beschwerden gehabt, eines morgens jedoch wachte ich mit deutlichen Anzeichen auf. Angeschwollenes Gesicht, völlig unklare allergische Symptome, und in Ansatz eine Idee woher es kommt. Da es am Tag immer schlimmer wurde, entschied ich mich einen Arzt aufzusuchen, welchem Wort in ein Krankenhaus eingewiesen hat. Für den kurzen Aufenthalt wurden folgende Kosten berechnet. (Es interessiert nicht die Verweildauer, sondern die Diagnose bestimmt die Kosten)

Allergie KH

Hierbei handelt es sich im übrigen ausschließlich um die Kosten, welche das Krankenhaus berechnet hat. Es sind noch keine Kosten für den Arzt, die Behandlung und die Diagnostik enthalten, diese Folgen mit einer separaten Rechnung. Die zweite Rechnung (Arzt-und Labor) betrug nochmals etwa 1.500 €. Selbst wenn also ein Krankenhausaufenthalt vermeidbar gewesen wäre, wobei ich froh war zu diesem Zeitpunkt dort zu sein, werden hier Kosten von über 1.000 € entstanden.

Allein deshalb, weil eine Allergie als Vorerkrankung zusteht und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Ausbruch vorhanden ist, ist ein entsprechender Zuschlag auf den Krankenversicherungsbeitrag zu zahlen. Addieren wir nun die Kosten für den stationären Aufenthalt und die Arzt-und Laborkosten, so kommen wir auf einen Betrag von 3.456 €. Heruntergerechnet auf den Risikozuschlag, müsste unser Patient somit 25,6 Jahre den Risikozuschlag zahlen, um nur die Kosten für diesen einen Krankenhausaufenthalt und die Diagnostik auszugleichen. So einfach funktioniert natürlich die Kalkulation in der Versicherung nicht, denn natürlich kann auch ein Patient der keine allergische Vorerkrankung hat, genau die gleiche Situation kommen.

Dennoch zeigt es sehr gut, wie hoch Kosten mit einer vermeintlich „kleinen Erkrankung“ entstehen können. Daher hängt die Höhe des Risikozuschlag keinesfalls direkt damit zusammen, wie hoch die aktuellen Kosten für ein Medikament sind.

Wenn die Erkrankung ein anderer zahlt?

Nun gibt es Erkrankungen, für welche es einen anderen Kostenträger gibt. Es können zum einen Erkrankungen während des Wehrdienstes sein, hier ist ein separater Kostenträger auch für die Folgen verantwortlich. Auf der anderen Seite können Kosten (wie oben in der ersten Anfrage) durch eine Berufsgenossenschaft übernommen werden. Diese Kosten sind dann durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit entstanden, fallen nicht der (bisherigen gesetzlichen oder neuen privaten) Krankenversicherung zur Last.

Sind die Kosten klar und eindeutig abzugrenzen und ist es daher unmöglich das hier für weitere Kosten für die neue private Krankenversicherung entstehen können, so ist ein Risikozuschlag hierfür eher unwahrscheinlich. Schließlich bedeutet diese Vorerkrankung keine Mehrkosten gegenüber einem anderen, gesunden Versicherten. Ist eine Abgrenzung allerdings nicht genau möglich und bestehen zum Beispiel noch „Rückstände aus Operationen“ (Metall im Körper) die noch entfernt werden müssen, kann ein Risikozuschlag trotzdem erhoben werden. Der Grund liegt hier darin, dass während einer solchen Metallentfernung, also einer Operation, weitere Komplikationen entstehen können die dann nicht mehr eindeutig abgrenzbar sind.

Kann ein Risikozuschlag verändert werden?

Ja, und das in beide Richtungen. Ein Risikozuschlag in der privaten verändert sich automatisch, wenn der Beitrag in der privaten Krankenversicherung durch eine Beitragsanpassung erhöht wird. Im gleichen Verhältnis wie der Beitrag steigt dann auch der Risikozuschlag. Dies ist auch notwendig, denn Kostensteigerungen in der privaten Krankenversicherung führen dazu, dass Beiträge in der PKV ansteigen, damit müssen auch Mehrkosten ausgeglichen werden. Sie durch Vorerkrankungen also höhere Kosten zu erwarten und wurde hierfür ein Risikozuschlag erhoben, so ist dieser im gleichen Verhältnis zu erhöhen.

Wurde zu Vertragsbeginn ein Risikozuschlag und hat sich die Risikoeinschätzung seitdem verändert, sind Erkrankungen nicht mehr aufgetreten oder bereits ausgeheilt, so ist hier eine Reduzierung dieses entsprechenden Zuschlags zu beantragen. Dazu sollten Sie detailliert darlegen, welche Erkrankungen sich in welcher Form verändert haben und eine Reduzierung des Risikozuschlag beantragen. Sollte der Versicherer dem nicht zustimmen, so wenden Sie sich bitte an einen entsprechenden Berater, der Ihnen hier weiterhelfen kann. Auch eine anonyme Risikovoranfrage mit den aktuellen Daten (bei den gleichen Versicherer) kann einen Überblick dazu geben, wie eine heutige Einschätzung bei einer vergleichbaren Erkrankung aussehen würde.

Mit diesen Informationen lässt sich einer entsprechenden Reduzierung des bestehenden Risikozuschlages ein wenig Nachdruck verleihen. Dabei noch ein kleiner Hinweis. Während der Vertragslaufzeit neu aufgetretenen Erkrankungen dürfen bei der Betrachtung zur Reduzierung des Risikozuschlag nicht berücksichtigt werden. Haben Sie also bitten Rückenbeschwerden einen Risikozuschlag von 20 € in ihrem Vertrag und zukünftig soll dieser reduziert werden, so spielt ein neu aufgetretenen Bluthochdruck keine Rolle. Der Versicherer kann also nicht sagen: „Jetzt haben wir bei dem Patienten höhere Kosten durch den Blutdruck, daher reduzieren wir den Risikozuschlag für den Rücken nicht.“

Wer versichert mich nun ohne Zuschlag?

Wie viele Sachen im Leben, hat auch ein Risikozuschlag zwei Seiten. natürlich ist es verständlich dass jemand ein Abschluss des Vertrages keinen unnötigen Zuschlag zahlen möchte. Auch ein Risikozuschlag hat jedoch zwei Seiten. Eine solche Risikobewertung wird nicht nur bei Ihnen vorgenommen, sondern natürlich auch bei anderen Versicherten. Durch einen Risikozuschlag sind ausreichende Mittel vorhanden, damit die Mehrkosten für diesen Patienten daraus finanziert werden können. Nimmt eine Gesellschaft nun jedoch für eine Erkrankung keinen Zuschlag, alle anderen aber schon, so kann dies ein Hinweis sein, dass sich die Beitragsentwicklung schlechter darstellen wird. In der Gesamtbetrachtung hat also auch ein Risikozuschlag eine (positive) Berechtigung. Sichert er doch in dem Gesamtbestand des Versicherers eine risikogerechte Kalkulation und dementsprechend eine stabile(re) Beitragsentwicklung.

Der Ansatz, sich also mit einem möglichst kleinen, oder gänzlich ohne Zuschlag zu versichern, ist daher falsch. Es geht in der privaten Krankenversicherung und auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung oder an anderen Versicherungssparten immer darum, ein ausgewogenes Verhältnis zu erreichen. Daher sind Risikozuschläge und Ausschlüsse durchaus berechtigt. Ausschlüsse in der Krankenversicherung nicht möglich, in der Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen schon. Dort lassen sich mit einem entsprechenden Ausschluss Vorerkrankungen gänzlich vom Versicherungsschutz ausschließen.

Der richtige Weg zur passenden privaten Krankenversicherung ist somit nicht der, über den geringsten Zuschlag. Der richtige Weg ist der, über den passenden Tarif, individuell passenden, richtigen Leistungen und damit einer Absicherung die zu dem jeweiligen Interessenten passt. Ebenso kann während des Prozesses der Risikovorprüfung die Erkenntnis eintreten, dass der Weg in die private Krankenversicherung oder der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung derzeit nicht sinnvoll möglich ist. Dann spricht man von einer Zurückstellung des Antrages, wenn es sich um ein Risiko handelt was noch ausheilen muss und welche später versicherbar ist. Ebenfalls ist bei einigen Vorerkrankungen eine Versichertenkarte nicht gegeben, der Versicherer muss im Sinne des Kollektivs diesen Antrag ablehnen.

Fazit:

Wenn Sie also gerade auf der Suche nach einem passenden Versicherungsschutz für die private Krankenversicherung, Pflegezusatzversicherung oder die Berufsunfähigkeitsversicherung sind, so lassen Sie mich bitte nicht davon leiten wir Sie zu einem möglichst kleinen Zuschlag versichert. Risikozuschläge und Ausschlüsse sind in der Absicherung von biometrischen Risiken bei Vorerkrankungen völlig normal, notwendig und berechtigt. Wichtig ist das der Vertrag den Sie abzuschließen zu gedenken zu Ihnen passt und den individuellen Leistungswunsch abdeckt. Weitere Informationen dazu finden Sie auch:

Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie diese gerne über das LiveChat Fenster links oder über mein Kontaktformular stellen.

10.
Oktober '12

Anonyme Voranfragen – ich will nicht in einer Datei gespeichert werden


In der täglichen Beratungspraxis erreichen mich immer wieder Anfragen wie diese:

„Bieten Sie auch Anonyme Risikovoranfragen bei ausgewählten Versicherungen an? Hintergrund ist, dass ich ungern in einer Datendatei gespeichert werden möchte.“

Was genau ist aber dran an dieser „anonymen Datenspeicherung“ und existiert eine solche Datei überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst einmal klar sein, wann und zu welchem Zweck solche Voranfragen überhaupt gestellt werden und welche Ziele damit verfolgt wird. Die Voranfrage oder die „Risikovorprüfung“ ist die Vorstufe zu einem Antrag in der Personenversicherung. Dabei soll das Risiko eingeschätzt werden, zu welchem ein bestimmtes Risiko (zum Beispiel: der Wunsch nach einer Berufsunfähigkeitsrente, die Absicherung in einer Krankenversicherung) versichert werden kann.

Was genau ist die Voranfrage und wann sollte man eine solche stellen?

Anders als bei dem Antrag, welcher den Abschluss einer entsprechenden Versicherung zum Ziel hat, zielt die Voranfrage erst einmal darauf ab zu prüfen wie eine Person versichert werden kann. Zuerst informiert sich der Kunde mit Hilfe seines Beraters über den passenden Tarif und die passende Gesellschaft. Bevor er nun einen Antrag stellen kann, welcher vielleicht negativ oder mit einem (hohen) Risikozuschlag belegt wird, stellt der Berater eine entsprechende Voranfrage. Durch die Prüfung dieser Voranfrage kann der Versicherer entscheiden, wie genau er das Risiko versichern möchte, oder ob er noch weitere Unterlagen zur Prüfung benötigt. Anders als bei einem Antrag müssen hier noch nicht alle persönlichen Daten übermittelt werden. In der Risikovoranfrage geht es in den meisten Fällen auch zunächst nur um die Einschätzung des gesundheitlichen Risikos.

Antrags- vs. Invitatiomodell

Früher, also bevor derzeitige Fassung des Versicherungsvertragsgesetzes in Kraft trat, wurden meistens Anträge gestellt und diese bei „zum negativen Einschätzungen“ einfach später nicht angenommen. Das bedeutet also, dass der Kunde das Angebot des Versicherers (mit einem entsprechenden Zuschlag oder Leistungsausschluss) nicht akzeptiert hat. Durch die gesetzlichen Änderungen, kann der Kunde heute zwischen 2 unterschiedlichen Varianten wählen. Bei dem so genannten „Antragsmodell“ stellt der Kunde nach wie vor einen Antrag mit den vollständigen persönlichen Daten, der Versicherer prüft das Risiko und zeichnet den Antrag. Im so genannten „Invitatiomodell“ will der Kunde aber gar keinen Antrag stellen, sondern fordert von dem Versicherer die Abgabe eines Angebotes an. Dabei werden auch hier entsprechende Daten an den Versicherer übermittelt. Nach einer erfolgten Risikoeinschätzung gibt der Versicherer dann ein verbindliches Angebot ab, welches der Kunde annehmen kann.

Welche Daten werden gespeichert und ist das negativ?

Stellt ein Kunde nun einen Antrag, zum Beispiel für eine Absicherung bei eintretender Berufsunfähigkeit, so kann der Versicherer diesen Antrag nach Prüfung eben auch ablehnen oder mit einer Erschwernis (Zuschlag oder Leistungsausschluss) annehmen. In einem später gestellten neuen Antrag wird aber unter Umständen nach bereits ausgesprochenen Ablehnungen oder Erschwernisannahmen gefragt. Um hier nicht von vornherein Angaben machen zu müssen, welche vielleicht negativ auf die neue Annahmeentscheidung wirken, versuchen Kunden möglichst keinen Antrag zu stellen. Denn wenn kein Antrag gestellt ist (sondern nur eine Voranfrage) ist diese eben bei einer Frage nach abgelehnten Anträgen auch nicht anzugeben.

In der Lebensversicherung existiert eine entsprechende (mehr …)

16.
April '12

Gastbeitrag: „Darf’s ein bisschen mehr sein? – Risikoprüfung, Ausschlüsse und Zuschläge in der Berufsunfähigkeitsversicherung, von Hubert Mayer


Keine Sorge, Sie sind schon richtig hier im PKV-BU-Blog und im folgenden Beitrag geht es auch nicht um die Wurst – oder irgendwie schon, aber nur im übertragenen Sinne. Der heutige Beitrag befasst sich mit der Risikoprüfung in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) bzw. der Lebensversicherung (LV). Warum muss ein Antragsteller manchmal mehr zahlen, also einen Risikozuschlag in Kauf nehmen? Warum einen Ausschluss? Und kann man auch statt eines Zuschlages einen Ausschluss vereinbaren? Diese Fragen sollen hier angerissen und erläutert werden.

Die Tarifprämie

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Basis für ein Angebot für eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Lebensversicherung eine durchschnittlich gesunde Person ist. Angebote werden grundsätzlich auf dieser Basis erstellt. Die Höhe der Prämie richtet sich dann nach Geschlecht, Eintrittsalter, Laufzeit (geplante Dauer des Versicherungsschutzes), Absicherungshöhe (monatliche Rente bei Berufsunfähigkeit bzw. Altersrente oder Versicherungssumme in der LV) und bei der BUV auch noch insbesondere nach dem ausgeübten Beruf. Der Beruf wird auch bei den Einschätzungen, die später erläutert werden, wieder eine Rolle spielen. Dass beispielsweise ein Straßenbauer eine höhere Prämie für eine gleich hohe Absicherung zahlt wie ein Betriebswirt, dürfte allen Lesen dieses Blogs bekannt sein.

Warum steigt der (Tarif-) Beitrag aber so stark an, wenn die Laufzeit eines Vertrages über das Alter 60 hinaus geht?

Eigentlich auch leicht zu erklären: Die Eintrittswahrscheinlichkeit steigt zum einen sehr stark an, was sowohl mit dem objektiv steigenden Krankheitsrisiko erklärt werden kann als auch mit dem erhöhten subjektiven Risiko, vorzeitig aus dem Beruf auszusteigen und „noch ein wenig Leistung mitnehmen“ – hat man doch all die Jahre sonst „umsonst“ Beiträge gezahlt (hat man natürlich nicht, man bekam die Gegenleistung Versicherungsschutz). Andererseits muss auch eine frühzeitig erbrachte Rente aufgrund von Berufsunfähigkeit entsprechend länger erbracht werden – und das in Zeiten mit einer recht niedrigen Reaktivierungswahrscheinlichkeit (also der Möglichkeit, dass jemand nach einer Zeit der Berufsunfähigkeit wieder eine berufliche Tätigkeit ausübt). (mehr …)

18.
Mai '11

Wartezeiten beim Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV)


Eine immer wieder gestellte Frage und leider im Internet und bei einigen gesetzlichen Krankenkassen bewusst oder unbewusst als falsche Information verbreitet. Um diese Frage zu beantworten sollten natürlich nie Begriffe klar sein. Daher ist die allererste Frage:

Was sind Wartezeiten und wozu dienen diese?

Wartezeit ist die Zeit nach Versicherungsbeginn/ Beginn der Beitragszahlung(spflicht) und dem Beginn des eigentlichen Versicherungsschutzes. Die Wartezeiten sind zu unterteilen in eine so genannte allgemeine Wartezeit und eine besondere Wartezeit.

Geregelt sind die Fristen in den Musterbedingungen zur Krankheitskostenversicherung (MB KK). Die allgemeine Wartezeit beträgt 3 Monate. Für einige Leistungsbereiche ist diese Wartezeit jedoch nicht gültig. Dazu zählen die Entbindung, Psychotherapie, Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie. Für diese Kosten gilt die besondere Wartezeit, welche dann 8 Monate dauert.

Der Sinn der Wartezeiten war früher ist das Vermeiden von angesammeltem Behandlungsbedarf. Stellen Sie sich Personen vor, welche nicht (oder sehr schlecht) versichert sind. Durch einen Abschluss oder Wechsel in einen besseren Versicherungsschutz könnte der Gedanke entstehen, mit der einen oder anderen Behandlung noch zu warten, dann kann man diese ja abrechnen. Diese Risiken möchten die Versicherer gern vermeiden, denn dann müssten in der Gesamtheit höhere Beiträge erhoben werden. Da aber niemand eine Psychotherapie 8 Monate im Voraus plant, hat man sich das Modell mit den Wartezeiten „überlegt“.

Ich wechsle aus der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV). Wie lange muss ich dann warten bis ich Leistungen bekomme?

Die Regelungen hierzu finden wir ebenfalls in den Musterbedingungen. Dazu ist ein Blick in den §3 nötig, denn dort heißt es:

(5) Personen, die aus der gesetzlichen Krankenversicherung ausscheiden, wird die nachweislich dort ununterbrochen zurückge- legte Versicherungszeit auf die Wartezeiten angerechnet. Voraussetzung ist, dass die Versicherung spätestens zwei Monate nach Beendigung der Vorversicherung beantragt wurde und der Versicherungsschutz in Abweichung von § 2 Abs. 1 im unmittelbaren Anschluss beginnen soll. Entsprechendes gilt beim Ausscheiden aus einem öffentlichen Dienstverhältnis mit Anspruch auf Heilfürsorge.

Sind Sie also länger als 8 Monate bisher in einer (nicht zwingend der gleichen) gesetzlichen Krankenkasse versichert gewesen, so wird diese Zeit angerechnet. Daraus folgt dann, dass die Wartezeiten entfallen und Sie sofort bei Vertragsbeginn vollen Versicherungsschutz genießen. Auch wenn einige gesetzliche Krankenkassen (darunter unter anderem die GEK, die BKK Seidensticker Gildemeister oder die Bertelsmann BKK) auf deren Internetseiten etwas anderes behauptet haben und teilweise noch behaupten, das ist falsch. Die Gesetzeslage ist mehr als eindeutig. Bei einem Wechsel aus der GKV bestehen keine Wartezeiten in der Privaten Krankenversicherung!

Wenn ich innerhalb der Privaten Krankenversicherung wechsle, gelten dann auch die Wartezeiten?

Nein. Genau wie ein Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse, so ist es auch in der Privaten Krankenversicherung. Der einzige Unterschied ist der, das ein Wechsel in der PKV eher nicht empfehlenswert ist. Dennoch können für Mehrleistungen auch bei einem Tarifwechsel innerhalb einer Gesellschaft unterschiedliche Wartezeiten anfallen.

Lässt sich das vermeiden und wenn ja wie?

Bei einem Tarifwechsel innerhalb des eigenen Versicherers bestehen ggf. für die höheren Leistungen Wartezeiten. Zum Teil verzichtet der eine oder andere Versicherer jedoch darauf.

Ist dieses nicht der Fall, so kann der Versicherer durch eine ärztliche oder zahnärztliche Untersuchung auf die Wartezeiten verzichten. Die Kosten dieser Untersuchung werden von dem Unternehmen aber nicht übernommen und sind somit selbst zu tragen. Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, sich an das entsprechende Formular zur ärztlichen Untersuchung zu halten, da jedes Unternehmen eigene Antrags-/ Ergänzungsformulare verwendet.

Was passiert, wenn ich aus dem Ausland komme und erstmals wieder in Deutschland versichert werde?

Bei der Rückkehr nach dem Ausland ist zunächst zu prüfen ob dort ein Versicherungsschutz bestand. In fast allen Fällen ist jedoch zur Risikoprüfung eine neue Einschätzung durch ein ärztliches Zeugnis erforderlich. Hiermit kann das Unternehmen dann den Gesundheitszustand einschätzen und gleichzeitig den Wartezeiterlass bestätigen.

Weitere Informationen zur Tarifauswahl:

Welche Kriterien gelten bei der Auswahl des passenden Tarifs?

Ich möchte einen kulanten Krankenversicherer

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und Kriterienfragebogen

10.
September '09

Warum muss ich einen Risikozuschlag zahlen – ich nehme doch fast keine Medikamente


Diese Frage stellt sich bei vielen Beratungen zur Privaten Krankenversicherung, aber auch zur Berufsunfähigkeit. Der „Ausgleichsbeitrag“ oder Risikozuschlag (RZ) ist eine Möglichkeit des Versicherers, Personen die nicht zu normal kalkulierten Prämien annehmbar sind, doch zu versichern.

Die Prämien sind sowohl in der PKV als auch in der BU Versicherung stets so kalkuliert, das gesunde Versicherte ohne Vorerkrankungen zu dem so genannten Normal-/ Tarifbeitrag versichert werden können. Besteht ein verändertes/ erhöhtes Risiko für den Eintritt von Erkrankungen oder das mögliche Auftreten der Berufsunfähigkeit, so ist dieses mit Leistungsausschluss oder Risikozuschlag durchaus zu versichern.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es bei abgrenzbaren Erkrankungen die Möglichkeit diese auszuschließen. Dabei kann eine Formulierung zum Beispiel lauten:

Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind Berufsunfähigkeit durch Verletzungen des rechten Knies, dieses wird beim Eintritt einer Berufsunfähigkeit nicht berücksichtigt.“

Anstelle eines Ausschlusses kann bei manchen Versicherern auch ein Zuschlag auf den Beitrag gewählt werden. Dieses findet auch dann statt, wenn die Erkrankung nicht abgrenzbar ist. Dadurch schafft sich der Versicherer die Möglichkeit den gesunden Kunden von einem mit Vorerkrankungen abzugrenzen. Generell ist der Zuschlag dem Ausschluss vorzuziehen.

In der Privaten Krankenversicherung gibt es (außer bei Gruppenverträgen) den Ausschluss nicht, so das hier nur mit Zuschlägen zu arbeiten ist. Das bedeutet aber auch, das diese meist deutlich anders gestaltet sind, denn hier geht es nicht um die Betrachtung der BU Wahrscheinlichkeit, sondern um die Möglichkeit der Kosten bei der Behandlung der Erkrankung bis zum Lebensende.

Zu Verständnisprobleme kommt es aber immer dann, wenn ein Zuschlag für eine, aus Sicht des Kunden, unerhebliche Erkrankung veranschlagt wird. Schauen wir uns zwei Beispiele an:

1.) Pollenallergie, Behandlung im Frühjahr mit frei verkäuflichen Medikamenten, Kosten 30 EUR pro Monat, zwei Monate

2.) Akne, Behandlung mit einer Salbe, temporär auch Tabletten, seit 1 Jahr nicht mehr behandelt, beschwerdefrei

Im Fall ein verlangt der Versicherer einen Beitragszuschlag von z. Bsp. 10% auf den ambulanten Tarif (bei Bausteintarifen) oder einen kleineren bei Kompakttarifen, also vielleicht 20- 30 EUR pro Monat. Der Kunde versteht es nicht, denn er rechtet 240 EUR pro Jahr Zuschlag, aber nur 60 EUR Kosten. Wie kann das gehen? Reaktion: „Dann geh ich eben zu einem Versicherer der keinen Zuschlag nimmt.

Das ist jedoch nur halb zu Ende gedacht. Der Zuschlag beschreibt das heutige und zukünftige Risiko welches den Versicherer erwarten kann. Was passiert bei Verschlechterung der Erkrankung? Was passiert wenn sich hieraus später ein Asthma entwickelt? Was, wenn Folgen dazu kommen?

Eine Möglichkeit für den Versicherer den Zuschlag zu erhöhen gibt es nicht, somit muss dieser zu Beginn „ordentlich“ kalkuliert werden.

Im Fall 2 wird dieser Versicherer je nach Schwere der Erkrankung entweder ablehnen oder einen Zuschlag nehmen. Auch hier stellt sich nicht die Frage was heute für Kosten entstehen, sondern was daraus resultieren kann. Denn anders als in anderen Versicherungssparten gilt der Vertrag lebenslang und verpflichtet den Versicherer auch lebenslang. Auch wenn die Erkrankung heute gerade nicht (mehr) auftritt ist hier in der Regel ein Zuschlag zu verhängen, dieser kann später überprüft werden.

Kommen wir nun zu der Aussage zurück:

„Dann geh ich eben zu einem Versicherer der keinen Zuschlag nimmt.“

Das ist der falsche Weg. Nimmt ein Versicherer Sie so, also trotz Erkrankung ohne oder mit einem sehr kleinen Zuschlag, so muss man sich berechtigt fragen- macht er das nur bei Ihnen so? Nein, natürlich nicht und wenn es bei allen so ist, weil es eine Annahmepolitik darstellt, so kann und sollte man sich fragen wie dieses finanziert wird.

Klar- es wird Beitragsanpassungen geben, die dann meist höher ausfallen als bei anderen Versicherern. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das die Leistungen des zweiten Unternehmens stark/ stärker eingeschränkt sind und es somit zu keiner oder einer deutlich geringeren Leistung schon vom Tarif her kommt- auch dann ist die Entscheidung zu überdenken.

Bedenken Sie dieses, wenn Ihnen bei Ihrem Vertrag ein Risikozuschlag oder Ausschluss angeboten wird und hinterfragen Sie diesen.