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30.
Juni '14

Der Unsinn hat einen Namen „Die beliebtesten Versicherer aus Vermittlersicht“


Es gibt bekanntlich viel Unsinn in der Branche, viele Test die eher gewürfelte Ergebnisse haben und dem Kunden mehr Schaden zufügen, manchmal gar in den Ruin treiben als die erhoffte Hilfe zu bieten. Vermittler wie Kunden wissen irgendwann nicht mehr was und wem sie glauben sollen. Da kommen Auswertungen, Ratings und Test oftmals gerade den „Kollegen“ recht, die noch ein „Verkaufsargument“ brauchen oder eine „Bestätigung für eine Empfehlung“.

Jetzt haben solche Test ja bekanntlich Kriterien. Kriterien welche manchmal unsinnig gewählt sind, manches Mal erfüllen auch die Testsieger nicht einmal die gesetzten Kriterien und dann, wenn Sie denken es geht nicht schlimmer, dann lesen Sie Schlagzeilen wie:

Beste Krankenversicherung aus Maklersicht

Die Favoriten der Vermittler in BU/Arbeitskraftabsicherung

Das passiert so jedes Quartal auf’s Neue und jedes Mal der gleiche Schwachsinn Unfug. Die Idee ist sicherlich dem Leser zu sagen: „Hey, schau her. Deine (Makler-)Kollegen finden den Versicherer XYZ gut und Du verkaufst den noch nicht? Dann mal schnell los, wird ja einen Grund haben warum die Kollegen den toll finden.“

Wie kommen die Ergebnisse der Studien zu Stande? 

Nun, das ist einfach. Der Verlag bzw. das Haus welches die Analysen im Auftrag durchführt, sucht sich nach mir nicht bekannten Kriterien Makler und Mehrfachagenten aus und schreibt diese per Mail an. Dort wird dann ein Link zu einer Umfrage mitgeteilt und in etwa 15 Minuten können die Teilnehmer dann wählen, welcher Versicherer „toll“ ist und welcher eben nicht.

Nachdem die zufälligen Tipps Angaben des Einzelnen ausgewertet worden sind, entsteht dabei eine „Studie“ die zusammen mit etwas Text an die Presse verschickt wird. Branchenzeitschriften, Online-Portale und manchmal auch Endkundenmagazine schreiben dann darüber. Interessierte und einige Versicherer dürfen diesen Unsinn dann käuflich erwerben und machen damit wiederum Werbung bei Maklern, Kunden oder wo auch immer.

Teilnehmer sind Sockenliebhaber

Augenscheinlich, denn wie sonst würden Sie solche Einladung zur Umfrage denn verstehen?

Einladung PKV Umfrage

Bei der Einladung wurden mir- wie allen anderen Teilnehmern- die Verlosung von Socken angeboten. Jeder 20. Teilnehmer gewann somit ein Paar Funktionsstrümpfe. Dazu hab es noch ein Seminar und Abos der Zeitung „Die Welt“ zu gewinnen. Irgendwie müssen die potentiellen Teilnehmer ja dazu überredet werden, bei diesem „größten Schwachsinn der Branche“ mitzumachen.

Manchmal, ja machmal gibt es auch eine Reise zu gewinnen.

Reise Gewinn

Wer kauft das Ergebnis und was kostet es?

Vermutlich (Zahlen und Daten zur Auflage liegen mir nicht vor) werden die Versicherer diese Studie erst einmal kaufen, schließlich muss man ja dort wissen wie gut das eigene Ergebnis war und ob es sich lohnt damit zu werben. Auch können Sie diese Studien kaufen, wenn Sie denn 1.775 EUR netto in den Papierkontainer werfen wollen. Sollten Sie nur ansatzweise darüber nachdenken das zu tun, bitte werfen Sie es hierhin.

Preise Asscompact Studie

Unterstellen wir also einmal, die aktuelle PKV Studie (siehe Einladung oben) wurde von 50 Versicherern, einigen Branchenunternehmen und vielleicht noch ein oder zwei Einzelpersonen gekauft. Dann sähe die Rechnung so aus:

75 * 1.775 EUR = 133.125 EUR

./. Jahresabos Die Welt 15* 500 EUR = 7.500 EUR

./. 369 Makler * 97 EUR = 35.793 EUR wenn alle Teilnehmer zum Seminar gingen und diesen voll zu zahlen wäre

./. 19*40 EUR für Socken = 760 EUR

= 89.072 EUR Gewinn

Wenn Sie also mal… Adressen und Telefonnummern von Maklern gibts ja online. 🙂

Was sagt das Testergebnis über das Unternehmen und Ihre Auswahl?

Dazu muss man unterscheiden an wen Sie geraten. Ein qualifizierter Berater wird Ihnen erklären können wie schwachsinnig solche Ergebnisse sind und auch deutlich machen, warum es für Ihre eigenen Auswertung absolut gar nichts bringt. Es ist so, als fragten Sie 20 Verkäuferinnen welche Marke/ welchen Hersteller sie bei dem neuen Anzug gut findet. Kaufen Sie dann diese Marke?

Nicht? Weil die Marke so gar nicht ihrem Geschmack entspricht, oder vielleicht Anzüge macht die für Ihre Figur oder den Bedarf unsinnig sind? So zinnhaltig wie eine solche Empfehlung ist diese Studie auch.

Wissen Sie warum die Makler/ Mehrfachagenten die Gesellschaften gut finden?

Vielleicht ist die Berechnungssoftware toll? Vielleicht klappt die Betreuung durch den Maklerbetreuer gut, es gab gerade einen Bonus, die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter dort sind besonders hübsch, das Logo ist schön, die Abwicklung geht schnell, oder was auch immer.

Kollegen die es nutzen- Maklerjob verfehlt!

Ganz klar und auch wenn es vielleicht überheblich klingen mag (so ist es nicht gemeint), aber Berater die solche oder auch andere fragwürdige Tests verwenden, haben für mein Verständnis den Beruf des Maklers nicht verstanden. Marktauswahl, Recherche und Begründung der Empfehlung, das ist genau die Tätigkeit.

Ob ein Tarif, Versicherer oder ein Service anderen Kollegen gefällt oder nicht, das kann und muss dem Makler in der Beratung egal sein.

Und nur am Rande: Teilgenommen haben 369 Makler, ja 369! 

22.
August '12

Veränderungen an der Spitze der PKV Unternehmen – Hanse Merkur steigt auf, Central ab


An der Spitze der privaten Krankenversicherungsunternehmen gibt es laut dem Branchendienst dfg- Dienst für Gesellschaftspolitik Veränderungen bei den Zuwächsen. Die Spitzenposition mit den meisten Zuwächsen geht damit an Hanse Merkur Krankenversicherung. Diese hat mit einem Zuwachs von 21,7% (47.680 Personen) die meisten Personen von einer Versicherung im eigenen Haus überreden überzeugen können.

Ich werde hierzu sicher keinen schriftlichen Kommentar abgeben, wie diese Zuwächse zu Stande kommen, jedoch bin ich mir ziemlich sicher das es Großteil der Kunden nicht wirklich weiss, welche Art von Produkt und welche Einschränkungen in diesen Produkten sie gekauft haben. Die Tarife der Hanse Merkur wurden ja unter Vermittlern und Kunden in den letzten Jahren mehr als stark beworben. Aufgrund der vielen Fragen zu den Tarifen hatte ich bereits einen Blogbeitrag dazu veröffentlicht:

“Mir wurde der Wechsel in die Hanse Merkur empfohlen” oder auch Hanse Merkur Start Fit (KVE) – der optimale Schutz wie behauptet?

Bei dem Ranking der Versicherer mit den meisten Zuwächsen rangiert nun die Hanse Merkur auf Rang 1 (vorher 12), gefolgt von der Debeka (vorher 1) und der Axa wie auch im Vorjahr auf Rang 3. Erstaunlich sind die Verteilungen allemal. Während bei der Debeka Zuwächse im Beamtengeschäft die Zahlen noch erklären, so scheinen die Vermittler und Kunden immer noch auf „billig“ aus zu sein, wie sonst sind Zuwächse von 21,7% bei einem Unternehmen zu erklären, welches leistungseingeschränkte Tarife anbietet, die zumindest für meine Kunden nie ein Thema wären, obwohl sich viele von denen die Lücken zumindest teilweise noch leisten könnten.

Bei den Verlierern nach Köpfen über ein Jahr führt die Central Krankenversicherung die Riege der Negativliste an. Aufgrund der massiven Beitragsanpassungen, welche sich teilweise auch in 2013 fortsetzen und der geänderten Geschäftspolitik war auch genau das zu erwarten. Mehr dazu finden Sie auch in den Blogbeiträgen zur Central Krankenversicherung und den aktuellen Zahlen zur Beitrags- und SB Anpassung.

Die beiden weiteren Plätze auf der Top-3-Verliererliste nach Köpfen gehen an die DKV und die Allianz. Beide verlieren mit jeweils knapp über 11.000 Kunden eine ganze Menge an zahlenden Versicherten.

Saldo dennoch positiv:

Betrachtet man die Gesamtbranche und die Systeme GKV und PKV, so sind in dem Jahr 2011 immer noch mehr Versicherte aus den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Richtung der privaten Versicherer gewechselt, als dort gestorben oder weggewechselt sind, so der Branchendienst dfg weiter. Der Dienst beobachtet die Versicherer nach ihren Zahlen, unterteilt in Voll-, Zusatz- und Kooperationsversicherte seit 2004.

14.
September '09

Ratings und Rankings – wirklich hilfreich bei der Auswahl der Privaten Krankenversicherung (PKV)?


Liebe Leser,

fast täglich gibt es neue Schlagzeilen die einem versprechen mit einem Test, einem Rating oder sonst irgendwelcher Tabellen die richtige Private Krankenversicherung (PKV) „auf einen Blick“ zu finden. Das passiert sowohl in Publikumszeitschriften wie finanztest, Capital oder Euro, als auch in Zeitschriften die für den Vermittlermarkt geschrieben werden (Cash etc.).

Dazu kommen noch Ratings von Fitch oder Assekurata die glauben machen wollen, nur wer hier gut geratet ist ist auch gut. Eines ist aber noch anzumerken. Eine Finanzstärke, die Beitragsentwicklung etc. sind zweifelsohne wichtig, aber temporär und eine Momentaufnahme. Die Vertragsbedingungen sind hingegen fest und dauerhaft einklagbar vorhanden.

Begeben wir uns zunächst etwas abseits in andere Gefilde. Stellen Sie sich vor Sie möchten sich ein neues Auto kaufen und kommen zu einem markenunabhängigen Händler. Nach betreten des schönen und riesigen Verkaufsraumes passiert folgender Dialog:

Verkäufer: Guten Tag, schauen Sie sich nur um, hier finden Sie alles wie das Herz begehrt. Besser und billiger als all unsere Mitbewerber. Was kann ich für Sie tun?

Sie: Nun, ich suche ein Auto. Es soll Räder haben, ein Lenkrad, ein Radio und zudem noch Platz für mind. 4 Leute bieten.

Verkäufer: Schauen Sie hier (zeigt nach rechts auf einen Smart) oder den hier, der passt auch zu Ihnen. (zeigt nach links auf einen T5 Transporter mit Platz für 8 Leute.

Merken Sie etwas? Die von Ihnen genannten Kriterien werden von fast allen dort stehenden Fahrzeugen erfüllt. Hilft Ihnen das weiter? Genauso aber ist es meist mit Tests in Publikumszeitschriften. Werfen wir mal einen Blick in die Kriterien für einen Test zur PKV in einer solchen Zeitschrift. Unten, meist am Ende der Tabelle und mit „***“ versehen finden wir die Kriterien:

Arzt- und Zahnarzthonorare über den Höchstsatz der Gebührenordnungen hinaus, Heilpraktikerleistungen, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, Vorsorgeuntersuchungen über die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus, Sehhilfen nicht nur bei einer Sehstärkenänderung, weitere Hilfsmittel: über 75 % Erstattung und/ oder über die vorgegebenen Hilfsmittel (große orthopädische Hilfsmittel einschließlich Prothesen und Stützapparate, Hörgeräte und Krankenfahr- stühle) hinaus, Heilmittel (z. B. Massagen) über 75 Prozent der Kosten hinaus, ambulante Psychotherapie über 20 Sitzungen im Jahr hinaus und/oder Therapie auch durch psycho- logische Psychotherapeuten, stationäre Psychotherapie über 20 Behandlungs- tage im Jahr hinaus, Krankentransportkosten zum Krankenhaus über 100 km Entfernung und Fahrtkosten zum Arzt, Anschlussheilbehandlung nach einem Kranken- hausaufenthalt auch ohne Genehmigung, Zahnbehandlung über 90 Prozent hinaus, Zahnersatz und Inlays über 65 Prozent hinaus, Verzicht auf eine Summenbegrenzung für Zahnleistungen in den ersten Vertragsjahren generell oder zumindest für unfallbedingte Kosten, Versicherungsschutz außerhalb Europas.

Das sind Kriterien die m.E. so gewählt werden müssen, denn Ziel ist nicht eine detaillierte individuelle Bewertung sondern viele gut bewertete Tarife, denn nur so lassen sich Zeitungen an den Kunden und Sonderdrucke an möglichst viele Versicherte verkaufen.

Da ist es auch nicht verwunderlich das ein Tarif der „Sieger“ ist, welcher nicht einmal Leistungen für Lebenserhaltende Hilfsmittel erbringt, keine vernünftigen Auslandsregelungen enthält (oder wie ist es zu erklären das der Schutz nach 2 Monaten im Ausland endet, obwohl ich aus medizinischen Gründen nicht zurückkehren kann?) Auch Aufenthalte in gemischten Anstalten sind nicht geregelt, was passiert wenn ich da hin will/ muss und mein Versicherer die Reha/ Anschlussheilbehandlung nicht bezahlen will? In einer Musterauswertung können Sie erkennen wie viele unterschiedliche Kriterien es gibt die hier berücksichtig werden müssen/ sollten. Achten Sie aber darauf, dass hier das bewertet wird, was in den Bedingungen steht, nicht das was Prospekte oder sonstige Schreiben des Versicherers behaupten. Bewusst sind keine Tarife namentlich benannt. Das nützt auch wenig, da die Auswahl und die Wichtigkeit der einzelnen Kriterien individuell und sehr speziell ist.

Ein Tarif der für einen gut ist, kann genauso wie ein Smart oder eine Van für den anderen völlig ungeeignet sein.

Auch Ratings welche Unternehmen bewerten verfolgen den gleichen Zweck. Die positive Bewertung wird veröffentlichst, oder haben Sie schon mal Unternehmen mit schlechten Ratings werben sehen? Logisch, das wäre auch nicht wirklich hilfreich. Daher wird man diese nicht veröffentlichen, schließlich hat man diese ja bezahlt und kann die Verwendung und Veröffentlichung beeinflussen.

Bevor Sie sich also auf Ratings und Auswertungen verlassen die für eine breite Masse gemacht sind, suchen Sie sich einen geeigneten Berater, erläutern Sie diesem Ihre Auswahlkriterien und das was für Sie persönlich wichtig ist.

Das kann ein Smart oder der beschriebene Van mit 8 Sitzen sein- je nachdem.

Und da Sie sich bei der PKV anders als beim Auto sehr langfristig entscheiden, nehmen Sie sich ausreichend Zeit, vergleichen und analysieren Sie mit einem Berater der sich hier spezialisiert hat und finden Sie somit den für Sie passenden Tarif. Denken Sie lieber einen Tag mehr darüber nach und überlegen sich was Prospekte und vermeintliche Aussagen wert sind.

Weiterführende Informationen: Auswahlkriterien zur PKV