Artikel mit ‘ohne Gesundheitsfragen’ getagged

14.
Dezember '12

Private Krankenversicherung ohne Risikoprüfung? Debeka will jeden aufnehmen- wirklich?


Eine Meldung flatterte gestern durch die Medien. Anders als bisher, also mit Risikoprüfung und der Beantwortung von Gesundheitsfragen, will die Debeka Krankenversicherung jeden versichern der einen Antrag stellt. Aber wirklich jeden? Schauen wir uns zunächst einmal die Meldung genauer an. In der FAZ hieß es zum Beispiel dazu:

„Jeder soll aufgenommen werden Marktführer Debeka will auch dem Vorwurf der Rosinenpickerei den Wind aus den Segeln nehmen. Künftig will das Koblenzer Unternehmen jeden Arbeitnehmer ungeachtet seines Gesundheitszustands aufnehmen, sofern er den Antrag innerhalb von sechs Monaten stellt, nachdem er die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat. Auch alle seine Familienmitglieder sollen aufgenommen werden. „Wir wollen uns dadurch keinen Wettbewerbsvorteil verschaffen, sondern den Angriff der Rosinenpickerei abwehren“, sagte der Vorstandsvorsitzende Uwe Laue am Mittwoch in Koblenz.“ (Quelle: FAZ)

Wie funktioniert die Aufnahme in die Private Krankenversicherung (PKV) heute?

Wer eine Aufnahme in eine privaten Krankenversicherung begehrt, der muss Gesundheitsfragen ausfüllen und seinen Gesundheitszustand damit offenlegen. Der Versicherer prüft dann welches Risiko besteht und wie sich dieses von einem gesunden Antragsteller unterscheidet. Die dann zu erwartenden Mehrkosten (durch Untersuchungen, Medikamente etc.) werden dann mit einem Risikozuschlag ausgeglichen. Ist der zu hoch oder nicht mehr zu kalkulieren, so muss sich der Kunde mit einer Ablehnung seines Antrages zufrieden geben und kann sich nicht bei der Gesellschaft versichern.

Was will die Debeka ändern?

Natürlich ohne eigenes Interesse und schon gar nicht aus Geschäftssinn will die Debeka allen eine Versicherung ermöglichen. Vorstandsvorsitzender Laue sagte dazu am Mittwoch, das eine Versicherung für jeden möglich sein soll und der Zuschlag bei maximal 30% liegen soll. So etwas ähnliches kennen wir doch schon. Es handelt sich dabei um die so genannte Öffnungsaktion für Beamte. Diese dürfen sich nach Verbeamtung versichern und müssen nicht befürchten, abgelehnt zu werden. Der Zuschlag beträgt auch hier 30% maximal.

Welche Einschränkungen gelten?

Ganz so rosig wie man aber zunächst denken mag, ist es dann doch nicht. Glaubt man den bisher bekannten Aussagen (genaues wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen), so geht es nur um Arbeitnehmer. Selbstständige und freiberuflich tätige Personen profitieren dann nicht von dieser „Sonderregelung“. Weiterhin spricht der Vorstandsvorsitzende von

„sofern er den Antrag innerhalb von sechs Monaten stellt, nachdem er die Versicherungspflichtgrenze überschritten hat“

Es ist also sehr wohl eine „Rosinenpickerei“, die es doch eigentlich gar nicht sein soll- oder? Nur wer gleich nach Eintritt der Versicherungsfreiheit einen solchen Antrag bei der Debeka stellt, der soll versichert werden und mit maximal 30% Zuschlag auskommen. Alle die heute schon versicherungsfrei sind oder bereits privat versichert, für die gilt das nicht.

So versucht man bewusst (mehr …)

27.
März '12

Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung – Traum und Wirklichkeit bei der Stuttgarter Lebensversicherung


Werbeaussagen sollen werben- ein Produkt interessant machen und Neugier wecken. Das hat sich wohl auch die Stuttgarter Lebensversicherung gedacht und es- für mein Empfinden und das einiger meiner Kunden- etwas zu gut gemeint. Am 19. März 2012 verschickte die Stuttgarter eine Pressemitteilung, welche auch auf der Homepage einzusehen ist.

Die Überschrift war verheißungsvoll und nahezu ein Seegen für alle, die aus gesundheitlichen Gründen den wichtigen Schutz bei Berufsunfähigkeit nicht bekommen.

„Die Stuttgarter stellt keine Fragen: Berufsunfähigkeitsabsicherung ohne Gesundheitsprüfung“

Viele Interessenten und Kunden werden genau das gedacht haben, was einige meiner Anfragenden auch dachten. „Wie geht denn das?“ und ist das nicht „etwas für mich?“. Gerade im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung sind die Versicherer nicht nur wählerisch bei der Aufnahmeprüfung, es werden auch schnell Zuschläge oder Ausschlüsse vereinbart, da das Risiko auch für den Versicherer extrem hoch ist. Um das Risiko etwas näher zu beschreiben, hier ein kleines Beispiel.

Ein Angestellter, welcher mit 30 einen BU Schutz abschließt, Laufzeit bis 67 und Rentenhöhe 2.000 EUR.

Wird dieser mit 40 aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit dauerhaft berufsunfähig, so zahlt der Versicherer insgesamt eine Rente von 648.000 EUR. Selbst wenn die BU erst mit 55 eintritt, sind immer noch 288.000 EUR Gesamtauszahlung fällig, verständlich das sich die Unternehmen den neuen Kunden genau ansehen.

Wie kann die Stuttgarter dieses Risiko nun ohne Gesundheits-/ Risikoprüfung tragen?

Einfache Antwort: gar nicht! Ein solches Risiko ist versicherungsmedizinisch schlichtweg nicht zu versichern. Dennoch wirbt die Stuttgarter in der Pressemitteilung genau damit und erklärt dieses im weiteren Verlauf. Es handelt sich nämlich gar nicht um eine „Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsprüfung“ wie die Überschrift suggeriert, sondern um eine „Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung in sehr kleinen Grenzen„.

Den begehrten Schutz gibt es nämlich nicht allein, sondern nur wenn der Kunde gleichzeitig eine Rentenversicherung bei der Stuttgarter Lebensversicherung abschließt. Diese und nur diese wird dann nämlich beitragsfrei bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Einfacher ausgedrückt, die maximale Rente die auf diesem Weg versicherbar ist, ist der Beitrag der Rentenversicherung. Dieser darf dann aber maximal 250 EUR monatlich betragen (bei Direktversicherungen und betrieblicher Altersvorsorge in Form von Rückdeckungsversicherungen gelten etwas andere Grenzen) und zudem darf der Kunde bei Abschluss nicht älter als 51 sein.

Dann ist ja wenigstens meine Altersvorsorge im BU Fall bezahlt?

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26.
August '09

Krankentagegeld ohne Gesundheitsprüfung?


Guten Tag liebe Leser,

wie bereits mehrfach berichtet und hier auch detailliert beschrieben, reicht das Krankentagegeld aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der Regel nicht aus.

Um nach Ablauf der 6-wöchigen Lohnfortzahlung als Angestellter, oder nach Beginn des Krankentagegeldes als Selbstständiger nicht in ein finanzielles Loch zu fallen, sind entsprechende Ergänzungsversicherungen, also eine Zusatzversicherung zur GKV durchaus empfehlenswert. Vielfach wird überschätzt welche Kosten auch im Krankheitsfall alle zu tragen sind.

Nun kann aber nicht jeder der gerne will den gewünschten Schutz bekommen. Warum? Die Versicherer sieben aus, indem bei Antragstellung eine Gesundheitsprüfung gemacht wird, welche zur Folge hat das entsprechende Gesundheitsfragen im Antrag zu beantworten sind. Dann kann es passieren das ein beantragter Versicherungsschutz abgelehnt wird. Anders als in der GKV ist das Risiko für den Versicherer doch relativ hoch, denn dieser zahlt das Krankentaggeld für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, ungeachtet wie lang diese dauert. Lediglich bei Berufsunfähigkeit kann dieser den Schutz beenden. (Hierzu lesen Sie hier mehr.)

Nun gibt es aber Unternehmen die einen Schutz ohne Gesundheitsfragen anbieten. Doch dabei muss es- schon aufgrund der Wirtschaftlichkeit- einen „Haken“ geben. Der Versicherer begrenzt durch die folgende Regelung im Antrag das Risiko.

Ausschlussklausel
Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht auf die der versicherten Person bekannten ernstlichen Erkrankungen *) oder Unfallfolgen, wegen derer sie in den letzten 12 Monaten vor Beginn des Versicherungsschutzes ärztlich beraten oder behandelt wurde. Diese Einschränkung gilt nur, wenn der Versicherungsfall innerhalb der nächsten 24 Monate seit Beginn des Versicherungsschutzes eintritt und mit diesen Erkrankungen oder Unfallfolgen in ursächlichem Zusammenhang steht. Ferner besteht kein Anspruch auf eine Anpassung des Versicherungsschutzes nach den Tarifbedingungen Nr. 3, 4 und 14 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Krankentagegeldversicherung Tarif.
*) Ernstliche Erkrankungen sind z. B. Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs, der Wirbelsäule und Gelenke, der Verdauungsorgane, Krebs, HIV-Infektionen/ AIDS, psychi sche Erkrankungen, chronische Erkrankungen.

Damit ist sichergestellt das der Versicherer eben nicht das brennende Haus versichert, denn das widerstrebt dem Versicherungsgedanken. Machen wir aber zur Verdeutlichung ein Beispiel:

Kunde: Ist versichert im Rahmen der Zusatzversicherung
Versichert nach dem Tarif und Antrag ohne Gesundheitsfragen, 20 EUR tägliches KT.

Vor Antragsaufnahme (sagen wir 1/2 Jahr) hatte der Kunde einen behandelten Bandscheibenvorfall und keine Beschwerden mehr.

Fall 1: 1 Jahr nach Beginn wird er wegen den Folgen des Bandscheibenvorfalls behandelt und krank geschrieben.

Fall 2: Behandlung erfolgt im Jahr 4 nach der Antragstellung mit dem gleichen Erkrankungsbild wie in Beispielfall 1.

Ganz klar. Im Fall 1 besteht keine Leistungspflicht, da der Kunde hierbei aufgrund der Leistungspflicht keinen Versicherungsschutz hat. Im Fall 2 sehr wohl schon, denn dieser ist von dem Ausschluss der 24 Monate nicht mehr erfasst.

Somit ist ein Versicherungsschutz auch für Interessenten/ Personen mit Vorerkrankungen möglich, bedarf aber auch hier einer genauen Überlegung, der Berechnung der richtigen Höhe und einer detaillierten Beratung.