Artikel mit ‘Kulanz’ getagged

14.
Oktober '10

Ich möchte einen (Kranken-) Versicherer der kulant ist


Diesen Satz, so wie Sie Ihn gerade in der Überschrift des Artikels lesen, höre ich einige Male in der Woche. Der Wunsch eines neuen Interessenten für die Private Krankenversicherung (PKV) ist oftmals „Kulanz“.

Der Leistungsrahmen der Privaten Krankenversicherung, ist durch die Regelungen in den Muster- und Tarifbedingungen der Gesellschaften verbindlich und für beide „Parteien“ (also den Versicherer wie auch den Versicherten) verbindlich geregelt.

Hierbei sind manchmal „auslegungswürdige“ Formulierungen enthalten, welche man „so oder so“ deuten kann. Dann kommt es sicher auf den Willen des Unternehmens an, wie unkompliziert man mit so einem Fall umgeht. Berechtigt daher der Wunsch, einen unkomplizierten Umgang mit solchen Herausforderungen zu haben.

Kulanz selber ist jedoch verboten und diese wollen Sie auch nicht haben

„Was bitte?“ werden Sie jetzt denken. Natürlich will ich die, hab ich doch gerade gesagt. Aber überlegen Sie sich folgenden Fall:

Stellen Sie sich vor, Sie seien mit 99 anderen Personen in einem Tarif XYZ privat krankenversichert. Nun wissen Sie bereits, dass der Versicherer seine Prämien nach dem zu erwartenden Leistungsumfang und den daraus resultierenden Kosten kalkuliert hat. Übersteigen die realen Kosten nun aber die kalkulierten Werte, so sind (vereinfacht formuliert) die Prämien anzupassen.

Stellen Sie sich weiter vor, es gäbe in dem Tarif für ein bestimmtes Hilfsmittel nur 1.000 EUR. Leider kostet dieses nun mit der Zeit immer mehr und als Sie es nun brauchen und verordnet bekommen, müssen Sie bei dem Sanitätshaus 1.900 EUR dafür bezahlen. In den Bedingungen steht jedoch, „wir leisten für das Hilfsmittel XYZ maximal einen Betrag von 1.000 EUR“.

Natürlich freuen Sie sich nun erst recht, wenn Ihnen der Versicherer mitteilt, er zahle aus Kulanz oder als so genannte „freiwillige Leistung“ (weitere Beiträge zu freiwilligen Leistungen) den ganzen Betrag.

Doch die Freude währt nur kurz, wenn dadurch die Beiträge steigen. „Ja klar“ werden Sie denken, was erzählen sie mir denn hier. Durch einmal 900 EUR mehr gezahlt als kalkuliert steigen doch die Beiträge nicht.

Stimmt!

Aber glauben Sie, eine Kulanz macht man nur bei Ihnen? Nein, mindestens bei einigen anderen Ihrer „Mitversicherten“ wird der Versicherer eine ähnliche Leistung vornehmen. Dadurch steigen die Kosten in dem jeweiligen Tarifkollektiv weiter an und die Beiträge müssen angepasst werden.

Aber zu unserem Beispiel zurück:

Nehmen wir weiter an, Sie haben sich bewusst für diesen Tarif entschieden. Sorgfältig bei Vertragsabschluss alle Ausschlüsse und Einschränkungen gelesen und verstanden. Nehmen wir auch an, Sie wollten genau diese Ausschlüsse und Einschränkungen, weil dafür der Tarif etwas preiswerter war als andere. Und nun… nun sind Sie Jahr(zehnt)e gesund. Der (kulante) Versicherer zahlt aber den 99 anderen in Ihrem Tarif ständig mehr und mehr Leistungen aus als in dem Vertrag vereinbart (und kalkuliert und bezahlt) sind. Dadurch steigen auch IHRE BEITRÄGE.

Ungeachtet der oben genannten Gründe und der Tatsache, dass eine Kulanzzahlung somit das veruntreuen von Versichertengeldern ist, wer sagt/ garantiert denn wie lange eine solche Leistung aus Kulanz erbracht wird?

Bis morgen? Nächste Woche oder nächstes Jahr? Bis ein neuer Sachbearbeiter kommt oder der Versicherer eine neue Führung bekommt, oder wie lange denken Sie?

Daher verlassen Sie sich bitte bei der Auswahl des Unternehmens und des Tarifs in der privaten Krankenversicherung nur auf die Vertragsbedingungen und somit die rechtssicheren Aussagen. Vergessen Sie Prospekte und vermeintliche Garantien. Wie es einem mit so einer Prospektaussage gehen kann, konnten Sie in der Vergangenheit in den 3 Blogbeiträgen zur „Gothaer Hilfsmittelgarantie“ anschaulich nachlesen. Das muss Ihnen sicher nicht passieren!

21.
Mai '10

Die ideale Private Krankenversicherung (PKV) – wie finde ich die?


Neulich bei twitter…

Da wurde von einem Nutzer folgende Frage gestellt:

wer von euch sagt: ich habe eine fantastische private krankenversicherung? und welche ist das? ich frage für mich.

Zu Einen kann die Frage so nicht beantwortet werden, da die Ansprüche gänzlich unterschiedlich sind, zum Anderen gibt es die „ideale“ Versicherung eben nicht.

Übertragen auf ein Auto würde die Frage lauten: Fahre ich SMART oder doch lieber einen FamilienVAN?

Auch ich werde in der Beratung oft nach der „idealen“, „besten“ oder „kulantesten“ Krankenversicherung gefragt. Auch ich kann diese Frage nicht beantworten.

Dazu sind eine Reihe von Fragen zu beantworten, Auswahlkriterien zu bedenken und nach und nach zu entscheiden. Ich habe einige dieser Auswahlkriterien für die Private Krankenversicherung zusammengestellt. Diese finden Sie hier.

So gern ich also eine Antwort auf diese Frage geben würde, es ist wie bei einem Arzt.

OHNE Diagnose (das besprechen und erfassen der Wünsche und Erwartungen) KEINE Empfehlung.

Und noch kurz zur Kulanz:

Kulanz sollte in der Privaten Krankenversicherung kein Thema sein. Das was versichert ist muss gezahlt werden, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Kulanz ist nicht planbar, nicht kalkulierbar für den Versicherer und den Kunden. Wer sagt dem Versicherten denn was morgen ist? Wer sagt wie die Kulanz morgen aussieht? Eine Garantie gibt es nicht.

Garantiert ist hingegen das was in den Versicherungsbedingungen geschrieben steht und somit rechtlich sauber und einklagbar ist. Nur das!

01.
Februar '10

Freiwillige Leistungen – versprechen aber nicht halten müssen Teil III


Wie Sie bereits in den letzten beiden Blogbeiträgen zum Thema „Freiwillige Leistungen“ nachlesen konnten, sind die Aussagen mancher Unternehmen doch recht abenteuerlich.

Nach den Fragen zu Heilmitteln (Teil I) und gemischten Anstalten (Teil II) gab es weitere Fragen an die Versicherung. Die dritte Frage meines Kunden an den Versicherer XXX lautete:

Stimmt, es dass Hilfsmittel wie z.B. ein Rollstuhl nur bis 620 EUR bezahlt werden? Was ist mit elektrischen Rollstühlen, die schnell über 10.000 EUR kosten?

Werden orthopädische Hilfsmittel bezahlt?

Der Versicherer schreibt dazu als Antwort:

„Krankenfahrstühle sind bis 620 EUR erstattungsfähig. Hier sind wir jedoch gern bereit, bei medizinischer Notwenigkeit und Vorlage aussagekräftiger Unterlagen eine zusätzliche freiwillige Leistung für höherwertige Rollstühle zu prüfen.

Orthopädische Hilfsmittel wie Orthesen, Bandagen oder Prothesen sind in tariflichem Umfang erstattungsfähig“

Der Tarif sagt dazu:

erstattungsfähig sind… Geh und Stützaperate einschließlich Liegeschalen, Nachtschienen, Körperersatzstücke (…) orthopädische Leibbandagen, Bruchbänder, Kompressionsstrümpfe (…)

Weiterhin fragt der Kunde:

Werden alle lebenserhaltenen Hilfsmittel gezahlt?

Antwort:

Die von Ihnen beschriebenen „Lebenserhaltenden Hilfsmittel“ wie Beatmungsgeräte, Ernährungspumpen, künstliche Nieren oder Herzschrittmacher fallen bei uns unter die, in Absatz (…) genannten Sachaufwendungen medizinisch technischer Art und sind ebenfalls von der Leistungspflicht umfasst.“

Woher der Versicherer diese Interpretation nimmt ist mir jedoch nicht ganz klar. Die Aussage das diese in den Bereich der „Sachaufwendungen“ fallen ist m.E. Auslegungssache und wer weiss was in einigen Jahren/ Jahrzehnten ist. Wer ganatiert mir eine solche Auslegung der Formulierungen auch dann?

Was ist mit einem Heimdialysegerät, was ist mit Geräten zur künstlichen Ernährung und den Nährmitteln dazu? Wer zahlt diese? Die Kosten für solche Geräte und Mittel bewegen sich problemlos im fünfstelligen Bereich.

Generell muss man sich bei freiwilligen Leistungen auch immer fragen ob man das will. Klar- mehr zu bekommen als der Versicherer leisten muss ist ja schön, für den der es braucht. Aber wollen Sie mehr Beiträge zahlen weil ein Unternehmen mehr zahlt als es muss? Wollen Sie instabile Beiträge weil andere mehr bekommen als ihnen zusteht? Haben Sie sich bewusst für ein Bedingungswerk entschieden und akzeptieren dessen Einschränkungen und Ausschlüsse das wohl eher nicht, denn es geht zu Lasten Ihrer Beitragsstabilität.