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11.
März '14

Kinderkrankengeld- oder wer zahlt meinen Lohn falls mein Kind erkrankt?


Wenn das eigene Kind krank ist, dazu vielleicht sogar noch etwas mehr als einfach nur eine Erkältung, dann ist das erstmal schon anstrengend genug. Los geht es mit dem organisieren. Das Kind allein zuhause bleiben? Wer kümmert sich um das Kind, während es zum Arzt und holt es wieder ab?

Kann es wieder in den Kindergarten oder zu Schule oder darf es noch keinen Kontakt mit anderen Kindern haben? Diese womöglich noch anstecken?

All diese Fragen gilt es zu klären und dabei sich auch noch Gedanken zu machen was mit dem eigenen Job auf der einen und dem Arbeitseinkommen auf der anderen Seite ist. Doch wer zahlt nun eigentlich und was zahlt er?

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer

(c) Techniker KK

(c) Techniker KK

Wer gesetzlich krankenversichert ist, der hat zunächst einmal einen Anspruch auf Weiterzahlung des Gehaltes für einen bestimmten Zeitraum. Sind Sie also Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer, so ist ihr Arbeitgeber in der Regel verpflichtet für zehn Tage pro Jahr und Kind (bei mehr als zwei Kindern jedoch für maximal 25 Tage pro Jahr) das Entgelt weiterzuzahlen und sie von der Arbeit freizustellen. Das gilt sowohl für die Mutter, als auch für den Vater.

Sind Sie allein erziehend, dann geht diese Freistellung sogar für 20 Tage pro Kind und maximal 50 Tage pro Jahr. (entspricht also genau dem, was sonst beide Elternteile zusammen bekämen)

Es kann jedoch sein, dass der Arbeitgeber diese Erstattung im Tarifvertrag ausgeschlossen hat. Dann muss er sie zwar trotzdem freistellen, jedoch für diese Zeit kein Einkommen weiterzahlen. Hat der Arbeitgeber eine solche Erstattung tariflich ausgeschlossen, so ist die gesetzliche Krankenkassen für diesen Zeitraum leistungspflichtig. Dabei müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

– Sie sind berufstätig und bekommen von ihrem Arbeitgeber keine Weiterzahlung des Lohnes

– in Ihrem Haushalt gibt es niemanden, der Ihr Kind während der Zeit pflegen könnte und Ihr Kind ist ebenfalls gesetzlich krankenversichert

– das Kind ist jünger als zwölf Jahre oder hat eine Behinderung (dann gilt die Altersgrenze nicht) und ein Arzt bescheinigt die Notwendigkeit der Beaufsichtigung des Kindes

– Sie selbst müssen ebenfalls einen Anspruch auf Krankengeld in ihrem Versicherungsschutz haben.

Gerade die letzte Voraussetzung bereitet vielen freiwillig versicherten Selbstständigen und Freiberufler in der gesetzlichen Krankenkasse ein größeres Problem. Oftmals haben diese einen Tarif ohne den Anspruch auf Krankentagegeldversicherung, dann existiert auch kein Anspruch auf Kinder Krankengeld.

Privat versichertes Kind oder privat versicherte Arbeitnehmer

Für den Fall, dass ihr Kind nicht in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und vielleicht in der privaten Krankenversicherung des anderen Elternteils eingeschlossen wurde, besteht kein Anspruch auf Kinderkrankengeld aus der gesetzlichen Krankenkassen. Das gilt selbst dann, falls die Mutter oder der Vater dennoch in der gesetzlichen Krankenkasse ist. Zwingende Voraussetzung ist hier, dass das Kind ebenfalls in der GKV versichert ist. (Dazu bitte beachten: „Mein Kind muss ja dann auch in die GKV“)

Hat das Kind Anspruch auf Krankengeld aus der privaten Krankenversicherung?

In fast allen Tarifen der privaten Krankenversicherung besteht ein solcher Anspruch nicht. Damit Sie besser verstehen warum das so ist, hier einige Erläuterungen.

Das Krankengeld in der privaten Krankenversicherung setzt immer voraus, dass die versicherte Person selbst erkrankt ist (wobei die private Krankenversicherung hier die Definition von arbeitsunfähig kennt) und zudem einen entsprechenden Tarif für das Krankengeld versichert hat. Hier genau tritt jedoch das Problem auf. Die Eltern haben einen Tarif auf Einkommensersatz bei Arbeitsunfähigkeit versichert, sind jedoch in diesem Falle nicht erkrankt und haben daher keinen Anspruch gegen ihren privaten Krankenversicherung.

Das gilt jedoch, welches einen (theoretischen) Anspruch hätte, hat in diesem Falle weder einen Krankentagegeldtarif, noch könnte das Kind arbeitsunfähig im Sinne der Bedingungen sein. All diese Punkte zusammengenommen bedeuten, dass eine private Krankenversicherung bei Erkrankung eines Kindes aus dem Krankentagegeldtarif der Eltern nicht leisten darf und wird und für das Kind eine entsprechende Absicherung nicht besteht.

Gibt es Versicherer wo dieses Problem lösbar ist?

Die Antwort ist einfach gegeben, es gibt im Moment exakt einen. Die Signal Krankenversicherung hat vor einiger Zeit einen Tarif eingeführt, nachdem auch bei Erkrankung eines Kindes unter bestimmten Voraussetzungen Versicherungsschutz besteht. Voraussetzung ist hier jedoch unter anderem, dass sowohl das Elternteil als auch das Kind selbst bei der Signal und in dem entsprechenden Tarif versichert sein muss. Detaillierte Informationen hierzu habe ich in meinem Blogbeitrag zum Thema Kinder Krankengeld bei der Signal Krankenversicherung zusammengestellt.

Soll ich nun meinen Versicherer wechseln?

Natürlich nicht, denn das Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes ist sicher für den einen oder anderen wichtig, jedoch nur eines von ganz vielen Kriterien in der privaten Krankenversicherung. Ich würde niemandem empfehlen den Versicherungsschutz in der privaten Krankenversicherung (PKV) von nur einem Kriterium abhängig zu machen. Schon gar nicht würde ich meinen eigenen Versicherungsschutz (der ja viel länger gelten wird als der des Kindes) von einem solchen Kriterium abhängig machen. Beachten Sie bitte bei der Auswahl des für Sie passenden Tarifes in der privaten Krankenversicherung unbedingt die Auswahlkriterien. Weitere und umfangreiche Informationen habe ich Ihnen in dem Leitfaden zur privaten Krankenversicherung aufgeschrieben.

Insgesamt ist dabei, so richtig so ein Krankengeld für Kinder auch sein mag, immer noch das Verhältnis zu berücksichtigen. Wir sprechen von einem Zeitraum von zehn bzw. maximal 20 Tagen pro Kind und Jahr, so dass sie sich das finanzielle Risiko einfach selbst errechnen können.

Gibt es noch andere Lösungen?

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sieht im Paragraphen 616 noch eine entsprechende Regelung für die Pflege von kranken Angehörigen vor. Dieser Paragraph regelt eine vorübergehende Verhinderung bei der Arbeit, und lautet:

§ 616 Vorübergehende Verhinderung

Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird. Er muss sich jedoch den Betrag anrechnen lassen, welcher ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung zukommt.

Die Rechtsprechung ist sich hier recht einig, dass es sich um einen Zeitraum von maximal fünf Tagen handeln kann. Und der Arbeitgeber darf diesen Paragraphen in seinem Arbeitsvertrag ausschließen. Das bedeutet, sie sollten bitte zuerst einmal in Ihren Arbeitsvertrag schauen oder in den entsprechenden Tarifvertrag und herausfinden, ob der Arbeitgeber die Anwendung des Paragraphen 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgeschlossen. Falls nicht, so kann für die Pflege eines kranken Angehörigen (nicht nur eines Kindes) und einen Zeitraum für maximal fünf Tage eine Weiterzahlung des Lohns erfolgen. Dieser Anspruch besteht natürlich auch für Arbeitnehmer, welche privat krankenversichert sind.

Da es sich hier um eine gesetzliche/arbeitsrechtliche Frage handelt, fragen Sie bitte bei weiteren Fragen hierzu einen entsprechend spezialisierten Rechtsanwalt. Es handelt sich hierbei ausdrücklich um keine rechtliche Beratung.