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19.
Juni '12

Die PKV Studie und die 85 Mindestkriterien – Mindestkriterien für wen und wer bestimmt was „mindestens“ nötig ist“?


Bereits in der letzten Woche habe ich zu der Studie des IfMDA und des PremiumCircle geschrieben und einiges an Aufklärung geboten. Aufgrund der Menge an Fragen zu den Mindestkriterien und wie relevant diese nun tatsächlich sind, widme ich mich heute noch einmal genau diesem Bereich. Das wird natürlich sehr, sehr fachlich und für den Laien meist sehr schwer verständlich.

Im Fazit der Studie heißt es ja, so wurde es auch in den verschiedenen Artikeln in der Presse immer wieder geschrieben, 80% der Tarife in der Privaten Krankenversicherung entsprächen nicht einmal Mindestleistungen. So heißt es wörtlich in der Studie:

„Ein regulierender Schritt könnte auf Produktebene die Einführung von PKV-Mindestkriterien sein, die einen angemessenen PKV-Krankenversicherungsschutz gewährleisten würde. (…) Dadurch ließe sich der PKV-Marktversagensbereich in Bezug auf den Leistungskatalog beseitigen. (…) Die Problemfelder von PKV Billigtarifen und anderen PKV Tarifen mit teilweise existenziellen Leistungsausschlüssen im Krankheitsfall erfordern eine grundlegende Neuordnung des Vertriebsmarktes und auch der Provisionen. Auch hier ist der Gesetzgeber regulierend gefordert.“

Ist das nicht immer so? Wenn man nicht weiter weiss, dann schreit alle Welt nach regulierten Märkten und einheitlichen Kriterien. Die Private Krankenversicherung unterscheidet sich aber gerade dadurch von der GKV, das hier die Leistungsbereiche separat und je nach eigenem Bedarf und Wunsch kombiniert werden können. Niemand ist gezwungen einen „Billigtarif“ abzuschließen, niemand wird gezwungen eine PKV für 69 EUR zu suchen und keiner meiner Kunden hat eine solche. Auch passt die PKV eben lange nicht auf jeden, manche Personen(-gruppen) gehören einfach nicht in das System der privaten Krankenversicherung.

Doch schauen wir uns einmal die „Mindestkriterien“ an: Da gibt es 85 dieser Kriterien, aber nicht alle werden bei der Bewertung der Tarife berücksichtigt. Zu den drei nicht berücksichtigten Kriterien gehören die Auslandsaufenthalte, Fragen zum Schutz bei Kriegsereignissen und Terror und die Wechseloptionen. Bleiben also noch genug Kriterien die zu erfüllen sind, wenn nicht gehört der Tarif laut Studie zu denen, die nicht einmal den Mindestkriterien entsprechen. Dazu sei noch erwähnt, es gibt keinen Tarif, der alle 85 Kriterien erfüllt. Die maximale Erfüllung bietet der Tarif PURISMA (R) der Mannheimer Krankenversicherung, welcher 72 Kriterien aufweist.Der heutige PKV Basistarif erfülle demnach 30 der 85 Kriterien, doch nun zurück zu den einzelnen Punkten. Los geht es mit den Arzthonoraren, welche als Mindestkriterium die Leistungen bis zum so genannten Regelhöchstsatz erstatten müssen um das Kriterium als erfüllt gelten zu lassen. Also Mindestgrundlage mag das ja denkbar sein, nur zieht dieses ein Kostenrisiko nach sich, denn der Arzt kann bis zum so genannten Höchstsatz abrechnen, ohne das eine extra „Erlaubnis“ vorliegen muss, aber es soll ja auch das Mindeste sein. Warum bei den Mindestkriterien dann aber auch die (stationäre) Privat-/ wahlärztliche Behandlung versichert sein muss, das erschließt sich mir nicht. Wenn mir als Patient die Mindestleistungen doch reichen, dann ist der Belegarzt (ein weiteres Kriterium) sicher nicht zu vergessen, aber eine privatärztliche Behandlung ist m.E. nicht mehr im Bereich der Mindestmaße anzuordnen.

Die Versorgung in Hospizen, Bundeswehrkrankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) stellen ebenfalls je ein Kriterium dar. Problematisch sehe ich hier nur die Veränderungsmöglichkeiten der Alttarife. Vor 20, 30, 40 Jahren bei der Einführung einiger Tarife, waren diese Bereiche noch nicht im Bewusstsein und die MVZ’s noch gar nicht vorhanden. Daher werden Bestandstarife mit diesen Kriterien immer ein Problem haben, das finden wir auch noch im Weiteren.

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13.
Juni '12

Die aktuelle Diskussion um Systemunterschiede und Mindeststandards für die Private Krankenversicherung – einige Er- und Aufklärungen


Wer hat es in den letzten Tagen nicht gelesen, was die Medien mehr oder minder qualifiziert über die veröffentlichte Studie „GKV/PKV-Systemgrenze: Bestandsaufnahme“ geschrieben haben.(Link zur Bestellung) Veröffentlicht wurde diese Studie von dem Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski (IfMDA) und dem PremiumCircle in Frankfurt. Da ist von Mindeststandards die Rede, einige Veröffentlichungen sprechen von gierigen Maklern die nur an ihr eigenes Wohl denken und Tarifen die den Namen Krankenversicherung gar nicht verdient haben, da „Mindestleistungen“ nicht enthalten sind. Die Frage die sich zunächst stellt, was sind denn Mindestleistungen? Stellt die Gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die Mindestleistungen dar? Das würde auch bedeuten, dass sich diese ändern, sobald der Gesetzgeber Leistungen aus der GKV kürzt, gelten dann andere „Mindestleistungen“? (Übersicht zu den Gesundheitsreformen und Leistungskürzungen in der GKV)

Die Reaktionen auf Kunden- und Interessentenseite sind unterschiedlich. Die Einen, bereits privat Krankenversicherten sprechen mich an und überdenken ihren derzeitigen Tarif, die anderen noch GKV Versicherten überlegen ob die Private Krankenversicherung zu ihnen passt, oder sie überhaupt zur PKV.

Doch was genau ist dran an der Forderung nach Qualifizierung und Mindeststandards? Was genau fehlt den Tarifen der Privaten und was fehlt der GKV? In die Zukunft kann weder die Studie, noch Sie oder ich sehen. Das was aber passiert nun, das sind Prozesse des drüber Nachdenkens und des aktiven Entscheidens.

Wie sah es denn bisher (leider oft) aus?

In der Vergangenheit, vor dem 01. 04. 2012 haben sich die Versicherer durch Vertriebe und Vertriebsmethoden wie MEG zu ungerechtfertigten Vergütungen hochschaukeln lassen. Einer wurde gieriger als der andere und jeder wollte sich noch ein bisschen mehr Geschäft vom Kuchen erkaufen. Das hat nicht nur bei MEG dazu geführt, dass die Beratungsqualität sank, es ein Massenprodukt wurde und die Qualität von Bedingungen in den Hintergrund gerückt ist. Es war nicht wichtig, ob ein Tarif existenzielle Risiken abdeckte, solange er billig war und in einer Vergleichssoftware für den Vermittler der keine Ahnung hat, oben auftauchte.

Wollte ein Versicherer einen neuen Tarif auf den Markt bringen, so wurde zunächst überlegt, wie denn die Mitbewerber so sind, dann wurden Selbstbeteiligungen so festgelegt, dass man in ein Raster einer Vergleichssoftware passte. Leistungen nach denen der unwissende Vermittler fragte (Brille, Wie viel Prozent Zahnersatz etc.) wurden so gestaltet, das es gut aussah. Doch außer den Versicherern nützte das niemanden. Kunden die nicht in die PKV gehören wurden durch billige Prämien angelockt, das Ganze von Vermittlern die nicht verstehen was sie da verkaufen und den potentiellen Kunden in 20 Min. zum Abschluß bewegen. Leidtragende sind die Kunden, denn die haben nicht verstanden, was ein Tarif enthielt, welche Leistungen bezahlt oder ausgeschlossen wurden und das alles bei einem Produkt, was diese lebenslang begleiten sollte. –> Artikel: „Eine PKV muss man sich leisten können und wollen“

Besonders schade an der aktuellen Diskussion ist jedoch der Eindruck, das alle Makler, Berater und Vermittler und die Versicherer gleich mit, gleich sind. So gibt es eine Reihe von PKV Unternehmen, die diesen „wir sind billiger“- Hype nie mitgemacht haben und viele Berater die keinerlei solche Tarife im Bestand haben. Ich kann auch, nicht ganz ohne Stolz, behaupten keinen einzigen dieser Billigtarife, mit Leistungen die nicht vertretbar sind, verkauft zu haben und vielen Kunden in den letzten Jahren auch von der PKV abgeraten habe. So tun es einige meiner spezialisierten Kollegen auch, dennoch wird hier eine gesamte Branche verurteilt, das „stinkt“ mir seit Jahren gewaltig und muss auch einmal deutlich gesagt werden dürfen. Die Presse ist oftmals einfach auch auf Schlagzeilen aus, wie man lesen kann. –> Artikel „Aktuelle Diskussion der Verbraucherzentrale “PKV braucht Reform” oder „ARD Panorama Bericht zur Privaten Krankenversicherung – einseitig, polemisch und zudem schlecht recherchiert

Was passierte jetzt dann?

Nach der Diskussion über die bösen Vermittler, die doch 10 und mehr Monatsbeiträge als Vergütung bekamen, folgte auch die Diskussion über Leistung, Lücken im Versicherungsschutz und die Frage nach Mindestleistungen. Es ist schon erstaunlich wie eine Branche, die es selbst verantwortet und sich von gierigen Vertrieben und Vorständen leiten lies, (mehr …)