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28.
Oktober '14

Rechtswidrige Datenspeicherung in der „schwarzen Liste“ der Versicherer? So kommen Sie an Ihre Daten


In der letzten Woche mein Kollege Matthias Helberg über die unberechtigte Speicherung von Daten in dem Hinweis-und Informationssystem (HIS) und beschrieb dabei einen Fall, über den mehr gespeichert wurde als es hätte sein dürfen. Aus diesem aktuellen Anlass möchte ich hier noch einmal einige wichtige Punkte zusammenfassen und ihnen damit eine Möglichkeit geben, an Ihre Daten zu kommen.

HIS, was ist das eigentlich?

Bei dem früher beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GdV) angesiedelten Datenpool handelt es sich um eine Art SCHUFA für die Versicherungswirtschaft. Hier werden Angaben zu nicht vertragsgemäßen Verhalten, erschwerte Antragsannahme und sonstige Besonderheiten gemeldet. Wer also zum Beispiel seinen Versicherer betrügt, oder es versucht, der kann zu einem entsprechenden Eintrag kommen.

Aber es geht auch viel harmloser, es reicht aus einen Antrag auf zum Beispiel Berufsunfähigkeitsversicherung zu stellen, welche aufgrund von Vorerkrankungen oder anderen Risiken mit einer Erschwernis angenommen wird. Seit 2011 wird dieses nun nicht mehr im Gesamtverband der Versicherungswirtschaft geführt, sondern wurde an die Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH abgegeben. Auf deren Internetseite heißt es:

Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der deutschen Versicherungswirtschaft dient im Interesse der Versicherungskunden der Aufdeckung und Prävention von Versicherungsbetrug und -missbrauch. Das HIS wurde ursprünglich Anfang 1993 entwickelt und nach umfangreichen technischen und datenschutzrechtlichen Änderungen von der informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH komplett neu entwickelt und zum 1. April 2011 in Betrieb genommen.
Das HIS ist für den Versicherer ein Hilfsmittel bei der Prüfung der in Versicherungsanträgen gemachten Angaben und bei der Aufklärung von Schadenfällen mit Manipulationsverdacht. Eventuellen Hinweise aus dem HIS geht der Versicherer im Rahmen seiner Risiko- oder Leistungsfallprüfung nach und prüft den Sachverhalt eingehend.

Auch das Handelsblatt trifft die Geschichte auf und richtete wie viele andere Medien (z.Bsp. ProContra) über diesen „Fehler im System“.

Wie lange dürfen die Daten gespeichert werden?

Auf Initiative des Kollegen Helberg wurde auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg informiert, nahm sich der Sache an und antwortete recht deutlich:

§ 35 Absatz 2 Satz 2 Nummer 4 des Bundesdatenschutzgesetzes schreibt vor, dass Wirtschaftsauskunfteien – dazu gehört auch das HIS – spätestens nach vier Jahren, beginnend mit dem Kalenderjahr, das auf die erstmalige Speicherung folgt, zu prüfen haben, ob die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Speicherung vorliegen. Dies wäre in Ihrem Fall der 31. Dezember 2010 gewesen. Für eine Fortsetzung der Speicherung gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Grund. Die Betreiberin der HIS Datei hat somit rechtswidrig gehandelt. Wir haben sie darauf mit der gebotenen Deutlichkeit hingewiesen.

Vereinfacht bedeutet das also, ein Eintrag 2014 ist zum Ende des Jahres 2018 zu löschen. Diese Frist hat man wohl im Jahr 2011, also bei der Verlegung der Daten vom GdF zur Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH, nicht zu ernst genommen und diese einfach mit einer zehn Jahresfrist übernommen. Auf seine Anfrage wurde dem Kollegen Helberg geantwortet:

“Im HIS-System haben wir allerdings in der Sparte Leben einheitlich die ursprünglichen Fristen von 10 Jahren umgesetzt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Speicherfrist anzupassen.”

Das bedeutet also für alle die schon vor 2011 einmal Anträge auf Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen gestellt haben, dass sie sich mit einer Selbstauskunft ihre Daten beschaffen sollten.

Wie komme ich an meine Daten?

Der Betreiber der Auskunftei, die, bietet auf ihrer Internetseite die Möglichkeit einer kostenlosen Selbstauskunft an, mit der sie alle über die Person, über ein bestimmtes Fahrzeug oder über eine Immobilie gespeicherten Informationen abrufen können. Dazu klicken Sie einfach auf das Bild und gelangen direkt auf die entsprechende Unterseite und den Formularen.

Informa HIS

Mit der Selbstauskunft zu Ihrer Person, welche sie als PDF Datei hier direkt laden können gelangen Sie somit schnell und unkompliziert an die gewünschten Informationen und können dann prüfen, ob dort gegebenenfalls rechtswidrig alte Daten gespeichert blieben.

Weitere Selbstauskünfte auch direkt anfordern!

Und wenn wir gerade beim Thema Datenspeicherungen sind, so sollten Sie direkt die anderen relevanten Auskunftteien um eine Selbstauskunft nach dem Bundesdatenschutzgesetz bitten, um auch hier Ihre Daten direkt überprüfen zu können. Aus unserer Erfahrung mit unseren Kunden können wir sagen, dass jede zehnte Auskunft Fehler enthält und diese oftmals gar nicht entdeckt werden.

Ich habe Ihnen daher nochmals aus meinem älteren Blogbeitrag aus März, zur Relevanz von SCHUFA-Auskünften in der PKV die notwendigen Formulare in einer direkten Übersicht zusammengestellt um Ihnen die Anfragen zu erleichtern. Einzige was ich noch tun müssen, Ihre persönlichen Daten ergänzen, ihren Personalausweis kopieren (die sie bei der Gelegenheit auch gleich einscannen können, dann haben Sie diesen immer vorrätig) und das ganze per Post absenden.

SCHUFA: Für die Bestellung der so genannten „Datenübersicht nach Paragraph 34 BDSG“ darf die SCHUFA keine Gebühren berechnen. Um diese anzufordern stellt das Unternehmen im Internet ein entsprechendes „Bestellformular für die Selbstauskunft der SCHUFA“ zur Verfügung.

INFOSCORE (Bonität): Auch auf der Internetseite von infoscofre (mehr …)

03.
März '14

Wie komme ich zu einer Selbstauskunft aus dem Hinweis-und Informationssystem (HIS), der Sonderwagnisdatei?


Die Sonderwagnisdatei, zumindest hieß das „Teil“ früher einmal so, ist heute das Hinweis-und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft und speichert Informationen zu Antragstellern und nicht vertragsmäßigem Verhaltens. Es ist sicherlich etwas übertrieben dieses System als SCHUFA der Versicherungswirtschaft zu bezeichnen, dennoch hat es eine ähnliche Funktion. Es soll betrügerische Handlungen verhindern und dient damit der Sicherheit von Versicherungsbeständen und dem Vermeiden von Betrug.

Wie funktioniert das System HIS?

Elementarer Baustein des Systems sind die Antrags-und Vertragsabteilungen der Versicherer, denn diese sind für die „Datenpflege“ verantwortlich. Ein Eintrag im System kommt durch eine Meldung des entsprechenden Versicherungsunternehmens zu Stande. Weitere Einzelheiten hat der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft in einer Broschüre zum Informations- und Hinweissystem herausgegeben, welche als PDF Datei zur Verfügung steht.

Der Versicherer meldet also Vorgänge über nicht vertragsgemäßes Verhalten, auffällige Schadenhäufigkeiten oder aber auch besondere berufliche Risiken oder das Bestehen von Vorerkrankungen (welches zu einer Annahme mit Erschwerung oder eine Ablehnung eines Antrages führte) und diese Daten werden dann den anderen Unternehmen auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Dabei ist zu beachten, dass keine Gesundheitsangaben gespeichert werden, sondern die Tatsache „das Vorerkrankungen bestehen“.

Stellt der Kunde nun bei einem neuen Unternehmen einen Antrag und dieses macht einer Abfrage aus dem HIS, so ist die Informationen zu entnehmen dass es sich um einen Kunden handelt, bei welchem schon einmal ein Antrag abgelehnt oder mit Erschwerung angenommen worden ist. Aus diesem Grund ist es für viele Kunden interessant zu wissen, welche Informationen in diesem System über Sie gespeichert sind.

Wie komme ich an eine Selbstauskunft?

Informa_SelbstauskunftDie Selbstauskunft über die gespeicherten Daten in der HIS Datenbank können kostenlos einmal im Jahr durch den Versicherten angefragt werden und diese Selbstauskunft wird im Anschluss auf dem Postwege versandt. Dabei gibt es einige Punkte zu beachten.

1.) Die Anfrage kann nur auf dem Postweg erfolgen, eine Anfrage per Fax ist nicht möglich.

2.) Zur eigenen Sicherheit muss dem Anfrageformular eine Kopie der Vorder-und Rückseite des Personalausweises beiliegen.

3.) Wünscht der Kunde mehr als einer Auskunft pro Jahr, so können Kosten entstehen.

Die Informationen werden zentral von der Firma „informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH“ verwaltet und diese stellt auf ihrer Internetseite auch ein Formular für die Anfrage zur Verfügung. Warum dieses Formular nicht ausführbar ist und noch nicht einmal die Anschrift enthält erschließt sich mir leider nicht, daher habe ich mir für meine eigene und die Anfrage von Kunden ein eigenes Formular erstellt. Sollten Sie dieses nutzen wollen, so steht es Ihnen im Downloadbereich zur Verfügung.

Anforderung der Selbstauskunft aus der HIS Datei, informa (ausfüllbar)

15.
Januar '10

Die „schwarze Liste“ der Versicherer zukünftig bei externem Anbieter


Lange und viel wurde in den letzten Jahren darüber diskutiert und gestritten. Die Versicherer argumentieren „diese diene dem Schutz vor Betrügern“ und die Datenschützer halten dagegen. Eine „Black Box“ wie diese ist für den Kunden nicht nur undurchsichtig sondern verstoße gegen geltende Datenschutzbestimmungen.

Die Rede ist von der so genannten HIS oder Sonderwagnisdatei der Versicherer.

Hier werden Angaben über Angebote, Ablehnungen oder Betrugsverdacht- /Delikte gespeichert. An die gespeicherten Auskünfte zu kommen war bisher schwer bis unmöglich. Nun kann dieses jedoch im Rahmen einer direkten Anfrage an den GdV, den Gesamtverband der Versicherungswirtschaft erfolgen. Dazu schreibt der GdV auf seiner Internetseite.

05.01.2010, Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft

Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der deutschen Versicherungswirtschaft dient im Interesse der Versicherungskunden der Aufdeckung und Prävention von Versicherungsbetrug und –missbrauch sowie der begleitenden Risikoprüfung. HIS wurde Anfang 1993 entwickelt – in enger Abstimmung mit Datenschutzbehörden. Von den heute 9 Millionen Einträgen beziehen sich ca. 5 Millionen auf Kraftfahrzeuge und 4 Millionen auf Personen.

Um das HIS zukünftig noch verbraucherfreundlicher und transparenter zu gestalten, wird derzeit an einer Online-Version gearbeitet.

Informieren Sie sich

Interessierte können sich jederzeit erkundigen, ob ein Eintrag über sie vorliegt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat zu diesem Zweck eine zentrale Stelle eingerichtet. Betroffene richten ihre Anfrage – inklusive einer Kopie des Personalausweises mit Vor- und Rückseite – postalisch an den GDV:

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, – Hinweis- und Informationssystem –

Wilhelmstraße 43/43 G, 10117 Berlin.

Anschließend erhalten die Anfragenden die Information, ob und wenn ja, von welchem Versicherer sie an das HIS gemeldet worden sind. Der Betroffene kann sich dann für weitere Informationen direkt an das jeweilige Versicherungsunternehmen wenden.

Bitte beachten Sie: E-Mail- und Fax-Anfragen können leider nicht bearbeitet werden.

Laut Informationen der Financial Times wird das System nun voraussichtlich an den externen Anbieter Arvato Infoscore ausgelagert und damit einem der Wünsche der Datenschützer entsprochen. Ob sich damit das System verbessert und Verbraucher davon Vorteile haben wird, bleibt abzuwarten.

Nehmen Sie sich durchaus einmal die Zeit und fragen den GdV an und bitten um eine Auskunft der über Sie gespeicherten Daten.