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18.
Juli '16

Kann ich auch Online Apotheken und Dienstleister nutzen und meine Rechnungen bei der PKV einreichen?


Eigentlich ein Thema welches ich in der Vergangenheit schon einmal beschrieben habe, doch heute gab es gleich zwei Gründe dieses noch einmal zu tun. Einmal geht es um die Frage welche Medikamente ich in einer Online-/ Internetapotheke bekomme, die zweite ob ich Hilfsmittel wie hier eine Fazienrolle auch „irgendwo“ im Internet kaufen kann und diese dann bei meiner privaten Krankenversicherung einreichen. Doch der Reihe nach und immer schön eins nach dem anderen.

Medikamente bei Onlineapotheken aus dem Internet

Grundsätzlich gelten die Tarifbedingungen zu Ihrer privaten Krankenversicherung. Dabei ist es wichtig zu wissen, welche Vorgaben der Versicherer Ihnen macht, auch hinsichtlich der Verordnung.Versandapotheke internet Rezept Ablauf

Generika – kein Markenprodukt, aber wirkstoffgleich

Mittlerweile finden wir in der privaten Krankenversicherung durchaus Unternehmen, welche bei der Erstattungshöhe unterscheiden, ob es sich um ein Generika Medikament oder ein Originalpräparat handelt. Dabei will ich gar nicht bewerten welches besser ist, damit könnte man eine „Glaubensauseinandersetzung“ führen und jeder muss nun selbst für sich entscheiden ob er mit dem (teilweise deutlich) günstigeren Medikament eines „Nachahmers“ oder aber mit dem Originalpräparat versorgt werden möchte.

Was sind Generika? (Auszug Signal Iduna Vers. Bedingungen Start Tarif)

Generika sind Arzneimittel, die einem bereits auf dem Markt befindlichen, als Markenzeichen eingetragenen Präparat in der Zusammensetzung gleichen, in der Wirksamkeit und Sicherheit entsprechen und in der Regel preiswerter angeboten werden. Wie alle anderen Arzneimittel auch, werden Generika vor ihrer Zulassung nach strengen Kriterien untersucht und geprüft. Ob zu einem Originalpräparat ein Generikum existiert, können Sie bei Ihrem Apotheker erfahren.

Selbst Mediziner sind sich nicht ganz eins darüber, ob die Medikamente nun wirklich (besonders hinsichtlich der Nebenwirkungen) gleich sind. Aber wie gesagt, Ihre Entscheidung.

Signal Iduna Start Unisex

Ist eine solche Regelung in Ihren Tarifen vorhanden, so müssen Sie selbst darauf achten und den Arzt oder Apotheker auf so eine Regelung in Ihrem Tarif hinweisen. Dabei ist es wichtig zu prüfen ob es ein Generika gibt, oder (falls nicht) eine Alternative zur Verfügung steht.

Internetapotheken, kann ich diese nutzen?

Damit ein Medikament für die private Krankenversicherung erstattungsfähig ist, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese finden sich zum einen in den Musterbedingungen der privaten Krankenversicherung (Link), zum anderen kann der Versicherer weitere Regelungen in den eigenen Bedingungen und den Tarifbedingungen festlegen. Die Nutzung von Internetapotheken ist heute eine gängige Praxis. Apotheke Auszug Musterbedingungen

Anders als die Apotheke vor Ort, Sie einfach mit ihrem Rezept hingehen können, funktioniert das in der Internetapotheke ein klein wenig anders. Dabei muss unterschieden werden ob es sich um rezeptpflichtige oder rezeptfreie Medikamente handelt Und ob diese vom Arzt verordnet worden sind. Zwingende Voraussetzung ist somit eine ärztliche Verordnung. Anders als in der gesetzlichen Krankenkasse können auch Medikamente verordnet werden, die in der gesetzlichen Kasse nicht mehr erstattungsfähig sind. Dazu gehören zum Beispiel Medikamente bei Erkältungen. Auch wenn das Medikament frei verkäuflich ist, müssen Sie (um es erstattet zu bekommen) zwingend einen Arzt aufsuchen und dieser muss Ihnen ein Rezept ausstellen. Normalerweise gehen Sie jetzt mit diesem Rezept in die Apotheke, legen es vor und bekommen daraufhin ihr Medikament. Bei einer Internetapotheke funktioniert das so natürlich nicht ganz.

Bei Medikamenten die nicht rezeptpflichtig sind, können Sie die Bestellung einfach über die Internetseite des Anbieters durchführen und lassen sich das Medikament nach Hause schicken. Zusammen mit der ärztlichen Verordnung (dem Rezept, welches eine Diagnose enthalten muss oder zusätzlich zum Rezept die Behandlungsrechnung mit Diagnose) und der Rechnung des Internetanbieters schicken Sie beides zusammen zu Ihrer privaten Krankenversicherung.

Bei Medikamenten welche rezeptpflichtig sind, ist das hingegen etwas komplizierter. Da die Apotheke (und damit auch die Internetapotheke) Ihnen ein solches Medikament nur dann aushändigen darf wenn das Rezept vorgelegt wird, müssen Sie dieses zunächst einmal an die Internetapotheke schicken. Das geschieht auf dem Postweg, einige wenige Anbieter lassen auch die Zusendung als gescanntes Dokument zu. Rechtlich ist das etwas schwierig, da sie dieses Rezept ja dann mehrfach verwenden könnten. Nachdem das Rezept also in der Internetapotheke vorliegt, kommen Sie Ihre Medikamente und die entsprechende Rechnung nach Hause geschickt und reichen diese gemeinsam bei der privaten Krankenversicherung ein.

Bei Medikamenten die Sie regelmäßig benötigen, ist so eine Abwicklung über die Apotheke im Internet durchaus möglich. Denn diese Medikamente werden nicht akut am gleichen Tag benötigt, sondern sind auf Vorrat zu Hause gelagert. Bekommen Sie ein neues Konzept, so schicken Sie es weg, bekomme das Medikament usw. Bei akuten Erkrankungen, welche eine Einnahme des Medikaments sofort erforderlich machen oder um eine schnelle Einnahme empfehlenswert ist, eignen sich die Apotheken aus dem Internet nur bedingt.

Jetzt könnte man natürlich man natürlich hingehen und die akut benötigten Medikamente vor Ort holen, alles andere (kostengünstiger?) aus dem Internet bestellen. Damit ergibt sich ein Vorteil, entweder für Sie (wenn sie die Medikamente im Rahmen ihrer Selbstbeteiligung allein zahlen, oder für die privaten Krankenversicherer da er damit weniger Kosten. Am Ende profitieren sie auch hier davon, der weniger Kosten bedeutet weniger Beitrags. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch berücksichtigen, eine Apotheke vor Ort steht eine Versorgung für dringend benötigte Medikamente sicher. Das können die Internetanbieter in der Regel nicht. Heute Morgen entstand bei Twitter eine kleine Diskussion darüber, ob es jetzt empfehlenswert ist die Medikamente im Netz zu bestellen. Zum Missfallen eines anderen Beteiligten dieser Diskussion äußerte ich meine persönliche Meinung dahingehend, dass ich es nicht schön finde nur die dringenden Sachen in der Apotheke vor Ort zu besorgen, alle anderen im Internet zu bestellen. Ich brauche und von einer dauerhaften Erkrankung regelmäßig Medikamente, komme jedoch trotzdem nicht in die Verlegenheit diese im Internet zu bestellen. Der Grund ist für mich relativ einfach, ich empfinde es als „Ausnutzung“ die Medikamente die ich schnell bzw. sofort brauche vor Ort zu holen und alles andere einfach im Netz zu bestellen. Dabei geht es mir gar nicht um die Beratung in der Apotheke, die brauchen speziell chronisch erkrankte Patienten in der Regel nicht (mehr), sondern vielmehr um eine faire Behandlung die Apotheke vor Ort, denn ich möchte diese auch in den nächsten Jahren weiter nur wenige Meter von meinem Zuhause entfernt wissen.

Bei einigen Medikamenten oder freiverkäuflichen Heilmitteln (zum Beispiel solche wärmenden Bandagen bei Rückenschmerzen) sind die Unterschiede tatsächlich in vielen Fällen recht hoch. Natürlich muss man Versandkosten berücksichtigen und das alles in Relation sehen. Auf der Internetseite von medizinfuchs.de lassen sich zum Beispiel die Preise für verschiedene Medikamente und Anbieter vergleichen. Kaufen Sie regelmäßig Medikamente selber oder benötigen Sie als chronisch kranker Patient dauerhaft Medikamente, so spricht nichts dagegen mit der Apotheke „zu verhandeln“. Sprechen Sie mit der Apotheke ruhig einmal und nehmen Sie den Ausdruck mit den anderen Preisen mit. Gerade bei Medikamenten die frei verkäuflich sind haben auch die Apotheken eine entsprechende Spanne. So habe ich durchaus schon Medikamente/ Wärmebandagen vor Ort zum fast identischen Preis wie dem Internet gekauft.

Faszienrolle

Heil- und Hilfsmittel aus dem Internet

Eine weitere Anfrage heute Morgen beschäftigte sich mit einem kleinen Hilfsmittel, welches gegen Rückenschmerzen helfen soll. Eine sogenannten Faszienrolle. Viele von ihnen werden das vielleicht aus dem Fitnessstudio kennen, damit lassen sich bestimmte Muskelgruppen trainieren und somit Verspannungen vorbeugen. Oben auf dem Bild sehen Sie einige solcher Rollen, welche Sie zum Beispiel bei Amazon bestellen können. Dazu erreichte mich folgende Frage:

Moin,
so auf die schnelle :
Brauch ich für eine Behandlungsreihe  (Massage/Chiropraktik) eine Überweisung vom Orthopäden zum Therapeuten?
Fällt eine Faszienrolle (bei Amazon) unter die Hilfmittel meines Vertrages?
Zunächst einmal benötigen Sie in jedem Fall für eine Behandlung einen Therapeuten eine entsprechende Verordnung. Diese Verordnung muss ein Arzt ausstellen, oder der Heilpraktiker wenn es in ihrem Vertrag versichert ist. Bitte beachten Sie hierbei auch, dass bei Verordnungen durch Heilpraktiken gegebenenfalls Leistungseinschränkungen zu beachten sind. Wer sich also von einem Therapeuten mit einer Massage behandeln lassen möchte, der geht vorher zum Arzt (das muss nicht zwingend der Orthopäde sein) bekommt ein entsprechendes Rezept/eine Verordnung. Nur nebenbei der Hinweis, einige Versicherer beschränken die Heilmittel (dazu gehören auch Massagen) in ihren Bedingungen, mehr Informationen finden Sie auch in meinem Artikel zu den Heilmitteln.
Der zweite Teil der Frage bezog sich auf einen Link zu Amazon. Die sogenannte Faszienrolle ist ein Hilfsmittel, welches dazu dient körperliche Beschwerden zu lindern oder auszugleichen. Ob eine solche Rolle dazu geeignet ist und ob diese auch in ihrem Vertrag versichert ist, sind entscheidend davon ab welche Regelungen ihren Vertrag zu Grunde liegen.

Kann ich bei Internethändlern (die keine Apotheke sind) kaufen?

Dennoch benötigen Sie auch hier eine entsprechende Verordnung, also ein Rezept. Aufgrund der Regelung zu dem Bezug aus der Apotheke (die wir oben schon einmal bei den Medikamenten als Auszug aus den Bedingungen hatten) ist ein Kauf bei Amazon oder anderen Internet anbieten (wenn diese keine Apotheke oder Sanitätshaus sind) nicht möglich. Die Bedingung des Bezuges aus der Apotheke wäre nicht erfüllt und das Hilfsmittel daher auch bei entsprechenden Rezept nicht erstattungsfähig. Einige Versicherer sind hier durchaus bereit Ausnahmen zu machen, diese sind aber individuelle Vereinbarungen die niemals für alle gelten und immer vorher abzusprechen sind und am besten schriftlich bestätigt werden sollten.
Sollte Ihr Versicherer und Tarif eine solche Erstattung nicht vorsehen, so können Sie natürlich das (selbst bezahlte) Hilfsmittel im Internet erwerben. Dabei steht es ihm natürlich frei dieses bei dem Anbieter zu kaufen der ihnen persönlich am besten gefällt. Bei dem Bezug von Hilfsmitteln sehen die meisten Versicherer generell spezielle Regelungen vor. Dieses kann zum Beispiel sein, dass die Hilfsmittel direkt über den Versicherer zu beziehen sind oder bei einem von diesem beauftragten Unternehmen. Dabei ist eine generelle Aussage hier schlecht möglich.

Das Fazit

Aus Kostengründen kann es durchaus ein Stück Medikamenten sinnvoll sein, Medikamente kostengünstiger im Internet zu bestellen. Achten Sie bitte darauf, dass es sich um eine deutsche Internetapotheke handelt, mit einer entsprechenden Zulassung. Bitte bedenken Sie auch, dass es etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, als der Besuch in der Apotheke um die Ecke. Natürlich haben nicht alle Apotheken alle Medikamente vorrätig, das gilt sowohl für Medikamente bei Internetapotheken, aber natürlich auch vor Ort. Damit das Medikament in der privaten Krankenversicherung erstattungsfähig ist, muss es zusammen mit der Rechnung und der entsprechenden Diagnose (diese kann auch auf der beigelegten Arztrechnung sein) bei der Versicherung eingereicht werden.
26.
August '10

Angemessenheit von Heilmitteln- oder warum die PKV weniger erstattet als der Physiotherapeut abrechnet


Ich hatte bereits im letzten Jahr über die Abrechnungsmodalitäten bei Heilmitteln, so auch die Abrechnung bei logopädischen Leistungen geschrieben. Generell gilt: Es gibt keine einheitliche, pauschale Lösung. Die Höhe der Erstattungen regelt der jeweilige Versicherer im Rahmen der Tarifbedingungen und ggf. weiterer Anlagen zu diesen.

Dabei unterscheiden sich die Tarife und lassen sich in mehrere Gruppen einteilen:

1.) Der Tarif hat keine Regelung

Dann greift hier „nur“ die Vorgabe der medizinischen Notwenigkeit und einer angemessenen Abrechnung durch den Heilbehandler. Da es aber keine festgelegten Sätze, wie bei den Ärzten in der GOÄ gibt, kann der Physiotherapeut für seine Behandlung einen entsprechenden Satz abrechnen. Dabei wird sich dieser allein deshalb bundesweit unterscheiden, weil der Therapeut für die Krankengymnastik in bester Innenstadtlage andere Sätze berechnen muss wird, als der Kollege in dem ländlichen Einzugsgebiet.

2.) Der Tarif verweist auf eine Anlage, ein so genanntes Heilmittelverzeichnis

Dabei hat der Versicherer eine Übersicht erstellt, welche die Höhe der Anwendungspreise regelt. Diese schreibt genau vor, was für welche Behandlung aus Sicht der Versicherers verlangt werden darf. Diese Tabelle ist Vertragsbestandteil und sollte somit 1.) bei Abschluss genau gelesen und verstanden sein und 2.) am besten mit zum Behandlungstermin genommen werden. Hier ein Beispiel aus einem solchen Verzeichnis:

22,50 EUR – Krankengymnastische Behandlung (auch auf neurophysiologischer Grundlage, Atemtherapie), als Einzelbehandlung einschließlich der erforderlichen Massage

Einzelbehandlung bei Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen 36,50 EUR für 30 Minuten oder 60,10 EUR für 60 Minuten

3.) Orientierung an den beihilfefähigen Höchstsätzen

Dabei nutzt der Versicherer kein eigenes, individuelles Kostenverzeichnis. Er bezieht sich auf die Bundesbeihilfeverordnung, also eine Art Vorschrift, welche die Kostenerstattung für Beamte regelt. Diese hat aus eine entsprechende Anlage und regelt hierin die Höchstsätze für eine Erstattung. In oben genanntem Beispiel lauten die Sätze hier wie folgt:

19,50 EUR Krankengymnastische Behandlung2) (auch auf neurophysiologischer Grundlage, Atemtherapie) als Einzelbehandlung

Einzelbehandlung bei Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen a) Mindestbehandlungsdauer 30 Minuten – 31,70 EUR und 52,20 EUR bei 60 Minuten Behandlungsdauer

Hier unterscheiden sich die Sätze bei der KG Behandlung „nur“ um 2 Eur, was aber 15% entspricht. Bei der Sprachtherapie (Logopädie) sind es ebenfalls 15%, aber knapp 8 EUR pro Behandlung. Beide Beispiele waren jedoch von einem einzigen Versicherer, aber aus unterschiedlichen Tarifen. Im Tarif 1 handelte es sich um den NK Tarif der Halleschen, im 2. Beispiel um den Primo B. Die Regelungen können Sie in den Tarifbedingungen im Downloadbereich nachlesen.

In den Tarifen können jedoch noch weitere Beschränkungen vorhanden sein.

So gibt es Unternehmen und Tarife, welche die Anzahl der Behandlungen pro Jahr begrenzen. Solche Tarife sollte man, meiner Meinung nach, meiden. Es ist nicht planbar wie lange und wie oft eine solche Behandlung durchgeführt werden muss. Gerade bei schweren Unfällen, Schlaganfällen und dergleichen sind eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich.

Eine andere Form der Einschränkung besteht in einer- vor Abschluss bekannten- prozentualen Regelung. So erstattet unser Beispiel 1 nur 80% der Kosten. Kostet eine Behandlung also hier 28,50 EUR, so erfolg eine Erstattung von 18 EUR (also 80% von dem Höchstsatz 22,50 EUR) und das zweite Beispiel nur 14,62 EUR (hier 75% von dem Höchstsatz von 19,50 EUR).

Bei unserem Beispiel 2 bedeutet dieses schon bei einem Rezept, also 10 Behandlungen, 138,75 EUR eigener Anteil. Dieses sollte bei der Tarifauswahl durchaus berücksichtigt werden. Das bedeutet nicht, dass ein solcher Tarif gut oder schlecht ist, er muss nur auf den Bedarf passen.

Alles das nützt aber nichts, wenn die Behandlungen wie Logopädie oder Ergotherapie nicht in den Versicherungsbedingungen erwähnt sind. Dann ist eine Begrenzung auf was auch immer, nutzlos, denn es gibt 0 Euro Erstattung.

Grundlage/ Idee für diesen Artikel war eine, an mich gerichtete, Frage auf dem Hilfeportal wer-weiss-was.de.

26.
Oktober '09

Klarstellungen und Bedingungsänderungen des Dt. Ring Krankenversicherungsverein


Am 29. Januar diesen Jahres schrieb ich bereits über die Erklärung zu der Hilfsmittelversorgung des Deutschen Rings. Diese beschäftigte sich mit der Formulierung der Beschaffung der Hilfsmittel, welche im Markt zu Irritationen führte. Daraufhin gab der Dt. Ring eine so genannte geschäftsplanmäßige Erklärung ab.

Nun folgen zum (nächstmöglichen Termin) die Bedingungsänderungen in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (ABV) und diese lauten wie folgt:

Tarif Classic und Classic+, Esprit (auch X, MX, M), Comfort und Comfort+ (wird ergänzt um)

„Wurde keine vorherige Leistungszusage vom Deutschen Ring eingeholt, so werden höchstens die Kosten übernommen, die im Rahmen der möglichen alternativen und kostengünstigeren Versorgungsform oder beim Bezug des Hilfsmittels über einen Kooperationspartner des Deutschen Rings angefallen wären.“

Somit ist klar geregelt- anfragen vor der Hilfsmittelversorgung, oder Begrenzung auf die dort angefallenen Kosten. Eine klare und deutliche Regelung, meiner Meinung nach.

In den Tarifen A, B (auch BA, BK), BE, med+, RAS, RSS

Die Erstattung von Logopädie und Ergotherapie ist nun in den Bedingungen genannt.

In den Tarifen B (Beihilfe div.), M80, Profi M/S, Esprit, EspritX, Comfort/+, Classic/+, RAS und RSS

bei den medizinisch notwendigen Krankentransporten (Auslandsrücktransport) wird hinzugefügt:

„Rücktransporte aus dem Ausland werden auf der Grundlage der im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten Richtlinien für die Durchführung von Ambulanzflügen erstattet“

Unteranderem arbeitet auch der DRK Flugdienst nach diesen Richtlinien.

Tarif Comfort+

Im Bereich der Auslandskosten und der Bindung an eine deutsche Gebührenordnung (GOÄ, GOZ) wird klargestellt:

„Ärztliche und Zahnärztliche Leistungen sind im Rahmen der jeweils geltenden Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) bzw. Zahnärzte (GOZ) erstattungsfähig. Über den Höchstsätzen liegende Kosten werden gemäß den geltenden Bestimmungen der GOÄ/ GOZ erstattet. Dieser Tarif sieht für Auslandsrechnungen keine tarifliche Bindung an die jeweils geltende deutsche GOÄ/ GOZ vor.“

Somit sind die Klarstellungen sowohl im Neugeschäft als auch im Bestand sehr zu begrüßen. Passend dazu lesen Sie bitte auch den Artikel zu der Anhebung der Festbeträge des Dt. Rings.

28.
September '09

Angemessene Beträge bei Heilmitteln – was Sie wissen sollten


Immer wieder passiert es und auch noch ohne das der Versicherte davon wusste. Der Versicherte schaut in seine Versicherungsbedingungen und da finden wir folgende Fomulierung:

Als Heilmittel gelten die zur Beseitigung und Linderung von Krankheiten oder Unfallfolgen dienenden Anwendungen und Behandlungen wie Inhalationen, Krankengymnastik und Übungsbehandlungen, Massagen, Hydrotherapie und Packungen, Wärmebehandlung, Elektrotherapie sowie Lichttherapie.

Ergänzend dazu ist angeführt:

Die Erstattung erfolgt zu 100%.

manchmal noch erweitert um den Nachsatz

… in angemessenen Sätzen.

Als konkretes Beispiel aus der letzten Woche nehmen wir eine Rechnung eines Physiotherapeuten, welcher folgende Kosten in Rechnung stellte.

Da ging der Kunde von einer 100% Erstattung aus, musste sich aber einen Besseren belehren lassen, denn diese Kosten seien nicht angemessen. Empfinden Sie Kosten für eine Krankengymnastik bei Rückenbeschwerden in Höhe von 26,80 EUR für eine Behandlung angemessen?

Das wird sich sehr schwerlich beurteilen lassen und auch davon abhängig sein wo Sie wohnen. Hier, im idyllischen Norden ist das unter Umständen noch zu bekommen, in der Frankfurter City wahrscheinlich nicht. Der Versicherer sag das (auch bei dem Kunden) anders und schrieb:

Und nun? Woher sollte der Kunde wissen welche Sätze angemessen sind? Darauf rief er bei seinem Versicherer, der HUK Coburg Krankenversicherung, an und fragte nach. Er bekam die Aussage man nutze hierzu die „Beihilfesätze„. Komisch dachte der Kunde und fragte nach. „Ich bin doch gar nicht beihilfeberechtigt und auch kein Beamter oder Angestellter im Öffentlichen Dienst. Können Sie mir bitte eine Liste senden?“ Antwort: Nein, die finden Sie im Internet. „Und auf welcher Grundlage machen Sie das?“ wollte der Kunde weiter wissen. Antwort: „Wir machen das immer so.“

(Anmerkung: Ich habe dazu den Versicherer angeschrieben und um Antwort gebeten. Diese stelle ich dann gern hier ein.)

Da verlässt sich ein Kunde auf eine Aussage in den Bedingungen (wobei bei der HUK keinerlei Formulierung zu „angemessen“ oder „100%“ drin steht, sondern nur der oben zuerst zitierte Text. Noch schlimmer, denn hier haben andere Versicherer eine ergänzende Formulierung angefügt und schreiben:

Die Erstattung erfolgt maximal zu beihifefähigen Höchstsätzen.

Diese finden Sie in den Beihilfevorschriften des Bundes (Direktlink) oder der Länder. Wenn Sie Beamter sind, dann kennen Sie diese womöglich. Doch wer als „normaler“ Versicherter mit einem privatrechtlichen Vertrag macht sich Gedanken über Beihilfesätze??? Und was ist, wenn der Gesetzgeber die Beihilfesätze ändert?

Schauen Sie mal in Ihren eigenen PKV Vertrag- was finden Sie dort bei Hilfsmitteln? Fragen Sie sonst telefonisch nach und bestehen auf einer schriftlichen Aussage. Sollte es ein eigenes Verzeichnis in dem Unternehmen geben, so lassen Sie sich dieses übersenden und vergleichen dieses mal mit den Beihilfesätzen. (Ab Seite 45)

Beachten Sie bitte auch noch:

Sind die Sätze an die Inflation angepasst? Wann werden diese überprüft?

In unserem Fall der KG Behandlung finden wir die Lösung auf Seite 45 der Beihilfevorschriften des Bundes. Maximalbetrag laut Beihilfe 19,50 EUR. Somit hätte unser Kunde hier nur 195 EUR statt den bezahlten 265,80 EUR bekommen. Das entspricht einer zusätzlichen Eigenbeteiligung von 70,80 EUR oder anders gesagt 26% des Rechnungsbetrages. Ob das bei Vertragsabschluss so gewollt war?

Nun ist dieser Betrag überschaubar und schnell bezahlt. Bedenken Sie doch bei Schlaganfällen, Unfällen mit Knochenverletzungen etc. sind oft langfristige Behandlungen nötig. 100 Behandlungen sind da keine Seltenheit und somit drohen hohe Eigenbeteiligungen.

Daher wählen Sie Ihre Krankenversicherung bewusst aus und beachten die Auswahlkriterien. (Link zu Kriterien und Fragebogen)