Nach über 26 Jahren hatte ich gedacht, alles gesehen zu haben. Aber anscheinend habe ich das nicht. Aber eine 1-Sterne-Bewertung zu bekommen, weil jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht versicherbar ist, dass ist mir auch neu. Aber der Reihe nach und so transparent, wie das eben im Rahmen der geltenden gesetzlichen Grundlagen möglich ist.
Die eigentliche Bewertung können Sie hier nachlesen und solange die dort online ist und nicht vom Schreibenden gelöscht wird, viel Spaß mit der Lektüre.
Doch schauen wir uns die ganze Geschichte einmal etwas genauer an.

Am letzten Samstag saß ich am Schreibtisch und hatte das Telefon nicht wie sonst stumm geschaltet. Ein Herr rief an, ich ging dran und er erklärte, das Thema PKV sei interessant, er hat sich auch schon einmal damit beschäftigt, aber nun ploppte das wieder auf. Politik, Veränderungen 2027 und steigende Beiträge in der GKV, vielleicht ist die PKV doch keine so schlechte Idee, müsste er mal überlegen.
Also habe ich in knapp 25 Minuten und spontan ohne Termin, ohne Fragebogen und sonst etwas, ein paar Grundlagen erklärt und Links verschickt. Da die Einkommenssituation mit fixen und variablen Einkünften nicht ganz einfach ist, braucht es hier etwas Planung und Überlegungen. Der Wechsel würde im kommenden Jahr nicht mehr funktionieren, daher müsste man sich jetzt damit beschäftigen, so meine Aussage.
Da die Woche voll war, keine Termine in den kommenden 14 Tagen mehr zu buchen waren, bot ist an, meinen freien Freitag anzubieten und verschickte einen extra Terminlink. Gesagt getan, der Termin wurde gebucht für Freitag, 9 Uhr.
Gestern, am Donnerstag, dann ein privates Problem und ich überlegte den Termin zu verschieben. Ich musste privat jemanden ins Krankenhaus begleiten und schrieb dann am Vortag vormittags:
Hallo Hr. XXX, leider muss ich morgen (…) Wäre es bei Ihnen möglich den Termin statt gebuchten 9 Uhr um 8-9 oder nach 13:30 (vielleicht schaffe ich auch 13 Uhr) zu machen? Danke
Die Antwort kam direkt und prompt.
“8 Uhr passt gut :-)”
Antwort des Interessenten, inkl. lachendem Smiley bei WhatsApp.
Ich freute mich, konnte ich doch allen gerecht werden und war froh es so gelöst zu haben.
Heute morgen dann, ich war sogar schon vorher im Büro und schrieb direkt, dass es bei mir auch jetzt schon passt, sonst eben um 8 und schaute mir den PKV-Kriterienfragebogen schon einmal genauer an. Das mache ich immer direkt vor dem Termin, so ergibt das am meisten Sinn. Die Informationen muss man eh besprechen und dann sind diese präsent. Bei über zehn Beratungen die Woche möchte ich nichts verwechseln. Also schweift mein Blick meist auf Besonderheiten, ich schaue noch einmal nach Vorerkrankungen und Beschwerden, nach Psychotherapien oder anderen Punkten die es gilt genauer zu besprechen, bevor wir weitermachen.
Dabei fiel mir auf, dieser Kunde ist so nicht versicherbar. Das wird, gibt man im Fragebogen bestimmte Krankheiten und Behandlungsdauern an, auch bereits angezeigt und kommt als Hinweis. Also nach dem Motto “Achtung, mit den Diagnosen oder Beschwerden ist es unmöglich/ schwer/ nahezu ausgeschlossen, aber wir können dennoch gern telefonieren. Ich nehme mir dann auch gern die Zeit und erkläre das nochmal genauer.
Also schrieb ist, weil ich auch nicht möchte, dass jemand unnütz Zeit investiert:
“Nach Sichtung des Fragebogens wird das Thema PKV eher nicht funktionieren bei IHnen, zumindest aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht. Erkläre ich Ihnen gern gleich.”
Auch hier, die Antwort kam prompt. (Fett markierte Textstellen sind von mir)
[07:51, 17.7.2026] Oh alles klar, das kommt jetzt überraschend.
[07:51, 17.7.2026] Viele Themen im Fragebogen hab ich geraten weil ich davon nichts wirklich weiß.
[07:51, 17.7.2026] Wir können den Termin auch ausfallen lassen..
Ich wollte es gern erklären und bot zudem an, statt einer Nachricht kurz eine Sprachmemo zu senden und erklärte hier noch einmal genauer, warum es nicht geht, wann es wieder sinnvoll ist und was zu tun ist um in ein paar Jahren einen neuen Anlauf zu starten. Tat ich auch, bis dann diese Antwort kam.

Vielleicht bin ich zu empfindlich, vielleicht ist es noch zu früh am Morgen oder vielleicht ist einfach jemand mit dem falschen Fuß aufgestanden. Kann alles sein, wie der Künstler Tiemo Hauer im Lied “Alle Geschichten” so gut beschreibt. Wer es nicht kennt, hier anhören oder den Text hier einfach nachlesen.
Natürlich habe ich die Antwort nicht nur per Mail verschickt, sondern (abgewandelt und ohne persönliche weitere Daten) auch an den Kunden geschickt. Nachdem dieser seinen Benutzernamen von “Klarnamen” auf ein Pseudonym geändert hat, änderte ich selbstverständlich auch meine Anrede in der Antwort. Diese lautet nun:
“Sehr geehrter Herr Jaan K,
ich bin zugegeben etwas sehr verwundert und werde das auch nicht so stehen lassen.
Ihre Daten sind selbstverständlich gelöscht im Rahmen der DSGVO Vorgaben und Ihre Kontaktdaten lösche ich direkt nach dieser Mail.
Sie hatten an einem Samstag angerufen, ich hatte Ihnen spontan in ca. 30 Min. Grundlagen zur PKV erklärt und mitgeteilt, dass ich eigentlich kurzfristig keinerlei Termine habe, Ihnen aber den Freitag anbieten kann, worauf Sie einen Termin um 9 Uhr buchten. Gestern habe ich gefragt, ob es bei Ihnen möglich sei, den Termin um eine Std. oder auf den Nachmittag zu verschieben, da ich einen med. Notfall in der Familie lösen muss.
Den (zu Teilen) ausgefüllten Fragebogen habe ich heute früh, wie immer vor jedem Termin, gesichtet und dort gesehen, dass es Gründe hab, welche Sie nicht versicherbar machen. Dass Sie die Angaben „geraten oder geschätzt“ haben (wie dann nun behauptet), steht und stand da nicht.
Daraufhin habe ich Ihnen versucht zu erklären, dass es nicht sinnvoll versicherbar ist und Ihnen angeboten, dennoch zu telefonieren.
Ihre Reaktion finde ich daher schon etwas, sagen wir, sonderbar.
Sie werden sicher einen Kollegen finden, der Ihnen erklären wird: „Ist alles nicht schlimm, brauchen wir nicht angeben, findet eh keiner raus“ und dann endet es im einem Rücktritt (die korrekte Formulierung für eine Kündigung) durch den Versicherer) und Sie stehen ganz ohne PKV Schutz da und können auch nicht in die GKV.
Genau solche Fälle gilt es zu vermeiden.
Der Hinweis, dass es nicht geht, kam übrigens direkt im Fragebogen, nachdem Sie den Eintrag gemacht hatten.
Vielleicht ist der auch übersehen worden oder nicht deutlich genug, das nutze ich gern als Hinweis und passe den an. Vielen Dank dafür.
Ich finde es jedoch seltsam, mir vorzuwerfen, ich verschwendete Ihre Zeit, da ich einerseits nach einer Verschiebung gefragt habe und diese nicht einfach vorgenommen, andererseits eine weitere Alternative nachmittags angeboten und zu guter Letzt auch heute diesen Punkt genauer erklärt hätte.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und alles Gute.
Eine gesunde Zeit wünscht Ihnen,
Sven Hennig”
Antwort auf die Google Maps Bewertung (im Wesentlichen identisch mit meiner direkten Antwort per Mail, eben ohne persönliche Daten)
Mich interessiert – wie sehen Sie das? Gern kommentieren!
Ist die 1-Sterne-Bewertung gerechtfertigt?
Was ich mitnehme für mich ist sicher, dass ich den Fragebogen auch am Vortag bereits hätte anschauen können, der war ja schon da. Das werde ich sicher zukünftig schon mal überdenken. Ich habe mich bisher immer für das “vor dem Termin anschauen” entschieden, da es effektiver ist, die Infos präsenter sind.
Auch überlege ich nun, im Fragebogen bei bestimmten “JA Antworten” es noch deutlicher Anzuzeigen und erst gar keine Option zum Termin buchen anzubieten. Aber schließe ich nicht damit die aus, die wirklich nur einen Anstoß oder einen Plan B benötigen und einen Rat nutzen und auch zu schätzen wissen?
Wie hätten Sie reagiert, an meiner und an Stelle des Interessenten?
Ich bin gespannt.