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07.
Juli '10

National Health Service (NHS) in Großbritanien – Eine kleine Erfahrung


Zuerst eins, ich kann auf solche Erfahrungen durchaus gut verzichten, aber wenn es dann so ist, ist es eben so.

Die Gesundheitssysteme von Deutschland und England sich sicher nicht miteinander vergleichbar. Allein deshalb nicht, da es zum einen zu 70% und mehr steuerfinanziert ist. Weitere Ausgaben werden durch diverse Gebühren und knapp 20% aus Sozialabgaben finanziert. Die Untersuchung und erste (vor dem Facharzt) Behandlung übernehmen so genannte Allgemeinärzte praktizierende Krankenschwestern. Diese dürfen- anders als in Deutschland- auch Rezepte nach bestimmten Richtlinien ausstellen.

Aber nun zu dem Notfall der einem Deutschen im Vereinigten Königreich durchaus passieren kann.

Anruf durch das Hotel bei der „112“. Einige Rückfragen zum Zustand des Patienten und den Beschwerden und Eintreffen von Notarzt und Krankenwagen keine 3 Minuten später.

Zu viert trafen die Herren ein. Alle superfreundlich und bemüht und ab ging es nach dem Check der Vitalfunktionen und einiger Rückfragen ins nächte (öffentliche) Krankenhaus des National Healt Service.

Im Krankenhaus bzw. der entsprechenden Notaufnahme war relativ viel zu tun. Dazu kommt, das diese zwar alt, aber sonst soweit zu beurteilen, in Ordnung war. Auch hier wieder top freundliches Personal das versucht zu helfen wo es kann.

So setzte sich das über die ganze Zeit (mehrere Stunden) fort. Und obwohl die Notaufnahme voll war, wurde immer eine Lösung gefunden. Selbst die Medikamente, welche hier im übrigen ein Bruchteil von Deutschland kosten, werden mitgegeben. Nicht für den einen Abend, sondern für die Zeit in denen man diese einnehmen soll.

Dieses ist sicher keine medizinisch fundierte und keinesfalls generelle Einschätzung. Auch der National Health Service hat, und hatte die letzten Jahre, massive Probleme in der Finanzierung.

Dennoch war meine Erfahrung in den 4,5 Std. durchaus positiv.

Sollten Sie einen medizinischen Notfall haben,

112 wählen oder 999 wählen

– sollten Sie einen Allergieausweis oder sonstige med. Unterlagen über Erkrankungen haben (die immer wichtig sind) nehmen Sie diese mit in den urlaub

– Der NHS (Grundleistungen werden erbracht) ist auch für Deutsche (und andere EU Bürger) in weiten Teilen kostenfrei

– Ist es kein Notfall, sondern ein Arztbesuch, dann gehen Sie zu dem niedergelassenen Arzt. Dabei ist zu beachten das diese frei entscheiden kann ob er behandelt oder nicht

– Daneben gibt es Krankenhäuser mit Notaufnahme (A&E), weiter so genannte Walk In Center (mit ärztlicher Beratung) oder die bereits erwähnten Krankenschwestern

Medikamente können Sie in den Apotheken (pharmacy) erwerben und bekommen dort auch Hilfe und Ratschläge zu „kleinen“ Erkrankungen

Müssen Sie länger und auch stationär behandelt werden, kontaktieren Sie bitte unbedingt ihre (falls vorhanden) private Krankenversicherung oder ihren Berater. Dieses macht die Auswahl der Ärzte und Krankenhäuser deutlich geößer, im Notfall wird dieses kaum funktionieren.

Und nun hoffe ich, dass Sie es dennoch nie brauchen.

Bleiben Sie gesund!