28.
November '16

Jetzt noch schnell den Berufsunfähigkeitsschutz beantragen, oder doch warten?


Das Jahresende ist nicht mehr lang hin und viele versuchen noch alles was auf den To-Do Listen steht zu erledigen. Das sind oftmals auch Dinge die jetzt nicht so viel Spaß machen- Versicherungen stehen dort auch weit oben auf der Liste.

Dennoch habe ich bereits in einem älteren Beitrag beschrieben,

…  warum es unverantwortlich ist keinen Versicherungsschutz für den Fall der Berufsunfähigkeit zu haben

und zum Glück steigt das Bewusstsein in der Bevölkerung durchaus an. Das sieht man auch an den Anfragen die mich hier erreichen, immer öfter sind dort Auszubildende dabei, oftmals beschäftigen sich die Eltern mit dem notwendigen Versicherungsschutz für die Kinder und sorgen damit für einen wichtigen Baustein zu Beginn der Ausbildung oder des Studiums.

Warum ein rechtzeitiger Beginn so wichtig ist?

Zwei Drei Gründe gibt es, welche den Versicherungsschutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit teurer machen. Der erste und noch am einfachsten nachvollziehbare Grund, ist das Eintrittsalter. Je älter Sie bei Vertragsbeginn sind, desto höher ist die Versicherungsprämie. Während Schüler, Auszubildende oder Studenten aber auch Berufsanfänger noch einen günstigeren Versicherungsschutz bekommen können, wird es mit steigendem Alter schwieriger. Aber da sind wir auch schon bei dem zweiten Grund, dem Gesundheitszustand. Natürlich gibt es Erkrankungen die im Kindes-/Jugendlichenalter auftreten und später wieder verschwinden, Allergien gehören dazu, auch einige Hauterkrankungen und anderes. Im Wesentlichen nehmen aber die Erkrankungen im Alter zu. Und umso mehr Erkrankungen vorliegen, umso mehr Untersuchungen und Behandlungen stattgefunden haben, desto schwerer wird es einen entsprechenden Versicherungsschutz zu bekommen. Irgendwann bleibt nur die Wahl zwischen

Zuschlag oder Ausschluss- für was soll ich mich entscheiden?

Doch damit wird der Versicherungsschutz entweder teurer oder er wird ausgehöhlt. Damit das nicht passiert sollten Sie sich rechtzeitig um eine entsprechende Absicherung bemühen. Ein späterer Berufswechsel ist damit in der Regel nicht mehr anzeigepflichtig und somit bleibt eine bereits abgeschlossene Police gültig. Auch wenn der neue Beruf risikoreicher ist und damit nur zu einer höheren Prämie versicherbar wäre, ändert das an einem bestehenden Vertrag nichts. Und damit sind wir auch schon bei dem dritten Grund für einen frühzeitigen Vertrag, der Berufsgruppeneinstufung. Diese entscheidet über die Höhe der Versicherungsprämie, nicht über die Qualität des Versicherungsschutzes. Dennoch gilt auch hier eine möglichst gute Einstufung früh zu sichern. Auf der anderen Seite kommen mit steigendem Alter durchaus auch risikoreichere Hobbys dazu, für welche einige Versicherer deutliche Zuschläge verlangen.

Die am häufigsten gestellte Frage in den letzten Wochen ist:

Wird im nächsten Jahr wirklich alles teurer?

Diese ist ganz eindeutig mit ja zu beantworten. Das bedeutet aber nicht, dass Sie übereilt und voreilig eine Entscheidung treffen sollen. Machen Sie sich in Ruhe Gedanken, wägen Sie ab welchen Versicherungsschutz sie benötigen und lassen Sie sich ausführlich dazu beraten. Am Ende nützt ein schnell abgeschlossener, schlechter Versicherungsschutz viel weniger und Sie hätten besser gewartet.

Warum wird es denn überhaupt teurer?

Das hat im speziellen zwei Gründe. Der erste Grund liegt auch hier ganz simpel im Eintrittsalter. Wie oben bereits erläutert sind sie im nächsten Jahr „vermutlich“ ein Jahr älter. Und genau deshalb werden sie auch die Versicherungsprämie für ein höheres Eintrittsalter zahlen müssen. Ob das nun 5, 10 oder 15 % sind ist vom Versicherer abhängig und wird auch durch die Art und den Umfang des Versicherungsschutzes bestimmt. Richtig ist aber, es wird teurer. Dabei ist zu beachten, dass sie dann diese höhere Prämie über die gesamte Vertragslaufzeit zahlen müssen.

Der zweite Grund warum es speziell zum 1. Januar 2017 teurer wird ist der sogenannte Garantiezins, dieser wird nämlich gesenkt. Weniger Garantiezins bedeutet mehr Beitrag. Nehmen wir diese beiden Faktoren zusammen, so kann es für viele durchaus sinnvoll sein, sich noch in diesem Jahr um einen entsprechenden Versicherungsschutz zu kümmern.

„Dieses Jahr“ bedeutet aber bitte nicht nach Weihnachten

Ich weiß, die Vorweihnachtszeit, man hat viel zu tun, die Kinder haben Weihnachtsfeier, in der Firma geht es drunter und drüber und irgendwie weiß man nicht wo einem der Kopf steht. Das mag alles sein, aber fangen Sie bitte nicht nach Weihnachten mit der Auswahl des entsprechenden Versicherungsschutzes an, wenn es dieses Jahr noch etwas werden soll.

Die Antragstellung in der Berufsunfähigkeitsversicherung erfordert ein wenig Aufwand. Da müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden, vielleicht noch bei Ärzten angefragt oder Befunde besorgt werden und diese Unterlagen entsprechend aufbereitet. Und ja, auch für mich- Ihrem Versicherungsmakler- ist nicht nur Weihnachten, sondern auch Jahresende. Auch hier kommen teilweise so viele Anfragen für eine Beratung herein, dass nicht alle gleichzeitig erfüllt werden können. Aus diesem Grund wird es für einige keine andere Variante geben, als dann doch auf eine Beratung im nächsten Jahr auszuweichen.

Aber ich brauch doch noch, dann wird es doch teurer…“ ja, warum es teurer wird habe ich oben erklärt, das wissen wir aber nicht erst seit gestern. Die Garantiezinssenkung ist seit längerem bekannt, und auch die Tatsache, dass Sie versicherungstechnisch ab dem 1. Januar bei den meisten Gesellschaften ein Jahr älter sind ist nicht ganz neu. Sollten Sie also noch eine Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung benötigen, so tun Sie mir bitte einen großen Gefallen und melden sich rechtzeitig. Rechtzeitig heißt nicht mehr nach Weihnachten.

Was Sie für eine gute Beratung tun können…

Nicht nur ich als ihr Berater, auch sie können dazu beitragen, dass eine Beratung erfolgreich wird. Anfragen wie „schicken Sie mir doch mal ein Angebot“ oder „sagen Sie mir einfach welchen Vertrag ich abschließen soll“ helfen uns beiden nicht weiter. Mit einer Beratung sollen Sie so viel Wissen bekommen, dass Sie fundiert und begründet eine Entscheidung treffen können. Diese Entscheidung kann für den Abschluss eines Vertrages ausfallen, kann aber im Gegenzug auch gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ausfallen. Dann gibt es durchaus rechts und links davon andere Produkte die manchmal besser geeignet sind. Aus diesem Grund ist eine Beratung unerlässlich. Eine solche lässt sich aber nicht in 10 Minuten mal nebenbei abhanden und auch mein Tag hat nur eine begrenzte zeitliche Kapazität. Wenn diese Beratungsstellen ausgeschöpft sind ist es eben nicht mehr möglich.

„Dann gehe ich woanders hin“

Auch das steht Ihnen natürlich frei und es gibt viele einige sehr qualifizierte Kollegen zu denen ich Ihnen uneingeschränkt raten würde und auch werde. Jedoch werden Sie bei den „guten“ und qualifizierten Kollegen das gleiche Problem haben und eben nicht innerhalb von Tagen einen Beratungstermin bekommen können, denn auch diese haben viel zu tun.

Es wird sich immer ein Berater Verkäufer finden, der Ihnen schnell und unkompliziert einen entsprechenden Vertrag verkauft. die qualifizierten und umsichtigen Kollegen sind es aber, die solchen Unsinn später wieder ausbaden müssen. Darauf habe ich, wie viele meiner Kollegen, keine große Lust.

Treffen Sie die Entscheidung richtig und begründet, oder gar nicht!

Doch eben hatte ich ja bereits angekündigt, dass Sie auch etwas dazu tun können. Besorgen Sie sich entsprechende Unterlagen Ihrer Ärzte, tragen Sie Ihre Gesundheitshistorie zusammen und schauen Sie sich schon einmal Gesundheitsfragen an. Bei mir hier auf der Seite im Downloadbereich können Sie sich unter dem unter Begriff „Antragsunterlagen“ einfach einmal einige dieser Formulare ansehen und so ein Gefühl dafür bekommen, was der Versicherer alles wissen möchte.

Vor einer Beratung füllen Sie bitte den Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeit aus. Auch eine gute Idee ist es, den Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung zumindest ansatzweise gelesen zu haben. Und wenn Sie dann noch Zeit und Lust haben sich eingehender und tiefgründiger mit dem Thema zu beschäftigen, dann schauen Sie sich hier einmal die Auswahlkriterien an und lesen einige der Beiträge zum Thema Berufsunfähigkeit im Blog.

14.
November '16

Beitragsanpassung der privaten Krankenversicherung und was sie jetzt tun können


Am letzten Wochenende haben viele Versicherte Post von ihrer privaten Krankenversicherung bekommen und wurden darüber informiert, dass die Beiträge für den eigenen Versicherungsschutz zum 1. Januar 2017 steigen. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, ich möchte daher diesen Beitrag nutzen um etwas mehr Klarheit in dieses Thema zu bringen.

Die Ursachen der Beitragsanpassung

Für eine Anpassung der Beiträge gibt es ganz unterschiedliche Ursachen, daher sind diese Anpassungen auch keineswegs bei allen Versicherern und auch nicht bei allen Versicherten in einem Tarif identisch. Anpassungen werden daher abhängig von den Altersstufen, dem gewählten Tarif, der Frage ob sie in Bisex oder Unisex sicher sind und weiteren Faktoren beeinflusst. Zum Jahr 2017 kommt noch ein anderer Punkt dazu. Auch in der privaten Krankenversicherung in der es im eigentlichen Tarif keine Anpassung gibt, führt eine Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung zu einem höheren Gesamtbeitrag im Jahr 2017.

Beitragsanpassung in der Pflegepflichtversicherung

Diese Beitragserhöhung kann durchaus 20% und mehr (auf den Beitrag der Pflegeversicherung) betragen. Dabei sollten wir jedoch so realistisch sein, dass wir hier über Anpassungen von 5 bis 8 Euro reden und zumindest bei Angestellten diese zur Hälfte dem Arbeitgeber landet. Während der Beitrag in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung im Jahr 2017 auf 121,80 € als Höchstbeitrag ansteigt, zahlen Versicherte in der privaten Pflegepflichtversicherung (mit identischen Leistungen) oftmals Beiträge von deutlich unter 50 €, selbst nach der Erhöhung.

Steigende Kosten bei Ärzten und Behandlern

Auf der Ausgabenseite stehen viele private Krankenversicherer vor dem Problem der steigenden Kosten, welches diese nur sehr bedingt beeinflussen können. Natürlich lassen sich in die Versicherungsbedingungen Regelungen schreiben, welche dem Versicherer ermöglichen den Bezug von zum Beispiel Hilfsmittel über einen eigenen Großhändler zu organisieren, Medikamente oder sonstige Leistungen mit Rabattverträgen einzukaufen, im wesentlichen jedoch ist man Kostenerstatter. Dabei möchte ich gar nicht die Schuld auf die Ärzte oder andere Berufsgruppen abwälzen, wir haben jedoch allgemein das Problem, dass die Kosten für eine hochwertige medizinische Versorgung ansteigen.

Nun könnte man durchaus meinen das „hätte man wissen können“ oder zumindest „ahnen können“ und manche Versicherer haben dieses durchaus besser im Griff als andere. Auf der anderen Seite haben wir leider die Situation dass vielfach die private Krankenversicherung immer noch nach dem Motto: „Wer versichert mich denn billiger“ oder „Wer nimmt mich dann ohne Zuschlag“ beraten wird. So werden Entscheidungen für die private Krankenversicherung oftmals nach dem Preis, nicht aber nach der Leistung, dem Versicherer oder anderer Fakten getroffen. Einige Beispiele und weitere Erklärungen dazu finden Sie unter anderen in den folgenden Beiträgen:

Niedrigzinsphase und deren Folgen

Wer noch vor einigen Jahren Geld anlegen wollte, der bekam selbst auf ein Tagesgeldkonto zu guten Zeiten 4 %. Vier Prozent für eine Geldanlage, welche täglich verfügbar war, nahezu vollständig sicher und ohne Risiken. Auch in der privaten Krankenversicherung wird Geld angelegt. Denn das Prinzip einer kapitalgedeckten Versorgung ist nun einmal, dass in jungen Jahren weniger Kosten verursacht werden als Beiträge gezahlt. Diese Differenz geht- ganz vereinfacht- in den großen Topf der Altersrückstellungen und vermindert den Beitrag im Alter. Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Darstellung und die Zuführung zu den Altersrückstellungen sind deutlich komplizierter. So ist es auch davon abhängig wie leistungsfähig ein Tarif ist, welche Leistungen also heute (und in Zukunft) versprochen werden und wie sich diese entwickeln.

zins-und-endkapital-bei-unterschiedlichem-zins

Wer monatlich 100 € spart, hierfür 4 % Zins bekommt und das ganze 30 Jahre durchhält, der profitiert am Ende von 32.760 € Zinsertrag und hat ein Gesamtkapital von über 68.000 €. Sinkt der Zins nur um ein (niedriges) halbes Prozent, so vermindern sich die Zinsen um 5.639 € und betragen damit nur noch 20.121 €.

Was Sie nach der Beitragsanpassung tun sollten

Bereits vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag ausführlich beschrieben, was Sie nach Erhalt der Information zur Beitragsanpassung tun sollten. Dabei geht es insbesondere darum, keine übereilten Entscheidungen zu treffen und sich genau vor Augen zu führen welche Folgen eine solche Entscheidung hat.beitrag-bap

So lassen sich übereilt getroffene Entscheidungen oft nicht mehr rückgängig machen oder nur mit gravierenden Folgen wieder korrigieren. Wer dabei zu schnell oder übereilt zum Beispiel seine Selbstbeteiligung erhöht, der wird später Probleme haben diese wieder zu reduzieren. Eine Reduzierung der Selbstbeteiligung ist eine Leistungsverbesserung, welches in den meisten Fällen eine neue Gesundheitsprüfung nach sich zieht.

Nicht in eine Tarifstufe wechseln, welche heute nicht angepasst wird

Eine beliebte Empfehlung von überforderten Beratern ist oftmals ein schneller Wechsel in eine höhere Selbstbeteiligungsstufe. Dabei verringert sich der Beitrag sofort, oftmals wird jedoch nicht bedacht dass dieses weit reichende Folgen haben kann. Nicht nur, dass genau zu berücksichtigen ist wie viele Kosten denn nun (mehr) selbst getragen werden müssen, nein auch die folgenden Anpassungen spielen eine Rolle. so ist es in den allerwenigsten Fällen sinnvoll, heute in eine Tarifstufe zu wechseln die nicht angepasst war. Auch dieser Tarifstufe steht (dann vielleicht im nächsten Jahr) eine entsprechende Anpassung ins Haus.

Soll ich zu einer anderen Gesellschaft wechseln?

Diese Frage wird mir oftmals gleich nach der Beitragsanpassung gestellt. Auch hier ist eine seriöse Empfehlung und Beratung nicht möglich, ohne zumindest weitere Umstände zu kennen. Dazu spielt es eine entscheidende Rolle ob sie in der alten Tarifwelt oder schon in neuen Tarifen sind. Auch stellt sich die Frage wie alt sie sind, seit wann sie bei der bisherigen Gesellschaft und in den bisherigen Tarifen versichert sind und ob die Anforderungen an die Tarife noch denen entsprechen die es bei der Einführung der Tarife bzw. beim Abschluss waren. Leider erlebe ich nur zu oft, dass damals bei der Entscheidung für die private Krankenversicherung damit bei der Entscheidung für den Tarif die Gesellschaft keine wirkliche Beratung stattfand. Der Berater entschied welche Gesellschaft und Tarif die richtige ist, der Berater musste es ja wissen und die oder der Versicherte haben einfach geglaubt. Geglaubt ohne zu hinterfragen ob es Alternativen gibt, geglaubt ohne zu überlegen warum denn gerade diese Gesellschaft oder dieser Tarif empfohlen wurde.

Versteckte Probleme in den Gesundheitsangaben

Dazu kommt in verschiedenen Altverträgen das Problem, Gesundheitsangaben sind nicht korrekt und vollständig gemacht worden. Da schlummern also Pulverfässer in den Bestand, und in vielen Fällen kann der Versicherer zumindest in den nächsten Jahren problemlos die rote Karte in Form einer Anzeige Pflichtverletzung ziehen. Wenn dieses so ist und Gesundheitsangaben bei“ nicht, nicht vollständig gemacht worden sind, so ist auch dieses ein Problem welches gelöst werden muss.

Eine solche Lösung kann ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft sein, wenn diese aus anderen Gründen sowieso ansteht. Ein Wechsel der Gesellschaft ist kein Allheilmittel. In den meisten Fällen wird dieser mit einem erhöhten Beitrag einhergehen, Denn das Eintrittsalter hat sich gegenüber der ursprünglichen Tarifauswahl verändert. Weiterhin sind Tarife angepasst worden, haben sich Rahmenbedingungen geändert und auch hier führen diese Veränderungen meist zu einer höheren Prämie.

Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft

Der Wechsel des Tarifes innerhalb der eigenen Gesellschaft ist für viele Versicherte der letzte Strohhalm. So gibt es in der privaten Krankenversicherung natürlich genügend Versicherte, welche die Leistungen auch genutzt haben. Wer also in den letzten Jahren krank war und vielleicht zudem schon etwas älter ist, für den macht ein Wechsel der Gesellschaft in den meisten Fällen keinen Sinn. Für all diese hat der Gesetzgeber jedoch eine Möglichkeit geschaffen die Versicherungsbeiträge ohne Gesellschaftswechsel zu reduzieren. Der sogenannte Tarifwechsel, geregelt im Paragrafen 204 des Versicherungsvertragsgesetzes nicht einen Wechsel in einen gleichartigen Versicherungsschutz. Für diesen Wechsel darf der Versicherer keine Zuschläge erheben, und muss diesen auch nicht mehr gesunden Bestandskunden erlauben.

Leider ist es bei vielen Gesellschaften nach wie vor ein Problem, die entsprechenden Angebote zu bekommen. Auch wenn inzwischen Angebote zu dem Tarifwechsel verschickt werden, wer sagt dem Versicherten das hier der optimale Tarifwechsel angeboten wurde. Auch die Gegenüberstellung der Leistungen zwischen dem alten Versicherungsschutz und den neu angebotenen Tarif stellt für viele Versicherte ein großes Problem dar. Hier kann professionelle Hilfe unterstützend tätig sein und einen solchen Tarifwechsel erleichtern. Dazu gibt es eine Unmenge an seriösen, aber noch eine viel größere Anzahl unseriöser Anbieter. Hier werden horrende Honorare verlangt, hier werden Vollmachten gefordert welche jedwede Kontaktaufnahme durch den Versicherer bieten, hier werden Gespräche geführt die er aggressiven Verkauf in einer Beratung ähneln.

Einen solchen Tarifwechsel sollten Sie Profis überlassen. Bei unseren eigenen (Makler-) Kunden gehört auch eine solche Tarifwechselberatung zu dem eigenen Beratungsanspruch. Ich halte es für fatal vor Jahren eine private Krankenversicherung vermittelt zu haben und dann heute nicht mehr bei Fragen für einen Wechsel zur Verfügung zu stehen. Für Fremdkunden, also Kunden wo der Vertrag nicht durch uns vermittelt wurde, ist so eine Beratung sehr schwierig. Nicht nur dass wir weder die damaligen Grundlagen, noch die Gegebenheiten heute kennen, wenden Sie sich bei Fragen gerne an mich, ich kann Ihnen gegebenenfalls direkt oder mit einem Kontakt helfen.

Einige trifft es besonders hart, mal wieder

Fast genau vor einem Jahr habe ich über die gravierenden Beitragsanpassungen bei der AXA Krankenversicherung geschrieben.

Es gab Versicherte die im Jahr 2015 mit einer Anpassung von über 34 % zu kämpfen hatten. Einige haben sich dann entschieden dieses Risiko nicht weitertragen zu wollen und das Unternehmen verlassen. Andere wiederum waren der Meinung dass dieses wohl ein Ausreißer war und zukünftig dann Stabilität einkehren würde. Leider trat dieses für Versicherte im  Tarif Vital oder auch dem EcoRA nicht ein. Auch in diesem Jahr sind Versicherte von größeren Anpassungen betroffen. So sind auch zum 1.1.2017 Anpassungen von 20-30 % für bestimmte Altersgruppen möglich, und zwar auch in Tarifen die im letzten Jahr bereits angepasst worden.

Debeka mit 19 % Anpassung

Aber auch bei anderen Gesellschaften sind Anpassungen nötig. So erreichte mich vor einigen Tagen diese E-Mail von einem Leser:

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Es handelt sich hierbei um den Tarif für Angestellte, nicht Beamte, bei der Debeka. Hier kann ich die Entrüstung über 19 % Beitragsanpassung auf der einen Seite verstehen, bei genauerem Lesen relativiert sich dieses etwas. Es handelt sich hier um eine Anpassung von 70 €, diese sind für eine monatliche Erhöhung durchaus happig. Aber, und jetzt kommen die Einschränkungen:

Wir sprechen über eine Beitrag von 440 € (zuzüglich Pflege, Krankengeld usw.) aber wir sprechen auf der anderen Seite immer noch über einen Beitrag der etwas mehr als die Hälfte des Beitrages für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt. Dazu besteht eine Absicherung in einem deutlich höheren Leistungsniveau. In meinem Beitrag zu der AXA Beitragserhöhung im letzten Jahr habe ich bereits eine Tabelle mit dem Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse veröffentlicht. (hier direkt die Tabelle aufrufen)

Nehmen wir diese als Grundlage, so sparte der Versicherte bisher (bei einem Beitrag von 370 €+ Krankengel+ Pflege gegenüber dem Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse (den er als Angestellter über der Grenze zahlen müsste) immerhin 250 € monatlich. O. k., die Ersparnis reduziert sich nun auf knapp 190 €. Dennoch gilt genau die Aussage, welche ich im letzten Jahr getroffen haben. Die Ersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse ist im Moment noch so groß, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen zusätzlich Vorsorge für das Alter zu treffen. Auch in den letzten Jahren (dieser Kunde ist ja schon seit acht Jahren in dem Tarif) gab es genügend Möglichkeiten Rücklagen zu bilden.

Dabei haben wir noch nicht berücksichtigt das für die Mehrleistungen seines Tarifes in der privaten Krankenversicherung Zusatzversicherungen notwendig wären. Auch hierfür wäre irgendetwas zwischen 50 und 100 € monatlicher Beitragsaufwand erforderlich.

RuV, Hanse Merkur, Continentale

und dabei könnte ich diese Liste unendlich weiterführen, haben natürlich ebenfalls mit Anpassungen ihrer Tarife zu kämpfen. Und natürlich fällt eine Anpassung in einen Tag mit sehr hohen Leistungen und vielleicht noch ohne Selbstbeteiligung in absoluten Beträgen höher aus, als eine prozentual gleichwertige Anpassung in einem Basisschutz. 10 % von 400 € sind eben nun mal weniger als 10 % von 700 €.

Jetzt muss man hinterfragen, wie weit eine solche Anpassung einmalig oder öfter vorkommt, ob der angepasste Beitrag noch im finanziellen Rahmen liegt und worauf gegebenenfalls verzichtet werden kann. Das kann eine Leistungseinschränkung sein (setzt aber dann natürlich voraus das zu viel Leistungen derzeit versichert sind), ein Tarifwechsel oder der Wechsel zu einer anderen (voraussichtlich beitragsstabileren) Gesellschaft.

Welche Schritte soll ich unternehmen?

Diese Frage kommt immer unmittelbar nach der Beitragsanpassung. Hier ist es wichtig zu wissen dass es keine pauschale Empfehlung gibt. Wichtig ist dass sie sich intensiv mit ihrem Versicherungsschutz auseinandersetzen. Überlegen Sie gut, ob die Leistungen die dort versichert sind so benötigt werden. Weiterhin schauen Sie sich die Beitragsentwicklung in der Vergangenheit an. Trauen Sie dem Versicherer zu, langfristig eine gewisse Art von moderater Beitragsentwicklung zu gewährleisten?

Diese Frage hat zwar auf der einen Seite was mit hellsehen zu tun, auf der anderen Seite ist diese durchaus berechtigt. Denn wenn sie kein Vertrauen in ihren Vertragspartner (den sie noch die nächsten Jahrzehnte haben werden) mehr haben, dann muss hier eine Entscheidung getroffen werden. Diese Entscheidung kann zu einem Tarifwechsel, einem Wechsel der Gesellschaft oder eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung führen. Alle diese Entscheidungen sind mit gravierenden Folgen verbunden.

Daher kann ich Ihnen nur raten, sich hier vertrauensvoll an einen Berater ihrer Wahl zu wenden und sich mit einer Entscheidung Zeit zu lassen. Ein Wechsel und ein schneller Antrag bei einer neuen Gesellschaft und dort am besten noch mit allen Gesundheitsfragen mit Nein beantwortet, wird sie zu viel größeren Problemen führen die Beitragsanpassung jemals gehabt hätte.

Bei weiteren Fragen nutzen Sie gern das Kontaktformular oben rechts, den Live Chat unten links oder das Anfrageformular unter dem Menüpunkt private Krankenversicherung. Für alle Entscheidungen gilt:

Überlegen Sie gut was sie tun, schnelle Entscheidungen sind fast nie hilfreich!

01.
November '16

Die 1-Minuten-BU von Knip – ein Marketing Gag der zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, aber keine seriöse Beratung


Zunächst einmal ist es mehr als positiv, dass auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen wird, dabei ist es völlig egal von wem dieses geschieht.

Artikel: Warum es unverantwortlich ist keinen BU Schutz zu haben

Und auch wenn das Handelsblatt in seiner unsäglichen Geschichte vor einigen Wochen eine etwas andere Meinung vertreten hat, hat man selbst dort dieses inzwischen revidiert. Doch gerade die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit die Sicherung aller anderen Vorhaben im Leben, gehört zu den wichtigsten Vorhaben.

Artikel: Ohne Einkommen ist alles andere nichts

Ohne ein regelmäßiges Einkommen sind die Finanzierung der laufenden Ausgaben, die Bezahlung der Ausbildung der Kinder, eigene (Urlaubs-) Reisen natürlich auch die Altersvorsorge nicht möglich. Wer kein Einkommen mehr erzielen kann, da er krankheits- oder unfallbedingt keine Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, der benötigt jemanden der für dieses Einkommen sorgt, die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nun haben die sogenannten Insurtechs, also Unternehmen die eine Verwaltung ihrer Versicherungen über eine App auf dem Smartphone anbieten, auch „schon“ das Thema und die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung erkannt.

Artikel: Knip, Clark und Co – ein neuer Ansatz der Beratung?

Getreu nach dem Motto „die Geister die ich rief“ muss natürlich speziell bei diesen Fintechs alles möglichst einfach, unkompliziert und mit wenigen Klicks erledigt sein. Da wundert es mich nicht, dass man dort die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung, also die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als „1-Minuten-Produkt“ bewirbt. In seinem aktuellen TV Spot heißt es an wörtlich:

„Dabei dauert es nur eine Minute sich vor dem Ernstfall (Anmerkung: Berufsunfähigkeit) zu schützen. Nimm dir jetzt die Zeit!“

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Als gewissenhafter Berater und jemand der sich bereits seit über 16 Jahren mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt sträuben sich mir die Nackenhaare. Hier wird suggeriert, dass eine Absicherung gegen das elementare Risiko der Berufsunfähigkeit mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute möglich sein soll. Hier wird eine Illusion geschaffen die nur ein einziges Ziel hat, den möglichen Interessenten auf die eigene Internetseite zu locken.

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen. Ich habe genau das getan, ich habe mich der Website umgesehen und versucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu berechnen. Unabhängig davon, dass selbst ich (und im Gegensatz zu dem Laien weiß ich sogar wo ich klicken muss und was vielleicht wichtig sein könnte) in einer Minute nicht ansatzweise so einen sinnvollen Vorschlag gekommen bin, ist diese „1 Minuten BU“ ein wahrer Hohn. Wer ernsthaft glaubt, dass die Auswahl einer existenzsichernden und damit „lebenswichtigen“ (zumindest finanziell) Police innerhalb von einer Minute erledigt sein kann, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Schauen wir uns doch die „Beratung“ einmal etwas genauer an und wählen dabei einen Musterkunden. Dieser Kunde in meinem Test war ein Diplom-Informatiker. Ich habe ein fiktives Bruttoeinkommen von 3.200 €/ netto 2.000€ vorgegeben, dazu ein Endalter bis zum 67. Lebensjahr.

knip-bu-dateneingabeNach Eingabe dieser Daten (mehr wird auch nicht abgefragt) offeriert mir der Onlineanbieter sofort die drei passenden Angebote.

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Cool, geht jedoch ganz schnell und in wenigen Minuten kann ich mich entscheiden. Die Kriterien zum Versicherungsumfang sind auf einer Seite zusammengefasst, und es gibt sogenannte Comfortleistungen. Zum unterstützen meiner Auswahl ist der mittlere Tarif mit dem Zusatz „unsere Preis/Leistung Empfehlung passen zu deiner Lebenssituation“ noch farblich hervorgehoben. Für 90,55 € im Monat bekomme ich einen Versicherungsschutz von 1.500 € monatliche Rente.

Stopp! Warum stehen denn da 1.500 €? Ich habe doch gerade bei meinem Nettoeinkommen 2.000 € vorgegeben und das Bruttoeinkommen beträgt 3.200 €? Selbst wenn ich eine Rechnung von 65 % des Bruttoeinkommens (wie das einige Gesellschaften tun) zu Grunde legt, liegt meine versicherbare Rente bei knapp 2.000€. Das kann der Onlinerechner natürlich nicht wissen, denn das Bruttoeinkommen wird gar nicht erst abgefragt.

Doch im oberen Bereich des Bildschirms geht es eine Möglichkeit das Angebot zu individualisieren. „Super“ denke ich und klicke drauf. Daraufhin erscheint die folgende, durchaus interessante Auswahlmaske.

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Geht also der Onlinerechner davon aus, ich hätte keinen Schulabschluss. Klingt logisch, habe ich doch als Beruf Informatiker eingegeben, dazu braucht man sicherlich keine Ausbildung. Also korrigiere ich diesen Unsinn auf Diplom. Klicke danach auf Filter anwenden und warten was passiert.

Es folgen drei neue Angebote, dummerweise ist das günstigste Angebot von 63 auf 68€ angestiegen, was angesichts der besseren Berufsausbildung völliger Unfug ist. Aber ich als unbedarfte Kunde tue genau das was von mir erwartet wird und klicke auf „online beantragen“ unter dem mittleren Angebot, schließlich ist dieses die Empfehlung des Anbieters.knip-bu-drei-angebote-ii

Zu meiner großen Überraschung funktioniert ab jetzt fast nichts mehr. Meinen Namen, das Geschlecht und mein Geburtsdatum kann ich noch eingeben, ebenso meine Handynummer zur Verifikation. Den Code der mir per SMS umgehend auf mein Smartphone geschickt wird gebe ich sofort ein. Ebenso trage ich dann auf der folgenden Seite meine Anschrift und Bankverbindung ein. Interessant ist die Unterschrift im Feld darunter. Nach meiner Unterschrift sieht das nicht aus, wie sollte es auch schließlich habe ich nirgendwo unterschrieben.

knip-bu-pers-datenIch ging weiter und komme zur nächsten Seite mit Gesundheitsfragen. Um den Versicherungsschutz auf mich und meinen Versicherer abstimmen zu können, dazu benötigt Knip nun meine Gesundheitsangaben. Naiv wie ich bin dachte ich ernsthaft, die Produktauswahl wäre beendet und man hätte mir bereits eine Empfehlung gegeben?

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Übrigens funktioniert bei dem Klick auf die Dokumente auf der rechten Seite nur die Beratungsdokumentation (hier ein Beispiel) und die erst Information. Wer jedoch glaubt er könnte den Versicherungsvertrag oder die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einmal nachlesen, der wird enttäuscht.

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Nachdem es bei meinem Versuch gestern gar keine Informationen gab, erhalte ich heute beim Klick auf „Erstinformation“ eine Information für Vertriebspartner. Das ist nett, bringt aber rein gar nichts und ist am Ende auch nichts für den Kunden. Klick auf „Versicherungsvertrag“ und „AVB“ führen zu einer Fehlermeldung und dem Hinweis diese Infos gibt es erst im Antrag. Die „Beratungsdokumentation“ gibt es hier nachzulesen.knip-bu-fehler-i

Doch nun mache ich mich an das Ausfüllen der Gesundheitsfragen, kommen jedoch nicht wirklich weiter. Nachdem ich die Frage nach bestehenden Erkrankungen der letzten fünf Jahre wahrheitsgemäß mit ja beantwortet habe, geht es nicht mehr weiter.

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Nachdem ich dann auf die Kontaktvariante E-Mail geklickt habe, kommt nur noch ein Hinweis, dass ich es jetzt geschafft habe und man mir die Unterlagen zusenden wird. Blöd nur, dass diese nicht kamen.

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Viel interessanter ist jedoch etwas Anderes, denn während mir die Produktempfehlung von einem Beitrag von über 90 € verkauft werden sollte, ergab die Berechnung bei der AXA direkt eine Prämie von 76,53 € und damit eine viel geringere Prämie. Über die Laufzeit gesehen hätte ich bei einem voreiligen Abschluss über Knip immerhin 4.710,72 € zu viel bezahlt.

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Ebenfalls fragwürdig ist die Produktempfehlung selbst, denn andere Anbieter weisen einen durchaus umfangreicheren Versicherungsschutz auf und bieten diesen für eine geringere (als die von Knip ausgewiesene) Prämie an. So müsste ich für einen vergleichsweise identischen Versicherungsschutz mit 1.500 € Rente bis zum 67. Lebensjahr und einem umfangreicheren Bedingungswerk bei der Alte Leipziger Versicherung nur 83 statt 90 € Monatsprämie zahlen, auch hier immer noch eine Ersparnis von 2.352 € über die Vertragslaufzeit von 28 Jahren.

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Auch die Gesundheitsfragen in dem Formular bei Knip sind nicht identisch mit den Gesundheitsfragen im Antrag der AXA. Das führt dazu, dass selbst bei wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen eine Abweichung zu den Angaben im Antrag besteht. Mal unterstellt der Interessent bekommt nach diesem Onlineformular den Antrag noch per E-Mail zugeschickt und vertraut darauf, dass seine Angaben richtig übernommen worden, besteht hier eine weitere große Gefahr. Durch die abweichenden Formulierungen entsteht die Gefahr einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dieses führt zu einer Verweigerung des Versicherungsschutzes im Leistungsfall und am Ende war die gesamte Police nichts wert.

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Es scheint sich übrigens nicht um ein Problem in der Datenübermittlung an die AXA zu handeln, sondern um ein generelles technisches Problem. Alternativ habe ich ein Angebot für eine Altenpflegerin mit einer monatlichen BU Rente von 1.500 € berechnet. Hier wird als Empfehlung ein Versicherungsschutz bei der Allianz ausgesprochen, mit einer monatlichen Rente bis zum 67. Lebensjahr und einer Prämie von 355,19 €. Klickt der Interessent hier auf die Dokumente und erwartet dann seinen Versicherungsvertrag oder die erst Information, so bekommt er ein Musterangebot für Max Muster einer Rente von 1000 € und einer Prämie von 60 €. Die Schnittstellen zu den Versicherern scheinen hier also nicht nur manchmal, sondern ganz generell nicht zu funktionieren, und eine entsprechende Aufbereitung der Angebote findet nicht statt.

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Eine 1-Minuten-BU ist eine Marketinglüge

Hier wird bewusst versucht ein kompliziertes und beratungsintensives Thema irgendwie kompatibel mit dem Ansatz eines Insurtechs zu machen. Mit dem heutigen Stand ist dieses jedoch nicht machbar und ein Abschluss über diesen Weg nicht zu empfehlen.

Der Interessent bekommt unpassende und viel zu teure Angebote, bekommt keine umfangreichen Leistungsvergleiche und Vertragsinformationen und ihm werden wahllos drei Tarife auf den Bildschirm geworfen. Zudem scheint in der Berechnungsroutine einiges nicht zu funktionieren, denn selbst nach Eingabe eines höherwertigen Berufsabschlusses (in unserem Fall dem Diplom) erscheint im zweiten Schritt eine höhere Prämie.

Zusammengefasst sich das Angebot zur 1-Minuten-BU wie folgt beschreiben

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Nach den derzeitigen Informationen und mit dem derzeitigen Ablauf ist von einem online Abschluss über die Knip Plattform dringend abzuraten. Das von Knip online gestellte Video mit dem BU Experten (der keiner zu sein scheint) ist noch viel schlimmer… Dazu mehr in einem anderen Artikel. Generell stehe ich jedoch auch der neuen Entwicklung sehr positiv gegenüber, habe ich doch bereits vor 16 Jahren mit der Onlineberatung begonnen und berate seit dem ausschließlich im Rahmen der Fernberatung am Telefon und online. Eine App und damit ein schneller Kontakt mit dem Berater und die Verfügbarkeit von Informationen über den eigen Vertrag kann durchaus hilfreich sein.

Jedoch dauert bei mir eine Beratung zu Berufsunfähigkeit mehrere Stunden, erfordert die Auswahl mit passenden Kriterien und ein individuelles Ausarbeiten und Festlegen der Berufsgruppe, der Risikofaktoren und der Erstellung eines persönlichen Angebots. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führt zu einer individuell passenden Absicherung und bedarfsgerechten Konditionen Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Links. Bei Fragen sprechen Sie mich gern an, eins kann ich aber versprechen: Ohne einige Stunden investierte Zeit werden Sie niemals zu einem passenden Schutz kommen.

31.
Oktober '16

Ein Antrag ist ein Antrag- wird aber zu einem Vertrag – so schützen Sie sich vor falschen Beratern


Das Jahresende ist nah und wie sie bereits in meinem letzten Beitrag hier lesen konnten, steht damit die Zeit der Beitragsanpassungen vor der Tür. Jedes Jahr überprüfen die privaten Krankenversicherer die entstandenen Kosten und die Frage der dauerhaften Finanzierbarkeit und passen daher die Beiträge entsprechend an.

Leider ist das Jahresende auch die Zeit für betrügerisch arbeitende Berater. Ja, ich habe lange überlegt ob ich das Wort „betrügerisch“ verwenden soll, aber nach den mir vorliegenden Unterlagen von mehreren Fällen einer Beraterfirma in Frankfurt, deren Name sich aus einem Fluss und dem Wort Compass zusammensetzt, lassen mir keine andere Wahl. Der zweite Fall ist so haarsträubend, dass ich diesem einen eigenen Beitrag widmen werde. Hier jedoch zu dem ersten Fall einige Details.

Ein Versicherter der seit längerem (2007) bei der DKV versichert ist, wird von einem Berater dieser Compass Firma angesprochen. Wie die Daten zu dem bestehenden Vertrag dorthin kamen, oder ob vielleicht in einem geschickt geführten Telefonat die Daten „hinten herum“ erfragt wurden, dass ist derzeit noch nicht klar. Nachdem der Kunde nun mehrfach von dem Berater angerufen wurde, kommt es sodann zu einem persönlichen Termin. In diesem Termin Mitte Juli wird dem Kunden erläutert, dass er doch möglichst schnell von der DKV zur Hanse Merkur Krankenversicherung wechseln sollte. Eine Aufklärung über Leistungsunterschiede oder Einschränkungen wie dem Verlust von Alterungsrückstellungen, dem neuen Eintrittsalter oder dem Neubeginn von Summenbegrenzungen und Wartezeiten erfolgt hier nicht. Danach wird es penetrant, der Versicherte schildert in seinem Schreiben wie folgt:

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Es handelt sich hierbei um einen selbstständigen Kunden, welcher beruflich stark eingebunden ist. Warum sich dieser hier so überreden ließ und sich dann zu einem Antrag hinreißen ließ, das kann ich derzeit nicht beantworten. Richtig ist, dass der Verkäufer wohl gut geschult gewesen ist. Es ist mir nicht klar, weshalb man sich hier bei einem wichtigen Thema wie der privaten Krankenversicherung so überrumpeln lässt.

Antragstellung am 16.07.2016, Beginn 1.1.2017

Dennoch wird es noch schlimmer. Der (noch) DKV Versicherte unterschrieb also einen entsprechenden Antrag auf Abschluss einer Krankenversicherung bei der Hanse Merkur. Dieser Antrag wurde dann von dem Berater an die neue Krankenversicherung, die Hanse Merkur geschickt. Die Gesellschaft prüft den Antrag (wobei es hier noch gravierende Unklarheiten bezüglich der Gesundheitsangaben gibt, denn der Kunde gibt an keine Gesundheitsfragen ausgefüllt zu haben, im Antrag stehen aber Anfragen mit Nein beantwortet. Dieses entspricht zudem nicht der Wahrheit.

Police erstellt am 22.08.2016, Beginn 1.1.2017

Mit Datum vom 22. August 2016, also etwa vier Wochen nach der Antragstellung, nimmt der Versicherer den Antrag an und weist den Kunden auf sein Widerrufsrecht hin. Dazu befindet sich auf der dritten Seite des Versicherungsscheins ein besonderer Hinweis.main-compas-str-hanse-vers-schein

Unterstellen wir eine Postlaufzeit von 2-3 Werktagen, so ist der Versicherungsschein am 25. August 2016 spätestens bei dem Kunden eingegangen. Dieser Versicherungsschein kommt mit der normalen Post, also nicht per Einschreiben oder einen sonstigen nachverfolgbaren Versandweg.

Widerrufsfrist verpasst?

Die Widerrufsfrist von 14 Tagen begann also am 25. August und endet dementsprechend am 8. September. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte der Widerruf in Schriftform beim Versicherer eingehen müssen. Die entsprechenden Kontaktdaten inklusive E-Mail-Adresse und Telefax hat die Hanse Merkur auf dem Versicherungsschein genannt.

Erfolgt der Widerruf nicht oder nicht fristgemäß, dann wird aus dem gestellten Antrag (den der Kunde auch hier unterschrieben hat) ein Vertrag. Das bedeutet das zum beantragten Beginn am 1. Januar 2017 die Versicherungsprämien an den neuen Versicherer zu zahlen sind. Dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, ob der alte Vertrag gekündigt wird oder weiterbesteht.

Gefälschte Kündigung?

Dieser Fall wird leider noch schlimmer, denn nun wird es strafrechtlich relevant. Der Kunde schildert in seinem Schreiben den weiteren Ablauf und weitere Anrufe des Beraters. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine weitere Reaktion auf den Versicherungsschein der Hanse Merkur, keinen Widerruf, keine Nachfrage bei der Versicherung oder sonstiges. Dieses muss man eindeutig den Kunden anlasten, denn spätestens mit Erhalt des Versicherungsscheins und dem darauf abgedruckten Hinweis zum Widerruf hätte dieser hier reagieren müssen. Auf der anderen Seite- das muss man ihm zugute halten- war er sich keines wirklichen Vertragsabschlusses bewusst, denn der Berater hatte mehrfach beteuert das ist erst mal eine Anfrage/ein Antrag ist um zu prüfen ob die neue Versicherung ihn überhaupt aufnimmt. Weiterhin schildert er nun:

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Nun, diese Aussage war am 30. September 2016 durchaus nicht ganz falsch, denn dieses ist der letzte Tag an dem die alte private Krankenversicherung fristgemäß zum Jahresende gekündigt werden kann. Erfolgt dieses nicht, so besteht der Versicherungsschutz dort entsprechend weiter. Auch hier wird jedoch mit einem Anruf um 17:30 Uhr am letzten Tag ein enormer Druck aufgebaut, und laut Aussage des Kunden mit „riesigen Problemen“ gedroht. Unter diesem Zeitdruck und dem Bewusstsein hier vielleicht etwas Falsches gemacht zu haben, entschied sich der Kunde deutlich klarzustellen, dass er einen Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung nicht wünscht.

Eine weitere Unterschrift erfolgt nicht, auch wünscht der Kunde keinen weiteren Kontakt. Jedoch wird es nun erst recht so. Denn die DKV als bisherige private Krankenversicherung trotzdem eine Kündigung mit Unterschrift des Kunden. Wie diese dort hingekommen ist, können wir nur vermuten. Nachdem die DKV dann einige Zeit später die Kündigung des Krankenversicherungsvertrages bestätigt, wird der Kunde hier endgültig wach. Ein Maklerkollege der den bisherigen Vertrag betreut hat interveniert und die DKV überprüft diesen Fall erneut.

Dabei kommt der alte Versicherer zu dem Ergebnis, dass die Kündigung unwirksam zu sein scheint. Die Unterschrift auf dem Kündigungsformular weicht deutlich von den bisherigen Unterschriften des Kunden ab. Hier scheint es also so, als ob irgendjemand die Unterschrift des Kunden gefälscht hat, um den neuen Krankenversicherungsvertrag zu retten.

Diese strafrechtlich relevante Tätigkeit muss von der zuständigen Staatsanwaltschaft und den Gerichten geprüft werden. Im weiteren Verlauf erklärt sich daher die DKV bereit den Vertrag wie bisher fortzusetzen und diesen so zu stellen, es wäre eine Kündigung nicht erfolgt. Das ist für den Kunden insofern entscheidend und wichtig, da einige Vorerkrankungen vorliegen die in dem neuen Antrag gar nicht angegeben worden sind. Was dann passieren kann können Sie in meinem Beitrag nachlesen:

vorvertragliche Anzeigepflicht und die dramatischen Folgen

Müssen nun zwei Krankenversicherungen ab Januar bezahlt werden?

Im Augenblick besitzt der Kunde zwei Krankenversicherungen. Den alten Versicherungsschutz bei der DKV hat er seit 2007 und die Kündigung wurde hier zurückgenommen. Den neuen Versicherungsschutz bei der HanseMerkur besitzt er ebenfalls ab dem 1. Januar 2017 und soll hierfür (zusammen mit dem ebenfalls beantragten Versicherungsschutz für seinen Sohn) einen monatlichen Beitrag von 550,03 € bezahlen.

Beide Versicherer haben derzeit einen formal richtigen und rechtlich bindenden Vertrag. Jedoch handelt es sich hier anscheinend um einen betrügerischen Berater. Das größte Problem des Kunden ist nun, wie er aus dem Vertrag der Hanse Merkur wieder herauskommen kann.

Variante 1 –  Gesundheitsangaben richtigstellen.

Da die Angaben zum Gesundheitszustand und damit auch die Einschätzung des Versicherungsunternehmens den Kunden ohne Zuschlag zu versichern falsch war, muss der Kunde in jedem Fall die korrekten Gesundheitsangaben nach melden. Dies geschieht in dem er alle Fragen richtig, vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet und dem Versicherer diese Information zur Verfügung stellt. Daraufhin beginnt der neue Krankenversicherer mit der Risikoprüfung und wird dem Versicherten eine entsprechende Entscheidung mitteilen. Ist aufgrund der angegebenen Vorerkrankungen eine Versicherung gar nicht möglich, so wird der Versicherer hier vom Vertrag zurücktreten. Kann ein Versicherungsschutz jedoch mit einem Risikozuschlag gewährt werden, so erhält der Kunde hier ein entsprechendes Angebot welches er annehmen kann. In der dieses nicht an, so kann kein Vertrag zustande kommen, bzw. wird auch hier richtigerweise zunächst der Rücktritt erklärt und dann ein entsprechendes Verlängerungsangebot gemacht.

Variante 2 – Freigabeverhanldungen gem. Wettbewerbsrichtlinien

In der Versicherungswirtschaft existieren sogenannte Wettbewerbsrichtlinien. Diese Regeln den Umgang mit Versicherungsverträgen welche durch eine sogenannte Umdeckung zustande gekommen sind. Den genauen Wortlaut dieser Richtlinien können Sie auf der Seite des Beck Verlages nachlesen, dort heißt es:

68. Verpflichtung zur Freigabe

Wird eine Krankenversicherung beim ersten Versicherungsunternehmen gekündigt, um eine gleichartige bzw. gleichwertige Versicherung (vgl. Nr. 69 Abs. 1) bei einem zweiten Versicherungsunternehmen abzuschließen, so gilt Folgendes:

a) Hat die Versicherung beim ersten Versicherungsunternehmen zum Zeitpunkt des Ausscheidens des Versicherten noch nicht drei Jahre bestanden, so ist das zweite Versicherungsunternehmen zur Freigabe verpflichtet, wenn

aa) der Versicherungsvertrag bei ihm unter Verletzung der Bestimmungen gegen den unlauteren Wettbewerb zustande gekommen ist und
bb) ein schriftlicher Freigabeantrag des Versicherten vorgelegt wird, worin dieser das erste Versicherungsunternehmen mit der Führung von Freigabeverhandlungen beauftragt. Aus dem Freigabeantrag muss der Tatbestand eines Verstoßes gemäß Nr. 68 Abs. 1 a) aa) ersichtlich sein.
b) Hat die Versicherung beim ersten Versicherungsunternehmen zum Zeitpunkt des Ausscheidens des Versicherten mindestens drei Jahre bestanden, so ist das zweite Versicherungsunternehmen zur Freigabe unabhängig von der Sach- und Rechtslage verpflichtet, wenn der Versicherte im Freigabeantrag die schriftliche Erklärung abgibt, dass er seine bisherige Versicherung fortsetzen will.
Auf die Frist ist eine bei dem ersten Versicherungsunternehmen dem Versicherungsvertrag unmittelbar vorangegangene Versicherung im Vertrag eines anderen oder eine Anwartschaftsversicherung anzurechnen.

Diese Regelungen gelten für beim ersten Versicherungsunternehmen mitversicherte Personen auch, soweit eine Teilkündigung erfolgt ist.

Sie finden auf Kollektivrahmenverträge Anwendung, die nicht einem vorübergehenden Zweck dienen, wenn der Versicherte beim ersten Versicherungsunternehmen in einem Einzel- oder Kollektivrahmenvertrag versichert war. Dasselbe gilt für Sammelinkassoverträge.

In unserem Fall hier gilt der Unterpunkt b.). Der alte Versicherungsvertrag bei der DKV bestand seit 2007 und damit mindestens drei Jahre. Der Versicherte erklärt schriftlich, dass er seine bisherige Versicherung fortsetzen möchte. Aus diesem Grund muss die alte Versicherer einen sogenannten Freigabeantrag stellen, auch den genauen Ablauf und das Verfahren zur Freigabe regeln die Wettbewerbsrichtlinien mit folgendem Wortlaut:

69. Umfang der Freigabe

Nach der Freigabeverpflichtung gemäß Nr. 68 sind aufzuheben:

a) Krankheitskosten-Vollversicherungen,
b) Teilversicherungen, soweit beim ersten Versicherungsunternehmen ein gleichartiger bzw. bei der Krankenhaustagegeld- und/oder Krankentagegeldversicherung ein gleichwertiger Versicherungsschutz bestand. Als gleichartig gegenüber einer Krankenhauskostenversicherung gilt auch eine Krankenhaustagegeldversicherung.

70. Verfahren der Freigabe

Der Freigabeantrag muss innerhalb von vier Monaten nach Eingang der Kündigung beim ersten Versicherungsunternehmen dem zweiten Versicherungsunternehmen zugegangen sein. Um den Versicherten vor der Abgabe gegensätzlicher Erklärungen zu bewahren, ist es dem zweiten Versicherungsunternehmen nicht gestattet, ihn zur Rücknahme des Freigabeantrages zu veranlassen.

Das zweite Versicherungsunternehmen hat binnen eines Monats nach Zugang des Freigabeantrages seine Entscheidung bekannt zu geben. Liegen die Voraussetzungen zur Freigabe vor, so hat es innerhalb derselben Frist die Versicherung rückwirkend ab Beginn aufzuheben. Gezahlte Beiträge und Gebühren sind dem Versicherungsnehmer ohne Abzug – abgesehen von der Verrechnung gewährter Versicherungsleistungen – zurückzugewähren.

Das zweite Versicherungsunternehmen ist verpflichtet, ein etwa eingeleitetes Mahnverfahren sofort nach Eingang des Freigabeantrages bis zum Abschluss der Freigabeverhandlungen ruhen zu lassen. Wird die Freigabe mit Recht verweigert, so muss das erste Versicherungsunternehmen eine form- und fristgerechte Kündigung des Versicherungsnehmers gegen sich gelten lassen, die vor Stellung des Freigabeantrages ausgesprochen worden ist.

Wird dem Freigabeantrag erst zu einem Zeitpunkt stattgegeben, nachdem der Vertrag mit dem ersten Versicherungsunternehmen infolge der Kündigung bereits beendet ist, so ist dieses verpflichtet, die bisherige Versicherung wiederherzustellen.

Unser DKV Versicherter sollte also hier schnell mit der DKV in Kontakt treten und die Freigabeverhandlungen für sich und seinen Sohn beauftragen. Dieses muss innerhalb der oben genannten Fristen geschehen. Die Kündigung (zumindest die angeblich vom Kunden unterschriebene) ist dem Versicherer DKV am 30.09.2016 zugegangen. Die Frist von vier Monaten endet also am 30.01.2017. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte der Kunde hier tätig geworden sein, so die Hanse Merkur hier noch nicht aufgehoben hat.

strafrechtliche Konsequenzen für den Berater

Inwieweit hier strafrechtliche Konsequenzen für den Berater folgen und ob hier Straftatbestände wie Urkundenfälschung oder Betrug vorliegen, das müssen Gerichte und Staatsanwaltschaft überprüfen und ggf. verurteilen. Eine gefälschte Unterschrift unter einer Kündigung ist zumindest ein Indiz. Diese Bewertung kann, will und werde ich auch in keiner Weise vornehmen und natürlich ist auch ein Berater der Unrechtes tut keineswegs Maßstab eines Unternehmens. Gerade wenn mehrere Berater im Rahmen des Vertriebs eingestellt werden, kann und soll ein schwarzes Schaf nicht den Ruf der ganzen Firma ruinieren können. Dennoch: es ist leider unverantwortlich was heute immer noch und wieder hier bei uns in der Branche passiert und ich bin fest der Meinung das man solche Fälle veröffentlichen und ahnden muss.

Natürlich gilt auch hier- wie bei jedem anderen- die Unschuldsvermutung.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen?

Ihnen ist etwas Ähnliches passiert? Was haben Sie getan? Wie ist es ausgegangen? Lassen Sie mich die Erfahrungen gern hier in den Kommentaren wissen.

Was können Sie tun?

Zunächst einmal gilt der eiserne Grundsatz:

LESEN SIE GENAU WAS und BEVOR SIE ETWAS UNTERSCHREIBEN

  1. Einen Antrag stellen, dann ist es eben auch ein Antrag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nimmt der Versicherer dann den Antrag an, so kommt ein Vertrag zustande.
  2. Achten Sie zunächst einmal ebenfalls darauf, dass die Gesundheitsangaben vollständig und richtiggemacht werden.
  3. Entscheiden Sie sich gegen den Antrag, so beachten Sie die 14-tägige Frist für den Widerruf.
  4. Sollten Sie bei dem alten Versicherer bleiben wollen, so müssen sie zwingend auch mit diesem in Kontakt treten gekündigt haben.
19.
Oktober '16

Post von der PKV – Beitragserhöhung – was Sie nun tun können, sollten und was besser nicht


Eigentlich ist die Sau schon tot, also die die in den letzten Tagen und Wochen durch’s Dorf getrieben wurde. So titelten die Zeitungen und Zeitschriften dramatische Schlagzeilen, alles ist schlimm, die PKV und die Versicherer böse, gierig und gemein. Ist dem so? Wo kommen die Anpassungen her? Woraus resultieren diese? Mehr Informationen und vor allem Hinweise was Sie jetzt gerade nicht übereilt tun sollten, das habe ich Ihnen hier einmal aufgeschrieben.

pkv-bap-schlagzeilen-presse

Was ist aber nun dran an den Schlagzeilen, wen betrifft es und warum werden Beiträge in der privaten Krankenversicherung angepasst? „Lohnt“ sich die PKV nun nicht mehr, hat Sie das denn vorher? Um ein bisschen mehr Wissen hierzu zu bekommen und einige Hintergründe besser zu verstehen, sind einige Fakten nötig. Fakten die nicht immer bequem sind, Fakten die teilweise unbeeinflussbar von dem Versicherer sind, aber auch Fakten und Hintergründe die aus der „Geiz ist Geil“ Mentalität kamen und der Gier einiger Privater Krankenversicherungen nach Geschäft, billigem Geschäft.

Warum werden Beiträge in der Privaten Krankenversicherung angepasst?

Nun, das hat viele verschiedene Gründe. Anpassungen bei den Beiträgen der Privaten Krankenversicherung (PKV) und auch Anpassungen in den Beitragssätzen und Zusatzbeiträgen der gesetzlichen Krankenkasse und dem Höchstbeitrag (neue Zahlen 2017 hier) sind erforderlich. Erforderlich weil es Faktoren gibt, welche die Ausgaben im Gesundheitssystem beeinflussen. So führen:

  • – steigende Ausgaben bei Ärzten, Medikamenten und sonstigen Heilbehandlern
  • – längere Lebenserwartungen
  • – geringere Zinserträge und damit weniger Geld in den (Rücklagen-)Kassen

zu steigenden Beiträgen. Wer mehr Geld für (teure) Medikamente ausgibt wird nicht umhinkommen mehr Geld einnehmen zu müssen. Dabei spielen nicht nur neue, teure Therapien bei Krebspatienten eine Rolle, auch die Pharmakonzerne haben einen Anteil an der Entwicklung. Hier werden manchmal neue Präparate ohne besonderen Zusatznutzen auf den Markt geworfen, diese kosten ein Vielfaches der alten. Gelingt es dem Hersteller nun den Arzt zu überzeugen oder diesem Anreize zu geben doch das neue Medikament zu verordnen, so entstehen auch hier höhere Kosten.

Kleiner Hinweis: In der aktuellen Ausgabe der brandeins findet sich im Schwerpunktthema Gesundheit (die es hier auch als kostenfreie Hörversion gibt) sind durchaus interessante Aspekte angesprochen.

Nun muss man in der Schule kein Mathe-Genie gewesen sein um zu wissen, wenn weniger Geld in einen Topf herein kommt, dann kann auch weniger heraus. Wird aber am Ende mehr benötigt, oder Geld länger benötigt weil die Patienten eben 10, 15 Jahre länger leben als gedacht, dann muss mehr Geld in den Topf herein. Dieses „mehr Geld“ kommt aus dem höheren Beitrag und damit der höheren Einzahlung. pkv-beitraege-schema

Wie auf dem Bild gut zu erkennen, kommen aus zwei unterschiedlichen Wegen Gelder in den Topf der PKV. Zum einen durch die Beiträge die der Versicherte zahlt, zum anderen aus den so genannten Kapitalerträgen, vereinfacht Zinsen genannt im Bild. Liegen dort also 100.000 Euro und bekommt der Versicherer hierfür 4% Zins (was ja in der Vergangenheit nicht so ungewöhnlich war), so füllt sich der Topf jedes Jahr um weitere 4.000 Euro. Über Jahrzehnte kommen dort ansehnliche Summen zusammen, für die keine Beiträge erforderlich sind. So lassen sich viele Kosten allein von den Zinsen/ Kapitalerträgen zahlen.

Doch im Moment sieht es nicht nach 4% Zins aus. Haben Sie einmal geschaut wie hoch der Zins bei Ihren Geldanlagen war? Also der vor 10, 5, 2 Jahren und wie hoch dieser heute ist? Heute wollen Banken bei hohen Anlagen noch Geld haben, so genannte Negativzinsen. Während es also vor Jahren kein Problem war Zinsen zu erwirtschaften, ist dem heute eben nicht so. So fehlen also in dem Topf der PKV tausende Euro, weil die Zinserträge nicht kommen.

Bleibt die Ausgabenseite aber gleich oder steigt sogar noch (und muss länger halten, denn leben Menschen länger kostet auch die Gesundheit länger Geld), so muss hier mehr Geld in das System. Dieses muss der private Versicherer also ausgleichen indem er die Beiträge anpasst. Eine solche Anpassung erfolgt unter anderem dann, wenn so genannte „auslösende Faktoren“ erreicht sind. Überschreiten die tatsächlichen Ausgaben die kalkulierten um 5/10% und ist somit der „auslösende Faktor“ erreicht, ist eine Anpassung erforderlich. Wurde dieses in der Vergangenheit aber nicht erreicht, so haben sich Anpassungen aufgestaut und führen dann nun jetzt zu höheren Anpassungen. Aus diesem Grund fallen Anpassungen auch unterschiedlich aus, auch aus diesem Grund sind niemals alle Tarife und Altersstufen eines Unternehmens von einer Anpassung betroffen.

Was können Sie jetzt tun?

Zuerst sollten Sie sich die Relationen einmal vor Augen führen. Aus welchem Betrag wurde angepasst? 10% aus einem Beitrag von 400 Euro sind etwas anderes als 10% aus einem Beitrag über 600 Euro. Weiterhin werfen Sie einmal einen Blick auf den GKV Höchstbetrag und dessen Entwicklung.

Im letzten Jahr gab es- oh Schreck- 34% Anpassung in den AXA VITAL Tarifen. In meinem Beitrag dazu habe ich Ihnen gezeigt wie die Ausgangslage war und warum die 34% durchaus berechtigt waren. Trotz Anpassung sind die Kunden teilweise weit, weit weg von den Prämien, welche in GKV plus Zusatzversicherung fällig geworden wären.

Artikel: 34% Beitragserhöhung im AXA VITAL 250 Tarif zum 01.01.2016- wie Sie als Bestandskunde damit umgehen und was Sie überhaupt tun können

Dennoch ist eine Beitragsanpassung natürlich ärgerlich. Gerade wenn der Arbeitgeberzuschuss schon erreicht ist und die Mehrkosten allein zu Lasten des Versicherten gehen ist es nicht angenehm. Trotzdem: Gesundheit kostet Geld, Gesundheitsvorsorge wird (uns) in den nächsten Jahren und Jahrzehnten allein aufgrund der steigenden Lebenserwartung und/ oder weniger Zinsen noch einiges an Aufwendungen abverlangen. Am Beispiel der Schweiz (siehe brandeins Artikel) sieht man sehr gut wie hoch die Aufwendungen sein können, welche Einschränkungen damit verbunden sind.

Viele Menschen die heute in der PKV sind, sind da falsch.

Ja, richtig gelesen. In die PKV gehören viele Menschen die heute da sind nicht. Wer sich die GKV nicht leisten kann, weil im Rahmen der Selbstständigkeit nicht die gewünschten Gewinne erzielt wurden und einem Vertreter oder Makler die Märchen von der billigen PKV glaubt oder geglaubt hat, der wird sich umsehen. Der wird merken das die PKV nicht das „andere System“ zum Geldsparen ist.

Artikel: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Langfristige Planung, ausreichende Rücklagen und eine sorgfältige Auswahl sind essentiell. Dabei spielen viele persönliche Umstände eine Rolle. Auch die Frage nach dem „bereit sein“ Geld für einen hochwertigen Schutz zu investieren ist berechtigt. Daher geht es nicht darum „irgendwie“ an eine PKV zu kommen, es geht vielmehr darum an den passenden Schutz zu kommen.

Akute Maßnahmen nach der Anpassung

Wenn Sie nun gerade Post bekommen haben und sich nun fragen was Sie tun können, hier einige Hinweise.

  • – 1. überprüfen Sie den Versicherungsschutz. Benötigen Sie alle Leistungen im Vertrag? Stimmen die Anforderungen noch mit denen bei Abschluss überein?
  • – 2. gibt es Leistungen die jetzt neu benötigt werden oder etwas was ausgeschlossen werden kann?
  • – 3. stimmt die Selbstbeteiligung noch, oder kann diese angepasst werden?
  • – 4. enthält der Vertrag einen Risikozuschlag der länger nicht überprüft wurde und nun angepasst werden kann?
  • – 5. handelt es sich um einen alten Bisex- oder neuen Unisextarif? Welcher Kalkulationszins liegt dem Vertrag zu Grunde?
  • – 6. wie kam es damals zu der Auswahl des Versicherers? Gab es Alternativen? Warum wurde es dieser Tarif?
  • – 7. Überprüfen Sie (mit einem Spezialisten) Tarifwechsel nach 204 VVG und das am besten nach den Schritten 1.- 5.
  • – 8. stehen berufliche oder private Veränderungen an?

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