30.
Januar '15

Interaktiver GKV Rechner und Übersicht über die Zusatzbeiträge


Alles neu in 2015!

Anders als in den Jahren zuvor, sind die Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr gleich, sondern unterscheiden sich ebenso wie die Zusatzleistungen. Der Gesetzgeber hat die Einführung von Zusatzbeiträgen beschlossen, welche sich an der wirtschaftlichen Stärke der Krankenkasse orientieren.

Zusatzbeitraege GKV

Zugleich wurde der Beitragssatz in der GKV von 15,5% auf 14,6% gesenkt, den Zusatzbeitrag trägt der Arbeitnehmer auch zukünftig allein, Arbeitgeber werden nicht belastet.

Wie hoch ist der Beitrag?

Der Zusatzbeitrag wird prozentual erhoben und ist daher abhängig vom Einkommen. Für alle Mitglieder einer Krankenkasse ist dieser identisch. Bereits im letzten Jahr habe ich eine Übersicht über die Zusatzbeiträge gepflegt und diese hier im Beitrag “Zusatzbeiträge zur GKV ab 2015″ zur Verfügung gestellt. Hierin sind alle geöffneten Kassen enthalten, welche die Leistungen bundesweit anbieten. Kleinere, regionale Krankenkassen finden Sie auch in der Übersicht des Spitzenverbandes der GKV.

Der (negative) Spitzenreiter ist die Brandenburgische BKK mit einem Zusatzbeitrag von 1,3%, und damit deutlich mehr als die in 2014 erhobenen 0,9%. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 € monatlich liegt damit die gesamte Mehrbelastung in 2015 bei 21 €. Hierbei ist auch die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze bzw. der Pflegepfichtversicherung enthalten. Durch Klick auf das Bild gelangen Sie direkt zum Beitragsrechner, geben das Bruttoeinkommen und den Zusatzbeitrag ein und erhalten die genaue Auswertung und Aufschlüsselung Ihrer Beiträge.

GKV Rechner

Die Beiträge werden wie immer von Ihrem Arbeitgeber direkt an die Kasse abgeführt, der Zusatzbeitrag ebenso.

Eine Liste aller Zusatzbeiträge können Sie direkt aus dem GKV Rechner aufrufen bzw. der Mitteilung Ihrer GKV entnehmen.

28.
Januar '15

Sie müssen jetzt aber schnell… warum Eile der falsche Berater bei PKV und Berufsunfähigkeitsversicherung ist


“Aber Hr. Hennig, ich muss mich doch binnen zwei Wochen entscheiden, sagt meine Kasse/ mein Arbeitgeber.”

Für eine Wahl des passenden Gesundheitssystems, für eine ggf. lebenslange Entscheidung? Bitte nicht! Sie kaufen doch auch kein Haus binnen Tagen oder gehen mal schnell zum Altar, ok, manche Menschen machen das, der Regelfall ist es aber nicht. Eine so weitreichende Entscheidung über die eigene (finanzielle) Zukunft sollte keinesfalls in wenigen Tagen getroffen werden.

Aber der Berater sagt…

Egal welche Art von Berater, egal welcher Grund (Eintrittsalter, “ab morgen wird es teurer”, “morgen könnten Sie krank/ tot sein”) Ihnen genannt wird, der beste Rat den Sie sich in dieser Situation selbst geben können: “Werfen Sie ihn/ sie raus!”

Warum? Weil eine Entscheidung für die richtige Private Krankenversicherung oder die notwendige Absicherung bei Berufsunfähigkeit etwas ist, was Zeit braucht. Zeit in der Krankenversicherung Systeme, Unterscheide und Feinheiten zu erkennen und zu verstehen, Zeit in der Absicherung der Arbeitskraft dafür zu sorgen, das diese auch zahlt. Die beste “schnelle Absicherung” nützt gar nix, wenn nachher die Leistungen nicht da sind oder nicht das absichern was eigentlich geplant war. Daher geht hier Sorgfalt vor Eile.

Natürlich könn(t)en Sie morgen vom Bus überfahren werden, sich ein Bein brechen oder heute Nacht ins Krankenhaus kommen, aber mal “Hand auf’s Herz”, das hatte auch gestern, letzte Woche oder letztes Jahr passieren können, oder?

Älter werden Sie jede Minute, Prämien in den Sparten der Personenversicherung sind vom Alter abhängig und bei den meisten Unternehmen ist es eh “egal”, denn das Eintrittsalter wird nach der Formel

“Abschlussjahr minus Geburtsjahr”

berechnet.

Das bedeutete wiederum auch, am 1. Januar sind Sie genau so alt, wie am 31.12.2015 und daher ist der Grund “Eile” auch hier wieder ad absurdum geführt. Eine kleine Ausnahme ergibt sich hier bei einer rückdatierbaren Anwartschaft, die könnte tatsächlich noch das Alter 2014 retten, das ist aber ein anderes Thema und nicht generell gültig.

Wer weiss wie gesund Sie morgen sind…

Das stimmt natürlich. Niemand weiss was Ihnen morgen passiert, niemand weiss ob Sie nicht in der nächsten Minuten krank sind oder werden, aber niemand weiss auch, was in zwanzig Jahren ist. Daher ist eine angemessene Absicherung wichtig und richtig, aber das bedeutet aber nicht, das Erstbeste abzuschließen, denn eine schlechte Absicherung bewahrt Sie nicht vor dem Sozialamt, Ihre Hinterbliebenen nicht vor finanziellen Folgen und Ihnen, Ihnen bringt es ebenfalls nichts. Zum Rest des Artikels »

21.
Januar '15

Post vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse- nun sind Sie freiwillig gesetzlich versichert. Und nun?


Das Jahr hat gerade angefangen und schon folgt die erste Post von Krankenkasse oder Arbeitgeber.

Sehr geehrte Frau XXX,

hiermit teilen wir Ihnen mit, ihr Arbeitgeber hat uns die Meldung zur Sozialversicherung 2014 übermittelt. Hieraus ergibt sich, Sie haben die Jahresarbeitentgeltgrenze im Jahr 2014 überschritten und werden voraussichtlich auch die des aktuellen Kalenderjahres überschreiten. Daher sind Sie ab sofort nicht mehr versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Sie brauchen aber nichts zu tun, alle Leistungen stehen Ihnen wie bisher zur Verfügung, Ihre Mitgliedschaft setzt sich automatisch als freiwillige Mitgliedschaft bei Ihrer XXX fort. (…)

Was auf den ersten Blick gar nicht so schlecht klingt, ruft dennoch in den meisten Fällen Informationsbedarf hervor und wirft Fragen auf, was nun genau zu tun ist. Daher greife ich das Thema auch dieses Jahr in einem eigenen Beitrag auf und fasse einige wichtige Fragen zusammen. Haben Sie weitere Fragen? Stellen Sie diese einfach per Mail oder in den Kommentaren unter dem Artikel, ich beantworte diese dann als Ergänzung zu diesem Beitrag.

1.) Endet meine Mitgliedschaft wirklich nicht?

Zunächst mal schauen wir dazu in das zuständige Gesetz, das Sozialgesetzbuch 5. Darin heisst es:

4) Wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze (Anm. in 2014: 53.550 € und in 2015: 54.900 €) überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird. Dies gilt nicht, wenn das Entgelt die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt. Rückwirkende Erhöhungen des Entgelts werden dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem der Anspruch auf das erhöhte Entgelt entstanden ist.

Überschritten Sie also im letzten Jahr mit dem maßgeblichen Bruttoeinkommen (Lesetip: Was gehört zur Jahresarbeitentgeltgrenze?) und erreichte diese auch die um 1.350 € erhöhte Grenze in 2015 voraussichtlich, so endet(e) Ihre Versicherungspflicht zum 31.12.2014. Das bedeutet auch, ab diesem Zeitpunkt könnten Sie sich privat versichern. Denn im Paragraphen 6 heisst es dazu:

§ 6 Versicherungsfreiheit

(1) Versicherungsfrei sind
1. Arbeiter und Angestellte, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze nach den Absätzen 6 oder 7 übersteigt; Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gezahlt werden, bleiben unberücksichtigt,

und weiter im § 188

(4) Für Personen, deren Versicherungspflicht oder Familienversicherung endet, setzt sich die Versicherung mit dem Tag nach dem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht oder mit dem Tag nach dem Ende der Familienversicherung als freiwillige Mitgliedschaft fort, es sei denn, das Mitglied erklärt innerhalb von zwei Wochen nach Hinweis der Krankenkasse über die Austrittsmöglichkeiten seinen Austritt. Der Austritt wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist. Satz 1 gilt nicht für Personen, deren Versicherungspflicht endet, wenn die übrigen Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt sind oder ein Anspruch auf Leistungen nach § 19 Absatz 2 besteht, sofern im Anschluss daran das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachgewiesen wird.

So sieht das vereinfacht dann aus:

VersFreiheit zum Jahresende GKVDie Mitgliedschaft endet somit nur, wenn Sie den Austritt erklären. Tun Sie nichts, vergessen es oder wollen nichts tun, so sind Sie ab sofort freiwillig gesetzlich versichert. (Mehr zu dem was sich jetzt ändert in einem der folgenden Beiträge). Beachten Sie aber die Besonderheiten bei freiwilliger Versicherung und Elternzeit.

2.) Was passiert mit (mit)versicherten Kindern/ Ehepartnern?

Sind in Ihrer Kasse auch die Kinder und/ oder Ihr Lebenspatner(in) mitversichert, so ändert sich auch für diese zunächst nichts, solange Sie keinen Austritt erklären. Entscheiden Sie sich jedoch die GKV zu verlassen, so ist es nötig auch für die mitversicherten die Weiterversicherung zu klären, denn auch diese benötigen eine Anschlußversicherung. Wechseln Sie dagegen in die Private Krankenversicherung (PKV), so endet für die Kinder in den meisten Fällen eine beitragsfreie Versicherung in der GKV bzw. die Optionen für die Kinder sind neu zu prüfen. Wo die Kinder zu versichern sind und ob diese ggf. Anspruch auf beitragsfreien Schutz haben, das sehen Sie in der Übersicht zur Absicherung von Kindern in der Krankenversicherung.

3.) Ich möchte in die PKV, geht das so schnell und vor allem rückwirkend?

Generell gilt zunächst, der Austritt wird zum 31.12. rückwirkend wirksam, also haben Sie ab diesem Zeitpunkt auch keine Krankenkasse mehr. Aufgrund der bestehenden Vorschriften zur Versicherungspflicht ist hier aber zu bedenken: “Ohne Versicherung geht es nicht!”, daher muss der neue Versicherer den Schutz rückwirkend erklären. Das wird er aber nur nach einer Risikoprüfung tun und meist nur dann, wenn noch keine Behandlungen erfolgt sind. Sind kleinere Behandlungen bereits seit dem Jahresbeginn erfolgt, so besteht hier möglicherweise eine Rückforderung der gesetzlichen Krankenkasse.

Die Auswahl der privaten Krankenversicherung sollte jedoch keinesfalls übereilt werden. Daher schauen Sie sich zunächst bitte die Auswahlkriterien an, lesen den Leitfaden und schauen sich das Video (Link auf Anfrage) an. Danach ist genauestens zu überlegen, ob das System der PKV für Sie das geeignete ist und welche Tarife und Gesellschaften auf Ihren Bedarf passen, erst danach lassen sich Risikovoranfragen stellen. Dieses alles benötigt etwas Zeit. Natürlich ist es mit viel Lesen und arbeiten verbunden, nicht nur für den Berater, es ist zu schaffen, aber “sportlich” in zwei Wochen.

4.) Was, falls ich es nicht schaffe?

Viele Arbeitnehmer wissen bereits vor dem Schreiben der Krankenkasse, ob Sie im Folgejahr versicherungsfrei sind und informieren sich daher schon vorher. Kommt dann das Schreiben, bleiben zwei Wochen Zeit. Auch wenn Sie ein Schreiben nicht oder verspätet erhalten haben, die Frist beginnt mit Zugang und beträgt ab diesem Zeitpunkt zwei Wochen. Haben Sie sich noch nicht entschieden, die PKV noch kein Angebot abgegeben oder Sie den passenden Schutz noch nicht gefunden, so bleiben Sie einfach in der gesetzlichen Krankenkasse wo Sie bisher versichert waren, oder wechseln in eine andere. Die Übersicht zu den unterschiedlichen Zusatzbeiträgen finden Sie in der Übersicht der GKV Zusatzbeiträge 2015.

Eine Kündigung der GKV ist auch später jederzeit möglich, mit einer Frist zum Ende des übernächsten Monats lässt sich eine GKV Mitgliedschaft beenden. Auch wenn die Kassen gern etwas anderes behaupten, die Bindungsfrist von 18 Monaten gilt bei Wechsel in die private Krankenversicherung nicht.

Weitere Fragen?

Klicken Sie sich gern durch die Rubrik Private Krankenversicherung oder den Blog, oder schreiben Sie mir einfach eine Mail.

 

07.
Januar '15

Continentale mit “Plus Paket” und Einschluss von Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung Start und Premium


Nachdem in den letzten Tagen schon die Generali (KLICK!) und die LV1871 (KLICK!) mit neuen Bedingungen und dem Einschluss von Arbeitsunfähigkeitsleistungen in die Berufsunfähigkeitsverträge begannen, folgt nun auch die Continentale Lebensversicherung. Diese macht es jedoch etwas anders als andere und schließt nicht nur die AU ein, sondern auch weitere Leistungen in einem so genannten “Plus Paket”. Das Plus Paket enthält neben einer Einmalzahlung von sechs Monatsrenten bei Pflege und einer Option auf den Abschluss einer Risikolebensversicherung die wichtige Komponente, die Leistung aus dem BU Vertrag, wenn mind. 6 Monate Arbeitsunfähigkeit vorlag.

Doch auch hier ist es sinnvoll, sich die Bedingungen mal im Detail anzuschauen und diese mit den mittlerweile sieben anderen Anbietern am Markt zu vergleichen. Eine entsprechende Übersicht im Marktvergleich finden Sie in der grafischen Darstellung, diese wird beim klicken auf das Bild als mehrseitige pdf geöffnet.

AU Übersicht in BU Verträgen

2.2 Der Anspruch auf Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit entsteht mit Ablauf des Monats, in den der fachärztlich bescheinigte
Beginn der Arbeitsunfähigkeit fällt. Bei Feststellung der Leistungspflicht innerhalb einer Rentenzahlungsperiode leisten wir die erste Rentenzahlung anteilig. Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit können nur dann verlangt werden, wenn zeitgleich Leistungen wegen Berufsunfähigkeit beantragt werden.

2.3 Wenn Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit verlangt werden, müssen uns unverzüglich auf Kosten des Anspruchstellers auf
die versicherte Person ausgestellte fachärztliche Bescheinigungen eingereicht werden. Die Bescheinigungen müssen von einem in Deutschland zugelassenen Facharzt der entsprechenden Fachrichtung ausgestellt worden sein. Anschließend sind wir berechtigt zu prüfen, ob nach wie vor eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person vorliegt.

Wichtig ist hierbei, es muss ein Facharzt sein und dieser muss in Deutschland zugelassen sein. Bei anderen unternehmen reicht ein Attest “eines Arztes”, hier geht die Conti zwei Schritte weiter, denn Facharzt und aus der entsprechenden Fachrichtung.Weiterhin gelten folgende Beschränkungen hinsichtlich der Dauer:

Die Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit erbringen wir, solange (…)

insgesamt eine Dauer der Arbeitsunfähigkeit von 18 Monaten während der vertraglichen Leistungsdauer der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht überschritten ist. Wenn die versicherte Person mehrfach nach Nummer 1 bescheinigt arbeitsunfähig ist, ist die Leistungsdauer wegen Arbeitsunfähigkeit für alle eintretenden Arbeitsunfähigkeiten zusammen auf 18 Monate beschränkt. Bei der maximalen Leistungsdauer von 18 Monaten werden auch die Monate berücksichtigt, in denen Arbeitsunfähigkeit vorlag, aber aufgrund einer gegebenenfalls vereinbarten Karenzzeit noch keine Leistung erbracht wurde.

Im Gegensatz zu den anderen Unternehmen am Markt sind die Nachweispflichten bei der Continentalen höher, da es der spezielle Facharzt sein muss. Die Wiedereingliederung (Hamburger Modell) ist nicht geregelt, jedoch wird im §2.4. davon gesprochen, dass die versicherte Person ununterbrochen arbeitsunfähig sein muss, wobei hier nichts von 100%iger AU geregelt ist.

Da es bei der Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell weiterhin AU Bescheinigungen gibt, wäre eine Leistung der Continentalen hier durchaus denkbar, wenngleich eine sauberere Formulierung mehr als wünschenswert ist.

Die vollständigen Bedingungen der Continentale Berufsunfähigkeitsversicherung B1, Stand 2015 finden Sie hier im Downloadcenter.

06.
Januar '15

Lebensversicherung LV1871 neu mit Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit in der Berufsunfähigkeitsversicherung


Nachdem ich gestern bereits über die Einführung der AU Regelung bei der Generali Lebensversicherung schrieb, kommt heute die Einführung dieser Regelung bei dem nächsten Unternehmen. Die LV 1871 führt mit den neuen Bedingungen 2015 (L-B1909/01.15) auch Regelungen ein, die dem Versicherten eine Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherng auch dann ermöglichen, wenn “nur” lange genug Arbeitsunfähigkeit besteht.

Zunächst auch hier der Hinweis auf die unterschiedlichen Begriffe Arbeits- und Berufsunfähigkeit und die entsprechenden Unterschiede dazu.

Arbeits-, Berufsunfähigkeit und Invalidität – eine Erklärung durch den Begriffsdschungel

Schauen wir uns aber nun einmal die genauen Regelungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung der LV 1871 an, dort heisst es:

§ 1 Welche Leistungen erbringen wir bei Arbeitsunfähigkeit?

Leistungsumfang
1. Haben Sie “Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit” vereinbart und wird die
versicherte Person während der Dauer dieser Versicherung arbeitsunfähig im Sinne von § 2, erbringen wir folgende Versicherungsleistungen:

a) Zahlung einer Rente in Höhe der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente für die in den Absätzen 5 bis 7 genannte Dauer;
b) volle Befreiung von der Beitragspflicht für die in den Absätzen 5 bis 7 genannte Dauer.

2. Ist eine Karenzzeit vereinbart, so entsteht der Anspruch auf die Rente erst mit dem Ablauf der Karenzzeit, sofern während der Karenzzeit ununterbrochen Arbeitsunfähigkeit gemäß § 2 oder Berufsunfähigkeit gemäß § 2 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung mit erweiterten Leistungen bestanden hat und bei deren Ablauf noch andauert. Wir erbringen Leistungen nur für die Zeit nach dem Ablauftermin.
Endet die Arbeitsunfähigkeit bzw. Berufsunfähigkeit und tritt innerhalb von 24 Monaten erneut Arbeitsunfähigkeit oder Berufsunfähigkeit aufgrund
derselben Ursache ein, so werden bereits zurückgelegte Karenzzeiten berücksichtigt.

3. Wenn wir Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit einstellen, besteht kein auf Wiedereingliederungshilfe gemäß § 1 Abs. 12 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung mit erweiterten Leistungen.
4. Soweit in Ihrem Versicherungsschein geregelt ist, dass bestimmte Ursachen und Umstände bei der Ermittlung der Berufsunfähigkeit nicht
berücksichtigt werden, so gilt dies auch bei Arbeitsunfähigkeit. (Anmerkung: Ausschlüsse in der BU)

Wichtig und zu beachten sind hier also die Regelungen bei vereinbarter Karenzzeit. Wer sich in der BU dafür entschieden hat, Leistungen erst nach Ablauf von 6 Monaten zu bekommen, der verwirkt in diesem Zeitraum auch die Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit, diese wird eben gerade nicht losgelöst davon betrachtet. Wichtig ist auch hier zu beachten, eine solche Karenzzeit wird auf die 18 Monate Maximalleistung angerechnet. Wer also eine sechsmonatige Karenzzeit vereinbart, hat nur 12 Monate Rentenzahlungen bei AU zu erwarten, nicht 18.

Interessanter sind zudem die weiteren Regelungen, wo es heißt:

Leistungsdauer

Die Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit erbringen wir, solange jeweiligen Erhöhungsantrags versichert ist, betragen.

– die versicherte Person ununterbrochen arbeitsunfähig gemäß § 2 ist und
– die Leistungsdauer der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht abgelaufen
– die maximale Leistungsdauer bei Arbeitsunfähigkeit gemäß Abs. 7 nicht abgelaufen ist und
– wir keine Leistungen wegen Berufsunfähigkeit erbringen, vgl. 3 Abs. 2 und
– die versicherte Person lebt.

6. Arbeitsversuche im Rahmen einer stufenweisen Wiedereingliederung
stellen keine Unterbrechung der Arbeitsunfähigkeit dar.

7. Die Leistungsdauer bei Arbeitsunfähigkeit ist auf maximal 18 Monate beschränkt. Wenn die versicherte Person mehrfach arbeitsunfähig gemäß § 2 ist, gilt die Beschränkung auf 18 Monate für alle eintretenden Arbeitsunfähigkeiten zusammen.
Ist eine Karenzzeit vereinbart, werden bei der maximalen Leistungsdauer von 18 Monaten auch die Monate berücksichtigt, in denen Arbeitsunfähigkeit vorlag, aber aufgrund der Karenzzeit keine Rentenleistung erbracht wurde. Die Monate, in denen Arbeitsunfähigkeit und gleichzeitig Berufsunfähigkeit gemäß § 2 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Berufsunfähigkeitsversicherung mit erweiterten Leistungen vorlag und in denen aufgrund der Karenzzeit keine Leistung erbracht wurde, werden bei der maximalen Leistungsdauer von 18 Monaten dagegen nicht berücksichtigt. Die maximale Leistungsdauer von 18 Monaten verkürzt sich somit um diejenigen Monate der Karenzzeit, in denen Arbeitsunfähigkeit, jedoch keine Berufsunfähigkeit vorlag.

Besteht Anspruch auf Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit, so sollte dieser schon vor Ablauf der 6 Monate geltend zu machen, denn unter Punkt 4 im Paragraph 4 der Bes. Bedingungen heisst es:

“Wird der Antrag spätestens drei Monate nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit gestellt, so sichern wir die rückwirkende Auszahlung der ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit geschuldeten Rentenleistungen spätestens eine Woche, nachdem alle erforderlichen Bescheinigungen für den gesamten Zeitraum von sechs Monaten nachgereist wurden, zu.”

Wer sich also hieran hält und die Voraussetzungen erfüllt, kann nach 6 Monaten und einer Woche bereits die Zahlung auf seinem Konto verbuchen.

AU Regelungen m LV1871

Was müssen Sie zur Erlangung der Leistung tun?

§ 4 Welche Mitwirkungspflichten (Obliegenheiten) sind zu beachten, wenn Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit verlangt werden?

1. Zur Beantragung von Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit sind uns unverzüglich auf Kosten des Ansprucherhebenden die folgenden Unterlagen einzureichen:
a) Für Personen, für die ein gesetzlicher Anspruch auf Entgeltfortzahlung, ein Anspruch auf Krankengeld oder eine Anzeigepflicht gegenüber der Agentur für Arbeit besteht, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen entsprechend der in Deutschland gültigen gesetzlichen Bestimmungen und Richtlinien der Krankenkassen.
b) Für andere Personen (z.B. Selbständige ohne gesetzlichen Krankengeldanspruch oder nicht erwerbstätige Personen) entsprechende privatärztliche Atteste, wie etwa Bescheinigungen zur Beantragung von Krankentagegeld, Dienstunfähigkeitsbescheinigungen oder Bescheinigungen zur Beurlaubung vom Unterricht aus gesundheitlichen Gründen.
c) Soweit vorliegend, amts- bzw. schulärztliche Bescheinigungen

2. Die Bescheinigungen müssen von einem zugelassenen und praktizierenden Arzt ausgestellt worden sein. Praktiziert der Arzt nicht in dem Land, in dem die versicherte Person ihren Wohnsitz oder ihren Arbeitsplatz hat, behält sich die Lebensversicherung von 1871 a.G. vor, eine Bescheinigung durch einen zu benennenden unabhängigen, dort ansässigen Arzt zu verlangen.

Wie hoch ist die Mehrprämie?

Anders als bei der Condor aber ähnlich wie bei der Alten Leipziger oder dem Volkswohl Bund ist diese AU Leistung in dem Vertrag als Option versicherbar. Wer es haben möchte versichert es, wer nicht lässt es eben.

Für einen 30jährigen Kaufmann unterscheiden sich daher die Prämien deutlich. Versichert werden soll hier eine Rente von 2.000 € monatlich bis zum 67 Lebensjahr, die Prämien lauten:

ohne AU Leistungen: 149,58 € brutto, Zählbeitrag 80,77 €

mit AU Leistungen: 163,02 € brutto, Zählbeitrag 88,03 €

Der Unterschied von 10% in der Zählprämie ist damit deutlich höher als bei z. Bsp. der Alten Leipziger, wo dieser bei 3-4% liegt.

Ist es für bestehende Kunden versichert/ versicherbar? 

Hier gilt, wie bei allen Unternehmen, ein Einschluss ist nur mit Umstellung des bestehenden in den aktuellen Tarif möglich, eine automatische Umstellung oder Nachversicherung dieser Mehrleistung passiert nicht. Wer also schon in alten Bedingungen versichert ist, der sollte genau Prüfen ob und wie wichtig ihm diese Option ist und wenn, nicht nur die LV 1871 sondern auch alle weiteren Mitbewerber anschauen. Dazu prüfen Sie bitte die Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung genau und stimmen diese auf Ihren konkreten Bedarf ab.

Die kompletten Bedingungen finden Sie hier:

LV 1871, Bedingungen Berufsunfähigkeit 2015