21.
Juli '15

Stiftung „Dilettanztest“ mit neuem Test zur Berufsunfähigkeit in der Ausgabe Finanztest 08/2015


Stellen Sie sich vor, jemand tut etwas was er nicht kann, dann würde man diesen vielleicht als unfähig bezeichnen. Jemand der weiß „er kann etwas nicht“ und es dennoch tut, der ist wahrscheinlich dumm. Selbst die meisten Dummen sind einsichtig, wenn man ihnen dann begründet darlegen kann was sie falsch gemacht haben. Nehmen wir nun aber an, es gibt jemanden der etwas nicht kann, es dann trotzdem tut, auf seine Fehler aufmerksam gemacht wurde und es jetzt doch wieder (falsch) macht. Wie würden Sie diesen nennen? Der Begriff dafür lautet: Finanztest.

Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, da hat Finanztest einen Test zu Berufsunfähigkeitsversicherungen veröffentlicht und ist damit in der Öffentlichkeit gehörig auf die Nase gefallen. Da waren nicht nur elementare Fehler im Test, sondern es waren falsche Annahmen, unhaltbare Aussagen, schlimme Empfehlungen, die den Leser beim Befolgen der Ratschläge und Tipps finanziell ruinieren, ohne das FT dafür haften müsste. In dem Test zur Berufsunfähigkeitsversicherung (–> Test Juli 2013) in der Juli Ausgabe 2013 waren (noch) 75 % der getesteten Tarife sehr gut.

Im Jahr 2014 gab es keinen neuen Test zur Berufsunfähigkeit, da hat man sich an der Krankenversicherung versucht, was leider nicht wirklich besser ausging. In dieser Ausgabe (08/2015) will man es nun wieder wissen und testet erneut die BU-Tarife und schreibt gleichzeitig über die private Krankenversicherung, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.Finanztest_BU_8-2015_ - 4

Aufhänger zu Beginn des Artikels sind (laut Finanztest) nicht versicherbar Berufe die angeblich keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Darunter Musik- oder Sportlehrer, aber auch Yogalehrer, Filmausstatter und andere. Vielleicht hätte Finanztest jemanden fragen sollen der sich damit auskennt, unter Umständen wäre dann ein anderes Ergebnis herausgekommen. Natürlich gibt es Berufe die gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht versicherbar sind. Finanztest schreibt jedoch einschränkend, dass diese Berufe „jedenfalls nicht bei der sehr großen Versicherungsgesellschaft, deren Annahmerichtlinien Finanztest einsehen konnte“ versicherbar sind. In den Test versucht man sich dann wieder an Musterkunden, jedoch sind plötzlich nur noch „mehr als die Hälfte der 70 Angebote im Test“ mit sehr gut bewertet. Ob die anderen einfach nur schlechter geworden sind? Ob die Kriterien andere sind? Dazu später jedoch noch etwas mehr.

Bei dem Tipp von Finanztest den Beitrag jährlich zu zahlen, hat  man- nur so nebenbei- vergessen zu erwähnen, dass natürlich jetzt auch eine längere Kündigungsfrist gilt, dass aber nur am Rande. Ein Versicherter mit einer monatlichen Zahlweise, welcher merkt dass ein Schutz vielleicht doch nicht so optimal war Finanztest heute behauptet, kann damit auch „schon“ nach einem Jahr wechseln, wäre natürlich auch blöd wenn das mit Monatsfrist ginge. (–> Erklärung zur BU Kündigung) Zudem schreibt FT in den FAQ auf der Website:

„Eine ordentliche Kündigung ist in der Regel zum Ende der Vertrags­lauf­zeit zulässig, danach jähr­lich mit einer Frist von drei Monaten. Beachten Sie bitte, dass der Abschluss des Neuvertrags nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt.“

Also kann der Kunde erst zu seinem 67. Lebensjahr kündigen? Vielleicht hätte man die Versicherungsbedingungen doch erstmal lesen sollen.

Die Modellkunden für Finanztest sind wieder einmal ein Industriemechaniker und die Arzthelferin, natürlich gehört auch der Diplom-Kaufmann dazu. Und schon auf der ersten Seite des Tests gibt es nun „Unser Rat“. Schon hier geht es mit dem Unsinn weiter, den ich vor zwei Jahren schon kritisieren musste. Bei der Rentenhöhe wird dem Kunden geraten zu überlegen „wie viel Geld Sie jeden Monat zur Existenzsicherung brauchen“. Auch diesmal wieder kein Wort darüber, dass eine Altersvorsorge weiter betrieben werden muss, dass keine Beiträge mehr in die gesetzlichen Rentenkassen fließen und daher (je nachdem wann die Berufsunfähigkeit eintritt) monatlich hohe Beiträge aufgewendet werden müssen Rentenansprüche im Alter zu erhalten. Hier wird wieder einmal der Eindruck erzeugt, einfach die monatlichen Fixkosten zu nehmen und daraus abzuleiten wie hoch die BU-Rente sein muss. Schlimmer wird es jedoch im zweiten Absatz.

„Orientieren Sie sich an den Preisen für unsere Modellkunden und wählen Sie einen günstigen Tarif aus.“

Trotz der zahlreichen, begründeten Kritik vor zwei Jahren schert es Finanztest überhaupt nicht und es kommt wieder zu Aussagen, die so nicht funktionieren. Warum wohl verbringt ein qualifizierter Berater bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung Stunden über Stunden damit, den passenden Tarif zu finden, die richtige Berufsgruppe (und damit die Beitragshöhe) zu bestimmen? Bei Finanztest glaubt man das könne man mit einem Blick in die Tabelle? Die angeblichen „Testsieger“, die mit einem  „sehr gut“ bewertet und zudem billig sind, sind diesmal Provinzial Rheinland, die Europa und die Condor. Es macht natürlich auch ungeheuer viel Sinn, als Testsieger einen Versicherer zu küren, welche nur regional eingeschränkt in einem kleinen Teil Deutschlands tätig ist, vielleicht sollte Finanztest darüber nachdenken Ihrer Zeitschrift auch nur dort zu verkaufen.

Im dritten Absatz des gelben Kastens (Seite 67 der Zeitschrift) wird es immer schlimmer. Hier folgt dann der Ratschlag, der Kunde möge doch mehrere Angebote parallel einholen. Kunden die älter als 40 sind, in einem Risikoberuf arbeiten oder in den vergangenen Jahren in ärztlicher Behandlung waren, die sollen „so viele Angebote“ einholen „wie möglich“. Hartnäckigkeit zahlt sich oft aus.“ Mit der zwei Euro teuren „BU-Checkliste“ soll der Kunde die Angebote schrittweise selbst durchgehen können.

Finanztest_BU_8-2015_ - 1Finanztest verschweigt auch hier wieder die immense Bedeutung der richtigen Darstellung des Berufes, die Wichtigkeit der Einstufung in die richtige Berufsgruppe und damit auch die Entscheidung darüber, der Tarif bezahlbar ist und bleibt. Es ist nämlich keineswegs so, das eine Berufsbezeichnung tatsächlich allein ausschlaggebend darüber ist, wie die Prämie aussieht. Fragen Sie also mit diesen minimalen Angaben bei einem Versicherer an, so bekommen Sie wahrscheinlich sogar ein Angebot, ob es das passende, für Sie zugeschnittene ist, das steht auf einem anderen Blatt. Hierbei geht es entscheidend darum, für den (potentiellen) Kunden ein entsprechendes Angebot auszuarbeiten und zwar so auszuarbeiten, das aus den vorhandenen Tarifen die der Markt hergibt der passende herausgefunden wird. Wer es glaubt das könne man mit einem einfachen „Angebot anfordern“ Brief an einen Versicherer erreichen, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann.

„jung und gesund“?

Dieser Dilettantismus setzt sich dann in dem schönen bunten Bild mit der Überschrift „Der Weg zum Vertrag“ fort. Nachdem sie also jung und gesund sind, kommen Sie zu Schritt zwei auf dem Wanderweg und dort rät Finanztest erneut den preisgünstigsten Schutz aus dem „sehr guten Angeboten“ auszusuchen. Je nach Beruf sollen sie sich an einem der drei  Modellkunden orientieren. Klar, Arzthelferin, Industriemechaniker und Diplom-Kaufmann, in eine dieser drei Schubladen wird ihr Beruf wohl passen, seien sie nur nicht zu anspruchsvoll.

Nicht ein einziges Wort wird darüber verloren, dass Mitarbeiterverantwortung zu einer besseren Berufsgruppen führt, dass Außendiensttätigkeiten die Berufsgruppe verschlechtert, dass Ärzte die operieren ein höheres Risiko darstellen und vieles mehr. Doch nun wird es erst recht schlimm. In dem Punkt drei auf dem Weg zum Vertrag berät in den Finanztest allen Ernstes:

„Haben Sie die Angebote gefunden, schreiben Sie mehrere Versicherer per Brief oder per Mail  parallel an. Notwendige Angaben: Alter, Beruf, Rauchgewohnheit, Laufzeit und Rentenhöhe. Wählen Sie die jährliche Beitragszahlung und als Überschusssystem die Beitragsverrechnung.“

Werfen sie zuhause bei Entscheidungen manchmal eine Münze? Genau mit dieser Wahrscheinlichkeit erhalten Sie bei der von Finanztest empfohlenen Vorgehensweise ihr passendes Angebot.

Kann klappen, muss aber nicht. Nehmen wir an, Versicherer A stuft sie aufgrund dieser Angaben in eine Berufsgruppe ein und schickt Ihnen Ihr Versicherungsangebot bis zum gewünschten Endalter. Kein Wort darüber das vielleicht die Reduzierung oder Erhöhung des Endalters eine entscheidende Rolle spielen kann. So gibt es Konstellationen wo Versicherungsschutz bis 65 statt 67 riesige Unterschiede im Beitrag bedeutet, ebenso ist es in anderen Fällen so, dass sie für zwei Jahre mehr Versicherungsschutz nur eine minimal höhere Prämie aufwenden müssen. Bekommen Sie nun die Angebote der Versicherer, so sortieren Sie vielleicht ein Unternehmen aus, was Ihnen aufgrund der falschen Eckdaten ein völlig unpassendes Angebot geschickt hat und das Unternehmen kann noch nicht einmal etwas dafür.

„Sie sind älter und haben Vorerkrankungen?“

Auch für diese Kunden hat Finanztest den idealen Tipp.

„Wenn Sie in den letzten fünf Jahren vor dem Versicherungsantrag ernsthaft krank waren oder chronisch krank sind, lassen Sie von einem unabhängigen Versicherungsberater oder einem Versicherungsmakler anonyme Risikovoranfragen stellen.“

Der angeblich junge und gesunde Kunde, zumindest der der das von sich glaubt, der soll sich allein an einen Versicherer wenden, allein Angebote einholen und ganz allein entscheiden welche Angaben zu Vorerkrankungen er macht und welche nicht. Hilfestellung, Unterstützung bei der Auswahl des entsprechenden Tarifs und der richtigen Berufsgruppeneinstufung brauche dieser nicht, schließlich ist er jung und gesund, meint zumindest Finanztest.

Das „schwierige Klientel“ soll das natürlich nicht allein machen, dafür sind dir Versicherungsmakler und Versicherungsberater dar. Obwohl es gerade in jungen Jahren elementar wichtig ist sich für den richtigen und passenden Tarif zu entscheiden, da dieser Fehler später bei gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr zu korrigieren ist und auch eine Berufsgruppeneinstufung nicht mehr so ohne weiteres zu ändern geht, trotzdem verschweigt Finanztest wie wichtig gerade hier eine entsprechende Beratung ist.

Da die gesunden Kunden dann entsprechende Anträge an die Versicherer stellen sollen, weist Finanztest daraufhin, innerhalb von 30 Tagen muss schriftlich abgelehnt werden wenn der gewünschte Schutz nun doch nicht gewollt ist. Weiterhin heißt es:

„Nur wenn ein Angebot erst mit erneuter Unterschrift gilt, ist das nicht nötig.“

Ein solches Angebot bekommt man aber nur dann, wenn der Versicherer entweder vom Antrag abweicht, einen Risikozuschlag oder gar einen Ausschluss für erforderlich hält oder es zu einer Beschränkung im Endalter kommen sollte. Das was Finanztest hier verschweigt- und das birgt ein elementar hohes Risiko für den Kunden- ist das Problem, dass es sich hierbei um einen „abgelehnten, oder mit Erschwerung angenommenen Antrag“ handelt. Bei zukünftigen Antragstellungen ist somit dieser Antrag anzugeben, welches eine neue Annahmeentscheidung nicht unbedingt einfacher macht.

Liest man weiter im Text auf der Seite 69, so weist Finanztest eher nebenbei darauf hin, dass bei Arzthelferin und Industriemechaniker die Verträge nur bis zum Endalter 65 gerechnet wurden. Als Grund gibt Finanztest hier an, dass ein Schutz bis zum 67. Lebensjahr „kaum noch bezahlbar“ ist. Diese (wieder einmal pauschale) Aussage ist so schlichtweg falsch. Natürlich kostet ein Versicherungsschutz mit zwei Jahre längerer Laufzeit mehr Geld, da der Versicherer in diesen beiden Jahren aber auch Prämien einnimmt, sind die Unterschiede in den Monatsbeitrag oftmals gar nicht so groß und hängen sehr stark vom Einzelfall ab. Die Andeutung, dass für Arzthelferinnen und Industriemechaniker generell das 65. Lebensjahr ausreichend ist, ist Unsinn. Auch der darunter stehende Tipp ist nicht besser, empfiehlt Finanztest doch nun:

„Bleiben Sie im Zweifel flexibel bei der Rentenhöhe. In einigen Berufen haben Versicherer eine Höchstrente festgelegt.“

Gegen eine gewisse Flexibilität bei der Auswahl des Versicherers ist überhaupt nichts einzuwenden, problematisch ist jedoch das oftmals die Renten schlichtweg zu klein sind. Darauf weist auch Finanztest in dem grauen Kasten hin. Dort werden einige Hinweise zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente gegeben und es wird erklärt, dass die durchschnittliche Rente mit 661€ zu niedrig ist.

Im nächsten Teil wird es (was die Empfehlungen betrifft) gleich wieder deutlich schlimmer. Dort beschäftigt man sich mit der Differenz zwischen dem Bruttobeitrag und dem Betrag, den der Kunde zahlt (Nettobeitrag). Nach einer kurzen Erklärung wie der Unterschied zu Stande kommt, nämlich das vom Versicherer erwirtschaftete Überschüsse berücksichtigt werden und dadurch der Zahlbeitrag sinkt, empfiehlt Finanztest: „den Nettobeitrag zu vergleichen“.

Auch wenn auf das Risiko das dieser steigen kann hingewiesen wird, halte ich diesen Tipp für fatal. Nachdem es durchaus Unternehmen gibt (zum Beispiel CosmosDirekt, HUK Coburg, WWK etc.) wo zwischen diesen beiden Beiträgen 100% und mehr Unterschied liegen können, kann die Auswahl des Versicherers nach dem Nettobeitrag weitreichende Folgen haben. So verlangt die HUK Coburg für den Diplom-Kaufmann 886€ netto, im Gegenzug aber 2.188€ brutto pro Jahr. Nehmen wir stattdessen als Beispiel die (ebenfalls mit sehr gut bewertete) Gothaer, so sind hier zwar mit 916€ etwas höhere Nettobeiträge fällig, jedoch verringert sich der Bruttobeitrag hierbei um 855, auf 1.333€. Würde der Interessent nur die Nettobeiträge (wie von Finanztest empfohlen) vergleichen, so erkauft er sich mit einer Ersparnis von 30€ pro Jahr ein zusätzliches Risiko von deutlich über 1.300€. Ist es das wert?

„Zu krank für einen Vertrag“

Kommen wir nun zu den Gesundheitsfragen, hat sich Finanztest wohl gedacht. Neben (angeblich generellen) Ausschlussdiagnosen wie Rheuma Diabetes Typ I führen verschiedene Erkrankungen zu Einschränkungen,  Zuschlägen oder gar Ablehnungen. (in meinem –> Beitrag zu Leistungsausschluss und Zuschlägen finden Sie mehr Informationen dazu)

Nun können Sie im Folgenden lesen, all diejenigen die „in jungen Jahren psychische Probleme hatten“ bekommen gar keinen Versicherungsschutz. Auch das ist, so wie es hier steht, hanebüchener Unsinn. Natürlich stellt die psychische Erkrankung einer Herausforderung für die Berufsunfähigkeitsversicherung dar, keineswegs bedeutet aber eine solche Erkrankung (gerade in jungen Jahren) das kO für alle weiteren Vorhaben. Auch hier ist sehr einfach zu erkennen wie wichtig eine qualifizierte Beratung ist. Denn mit der Auswahl des richtigen Versicherers, damit verbunden die Auswahl der passenden Gesundheitsfragen und der richtigen Vorbereitung sind auch solche Risiken gerade nicht aussichtslos. Die von Finanztest zitierte Maklerin, die hier von generellen Ablehnungen spricht, möge sich einmal von qualifizierten Kollegen beraten lassen.

Vollkommen zutreffend ist allerdings die Aussage, dass Ärzte durchaus fehlerhafte und aus Abrechnungsgründen eingetragenen, Diagnosen in Ihren Akten haben. Daher ist es gerade nicht nur den Kunden mit Vorerkrankungen, sondern insbesondere auch den vermeintlich „jungen und gesunden“ angeraten, sich eine vollständige Kopie Ihrer Krankenakten zu besorgen und damit eine entsprechende Recherche zu ermöglichen. Das „schnell selbst Ausfüllen von Anträgen, welche dann an den Versicherer geschickt werden“ ist definitiv keine Option. Mehr als 60% der Anträge, welche bei dem Unternehmen SwissLife Stichproben unterzogen wurden, enthielten Gesundheitsfragen die nicht wahrheitsgemäß beantwortet wurden. Wer jetzt von Geschäft aus großen Finanzvertrieben auf die Qualität der ausgefüllten Gesundheitsfragen schließt… Nein, das habe ich nicht gesagt.

So wurde getestet

Gegenüber dem letzten Test im Jahre 2013 ist die Wichtigkeit der Versicherungsbedingungen im Test von damals 70% auf 75% gestiegen, ebenso wurden die Anträge jetzt mit 25 statt damals 20% in die Bewertung einbezogen. Dafür spielen jetzt das Endalter und die Berufsgruppen (im letzten Test waren hierfür noch 10% vorgesehen) keine Rolle bei der Auswahl der Tarife und deren Bewertung. In der Tabelle mit den Ergebnissen wurden exakt sechs Kriterien mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ bewertet. Dabei handelt es sich um den Verzicht auf die abstrakte Verweisung, die Sechs-Monats-Prognose, eine rückwirkende Leistung in den ersten sechs Monaten,  Rückwirkende Leistung für mindestens drei Jahre bei verspäteter Meldung, die Nachversicherungsgarantie und die garantierte Dynamik im Leistungsfall. Das einzig Erfreuliche, wenigstens bei der garantierten Dynamik im Leistungsfall (—> WAS IST DAS) hat Finanztest sich den Rat zu Herzen genommen und dieses in die Bewertung einbezogen. Eine der neuen Entwicklungen am Markt, eine Leistung bei andauernder Arbeitsunfähigkeit zu zahlen und damit einen sichereren Übergang von der Krankschreibung in die Berufsunfähigkeit zu ermöglichen, hält man bei den Testen anscheinend für unwichtig und nicht einmal für erwähnenswert. (—> AU Klauseln)

Weiterhin sind durchaus einige Bewertungen fragwürdig. So bekommt zwar die Hansen Merkur und auch die AXA ein sehr gut, sind aber im Vergleich zum Test vor zwei Jahren schlechter bewertet. Versicherer wie die Aachen Münchener verschlechtern sich deutlich von 0,6 auf ein Testergebnis von 1,3, aber ist ja fast egal, immer noch „sehr gut“. Einzig und allein die Versicherer am Ende des Tests scheinen beständig zu sein, so bleibt die Berufsunfähigkeitsversicherung der Debeka (SBU Standard, der SBU Top hat ein „gut“) bei befriedigenden 2,7 (2,9  von zuvor 3,3 in den Bedingungen), wie auch die Bayrische mit dem Smart Tarif.

Einige Unternehmen haben sich laut Finanztest bewusst gegen eine Teilnahme am Test entschieden, insgesamt 17 Unternehmen zogen es vor nicht teilzunehmen. Anscheinend hat man dort die Sinnhaftigkeit solcher Tests erkannt, auch wenn einige meines Wissens nach eine Berufsunfähigkeitsversicherung gar nicht anbieten. Warum diese Unternehmen dann hier „an den Pranger gestellt werden“ ist mir leider nicht klar, versteht wahrscheinlich nur Finanztest.  Versicherer wie die DEVK bieten nach Meinung von Finanztest derzeit keine Angebote an oder überarbeiten diese, und sollen später „unter die Lupe genommen werden“, wenn das mal keine Drohung ist.

Ernüchterndes Fazit

Leider hat es Finanztest auch in zwei Jahren nicht geschafft, oder wollte es nicht schaffen, sich intensiv mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung auseinander zusetzen und elementare Fehler aus dem letzten Test nicht zu wiederholen. Daher bleibt es auch hier weitgehend bei den Aussagen zum letzten Test, dieser ist das Papier nicht wert auf dem er gedruckt wird. Speziell in einer so differenzierten und elementaren Absicherung wieder Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Test, zu den mit drei völlig wahllos gewählten Berufen, nichts sagend und führt Interessenten wieder einmal in die Irre. Wer glaubt mit so einem Test den richtigen Versicherer gefunden zu haben, der irrt hierbei gewaltig.

Schon allein die Einstufung in die richtige, für den jeweiligen Kunden passende, Berufsgruppe ist ein mehrstufiger Prozess, die noch nicht mal Vergleichsprogramme zufriedenstellend beherrschen. Hier geht es um Erfahrung, hier geht es um Kenntnis des Marktes und hier geht es um Know-how welches man eben nicht in einer Zeitschrift findet.

Schlimmer wird es dann nur noch durch die Ratschläge zum „selbst beantragen“, dem „stellen Sie mehrere Anträge“ und dem fehlenden Hinweis auf mögliche Risikoausschlüsse und Zuschläge, welche eine Angabepflicht bei jedem weiteren Antrag nach sich ziehen.

Der Weg zur richtigen und passenden Berufsunfähigkeitsversicherung führt keinesfalls über einen Test, schon gar nicht über einen mit sechs Auswahlkriterien und bedarf einer entsprechenden Auswahl und Bewertung der wichtigen Kriterien auf dem Weg zum passenden Produkt.

–> Der Weg zur passenden BU Absicherung

–> Auswahlkriterien zur richtigen, passenden Berufsunfähigkeitsversicherung

–> Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung

–> Richtige Rentenhöhe oder gar keine BU

Das Schlimmste sind gar nicht so unsinnige Test, das Schlimmste daran ist leider, viele Leser nehmen das als gegeben hin, was Finanztest so publiziert und rennen damit ins finanzielle Unglück! Tun Sie etwas dagegen. Lesen bildet- man sollte nur wissen was man liest.

Auch lesenswert: Der Beitrag vom Kollegen Helberg

BU-Test 2015: Stiftung Warentest zeigt sich berufsunfähig

Und natürlich vielen Dank für die Erwähnungen, wir sollten im #BUett auftreten.

Das Versicherungsjournal fing an darüber zu schreiben. (–> „Finanztest findet nur noch jeden zweiten Tarif gut“)

Versicherungsbote schreibt: –> „Stiftung Warentest für berufsunfähig erklärt“

finanzen.de –> „Finanztest erneut in der Kritik“

und im Tagesbriefing geht es um –> „Reaktionen zum BU-Test der Stiftung Warentest“

17.
Juli '15

Im Urlaub plötzlich (und unfreiwillig) Organspender-die unterschiedlichen Regelungen im Ausland


Organspende, trotz einiger Skandale in letzter Zeit, immer noch eines der wichtigsten Themen und für viele Patienten die einzige Überlebenschance. Wie man selbst dazu steht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jede Meinung ist legitim und jeder Mensch muss für sich selbst verantworten und entscheiden wie er sich im Falle des eigenen Todes verhalten möchte. Will ich meine Organe anderen Menschen zur Verfügung stellen, oder aber bin ich strikt dagegen? Diese Entscheidung will gut überlegt sein und auch wenn dieses Thema einen vielleicht sehr unangenehmes sein mag, es sollte rechtzeitig überlegt und entschieden werden. Der Vorteil liegt eindeutig darin, dass der Betroffene selbst aktiv für sich eine Entscheidung treffen kann, Angehörige mit so einer schwer wiegenden Entscheidung nicht belastet werden und die eigene Meinung, der eigene Wunsch respektiert und umgesetzt werden kann. Dazu gibt es in den unterschiedlichen Ländern ganz unterschiedliche Regelungen, wie mit dem Thema Organspende umgegangen wird.

Organspenderausweis EnglischSchauen wir uns zunächst doch einmal unterschiedlichen Regelungen an. Da haben wir als erstes die so genannte

Erweiterte Zustimmungsregelung

Gilt diese Regelung, so muss der Verstorbene zu Lebzeiten einer Organspende aktiv zugestimmt haben. Eine solche Zustimmung kann am einfachsten durch den so genannten Organspendeausweis vorgenommen werden. Liegt eine solche Zustimmung nicht vor, so können die Hinterbliebenen nach dem mutmaßlichen willen des Verstorbenen entscheiden. Diese Regelung finden wir in verschiedenen Ländern, unter anderem gilt diese erweiterte Zustimmungsregelung auch in Deutschland.

Die Widerspruchsregelung

In Ländern in denen diese Regelung angewandt wird, wird der Verstorbene zum Organspender, falls er einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Wichtig zu wissen ist hier, die Angehörigen haben in diesem Fall kein Widerspruchsrecht. Angewandt wird diese Regelung zum Beispiel in Bulgarien, Frankreich aber auch in Polen und anderen Ländern.

Die Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen

Einige Länder, welche ansonsten die Widerspruchsregelung anwenden, haben jedoch ein erweitertes Einspruchsrecht für Angehörige, das ermöglicht Angehörigen gegen eine Organentnahme zu entscheiden, nachdem der Betroffene verstorben ist. Diese Regelung gilt zum Beispiel in Belgien Finnland aber auch in Großbritannien.

Die Informationsregelung

In Ländern wo diese Regel angewandt wird, müssen die Angehörigen über eine geplante Organentnahme informiert werden, diesen steht aber kein Einspruchsrecht zu. So werden Sie quasi automatisch zum Organspender, wenn zu Lebzeiten nicht widersprochen wurde. Diese Regelung gilt zum Beispiel in Liechtenstein, Schweden aber auch auf Zypern.

Notstandsregelung in Bulgarien

Eine Besonderheit stellt hier in Bulgarien dar. Organentnahme ist hier „im Notstand“ selbst dann möglich, wenn ein Widerspruch vorliegt. Hierbei kann es also selbst dann zu einer Organentnahme kommen.

Widerspruchsregister

In einigen Ländern wird ein so genanntes Widerspruchsregister geführt. Vor einer Organentnahme wird daher dort geprüft, ob es einen solchen Widerspruch gibt. In Österreich besteht die Möglichkeit sich dort (auch als Ausländer) kostenfrei eintragen zu lassen und somit einer Organentnahme zu widersprechen. Ein entsprechendes Formular finden Sie hier: –> Widerspruchsregister Organspende in Österreich

Wer sich also aktiv gegen eine Organspende entscheiden möchte, der sollte seine Entscheidung dokumentieren. Das kann vor einem Urlaub in den entsprechenden Registern geschehen, die meisten Länder akzeptieren aber auch eine entsprechende handschriftliche und unterzeichnete Regelung, welche der Reisende mit sich führen sollte. Hierbei ist es hilfreich, dass entsprechende Dokument in der jeweiligen Landessprache mitzuführen. Formulare hierzu gibt es in unterschiedlichen Sprachen auf der –> Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Organspenderausweis ausfüllbarHier lässt sich der Organspendeausweis direkt herunterladen, oder als –> ausführbare Druckversion öffnen und mit dem persönlichen Daten ergänzen. Nur wer seinen Willen aktiv äußert kann sichergehen, dass dieser Falle des Todes auch berücksichtigt wird.

Eine Übersicht zu den unterschiedlichen Regelungen der Länder, welche sie sich als –> kostenlose Übersicht zu den Organspenderegelungen in Europa als PDF Datei laden können, finden Sie im Downloadbereich.Organspende in Europa

14.
Juli '15

Mit 56 Jahren in die PKV? Urteil des OLG Hamm 20 U 116/13 – Gericht verurteilt Bank und Hanse Merkur zu Schadenersatz


Ich bin nun schon seit über 15 Jahren in der Beratung, vorwiegend zur, privaten Krankenversicherung tätig. Doch manchmal liest man über ein Urteil oder über einen laufenden Fall, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. So geschehen auch indem, am 24. Juni 2015 veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm. Die Richter hatten über einen Fall zu entscheiden, in welchem ein Kunde zum Wechsel in die private Krankenversicherung überredet wurde, so genau so deutlich muss man es nach dem Lesen des Urteils wohl auch sagen. Interessant ist dabei sicherlich die Konstellation in der die Beratung stattgefunden hat. Doch beginnen wir etwas weiter vorn und schauen uns dazu die Details Urteils an.

Laut Urteilsbegründung trat der Kläger (hier einen 56 -jähriger, freiberuflich tätiger Betreuer) nach einer mehrjährigen Arbeitslosigkeit in die Filiale der Beklagten. Er hatte sich entschlossen zukünftig freiberuflich als selbstständiger, gesetzlicher Betreuer tätig zu sein und damit seiner Arbeitslosigkeit zu entgehen. In der Filiale wurde der Kläger durch einen Mitarbeiter beraten, Anlass der Beratung waren zunächst die Absicherung der Altersvorsorge. Im Rahmen dieses Beratungsgespräches wurde dem Kläger unter anderem eine private Krankenversicherung angeboten, welche nach dem Tarif KVE abgeschlossen wurde. Zusammen mit den weiteren Tarifbausteinen PS 2 und KH 50 sollte ab dem 1.3.2009 ein monatlicher Beitrag von 484,38 € an die Hanse Merkur entrichtet werden. (In der anonymisierten Fassung des Urteils ist natürlich die Gesellschaft nicht genannt, aus der Tarifbezeichnung der privaten Krankenversicherung lässt sich daraus jedoch zweifelsfrei schließen.)

Anmerkung: Zunächst einmal sei erwähnt, dass eine private Krankenversicherung mit einem Beitrag von unter 500 € für einen 56 -jährigen (bei Neuabschluss) nicht ansatzweise ein vorsichtig kalkuliert ist Versicherungsprodukt darstellen kann. Für die Beträge ist es für einen Versicherer nahezu unmöglich, eine solide kalkulierte und mit ausreichenden Sicherheiten versehen der Krankenversicherung an den Markt zu bringen.

Im weiteren Gesprächsverlauf wurde der Kläger von dem ursprünglichen Berater an seinen Kollegen verwiesen, welche die Beratung zur privaten Krankenversicherung fortsetzte und Dienstvertrag abschloss. Nachdem der Kläger etwa drei Jahre später Zweifel an seiner Entscheidung bekam, legte er Beschwerde beim Ombudsmann für die private Krankenversicherung ein, und monierte die (aus seiner Sicht erfolgte) Falschberatung. Die Beschwerde wurde zunächst im August 2011 negativ beschieden. Da die Hanse Merkur auch in einer weiteren Stellungnahme nicht zu ihrer Schadenersatzpflicht stehen wollte, erfolgte eine erneute Aufforderung durch einen Anwalt. Nach endgültiger Ablehnung der Schadensersatzforderung wegen Falschberatung blieb dem Kläger nur der Weg vor das Gericht.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem: „Da er, der Kläger sich, hieran [an der PKV] interessiert gezeigt habe, sei ein Beratungstermin mit der Zeugin I3 vereinbart worden. Er sei skeptisch gewesen, ob es für ihn dauerhaft möglich sein würde, aus seinem Einkommen die Beiträge für die private Krankenversicherung aufzubringen. Er habe insbesondere Bedenken im Hinblick auf seine niedrige Rente gehabt. Diese Bedenken hätte die Zeugen I3 zerstreut mit dem Hinweis, dass die Beklagte zu 2) ihrer Beiträge sieben Jahren nicht erhöht habe, dass Beitragssteigerungen jedoch sowohl in der PKV als auch der GKV wegen der allgemeinen Teuerung wahrscheinlich sein. Sie habe erklärt, es bestehe jederzeit die Möglichkeit in den Basistarif zu wechseln, dessen Beitrag niedriger sei als der Normaltarif der PKV. Der Beitragssatz für den Basistarif belaufen sich auf etwa 50 % des Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenversicherung. Im März 2011 habe er erstmals durch Gespräche mit einem Bekannten erfahren, dass die Zeugen I3 in offenbar falsch beraten haben.

Anmerkung: Es ist schon abenteuerlich mit welchen fadenscheinigen und falschen Argumenten hier der Kunde in die private Krankenversicherung gelockt wurde. Vielleicht ging es darum seine Zielvorgaben in der Filiale zu erfüllen, vielleicht die Dame (und das wäre noch schlimmer) einfach das System und die Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenkassen nicht verstanden. Nicht nur dass der Kunde hier schon Bedenken geäußert habe, die wurden auch falschen Aussagen zerstreut. Natürlich gibt es Beitragsanpassungen in beiden Systemen. In der gesetzlichen Krankenkasse kann der Beitragssatz oder auch die Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden, welches zu einer höheren Belastung durch erhöhte monatliche Beiträge kommt. Auch kann die Berechnungsgrundlage (Welche Beiträge gehören zur Jahresarbeitsentgeltgrenze) geändert werden. Die Behauptung der Beitragssatz für den Basistarif belaufe sich auf etwa 50 % der gesetzlichen Krankenversicherung ist allerdings gelogen und so falsch, wie man ihn normal gar nicht falsch machen konnte.

Weiterhin heißt es im Urteil, das ist dem Kläger vor allem auf eine verbesserte Leistungsstruktur seiner Krankenversicherung angekommen sein soll, aber auch darauf einen bezahlbaren Versicherungsschutz im Alter zu bekommen. Seine privaten Einkommens-und Vermögensverhältnisse seien der Beklagten zu 1) und auch der Zeugin bekannt gewesen. Bei dem Kläger die Erklärung so angekommen, als könne er in den Basistarif wechseln und nur die Zusatzleistungen entfallen. Interessant ist, es sei der Eindruck entstanden, dass die PKV keine Nachteile für ihn bietet und insbesondere sichergestellt sei, dass er auf keinen Fall höhere, sondern er niedrigere Beiträge als bei dem Verbleib in der GKV zahlen müsse.

Die Richter führen weiterhin aus, dass der Kunde aufgrund vorliegender Renteninformation mit einer monatlichen Rente in Höhe von nur 457,30 € zu rechnen hatte. Wäre er zu dem Zeitpunkt in der gesetzlichen Krankenkasse geblieben, so wäre dort ein monatlicher Beitrag von 91,00 € acht angefallen. Der Beitrag indem ausgewählten Tarif der privaten Krankenversicherung liege um ein zehnfaches höher.

Anmerkung:  Die Beraterin hatte zudem als positives Merkmal angeführt, dass der Beitrag in den entsprechenden Tarif in den letzten sieben Jahren nicht angepasst worden ist. Dieses als positiv anzuführen ist schon eine Frechheit an sich. Die Kosten in der privaten Krankenversicherung (ärztlicher Honorare, Heilmittel, Hilfsmittel) sind in den letzten Jahren (und auch heute) angestiegen und die Lebenserwartung zudem erhöht. Jedes Lebensjahr was der Versicherte länger lebt als ursprünglich kalkuliert, erfordert einen Betrag X an zusätzlichen beklagen. Wird ein Tarif nun über einen längeren Zeitraum nicht angepasst, so sind die Anpassungen in der Zukunft nachzuholen. Denn an den gestiegenen Kosten in der Vergangenheit und eine höhere Lebenserwartung kann auch eine private Krankenversicherung (schon gar nicht ein einzelner Tarif) etwas ändern.

In der Begründung des Urteils heißt es weiterhin: „… Diese habe sein Interesse an der PKV gegenüber dem Zeugen ausschließlich mit einer besseren Leistung und Absicherung in der PKV begründet. Dem Kläger sei es zudem darauf angekommen, einen Krankenversicherungsschutz zu einem bezahlbaren Beitrag zu erlangen und bereits zum damaligen Zeitpunkt Kosten für die GKV zu sparen, um diese frühzeitig für die Altersversorgung einsetzen zu können.

Allein diese Aussage muss den Berater dazu bewegen, dem Kunden nicht nur die Unterschiede zu erläutern, sondern ganz klar und deutlich darauf hinzuweisen, dass dieser in der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben hat. Wie in meinem Beitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ bereits beschrieben, geht es in der privaten Krankenversicherung nicht, niemals um Geld sparen. Wer in die private Krankenversicherung wechselt um Geld zu sparen, der kann weitere Überlegungen sofort beenden. Auch die weiteren Aussagen der Zeugen bezüglich des Beitrages im Basistarif waren falsch. Zwar gibt es eine Reduzierung des Beitrages in Härtefällen auf 50 %, dieser ist jedoch von einer Hilfebedürftigkeit im Sinne des Sozialgesetzbuches abhängig.

Dennoch sehe ich hier auch durchaus eine „Mitschuld“ des Kunden, denn bei einem Beitragsaufwand von 380 € in der gesetzlichen Krankenkasse und 484 € in der PKV (mit einem Alter 56) hätte auch hier eine Nachfrage kommen müssen.

Final kommt das Gericht trotz anderslautender Berufungsanträge der beiden Beklagten (der Bank und der Versicherungsgesellschaft Hanse Merkur) zu der Auffassung, dass hier ein eindeutiges Beratungsverschulden der Zeugin (und Beschäftigten der Bank) vorliegt. „Die Beklagte zu 1) ist als Versicherungsvermittlerin in Form einer Versicherungsvertreterin im Sinne von Paragraph 59 Abs. 1, Abs. 2 VVG für die Beklagte zu 2) gütig geworden. Als solche hat sie den Kläger als Versicherungsnehmer, soweit nach der Schwierigkeit, die angebotene Versicherung zu beurteilen, oder der Person des Versicherungsnehmers und dessen Situation hierfür Anlass bestand, nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu befragen und, auch unter Berücksichtigung eines angemessenen Verhältnisses zwischen Beratungsaufwand und der von dem Versicherungsnehmer zahlenden Prämien, zu beraten sowie die Gründe für jede zu einer bestimmten Versicherung erteilten Rat anzugeben, Paragraphen 61 Abs. 1 Satz eins VVG.“

Die Zeugen handelte also als Versicherungsvertreterin und stand damit rechtlich im Lager der Versicherungsgesellschaft. Vereinfacht in einem Bild sieht das so aus: Makler Vertreter FussballAnders als ein Versicherungsmakler steht der Vertreter (das kann auch eine Bank oder Sparkasse sein) auf der Seite des Versicherungsunternehmens. Nur um eines klarzustellen: wäre diese Beratung durch einen Makler erfolgt, so wäre die ebenso falsch. Dann hätte jedoch nicht die Bank/der Versicherer haften müssen, sondern der Makler und gegebenenfalls seiner Vermögensschadenhaftpflichtversicherung.

Das Gericht findet für die Art und Weise der Beratung und auch das Verschulden der Zeugen (Beraterin) eindeutige Worte. So heißt es in der Begründung: „Den Versicherungsvertreter trifft jedoch eine weitere Pflicht zur Beratung dann, wenn besondere Umstände hinzukommen. Solche Umstände waren hier schon dadurch gegeben, dass der Kläger- gerade aufgrund der von den Mitarbeitern der Beklagten zu 1) vorgenommen Beratung-die Absicht hatte, mit 56 Jahren erstmals in die private Krankenversicherung zu wechseln, obwohl sein ursprüngliches gegenüber der Beklagten zu 1) veräußern des Beratungsziel unter anderem eine Verbesserung seiner privaten Altersvorsorge war. Den Zeugen- insbesondere der Zeugen I3 musste es daher geradezu aufdrängen, dass der Kläger im Alter seine Beiträge- auch die Beiträge für den Basistarif- möglicherweise nicht mehr zahlen konnte.

Am Ende der Ausführungen des Gerichtes steht eindeutig die Aussage:

„Die Beklagten haben den Kläger als Gesamtschuldner den Schaden zu ersetzen, der ihm durch die fehlerhafte Beratung entstanden ist. Im Hinblick auf das Beratungsverschulden der Beklagten zu 1) liegt der Schaden des Klägers im Vertragsabschluss mit der Beklagten zu 2), da der Kläger ohne die fehlerhafte Beratung der Beklagten zu 1) keinen Vertrag mit der Beklagten zu 2) abgeschlossen hätte und in der gesetzlichen Krankenversicherung- in die er aufgrund seines Alters als Selbständiger nach derzeitigem Stand nicht mehr ohne weiteres wechseln kann- verblieben wäre. (…) Damit ist ein Vermögensschaden aus folgendem Grund gegeben: zwar ist der Vertragsabschluss mit der Beklagten zu zwei für den Kläger- jedenfalls so lange, wie er die Beiträge zur privaten Krankenversicherung zahlen könnte- auch mit einem verbesserten Krankenversicherungsschutz im Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse verbunden. Dies kompensiert entgegen der Auffassung der Beklagten jedoch nicht die mit dem Vertrag für den Kläger verbundenen Nachteile, insbesondere die erheblichen Beitragsunterschiede nach Eintritt des Klägers in das Rentenalter.“

 Interessant ist damit die folgende Aussage, welche in der praktischen Abwicklung nicht ganz einfach sein dürfte.

 „Die Beklagten haben den Kläger rückwirkend zum 1. März 2009 so zu stellen, als hätte er nicht unter Kündigung seiner gesetzlichen Krankenversicherung eine private Krankenversicherung bei der Beklagten zu 2) abgeschlossen, sondern wäre weiter in der Krankenkasse gesetzlich versichert. (…)  Soweit die Parteien die Abwicklung so gestalten, dass der Kläger in Zukunft nur noch die Leistungen in Anspruch nimmt, die ihm auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stehen, stellt die Erstattung dieser Leistungen, auch wenn sich möglicherweise ein solcher Tarif im technischen System der Beklagten zu 2) nicht abgebildet ist, nicht etwa eine unmögliche Leistung dar. Dies hat die Beklagte zu 2) auch in ihrem nicht nachgelassenen Schriftsatz vom 16.6.2015 nicht vorgetragen. Sie hat insoweit lediglich vorgetragen, dass eine Abwicklung des Vertrages des Klägers über ihr elektronisches System erfolgen könne, und sich insoweit zum Beispiel eine Versicherung im PKV Basistarif zu PKV prämientechnisch nicht darstellen lassen. Die Beklagte zu 2) hat den Kläger gegebenenfalls durch individuelle Abrechnung so zu stellen, als wäre er weiter in der gesetzlichen Krankenkasse versichert.

Das hier ergangene Urteil dürfte nicht nur aufgrund der Schadensersatzforderung, sondern insbesondere auch aufgrund der technischen Abwicklung ein größeres Problem für die private Krankenversicherung (in diesem Falle die Hanse Merkur) werden. Dadurch, dass der Kunde so bestellt werden muss als wäre er in der gesetzlichen Krankenkasse geblieben, muss jede einzelne Rechnung auf das Niveau der GKV umgerechnet werden. Doch was genau passiert mit Arztrechnungen? Der Kunde tritt ja beim Arzt weiterhin als privat Krankenversicherter auf. in der Praxis-und mit steigendem Alter des Kunden- dürfte die Abrechnung und Abwicklung immer komplizierter werden.

Tipp(s) für die Praxis:

1.) in die private Krankenversicherung wechselt man nie, aber auch absolut niemals um Geld zu sparen

2.) jeder Wechsel hat immer Vor-und Nachteile, welche abgewogen werden müssen

3.) Ein Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse in die private Krankenversicherung mit einem Eintrittsalter größer 50 macht nahezu niemals Sinn, dennoch kann es Einzelfälle geben, wo auch eine solche Konstellation gewünscht ist. Hierbei ist jedoch ein besonders hohes Maß an Beratung notwendig, und es sind die Unterschiede und Risiken deutlich darzustellen

4.) Krankenversicherung gehört zu Spezialisten, das sind meist keine Mitarbeiter von Banken, die nebenher „so ein bisschen Versicherung beraten“ !

5.) überlegen Sie gut, sehr gut, welches System für Sie geeignet ist und bedenken Sie grundsätzlich immer Vor- und Nachteile. Es schadet niemals, die zweite Meinung eines Spezialisten einzuholen.

Das Urteil im Volltext können Sie hier herunterladen.

Urteil des OLG HAMM, 24.6.2015, 2 U 116/13 (c) OLG Hamm

07.
Juli '15

Tätowierungen, Laser-oder Schönheitsbehandlungen- warum die gesetzliche Krankenkasse auch für Folgeschäden nicht leisten will (und muss)


Es ist ein Problem, welches vielen gesetzlich krankenversicherten (GKV) Patienten, die Leistungseinschränkungen bei bestimmten Behandlungen. Ein sehr interessanter Fall wurde gestern Abend in der Fernsehsendung Markt beschrieben, dabei ging es um einen Patienten mit der Erkrankung Rosazea, einer schmerzhaften Hauterkrankung. (Mehr Informationen zu der Kranken selbst finden Sie hier: –> Rosazea, Behandlung und Information) Die Behandlungsmethoden sind unterschiedlich und reichen von verschiedenen äußerlichen Anwendungen über die Vermeidung von Stress und dergleichen.NRD Markt Video

Doch der entscheidende Punkt in dem Beitrag war ein anderer. Der Versicherte hatte von einer Behandlung mittels Laser gehört und dieses auch in einer Werbung eine Hautarztpraxis gelesen. Daraufhin fragte er bei der gesetzlichen Krankenkasse, der DAK an, welche dieses ablehnte. Die Krankenkasse teilte dem Kunden mit, dass es sich bei dieser Behandlung um eine kosmetisch-ästhetische Behandlung handle, und sie daher eine Kostenübernahme nicht erklären können. Grundlage dafür ist das Sozialgesetzbuch Nummer V, hier verbietet der Paragraph 12 all diejenigen Behandlungen, die nicht dem so genannten Wirtschaftlichkeitsgebot entsprechen, also insbesondere Behandlungen die keine medizinische Notwendigkeit haben. Der genaue Wortlaut lautet:

§ 12
Wirtschaftlichkeitsgebot
(1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.

Hier geht es also nicht um eine finale Entscheidung der Krankenkasse, sondern vielmehr um die gesetzliche Vorgabe und das Verbot einer solchen Erstattung. Das war jedoch nicht das Thema des Beitrages, den der Kunde wusste von der Ablehnung und entschied sich die Kosten für die Laserbehandlung selbst zu tragen. Der Arzt berechnete hierfür einen Betrag von 193,75 € pro Behandlungssitzung, welchen der Kunde selbst bezahlte.

Die erste Sitzung verlief durchaus positiv, so dass sich der Kunde auch zu einer zweiten Sitzung entschied. Doch diese verursachte einiges an Komplikationen. So gab es Spannungen, starke Rötung und sehr schmerzhafte Zustände, wie der Betroffene im Fernsehbeitrag schildert. Nachdem es nicht mehr auszuhalten war entschied sich dieser ein Krankenhaus aufzusuchen und wurde dort vom 10. bis 15. September stationär behandelt. Anscheinend hatte er Verbrennungen zweiten Grades erlitten, welcher nun erst versorgt wurden und auch nach der Entlastung weiter behandlungsbedürftig waren. Der Betroffene schildert weiterhin, dass sein Arzt ihn zwar über geringere Nebenwirkungen aufgeklärt habe, der Hinweis auf solch große und schwer wiegende Nebenwirkungen sei aber nicht erfolgt. Das wird auch im Beitrag nicht weiter aufgeklärt, sondern bleibt so im Raum stehen. Der Kunde wandte sich dann an die Schlichtungsstelle, welche mittlerweile einen Gutachter beauftragt haben.

Die gesetzliche Krankenkasse bezahlte zunächst die Krankenhausbehandlung, forderte diese aber von dem Versicherten zurück. Die Kosten in Höhe von 3.760,01 € will die gesetzliche Krankenkasse DAK (zurecht) nicht erstatten, hierbei beruft sie sich auf den Paragraphen 52 des Sozialgesetzbuches V. Dort heißt es im Detail:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 52 Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden

(1) Haben sich Versicherte eine Krankheit vorsätzlich oder bei einem von ihnen begangenen Verbrechen oder vorsätzlichen Vergehen zugezogen, kann die Krankenkasse sie an den Kosten der Leistungen in angemessener Höhe beteiligen und das Krankengeld ganz oder teilweise für die Dauer dieser Krankheit versagen und zurückfordern.
(2) Haben sich Versicherte eine Krankheit durch eine medizinisch nicht indizierte ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen, hat die Krankenkasse die Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen und das Krankengeld für die Dauer dieser Behandlung ganz oder teilweise zu versagen oder zurückzufordern.

Erst nach erneuter Anfrage an die Krankenkasse hat die DAK sich bereiterklärt die Kosten zu 50 % zu übernehmen, nicht desto trotz bleibt der Kunde hier erstmal auf ca. 1800 € sitzen. Natürlich könnte hier ein Anspruch gegen den Arzt bestehen, begründet in einer falschen oder fehlenden Aufklärung, das kann und will ich nicht beurteilen und ist Sache der Juristen. Daher hat der Kunde im Beitrag auch das Angebot der DRK so nicht angenommen, weil er glaubt und hofft die Kosten vollständig erstattet zu bekommen.

Was für Sie wichtig ist

Denken Sie daran, wenn sie einer Operation, kosmetische Behandlungen oder Tätowierungen vornehmen lassen, die Folgen die daraus entstehen können gehen nicht zulasten der gesetzlichen Krankenkassen. Wenn sich bewusst einer solchen Behandlung unterzieht, der muss auch für eventuelle Kosten danach selber aufkommen. Völlig unberührt davon sind natürlich Schadensersatzansprüche gegen den Behandler, falls dieser fehlerhaft gearbeitet hat, das kann jedoch durch Gerichtsprozesse und lange Behandlungen nicht nur schmerzhaft, sondern auch finanziell sehr belastend sein.

Lehnt eine gesetzliche Krankenkasse eine solche Leistung wie in diesem Falle ab, so wäre aus meiner Sicht ein Hinweis wichtig und notwendig, der speziell darauf hinweist das auch die Folgekosten davon allein zu tragen sind, das hätte hier vielleicht einige Irritation vermieden. Dennoch, auch wenn es nicht extraaufgeschrieben ist, gelten die Vorgaben des Sozialgesetzbuches fünf und damit die Ablehnung der Kosten.

06.
Juli '15

Option auf späteren Versicherungsschutz, doch welches ist der richtige Tarif, welche die richtige Gesellschaft?


Optionen oder auch Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenkasse mit dem späteren Anrecht auf eine Umwandlung in eine private Krankenvollversicherung (PKV) können gerade in jungen Jahren interessant sein, da der Gesundheitszustand konserviert werden kann. So können sich junge und meist gesunde Kunden den Weg in einer PKV sichern, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in der Lage dazu sind und als Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) angehören.

Um einen Gesundheitszustand zu konservieren gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, eines gemeinsam haben jedoch alle: die Auswahl des richtigen, passenden Tarifs ist fast so aufwändig, wie die Auswahl der privaten Krankenversicherung, denn schon jetzt entscheiden Sie sich in den meisten Tarifen für den späteren Umfang des Versicherungsschutzes, zumindest aber in jedem Falle für einen Versicherer. Stellt sich die Auswahl später als falsch heraus, so können Sie natürlich auch dann noch einen anderen Versicherer wählen, dann war jedoch die Vorarbeit durch eine Option oder andere Möglichkeiten schlichtweg „für die Katz“. Daher gilt gerade jetzt, sich ausführlich Gedanken zu machen welchen Versicherungsschutz sind vielleicht später einmal benötigen, welche der Auswahlkriterien zur privaten Krankenversicherung erfüllt sein müssen und natürlich auch, wie flexibel ein solcher Tarif später sein soll.

Die Möglichkeit einer Konservierung des heutigen Gesundheitszustandes, gibt es in unterschiedlichen Modellen. Um etwas einfacher einen Überblick dazu zu bekommen, betrachten wir doch diese Varianten einmal etwas genauer.Option Anwartschaft ZusatzV

Die Anwartschaft

Anwartschaft bedeutet letztendlich nichts anderes, als schon heute einen speziellen Tarif bei einem Versicherer auszuwählen, um diesen später zu aktivieren. Eine solche Anwartschaft sichert also das Anrecht auf den heutigen Gesundheitszustand (dann ist es eine kleine Anwartschaft) oder zusätzlich zu dem Gesundheitszustand auch das Anrecht auf eine  spätere Versicherung mit dem heutigen Eintrittsalter (dann sprechen wir von einer großen Anwartschaft).

Die Anwartschaft ist interessant für all diejenigen, welche heute schon in der privaten Krankenversicherung versichert sind, jetzt aber vorübergehend versicherungspflichtig werden und nahezu sicher sind, eine Rückkehr in die private Krankenversicherung wird später erfolgen. Die kleine Anwartschaft ist natürlich preiswerter, da hier keinerlei Alterungsrückstellungen gebildet werden müssen, dadurch wird jedoch eine der Aktivierung der Beitrag der späteren Versicherung höher. Die große Anwartschaft hingegen sichert auch Alterungsrückstellungen und ermöglicht daher später einen geringeren Beitrag.

Für Kinder von Lehrern oder anderen Beamten, welche schon seit ihrer Geburt in der privaten Krankenversicherung versichert waren, kann eine Anwartschaft auch die richtige Wahl sein. Hiermit sichern Sie sich zum einen das Anrecht auf Rückkehr in die PKV (für den Fall, dass die Versicherungspflicht später einmal endet) zum anderen erhalten Sie auch das Recht auf Rückkehr ohne eine neue Gesundheitsprüfung, denn oftmals sind die Kinder schon seit Geburt dort versichert.

Der Optionstarif

Im Gegensatz zur Anwartschaft, welche auf einen bestimmten Tarif bezogen ist, ermöglicht ein Optionstarif den Wechsel in einen (meist) beliebigen Tarif der jeweiligen Versicherungsgesellschaft. Sie müssen sich also bei Abschluss der Option noch nicht darauf festlegen in welchem Tarif sich später versichert werden wollen, sondern nur auf den jeweiligen Versicherer. Damit ist die spätere Gestaltung des Versicherungsschutzes etwas flexibler, es gibt hier aber keine Möglichkeit das Eintrittsalter zu sichern und die Alterungsrückstellungen aufzubauen. Auf der anderen Seite sind die Kosten für solche Optionstarife in der Regel geringer und selbst wenn es später nicht zu einer Aktivierung kommt, so ist nicht allzu viel Geld verloren. Eines gemeinsam haben diese beiden Varianten jedoch, auch hier gilt eine sorgfältige Auswahl und die detaillierte Betrachtung der –> Auswahlkriterien,  um einen späteren Versicherungsschutz so optimal als möglich sicherzustellen.

Der Optionstarif eignet sich daher für all diejenigen, die heute noch nicht wissen ob ein späterer Weg in die private Krankenversicherung möglich sein wird. Hiermit lässt sich die Gesellschaft vorher festlegen, es bleibt aber viel Flexibilität und Wahlmöglichkeit für den Umfang der späteren Versicherungsschutzes. Diese Optionstarife gibt es in unterschiedlicher Ausgestaltung, meist müssen diese jedoch in einer bestimmten Frist nach Wegfall der Versicherungspflicht aktiviert werden. Wer also zunächst einmal angestellt tätig ist und die Grenze zur privaten Krankenversicherung nicht erreicht, sich dann selbstständig macht, der muss die Option dann auch nutzen. Er kann nicht unbegrenzt warten und erst in der GKV bleiben und irgendwann später die Option nutzen. Hierbei sind immer die individuellen Regelungen in den Versicherungsbedingungen maßgebend.

Auch wenn Sie heute angestellt sind, später aber vielleicht einer Laufbahn als Beamtin oder Beamter anstreben, dann wählen Sie den Versicherer bitte so aus, dass sie später auch als Beamter ein entsprechendes Tarifangebot dort vorfinden. Eine Option die später nicht aktiviert werden kann weil der Versicherer kein passendes Produkt anbietet, ist nichts wert.

Die Zusatzversicherung mit integrierter Option

Die letzte Möglichkeit sich den späteren Weg in die PKV zu erleichtern, heute aber schon von einem verbesserten Versicherungsschutz zu profitieren, schauen wir uns nun genauer an. Hierbei handelt es sich um eine Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenkasse, welche unterschiedliche Leistungsbereiche abdecken kann. Dazu gehören neben den Kosten für ambulante Behandlungen oder Alternativmedizin auch Leistungen im Bereich der stationären Versorgung, Leistungen für Zahnbehandlungen oder Kieferorthopädie. Eine dieser Zusatztarifbausteine enthält dann eine entsprechende Option. Diese sichert die Möglichkeit später diese Zusatzversicherung in einen Vollversicherungsschutz umzuwandeln und die private Krankenversicherung zu „aktivieren“.

Auch hierbei legen Sie sich natürlich auf die jeweilige Gesellschaft fest, zudem überlegen Sie genau welchen Versicherungsschutz Sie heute bereits im Rahmen der Zusatzversicherung benötigen und wählen beide Bausteine getrennt aus. Zuerst schauen Sie nach dem passenden Zusatzversicherungsschutz, dann nach dem passenden Versicherer für die spätere Vollversicherung (und die notwendige Option) und nur dann wenn beide zusammenpassen, dann stellen Sie den Antrag für beide Vertragsteile einer Gesellschaft. In allen anderen Fällen spricht nichts dagegen die Zusatzversicherung heute bei dem einen und die Optionstarife bei dem anderen Unternehmen zu beantragen.

Die Option auf Krankentagegeld

Leider wird oftmals einer der wichtigsten Bausteine vergessen, dass Krankentagegeld. Dieses sichert einem privat Krankenversicherten Kunden den Verdienstausfall für den Fall, dass der Arbeitgeber nach sechs Wochen keine Leistungen mehr zu erbringen hat. Das sichert auch die Möglichkeit für den Selbstständigen oder Freiberufler, ein solches Krankentagegeld überhaupt zu haben und damit seinen Verdienstausfall auszugleichen. Diese Option auf Abschluss einer Krankentagegeldversicherung ist keinesfalls selbstverständlich. Schließen Sie zum Beispiel nur eine Anwartschaft ab und dabei wird keine Anwartschaft für ein Krankentagegeld abgeschlossen (auch weil einige Versicherer jetzt in jungen Jahren gar nicht anbieten), so besteht später keinerlei Möglichkeit ohne Gesundheitsprüfung an eine Absicherung zu kommen. Gab es in der Zwischenzeit Erkrankungen, so ist ein Abschluss für das Krankentagegeld unter Umständen unmöglich.

Und eine private Krankenversicherung (egal ob als Angestellter, Selbstständiger oder Freiberufler) ohne ein Krankentagegeld ist existenzgefährdend und sollte niemals abgeschlossen werden. Heute existieren leider viele Anwartschaften ohne diesen wichtigen Baustein und verhindern damit den Weg in die PKV. Denn wer auf Grund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen kein Krankentagegeld mehr versichern kann, oder dieses nur mit erheblichen ausschließen oder Risikozuschlägen, der kann dann auch nicht die Anwartschaft nutzen, weil eine Absicherung des Verdienstausfalls nicht möglich wird.

Welche MöglichkeitIst die richtige für mich?

Eine generelle Empfehlung was „richtig“ oder „falsch“ ist, die gibt es auch hierbei nicht. Das kennen wir schon von anderen Bereichen meiner Homepage, es gibt immer nur das auf die eigene Situation am besten passende Produkt.