15.
Oktober '14

Rot, grün, blau oder gelb? Was die unterschiedlichen Farben des Rezeptes bedeuten und wann es eingelöst werden muss


Rezepte, nicht die die beschreiben wie sie ihre Lieblingssuppe zubereiten, sondern die die der Arzt Ihnen ausstellt um Sie von einer Krankheit zu heilen, genau um diese Art von Rezepten soll es heute gehen.

Wer schon einmal war bei seinem Arzt gesessen hat, einen Blick über dessen Schreibtisch wirft, der sieht unterschiedlich bunte “Zettel”. Doch warum verwendet der Arzt verschiedene Farben, will er doch mit allen nur ein Medikament für seinen Patienten verordnen.

KassenrezeptFangen wir mit dem am häufigsten verwendeten Rezept an. Das rosarote Rezept kennt jeder, der in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und ein Medikament verordnet bekommt. Hiermit erkennt der Apotheker sofort, dass es sich um ein Medikament handelt, welches die gesetzliche Krankenkasse (gegebenenfalls mit Zuzahlung) erstattet.

Auf diesem Rezept sind also Medikamente verzeichnet, welche apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig sind. Ausnahmen sind jedoch bei Medikamenten und Hilfsmittel möglich, die unter die “bedingt verordnungsfähig” Kategorie fallen, wie auch bei bestimmten Medizinprodukten.

Für dieses Rezept gibt es zwei unterschiedliche Fristen. Zunächst einmal kann der Patient das Rezept binnen drei Monaten bei der Apotheke einlösen und hat auch so lange ein Anrecht, das verordnete Medikament zu bekommen.

Aber Achtung: die gesetzliche Krankenkasse muss das Medikament nur dann erstatten, wenn es binnen einen Monats nach Aufstellung auch eingelöst wird. (ob der Monat genau 28, 30 oder 31 Tage hat, wird von den Krankenkassen unterschiedlich gehandhabt und ist gegebenenfalls von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich) Nur bei einer Einreichung binnen 28 Tagen ist der Apotheker sicher, auch sein Geld zu bekommen, daher kann er durchaus danach die Einreichung (wenn durch GKV erstattet werden soll) verweigern.

Auf der Internetseite des gemeinsamen Bundesausschusses können Sie nachlesen, welche Medikamente verschreibungspflichtig sind.

pkvrpblau_1Das nächste Rezept ist ein blaues. Dieses Rezept wird bei Privatpatienten verwendet, wobei es keine zwingender Formvorschrift gibt. Der Arzt kann Ihnen ebenso gut auf einem weißen Blatt Papier, einem grünen Rezept (siehe unten), einem Bierdeckel oder der Rückseite eines Kassenzettel ein Medikament verordnen.

Ein solches Privatrezept hat eine Gültigkeit von drei Monaten. Durch dieses andersfarbige Rezept weis der Apotheker sofort, es handelt sich um einen Privatpatienten und dieser zahlt sein Medikament vollständig in der Apotheke und bekommt es (soweit versichert) von der PKV erstattet.

Je nach versichertem Tarif kann eine Erstattung hier natürlich auch eingeschränkt sein, und nur eine Verordnung bedeutet nicht zwingend dass die private Krankenversicherung das Medikament auch bezahlt.

gruenes_rezeptDas grüne Rezept: Genau betrachtet handelt es sich um gar kein Rezept im eigentlichen Sinne, denn der Arzt empfiehlt hier seinem Patienten ein bestimmtes Medikament. Auch für so genannte Lifestyleprodukte kann der Arzt dieses nutzen.

Es handelt sich dabei um nicht verschreibungspflichtige aber dennoch apothekenpflichtige Medikamente. Alle Verordnungen auf einem grünen Rezept müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. Ein Beispiel für Medikamente sind bestimmte Präparate bei leichten Erkältungen, die nicht verordnungsfähig sind.

Eine besondere Gültigkeit gibt es für dieses Rezept nicht.

BTM RezeptDas besondere, gelbe BTM Rezept. Es gibt noch ein weiteres Rezept, welches Sie hoffentlich nicht so schnell brauchen. Es handelt sich hierbei um das so genannte Betäubungsmittelrezept. Mit diesem Rezept verordnet der Arzt Medikamente, welche unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Hierbei handelt es sich um stärkere Schmerzmittel, oder weitere Betäubungsmittel.

Dieses Rezept ist nur sieben Tage gültig. Es muss also innerhalb dieser sieben Tage bei der Apotheke eingelöst sein, der Ausstellungstag zählt hier als ein Tag mit. Ein Rezept, welches am 01.01. ausgestellt wird, ist somit am 8.1. abgelaufen. Hat der Apotheker das Medikament nicht vorrätig, so könne es bestellen. Wichtig ist aber das rechtzeitige einreichen, das Rezept danach seine Gültigkeit verliert.

Es besteht aus einem Original und zwei Durchschlägen, wovon eines bei dem Arzt verbleibt, die anderen beiden gehen zunächst zur Apotheke. Dieses besondere Rezept ist mit fälschungssicheren Merkmalen ausgestattet, und an weitere strenge Auflagen gebunden. Mehr Informationen zu der rechtlichen Grundlage und den genauen Vorgaben finden Sie unter anderem auf Wikipedia. Diese Rezepte müssen vom Arzt gesondert aufbewahrt werden, immer unter Verschluss gehalten und die Verordnungen werden durch die Bundesopiumsstelle überprüft. (Mehr Informationen)

Was müssen Sie nach beachten?

Wenn Sie sich nicht alle unterschiedlichen Fristen und Abläufe vermerken wollen, dann sollten Sie Ihre Rezepte immer sofort nach Verordnung einlösen. Meist empfiehlt auch der Arzt eine sofortige Einnahme Und es macht wenig Sinn die Rezepte zuhause zu lagern.

Ob sie das Rezept (falls Sie privat versichert sind) direkt einreichen, oder zusammen mit den Arztrechnungen aufheben um eine eventuelle Beitragsrückerstattung nicht zu gefährden, das hängt von Ihrem Tarif und den persönlichen Vorgaben ab. Als Privatpatient sollten Sie zudem darauf achten, dass auf dem Rezept eine Diagnose angegeben ist, oder sie dieses zusammen mit der entsprechenden Arztrechnung einreichen. Nur so kann der Versicherer erkennen, welche Erkrankung zu dem verordneten Medikament gehört.

Danke auch an Hr. Powalowski für die fachlichen Ergänzungen als Apotheker.

09.
Oktober '14

WWK mit neuer BU Aktion mit vereinfachten Gesundheitsfragen- gültig bis Ende Dezember


Gestern schrieb ich hier im Blog bereits über die Notwendigkeit des BU-Abschlusses noch in 2014, nun folgt auch eine Lösung für all diejenigen, welche gesundheitlich “nicht ganz fit” sind und daher eher den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen in Erwägung ziehen.

Nachdem die Signal Iduna ihre aktuelle BU Aktion bis Jahresende verlängert hat (KLICK! für mehr Infos), folgt nun auch die WWK mit einer neuen Aktion bis zum Jahresende. Die Versicherer scheinen durchaus Gefallen an solchen Aktionen zu finden, und so wiederholen sich diese Aktionen aus dem letzten Jahr.

WWK BU Aktion 2014Wer kann mitmachen?

Die WWK hat diese Aktion mit vereinfachten Gesundheitsfragen nicht auf bestimmte Berufe, auch nicht auf ein Eintrittsalter und auch nicht auf besondere Freizeitrisiken beschränkt, so dass nahezu jeder (der in der Berufsunfähigkeit bei der WWK versichert werden kann) an dieser Aktion teilnehmen darf.

Welche Rente ist möglich?

Anders als bei der Signal Iduna mit (unschlagbaren) 2.000 € monatlich, sind bei der WWK Lebensversicherung bis zu 1.000 € monatlicher BU Rente versicherbar. Unter Berücksichtigung bereits bestehender anderer Absicherungen dürfen hierbei maximal 2.500 € monatlich oder 60 % vom Bruttoeinkommen (Durchschnitt der letzten drei Jahre vor Antragstellung) beantragt werden.

Weiterhin darf die versicherbare Dynamik (was ist das eigentlich?) maximal 3 % betragen. Es bestehen zudem alle im Vertrag enthaltenen Nachversicherungsgarantien. Auch das ist er ungewöhnlich, da die Versicherer meist bei solchen BU Aktionen eine solche Nachversicherung ausschließen.

Welche Gesundheitsfragen stellt der Versicherer?

Dazu sehen wir uns einmal den Antrag genauer an und betrachten dabei jeder einzelne Gesundheitsfrage für sich. Die erste Frage ist dabei, wie üblich, die Frage nach Größe und Gewicht. Bei der zweiten Frage geht es dann jedoch an die Vorerkrankungen.

2.) Hatten Sie in den letzten fünf Jahren wegen der gleichen Erkrankung mindestens vier Mal Arzt- oder Arztpraxiskontakt (ambulant, stationär oder wegen Medikamentenverschreibung) oder sind Sie in den letzten fünf Jahren operiert worden oder sind in den nächsten 12 Monaten ärztlicherseits Untersuchungen oder Behandlungen angeraten? Vorsorgeuntersuchungen ohne konkreten Beschwerde- oder Krankheitsanlass und ohne pathologischen Befund, Zahnarztbehandlungen, Behandlungen wegen Erkältungen oder beschwerdefrei ausgeheilten Haushalts- oder Sportverletzungen mit weniger als einer Woche Krankheitsdauer können für diese Erklärung ignoriert werden.

O.K., da hat der Versicherer viele Fragen in eine gepackt. Zunächst einmal geht es um die letzten fünf Jahren vor Antragstellung (also nicht Kalenderjahre sondern 60 Monate zurück). Hier möchte er wissen, ob sie wegen einer Erkrankung mindestens vier mal Kontakt zum Arzt/oder der Praxis hatten. Das kann also auch ein Wiederholungsrezept sein, was sie sich zwar regelmäßig abholen, welches aber keine Behandlung erfordert.

Entscheidend wird hier sein was der Versicherer in seiner Akte notiert hat. Ohne Einsicht in die Krankenakte wird diese Frage niemand sauber und sicher beantworten können. Nur Erkrankungen, welche binnen einer Woche ausgeheilt waren (Und Vorsorgeuntersuchungen, Erkältungen und Zahnarztbehandlungen), fallen hier nicht darunter und können daher ignoriert werden. Damit wird diese Frage für eine Reihe von Kunden mit ja zu beantworten sein und die Aktion für diese er nicht infrage kommen.

Danach folgt eine weitere Frage, welche lautet:

Bestehen bei Ihnen derzeit körperliche, psychische oder geistige Beeinträchtigungen (z.B. Missbildungen, Folgen von Operationen oder Unfällen, Bandscheibenvorfall, Wirbelsäulenschaden, Amputationen, Hirnleistungsstörungen, Gedächtnisverlust), wurde bei Ihnen eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE), ein Grad der Schädigungsfolgen (GdS), eine Behinderung (GdB) oder eine Wehrdienstbeschädigung (WDB) anerkannt oder in den letzten 12 Monaten beantragt?

Auch diese Frage hat es “in sich” Anführungsstriche oben, in es geht um derzeitige Beeinträchtigungen. Diese können laut der Fragestellung körperlich, psychisch oder geistig sein und demnach fällt fast alles darunter, was irgendwie eine Beeinträchtigung des Versicherten darstellt. Dabei ist die Ergänzung der Frage zur Minderung der Erwerbsfähigkeit, bestehende Behinderung und dergleichen er schon “proforma”, da dieses schon im ersten Teil der Frage erfasst wird. Angabepflichtig sind hier somit auch psychische Beschwerden (zum Beispiel am Arbeitsplatz) oder auch Kopfschmerzen die regelmäßig mit frei verkäuflichen Medikamenten behandelt werden (und demnach keinen Arzt Kontakt, wie in Frage zwei erfasst, erfordern).

Damit sind die eigentlichen Gesundheitsfragen auch schon erledigt, nun folgen noch Fragen zur bestehenden Absicherung und ebenfalls zu bereits abgelehnten Anträgen.

WWK Aktionsantrag Fragen 4 und 5Besonderheiten:

Es gibt noch eine (ungewöhnliche) Besonderheit in dem Antrag. Der Beginn des Vertrages ist fix auf den 1.1.2015 eingetragen, das bedeutet auch dass der Versicherer zwar mit dreimonatigen beitragsfreien Versicherungsschutz wird, der Vertrag selbst aber dem neuen Rechnungzins (und damit einer höheren Prämie und dem Eintrittsalter 2015 unterliegt. Diese sollten Sie bei dem Vergleich mit anderen Angeboten beachten.

Fazit:

Der Tarif und die dazu zu Grunde liegenden Versicherungsbedingungen des Produktes BioRisk der WWK Versicherungen haben vor-und Nachteile wie jeder andere Tarif am Markt auch. Ob also diese Aktion infrage kommt oder ob vielleicht eine andere Aktion/ein anderer Tarif besser auf Ihre Bedürfnisse passt, das finden Sie unter anderem anhand der Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung (Klick zu weiteren Infos! heraus.

Die Gesundheitsfragen sind meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen, da aufgrund der Formulierung und einer (nur) beispielhaften Aufzählung umfangreiche Angaben gemacht werden müssen. Wer auch nur eine Frage mit ja beantworten muss, der muss weiterhin den Standardantrag des Versicherers nutzen und kann nicht auf die vereinfachten Fragen dieser Aktion zurückgreifen. Dennoch wird es auch für diese Aktion ein entsprechendes Klientel geben, bitte prüfen Sie aber genau und fordern in jedem Fall vor Antragstellung entsprechende Auszüge aus der Krankenakte (Musterformulare hier!) an um sicher zu gehen, keine ansprechende Erkrankung zu vergessen.

Weitere Unterlagen:

Aktions-Antrag Berufsunfähigkeit 2014

Versicherungsbedingungen Tarif BS05

08.
Oktober '14

Die wichtige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit wird zum 1. Januar 2015 deutlich teurer- warum sie trotzdem überlegt und in Ruhe überlegen sollten


Dieser Satz „Alles wird teurer“ gehört auch zu den letzen, die man manchmal schon nicht mehr hören kann. Doch es gibt Entwicklungen, welche nun einmal unumstößlich sind und dazu führen, dass eine wichtige Absicherung ab einem bestimmten Termin teurer wird. Vor einer solchen Veränderung stehen wir auch bei der Absicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit und damit in vielen Fällen dem Beginn einer finanziellen Katastrophe.

In diesem Beitrag soll es gar nicht um das Produkt der Berufsunfähigkeit selbst gehen, das können Sie auf meiner Homepage in aller Ausführlichkeit unter dem Punkt Berufsunfähigkeit nachlesen, es soll aber darum gehen wie Sie diesen Versicherungsschutz noch rechtzeitig bekommen. Die Versicherer verstehen es natürlich auch, solche Termine verkaufsfördernd auszunutzen und werden nicht nur mit steigenden Prämien, sondern viele Berater drängen gerade jetzt auf einen schnellen Abschluss. Frei nach dem Motto „kaufen Sie lieber heute, morgen wird’s teuer“ werden leider auch in diesem Jahr wieder viele unüberlegte Entscheidungen getroffen werden, welche sich im Anschluss nicht nur als falsch herausstellen, sondern in einigen Fällen auch nicht mehr zu korrigieren sind.

Was genau passiert zum 1. Januar 2015?

Zu diesem Termin ändert sich der Garantie Zins in der Lebensversicherung, wovon also auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit betroffen sein wird. Dieser, für die Kalkulation der Beiträge wichtige Zins, wird von derzeit 1,75 % auf 1,25 % gesenkt. Diese Senkung führt also dazu, dass mehr Beiträge aufgewendet werden müssen, um am Ende der Vertragslaufzeit zu dem gleichen Ziel zu kommen. Schauen wir uns zunächst einmal ein ganz einfaches Beispiel, völlig losgelöst von der Versicherung, an und versuchen damit den Einfluss des Zinssatzes auf das gewünschte Ergebnis plastisch darzustellen.

Zins und Endkapital

Wie Sie hier gut erkennen können, erhalten Sie bei gleicher monatlicher Sparrate am Ende mehr als 3.600 € weniger ausgezahlt, dieses ist allein dadurch bedingt, dass der Zinssatz sich um vergleichsweise kleine 0,5 % verringert hat. Um auf das gleiche Resultat zu kommen, müssten sie monatlich statt der bisher angefachten 100 € nun 108,28 € ansparen. Das wiederum bedeutet einen monatlichen Mehraufwand von mehr als 8 %.

Und wie wirkt sich das auf die Berufsunfähigkeitsversicherung aus?

„Ich will er für eine Risikovorsorge und nichts ansparen“ könnte jetzt die erste Reaktion sein, und damit haben Sie natürlich recht. Einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte zunächst einmal der Absicherung des Risikos dienen und nicht an einen Sparanteil gekoppelt sein. Dennoch wirken natürlich auch hier die „Kräfte“ des Zins und Zinseszinseffektes und verändern den notwendigen Beitrag. In ihrem Beitrag zu der Berufsunfähigkeitsversicherung ist neben einem Risikoanteil eben auch der Beitragsanteil enthalten, welche mit dem Kalkulationszins berechnet ist und verzinst wird. Wird also ein geringerer Zins zugrunde gelegt, so sind am Anfang höhere Prämien (in unserem Beispiel oben der Sparanteil) erforderlich, um am Ende auf den gleichen Versicherungsschutz (in unserem Beispiel das Grundkapital) zu kommen.

Wie das genau an einem praktischen Beispiel aussieht, das habe ich hier einmal für Sie berechnet:

BU Beitrag 2014 und 2015

Schauen wir uns diese Zahlen nun einmal genauer an, so lassen sich zwei Punkte feststellen. Durch den gesunkenen Garantie Zins muss unser Beispielkunde für seinen Versicherungsschutz zur Berufsunfähigkeit monatlich einen 10,48 € höheren Beitrag aufwenden. Durch die Anrechnung der Überschüsse ergibt sich bei dem zu zahlenden Beitrag eine Erhöhung von 7,96 € bzw. etwas über 7 % Steigerung. Es mag auf den ersten Blick ein geringerer bzw. noch zu verkraften der Betrag sein, rechnen wir diesen aber auf die Versicherungslaufzeit (bis zum Endalter 67) hoch, so zahlt unser Kunde in diesem Beispiel 3.536,21 € mehr Beitrag. Dieses ist dann wiederum ein doch recht beachtlicher Betrag.

Natürlich ist es anstelle des höheren Beitrages auch möglich, auf einen Teil der Versichertenrente zu verzichten. In diesem Berechnungsbeispiel bekäme der Kunde monatlich etwa 50 € weniger Berufsunfähigkeitsrente, würde er bei einem Abschluss in 2015 den Beitrag zahlen, der in diesem Jahr angefallenen wäre. Auch hier die Hochrechnung auf die Gesamtlaufzeit, so entspricht es einer jährlich um 600 € verringerten Rente, bei 37 Jahren Laufzeit ergibt das dann bis zu 22.200 € weniger in der eigenen Tasche.

Was passiert mit dynamischen Erhöhungen?

Falls Sie in Ihrem Vertrag eine dynamische Anpassung vereinbart haben/vereinbaren wollen, also eine jährliche Erhöhung des versicherten Rentenbetrages, so gilt auch für diese Erhöhungen der heute festgelegte Zinssatz. Die dynamische Erhöhung ist einer Anpassungsmöglichkeit des bestehenden Versicherungsschutzes, diese wird Ihnen jährlich angeboten und kann je nach aktuellem Bedarf angenommen oder auch abgelehnt werden. Das bedeutet, Sie können Ihren Versicherungsschutz auch bei bestehenden Krankheiten im Rahmen der Dynamik erhöhen, und sichern sich somit auch hier heute dauerhaft den entsprechenden Zins von aktuell 1,75 %.

Was tun, falls schon ein Versicherungsschutz besteht?

Für den Fall, dass sie bereits mit einer Absicherung für das Risiko der Berufsunfähigkeit vorgesorgt haben, so gilt hier natürlich der Zinssatz des damaligen Abschlusses. Dieser kann durchaus höher sein, als der heute geltende Zins von 1,75 %. Dennoch sollte auch ein bestehender Versicherungsschutz immer wieder an den Bedarf angepasst werden, und so kann es auch hier erforderlich sein, die Rentenhöhe, das Endalter, oder die Rahmenbedingungen des Vertrages zu überprüfen. Bitte beachten Sie dabei insbesondere die Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit und die (unter Umständen veränderten) persönlichen Anforderungen an den Versicherungsschutz.

Sollten Sie bei dieser Überprüfung feststellen, dass einer Anpassung erforderlich ist, so überlegen Sie bitte rechtzeitig wie und wann dieses passieren soll. Auch hier gilt, eine Veränderung in 2014 kann finanziell deutlich sinnvoller sein, als ein Änderungsantrag in 2015.

Ergibt sich bei der Überprüfung die Notwendigkeit den Versicherungsschutz generell zu wechseln, dann finden Sie in meinem Beitrag Hilfestellung zur Kündigung eines bestehenden Vertrages zur Berufsunfähigkeit.

Ich/mein Kind studier(e)/t noch, kann ich die Konditionen sichern?

Wer heute noch nicht in der Lage ist, einen entsprechenden Vertrag zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft abzuschließen, der sollte überlegen ob und wie er sich seine Konditionen erhalten kann. Zunächst einmal gilt für Auszubildende und Studenten, dass diese bereits jetzt einen entsprechenden Schutz haben sollten. Dort geht es weniger um den oben genannten Zins, sondern vielmehr um den eigenen Gesundheitszustand und die heute bessere Berufsgruppe. Weitere Informationen dazu finden Sie in meinen Beiträgen mit Tipps für die Absicherung von Auszubildenden oder dem Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten.

Auch diejenigen, welche sich den Beitrag derzeit finanziell nicht leisten können, werden von den Konditionen 2014 nicht unbedingt ausgeschlossen. Auch hier gibt es durchaus Versicherer, welche so genannte „Startoptionen“ anbieten, dabei handelt es sich meist um einen verminderten Anfangsbeitrag und damit einen einfacheren Start bei geringerer Prämie aber dennoch bestehendem, vollständigem Versicherungsschutz. Ob eine solche Option jedoch sinnvoll ist, geht es genau zu überlegen und abzuwägen.

Bitte nichts über allen und in Ruhe überlegen!

Gerade solche Termine zum Jahresende mit der Aussicht auf höhere Beiträge im nächsten Jahr verleiten viele Kunden dazu, sich einen Versicherungsschutz „andrehen zu lassen“ und vorschnell (nur der Konditionen wegen) eine Unterschrift unter einen Antrag zu setzen. Dieses ist jedoch der gänzlich falsche Weg, denn gerade ein so langfristiger Versicherungsvertrag wie bei der Absicherung der eigenen Arbeitskraft, will gut überlegt sein.

Bereiten Sie die Antragstellung sorgfältig vor!

Ein anderer, mindestens genauso wichtiger Aspekt spielt bei der Antragstellung noch eine Rolle. Die Anträge auf Abschluss einer Versicherung bei Verlust der eigenen Arbeitskraft enthalten recht umfangreiche Gesundheitsfragen. Hier geht es insbesondere darum, diese sorgfältig und vollständig zu beantworten. Ab einer bestimmten Rentenhöhe (bei einigen Unternehmen sind es 2.000 €, bei anderen 2.500 € Monatsrente, wobei teilweise bestehende Renten angerechnet werden) werden zudem ärztliche Untersuchungen erforderlich. Hier kann es also durchaus einige Zeit in Anspruch nehmen, denn neben der Antragstellung muss noch ein Arztbesuch organisiert, müssen Laborwerte erhoben und weitere Befunde geklärt werden.

Aus diesem Grund sollten Sie sich rechtzeitig mit der Materie auseinandersetzen und gemeinsam mit Ihrem Berater entscheiden, wann und bis zu welchem Termin ein Handlungsbedarf besteht.

Die übereilte Antragstellung, nur um sich noch vermeintlich gute Konditionen zu sichern, mit „schlampig ausgefüllten Gesundheitsfragen“ kann also ganz schnell nach hinten losgehen und dafür sorgen, dass der komplette Versicherungsschutz im Leistungsfall nichts wert ist. Hier gilt die Devise: lieber sorgfältig arbeiten und vielleicht die Konditionen verpassen, als vorschnell abgeschlossen und später ohne Versicherungsschutz!

Weitere Informationen zur Auswahl des passenden Versicherungsschutzes finden Sie in meinem kostenlosen Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung, unter dem Menüpunkt Auswahlkriterien zur Berufsunfähigkeit (KLICK!) und auch mithilfe des Kriterienfragebogens für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Falls die Gesundheitsfragen und die Abfragezeiträume problematisch sind, so schauen Sie sich bitte die laufenden Aktionen zur Berufsunfähigkeit mit vereinfachten Gesundheitsfragen (KLICK) etwas genauer an.

06.
Oktober '14

Soll ich als junger Mensch heute noch in die Private Krankenversicherung? Überlegungen zu unterschiedlichen Systemen


Eine interessante Frage, welche ein Maklerkollege in einem Forum gestellt hat. Grund dafür war sein Wechsel zu einer Kapitalgesellschaft und er überlegte somit nun für sich selbst, ob das eine (gesetzliche) oder das andere (private) System nun das passende ist. In meinen, bald in dritter Auflage erscheinenden “Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung” habe ich bereits einige grundlegende Unterschiede hierzu erklärt, ebenso finden sich hier Informationen zu der Funktionsweise beider Systeme. Doch zurück zur eigentlichen Frage, die er nicht nur diesen (auf Sachversicherungen spezialisierten) Kollegen betrifft, sondern auch viele meiner Kunden. Auch hier stellt sich grundsätzlich die Frage, welches Krankenversicherungssystem langfristig das bessere passender für den jeweiligen Interessenten ist.

Um eine solche Entscheidung treffen zu können, sind ganz viele unterschiedliche Punkte zu berücksichtigen und es geht dabei nicht, nicht einmal nachrangig um die Prämie sondern um eine grundsätzliche Entscheidung, welche von Leistungen, der eigenen Zukunftsplanung und den persönlichen Ansprüchen getragen werden sollte.

Familien immer in die Gesetzliche Krankenkasse (GKV)?

Auch hier hilft uns eine pauschale Aussage leider überhaupt nicht weiter. Es gibt durchaus eine Reihe von privat versicherten Kunden, welche dort überhaupt nicht hingehören, auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Familien (auch in meinem Kundenkreis) welche sich bewusst und unter Kenntnis der finanziellen Belastungen für das System der privaten Krankenversicherung entschieden haben. Auch hierzu habe ich bereits etwas in meinem Beitrag “Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen” geschrieben und versucht deutlich zu machen, dass es auch langfristig kein Modell zum Geld sparen ist.

Weiterhin stellt sich natürlich hierbei die Frage der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit und der heutigen (und langfristigen) finanziellen Situation. Diese ist leider nicht immer im Detail planbar und daher bergen natürlich beide Systeme unterschiedliche Risiken. Besondere Vorteile, welche in der gesetzlichen Krankenkasse oftmals angeführt werden, gelten auch hier nicht für jeden (freiwillig) Versicherten. Dazu zählen unter anderem die Beitragsfreiheit während der Elternzeit, aber auch die Tatsache dass ein Elternteil bei Erkrankung des Kindes krank geschrieben werden kann. Die Beitragsfreiheit kann in einigen Tarifen der privaten Krankenversicherung ebenfalls enthalten sein, ist jedoch kein genereller und verpflichtender Bestandteil. Dieses ist also ein weiterer Punkt, welcher bei der Auswahl des entsprechenden Tarifs und der Gesellschaft berücksichtigt werden sollte.

“Ich bleibe in der GKV, dann kostet das Kind nichts.”

Wirklich? Auch dieser, immer wieder aufgezählte, Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse ist in jedem Fall genau zu durchleuchten. Hierbei spielt es unter anderem eine Rolle, ob die Eltern verheiratet sind und in welchem der beiden Systeme wer versichert ist. Damit Sie ganz einfach herausfinden können ob es einen beitragsfreien Versicherungsschutz für ihr (zukünftiges) Kind gibt, werden sie gern einmal einen Blick auf mein Schaubild zur Versicherung der Kinder in der Krankenversicherung.

Eine generelle Aussage, dass Kinder demnach immer beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse sind, stimmt daher nicht. Auch solltest durchaus Kinder geben, welche aus bestimmten Überlegungen der Eltern ein eigenes Einkommen haben und auch hier unter bestimmten Umständen aus einer beitragsfreien Familienversicherung eine kostenpflichtige, freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse werden kann.

“Die Leistungen die mir fehlen, die gleiche ich mit einer Zusatzversicherung aus.”

Natürlich lassen sich einige Bereiche der privaten Krankenversicherung durchaus mittels einer Zusatzversicherung zur GKV abdecken, auf der anderen Seite gibt es irgend eine Reihe von Leistungsmerkmalen, welche sich nicht ergänzen lassen. Im stationären Bereich lassen sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durchaus mit einer privaten Zusatzversicherung entscheidend verbessern. Dabei geht es nicht nur um die freie Auswahl des Krankenhauses, sondern auch um eine Versorgung in einem Ein-oder Zweibettzimmer, oder auch die (zum Teil sehr wichtige) gezielte privatärztliche Behandlung. Dabei geht es gar nicht darum, ob nun unbedingt der Chefarzt einer Klinik derjenige sein muss, der eine bestimmte Behandlung besonders gut kann. Hier herrscht oftmals sogar die Befürchtung, dass die Chefärzte es teilweise sogar „schlechter behandeln“ als der (Ober-) Arzt, der ist die ganze Woche über tut.

Bei der so genannten Wahlleistung Privatarzt geht es vielmehr darum, den gewünschten Arzt einer Klinik gezielt auswählen zu können und sich bewusst für eine Behandlung bei diesem zu entscheiden. Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen, welche zudem noch eine planbare Behandlung ermöglichen, ist die Auswahl eines entsprechenden Arztes mit ausreichender Spezialisierung und Erfahrung unter Umständen von entscheidender Bedeutung.

Mit einer hochwertigen Zusatzversicherung, welche aber durchaus auch dreistellige Monatsbeiträge zur Folge haben kann, lässt sich der gesetzlich Versicherte (fast) auf den Status eines Privatversicherten mit einem leistungsfähigen Tarif anheben. Teilweise ist diese Versorgung sogar besser, als ein leistungsreduzierter (um nicht zu schreiben schlechter) Tarif der privaten Krankenversicherung.

Auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der zahnärztlichen Versorgung, ist eine entsprechende Zusatzversicherung eine Möglichkeit den eigenen, gesetzlichen Krankenversicherungsschutz entsprechend aufzuwerten und sich die gewünschte (hochwertigere) Behandlung damit zu erkaufen.

Bei Kindern denkt man häufig an die (fast schon typische) Versorgung mit einer Zahnspange, also die Behandlung im Rahmen einer kieferorthopädischen Versorgung. Diese ist nicht nur sehr kostenintensiv, hierbei handelt es sich auch um eine Leistungsbereich der nur „so leidlich“ durch eine Zusatzversicherung ausgeglichen werden kann. Es existieren zwar entsprechende Tarife für die kieferorthopädische Versorgung von Kindern, jedoch müssen diese in einem bestimmten Alter abgeschlossen sein, und haben auf der anderen Seite recht hohe Beiträge. Da stellt sich am Ende fast die Frage, ob es sinnvoller ist das Geld selbst zurückzulegen, statt einen entsprechenden Tarif für die KFO Behandlung abzuschließen.

Im Rahmen dieser Aufstellung der Leistungsbereiche in Ergänzung zur gesetzlichen Krankenkasse sei jedoch noch erwähnt, dass auch für das gesetzliche Krankentagegeld eine entsprechende Ergänzung sinnvoll ist, denn wie der Krankengeldrechner Ihnen zeigt, besteht gerade hier ein großes finanzielles Risiko welches in der gesetzlichen Krankenkasse nicht abgedeckt werden kann.

Aber wenn ich doch die Beiträge später nicht bezahlen kann?

Das Risiko steigender Beiträge, unter anderem aufgrund von gestiegenen Gesundheitskosten wird beide Systeme in vergleichbarem Maße treffen. Während die gesetzliche Krankenkasse als umlagefinanziertes System Steuerzuschüsse bekommt und zudem von der Konjunktur abhängig ist, ergeben sich in der privaten Krankenversicherung durchaus andere Probleme. Insbesondere der, der heute auf „Geld sparen“ setzt und glaubt, er wechsle in ein System mit besseren Leistungen und gleichzeitig (langfristig) geringeren Beiträgen der unterliegt einem Irrglauben. Insbesondere die Tarife die heute am Markt deutlich günstiger als andere vergleichbare sind, oder die die hohe Beitragsrückerstattungen ausschütten, werden irgendwann ein Problem mit der Gegenfinanzierung haben.

Man kann Geld schlicht und ergreifend nur einmal ausgeben und die Beträge die heute fehlen, die lassen sich nur schwer wieder hereinholen. Es fehlt ja nicht nur der Betrag X den sie heute monatlich weniger einzahlen, sondern es fehlt insbesondere der Zins und Zinseszinseffekt durch die Wiederanlage dieser Beträge.

Die Beiträge sind sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Das wird sich auch zukünftig zu fortsetzen. Wer also Befürchtungen hat, seine Beiträge langfristig nicht bezahlen zu können, der muss heute gegensteuern und entsprechende Rücklagen für (egal welches) System bilden um diese zukünftigen Anpassungen abfedern zu können.

Dazu bieten sich in der privaten Krankenversicherung unterschiedliche Möglichkeiten, das kann, muss aber nicht ein Baustein zur Beitragsentlastung in dem eigenen Krankenversicherungsvertrag sein. In der gesetzlichen Krankenkasse haben wir in den vergangenen Jahren ebenfalls durchaus deutliche Steigerungen der Beitragssätze bzw. der endgültigen Beitragsbelastung gesehen. Diese hat jedoch durchaus mehrere Gründe und ist nicht immer an der Steigerung des Beitragssatzes nachvollziehbar. Insbesondere trifft es die Versicherten, welche oberhalb der so genannten Beitragsbemessungsgrenze liegen. Durch die Anhebung dieser Grenze, stieg auch die Summe der Beträge, auf welche Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse entrichtet werden müssen. Aus diesem Grund muss sich der Beitragssatz gar nicht verändern, dennoch steigt der Beitrag entsprechend an.

Beitragsentwicklung GKV

Zum 1. Januar 2015 werden wir eine Reduzierung des Beitragssatzes um 0,9 % erfahren, jedoch für das nicht zwingend zu einer Reduzierung der Beiträge. Zum Einen wird die Beitragsbemessungsgrenze angehoben (+900 € pro Jahr) und zum Anderen wird der wegfallende Zusatzbeitrag durch die Krankenkassen aufgefangen werden müssen. Dieses geschieht (so der Wille des Gesetzgebers) mit einem prozentual vom Einkommen abhängigen Zusatzbeitrag. Es wird also nicht mehr ein fester und damit pauschaler Zusatzbeitrag für alle festgelegt, sondern ein bestimmte, prozentualer Anteil der beitragspflichtigen Einnahmen zusätzlich erhoben. Diesen kann man eine gewisse Zeit sicherlich durch ein „Hin-und her wechseln” der GKV entstehen, das wird jedoch nur begrenzt funktionieren.

Die Patentlösung gibt es nicht!

Wer nun glaubt er bekäme einen „schnellen Ratschlag“ welches System für ihn das richtige und passende ist, den muss ich leider auch am Ende dieses Beitrages enttäuschen. Eine pauschale Aussage gibt es nicht, sondern vielmehr eine genaue Abwägung der persönlichen Ansprüche und der Möglichkeiten diese zu realisieren. Dazu muss nicht nur die Unterschiedlichkeit der Systeme verstanden werden, sondern vielmehr muss sich der Interessent/Kunde überlegen, welche Variante er für sich für die passende hält.

PKV macht Arbeit!

Wer sich für die private Krankenversicherung (PKV) entscheidet, der sollte sich ebenfalls klar darüber sein, dass er selbst Zahler gegenüber dem Arzt ist. Sie oder er entscheiden selbst und eigenständig welche Behandlungen sie bei dem Arzt in Anspruch nehmen, denn nur der Patient geht ein Vertragsverhältnis mit dem Arzt ein. Diese schreibe ich auch deshalb so deutlich, weil in den Medien manchmal von einer „Übermaßbehandlung“ von Privatpatienten die Rede ist. Für mein Verständnis gehört nur derjenige in die private Krankenversicherung, der in der Lage und willens ist sich selbst und bewusst mit der Behandlung auseinander zusetzen. Dazu gehört eben auch Behandlungsmethoden abzulehnen oder sich für eine zweite Meinung eines anderen Arztes zu entscheiden.

Grundsätzlich ist dieses Verständnis auch in der gesetzlichen Krankenkasse nötig und sollte normalerweise für jeden Patienten selbstverständlich sein. Dem Irrglauben zu unterliegen, der Arzt machen alles richtig und man ließe das mal alles so „über sich ergehen“ ist nicht nur bei einem privat versicherten Patienten der falsche Ansatz. Der (wie er so gern tituliert wird) „mündige Patient“ ist eine zwingende Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Er ist aber zudem eine zwingende Voraussetzung dafür, dass Gesundheitssysteme langfristig funktionieren.

Wenn Sie also als privat oder auch gesetzlich versicherter Patient das Gefühl haben, Ihr Arzt behandelt sie „nur des Geldes wegen“ oder um irgend eine bestimmte Behandlungsmethode einmal “testen zu können“ dann sollten Sie schleunigst den Arzt wechseln.

Entscheiden Sie sich bewusst!

Wenn Sie also gerade jetzt vor der Frage stehen, ob sie in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung richtig aufgehoben sind, dann tun sie sich zunächst einmal einen großen Gefallen damit, wenn Sie sich Zeit lassen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und versuchen Sie beiden unterschiedlichen Systeme zu verstehen und machen sich genauestens mit den Gegebenheiten in dem einen, wie dem anderen System vertraut. Erst wenn sie verstanden haben wie das System der gesetzlichen Krankenkassen funktioniert, wie sie dieses verlassen können und wie sie auch gegebenenfalls in dieses wieder zurückkehren können, erst dann sollten Sie eine begründete Entscheidung für die private Krankenversicherung treffen.

Haben Sie das System der privaten Krankenversicherung nicht durchschaut, so bleiben sie da wo sie sind. Ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse liegt unter anderem darin, dass Ihnen (Entschuldigen Sie bitte die direkte Formulierung) jemand in verschiedenen Bereichen das Denken abnimmt. Eine Auseinandersetzung mit dem Arzt oder seinen Behandlungsmethoden ist hier trotzdem angeraten, unterlassen Sie dieses ist es unter Umständen aber Anführungsstriche unten nicht so schlimm“, da die Regulierungen der gesetzlichen Krankenversicherung einem gewissen Rahmen bilden.

Diesen regulierenden Rahmen haben sie jedoch in der privaten Krankenversicherung oftmals nicht. Der Arzt geht davon aus, dass all da, was er abrechnen möchte und behandeln möchte auch von Ihnen bezahlt wird und wer die Leistungen beansprucht wird auch zunächst einmal zahlungspflichtig. Das betrifft natürlich nicht falsche Rechnungen und überhöhte Abrechnungen (gegen diese müssen Sie als Privatpatient natürlich vorgehen).

Ich bin, für einen ganz bestimmten Kundenkreis davon überzeugt, dass die private Krankenversicherung das richtige System ist. Ebenso glaube ich aber das viele, welche sich heute in der privaten Krankenversicherung befinden (und durch „windige Berater“ in dieses System gebracht wurden) deutlich besser in der gesetzlichen Krankenversicherung aufgehoben wären. Daher spricht auch nichts dagegen, in einer vernünftigen Beratung einem Kunden von einem Wechsel in das System der PKV abzuraten, und ja, das kann man auch wenn man Versicherungsmakler mit dem Schwerpunkt private Krankenversicherung ist. Ein ebenso vernünftiger Rat am Ende einer Beratung kann lauten: „Die Bereiche X, Y, Z lassen sich durch eine entsprechende Zusatzversicherung dem Anbieter A, B, C ausgleichen, ansonsten bleiben Sie bitte in der GKV!“

Einige von ihnen haben (weil sie genug verdienen, oder sich für eine Selbstherrlichkeit entschieden haben, oder Beamte sind) von dem Gesetzgeber eine Auswahlmöglichkeit zugestanden bekommen, andere müssen sich mit dem System in das sie zwangsweise eingegliedert werden begnügen.

Es gibt eben kein “richtiges oder falsches System”, sondern nur den passenden Interessenten für das passende System.

29.
September '14

Wenn Sie die Gesellschaft oder die GKV/PKV wechseln wollen, dann sollten Sie heute noch handeln


Es gibt in der Vertragswelt manchmal Fristen, die sind einem nicht so gewusst und werden schnell vergessen und darum hier eine kleine Erinnerung. Viele Versicherungen haben als Versicherungsjahr das Kalenderjahr und eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Jahresende.

Das bedeutet in der Praxis, dass morgen am 30. September 2014 wie jedes Jahr ein wichtiges Datum ist. Bis zu diesem Datum muss die Kündigung bei der bisherigen Gesellschaft oder auch der gesetzlichen Krankenkasse eingegangen sein, falls diese noch zum 1. Januar 2015 wirksam werden soll. Bei der gesetzlichen Krankenkasse ist der Termin deshalb wichtig, um gegebenenfalls einen privaten Versicherungsschutz noch zum 1.12.2014 (und damit mit dem geringeren Eintrittsalter) zu beginnen.

Kündigung 30-09

Warum ist der Termin so wichtig?

Dieser Termin ist deshalb wichtig, da Sie sonst ein weiteres Jahr an ihren Versicherungsschutz gebunden sind und somit einen vielleicht nicht optimalen oder gänzlich unpassenden Schutz besitzen. Eine umfassende Überprüfung eines solchen Versicherungsschutzes wird heute oder morgen nicht mehr möglich sein, daher ist zu überlegen welche Schritte möglich und nötig sind um dieses bis zum Jahresende nachzuholen. Zu den Risiken einer solchen Kündigung finden Sie unten, je nach Sparte, einige weitere Informationen.

Kann ich die Kündigung auch per E-Mail oder Fax absenden?

Grundsätzlich können Sie einen Versicherungsvertrag je nach Regelungen in den Versicherungsbedingungen schriftlich kündigen. Eine solche Fristwahrung ist meist auch mit einem Fax möglich, das Original der Kündigung sollte jedoch sehr zeitnah nachgereicht werden. In der Vergangenheit gab es ja durchaus Unternehmen, plötzlich die Faxgeräte zu solchen Terminen ausfielen. Daher ist es grundsätzlich ratsam, neben dem Original auf dem Postweg das Fax an die Gesellschaft zu senden. Dabei ist es jedoch unerheblich an welche Faxnummer dieses Fax verschickt wird. Es muss nicht zwingend die Hauptverwaltung sein, eine Zustellung an einen Vertreter der Gesellschaft (Fax in sein Büro oder persönlich abgegeben in diesem) ist natürlich möglich.

Falls Sie per E-Mail kündigen, so besteht das Problem das bei einer normalen E-Mail keine Unterschrift enthalten ist und die Kündigung damit nicht wirksam. Es spricht natürlich nichts dagegen, eine solche Kündigung auszudrücken, ein zu scannen und dann mit Unterschrift per E-Mail zu versenden. Das Problem daran besteht jedoch gegebenenfalls in dem Nachweis, dass die Kündigung auch bei der Gesellschaft zugegangen ist.

Sollten Sie die Kündigung also auf diesem Wege vornehmen wollen oder müssen, so rufen Sie bitte danach dort an und lassen sich gegebenenfalls Fax den Eingang der Kündigung bestätigen.

Was passiert, sollte ich mich anders entscheiden?

Hier muss die Antwort laute:  „das kommt darauf an“, denn eine allgemein verbindliche Regelung gibt es nicht. Kündigen Sie einen Versicherungsvertrag (zum Beispiel einer Hausrat- oder Haftpflichtversicherung) und der Versicherer bestätigt Ihnen die Kündigung, so wird diese auch entsprechend wirksam. Eine Rücknahme der Kündigung ist nur mit Zustimmung des entsprechenden Versicherers möglich, und so kann es durchaus sein das dieser Sie dann nicht mehr haben möchte.

Anders ist das in der Krankenversicherung. Hier besteht in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Krankenkasse und der Krankenvollversicherung eine Pflicht zur Versicherung. Daher kann ein Vertrag auch nur dann wirksam gekündigt werden, wenn der weitergehende Versicherungsschutz nachgewiesen wird. Diese besondere Regelung findet sich in dem Paragraphen 205 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), dort heißt es:

(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

Dieses bedeutet also in der Praxis, Sie können Ihre gesetzliche aber auch eine bestehende private Krankenversicherung bis zum Ende September kündigen, wird die Kündigung jedoch zum 1. Januar des Folgejahres ausgesprochen, so muss ich zu diesem Zeitpunkt der Nachweis der Weiterversicherung vorgelegt werden. Geschieht das jedoch nicht, weil sie es sich zum Beispiel anders überlegen und doch bei Ihrem Versicherer bleiben möchten, so gilt die Kündigung als unwirksam und der Vertrag zur privaten Krankenversicherung läuft entsprechend weiter.

Auch die Kündigung eine gesetzlichen Krankenkasse funktioniert vergleichbar, denn diese ist mit einer Frist zum Ende des übernächsten Monats kündbar, so dass eine Kündigung im September ein Vertragsende zum 1. Dezember 2014 bewirkt. Dieses ist auch deshalb wichtig, da sie die neuen Versicherungsschutz (wenn dieser eine private Krankenversicherung sein soll) noch mit dem günstigeren Eintrittsalter des Jahres 2014 bekommen können. Auch wenn dieses im Monat vielleicht nur 5-10 Euro ausmachen sollten, so summieren sich diese Beträge über die nächsten Jahrzehnte durchaus zu stattlichen Summen.

Kann ich formlos kündigen oder braucht es einen Vordruck?

Generell ist keine spezielle Vorschrift für die Form der Kündigung erforderlich, außer dass diese schriftlich erfolgen muss. Ich habe Ihnen jedoch bereits seit längerem einige Vordrucke zur Kündigung verschiedener Versicherungen unter dem Menüpunkt Downloads und dort Kündigungsvordrucke zusammengestellt, welche sie sowohl als PDF- als auch Word-Datei finden und gern verwenden können.

Gibt es nach dem 30. September keine Möglichkeit der Kündigung?

Generell ist die Frist zur ordentlichen Kündigung bei den meisten Versicherungen zum 30. September abgelaufen. Eine Ausnahme bildet die Kfz Versicherung, welche eine Frist von einem Monat hat und eine weitere Ausnahme findet sich bei einer stattfindenden Beitragsanpassung. Denn erhöht der Versicherer die Beiträge in Ihrem Vertrag, so besteht auch hier das Recht sich von diesen Vertrag zu lösen. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass nicht jede Erhöhung der Beiträge einer Versicherung automatisch zu einer Kündigung führt. So kann es durchaus vertraglich vereinbarte Anpassungen geben, dazu gehört eine Dynamik oder die Anpassung von Versicherungssummen in der Hausratversicherung, die nicht zwingend eine Kündigungsmöglichkeit beinhalten.

Gibt es sonst noch etwas zu beachten?

Sie sollten ungeachtet aller Fristen nicht sinnlos und übereilt kündigen. Gerade in der Sachversicherung (Hausrat-, Haftpflicht-, oder der Rechtsschutzversicherung) kann es durchaus schwierig werden einen neuen Versicherungsschutz zu bekommen, falls der alte Vertrag mit Schäden behaftet war. Daher sollte hier nur dann gekündigt werden, wenn entweder bereits ein neuer Versicherungsschutz sichergestellt ist oder dieses Risiko vertretbar ist.

In der Krankenversicherung hingegen gelten die oben genannten Ausnahmen, jedoch sollte auch hier nicht unüberlegt gekündigt werden. Gerade bei länger bestehenden Verträgen der privaten Krankenversicherung sind Nachteile bei einer Kündigung (neues Eintrittsalter, neue Gesundheitsprüfung und gegebenenfalls der Verlust von Altersrückstellungen) zu bedenken und auch eine angekündigte Beitragsanpassung oder eine (aus ihrer Sicht schlechte) Beitragsentwicklung führt nicht sofort zu einer Kündigung. Überlegen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Berater genau, welche Auswahlkriterien für den entsprechenden Versicherungsschutz notwendig waren und sind.

Besonderheiten bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein schlechter Schutz gegen die Absicherung der Berufsunfähigkeit kann hingegen durchaus tragische Folgen haben. Hierbei geht jedoch eine Kündigungsfrist zum Ende der Versicherungsperiode. Zahlen Sie Ihren Vertrag also monatlich, so ist dieser auch mit einer Ein-oder Dreimonatsfrist kündbar und will auch hier entsprechend überlegt sein. Die Auswahlkriterien für den passenden Berufsunfähigskeitsschutz finden Sie hier: Klick!

Daher ist hier nicht unbedingt der 30. September der entscheidende Termin, sondern eine Kündigung auch später möglich. Anders als in der Krankenversicherung besteht jedoch keine Versicherungspflicht, daher kündigen Sie bitte immer erst dann wenn ein neuer Versicherungsschutz sichergestellt ist. Sonst laufen sie Gefahr dass der alte Versicherer die Kündigung akzeptiert und ein neuer Versicherer Ihnen nicht den gewünschten Versicherungsschutz gewähren möchte.

Zum 1. Januar 2015 erhöhen sich die Prämien in der Berufsunfähigkeitsversicherung auch deshalb, weil sich neben dem Eintrittsalter der Zins ändert. Das führt, je nach Konstellation, zu einer Anpassung der Beiträge der Berufsunfähigkeitsversicherung von ca. 7-12 %. Daher ist hier eine Überlegung, den Versicherungsschutz noch in diesem Jahr sicherzustellen aus mehreren Gründen sinnvoll.


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