27.
August '14

“Fordern Sie bloß vor Antragstellung keine Krankenakte bei der Kasse an, könnte was schlimmes drin stehen” – wer solche Tipps von seinem Makler bekommt, kann auch gleich aufhören


Bei manchen Aussagen von vermeintlichen Kollegen frage ich mich, ob der Kunde nicht lieber schnell genug laufen sollte, wenn er solche Ratschläge bekommt. Ein solches Erlebnis hatte ich vorgestern, als ich einen Artikel las, geschrieben von/ mit einem Direktor eines Finanzdienstleisters der selbst als Makler registriert ist. Die Überschrift klang durchaus noch vielversprechend, hieß es doch: “Ärzte gehen zu sorglos mit Diagnosen um”.

Stimmt, dachte ich im Stillen und las bei einer Tasse Kaffee weiter. Doch was dann in dem Artikel über die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Antragstellung geschrieben wurde, das lies mir die Haare zu Berge stehen. In diesem Beitrag hier soll es nur um eine Aussage gehen, mit den anderen beschäftige ich mich in einem weiteren Artikel.

Auch wenn der “Kollege” in einem Forum für Makler zwischenzeitlich eingeräumt hat, er wäre falsch bzw. unvollständig zitiert worden, bleibe aber im wesentlichen bei der Aussage:

(…) Ich rate aber davon ab, sich bei der Krankenversicherung einen Auszug aus der Krankenakte zu holen.

Warum?

Manche Ärzte gehen in ihren Abrechnungen zu sorglos mit Diagnosen um. So landen auch einige Diagnosen, von denen die Patienten nichts wissen – und die oftmals irrelevant sind – in ihrer Krankenakte. Weiß ein Patient nichts davon, kann er das auch nicht in seinem BU-Antrag angeben. Hat er allerdings die Kenntnisse aus den abgerechneten Diagnosen bei der Krankenkasse, muss er diese auch angeben.

Der Prozess der Antragstellung

Anträge für biometrischen Risiken, also Krankenversicherungen, Absicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Lebensversicherungen und viele andere Produkte erfordern die Aufklärung über den Gesundheitszustand des Kunden. Nur wenn dieser wahrheitsgemäße Angaben macht und klar auflistet was er hatte, nur dann kann der Versicherer das Risiko ordentlich einschätzen und eine risikogerechte Prämie anbieten. Das führt auf der anderen Seite aber eben auch zu höheren Prämien bei bestehenden Vorerkrankungen, sogar einer Ablehnung oder einer Klausel um bestimmte Krankheiten vom Schutz auszuschießen.

Diese Angaben werden dann in den Antrag eingetragen, ggf. sind weitere Fragebögen zu beantworten und wenn das alles noch nicht reicht, so wird der Versicherer eine Arztauskunft bei dem Behandler einholen oder weitere Nachforschungen anstellen.

Was, wenn falsche Angaben in der Akte stehen?

Ärzte sind auch nur Menschen und Menschen machen Fehler. So passiert es täglich mehrfach, das Diagnosen nicht korrekt erfasst werden, ein Zahlendreher in einer ICD Ziffer den Patienten mit Bluthochdruck plötzlich zum Asthmatiker machen kann oder Erkrankungen in den Akten stehen, die der Patient nie hatte.

Aus “mir geht es heute irgendwie nicht so gut, bin etwas überarbeitet” wird ein “Erschöpfungssyndrom”, aus “ich brauche mal eine Massage” schnell ein HWS Syndrom, was eine Antragstellung in der BU-Absicherung schon sehr erschweren kann.

Solche Falschen Angaben lassen sich- einvernehmlich mit dem Arzt- in vielen Fällen lösen. Lösen in dem man diesen erneut aufsucht, Beschwerden klarstellt und falsche Angaben auch aus der Krankenakte gelöscht werden müssen, wenn diese nachweislich nicht zutreffen. Je früher Sie solche falschen Angaben bemerken, je einfacher ist es noch, diese zu korrigieren. Wer nach 5, 6, 8 Jahren aber kommt und meint “ich hatte aber nur etwas verspannten Nacken und kein HWS”, der wird es sehr schwer haben, so der Arzt dann überhaupt noch praktiziert.

Neben den menschlichen Fehlern passieren bei einigen Ärzten auch andere. So werden Diagnosen zur Abrechnung “etwas aufgehübscht”, die eigene Abrechnung etwas “frisiert” und damit der eigene Geldbeutel etwas mehr gefüllt. Klar ist eine kompliziertere Diagnose, die zudem noch besser vergütet wird, für den Arzt bares Geld wert. Wer privat krankenversichert ist, für den ist es hier etwas einfacher. Auf den Rechnungen die der Patient nach Behandlungsende erhält, ist stets eine Diagnose angegeben. Kontrollieren Sie diese bitte genau und reklamieren eine solche Diagnose gleich. Auch falls das Argument “Brauchen wir doch nur für die Abrechnung” kommt, so bestehen Sie auf einer neuen Rechnung und vor allem einer Korrektur der Krankenakte.

Bei einem GKV Patienten ist das schon etwas schwieriger, denn dort gibt es keine Rechnung. Dennoch hilft auch hier von Zeit zu Zeit eine Abfrage bei der GKV, ein aktueller Auszug aus der Krankenakte und auch hier: Kontrollieren Sie das was da steht und lassen sich Arztberichte in Kopie aushändigen. Einfach abheften oder einscannen und haben Sie zu Hause ihre eigene Krankenakte.

Wer was weiss, muss es angeben

Klar, wenn Sie Diagnosen kennen und der Versicherer in seinem Antrag danach fragt, dann sind diese anzugeben und führen bestenfalls zu Rückfragen, manchmal zu Zuschlägen und im schlimmsten Fall zu einer Ablehnung.

Wenn Sie aber nichts tun und es verschweigen oder einfach sich nicht informieren, so sitzen Sie auf einem Pulverfass und können sich das monatliche Überweisen auch gleich sparen. Warum? Weil der Versicherer seine Chance zur Verweigerung der Leistung nutzen wird- Berechtigt!

Was, wenn ich nichts weiss?

Anzugeben ist das, wovon man Kenntnis hat, das ist schon korrekt soweit. Würde also ein Arzt eine Diagnose bewusst verschweigen (vielleicht weil es aus psychologischen Gründen erforderlich ist), dann wäre diese eine Diagnose dem Patienten auch nicht bekannt. Das ist aber eher ein seltener Fall.

Generell gilt folgende Verfahrensweise:

1.) Besorgen Sie sich alle Unterlagen von Ärzten, Kopien von der Krankenakte etc.

2.) Finden Sie in den Unterlagen zu 1.) weitere Verweise auf Ärzte, Arztbriefe oder Hinweise auf stationäre Aufenthalte, so fragen Sie auch hier an.

3.) Auch eine Anfrage bei der GKV oder der bisherigen Krankenversicherung ist m.E. angezeigt, zumindest ist dem in den meisten Fällen so.

Wenn sich dort Fragen oder falsche Angaben ergeben, so setzten Sie sich mit dem Arzt und/ oder dem Krankenhaus zusammen und klären dieses VOR Antragstellung. Nur so gehen Sie sicher, keine Angaben zu vergessen.

Aber: Eine pauschale Aussage gibt es auch hier nicht. Es ist immer wichtig im Einzelfall mit einem Spezialisten zu sprechen und zu überlegen, welche genaue Vorgehensweise hier sinnvoll und angebracht ist. Daher —> Informieren und lesen, Sammeln und dann ab zu dem von Ihnen gewünschten Berater. (Welcher Beratertyp passt zu mir?)

 

25.
August '14

BU-Rente schon ab 25%? Warum nicht alles gut ist, was gut scheint


“Die Katze im Sack” sollte man nie kaufen, sagt der Volksmund. Doch leider sind Versicherungen oftmals eine genau solche Katze, viel zu oft wird einfach unterschrieben, der Freund/ Bekannte/ Verwandte wird schon recht haben, oder?

Einer der “Großen” der Branche bietet neuerdings vermehrt Versicherungen gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit an und wirbt damit “schon ab 25% Berufsunfähigkeit” eine Leistung zu erbringen. Doch was ist daran nun so besonders?

Wann zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung? 

Das hängt natürlich von den Bedingungen ab, aber in der Regel sieht der Vertrag eine Leistung “ab 50% Berufsunfähigkeit voraus”, dann aber die volle Rente. Wer also 49% berufsunfähig ist, der erhält keine Rente, wer zu 50% oder mehr seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, der bekommt jedoch die volle (100%ige) Rente. Eine weitere Abstufung gibt es nicht und sichert so die Existenz, denn eine halbe Rente reicht meist nicht ansatzweise aus um die laufenden Kosten zu begleichen.

Bitte lesen Sie zur passenden Rentenhöhe auch meinen Beitrag “Richtige Rentenhöhe der BU oder gar keine Absicherung” und berücksichtigen neben den laufenden Kosten auch die nötige Altersvorsorge.

Und wer zahlt nun schon ab 25%?

Viele Unternehmen bieten anstelle der oben erklärten 50% Lösung noch eine weitere an. Bei dieser so genannten 25/75 Staffel wird schon ab 25% Berufsunfähigkeit eine Rente gezahlt, oder besser eine Teilrente. Diese staffelt sich ab einer Berufsunfähigkeit von 25% in gleicher Weise wie die Berufsunfähigkeit, ab 75% wird dann eine 100% Rente gezahlt. Wer also von dem Arzt zu 66% BU eingeschätzt worden ist, der erhält 66% der versicherten Rente. Das folgende Bild zeigt recht deutlich, wann welche Rente gezahlt wird.

BU Staffeln

Für wen passt welches Modell?

Zunächst einmal sei gesagt, das beide Modelle sicherlich ihre Vor- und Nachteile haben. Bei der “klassischen” und am meisten verbreiteten Variante muss, um eine Rente zu bekommen, mindestens 50% BU vorhanden sein. Das ist für einen Großteil der Kunden auch kein Problem, da kleinere Einschränkungen ggf. kompensiert werden können, jedoch bei mehr als 50% die volle Rente zur Verfügung steht.

Der größte Nachteil des 25/75 Modells besteht sicher Zum Rest des Artikels »

20.
August '14

Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Schulunfähigkeit- Erklärungen durch den Versicherungsdschungel


Die Absicherung der Berufsunfähigkeit bzw. richtigerweise den finanziellen Folgen aus der Berufsunfähigkeit, ist eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt. Das Risiko nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können, sei es durch Unfall oder Krankheit, ist nicht nur größer denn je, auch eine entsprechende gesetzliche Absicherung besteht nahezu nicht mehr.

Da es aber immer wieder zu Verwirrungen hinsichtlich der Absicherung, der Auswahl passender Produkte und auch der Begriffe kommt, hier einmal einige Erklärungen dazu.

Was ist eigentlich Berufsunfähigkeit?

Wie der Name schon sagt, es handelt sich hierbei um einen Zustand, in dem Sie ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können und somit für den eignen Lebensunterhalt (und ggf. den der Familie) nicht mehr aufkommen. Dabei geht es immer um den Beruf, der vor Eintritt des entsprechenden Ereignisses ausgeübt. Daher gibt es auch keine feste Regel wie “ich kann 4 Stunden nicht mehr arbeiten, dann bin ich berufsunfähig”. Im Leistungsfall muss also konkret geprüft werden, wie die berufliche Tätigkeit vor Schadeneintritt aussah, welche Tätigkeiten diese exakt umfasste und was genau davon noch bzw. nicht mehr ausgeübt werden kann.

Wer vor seiner Tätigkeit regelmäßig einen 10Stunden-Tag hatte und heute nur noch 4 Stunden arbeiten kann, der hat die 50% sicher erreicht. Ein vergleichbarer Versicherungsnehmer mit genau dem gleichen Beruf, aber nur einer 6 Std. Stelle wird dieses nicht sein, denn hierbei werden die 50% nicht erreicht. Dennoch ist nicht allein die zeitliche Abwägung ausschlaggebend. So passieren Fälle, wo so genannte “prägende Tätigkeiten” nicht mehr ausgeführt werden können und daher zu einer Leistung führen, obwohl die fünfzig Prozentregel nicht erreicht wird.

Was ist dann Erwerbsunfähigkeit?

Hier geht es- und das ist der entscheidende Unterschied- eben gerade nicht um den Beruf. Es geht vielmehr um die Frage, ob überhaupt irgendeine Tätigkeit ausgeübt werden kann, mit welcher ein Einkommen erzielt wird. Dabei ist es nicht nur unerheblich welche Art von Tätigkeit ausgeübt wird/ werden kann, sondern auch ob es eine entsprechende Stelle überhaupt gibt. Übertreiben bedeutet das jedoch auch, solange Sie “im Bett sitzend” Briefmarken auf Umschläge kleben können und damit ein Einkommen erzielen, solange ist der Zustand der Erwerbsunfähigkeit nicht gegeben.

Sie sind- je nach Erkrankung- allenfalls (voll oder teilweise) erwerbsgemindert, wenn noch drei oder sechs Stunden täglich eine solche Tätigkeit ausgeübt werden kann und bekommen unter sehr engen Voraussetzungen eine entsprechende Rentenzahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer nun jedoch glaubt “OK, dann bin ich für den schlimmsten Fall abgesichert”, der täuscht sich jedoch. Die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, welche im Falle der vollen bzw. halben Minderung der Erwerbsunfähigkeit gezahlt werden, die sind lange nicht ausreichend.

Ein Beispiel soll einmal verdeutlichen, über welche Beträge wir bei voller Erwerbsminderung, also dann wenn Sie nicht einmal mehr 3 Std. pro Tag einer  Erwerbstätigkeit nachgehen könn(t)en, reden.

EU Rente

Ein Angestellter, welcher seinen Start ins Berufsleben im Alter von 20 Jahren hatte, heute ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro erhält, der bekommt eine monatliche Rente bei voller Erwerbsminderung von ca. 572 EUR. Nicht viel, oder?

Somit ergibt sich gegenüber dem heutigen Nettoeinkommen eine Lücke von mehr als 1.000 EUR jeden Monat. Ist der Versicherte aber nicht erwerbs- sondern “nur” berufsunfähig, so geht er in den meisten Fällen leer aus. So bleibt nur der Weg zum Sozialamt und der Anspruch auf Sozialhilfe.

Aber selbst wenn diese Rente ausgezahlt wird, zum leben zu wenig, zum sterben zuviel könnte man meinen, denn in den Folgejahren fehlen dann auch sämtliche Beitragszahlungen zur gesetzlichen (oder privaten) Altersvorsorge und so geht die Armut dann im Alter weiter oder wird noch schlimmer.

Können Kinder/ Schüler auch berufsunfähig werden?

Berufsunfähig kann der werden, der eine berufliche Tätigkeit ausübt. Jedoch haben wir noch die Sonderfälle der Schüler und Studenten. Da die Prämie einer solchen Absicherung auch davon abhängig ist, wie alt der Kunde bei Antragstellung ist und wie sich der Gesundheitszustand darstellt, macht ein frühzeitiger Abschluss Sinn. Gerade dann haben wir es aber mit Schülern oder Studenten zu tun und die haben ja nun noch gar keinen Beruf.

Dennoch sind diese bei einigen Gesellschaften heute schon versicherbar. Nicht alle unternehmen bieten einen solchen Schutz an und oftmals ist ein Mindestalter von zehn Jahren oder mehr erforderlich. Aber: Solange dann kein Beruf besteht, solange wird bei einigen Gesellschaften auf eine Erwerbsminderung geprüft, andere bieten auch eine Absicherung bei Schulunfähigkeit an. Schulunfähigkeit tritt dann ein, wenn die aufgesuchte Schule aufgrund Erkrankung oder Unfall nicht mehr aufgesucht und damit der gewünschte Abschluss nicht erreicht werden kann.

Wichtiger ist in diesem Zusammenhang aber noch etwas ganz anderes, nämlich die Möglichkeit der Umwandlung in einen neuen Versicherungsschutz ohne Risikoprüfung. So bieten einige Unternehmen dem versicherten Schüler an, bei Erreichen bestimmter Altersgrenzen oder aber bei Eintritt in das Berufsleben, eine Absicherung für die Berufsunfähigkeit zu bekommen. Dazu ist dann keine neue Gesundheitsprüfung mehr nötig und damit sind auch weitere Vorerkrankungen kein Problem mehr.

Wann ist es Zeit für die Absicherung?

Man kann es gar nicht oft genug sagen, beschäftigen Sie sich bitte- schon im Interesse Ihrer Kinder- mit der Absicherung so früh als möglich. Spätestens wenn die Kinder den zehnten Geburtstag feiern ist es Zeit, einmal über Optionen oder Bausteine zur Absicherung nachzudenken. Sie sichern Ihrem Kind damit die Möglichkeit sich später nach eigenem Bedarf versichern zu können und nicht ohne Schutz dazustehen.

Was sonst?

In der Antragstellung leider tägliche Praxis. Vorerkrankungen führen zu Ausschlüssen, Risikozuschlägen oder gar zur Ablehnung und einen Anspruch auf Aufnahme in einen Vertrag gibt es nicht. Wer es also in jungen Jahren verpasst hat, dem ist “nicht mehr zu helfen” und vielleicht lebenslang die Chance auf einen passenden Schutz verbaut!

18.
August '14

Und was, wenn plötzlich 500€ fehlen? Die Tücken des gesetzlichen Krankengeldes


Wer krank ist, der ist ja versichert. Die meisten sind das in einer gesetzlichen Krankenkasse und schließlich zahlt diese immer dann, wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlt und sicher somit das Einkommen und die laufenden Kosten ab, oder? Das sich hierin aber das finanzielle Fiasko verbergen kann, das wissen die wenigsten gesetzlich krankenversicherten Kunden und kämen nie auf die Idee das es für wenige Euro monatlich zu lösen ist. Aber das Ganze der Reihe nach.

Wann bekomme ich Krankengeld von meiner gesetzlichen Krankenkasse?

Krankengeld wird immer dann gezahlt, wenn die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers endet (oder bei selbstständigen die Karenzzeit vorbei ist) und eine andauernde Arbeitsunfähigkeit besteht. Ist der Kunde als aus medizinischen Gründen nicht in der Lage seiner beruflichen Tätigkeit nachzugeben, so springt die Krankenkasse ein. Das es leider nickt immer so ist und die GKV manchmal versucht die Kranken loszuwerden, das können Sie im Artikel der Welt “Wie Krankenkassen teure Patienten unter Druck setzen” nachlesen. Darum soll es aber heute gar nicht gehen, dieses Risiko lässt sich mit einem vernünftigen Schutz gegen Berufsunfähigkeit recht simpel aus dem Weg räumen (–> welche BU auch bei Arbeitsunfähigkeit zahlt).

Das Krankentaggeld der gesetzlichen Krankenkasse wird maximal 78 Wochen gezahlt. Ist also diese Zeit bei langwierigen Erkrankungen, dauerhaften (auch mit Unterbrechung) Leiden oder chronischen Erkrankungen erreicht, so gibt es kein weiteres Geld der Krankenkasse. Eine solche Begrenzung kennt die private KT Versicherung im übrigen nicht.

Wie hoch sind die Zahlungen?

Wer glaubt, nach der Lohnfortzahlung des Arbeitgebers springt einfach die Krankenkasse ein und zahlt das weiter, der hat sich leider weit getäuscht. Die Zahlungen der GKV sind deutlich geringer und schnell klafft eine große finanzielle Lücke, wobei die Kosten wie gewohnt weiter laufen oder- je nach Erkrankung- sogar noch größer werden.

Der Grund ist simpel, denn es wird maximal 70% vom Brutto oder, je nachdem welcher Wert niedriger ist, 90% des Nettoeinkommens als Krankentaggeld gezahlt. Davon sind dann weiter die Sozialversicherungsabgaben weiter zu zahlen, also Renten-, Arbeitslosen und Pflegeversicherung. Selbst bei kleinen Einkommen entstehen so schnell unüberbrückbare Lücken.

Damit es etwas deutlicher wird, habe ich eine selbstrechnende pdf Datei erstellt, diese können Sie hier im Downloadbereich oder einfach durch klicken auf das Bild öffnen und sich die Lücke selbst einmal ausrechnen.

KT Berechnung

Bei einer Angestellten mit monatlich 2.000€ brutto (netto 1.372 € bei Steuerklasse IV, verheiratet) beträgt das Krankengeld der gesetzlichen Kasse 1.083 €. Somit fehlen jeden Monat 287 €, somit mehr als 20% oder fast 1/4 des monatlichen Lohnes.

Ein gutverdienender Single mit einem Einkommen von 4.000 € (netto 2.396€, Steuerklasse I) fehlen schon mehr als 500 € jeden Monat, also 17€ jeden Tag.

Übersteigt das monatliche Bruttoeinkommen den Betrag von 4.050 € (die Jahresarbeitentgeltgrenze), so wird das Einkommen darüber gar nicht mehr berücksichtigt. Das maximal mögliche Zum Rest des Artikels »

11.
August '14

Normaltarif oder doch in den speziellen Ärzte Tarif? Wo versichern sich Ärzte in der privaten Krankenversicherung?


Eine doch öfter gestellte Frage betrifft einen kleinen Teil der (potentiellen) Kunden in der privaten Krankenversicherung. Dabei geht es um die, mit dem System direkt zu tun haben, die Ärzte. Generell ist dabei unterscheiden zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen und der Frage ob die Ärzte angestellt oder selbstständig/freiberuflich tätig sind.

Warum überhaupt Ärztetarife?

Spezielle Tarife für die Mediziner haben eine lange Tradition. Die Idee welche dahinter steht ist etwas älter und auch relativ einfach. Früher behandelten sich Ärzte untereinander kostenfrei, man half also einfach den Kollegen mit „seiner“ Dienstleistung und schrieb sich nicht noch untereinander Rechnungen. Da somit für die Behandlung der Ärzte geringere Kosten entstanden als bei einem „normalen” Patienten, wurden auch spezielle Tarife konstruiert, welche nicht nur anders kalkuliert werden konnten, sondern auch (natürlich) weniger Leistungen enthielten. So wurden die ärztlichen Honorare meist nur bis zum Regelhöchstsatz gezahlt, teilweise wurden auch bestimmte ärztliche Leistungen gar nicht vergütet. Dieses führt zu einer Kostenersparnis der Gesellschaft und daher auch einer geringeren Prämie bei dem Versicherten.

Ärztetarife PKV Uniex

Gibt es die nur für Ärzte?

Solche Zusatztarife gibt es nicht nur bei den Ärzten, einige Gesellschaften bieten diese auch für andere Mediziner, Psychotherapeuten, Zahnärzte oder aber auch speziell für Apotheker an. Auch hier hat es den gleichen Hintergrund. Die Apotheker haben (teilweise) die Möglichkeit Medikamente günstiger zu beziehen und verursachen daher im Rahmen der Kostenerstattung weniger Kosten. Dieses wird honoriert durch einen speziellen Tarif, eine zusätzliche Selbstbeteiligung oder sonstige Beschränkungen auf der Leistungsseite.

Was ist mit Familienangehörigen?

Von diesen Vergünstigungen für Mediziner profitiert nicht nur die Ärztin oder der Arzt selbst, auch Ehegatten, Kinder und teilweise auch unverheiratete Ehepartner. Diese Voraussetzungen gelten natürlich immer nur so lange, wie die „Beziehung“ zu dem Hauptvertragsinhaber besteht. Einige Gesellschaften verlangen zudem eine gemeinsame Beitragszahlung, einen gemeinsamen Versicherungsschein und gegebenenfalls folgen weitere Einschränkungen.

Sind diese Vorteile berechtigt? Heute noch?

Anders als noch vor einigen Jahren behandeln sich die Ärzte untereinander keinesfalls mehr grundsätzlich kostenlos. Zum einen ist es auch unverständlich warum ein Arzt seinem Kollegen nur bei dieser auch Mediziner ist keine Rechnung stellen sollte, zum anderen stellt sich die Frage bei teureren Untersuchungen sowieso nicht. Nehmen wir einen Radiologen, der hat gegebenenfalls Kosten für einen MRT oder eine Computertomographie, auch Röntgenaufnahmen kosten Geld und diese sind schon alleine mit festen Kosten für den Arzt verbunden. Das gleiche gilt für andere Fachrichtungen, ganz zu schweigen von Operationen oder weiteren, kostenintensiven Behandlungen.

Wie ist das mit der Kalkulation?

Tarife in der privaten Krankenversicherung und die dazu gehörenden Prämien beruhenden ja auf einer Kalkulation also einer Annahme, welche Kosten zukünftig entstehen, welcher Kapitalbedarf daher erforderlich ist und daraus folgend welche Rückstellungen gebildet werden müssen um diese Kosten zu tragen. Entwickeln sich die Kosten nun anders (schlechter) als angenommen, so führt das zu einer Anpassung der Beiträge, denn das Leistungsversprechen in der privaten Krankenversicherung gilt bis zum Vertragsablauf/dem Lebensende.

Gibt es viele Versicherer mit Ärztetarifen?

Klassische Ärzteversicherer wie zum Beispiel die Allianz (früher die Vereinte), die DKV oder auch Central sind teilweise heute noch mit entsprechenden Ärztetarif nun am Markt unterwegs. Auch andere Gesellschaften wie AXA, Barmenia oder die LKH Landeskrankenhilfe bieten heute solche Tarife an.

Wie eingangs bereits erwähnt ist es von vielen Umständen abhängig, ob ein solcher Ärzte Tarif sinnvoller ist als ein „klassischer Tarif“. Nicht nur der eigene Leistungsbedarf, sondern auch Fragen wie die weitere berufliche Planung spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Ein Arzt der zukünftig plant freiberuflich tätig zu sein und eine eigene Praxis zu eröffnen ist vielleicht in speziellen Ärztetarifen besser aufgehoben, ein Angestellter Arzt in einem großen Klinikum kann daher auch besser in Normaltarife passen. Gerade die Kosten für die Behandlung von schwerwiegenden Krankheiten sind nicht unbedingt günstig und werden auch für Ärzte nicht preiswerter. Wer sich also für einen Tarif mit reduzierten Leistungen entscheidet, der sollte genau überlegen ob er heute und in der Zukunft in der Lage ist, die Differenzkosten gegebenenfalls selbst zu tragen.

Diese oben bildlich dargestellte Auswahl stellt keine abschließende Aufzählung dar, bietet aber einen ersten Überblick über die möglichen Versicherer mit speziellen Ärzte/Zahnärztetarifen.

Was also nun tun?

Wenn Sie als Mediziner vor der Wahl stehen welchen Tarif sie auswählen sollen, dann sollten Sie sich zunächst einmal Gedanken zu den Auswahlkriterien machen. Dazu finden Sie im Bereich private Krankenversicherung weitere Informationen und auch einen Kriterienfragebogen.

Kriterienfragebogen zur Auswahl einer PKV

Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

 


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