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28.
September '16

Es ist- verdammt nochmal- anzugeben was der Versicherer fragt, nicht was der Vertreter meint


In den letzten Wochen häufen sich wieder einmal die Fälle in denen Plötzlich Vertreter und auch Makler zu Juristen, Ärzten und Versicherungsmitarbeitern in Personalunion mutieren und das bringt mich auf die Palme. Da werden Kunden in ihr Unglück gestürzt und das sogar noch ruhigen Gewissens. Ja, Kunden sind leider auch zu leichtgläubig und hören gern „das brauchen Sie nicht angeben“, dennoch möchte ich den Beitrag eines Kollegen in einem internen Forum aufgreifen um das Thema noch einmal klarzustellen.

Die vorvertragliche Anzeigepflicht – was ist das?

Stellen Sie einen Antrag auf Personenversicherung, einen wo Gesundheitsfragen zu beantworten sind, dann hat das wahrheitsgemäß zu erfolgen. Nicht „ein bisschen“, nicht „nur einzelne Fragen“ und nichts weglassen. Warum glauben Sie wohl stellen Versicherer diese Fragen? Weil Sie keine Antworten wollen oder nur die halbe Frage beantwortet werden muss sicher nicht.

Daher sind in den Anträgen auch extra Hinweise enthalten, nach denen die Fragen zu beantworten sind. Bei einem großen deutschen Beamtenversicherer sehen diese Hinweise zum Beispiel genau so aus. Deutlich, oder?

debeka-vva-hinweis

Die vorvertragliche Anzeigepflicht – was sind die Folgen?

Werden die Fragen daher unvollständig, halb richtig oder eben falsch beantwortet, so sind die Folgen gravierend. Ja, vielleicht „sparen“ diese dann einen Risikozuschlag oder sogar eine Ablehnung, aber dann ist das immer noch besser. Wer einmal den Schritt gemacht hat und bei jeder eingereichten Rechnung zittern muss die Erstattung nicht zu bekommen oder das der Versicherer einem auf die Schliche kommt, der wird schnell diesen Schritt bereuen.

Eine dieser schlimmen Geschichten können Sie hier in meinem Beitrag nachlesen.

Aber der Berater/ Vertreter sagt: Das brauchen Sie nicht angeben?

Wie schon in dem oben verlinkten Beitrag beschrieben ist der Kunde nicht immer allein an allem Schuld. Er vertraut seinem Berater, der muss es ja wissen, ist es doch sein tägliches Geschäft. Doch leider überwiegt hier das Interesse an einem Antrag, dem Abschluss und der damit vorhanden Provision und das „wird schon gut gehen“ Gefühl. Nein, es sind nicht alle, es ist auch nicht die Mehrheit der Berater, Vertreter oder der Vertrauensleute einer Gesellschaft. Es sind aber leider einzelne schwarze Schafe, solche die unbedingt erkannt und vor die Tür gesetzt werden müssen.

Solche einen Fall hatte ein Kollege nun wieder, dazu die Eckdaten in anonymisierter Form.

  • – Kundin hat seit 2013 PKV bei der XXX mit Risikozuschlag wegen Erkrankungen des Unterleibes (war genau ausformuliert).
  • – 2015 Anfrage zur Überprüfung des RZ gestellt. Grundlage Attest eines Arztes. Daraufhin Reduzierung des RZ und nur noch auf Erkrankungen der Gebärmutterschleimhaut beschränkt. Arzt schreibt 2015 u.a. …Empfehlung zur Kontrolle nach 6 Monaten.
  • – Kundin wird zum 12/2015 verbeamtet auf Lebenszeit, XXX wird in die entsprechenden Tarife umgestellt. Kundin unzufrieden da auch hier wieder der RZ nicht ganz herausgenommen wurde. Will zum 01.01.2017 zu anderer Gesellschaft wechseln.

Nun hat sich ein Vertreter der D. gefunden der der Kundin erklärt hat was alles nicht anzugeben ist. Nochmal zur Erinnerung: Die Belehrung zur Angabe und den folgen findet sich oben im Screenshot des Antrages.

Zeigen Sie mir bitte mal die Unterlagen vom Arzt. Sie: ich habe nichts besorgt, weil ja nichts war. Auch der von der Debeka hat gesagt das muss ich nicht angeben, weil die Erkrankung bereits 2009 war. Haben Sie Gesundheitsfragen unterschrieben? Ja, das schon.

Aber sicher war ja wirklich nichts, also mal ein Blick in die Krankenakte des Arztes oder die Abrechnungsunterlagen der bisherigen Versicherung werfen, dieses wird die neue Gesellschaft dann im Falle der Leistungsprüfung auch tun.

Diagnosen 2013-14: Haarausfall (G), Stress (G), Anämie (V), Eisenmangelanämie, Spannungskopfschmerzen, akutes LWS-Syndrom, verschiedene Allergien, Fruktose- und Laktoseintoleranz……. Und Untersuchung wie bereits oben erwähnt mit Anraten einer Kontrolluntersuchung.

Gut, ist ja auch fast nichts was unter die Antragsfragen fällt, IRONIE aus. Hier mal ein Blick auf EINIGE Fragen aus dem Antrag:

  • – 3. Erfolgten in den letzten drei Jahren:
  • – 3.1 ambulante Behandlungen, Medikamenten- verordnungen, Untersuchungen oder Beratungen?
  • – 5. Ist eine ambulante oder stationäre Behandlung, Untersuchung, Operation, Heilkur oder Sanatoriumsbehandlung vorgesehen?
  • – 6 Bestehen Krankheiten, Unfallfolgen, körperliche oder geistige Beeinträchti- gungen, die zu den bisherigen Gesundheitsfragen noch nicht angegeben wurden?

So. Was von den oben genannten Diagnosen in den Krankenakten hätten Sie wohl angeben, was hätte der Versicherer erwartet was angegeben wird und was genau passiert nun?

Es ist naiv zu glauben das es gut geht. Warum auch?

Der Versicherer wurde betrogen. Der Vertreter hat Mist gebaut und hier behauptet das wäre alles nicht anzugeben. Nun ist er aber VERTRETER des Versicherers und damit auch „Auge und Ohr“. Kann die Kundin daher beweisen alle Angaben gegenüber dem Vertreter gemacht zu haben und dieser wissentlich und nachweislich falschen Rat gegeben zu haben, so kann es anders aussehen und dem Versicherer kann ggf. dieses Wissen zugerechnet werden.

Aber der Vertreter sagt doch…

Schön wenn er das sagt. Haben Sie es schriftlich? Wenn Sie so einen Rat bekommen etwas nicht anzugeben und es ja alles nicht so wichtig sei, dann bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten:

1.) Teilen Sie diese Erkrankungen dennoch und DIREKT dem Versicherer mit, als Nachtrag zum Antrag. Dort können Sie auch erfahren ob es wirklich so unerheblich war. Ist dem so, so sind Sie auf der sicheren Seite. Dazu schreiben Sie dem Versicherer einfach:

„Im Nachgang zu meinem Antrag auf ______ vom _____ ergänze ich folgende Gesundheitsangaben, die laut Auskunft meines Vertreters/ Beraters nicht so wichtig sind. Ich möchte diese dennoch ergänzen und bitte um Bestätigung des Erhaltes dieser Nachmeldung bis zum ______.“

2.) Ist der Antrag bei einem Vertreter abgeschlossen und sagt dieser Ihnen im Namen seines Auftrag-/Arbeitgebers eine Angabe sei nicht nötig, so senden Sie folgendes Schreiben an den Vertreter und bitten um unterzeichnete Rückgabe:

„Während der Beratung/ Antragsaufnahme zu meinem Antrag auf ______ vom _____ machte ich folgende Gesundheitsangaben, die laut Ihrer Auskunft nicht abgabepflichtig sind. Daher legte ich diese Aufstellung diesem Schreiben bei, es sind ____ Seiten an Anlagen. Bitte senden Sie mir zur Bestätigung alle Seiten mit dem folgenden Hinweis und Ihrer Unterschrift bis zum _____ zurück.“

„Die oben genannten Angaben sind im Antrag nicht nötig, wurden mir als Vertreter der ______ Versicherung aber während der Antragsaufnahme am _____ zur Kenntnis gebracht und ich habe diese nicht im Antrag eingetragen.“

Achten Sie darauf das dieses Schreiben nicht nur von dem Vertreter unterschrieben und gestempelt wird, sondern am besten auch von einem Zeugen der während der Beratung anwesend war eine entsprechende Bestätigung möglich ist. Nur so können Sie sicher sein, dass der Versicherer hier rechtlich sauber Kenntnis der Umstände hat und Ihnen hier kein Nachteil entstehen kann.

„Ich kann/ darf/ will das nicht unterschreiben“

Ist das die Antwort Ihres Beraters, Maklers, Vertreters? Dann kommen wir wieder zurück zu Punkt eins und Sie melden die Daten dem Versicherer direkt. ACHTUNG: Natürlich kann es passieren das Sie dann einen Risikozuschlag bekommen, Nachfragen folgen, Fragebögen und/ oder Atteste nötig sind. Aber was ist Ihnen lieber? Die Angst bei jeder eingereichten Rechnung aus der Versicherung zu fliegen, oder einen sauberen Schutz zu haben?

Daher: Es ist ALLES ANZUGEBEN nach dem gefragt wurde.

Wenn Sie nun merken: „Oh halt, ich habe da in meinem alten Antrag auch Angaben nicht gemacht“, so nehmen Sie Kontakt zu einem qualifizierten Berater auf, machen sich Gedanken was und wie genau Angaben vergessen wurden oder bewusst bzw. auf falschen Rat „geschönt“ wurden und überlegen dann gemeinsam was passieren muss. Das hängt auch davon ab welche Angaben, wie lange diese zurück liegen, um welchen Vertrag es sich handelt und vieles mehr. Bei Fragen schicken Sie mir sonst gern eine E-Mail (HIER) oder nutzen den LiveChat auf der linken Seite.

27.
Mai '14

Die eigenwilligen Praktiken eines Finanzvertriebes- oder nur eines Mitarbeiters? Warum nicht nur „Ärzteberater“ Ärzte beraten können


Damit sich nicht gleich wieder Mitarbeiter des Finanzvertriebes mit den „drei großen Buchstaben“ beschweren, es geht hier nicht um den Vertrieb als Ganzes, sondern um ein eigenwilliges Verhalten eines „Ärzteberaters“ und zudem eine recht eigenwillige Auffassung zu Wettbewerbsrichtlinien, Verständnis von Beratung etc.

Wo ich heute in der FAZ zu Praktiken mit Seminaren lese, fällt mir mein „Fall“ aus den letzten Wochen wieder ein. Zum Glück handelt es sich hier um einen Kunden der weiss was er will, dieses auch durchsetzt, es aber dennoch als „sehr nervig“ empfunden hat.

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Was war nun passiert?

Ein Kunde, seines Zeichens Arzt, hatte vor einigen Jahren auch Kontakt zu dem Finanzvertrieb mit den drei Buchstaben, speziell zu einem Ärzteberater (was auch immer die Besonderheit dieser ist) und lies sich unter anderem schon zu Studienzeiten zur Berufsunfähigkeit, Vorsorge und Krankenversicherung beraten. Grundsätzlich kann ich nur gutheißen, wenn sich Menschen früh mit dem Thema BU Und Vorsorge beschäftigen, denn nur so ist eine „entspannte Gesundheitsprüfung und damit niedrigere Prämien“ langfristig möglich.

Nach der Beratung und der Absicherung der Berufsunfähigkeit und weiterer Produkte, ging es auch um das Thema Krankenversicherung. Während des Studiums bestand eine Absicherung in der PKV, danach wurde der Vertrag auf eine so genannte Anwartschaft (Was ist das?) umgestellt und so sollte sich der Anspruch gesichert werden, später in die Private Krankenversicherung zurück zu können.

Sehr vorbildlich, denn nur mit einer solchen Anwartschaft oder Option verschafft sich der Kunde die Möglichkeit auch bei schlechterem Gesundheitszustand zurück zu kommen. Die Beratung zu dieser Umstellung (und auch die Vergütung für die Beratung erhielt der MLP Berater) Dazu wurde dann also eine solche Umstellung vorgenommen, der Kunde zahlt einen Beitrag für dieses Recht und wartet…

… das er wieder in die PKV darf

auch wenn viele Ärzte m.E. immer noch unterbezahlt sind, irgendwann erreichte auch dieser Kunde die Grenze, wurde zum 01. 01. überschritten, so kann die Anwartschaft nun aktiviert werden und die PKV als Vollkrankenversicherung weiter geführt. Dazu wendet sich der Kunde (aus Zufriedenheits- oder welchem Grund auch sonst) erst einmal an den Versicherer direkt und bekommt eine verblüffende Aussage:

„Ihre PKV können wir umstellen, bitte reichen Sie uns den Nachweis der Versicherungsfreiheit ein. Aber Sie haben keine Anwartschaft für das Krankentagegeld und dieses ist aufgrund der uns bekannten Vorerkrankungen nun nicht mehr möglich.“

Ups… wieso das? Wieso wurde die Anwartschaft nicht für das Krankentaggeld gemacht? Wieso nicht ein Optionstarif welcher auch das Recht auf Abschluss eines KT’s enthält? Nach weiteren Prüfungen bietet der Versicherer dem Kunden die Absicherung an, dazu aber später mehr.

Neuer Berater, neues Glück, Kundenentscheidung

Nach diesen Aussagen wendet sich der Kunde mit einer PKV Anfrage vor einigen Wochen an uns und schreibt:

Hallo Herr Hennig,
ich habe eine Frage. Ich besitze derzeit eine Anwartschaftsversicherung bei der XYZ und habe nun aufgrund der Überschreitung der Jahresarbeitsentgeltgrenze die Möglichkeit zum Wechsel aus der GKV in die PKV. Ich wollte mich vorher gern über Alternativen informieren, insbesondere da einige Elemente des Tarifs bei der XYZ etwas „veraltet“ sind (insbesondere der geschlossene Hilfsmittelkatalog etc.). Zudem kommt dass ich bereits bei der Barmenia einen Risikozuschlag aufgrund Krankheit zahle. Erschwerend kommt hinzu dass ich bis vor ca. 8 Monaten eine ambulante Psychotherapie durchführen ließ. Seit letztem Juli ist die Behandlung aber abgeschlossen. Meine Frage ist nun, ob es überhaupt Sinn macht nach alternativen PKV-Tarifen zu suchen oder sie empfehlen unter den genannten Umständen eher in der GKV zu bleiben und die Anwartschaft zu kündigen. Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Hm, klingt nicht ganz einfach, aber lösbar. Also füllte der Fragende den Kriterienfragebogen zur PKV aus, ebenso erteilte er ein Maklermandat für den entsprechenden Vertrag, womit wir uns bei der Gesellschaft legitimieren konnten und mussten.

Der Fehler liegt im Detail- vergessene Anwartschaft für das KT wird zum Problem

Zunächst: Fehler können passieren, so ist das nun mal bei Menschen und dazu sollte man stehen. So wurde hier die Anwartschaft vergessen

(mehr …)

30.
April '14

Gastbeitrag: Versicherungsvermittler – alles die gleichen „Versicherungsfuzzis“?


Das Thema Versicherungen ist schon von Natur aus kompliziert genug. Da gilt es, sich Gedanken zu machen, welchen Versicherungsschutz man braucht, welche Folgen die Missdeutung von Versicherungsbedingungen haben können und was man sich wie noch „gerade so” selbst leisten kann. Und dann bemerkt man irgendwann – meist sehr schnell: Ich schaff’ das nicht alleine und brauch dringend einen Berater. Und spätestens dann gehen die „Probleme” los.

Versicherungsvertreter oder Makler – die Unterschiede sind meistens nicht klar und werden auch so nicht wahrgenommen. Für die meisten Kunden ist es doch immer gleich. Der „Versicherungsfuzzi” will mir doch nur was verkaufen und lebt vom Verkauf. Doch worin unterscheiden sich denn die Beratertypen?

Seit 2007 benötigt jeder Versicherungsvermittler (Oberbegriff) eine Zulassung vom Gewerbeamt. Diese erhält man nur, wenn man einen guten Leumund, eine Vermögensschadenhaftpflicht für Beratungsfehler und eine Sachkunde hat. Zumindest hat sich der Gesetzgeber das ursprünglich einmal so vorgestellt. Die Wirklichkeit sieht, wie so oft, etwas anders aus:

Der Versicherungsvertreter

Am häufigsten in der Branche vorzufinden ist dieser Typ von Berater. Er ist bei einem Versicherer angestellt oder Handelsvertreter gem. § 84 Handelsgesetzbuch (HGB) und vermittelt auch nur für dieses Unternehmen Verträge. Verträge von anderen Unternehmen darf er nicht anbieten, auch nicht vermitteln. Würde er dies tun, so verstieße er gegen seinen Vertrag mit dem Unternehmen.
Leider gibt es auch bei dieser Gruppe zwei große Unterscheidungen:

Versicherungsvertreter mit einer Zulassung gem. §34 d Abs 1 GewO (Die haben eine eigene Zulassung und auch die entsprechende Sachkunde)
Es gibt aber auch die Versicherungsvertreter gem. §34 d Abs 4 GewO. (Die haben keine eigene Zulassung, der gute Leumund wurde nicht von der IHK überprüft und viel wichtiger: Es wurde keine Sachkunde in Form von Prüfungen oder Berufsabschlüssen vorgelegt. Die Versicherungsgesellschaft übernimmt die „Verantwortung“ und die Vermittler dürfen fleißig Versicherungen vermitteln)
Damit Sie einmal überprüfen können, zu welchem Typ Ihr Berater gehört, gibt es eine einsehbare Liste aller Versicherungsvermittler beim DIHK:
www.vermittlerregister.org

Beim Versicherer angestellte Versicherungsvermittler finden Sie nicht in dem Register, da diese keine eigene Zulassung haben. Es wurde damit auch keine Sachkunde oder der gute Leumund bei der IHK nachgewiesen.

Vorteile des Versicherungsvertreters:

Der Berater kennt seine Produkte genau. Durch die begrenzte Anzahl der Tarife sollte der (mehr …)

30.
Juli '10

Fluch und Segen von Onlinevergleichsrechnern für Versicherungen


Heute fragte in einem Verbraucherforum für Versicherungen ein Nutzer nach einem Vergleichsrechner. In seinem Beitrag schrieb er:

Hi an alle, Versicherungen heut zu Tage zu vergleichen ist ja sehr anstregend. Weiß jemand wo man das schnell und vor allem kostenlos machen kann? …also wo es auch nicht so kompliziert ist?

Damit sind wir jedoch wieder bei dem Grundproblem von komplexen Versicherungssparten. Der (Internet-)Nutzer erwartet möglichst schnelle Informationen und Vergleichsrechner, eine schneller Prämienberechnung und somit ein- für ihn augenscheinlich- tolles Ergebnis.

Die Erwartungshaltung des Nutzers lässt sich in „einfachen“ Sparten wie einer Haftpflicht, Hausrat oder Autoversicherung vielleicht noch erfüllen, in komplexen Versicherungssparten wie der Krankenversicherung, einer Absicherung bei Berufsunfähigkeit oder der Altersvorsorge ist dieses unmöglich.

Allein die Private Krankenversicherung bietet mehr als 800 Kriterien wo sich die Tarife unterscheiden. Diese sind selbst mit umfangreicheren Vergleichsrechnern nicht mehr darstellbar. Denn selbst wenn der Interessent eine entsprechende Auswahl treffen könnte und jedes Kriterium kennt, so ist es in vielen Bereichen nicht zu überblicken welche (finanziellen) Auswirkungen solche Entscheidungen haben (können).

Sollten Sie also auch nach einem Online Vergleichsrechner für die Private Krankenversicherung suchen und vielleicht sogar „tolle Vergleichsrechner“ finden, so hinterfragen Sie diese genau. Lesen Sie Bedingungen, versuchen diese zu verstehen und betrachten Sie nicht nur die Kriterien sondern auch die Folgen aus einer falschen Auswahl.

Ähnliche Umstände gelten in der Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Auch hier spielen so viele Kriterien eine Rolle um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Und wie kommen Sie nun zum passenden Produkt:

Nun, da Sie ja keinen Vergleichsrechner nutzen sollen, stellt sich zu recht die Frage wo das passende Produkt herkommen soll. Zunächst empfehle ich Ihnen sich online und in verschiedenen Fachinformationen einige Grundlagen zu beschaffen. Hilfreich sind hier zum Beispiel der Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung oder zur Berufsunfähigkeit.

Sollten Sie Beamter sein und sich über die Dienstunfähigkeit oder Beihilfeversicherung informieren wollen, so bietet die Internetseite meines Kollegen Hr. Harms entsprechende Leitfäden, Kriterienfragebögen und mehr.

Nachdem Sie nun Grundlagen der Systeme und Hinweise zu den Modellen und Tarifen erhalten haben- suchen Sie sich einen spezialisierten Berater. Spezialisiert? Ja, denn auch ihr Berater, Makler oder Vermittler ist kein „Alleskönner“.  Wer Ihnen vorgaukelt er könne alles, am besten noch Finanzierung, Vorsorge, Investment und sonstige Anlagen dem würde ich persönlich misstrauen. Allein die Neuerungen im Bereich der PKV verschlingen so viel Zeit wenn der Berater auf dem aktuellen Stand sein will, da bleiben nur noch wenige Stunden Zeit sich um alle anderen Bereiche zu kümmern.

Hinterfragen Sie daher ruhig kritisch die Erfahrung und die Kenntnisse- schließlich ist es eine lebenslange Entscheidung.

21.
Oktober '09

PKV Beratung und Abschluss in 29 Minuten und 10 Sekunden?


Wie soll das gehen?

Es ist tatsächlich so, ich habe es heute live erlebt. Es gibt einen Berater/ Makler/ Vertreter, wobei das noch nicht so richtig klar ist was er eigentlich ist. Eine gesetzlich vorgeschriebene Erstinformation gab es nicht. Die Registrierung sagt auch nicht viel aus. Hier haben wir unter gleicher Adresse und der identischen Internetadresse eine Registrierung im Vermittlerregister als Makler, gleichzeitig als Versicherungsvertreter und eine gesetzliche Krankenkasse auch noch. Geht nicht? Dachte ich auch- ist aber derzeit so.

Dort wurde ich, nachdem ich eine Frage zu der angebotenen Privaten Krankenversicherung nachfragte (da wusste ich noch nichts vom Makler oder Vertreter sondern glaubte dem Anschein es sei eine gesetzliche Kasse mit irgendeiner Erweiterung) heute angerufen. Man fragte mich welche Private Versicherung ich denn wolle und stelle 3 Fragen zu Selbstbeteiligung, Einbettzimmer und Naturheilverfahren. Mehr nicht. Wie man mit diesen Fragen meine Auswahlkriterien erörtert hat weiss ich nicht.

Nachdem das gesehen war (Dauer 5 Min.) wolle man mich später wieder anrufen. In dem neuen Telefonat von exakt 29 Minuten und 10 Sekunden sprach man von 2 infrage kommenden Tarifen und nur diese wären geeignet. Ob es noch weitere am Markt gäbe die für mich in Frage kommen (wobei, woher wissen die nach 5 Min. was für mich in frage kommt) antwortet man: „Nein, etwas besseres gebe es nicht„.

Nach einigen Erläuterungen zum „tollen Tarif“ und der Nennung der Prämie stellte ich noch einige Fragen. Konkret fragte ich: „Gibt es irgendeinen Bereich der schlechter ist als die GKV, denn dieses sollte definitiv ausgeschlossen sein. Gleiches soll auch für die beiden mitversicherten Kinder gelten.“  Antwort: NEIN, das ist „alles besser als in der GKV. Ich kann Ihnen mit Gewissheit die XXX ans Herz legen.“

Nachfrage von mir: „Man hört doch immer so viel, gibt es denn Einschränkungen die ich kennen muss oder worauf ich mich einstellen muss wenn ich gewechselt bin?“ Antwort: Es ist alles viel besser als in der GKV. Schauen Sie nur: Heilmittel müssen Sie dort mit 10% Eigenanteil bezahlen und bei den Hilfsmitteln ist es auch so, es ist wirklich alles besser.“

Anmerkung:

Der angebotene Tarif besitzt einen geschlossenen Hilfsmittelkatalog. Somit sind deutlich weniger Hilfsmittel in dem Katalog enthalten als wir in der GKV kennen. Das muss nicht schlechter sein, da es auf die Formulierungen und genauen Ausführungen ankommt, in diesem Fall ist es aber schlechter. Zudem werden diese Hilfsmittel hier im Tarif nur zu 80% erstattet- soviel zu „alles besser“.

Auch von dem fehlenden Krankengeld bei Erkrankung der Kinder spricht niemand. Auch auf explizite Nachfrage nicht. Leistungseinschränkungen in vielen anderen Bereichen, der Versorgung bei Reha und Anschlussheilbehandlung oder der Aufenthalt in gemischten Anstalten wird erst gar nicht erklärt.

Fazit Teil I:

Solange es solche „Berater gibt“ braucht der Interessent keine anderen Feinde. Auch wenn das schlimm klingt, in dem zweiten Teil der „29 Min. Beratung“ kam es nun zu der „Besprechung“ der Antragsfragen. Welcher Unsinn dort heraus kam lesen Sie in den nächsten Tagen auch wieder hier im Blog. Dieses waren erst die ersten 16 Minuten.

Auch werde ich am Ende dieser Pannenserie „Ross und Reiter“ nennen und auch die Anfragen und Antworten der zuständigen Aufsichtsbehörden veröffentlichen. Vorerst jedoch bleibt es bei diesem Teil- weiteres folgt.

Hier geht’s zum Teil II.