30.
Juli '10
Heute fragte in einem Verbraucherforum für Versicherungen ein Nutzer nach einem Vergleichsrechner. In seinem Beitrag schrieb er:
Hi an alle, Versicherungen heut zu Tage zu vergleichen ist ja sehr anstregend. Weiß jemand wo man das schnell und vor allem kostenlos machen kann? …also wo es auch nicht so kompliziert ist?
Damit sind wir jedoch wieder bei dem Grundproblem von komplexen Versicherungssparten. Der (Internet-)Nutzer erwartet möglichst schnelle Informationen und Vergleichsrechner, eine schneller Prämienberechnung und somit ein- für ihn augenscheinlich- tolles Ergebnis.
Die Erwartungshaltung des Nutzers lässt sich in “einfachen” Sparten wie einer Haftpflicht, Hausrat oder Autoversicherung vielleicht noch erfüllen, in komplexen Versicherungssparten wie der Krankenversicherung, einer Absicherung bei Berufsunfähigkeit oder der Altersvorsorge ist dieses unmöglich.
Allein die Private Krankenversicherung bietet mehr als 800 Kriterien wo sich die Tarife unterscheiden. Diese sind selbst mit umfangreicheren Vergleichsrechnern nicht mehr darstellbar. Denn selbst wenn der Interessent eine entsprechende Auswahl treffen könnte und jedes Kriterium kennt, so ist es in vielen Bereichen nicht zu überblicken welche (finanziellen) Auswirkungen solche Entscheidungen haben (können).
Sollten Sie also auch nach einem Online Vergleichsrechner für die Private Krankenversicherung suchen und vielleicht sogar “tolle Vergleichsrechner” finden, so hinterfragen Sie diese genau. Lesen Sie Bedingungen, versuchen diese zu verstehen und betrachten Sie nicht nur die Kriterien sondern auch die Folgen aus einer falschen Auswahl.
Ähnliche Umstände gelten in der Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Auch hier spielen so viele Kriterien eine Rolle um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.
Und wie kommen Sie nun zum passenden Produkt:
Nun, da Sie ja keinen Vergleichsrechner nutzen sollen, stellt sich zu recht die Frage wo das passende Produkt herkommen soll. Zunächst empfehle ich Ihnen sich online und in verschiedenen Fachinformationen einige Grundlagen zu beschaffen. Hilfreich sind hier zum Beispiel der Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung oder zur Berufsunfähigkeit.
Sollten Sie Beamter sein und sich über die Dienstunfähigkeit oder Beihilfeversicherung informieren wollen, so bietet die Internetseite meines Kollegen Hr. Harms entsprechende Leitfäden, Kriterienfragebögen und mehr.
Nachdem Sie nun Grundlagen der Systeme und Hinweise zu den Modellen und Tarifen erhalten haben- suchen Sie sich einen spezialisierten Berater. Spezialisiert? Ja, denn auch ihr Berater, Makler oder Vermittler ist kein “Alleskönner”. Wer Ihnen vorgaukelt er könne alles, am besten noch Finanzierung, Vorsorge, Investment und sonstige Anlagen dem würde ich persönlich misstrauen. Allein die Neuerungen im Bereich der PKV verschlingen so viel Zeit wenn der Berater auf dem aktuellen Stand sein will, da bleiben nur noch wenige Stunden Zeit sich um alle anderen Bereiche zu kümmern.
Hinterfragen Sie daher ruhig kritisch die Erfahrung und die Kenntnisse- schließlich ist es eine lebenslange Entscheidung.
Tags: Berater, Makler, Onlinerechner, Qualifikation, Vergleichsrechner, Vertreter
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21.
Oktober '09
Wie soll das gehen?
Es ist tatsächlich so, ich habe es heute live erlebt. Es gibt einen Berater/ Makler/ Vertreter, wobei das noch nicht so richtig klar ist was er eigentlich ist. Eine gesetzlich vorgeschriebene Erstinformation gab es nicht. Die Registrierung sagt auch nicht viel aus. Hier haben wir unter gleicher Adresse und der identischen Internetadresse eine Registrierung im Vermittlerregister als Makler, gleichzeitig als Versicherungsvertreter und eine gesetzliche Krankenkasse auch noch. Geht nicht? Dachte ich auch- ist aber derzeit so.
Dort wurde ich, nachdem ich eine Frage zu der angebotenen Privaten Krankenversicherung nachfragte (da wusste ich noch nichts vom Makler oder Vertreter sondern glaubte dem Anschein es sei eine gesetzliche Kasse mit irgendeiner Erweiterung) heute angerufen. Man fragte mich welche Private Versicherung ich denn wolle und stelle 3 Fragen zu Selbstbeteiligung, Einbettzimmer und Naturheilverfahren. Mehr nicht. Wie man mit diesen Fragen meine Auswahlkriterien erörtert hat weiss ich nicht.
Nachdem das gesehen war (Dauer 5 Min.) wolle man mich später wieder anrufen. In dem neuen Telefonat von exakt 29 Minuten und 10 Sekunden sprach man von 2 infrage kommenden Tarifen und nur diese wären geeignet. Ob es noch weitere am Markt gäbe die für mich in Frage kommen (wobei, woher wissen die nach 5 Min. was für mich in frage kommt) antwortet man: “Nein, etwas besseres gebe es nicht“.
Nach einigen Erläuterungen zum “tollen Tarif” und der Nennung der Prämie stellte ich noch einige Fragen. Konkret fragte ich: “Gibt es irgendeinen Bereich der schlechter ist als die GKV, denn dieses sollte definitiv ausgeschlossen sein. Gleiches soll auch für die beiden mitversicherten Kinder gelten.” Antwort: NEIN, das ist “alles besser als in der GKV. Ich kann Ihnen mit Gewissheit die XXX ans Herz legen.”
Nachfrage von mir: “Man hört doch immer so viel, gibt es denn Einschränkungen die ich kennen muss oder worauf ich mich einstellen muss wenn ich gewechselt bin?” Antwort: Es ist alles viel besser als in der GKV. Schauen Sie nur: Heilmittel müssen Sie dort mit 10% Eigenanteil bezahlen und bei den Hilfsmitteln ist es auch so, es ist wirklich alles besser.”
Anmerkung:
Der angebotene Tarif besitzt einen geschlossenen Hilfsmittelkatalog. Somit sind deutlich weniger Hilfsmittel in dem Katalog enthalten als wir in der GKV kennen. Das muss nicht schlechter sein, da es auf die Formulierungen und genauen Ausführungen ankommt, in diesem Fall ist es aber schlechter. Zudem werden diese Hilfsmittel hier im Tarif nur zu 80% erstattet- soviel zu “alles besser”.
Auch von dem fehlenden Krankengeld bei Erkrankung der Kinder spricht niemand. Auch auf explizite Nachfrage nicht. Leistungseinschränkungen in vielen anderen Bereichen, der Versorgung bei Reha und Anschlussheilbehandlung oder der Aufenthalt in gemischten Anstalten wird erst gar nicht erklärt.
Fazit Teil I:
Solange es solche “Berater gibt” braucht der Interessent keine anderen Feinde. Auch wenn das schlimm klingt, in dem zweiten Teil der “29 Min. Beratung” kam es nun zu der “Besprechung” der Antragsfragen. Welcher Unsinn dort heraus kam lesen Sie in den nächsten Tagen auch wieder hier im Blog. Dieses waren erst die ersten 16 Minuten.
Auch werde ich am Ende dieser Pannenserie “Ross und Reiter” nennen und auch die Anfragen und Antworten der zuständigen Aufsichtsbehörden veröffentlichen. Vorerst jedoch bleibt es bei diesem Teil- weiteres folgt.
Hier geht’s zum Teil II.
Tags: Makler, PKV Berater, Vertreter
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