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29.
November '17

Mehr Geld vom Arbeitgeber – wie der AG die Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung steuerfrei erstatten kann


… und warum dieses eine gute Idee sein kann, lesen Sie in diesem Beitrag. Bereits im Jahr 2009 habe ich hierzu einen Beitrag veröffentlicht und es häufen sich die Anfragen vor dem Hintergrund „ist das denn noch aktuell“ und wo steht das, wie geht das, was kann/ muss ich meinem Arbeitgeber schicken und sagen. Da das Jahresende nun wieder naht und Macheiner sich nun Gedanken zu dem Einreichen der Rechnungen in der Privaten Krankenversicherung macht, hier einige Hinweise und die Beantwortung der mistgestellten Fragen. In diesem Beitrag finden Sie insbesondere Informationen und Antworten zu den folgenden Fragen:

1.) Was ist die Selbstbeteiligung?

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

5.) Wie wirkt sich die steuerfreie Erstattung aus?

1.) Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung

Eine Selbstbeteiligung ist ein Eigenanteil in der privaten Krankenversicherung, welcher auf einen absoluten oder prozentualen Betrag festgelegt ist. Der Gesetzgeber hat zudem den maximalen Betrag einer möglichen Selbstbeteiligung in jedweden Tarifen der PKV (nach 2012) auf einen Maximalbetrag von 5.000 € gedeckelt.

Mehr dazu im Beitrag: „Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung

Diese Selbstbeteiligung muss der Arbeitnehmer aber allein zahlen. Der Arbeitgeber hat zwar die Verpflichtung (gem. § 257 SGB V) einen Arbeitgeberzuschuss zu zahlen und damit die Hätte des Beitrages zu erstatten. Die Höchstbeiträge für diesen Zuschuss ändern sich, welche Werte in 2018 gelten finden Sie im Beitrag zu dem

Arbeitgeberzuschuss und den Sozialversicherungswerten 2018

Wer aber nun den Arbeitgeber noch etwas mehr beteiligen möchte, der kann eine andere Möglichkeit nutzen. Die Erstattung der Selbstbeteiligung.

2.) Kann der Arbeitgeber diese steuerfrei erstatten?

Ja, kann er, wenn er denn will. Eine Verpflichtung zur Erstattung der Selbstbeteiligung gibt es nicht, aber manchmal ist es bei den Gehaltsverhandlungen durchaus ein Argument sich hier eine weitere „Leistung“ vom Arbeitgeber zu holen. ABER ACHTUNG, es geht nicht pauschal und ist an Voraussetzungen gebunden. Bei der Erstattung sind einige Voraussetzungen zu beachten.

a.) es darf nur die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung erstattet werden, also eine SB muss verbraucht sein (nur eine im Vertrag zu haben, reicht nicht aus)

b.) Rechnungen müssen wirklich eingereicht sein, der Versicherer bestätigt dann den „Verbrauch“ der Selbstbescheinigung. Dabei kann dieses erst rückwirkend erfolgen. Sie können als so genannte Bescheinigung aber auch die Leistungsabrechnung verwenden, welche Ihnen den Abzug der SB ausweist. Zum Beispiel so:

c.) Der Versicherer muss also bestätigen, die SB wurde verbraucht und wir hätten den Betrag erstattet, wäre da nicht die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung gewesen.

d.) Der maximale, steuerfrei zu erstattende Betrag (rückwirkend) ist auf einen Höchstbetrag von 600 € pro Jahr begrenzt. Es kann also im Januar erfüllt sein, oder auch erst im Dezember. Grundlage finden Sie unten unter Punkt 3.)

3.) Wo ist das gesetzlich geregelt?

Regelungen finden sich hier im SGB V (für den AG Zuschuss) und in den so genannten Lohnsteuerrichtlinien 2015 (gelten aktuell noch) und haben hiermit so eine Bildung für die Finanzämter. Das bedeutet nicht, dass nicht ein Sachbearbeiter es dennoch erstmal ablehnen kann, dieses sollte dann ggf. mit Hilfe der steuerberatenden Berufe weiter verfolgt werden.

R 3.11 LStR 2015 – Beihilfen und Unterstützungen, die wegen Hilfsbedürftigkeit gewährt werden (§ 3 Nr. 11 EStG)

Beihilfen und Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln

(1) Steuerfrei sind

(2) Unterstützungen, die von privaten Arbeitgebern an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind steuerfrei, wenn die Unterstützungen dem Anlass nach gerechtfertigt sind, z. B. in Krankheits- und Unglücksfällen.

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Unterstützungen

1. aus einer mit eigenen Mitteln des Arbeitgebers geschaffenen, aber von ihm unabhängigen und mit ausreichender Selbständigkeit ausgestatteten Einrichtung gewährt werden. Das gilt nicht nur für bürgerlich-rechtlich selbständige Unterstützungskassen, sondern auch für steuerlich selbständige Unterstützungskassen ohne bürgerlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit, auf deren Verwaltung der Arbeitgeber keinen maßgebenden Einfluss hat;
2. aus Beträgen gezahlt werden, die der Arbeitgeber dem Betriebsrat oder sonstigen Vertretern der Arbeitnehmer zu dem Zweck überweist, aus diesen Beträgen Unterstützungen an die Arbeitnehmer ohne maßgebenden Einfluss des Arbeitgebers zu gewähren;
3. vom Arbeitgeber selbst erst nach Anhörung des Betriebsrats oder sonstiger Vertreter der Arbeitnehmer gewährt oder nach einheitlichen Grundsätzen bewilligt werden, denen der Betriebsrat oder sonstige Vertreter der Arbeitnehmer zugestimmt haben.

Die Voraussetzungen des Satzes 2 Nr. 1 bis 3 brauchen nicht vorzuliegen, wenn der Betrieb weniger als fünf Arbeitnehmer beschäftigt.

Die Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 Euro je Kalenderjahr steuerfrei.

Der 600 Euro übersteigende Betrag gehört nur dann nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn er aus Anlass eines besonderen Notfalls gewährt wird.

Bei der Beurteilung, ob ein solcher Notfall vorliegt, sind auch die Einkommensverhältnisse und der Familienstand des Arbeitnehmers zu berücksichtigen; drohende oder bereits eingetretene Arbeitslosigkeit begründet für sich keinen besonderen Notfall im Sinne dieser Vorschrift.

Steuerfrei sind auch Leistungen des Arbeitgebers zur Aufrechterhaltung und Erfüllung eines Beihilfeanspruchs nach beamtenrechtlichen Vorschriften sowie zum Ausgleich von Beihilfeaufwendungen früherer Arbeitgeber im Falle der Beurlaubung oder Gestellung von Arbeitnehmern oder des Übergangs des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses auf den privaten Arbeitgeber, wenn Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V besteht.

4.) Was muss ich für Unterlagen besorgen?

Zunächst einmal müssen Sie nachweisen, dass diese Selbstbeteiligung auch angefallen ist, wie eben bereits geschrieben. Dazu kann die oben genannte Bescheinigung einer Leistungsauszahlung genutzt werden, wenn diese klar ausweist wie hoch der Betrag für die jährliche Selbstbeteiligung ist UND das diese auch genutzt wurde.

Alternativ kann die private Krankenversicherung auch bestätigen, dass die Selbstbeteiligung auch „verbraucht wurde“.

Dazu muss der Arbeitgeber natürlich wollen. Dann ist diese Bescheinigung bei dem Arbeitgeber oder dem zuständigen Lohnbüro einzu (mehr …)

19.
November '10

Welche Selbstbeteiligung in der PKV ist für Angestellte richtig und angemessen?


Eine häufig gestellte Frage in der Beratung. Was für eine Selbstbeteiligung (SB) ist den richtig?

Zunächst, Sie werden es sich denken können, gibt es keine pauschale Antwort auf diese Frage. Dabei muss zunächst zwischen Angestellten und Selbstständigen unterschieden werden, weshalb ich in diesem Beitrag nur auf die Angestellten eingehen möchte.

Warum bieten Unternehmen Selbstbeteiligungen (SB) an?

Selbstbeteiligungen fördern zum einen das Kostenbewusstsein, zum anderen ersparen Sie dem Unternehmen Verwaltungsaufwand. So kostet das bearbeiten einer kleinen Rechnung meist deutlich mehr als der Erstattungsbetrag. Daher macht es Sinn, sich genau anzuschauen wie die Beiträge im Verhältnis aussehen.

Was gibt es für Selbstbeteiligungen?

Unterschieden wird zwischen absoluten und prozentualen Selbstbeteiligungen, diese können gedeckelt oder unbegrenzt sein. Auch unterscheidet sich die Frage in welchem Bereich diese Selbstbeteiligung anfällt. Bietet das Unternehmen Bausteintarife an (also Tarife wo ambulant, stationär und zahnärztliche Leistungen getrennt in Bausteinen kombinierbar sind), so fällt die SB oftmals nur ambulant an. In den Kompaktarifen (also ein Tarif für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen) legt der Versicherer selbst fest, wo die SB gilt. Hier einige Bespiele zur Verdeutlichung:

Tarif Esprit vom Deutschen Ring: 450 EUR Selbstbeteiligung auf den ambulanten Bereich

Tarif Comfort+ vom Deutschen Ring: 20% SB bis max. 540 EUR, auch nur auf den ambulanten Bereich

RuV Agil Premium: 480 EUR Selbstbeteiligung über alle Bereiche, ausgenommen Vorsorgeuntersuchungen lt. Tarif

Hallesche NK3: 300 EUR Selbstbeteiligung über alle Bereiche, dazu 20% bei Psychotherapie und Heilmitteln

Hallesche NK Bonus: keine SB im eigentlichen Sinne, aber 60 EUR Bonusrückzahlung pro Monat, falls keine Rechnungen eingereicht werden. Also „fiktive SB von 720 EUR

AXA Vital: 300/ 600/ 900 EUR SB für den ambulanten und stationären Bereich

Sie sehen wie vielfältig die unterschiedlichen Lösungen sind. Daher schauen Sie sich nicht nur die Höhe der SB, sondern auch den „Geltungsbereich“ an.

Wie wirkt sich die Selbstbeteiligung auf den Beitrag/ die Steuer aus?

Grundsätzlich vermindert eine Selbstbeteiligung im Tarif den Beitrag. Gerade bei Arbeitnehmern macht eine solche Selbstbeteiligung aber nicht immer Sinn. Gerade wenn der Arbeitgeberzuschuss noch nicht ausgeschöpft wird (der PKV Beitrag somit 542 EUR in 2011 unterschreitet) ist eine Reduzierung der SB sinnvoll. Der Arbeitgeber beteiligt sich dann nämlich zu 50% am Beitrag, nicht aber an einer Selbstbeteiligung. Diese ist zwar steuerlich gesehen auch „Aufwand“, macht aber gerade dann keinen Sinn.

Auch ist die steuerliche Auswirkung zu betrachten. Ein Wechsel/ Eine Entscheidung für einen niedrigen SB (somit einen höheren Beitrag) kann sich durchaus „rechnen“. Da der Beitrag (anteilig je nach Tarif) steuerlich berücksichtigt wird (ab dem 1. 1. 2010 im Sinne des Bürgerentlastungsgesetzes) machen die kleineren Selbstbeteiligungsstufen Sinn. Bevor Sie sich für eine Selbstbeteiligungsstufe jedoch entscheiden können, sind die Auswahlkriterien zur PKV zu beachten und Sie müssen zunächst Entscheidungen und eine Tarifauswahl treffen. Daher ist die Entscheidung für eine SB Stufe auch davon abhängig, was der Versicherer überhaupt in dem ausgewählten Tarif anbietet.

Kann ich die SB Stufe später wechseln?

Ja. Ein Wechsel der Selbstbeteiligungen (sofern mehrere Stufen in dem Tarif angeboten werden) ist (fast) jederzeit möglich. Dabei sind aber einige Grundsätze zu beachten.

Ein Wechsel von einer höheren IN EINE KLEINERE Selbstbeteiligung ist eine Leistungsverbesserung, der Versicherer zahlt ja mehr und bedarf somit einer neuen Risikoprüfung. Ausgenommen hierbei ist die Nutzung von Optionsrechten. Diese sichern zu bestimmten Terminen einen Wechsel auch ohne neue Gesundheitsprüfung. Fällt eine solche Prüfung negativ auf, so kann der Versicherer einen solchen Wechsel mit einem (neuen oder erhöhten) Risikozuschlag versehen oder aber ablehnen.

Hingegen ist der Wechsel IN EINE HÖHERE SB Stufe eine so genannte Leistungsverschlechterung. Also ist diese auch ohne Gesundheitsprüfung möglich und hat in der Regel einen geringeren Beitrag zur Folge. WICHTIG: Ein Weg zurück in die alte, kleinere SB ist eine Verbesserung und macht eine Gesundheitsprüfung erforderlich.

Was ist sonst zu beachten bei der Auswahl der SB Stufe?

Bedenken Sie zwei weitere Punkte. Im Rahmen der Beitragsanpassung kann der Versicherer auch eine Selbstbeteiligung erhöhen. Eine Garantie, dass die SB so bleibt wie diese heute abgeschlossen wurde, gibt es somit nicht.

Auch bedenken Sie bitte, dass eine Selbstbeteiligung immer liquide vorhanden sein muss. Nicht nur die eine, sondern mindestens zweimal sollte die SB an Barmitteln vorhanden sein. Bei einer Erkrankung über den Jahreswechsel oder einer chronischen Erkrankung muss diese unter Umständen im Dezember und gleich im Januar wieder aufgebracht werden.

Gilt die Selbstbeteiligung auch bei Kindern und muss diese so hoch wie meine eigene sein?

Ja. Je nach vereinbartem Tarif gilt diese auch da. Bei einer Reihe von Gesellschaften sind diese jedoch bei Kindern und/ oder Jugendlichen halbiert. Die Höhe ist jedoch bei Antragstellung frei wählbar.

ACHTUNG: Das Kind, welches in der Neugeborenennachversicherung versichert ist, muss (ohne eine Risikoprüfung zu haben) in die SB Stufe der Eltern oder eine höhere. Eine kleinere SB ist (sieh ahnen es bereits) eine Leistungsverbesserung und bedarf einer Risikoprüfung. Es gibt aber Versicherer die hier Ausnahmeregelungen anbieten. Dann sind diese jedoch speziell im Tarif vertraglich vereinbart.

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