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28.
Juli '10

So schlimm und unfähig kann Beratung zur PKV sein- Leider!


Es gibt Sachen auf dieser Welt, die gehören verboten. Verboten zum einen weil diese gegen bestehende Gesetze verstoßen und, was viel schlimmer ist, den Kunden (Versicherten) in ein so großes finanzielles Loch fallen lassen, dass dieser da nie wieder heraus kommt.

In der letzten Woche schrieb ich im Blogbeitrag Unsinniger PKV Werbung- wie finde ich einen Dummen der darauf rein fällt- Teil III über eine vermeintlich neutrale Internetseite. Diese bot eine Beratung zur privaten Krankenversicherung an. Auch hatte ich dort angekündigt einmal eine Anfrage dort zu stellen und dann mit dem „Kollegen“ zu sprechen.

Hier folgt nun Teil I der, aus meiner Sicht schlimmen, Geschichte.

Einen Tag nach der Anfrage erhielt ich von einem Datensatzverkäufer eine E-Mail mit dem Hinweis, man habe die Anfrage an einen zuständigen Berater weitergeleitet. Dieser „Adresshändler“ scheint sich um den Datenschutz und dergleichen wenig bis gar nicht zu scheren. Auch eine E-Mail Signatur mit den Pflichtangaben für eine GmbH scheint diesen Anbieter nicht zu interessieren, die fehlte nämlich gänzlich. Aber eine Mailadresse war angegeben.

Spannend war folgende Formulierung in der Mail:

Ein auf Ihre Bedürfnisse optimal angepasstes Angebot soll das Ergebnis der Beratung sein.

Zuvor sei noch angemerkt, dass es in der PKV mehr als 500 Kriterien gibt die man besprechen kann und sollte und der Kunde mehr als eine E-Mail braucht um die Hintergründe zu verstehen. Keine 30 Minuten nach dieser Mail schrieb mir ein „Berater“, er sei nun für mich zuständig.

Diese Mail war so dreist, das ich kurz davor war einen entsprechenden Anruf zu tätigen. Ein Auszug aus dieser Mail hier:

Um eine Analyse der Möglichkeiten zu erstellen, benötige ich folgende Angaben.

Wünschen Sie ein 2-Bettzimmer mit Chefarzt? Wäre eine SB bis 300,-€ pro Jahr für Sie ok.?

In welcher Höhe benötigen Sie ein Krankentagegeld und ab welcher Woche?

Das waren alle Fragen die anscheinend nötig sein sollen um mir eine Private Krankenversicherung zu verkaufen. Ein Produkt, welches ich (mit gerade 33) die nächsten 30, 40 oder 50 Jahre mit mir herum trage und mich dieses vor den finanziellen Folgen schützen soll.

Weitere Fragen zur beruflichen und privaten Situation gab es nicht, klar- ist ja auch unwichtig ob ich noch drei Kinder will, welche habe oder dergleichen. Auch ist völlig unklar ob ich Leistungen wie Reha, Hilfsmittel, Auslandsaufenthalte und so etwas versichern will. Aber- so dachte ich- kommt vielleicht noch.

Ich antwortete also auf diese drei Fragen und versandte meine Mail an den „Berater“ um 11:54 Uhr. Die Antwort folgte um 12:06 Uhr. Also nach nicht einmal 12 Minuten hat man den für mich passenden Tarif gefunden und schrieb mir, man habe die passenden Tarife gefunden und schicke mir mal drei, ich könne einen aussuchen.

Die Anlage war eine „Analyse“ welche die Beiträge verglich und den billigsten, den 3. und 5. in der Liste anbot. Warum gerade diese? Keine Ahnung.

Dazu gab es eine Kurzbeschreibung des Tarifs, die Beiträge und falsche Informationen zur Versorgung bei einigen Naturheilverfahren. Hierfür kann sicher der Berater weniger, sondern eher der Softwareanbieter. Die „unwichtigen“ Fragen nach Hilfsmitteln (und somit nach hohen Kostenrisiken) hat der tolle Berater gleich mal nicht mit ausgedruckt, denn die Tarife sind hier vermeintlich schlecht. Somit würde ich als Kunde wohl hier auf tausenden und abertausenden Euro an Kosten sitzen bleiben und mich deutlich gegenüber der GKV verschlechtern.

Gesetzlich vorgeschriebene Informationen wie Produktinformationen, Bedingungen, eine Erstinformation zu dem Berater etc. gab es natürlich auch nicht. Warum auch- was der Kunde nicht weiss kann ihn auch nicht verschrecken.

Um 20:08 Uhr des selben Tages wurde mir der Antrag übersandt mit der Bitte diesen doch nun auszufüllen und zurück zu senden. Die ganze „Beratung“, welche eigentlich keine war da dieses nur aus 4 Mails bestand, dauerte somit keinen halben Tag.

Fazit:

Weil solche (Entschuldigung vorab für die nun folgenden deutlichen Worte) Deppen auf dem Markt rumlaufen und nicht in der Lage sind die Tragweite des Unsinns zu erkennen, den die produzieren, leidet nicht nur die Branche. Das allein ist nicht schön, aber Versicherungen und deren Beratung gehört seit jeher nicht zu den beliebtesten Berufen.

Nein, viel schlimmer und vom Gesetzgeber nicht ausreichend kontrolliert ist die Tatsache der Beratung. Solche Abschlüsse und Abläufe führen den Kunden später in den finanziellen Ruin. Natürlich kann man darauf hoffen, dass es eine Vermögenschadenhaftpflichtversicherung gibt und diese vielleicht, nach Jahren des „durch die Gerichte ziehens“ auch zahlt, sicher ist dieses aber nicht.

Der Versicherte steht hier mit unkalkulierbaren Risiken da und kann noch nicht einmal etwas dafür. Da werden Menschen in die PKV gelockt und über Risiken nicht aufgeklärt. Der Berater, den es vielleicht- und in diesem Falle hoffentlich- bald nicht mehr gibt ist dieses doch sch… egal.

Lassen Sie sich bitte nie, niemals von solchen Leuten beraten. Fragen Sie nach, lassen Sie sich Unterlagen zeigen und fordern Sie den Nachweis, dass diese Menschen etwas davon verstehen was sie tun und eine entsprechende Zulassung haben. Solange es blauäugige Kunden gibt wird es auch immer solche schwarzen Schafe auf dem Markt geben.

Und eine (ungewöhnliche) Bitte habe ich noch:

Verbreiten Sie diesen Artikel bitte wo immer Sie können. Facebook, Twitter oder Mail, was auch immer möglich ist. Es kann nicht sein das hier Menschen in den Ruin getrieben werden, weil diese gar keine Möglichkeit haben Aussagen zu hinterfragen und dann reinfallen.

Ich werde in den nächsten Wochen die weitere (rechtliche) Entwicklung hier berichten.

21.
Oktober '09

PKV Beratung und Abschluss in 29 Minuten und 10 Sekunden?


Wie soll das gehen?

Es ist tatsächlich so, ich habe es heute live erlebt. Es gibt einen Berater/ Makler/ Vertreter, wobei das noch nicht so richtig klar ist was er eigentlich ist. Eine gesetzlich vorgeschriebene Erstinformation gab es nicht. Die Registrierung sagt auch nicht viel aus. Hier haben wir unter gleicher Adresse und der identischen Internetadresse eine Registrierung im Vermittlerregister als Makler, gleichzeitig als Versicherungsvertreter und eine gesetzliche Krankenkasse auch noch. Geht nicht? Dachte ich auch- ist aber derzeit so.

Dort wurde ich, nachdem ich eine Frage zu der angebotenen Privaten Krankenversicherung nachfragte (da wusste ich noch nichts vom Makler oder Vertreter sondern glaubte dem Anschein es sei eine gesetzliche Kasse mit irgendeiner Erweiterung) heute angerufen. Man fragte mich welche Private Versicherung ich denn wolle und stelle 3 Fragen zu Selbstbeteiligung, Einbettzimmer und Naturheilverfahren. Mehr nicht. Wie man mit diesen Fragen meine Auswahlkriterien erörtert hat weiss ich nicht.

Nachdem das gesehen war (Dauer 5 Min.) wolle man mich später wieder anrufen. In dem neuen Telefonat von exakt 29 Minuten und 10 Sekunden sprach man von 2 infrage kommenden Tarifen und nur diese wären geeignet. Ob es noch weitere am Markt gäbe die für mich in Frage kommen (wobei, woher wissen die nach 5 Min. was für mich in frage kommt) antwortet man: „Nein, etwas besseres gebe es nicht„.

Nach einigen Erläuterungen zum „tollen Tarif“ und der Nennung der Prämie stellte ich noch einige Fragen. Konkret fragte ich: „Gibt es irgendeinen Bereich der schlechter ist als die GKV, denn dieses sollte definitiv ausgeschlossen sein. Gleiches soll auch für die beiden mitversicherten Kinder gelten.“  Antwort: NEIN, das ist „alles besser als in der GKV. Ich kann Ihnen mit Gewissheit die XXX ans Herz legen.“

Nachfrage von mir: „Man hört doch immer so viel, gibt es denn Einschränkungen die ich kennen muss oder worauf ich mich einstellen muss wenn ich gewechselt bin?“ Antwort: Es ist alles viel besser als in der GKV. Schauen Sie nur: Heilmittel müssen Sie dort mit 10% Eigenanteil bezahlen und bei den Hilfsmitteln ist es auch so, es ist wirklich alles besser.“

Anmerkung:

Der angebotene Tarif besitzt einen geschlossenen Hilfsmittelkatalog. Somit sind deutlich weniger Hilfsmittel in dem Katalog enthalten als wir in der GKV kennen. Das muss nicht schlechter sein, da es auf die Formulierungen und genauen Ausführungen ankommt, in diesem Fall ist es aber schlechter. Zudem werden diese Hilfsmittel hier im Tarif nur zu 80% erstattet- soviel zu „alles besser“.

Auch von dem fehlenden Krankengeld bei Erkrankung der Kinder spricht niemand. Auch auf explizite Nachfrage nicht. Leistungseinschränkungen in vielen anderen Bereichen, der Versorgung bei Reha und Anschlussheilbehandlung oder der Aufenthalt in gemischten Anstalten wird erst gar nicht erklärt.

Fazit Teil I:

Solange es solche „Berater gibt“ braucht der Interessent keine anderen Feinde. Auch wenn das schlimm klingt, in dem zweiten Teil der „29 Min. Beratung“ kam es nun zu der „Besprechung“ der Antragsfragen. Welcher Unsinn dort heraus kam lesen Sie in den nächsten Tagen auch wieder hier im Blog. Dieses waren erst die ersten 16 Minuten.

Auch werde ich am Ende dieser Pannenserie „Ross und Reiter“ nennen und auch die Anfragen und Antworten der zuständigen Aufsichtsbehörden veröffentlichen. Vorerst jedoch bleibt es bei diesem Teil- weiteres folgt.

Hier geht’s zum Teil II.