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06.
Oktober '16

Orange by Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit – Unsinn die Zweite und mit fatalen Folgen für die Leser


Update: Neun Gründe gegen die BU, schreibt das Handelsblatt nun… aber:

Handelsblatt zur Berufsunfähigkeit Teil 3 mit neuen Gründen gegen die Absicherung, die meist keine sind

Was unterscheidet uns noch von anderen Lebewesen? Der Mensch ist lernfähig, sollte man meinen. Leider scheint das irgendwie nicht so richtig ausgeprägt zu sein. oder wie kommt es sonst, das nach dem Desaster gestern, Sie erinnern sich?

Presse: Handelsblatt rät von Berufsunfähigkeitsversicherung ab und muss dafür nicht gerade stehen

es heute ohne jedweden Lerneffekt weitergeht?

Zur „Ehrenrettung“ muss man anführen, der Autor Patrick Große (22) ist Student der Journalistik an der TU Dortmund und schreibt so nebenbei beim Handelsblatt Ableger Orange, dem Magazin für Jugendliche. Von Versicherungen hat er leider so gar keine Ahnung und noch viel schlimmer, auch Daten, Fakten und weitere Infos kann er entweder nicht recherchieren (sollte er aber als Journalist) oder auch Zitate und Aussagen nicht in einen sinnvollen Kontext bringen.

Viel schlimmer finde ich aber: Es muss doch im Hause Handelsblatt oder bei Orange irgendjemanden geben, der sich solche Texte und die Aussagen darin zumindest noch einmal anschaut, zumindest nachdem es gestern mehr als einen Kommentar gab, nicht nur auf Facebook, auch hier im Blog.

Doch schauen wir uns die falschen und irreführenden Aussagen einmal an, denn so kann man dieses unmöglich stehen lassen. Junge Menschen werden verunsichert, bekommen falsche Fakten geliefert und treffen daraufhin vielleicht Entscheidungen die diese nie mehr korrigieren können. Haftet das Handelsblatt oder seine Redakteure für solche Aussagen oder ist das einfach „Presse-Unsinn“ den man sowieso nicht glauben mag? Hier zumindest wäre der Begriff „Lügenpresse“ nicht so weit weg.

Unter dem Stichwort „Berufsunfähigkeit kurz und knapp“ startet Orange nun einen zweiten Artikel.

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Neben einleitenden Sätzen und dem Hinweis auf die Diskussion bei Facebook (hier bei Facebook unter dem Beitrag als Kommentare nachzulesen) folgen dann die „Kurz und Knapp Fakten zur BU“. Leider weiss ich nicht mehr ob ich lachen oder weinen soll nach diesem neuerlichen Unsinn. Aber schauen wir uns die Punkte noch einmal im Detail an.

Fehler 1: Junge Leute bekommen nur maximal 750 Euro

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Woher auch immer diese Aussage stammt, ich kann mir kaum vorstellen, das diese von der Verbraucherzentrale NRW so kam. In der privaten Versicherung ist es nämlich so, die Rente entspricht dem was versichert wurde. Richtig wäre, eine Versicherung für das Risiko der Berufsunfähigkeit kann Höchstgrenzen festlegen. So gibt es sicherlich Versicherer welche hier 750 Euro monatlich als Höchstgrenze haben, gerade in so genannten rabattierten Startpolicen. Diese enthalten jedoch meist Optionen zur Erhöhung bei Berufseinstieg, Studium, Studienabschluss, Eintritt in das Berufsleben, Beginn der Ausbildung oder vieles mehr. Richtig ist aber auch, schon Schüler können eine monatliche Rente von 1.000 Euro als Risiko gegen Berufsunfähigkeit versichern.

Hier gelten andere Regeln, wird doch hier während der schulischen Ausbildung eher eine Schulunfähigkeit geprüft. Aber auch hier sind die 1.000 Euro Rente schon versicherbar. Studenten haben kein Problem einen Anbieter zu finden der auch 1.500 Euro mit den passenden Nachversicherungsoptionen anbietet und versichert.

Fehler 2: Leistungen aus der gesetzlichen Rentenkasse bei BU

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Auch hier empfehle ich einen Blick in das zuständige Sozialgesetzbuch. Hier finden sich die entsprechenden Regelungen für eine Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung, welche jedoch niemals eine Berufsunfähigkeitsrente ist. (Ausgenommen sind Menschen mit einem Geburtsdatum vor dem 1.1.1961, aber die sind wahrscheinlich nicht die Zielgruppe von Orange by Handelsblatt und schon gar nicht mehr Jugendliche). Die gesetzliche Rentenversicherung kennt keine Leistung bei BU (=Berufsunfähigkeit) sondern nur bei EU (=Erwerbsunfähigkeit) und hier eine gestaffelte Erwerbsminderungsrente. Dort geht es aber gerade nicht darum ob ich den BERUF noch ausüben kann, sondern um die Frage ob ich IRGENDEINE Erwerbstätigkeit noch ausüben kann. Weiterhin wird geprüft ob dieses noch mind. 6 Std. machbar ist, dann gibt es gar nix, oder nur 3-6 Std. dann reicht es für die halbe Erwerbsminderungsrente.

Lieber Patrick Große, Liebes Handelsblatt. Von angehenden Journalisten erwarte ich zumindest eine Recherche und die Bedienung von Google als Recherchetool. Schon die einfachen Suchbegriffe reichen um auf die Seite der Deutschen Rentenversicherung zu kommen. Dort finden wir (mehr …)

20.
August '14

Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Schulunfähigkeit- Erklärungen durch den Versicherungsdschungel


Die Absicherung der Berufsunfähigkeit bzw. richtigerweise den finanziellen Folgen aus der Berufsunfähigkeit, ist eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt. Das Risiko nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können, sei es durch Unfall oder Krankheit, ist nicht nur größer denn je, auch eine entsprechende gesetzliche Absicherung besteht nahezu nicht mehr.

Da es aber immer wieder zu Verwirrungen hinsichtlich der Absicherung, der Auswahl passender Produkte und auch der Begriffe kommt, hier einmal einige Erklärungen dazu.

Was ist eigentlich Berufsunfähigkeit?

Wie der Name schon sagt, es handelt sich hierbei um einen Zustand, in dem Sie ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können und somit für den eignen Lebensunterhalt (und ggf. den der Familie) nicht mehr aufkommen. Dabei geht es immer um den Beruf, der vor Eintritt des entsprechenden Ereignisses ausgeübt. Daher gibt es auch keine feste Regel wie „ich kann 4 Stunden nicht mehr arbeiten, dann bin ich berufsunfähig“. Im Leistungsfall muss also konkret geprüft werden, wie die berufliche Tätigkeit vor Schadeneintritt aussah, welche Tätigkeiten diese exakt umfasste und was genau davon noch bzw. nicht mehr ausgeübt werden kann.

Wer vor seiner Tätigkeit regelmäßig einen 10Stunden-Tag hatte und heute nur noch 4 Stunden arbeiten kann, der hat die 50% sicher erreicht. Ein vergleichbarer Versicherungsnehmer mit genau dem gleichen Beruf, aber nur einer 6 Std. Stelle wird dieses nicht sein, denn hierbei werden die 50% nicht erreicht. Dennoch ist nicht allein die zeitliche Abwägung ausschlaggebend. So passieren Fälle, wo so genannte „prägende Tätigkeiten“ nicht mehr ausgeführt werden können und daher zu einer Leistung führen, obwohl die fünfzig Prozentregel nicht erreicht wird.

Was ist dann Erwerbsunfähigkeit?

Hier geht es- und das ist der entscheidende Unterschied- eben gerade nicht um den Beruf. Es geht vielmehr um die Frage, ob überhaupt irgendeine Tätigkeit ausgeübt werden kann, mit welcher ein Einkommen erzielt wird. Dabei ist es nicht nur unerheblich welche Art von Tätigkeit ausgeübt wird/ werden kann, sondern auch ob es eine entsprechende Stelle überhaupt gibt. Übertreiben bedeutet das jedoch auch, solange Sie „im Bett sitzend“ Briefmarken auf Umschläge kleben können und damit ein Einkommen erzielen, solange ist der Zustand der Erwerbsunfähigkeit nicht gegeben.

Sie sind- je nach Erkrankung- allenfalls (voll oder teilweise) erwerbsgemindert, wenn noch drei oder sechs Stunden täglich eine solche Tätigkeit ausgeübt werden kann und bekommen unter sehr engen Voraussetzungen eine entsprechende Rentenzahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer nun jedoch glaubt „OK, dann bin ich für den schlimmsten Fall abgesichert“, der täuscht sich jedoch. Die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, welche im Falle der vollen bzw. halben Minderung der Erwerbsunfähigkeit gezahlt werden, die sind lange nicht ausreichend.

Ein Beispiel soll einmal verdeutlichen, über welche Beträge wir bei voller Erwerbsminderung, also dann wenn Sie nicht einmal mehr 3 Std. pro Tag einer  Erwerbstätigkeit nachgehen könn(t)en, reden.

EU Rente

Ein Angestellter, welcher seinen Start ins Berufsleben im Alter von 20 Jahren hatte, heute ein Bruttoeinkommen von 3.000 Euro erhält, der bekommt eine monatliche Rente bei voller Erwerbsminderung von ca. 572 EUR. Nicht viel, oder?

Somit ergibt sich gegenüber dem heutigen Nettoeinkommen eine Lücke von mehr als 1.000 EUR jeden Monat. Ist der Versicherte aber nicht erwerbs- sondern „nur“ berufsunfähig, so geht er in den meisten Fällen leer aus. So bleibt nur der Weg zum Sozialamt und der Anspruch auf Sozialhilfe.

Aber selbst wenn diese Rente ausgezahlt wird, zum leben zu wenig, zum sterben zuviel könnte man meinen, denn in den Folgejahren fehlen dann auch sämtliche Beitragszahlungen zur gesetzlichen (oder privaten) Altersvorsorge und so geht die Armut dann im Alter weiter oder wird noch schlimmer.

Können Kinder/ Schüler auch berufsunfähig werden?

Berufsunfähig kann der werden, der eine berufliche Tätigkeit ausübt. Jedoch haben wir noch die Sonderfälle der Schüler und Studenten. Da die Prämie einer solchen Absicherung auch davon abhängig ist, wie alt der Kunde bei Antragstellung ist und wie sich der Gesundheitszustand darstellt, macht ein frühzeitiger Abschluss Sinn. Gerade dann haben wir es aber mit Schülern oder Studenten zu tun und die haben ja nun noch gar keinen Beruf.

Dennoch sind diese bei einigen Gesellschaften heute schon versicherbar. Nicht alle unternehmen bieten einen solchen Schutz an und oftmals ist ein Mindestalter von zehn Jahren oder mehr erforderlich. Aber: Solange dann kein Beruf besteht, solange wird bei einigen Gesellschaften auf eine Erwerbsminderung geprüft, andere bieten auch eine Absicherung bei Schulunfähigkeit an. Schulunfähigkeit tritt dann ein, wenn die aufgesuchte Schule aufgrund Erkrankung oder Unfall nicht mehr aufgesucht und damit der gewünschte Abschluss nicht erreicht werden kann.

Wichtiger ist in diesem Zusammenhang aber noch etwas ganz anderes, nämlich die Möglichkeit der Umwandlung in einen neuen Versicherungsschutz ohne Risikoprüfung. So bieten einige Unternehmen dem versicherten Schüler an, bei Erreichen bestimmter Altersgrenzen oder aber bei Eintritt in das Berufsleben, eine Absicherung für die Berufsunfähigkeit zu bekommen. Dazu ist dann keine neue Gesundheitsprüfung mehr nötig und damit sind auch weitere Vorerkrankungen kein Problem mehr.

Wann ist es Zeit für die Absicherung?

Man kann es gar nicht oft genug sagen, beschäftigen Sie sich bitte- schon im Interesse Ihrer Kinder- mit der Absicherung so früh als möglich. Spätestens wenn die Kinder den zehnten Geburtstag feiern ist es Zeit, einmal über Optionen oder Bausteine zur Absicherung nachzudenken. Sie sichern Ihrem Kind damit die Möglichkeit sich später nach eigenem Bedarf versichern zu können und nicht ohne Schutz dazustehen.

Was sonst?

In der Antragstellung leider tägliche Praxis. Vorerkrankungen führen zu Ausschlüssen, Risikozuschlägen oder gar zur Ablehnung und einen Anspruch auf Aufnahme in einen Vertrag gibt es nicht. Wer es also in jungen Jahren verpasst hat, dem ist „nicht mehr zu helfen“ und vielleicht lebenslang die Chance auf einen passenden Schutz verbaut!

13.
Januar '12

Ursachen für eine Erwerbsminderungsrente in der gesetzlichen Rentenversicherung


Anders als in der privaten Vorsorge existiert für alle Versicherten die nach Januar 1961 geboren sind keine Berufsunfähigkeitsabsicherung mehr.  Für all diese Versicherten hat die gesetzliche Rentenversicherung nur noch den Schutz einer so genannten „Erwerbsminderungsrente“.

Was genau ist diese Erwerbsminderung und wo liegt der Unterschied zur Berufsunfähigkeit?

In meinem Blogbeitrag „berufsunfähig-was ist das eigentlich?“ hatte ich Ihnen bereits den Begriff der Berufsunfähigkeit etwas ausführlicher erklärt. Im Wesentlichen bedeutet berufsunfähig, dem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben zu können, und somit kein Einkommen mehr aus dieser Tätigkeit zu erzielen.

Anders dagegen ist der Begriff der „Erwerbsminderung“ definiert. Hierbei geht es nicht darum, ob man gesundheitlich in der Lage ist, dem eigenen (vorher ausgeübten) Beruf nachzugehen, sondern irgendeiner Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Dabei spielt es auch keine Rolle ob es für die Tätigkeiten einen passenden Arbeitsplatz gibt.

Daher tritt eine Erwerbsminderung viel später ein, als eine Berufsunfähigkeit. Ist jemand gemindert, so ist er in nahezu allen Fällen auch berufsunfähig. Ist jemand jedoch berufsunfähig, so ist er noch lange nicht erwerbsgemindert.

Welche Zahlen hat die Rentenversicherung nun veröffentlicht?

Wie in jedem Jahr veröffentlichte die Deutsche Rentenversicherung Bund die häufigsten Ursachen, welche zur Zahlung einer Erwerbsminderungsrente geführt haben. Dabei ist nicht spezifiziert, ob hierbei die volle oder nur die halbe Erwerbsminderungsrente gezahlt worden ist. Maßgebend für die Einstufung ist die Frage, ob der Versicherte noch mindestens 3 oder gar 6 h am Tag irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Dabei spielen die Qualifikation, der bisherige berufliche Hintergrund, die soziale Wertschätzung und sonstige individuelle Faktoren keine Rolle. Es geht lediglich in der Prüfung darum, ob es theoretisch möglich ist einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Schaut man sich die Ursachen genau an, so fällt der sehr hohe Anteil an psychischen Erkrankungen auf. In den letzten Jahren haben psychische und psychosomatische Erkrankungen (Depressionen, Überlastungen, Burn-Out) mehr und mehr zugenommen. Dieses liegt zum einen in der gestiegenen Arbeitsbelastung, zum anderen aber auch in der Tatsache immer seltener krankschreiben lassen.

Direkt danach folgen die Erkrankungen im orthopädischen Bereich, wie auch die Krebserkrankungen. Bei der Erkrankungsbereiche zusammen, erreichen jedoch nicht einmal den Bereich der psychischen Erkrankungen. Dieses bestätigt auch die Entwicklung bei den privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen. Das oft verwendete Argument „ich werde nicht berufsunfähig, ich bin ja im Büro“ ist mit der Betrachtung der Ursachen widerlegt.

Gerade die kaufmännischen Berufe sind oftmals höheren psychischen Belastungen ausgesetzt und tragen daher mindestens ein genauso hohes Risiko als ein körperlich Tätiger. An 4. und 5. Stelle der Ursachen folgen dann Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Nerven bzw. der Sinne.

Bei der Auswahl des richtigen Versicherungsschutzes für die Erwerbsunfähigkeit, bzw. besser der Berufsunfähigkeit, achten Sie daher insbesondere auf die Versicherungsbedingungen, denn diese entscheiden im Fall über einen Rentenbezug. Anders als in vielen anderen Versicherungssparten merken sie erst im Fall, ob Sie sich für den richtigen Versicherer und Tarif entschieden haben und können diese Entscheidung dann nicht mehr korrigieren.

Weitere Informationen:

Leitfaden zur Berufsunfähigkeit

Auswahlkriterien zu wichtigen BU Absicherung

Blogbeiträge zum Thema Berufsunfähigkeit