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01.
November '16

Die 1-Minuten-BU von Knip – ein Marketing Gag der zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, aber keine seriöse Beratung


Zunächst einmal ist es mehr als positiv, dass auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen wird, dabei ist es völlig egal von wem dieses geschieht.

Artikel: Warum es unverantwortlich ist keinen BU Schutz zu haben

Und auch wenn das Handelsblatt in seiner unsäglichen Geschichte vor einigen Wochen eine etwas andere Meinung vertreten hat, hat man selbst dort dieses inzwischen revidiert. Doch gerade die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit die Sicherung aller anderen Vorhaben im Leben, gehört zu den wichtigsten Vorhaben.

Artikel: Ohne Einkommen ist alles andere nichts

Ohne ein regelmäßiges Einkommen sind die Finanzierung der laufenden Ausgaben, die Bezahlung der Ausbildung der Kinder, eigene (Urlaubs-) Reisen natürlich auch die Altersvorsorge nicht möglich. Wer kein Einkommen mehr erzielen kann, da er krankheits- oder unfallbedingt keine Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, der benötigt jemanden der für dieses Einkommen sorgt, die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nun haben die sogenannten Insurtechs, also Unternehmen die eine Verwaltung ihrer Versicherungen über eine App auf dem Smartphone anbieten, auch „schon“ das Thema und die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung erkannt.

Artikel: Knip, Clark und Co – ein neuer Ansatz der Beratung?

Getreu nach dem Motto „die Geister die ich rief“ muss natürlich speziell bei diesen Fintechs alles möglichst einfach, unkompliziert und mit wenigen Klicks erledigt sein. Da wundert es mich nicht, dass man dort die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung, also die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als „1-Minuten-Produkt“ bewirbt. In seinem aktuellen TV Spot heißt es an wörtlich:

„Dabei dauert es nur eine Minute sich vor dem Ernstfall (Anmerkung: Berufsunfähigkeit) zu schützen. Nimm dir jetzt die Zeit!“

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Als gewissenhafter Berater und jemand der sich bereits seit über 16 Jahren mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt sträuben sich mir die Nackenhaare. Hier wird suggeriert, dass eine Absicherung gegen das elementare Risiko der Berufsunfähigkeit mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute möglich sein soll. Hier wird eine Illusion geschaffen die nur ein einziges Ziel hat, den möglichen Interessenten auf die eigene Internetseite zu locken.

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen. Ich habe genau das getan, ich habe mich der Website umgesehen und versucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu berechnen. Unabhängig davon, dass selbst ich (und im Gegensatz zu dem Laien weiß ich sogar wo ich klicken muss und was vielleicht wichtig sein könnte) in einer Minute nicht ansatzweise so einen sinnvollen Vorschlag gekommen bin, ist diese „1 Minuten BU“ ein wahrer Hohn. Wer ernsthaft glaubt, dass die Auswahl einer existenzsichernden und damit „lebenswichtigen“ (zumindest finanziell) Police innerhalb von einer Minute erledigt sein kann, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Schauen wir uns doch die „Beratung“ einmal etwas genauer an und wählen dabei einen Musterkunden. Dieser Kunde in meinem Test war ein Diplom-Informatiker. Ich habe ein fiktives Bruttoeinkommen von 3.200 €/ netto 2.000€ vorgegeben, dazu ein Endalter bis zum 67. Lebensjahr.

knip-bu-dateneingabeNach Eingabe dieser Daten (mehr wird auch nicht abgefragt) offeriert mir der Onlineanbieter sofort die drei passenden Angebote.

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Cool, geht jedoch ganz schnell und in wenigen Minuten kann ich mich entscheiden. Die Kriterien zum Versicherungsumfang sind auf einer Seite zusammengefasst, und es gibt sogenannte Comfortleistungen. Zum unterstützen meiner Auswahl ist der mittlere Tarif mit dem Zusatz „unsere Preis/Leistung Empfehlung passen zu deiner Lebenssituation“ noch farblich hervorgehoben. Für 90,55 € im Monat bekomme ich einen Versicherungsschutz von 1.500 € monatliche Rente.

Stopp! Warum stehen denn da 1.500 €? Ich habe doch gerade bei meinem Nettoeinkommen 2.000 € vorgegeben und das Bruttoeinkommen beträgt 3.200 €? Selbst wenn ich eine Rechnung von 65 % des Bruttoeinkommens (wie das einige Gesellschaften tun) zu Grunde legt, liegt meine versicherbare Rente bei knapp 2.000€. Das kann der Onlinerechner natürlich nicht wissen, denn das Bruttoeinkommen wird gar nicht erst abgefragt.

Doch im oberen Bereich des Bildschirms geht es eine Möglichkeit das Angebot zu individualisieren. „Super“ denke ich und klicke drauf. Daraufhin erscheint die folgende, durchaus interessante Auswahlmaske.

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Geht also der Onlinerechner davon aus, ich hätte keinen Schulabschluss. Klingt logisch, habe ich doch als Beruf Informatiker eingegeben, dazu braucht man sicherlich keine Ausbildung. Also korrigiere ich diesen Unsinn auf Diplom. Klicke danach auf Filter anwenden und warten was passiert.

Es folgen drei neue Angebote, dummerweise ist das günstigste Angebot von 63 auf 68€ angestiegen, was angesichts der besseren Berufsausbildung völliger Unfug ist. Aber ich als unbedarfte Kunde tue genau das was von mir erwartet wird und klicke auf „online beantragen“ unter dem mittleren Angebot, schließlich ist dieses die Empfehlung des Anbieters.knip-bu-drei-angebote-ii

Zu meiner großen Überraschung funktioniert ab jetzt fast nichts mehr. Meinen Namen, das Geschlecht und mein Geburtsdatum kann ich noch eingeben, ebenso meine Handynummer zur Verifikation. Den Code der mir per SMS umgehend auf mein Smartphone geschickt wird gebe ich sofort ein. Ebenso trage ich dann auf der folgenden Seite meine Anschrift und Bankverbindung ein. Interessant ist die Unterschrift im Feld darunter. Nach meiner Unterschrift sieht das nicht aus, wie sollte es auch schließlich habe ich nirgendwo unterschrieben.

knip-bu-pers-datenIch ging weiter und komme zur nächsten Seite mit Gesundheitsfragen. Um den Versicherungsschutz auf mich und meinen Versicherer abstimmen zu können, dazu benötigt Knip nun meine Gesundheitsangaben. Naiv wie ich bin dachte ich ernsthaft, die Produktauswahl wäre beendet und man hätte mir bereits eine Empfehlung gegeben?

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Übrigens funktioniert bei dem Klick auf die Dokumente auf der rechten Seite nur die Beratungsdokumentation (hier ein Beispiel) und die erst Information. Wer jedoch glaubt er könnte den Versicherungsvertrag oder die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einmal nachlesen, der wird enttäuscht.

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Nachdem es bei meinem Versuch gestern gar keine Informationen gab, erhalte ich heute beim Klick auf „Erstinformation“ eine Information für Vertriebspartner. Das ist nett, bringt aber rein gar nichts und ist am Ende auch nichts für den Kunden. Klick auf „Versicherungsvertrag“ und „AVB“ führen zu einer Fehlermeldung und dem Hinweis diese Infos gibt es erst im Antrag. Die „Beratungsdokumentation“ gibt es hier nachzulesen.knip-bu-fehler-i

Doch nun mache ich mich an das Ausfüllen der Gesundheitsfragen, kommen jedoch nicht wirklich weiter. Nachdem ich die Frage nach bestehenden Erkrankungen der letzten fünf Jahre wahrheitsgemäß mit ja beantwortet habe, geht es nicht mehr weiter.

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Nachdem ich dann auf die Kontaktvariante E-Mail geklickt habe, kommt nur noch ein Hinweis, dass ich es jetzt geschafft habe und man mir die Unterlagen zusenden wird. Blöd nur, dass diese nicht kamen.

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Viel interessanter ist jedoch etwas Anderes, denn während mir die Produktempfehlung von einem Beitrag von über 90 € verkauft werden sollte, ergab die Berechnung bei der AXA direkt eine Prämie von 76,53 € und damit eine viel geringere Prämie. Über die Laufzeit gesehen hätte ich bei einem voreiligen Abschluss über Knip immerhin 4.710,72 € zu viel bezahlt.

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Ebenfalls fragwürdig ist die Produktempfehlung selbst, denn andere Anbieter weisen einen durchaus umfangreicheren Versicherungsschutz auf und bieten diesen für eine geringere (als die von Knip ausgewiesene) Prämie an. So müsste ich für einen vergleichsweise identischen Versicherungsschutz mit 1.500 € Rente bis zum 67. Lebensjahr und einem umfangreicheren Bedingungswerk bei der Alte Leipziger Versicherung nur 83 statt 90 € Monatsprämie zahlen, auch hier immer noch eine Ersparnis von 2.352 € über die Vertragslaufzeit von 28 Jahren.

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Auch die Gesundheitsfragen in dem Formular bei Knip sind nicht identisch mit den Gesundheitsfragen im Antrag der AXA. Das führt dazu, dass selbst bei wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen eine Abweichung zu den Angaben im Antrag besteht. Mal unterstellt der Interessent bekommt nach diesem Onlineformular den Antrag noch per E-Mail zugeschickt und vertraut darauf, dass seine Angaben richtig übernommen worden, besteht hier eine weitere große Gefahr. Durch die abweichenden Formulierungen entsteht die Gefahr einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dieses führt zu einer Verweigerung des Versicherungsschutzes im Leistungsfall und am Ende war die gesamte Police nichts wert.

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Es scheint sich übrigens nicht um ein Problem in der Datenübermittlung an die AXA zu handeln, sondern um ein generelles technisches Problem. Alternativ habe ich ein Angebot für eine Altenpflegerin mit einer monatlichen BU Rente von 1.500 € berechnet. Hier wird als Empfehlung ein Versicherungsschutz bei der Allianz ausgesprochen, mit einer monatlichen Rente bis zum 67. Lebensjahr und einer Prämie von 355,19 €. Klickt der Interessent hier auf die Dokumente und erwartet dann seinen Versicherungsvertrag oder die erst Information, so bekommt er ein Musterangebot für Max Muster einer Rente von 1000 € und einer Prämie von 60 €. Die Schnittstellen zu den Versicherern scheinen hier also nicht nur manchmal, sondern ganz generell nicht zu funktionieren, und eine entsprechende Aufbereitung der Angebote findet nicht statt.

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Eine 1-Minuten-BU ist eine Marketinglüge

Hier wird bewusst versucht ein kompliziertes und beratungsintensives Thema irgendwie kompatibel mit dem Ansatz eines Insurtechs zu machen. Mit dem heutigen Stand ist dieses jedoch nicht machbar und ein Abschluss über diesen Weg nicht zu empfehlen.

Der Interessent bekommt unpassende und viel zu teure Angebote, bekommt keine umfangreichen Leistungsvergleiche und Vertragsinformationen und ihm werden wahllos drei Tarife auf den Bildschirm geworfen. Zudem scheint in der Berechnungsroutine einiges nicht zu funktionieren, denn selbst nach Eingabe eines höherwertigen Berufsabschlusses (in unserem Fall dem Diplom) erscheint im zweiten Schritt eine höhere Prämie.

Zusammengefasst sich das Angebot zur 1-Minuten-BU wie folgt beschreiben

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Nach den derzeitigen Informationen und mit dem derzeitigen Ablauf ist von einem online Abschluss über die Knip Plattform dringend abzuraten. Das von Knip online gestellte Video mit dem BU Experten (der keiner zu sein scheint) ist noch viel schlimmer… Dazu mehr in einem anderen Artikel. Generell stehe ich jedoch auch der neuen Entwicklung sehr positiv gegenüber, habe ich doch bereits vor 16 Jahren mit der Onlineberatung begonnen und berate seit dem ausschließlich im Rahmen der Fernberatung am Telefon und online. Eine App und damit ein schneller Kontakt mit dem Berater und die Verfügbarkeit von Informationen über den eigen Vertrag kann durchaus hilfreich sein.

Jedoch dauert bei mir eine Beratung zu Berufsunfähigkeit mehrere Stunden, erfordert die Auswahl mit passenden Kriterien und ein individuelles Ausarbeiten und Festlegen der Berufsgruppe, der Risikofaktoren und der Erstellung eines persönlichen Angebots. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führt zu einer individuell passenden Absicherung und bedarfsgerechten Konditionen Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Links. Bei Fragen sprechen Sie mich gern an, eins kann ich aber versprechen: Ohne einige Stunden investierte Zeit werden Sie niemals zu einem passenden Schutz kommen.

15.
Juni '16

Unfallversicherung – brauche ich nicht, ich habe doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung


Diese Aussage höre ich in der Beratung relativ häufig, denn oftmals werden die unterschiedlichen Versicherungssparten vermischt und es ist nicht klar welche Versicherungen für welche Leistungen verantwortlich sind. Aus diesem Grund nutze ich auch heute wieder einen Blogbeitrag um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

BU Unfall PflegeNatürlich gibt es Leistungsfälle, bei denen die Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern auch die Unfallversicherung eine Leistung für ein und denselben Versicherungsfall erbringen muss. In vielen Fällen gibt es zwar Überschneidungen, nicht aber gleiche Leistungen. Daher fangen wir zunächst mit der unterschiedlichen Definition an.

Die Unfallversicherung

In der Unfallversicherung wird für Schadenfälle geleistet, die den Unfallbegriff erfüllen. Ein Unfall ist demnach ein festes Ereignis, welches in den Versicherungsbedingungen nach ganz speziellen Kriterien definiert ist.

„Ein Unfall ist demnach ein plötzlich und von außen auf den Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) welches unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung hervorruft.“

Dabei muss diese Gesundheitsschädigung in den meisten (anderweitige Leistungen mal außen vor gelassen) Unfallversicherungen eine Invalidität hervorrufen, um überhaupt eine Leistung zu erhalten. Eine Invalidität wiederum ist eine körperlich oder geistige dauerhafte Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit. Unfallversicherungen können Nebenleistungen erbringen, dazu gehört ein Unfallkrankenhaustagegeld, dazu gehören auch Bergungskosten oder Behandlungskosten bei kosmetischen Operationen. Das alles sind aber nicht die Kernthemen der Unfallversicherung, Kernthema ist die Absicherung der Invalidität. Haben Sie also einen schweren Autounfall, so spielt in der Regel keine Rolle was die Ursache dafür war, solange keine Ausschlüsse im Vertrag greifen. Hat dieser Unfall eine Gesundheitsstörung zur Folge, welche dauerhaft zur Invalidität führt, so bedingt dieses eine Leistung aus dem Unfallversicherungsvertrag. Natürlich kann durch so einen Unfall auch eine Berufsunfähigkeit ausgelöst werden, wobei wir schon beim nächsten Thema wären.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Anders als die Unfallversicherung, kennen wir hier nicht einen Unfall als Voraussetzung einer Leistungspflicht aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Unfallversicherung hat also eine feste Vorgabe der Ursache, es muss zwingend ein Unfall als leistungsauslösender Faktor vorhanden sein, in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der erreichte Zustand maßgebend. Daher gibt es auch hier eine feste Definition, aber keine Definition für die Ursache oder den auslösenden Faktor sondern eine Definition für den Zustand:

„Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.“

Es spielt also keine Rolle warum Sie berufsunfähig geworden sind (ausgenommen natürlich Versicherungsausschlüsse in den Versicherungsbedingungen) sondern es geht vielmehr darum, dass Sie berufsunfähig sind. Dieser Zustand kann durch eine Krankheit, durch mehr als einen altersentsprechenden Kräfteverfall (bei einigen Versicherern reicht ein altersentsprechender Kräfteverfall) oder eben einen Unfall ausgelöst werden. Kehren wir zurück zu unserem Beispiel mit dem Autounfall von eben, so kann es natürlich passieren, dass ein Versicherter nach einem Unfall eine Leistung aus der Unfallversicherung bekommt und im Anschluss daran oder parallel dazu eine Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung – Unfallversicherung, die Unterschiede

Die meisten Unfallversicherungen sind mit einer Invaliditätssumme ausgestattet, wobei es auch Verträge mit einer Unfallrente gibt. Schauen wir uns zunächst die Verträge mit der Invaliditätssumme an. Eine festgelegte und im Vertrag enthaltene Summe stellt die Grundleistung bei einer verbleibenden Invalidität dar. Zum besseren Verständnis auch hier ein Beispiel:

Der Verlust eines Armes (oder der vollständige Verlust der Gebrauchsfähigkeit des Armes) bedingt eine Invalidität von 70%. (Anmerkung: Es gibt durchaus Versicherungen, die andere Gliedertaxen für die Festlegung der Invalidität verwenden, die bestimmten Berufsgruppen eine spezielle Gliedertaxe anbieten und zudem eine Progressionsstaffel in ihre Bedingungen integrieren). Bei der Mehrheit der Verträge handelt es sich jedoch um eine Invaliditätsgrundsumme, welche nach unterschiedlichen Modalitäten gesteigert wird. Bei der vollständigen Verletzung des Armes werden also 70% der vereinbarten Invaliditätsgrundsumme geleistet.  (Ist eine Progression vorhanden kann dieser Satz um das 5-fache oder mehr gesteigert werden. ) das bedeutet, bei einer versicherten Invaliditätsgrundsumme von 100.000 Euro wär hier eine Leistung von 70%, also 70.000 Euro fällig. Ist der Arm allerdings nur zur Hälfte in seinem Gebrauch eingeschränkt, so besteht eine Invalidität von 35% (die Hälfte der 70%) und das führt zu einer einmaligen Leistung von 35.000,00 Euro.

Hier sehen wir schon einen elementaren Unterschied. Die Leistung aus der Unfallversicherung, wenn es sich um eine Invaliditätsleistung und nicht um eine Unfallrente handelt, als einmalige Zahlung erbracht. In den meisten Bedingungswerken ist zudem die Voraussetzung ganz klar geregelt, denn hier müssen die Ansprüche in einer bestimmten Frist geltend gemacht werden. So regeln viele Versicherungsbedingungen, dass der Kunde seinen Anspruch auf Invalidität (welcher innerhalb von zwölf Monaten nach dem Unfall eintreten muss) binnen weiterer drei Monate ärztlich nachweisen und geltend machen muss. Tritt also die Unfallfolge nach diesem Zeitpunkt ein, kann alleine deshalb die Leistung verwirkt sein.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das hingegen etwas anders, es geht hier um den Zustand der Berufsunfähigkeit, der auch durch eine schleichende, allmähliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintreten kann. Auch wenn der Vertrag der Unfallversicherung eine Unfallrente enthält, und diese sogar dauerhaft/ bzw. lebenslang bezahlt werden könnte oder kann, ist immer noch der Unfall die zwingende Voraussetzung. Nur wenn der Nachweis einer Beeinträchtigung in einer bestimmten Frist erfolgen kann, löst dieses eine entsprechende Leistung aus. Der Vorteil der Unfallversicherung liegt sicherlich darin, verbessert sich der Zustand später und wird der Kunde nach Jahren wieder in der Lage sein seinen Arm oder seiner Schulter, vielleicht auf Grund neuer medizinischer Entwicklungen zu benutzen, so entsteht hier kein Rückforderungsgrund des Versicherers. Wäre der Kunde berufsunfähig wegen der gleichen Erkrankung, so würde die Rente irgendwann unter Umständen enden, wenn der Kunde durch eine medizinische Entwicklung und damit Verbesserung seines Gesundheitszustandes in der Zukunft wieder arbeiten gehen kann und geht. Die Unfallversicherung ist damit eine sogenannte Ausschnittsdeckung. Sie leistet für einen Ausschnitt der möglichen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, wenn diese durch einen Unfall ausgelöst sind. Nun haben die verbesserten Bedingungswerke in der Unfallversicherung durchaus Klauseln, welche zum Beispiel auch das Verheben und damit die Schädigung des Rückens, oder die Infektionen durch den Stich eines Insektes als Unfall ansehen (und damit den Unfallbegriff etwas weiter fassen) dennoch bedarf es immer eines konkreten Anlasses der eine dauerhafte Beeinträchtigung nach sich zieht.

Wer hingegen Berufsunfähigkeit als Risiko versichert, der kann im Falle der eingetretenen Beeinträchtigung immer dann eine Leistung verlangen, wenn dieser Zustand zur Berufsunfähigkeit führt. Dabei ist immer der Beruf wirksam und maßgebend, (mehr …)

16.
März '16

Berufsunfähigkeitsversicherung noch während der Schwangerschaft abschließen?


Eigentlich ist es auch ein bisschen „wunderlich“. Spätestens wenn ein neuer Erdenbürger im Bauch der Mutter heranwächst, steigt plötzlich auch das Bewusstsein für die eigene Absicherung. Das mögen Psychologen sicherlich besser erklären können, aber vielleicht ist es die steigende Verantwortung und auch etwas die Angst später nicht für das eigene Kind sorgen zu können. In den letzten Tagen trat eine Art von Anfrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung häufiger auf, die Frage nach der Versicherbarkeit gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, falls schon eine Schwangerschaft diagnostiziert wurde.

Grundsätzlich ist Schwangerschaft keine Krankheit und so lässt sich das Risiko der Berufsunfähigkeit „ganz normal“ auch während einer bestehenden Schwangerschaft versichern. Dabei sind jedoch einige Punkte zu beachten und es ist, nicht nur jetzt, besonders wichtig sich auf ein entsprechend hochwertigen Versicherungsschutz zu konzentrieren. Schließlich soll dieser im Falle der eintretenden Berufsunfähigkeit dafür sorgen, dass die Mutter weiterhin eine Art Einkommen hat, auch deshalb um die Familie und damit auch das noch ungeborene Kind weiter zu versorgen. Jeder der Kinder hat, der weiß das diese langfristig einiges an Geld kosten. Das geht ganz simpel mit Unmengen von Windeln los, folgt das Kinderzimmer, später die Schulzeit, Kieferorthopädie, irgendwann das eigene Moped, der Führerschein, das Auto, Studium und vieles, vieles mehr.

Schwangerschaft_ - 1Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass die Eltern einen entsprechenden Versicherungsschutz für den Fall haben, dass sie selbst nicht mehr arbeiten können und damit kein Einkommen für all diese Kosten zur Verfügung steht, denn das Kind ist ja nun die/der letzte der etwas dafür kann. Aus diesem Grund muss die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ausreichend hoch sein, denn nur ein richtig versicherte Rente bringt den notwendigen Effekt.

Worauf ist bei dem Tarif zu achten?

Zunächst einmal gibt es ein Unmenge an Kriterien dem Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung, welche genau durchdacht und sorgfältig entschieden werden müssen. Da stellen sich Fragen der späteren Verweisung auf andere Berufe, Fragen zur Aussetzung der beruflichen Tätigkeit, Fragen zur Angemessenheit der Berufsunfähigkeitsrente und natürlich auch Fragen zur späteren Erhöhung einer bereits versicherten Berufsunfähigkeitsrente.

Insbesondere die vertraglichen Regelungen zur Frage „was Berufsunfähigkeit eigentlich ist“ und wie eine Mutter in der Elternzeit oder im Mutterschutz überhaupt berufsunfähig werden kann, spielen eine wichtige und entscheidende Rolle. Hierbei ist genau zu beachten, wie lange der Versicherer das Ausscheiden aus dem Beruf „toleriert“ und man nicht mehr auf den (vielleicht höher qualifizierten) Beruf von früher und stattdessen auf die Tätigkeit als Hausfrau verwiesen wird. Dabei ist auch zu berücksichtigen was passiert, falls während der Elternzeit des ersten Kindes ein weiteres Kind geboren wird und die Rückkehr in die berufliche Tätigkeit vielleicht nicht geplant erfolgen kann.

Eine weitere Frage stellt sich in Bezug auf die Angemessenheit der versicherten Berufsunfähigkeitsrente. Welche Rentenhöhe darf die Mutter, die werdende Mutter, überhaupt versichern und muss diese nach Beginn der Musterschutzfristen oder der Elternzeit reduziert werden?

Was passiert mit dynamischen Erhöhungen, können diese auch während der Schutzfristen und der Elternzeit mitgemacht werden und sich damit die Rente weiter erhöhen? Auch hier ist es entscheidend von den vertraglichen Regelungen der jeweiligen Versicherer abhängig.

Kann die Mutter überhaupt berufsunfähig werden?

Dieses ist eine der Fragen, die am häufigsten gestellt werden. Oftmals wird die „Tätigkeit“ als Mutter gleichgestellt mit einer nicht vorhandenen Berufsunfähigkeit und damit auch der fehlenden Notwendigkeit für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch in der Regel haben die Mütter vor der Geburt des Kindes bereits einen Beruf ausgeübt und viele wollen das auch nach der Elternzeit wieder tun. Passiert jetzt während dieser Zeit ein Unfall oder eine Krankheit die zur Berufsunfähigkeit führt, so besteht hier natürlich im vertraglichen Umfang Leistungspflicht des Versicherers, die weit über Mutterschutzzeiten oder die Elternzeit hinausgehen. Auch das „ruhen lassen“ des Vertrages während der Elternzeit ist oftmals keine gute Idee. Denn besteht kein Versicherungsschutz während dieser Zeit, so können auch neu auftretende Krankheiten oder Unfälle nicht zu einer Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung führen. Das gilt selbst dann, wenn die Berufsunfähigkeit selbst erst nach der Elternzeit festgestellt wird, die Ursache aber unter Umständen davor liegt.

Wie ist das mit den Gesundheitsfragen?

Bei einem Antrag auf die Absicherung der Berufsunfähigkeit werden unterschiedliche Gesundheitsfragen gestellt dabei wird zunächst einmal nach Untersuchungen und Behandlungen gefragt, wobei die Schwangerschaftsvorsorge und sämtliche weiteren Untersuchungen natürlich anzugeben sind. Schon aus dieser Antwort erfährt der Versicherer von der bestehenden Schwangerschaft. Die meisten Unternehmen fragen dann gezielter nach und versuchen in Erfahrung zu bringen, in welcher Woche die Mutter sich bereits befindet, ob es sich um eine „normale“ Schwangerschaft handelt oder ob Risikomerkmale vorliegen. Bei dem Bestehen einer Risikoschwangerschaft sind die Versicherer oftmals vorsichtig und stellen den Antrag durchaus schon einmal zurück. Das bedeutet nichts anderes als das zu diesem Zeitpunkt der Antragstellung keine Versicherbarkeit besteht, dieser aber nicht generell abgelehnt wird und später erneut gestellt werden kann. Verläuft die Schwangerschaft allerdings normal, so spricht dieses keinesfalls gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Selbst unerwartete Komplikationen bei der Geburt sind dann hierbei mitversichert und (falls diese so schwerwiegend sind, dass daraus eine Berufsunfähigkeit resultiert) zu einer Leistung aus dem Vertrag führen.

Natürlich sind alle Angaben wahrheitsgemäß und vollständig zu machen, und die Nachfragen des Versicherers zu beantworten. Einige Unternehmen behalten es sich vor, eine Kopie des Mutterpasses anzufordern und sich damit selbst ein Urteil über den Verlauf der Schwangerschaft bilden zu können.

Schwere Krankheiten Vorsorge mit Nachversicherungsgarantie für das Kind

Während Kinder in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ab Geburt nachversichert werden können (die meisten Unternehmen bieten hier Versicherungsschutz zehn Jahren) sieht das bei der sogenannten Schwere-Krankheiten-Vorsorge (Dead Disease) etwas anders aus. Hier kann ein rechtzeitiger Abschluss eines solchen Vertrages für Mutter oder Vater dazu führen, dass für das Kind selbst bei schweren Geburtsschäden oder angeborenen Erkrankungen eine Nachversicherungsmöglichkeit besteht und das Kind über diesen Weg (im Rahmen der tariflichen Höchstgrenzen) einen Versicherungsschutz bekommen kann, welchen es sonst niemals in seinem Leben bekommen würde. Diese Nachversicherung funktioniert ähnlich, wie die nachträgliche Absicherung einer Pflegetagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen. Über diese Art von Vorsorge sichern Sie sich ihm eine Option, die es sonst nicht hätte.

Eine solche Absicherung ist nicht für jedermann die passende Option und oftmals nur zweite Wahl nach der eigentlichen Berufsunfähigkeitsversicherung, kann aber eine sinnvolle Ergänzung davon sein.

Die Fakten

Sollten Sie also bereits schwanger sein, oder die Familien“erweiterung“ planen, so denken Sie insbesondere über den notwendigen Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit nach. Eine diagnostizierte und bereits bestehende Schwangerschaft ist hierbei kein Hinderungsgrund. Weitere Hinweise finden Sie unter dem Punkt „Auswahlkriterien“, Fragen beantworte ich Ihnen gerne –> nach einer entsprechenden Anfrage.

02.
März '16

Continentale mit Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler ab zehn Jahren


Die wichtige Absicherung gegen die finanziellen Folgen bei Berufsunfähigkeit ist nicht zu unterschätzen und sollte in jedem Fall so früh als möglich abgesichert werden. Schon Schüler, Jugendliche und später die Erwachsenen leiden recht früh an Erkrankungen, Allergien, haben Rücken- oder anderweitige Probleme die bei einem Abschluss zu –> Risikozuschlägen oder Ausschlüssen führen oder eine Absicherung unmöglich machen.

Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Absicherung elementar, jedoch sind die Anbieter solcher Produkte rar gesät. Die Continentale Lebensversicherung bietet Erwachsenen ihr Produkt der –> Premium BU an, für Schüler folgt nun das Produkt Premium BU Start. Grundlage dieses Beitrages sind die allgemeinen Versicherungsbedingungen für die Tarife PBUS, PEUS, in der Fassung 1. März 2016. In diesem Beitrag geht es mir vornehmlich um die Besonderheiten des „Schülerproduktes“. Die Details zu der Berufsunfähigkeitsversicherung für Erwachsene finden sich in einem späteren Beitrag.

Das Versicherungsprodukt für Schüler kann Kindern ab einem Alter von zehn Jahren angeboten werden, welche an einer Haupt-, Real-, Gesamtschule, einem Gymnasium, der Fachoberschule (FOS) oder der Berufsoberschule (BOS) unterrichtet werden. Versichert werden können maximal 1000 € monatliche Rente, wobei das Endalter bis 67 möglich ist.

Startphase- Anpassungsphase- Zielphase

Gerade in jungen Jahren möchten die Eltern nicht unbedingt riesige Beiträge zahlen. Daher bieten Versicherer reduzierte Startbeiträge und/ oder Rabatte in den ersten Jahren an. Die Continentale teilt den Beitrag in drei Phasen.

In der Startphase beträgt dieser 50% des Zielbeitrags, dieses gilt für das Jahr 1-3. Danach folgt aber nicht direkt die Anpassung auf 100%, so wie es in Modellen mit reduziertem Startbeitrag der Fall ist. In den Jahren 4-7 erhöht sich der Beitrag in 10% Stufen dann von 60 auf 90% des ursprünglich geplanten Zielbeitrages um dann ab dem achten Jahr bei 100 % zu landen.

Continentale PremiumBU Start Schüler

Damit sind die Beitragsbelastung reduziert sich damit in den ersten Jahren deutlich. Bei einer versicherten Rente von 1.000 € monatlich bis zum Endalter 65 (was es in der Praxis jedoch nicht sein sollte, dies aber der „Werbebeitrag“ ist, den der Versicherer sein Prospekt druckt) beträgt der monatliche Startbeitrag 13,51 € in dem Jahr 1-3. Ab dem achten Jahr (in der Zielphase) beträgt der Beitrag dann 27,03 €. Die Beiträge gelten nur für das reine Berufsunfähigkeitsprodukt. Der Aufpreis für die Pakete liegt bei 1,35 € für das Karrierepaket (ab dem achten Jahr 72) und bei 3,52 € für das Pflegepaket (ab dem achten Jahr 7,03 €).

Interessant wird es bei der Umstellung mit Alter 20. Hier wird dann auf die tatsächlich ausgeübte Berufsgruppe umgestellt, sodass ein Informatikstudent sogar weniger zahlen muss (23,89 € für die BU, 2,39 € und 7,17 € für die Pakete, das Pluspaket kommt mit weiteren 3,58 € dazu). Wird der Schüler „dummerweise Schreiner“, so beträgt der Beitrag dann 67,62 € (+ 6,76 € für das Karriere-, 7,44 € für das Pflege- und 10,14 € für das Plus-Paket). Für eine bestimmte Gruppe der versicherten Personen kann es durchaus sinnvoll sein, denn der Vertrag wird nach alten Rechnungsgrundlagen, alten Bedingungen und ohne erneute Gesundheitsprüfung umgestellt.

Die fehlende Gesundheitsprüfung ist damit auch der größte Vorteil. Gerade in nicht körperlich tätigen Berufen wird es bei anderen (auch von den Bedingungen her durchaus besseren) Gesellschaften unter Umständen sogar eine passendere Absicherung geben. Diese ist jedoch bei spätem Abschluss mit einer Gesundheitsprüfung verbunden und läuft Gefahr, Ausschlüsse oder Zuschläge hinnehmen zu müssen. Da das ursprüngliche Eintrittsalter auch maßgebend für die neue Prämienberechnung ist, ist die dieses natürlich auch langfristig günstiger.

Wann ist ein Schüler berufsunfähig?

Der Schüler keinen „Beruf“ haben, sondern eben in der Schule unterrichtet werden, ist für die Leistung eine besondere Definition Voraussetzung. Diese findet sich in den Versicherungsbedingungen unter Abschnitt J. Dort heißt es:

Berufsunfähigkeit bei Schülern im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn die versicherte Person sechs Monate ununterbrochen infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, außerstande gewesen ist, als Schüler am Unterricht an einer Schule ohne spezielle Förderung teilzunehmen, sowie es ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich war. Eine Schule mit spezieller Förderung ist zum Beispiel eine Förderer-oder Sonderschule.“

„Berufsunfähigkeit bei Schülern liegt nicht vor, wenn die versicherte Person in diesem Zeitraum eine andere ihrer Ausbildung und Erfahrung sowie bisheriger Lebensstellung entsprechende Tätigkeit konkret ausübt oder lediglich ein Schuljahr wiederholt.

Wir erbringen die Leistung solange die Voraussetzungen für die Berufsunfähigkeit bei Schülern fortbestehen, längstens bis zur Aufnahme einer Berufstätigkeit, eines Studiums oder einer beruflichen Tätigkeit (ausgenommen sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zum Beispiel Minijobs oder ein-Euro-Jobs.“

Spezielle Gesundheitsfragen in einem besonderen Antrag

Abweichend von dem normalen Antrag der kontinentalen hat diese einen speziellen Antrag für die „Premium BU Start Schüler“. Grundlage ist der Antrag mit der Druckstück Nummer „3110/03.2016“. Dieser ist speziell für Schüler und enthält einige abweichende Fragen. Doch schauen wir uns diese Fragen einmal im Detail an.

1.) Frage nach Größe und Gewicht

2.) Frage nach rauchen unter dem Inhalieren von Nikotin

3.) Die Frage beschäftigt sich mit bereits bestehenden Absicherungen, und abgelehnten oder mit Erschwerung angenommenen Anträgen in den letzten fünf Jahren.

4.) „Übt der zu versichernde Schüler Sportarten mit erhöhten Verletzungsrisiko aus? (Zum Beispiel Kampfsport, Reitsport, Motorsport, Downhill-Racing, Parcours)“  so weit ist die Frage unkritisch, jedoch ist es nur eine beispielhafte Aufzählung keinesfalls abschließen. Dabei besteht die Gefahr dass der Kunde bei der Antragstellung eine Sportart als nicht „mit erhöhtem Verletzungsrisiko“ verbunden ansieht.

5.) Frage nach Medikamenten in den letzten fünf Jahren oder über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen. Soweit unkritisch, da klar und einfach zu beantworten. In der Praxis wird die entscheidende Frage sein, wie der Versicherer bei einer Antwort mit „ja“ reagiert. Gibt es ohne weitere Prüfung einer Ablehnung oder erfolgt dann eine detailliertere Prüfung und Nachfrage.

6.) Bestehen oder bestanden in den letzten fünf Jahren chronische Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes, Epilepsie, Migräne, HIV-Infektion, rheumatische oder infektiöse Erkrankungen), angeborene oder erworbene Fehlbildungen (zum Beispiel….), Dauerhafte körperliche Behinderungen (…) oder wurde eine Schwerbehinderung beantragt oder anerkannt.

Besonders problematisch auch hier die beispielhaften Aufzählungen. Eltern sollten hier insbesondere darauf achten, sich bei den Kinderärzten alle dort gespeicherten Dauerdiagnosen zu besorgen und im Detail aufzulisten.

7.) „War in den letzten fünf Jahren oder ist aktuell eine besondere Förderung wegen Lernschwierigkeiten, Teilleistungsschwächen, Sprachstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten erforderlich oder angeraten?“

Betrachtet man die Fragen genau, so reden wir hier von jedweder Nachhilfestunde.

Conti Antrag Schüler8.) Diese Frage beschäftigt sich mit den stationären Behandlungen der letzten fünf Jahre, ist aber weiterhin auch auf den ambulanten Bereich ausgedehnt. Hier heißt es: „…  oder mehr als dreimal wegen der gleichen Erkrankung oder den gleichen Beschwerden durch Ärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Logopäden, Psycho- oder Physiotherapeuten ambulant beraten, untersucht oder behandelt oder sind Untersuchungen oder Behandlungen angeraten.“

Damit wird aus einer stationären Frage eine Frage, welche nahezu alles wissen will. Es geht um längerfristige ambulante Behandlungen, die auch bei einem Logopäden erfolgt sein können, was bei Kindern/Schüler in diesem Alter nichts ungewöhnliches ist.

9.)  Wurde der zu versichernde Schüler in den letzten 5 Jahren im Zusammenhang mit einer der folgenden Erkrankungen beraten, untersucht oder behandelt oder sind Untersuchungen oder Behandlungen angeraten: (jetzt folgt eine Unterteilung in fünf Gebiete, Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Haut-/Atemwegserkrankungen, Erkrankungen von Augen und Ohren)

Fazit zu den Gesundheitsfragen: Auch oder gerade wenn es sich um einen speziellen Antrag für Schüler handelt, enthält dieser einige Fallstricke die eine besondere Aufmerksamkeit bei der Antragstellung bedeuten. Sprechen Sie unbedingt mit ihrem Kinderarzt und besorgen sich alle Diagnosen welche dieser in seiner Krankenakte gespeichert hat. Das geht natürlich auch für andere Behandler und Ärzte. Fragen zu Lernschwierigkeiten/Nachhilfe sind so zumindest bei anderen Versicherern noch nicht so weit verbreitet, bitte beantworten Sie auch diesen sehr sorgfältig.

Mehr Pakete für individuelle Absicherung?

Das neue Karrierepaket

Ergänzend zu dem eigentlichen Berufsunfähigkeitsvertrag lassen sich unterschiedliche Pakete kombinieren. Das Karrierepaket soll eine spätere Anpassung der BU Absicherung bieten und Zusatzleistungen sichern. Eine dieser Sonderleistungen ist zum Beispiel die zusätzliche Erwerbsminderungsrente bei Eintritt einer bedingungsgemäßen Erwerbsunfähigkeit, welche in den ersten fünf Jahren nach erstmaliger Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit gezahlt wird. Die Rentenhöhe bei Erwerbsunfähigkeit beträgt 50 % der versicherten Berufsunfähigkeitsrente, ist jedoch auf einen Maximalbetrag von 500 € monatlich begrenzt. Die Leistungsdauer entspricht der Leistungsdauer des Hauptvertrages.

Diese Zusatzleistung soll das Fehlen von gesetzlicher Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit ausgleichen.

Weiterhin bietet dieses Paket eine zusätzliche Form der Nachversicherung. Nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung oder eines Studiums hat die versicherte Person das Recht, die versicherte Rente (maximal 1000 €) zu verdoppeln. Zwingende Voraussetzung hierfür ist, dass die versicherte Person innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abschluss eine Berufstätigkeit entsprechend der Berufsausbildung oder dem Studium aufnimmt und dieses nachweist. Die Versicherer waren gesamte Rente nach der Erhöhung ist auf einen Betrag von 24.000 € Jahresrente begrenzt.

Weiterhin bietet der Versicherer auf alle nach Versicherungen einen Rabatt von 5 %. Und noch ein weiterer Leistungsbestandteil ist in dem Karrierepaket enthalten, der sogenannte Qualifikationsbonus. Innerhalb von zwölf Monaten nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung, einer Meisterprüfung oder eines Studiums durch die versicherte Person kann diese verlangen, dass die individuelle Risikoeinstufung unter Berücksichtigung der persönlichen Berufsmerkmale erneut überprüft wird. Das ist ja durchaus positiv, denn so kommt der Versicherte unter Umständen in den Genuss von niedrigeren Beiträgen, eine neue Gesundheitsprüfung wird hierfür nicht verlangt.

Interessant ist jedoch der folgende Satz:

„Führt die Überprüfung zu einer Beitragssenkung, beginnen die Fristen bezüglich der Verletzung der Anzeigepflicht im Hinblick auf die Angaben zur Risikoeinstufung neu zu laufen.

In der Praxis bedeutet das also, der Schüler der mit zehn Jahren einen entsprechenden Vertrag abschließt, dann zum Ende des 21. Lebensjahres seine Berufsausbildung beendet hat und den Vertrag in eine günstigere Berufsgruppe eingestuft haben möchte, für den beginnen dann die Fristen für die Verletzung der Anzeigepflicht erneut. Wer auch immer dieses in die Bedingungen geschrieben hat, ohne Hintergedanken erfolgte das garantiert nicht. Mit dieser Klausel kann keinem Kunden ruhigen Gewissens geraten werden, eine Beitragssenkung zu verlangen.

Anmerkung: Nach einigen Diskussionen im Kollegenkreis kann man diese Klausel so und so sehen. Mein man es gut mit dem Kunden, so ist diese Klausel nur auf die Angaben zur Berufsausbildung und die Einstufung in die richtige Berufsgruppe zu verstehen. Unterstellt man dem Versicherer etwas Böses, so klingt es so, als beginne die Anzeigepflicht für den Gesamtvertrag neu. Egal wie man es sehen will, es ist unglücklich formuliert und hätte deutlicher erklärt werden können.

Das Plus Paket

Bei dem zweiten Paket geht es um Leistungserweiterungen bzw. Verbesserungen in dem Leistungsbezug. Der erste Baustein versichert eine (vorgezogene) Leistung bei Vorliegen von Arbeitsunfähigkeit. Ist der (Schüler?) versicherte sechs Monate ununterbrochen arbeitsunfähig und ist dieses durch einen Facharzt bescheinigt, so wird der Vertrag beitragsfrei gestellt und eine Rente in Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsrente gezahlt. Weitere Voraussetzung ist es, dass gleichzeitig ein Antrag auf Leistungen wegen Berufsunfähigkeit gestellt wird. Diese Leistung ist auf einen Zeitraum von 18 Monaten begrenzt, wobei die 18 Monate für alle Leistungsfälle während der gesamten Vertragslaufzeit gelten.

Eine weitere „Plus Leistung“ ist das sogenannte Pflege-Sofortkapital. Liegt eine Pflegebedürftigkeit im Sinne der Versicherungsbedingungen vor, so wird ein einmaliges Kapital in Höhe von sechs versicherten Berufsunfähigkeitsrente gezahlt. Interessant ist zudem, dass eine Leistung auch erbracht wird wenn nicht die versicherte Person selbst pflegebedürftig wird. So heißt es in den Bedingungen:

„Wird ein naher Angehöriger der versicherten Person während der vertraglichen Versicherungsdauer der Berufsunfähigkeitsversicherung- in den ersten drei Versicherungsjahren aufgrund eines Unfalls oder- nach Ablauf der ersten drei Versicherungsjahre pflegebedürftig, zahlen wir ein Pflege-Sofortkapital in Höhe von sechs Versicherten monatlichen Berufsunfähigkeitsrenten.“

Wer ein naher Angehöriger ist, wird später definiert. Hierbei handelt es sich um verheiratete Ehegatten oder Lebenspartner im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes, sowie kindergeldberechtigte Kinder der versicherten Person. Auch hier kann man hervorragend darüber diskutieren, wie sinnhaft so eine Leistung ist.

Als dritten Baustein dieses Paketes ist noch eine Option zum Abschluss einer Risikolebensversicherung enthalten. Die Todesfallleistung darf dabei maximal das zehn fache der versicherten jährlichen Berufsunfähigkeitsrente betragen und insgesamt nicht mehr als 250.000 € hoch sein. Der Abschluss der späteren Risikolebensversicherung erfolgt zu den dann gültigen Berechnungsgrundlagen und den dann geltenden Tarif. Nach Versicherungen oder dynamische Erhöhungen sind hierbei später ausgeschlossen.

Auch hier hat man wieder eine No-Go Klausel eingebaut, denn auch hier beginnen die Rechte bei Verletzung der torvertraglichen Anzeigepflicht erneut zu laufen. Doch nicht das jetzt denken jeder könnte dieser abschließen, es sind Voraussetzungen/Ereignisse an den Abschluss geknüpft. Sie müssen nachweisen dass sie entweder eine Immobilie erworben haben die selbst bewohnt wird, ihr Kind geboren ist oder ein solches adoptiert wurde. Nein, ich habe keine weiteren Kriterien vergessen, das waren die drei einzigen.

Ebenfalls erlischt das Recht auf den Abschluss der Risikoversicherung, wenn seit dem Vertragsbeginn 15 Jahre vergangen sind, die versicherte Person älter als 45 ist oder der Versicherungsfall bereits eingetreten ist.

Rekapitulieren wir einmal. Der zehnjährige Schüler der mit dem Produkt angesprochen wurde, muss mit 25 eine selbst bewohnte Immobilie gekauft haben oder zumindest ein Kind muss geboren oder adoptiert sein. Wie wahrscheinlich das ist, mag sich jeder selber ausmalen.

Das Pflegepaket

Aller guten Pakete sind drei, und so gibt es noch ein Pflegepaket. Dieses regelt einen Leistungsbezug aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, für den Fall der Pflegebedürftigkeit. Anders als der Eintritt der Pflegebedürftigkeit und damit der Bezug eine Berufsunfähigkeitsrente bis zum Ablauf des Vertrages, lässt sich hiermit eine lebenslange Pflegerente versichern. Die Pflegerente entspricht anfänglich von der Höhe der Berufsunfähigkeitsrente, wobei eine eventuell vereinbarte Leistungsdynamik in der BU explizit ausgeschlossen ist. Weiterhin ist die Rente auf maximal 42.000 € jährlich begrenzt.

„Sie können“ schreibt der Versicherer weiter, ohne erneute Gesundheitsprüfung einmalig eine Pflegerentenversicherung bei der Continentale Lebensversicherung abschließen. Der Abschluss ist nur möglich, sofern keine lebenslang Pflegerente erbracht wird und die Berufsunfähigkeitsversicherung weder gekündigt noch beitragsfrei gestellt wurde. Die Höhe der jährlichen Pflegerente darf die Höhe der zuletzt im Rahmen der Berufsunfähigkeitsversicherung versicherten Rente nicht übersteigen und ist auf 24.000 € jährlich limitiert.

Der zu zahlende Beitrag wird entsprechend der dann gültigen Pflegerentenversicherung und der Risikoeinstufung der versicherten Person bei der Berufsunfähigkeitsversicherung (insbesondere Zuschläge und Ausschlüsse) berechnet.

Die Pflegerentenversicherung kann zum Ablauf der vereinbarten Berufsunfähigkeitsversicherung, vor Ablauf der vereinbarten Berufsunfähigkeitsversicherung und frühestens fünf Jahre nach dem vereinbarten Versicherungsbeginn, nach Ablauf der vereinbarten Versicherungsdauer der BU und zum Wegfall der Zahlung der lebenslangen Pflegerente abgeschlossen werden. Die Berufsunfähigkeitsversicherung setzt sich automatisch als Pflegerentenversicherung fort, sofern sie zum Ende der vereinbarten Versicherungsdauer beitragspflichtig ist und die noch keine aufgeschobene Pflegeversicherung abgeschlossen haben. Wenn Sie das nicht möchten, können/müssen Sie binnen vier Wochen widersprechen.

(Mein) Fazit

Die Continentale geht mit dem Produkt für Schüler sicherlich in die richtige Richtung, denn leider ist der Markt für diese Produkte noch zu dünn besät. Der Versicherungsschutz gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, insbesondere gegen das zukünftige Risiko der Berufsunfähigkeit, ist heute nur bei sehr wenigen Versicherern vernünftig absichert war. Das Problem ist dabei gar nicht die Prüfung auf einer Erwerbsminderung während der Schulzeit, sondern die Frage ob der-/diejenige später überhaupt einen entsprechenden Versicherungsschutz bekommen kann.

Weitere Unterlagen und Informationen

Vollständige Versicherungsbedingungen Continentale Lebensversicherung, Premium BU, PBUS, PEUS, Stand 3/2016

Antrag Premium BU Start Schüler, Stand 3/2016

Antrag Continentale Berufs- und/ oder Erwerbsunfähigkeit, Stand 3/2016

19.
Mai '15

Garantierte Rentensteigerung, Leistungsdynamik, Anpassung bei bestehender Berufsunfähigkeit- eine der wichtig(st)en Optionen in der BU-Absicherung


Die Versicherer verwenden völlig unterschiedliche Bezeichnungen dafür, der eine nennt es „garantierte Rentensteigerung“ ein anderer schreibt lieber über „Leistungsdynamik“ und wieder andere verwenden noch andere Namen und Bezeichnungen. Alle haben jedoch eines gemeinsam, sie bezeichnen einen wichtigen Baustein in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, einen Baustein der die Absicherung für die Zukunft garantieren und aktuell halten soll.

Bereits in der Vergangenheit habe ich über die Möglichkeit einer garantierten Rentensteigerung in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geschrieben halte diese weiterhin für eine wichtige Option. Hiermit wird die Möglichkeit geschaffen, eine versicherte Rente auch dann zu erhöhen, wenn bereits der Leistungsfall eingetreten ist. Im Gegensatz zu der dynamischen Erhöhung, welche eine Anpassung der Versichertenrente und des Beitrages vor Eintritt des Leistungsfalles ermöglicht, handelt es sich bei dieser Option um eine Rentenerhöhung nach Eintritt der Berufsunfähigkeit. Ist diese Möglichkeit in dem eigenen Vertrag nicht vorhanden, so bedeutet dieses auch, jemand der vielleicht mit Anfang 40 berufsunfähig wird muss mit der Rente zum Rentenalter auskommen.

Wird die versicherte Person erst kurz vor dem Rentenalter berufsunfähig, so reicht die versicherte Rente unter Umständen auch dann aus, wenn diese nicht erhöht wird. Je früher jedoch eine Berufsunfähigkeit eintritt und der Versicherer seine Rentenzahlung erbringt, desto wichtiger wird die Erhöhung. Eine Anpassung der Rente auf eigenen Wunsch ist dann, aufgrund des eingetretenen Leistungsfalles und des Gesundheitszustandes nicht mehr möglich. Diese mögliche Rentenerhöhung soll unter anderem dafür sorgen, dass eine Entwertung des Geldes und/oder eine Steigerung der Lebenshaltungskosten nicht dazu führen muss, dass die versicherte Berufsunfähigkeitsrente zu klein ist. Dazu hier ein Blick auf die Entwicklung der Inflation in Deutschland, angefangen im Jahre 1970.

Inflationsrate

Natürlich gab es auch hier Jahre, in denen die Inflation sehr klein oder (wie 1986) sogar negativ war. Andererseits gab es viele Jahre in denen diese deutlich über 2 % lag. In den Verträgen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist oftmals nur ein feststehender Prozentsatz versicherbar. Einige Versicherer lassen zudem eine Leistungsdynamik zwischen einem und 3 % zu.

Das ist aber ein ganz schöner Mehrbeitrag, warum?

In einer Beratung schrieb mir eine Kundin folgende E-Mail:

Hätte nicht gedacht, dass die Rentensteigerung, die ja nur im Leistungsfall eintritt, so viel an Beitrag kostet.
Die Rente steigt ja nur um 2 % p.a., nachdem man berufsunfähig geworden ist, d.h. wenn mit 66 der Fall eintritt, steigt diese nur noch 1x auf dann 2040 € richtig?
Interessant ist es demnach v.a., wenn man jung BU wird... (…) Garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall von 2% p.a. ist uns jedenfalls keine 13,50 € Unterschied im Monatsbeitrag wert

Die Argumentation ist durchaus berechtigt und interessant, denn für denn Versicherer bedeutet die Vereinbarung einer solchen Steigerung eine immens hohe Mehrleistung. Warum das so ist, lässt sich sehr einfach an der folgenden Tabelle ersehen. Unterstellen wir eine versicherte Rente von 2.000 € und eine garantierte Rentensteigerung von 2 % und tritt der Leistungsfall zum Beispiel mit 33 Jahren ein, so bedeutet die Versicherte Option eine Mehrleistung des Versicherers von 359,867 €, bei dauerhaft bestehende Berufsunfähigkeit. In dieser Tabelle lässt sich gut erkennen, wie sich die Rente durch die jährliche Anpassung erhöht und wie hoch der Unterschied zu der Ursprungsrente pro Monat bzw. pro Jahr ist.

Mehrleistung garantiete Rentensteigerung

Selbst wenn die Berufsunfähigkeit „erst“ mit 60 Jahren eintreten sollte, so reden wir immer noch über sieben Jahre, in denen die Rente um jährlich 2 % steigt. Sie später die Berufsunfähigkeit eintritt, desto weniger Jahre bis zum Ablauf sind natürlich vorhanden, um die Rente jährlich steigen zu lassen. Wer natürlich bis zu diesem Zeitpunkt eine dynamische Rentenerhöhung Jahr für Jahr mitgemacht hat, für den ist die Rente zu diesem Zeitpunkt auf ein durchaus ausreichendes Maß gestiegen, der Beitrag natürlich ebenfalls.

Mehrleistung bis 67

Kann ich die garantierte Rentensteigerung nachträglich ein-oder ausschließen?

Wurde bei Vertragsbeginn eine solche Rentensteigerung im Leistungsfall beantragt, kann diese auch wieder ausgeschlossen werden. Die Versicherer haben hierzu unterschiedliche Regelungen, hier zum Beispiel die Aussage in den Versicherungsbedingungen der Alten Leipziger.

Eine vereinbarte garantierte Rentensteigerung kann während der Beitragszahlungsdauer zum Beginn des nächstfolgenden Monats, frühestens zum Schluss des ersten Versicherungsjahrs, verringert bzw. ganz ausgeschlossen werden.

Wer also sich zu Beginn des Vertrages für eine solche Option entschieden hat, durch veränderte Umstände oder durch eine dynamisch angepasste Rente aber nun ausreichend hoch versichert ist oder eigene Rücklagen zusätzlich gebildet hat, der kann diesen Baustein wieder aus dem Vertrag entfernen und zahlt dann weniger Beitrag. Für die Vergangenheit, in der der Schutz standen hat, sind die Beiträge natürlich „verbraucht“. Klar, denn bei eingetretenen Versicherungsfall hätte auch die jährliche Anpassung stattgefunden.

Ein späterer (Wieder-)Einschluss dieser Komponente in den Vertrag führt natürlich zu einer neuen Gesundheitsprüfung, und einem höheren Beitrag.

Ich bin schon versichert, wie bekomme ich diese Option in meinen Vertrag?

Wenn Sie bereits einen Versicherungsschutz haben und eine solche garantierte Rentensteigerung dort nicht enthalten ist, so kann dieses mehr Gründe haben. War eine solche Option bei Vertragsabschluss gar nicht verfügbar, so kann dieser auch nachträglich nicht ohne weiteres eingeschlossen werden. Hierzu müsste dann eine Umstellung heute gültigen Tarife stattfinden, die jedoch ein neues Eintrittsalter und/oder eine neue Gesundheitsprüfung zur Folge. Einige Gesellschaften verzichten bei gleicher Rentenhöhe oder bieten eine vereinfachte Gesundheitsprüfung an. Es gibt durchaus Fälle, wo trotz höherem Eintrittsalters die Prämie gegenüber der ursprünglichen Vertragsgestaltung sinkt, da die Gesellschaften in den letzten Jahren eine differenziertere Berufsgruppen Einstufung eingeführt haben. Daher ist eine generelle Aussage schlecht möglich.

War eine solche Leistungsdynamik schon bei Vertragsabschluss vorhanden, Sie haben sich aber dagegen entschieden, so kann diese mit entsprechender Gesundheitsprüfung heute meist den Vertrag eingeschlossen. Die zu zahlende Mehrbeiträge werden dann ab dem Zeitpunkt des Einflusses erhoben.

Bevor Sie also jetzt voreilig handeln, lesen Sie bitte auch den Beitrag zur Überprüfung einer bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherung und schauen sich einmal genau die Auswahlkriterien für die Berufsunfähigkeitsversicherung an.