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12.
Oktober '10

Die “richtige” Anfrage zur Privaten Krankenversicherung- was muss ich alles tun?


Gerade jetzt geht der große “Run” auf die private Krankenversicherung (PKV) ja wieder los. Der Unsinn geht mit schönen Werbeanzeigen los, zig Pop Up Fenster auf Internetseite und bunte Banner und Buttons.

Findige Berater locken den Interessenten mit 59 EUR PKV Tarifen, dem besten und tollsten PKV Tarif und versprechen das Blaue vom Himmel. Da werden Aussagen wie “PKV ist immer besser als die gesetzliche Krankenkasse (GKV)” oder dergleichen genutzt um einen möglichst schnellen Wechsel zu realisieren. Beraten wird dabei zum Teil mit erschreckendem HalbUnwissen.

Nicht nur, dass JEDER Tarif in der Krankenversicherung in einigen Punkten immer schlechter anders ist, als die gesetzliche Krankenkasse, auch sonst bestehen eine Reihe von Lücken, Ausschlüssen und Begrenzungen in der PKV. Dieses macht einen Tarif nicht unbedingt schlecht, muss aber erläutert, verstanden und akzeptiert werden.

Doch wenn ich nicht weiss, was es gibt, wie soll ich mich da entscheiden?

Kaufen Sie ein Auto mit Airbag? Klar- man will ja sicher sein. Taten Sie das schon immer? Nein! Entweder gab es den Airbag noch nicht, er war unbezahlbar oder Sie wussten es einfach nicht. So ist es aber in der Privaten Krankenversicherung auch. Es gibt viele, viele Punkte, die Sie sicher als Laie nicht kennen und zu denen Sie sich nie Gedanken gemacht haben.

Wissen Sie was “gemischte Anstalten”, Diagnosekliniken, Krankenhausambulanzen, Preisverzeichnisse oder Stoma Versorgungsartikel sind?  Wissen Sie was diese Versorgung kostet?

nein? Wie sollen Sie denn dann entscheiden, was Sie brauchen oder haben wollen?

Und wo bekomme ich nun Informationen?

Schauen Sie sich im Internet um.

Lesen Sie den Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung bitte sorgfältig durch. Hier erhalten Sie nicht nur allgemeine Erklärungen, auch Hintergründe zu Modellen, Tarifen, Leistungen werden hier erläutert.

Laden Sie sich den Kriterienfragebogen zur Krankenversicherung herunter und füllen diesen so spontan als möglich aus. Sicher werden Sie nicht auf alle Fragen eine Antwort haben. Aber fangen Sie einfach an.

Besorgen Sie sich Arztunterlagen und schauen Sie sich schon einmal den Vorprüfungsbogen zur Krankenversicherung an. Dort sehen Sie, was Versicherer alles wissen wollen. Damit prüft dieser, ob eine Annahme in der PKV überhaupt möglich ist.

Nachdem Sie nun eine ganze Reihe von Informationen gesammelt und viel, viel gelesen haben, senden Sie Ihrem Berater bitte die ausgefüllten Fragebögen. Erst jetzt kann dieser Ihnen fundiert und individuell helfen.

Eine Beratung zur Privaten Krankenversicherung, auf Basis von 2, 3 oder 5 Fragen ist nicht nur unmöglich, sondern UNSERIÖS.

Stellen Sie sich vor, …

Sie gehen mit Bauchschmerzen zum Arzt. Es öffnet sich die Tür zum Sprechzimmer. Ein Herr im weißen Kittel steht Ihnen gegenüber und es entwickelt sich folgender Dialog:

Herr in weiss: “Guten Tag, was haben Sie denn?”

Sie: Bauchschmerzen, seit Tagen

Herr in weiss: “OK gut, nehmen Sie bitte die roten Tabletten. (reicht Ihnen eine Schachtel) Gute Besserung”

Vertrauen Sie dieser Empfehlung? Nehmen Sie die Tabletten? Es gab keine Untersuchung, keine Fragen nach Vorerkrankungen, keine Hinweise zu Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten? Vielleicht geht es Ihnen trotzdem mit den Tabletten besser, vielleicht sterben Sie an einer allergischen Reaktion, da Sie die Tabletten nicht vertragen.

So ist es in der PKV auch. Glauben Sie, ein Berater kann Sie mit solchen Fragen (und danach folgt nur noch die Abfrage der Adresse) vernünftig und fundiert beraten?

Daher setzen Sie solche Berater schnell vor die Tür. Hören Sie sich ggf. mehrere an, telefonieren oder sprechen persönlich Berater an, fragen nach Referenzen, Qualifikationen, Spezialisierungen. Sie gehen ja auch mit einem gebrochenen Fuß zum Chirurgen und nicht zum Hautarzt, oder?

Und ein ganz wichtiger Tipp zum Schluss.

LASSEN SIE SICH ZEIT. Sie drängt niemand und nichts. Sollen Sie wechseln weil “es morgen schlechter wird”, alles wird teurer, Sie sind älter oder, oder oder, so setzen Sie den Berater vor die Tür und suchen weiter.

Ein Produkt was Sie Jahrzehnte begleiten wird entscheiden Sie bitte nicht unter Zeit-, Verkaufs- oder sonstigem Druck.

05.
Oktober '09

PKV Beratung in 15 Minuten oder: Wie unqualifiziert kann ein Berater sein?


Es passieren Fälle, da kann man immer nur mit dem Kopf schütteln und hoffen das es für den Antragsteller/ Betroffenen irgendwie noch gut ausgeht. So auch in diesem Fall von dem Nutzer “Energiewirt” in einem Internet-Forum für die Private Krankenversicherung.

Hier beschreibt der Nutzer (mit dem ich zwischenzeitlich zu den Details telefonieren konnte) einen Fall wie er so einfach nicht passieren darf. Nun zu den Einzelheiten:

Ich habe am 16. Juli 2009 im Zuge eines Existenz Gründungsberatungsgespräches bei einem Fachmann, der gleichzeitig für die Hanse Merkur tätig ist, einen Antrag für eine private Krankenversicherung unterschrieben. Bei diesem Gespräch wurde mir nur eine Mappe mit Kleingedruckten und dem Antragsdurchschlag ausgehändigt.
Der Vertragsbeginn wurde damals auf den 01.10.2009 zusammen mit der Existenzgründung terminiert. Bis heute habe ich keinerlei Nachrichten über den Antrag ( genehmigt oder abgelehnt ) bzw. eine Police erhalten. Ich muss noch erwähnen, dass es von Seiten des Beraters keinerlei Aufklärung bezüglich des Kleingedruckten gab ( Widerrufsrecht !!! ). Im Kleingedruckten habe ich nun gelesen, dass man nach erhalt der Police 2 Wochen Zeit hat, die Unterlagen zurückzuschicken, im Falle eines Rücktrittes. Ist das richtig ?
Ich muss dazusagen, dass das mit der Existenzgründung noch nicht in trockenen Tüchern ist. Wenn dann doch selbstständig, dann am Anfang, bis der Laden läuft und absehbar Gewinn abwirft, in der Gesetzlichen versichert sein.

Dazu muss man noch wissen, dass der Interessent 45 Jahre alt ist und 4 Kinder im Alter von 6- 19 Jahren hat. Die Ehefrau ist mit einem Einkommen von 700 EUR brutto (unter dem Einkommen des Mannes) gesetzlich pflichtversichert. Somit stellt sich bei steigendem Einkommen auch noch die Frage nach der Mitversicherung der Kinder. (Link zur Info Kinderversicherung)

Der Berater hat eine Existenzgründungeberatung durchgeführt, welche inkl. des Gespräches zur Privaten Krankenversicherung und dem Ausfüllen des Antrages 45 (!!) Minuten gedauert hat. Die Qualität des Gespräches zur Existenzgründung kann ich nicht beurteilen, will ich auch nicht, jedoch das der Krankenversicherung lässt sich gut einschätzen.

Der Interessent erzählte mir gestern am Telefon, dass das ausfüllen des Antrages ca. 10 Minuten gedauert habe, die Gesundheitsfragen wurden im Schnelldurchlauf vorgelesen und abgehakt. (Link- was anzugeben ist im Antrag)

Der Wechsel in die Private Krankenversicherung wurde mit den Worten “PKV ist viel besser” begründet und zudem ein Tarif (KVG/KVE) der Hanse Merkur angeboten, welcher zumindest in Teilbereichen deutlich schlechtere Leistungen aufweist als die gesetzliche Versorgung. Zudem stellt sich die Frage warum der Kunde mit 45 und als Existenzgründer noch oder sofort in die GKV wechseln sollte.

Dieses sieht eher so aus als habe (Achtung- reine Vermutung) der gute Mann die Möglichkeit der vermeintlichen Beratung zum Unternehmensstart genutzt um irgendwie eines seiner Produkte zu verkaufen, seiner Hanse Merkur Produkte, denn da ist er Versicherungsvermittler.

Wie sich das mit den Aufklärungspflichten die das Versicherungsvertragsgesetz und die Versicherungsvermittlungsverordnung vorschreiben in Einklang zu bringen ist, ist mir noch nicht klar, der Berater wird aber sicher Gründe gehabt haben.

Meines Erachtens hat der Kunde das einzig Richtige getan und bleibt in der gesetzlichen Krankenkasse. Einige dieser Kassen bieten einen Sonderbeitrag für Existenzgründer an, welcher ein niedrigeres Einkommen zu Grunde legt. Das ist hier eine vernünftige und angepasste Lösung, vorallem aufgrund des Alters und der Familiensituation. Auch bei jungen Gründern ist diese Wahl oft die Bessere.

Was Sie also tun sollten:

Bevor Sie sich für eine PKV Entscheiden machen Sie sich Gedanken über die Auswahlkriterien (LINK) und über die Möglichkeiten und Folgen des entsprechenden Versicherungsschutzes (Leitfaden PKV)

Denken Sie daran elementare Risiken wie Berufsunfähigkeit, das Unfallrisiko etc. zunächst abzusichern (neben der angepassten Gesundheitsvorsorge) (Link zu Infos und zum Leitfaden.)

Erst nachdem das erledigt ist sind Fragen wie Altersvorsorge und sonstige Versicherungen/ Absicherungen zu klären.

Und eins… lassen Sie sich Zeit. Fällen sie Entscheidungen zu lang bestehenden Produkten und Lösungen erst nach sorgfältiger Information, Aufklärung und nach fundierten Gesprächen mit Spezialisten.