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14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, Fakten und Erfahrungen diese erfolgte.

Wer gesund ist und nur einmal zur Vorsorge und einmal wegen einer Grippe zum Arzt geht, die Rechnung am besten noch online oder über die RechnungsApp einreicht, der wird binnen Tagen die Erstattung auf seinem Konto sehen und „zufrieden“ sein. Klar, ist auch durchaus richtig, sagt aber absolut gart nichts über die wirkliche Qualität der Versicherung aus. Weder über deren Abwicklung, noch den Leistungsumfang, noch über irgendetwas sonst.

Insbesondere die Frage welche Leistungen denn abgerechnet wurden und wie diese behandelt wurden ist interessant. Nur wer hier mit Menschen spricht, welche auch nennenswerte Erkrankungen hatten, Rechnungen eingereicht haben, nur der wird sich eine einigermaßen fundierte Meinung bilden können. Aber selbst die reicht so nicht für eine Empfehlung aus. Warum? Weil es auch hier davon abhängig ist wie und in welchem Umfang ich versichert bin.

Fragt der Versicherer viel nach?

Gerade in den ersten Jahren ist eine Nachfrage nach  Vorerkrankungen im Rahmen einer Prüfung der vorvertraglichen Anzeigepflicht durchaus berechtigt. Klar mag das der ein- oder andere eher als lästig empfinden, wenn der Versicherer eine Entbindung von der Schweigepflicht will.

Lesetip: Der Versicherer will eine Entbindung von der Schweigepflicht nach eingereichter Rechnung

Ja will er und warum auch nicht. Gerade eine sorgfältige Prüfung zu Beginn eines Vertrages, nach ersten eingereichten Rechnungen, macht niemand zum Spaß. Diese kosten Geld, binden Mitarbeiterkapazitäten und müssen dennoch gemacht werden. Und nein, es macht niemand um Sie zu ärgern, sondern um zu prüfen ob die Angaben aus dem Antrag stimmen, ob nichts vergessen oder bewusst weggelassen wurde. Nur so und nur wenn eine solche Prüfung auch nachher noch erfolgt, lassen sich Risiken korrekt einschätzen und Bestände beitragsstabil halten.

Auch hier- wieder zwei Seiten. Der eine (Kunde) möchte so schnell als möglich eine Rechnung bezahlt haben. Der Versicherer möchte dieses auch, aber hat auch eine Verpflichtung gegenüber den anderen Versicherten. Eine Verpflichtung gegenüber seinem Kollektiv hier genau zu prüfen, ob niemand mit falschen Angaben zu Unrecht Versicherungsschutz bekommen oder keinen Risikozuschlag gezahlt hat.

Zahlt der Versicherer Rechnung XYZ nicht?

Auch das ist so ein Phänomen. „Meine PKV zahlt (dieses/jenes) nicht!“ hört man immer wieder, liest man in Foren und diversen Internetgruppen. Natürlich gibt es auch in der PKV Versicherer und Tarife, wo die Leistungen stark begrenzt sind. Mindestens ebenso gibt es Unternehmen, welche immer wieder versuchen um Leistungen herum zu kommen, das ist zumindest genau so unschön. Aber: oftmals sind die wirklichen Tarifleistungen weit weg von dem, was der Kunde glaubt versichert zu haben.

In einigen Beratungen wird so getan, als wäre jede PKV der Super-Luxus-Schutz, ist es aber nicht. Wer aber denkt, er habe den TOPSCHUTZ versichert, der ist (zurecht) enttäuscht, wenn der Versicherer auf eingereichte Rechnungen antwortet:

„Leider sind die Leistungen für XYZ nicht versichert.“

Natürlich ist die Enttäuschung dann groß und kann auch zudem finanzielle Folgen haben. Das zeigt aber, hier wurden in der Beratung gravierende Fehler gemacht und auf Berater- oder Kundenseite hab es große Missverständnisse. Haben Ihre Kollegen denn auch bei Abschluss die Bedingungen gelesen? Haben diese hinterfragt welche Ausschlüsse und Beschränkungen ein Tarif hat und das bevor dieser abgeschlossen wurde?

Testen Sie es doch einfach, fragen Sie einmal nach:

„Welche Leistungen hast Du ausgeschlossen, was war Dir nicht wichtig und wo ist der Tarif schlechter als die GKV?“

Wer hier antwortet „keine“ und „gar nicht“, dem würde ich keine Empfehlung für eine Gesellschaft oder gar einen Tarif zutrauen und jedweden Tip sehr mit Vorsicht genießen. Aussagen wie „schau Dir doch Tarif X von Gesellschaft Y einmal an“ sind nicht zu beanstanden. Hier wird der Blick oft auf einen Tarif gelenkt, den Sie dann mit Ihren Auswahlkriterien vergleichen sollten. Aber wichtiger als die Frage was ein Tarif zahlt ist immer, was er nicht zahlt. Beschäftigen Sie sich daher mit den Bedingungen. Klar sind 30, 40 oder 50 Seiten Kleingedrucktes nicht unbedingt die spannende Samstagabend Lektüre, oder doch?

Lesen Sie Bedingungen und hinterfragen Aussagen. Lesen Sie Tarife (nicht Prospekte) und überlegen sich, welche Leistungen für Sie persönlich wichtig sind.

Was ist IHNEN wichtig?

Erst wenn Sie für sich ein Anforderungsprofil schaffen, festlegen was Ihnen persönlich heute und vielleicht in Zukunft wichtig ist, wo Ihre Bedürfnisse liegen und welche Leistungen Sie hier versichern möchten, erst dann haben Sie eine Grundlage für die Tarifauswahl.

Lesetip: Den besten Tarif in der PKV bitte

Nicht nur, aber auch aus diesem Grund ist die Frage wo denn Ihr Berater versichert ist, welchen Schutz er für sich selbst gewählt hat, völlig sinnfrei. Das was mir als Berater wichtig ist, das spielt bei Ihrem Auswahlprozess keine Rolle, nicht ansatzweise. Nur weil meine Anforderungen (bei mir in 1998) die waren, welche zu einem Tarif und einem Versicherer geführt haben, sind das weder heute noch waren es damals Ihre Anforderungen. Solche Kriterien verändern sich aber durchaus während der Jahre, auch ich würde- obwohl ich sehr zufrieden bin- heute sicher anders wählen. Nicht weil mein Tarif schlecht ist, sondern weil es am Markt Alternativen gibt, die damals so undenkbar waren.

Ich beantworte die Frage dennoch immer wieder und gern. Mein Versicherungsschutz sieht also so aus:

Hallesche NK, dazu KHT, Krankengeld in verschiedenen Stufen, Beitragsentlastung im Alter, Pflegepflicht

Diesen Schutz habe ich bereits seit einigen Jahren, nicht nur aus wirtschaftlichen, auch auch gesundheitlichen Gründen ist ein Wechsel weder sinnvoll noch möglich. Den würde ich heute aber auch nicht machen und auch nie einem dort versicherten Kunden empfehlen. Warum? Zu Entscheidungen muss man stehen. Ich habe damals bewusst genau den Tarif „gekauft“, genau den Schutz gewollt und nur minimal angepasst über die letzten Jahre. Auch heute halte ich den Tarif (ist bei mir ja noch die alte Bisexwelt) für die richtige Wahl- FÜR MICH!

Weder für meine Bekannten, Freunde, Kollegen ist oder muss dieser ebenfalls die richtige Wahl sein. Nicht einmal mit fast identischen Anforderungen muss dieser Tarif heute richtig sein.

So geht Ihre Tarifauswahl!

Schauen Sie sich um. Lesen Sie Internetseiten, Blogs, lesen Sie in Büchern zur PKV, zur Krankenversicherung allgemein und machen Sie sich schlau. So schlau wie es Ihnen möglich ist. Eine kleine Hilfe dabei ist mein

Aber auch mit den Übersichten zu den

kommen Sie etwas weiter. Weiter, weil Sie sich Gedanken machen müssen. Gedanken über den Wunsch was versichert sein soll, über das was Ihnen (heute) nicht so wichtig ist und auch über das was zukünftig an Veränderungen ansteht oder anstehen KÖNNTE. Wenn Ihnen das noch nicht ausreicht, auch nicht um den Fragebogen zu beantworten, so gibt es noch 45 Minuten Videoanleitung dazu, Erklärungen warum was genau wie wichtig sein könnte oder werden kann. Diese erhalten Sie gern auf Wunsch per Mail- dazu bitte diese Anfrage zur PKV oder den LiveChat verwenden.

Und noch etwas, einen Krankenversicherer der „kulant ist, den möchten Sie nicht„.

Sie kaufen nicht das gleiche Auto wie Freunde und Kollegen, Sie bauen nicht das gleiche Haus, haben nicht die gleichen Kinder- nein, Sie sind individuell. Lassen Sie Ihre Krankenversicherung AUF SIE PASSEN, nicht anders herum!

29.
Mai '17

Soll ich, oder soll ich (noch) nicht? Jetzt Schutz gegen Berufsunfähigkeit sichern, oder noch warten?


Die Notwenigkeit einer Absicherung gegen die Folgen einer Berufsunfähigkeit sind hinlänglich bekannt und es ist eine der wenigen Absicherungen bei der sich nahezu alle einig sind. Verbraucherschützer, Experten, Ärzte, Versicherer und Vermittler, alle wissen um die Wichtigkeit der Absicherung gegen den Verlust der eigenen Arbeitskraft.

Lesetip: Warum es unverantwortlich ist, keinen Schutz gegen das BU Risiko zu haben

Ob es nun jeder Vierte oder jeder Fünfte sein mag der in seinem Leben einmal dauerhaft oder für eine begrenzte Zeit berufsunfähig wird ist in dem Fall fast egal. Warum? Am Ende ist es egal ob ich mich in einem Jahr, in zwei oder in zehn Jahren finanziell ruiniere. Ist kein Geld da, keine Arbeitskraft mehr da um ein Einkommen zu erwirtschaften, so ist alles andere auch schwierig bis unmöglich.

Doch es gibt Situationen, welche Antragsteller immer wieder zögern und überlegen lässt. In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder

Dabei hat ein solches Zögern meist zwei Gründe, oder zumindest zwei Ansatzpunkte die es auslösen. Schauen wir uns doch beide einmal etwas genauer an.

1.) wenn ich noch warte, muss ich später Krankheit XYZ nicht mehr angeben

Die Hoffnung es wird dann besser kann jedoch auch schnell nach hinten losgehen. Die Versicherer fragen in den Anträgen unterschiedliche Abfragezeiträume ab, je nach Fragestellung und Diagnose sind damit in X Jahren einige Bemalungen sicher nicht mehr anzugeben. Ob es sich dabei um so genannte „Dauerdiagnosen“ handelt oder Krankheiten die nie ausheilen (auch wenn diese keine Beschwerden verursachen) muss genau überprüft werden. Hier in der Anfrage ging es konkret um das Einsetzen von Brustimplantaten und damit verbundene stationäre Aufenthalte. Diese sollten dann in X Jahren nicht mehr im Antrag auftauchen.

Auch wenn die Behandlung oder der Aufenthalt nicht anzugeben sind, das Implantat kann (je nach Fragestellung) anzeigepflichtig bleiben und damit steht es dem Versicherer frei auch später weitere Angaben zu fordern. Im Rahmen seiner Nachfragebefugnis kann dieser gezielte, weitere Fragen stellen und auch diese sind (ungeachtet der Fragen im Antrag) wahrheitsgemäß zu beantworten.

Letztendlich stellt sich aber ein „Russisch Roulette“. Warum ist einfach erklärt.

Bei dem „Warten um einige Erkrankungen nicht mehr anzugeben/ angeben zu müssen“ können natürlich auch weitere Beschwerden auftreten, Erkrankungen diagnostiziert werden oder einfach ein Unfall zu weiteren Schäden führen. Dieses hat dann natürlich zur Folge,

  • – dass der Versicherer den Antrag ablehnen kann

  • – dass es weitere Ausschlüsse gibt

  • – dass der Versicherer hohe Zuschläge verlangt

  • – dass der Versicherer den Antrag ganz ablehnt

Wer also gern zockt, für den mag das vielleicht eine Option sein, alle anderen tun gut daran, den derzeitigen Gesundheitszustand (wenn mit diesem eine Annahme möglich ist) zu nutzen und sich einen entsprechenden Schutz zu „konservieren“.

Berufsunfähigkeitsschutz lieber jetzt oder noch warten?

Es spricht nichts dagegen nach Ablauf von Anzeigepflichten nochmals über eine Änderung oder einen anderen Schutz nachzudenken, dabei sollten aber nicht die Nachteile vergessen werden.

  • – höheres Eintrittsalter

  • – höherer Beitrag durch andere Berufsgruppe andere Tarifwelt andere Tarife und Möglichkeiten der Versicherung

Daher sollten Sie sich darüber im Klaren sein: Es wird nicht nur besser wenn Sie warten. Das Risiko sich zu verschlechtern ist deutlich höher. Sieht es aber nach X Jahren deutlich besser aus, so lässt sich (trotz höherem Alter) ein solcher Schutz kündigen und dann auch ggf. neu abschließen, diese Chance bleibt immer.

Lesetipp: Wie kündige ich eine unpassende Berufsunfähigkeitsversicherung?

Sieht es aber dann schlechter aus, so haben Sie zumindest einen passenden Schutz derzeit.

2.) wenn ich jetzt als Student noch nicht abschließe, bekomme ich später besseren Schutz/ günstigere Berufsgruppe

Auch dieses ist bei vielen Unternemen eine falsche Annahme. Natürlich richtet sich die Berufsgruppe nach dem Beruf bei Antragstellung. Für Studenten und Schüler gelten jedoch bei den meisten Gesellschaften etwas andere Regelungen.

Lesetip: Berufsunfähigkeitsschutz für Studenten

So ist es für die meisten Studenten, zumindest die in der zweiten Hälfte der Regelstudienzeit, vorteilhaft sich die BU zu sichern. Die Einstufung erfolgt hier oft direkt in den noch zu erreichenden Beruf. Damit gibt es eine Berufsgruppe, welche diese sonst nur bei Abschluss des Studiums und einer passenden Ausbildung/ Anstellung hätten.

Entscheiden sich die Studenten dann doch für andere Tätigkeiten oder studieren nochmal etwas anderes, so interessiert dann auch eine, eventuell schlechtere, Berufsgruppe nicht (mehr).

Weitere Informationen find

30.
Dezember '15

„Sie sind nun versicherungsfrei ab 1. Januar“, Sie können und dürfen sich für die PKV entscheiden, müssen aber rein gar nichts


Haben Sie auch schon Post? Gerade jüngere Angestellte die nach dem Studium in einer der ersten Beschäftigungen angefangen haben, gerade diese erwarten solch eine Information oder das Schreiben schon sehnsüchtig. Für andere wiederum kommt es ganz überraschend und die Ängste, Befürchtungen und/ oder Unsicherheiten sind groß und es entstehen Fragen über Fragen.

Arbeitgeber informieren meist mit der letzten Gehaltsabrechnung des Jahres über den neuen, zukünftigen Status in der Krankenversicherung und damit über die Frage ob Sie in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) versichert bleiben müssen, oder Sie sich zwischen beiden Systemen entscheiden dürfen und selbst entscheiden wie Ihre Gesundheitsvorsorge aussehen soll. Doch schauen wir uns das alles mal ganz in Ruhe und der Reihe nach an.

Wann werde ich versicherungsfrei?

Dazu muss unterschieden werden, wie das Beschäftigungsverhältnis in 2015 aussah und ob dieses bestehen bleibt. Bleiben Sie also bei dem Arbeitgeber angestellt der auch dieses Jahr „ihr Chef“ war, so ist das Einkommen (das SV-pflichtige) in 2015 maßgebend. Dieses finden Sie auf der Lohnabrechnung Dezember, wo meist die kumulierten Werte des Jahres dargestellt werden.

Damit Sie nicht mehr zwangsweise in der GKV versichert sein müssen, muss dieses Einkommen zunächst einmal die Jahresarbeitentgeltgrenze (Versicherungspflichtgrenze) von 2015 überschritten haben, also größer sein als 54.900€ im Jahr 2015. Die genauen Werte für das Jahr und alle anderen SV Werte 2015 finden Sie hier in der Übersicht.

Doch wer jetzt mit wenigen Euro darüber liegt, den muss ich leider enttäuschen. Nur wenn das Einkommen in 2015 auch so hoch war, das die neue Grenze in 2016 überschritten wird, nur dann reicht es auch aus um die GKV zu verlassen. Sie müssen also die Versicherungspflichtgrenze von 56.250€ ebenfalls überschreiten. Auch hier bietet sich ein Blick in die Übersicht der Sozialversicherungswerte 2016 an, diese finden Sie ebenfalls hier zum kostenlosen Download.

Grundlage hierfür ist der §6 des Sozialgesetzbuches 5, dort heisst es:

(4) Wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird. Dies gilt nicht, wenn das Entgelt die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt. Rückwirkende Erhöhungen des Entgelts werden dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem der Anspruch auf das erhöhte Entgelt entstanden ist.

Was zählt zu, regelmäßigen Arbeitsentgelt?

In der Vergangenheit habe ich bereits einmal zur Frage „Was zählt zur JAEG?“ geschrieben und hierzu hier noch einige ergänzende Informationen. Vereinfacht zählen alle Einkünfte aus dem Beschäftigungsverhältnis dazu, die regelmäßig und mit hinreichender Sicherheit gezahlt werden. Do gehört ein regelmäßig gezahltes Weihnachts- oder Urlaubsgeld dazu, wenn dieses vertraglich (Tarif- oder Arbeitsvertrag) geregelt ist oder aber regelmäßig gezahlt wird/ wurde.

Familienzuschläge aufgrund von Familienstand oder Zuschläge im öffentlichen Dienst bleiben unberücksichtigt, ebenso Überstunden, denn diese werden nicht regelmäßig bezahlt. Anders sieht es bei einer pauschalen Abgeltung der Überstunden aus. Hier eine Übersicht zur Verdeutlichung:

Was gehört zur JAEG

Was, wenn der Arbeitgeber es anders sieht?

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber in der Pflicht, das richtige Einkommen zu melden und haftet auch für falsche Meldungen. Daher sind Arbeitgeber oftmals recht vorsichtig, manchmal zu vorsichtig, denn eine falsche Meldung führt ggf. auch Jahre später bei einer SV Prüfung noch zu Nachzahlungen und rückwirkender Versicherungspflicht und damit zu hohen finanziellen Belastungen des Arbeitgebers.

Wenn Sie sich nicht einigen können oder der AG Ihrer Meinung nach eine falsche Meldung abgegeben hat, so kann Ihnen die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung dabei helfen, diesen „Fehler“ aufzuklären. Durch eine sogenannte Statusfeststellung wird der sozialversicherungsrechtliche Status überprüft und verbindlich festgestellt.

Wann kann ich die GKV verlassen?

Haben Sie in 2015 die Grenze überschritten und reicht das Einkommen auch aus um 2016 voraussichtlich die Grenze zu erreichen, so endet ihre Mitgliedschaft als Pflichtmitglied in der Gesetzlichen Krankenkasse zum Ablauf des Jahres 2015. Danach setzt sich ihre Mitgliedschaft als freiwillige Mitgliedschaft fort und Sie bleiben weiterhin in der GKV. Ein entsprechendes Schreiben der GKV informiert Sie (meist Mitte Januar) über diesen Wechsel des Status. Damit ändern sich auch einige weitere Punkte, wie die beitragsfreie Versicherung in der Elternzeit.

Wollen Sie nun nicht bei der Krankenkasse bleiben oder das System der GKV verlassen, so können Sie die Mitgliedschaft nicht fortsetzen oder regulär kündigen. Die Kündigung ist immer zum Ende des Übernächsten Monats möglich, kündigen Sie also im Dezember, endet der Schutz zum Ende Februar und ab 1.3. ist die neue GKV oder PKV möglich.

Bei einer Kündigung im Januar endet die Mitgliedschaft dann einen Monat später, zum 1. April. Doch Achtung: Auch wenn einige Kassen gern etwas anderes behaupten, bei einem Wechsel in die PKV gilt die 18-monatige Bindungsfrist NICHT. Sie können auch dann die GKV (zum Wechsel in die PKV) verlassen, wenn Sie gar noch gar keine 18 Monate in der bisherigen Krankenkasse versichert waren. –> Bindungsfrist gilt nicht bei Wechsel in die PKV.

Austritt aus GKV bei Überschreiten der Grenze 2015Sonder-Austrittsmöglichkeit

Eine Option bleibt Ihnen noch. Wenn Sie die Grenze erstmalig überschritten haben, dann haben Sie noch eine weitere Möglichkeit. Geregelt ist diese in §188 des Sozialgesetzbuches V, dort heisst es:

(4) Für Personen, deren Versicherungspflicht oder Familienversicherung endet, setzt sich die Versicherung mit dem Tag nach dem Ausscheiden aus der Versicherungspflicht oder mit dem Tag nach dem Ende der Familienversicherung als freiwillige Mitgliedschaft fort, es sei denn, das Mitglied erklärt innerhalb von zwei Wochen nach Hinweis der Krankenkasse über die Austrittsmöglichkeiten seinen Austritt.

Die Krankenkasse muss also erst einmal informieren, DANN haben Sie zwei Wochen Zeit den Austritt zu erklären. In der Regel erfolgt diese Mitteilung Mitte Januar 2016, so das hier Zeit bis ENDE Januar 2016 ist sich Gedanken zu machen. Vergessen Sie es oder passt es einfach noch nicht, dann kündigen Sie bitte regulär zum Ende des übernächsten Monats. (–> Kündigungsvordrucke finden Sie hier)

Doch bitte bedenken Sie, es ist eine weitere Voraussetzung nötig, auch hier liegt die Antwort im §188 SGB V:

Der Austritt wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist. Satz 1 gilt nicht für Personen, deren Versicherungspflicht endet, wenn die übrigen Voraussetzungen für eine Familienversicherung erfüllt sind oder ein Anspruch auf Leistungen nach § 19 Absatz 2 besteht, sofern im Anschluss daran das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachgewiesen wird.

Dieser Nachweis muss unverzüglich erfolgen, jedoch schreibt der §188 keine explizite Frist vor.

Noch ein Jahr jünger in die PKV?

Wer sich im Jahr 2015 das Eintrittsalter gesichert hat, der ist versicherungstechnisch noch ein Jahr jünger. Wie sich das Eintrittsalter berechnet habe ich in einem Beitrag zur „–>Eintrittsalterberechnung in der PKV“ beschrieben. Einige Unternehmen bieten in dieser besonderen Konstellation (Mitteilung der GKV erst im Januar) sogar noch eine rückwirkende Anwartschaft für den Monat Dezember und damit ein günstigeres Eintrittsalter an. Ob der von Ihnen gewünschte Versicherer das anbietet, lässt sich in einer Beratung am besten herausfinden.

Lesen Sie daher bitte zunächst den Leitfaden zur PKV, schauen sich bei den Auswahlkriterien um und überlegen sich anhand des Fragebogens zur Auswahl der PKV was Ihnen persönlich wichtig ist. Für eine Beratung klicken Sie bitte hier!

19.
Juni '15

Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit- reine Risikoabsicherung oder doch das Kombiprodukt?


Alles dreht sich ums Geld, oder doch nicht?

Gerade bei der so wichtigen Absicherung gegen die finanziellen Folgen bei Berufsunfähigkeit geht es oftmals um das Geld. Geld welches Sie bekommen wenn der Versicherer leistet, aber natürlich auch Geld was sie zahlen müssen, die eigenen Beiträge um diese Absicherung zu bekommen.

BU SchaubildAber das ist doch dann weg, mein Geld?

Diese Frage kommt nahezu immer in der Beratung und grundsätzlich gilt zunächst einmal: Ja, es ist ja eine Versicherung und kein Sparvertrag. Das bedeutet Sie zahlen eine Prämie für eine Sicherheit. Genau für die Sicherheit, dass jemand (die Versicherungsgesellschaft) ihnen Geld bezahlt, falls Sie durch Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten können, somit den eigenen Lebensunterhalt nicht mehr selbst bestreiten können.

Gerade weil dieses Thema in einer aktuellen Beratung wieder aufkam, möchte ich diesen Beitrag nutzen um einige grundsätzliche Unterschiede in der Absicherung zu erklären.

Die reine Risikoabsicherung- die selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung

Beiträge bezahlt und dann berufsunfähig = Rente bekommen
Beiträge bezahlt und dann nicht berufsunfähig = „Geld weg“

Das beschreibt, in wenigen Worten zusammengefasst, den Sinn einer Absicherung. Die Beiträge zahlen Sie dafür, dass der Versicherer im Fall der Fälle die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente zahlt. Damit ist eine solche Absicherung ein Versicherungsschutz, und natürlich kein Sparvertrag. Es besteht gerade kein Anspruch darauf, das eingezahlte Geld auch zurück zu bekommen. Der Versicherer errechnet also für sich das Risiko, überlegt sich wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist dass er eine Rente zahlen muss, und kalkuliert dafür eine Versicherungsprämie. Passiert Ihnen nun etwas, Krankheit oder Unfall und es tritt das versicherte Ereignis ein, dann bekommen Sie Ihre Rente.
Passiert das Ganze schon eine Woche nach dem Abschluss, war es für den Versicherer ein „schlechtes Geschäft“. Passiert es jedoch in dem letzten Jahr vor Ablauf der Versicherung und müssen somit nur noch zwölf Renten gezahlt werden, war es ein „gutes Geschäft“.
Auf der Seite des Versicherten sieht es genau anders aus. Passiert mir etwas, dann ist natürlich die Versicherung toll und zahlt Monat für Monat die Rente, passiert hingegen nichts, dann wird sich darüber „geärgert“ zu viel Geld ausgegeben zu haben.

Das ist aber nun mal der Gedanke der Versicherung und nur so funktioniert sie. Viele Menschen zahlen ein und bauen darauf im Fall der Fälle eine Leistung zu bekommen, aber nur wenigen passiert etwas. Kann ich das Risiko alleine tragen, bräuchte ich keine Versicherung, wäre somit mein eigener Versicherer. Dazu bedarf es im Fall einer BU Absicherung selbst bei „nur“ 1.000€ Monatsrente immerhin mindestens 504.000€ und das bei einem 25jährigen.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, ich kann unmöglich meiner eingezahlten Beiträge wieder herausbekommen.

Mein Berater sagt aber es geht! Da war doch etwas- das Kombiprodukt

Wählen Sie also keine reine Risikoabsicherung, sondern ein Kombiprodukt, so kaufen Sie (wieder Name schon sagt) eine Kombination aus mehreren Produkten.Das ist zum einen die oben erwähnte Berufsunfähigkeitsversicherung, auch hier zunächst einmal als reine Risikoversicherung. Daraus wird dann eine BerufsunfähigkeitsZUSATZversicherung, da diese dann nur noch ZUSATZ zu einem anderen Produkt ist. Hieran wird dann ein anderer Vertragsteil gekoppelt, das kann eine (fondgebundene oder klassische) Lebens-oder Rentenversicherung sein, auch andere- steuerbegünstigte- Modelle sind hier denkbar.

Der Unterschied zu der reinen Risikoabsicherung ist also zunächst einmal ein Sparanteil. Dieser wird im gleichen Vertrag integriert und sorgt durch seine Rendite dafür, dass am Ende der Vertragslaufzeit selbst dann eine Auszahlung steht, wenn ihnen nichts passiert ist.

„Na super, dann kriege ich ja doch Geld wieder raus wenn nichts passiert.“

Auch dieses ist auf den ersten Blick vollkommen richtig. Ob hier ein Leistungsfall in der Berufsunfähigkeit eintritt oder nicht, spielt jedoch am Ende für die Auszahlung keine Rolle. Die Auszahlung bekommen Sie also selbst dann noch, wenn auch die Berufsunfähigkeit eingetreten wäre. Damit wird recht schnell deutlich, es ist keine Auszahlung aus dem Baustein der Berufsunfähigkeit, sondern aus dem Sparanteil.

Für diesen Sparanteil müssen Sie natürlich Beiträge bezahlen. Sie müssen also mehr Geld aufwenden als ein reines Risikoprodukt, dieses „mehr-Geld“ wird durch den Versicherer angelegt und am Ende mit einer entsprechenden Rendite wieder ausgezahlt. Somit sieht es auf den ersten Blick so aus, als bekämen sie Geld zurück. Zahlen Sie zum Beispiel für die Risikoabsicherung  50€ und für das Kombiprodukt 70€, so bleiben dem Versicherer 20€ Differenz, die er monatlich gewinnbringend anlegen kann.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass im Falle der eingetretenen Berufsunfähigkeit der gesamte Vertrag beitragsfrei wird. Der Versicherer zahlt also nicht nur die Berufsunfähigkeitsrente, sondern in der Praxis die Berufsunfähigkeitsrente plus den Beitrag für den Gesamtvertrag. Sie werden also so gestellt, als hätten sie selbst die Beiträge bis ans Ende weitergezahlt.

Vergleicht man also zwei Vorschläge, einen aus der reinen Risiko Absicherung und einen weiteren aus der Gruppe der Kombiprodukte, so müsste diese Differenz zusätzlich berücksichtigt werden.

Altersvorsorge auch im Falle der Berufsunfähigkeit

Ein wichtiger Punkt wird jedoch immer wieder vergessen. Sind sie nämlich berufsunfähig, dann arbeiten dementsprechend nicht mehr. Keine Arbeit bedeutet auch keine Beiträge in die Rentenkasse. Das bedeutet wiederum, sie haben eine ausreichende Absicherung für das Rentenalter, die Berufsunfähigkeitsrente endet aber meist mit 65 oder 67 oder auch schon früher. Wer nun aber die letzten 20 Jahre berufsunfähig war, keine Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat, der hat auch keine nennenswerte Rente zu erwarten. Wenn Sie sich einmal ihre Vorausberechnung der Deutschen Rentenversicherung anschauen, dann finden Sie dort ein * und den Text: „Die Berechnung beruht auf der Annahme, dass sie auch weiterhin die Beiträge in bisher gezahlter Höhe weiterzahlen.“ Wer also keine Beiträge für die Rentenkasse berücksichtigt, fällt mit 67 oder früher in ein finanzielles Loch. Das Problem wird mit steigendem Alter kleiner, denn dann sind ja bereits über Jahre größere Beträge in die Rentenkasse geflossen. Tritt aber zum Beispiel mit 40 Berufsunfähigkeit ein, so fehlen schnell 27 Jahre Beitragszahlung.

War hingegen ein solches Kombiprodukt versichert, so kann zumindest ein Teil der Altersvorsorge hieraus refinanziert werden. Je nach Vertragsumfang und Gestaltung steht somit neben der kleinen gesetzlichen Rente noch ein monatlicher Betrag aus der eigenen Vorsorge zur Verfügung. Enthält diese Variante gar eine Dynamik, so muss der Versicherer auch hierfür über die nächsten Jahr(zehnt)e aufkommen.

Natürlich lässt sich bei einem reinen Risikoprodukt die versicherte Rente im Rahmen der Möglichkeiten erhöhen, so dass im Fall der Fälle noch Geld übrig bleibt, um dieses für die Altersvorsorge zu sparen. Der Haken: Doch wer weiß wann der Versicherungsfall eintritt? Wie viel Geld wird dann benötigt um in 20, 15, 10,5 Jahren oder weniger noch eine passende Vorsorge sicherzustellen? Brauchen Sie monatlich 100€, oder sind es 500€ oder mehr?

Die dritte Variante, dass Kombiprodukt in minimale Höhe, als Hilfslösung

Gerade diejenigen, die in jungen Jahren über den richtigen Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit nachdenken, für die kommt manchmal noch eine andere Variante infrage. Man wählt oder wünscht ein Risikoprodukt, wählt aber trotzde ein Kombiprodukt, was in vielen Fällen sinnvoll sein kann. Klingt unlogisch? Ist es gar nicht!

Durch die unterschiedliche (einjährige) Kalkulation in der Berufsunfähigkeit kann es passieren, dass ein Kombiprodukt nur geringfügig teurer, oder sogar günstiger ist, als eine Risikoabsicherung. Wie das kommt? Das hängt unter anderem mit der Kalkulation zusammen. Sind Sie jung, so ist die Wahrscheinlichkeit dass sie berufsunfähig werden geringer.

Mit steigendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit der eintretenden Berufsunfähigkeit an, auf der anderen Seite nimmt die Leistungsdauer (der Zeitraum indem der Versicherer noch ihre Rente zahlen muss) ab. Kalkuliert der Versicherer somit für die erste Zeit sehr geringe Prämien, steigen diese innerhalb des Vertrages an. Bei einem Risikoprodukt kalkuliert der Versicherer eine Gesamtprämie und rechnet diese auf die Vertragslaufzeit herunter.

Durch die Erträge die der Versicherer somit in dem Kombiprodukt erwirtschaften kann, entstehen zusätzliche Gewinne und somit ein Vertragsguthaben was am Ende ausgezahlt wird.

Schauen wir uns das ganze einmal in Zahlen an. Betrachten wir einen Versicherungsnehmer mit dem rechnerischen Eintritts alter 25. Dieser möchte sich mit einem monatlichen Rentenbetrag von 1.500 € absichern, dazu wählt er einen Vertrag, bis zum 67. Lebensjahr. Weitere Zusatzoptionen wie garantierte Rentensteigerung oder Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit sind für die vereinfachte Berechnung nicht enthalten, gehören aber in Ihren Vertrag!

Für die Berufsunfähigkeitsversicherung muss unser Beispielkunde nun monatlich 92,98€ Brutto und 66,94€ als Zahlbetrag aufwenden.
Rechnen wir dieses bis zum Ablauf des Vertrages hoch, so ergibt sich folgende Rechnung:
42 Jahre* zwölf Monate* (Zahl-)Beitrag 66,94€ = monatlich, also insgesamt 33.737,76€ für eine Absicherung von 504.000€.

Nehmen wir das ganze in Kombination mit einer klassischen (nicht fondgebundenen) Rentenversicherung.

Für das gleiche Szenario muss der Kunde nun monatlich 134,53€ Brutto und als Zahlbetrag 109,07 aufwenden. Auf den Anteil der Berufsunfähigkeitszusatzversicherung entfallen hierbei nur 90,84€ brutto oder 65,39€ netto, also etwas weniger als im Soloprodukt.

Auch hier wieder die Hochrechnung bis zum Ablauf im 67. Lebensjahr, ergibt eine Gesamtbeitragszahlung (für beide Komponenten) von: 61.515,48€.

Der Versicherer garantiert hierbei jedoch eine garantierte Auszahlung mit Ablauf des Vertrages in Höhe von: 24.180€
Kommen hier zu noch erwirtschaftete Überschuss so nach dem derzeitigen Stand, so ein spreche dieses eine Auszahlung von: 44.253€

Einem finanziellen Beitragsmehraufwand von zunächst 27.777,72€ stehen daher garantiert 24.180€ oder 44.253€ zur Verfügung. Entscheidet sich der Kunde gegen eine einmalige Auszahlung und für eine lebenslange Rente, so sind hier 75€ ohne, oder 186€ mit Überschüssen auszuzahlen. Eine Option die durchaus sinnvoll sein kann.

Zu guter letzt hier noch die Zahlen in der Kombination Berufsunfähigkeitsversicherung plus fondgebundene Lebensversicherung.

Auch hier ergibt sich monatlich eine Beitragszahlung von 92,82€

Hochgerechnet bis zum 67. Lebensjahr damit Beiträge in Höhe von 46.781,28€ und somit ein Mehraufwand gegenüber der Risikovariante von 13.043€

Auch hier die Zahlen zur Auszahlung: 6.345€ bei NULL Prozent Wertentwicklung in 42 Jahren.

AL Fonds Ergebnis neuSelbst bei einer Wertentwicklung der Fonds oder des gemanagten Portfolios von unter 3%, wäre diese Option günstiger als die reine BU. Zum Vergleich: Der seit 1970 bestehende DWS Vermögensbildungsfond (Link) erwirtschaftetet eine durchschnittliche Rendite von 8,5% p.a. in den letzten 45 Jahren. Dieses ist ausdrücklich keine Fondsempfehlung, nur ein Beispiel.

DWS VermBildungsfond

Steuerliche Faktoren, wie die Besteuerung der Auszahlung oder der Rente bleiben hier bei genauso unberücksichtigt, wie eine eventuelle steuerliche Wirksamkeit der Beiträge während der Zahlung. Natürlich könnten Sie die 25,88€ gegenüber der SOLO BU auch selbst in einen Fonds investieren, bei 0% AUsgabeaufschlag und ohne Verwaltungsgebühr, aber bei identischer 8,5% Kursentwicklung ergibt das eine Auszahlung von 113.693,33€, die Auszahlung aus dem Kombiprodukt bei 8,5% finden Sie oben im Bild.

Doch wie kommt es zu diesen Unterschieden?
Schaut man sich ein Angebot der Versicherer an, so sieht man hier zum Beispiel die Entwicklung der Beiträge für die Komponente Berufsunfähigkeit, in dem Kombi Produkt. Hier gut zu erkennen, die Beiträge steigen über die Laufzeit an und sinken irgendwann wieder ab, wenn das Risiko aufgrund der verbleibenden Restlaufzeit geringer wird.Beitragsverlauf FondVariante

Was soll ich nun wählen?

Eine pauschale Aussage kann es nicht geben und wird es von mir hier auch nicht. Eines ist aber sicher: Es gibt durch aus Konstellationen wo ist viel sinnvoller sein kann eine Kombination aus mehreren Produktbausteinen abzuschließen. Auch wenn Kombiprodukte immer wieder verteufelt werden, will der Antragsteller doch auch das Geld was er bezahlt hat wieder herausbekommen, falls nichts passiert.
Das funktioniert so jedoch nicht. Wer sich also seriös und neutral mit diesem Thema beschäftigt, der kann für sich zu dem Ergebnis kommen, dass ein (fondgebundenes) Kombiprodukt die bessere Alternative sein kann, immer unter der Voraussetzung dass sich der Versicherte die Prämien leisten kann und will. Die Unterschiede noch einmal im Überblick

Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung:

meist vertraglich garantierte, gleiche Beiträge über die (Gesamt-) Laufzeit.
Beitragsfreiheit für die Versicherung bei Berufsunfähigkeit
Bleibt der Kunde gesund, ist das Geld weg

Kombiprodukte:

Vertraglich garantierte Beiträge über die Gesamtlaufzeit
Beitragsfreiheit für die Risikoabsicherung bei eingetreten der Berufsunfähigkeit
Beitragsfreiheit zudem für den Sparanteil
Auszahlung am Vertragsende, egal ob Berufsunfähigkeit eingetreten ist oder nicht
Bei Fondsprodukten unterschiedliche Auszahlung je nach Wertentwicklung

Eines haben wir doch beide Produkte immer gemeinsam. In der Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden einzig und allein die vertraglich garantierten Versicherungsbedingungen über das gut oder schlecht einer Versicherung. Es nützt kein Versicherungsschutz etwas, welcher im Fall der Fälle aufgrund von lückenhaften Bedingungen oder schwammigen Formulierungen nicht leistet. (Beispiele und Gegenüberstellungen hierzu im Leitfaden)

In der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit gibt es kein grau

Es gibt schwarz oder weiß, also Rentenzahlung oder nicht. Anders als in vielen anderen Versicherungssparten ist eine Teilleistung in den meisten Verträgen nicht vorgesehen. Entweder der Kunde ist berufsunfähig und erhält seine Rente, oder er ist eben aufgrund von Lücken und Regelungen im Bedingungswerk nicht berufsunfähig und geht damit leer aus.

Das Dumme daran, das merkt man erst im Leistungsfall. Natürlich kann auch ein gutes Bedingungswerk niemals garantieren immer zu leisten, es minimiert aber das Risiko keine Rente zu bekommen erheblich.

Berufsunfähigkeitsabsicherung kann nicht billig sein.

Nehmen wir zwei Anbieter, einer kostet 50 der andere 30 €.schon alleine aufgrund der Vorgaben der Kalkulation, muss die Leistungswahrscheinlichkeit bei dem einen geringer sein als bei dem anderen. D.h. damit nicht, dass dieser Versicherer mutwillig nicht zahlt, das heißt nur, dass er aufgrund seiner Regelungen in den Bedingungen mehr Möglichkeiten hat in bestimmten Fällen nicht leisten zu müssen. Das kann eine Regelung zu Nachprüfungen sein, das kann eine Regelung zu Verweisung sein, oder viele andere. Billiger geht es immer, ob es dann noch den ausreichenden Schutz hat, das steht auf einem anderen Blatt.

Wenn Sie sich also mit der Auswahl der passenden Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigen, dann tun Sie sich selbst einen großen Gefallen und schauen sich einmal die Punkte (jeweils als klickbarer Link)

Auswahlkriterien zur passenden Berufsunfähigkeitsversicherung
den Leitfaden zur Berufsunfähigkeit

Und auch die Punkte zur

Ermittlung der richtigen Rente
Garantierten Rentensteigerung in der Berufsunfähigkeitsversicherung
den Arbeitsunfähigkeitsklauseln

Den Weg zur passenden BU gibt es hier unter dem Link. KLICK!

Und die sonstigen Beiträge zur Berufsunfähigkeit an. Sie werden staunen wie viele unterschiedliche Facetten es zu bedenken gibt und wie manchmal ein kleines Wort in den Bedingungen über Leistung oder Nichtzahlung entscheiden kann.

Neugierig geworden? Kennen Sie die Tücken und Lücken Ihres bestehenden Produktes? Eine kostenfreie Überprüfung und entsprechenden Hinweise bekommen Sie, wenn Sie mein Anfrageformular nutzen. KLICK!

26.
Februar '15

Ich bin doch im Büro, was soll mir schon passieren? Irrtümer über die Berufsunfähigkeit


Wir machen zum Start einmal ein kleines Experiment. Denken Sie bitte einmal an das Wort „Berufsunfähigkeit“ und schließen kurz für einige Sekunden ihre Augen.

Wenn Sie die Augen wieder öffnen, welches Bild hatten sie geistig vor Augen, als sie an Berufsunfähigkeit gedacht haben? Den Dachdecker der vom Dach stürzt und danach nicht mehr arbeiten kann? Den Bäcker der aufgrund einer Allergie nicht mehr in die Backstube darf oder irgend einen anderen handwerklich, körperlich tätigen Beruf der plötzlich das nicht mehr tun kann, was bisher für sein monatliches Einkommen sorgte?

Oder haben Sie an Ingenieure, Büroangestellte, Steuerberater oder Ärzte gedacht? Leider wird Berufsunfähigkeit immer noch verbunden mit „ich trage meinen Kopf unter dem Arm“ und kann überhaupt nichts mehr machen weil ich nicht mehr laufen kann, der Rücken nicht mitspielt oder andere „sichtbare Körperteile“ beeinträchtigt sind. In der Praxis ist das leider eher der entgegengesetzte Fall, denn schon heute sind mehr als die ein Drittel der Leistungsfälle in der Berufsunfähigkeit begründet in psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen und Beschwerden, Tendenz steigend.

5_Grafik_BU_Ursachen_2014
Es ist eben nicht mehr der Handwerker, welche plötzlich nicht mehr arbeiten kann und sein Einkommen verliert, ist der Büroangestellte der unter Stress, Druck vom Chef, Terminschwierigkeiten oder einfach nur zu viel Arbeit in der Wettbewerbsgesellschaft leidet. Aber natürlich ist man selber nie psychisch krank, es sind immer die Anderen, der Nachbar der nicht mehr mit seinem Leben klarkommt, der Kollege der an Depressionen leidet oder der gute Freund (mehr …)