Artikel mit ‘Aufklärungspflicht’ getagged

05.
Oktober '09

PKV Beratung in 15 Minuten oder: Wie unqualifiziert kann ein Berater sein?


Es passieren Fälle, da kann man immer nur mit dem Kopf schütteln und hoffen das es für den Antragsteller/ Betroffenen irgendwie noch gut ausgeht. So auch in diesem Fall von dem Nutzer „Energiewirt“ in einem Internet-Forum für die Private Krankenversicherung.

Hier beschreibt der Nutzer (mit dem ich zwischenzeitlich zu den Details telefonieren konnte) einen Fall wie er so einfach nicht passieren darf. Nun zu den Einzelheiten:

Ich habe am 16. Juli 2009 im Zuge eines Existenz Gründungsberatungsgespräches bei einem Fachmann, der gleichzeitig für die Hanse Merkur tätig ist, einen Antrag für eine private Krankenversicherung unterschrieben. Bei diesem Gespräch wurde mir nur eine Mappe mit Kleingedruckten und dem Antragsdurchschlag ausgehändigt.
Der Vertragsbeginn wurde damals auf den 01.10.2009 zusammen mit der Existenzgründung terminiert. Bis heute habe ich keinerlei Nachrichten über den Antrag ( genehmigt oder abgelehnt ) bzw. eine Police erhalten. Ich muss noch erwähnen, dass es von Seiten des Beraters keinerlei Aufklärung bezüglich des Kleingedruckten gab ( Widerrufsrecht !!! ). Im Kleingedruckten habe ich nun gelesen, dass man nach erhalt der Police 2 Wochen Zeit hat, die Unterlagen zurückzuschicken, im Falle eines Rücktrittes. Ist das richtig ?
Ich muss dazusagen, dass das mit der Existenzgründung noch nicht in trockenen Tüchern ist. Wenn dann doch selbstständig, dann am Anfang, bis der Laden läuft und absehbar Gewinn abwirft, in der Gesetzlichen versichert sein.

Dazu muss man noch wissen, dass der Interessent 45 Jahre alt ist und 4 Kinder im Alter von 6- 19 Jahren hat. Die Ehefrau ist mit einem Einkommen von 700 EUR brutto (unter dem Einkommen des Mannes) gesetzlich pflichtversichert. Somit stellt sich bei steigendem Einkommen auch noch die Frage nach der Mitversicherung der Kinder. (Link zur Info Kinderversicherung)

Der Berater hat eine Existenzgründungeberatung durchgeführt, welche inkl. des Gespräches zur Privaten Krankenversicherung und dem Ausfüllen des Antrages 45 (!!) Minuten gedauert hat. Die Qualität des Gespräches zur Existenzgründung kann ich nicht beurteilen, will ich auch nicht, jedoch das der Krankenversicherung lässt sich gut einschätzen.

Der Interessent erzählte mir gestern am Telefon, dass das ausfüllen des Antrages ca. 10 Minuten gedauert habe, die Gesundheitsfragen wurden im Schnelldurchlauf vorgelesen und abgehakt. (Link– was anzugeben ist im Antrag)

Der Wechsel in die Private Krankenversicherung wurde mit den Worten „PKV ist viel besser“ begründet und zudem ein Tarif (KVG/KVE) der Hanse Merkur angeboten, welcher zumindest in Teilbereichen deutlich schlechtere Leistungen aufweist als die gesetzliche Versorgung. Zudem stellt sich die Frage warum der Kunde mit 45 und als Existenzgründer noch oder sofort in die GKV wechseln sollte.

Dieses sieht eher so aus als habe (Achtung- reine Vermutung) der gute Mann die Möglichkeit der vermeintlichen Beratung zum Unternehmensstart genutzt um irgendwie eines seiner Produkte zu verkaufen, seiner Hanse Merkur Produkte, denn da ist er Versicherungsvermittler.

Wie sich das mit den Aufklärungspflichten die das Versicherungsvertragsgesetz und die Versicherungsvermittlungsverordnung vorschreiben in Einklang zu bringen ist, ist mir noch nicht klar, der Berater wird aber sicher Gründe gehabt haben.

Meines Erachtens hat der Kunde das einzig Richtige getan und bleibt in der gesetzlichen Krankenkasse. Einige dieser Kassen bieten einen Sonderbeitrag für Existenzgründer an, welcher ein niedrigeres Einkommen zu Grunde legt. Das ist hier eine vernünftige und angepasste Lösung, vorallem aufgrund des Alters und der Familiensituation. Auch bei jungen Gründern ist diese Wahl oft die Bessere.

Was Sie also tun sollten:

Bevor Sie sich für eine PKV Entscheiden machen Sie sich Gedanken über die Auswahlkriterien (LINK) und über die Möglichkeiten und Folgen des entsprechenden Versicherungsschutzes (Leitfaden PKV)

Denken Sie daran elementare Risiken wie Berufsunfähigkeit, das Unfallrisiko etc. zunächst abzusichern (neben der angepassten Gesundheitsvorsorge) (Link zu Infos und zum Leitfaden.)

Erst nachdem das erledigt ist sind Fragen wie Altersvorsorge und sonstige Versicherungen/ Absicherungen zu klären.

Und eins… lassen Sie sich Zeit. Fällen sie Entscheidungen zu lang bestehenden Produkten und Lösungen erst nach sorgfältiger Information, Aufklärung und nach fundierten Gesprächen mit Spezialisten.