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07.
November '17

Das jährliche Rennen zum Jahresende startet in 3, 2, 1… und warum es machmal unsinnig ist


und täglich jährlich grüßt das Murmeltier. So oder so ähnlich könnte dieser Blogbeitrag auch anfangen, geht es doch jedes Jahr auf’s neue um die Frage, wie sich noch schnell das alte Eintrittsalter nutzen lässt. Dieses ist immer dann wichtig, wenn es sich um Produkte und Verträge handelt, welche mit steigendem Alter teurer werden.

Bei den Produkten zur

ist dieses immer so. Hier richtet sich der Beitrag unter anderem danach, wie alt der oder die Versicherte bei Beginn des Vertrages ist. Dabei spielt aber nicht unbedingt das tatsächliche Alter, also das was wir uns vorstellen, eine Rolle. Entscheidender ist das versicherungstechnische Alter.

Es geht also nicht darum, wie alt Sie wirklich sind oder gar wie alt Sie sich fühlen, es geht um ein bestimmtes Eintrittsalter bei der jeweiligen Versicherung. Bis auf wenige Ausnahmen verwenden die meisten Unternehmen dabei die Kalenderjahres-Regel.

Kalenderjahres-Regel – so alt sind Sie für die Versicherung

Dabei ist es recht einfach zu verstehen und auch schnell nachvollziehbar. Entscheidend ist hier, nicht das Geburtsdatum bzw. der wirkliche Geburtstag entscheidet über das Alter, sondern einfach das entsprechende Jahr. Damit es einfacher Verständlich wird, hier eine kleine Erklärung.

Unser Beispielkunde Maximilian ist am 12. Juni 1987 geboren und überlegt nun, wie alt er wirklich und wie alt er für die Versicherung ist. Das „wirkliche“ Alter bekommt er noch schnell hin. Am 12. Juni 2017 hatte er seinen 30. Geburtstag, das weiss er ganz genau, hat er doch mit Freuden und Familie eine große Sause gemacht. Daher dachte er bisher auch, er wäre für die Versicherung nun auch bis zum nächsten Geburtstag 30 Jahre alt. Doch leider hat er hier „falsch gedacht“. Die Versicherung rechnet da etwas anders und überlegt nicht, wann der GeburtsTAG ist, sondern fragt eigentlich nur nach dem GeburtsJAHR.

Geboren ist Max im Jahre 1987, also ist er im Jahr 2017 genau 30 Jahre alt. Dabei spielt es keine Rolle, ob seine Versicherung am 01. 01., 01.07., 01.12. oder (theoretisch) am 31.12. beginnt. Wichtig ist hier nur ein Beginn im Jahre 2017.

Lesetipp: formeller, materieller und technischer Beginn – die Begriffe

Ab dem 01. Januar 2018 ist aber dann auch nicht mehr das Altert 30 relevant, dann ist Maximilian 31, egal ob er schon Geburtstag hatte oder noch haben wird. Auch hier spielt es daher keine Rolle an welchem tag er wirklich feiern kann und Geburtstag hat. Entscheidend ist auch hier wieder das Kalenderjahr, und das ausschließlich

Doch zurück zu unserem Fall und der Frage, ob ein frühes Eintrittsalter sinnvoll ist und ob es lohnenswert ist, schnell zu handeln. Dazu gilt auch hier wieder:

schnell handeln JA, unüberlegt handeln NEIN.

Nachdem wir nun geklärt haben wie alt Max wirklich ist, stellt er sich natürlich die Frage, ob ein schneller Antrag in 2017 noch ausreicht um sich die Konditionen zu sichern, oder ob er sich einfach im kommenden Jahr damit beschäftigt.

Der Versicherungsbeginn entscheidet, nicht das Antragsdatum

Entscheidend ist aber immer der Versicherungsbeginn, nicht das Antragsdatum. Es nützt also rein gar nichts, am 31. 12. noch schnell einen Antrag zu stellen und den Beginn dann mit „1. März“ auszuwählen. Der Vertrag muss wirklich begonnen haben und entscheidet dann auch darüber, welches Alter gilt. Unterschiedliche Regelungen und Möglichkeiten sich ein Alter zu „sichern“.

Daher ist es nicht nur wichtig ggf. eine Entscheidung zu treffen, sondern auch den Antragsbeginn in 2017 zu wählen. Während das in der Absicherung bei der Berufsunfähigkeit eher unkompliziert ist, lassen sich hier doch die Anträge per 1.12. noch problemlos stellen (selbst im Dezember noch), kann es in der privaten Krankenversicherung ein Problem werden.

Wer aus der gesetzlichen Krankenkasse wechseln möchte, der benötigt einen Beginn in 2017. Das ist aber, aufgrund der Kündigungsfrist zum Ende des übernächsten Monats ein Problem. Wer also die GKV im November kündigt, dessen Schutz endet erst zum 31. Januar 2018. Ein Wechsel in eine private Versicherung ist damit erst dann möglich. Eine Lösung kann bei einigen Unternehmen eine Anwartschaft sein. Genauere Abläufe und Hintergründe finden Sie im Beitrag:

Noch schnell ein Jahr jünger in die PKV

Zu beachten ist hier, eine solche Anwartschaft wird nicht von allen Unternehmen für zwei Jahre angeboten, bei einigen ist diese nur für den Monat Dezember abschließbar. Dennoch loht sich (auch bei extra Beitrag) eine solche Lösung in den meisten Fällen, denn hier ist die Ersparnis auf Dauer größer.

In Ruhe überlegen, nichts überstützen

Eines gilt aber immer. Es ist nicht ratsam eine Entscheidung unter Zeitdruck zu treffen, auch nicht wenn diese vielleicht dann zu dauerhaft günstigen Beiträgen führt. Es geht bei solchen Verträgen, die sich langfristig anpassen (müssen) immer um eine solide und begründete Auswahl des passenden Tarifes oder/ und der passenden Gesellschaft. Nur bei einer sorgfältigen Auswahl ist ein sinnvoller Schutz möglich.

Bevor Sie also schnell oder besser vorschnell eine Entscheidung treffen, beschäftigen Sie sich bitte in Ruhe mit den Auswahlkriterien und lesen einmal etwas mehr in den Leitfäden.

Erst nachdem genug „Grundlagenwissen“ vorhanden ist, lassen sich auch begründete und fundierte Entscheidungen treffen. Sind Sie nicht sicher, so lassen Sie es bitte sein.

14.
Juli '15

Mit 56 Jahren in die PKV? Urteil des OLG Hamm 20 U 116/13 – Gericht verurteilt Bank und Hanse Merkur zu Schadenersatz


Ich bin nun schon seit über 15 Jahren in der Beratung, vorwiegend zur, privaten Krankenversicherung tätig. Doch manchmal liest man über ein Urteil oder über einen laufenden Fall, da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. So geschehen auch indem, am 24. Juni 2015 veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichtes Hamm. Die Richter hatten über einen Fall zu entscheiden, in welchem ein Kunde zum Wechsel in die private Krankenversicherung überredet wurde, so genau so deutlich muss man es nach dem Lesen des Urteils wohl auch sagen. Interessant ist dabei sicherlich die Konstellation in der die Beratung stattgefunden hat. Doch beginnen wir etwas weiter vorn und schauen uns dazu die Details Urteils an.

Laut Urteilsbegründung trat der Kläger (hier einen 56 -jähriger, freiberuflich tätiger Betreuer) nach einer mehrjährigen Arbeitslosigkeit in die Filiale der Beklagten. Er hatte sich entschlossen zukünftig freiberuflich als selbstständiger, gesetzlicher Betreuer tätig zu sein und damit seiner Arbeitslosigkeit zu entgehen. In der Filiale wurde der Kläger durch einen Mitarbeiter beraten, Anlass der Beratung waren zunächst die Absicherung der Altersvorsorge. Im Rahmen dieses Beratungsgespräches wurde dem Kläger unter anderem eine private Krankenversicherung angeboten, welche nach dem Tarif KVE abgeschlossen wurde. Zusammen mit den weiteren Tarifbausteinen PS 2 und KH 50 sollte ab dem 1.3.2009 ein monatlicher Beitrag von 484,38 € an die Hanse Merkur entrichtet werden. (In der anonymisierten Fassung des Urteils ist natürlich die Gesellschaft nicht genannt, aus der Tarifbezeichnung der privaten Krankenversicherung lässt sich daraus jedoch zweifelsfrei schließen.)

Anmerkung: Zunächst einmal sei erwähnt, dass eine private Krankenversicherung mit einem Beitrag von unter 500 € für einen 56 -jährigen (bei Neuabschluss) nicht ansatzweise ein vorsichtig kalkuliert ist Versicherungsprodukt darstellen kann. Für die Beträge ist es für einen Versicherer nahezu unmöglich, eine solide kalkulierte und mit ausreichenden Sicherheiten versehen der Krankenversicherung an den Markt zu bringen.

Im weiteren Gesprächsverlauf wurde der Kläger von dem ursprünglichen Berater an seinen Kollegen verwiesen, welche die Beratung zur privaten Krankenversicherung fortsetzte und Dienstvertrag abschloss. Nachdem der Kläger etwa drei Jahre später Zweifel an seiner Entscheidung bekam, legte er Beschwerde beim Ombudsmann für die private Krankenversicherung ein, und monierte die (aus seiner Sicht erfolgte) Falschberatung. Die Beschwerde wurde zunächst im August 2011 negativ beschieden. Da die Hanse Merkur auch in einer weiteren Stellungnahme nicht zu ihrer Schadenersatzpflicht stehen wollte, erfolgte eine erneute Aufforderung durch einen Anwalt. Nach endgültiger Ablehnung der Schadensersatzforderung wegen Falschberatung blieb dem Kläger nur der Weg vor das Gericht.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem: „Da er, der Kläger sich, hieran [an der PKV] interessiert gezeigt habe, sei ein Beratungstermin mit der Zeugin I3 vereinbart worden. Er sei skeptisch gewesen, ob es für ihn dauerhaft möglich sein würde, aus seinem Einkommen die Beiträge für die private Krankenversicherung aufzubringen. Er habe insbesondere Bedenken im Hinblick auf seine niedrige Rente gehabt. Diese Bedenken hätte die Zeugen I3 zerstreut mit dem Hinweis, dass die Beklagte zu 2) ihrer Beiträge sieben Jahren nicht erhöht habe, dass Beitragssteigerungen jedoch sowohl in der PKV als auch der GKV wegen der allgemeinen Teuerung wahrscheinlich sein. Sie habe erklärt, es bestehe jederzeit die Möglichkeit in den Basistarif zu wechseln, dessen Beitrag niedriger sei als der Normaltarif der PKV. Der Beitragssatz für den Basistarif belaufen sich auf etwa 50 % des Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenversicherung. Im März 2011 habe er erstmals durch Gespräche mit einem Bekannten erfahren, dass die Zeugen I3 in offenbar falsch beraten haben.

Anmerkung: Es ist schon abenteuerlich mit welchen fadenscheinigen und falschen Argumenten hier der Kunde in die private Krankenversicherung gelockt wurde. Vielleicht ging es darum seine Zielvorgaben in der Filiale zu erfüllen, vielleicht die Dame (und das wäre noch schlimmer) einfach das System und die Unterschiede zwischen privater und gesetzlicher Krankenkassen nicht verstanden. Nicht nur dass der Kunde hier schon Bedenken geäußert habe, die wurden auch falschen Aussagen zerstreut. Natürlich gibt es Beitragsanpassungen in beiden Systemen. In der gesetzlichen Krankenkasse kann der Beitragssatz oder auch die Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden, welches zu einer höheren Belastung durch erhöhte monatliche Beiträge kommt. Auch kann die Berechnungsgrundlage (Welche Beiträge gehören zur Jahresarbeitsentgeltgrenze) geändert werden. Die Behauptung der Beitragssatz für den Basistarif belaufe sich auf etwa 50 % der gesetzlichen Krankenversicherung ist allerdings gelogen und so falsch, wie man ihn normal gar nicht falsch machen konnte.

Weiterhin heißt es im Urteil, das ist dem Kläger vor allem auf eine verbesserte Leistungsstruktur seiner Krankenversicherung angekommen sein soll, aber auch darauf einen bezahlbaren Versicherungsschutz im Alter zu bekommen. Seine privaten Einkommens-und Vermögensverhältnisse seien der Beklagten zu 1) und auch der Zeugin bekannt gewesen. Bei dem Kläger die Erklärung so angekommen, als könne er in den Basistarif wechseln und nur die Zusatzleistungen entfallen. Interessant ist, es sei der Eindruck entstanden, dass die PKV keine Nachteile für ihn bietet und insbesondere sichergestellt sei, dass er auf keinen Fall höhere, sondern er niedrigere Beiträge als bei dem Verbleib in der GKV zahlen müsse.

Die Richter führen weiterhin aus, dass der Kunde aufgrund vorliegender Renteninformation mit einer monatlichen Rente in Höhe von nur 457,30 € zu rechnen hatte. Wäre er zu dem Zeitpunkt in der gesetzlichen Krankenkasse geblieben, so wäre dort ein monatlicher Beitrag von 91,00 € acht angefallen. Der Beitrag indem ausgewählten Tarif der privaten Krankenversicherung liege um ein zehnfaches höher.

Anmerkung:  Die Beraterin hatte zudem als positives Merkmal angeführt, dass der Beitrag in den entsprechenden Tarif in den letzten sieben Jahren nicht angepasst worden ist. Dieses als positiv anzuführen ist schon eine Frechheit an sich. Die Kosten in der privaten Krankenversicherung (ärztlicher Honorare, Heilmittel, Hilfsmittel) sind in den letzten Jahren (und auch heute) angestiegen und die Lebenserwartung zudem erhöht. Jedes Lebensjahr was der Versicherte länger lebt als ursprünglich kalkuliert, erfordert einen Betrag X an zusätzlichen beklagen. Wird ein Tarif nun über einen längeren Zeitraum nicht angepasst, so sind die Anpassungen in der Zukunft nachzuholen. Denn an den gestiegenen Kosten in der Vergangenheit und eine höhere Lebenserwartung kann auch eine private Krankenversicherung (schon gar nicht ein einzelner Tarif) etwas ändern.

In der Begründung des Urteils heißt es weiterhin: „… Diese habe sein Interesse an der PKV gegenüber dem Zeugen ausschließlich mit einer besseren Leistung und Absicherung in der PKV begründet. Dem Kläger sei es zudem darauf angekommen, einen Krankenversicherungsschutz zu einem bezahlbaren Beitrag zu erlangen und bereits zum damaligen Zeitpunkt Kosten für die GKV zu sparen, um diese frühzeitig für die Altersversorgung einsetzen zu können.

Allein diese Aussage muss den Berater dazu bewegen, dem Kunden nicht nur die Unterschiede zu erläutern, sondern ganz klar und deutlich darauf hinzuweisen, dass dieser in der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben hat. Wie in meinem Beitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ bereits beschrieben, geht es in der privaten Krankenversicherung nicht, niemals um Geld sparen. Wer in die private Krankenversicherung wechselt um Geld zu sparen, der kann weitere Überlegungen sofort beenden. Auch die weiteren Aussagen der Zeugen bezüglich des Beitrages im Basistarif waren falsch. Zwar gibt es eine Reduzierung des Beitrages in Härtefällen auf 50 %, dieser ist jedoch von einer Hilfebedürftigkeit im Sinne des Sozialgesetzbuches abhängig.

Dennoch sehe ich hier auch durchaus eine „Mitschuld“ des Kunden, denn bei einem Beitragsaufwand von 380 € in der gesetzlichen Krankenkasse und 484 € in der PKV (mit einem Alter 56) hätte auch hier eine Nachfrage kommen müssen.

Final kommt das Gericht trotz anderslautender Berufungsanträge der beiden Beklagten (der Bank und der Versicherungsgesellschaft Hanse Merkur) zu der Auffassung, dass hier ein eindeutiges Beratungsverschulden der Zeugin (und Beschäftigten der Bank) vorliegt. „Die Beklagte zu 1) ist als Versicherungsvermittlerin in Form einer Versicherungsvertreterin im Sinne von Paragraph 59 Abs. 1, Abs. 2 VVG für die Beklagte zu 2) gütig geworden. Als solche hat sie den Kläger als Versicherungsnehmer, soweit nach der Schwierigkeit, die angebotene Versicherung zu beurteilen, oder der Person des Versicherungsnehmers und dessen Situation hierfür Anlass bestand, nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu befragen und, auch unter Berücksichtigung eines angemessenen Verhältnisses zwischen Beratungsaufwand und der von dem Versicherungsnehmer zahlenden Prämien, zu beraten sowie die Gründe für jede zu einer bestimmten Versicherung erteilten Rat anzugeben, Paragraphen 61 Abs. 1 Satz eins VVG.“

Die Zeugen handelte also als Versicherungsvertreterin und stand damit rechtlich im Lager der Versicherungsgesellschaft. Vereinfacht in einem Bild sieht das so aus: Makler Vertreter FussballAnders als ein Versicherungsmakler steht der Vertreter (das kann auch eine Bank oder Sparkasse sein) auf der Seite des Versicherungsunternehmens. Nur um eines klarzustellen: wäre diese Beratung durch einen Makler erfolgt, so wäre die ebenso falsch. Dann hätte jedoch nicht die Bank/der Versicherer haften müssen, sondern der Makler und gegebenenfalls seiner Vermögensschadenhaftpflichtversicherung.

Das Gericht findet für die Art und Weise der Beratung und auch das Verschulden der Zeugen (Beraterin) eindeutige Worte. So heißt es in der Begründung: „Den Versicherungsvertreter trifft jedoch eine weitere Pflicht zur Beratung dann, wenn besondere Umstände hinzukommen. Solche Umstände waren hier schon dadurch gegeben, dass der Kläger- gerade aufgrund der von den Mitarbeitern der Beklagten zu 1) vorgenommen Beratung-die Absicht hatte, mit 56 Jahren erstmals in die private Krankenversicherung zu wechseln, obwohl sein ursprüngliches gegenüber der Beklagten zu 1) veräußern des Beratungsziel unter anderem eine Verbesserung seiner privaten Altersvorsorge war. Den Zeugen- insbesondere der Zeugen I3 musste es daher geradezu aufdrängen, dass der Kläger im Alter seine Beiträge- auch die Beiträge für den Basistarif- möglicherweise nicht mehr zahlen konnte.

Am Ende der Ausführungen des Gerichtes steht eindeutig die Aussage:

„Die Beklagten haben den Kläger als Gesamtschuldner den Schaden zu ersetzen, der ihm durch die fehlerhafte Beratung entstanden ist. Im Hinblick auf das Beratungsverschulden der Beklagten zu 1) liegt der Schaden des Klägers im Vertragsabschluss mit der Beklagten zu 2), da der Kläger ohne die fehlerhafte Beratung der Beklagten zu 1) keinen Vertrag mit der Beklagten zu 2) abgeschlossen hätte und in der gesetzlichen Krankenversicherung- in die er aufgrund seines Alters als Selbständiger nach derzeitigem Stand nicht mehr ohne weiteres wechseln kann- verblieben wäre. (…) Damit ist ein Vermögensschaden aus folgendem Grund gegeben: zwar ist der Vertragsabschluss mit der Beklagten zu zwei für den Kläger- jedenfalls so lange, wie er die Beiträge zur privaten Krankenversicherung zahlen könnte- auch mit einem verbesserten Krankenversicherungsschutz im Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse verbunden. Dies kompensiert entgegen der Auffassung der Beklagten jedoch nicht die mit dem Vertrag für den Kläger verbundenen Nachteile, insbesondere die erheblichen Beitragsunterschiede nach Eintritt des Klägers in das Rentenalter.“

 Interessant ist damit die folgende Aussage, welche in der praktischen Abwicklung nicht ganz einfach sein dürfte.

 „Die Beklagten haben den Kläger rückwirkend zum 1. März 2009 so zu stellen, als hätte er nicht unter Kündigung seiner gesetzlichen Krankenversicherung eine private Krankenversicherung bei der Beklagten zu 2) abgeschlossen, sondern wäre weiter in der Krankenkasse gesetzlich versichert. (…)  Soweit die Parteien die Abwicklung so gestalten, dass der Kläger in Zukunft nur noch die Leistungen in Anspruch nimmt, die ihm auch im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stehen, stellt die Erstattung dieser Leistungen, auch wenn sich möglicherweise ein solcher Tarif im technischen System der Beklagten zu 2) nicht abgebildet ist, nicht etwa eine unmögliche Leistung dar. Dies hat die Beklagte zu 2) auch in ihrem nicht nachgelassenen Schriftsatz vom 16.6.2015 nicht vorgetragen. Sie hat insoweit lediglich vorgetragen, dass eine Abwicklung des Vertrages des Klägers über ihr elektronisches System erfolgen könne, und sich insoweit zum Beispiel eine Versicherung im PKV Basistarif zu PKV prämientechnisch nicht darstellen lassen. Die Beklagte zu 2) hat den Kläger gegebenenfalls durch individuelle Abrechnung so zu stellen, als wäre er weiter in der gesetzlichen Krankenkasse versichert.

Das hier ergangene Urteil dürfte nicht nur aufgrund der Schadensersatzforderung, sondern insbesondere auch aufgrund der technischen Abwicklung ein größeres Problem für die private Krankenversicherung (in diesem Falle die Hanse Merkur) werden. Dadurch, dass der Kunde so bestellt werden muss als wäre er in der gesetzlichen Krankenkasse geblieben, muss jede einzelne Rechnung auf das Niveau der GKV umgerechnet werden. Doch was genau passiert mit Arztrechnungen? Der Kunde tritt ja beim Arzt weiterhin als privat Krankenversicherter auf. in der Praxis-und mit steigendem Alter des Kunden- dürfte die Abrechnung und Abwicklung immer komplizierter werden.

Tipp(s) für die Praxis:

1.) in die private Krankenversicherung wechselt man nie, aber auch absolut niemals um Geld zu sparen

2.) jeder Wechsel hat immer Vor-und Nachteile, welche abgewogen werden müssen

3.) Ein Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse in die private Krankenversicherung mit einem Eintrittsalter größer 50 macht nahezu niemals Sinn, dennoch kann es Einzelfälle geben, wo auch eine solche Konstellation gewünscht ist. Hierbei ist jedoch ein besonders hohes Maß an Beratung notwendig, und es sind die Unterschiede und Risiken deutlich darzustellen

4.) Krankenversicherung gehört zu Spezialisten, das sind meist keine Mitarbeiter von Banken, die nebenher „so ein bisschen Versicherung beraten“ !

5.) überlegen Sie gut, sehr gut, welches System für Sie geeignet ist und bedenken Sie grundsätzlich immer Vor- und Nachteile. Es schadet niemals, die zweite Meinung eines Spezialisten einzuholen.

Das Urteil im Volltext können Sie hier herunterladen.

Urteil des OLG HAMM, 24.6.2015, 2 U 116/13 (c) OLG Hamm

24.
Oktober '12

Die Private Krankenversicherung im Alter – und wer zahlt meinen Arbeitgeberzuschuss?


Eine berechtigte Frage tritt immer mal wieder auf, so auch heute, als mich folgender Tweet erreichte:

Kollege sagt, dass Privatversicherte im Ruhestand den AG-Anteil on top selbst zahlen müssen. Ist das so?!

Ich hatte bereits vor einigen Jahren etwas zum Zuschuss des Rentenversicherungsträgers geschrieben. Bevor wir darauf aber näher eingehen stellt sich zunächst die Frage, was denn wann genau mit der Privaten Krankenversicherung passiert und welche konkreten und planbaren Änderungen anstehen. Da wären zwei wichtige Zeitpunkte zu nennen. Mit dem 60. Lebensjahr endet die Zahlungspflicht für den gesetzlichen Zuschlag. Dieser (zwangsweise) zu zahlende Beitragsanteil beträgt 10% des PKV Beitrages und wird von dem Versicherer angespart. Eine Zahlungspflicht besteht aber nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres. Danach bleiben die angesparten Beträge dort liegen und werden ab dem 65. Lebensjahr zur Minderung oder Verhinderung von Beitragsanpassungen genutzt. Erst wenn mit dem 85. Lebensjahr noch „Geld übrig ist“, wird dieses auch zur Prämienreduzierung verwendet.

Eine Weitere Veränderung findet mit Ende des aktiven Arbeitslebens statt. Dieses kann mit 60, 63, 65, 67 oder eben auch früher sein. Ab diesem Zeitpunkt verringert sich der Beitrag der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch den Wegfall des Krankentagegeldes. Dieses muss dann nicht mehr versichert werden, denn „arbeitsunfähig“ kann der Kunde nicht mehr sein und eine Rente bekäme er auch dann, wenn er krank ist.

Wer zahlt denn meinen Arbeitgeberzuschuss?

Solange die Versicherten als Arbeitnehmer tätig sind, bekommen diese vom Arbeitgeber einen Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung. Grundlage hierfür sind die gesetzlichen Regelungen im §257 Sozialgesetzbuch V. Der Zuschuss für das Jahr 2013 beträgt zum Beispiel max. 287,84 EUR für die Kranken- und 38,39 EUR für die Pflegeversicherung, doch wo kein Arbeitgeber, da auch kein Zuschuss. Daher entfällt dieser Zuschlag mit Ende der aktiven Tätigkeit und der Kunde muss erst einmal seinen Beitrag für die Private Krankenversicherung komplett selbst zahlen.

Zahlt denn keiner mehr was dazu?

Doch, anstelle des Arbeitgebers gibt es einen Zuschuss des (gesetzlichen) Rentenversicherungsträgers. Dieser ist jedoch nicht so hoch und abhängig davon, welche (gesetzliche) Rente der Versicherte denn dann bekommt. Dabei geht es auch hier um die später auszuzahlende Rente, von welcher prozentual ein Zuschlag gezahlt wird.

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15.
März '12

ARD Panorama Bericht zur Privaten Krankenversicherung – einseitig, polemisch und zudem schlecht recherchiert


Im Moment ist das hetzen gegen die Unternehmen der Privaten Krankenversicherung und die dort Versicherten ja gerade mal in. Egal ob Bild, Focus Money oder Financial Times, jeder meint was dazu sagen zu können und auch zu müssen. Schade nur, dass ganz oft Tatsachen „vergessen“ werden oder Sachverhalte unvollständig dargestellt sind. Die „böse PKV die nicht zahlt“ klingt ja auch besser als „nicht versichertes Hilfsmittel wird auch nicht erstattet“.

(c) ARD

Auch die ARD hat mit Ihrem Magazin Panorama einen Beitrag hierzu leisten wollen. Entschlossen hat man sich hier mal wieder das Thema „Unbezahlbarkeit der privaten Krankenversicherung im Rentenalter“ zu wählen, das klingt immer schön und zieht viele Zuschauer an. Leider wissen viele nicht, welche Fakten denn eigentlich dahinter stehen, daher hier mal eine Reihe von Fragen und Antworten dazu.

Wer sollte in die Private Krankenversicherung?

Wie bereits in einem meiner älteren Blogbeiträge feststellt, ist die Private Krankenversicherung (PKV) keineswegs für alle geeignet. Selbst wenn Sie es sich finanziell leisten können ist für viele Selbstständige, Existenzgründer und Ich-AG’s die private Krankenversicherung nicht die richtige Wahl. Auch bei Paaren die mehr als zwei Kinder planen, ist genau zu überlegen ob es wirtschaftlich leistbar ist.

Wie ist das nun eigentlich mit den Beiträgen (im Alter)?

Um die beiden Systeme vergleichbar zu machen, gehe ich von folgendem Fall aus.

Ein Angestellter Kunde, derzeit 30 Jahre alt, wechselt von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV). Nach derzeitiger Planung hat dieser ein Jahresbruttoeinkommen von 55.000 EUR. Im Alter wird er eine gesetzliche Rente (Stand Hochrechnung heute) von 2.000 EUR bekommen, dazu weitere Einkünfte aus Kapitalvermögen, Mieten und einer privaten Rentenversicherung von 1.500 EUR monatlich. In Rente soll unser Modellkunde mit 67 gehen. Weiterhin gehen wir davon aus, das ein eventuell anzulegendes Kapital mit 3% p.a. verzinst wird. Zur Vereinfachung sind keine Beitragssteigerungen und auch keine Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenze in der Modellrechnung berücksichtigt, da beide Systeme steigen und es in der GKV Beitragssatzerhöhungen und Anpassung der Grenzen geben kann. (Beispiel: Arbeitgeberzuschuss, Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2012)

1. Zeitraum: 30. bis 40. Labensjahr:

Unser GKV versicherter Kunde zahlt monatlich als Arbeitnehmer knapp 360 EUR Beitrag inkl. der Pflegeversicherung und dem erhören Beitrag für die Kinderlosigkeit in der Pflegevers.
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24.
Februar '12

Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten wollen und können- eine langfristige Beziehung mit nötiger Planung


In den letzten Tagen und Wochen ist viel über die Private Krankenversicherung geschrieben worden. Da geht es um Anpassungen, Beitragssteigerungen und die (teilweise berechtigte) Angst vieler Versicherten, die Prämie im Alter nicht (mehr) bezahlen zu können. Der Artikel im Handelsblatt (Onlineausgabe am 22. 02. 2012) malt ein ähnliches düsteres Szenario auf.

Schaut man sich dazu die Kommentare von Versicherten an, so sind manche Zahlen mehr als erschreckend. Was mich an der medialen Berichterstattung momentan aber etwas stört ist die Tatsache, das es immer nur die „böse PKV“ ist, die hier „an den Pranger gestellt werden soll. Vielmehr sind es eine Reihe von Faktoren die bei der Entwicklung der Beiträge eine wichtige Rolle spielen und welche zum Teil auch durch „Gier“ des Kunden und/ oder Fehler in der Beratung entstehen.

Kann ich mit dem Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV) Geld sparen?

Ganz klare Aussage: NEIN

Warum das so ist, hat viele Gründe. Der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist nicht geeignet um (langfristig) Geld zu sparen. Die Private Krankenversicherung hat sicherlich eine Reihe von Tarifen, welche mit der Maßgabe verkauft werden „da sparen Sie ja noch was“. Das ist aber langfristig gesehen ein Trugschluss und hier liegt der Fehler leider sowohl bei den Versicherern (mit der Aufmachung von Prospekten, Werbeflyern etc.), als auch bei den Beratern welche genau mit diesen Argumenten ihre Produkte verkaufen. Rein wirtschaftlich ist es jedoch Unsinn. Es ist auch paradox mehr Leistung, höhere Honorare für die Leistungserbringer und weitere Kostenfaktoren in einem Produkt zu vereinen und dennoch geringere Beiträge zu zahlen. Auch wenn ein „Einstiegsschutz“, „Billigtarif“ oder ähnliches gewählt wurde, so liegen gerade hier noch andere, deutlich höhere Kostenrisiken.
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