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22.
Juni '15

Pkv Beratung in 30 Minuten, ein neuer Rekord? Die Geschichte von Anzeigepflichtverletzung und einem Finanzvertrieb


Es gab da einmal diesen Finanzvertrieb in Kassel, die konnten das recht schnell, Menschen von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu bringen. Was daraus geworden ist, dass ist bekanntlich in diversen Quellen nachzulesen oder im aktuellen Kinofilm zu sehen. Danach kam irgendwann der Gesetzgeber mit Verlängerung der Haftungszeiten und dem Versuch mehr Qualität in die Beratung zu bringen. Das ist aus meiner Sicht an vielen, sehr vielen Stellen geglückt und sowohl die ständigen Umdeckungen als auch sinnlose Wechsel in die private Krankenversicherung mit Menschen die da nicht hingehören, sind weniger geworden.

Nun gibt es aber durchaus Menschen für die die private Krankenversicherung das richtige System ist, die sich dafür entscheiden weil sie ein bestimmtes Leistungsspektrum wollen, dafür entscheiden weil sie Selbstzahler beim Arzt sein wollen und dafür eine entsprechende Versicherung zur Kostenübernahme im Hintergrund benötigen.
Und dann kommt wieder ein Vertrieb und toppt all das was ich in den letzten Jahren erlebt habe (und ich bin ja schon 15 Jahre dabei). Eine (dokumentierte) Beratung zur privaten Krankenversicherung (PKV) in sage und schreibe 30 Minuten.
30 Minuten um Unterschiede zwischen den Systemen zu erklären, 30 Minuten um Leistungen und unterschiedliche Modelle in der privaten Krankenversicherung zu besprechen, 30 Minuten um Gesundheitsfragen zu beantworten und die gleichen 30 Minuten um eine unter Umständen lebenslange Entscheidung treffen zu können.
PKV-Beratung-30-MinEs geht in unserem Fall um eine Kundin, welche über der Jahresarbeitentgeltgrenze verdient und damit potentiell in die private Krankenversicherung wechseln darf. Diese Kundin kam nun, über welchen Weg ist mir nicht bekannt, zu einer Beratung durch den entsprechenden Finanzvertrieb.

Es kam dann tatsächlich zu einem solchen Gespräch. Freitagnachmittag, 8. August 2014, ein vermutlich warmer Sommertag irgendwo in Deutschland. Start um 12:00 Uhr, um 12:30 Uhr ist die Unterschrift unter dem Antrag auf private Krankenversicherung. 30 Minuten in denen die Kundin über die Zukunft ihrer Gesundheitsvorsorge und wohl auch die des irgendwann geplanten Kindes entschieden hat. (–> Link Versicherung des Kindes)

Bei der Auswahl kam es sogar zu einem angemessenen Versicherungsschutz, die Entscheidung fiel auf einen soliden Versicherer und einen sehr leistungsfähigen Tarif. Das ist alles mehr richtig als falsch und hätte durchaus eine Zukunft haben können. Das Entscheidende und Schlimme daran ist jedoch etwas ganz Anderes. Bei den Gesundheitsangaben, die also auch noch in den 30 Minuten ausgefüllt werden mussten, ist alles und zwar ausnahmslos alles mit „Nein“ beantwortet. Jede einzelne Frage mit Nein beantwortet.
Gesundheitsfragen PKV 30 Min
Darunter auch Fragen wie die nach ärztlichen Untersuchungen, Behandlungen, Beschwerden. (Frage 7) Es gehört schon viel dazu, einen solchen Antrag als richtig einschätzen zu können. Welche Frau mit einem Alter Anfang 30 hatte die letzten drei Jahre keinerlei ambulante Behandlungen? Keine ärztliche Untersuchung, keine Beratung, keinerlei Kontroll- oder Vorsorgeuntersuchung, kein Besuch beim Zahnarzt, nichts. Absolut gar nichts! Di Pille, welche die Dame nimmt, gehört im Übrigen auch unter die Frage 5, ja, es ist ein Medikament!

Hätte der Versicherer nachfragen müssen?

Ich denke nicht, denn das ist genau das Problem. Es besteht ein Vertragsverhältnis zwischen dem Makler und dem Kunden, da kann ein Versicherer schlecht hingehen und nach Antragseingang den Kunden ansprechen nach dem Motto: „Du hast doch bestimmt etwas vergessen im Antrag?“

Liegt die Schuld bei den Kunden? Beim Berater?

Natürlich ist die Kundin letztendlich diejenige, welche den Antrag unterschrieben hat. Diejenige die für die Beantwortung der Gesundheitsfragen verantwortlich ist. Auf dem Antrag gibt es entsprechende Hinweise, dass die Angaben vollständig und wahrheitsgemäß zu machen sind.
Hinweis Gesundheistfragen PKV 30 Min
Doch hier war die Kundin augenscheinlich daran nicht schuld.

„Beim Ausfüllen des Antrages habe ich ausdrücklich gesagt, dass ich PCO Syndrom habe. Dagegen nehme ich seit 15 Jahren die Pille. Es kann sein, dass beim Kinderwunsch später Probleme entstehen werden können, muss aber nicht. Ich wurde wg. Kinderwunsch nie behandelt, nur eben die Pille. Deshalb hatte ich nie Probleme oder Beeinträchtigungen. Nach meiner Aussage, meinte er, dass ich Kerngesund sei und wir nichts eingeben brauchen.

Für den schlimmsten Fall habe ich ihn gebeten mir ein Tarif rauszusuchen, wo eine künstliche Befruchtung mit dabei war.“

Dieser hatte ihrem Berater von einem Polymystischem Ovar-Syndrom berichtet und richtete ebenso davon, dass diese mit der „Pille“ behandelt wird und eine weiteren Beschwerden verursacht. Irgendwo muss jedoch das Rezept für die Pille auch hergekommen sein. Daher gab es auch eine ärztliche Untersuchung und weitere Beratungen.

Weiterhin hatte die Kundin ihren Berater explizit darum gebeten einen Tarif zu suchen, der auch die Kinderwunsch Behandlung enthält und weiterhin- so steht es im Beratungsprotokoll- wurde auch extra über die Beitragsbefreiung in der Elternzeit gesprochen. Also, das eindeutiger Wünsche nach einer Familienplanung bestanden.
PKV 30 Min Gespräch II

Es kommt also wie es kommen musste, die Kunden lässt ihre Vorsorgeuntersuchung bei der Frauenärztin durchführen (wie immer also), reicht diese Rechnung ein und auf der Rechnung steht natürlich die altbekannte Diagnose PCO.

Der Versicherer erfährt nun etwa ein halbes Jahr nach Antragstellung erstmals von dieser Diagnose und nimmt dies natürlich zum Anlass weitere Überprüfungen. Dabei stellt sich heraus, dass diese Diagnose bereits seit Jahren bekannt ist und diese im Antrag nicht angegeben wurde.

Was tut der Versicherer?

Er tritt zunächst wegen Verletzung der Anzeigepflicht vom Antrag zurück. Im weiteren Verlauf bietet er einen sehr hohen Risikozuschlag auf die abgeschlossenen Tarife an. Warum? Weil zu befürchten ist, dass es zu einer künstlichen Befruchtung kommen könnte. Dieses muss im Sinne der Versichertengemeinschaft natürlich kompensiert werden. Daher bietet man einen hohen Risikozuschlag an, welcher von der Kunde nun angenommen werden kann. Andernfalls endet das Vertragsverhältnis, denn gerade bei der künstlichen Befruchtung sind schnell Kosten von 10.000€ und mehr erreicht, die bezahlt werden müssen.

Was kann die Kundin tun?

Nun ist diese erst mal völlig aufgelöst und wurde sehr überraschend von dem Schreiben des Versicherers getroffen. Warum? Nun, sie war sich absolut keiner Schuld bewusst, hatte sie doch dem Berater die entsprechende Angabe gemacht und dieser daraufhin erwähnt, das ist etwas was sie nicht angeben müssen, es ist ja keine wirkliche Krankheit.

Die Möglichkeiten die nun bleiben sind folgende:

1. Annahme des fast 100-prozentigen Risikozuschlag ist und Fortführung des privaten Krankenversicherungsvertrages.

2. Nichtannahme des Zuschlages, damit Rücktritt des Krankenversicherers und aktuell kein Versicherungsschutz. Natürlich bleibt die Option des Schutzes bei einem anderen Versicherer (wenn dieser denn das Risiko zeichnet) oder im schlimmsten Fall der Weg in den Basistarif.

3. Über Tricks und Kniffe versuchen in die gesetzliche Krankenkasse zurück zu kommen. Das ist bei einem Einkommen welches knapp über der Grenze liegt vielleicht noch machbar, bei einem Einkommen welches deutlich über der Versicherungspflichtgrenze liegt, ist das nicht ohne weiteres möglich und birgt immer die Gefahr, bei einer späteren Sozialversicherungsprüfung „aufzufliegen“ und damit noch deutlich größere finanzielle Probleme zu verursachen.

Sie sehen, alles keiner wirklich erstrebenswerten Zustände. Und das alles nur deshalb, weil ein Berater ein schnelles Geschäft wollte und der Auffassung war, man könne und müsse einen Wechsel in der privaten Krankenversicherung in 30 Minuten „eintüten“.

So geht es nicht!

Allein meine Videoanleitung zum Ausfüllen des ersten Fragebogens und dem Festlegen von gewünschten Leistungen in der PKV dauert 45 Minuten. Eine Beratung zur privaten Krankenversicherung dauert vom ersten Kontakt bis zum Ausstellen der Police deutlich mehr als 10 Stunden. Stunden in denen es um die Unterschiede der Systeme mitgeht, Stunden in denen einzelne Leistungsbereiche der privaten Krankenversicherung besprochen werden, Stunden in denen Nachteile gegenüber der GKV besprochen werden, Stunden in denen es um Familienplanung und den weiteren Versicherungsverlauf geht, Stunden die sich mit der PKV im Alter beschäftigen.

Ganz ehrlich, es k…. mich an, das absolut unfähige Berater und Finanzvertriebe den Ruf einer ganzen Branche wieder und wieder zerstören. Das Profit vor solide Beratung geht, dass es nicht möglich ist Kunden von dem System PKV abzuraten, die da absolut nicht hingehören und dass die Tragweite von Gesundheitsfragen und der Verletzung der Anzeigepflicht nicht begriffen wird.

Schadenfreude ist sicherlich unangebracht, in jedem Fall für die Kundin. Auch wenn diese natürlich eine Mitschuld trifft. Für den Vermittler finde ich ist nur gerecht jeden, aber absolut auch jeden Cent der Courtage für diese Beratung zurückzahlen zu müssen. Auch für die Haftung wird das sicherlich spannend, sollte sich die Kundin entschließen diesen Weg zu gehen.

Nun geht es erst einmal darum zu kümmern, anderweitigen Versicherungsschutz in ausreichender Höhe und ausreichend im Leistungsumfang zu bekommen. Das Paradoxe daran, das Risiko wäre auch mit Angabe der Vorerkrankung versicherbar gewesen, gefolgt von einem überschaubaren Risikozuschlag unter Umständen.

Sollten Sie also jemals von einem Vermittler den Rat erhalten etwas nach dem Antrag gefragt wird nicht anzugeben, dann ist der einzig sinnvolle Weg diesen Berater vor die Tür zu setzen, oder am Telefon einfach aufzulegen.

Der Versicherer stellt die Antragsfragen nicht auch Spaß und es geht nicht darum selbst zu entscheiden was richtig ist oder nicht, sondern die Fragen so zu beantworten wie sie in diesem Antrag gestellt werden. Natürlich müssen Sie keine Angaben machen auf denen der Versicherer nicht fragt, keine unnötigen Informationen liefern die Ihnen mit einem höheren Risikozuschlag schaden könnten, aber alles was erfragt wird ist vollständig, wahrheitsgemäß und in vollem Umfang zu beantworten.

Aber ich habe doch auch nicht…

Sollten Sie jetzt bemerken, dass es in ihrem damaligen Antrag auch solche Lücken gibt, so sollten Sie schnell, sehr schnell reagieren. Warten Sie in keinem Fall bis es zu einem Problem wird, sondern versuchen Sie jetzt mit einem neuen Berater das Alte auf zu arbeiten und gemeinsam zu entscheiden was zu tun ist.
Das kann das klarstellen von Informationen beim derzeitigen Versicherer sein, das kann auch die Antragstellung bei einem anderen Unternehmen sein, das kann auch eine ganz andere Möglichkeit sein, um das entscheiden zu können ist es aber notwendig weitere Details zu kennen. Bei weiteren Fragen nutzen Sie gern meine PKV Anfrage.

04.
September '14

Und wie geht es Ihren Verwandten so? Wie Sie mit solchen Fragen des Versicherers umgehen (sollten)


Gesundheitsfragen können manchmal schon ein heikles Thema sein. Der Versicherer möchte gern alles vieles wissen und fragt daher möglichst ausführlich und machmal offen und ohne zeitliche Begrenzung nach Behandlungen, Untersuchungen und manchmal auch nach „Beschwerden“, was die Beantwortung nicht unbedingt einfacher macht.

Dabei geht es- berechtigterweise- darum, eine möglichst genaue Risikoeinschätzung zu bekommen, denn der Versicherungsschutz soll zwar bezahlbar sein, aber muss auf der anderen Seite auch finanzierbar bleiben, daher ist eine Selektion des Risikos erforderlich. Dagegen ist auch rein gar nichts einzuwenden, doch gibt es so Versicherer da fragt man sich, wo die Grenze(n) ist/ sind.

Da gibt es „Experten“ wie die Skandia, dort findet sich im Antrag auf Absicherung gegen „Schwere Krankheiten“ folgende Frage:

Skandia Antrag 2012 DD

So heisst es da:

Sind bei Ihren Eltern oder Geschwistern vor dem Alter von 65 Jahren Herz-Kreis- lauferkrankungen, Schlaganfall, Krebs, Zuckerkrankheit, Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder andere Erbkrankheiten vorgekommen?

Gut, mit Eltern oder Geschwister haben wir den Kreis der Personen schon etwas begrenzt, wenigstens etwas. Auf der anderen Seite sind umfangreiche Erkrankungen und zudem „weitere Erbkrankheiten“ aufgeführt, was eine Beantwortung nicht unbedingt einfacher macht.

Was, wenn ich es nicht weiss? 

Anzugeben ist natürlich nur das, was Ihnen auch bekannt ist. Wer also von seinen Verwandten nicht weiss, das diese krank sind, dem ist auch nicht zuzumuten dieses anzugeben. Auch der Zeitpunkt an dem der Patient davon wusste, ist meist nicht klar definiert. Aber: Wenn bekannt, ist es anzugeben!

Was, wenn ich es weiss und nicht angebe?

Geben Sie es nicht an, so ist es eine klassische Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. (Was ist das?) Dieses kann zur Folge haben, dass der Versicherer später von der Verpflichtung zur Leistung frei ist/ wird und Sie somit keinen Versicherungsschutz haben.

Muss ich die Angehörigen fragen?

Nein, es geht um den Kenntnisstand heute, wer also nicht von einer Erkrankung weiss, der muss diese auch nicht angeben. Überspitzt bedeutet das aber auch, wissen Sie morgen davon, wäre es nicht nach zu melden. Jedoch ist es in der Praxis nicht ganz einfach, im Leistungsfall zu belegen wann eine solche Kenntnis erfolgt ist.

Was sind die Folgen von falschen Angaben und wie weiss der Versicherer davon?

In der Praxis „verrät“ sich der Kunde meist selbst. Gerade bei schweren Erkrankungen versucht der Arzt durch Fragen zur Anamnese heraus zu finden, ob es bereits eine familiäre Vorgeschichte gibt. Dadurch landen dann solche Angaben in der Krankenakte und irgendwann auch bei dem Versicherer. Diese Nachfrage ist aus medizinischer Sicht auch vertretbar, denn der Arzt will ja möglichst viel vom Patienten erfahren, um diesen optimal behandeln zu können.

Auf der anderen Seite muss nicht jeder seine Krankengeschichte mit der Familie besprechen, auch hier gibt es wie überall keine Verpflichtung das zu tun.

Wie lassen sich Fehler vermeiden?

Ich persönlich würde die Frage im Antrag streichen und nicht beantworten. In der Praxis bei unseren Kunden zeigt es, das zumindest einige Versicherer hiermit kein Problem haben. Falls doch, so gibt es auch andere Unternehmen.

27.
August '14

„Fordern Sie bloß vor Antragstellung keine Krankenakte bei der Kasse an, könnte was schlimmes drin stehen“ – wer solche Tipps von seinem Makler bekommt, kann auch gleich aufhören


Bei manchen Aussagen von vermeintlichen Kollegen frage ich mich, ob der Kunde nicht lieber schnell genug laufen sollte, wenn er solche Ratschläge bekommt. Ein solches Erlebnis hatte ich vorgestern, als ich einen Artikel las, geschrieben von/ mit einem Direktor eines Finanzdienstleisters der selbst als Makler registriert ist. Die Überschrift klang durchaus noch vielversprechend, hieß es doch: „Ärzte gehen zu sorglos mit Diagnosen um“.

Stimmt, dachte ich im Stillen und las bei einer Tasse Kaffee weiter. Doch was dann in dem Artikel über die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Antragstellung geschrieben wurde, das lies mir die Haare zu Berge stehen. In diesem Beitrag hier soll es nur um eine Aussage gehen, mit den anderen beschäftige ich mich in einem weiteren Artikel.

Auch wenn der „Kollege“ in einem Forum für Makler zwischenzeitlich eingeräumt hat, er wäre falsch bzw. unvollständig zitiert worden, bleibe aber im wesentlichen bei der Aussage:

(…) Ich rate aber davon ab, sich bei der Krankenversicherung einen Auszug aus der Krankenakte zu holen.

Warum?

Manche Ärzte gehen in ihren Abrechnungen zu sorglos mit Diagnosen um. So landen auch einige Diagnosen, von denen die Patienten nichts wissen – und die oftmals irrelevant sind – in ihrer Krankenakte. Weiß ein Patient nichts davon, kann er das auch nicht in seinem BU-Antrag angeben. Hat er allerdings die Kenntnisse aus den abgerechneten Diagnosen bei der Krankenkasse, muss er diese auch angeben.

Der Prozess der Antragstellung

Anträge für biometrischen Risiken, also Krankenversicherungen, Absicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Lebensversicherungen und viele andere Produkte erfordern die Aufklärung über den Gesundheitszustand des Kunden. Nur wenn dieser wahrheitsgemäße Angaben macht und klar auflistet was er hatte, nur dann kann der Versicherer das Risiko ordentlich einschätzen und eine risikogerechte Prämie anbieten. Das führt auf der anderen Seite aber eben auch zu höheren Prämien bei bestehenden Vorerkrankungen, sogar einer Ablehnung oder einer Klausel um bestimmte Krankheiten vom Schutz auszuschießen.

Diese Angaben werden dann in den Antrag eingetragen, ggf. sind weitere Fragebögen zu beantworten und wenn das alles noch nicht reicht, so wird der Versicherer eine Arztauskunft bei dem Behandler einholen oder weitere Nachforschungen anstellen.

Was, wenn falsche Angaben in der Akte stehen?

Ärzte sind auch nur Menschen und Menschen machen Fehler. So passiert es täglich mehrfach, das Diagnosen nicht korrekt erfasst werden, ein Zahlendreher in einer ICD Ziffer den Patienten mit Bluthochdruck plötzlich zum Asthmatiker machen kann oder Erkrankungen in den Akten stehen, die der Patient nie hatte.

Aus „mir geht es heute irgendwie nicht so gut, bin etwas überarbeitet“ wird ein „Erschöpfungssyndrom“, aus „ich brauche mal eine Massage“ schnell ein HWS Syndrom, was eine Antragstellung in der BU-Absicherung schon sehr erschweren kann.

Solche Falschen Angaben lassen sich- einvernehmlich mit dem Arzt- in vielen Fällen lösen. Lösen in dem man diesen erneut aufsucht, Beschwerden klarstellt und falsche Angaben auch aus der Krankenakte gelöscht werden müssen, wenn diese nachweislich nicht zutreffen. Je früher Sie solche falschen Angaben bemerken, je einfacher ist es noch, diese zu korrigieren. Wer nach 5, 6, 8 Jahren aber kommt und meint „ich hatte aber nur etwas verspannten Nacken und kein HWS“, der wird es sehr schwer haben, so der Arzt dann überhaupt noch praktiziert.

Neben den menschlichen Fehlern passieren bei einigen Ärzten auch andere. So werden Diagnosen zur Abrechnung „etwas aufgehübscht“, die eigene Abrechnung etwas „frisiert“ und damit der eigene Geldbeutel etwas mehr gefüllt. Klar ist eine kompliziertere Diagnose, die zudem noch besser vergütet wird, für den Arzt bares Geld wert. Wer privat krankenversichert ist, für den ist es hier etwas einfacher. Auf den Rechnungen die der Patient nach Behandlungsende erhält, ist stets eine Diagnose angegeben. Kontrollieren Sie diese bitte genau und reklamieren eine solche Diagnose gleich. Auch falls das Argument „Brauchen wir doch nur für die Abrechnung“ kommt, so bestehen Sie auf einer neuen Rechnung und vor allem einer Korrektur der Krankenakte.

Bei einem GKV Patienten ist das schon etwas schwieriger, denn dort gibt es keine Rechnung. Dennoch hilft auch hier von Zeit zu Zeit eine Abfrage bei der GKV, ein aktueller Auszug aus der Krankenakte und auch hier: Kontrollieren Sie das was da steht und lassen sich Arztberichte in Kopie aushändigen. Einfach abheften oder einscannen und haben Sie zu Hause ihre eigene Krankenakte.

Wer was weiss, muss es angeben

Klar, wenn Sie Diagnosen kennen und der Versicherer in seinem Antrag danach fragt, dann sind diese anzugeben und führen bestenfalls zu Rückfragen, manchmal zu Zuschlägen und im schlimmsten Fall zu einer Ablehnung.

Wenn Sie aber nichts tun und es verschweigen oder einfach sich nicht informieren, so sitzen Sie auf einem Pulverfass und können sich das monatliche Überweisen auch gleich sparen. Warum? Weil der Versicherer seine Chance zur Verweigerung der Leistung nutzen wird- Berechtigt!

Was, wenn ich nichts weiss?

Anzugeben ist das, wovon man Kenntnis hat, das ist schon korrekt soweit. Würde also ein Arzt eine Diagnose bewusst verschweigen (vielleicht weil es aus psychologischen Gründen erforderlich ist), dann wäre diese eine Diagnose dem Patienten auch nicht bekannt. Das ist aber eher ein seltener Fall.

Generell gilt folgende Verfahrensweise:

1.) Besorgen Sie sich alle Unterlagen von Ärzten, Kopien von der Krankenakte etc.

2.) Finden Sie in den Unterlagen zu 1.) weitere Verweise auf Ärzte, Arztbriefe oder Hinweise auf stationäre Aufenthalte, so fragen Sie auch hier an.

3.) Auch eine Anfrage bei der GKV oder der bisherigen Krankenversicherung ist m.E. angezeigt, zumindest ist dem in den meisten Fällen so.

Wenn sich dort Fragen oder falsche Angaben ergeben, so setzten Sie sich mit dem Arzt und/ oder dem Krankenhaus zusammen und klären dieses VOR Antragstellung. Nur so gehen Sie sicher, keine Angaben zu vergessen.

Aber: Eine pauschale Aussage gibt es auch hier nicht. Es ist immer wichtig im Einzelfall mit einem Spezialisten zu sprechen und zu überlegen, welche genaue Vorgehensweise hier sinnvoll und angebracht ist. Daher —> Informieren und lesen, Sammeln und dann ab zu dem von Ihnen gewünschten Berater. (Welcher Beratertyp passt zu mir?)

 

01.
März '10

Nachfragen der Privaten Krankenversicherung bei Rechnungseinreichung – was darf der Versicherer und warum fragt er nach?


Nach dem Wechsel in die Private Kranken(zusatz-)versicherung sind einige Punkte zu beachten. Dabei geht es um Bescheinigungen, Vorversicherungsnachweise und weitere Unterlagen die rechtzeitig besorgt und übersandt werden müssen. Den genauen Ablauf entnehmen Sie gern dem Unterartikel „Nach dem Abschuss

Später, wenn die ersten Rechnungen eingereicht werden sollen ergeben sich meist aber weitere Fragen. Die Rechnungen müssen zunächst im Original mit einem entsprechenden Erstattungsformular eingereicht werden. Es ginge zwar auch ohne dieses Formular, jedoch ist es für die Versicherer einfacher und die Abrechnung geht schneller wenn sich alle an gewisse Standards halten.

Dann die große Überraschung. Ähnlich wie es ein Versicherter in einem anderen Forum beschreibt:

ich bin privat krankenversichert bei a. Ausserdem besteht eine Krankentageldversicherung bei b.Nun bin ich arbeitsunfähig krank.Meine Krankenversicherung b verlangt nun von meinem Hausarzt und meiner Vorversicherung eine Auskunft, ob Vorerkrankungen in Zusammenhang mit den derzeit gestellten Diagnosen stehen.Ausserdem verlangt sie eine Aufstellung der Beschwerden und Krankheiten der letzten 5 Jahre von meinem Hausarzt mit dem Hinweis, soweit die Vorerkrankungen in Zusammenhang mit den derzeit gestellten Diagnosen stehen.

Auch wenn es hier um eine Krankentagegeldzahlung geht, passiert bei eingereichten Rechnungen oft genau das selbe. Bei den Versicherten führt dieses meist zu Unverständnis und der Meinung „jetzt wollen die nicht zahlen“.

Warum als machen Versicherer so etwas?

Der Versicherer prüft hierbei die so genannte vorvertragliche Anzeigepflicht. Hat der Versicherte damals bei der Antragstellung alle Fragen beantwortet und keine Angaben vergessen oder absichtlich weggelassen?

Liegen dem Versicherer alle Informationen zur Erstattung vor oder fehlen Angaben auf den Rechnungen oder sind Behandlungen oder Diagnosen unklar?

Die Pflicht zur Beantwortung solcher Fragen ergibt sich aus den vertraglichen und gesetzlichen Grundlagen. So sind Auskunftsobliegenheiten sowohl in den Musterbedingungen zur Krankentagegeldversicherung (MBKT) wie auch in denen für die Krankheitskostenversicherung (MBKK) und dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG).

Geben Sie also die Fragebögen kurzfristig an den Arzt und/ oder ihre Vorversicherung weiter, diese werden die Angaben dann an den neuen Versicherer weiterleiten und der kann seine Leistungsprüfung abschließen.

Sollten Sie Bedenken haben etwas nicht angegeben zu haben oder Angaben nicht genau gemacht zu haben, so sprechen Sie dringend Ihren Berater an.

Weiterführende Informationen:

Vorerkrankungen nicht angegeben- was nun?

Gesundheitsfragen richtig ausfüllen…