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02.
Oktober '18

Die ottonova Zufriedenheitsgarantie – leider vergisst man die Risiken


„Wir sind neu, innovativ, anders als die anderen und digital.“ So zumindest einige Werbeaussagen in der Vergangenheit. In der privaten Krankenversicherung war lange Zeit vieles angestaubt. Rechnungen mussten per Brief an die Versicherung geschickt werden, dann wurden diese bearbeitet, erstattet und dem Kunden als Brief die Erstattung bestätigt.

Das hat sich aber bei vielen Versicherern geändert. RechnungsApps machen das Leben einfacher, Kundenportale lassen Abrechnungen und Vertragsunterlagen jederzeit einsehen und auch die Versicherer werden digital. Das reicht aber alles nicht, sagt ottonova, und kam vor kurzer Zeit als StartUp der Krankenversicherung an den Markt. Viele Versicherer haben jedoch ebenfalls diese Entwicklungen erkannt, bieten all das, was so einzigartig sei, nun auch an. Beispiele sind die Barmenia mit der Teleclinic, dazu die Abrechnung per App und ein umfangreiches Kundenportal.

Meine Beiträge zu den Tarifleistungen und den Problemen und Lücken in den Bedingungen, habe ich bereits bei Markteinführung aufgeschrieben.

–> HIER GEHT ES ZU DEN BEITRÄGEN der Ottonova Tarife

Jetzt hat das noch nicht ganz so gut geklappt mit dem Kundenwachstum, was aber in den ersten Jahren auch normal sein dürfte. Die Akzeptanz eines rein digitalen Krankenversicherers (welcher nun aber Kooperationen sucht und Infoabende veranstaltet um Kunden zu gewinnen) ist noch nicht sehr hoch. Zudem möchten viele neu-PKV Kunden nicht in einen Tarif wechseln, welcher erst wenige Monate besteht. Nicht bei einem alteingesessenen Krankenversicherer und erstrecht nicht bei einem StartUp. Aber das muss jeder für sich allein entscheiden.

Damit nun aber mehr Kunden zu ottonova kommen, hat der Versicherer sich etwas Neues überlegt, die ZUFRIEDENHEITSGARANTIE. Irgendwie muss es doch gelingen, Kunden davon zu überzeugen sich dem neuen, innovativen Versicherer anzuschließen, oder?

Also muss eine Garantie her, klingt immer gut und so beruhigend.

Worum geht es bei der Zufriedenheitsgarantie?

Nun, es soll Sie überzeugen, falls Sie noch zweifeln ob ein StartUp das richtige ist, nun einen Versuch zu wagen. Also so eine Art „Geld zurück Garantie“, als würden Sie eine neue Waschmaschine kaufen.

Zunächst gilt eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren, so lange müssen Sie nun schon dableiben. Sind Sie danach aber nicht zufrieden, so kannst „Du“ auch wieder woanders hin wechseln.

„Wir geben dann 100% deiner Alterungsrückstellungen an deine neue Krankenversicherung weiter.“

… verspricht ottonova und erhofft sich damit Wechsler aus der GKV und PKV, um diese in der Praxis von dem Produkt zu überzeugen. Dummerweise ist eine private Krankenversicherung kein Fernseher oder eine Waschmaschine, welche man einfach nach Jahren so austauscht.

Die Risiken der Zufriedenheitsgarantie bei ottonova

Ja, es ist durchaus eine Innovation, ALLE Alterungsrückstellungen mitzugeben, meint ottonova. Ist es auch, denn auch nach Einführung der Portierbarkeit der Alterungsrückstellungen sind nicht 100% übertragbar, hier geht ottonova nun einen Schritt weiter. Doch dabei vergisst man leider die Risiken zu erwähnen. Eine Krankenversicherung wechselt man eben nicht wie das Hemd und die Auswahl sollte so fundiert und ausgewogen sein, dass man dort dauerhaft bleiben kann.

Wechseloptionen innerhalb des Unternehmens sind wichtig

Natürlich können sich Lebensumstände ändern und genau darum ist es entscheidend, was das Unternehmen neben dem aktuell ausgewählten Tarif noch anbietet. Gibt es Wechseloptionen innerhalb des Versicherers? Lassen sich geänderte Lebensumstände somit auf den neuen Schutz übertragen und lässt sich dieser anpassen?

Hat ein Unternehmen nur einen oder zwei Tarife, so ist es natürlich schwerer etwas Passendes zu finden. Doch das ist nicht unbedingt das Problem.

Eintrittsalter – nach zwei Jahren drei Jahre älter?

Nun können Sie natürlich erst einmal hin und testen. Gibt ja eine Zufriedenheitsgarantie und damit auch die Möglichkeit dort wieder weg zu gehen. Doch schauen wir einmal auf das erste der zwei Probleme. Das Eintrittsalter. Zunächst einmal sind Sie dann zwei, oder gar drei Jahre älter. Je nachdem ob der Wechsel unterjährig oder aber zu Beginn des neuen Jahres erfolgt.

Zum Vergleich schauen wir uns doch einmal einen Mitbewerber an. Die Barmenia mit dem expert+, einem dreißigjährigen Kunden und dort den bestmöglichen Schutz. Passend mit 120 EUR Krankentagegeld.

Wird der Schutz heute abgeschlossen, sind dafür in Summe 684,45 EUR zu zahlen, ist der Kunde heute zwei Jahre älter, sind es 714,49 EUR. Somit fallen Monat für Monat

Mehrkosten in Höhe von 30,04 EUR

Unterstellen wir einmal einen Versicherungsverlauf bis 75 und vergessen alle noch folgenden Anpassungen, so reden wir über eine

Kostendifferenz von 15.500 EUR.

Dabei bin ich immer nur von zwei Jahren Altersdifferenz ausgegangen. Ein Risiko, was auch eine Zufriedenheitsgarantie nicht lösen kann, selbst wenn es eine Mitnahme der Rückstellungen gibt (und sich dadurch der Betrag noch verändern kann).

Gesundheitszustand – das viel größere Problem

Viel wichtiger und entscheidender ist aber das zweite Problem, welches sich nicht lösen lässt. Der Gesundheitszustand der versicherten Person ist eben nicht zwei Jahre in die Zukunft planbar. Dabei reicht ein kleiner Unfall, ein Missgeschick beim Sport oder einfach ein Laborwert, welcher bei einer Vorsorgeuntersuchung nicht ganz in Ordnung ist.

Zack- schon sind bei einem Wechsel 5, 10, 15 oder mehr Prozent Zuschlag zu zahlen. Ja, vielleicht entfällt der auch irgendwann wieder. Aber so wird eine Zufriedenheitsgarantie ad absurdum geführt.

Oftmals sind es Kleinigkeiten, Diagnosen, die nicht unbedingt zu Beschwerden führen müssen und / oder Zufallsbefunde, welche einen Wechsel in der Zukunft nicht nur erschweren, sondern auch unmöglich machen können. Dann sind Sie in einem Krankenversicherer gefangen, wo Sie dauerhaft nicht hinwollten, einem Startup was vielleicht auch nicht die gewünschten Erfolge hat?

Nur damit kein Missverständnis entsteht. Das Risiko besteht auch bei jedem anderen Versicherer. Daher sollten auch hier die Auswahl des Versicherers und der Tarife im Vordergrund stehen. Wechseln Sie nur zu einem Versicherer, in welchem Sie dauerhaft (nach heutiger Annahme) bleiben können und wollen.

Eine PKV schließt man eben nicht ab, um in 1, 2, 3 Jahren wieder zu wechseln, auch nicht mit einer Zufriedenheitsgarantie.

Auswahlkriterien

Entscheidend für jedwede Auswahl sind die passenden Kriterien. Dazu habe ich Ihnen unter

–> Auswahlkriterien

einige Informationen zusammengestellt. Auch der Leitfaden zur PKV und der Kriterienfragebogen helfen bei der Suche nach dem passenden Produkt und der richtigen Absicherung. Denken Sie immer daran, Flexibilität ist wichtig, aber wechseln Sie nie irgendwohin, wo Sie nicht auch dauerhaft bleiben würden.,

19.
Januar '10

Unsinnige Werbung für die PKV oder wie finde ich einen der darauf reinfällt?


Eigentlich liegt es mir fern die Werbekampagnen von „Kollegen“ zu kommentieren. Aber eigentlich ist es auch kein Kollege, wenn man es korrekt betrachtet. Warum? – das lesen Sie weiter unten.

Gestern erreichte mich eine Mail mit einer „interessanten“ Betreffzeile. Hier wurde mir doch eine Private Krankenversicherung (PKV) angeboten und ich sollte noch Steuern sparen. Genau lautete die Zeile wie folgt:

Patient 1.Klasse ab 49 Euro und Steuern sparen

Da ja immer alle oft und gern auf „Schnäppchensuche“ sind schaute ich mir das doch mal genauer an. Da öffnete ich die Mail und mich lachte folgendes Bild an:

Da sollte es doch möglich sein mich für 49 EUR pro Monat in der Privaten Krankenversicherung zu versichern. Steuern spare ich dabei auch noch- besser geht es kaum.

Im Kleingedruckten unter dem Bild findet sich dann zunächst dieses:

Das ist natürlich dumm, denn 20 bin ich leider schon seit einigen Jahren nicht mehr. Aber nun interessieren mich doch brennend die Details des Tarifes, welche dort angeboten werden. Durch kicken auf das „hier“ sollen mir ja die wesentlichen Leistungsmerkmale des Tarifes angezeigt werden. Zu meiner Überraschung werden dort aber folgende, sehr allgemeine Informationen angezeigt:

Was das nun bitte mit den „wesentlichen Leistungsmerkmalen“ der ausgewählten Privaten Krankenversicherung zu tun hat ist mir noch nicht ganz klar.

Fazit:

Vergessen Sie solchen Unsinn. Glauben Sie wirklich man kann das Krankheitsrisiko monatlich für weniger Geld absichern als man für eine Mobilfunk Flat bezahlt? Das wird und kann nicht vernünftig funktionieren. Der Versicherer der dieses anbietet wird immer mit entscheidenden Ausschlüssen und Einschränkungen arbeiten, Lücken in den Bedingungen ausgleichen die privat dann nicht mehr zu finanzieren sind.

Und nun noch zu der oben angesprochenen Frage warum es kein „Kollege“ ist:

…zumindest keiner im eigentlichen Sinne.  Trotz der Zulassung als Versicherungsmakler (kann man im Register und im Impressum nachlesen) ist der Betreiber ein Leadportal. Eigene Aussage:

Qualifizierte Neukunden für unabhängige Finanzexperten!

Jetzt können Sie Ihre Umsätze vervielfachen. Wir liefern Ihnen Neukunden aus Ihrem PLZ-Gebiet. Buchen Sie Leads aus unserem vorselektierten Bestand und wählen Sie hierbei aus bis zu 30 verschiedenen Versicherungs- und Finanzsparten.

Es werden Adressen generiert welche an Berater und Finanzdienstleister verkauft werden. Das ist selbst durchaus legitim und keinesfalls verwerflich, denn das Betreiben von Internetportalen kostet natürlich Zeit, Geld und Aufwand.

Bedenklich finde ich nur die Aussagen hier in der Werbung. Da wird mit vermeintlich billiger Absicherung geworben, dazu für ein lebenslanges Produkt und der Berater trifft auf einen Interessenten mit einer völlig falschen Vorstellung.

Angeboten wird dann in dem Formular:

Wir helfen Ihnen dabei, die optimale Private Krankenversicherung zu finden. Vergleichen Sie unverbindlich und individuell Tarife aus bis zu 50 Gesellschaften. Jetzt das Formular ausfüllen:

Ob dann das Angebot von dem Anbieter kommt wage ich zu bezweifeln. Eher wird es so sein das ein Berater, welcher die Adresse teuer gekauft hat (LINK zu den Preisen/ Anbieter), Sie anruft und mit seiner Beratung beginnen will/ wird.

Auch das ist nicht schlimm und legitim, nur sollte dann die Werbung eben auch so sein.

Was Sie also tun sollten:

Bevor Sie sich für eine PKV Entscheiden machen Sie sich Gedanken über die Auswahlkriterien und über die Möglichkeiten und Folgen des entsprechenden Versicherungsschutzes. Sie entscheiden unter Umständen heute ein- und letztmalig über den Gesundheitsschutz des weiteren Lebens.

Und eins… lassen Sie sich Zeit. Fällen sie Entscheidungen zu lang bestehenden Produkten und Lösungen erst nach sorgfältiger Information, Aufklärung und nach fundierten Gesprächen mit Spezialisten.

Weiterführende Informationen:

Leitfaden Private Krankenversicherung

Auswahlkriterien zur PKV

Kriterienfragebogen als ausfüllbare pdf Datei