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16.
Juni '19

Warum nur? Wenn der Berater das Krankentagegeld kündigt und neue BU’s abschließt


Es sind immer und immer wieder diese Geschichten, solche die dem Ansehen der Makler, Vertreter, Vermögens-/ Finanzberater und der ganzen Branche mehr schaden als nützen. Schlimm ist es für alle, doch den Schaden hat am Ende nur einer, der Kunde.

Klar, dieser ist oft auch nicht kritisch genug, fragt nicht nach und glaubt einem guten „Verkäufer“ schnell und oft mehr als er sollte. Das führt am Ende aber zu den absurdesten Geschichten, welche im schlimmsten Fall nicht mehr zu lösen sind. Eine solche Geschichte, wo gleich zwei Berater involviert waren und beide sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, eine solche möchte ich Ihnen heute hier erzählen.

Erzählen auch deshalb, damit es Ihnen nicht passiert, damit Sie zukünftig (noch kritischer) hinterfragen und die guten Berater, die ehrlichen, eine Chance haben zu zeigen was diese können.

Absicherungen sind wichtig, diese sichern die finanzielle Existenz und schützen damit mit Hilfe der Versicherer vor den finanziellen Folgen von Krankheit, Berufsunfähigkeit oder anderen Gefahren.

Die Geschichte beginnt vor drei Jahren. Unser Kunde Hr. B. war damals 48 Jahre alt, seit Jahren privat versichert bei der Continentale in einem der alten Bisex Tarife, genauer dem GS1. Einem Tarif aus den ganz alten Zeiten, Zeiten wo steuerliche Anrechnung der Beiträge kein Thema war und eine hohe Rückerstattung eine gute Idee.

Durch Jahrelange Leistungsfreiheit bekommt er nun auch die maximale Erstattung. Jedes Jahr werden also sechs Monatsbeiträge (steuerschädlich) an den Versicherten zurückgezahlt. Im Jahr 2018, richtiger für das Jahr 2018, waren es immerhin fast 3.000 €, also umgerechnet 250 € Nachlass pro Monat.

Zum 01. Januar gab es dann eine recht deutliche Anpassung der Beiträge. Von bisher 577 € stieg der Beitrag auf 709 €, wird aber durch einen befristeten Beitragsnachlass abgemildert

–> befristeter Nachlass – erkauft man sich Kunden durch Rabatte?

und endet so bei 651 €.

Also, für die bessere Übersicht. Gezahlt werden monatlich 651 €, davon zahlt der Arbeitgeber 50%, also bleiben für den Versicherten knapp 325 € übrig.

Dazu folgt (bei weiter bestehender Leistungsfreiheit) eine Rückzahlung von 250 €. Effektiv verbleiben somit vor Steuer ein Eigenanteil von 75 €. Mit 51 Jahren!

Krankentagegeld kann weg – wir machen eine BU, oder zwei

Bis zum Jahr 2016, der Kunde war dort 48 Jahre alt, hatte er neben der Krankenversicherung bei der Continentale auch noch ein Krankentagegeld bei der Europa. Diese ist Partner der Conti, welche kein eigenes Krankentagegeld anbot.

–> Krankentagegeld – Informationen, Berechnungen, Erklärungen

Das Krankentagegeld sichert den Einkommensausfall bei Arbeitsunfähigkeit aus. Jeder der gesetzlich versichert ist, der kennt das Krankengeld der GKV. Wer als Angestellter mindestens 6 Wochen (ggf. auch nicht zusammenhängende 6 Wochen, aber eine Krankheit) erkrankt und ausfällt, der braucht eine solche Absicherung.

Der Arbeitgeber ist nach 6 Wochen aus jedweder Zahlung heraus und privat versicherte Arbeitnehmer, wie unser Hr. B., zahlen dann auch den Arbeitgeberanteil weiter. Dazu dient also das Krankentagegeld.

–> Krankentagegeld – die richtige Höhe entscheidet

Doch dann begann das Unheil, als der Berater um die Ecke kam. Der hatte nämlich eine tolle Idee. Schließlich war der Kunde kaum krank, da braucht es auch kein Krankengeld. Viel wichtiger ist zudem eine BU Absicherung. Was das nun wieder ist, und warum das eine mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun hat, das lesen Sie hier:

–> Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, Invalidität – eine Erklärung im Begriffsdschungel

Also kam unser toller Berater und sprach mit dem Kunden über eine BU, oder besser zwei, denn doppelt hält schließlich besser und das Risiko muss man ja auch verteilen.

Gut, drei Monate vor dem Abschluss der neuen BU war der Kunde im Krankenhaus. Unregelmäßiger Puls, Einweisung durch den Betriebsarzt. OK, angegeben wurde das nun leider auch nicht im Antrag auf BU, aber das ist ein anderes Thema.

Das Krankentagegeld wurde also dann, zu Gunsten einer eher mäßigen (von den Bedingungen) Berufsunfähigkeitsversicherung gekündigt. Ist unser Kunde nun sechs Wochen krank, kann aber irgendwann wieder arbeiten, so hat er ein Problem.

Die PKV und alle laufenden Kosten will weitergezahlt werden, aber ein Einkommen oder eine Ersatzleistung gibt es nicht.

Neu zu versichern ist es heute auch nicht mehr, da es gesundheitlich weitere Diagnosen bezüglich Herz- und Kreislauferkrankungen gibt. Da wird unser Kunde nun wohl selbst vorsorgen müssen und sparen, sparen, sparen, um am Ende den Ausfall kompensieren zu können. Schließlich sprechen wir noch über 16 Jahre bis zur Rente.

Im Schlimmsten Fall fehlen die 2.700 € jeden Monat, solange wie Arbeitsunfähigkeit besteht.

Das ist nicht nur ein elementarer Beratungsfehler, es sorgt auch für große finanzielle Probleme.

Zwei BU’s, welche nichts voneinander wissen, mit unvollständigen Gesundheitsangaben

Abgeschlossen wurden stattdessen zwei unterschiedliche Berufsunfähigkeitsversicherungen und das bei unterschiedlichen Anbietern. Auf eine Klausel bei Arbeitsunfähigkeit hat man verzichtet, auch wenn es diese in 2016 für einige Anbieter schon gab. (Nicht bei so vielen wie heute, aber es gab sie).

Durch die Beantragung der Verträge bei zwei Anbietern (2000 € + 2000 € Rente) sollte wohl eine ärztliche Untersuchung verhindert werden. Bei den meisten Unternehmen wird ab einer Rente von 2.500 € oder mehr pro Monat eine ärztliche Untersuchung fällig. Das dient einer genaueren Einschätzung.

Aus diesem Grund sind zwei Anträge nacheinander auch besser, wie Sie hier lesen können.

–> Zwei BU Anträge sind besser, auch wenn es mehr Arbeit bedeutet

Nur so wird eine Einschätzung verbessert und ggf. bei neuen Befunden der alte Schutz gesichert. Doch das brauchte der Berater natürlich nicht, denn „vergisst“ man Angaben wie einen Krankenhausaufenthalt, dann kann auch der Versicherer nicht nachfragen.

Auch die Angabe einer anderen Beantragung oder eines bestehenden Schutzes wurde natürlich hier nicht gemacht, denn wäre dem so, so gäbe es Nachfragen und die Anforderung der Untersuchung. Das selbst dann, wenn es eine andere Rente bei einem anderen Anbieter gibt.

Was haben wir also heute?

Probleme über Probleme.

Problem 1 – fehlendes Krankengeld

Einen 51jährigen Kunden, welcher bis zum Rentenalter mit 67 wohl kein passendes Krankengeld mehr bekommen wird. Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Einnahme von Beta Blockern und mehr führt zu Ausschlüssen, hohen Zuschlägen und mehr.

Auch müsste das Krankengeld heute natürlich mit neuem Eintrittsalter und unter Verlust aller Rückstellungen von damals neu beantragt werden.

Problem 2 – Berufsunfähigkeitsschutz der wohl nie zahlen muss

Beide Verträge mit der BU Rente müssen wohl nie zahlen. Die 240 € monatlicher Beitrag könnten somit auch aus dem Fenster geworfen werden. Warum? Weil bei beiden eine Anzeigepflichtverletzung besteht. Beide Verträge sind somit unter falschen Voraussetzungen zustande bekommen und beide Versicherer könnten (und würden) im Leistungsfall zurücktreten.

Somit verlässt sich der Versicherte auf einen Schutz, den er nicht hat.

Die Probleme sind Nichtangabe des anderen Schutzes und damit Verhinderung der ärztlichen Untersuchungen auf der einen Seite, und fehlende Gesundheitsangaben auf der anderen.

Zudem haben wir auch hier das Problem – neuer Schutz heute wird wohl eher noch schwieriger, ähnlich dem Krankengeld.

Was soll der Versicherte nun tun?

Generell geht es nur in kleinen Schritten. Zunächst einmal wäre zu überlegen, die fehlenden Anhaben nach zu melden und einen nachträglichen Zuschlag oder aber einen Ausschluss in Kauf zu nehmen. Alles besser im Vergleich zu einem Rauswurf wenn es akut wird.

Zudem sind die Angaben im Antrag über anderweitigen Schutz nachzuholen und ebenfalls die Versicherer zu informieren. Auch Ausschreibungen über heute neuen, möglichen anderen Schutz, sind im Rahmen von anonymen Anfragen zu prüfen.

–> Anonyme Voranfragen und Ausschreibungen – was dabei wichtig ist

Erst nach Einschätzung der weiteren Versicherbarkeit lässt sich eine vernünftige Aussage treffen. Zudem lauert da noch ein anderes Problem. Der nächste schlaue Berater ist mit einer Tarifwechselidee für die PKV um die Ecke gekommen. Dazu aber in einer anderen Geschichte etwas mehr.

08.
März '19

700 € Berufsunfähigkeitsrente und in 5 Jahren gewinnen Sie im Lotto und kündigen die Versicherung einfach


Interessanter Gedanken, oder? Doch zu dem etwas laxen Titel dieses Artikels gibt es einen ganz ernsten Hintergrund und der zeigt einmal mehr, warum Produkte und Beratungen hinterfragt werden müssen. Zudem zeigt und diese Beratung und die danach folgenden Abschlüsse auch, wie „auf Teufel komm raus“ verkauft und keinesfalls beraten wurde.

Hier ging es am Ende gar nicht um die Frage des Bedarfs und welcher Schutz benötigt wird, sondern vielmehr um „wie kann ich noch schnell einen Vertrag an die Frau bringen, einen der dann in 5 Jahren einfach wieder gekündigt wird, weil er eh nichts gebracht hat.

Das Schlimmste aber ist, die Situation ist schon schwer genug. Damit es einfacher zu verstehen ist und Sie als Leser sich in die Lage versetzen können, fangen wir einmal mit der Historie an.

Es war einmal…

ein dunkler und kalter Wintertag, ein grauer Tag im Dezember 2015. Der Berater hatte sich angekündigt, denn schließlich müsse man mal etwas tun, tun für die Altersvorsorge, auch der Schutz der BU und eine Absicherung des Kindes wären wohl zu besprechen.

Dabei sitzt das Geld keineswegs locker und es sind eben keine hunderte Euro vorhanden, die monatlich in (zweifelsfrei wichtige) Absicherungen fließen sollten. So kam es, dass der Berater eines großen Strukturvertriebes dann auch dort klingelte. Die Interessentin hat recht wenig Ahnung von „so Finanz Themen“ und mag sich eigentlich auch nicht so richtig damit beschäftigen.

Ja, jetzt kann man sicher schnell und laut „selbst schuld“ rufen, aber das ist weder zielführend noch hilfreich. Es braucht Beratung und nur weil sich jemand damit nicht auskennt ist es kein Grund einen Unsinn anzudrehen. Es ist eben gerade Aufgabe der Berater dieses zu verhindern, eigentlich!

Die Situation in Zahlen und Fakten

Verkäuferin, genauer Fleischereifachverkäuferin

geboren 1985, bei Abschluss somit 30 Jahre alt

einen Sohn, geb. 2007 und somit damals bei Abschluss 8 Jahre alt

Bruttoeinkommen ca. 1700 EUR, netto um die 1300 EUR

Dazu eine etwas schwere Situation. Der kleine Sohn ist nicht gesund zur Welt gekommen. Von der anfänglichen Lebenserwartung einiger Monate über 1-2 Jahr geht es ihm heute den Umständen entsprechend gut. Neben dauernden Medikamenten und ständigen Arztbesuchen geht es ganz gut. Aber: Vielleicht ist es nicht unbedingt die Lebenserwartung bei 80, 90 oder gar einhundert Jahren.

Bisher hatte die Mutter bereits ein wenig vorgesorgt. Einen Riester Vertrag bei der Swisslife hatte bereits ein anderer Berater vorher angeraten und dieser bestand auch schon einige Jahre. Das Geld floss in einen Fond, es waren einige tausend Euro Guthaben drin und Zulagen wurden genutzt. Also sowohl die eigene, aber auch die Förderung für den Sohn.

Jetzt sollte alles besser werden

Doch der Berater witterte ein wenig Neugeschäft und die Idee den Riester Vertrag so zu lassen kam ihm nicht über die Lippen. Warum auch, bringt ja kein Geld. Also wurde zunächst der bestehende Riester Vertrag auf Eis gelegt. Beiträge sollten nicht mehr bezahlt werden, auf die Idee der Übertragung von Riester Guthaben zu einem neuen Anbieter kam aber nun auch niemand.

So besteht der ruhende Riester Vertrag heute noch, ohne dass auch nur einer einen Gedanken daran verwenden würde. Doch ein neuer Riester musste her. The „one and only“ sollte es werden und so schloss der Herr dann auch gleich eine neue Riesterrente ab. Die DWS Riesterrente Premium sollte es werden und wurde es dann auch.

30 EUR sollten dann auch hinein fließen und so ließ sich die Kundin überzeugen bequatschen und unterschieb. Seit dem Januar 2016 gibt es somit zwei Riesterrenten. Der eine Vertrag schläft gerade und der andere bekommt die 30 EUR monatlichen Beitrag eingezahlt.

Wir halten also fest, eine völlig unnötige Kündigung des Riester Vertrages und gleich noch mal die Übertragung vergessen.

700 EUR BU Rente und es wird noch schlimmer

Manchmal frage ich mich aber, wie unfähig man dann sein kann. Da wurde dann das Thema Berufsunfähigkeit angesprochen, denn es sieht im Falle einer möglichen BU sehr düster aus. Warum es so düster aussieht? Nun, wird die Mutter und damit Haupteinnahmequelle, berufsunfähig so droht großer finanzieller Schaden. Neben denn dann wohl bestehenden gesundheitlichen Problemen fehlt plötzlich ein Einkommen. Aber der Vermittler hatte eine Lösung.

„Ich habe da eine Idee, wir brauchen eine BU“

Doch soweit nur der Ansatz. Da das Geld knapp ist, machte man sich wohl Gedanken und folgte dem „Was können Sie denn zahlen“ Ansatz in der Beratung. Das dieses so überhaupt nichts mit bedarfsgerecht zu tun hat, das sieht man am Ergebnis. Da gab es die glorreiche Idee der Absicherung, welche dann eine Staffel zur Folge hatte.

Die Kundin ist- nur zur Erinnerung- 1985 geboren. Im Jahr 2022 ist sie also 37 Jahre alt.

Klar kann man da schon mal von der grandiosen BU Rente von 700 EUR (plus einen nicht garantierten Bonus von 70 EUR in 2017) dann auch noch die Hälfte weglassen.

Somit hat die Kundin ab Alter 37 nur noch eine VERSICHERTE BU RENTE VON 350 EUR monatlich.

Grandiose Idee, oder?

Wie kann man so dreist beraten? Und jetzt kommen die Befürworter und schreiben…

„Sie kann ja dann die Rente beibehalten, wenn diese benötigt wird.“

Klar kann die Kundin das, sogar ohne neue Risikoprüfung. Aber dann steigt die Prämie natürlich im Verhältnis auf das doppelte an und die kann sie sich schon heute nicht leisten?

Aber der Rat, der dann der Kundin geben wurde, der schlägt dem Fass den Boden aus.

„In fünf Jahren, wenn die BU teurer wird, kündigen Sie die einfach.“

Das war ernsthaft der Rat, welcher der Kundin gegeben wurde um die Sorgen zu zerstreuen. In der Schule würde man sicher mit „Sechs, setzen!“ antworten und bei einem Test wäre hier sicher der Berater durchgefallen.

Wer so ein Produkt für die Berufsunfähigkeit vermittelt und das nur, um noch ein paar Euro Courtage in die eigene Tasche zu scheffeln, der gehört bestraft und dem gehört auch die Zulassung entzogen. Warum dieses hier noch sinnvoll ist, das lesen Sie im einem der nächsten Teile, denn hier wurden noch Produkte für den Sohn verkauft. Die sind noch deutlich schlimmer.

Die Lösung

Nun, jetzt bringt es ja uns oder der Kundin nichts, hier zu jammern und keine Lösung zu präsentieren. Doch wie kann die aussehen, wenn doch hier ein sehr knappes Budget vorhanden ist.

Die BU Absicherung ist allerdings so unsinnig, da diese im Leistungsfall nicht ansatzweise ausreichend ist und es dann doch auf Hartz 4 hinauslaufen wird. Daher muss überlegt werden, ob hier eine BU Absicherung bezahlbar ist. Gute Bedingungen, Renten > 1.000 EUR monatlich und ein Schutz bis 65/65 wird schnell bei Beizträgen um die 70-90 EUR monatlich liegen, also über dem dieses „Schrott Schutzes“

Dennoch muss sich hier die Frage der Prioritäten gestellt werden, denn nur eine passende BU Rente ist auch eine sinnvolle BU Rente. Auch sind Alternativen zu überlegen. Das kann eine Grundfähigkeitsabsicherung, ein Schutz gehen Erwerbsunfähigkeit, eine schwere Krankheiten Absicherung oder auch eine ganz andere Lösung sein.

Was genau hier sinnvoll ist, das wird erst in einer genauen Analyse und Beratung zu klären sein, das hier ist es aber definitiv nicht.

Wie sehen Ihre Verträge aus?

Haben Sie auch so alte BU Verträge, welche mal „schnell und unbedacht“ abgeschlossen wurden? Verträge, die über Jahre oder gar Jahrzehnte nicht angepasst wurden und nicht mehr passend sind?

Sie sollten sich dringend all Ihre Verträge anschauen, überlegen wie hoch die Renten sind und was heute benötigt wird. Ist ein Schutz bis ins richtige Alter sichergestellt? Gibt es privates Vermögen oder andere Absicherungen? Muss angepasst werden?

Hier zeigt sich aber einmal mehr, wie wichtig ein früher Abschluss und eine rechtzeitige Vorsorge ist, gerade bei Berufen in der Berufsgruppe 2 oder schlechter liegt hier ein enormes Sparpotential bei einer frühzeitigen Absicherung.

Sollten auch Sie alte und lange unbeachtete Verträge bei sich finden, so überprüfen Sie diese unbedingt. Eine Hilfe sind die

AUSWAHLKRTITERIEN zur Berufsunfähigkeit

passend dazu auch ein

KRITERIENFRAGEBOGEN

Gerade wenn Sie sich damals nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigen konnten oder wollten, dann wird es Zeit dieses jetzt zu tun.

Nicht eine Beratergruppe ist gut oder schlecht

Ja, es war ein Vermögensberater, welcher diesen Unsinn vermittelt hat und der gehört sicher bestraft. Wenn sich schon nichts mehr lösen lässt, zumindest mit einer Rückzahlung der Provision oder Teilen davon. Aber: Auch in anderen Berufsgruppen passieren solche Beratungen. Ich wüsste hier in der Umgebung noch mindestens zwei Makler, welche ähnlich beraten und eher auf den eigenen Vorteil bedacht sind.

Das macht es nicht besser, zeigt aber auch, nicht eine Berufsgruppe ist gut oder schlecht. Zum Thema Beratung und die unterschiedlichen Verrmittlertypen habe ich bereits in dem folgenden Beitrag einiges geschrieben.

Wo bekomme ich eine unabhängige Beratung zu Versicherungsfragen?

und weiter geht es mit dem BU Thema und der Frage, was tun wenn die wichtige Absicherung zu teuer ist.

Wenn die BU Absicherung zu teuer ist – was tun?

21.
Februar '19

Wer solche Berater hat, braucht keine Feinde – warum Qualifizierung des Beraters elementar ist


Es gibt so Anfragen und Geschichten Schicksale, da fällt einem auch als Makler wenig bis nichts mehr zu ein. Zwei davon hatte ich gleich heute im Postfach. Eine drehte sich um Wucherhonorare eines „Kollegen“ bei einem Tarifwechsel (die erzähle ich vielleicht später einmal) und eine betrifft eine junge Frau, schwerbehindert, mit psychischen Erkrankungen und nun ohne bezahlbaren Versicherungsschutz. Hier zeigt sich wieder einmal, warum Sie Aussagen Ihres Beraters hinterfragen sollten und sich Aussagen nach dem Motto „das brauchen Sie so nicht aufschreiben/ angeben“ schriftlich bestätigen lassen sollten. Meist bekommen Sie eine solche Bestätigung dann nicht und wissen: „hier ist etwas faul“. Die Verzweiflung war schon nach dem ersten Absatz klar zu erkennen, hieß es doch in der Anfrage:

„Sehr geehrter Herr Henning,

über einen Bekannten meiner Großtante XXX bekam ich ihre Kontaktdaten. Derzeit stehe ich vor einem riesen Problem, es ist etwas unübersichtlich deshalb hoffe ich dass ich es dennoch klar formuliert habe.“

Bis Ende August war alles gut. Die junge Dame war bei den Eltern in der gesetzlichen Krankenkasse, genauer der Familienversicherung mitversichert und hat so einige Vorerkrankungen. Darunter durchaus schwerwiegende. Angegeben war jedoch eine Verhaltenstherapie in 2014 mit unter 25 Sitzungen. All das was nun folgt fehlte im Antrag. Wohlgemerkt, der Antrag wurde mit Hilfe eines Beraters in 2018 gestellt und die Interessentin fragte mehrfach nach, ob diese auch ja nichts vergessen hat, da auch hier Krankenakte und weitere Unterlagen vorlagen.

„Ich war mir unsicher ob alle Angaben gemacht wurden und fragte nach. Rückmeldung war, dass sonstige Leistungen abgesichert seien.“

Es ist mir völlig schleierhaft, weil man einer angehenden Beamtin (noch Ausbildung, dann auf Probe, irgendwann auf Lebenszeit verbeamtet) unter Kenntnis dieser Diagnosen überhaupt zur PKV raten kann.

Öffnungsaktion gleich mit kaputtgemacht

Denn mit einer Antragstellung jetzt, also ohne den Anspruch auf die Öffnungsaktion zu prüfen und ggf. später zu nutzen, verbaut er der Kundin auch diese Chance. Mit der Öffnungsaktion für Beamte (neuerdings auch Beamte auf Widerruf) sichern einige Unternehmen der PKV zu, Antragsteller mit einem Zuschlag von 30% auch dann zu versichern, wenn diese sonst abgelehnt werden.

Doch diese Anträge (von Kunden die die PKV eigentlich nicht möchte) werden eben nicht mit einer Courtage vergütet. Daher zahlen Kunden regelmäßig ein Honorar an Ihren Berater. Das wollte der Makler hier wohl nicht nehmen oder seiner Kundin anbieten und so versuchte er mit halben Angaben einen normalen Antrag. Das ging -natürlich- nach hinten los.

Vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt – Rauswurf

Klar musste der Versicherer hier reagieren. Denn die Geschickte musste kommen wie es kommen musste.

Ende September diagnostizierte mein neuer Hausarzt Sodbrennen und eine mittelschwere depressive Episode und überwies mich zum Therapeuten. Dieser sagte mir ein Reha Aufenthalt wäre das Beste. Da eine ambulante Behandlung für den Anfang zu kostspielig und aufwendig wäre. Also stellte ich einen Antrag und die Reha wurde genehmigt. Daraufhin erhielt ich ein Schreiben des Onlinemaklers, dass wohl ein Fehler unterlaufen sei und ich nachweisen müsste, dass ich in den letzten 5 Jahren unter 25 psychotherapeutische Sitzungen hatte. Also sagte ich den Aufnahmetermin in der Rehaklinik ab. Kümmerte mich um den Nachweis und bekam dann das OK des Onlinemaklers.

Wenn ich das so lese (und danach weitere Details erfrage) stellen sich mir erschrocken einige Fragen.

1. Wie kam und kommt der Makler denn dazu, ein „OK“ für etwas zu geben?

Für was auch? Leistungsentscheidungen trifft der Versicherer. Prüfungen der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht passieren auch beim Versicherer. Wollte der Berater hier nun ein zweites Mal „Gesundheitsfragen optimieren“?

2. Warum soll die Kundin bestätigen, dass diese nur 25 Sitzungen hatte? Was laut vorliegender Bescheinigung der Klinik falsch ist.

Klar, es liegt die Vermutung nahe, das hier getrickst wurde, denn bei über 245 Sitzungen in den letzten Jahren hätte der Versicherer gar nicht erst angefangen, sondern gleich abgelehnt. Zudem ist hier wohl etwas mit den Jahren nur so halb korrekt angegeben worden.

Am Ende kommt es wie es kommen musste, die Kundin erhält (was verständlich ist bei den Diagnosen aus dem Screenshot oben) KEIN Angebot zur Weiterversicherung mit Zuschlag, sondern muss zwingend gekündigt werden. Juristisch richtig ist es noch nicht einmal eine Kündigung, sondern ein Rücktritt vom Vertrag. Denn klar, auch im Sinne der anderen Versicherten hätte es hier nie zu einem Vertrag kommen dürfen und die Kosten der nun anstehenden stationären Behandlung (einer längeren Psychotherapie) kann nicht dem Kollektiv zu Lasten angetreten werden.

Der Versicherer tut also aus seiner Sicht das einzig richtige und tritt vom Vertrag zurück. Damit endet der Versicherungsschutz und auch für die angefragten Leistungen besteht (rückwirkend) kein Anspruch. OK, das ist das eine Problem, aber was kann die Kundin nun tun? Aufgrund der Versicherungspflicht kann und darf diese nicht ohne Schutz sein, was in dem konkreten Fall bei den bestehenden Erkrankungen durchaus auch fatal wäre.

Die Dame befindet sich in Ausbildung, bekommt also weniger Geld im Vergleich zu Angestellten, aber 50% Beihilfe. Damit müssen die restlichen 50% entsprechend versichert werden. Ein anderer privater Versicherer kann und wird sie aber nicht aufnehmen, gerade mit der akuten Behandlung, den Beschwerden und der Vorgeschichte inkl. Rücktritt. Daher stellt sich die Frage:

Welche Möglichkeiten einer anderen Versicherung bleiben nun?

Zunächst einmal, eine Rückkehr einfach in die GKV und/ oder die Familienversicherung der Eltern ist nicht möglich. Gem. §5 und 6 ff. des Sozialgesetzbuches V ist eine solche Versicherbarkeit nicht möglich und selbst wenn die GKV wollte, sie DARF NICHT. Durch das Erklären des Austritts und damit des Verlassens der GKV ist eine Rückkehr nun, wo die PKV zurück getreten ist, nicht mehr möglich.

Daher muss nun überlegt werden, was alternativ als Versicherung in Frage kommt.

Abbruch der Ausbildung

Beendet die Kundin die Ausbildung und bricht diese ab, so wäre hier eine erneute Familienversicherung denkbar und zu prüfen, damit ist aber die Ausbildung weg. Auch sind die Voraussetzungen der Familienversicherung (u.a. jünger 23 Jahre) zu prüfen und zu erfüllen, ist aber insgesamt eher keine Option

Auch wenn es eine andere Ausbildung wird, bei der dann nicht mehr der Status Beamtin greift, sondern zum Beispiel eine klassische Azubistelle in der freien Wirtschaft, auch dann tritt ggf. Versicherungspflicht in der GKV ein. Diese wird dann nach §5 ff. SGB V begründet und führt zu einer Rückkehr in die GKV. ACHTUNG: Mal schnell eben in die GKV und dann ne Woche später zurück in die Ausbildung ist nicht möglich und verstößt gegen das SGB V, das geht nach hinten los, sobald es auffliegt.

Verbleib in der Ausbildung

Damit bliebe die Frage, wie eine Versicherung dann sichergestellt werden kann, da die PKV sie ja nun bereits nicht mehr will. Die Lösung in dem Fall liegt im Basistarif. Sie kann also bei allen Unternehmen der PKV (außer dem, welches gerade zurücktrat) einen Antrag auf Versicherung im Basistarif stellen. Dabei ist zu beachten, dass der Basistarif einen sogenannten Annahmezwang hat. Das heißt nicht, dass hier nichts anzugeben ist, es heißt nur man darf nicht ablehnen.

Der Beitrag ist hier abhängig vom Höchstbeitrag der GKV (Zahlen 2019 hier), welcher für die Kranken- und Pflegeversicherung zusammen bei ca. 812 EUR plus. ZUSATZbeitrag. Zum Vergleich noch etwas detailliertere Zahlen.

Gesetzliche Krankenkasse ohne ZUSATZbeitrag: 662,48 €

Gesetzliche Krankenkasse mit durchschnittlichem ZUSATZbeitrag (0,9%): 703,31 €

Gesetzliche Krankenkasse mit höchstem ZUSATZbeitrag (1,7%): 739,62 €

DAZU kommt die Pflegeversicherung

Gesetzliche Pflegeversicherung OHNE KINDER: 149,74 €

Gesetzliche Pflegeversicherung MIT KINDERN: 138,39 €

Für Beihilfeberechtigte ist der Beitrag demnach prozentual zu zahlen. In unserem Fall zahlt die Dame also 50% des Beitrages, da hier eine 50%ige Beihilfe vorliegt. Am Ende fallen so etwas über 400 EUR monatlicher Beitrag an (statt der knapp 110, welche zuvor zu zahlen gewesen wären). Jetzt werden die ersten rufen: „Nein, vorher kamen noch Risikozuschläge dazu“. Das ist auch durchaus korrekt, nur wären die im Rahmen der Öffnungsaktion auf 30% gedeckelt, diese hat der unfähige Vermittler aus Sicht auf seine Provision dann gleich mit verhindert.

Öffnungsaktion bei späterer Verbeamtung

Bei einer vernünftigen Beratung und der Angabe aller Gesundheitsangaben wäre hier der einzig sinnvolle und richtige Rat gewesen, nach der Vorprüfung in der GKV zu bleiben. Denn bei einer späteren Verbeamtung könnte sonst die Öffnungsaktion genutzt werden. Hierbei verpflichtet sich der Versicherer zu einer Annahme des Antrages mit maximal 30% Risikozuschlag.

Dieses ist jedoch nur bei erster Antragstellung möglich, diese Option hat der „tolle Makler“ hier für die Kundin gleich mit zerstört.

Risikovoranfragen und Weitblick sind elementar

Wie bereits in einem anderen Artikel geschrieben, es ist elementar wichtig sich an einen Berater zu wenden, der weiß was er da tut. Es geht eben nicht nur darum heute möglichst schnell einen Antrag zu stellen und einen Schutz zu finden der für ein paar Wochen hält. Viel wichtiger ist es- gerade bei vielen Vorerkrankungen- auch in Hinblick auf die Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht

03.
September '18

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht – und schon sind Ihre Rechte weg


Vor einiger Zeit habe ich über einen Einzelfall geschrieben, zumindest dachte ich das damals noch. Leider habe ich zwischenzeitlich von diesen „Kollegen“ zehn Fälle auf dem Tisch, alle nach dem gleichen Muster. Mittlerweile will der GF des Unternehmens, dass ich den Beitrag lösche, denn

“ (…) Im Wettbewerb der Unternehmen um Kunden spielen Bewertungsportale eine immens wichtige Rolle. (…) Zudem kommt es vermehrt zu missbräuchlich abgegebenen falschen Negativbewertungen bezüglich der Dienstleistungen und Waren der Konkurrenz, um deren Ruf zu schädigen und die eigene Position am Markt zu verbessern. Abgesehen davon, dass dies wettbewerbswidrig ist, wird durch falsche Negativbewertungen das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Betroffenen verletzt.“

Aber man wolle dem nachgehen, schrieb man mir im September letzten Jahres schon:

„Wir arbeiten mit vielen Untervermittlern zusammen und haben ca. 1000 Neunkunden pro Jahr. Da kann ich nicht garantieren, dass alle Kunden zufrieden sind, ich kann nur garantieren, dass ich jedem Fall persönlich nachgehe.“

Auch ein Anwalt schrieb mir dann im März nochmals, ich müsse unbedingt löschen. Werde ich aber nicht, da es wahr ist, mir entsprechende Erklärungen der Betroffenen vorliegen und nahezu jeden Monat ein neuer Fall dazu kommt. Gleiche Vorgehensweise. Auch aus der Geschäftsführung oder deren Umfeld soll es solche „Beratungen“ gegeben haben, schildert ein weiterer Betroffener. Ist aber sicher auch alles nicht wahr.

Nachdem mir an diesem Wochenende wieder zwei solcher Fälle vorgetragen wurden, hier nun einmal der Ablauf im Detail und die Gefahren, welche sich daraus ergeben.

Der Ablauf

1.) COLD CALL – Anruf zur Tarifoptimierung Ihrer PKV

Bei Ihnen (im Unternehmen, denn bei Privatkunden ist ein solcher „Cold Call“ verboten), ruft jemand an, druckst etwas herum und kommt am Ende darauf zu sprechen, man könne ja einmal die Private Krankenversicherung überprüfen. Schließlich „sei es bestimmt auch immer teurer geworden“ und man hätte ja die passende Lösung. Diese Anrufe werden meist nicht von dem Unternehmen mit dem Kompass durchgeführt, dazu beauftragt man Callcenter, was nicht unüblich ist.

2.) Terminvereinbarung zur unverbindlichen Beratung

Dann wird ein Termin vereinbart und es kommt ein, meistens kommen aber zwei, Berater ins Haus. In die Firma oder zu Ihnen nach Hause. Bei den letzten beiden Fällen handelte es sich um langjährige PKV Kunden. Aus einer der E-Mails zitiere ich einfach, denn hier wird gut beschrieben was dort wie ablief.

Hallo Herr Hennig,

ich bin seit 2003 bei der ____ privat krankenversichert. Anfangs im ____, später dann, mit Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit im ____ (danach Aussage meines bisherigen Maklers, in dem Fall, dass ich keinen ‚echten‘ Arbeitgeberzuschuss mehr bekomme, die höhere Selbstbeteiligung wirtschaftlich sinnvoller wäre. Nach einigen Runden der Beitragserhöhung habe ich dann mal nachgefragt, ob es da Handlungsbedarf, bzw. sinnvolle Handlungsoptionen gäbe. (…)

____ kam dann zu einem für mich erst einmal sehr trivialen Ergebnis, nämlich einen Tarif mit deutlich höherer Selbstbeteiligung zu wählen. Es ergab sich dann nicht nur bei meiner momentan gesundheitlich noch sehr guten Ausgangssituation (d.h. nicht Inanspruchnahme der Versicherung) eine Ersparnis, sondern selbst bei Inanspruchnahme unter Zurechnung der zusätzlichen Selbstbeteiligung. (…) Nur wenige Monate nach dem Wechsel kam dann die erste Beitragsanpassung. +80% für den ____. (…)dann nur die Aussage, dass man das nicht habe wissen können (so viel zu den tiefen Einblicken in die Kalkulation) man aber einen erneuten Tarifwechsel…

In diese nicht wirklich befriedigende Situation kam dann (mal wieder) ein Kalt-Akquise Anruf zur Optimierung meiner PKV, die situationsbedingt nicht auf den üblichen Widerstand meinerseits getroffen ist und an die ____ weitergegeben wurde. Ich dachte anhören kann man sich das ja mal

Dann kam ein Gespräch, welches dem in Ihrem Blog beschriebenen durchaus Ähnlichkeiten aufweist.

Empfohlen wurde ein Wechsel zur Hanse-Merkur, welcher bei ähnlichen Beiträgen, in den wesentlichen Bereichen ähnlichen Leistungen eine geringe Selbstbeteiligung bot. Als Problem wurde ausgemacht, dass mein ____ bereits seit vielen Jahren geschlossen ist und das sich hieraus ergebende hohe Durchschnittsalter zu in Zukunft hohen Beitragsanpassungen führen würde (wie ich diese zuletzt ja gerade erlebt hatte), während der Alterdurschnitt im Hanse-Merkur-Tarif dramatisch niedriger wäre, was über viele Jahre zu geringem anpassungsbedarf führen würde (was ein Blick in die Vergangenheit auch bestätigte). Erstmal einen Antrag stellen und sehen ob und zu welchen Bedingungen mich die Hanse-Merkur denn aufnehmen würde. (…)“

Hier gibt es gleich mehrere spannende Punkte, besonders solche, welche ich aus Sicht der Beratung, der Haftung und des Strafrechts durchaus für bemerkenswert halte, aber ich bin ja nur juristischer Laie.

In dem „unverbindlichen Gespräch“ werden dann Erläuterungen gegeben, siehe Stellungnahme des Betroffenen, in dem der alte Tarif möglichst schlecht dargestellt wird, die Beiträge explodieren werden und unbedingt ein Wechsel in einen neuen Tarif und eine neue Gesellschaft erfolgen muss. Auch nach 15 Jahren Vorversicherungszeit, mit neuem Eintrittsalter und neuen Fristen.

3.) Wir können ja einmal anfragen – ganz ohne Risiko

Jetzt folgt ein Antrag. Denn schließlich muss man erst einmal wissen wie denn der neue Versicherer, welches in allen Fällen die Hanse Merkur war, denn überhaupt reagieren würde. Dazu wird der Antrag vollständig ausgefüllt und muss vom Kunden unterschrieben werden. „Sie wissen ja, wegen Datenschutz und so“.

Weigert sich der Kunde seine Bankdaten anzugeben, weil es ja aus seiner Sicht nur eine Anfrage ist, so gibt der „Makler“ den Antrag mit dem Hinweis an die Hanse Merkur, der Kunde würde als Selbstzahler überweisen.

Hier war der Berater aber besonders kreativ, denn auch zu den Gesundheitsfragen hatte man da durchaus eine interessante Auffassung. Denn:

Außer meinem Heuschnupfen bräuchte ich die in Vorsorge-Untersuchungen diagnostizierten Vorerkrankungen, welche aber nicht einer Therapie bedurften und mittelfristig wahrscheinlich auch nicht bedürfen werden, nicht anzugeben. Sollte nach größer 3 Jahren dann doch eine Behandlung erforderlich werden, wären frühere Befunde oder die ‚Nichtangabe‘ einer Vorerkrankung ohnehin belanglos.

Das es eine Reglung gibt, wobei alle Diagnosen nicht abgabepflichtig sind, welche nicht behandelt werden ist mir neu, aber wahrscheinlich habe ich in fast 22 Jahren Beratung solches einfach nur nicht mitbekommen.

Die Probleme mit der vorvertraglichen Anzeigepflicht lesen Sie gern HIER nach.

Wenn aus einer „wir schauen mal“ Anfrage ein rechtsverbindlicher Antrag wird

4.) Wenn der Versicherungsschein nicht kommt und dennoch Fristen laufen

Nomalerweise hat sich der Gesetzgeber dabei etwas gedacht. Der Versicherer muss Sie ausdrücklich und drucktechnisch hervorgehoben, auf Ihr Widerspruchsrecht hinweisen. Das passiert in dem Versicherungsschein und sieht in etwas so aus:

Das ist auch gut so. Denn wer den Antrag als unverbindliche Anfrage gesehen hat und sich nun nicht mehr sicher ist, der wird mit der Nase darauf gestoßen- es wurde ein Vertrag und Sie müssen reagieren.

Ein Antrag ist ein Antrag und wird zu einem Vertrag – so schützen Sie sich vor falschen Beratern

Für diese speziellen Berater scheinen zudem eigene gesetzliche Regeln zu gelten. Während alle ein einheitliches Widerrufsrecht haben, gibt es am Main ein anderes. Hier kann man- dummerweise kann man es nicht schriftlich bekommen- ein spezielles Recht was nur nirgendwo steht.

„Da ich in den nächsten Wochen wenig zuhause sein werde, fragte ich, wie lange ich einen Wechsel zum 01.01.19 noch widerrufen könne, da ich das auch wegen des Verfalls meiner bisherigen Altersrückstellungen noch einmal in Ruhe betrachten möchte. Ich erhielt die Information, dass der neue Vertrag und die Kündigung meines aktuellen Vertrags noch bis notfalls 31.12.18 rückabgewickelt werden könnten.

Auf Nachfrage bei ____ sagte man mir, dass das für den direkt über mich auszuübenden Widerspruch gelten würde, sie als Makler für mich das aber noch bis Ende des Jahres alles folgenlos rückgängig machen können. Schriftlich können man mir das aber leider nicht bestätigen. Das sei so in der Branche…

4.) Maklervollmacht hebelt Kundenrechte aus

Nun hat dummerweise der Berater den Kunden immer gesagt „wir brauchen eine Vollmacht“. Das ist ÜBLICH und NORMAL und wird auch von mir so gehandhabt, denn sonst dürfte der Versicherer keinerlei Korrespondenz mit mir führen und ich würde über den Vertrag nichts wissen und auch nicht reagieren können. Bei einer unverbindlichen Anfrage bedarf es dieser aber nicht.

Hier reicht ggf. eine Datenschutzerklärung und eine Auskunftsvollmacht. Der große Knackpunkt und die Gefahr ist die so genannte Postempfangsvollmacht. Hiermit erlauben Sie dem Versicherer Fristsachen an den Makler zuzustellen. Versäumt dieser es, diese an Sie weiterzuleiten oder „vergisst“ er es einfach, so ist die Widerrufsfrist vorbei, obwohl Sie keinerlei Kenntnis von einem bestehenden Vertrag oder dem Versicherungsschein haben.

Liegt dem Versicherer nun eine solche Vollmacht vor, so muss er Sie gar nicht anschreiben. Das ist vergleichbar mit einem Anwalt und der Post des Gerichts. Das Gericht stellt rechtswirksam an den Anwalt zu. Versäumt der etwas, so müssen Sie es auch gegen sich gelten lassen.

Daher:

Viele Kollegen machen es gut, richtig und ehrlich und dann ist eine solche Vollmacht für die täglichen Geschäfte, Absprachen und Änderungen richtig und wichtig und erleichtert allen die Arbeit.

Will jemand aber die Situation ausnutzen, so können Sie Fristen versäumen, von denen Sie aber rein gar nichts wissen und wissen können. Schließlich haben Sie Ihre „Rechte“ mit der Vollmacht auf einen Dritten übertragen. Dieses bestätigt auch die Hanse, nachdem ein anderer Kunde widerrufen wollte, weil er den Versicherungsschein gar nicht kannte und immer noch glaubte er habe nur eine unverbindliche Anfrage gestellt.

Für eine unverbindliche Prüfung braucht es keinen Antrag

Wer also nur einmal „prüfen lassen will“, ob er überhaupt versicherbar ist, der braucht keineswegs einen kompletten Antrag und sollte den auch nicht stellen. Es macht absolut null Sinn (es sei denn man führt etwas im Schilde) den Antrag komplett auszufüllen, alle Angaben zur Person, Bankverbindung und Gesundheit zu machen und alles zu unterschreiben.

Wenn „ANTRAG“ drüber steht, dann ist es auch so einer.

Sollte der Berater meinen es geht nur so, schreiben Sie DICK UND LESBAR oben drauf „Probeantrag“, „unverbindliche Anfrage“ oder dergleichen. Nur dann laufen Sie nicht Gefahr einen Vertrag zu schließen, den Sie nie wollten.

Wer ist nun schuld, an wen kann ich mich wenden?

Zuerst einmal überlegen Sie gut mit wem Sie was machen und lesen Sie genau was Sie unterschreiben. Auch sollten Sie hinterfragen warum da eben „Antrag“ steht, wenn es nur eine Vorprüfung, Testen der Versicherbarkeit oder eine Voranfrage werden soll.

Maklervollmachten sind wichtig und richtig, aber bergen nicht unerhebliche Gefahren.

Haben Sie nun zwei Verträge, weil der Makler den alten nicht gekündigt hatte und der neue nun auch abbucht, wie in einem anderen Fall von heute, dann reagieren Sie! Schnell!

Natürlich haben Sie ggf. einen Schadenersatzanspruch gegen den Berater oder seine Firma. Dazu lassen Sie sich bitte juristisch beraten. Einen Anspruch durchzusetzen ist aber weitaus komplexer und schwieriger und manche Rechte (alte Rückstellungen, Eintrittsalter, Gesundheitszustand, mehr Leistungen im Altvertrag) bringt es Ihnen auch nicht mehr zurück, es entschädigt Sie vielleicht finanziell. (wenn Sie denn den Prozess durchhalten und gewinnen).

Kann ich die Maklervollmacht kündigen?

Ja klar. Eine Maklervollmacht ist kündbar, jederzeit. Das sollten Sie dann auch tun und bitte nicht nur gegenüber dem Makler, sondern auch gegenüber dem Versicherer. Denn nur wenn dieser auch Bescheid weiß, wird es wirksam. Es könnte ja sein, der Berater „vergisst die Weiterleitung der Kündigung“. 🙂

Auch sollten Sie einmal nach den Unterlagen fragen, also beim Versicherer was er alles hat (er muss auch die Maklervollmacht haben, sonst kann er ja nicht an den Makler zustellen. Macht er das dennoch, so wäre es zumindest fragwürdig.

Auch können Sie natürlich eine Selbstauskunft nach DSGVO verlangen. Ich würde durchaus beides tun. Schreiben an Makler mit Kündigung Maklervertrag, Entzug Vollmacht und Auskunft nach DSGVO. Ebenso ein Schreiben an die Hanse Merkur mit gleichem Inhalt und Frist zur Bestätigung.

Zum Beispiel könnte es so aussehen, wie es einer der Frageneden hier gemacht hatte. (Quelle zur DSGVO Auskunft: aboalarm.de)

„Hanse Merkur Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit
Siegfried-Wedells-Platz 1
20354 Hamburg

Fax: 040 4119-3257

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu der Vers. Nr. ____________ liegt mir bisher der Versicherungsschein noch nicht vor.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen aber mit, dass ich sämtliche, gegenüber der Firma _____ erteilte Vollmachten hiermit widerrufe und bitte um schriftliche Bestätigung. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen ____ Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

  1. Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
  2. Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
  3. Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
  4. Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.

Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

______

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Und dem Makler schrieb er folgendes:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich die bestehende Maklervollmacht und den geschlossenen Maklerauftrag ab sofort fristlos. Ich bitte um schriftliche Bestätigung binnen der kommenden 5 Tage nach Zugang dieses Schreibens/ Fax.

Sämtliche weitere Korrespondenz in meinem Namen mit Versicherern, Ärzten oder anderen Beteiligten untersage ich Ihnen.

Ebenso senden sie mir bitte nach DSGVO eine Auskunft aller gespeicherten Daten über mich und meinen Vertrag. Die Kopie aller Unterlagen und auch eine Kopie des Antrags und der Beratungsdokumentation senden Sie bitte binnen der kommenden 7 Tage an meine Ihnen bekannte Anschrift.

Eine telefonische Kontaktaufnehme untersage ich hiermit ebenfalls vollständig.

Mit freundlichen Grüßen“

Sie sehen, es ist doch einiges an Arbeit und alles nur, weil einem Berater, oder zweien ohne weiteres Hinterfragen geglaubt wurde. Aber… SIE MÜSSEN handeln, oder leider mit den Konsequenzen leben.

und hier noch etwas zum Thema…

Die Herren vom Main laufen immer noch in die falsche Richtung – es ist eine Schande für die Branche, leider!

27.
Juni '18

Die Herren vom Main laufen immer noch in die falsche Richtung – es ist eine Schande für die Branche, leider!


[Lesezeit ca. 12 Minuten]

Es gibt so Tage, da kann ich gar nicht soviel essen, wie ich k…. könnte. Nein, es hat niemand meinen Account gekapert, auch schreibt niemand unter meinem Namen. Ich habe heute einfach gestrichen die Nase voll und kann mich nur schwer zurückhalten. Daher werde ich diesen Beitrag wohl auch morgen nochmals gegenlesen, dann sicher einige Passagen sprachlich entschärfen und dann online stellen. Warum? Weil mir heute wieder einmal vor Augen geführt wurde, wie verlogen und hinterlistig einige „Kollegen“ sind. Ich traue mich gar nicht diese als Kollegen zu bezeichnen, denn solche sind es nicht. Es gibt eine Reihe von guten Maklern, gute Versicherungsvertreter und Vermögensberater und es geht mir heute keinesfalls um ein Bashing, weder gegen einzelner Berufsstände, geschweige denn einzelner Berater. Aber eine Firma, welche ebenfalls in der Branche tätig ist ihr Unwesen treibt, schafft es immer und immer wieder den Vogel erneut abzuschießen.

Die Vorgeschichte

Erster Akt

Es gab schon vor ca. 18 Monaten einen Beitrag, einen der hinterlistige Berater beschrieb, solche die man niemals auf Kunden loslassen sollte. Hier können Sie die Geschichte vollständig nachlesen und sich selbst ein Bild machen. Nicht nur dieser Fall beschäftigt Juristen.

Zweiter Akt

Dann, knapp ein Jahr nach dem Erscheinen der Geschichte hat wohl der Geschäftsführer des Unternehmens einmal selbst nach seinem Unternehmen gegoogelt oder er wurde darauf angesprochen und schrieb mir daraufhin eine E-Mail. Tenor der Mail:

  • – ich verbreite falsche Tatsachen über sein Unternehmen
  • – es war alles ganz anders und der Kunde hat mich belogen
  • – es verletzt das Persönlichkeitsrecht seines Unternehmens und ich müsse ihm Schadenersatz zahlen

Nachdem ich dann freundlich mit einigen Fakten geantwortet hatte, schrieb er mir, der Fall gehe nun an den Anwalt. Dann teilte er mir aber vorher noch mit: „Wir arbeiten mit vielen Untervermittlern zusammen und haben ca. 1.000 Neukunden pro Jahr. Da kann ich nicht garantieren, dass alle Kunden zufrieden sind, ich kann nur garantieren, dass ich jedem Fall persönlich nachgehe.“

Soweit, so richtig. Klar kann ein Geschäftsführer nicht jeden einzelnen Schritt seiner Mitarbeiter überwachen und keinesfalls sitzt er bei einer Beratung dabei. Dennoch, ein Unternehmen muss eben sicherstellen und solange optimieren, bis sich solche Fälle lösen und nicht zur Normalität verkommen. Daran bestand aber wohl wenig Interesse, denn es ist ja einfacher einem, der etwas negatives schreibt, zu drohen und „Anwälte auf den Hals zu schicken“. Dann braucht man die eigenen Prozesse ja nicht überdenken und bearbeiten.

Was mich hier nur wundert? All diese angeblich falschen Behauptungen sind belegt. Teilweise mit eidesstattlichen Aussagen, teilweise mit Schriftstücken, nachweisbar und nachvollziehbar.

Dritter Akt

Weitere Kunden melden sich. Sie haben im Blog gelesen und ebenfalls Probleme mit dem Unternehmen. Auch hier seien Gesundheitsfragen verharmlost worden „Thrombose? Brauchen Sie nicht angeben, war ja nur im Unterschenkel.“ und führen nun zu großen Problemen. Der Versicherer wittert Betrug, beginnt mit einer Prüfung der Anzeigepflicht und der Kunde ist sich nunmehr sicher: „das war so alles nicht richtig, aber wir haben dem Berater geglaubt.“. Diesmal war es nicht einfach nur „irgendein Untervermittler“, mehr kann ich aber aufgrund eines möglicherweise anstehenden Prozesses des Kunden noch nicht dazu schreiben.

Doch das sollte nicht der einzige „Folgefall“ bleiben, dazu aber nachher mehr.

Vierter Akt

Der Anwalt wurde dann beauftragt und schrieb mir einen Brief. Das war dann wohl irgendwann im März. Ohne dass ich auch nur einmal irgendwo den Namen des Kunden erwähnt hatte, stand im Anwaltsschreiben nun ein Kundenname. Interessant, wo man doch gar nichts gemacht haben will und der Kunde hier natürlich auch schuld sein soll. Wie viele solcher Fälle man wohl dazu hat? Ich zumindest habe weder gesagt noch bestritten, dass es sich um den nun zitierten Fall handelt.

Dennoch hat man eine Geschichte aufgeschrieben und ist weiter der Meinung, alles falsch, alles gelogen, der Berater hat alles richtig gemacht und der Kunde erzählt hier die Unwahrheit. Das kann und darf ich natürlich nicht schreiben. Komisch, denn auch Kollegen kennen solche Fälle und prozessieren teilweise schon

Zum Glück leben wir in einem Land, wo die Pressefreiheit groß geschrieben wird, wo durchaus auch unangenehme Wahrheiten geschrieben werden dürfen. Daher habe ich versucht, in knapp vier DIN A4 Seiten die Sache etwas genauer zu erklären. Vielleicht hat ja der Mandant bei der Beauftragung seines Anwaltes auch nicht an alle Tatsachen gedacht oder der Berater hat ihm einfach auch nicht alle Tatsachen erzählt? Kann ja sein, wer weiß das schon.

Seitdem passierte nichts. Entweder wurden weitere Auskünfte nachgeliefert und das Bild hat sich nun doch verändert, oder aber die Gerichte haben einfach viel zu tun und warten mit der Zustellung der Klageschrift an mich noch ab, wer weiß. Vielleicht werden wir es noch erleben, vielleicht kommt auch zu dem alten Fall nichts mehr. Macht auch nichts, wir haben nun einen neuen, mal wieder.

Ein neuer Fall

Eines möchte ich vorab loswerden. Hier ist das Kind noch nicht ganz in den Brunnen gefallen und daher ist es durchaus noch zu retten. Was nicht bedeutet, dass damit der Fall abgetan oder erledigt ist. Lediglich finanziell oder auch vom Vertragszustand ist es noch nicht unlösbar. Nachdem ich also heute einen „Gespräch“ über den Live Chat hatte und anschließend ein langes Telefonat führte, hier einmal etwas mehr Details zur der Geschickte.

Da arbeitet jemand in einem kleinen Unternehmen. Nicht viele Mitarbeiter. Ein ausländischer Geschäftsführer, ein Prokurist und eben einige Mitarbeiter sind dort beschäftigt, einer von ihnen sollte seit kurzem in der Situation sein, sich selbst für die gesetzliche oder private Krankenversicherung zu entscheiden, kurzum, er verdient seit einigen Monaten genug und ist nun freiwillig versichert. (weitere Details zu der freiwilligen Versicherung hier)

Während er nun eher zufällig ans Telefon in der Firmenzentrale geht, meldet sich ein Anrufer und fragt nach dem Geschäftsführer. Eher geheimnisvoll, denn genau sagen worum es geht wolle er nicht. Nachdem an einem der folgenden Tage der Anruf erneut kommt, rückt man damit raus. Man suche den Geschäftsführer oder Prokuristen, etwas Wichtiges wolle man besprechen. Nach weiteren Nachfragen endlich einige Details. Kurzum, der Angerufene erwähnt nun, wenn sich hier einer privat versichern könne, dann er. Schon „hörte man das Blitzen in den Augen“ und es ging los. Ob er sich das dann nicht einmal anhören wolle. Unverbindlich und natürlich kostenlos.

So kommt es zu einem Beratungsgespräch und der Berater stellt dem Interessenten das Thema PKV und den Wechsel dorthin vor. Die Herren kamen gleich zu zweit, einer allein kann auch schlecht so dämlich sein. Die Beratung dauerte, inklusive des Antrages, aller weiteren Unterlagen und allem „Drum und Dran“ knapp 1-1,5 Std., erinnert sich der Interessent heute. [wie lange eine Beratung normalerweise dauert, das habe ich hier einmal erklärt]

Nachdem einige Fragen besprochen sind, muss natürlich erst einmal geklärt werden, ob er sich denn versichern wolle. Auch aber, ob er überhaupt versicherbar ist und die Gesellschaft ihn nehmen würde. Daher muss man einmal eine Anfrage machen, ganz unverbindlich und kostenlos.

Kopien von Vorschlägen, Unterlagen oder gar Bedingungen gibt es keine, wollte man per Mail senden, hat man aber nicht.

Unterschreiben muss der Kunde diese ja auch noch, nebst Vollmacht und vorsorglicher Kündigung der gesetzlichen Krankenkasse. Letztgenanntes ist übrigens gar nicht verkehrt, wenn der erste Wille besteht zu wechseln, da die „Kündigung der GKV völlig risikolos möglich ist“ [hier weitere Hintergrundinformationen zur GKV Kündigung nachlesen]. Also werden diverse Unterlagen ausgefüllt und unterschrieben. Kopien hat der Kunden sonderbarerweise nicht bekommen. Warum auch. Auch hat dieser dieses nicht weiter hinterfragt, wollte er doch nie einen richtigen Antrag stellen, sondern nur einmal unverbindlich prüfen lassen, ob er möglicherweise überhaupt versicherbar ist. Warum aber hier eine anonyme Anfrage sinnvoller wäre? [hier weitere Details nachlesen]

So ging man dann auch auseinander und verabredete sich für weiteren Kontakt, wenn man neue Erkenntnisse habe. Der Interessent war soweit zufrieden, hat ja nun alle Zeit der Welt. Auch waren Tarife noch nicht entschieden, weder Details zum Vertrag noch zur Gesellschaft. Daher machte sich der möglicherweise bald privat versicherte Kunde auch keine Gedanken, wollte sich auch noch anderweitig informieren und beraten lassen.

Doch die Verwunderung geht dann einige Zeit später los. Der Berater sendet ihm per Mail irgendwann ohne weitere Informationen eine Kopie einer Police. Dabei ist noch nicht klar, warum der Vermittler diese bekommen hat, der Versicherer hat dem Kunden die Police nicht zugeschickt, bis heute nicht. Spätestens dann wäre dem Kunden ja aufgefallen, dass hier etwas nicht zu stimmen scheint. Also informiert der Interessent seinen Berater über den Fehler und lässt ihn wissen: „So war das nicht abgesprochen, ich sollte nur eine Anfrage machen, nichts abschließen.“ Aber der Vermittler beruhigt. „Alles gut, machen Sie sich keine Sorgen, wir mussten ja erst einmal testen ob Sie versicherbar sind.“

Die GKV bestätigt eine Kündigung

Doch dann, dann wird es kurios. Obwohl der Vermittler wusste was die korrekte Willenserklärung des Kunden war, nämlich unverbindlich anzufragen und auch der Kunde ihm nochmals deutlich per Telefon genau das mitteilte, ist die so genannte Folgeversicherungsbescheinigung wohl zur GKV geschickt worden. Das kann unmöglich der grüne Versicherer aus dem Norden der Republik getan haben, denn Versicherer versenden an die gesetzlichen Krankenkassen keinerlei Folgeversicherungsbescheinigungen. Dafür ist der Kunde verantwortlich und muss sich hier darum kümmern.

Dennoch hat die Krankenkasse nun aktuell die Beendigung der Mitgliedschaft final bestätigt. Zum Glück, denn erst durch dieses Schreiben ist der Kunde auf den Schwindel aufmerksam geworden, hat Google bemüht und landete am Ende hier um mir von dem Fall zu erzählen.

Fragen über Fragen

Warum hat aber der Berater hier erneut gegen den Willen des Kunden gehandelt?

Warum werden hier, auch wenn der Kunde keinen Vertrag wollte und keinen Antrag stellen wollte, Unterlagen falsch weitergebenen? Warum wird aus einer „unverbindlichen Anfrage“ ein rechtsverbindlicher Antrag den der Versicherer mit einer Police beantwortet?

Nun, das ist nur mit Zufällen bei einem Vermittler zu erklären. Nur der hatte die Daten des Kunden, nur der kann die Annahmeerklärung/ Bescheinigung der Folgeversicherung bekommen und an die gesetzliche Kasse weitergeleitet haben. Sicher ist das hausintern und ausversehen passiert, anders kann ich mir das nicht erklären.

Auch stellt sich nicht erst seit dem 25. Mai 2018 die Frage, wie hier mit Daten und Informationen des Kunden umgegangen wird.

Mit welcher Berechtigung und aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage verschickt der Berater hier Daten und Unterlagen an die gesetzliche Kasse?

Wo ist die Kopie des Antrages geblieben und was hat der Interessent vielleicht noch alles unterschrieben, ohne es genau gelesen oder geschweige denn eine Kopie bekommen zu haben?

Jetzt muss eine Lösung her. Irgendwie muss der Kunde ja zu seinem Recht kommen und es muss doch möglich sein, dass sich Berater an das halten was Ihnen gesagt wird.

Die Lösung

Zunächst einmal steht es mir als Blogger und auch uns als Makler nicht zu, rechtlichen Rat zu geben. Dennoch werde ich versuchen, hier einige Erläuterungen zu liefern und die gesetzlichen Grundlagen darzustellen, auch ohne konkret im Einzelfall zu beraten.

Vertragserklärung und Widerrufsrecht

Der Gesetzgeber hat, zuletzt mit der Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes vor einigen Jahren, klare Grundlagen geschaffen. Demnach muss der Versicherer den Antragsteller auf seine Rechte hinweisen, ihm alle vertragsrelevanten Unterlagen zusenden und dann über sein Widerrufsrecht informieren. Um also bei unserem Beispiel zu bleiben, der Kunde muss von der Hanse den Versicherungsschein bekommen, (mehr …)