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08.
September '20

Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021 durch steigende Jahresarbeitentgeltgrenze


Auch in 2021 heißt es für einige Angestellte wieder zittern, für andere erfüllt sich ein Wunsch der Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse durch die eintretende Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021. Welche Gruppe von Angestellten genau davon betroffen sind und was Sie tun können, das habe ich in diesem Beitrag einmal zusammengefasst.

Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021

Warum unterliegen nun einige Angestellte der Versicherungspflicht?

Grund für die eintretende Versicherungspflicht ab dem 01. 01. 2021 ist der Anstieg der Jahresarbeitentgeltgrenze im Jahr 2021. Diese ist bereits bekannt, auch wenn die Werte bis zur Bestätigung durch den Bundesrat noch vorläufig sind. In den letzten Jahren, gar Jahrzehnten, gab es den Fall der Ablehnung durch den Bundesrat nicht.

Die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) wird auch die Versicherungspflichtgrenze genannt und beschreibt den Wert des Jahreseinkommens, der zur Beurteilung einer Versicherungspflicht für Angestellte maßgeblich ist. Hierbei sollten Sie zudem berücksichtigen, welche –> Einkünfte zur Jahresarbeitentgeltgrenze hinzugerechnet werden.

Ab dem 01. Januar 2021 gilt für Angestellte eine neue Versicherungspflichtgrenze von 64.350 € womit diese im Vergleich zum Vorjahr 2021 erneut um 1.800 € steigt.

Schema - werden Sie am 01. 01. 2021 versicherungspflichtig als Angestellte(r)

Angestellt und ein Einkommen zwischen 62.550 € und 64.350 € brutto pro Jahr?

Dann besteht für Sie Handlungsbedarf. Unterschreiten Sie mit Ihrem Einkommen die neue JAEG und liegen damit ab dem 01. Januar 2021 (als Grundlage dient das Einkommen 2021) unter der neuen Grenze, dann werden Sie zunächst einmal versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse und müssen die private Krankenversicherung verlassen.

Falls Sie zurück in die gesetzliche Krankenkasse möchten

Eine wichtige Voraussetzung ist das Alter. Sollten Sie noch nicht 55 Jahre alt sein:

Sollte der Wechsel in die GKV gewünscht sein, so brauchen Sie erst einmal nichts unternehmen. Der Arbeitgeber informiert Sie meist nochmals und meldet Sie dann zum 01.01.2021 wieder als Pflichtmitglied an. Sie können sich dann selbst eine Krankenkasse auswählen.

Zum Eintritt der Versicherungspflicht kann die private Krankenversicherung außerordentlich gekündigt werden. Hierzu benötigen Sie den Nachweis der GKV Mitgliedschaft. Diese stellt eine sogenannte „Folgeversicherungsbescheinigung“ aus, denn nur wer die Erfüllung der Versicherungspflicht nachweist, nur dessen PKV kann auch beendet werden. Achten Sie aber hier auf Möglichkeiten einer Umwandlung in eine Anwartschaft, die Nutzung von Zusatzversicherungen und den (teilweise) Erhalt von Altersrückstellungen und lassen sich daher hier beraten.

Haben Sie das 55. Lebensjahr bereits erreicht, dann passiert das nicht wie eben beschrieben. Hier tritt dann KEINE Versicherungspflicht automatisch ein. Ein (so einfaches) Zugangsrecht in die gesetzliche Krankenkasse gibt es hier so nicht mehr. Auch hier kann noch eine Rückkehr möglich sein, dazu wenden Sie sich aber an Spezialisten, die Ihnen hier behilflich sind. Dort sind Fragen wie der bisherige Versicherungsverlauf und die Familiensituation genauer zu prüfen.

Die Suche nach der passenden Krankenkasse ist manchmal nicht ganz einfach. Keineswegs sind „alle gleich und es ist egal“. Einen Überblick über Kassen, Beiträge und Varianten finden Sie in unserem:

–> Interaktiven Vergleichsrechner für die Gesetzlichen Krankenkassen

Hier können Sie ganz in Ruhe vergleichen und die passende Kasse direkt beantragen und Ihrem Arbeitgeber mitteilen. Bitte beachten Sie noch zusätzlich: Die Auswahl der Kasse ist dann für 18 Monate bindend und kann nicht geändert werden. Beachten Sie bitte auch die Hinweise zu laufenden Behandlungen am Ende des Beitrages.

Falls Sie in der privaten Krankenversicherung bleiben möchten

Hier gibt es einiges zu beachten. In einem anderen Artikel habe ich bereits in der Vergangenheit beschrieben, was bei Eintritt der Versicherungspflicht passiert. Für das Jahr 2021 gilt dieses analog.

Versicherungspflicht durch Erhöhung der Jahresarbeitentgeltgrenze, Befreiungsmöglichkeit und Fakten

Werden Sie nur versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse, weil die Grenze vom Gesetzgeber angehoben wurde, dann können Sie sich befreien lassen. Werden sie allerdings versicherungspflichtig weil ihr Einkommen sinkt, dann gibt es diese Befreiungsmöglichkeit nicht.

Zur Vereinfachung habe ich auch in diesem Jahr wieder eine aktuelle Übersicht kostenlos zum Download bereitgestellt. Hier können Sie einfach Schritt für Schritt für sich prüfen und kommen am Ende zur Antwort, ob Sie ab 2021 versicherungspflichtig werden.

Schema - werden Sie am 01. 01. 2021 versicherungspflichtig als Angestellte(r)

Wie funktioniert die Befreiung?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass sie aktiv tätig werden müssen. Dabei gelten Fristen, die sich nicht verlängern lassen und bei überschreiten eine Befreiung unmöglich machen. Daher beschäftigen Sie sich bitte rechtzeitig mit dem Thema. In meinem oben verlinkten Beitrag (hier nochmals der Link) habe ich Ihnen detailliert beschrieben, was sie wann tun müssen.

Werde ich dann nie wieder versicherungspflichtig und ist das nicht ein Risiko?

Die Befreiung von der Versicherungspflicht gilt für diesen Grund unwiderruflich und dauerhaft. Das bedeutet, bei der nächsten Anhebung der Jahres Arbeitsentgeltgrenze im Jahr 2022 tritt nicht wieder Versicherungspflicht bei Ihnen ein. Für diesen Grund (Erhöhung der Grenze durch den Gesetzgeber) kann also auch in zukünftigen Jahren nicht in die gesetzliche Krankenkasse zurück gewechselt werden.

ABER: auch hier bedarf es des genaueren Blickes eines Spezialisten. Denn Unterbrechungen, eine neue Pflicht durch zum Beispiel einen neuen Job oder dergleichen verändern die Situation hier ggf. auch noch. Bleiben Sie aber in dem gleichen Arbeitsverhältnis und wird kommendes Jahr die Grenze erneut erhöht, löst genau das keine Pflicht aus.

ACHTUNG! Alle anderen Gründe bei denen Versicherungspflicht eintreten kann und wird (zum Beispiel Arbeitslosigkeit, eine neue Tätigkeit mit einem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze oder andere Gründe) führen auch weiterhin zur Versicherungspflicht und zurückkehren in die gesetzliche Krankenkasse.

Was passiert mit mitversicherten Kindern durch meine Versicherungspflicht?

Über die Frage wo die Kinder zu versichern sind, habe ich bereits in diversen Beiträgen geschrieben. Nun kann es durch die eintretende Versicherungspflicht des zweiten Elternteils zu der Situation kommen, dass plötzlich wieder beide in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Damit haben auch die Kinder wieder einen Anspruch auf kostenfreie Familienversicherung.

Dennoch möchten einige Eltern ihre Kinder auch weiterhin in der privaten Krankenversicherung versichert lassen. Das geht auch, jedoch gibt es dann keinen entsprechenden Arbeitgeberzuschuss mehr. Wer seine Kinder (aufgrund laufender Behandlungen, bessere Leistungen oder sonstigen Gründen) weiterhin in der privaten Krankenversicherung lassen möchte, der sollte bei der Kündigung der eigenen privaten Krankenversicherung darauf aufpassen, nur seinen Anteil zu kündigen.

Die private Versicherung kann (auch wenn das einige gern behaupten) die Kinder nicht von selbst kündigen, und sie auch nicht dazu zwingen die Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Beachten Sie aber, es gibt hier Obliegenheitspflichten die Sie zu einer Information der PKV über die neue Situation verpflichten. Auch hier bedarf es Beratung um nicht in die Falle zu tappen.

Sie dürfen natürlich Leistungen nur einmal in Anspruch nehmen und müssen sich vor Behandlungsbeginn zwingend entscheiden welches System sie nutzen möchten. Haben Sie das getan, so spricht auch nichts gegen eine parallele Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (als kostenfreie Familienversicherung) und in der privaten Krankenversicherung (mit verbesserten Leistungen).

Gerade bei begonnen der Kieferorthopädie oder sonstigen größeren Behandlungen der Kinder, kann dieses eine durchaus sinnvolle und denkbare Option sein.

Was passiert mit bereits begonnenen und / oder laufenden Behandlungen

Vorsicht ist bei laufenden Behandlungen geboten. Für Behandlungen die bis zum Jahresende nicht beendet worden sind, endet trotzdem die Leistungspflicht der privaten Krankenversicherung. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass eine Behandlung die am 31. Dezember mittags beginnt und noch in das neue Jahr hinein dauern wird, teilweise in dem einen und teilweise in dem anderen System abgerechnet wird.

Daher ist es wichtig und richtig sich vorher über den Versicherungsschutz ab dem 1. Januar Gedanken zu machen, und sich auch vorher um die entsprechende gesetzliche Krankenkasse zu kümmern. Während das bei kleineren ambulanten Behandlungen sicherlich eher unkompliziert ist, bedeutet dass bei einem andauernden stationären Aufenthalt ein finanzielles Risiko.

Bei verordneten Medikamenten gilt in jedem Falle das Bezugsdatum. Das bedeutet, holen Sie das Medikament noch im Jahr 2020 ab, fällt es in den Versicherungsschutz für dieses Jahr. Bekommen Sie aber nur das Rezept und holen es erst im Januar ab, dann muss es von der privaten Krankenversicherung (die zum Jahresende beendet wurde) nicht mehr erstattet werden.

Weitere Informationen dazu auch im Beitrag „Rechnungs- und/ oder Behandlungsdatum“.

Entwicklung der Jahresarbeitentgeltgrenze und der Beitragsbemessungsgrenze

Zum Abschluss sehen Sie in der folgenden Grafik noch die Entwicklung der entsprechenden Grenzen. Dabei finden Sie sowohl die Jahres Arbeitsentgeltgrenze, aber auch die Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung. Hier lässt sich in den letzten Jahren sehr deutlich ein regelmäßiger Anstieg erkennen.

Bereits seit dem Jahr 2011 ist die Grenze nicht mehr gesunken oder gleich geblieben, sondern steigt in jedem Jahr kontinuierlich an. Das bedeutet auf der anderen Seite auch eine jährliche Erhöhung der zu zahlenden Höchstbeiträge in der gesetzlichen Krankenkasse, für die Privatversicherten hingegen auch eine Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses.

 

Entwicklung der JAEG, Jahresarbeitentgeltgrenze auch Versicherungspflichtgrenze und der Beitragsbemessungsgrenze BBG

11.
September '17

Neue Rechengrößen zur Sozialversicherung 2018 und neuer Arbeitgeberzuschuss 2018 – Sozialversicherungswerte im Überblick


Und jährlich grüßt das… Wie in den letzten Jahren auch, sind uns ab Anfang September die ersten Zahlen für die Sozialversicherungswerte für das nächste Jahr, also die Sozialversicherungsgrößen für das Jahr 2018 bekannt. Wie immer auch dieses Jahr der Hinweis, die Werte sind auf dem Papier noch vorläufige Zahlen, jedoch haben diese sich auch in den letzten Jahren gegenüber den finalen zahlen nicht verändert.

Für Arbeitnehmer und GKV Versicherte folgen daraus höhere Beiträge, für PKV Versicherte aber auch ein höherer Arbeitgeberzuschuss. Haufe veröffentlichte wie immer die neuen, noch vorläufigen Grenzen für die Sozialversicherung 2018. Später im Jahr, meist Ende November, folgt dann die finale Bestätigung durch die Bundesregierung. Daher finden Sie hier die neuen Zahlen, gültig ab 2018 und ebenfalls die neue Berechnung des Arbeitgeberzuschusses, des maximalen Beitrages zur Kranken- und Pflegeversicherung und mehr.

Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung 2018

Die bisherige Grenze betrug in 2017 monatlich 4.350 € oder richtigerweise jährlich 52.200 €. Ab dem 01. 01. 2018 sind in der Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge bis zur neuen Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4.425 €/ jährlich 53.100 € zu zahlen.

Beitragsbemessungsgrenze KV 2018:

53.100 € (2017: 52.200€), monatlich 4.425 €

Damit verändern sich zwangsläufig weitere Werte. Der Arbeitgeberzuschuss 2017 errechnet sich demnach wie folgt:

Für das Jahr 2018 ergibt sich somit folgende Berechnung:

14,6% GKV Beitrragssatz, davon trägt der Arbeitgeber 7,3%

+ ggf. einkommensabhängiger Zusatzbeitrag in der GKV (Infos hier)

7,3% x 4.425€ = 323,03 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2018 (bisher 317,55 €, + 5,48 €)

Damit bekommen Arbeitnehmer die in der privaten Krankenversicherung versichert sind, zukünftig monatlich 5,48 € mehr Zuschuss zu Ihrer Krankenversicherung, maximal jedoch 50% des Beitrages.

Der Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung berechnet sich wie folgt:

2,55% Pflegevers. Beitragssatz, davon tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je 1,275% (außer in Sachsen)

1,275% x 4.425 € = 56,42 € = AG Zuschuss zur Pflegepflichtversicherung 2018 (bisher 55,46 €, +0,96 €)

Auch für die private Pflegepflichtversicherung erhöht sich der Beitragszuschuss um 0,96 €.

Durch die veränderten Werte steigt zudem auch der Höchstbeitrag welcher für die gesetzliche Krankenkasse zu zahlen ist. Der bisherige Beitrag für Kranken- und Pflegeversicherung in der GKV 2017 lag bei maximal 756,90 € + Zusatzbeitrag der Krankenkasse und verändert sich nun wie folgt:

Krankenversicherung: 4.425 € * 14,6% = 646,05 € (bisher 635,10 €, + 10,95 € + Zusatzbeitrag für AN allein)

Pflegepflichtversicherung: 4.425 €* (2,55% + 0,25% (Kinderlose)) =  123,90 € (bisher 121,80 €, +2,10 €)

GESAMT sind in der Krankenversicherung dann 769,95 € (bisher 756,90 €, +13,05 €) pro Monat von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu entrichten, + Zusatzbeitrag den die Kasse prozentual (vom eigenen Einkommen) erhebt.

Davon zahlt der (kinderlose) Arbeitnehmer allein:

KV: 4.425 € * (7,3%) = 323,03 € (bisher 317,55 €, +5,48 €)

Pflege: 4.425 € * (1,275% + 0,25%)= 67,48 € (bisher 66,34 €, +1,14 €)

GESAMTANTEIL Arbeitnehmer in 2018: 390,51 €

(bisher 383,89 € + 6,62 €) zuzüglich des Zusatzbeitrag der GKV, einkommensabhängig wenn erhoben, Eine Übersicht der Zusatzbeiträge finden Sie hier)

Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze haben ab dem 1.1.2018 somit eine monatliche Mehrbelastung von mindestens 6,62 € zu zahlen, zuzüglich dem Zusatzbeitrag welchen die gesetzliche Kasse einkommensabhängig erheben kann.

Natürlich verändert sich auch die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) und steigt um 1.800 € und damit von bisher 57.600 € (in 2017) auf 59.400 € in 2018.

allgemeine Versicherungspflichtgrenze 2018: 59.400 € p.a. oder 4.950 € mtl. (brutto)

besondere Versicherungspflichtgrenze 2018: 53.100 € p.a. oder 4.425 €

Beitragsbemessungsgrenze KV 2018 ebenfalls bei 53.100 € p.a. oder 4.425 €

Liegt Ihr Jahreseinkommen zwischen 57.600 € p.a. und 59.400 €, so werden Sie dadurch voraussichtlich ab dem 1. Januar 2018 versicherungspflichtig in der GKV und müssen sich auf Antrag befreien lassen. Diese Befreiung gilt nur für den einen Grund (steigende Beitragsbemessungsgrenze) unwiderruflich, mehr Informationen in meinem Beitrag „Wie kann ich in der PKV bleiben

Die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung beträgt in 2018

West: 78.000 € oder 6.500 € monatlich (in 2017 76.200 € €, ein Plus von 1.800 €)

Ost: 69.600 € oder 5.800€ monatlich (in 2017 68.400 €, ein Plus von 1.200 €)

Vollständige Werte finden sich in meiner neuen Übersicht. Diese steht zur freien Verwendung (unverändert) jedermann zur Verfügung. Download als pdf und als Grafik 

05.
Januar '16

Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenkasse 2016, Veränderungen und Tipps was Sie tun können


Früher war alles besser… Ein Satz den man immer wieder hört. Früher, da war die paritätische Finanzierung in der GKV Pflicht. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilten sich den Beitrag gerecht auf, jede Erhöhung wirkte sich somit für beide Seiten aus. Das änderte sich, als der Arbeitgeberzuschuss in der GKV eingefroren wurde und der Arbeitgeber nunmehr nur noch 7,3% zur Krankenversicherung zahlt, dazu die Hälfte zur Pflege (ohne den Zusatzbeitrag für Kinderlose, denn dafür kann ja ein Arbeitgeber nun wenig).

Die genauen Zahlen zu den Sozialversicherungswerten 2016 und dem neuen Arbeitgeberzuschuss, dem Höchstbeitrag der GKV und dem Eigenanteil des Arbeitnehmers finden Sie in meiner –> Übersicht mit den Sozialversicherungswerten 2016.

Doch darum soll es hier gar nicht gehen, hier dreht sich alles um die Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenkasse, also dem Beitrag der ZUSÄTZLICH zu den 14,6% (8,3 jeweils AN und AG) anfällt und den die Kasse immer dann berechnen muss, wenn diese mit dem Geld welches zur Verfügung steht, nicht auskommt. Eine Kasse scheint es dennoch zu schaffen, denn die Metzinger BKK berechnete im Jahr 2015 keinen Zusatzbeitrag und behält dieses auch in 2016 nach derzeitigem Stand so bei.

(1) Soweit der Finanzbedarf einer Krankenkasse durch die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht gedeckt ist, hat sie in ihrer Satzung zu bestimmen, dass von ihren Mitgliedern ein einkommensabhängiger Zusatzbeitrag erhoben wird. Die Krankenkassen haben den einkommensabhängigen Zusatzbeitrag als Prozentsatz der beitragspflichtigen Einnahmen jedes Mitglieds zu erheben (kassenindividueller Zusatzbeitragssatz). Der Zusatzbeitragssatz ist so zu bemessen, dass die Einnahmen aus dem Zusatzbeitrag zusammen mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds und den sonstigen Einnahmen die im Haushaltsjahr voraussichtlich zu leistenden Ausgaben und die vorgeschriebene Höhe der Rücklage decken; dabei ist die Höhe der voraussichtlichen beitragspflichtigen Einnahmen aller Krankenkassen nach § 220 Absatz 2 Satz 2 je Mitglied zugrunde zu legen.

Während im Jahr 2015 der Spitzenreiter in der GKV noch bei 1,2% lag, hat sich das im Jahre 2016 schnell geändert und trifft keineswegs nur die „kleinen“ Betriebskrankenkassen. Die Viactiv BKK (entstanden aus der BKK Vor Ort) ist mit 1,7% absoluter Spitzenreiter bei den Beiträgen und berechnet nun einen Gesamtbeitrag von 16,3% (zzgl. Pflege von max. 2,6%, und somit fast 19% vom Gesamteinkommen). Aber auch die „Große“ in der GKV Welt, die Deutsche Angestelltenkrankenkasse DAK passte kräftig an. So werden aus dem Zusatzbeitrag von 0,6% im Jahr 2015 in diesem Jahr satte 1,5%, damit steigt der Beitrag insgesamt auf 16,1%.

Was können Sie tun?

Sie können gehen. Einfach so und auch ohne sich an die 18monatige Bindungsfrist bei dem sonst üblichen Kassenwechsel zu halten. Geregelt ist dieses im §175 des Sozialgesetzbuches, dort heisst es:

Erhebt die Krankenkasse nach § 242 Absatz 1 erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht sie ihren Zusatzbeitragssatz, kann die Kündigung der Mitgliedschaft abweichend von Satz 1 bis zum Ablauf des Monats erklärt werden, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben wird oder für den der Zusatzbeitragssatz erhöht wird. Die Krankenkasse hat spätestens einen Monat vor dem in Satz 5 genannten Zeitpunkt ihre Mitglieder in einem gesonderten Schreiben auf das Kündigungsrecht nach Satz 5, auf die Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes nach § 242a sowie auf die Übersicht des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen zu den Zusatzbeitragssätzen der Krankenkassen nach § 242 Absatz 5 hinzuweisen; überschreitet der neu erhobene Zusatzbeitrag oder der erhöhte Zusatzbeitragssatz den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz, so sind die Mitglieder auf die Möglichkeit hinzuweisen, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln. Kommt die Krankenkasse ihrer Hinweispflicht nach Satz 6 gegenüber einem Mitglied verspätet nach, gilt eine erfolgte Kündigung als in dem Monat erklärt, für den der Zusatzbeitrag erstmalig erhoben wird oder für den der Zusatzbeitragssatz erhöht wird; hiervon ausgenommen sind Kündigungen, die bis zu dem in Satz 5 genannten Zeitpunkt ausgeübt worden sind. (…) Die Krankenkassen können in ihren Satzungen vorsehen, dass die Frist nach Satz 1 nicht gilt, wenn eine Mitgliedschaft bei einer anderen Krankenkasse der gleichen Kassenart begründet werden soll.

Führt die Kasse also zum 1.1.2016 erstmalig einen Zusatzbeitrag ein oder erhöht den bestehenden Zusatzbeitrag, so können Sie noch BIS ZUM ENDE JANUAR kündigen und zu einer günstigeren Kasse oder in die Private Krankenversicherung wechseln (wenn die Voraussetzungen erfüllt sind)

Ein –> MUSTER zur KÜNDIGUNG DER GKV bei Beitragserhöhung finden Sie im Downloadbereich.

Hier habe ich Ihnen die Liste der Zusatzbeiträge aufbereitet, aus der Sie nicht nur den neuen, sondern auch den Zusatzbeitrag 2015 und die daraus resultierende Veränderung bzw. die Gesamtbeiträge ersehen können. Diese Übersicht können Sie kostenfrei als pdf-Übersicht laden. (LINK)

GKV 2016 IGKV 2016 IIGKV 2016 III

Für eine individuelle Kassensuche finden Sie den detaillierten Onlinevergleich mit Antragsmöglichkeit direkt durch KLICK AUF DAS BILD UNTEN. Kündigungsformulare für Ihre alte Kasse finden Sie hierKassensuche

17.
Juli '15

Im Urlaub plötzlich (und unfreiwillig) Organspender-die unterschiedlichen Regelungen im Ausland


Organspende, trotz einiger Skandale in letzter Zeit, immer noch eines der wichtigsten Themen und für viele Patienten die einzige Überlebenschance. Wie man selbst dazu steht, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jede Meinung ist legitim und jeder Mensch muss für sich selbst verantworten und entscheiden wie er sich im Falle des eigenen Todes verhalten möchte. Will ich meine Organe anderen Menschen zur Verfügung stellen, oder aber bin ich strikt dagegen? Diese Entscheidung will gut überlegt sein und auch wenn dieses Thema einen vielleicht sehr unangenehmes sein mag, es sollte rechtzeitig überlegt und entschieden werden. Der Vorteil liegt eindeutig darin, dass der Betroffene selbst aktiv für sich eine Entscheidung treffen kann, Angehörige mit so einer schwer wiegenden Entscheidung nicht belastet werden und die eigene Meinung, der eigene Wunsch respektiert und umgesetzt werden kann. Dazu gibt es in den unterschiedlichen Ländern ganz unterschiedliche Regelungen, wie mit dem Thema Organspende umgegangen wird.

Organspenderausweis EnglischSchauen wir uns zunächst doch einmal unterschiedlichen Regelungen an. Da haben wir als erstes die so genannte

Erweiterte Zustimmungsregelung

Gilt diese Regelung, so muss der Verstorbene zu Lebzeiten einer Organspende aktiv zugestimmt haben. Eine solche Zustimmung kann am einfachsten durch den so genannten Organspendeausweis vorgenommen werden. Liegt eine solche Zustimmung nicht vor, so können die Hinterbliebenen nach dem mutmaßlichen willen des Verstorbenen entscheiden. Diese Regelung finden wir in verschiedenen Ländern, unter anderem gilt diese erweiterte Zustimmungsregelung auch in Deutschland.

Die Widerspruchsregelung

In Ländern in denen diese Regelung angewandt wird, wird der Verstorbene zum Organspender, falls er einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Wichtig zu wissen ist hier, die Angehörigen haben in diesem Fall kein Widerspruchsrecht. Angewandt wird diese Regelung zum Beispiel in Bulgarien, Frankreich aber auch in Polen und anderen Ländern.

Die Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen

Einige Länder, welche ansonsten die Widerspruchsregelung anwenden, haben jedoch ein erweitertes Einspruchsrecht für Angehörige, das ermöglicht Angehörigen gegen eine Organentnahme zu entscheiden, nachdem der Betroffene verstorben ist. Diese Regelung gilt zum Beispiel in Belgien Finnland aber auch in Großbritannien.

Die Informationsregelung

In Ländern wo diese Regel angewandt wird, müssen die Angehörigen über eine geplante Organentnahme informiert werden, diesen steht aber kein Einspruchsrecht zu. So werden Sie quasi automatisch zum Organspender, wenn zu Lebzeiten nicht widersprochen wurde. Diese Regelung gilt zum Beispiel in Liechtenstein, Schweden aber auch auf Zypern.

Notstandsregelung in Bulgarien

Eine Besonderheit stellt hier in Bulgarien dar. Organentnahme ist hier „im Notstand“ selbst dann möglich, wenn ein Widerspruch vorliegt. Hierbei kann es also selbst dann zu einer Organentnahme kommen.

Widerspruchsregister

In einigen Ländern wird ein so genanntes Widerspruchsregister geführt. Vor einer Organentnahme wird daher dort geprüft, ob es einen solchen Widerspruch gibt. In Österreich besteht die Möglichkeit sich dort (auch als Ausländer) kostenfrei eintragen zu lassen und somit einer Organentnahme zu widersprechen. Ein entsprechendes Formular finden Sie hier: –> Widerspruchsregister Organspende in Österreich

Wer sich also aktiv gegen eine Organspende entscheiden möchte, der sollte seine Entscheidung dokumentieren. Das kann vor einem Urlaub in den entsprechenden Registern geschehen, die meisten Länder akzeptieren aber auch eine entsprechende handschriftliche und unterzeichnete Regelung, welche der Reisende mit sich führen sollte. Hierbei ist es hilfreich, dass entsprechende Dokument in der jeweiligen Landessprache mitzuführen. Formulare hierzu gibt es in unterschiedlichen Sprachen auf der –> Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Organspenderausweis ausfüllbarHier lässt sich der Organspendeausweis direkt herunterladen, oder als –> ausführbare Druckversion öffnen und mit dem persönlichen Daten ergänzen. Nur wer seinen Willen aktiv äußert kann sichergehen, dass dieser Falle des Todes auch berücksichtigt wird.

Eine Übersicht zu den unterschiedlichen Regelungen der Länder, welche sie sich als –> kostenlose Übersicht zu den Organspenderegelungen in Europa als PDF Datei laden können, finden Sie im Downloadbereich.Organspende in Europa

16.
Juni '15

„Ich gehe jetzt in Elternzeit“ uns was macht meine (private) Krankenversicherung?


Nachdem ich in der letzten Woche bereits darüber geschrieben habe, was zu tun ist bevor das Kind geboren ist und wie wichtig es ist doch an die rechtzeitige Absicherung zu denken, soll es heute um die Frage der Elternzeit gehen.

Unbedingt (weit) vor Geburt an den richtigen Schutz denken- der sichert den Schutz des Kindes

Nun ergibt sich durchaus oft die Konstellation, dass ein Elternteil gesetzlich (pflicht-) versichert ist Und der andere Elternteil in einer privaten Krankenversicherung. Ist die Mutter diejenige, welche in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, so stellt sich hier die Frage ob es eine Pflicht- oder freiwillige Versicherung ist. Nach richtet sich auch die Frage der Beitragspflicht in gesetzlichen Krankenkasse während der Elternzeit.

Hallo Herr Hennig,

ich gehe ab Anfang Juli für 2 Monate in Elternzeit und beziehe Elterngeld.
Bietet die ….. Vers. eine Möglichkeit die Beitragslast für diesen Zeitraum zu senken oder auszusetzen?
Gibt es sonst etwas zu beachten?

In diesem Beitrag heute soll es jedoch vorwiegend um die private Krankenversicherung während der Elternzeit gehen und hierbei wollen wir uns die unterschiedlichen Formulierungen in den Versicherungsbedingungen anschauen, denn als wichtigste Aussage gilt immer: eine generelle Regelung für alle privaten Krankenversicherungen gibt es nicht, da diese entscheidend von den Versicherungsbedingungen abhängig ist.

Es gibt durchaus private Krankenversicherungen, welche eine Beitragsfreiheit bei Elternzeit anbieten, dieses passiert dann in der Regel über einen begrenzten Zeitraum. Aber auch wenn der Tarif eine solche Beitragsbefreiung nicht vorsieht, gibt es einiges zu beachten und anzupassen, wenn es in die Elternzeit geht.

Beitragsfreiheit gemäß Bedingungen

Die Formulierungen in den Versicherungsbedingungen sind unterschiedlich, und so ist es am einfachsten für ein besseres Verständnis sich diese einmal im Detail anzuschauen. So schreibt zum Beispiel Axa in dem Tarif VITAL folgendes:

Während der ersten 6 Monate des Bezuges von Elterngeld besteht beitragsfreier Versicherungsschutz. Die Beitragsfreiheit gilt nur für die versicherte Person, die Elterngeld bezieht und nur, wenn für die Person keine besonderen Bedingungen für Personen in Berufsausbildung bestehen. Der Bezug von Elterngeld ist innerhalb von 3 Monaten nach Bezugsbeginn nachzuweisen.

Die Beitragsfreiheit ist ausgeschlossen, wenn bei Beantragung des Tarifes Vital die Schwanger- schaft nachweislich bereits festgestellt wurde oder die Entbindung bereits stattgefunden hat.

Die Barmenia bietet in der neuen Tarifwelt „einsA“ ebenfalls eine vergleichbare Lösung. Hier finden wir jedoch noch eine weitere Voraussetzung in den Bedingungen.

Bezieht die versicherte Person Elterngeld im Sinne des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG), besteht beitragsfreier Versicherungsschutz für den Tarif Barmenia einsA expert für die Dauer des Bezugs von Elterngeld, wobei die Beitragsfreiheit insgesamt auf einen Zeitraum von maximal sechs Monaten begrenzt ist. Der Anspruch auf beitragsfreien Versicherungsschutz besteht dann, wenn zum Zeitpunkt des erstmaligen Bezugs von Elterngeld die versicherte Person unmittelbar zuvor mindestens acht Monate im Tarif Barmenia einsA expert versichert ist und eine Kopie des Elterngeldbescheids vorgelegt wird.

Wie bereits an diesen zwei Versicherern zu sehen ist, unterscheiden sich die Lösungen zwar nicht grundsätzlich, aber schon im Detail. Die Inter Krankenversicherung erstattet zum Beispiel die Beiträge für maximal sechs Monate rückwirkend, stellt den Vertrag aber nicht vorher beitragsfrei. Die Universum möchte gemäß Bedingungen nur dann leisten, wenn keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Damit ist auch eine Teilzeittätigkeit ausgeschlossen, welche sonst bei Bezug des Elterngeldes unter Umständen möglich wäre. Da die Anzahl der Versicherer, welche eine Beitragsfreiheit anbieten, jedoch überschaubar ist, finden Sie (Stand Juni 2015) alle Tarife in der Unisextarife in einer zweiseitigen Tabelle. Diese können Sie kostenfrei im Downloadbereich als PDF herunterladen. (oder einfach auf das Bild klicken)

Elterngeld und Beitragsfreiheit Tabelle ScreenshotNatürlich sollte eine solche Beitragsfreiheit weder die entscheidende Grundlage für oder gegen einen Tarif sein, noch dazu führen das nur aufgrund einer solchen Aussage der Versicherer gewechselt wird. Jedoch gehört dieses bei Beginn des Vertrages zu den Auswahlkriterien der PKV, welche zu besprechen sind.

Auch einige alte Tarife haben bei diesen Gesellschaften schon entsprechende Regelungen, daher kann unter gewissen Umständen vor der Schwangerschaft eine Umstellung in den Unisextarif infrage kommen.

Weitere Änderungen während der Elternzeit

Sieht der Tarif keine Beitragsbefreiung vor, so ist der Beitrag vollständig weiter zu bezahlen. Hierbei ist bei Angestellten zu beachten, dass der Arbeitgeber während der Elternzeit keinen Arbeitgeberzuschuss zahlt, der Beitrag also vollständig zu begleichen ist.

Auf der anderen Seite kann während der Elternzeit auch keine Arbeitsunfähigkeit auftreten, denn das Arbeitsverhältnis ruht währenddessen. Daher kann der Baustein des Krankentagegeldes in eine Anwartschaft umgewandelt werden. Dieses reduziert den Beitrag, sichert aber gleichzeitig die Möglichkeit den Versicherungsschutz wieder vollständig zu aktivieren, bald die Elternzeit endet. Wichtig ist auf jeden Fall, dass dieser Baustein niemals voreilig gekündigt wird, denn dann ist später eine neue Gesundheitsprüfung notwendig, welche einen Neuabschluss verhindern kann.

Je nach Tarif und Gesellschaft können auch Komponenten wie eine Beitragsentlastung im Alter für eine gewisse Zeit ruhen, dieses ist im Einzelfall individuell zu prüfen und zu besprechen.

Wann ist was zu tun?

Sie sollten sich rechtzeitig vor der geplanten Geburt mit dem Versicherungsschutz beschäftigen (siehe 1. Link ganz oben) und dann ca. ein bis zwei Monate vor der geplanten Elternzeit die Fragen zur Reduzierung des Versicherungsschutzes prüfen. Ist der Vertrag beitragsfrei, oder kann er so gestellt werden, so gilt es die vom Versicherer gesetzten Fristen zu berücksichtigen. Diese beträgt meist zwei Monate, in der eine Beitragsbefreiung beantragt werden muss.