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28.
Juni '21

ARAG MedBest – einfach günstig oder zu billig?


In der letzten Zeit häufen sich Fragen zu einem speziellen Tarif einer Gesellschaft, oder besser einem (neuen) Tarifwerk. Wobei das Wort „neu“ es gar nicht mehr so genau trifft. Die ARAG Krankenversicherung AG hat im Jahr 2019 zwei neue Tarife eingeführt. Den ARAG MedExtra und den ARAG MedBest. Beide sind Tarife der privaten Krankenvollversicherung, mit der Zielgruppe Angestellte, aber auch Selbstständige.

Die ARAG hatte natürlich auch vorher schon Tarife der privaten Krankenversicherung, und so ergeben sich bei den neuen Tarifen einige Besonderheiten und Fragen. Oftmals kommen Interessenten zu mir, welche sich schon einmal im Internet zu der PKV informiert haben. Dabei häufen sich einige Fragen.

Interessent_ARAG_MedBest_Schwachstellen

Die Tarife erscheinen auf dem ersten Blick extrem günstig. Gerade im oberflächlichen, direkten Vergleich mit Mitbewerbern stellt sich der Kunde durchaus die Frage, warum ist der Tarif so günstig. Die ARAG wirbt auch gern damit, einen hochleistungsfähigen Tarif zu haben, welcher viel besser ist (oder zu sein scheint) im Vergleich zum Rest des Marktes.

Dabei sind sie in der Preisregion gar nicht mal allein. Ein dreißigjähriger Versicherter muss für den ARAG MedBest 0 (ohne Selbstbeteiligung) einen Beitrag von 521 Euro, zuzüglich gesetzlichem Zuschlag aufwenden.

ARAG MedBest – billig oder gerechtfertigt?

Wenn wir uns die private Krankenversicherung genauer anschauen, dann stützt sich eine Entscheidung für oder gegen einen Tarif auf mehrere Grundlagen. Zuerst einmal ist dort das Leistungsspektrum des Tarifes. Die vertraglich garantierten Leistungen eines Tarifes lassen sich durch den Versicherer nicht einseitig ändern. Vereinfacht formuliert bedeutet das, heute in den Versicherungsbedingungen garantierte Leistungen bleiben auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten. Der Versicherer kann nichts herausstreichen, aber auch nichts hinzufügen. Die Leistung ist damit die einzige Säule bei der Tarifentscheidung, welche dauerhaft konstant ist. Das bedeutet nicht, das sie nicht selbst aktiv etwas ändern können, Tarife wechseln oder Veränderungen vornehmen. Die zweite Säule ist dabei die zukünftige Beitragsentwicklung. Es nützt uns allen wenig, wenn wir in einem Tarif versichert sind, welcher unbezahlbar wird. Warum er das werden kann, beziehungsweise warum die Beiträge steigen können, habe ich in einem anderen Betrag bereits ausführlicher erklärt.

Erklärungen und Infos: Beitragsanpassungen in der PKV

Wie funktioniert eine Krankenversicherung generell?

In der privaten Krankenversicherung vereinbart der Versicherer einen Beitrag, der zunächst einmal heute gilt. Dieser kalkulierte Betrag basiert auf Informationen zu statistischen Kostenwahrscheinlichkeiten, der Lebenserwartung und der Kalkulation des Versicherers. Würde ich also als Versicherer A davon ausgehen, dass sie nur sechzig Jahre alt werden, wäre mein Betrag viel geringer. Warum? Nun, ich müsste nur entstehenden Kosten bis zu diesem Zeitpunkt kalkulieren. Das geht nicht, daher greifen Versicherer auf sogenannte Sterbetafeln zurück. Diese statistischen Berechnungen und Behebungen bilden die Grundlage. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Menschen werden älter, die Medizin wird besser und ermöglicht ein längeres Leben.

Langes Leben – hohe Kosten?

Wer nun länger lebt, der verursacht auch länger Kosten. Neben dieser Kostensteigerung spielen auch die medizinischen Kosten und die Weiterentwicklung in der Medizin eine deutliche Rolle. Wenn wir uns überlegen, wie viele Menschen vor Jahrzehnten noch an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind, und wie lange diese heute (teilweise wieder unbeschwert) leben, wird diese Entwicklung sehr deutlich.

Der dritte Punkt, welcher eine Rolle bei der Kalkulation spielt, ist der Rechnungszins. Stellen wir uns vor, wir müssten zu einem bestimmten Termin eine Summe von 100.000 Euro angespart haben. Bei einem Zins von 5% und der daraus resultierenden Zinseszinsen müssen sie dazu einen Betrag X jeden Monat weglegen. Beträgt der Zins nur noch 3%, so müssen sie dafür einen wesentlich höheren Betrag jeden Monat auf die hohe Kante legen, damit sie nach gleichem Zeitablauf den gleichen Endbetrag haben.

Ein Zahlenspiel

In Zahlen. Um in 30 Jahren 100.000 € anzusammeln, braucht es bei 5% Zins 122 € und bei nur 3% Zins schon 172 €. Zwei Prozent weniger Zins auf 30 Jahre führen zu einer fast ein Drittel höheren Sparrate.

Diese wirkt sich auch gleich auf die private Krankenversicherung aus. Stichwort Niedrigzinsphase. Je geringer die Zinserträge aus den Kapitalanlagen sind, desto schneller muss ich meine Prämien anpassen.

ARAG MedBest – das Rad neu erfunden?

Sie als Kunde verursachen generell erst mal nicht mehr oder nicht weniger Kosten. Unterstellen wir völlige Leistungsgleichheit zweier Tarife (die es so nicht gibt) so werden sie nicht kränker oder bleiben nicht gesünder, nur weil sie bei Versicherer A, B oder C versichert sind. Der Versicherer erstattet ihnen die Versicherten- und die angefallen Krankheitskosten. Er kann aber wenig dafür und es liegt außerhalb seiner Macht, wie gesund oder wie krank sie sind. Haben sie jetzt also zwei Leistungsgleiche Tarife mit unterschiedlichem Beitrag, stellt sich die Frage, für welchen sie sich entscheiden.

Sie wählen den Tarif, welcher 500 statt 600 Euro Monatsbeitrag kostet? Dann stehen diesem Tarif auch 100 Euro weniger für die Bildung für Alterungsrückstellungen zur Verfügung. Der Versicherer legt also generell einen Teil des Beitrags zurück. Das Geld was er nicht für die aktuelle Risikodeckung benötigt wird angelegt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei dann der Zins- und Zinseszins Effekt. Entscheide ich für den Versicherer mit dem geringeren Beitrag, nehme ich ihm die Chance mehr Geld zurückzulegen. Geld was ich nicht habe, kann ich weder anlegen, noch ausgeben.

ARAG MedBest – ist günstiger Beitrag das das entscheidende Ziel?

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn etwas einen geringeren Preis hat. Auch spielen leider Preise eine übergeordnete Rolle in vielen Bereichen. Sei es ein Internetvergleichsrechner bei Check24, oder leider auch in viele Beratungen. Der Makler, Vertreter oder der Kunde selbst sortieren sich ihre Tabellen nach Preisen. Das ist jedoch in der Krankenversicherung der falsche Ansatz. Die Sortierung nach dem Preis und das „immer der billigste sein zu wollen“ verschiebt teilweise die Wahrnehmung.

ARAG MedBest – wie machen die das zu diesem Preis?

Wer sich nun mit den Leistungen der Tarife beschäftigt, der wird sich irgendwann eine berechtigte Frage stellen. Wie kommt die Kalkulation des Versicherers für den Tarif MedBest zustande? Ein Tarif ohne Selbstbeteiligung und mit (auf den oberflächlichen Blick) hohen Leistungen, der zu dem bis zu 200 Euro weniger im Monatsbeitrag kostet. Andere Toptarife liegen da zum Teil deutlich darüber. Natürlich unterscheiden sich die Leistungen. Wichtiger als die oberflächliche Leistung in einem Prospekt zu lesen, sind die Versicherungsbedingungen. Dabei kann manchmal ein kleines Wörtchen in einem Satz die Entscheidung darüber treffen, ob ein Versicherer leisten muss oder eben nicht. Solche Leistungsbeschränkungen finden wir auch in allen Versicherungsbedingungen. Eine Frage ist am Ende jedoch, wie diese ausgestaltet sind.

Als Beispiel schauen wir uns einmal die Formulierung bei den Hilfsmitteln an.

(Auszug aus den Versicherungsbedingungen, Paragraf 4 Absatz 2 Punkt 5):

Hilfsmittel mit einem Bezugspreis von unter 1.000 Euro sind ohne vorherige Genehmigung durch den Versicherer erstattungsfähig. Wird ein Hilfsmittel mit einem Bezugspreis ab 1.000 Euro ohne vorherige schriftliche Zusage des Versicherers bezogen, werden 80% des erstattungsfähigen Rechnungsbetrags für die funktionale Standardausführung für die tarifliche Erstattung zu Grunde gelegt. Als Bezugspreis gilt der Preis für die gesamte Versorgung.

Diese Formulierung bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Natürlich ist jede Regelung akzeptabel, welche vor Vertragsabschluss klar und deutlich kommuniziert wird. So lange sie „wissen was sie da tun“ können sie unterschreiben was sie möchten.

Die erste Einschränkung besteht in dem ARAG MedBest darin, dass sie bei Hilfsmitteln über 1.000 Euro eine schriftliche Genehmigung benötigen. Weiterhin, und die Einschränkung ist deutlich größer, ist nur die sogenannte „funktionale Standardausführung“ erstattungsfähig.

Wenn sie Zeit und Lust haben, gehen sie beim nächsten Spaziergang durch die Stadt an einem Sanitätshaus vorbei. Dort fragen sie, was eine moderne Prothese des Unterschenkels in der besten Absicherung und einmal in der Standardausführung (funktional) kostet. Sie werden überrascht sein, wie groß der Unterschied ist.

Dieses ist nur ein sehr einfaches Beispiel, es zeigt aber sehr gut, warum ein Tarif billig kalkuliert werden kann. Wenn ich mir als Versicherer genug Formulierungen, in den Bedingungen schaffen, in denen ich meine Leistungen begrenzen oder reduzieren kann, dann ist es auch möglich einen billigen/günstigen Tarif auf den Markt zu bringen.

ARAG MedBest – Wollen sie billig? Günstig? Oder gut?

Natürlich gibt es Situationen, Kunden und Ansprüche, wo auch dieser Tarif passen kann. Jedoch sollten sie sich sehr genau die Frage stellen, wie eine solche Kalkulation zustande kommt. Dabei ist es wichtig die Bedingungen bis in den letzten Winkel zu lesen. Ohne einen spezialisierten Berater wird das oftmals etwas schwierig. Leider wird jedoch von vielen Beratern „nach dem Preis“ verkauft. Frei nach dem Motto: „Bevor ich gar nichts verkaufe, verkaufe ich lieber etwas Billiges.“ und habe ein Geschäft gemacht.

Damit kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt Tarife, Gesellschaften und Konstellationen, wo die private Krankenversicherung nicht passt. Es gibt Kunden, wo die PKV nicht passt. Dabei habe ich kein Problem damit, von Tarifen oder dem generellen Wechsel abzuraten.

Ich möchte auch nicht, dass dieser Beitrag als generelle Meinung gegen den MedBest der ARAG KV verstanden wird, ich möchte sie aber sensibilisieren. Machen sie sich klar, wo die Lücken und Haken sind. Fragen sie sich wie eine Kalkulation funktionieren soll, wenn diese weit vom Durchschnitt des Marktes abweicht. Schon mein Opa hat schon früher gesagt: „Wer billig kauft, kauft zweimal“.

Das Problem in der Krankenversicherung ist jedoch, dass es in vielen Fällen keinen zweiten Kauf geben wird. Wenn sie merken, dass ihre Entscheidung falsch war und sie nun krank sind, dann lässt sich diese nicht mehr revidieren. Daher möchte ich sie nur eindringlich warnen, voreilig aufgrund des Preises eine Tarifentscheidung zu treffen. Machen sie sich in Ruhe Gedanken zu den Fragen, was ihnen persönlich wichtig ist. Sie müssen keinesfalls immer den besten Tarif kaufen, ein guter Mittelklassewagen fährt ebenso. Je geringer der Preis, umso weniger Leistungen kann ein Tarif (wenn er vernünftig kalkuliert ist) auch enthalten.

Fragen sollten sie sich aber in jedem Fall: „Wie kann etwas, was vermeintlich gleich gut sein soll“, deutlich billiger sein?

Wer sich für einen reduzierten Versicherungsschutz entscheidet, und das weiß, für den sind auch solche Tarife in Ordnung. Viele meiner Kunden kennen aus der Beratung einen Satz:

„Wichtiger als zu wissen was ein Tarif leistet, ist zu wissen, was er nicht leistet.“

Sie müssen verstehen und begreifen, wo es Leistungslücken und Probleme eines Tarifes liegen. Aus meiner Sicht sind in den Tarifen hier Punkte vorhanden, welche sie zum Nachdenken bringen sollten. Zum einen handelt es sich um einen neuen Tarif am Markt (Einführung war 2019) und daher fällt es uns schwer etwas zu den Versichertenkollektiven zu sagen. Eine Beitragsanpassung hat bisher nicht stattgefunden. Diese wir auch zum 1.1.2022 nicht stattfinden, da die sogenannten auslösenden Faktoren sich erreicht sind. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass eine Beitragsanpassung in Zukunft all die Anpassungen nachholen muss, welche bisher nicht erfolgt sind.

Auch halte ich Formulierungen in den Bedingungen für bedenkenswert. Als Beispiele seien hier die Hilfsmittel, die Heilmittel, die Geltung im Ausland, Zahnhöchstgrenzen, KFO oder auch andere Punkte genannt. Unbestimmte Begriffe oder beschränkte Leistungen können zu riesigen Eigenanteilen führen.

Ein Beispiel wie das mit der „mittleren Ausführung“ und der „funktionalen Standardausführung“ aussehen kann, finden sie auch in dem folgenden Beitrag unter dem Link:

Continentale: „einfach vs. billig“ oder „Was Hilfsmittel kosten

ARAG MedBest – Ein Fazit?

Nicht ganz, denn ich kann ihnen weder eine Tarif Empfehlung für oder gegen einen solchen Tarif geben. Das möchte ich auch nicht tun. Um eine solche, weitreichende Entscheidung treffen zu können, benötigen sie Beratung. Lassen sie sich durch ihren Berater ausbilden. Er muss sie in die Lage versetzten, dass es ihnen gelingt Bedingungsaussagen zu lesen und zu verstehen, um dann die Auswirkungen abschätzen zu können.

Das ist sicher der Grund, warum es keinen guten oder schlechten Tarif gibt, nur einen passenden oder unpassenden. Nur, wenn sie verstehen welche Risiken in Tarifen enthalten sind (sei es in der Kalkulation oder in den Leistungen) nur dann können sie fundiert entscheiden.

Informationen wie sie zur passenden privaten Krankenversicherung kommen, welche Fragen sie ihrem Berater oder sich selbst stellen müssen, dazu habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt. Unter den folgenden Links finde sie die entsprechenden Beiträge.

19.
März '21

Württembergische PKV Modultarife – Tarifeinführung der neuen Krankenvollversicherung


Manchmal kommt es unerwartet, wie die Württembergische PKV Modultarife, welche der Versicherer aus Stuttgart veröffentlicht hat und zum 01.04.2021 offiziell einführt. Damit löst die Württembergische die alten Tarife im Bestand komplett ab. Wie und ob es Wechselrechte für Bestandskunden geben wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Schauen wir uns daher in diesem Beitrag einmal den Aufbau der Tarife genauer an.

Wer ist die Württembergische überhaupt?

Im Bereich der privaten Krankenversicherung ist die Württembergische Krankenversicherung AG jetzt nicht unbedingt als Schwergewicht der Krankenvollversicherung bekannt. Mit etwas über 22.500 Versicherten in der Krankenvollversicherung (PKV) lag das Hauptaugenmerk bisher eher auf Zusatzversicherungen. Mit dort über 420.000 Versicherten in den Zusatzversicherungen (zum Beispiel auch dem Pflegeergänzungsschutz) ist die Kundenbasis dort weitaus größer. (Alle Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2019).

Mit Einführung der neuen Vollkostentarife soll sich das nun aber ändern.

Württembergische PKV Modultarife – Tarifstruktur der Modultarife

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Kompakttarifen (in denen ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen in einem Tarif enthalten sind), hat sich die Württembergische hier anders entschieden. Ähnlich wie einige andere Unternehmen (zum Beispiel die SDK, LKH, Alt Oldenburger oder Universa) nutzt die Württembergische in den neuen Modultarifen Bausteine, oder Module, wie der Name schon sagt.

Dabei gibt es insgesamt zehn (oder eigentlich acht, wenn man ambulant mit dem Zusatz Hausarzt nicht extra zählt) Module, welche sich der Kunde mit seinem Berater selbst zusammenstellen kann. Das ist generell nicht ungewöhnlich und auch nicht von besonderem Vor- oder Nachteil gegenüber den Kompakttarifen. Denn auch bei Kompakttarifen bieten Gesellschaften heute mit umfangreichen Wechseloptionen (hier sei beispielhaft die Barmenia mit dem aktuellen Tarifwerk genannt)an und ermöglichen somit eine Anpassung des Schutzes. Wie gut diese Wechseloptionen, welche die Württembergische in Modulwechsel und „Besondere Umstellungsrechte“ teilt, dann am Ende tatsächlich sind, das schauen wir uns später genauer an.

Im Wesentlichen sieht der Aufbau der Tarife wie folgt aus:

Wuerttembergische PKV Modultarife

Württembergische PKV Modultarife – Tarifbedingungen

Basis dieses Beitrages und meiner Aussagen sind die mit vorliegenden Tarifbedingungen der Württembergische Krankenversicherung mit Stand 01.2021. Die Bedingungen finden Sie auch als markierte und kommentierte Variante im Downloadbereich, ebenso als Originalversion.

  • – Württembergische: AVB Teil I und II für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Allgemeiner Teil, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Ambulant Premium (A1+A1H) und Kompakt (A2+A2H), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Stationär Premium (S1), Komfort (S2) und Kompakt (S3), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Zahn Premium (Z1), Komfort (Z2) und Kompakt (Z3), Stand 2021
  • – Württembergische: Sonderbedingungen zur Beitragsentlastung im Alter (SBVU/SBZU), Stand 2021

Alle weiteren Dokumente können Sie im Downloadbereich als pdf kostenfrei herunterladen.

Zum schnelleren Download finden Sie hier die AVB Würtembergische Modultarife im Original Bedingungsheft und hier mit meinen Kommentierungen, Markierungen und Anmerkungen in der „gelesenen“ Version der AVB Württembergische Modultarife.

Allgemeine Versicherungsleistungen nach Teil I und II – Ausland, Neugeborene, Mindestlaufzeiten

Grundlage zunächst für alle Tarife, sind die Versicherungsbedingungen des Teil I und II, welche dann durch die weiteren Regelungen in Teil III erweitert und ergänzt werden. Versicherungsfähig sind demnach alle Personen, welche Ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Dabei ist zu beachten, wird eine Vollversicherung erst nach Wegzug beantragt, ist die Person nicht mehr versicherungsfähig. Ist die Person aber bereits versichert, so besteht auch Versicherungsschutz im Ausland. Dabei wird zwischen dem vorrübergehenden Auslandsaufenthalt und der Verlegung des Wohnsitzes unterschieden.

Für die ersten sechs Monate eines vorübergehenden Auslandsaufenthaltes leistet die Württembergische auch ohne weitere oder besondere Vereinbarungen. Wichtig und richtig ist somit auch die Formulierung, dass sich der Versicherungsschutz über diese Zeit verlängert, fall die versicherte Person die Rückreise nicht antreten kann. Hier spricht die Württembergische aber nicht von „allein aus medizinischen Gründen“. In den letzten Monaten haben wir durchaus lernen müssen, dass Ausreisen aus bestimmten Regionen der Welt auch lange nicht möglich waren, dieses wäre hiermit dann solange abgedeckt, bis die Person wieder eine Rückreisemöglichkeit hat.

Wird aber der gewöhnliche Aufenthalt ins Ausland verlegt (wohlgemerkt nach §1 (5) nur INNERHALB des Europäischen Wirtschaftsraumes, so ist ein Auslandszuschlag fällig, welcher erstmal unbestimmt ist. Voraussetzung auch hier, der Kunde muss es innerhalb der ersten sechs Monate bei dem Versicherer beantragen, der Zuschlag fällt dann ab dem 7. Monat an. Bei Rückkehr nach Deutschland und Rückverlegung des Wohnsitzes gelten wieder die alten Bedingungen und der Zuschlag entfällt. Auch für Kriegsereignisse besteht solange im Ausland Versicherungsschutz, wie bei Reiseantritt keine Reisewarnung vorgelegen hat. (§5 (1)). Wird nach §15 (3) der Wohnsitz außerhalb des EWR verlegt, so kann auch hier der Versicherte eine Vereinbarung mit Beitragszuschlag verlangen.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt bei der Württembergischen, wie bisher, zwei Jahre. Eine Kündigung ist ordentlich mit dreimonatiger Frist möglich. Besteht hingegen Arbeitslosigkeit oder vorübergehende Familienversicherung, so kann der Versicherer bis zu 6 Monaten ein Ruhen vereinbaren, danach ist der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung wie üblich möglich.

Bei Neugeborenen besteht auch hier eine Nachversicherungsgarantie, so dass Ihr Kind ohne Gesundheitsfragen aufgenommen und auch rückwirkend ab Geburt versichert ist. Dabei beginnt der Versicherungsschutz ab VOLLENDUNG der Geburt. Eine Nachversicherung ohne Gesundheitsfragen ist nur dann möglich, wenn die Eltern eine dreimonatige Vorversicherungszeit erfüllt haben, oder bei Vertragsschluss des versicherten Elternteils die 20. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht war.

Die Wartezeiten entfallen bei Abschluss einer Krankenvollversicherung generell. Möchte der Versicherer (oder muss) er den Beitrag anpassen, so bedarf es hierbei einer Gegenüberstellung der Kosten, welche sich im 5% unterscheiden muss. Diese geringeren Prozentsätze (in alten Bedingungen sind manchmal noch 10% enthalten) ermöglichen eine schnellere Reaktion.

Tarifleistungen etwas detaillierter

Im Wesentlichen konzentriere ich mich auch in dieser Beschreibung auf den Premiumschutz, erwähne aber in Details die Beschränkungen in anderen Tarifbausteinen und gebe Hinweise dazu. Generell sorgen die Wechselrechte zumindest für einige Verbesserungsoptionen und auch die Rückkehrmöglicheiten, welche ich im Detail unten unter „Optionsrechte“ erkläre.

Ärztliche und zahnärztliche Honorare

In der Premiumvariante sind bei den ärztlichen und zahnärztlichen Honoraren die Kosten auch ÜBER die Höchstsätze der jeweiligen Gebührenordnung hinaus erstattungsfähig, solange eine gültige Honorarvereinbarung vorliegt. Die 100% Leistung für Arzthonorare berücksichtigt (mit extra Nennung) ebenso Leistungen aus Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Laborgemeinschaften, Radiologischen Zentren oder ärztlichen Akutdiensten. Bei Heilpraktikern ist die Erstattung jedoch selbst im Premiumtarif auf 80% und zusätzlich auf 2.000 € pro Versicherungsjahr begrenzt. Wer im Komforttarif versichert ist, bekommt für die Heilpraktikerbesuche ebenfalls 80%, aber max. 500 € pro Jahr.

Nährmittel sind bei Vorliegen einer Enzymmangelkrankheit oder Mukoviszidose ebenso erstattungsfähig, wie generell die enterale und parenterale Ernährung. Voraussetzung ist hier immer die med. Indikation, dass eine Nahrungsaufnahme normal nicht mehr möglich ist, aber aus „Spaß“ macht das auch tatsächlich niemand. Selbst an die Mittel zur Regulierung der erektilen Dysfunktion hat der Versicherer gedacht, und definiert hierfür enge, aber klare Kriterien wann diese Mittel erstattungsfähig sind. Unter Punkt 1.3 der Ambulanten Bedingungen finden Sie die Aufzählung der Krankheitsbilder.

Hilfsmittel und Sehhilfen

Brillen, besser Sehhilfen sind je nach Tarifstufe bis 400 € (Premium oder Komfort 250 €) innerhalb zwei Jahren erstattungsfähig. Sollten Sie Ihre Augen einer Laserbehandlung unterziehen wollen, stehen hier nach definierten Kriterien von 2.000 € pro Auge innerhalb von 10 Jahren (Premium) bis 500 € (Komfort) zur Verfügung. Zusätzlich greifen hier Leistungsgrenzen in den ersten drei Jahren, die eine gezielte Inanspruchnahme direkt nach Wechsel in die PKV verhindern soll.

Wichtiger und meist auch deutlich kostenintensiver sind andere Hilfsmittel, auch wenn deren Eintrittswahrscheinlichkeit geringer sein mag. Dabei sind neben lebenserhaltenden Hilfsmitteln, Körperersatzstücken, Hörgeräten und mehr, auch der Blindenhund und die Allergiker Bettwäsche extra genannt. Für einige Hilfsmittel gelten bestimmte und definierte Höchstgrenzen in Euro, welche bei Beitragsanpassungen in der Zukunft angepasst werden können. Wann  und in welchem Umfang eine solche Anpassung von absoluten Eurobeträgen erfolgt, kann der Kunde allerdings nicht planen.

Bei orthopädischen Schuhen wird ein, wie ich finde vertretbarer, Eigenanteil von 70 € für normales Schuhwerk abgezogen. Ebenso sind Apps welche als Medizinprodukt zertifiziert sind ebenso zu erstatten, wie Kommunikationshilfen wie Gebärdendollmetscher bei entsprechender Indikation.

Vorsicht ist aber geboten bei einer interessanten anderen Formulierung. In 1.5 der ambulanten Bedingungen heißt es:

„Nicht erstattungsfähig sind Hilfsmittel, für die die Pflegepflichtversicherung leistungspflichtig ist.“

Klar ist, warum solche Formulierungen getroffen werden, damit keine Doppelleistung anfällt und auch, weil die Kosten dann auf die Pflegeversicherung „abgewälzt“ werden sollen. Diese Regelung hat ein anderer, großer Versicherer auch in den Bedingungen und vor Abschluss sollten Sie zumindest die Formulierung kennen und mögliches Streitpotential abschätzen können.

Generell gilt bei Hilfsmitteln eine Erstattung von 80%, welche sich auf 100% erhöht, wenn: – der Versicherer mit der Beschaffung beauftragt wird, – das Hilfsmittel nicht mehr als 1.000 € kostet oder im Rahmen eines akuten Notfalls beschafft wird, oder es sich um eine erstattungsfähige Perücke handelt. (bei Chemotherapie oder kreisrundem Haarausfall).

Psychotherapie, Vorsorge, ambulante Operationen

Bei der Psychotherapie gibt es eine recht interessante Formulierung. Die Anzahl der Sitzungen, welche bei der Premiumvariante auf 100% für 60 Sitzungen begrenzt ist, beschränkt sich auf den Behandlungsfall und nicht das Jahr. Wer also an einem Versicherungsfall wie einer langwierigen Depression leidet, der muss nach 60 Sitzungen (auch wenn es über Jahre geht) eine entsprechende Zusage einholen. Diese wird laut Bedingungen erteilt, wenn die Behandlung (weiter) medizinisch notwendig ist, muss und sollten Sie aber vorher wissen. In der untersten Tarifstufe werden 5 probatische Sitzungen zu 100%, danach 30 zu 80% erstattet, bevor weitere Genehmigungen nötig sind.

Eine Besonderheit für die Selbstbeteiligung gilt bei ambulanten Operationen. Hier wird auf die Anrechnung der SB verzichtet, solange diese im Katalog stationsersetzender Operationen genannt ist. Damit kann eine solche OP auch ohne Abzug von Eigenanteilen durchgeführt werden.

Ähnliche Regelungen gibt es bei den Vorsorgeuntersuchungen. Hier werden im Premiumtarif bis zu 1.000 € pro Jahr nicht auf SB und Beitragsrückerstattung angerechnet. Dazu gehören neben ambulanten Vorsorgeuntersuchungen auch Impfungen, selbst dann, wenn diese aus Anlass einer Auslandsreise durchgeführt werden. Präventionskurse sind bis zu einem Betrag von 150 € on Top erstattungsfähig, solange Sie mind. 80% Teilnahme nachweisen können. Selbst im Komforttarif sind es immerhin noch bis zu 500 € pro Jahr.

Hausarztmodell, Generika Regelung

Die Tarifvarianten generell unterscheiden sich im ambulanten Bereich nach Premium und Komfort und existieren jeweils noch in einer Hausarztvariante. In letzteres gilt nur dann eine 100% Erstattung, wenn die Behandlung unter den Haus-/Primärärzten begann. Wer sich nicht daran hält, der kürzt seine Erstattung auf 70%. Ähnliche Einschränkungen gelten für Medikamente. Im Hausarzt Premium erfolgt für die ersten 2.500 € nur eine 70% Erstattung (also zusätzlich 750 € max. Eigenanteil, es sei denn Patienten nutzen Generika, dann gilt diese Einschränkung nicht.

Stationäre Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Fangen wir hier eher von unten an, da die Tarife dann aufeinander aufbauen. Der stationär Kompakt (S3) leistet, wie die drei schon vermuten lässt, das Mehrbettzimmer in der stationären Versorgung. Dabei sind auch hier nur die Regelleistungen, also durchaus zu vergleichen mit einem gesetzlichen Versicherungsschutz in der Tarifleistung enthalten. Auch hier werden jedoch auch Belegärzte, Hebammen und Leistungen für Begleitpersonen für bis zu 16-jährige Kinder genannt.

Bei einer Aufnahme in eine gemischte Anstalt ist hier, wie mittlerweile üblich, keine Meldung oder gar Zusage vorher nötig. Leistungen für eine stationäre Anschlussheilbehandlung sind dann erstattungsfähig, wenn der Versicherer vorher zugesagt (wird er laut Bedingungen bei med. Notwenigkeit) hat und wenn diese binnen 4 Wochen (oder fall med. Gründe dagegen sprechen auch später) beginnt. Ähnliche Regelungen finden sich für die Stationären Rehabilitationen. Bei Kuren sind die Kosten auf 3.000 € innerhalb von drei Versicherungsjahren begrenzt, aber enthalten. (die 3.000 € gelten auch in der Premium S1 Variante)

Wie auch im ambulanten Bereich, ist auch die Palliative Medizin versichert. Hier orientiert sich die Württembergische an der GKV und leistet bis zu deren Aufwendungen mit 100%.

Bei Krankentransporten, welche bei Notfällen, der Erstversorgung oder Geh-, Seh- oder Fahruntauglichkeit im Umkreis von 100km erstattet werden, gibt es auch hier Ausnahmen. Sollte kein Krankenhaus geeignet sein, so darf „die Reise auch weiter gehen“. Private Krankenfahrten sind hingegen auf 300 € pro Jahr begrenzt und werden mit 0,30 € pro km abgerechnet. Im Premiumtarif liegt hier die Grenze bei 500 €. Zudem ist dort auch die Kostenübernahme für Wunschverlegungen in ein anderes Krankenhaus (wenn es keine Intensivbetreuung braucht) versichert.

Stationäre Kurzpflege, Rücktransport, Bergungen

Auch wer nicht pflegebedürftig ist, kann einen Bedarf an einer kurzen Pflege haben. Dieses passiert zum Beispiel nach einer Krankenhausbehandlung oder einer ambulanten OP, aber auch bei akuter Verschlimmerung einer Krankheit. Der Punkt 9 des S1 regelt auch hier die Grundlagen und bietet eine Erstattung von 100% nach den vorhandenen Kriterien an.

Wer aus dem Ausland zurück nach Deutschland transportiert werden muss, der kann das nicht nur bei medizinischer Notwenigkeit, sondern auch bei medizinisch sinnvollen Krankentransporten. Dieses kann aus psychologischen Gründen sinnvoll und angeraten sein. Ein solcher Transport muss medizinisch organisiert und die Transportfähigkeit vorher bescheinigt sein.

Bergungskosten sind bis 15.000 €, die Überführungskosten eines Verstorbenen bis 10.000 € bedingungsgemäß versichert.

Stationäre Wahlleistungen – Einbett, Zweibett, Privat-/ Chefarzt

Im Gegensatz zum Kompakt, bietet die Stationär Komfort bereits den Schutz für Wahlleistungen. So wird hier das Zweibettzimmer bzw. der Zuschlag hierfür bedingungsgemäß erstattet, ebenso die privatärztliche Leistung und diese auch über die Höchstsätze bei entsprechender Honorarvereinbarung.

Wer sich für die Premiumvariante entscheidet (S1), der kann sich auch im Einbettzimmer mit einer entsprechenden Kostenerstattung behandeln lassen. Steht ein solches nicht zur Verfügung, so werden entsprechende Ersatzkrankenhaustagegelder von 50 oder 20 € geleistet, um dieses auszugleichen.

Zahnärztliche Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Auch hier existieren drei unterschiedliche Tarifmodelle. Wir schon aus den beiden anderen Leistungsgruppen bekannt, folgen diese auch der Logik unterschiedlicher Leistungen.

100% Zahnbehandlung in allen Tarifvarianten. Hier werden (unter Punkt 1.3) die Zahnbehandlung und auch diverse prophylaktische und konservierende Leistungen genannt, dazu gehören auch Inlays, Aufbissschienen etc. Die Kosten für Zahnvorsorge hingegen staffelt sich von 500 € pro Jahr in der besten Tarifvariante bis 300 € im Kompakt. Zudem werden diese Leistungen nicht auf die Beitragsrückerstattung angerechnet.

Danach geht es aber in die Unterschiede. Während der Premium eine Zahnersatzleistung bis 90% vereinbart, liegt es in den anderen Tarifen bei 75% im Komfort- und 60% im Kompakttarif. Eine solche Leistung lässt sich jeweils um 5% erhöhen, wenn Partnerlabore genutzt werden.

Bei der Kieferorthopädie variieren die Erstattungen (unter vorher definierten Regeln siehe 1.5.) von 90/70% im Premium bis hin zu 60/50% in dem Kompakt Tarif. Der zweite Prozentsatz ist der, wenn kein Heil- und Kostenplan vor Handlung vorliegt. Zu beachten auch, diese Kosten sind generell nur bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erstattet werden. Ausnahmen bei Erwachsenen bestehen nur bei Unfall oder schweren Kieferanomalien.

Zudem genau zu beachten sind die Erstattungsgrenzen in den ersten Jahren. Während bei dem Premiumtarif diese mit 1.000/ 2.000/ 3.000 und 4.000 € in den ersten vier Jahren durchaus vertretbar sind, sollten Sie sich diese im Kompakt mit 600 bis 2.400 € in den ersten vier Jahren genau überlegen. Die Höchstgrenzen gelten sowohl für Zahnersatz, aber auch für Kieferorthopädie.

Auch bei den Zahntarifen besteht ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung, zum Beispiel nach einer Behandlung mit Betäubung. Hierbei gelten 100-300 € pro Jahr bei Privatfahrten als zusätzliche Obergrenze. Gerade bei dem Einsetzen von Implantaten oder Zahnbehandlungen mit Betäubung oder dem so genannten Dämmerschlaf, besteht oft direkt danach noch eine Fahruntüchtigkeit.

Optionsrechte und Wechselmöglichkeiten

Im Teil III des Allgemeinen Teils regelt die Württembergische auch die Optionen zur Verbesserung des Schutzes. Während eine Reduzierung der Leistung (als der Tarife oder aber eine Steigerung der Selbstbeteiligung) immer möglich ist, bedarf eine Verbesserung der Leistung oder die Vereinbarung einer kleineren Selbstbeteiligung normalerweise einer neuen Gesundheitsprüfung. Da diese im Alter oder auch im Vertragsverlauf generell schwieriger sein kann, hat auch die Württembergische hier Optionsrechte eingebaut. Diese unterscheiden sich in zwei Bereichen.

Modulwechseloption (I.2. AVB)

Zunächst sei nicht unerwähnt, dass dieses Modulwechselrecht nur bis zum 50. Lebensjahr besteht und der Anlass bis zu diesem Termin eingetreten sein muss. Wer von einer selbstständigen zu einer Angestelltentätigkeit wechselt (nur in diese Richtung), der kann den Versicherungsschutz verbessern. Dabei muss der jeweilige Antrag innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Ein weiteres Optionsrecht zur Verbesserung des Schutzes besteht nach Ende des dritten oder fünften Versicherungsjahres. Dabei ist wichtig zu erwähnen, für Kinder, welche ohne Gesundheitsprüfung über die Kindernachversicherung zum Versicherer kamen, gelten diese Rechte nach dem 3. und 5. Jahr nicht.

Sonst besteht das Wechselrecht bei Änderung des beruflichen Status jedoch auch für mitversicherte Kinder, wenn die Eltern gleichermaßen wechseln.

Besonderes Umstellungsrecht (I.2. AVB)

Neben den Modulwechselrechten bestehen noch weitere Umstellungsrechte. Dabei geht es im Wesentlichen um eine RÜCKumstellung nach einer Reduzierung des Versicherungsschutzes bei Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Sabbatical oder auch der beruflichen Reduktion auf eine Teilzeitstelle. Zum Ende des Ereignisses, spätestens aber EIN JAHR nach Reduzierung, ist somit die Rückkehr in den alten Schutz wieder möglich.

Lediglich bei Reduzierung aufgrund des Wechsels von Angestelltentätigkeiten zu selbstständiger Tätigkeit beträgt die Frist drei statt eines Jahres.

Elternzeit, Kinderkrankengeld und besondere Leistungen

Auch an eine Beitragsfreistellung bei Elternzeit hat die Württembergische gedacht und diese in den Tarif aufgenommen. Dabei wird in den ersten sechs Monaten des Bezuges von Elterngeld der Versicherungsschutz von der Beitragszahlung befreit, wenn innerhalb von zwei Monaten der Bezugsbeginn nachgewiesen wird. Ausgeschlossen ist es nur dann, wenn bereits bei Antragstellung Schwangerschaft bestand oder die Entbindung schon stattfand.

Im Premiumtarif findet sich auch eine Leistung bei Erkrankung eines Kindes. Diese ist eher ein Witz und Marketinggag, hat aber wenig bis nichts mit wirklicher Leistung zu tun. Hier bietet der Versicherer 200 € PAUSCHAL an, wenn das Kind auch bei der Württembergischen versichert ist UND die Krankschreibung mit dem Kind mindestens 5 Tage dauerte. Zudem wird max. zweimal pro Jahr diese Pauschale gezahlt. Sorry liebe Württembergische, aber das bringt im Leistungsfall mehr Frust als Freude. 200 € pauschal und das nur, wenn lange krank, ernsthaft?

Leistungen bei Palliativtherapie, Versorgung in Hospizen sowie auch Leistungen bei Nichtärztlicher Osteopathie haben dagegen Ihren Weg sauber in die neuen Bedingungen gefunden. Natürlich gibt es auch hier Begrenzungen (zum Beispiel im Premiumtarif max. 8*80 € für die Osteopathie), weiterhin sind die erstattungsfähigen Behandler in Punkt 1.20 genauer definiert und zu beachten.

Kinderwunschbehandlung wird in den Punkten 1.23 geregelt und leistet bis zu 8 Inseminationen oder 3 IVF Maßnahmen, auch hier gelten Vorgaben wann genau eine Leistungspflicht, bis zu welchem Alter, besteht. Dieses sollten sich Versicherte genauer anschauen, wenn es Bedarf gibt und natürlich vor Abschluss. In den ersten drei Versicherungsjahren ist zudem je nach Ambulanttarif auf 2.500 € (Premium) bis hin zu 1.800 € (Komfort) begrenzt.

Haushaltshilfen werden bis zu 100% und max. 6 Wochen (15 € / Std. und 80 pro Tag max.) geleistet. Hierbei ist zu beachten, dass die zeitliche Begrenzung auf den Versicherungsfall, nicht auf das Jahr begrenzt ist. Eine ähnlich eigenwillige Formulierung haben wir vorhin schon bei der Psychotherapie gesehen.

Weitere Leistungen wie Soziotherapie, Frühforderung bei Kindern und weiteren Bausteinen in der Leistung, finden Sie in den Bedingungen der Tarife detailliert erklärt.

Beispielprämien

In unserem Fall nehmen wir einen 30jährigen Musterkunden. Dabei setzen sich die Preise nach den Bausteinen zusammen. In der höchstmöglichen Kombination ergeben sich hier:

A10: 403,79
S1: 162,97
Z1: 88,60
PVN: 36,90
gesetzl. Zuschlag: 65,54
Gesamtbeitrag: 757,80 Euro

DAZU kommt noch der Beitrag für das Krankentaggeld (dabei kosten 100 € Tagessatz hier 34,20 €)  in entsprechender Höhe.

Wer sich hingegen für die höchste SB Stufe (die so bei Angestellten aus AG Zuschuss und Steuergründen nur so mittelmäßig sinnvoll ist) entscheidet, dessen Gesamtbeitrag reduziert sich um 156 auf 247,14 € für den Baustein (plus gesetzlichen Zuschlag). Damit rechnet sich diese Option eher nicht. Auch wenn der Betrag erstmal eine höhere Ersparnis verspricht, der nicht durch die Eigenbeteiligung von 1.440 € „aufgefressen wird“, ist es in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Grund sind hier Steuern, Arbeitgeberzuschuss und damit verbundene Effekte.

Dieses sind beides jedoch nur erste Beispielprämien, Beiträge für Kinder und andere Kombinationen sind noch nicht berechenbar und folgen gern nach dem 1.April. Mir liegen nunmehr auch die vollständigen Prämien vor.

Schauen wir uns daher die Kombinationen bei Kindern an:

Kinder zwischen 0 und 15 gelten als eine Altersstufe. In der besten Absicherung fallen hierfür folgende Prämien an:

Ambulant Premium OHNE SB: 130,25 € (bei 480 SB (wird noch halbiert) dann 100,99 €)
Stationär Premium: 46,20 €
Zahn Premium: 62,57 €
= GESAMT: 239,02 €
bei der SB Variante sind es insgesamt 209,76 €

Jugendliche im Alter ab 16 bis 20 zahlen ohne SB 269,60 € in der Kombination Premium, mit SB dann 236,53 €.

Für wen eignen sich die Tarife?

Zunächst muss ein Versicherungsschutz immer zu der Person passen. Das bedeutet auch, ein Tarif ist (bis auf wenige besondere „Kandidaten“) niemals generell gut oder schlecht. Die Tarife bieten eine gewisse Art von Flexibilität bei besonderen Situationen, wenn eine Reduzierung des Schutzes geboten ist. Danach sichern diese bis zum 50. Lebensjahr eine einfache Rückkehr in den neuen Schutz.

Eine besondere Option ist dieses aber am Ende dennoch nicht. Hier fehlen flexiblere Modelle zur Anpassung des Schutzes auch in den kommenden Jahren ohne Ereignis. Aber bekanntlich ist alles Gute nie beisammen. Ob der Versicherer nun zu Ihnen passt und wie die Alternativen am Markt aussehen, dass bleibt wie immer einer Beratung vorbehalten und pauschale Tipps sind nicht möglich.

Unter den Auswahlkriterien oder aber auch der Beratungsseite zur PKV finden Sie weitere Informationen und Fakten und eine Menge Fragen mit denen Sie sich vor einer Anfrage zur PKV beschäftigen sollten.

Für wen eignen sich die Tarife nicht?

Beamte und Beamtenkinder, bzw. solche die es mal werden wollen. Die Württembergische bietet keine Beamtentarife. Nun kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie Beamtin oder Beamter werden will. Aber was, wenn Sie die Partnerin/ den Partner ihres Lebens treffen und die Kinder im Rahmen einer Kindernachversicherung versichern wollen? Das ist nicht ein alleiniger Grund den Schutz nicht zu nutzen, aber, es ist eine Überlegung wert.

Dabei bleibt aber der Fairness halber zu erwähnen, dass ein Kind bekanntlich zwei Eltern hat und es sich so auch einen Schutz über die Neugeborenennachversicherung der Mutter oder des Vaters sichern kann, der / die woanders versichert ist.

Auch der Schutz über Optionstarife ist ein vorher lösbares Problem.

Württembergische PKV Modultarife – Fazit

Die Württembergische hat mit den neuen Tarifen sicher einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dabei sind niemals alle guten Dinge beisammen und Formulierungen bei diversen Bereichen, darunter Psychotherapie, Wechselrechte, Hilfsmittel und einige mehr sind sicher zu diskutieren. Bestehende Kunden bei der Württembergische sollten sich die neuen Tarife als Wechseloptionen durchaus (auch mit neuer Risikoprüfung) ansehen.

Sobald mehr Prämien verfügbar sind, können wir hier auch weiter etwas mehr zur Markteinordnung sagen. Mit den derzeitig bekannten Prämien in der Premiumkombination sieht es jedoch durchaus gut positioniert aus.

Im Bereich der Prämien für Kinder ist hier zu erwähnen, es handelt sich um einen hochwertigen Schutz, welcher seinen Preis hat. Nehmen wir jedoch eine „mittlere“ Leistungsvariante für Kinder, wie den Tarif Esprit vom Deutschen Ring/ Signal Iduna, so müssen wir diesen auch mit anderen Bausteinen vergleichen. Eine denkbare Kombination wäre dabei dann

Ambulant Komfort, Stationär Komfort (2 Bett) und Zahn 2: 158,47 € und damit wieder „näher an den“ 138 € des Esprit und auch besser vergleichbar. Zudem sind auch die Kriterien zur Kinderalleinversicherung zu beachten.

20.
April '20

Continentale Krankenversicherung mit neuem Tarif PREMIUM – eine ausführliche Tarifbewertung


Die Continentale Krankenversicherung hat sich zum 01. April und ganz ohne Scherz, für die Einführung eines neuen Tarifes entschieden. Zu den bestehenden Tarifen der Serien ECONOMY, COMFORT und BUSINESS kommt nun eine weitere Tarifreihe.

Im Gegensatz zu der Vermutung heißt diese aber nun nicht First (Class), sondern PREMIUM.

Mit dem neuen Tarifwerk Premium möchte die Continentale einen verbesserten Schutz bieten und eine andere Zielgruppe, die mit hohen Leistungsansprüchen, endlich wieder zu eigenen Kunden machen. Das gelang in der Vergangenheit eher nicht, da die vorhandenen Tarife eher preisorientiert sind.

Zudem bergen die fallbezogenen Selbstbeteiligungen doch einige Gefahren.

Was sich nun im neuen Tarif geändert hat, welche Leistungen neu und gut und welche vielleicht weiterhin schwierig sind, das schaue ich mir mit Ihnen gemeinsam auf den kommenden 13 Seiten Kommentar zur Tarifeinführung an.

Warum ich glaube, dass die Continentale hierbei Fehler aus der Vergangenheit wiederholt und schon mit dem ersten Prospekt falsche Anreize schafft, das lesen Sie hier.

Zur besseren Lesbarkeit finden Sie den Kommentar als eigenständige PDF Datei im Downloadbereich, oder durch klicken auf das Bild am Ende des Textes hier.

Sehr geehrte Leser,

ein neues Jahr, in vielerlei Hinsicht ein Jahr mit besonderen Herausforderungen. Zumindest aus der aktuellen Erfahrung in der Beratung, wandeln sich nicht nur die Ansprüche der Versicherten, es ändern sich auch gravierend die Produkte und Angebote der Versicherer.

Auch die Continentale Krankenversicherung, welche mit der fallbezogenen Selbstbeteiligung einen sehr eigenwilligen Weg am Markt bestreitet, kann den neuen Anforderungen und Wünschen der (potenziellen) Kunden nicht entgehen und führte damit vor einigen Tagen einen neuen Tarif der Krankenvollversicherung am Markt ein.

PREMIUM – der neue Krankenvolltarif der Continentale Krankenversicherung aG

In der Vergangenheit hatte man sich (aus meiner Sicht durchaus zu viel) auf das Kriterium „billig“ gestürzt und teilweise sah es so aus, als müsste man um jeden Preis die Prämie der Mitbewerber unterbieten, oder zumindest den Anschein erwecken dies zu können.

Wie sich der neue Tarif am Markt positioniert und welche Vor- und Nachteile dieser bietet, das schauen wir uns hier gemeinsam im Detail an.

HIER WEITERLESEN

Kommentar zur Tarifeinführung CONTINENTALE PREMIUM [pdf]

Weitere Unterlagen zu dem Tarif finden Sie hier:

23.
Mai '19

Axa Krankenversicherung mit neuem Tarif ActiveMe – Innovation oder Flop? Eine ausführliche Analyse


Da sitze ich nun hier. Warte seit Wochen gespannt auf die angekündigte und innovative Krankenversicherung der Axa. Ein neuer Vollkostentarif soll es werden. Seit einigen Wochen rührt die Axa die Werbetrommel bei den Vermittlern und verspricht Innovation, Veränderungen und eine Anpassung an die neue Zielgruppe der Axa. Man wolle ein Gesundheitsversicherer werden, kein Krankenversicherer.

Klingt besser, wird wohl bei einem innovativen Marketing-meet-up herausgekommen sein. Aber lassen wir uns überraschen, dachte ich.

Nachdem dann gestern die ersten Unterlagen eintrudelten, sahen diese auch ganz vielversprechend aus. OK, es ist weiterhin aus Sicht der Versicherer nicht nötig dem Makler oder Berater Bedingungen zu schicken, es reicht aus Prospekte und Sales Seiten zu verlinken. Nur dank eines direkten Kontaktes liegen mir die Bedingungen vor. Die Axa selbst hat in dem innovativen Newsletter nur Prospekte verteilt und recht nichts sagende Sales-Seiten verlinkt. (Wollen Sie mal schauen? aber pssst!)

In der Vergangenheit hatte die Axa ja ein weniger glückliches Händchen mit der Krankenversicherung. Versagen in der Kalkulation, Treuhändlerstreit und mehr Baustellen als man bedienen kann. Aber das ändert sich nun. Mit dem neuen und innovativen Vollkostentarif.

Mit dem neuen Tarif möchte man sich wandeln. Von der reinen Kostenerstattung, hin zu einem Gesundheitsdienstleister.

Tarif ActiveMe – Bonus für…

  • – Nichtraucher
  • – Sportler
  • – Blutspender
  • – Kranke in speziellen Programmen

So will man locken, mit Geld. Jeder der bestimmte Kriterien erfüllt, bekommt welches. Ganz unabhängig von der Leistungsfreiheit im Tarif und der normalen Rückerstattung. Solange es jeder auch in der Steuer angibt, alles gut.

Tarif ActiveMe – Bedingungen eher „geht so“

Nicht schlecht, das möchte ich damit keinesfalls pauschal sagen, aber auch nichts welches besonders innovativ ist oder den Namen „Innovation“ verdienen würde.

Aber ich habe es nicht in eine Analyse mit über 3.000 Worten geschrieben, damit ich es hier in den Beitrag nochmals schreibe. Daher bin ich einfach so frei und verlinke Ihnen hier die vollständige

Tarifanalyse AXA ActiveMe

Als kostenfreie PDF zum Download. Bei einem heißen Kaffee und mit ganz viel Spaß beim Lesen. Lehnen Sie sich zurück, schnappen sich den Ausdruck und lesen!

Weitere Unterlagen zum AXA ActiveMe Tarif

Ein etwas vorweg gegriffenes…

Fazit

Zunächst noch einen Blick auf eine andere Formulierung, welche ich noch nicht ansprach. Die Axa hat natürlich, allein schon weil man es dann bewerben kann, eine Beitragsbefreiung bei Elternzeit. Zumindest schriebt man das.

Schauen wir uns die Regelungen dann unter Punkt E.) in den Tarifbedingungen an, werden schnell die Einschränkungen klar.

Während der ersten 2 Monate des Bezuges von Elterngeldreduziert sich der für diesen Tarif zu
zahlende monatliche Beitrag um 50%. Die Beitragsreduzierung gilt nur für die versicherte Person, die Elterngeld bezieht und nur, wenn für die Person keine besonderen Bedingungen für Personen in Berufsausbildung bestehen. Der Antrag auf Reduzierung des Beitrages ist innerhalb von 3 Monaten nach Bezugsbeginn des Elterngeldes zu stellen und nachzuweisen. Die Beitragsreduktion ist ausgeschlossen, wenn bei Beantragung dieses Tarifes die Schwangerschaft bereits festgestellt oder das Kind bereits entbunden wurde.

ZWEIganze Monate und zudem natürlich nur für den Tarif selbst, nicht für den Zahnschutz, nicht für andere Bausteine. Aber klar, bewerben kann man es nun natürlich.

In Summe betrachtet ist der Tarif ganz nett und sicher durchaus eine Option für bisher AXA Versicherte. In der Hoffnung hier die Beiträge besser in den Griff zu bekommen und die Kalkulation sauber durchdacht zu haben, keine so schlechte Wahl.

Innovationen suche ich auch nach dem dritten Lesen noch. Neu ist außer ein wenig Bonus, der Zuschuss zu einer App (z.Bsp. bei Tinitus, 19 EUR monatlich nach ärztlicher Verordnung) oder auch einem Bonus bei Nichtrauchern nicht wirklich etwas.
Was hier als Innovation verkauft und angekündigt wird, haben auch andere Mitbewerber, teilweise sogar schon lange.

Bonuszahlungen sind möglich bei Nichtrauchern, einem passenden BMI, Teilnahme an Impfungen, Sport oder Blutspenden oder bei Patientenprogrammen bei bestimmten Erkrankungen.

25.
Juni '18

ARAG Krankenversicherung mit neuem Beitragsentlastungstarif – aber nicht für alle Kunden


Die Beitragsentlastungtarife sind bei Gesellschaften und Kunden durchaus gern gesehen. Auch wenn diese- wie alles im Leben- nicht nur Vorteile haben. Daher sollte sich jeder fragen, was diese Tarife bringen, ob es Alternative Formen der Beitragssicherung gibt und wie diese aussehen können. Doch darum soll es gar nicht speziell gehen, vielmehr ist der Beitragsentlastungstarif der ARAG Krankenversicherung mein heutiges Thema.

Was ist ein Beitragsentlastungstarif?

Mit einem Tarif zur Beitragsentlastung kaufen Sie sich ein Stück Sicherheit. Sie zahlen heute einen zusätzlichen Beitrag für einen Baustein Ihrer privaten Krankenversicherung und können dann von einer garantierten Beitragsentlastung im Alter profitieren. Es ist am Ende nichts anderes, als ein „Sparbaustein“, welcher Ihnen ein zusätzliches Guthaben verschafft und im Alter damit die Beitragslast senkt.

Welchen Vorteil hat so ein Tarif?

Zunächst einmal ist der Beitragsentlastungsbaustein aus heutiger Sicht Krankenversicherungsbeitrag. Also wird dieser auch steuerlich so behandelt. Gegenüber dem Finanzamt haben Sie somit einen höheren Aufwand für die private Krankenversicherung, welches sich je nach steuerlicher Situation durchaus positiv auswirken kann. Dazu fragen Sie aber bitte einen Steuerberater.

Gibt es für den ARAG BEK Tarif einen Zuschuss vom Arbeitgeber?

Ja, denn wie auch steuerlich, ist es in Hinblick auf die AG Zuschussfähigkeit auch Krankenversicherungsbeitrag. Wer also den eigenen AG Zuschuss noch nicht ausgeschöpft hat (Aktuelle Sozialversicherungswerte 2018 und AG Zuschuss hier nachlesen), der bekommt auch 50% seines Beitrags für den Beitragsentlastungsbaustein erstattet.

Wer kann den neuen ARAG BEK Tarif abschließen?

Sollten Sie jetzt denken „oh, ich bin ja ARAG PKV Kunde, dann mache ich den Tarif doch einmal für mich“, muss ich Sie vielleicht enttäuschen. Nicht jeder vollversicherte Kunde kann sich den Tarif dazu versichern. Es ist zudem ein Mindestalter von 21 Jahren erforderlich.

Folgende Kunden sind berechtigt:

  • – ARAG Vollversicherungskunden nach den Tarifen KOMFORT (K0 bis K1500)

  • – ARAG Vollversicherungskunden nach den Premiumtarifen 200-209, 2020, 21P70-21P90 und 210

Folgende Kundengruppen können den Tarif nicht abschließen:

  • – Kunden aller anderen Vollkostentarife der ARAG

  • – Kunden mit einer ARAG Zusatzversicherung

  • – Kunden deren Vollversicherung in der Anwartschaft geführt wird

  • – Kunden im Notlagentarif

  • – alle Beihilfekunden der ARAG

Tarifbezeichnung

Die Bezeichnung des Tarifes setzt sich dann auch aus dem jeweiligen Namen des Tarifs und des Endalters zusammen. Dieses kann das 63. oder 67. Lebensjahr des Versicherten sein.

Kann das Datum der Entlastung geändert werden?

Der ARAG Tarif wird mit einem fixen Termin angeboten. Dabei gibt es nur zwei Endalter zur Auswahl. Der Entlastungstermin ist somit die Vollendung des 63. oder 67. Lebensjahres. In dem Jahr beginnt die Entlastung dann zu dem Zeitpunkt, in welchem der Tarif einmal begann. Der Geburtsmonat spielt dann keine Rolle.

Was passiert, wenn die PKV der ARAG (oder der berechtigte Tarif) endet?

Endet die ARAG Krankenversicherung, so wird ein so genannter Übertragungswert gebildet und an den neuen Versicherer mitgegeben. Dabei handelt es sich um die Alterungsrückstellungen nach §146 Abs. 1 Nr. 5 VAG und nicht um die eingezahlten Beiträge.

Ist der Versicherte jedoch aufgrund eines Tarifwechsels nun in einem Tarif gelandet, welcher nicht zu der Grundversicherung, also den berechtigten Tarifen, zählt, so muss unterschieden werden. Erfolgt der Wechsel vor dem Jahr in welchem das 63. Lebensjahr vollendet wird, wird das Geld zum Entlastungsbeginn dann zur Beitragsminderung nach §150 Absatz 3 für die dann bestehende Grundversicherung genutzt. Ein Weiterbestehen des Tarifes ist aber nicht möglich, die Beitragszahlung endet dann.

Erfolgt der Tarifwechsel nach dem 31.12. des Jahres, in welchem das 62. Lebensjahr vollendet wird, wird die Beitragsentlastung sofort auf die Grundversicherung angerechnet und mindert deren Beitrag.

Wird der Versicherte wieder pflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse, so kann der die Rückstellung nach Umwandlung des Haupttarifes in eine Zusatzversicherung ggf. auch hier angerechnet werden. Dazu sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen.

  • – Zusatzversicherung schließt unmittelbar an

  • – Zusatzversicherung wird nach Art der Lebensversicherung betrieben

  • – es muss eine Krankheitskosten-, Krankentagegeld- oder Pflegezusatzversicherung sein (geförderte Pflege geht nicht)

  • – der Versicherte muss versicherungsfähig in der Zusatzversicherung sein

In allen anderen Fällen verfallen die Guthaben und Rückstellungen zugunsten der Versichertengemeinschaft. Das gilt auch, wenn die Hauptversicherung wegen Wegzug ins Ausland oder durch Tod endet.

Detaillierte Szenarien finden sich unter Punkt 5 der AVB.

Sonstige Fakten rund um den neuen ARAG BEK Tarif

Ein vorhandener Risikozuschlag oder der gesetzliche Zuschlag, aber auch Auslandszuschläge können nicht reduziert werden. Möchten Sie den Beginn der Entlastung ändern, so können Sie dieses (unter Anpassung des Beitrages) vor Beginn der Entlastungsphase tun. Es gilt das, bei Umstellung erreichte, neue Eintrittsalter.

Erhöhung des Entlastungsbetrages (Dynamik)

Nach Beginn des Vertrages, gerechnet ab 2019, erhöht der Versicherer alle drei Jahre den versicherten Betrag um 10%. Die Anpassung gilt für den Entlastungsbetrag und den Zahlbeitrag.

Ein Widerspruch ist möglich, falls die Erhöhung nicht gewünscht wird. Detaillierte Regelungen zur Dynamik finden Sie in 2.5. der Versicherungsbedingungen.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt 24 Monate. Versichert werden kann der Tarif nur von Menschen, welche noch 5 Jahre bis zur geplanten Entlastung haben. Je nach gewünschtem Termin ist das Höchstaufnahmealter also das 58. oder 62. Lebensjahr. Abgeschlossen kann maximal (in 1 Euro Schritten) der Beitrag der heutigen Grundversicherung (ohne Zuschläge) plus der Beitrag für die Beitragsentlastung selbst.

Welche Gesundheitsfragen sind zu beantworten?

Keine. Ungeachtet des Gesundheitszustandes ist der Abschluss für alle berechtigten Versicherten möglich. Eine Prüfung findet hier nicht statt.

Wie hoch ist der Beitrag?

Ein heute 30jähriger Versicherter zahlt für 100 EUR Beitragsentlastung:

ab dem 63. Lebensjahr = 30,10 EUR monatlich

ab dem 67. Lebensjahr = 23,70 EUR monatlich

Mit dem Eintrittsalter 40 ändert sich die Beträge auf 43,40 EUR bzw. 34,10 EUR.

In der Modellrechnung sieht das dann so aus:

Der heute 30jährige zahlt bis zum 63. Lebensjahr (ohne Anpassungen und Dynamik) einen Betrag von 30,10 * 12 Monate * 33 Jahre = 11.919 EUR. Da auch in der Entlastungsphase der Beitrag weiter zu zahlen ist, hat er folgende Effektiventlastung. 100 EUR – 30,10 EUR = 69,90 EUR monatlich. Um die 11.919 EUR „zu verbrauchen“, müssten somit (auch hier wieder ohne Zinsen und Anpassungen) mind. 170 Monate also 14 Jahre die Entlastungsbeträge bezogen werden. Wird unser Versicherter also alt, so hat er mit 77 alle Beiträge „wieder raus“. Jedoch ohne damit Zinsen oder andere Erträge berücksichtigt zu haben. Ebenfalls spielen bei diesem Modell Steuern, ersparte Einkommens- oder Lohnsteuer oder andere Faktoren keine Rolle.

Fazit

Es hängt von vielen Faktoren ab, ob sich ein solcher Tarif lohnt oder ob andere Varianten besser geeignet sind. Auch eine geförderte Altersvorsorge, ein Fond- oder ETF Sparplan oder andere Anlageformen können eine Alternative sein. Daher sollte das Thema Beitragsentlastung immer detailliert beraten und besprochen werden.

Weitere Unterlagen: