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19.
August '19

Nach PKV Wechsel folgt höhere Lohnsteuer – so beugen Sie bösen Überraschungen vor


Auch wenn ich in der Vergangenheit schon einmal etwas dazu geschrieben habe, auch die Welt der PKV und GKV dreht sich weiter. So ist es durchaus nach einigen Jahren an der Zeit, einiges zu aktualisieren und weitere Informationen zu ergänzen.

Leider scheint in vielen Beratungen so einiges unterzugehen, schließlich möchte der Berater nicht abschrecken. Warum Sie mit einer PKV bzw. einem Wechsel in eine solche kein Geld sparen, niemals nie, das habe ich bereits in vielen Beiträgen erklärt. Doch eine Anfrage im Live Chat heute morgen, erinnerte mich wieder an mein offenes ToDo. Woher kommt denn eine solche Erhöhung und warum wird aus einer vermeintlichen Ersparnis am Ende sogar ein höherer Beitrag bzw. ein geringeres Nettoeinkommen?

Das hat recht einfach zu erklärende Gründe, diese und die Grundlagen einer solchen „Verschiebung des Einkommens“ schauen wir uns hiermit einmal genauer an. Dabei klären wir einmal folgende Fragen:

  • – Wie kommt es zu einem geringeren Netto nach dem PKV Wechsel?

  • – Warum ist meine Lohnsteuer nun höher, obwohl ich den Top Tarif versichert habe?

  • – Ändert sich das wieder?

  • – Wie kann ich das „Steuerproblem“ verhindern?

Wie kommt es zu einem geringeren Netto nach dem PKV Wechsel?

Oft wird es zunächst gar nicht direkt bemerkt. Der Wechsel ist vollzogen, die private Krankenversicherung hat Bescheinigungen geschickt und Sie haben lustig Unterlagen versandt (wie hier beschrieben) und dann, dann kommt die erste Gehaltsabrechnung.

Um uns die Zahlen einmal etwas genauer anzusehen, nehmen wir einen Musterkunden als Beispiel. Konkret Zahlen und Fakten helfen uns hier, um das komplexe Thema zu verstehen und nicht nur in der Theorie „im Dunkeln“ zu tappen. Unser Kunde ist 35 Jahre alt, hat ein Bruttoeinkommen von 5.500 € (und zur Vereinfachung auch nur 12 Gehälter). Dabei ist er (noch) Kinderlos, in keiner Kirche und zahlt in der Steuerklasse 1 als lediger seine Steuern.

Zunächst ist es einmal wichtig eine Grundlage zu haben, diese bildet die bisherige Mitgliedschaft in der GKV (hier die DAK als bundesweite Kasse, mit 1,5% Zusatzbeitrag.) Von seinem Bruttogehalt bleiben nach Abzug aller Kosten 3.210,86 € übrig. Denn natürlich sind die Krankenversicherung und die Lohnsteuer nicht die einzigen, welche auch etwas vom „Kuchen“ abbekommen möchten.

Wichtige Eckdaten aus der Abrechnung sind für uns:

Lohnsteuer: 1.197,25 €

Solidaritätszuschlag: 65,84 €

und ein verbleibendes Netto nach Krankenversicherung von 3.210,86 €

Zu beachten hier aber, es sind keinerlei Zusatzversicherungen enthalten. Würde unsere Kunde aber solche zur Erhöhung der Leistungen abschließen (und damit ambulant, stationär, zahnärztlich und das Krankentagegeld -auf 120 €- aufstocken, so kämen hier gut 70-90 € dazu, bei Kostenerstattungstarifen noch mehr.

Diese Daten nehmen wir aber als Eckdaten, um von hieraus den Wechsel in die PKV zu betrachten und uns dann dort die Zahlen anzusehen. Dazu habe ich mir zwei Tarife herausgesucht und zwei Modelle. Einmal einen sehr leistungsfähigen Tarif mit einem höheren Beitrag, mit dem beginnen wir auch:

Der Tarif stellt einen „Premiumtarif“ dar. Auch wenn ich den Begriff nicht mag, er beschreibt Tarife mit sehr hohen Leistungsansprüchen. Als Beispiel und wirklich nur sehr vereinfacht sind daher im Tarif Leistungen enthalten, wie zum Beispiel:

  • – Einbettzimmer

  • – Wahlleistung Chefarzt/ Privatarzt

  • – Weltgeltung- Zahnersatzleistungen >= 90%

  • – Honorare über der Gebührenordnung und deren Höchstsätzen

  • – 120 € pro Tag Krankengeld- Heilpraktiker, Naturheilkunde und viele mehr

Der Beitrag zur Krankenversicherung liegt hier bis auf wenige Cent bei dem Betrag, der auch für die gesetzliche Krankenkasse angefallen ist und ist somit recht gut vergleichbar. Dabei sind die Leistungen natürlich unterschiedlich, wie eben bereits geschrieben. Der Beitrag für die PFLEGEPFLICHT jedoch liegt bei (mehr …)

27.
Januar '11

Höhere Lohnsteuer nach PKV Wechsel?


UPDATE 2019

Einen erweiterten Beitrag finden Sie hier:

Nach PKV Wechsel folgt höhere Lohnsteuer – so beugen Sie bösen Überraschungen vor


Was wird genau berücksichtigt?

Beiträge für den Steuerpflichtigen selbst und auch für unterhaltsberechtigte Personen (wie Ehegatten, Kinder) sind in höhe einer „Basiskranken- und Pflegeversicherung“ zu berücksichtigen. Ein Höchstbetrag oder eine Begrenzung gibt es nicht, jedoch sind nur die tatsächlichen Aufwendungen zu berücksichtigen. Nicht zu berücksichtigen sind Anteile zur Krankentagegeldversicherung, Zusatzbausteinen etwa für Ein- oder Zweibettzimmerzuschläge oder auch Bausteine zur Privat-/ Chefarztbehandlung. Der private Krankenversicherer ermittelt einen Abschlag. Dieser ist nicht abzugsfähig da er die eben genannten Leistungen, oder beispielsweise Schutz bei Heilpraktikerbehandlungen oder Kieferorthopädie bietet. In der Praxis ist oftmals ein Betrag zwischen 70-85% abzugsfähig. dieses ist aber tarifabhängig und nicht pauschal zu sagen.

Was ist denn der tatsächliche Aufwand?

Es handelt sich hier um die wirklich gezahlten Beträge. Dabei sind Rückzahlungen (wie der Arbeitgeberzuschuss, eine Beitragsrückerstattung, Pauschalleistung oder Bonuszahlung) mindernd anzusetzen. Bekommt der Arbeitnehmer also eine Pauschalleistung, eine Rückerstattung am Jahresende oder einen Bonus, so ist dieser am Jahresende anzugeben und mindert den tatsächlich entstandenen Aufwand.

Eine entstandenen Selbstbeteiligung ist nicht „Aufwand“ im Sinne des Gesetzes, kann aber wie bisher als „außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden.

Doch wie kann es nun passieren, das nach einem Wechsel aus der gesetzlichen (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) plötzlich weniger Nettogehalt da ist/ mehr Lohnsteuer abgeführt wird?

Bei vielen Versicherten die vormals in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren, sinken durch einen PKV Wechsel zunächst die Beiträge. Allein dadurch ist ein verminderter Aufwand vorhanden, ergo auch höhere Lohnsteuer zu zahlen. Der Beitrag zur Privaten Krankenversicherung ist zudem meist nicht zu 100% absetzbar, denn es handelt sich hierbei auch um enthaltene „Komfortleistungen“, welche nicht absetzbar sind. (siehe Erläuterungen oben im Artikel)

Um die Abrechnung zu verdeutlichen, folgende drei Beispiele. Allen liegen gleiche Voraussetzungen zu Grunde:

Arbeitnehmer, Bundesland Berlin, kinderlos, evangelisch

Bruttoeinkommen 4.000 EUR monatlich

Beitragsbemessungsgrenze: 3.708,33 EUR mtl.

Fall 1- der gesetzlich Versicherte Arbeitnehmer. Beitragssatz 15.5% für die Krankenversicherung und 2,25% für die Pflegeversicherung. AG und AN zahlen somit zusammen 15,5% KV und 2,25% PV = 658,23 EUR

Von den 4.000 EUR brutto sind 777,08 EUR Lohnsteuer, 42,73 EUR Soli und 69,93 EUR Kirchensteuer abzuziehen. Für die Krankenversicherung werden für den Arbeitnehmeranteil 304,43 EUR und für die Pflege 45,48 EUR fällig. Dazu kommen weitere SV Beiträge.

Dem Arbeitnehmer verbleibt nunmehr ein NETTOeinkommen von 2.302,35 EUR

Fall 2- der privat versicherte Arbeitnehmer. Beitrag zur PKV 400 EUR, Pflegevers. 30 EUR. Anrechenbarer Beitrag im Sinne eines Basisschutzes 320 EUR.

Von den 4.000 EUR brutto sind hier nun schon 843,91 EUR Lohnsteuer, 46,41 EUR Soli und 75,95 EUR Kirchensteuer abzuziehen. Für die Krankenversicherung werden 200 EUR, für die Pflegeversicherung 15 EUR Arbeitgeberzuschuss steuerfrei dazu gezahlt. Abzuziehen auch hier natürlich die weiteren SV Beiträge.

Dem privat versicherten Arbeitnehmer verbleibt nun ein Netto von zunächst 2.790,73 EUR abzüglich des PKV und Pflegeversicherungsbeitrages von 400 und 30 EUR, also sind „übrig“ 2.360,73 EUR

Aus der anfänglichen „Beitragsersparnis von etwa 228 EUR  (658 EUR GKV – 430 PKV) bleiben „unterm Strich“ beim Arbeitnehmer knapp 58,48 EUR übrig. (ggf. zu korrigieren um Beitragsrückerstattung s. oben)

Doch was passiert, wenn sich der Arbeitnehmer für einen „teureren Tarif“ in der PKV entscheidet? Das sehen Sie nun im Fall Nr. 3:

Fall 3- Arbeitnehmer, Beitrag zur PKV 500 EUR, Pflegevers. 30 EUR. Anrechenbarer Beitrag im Sinne eines Basisschutzes 400 EUR.

Von den 4.000 EUR brutto sind hier nun 843,91 EUR Lohnsteuer, 46,41 EUR Soli und 75,95 EUR Kirchensteuer abzuziehen. Für die Krankenversicherung werden 250 EUR, für die Pflegeversicherung 15 EUR Arbeitgeberzuschuss steuerfrei dazu gezahlt. Abzuziehen auch hier natürlich die weiteren SV Beiträge.

Und was bleibt hier übrig? 2.310,73 EUR.

Auch hier wurden zunächst gegenüber der GKV noch 128 EUR eingespart. Am Ende blieben davon 8,38 EUR übrig. (bei deutlich höheren Leistungen)

Auch ist zu bedenken, eine Leistungserhöhung durch Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenkasse (GKV) wirken sich nicht steuerlich aus, da diese ebenfalls über die Basisversorgung hinausgehen. Dennoch belasten diese allein und ausschließlich den Arbeitnehmer, wodurch sich das Verhältnis von Arbeitgeber- zu Arbeitnehmeranteil nochmals verschlechtert.

Im Falle der Leistungsfreiheit in dem Tarif und einer unterstellten Beitragsrückerstattung von 2 Monatsbeiträgen, werden bei dem Fall 2 knapp 800 EUR und im Fall 3 schon 1.000 EUR zurückerstattet. Diese wirken sich natürlich ebenfalls, wie oben geschildert, mindernd aus. Pauschal ist also in der Vorschau auf das Jahr noch gar keine endgültige Aussage zu treffen.

Fazit:

Nicht allein die Beitragsersparnis auf dem Papier entscheidet über die finalen Summen. Dabei sind vielmehr auch die Fragen nach der Berücksichtigung der Beiträge zu stellen. Auch Modelle und Bausteine zur Beitragsreduzierung im Alter spielen hier eine Rolle und wirken sich aus. Achten Sie also zuerst auf die Leistungen, dann auf Fragen wie Beitrag und steuerliche Fragen und ziehen Sie bei Unklarheiten einen Steuerberater zu Rate.

In unserem Fall wäre der Versicherte mit der 3. Variante langfristig sogar besser gefahren, obwohl hier monatlich knapp 100 EUR mehr Beitrag zu zahlen sind als im Fall 2 zuvor. Die Beitragsersparnis schmilzt auf der einen Seite weiter, auf der anderen Seite werden mehr Altersrückstellungen gebildet, diese können bei einem späteren Wechsel in einen leistungsschwächeren Tarif (Fall 2 z.Bsp.) durchaus positive Auswirkungen haben.

Diese Beispielrechnung stellt keine Steuerberatung dar und ist ohne Gewähr. Die Daten zur Lohnabrechnung wurden mir freundlicherweise vom Steuerbüro Thomas Glaser zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

17.
Dezember '09

Die Krankenversicherungsbeiträge werden steuerlich absetzbar – ab 2010


Egal ob Neukunde in der Privaten Krankenversicherung (PKV) oder bereits langjährig Versicherter in der gesetzlichen oder Privaten Krankenversicherung, diese Änderung betrifft alle. Die Beiträge können zukünftig von der Steuer abgesetzt werden.

Die Beiträge zur (privaten) Krankenversicherung werden aber nicht zu 100% abzugsfähig, sondern nur bis zur Höhe des so genannten Baissschutzes. Nur was ist das?

Hierbei wird in den Tarifen zunächst geprüft welche „zusätzlichen“ Leistungen enthalten sind. Dabei handelt es sich um Leistungen die nicht dem Basisniveau entsprechen, also Leistungen für Heilpraktiker, Privat-/ Chefarztbehandlung, Mehrleistungen beim Zahnersatz und Kieferorthopädie oder ähnliches.

Der „Gesetzliche Zuschlag“ und eventuelle Risikozuschläge sind aber zum gleichen Prozentsatz absetzbar wie die Krankenversicherung zu der diese gehören.

Weiterhin ist aber zu beachten: Beitragsrückerstattungen, Erstattungen durch den Arbeitgeber oder sonstige Abzüge (zum Beispiel für kostenbewusstes Verhalten, Boni oder sonstige Rückzahlungen) mindern den steuerlich abzugsfähigen Betrag.

Der Betrag wird dann durch den Versicherer bestätigt und kann auf zwei Arten „abgesetzt werden“. (Die Krankenversicherungsausgaben sind somit ab 2010 zum Teil Sonderausgaben)

1.) Durch Nutzung der Bescheinigung am Jahresende (also mit der Einkommensteuererklärung) welches dann ggf. zu einer Steuererstattung führt.

2.) Durch Eintragung eines Freibetrages auf der Lohnsteuerkarte oder Verminderung der Vorauszahlungen bei Selbstständigen (Sprechen Sie hierzu auf jeden Fall mit Ihrem Finanzamt oder Steuerberater)

Einige Versicherer bieten an, die Arbeit etwas zu erleichtern. Dazu teilt man dem Unternehmen die Steueridentifikationsnummer mit und dieses meldet die relevanten Beiträge an die ELSTAM Datenbank.

Was passiert mit meinem bisherigen Tarif? Muss ich etwas ändern?

Nein, Sie müssen nicht, sollten es aber einmal berechnen lassen und ggf. überdenken.

Bisher galt eine Selbstbeteiligung als Instrument zur Beitragssenkung als förderlich. Insbesondere bei Arbeitnehmern sollten Sie sich genau anschauen wie hoch der Krankenversicherungsbeitrag ist und ob der Arbeitgeberzuschuss ausgenutzt wird.

Danach muss überlegt werden, ob eine Variante mit kleinerer Selbstbeteiligung in der Gesamtbetrachtung nicht sogar günstiger ist, auch wenn dieses zunächst zu einem höheren Zahlbeitrag führt. Eine Verringerung der Selbstbeteiligung führt aber (bis auf wenige Ausnahmen) zu einer neuen Risikoprüfung.

Auch Tarife mit so genannten garantierten Beitragsrückerstattungen (Central CVP, Vario, Continentale GS1 Plus) oder pauschaler Abgeltung (Hanse Merkur ASZG) sind lange nicht mehr so günstig wie diese mal waren. Sollten Sie in solchen Tarifen versichert sein, bietet sich eine genaue Betrachtung und ggf. Tarifumstellung an.

Übereilen sollten Sie jedoch nichts. Machen Sie sich Gedanken und sprechen Ihren Berater an. Dazu sollten Sie auch Einkommensdaten (zu versteuerndes Einkommen, Jahreseinkommen, Steuersatz etc.) bereit haben um eine individuelle Berechnung durchführen zu können.