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21.
Mai '14

Finanztest und die (bewusst?) falschen Empfehlungen in der kostenpflichtigen PKV Analyse


Manchmal glaube ich, die machen das nur damit die Leser hier im Blog was neues zu lesen bekommen, die Damen und Herren von Finanztest. Ich kann mir auch nicht vorstellen, das so was „nebenbei passiert“ und es sich um einfache Fehler handelt, aber vielleicht war auch nur die Software kaputt, die Eingaben falsch oder sonst irgendein bedauerlicher Einzelfall schuld.

Vor einigen Wochen veröffentlichte Finanztest einen neuen „Test zur Privaten Krankenversicherung„, dieser war dilettantisch aufbereitet, enthielt falsche Informationen und es gewannen Tarife, welche die eigenen (und fragwürdigen) Testkriterien nicht einmal erfüllten. Daher stieß der Test auch auf massive Kritik und wurde nachweislich als falsch und unsauber recherchiert enttarnt.

Schon in dem anschließenden Chat dokumentierten die beiden Damen die eigene Unfähigkeit durch falsche Aussagen und unvollständige Angaben. Wie bei meinem Kommentar angekündigt, habe ich mich einmal etwas näher mit der Analyse befasst, welche Sie für einen Betrag von 29 EUR bei der Finanztest kaufen können. Kleiner Tipp, lesen Sie diesen Artikel erst bis zum Ende und überlegen dann noch einmal ob Sie den Selbsttest noch wagen wollen.

Warum Finanztest eine Analyse zur PKV zum Kauf anbietet?

Um Geld zu verdienen, oder was glauben Sie? Es ist sicher spekulativ mit welchem Ansinnen ein solches Angebot erfolgt, Fakt ist aber: Finanztest offeriert hiermit eine individuelle Auswertung der Tarife in der PKV und bietet eine Art Beratung an.

Die Versicherungs-Experten ermitteln Angebote, die für die individuellen Bedürf­nisse infrage kommen und eine möglichst gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Die Analyse kostet 29 Euro und wird ab dem 1. Mai 2014 wieder angeboten.

Da Finanztest weder eine Zulassung als Makler, noch als sonstiger Berater hat, verstößt man hier (meines Erachtens) gegen gesetzlichen Vorschriften, aber das wird an anderer Stelle zu klären sein.

Wie funktioniert das genau und was sind meine Kriterien?

Sie können einen Fragebogen herunterladen und dort die Fragen zu dem von Ihnen gewünschten Leistungswunsch zusammentragen. Dabei ist es nicht möglich weitere Fragen zu stellen, die Auswertung erfolgt nur anhand der dort gestellten Fragen und den auszuwählenden Antworten. Dabei geht es zunächst um den gewünschten Versicherungsumfang. Hier also der erste Teil meines Fragebogens.

Finanztest_Fragebogen_Teil I

Was wollte ich also? Als Angestellter (meiner GmbH) ist mir eine Selbstbeteiligung zwar recht, sollte aber nicht zu hoch sein. Daher habe ich mich für maximal 600 EUR entschieden. Weiterhin wollte ich ausdrücklich keine Tarife mit dem Primärarztmodell und ein Einbettzimmer mit Chefarztbehandlung.

Weiter geht es dann mit einem- für mich sehr wichtigen- Kriterium, der Erstattung von Arztkosten auch über die Höchstsätze der Gebührenordnung (GOÄ und GOZ) hinaus. Bei den Zahnleistungen konnte ausgewählt werden, welche Erstattung für Zahnbehandlung und -ersatz gewünscht wird, jedoch nur zwischen „hoch“ (mind. 90% und mittel 50-90% ZB) gewählt werden. Natürlich brauche ich noch ein Krankentagegeld, das am besten ausreichend und so entscheide ich mich für 140 EUR pro Tag, beginnend nach der sechswöchigen Lohnfortzahlung.

Das kann es wohl nicht gewesen sein?

Nein, natürlich reichen diese Kriterien nicht aus, und darum folgen dazu weitere „Zusätzliche Leistungen“ welche ich ankreuzen kann. Dabei ist eine Unterscheidung in „weniger wichtig“ und „sehr wichtig“ möglich.

Ich verstehe das so, „sehr wichtig“ bedeutet ein unverzichtbares Kriterium auf welches ich wert lege, weniger wichtig kann auch eine Leistung sein, welche ich nicht oder nur sehr reglementiert im Tarif benötige, oder wie sehen Sie das als Laie?

Finanztest_Fragebogen_Teil II

Somit habe ich eine Einschätzung der abgefragten Punkte für mich vorgenommen, einige als sehr wichtig und andere als weniger wichtig gewichtet und war gespannt auf die Auswertung. Erläuterungen was einzelne Kreuze für Auswirkungen haben oder was es bedeutet hier dieses oder jedes nicht auszuwählen- Fehlanzeige. Den Fragebogen schickte ich dann an die Stiftung Warentest, wenn auch etwas spät.

Was erwartet mich?

Keine Woche später war es soweit. Ich öffnete den Briefkasten und fand einen DIN A4 Umschlag mit 2 Seiten Anschreiben, einer Seite Übersicht, 16 Seiten Tarifbeschreibungen, eine Seite Erläuterung von Abkürzungen und schließlich zwei Seiten mit den Adressen aller PKV Versicherungsunternehmen.  Insgesamt also 22 Seiten Papier, nutzlos für meine Auswahl, wie sich später noch zeigen sollte und das ganze für 29 EUR plus 0,60 EUR Porto.

Zunächst einmal weisst man mich im Anschreiben nochmals darauf hin, das der Abschluss der PKV wohl überlegt sein will und es nur in „ganz seltenen Ausnahmen“ einen Weg zurück gibt. Naja, halbrichtig ist es ja wenigstens, aber schauen wir erst einmal weiter.

„Mit unserer Finanzanalyse ermitteln wir nach Ihren Wünschen Tarife, die ein günstiges Verhältnis von Monatsbeitrag zu den Leistungen bieten.“

Ausgewertet wurden die Tarife „aller Versicherer die allen offenstehen“ schreibt mir die Stiftung Warentest und erklärt mir das diese ein Punktesystem verwenden. Grundleistungen für ambulante und stationäre und die Zahnbehandlung werden mit 84% der erreichbaren Punkte festgelegt, die Zusatzleistungen oder Mehrleistungen bilden die restlichen Punkte.

„War Ihnen eine Leistung besonders wichtig, so muss der ausgewählte Tarif mehr leisten als die gesetzliche Krankenversicherung.“

Dieser Satz steht ernsthaft in dem Anschreiben. Was muss man vom Thema verstanden haben, um so einen Unsinn von sich zu geben? Da möchte ein Kunde in die PKV. Dieser wählt einige Leistungen (die eh (mehr …)