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16.
Oktober '19

Finanztest PKV Test 2019 – wieder nichts gelernt oder bewusst getäuscht?


Es ist eine „neverending story“. Unter dem Stichwort „Finanztest“ finden sich hier unzählige Beiträge zu fragwürdigen Tests von Privater Krankenversicherung und/ oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Diese können Sie hier nochmals detailliert nachlesen.

Heute ist nun endlich der neue Test erschienen, welcher sich in der Ausgabe 11/2019 der „berühmten Zeitschrift“ nachlesen lässt. Eines hat sich geändert, denn so viele Testsiegel wird man bei diesem dilettantischen Test wohl nicht verkaufen können. Wobei ich hier Wetten abgebe, das sich „Testsieger“ finden und diese mit wehenden Fahnen durch die Lande ziehen. Schlimm, da es eine falsche Erwartung und eine vermeintliche Sicherheit erzeugt, welche es so nicht gibt. Doch schauen wir zunächst etwas detaillierter auf den Test, denn nicht alles ist schlimm und schlecht, einige Fakten und Hinweise sind durchaus richtig.

Finanztest PKV Test 2019 – allgemeine Hinweise zu den Systemen und der PKV

Richtig und wichtig ist Aufklärung und lange nicht jede(r) der/die in die private Krankenversicherung wechseln könnte oder dürfte sollte das auch tun. Ich habe unzählige Beiträge dazu geschrieben und mit Blick auf Veränderungen und Risiken auf vieles hingewiesen. Ein Beitrag, welcher das ganz gut zusammenfasst, auch wenn dieser schon etwas älter ist:

aber auch:

Auch Finanztest greift dieses in der Einleitung zum neuen PKV Test 2019 auf und schreibt unter dem Titel „Bund fürs Leben“ über genau diese Entscheidungen und auch damit vorhandene Risiken. Das sollten einige mehr tun, denn nur so kommen wir endlich weg von dem „Ich muss in die PKV“. NEIN, es MUSS niemand, wenn er das nicht möchte. Es muss auch niemand ein Haus bauen, niemand einen Baum pflanzen und niemand sonstigen Luxus kaufen und nutzen. Private Krankenversicherung und damit verbundene Absicherungen sind (teilweise) Luxus. Diese ermöglichen im Gegensatz zur gesetzliche Krankenversicherungen eben insbesondere eine freie Gestaltung der Leistungen und des Umgangs.

Wer sich für die private Krankenversicherung bewusst und langfristig entscheidet und dabei auch mögliche Risiken und Veränderungen bedenkt, der wird hier auch zufrieden sein. Wer aber nur deshalb die GKV verlässt, weil er glaubt hier billiger versichert sein zu können, der irrt nicht nur sondern wird es bitter bereuen.

In der Privaten Krankenversicherung sparen Sie KEIN GELD, NIE! Auch ist es völlig egal wo Freunde und Bekannte versichert sind und wie deren Schutz aussieht. Sie ziehen auch nicht die gleichen Klamotten an, haben nicht die gleiche Wandfarbe und auch keine Identischen Möbel- oder?

So geht es auf Seite 78 der aktuellen Ausgabe dann auch mit den Hürden weiter. Ja, Finanztest kann auch noch nicht wissen, dass die Grenzen für die Jahresarbeitentgeltgrenze 2020 schon bekannt sind und sich damit die Sozialversicherungswerte 2020 ändern. (hier alle Werte 2020). Vielleicht liest man zukünftig einfach hier mit, liebe Redaktion, dann kann man zumindest in einer Ausgabe im November schon einmal die Zahlen haben. Sind ja nun schon einige Wochen bekannt. Somit liegt für Angestellte die Hürde nunmehr bei 62.550 € und eben nicht mehr (wie in diesem Jahr) bei 60.750 €.

Der Testzeitpunkt – unwissend oder mutwillige „falsch gewählt“?

„Warum falsch? Wann ist denn richtig?“ werden nun einige von Ihnen fragen. Dazu muss man etwas hinterfragen wann in der PKV was genau passiert. Bei der Masse der Gesellschaften und Tarife ist das Versicherungsjahr gleich dem Kalenderjahr, wie Sie in dieser Übersicht hier sehen können. Auch finden bei der Masse der Unternehmen Überprüfungen und Beitragsanpassungen zum Jahresende statt. Da ist es wenig hilfreich einen solchen Test mit Datenstand August im Oktober zu veröffentlichen, stimmen doch hier die meisten Daten schon rein gar nicht mehr nach weiteren zwei Monaten.

Möchte man hier bewusst bestimmte Szenarien oder Tarife bevorzugen oder hat in der Auswahl einfach jemand keine Ahnung gehabt? Nein, sicher nicht. Es geht schlichtweg um Auflage. Zum Jahreswechsel beschäftigen sich viele Angestellte mit der Frage der passenden Versicherung. Einerseits nach Anpassungen, andererseits nach Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze. Alle diese Kunden sollen nun schnell noch zum Kauf der aktuellen Ausgabe gelockt werden, denn so steigern sich die Verkaufszahlen. Auch lassen sich im „Jahresendgeschäft“ noch schnell ein paar Testsiegel an die Versicherer verkaufen, welche dann mit dem Zeug werben.

Finanztest PKV Test „Unser Rat“

Einzig der kleine Kasten auf der Seite 79 ist durchaus und teilweise nachvollziehbar. So rät Finanztest allen, welche sich mit dem Thema beschäftigen, genau abzuwägen und weißt insbesondere auch auf die möglichen, besseren Leistungen der Privaten Absicherung hin. Der Hinweis „Achten Sie nicht nur auf den Preis“ ist zwar augenscheinlich gut gemeint, geht aber mit dem Test und dem Aufbau gar nicht konform und ist eher Augenwischerei.

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24.
September '19

Private Krankenversicherung – vorsorglich kündigen um dann zu wechseln? Das müssen Sie beachten!


Eine Frage, die sich in den letzten Tagen im LiveChat häuft, denn der 30.09. und damit der letzte Kündigungstermin für die meisten Verträge in der privaten Krankenversicherung rückt näher. Während eine Kündigung in der gesetzlichen Krankenkasse risikolos möglich ist, stellen sich bei privat Krankenversicherten andere Fragen und Herausforderungen. Damit Sie hier nicht in eine Falle tappen, hier einmal einige Fakten dazu zusammengefasst.

Insbesondere schauen wir uns in diesem Artikel an:

  • – wie die Kündigungsfristen sind

  • – wann Sie kündigen müssen

  • – wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

  • – welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung

  • – gibt es Alternativen

Bei der privaten Krankenversicherung handelt es sich um einen Vertrag, welchen Sie mit Ihrem Versicherer geschlossen haben. Neben den Allgemeinen Versicherungsbedingungen gelten hier die gesetzlichen Grundlagen, so unter anderem das Versicherungsvertragsgesetz.

Wie ist die Kündigungsfrist meiner privaten Krankenversicherung?

Generell gilt in der Privaten Krankenversicherung eine Frist von drei Monaten zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht bei allen Unternehmen das Versicherungsjahr auch dem Kalenderjahr entspricht.

So gelten in den meisten Verträgen der Alten Oldenburger, der Barmenia, der BK oder auch der Continentalen nicht das Kalenderjahr, sondern das Versicherungsjahr. Auch Versicherer wie die Debeka, Hallesche oder Inter und auch Signal Iduna oder Universa setzen nicht das Kalenderjahr an.

Möchten Sie einen solchen Vertrag daher wirksam kündigen, so ist dieses mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres möglich. Ein Beispiel?

Ihr Vertrag begann am 01. 04. 2018 und Sie möchten diesen kündigen. Dann muss die Kündigung bis drei Monate vor diesem Termin, also vor dem 01. 01. bei dem Unternehmen eingehen. Wären Sie nun aber bei der Continentalen versichert und möchten kündigen, so gilt eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren, erst danach können Sie kündigen. Bedeutet in unserem Fall:

Beginn war 01. 04. 2018, zwei Jahre Mindestlaufzeit enden am 01.04.2020 –> Kündigung bis 31.12.2019 mit Wirkung zum 01.04.2020

Haben wir aber einen Versicherer bei dem Versicherungsjahr = Kalenderjahr ist, so ist es etwas anders. Nehmen wir auch hier einen:

Beginn am 01.04.2018 und eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren. Diese endet normalerweise am 01.04.2020. Durch die Tatsache der Kündigung zum Ende des Kalenderjahres, ist dieser Vertrag bei einer Kündigung bis 30.09.2020 aber erst zum 01.01.2021 kündbar.

Gibt es andere „besondere“ Kündigungsmöglichkeiten?

Neben der ordentlichen Kündigung gibt es noch einige andere Gründe. So ist

  • – Eintritt der Versicherungspflicht/ Familienversicherung

ein solcher Grund. Dieser kann durch Arbeitslosigkeit (und dem Bezug von ALG I) oder auch durch eine Aufnahme einer nichtselbstständigen Tätigkeit unter der JAEG eintreten. Wer durch das Anheben der Grenze in 2020 unter diese rutscht, auch für den tritt unter Umständen Versicherungspflicht ein. Mehr Details dazu hier. Auch ein

  • – dauerhafter Wegzug ins Ausland

kann ein solcher Grund sein.

Ebenfalls gibt es auch im laufenden Vertragsverhältnis einen Grund, die

  • – Beitragsanpassung

Ändert (erhöht) der Versicherer die Beiträge, so ergibt sich dadurch ein Sonderkündigungsrecht. In diesem Jahr (2019) betrifft das tatsächlich (soweit bekannt) recht wenige Verträge. Bei der größten Anzahl der Vollversicherten erwartet und keine Beitragsanpassung zum 01.01.2020.

Wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

Das größte Problem in solchen Fällen ist aber, dass den Versicherten die Voraussetzungen und nötigen Schritte nicht klar sind. Dabei hat sich vor einigen Jahren, mit Eintritt der Versicherungspflicht, einiges geändert. Eine wichtige Grundlage bildet die Versicherungspflicht. Dazu heißt es im Versicherungsvertragsgesetz. Maßgebend sind hier der §205 in Verbindung mit dem §193.

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 205 Kündigung des Versicherungsnehmers
(…)
(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

und dazu heißt es in §193:

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 193 Versicherte Person; Versicherungspflicht
(…)
(3) Jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung, die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst und bei der die für tariflich vorgesehene Leistungen vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung für jede zu versichernde Person auf eine betragsmäßige Auswirkung von kalenderjährlich 5.000 Euro begrenzt ist, abzuschließen und aufrechtzuerhalten; für Beihilfeberechtigte ergeben sich die möglichen Selbstbehalte durch eine sinngemäße Anwendung des durch den Beihilfesatz nicht gedeckten Vom-Hundert-Anteils auf den Höchstbetrag von 5.000 Euro. (…)

Das bedeutet, Sie müssen

  • – rechtzeitig (3 Monate vor Ende des Vers.-/ Kalenderjahres kündigen

  • – bis dahin eine Bestätigung der neuen Versicherung einreichen

Nur dann wird Ihre Kündigung auch wirksam und Sie können den Versicherer wechseln.

Mehr Infos und Urteile zur Folgeversicherung finden Sie hier.

Welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung?

Jetzt ist es nicht mehr lang bis zum 30. September und einige kommen dann gern auf die Idee: „ich kündige einmal vorsorglich“ und schaue dann weiter.

Während für gesetzlich Versicherte eine Kündigung der GKV risikolos möglich ist, sieht das in der PKV etwas anders aus. Die Kündigung ist zunächst eine einseitige Willenserklärung. Wer also seinem Vertragspartner (hier dem Versicherer) erklärt: „ich will kündigen“, der kann das natürlich tun. Die Vorgaben der Versicherungspflicht erstrecken sich aber nur auf die Leistungen im ambulanten und stationären Bereich. Dabei müssen wir hier genauer die Tarife unterscheiden.

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant, stationär, Zahn in einem Tarif)

Besteht Ihre Krankenversicherung aus einem solchen Kompakttarif, also einem Tarif welcher Leistungen für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen enthält (zum Beispiel der AZP Tarif oder KVS der Hanse Merkur), dann ist nur eine Kündigung des kompletten Tarifs möglich. Reichen Sie hier die Folgeversicherungsbestätigung dann nicht ein, so wird auch diese Kündigung für alle (ambulant, stationär, Zahn) Teile NICHT wirksam. Ihr Risiko für die Kündigung ist also sehr begrenzt. (siehe Abschnitt „Kündigung zurückziehen“)

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant + stationär in einem Tarif und einen Zahnbaustein)

Sind Sie aber zum Beispiel im AXA VITAL Tarif versichert und haben auch den Zahnbaustein ZPro versichert, so sieht das anders aus. Durch die Kündigung wird die Axa Ihnen diese vorsorglich für den VITAL bestätigen (Sie müssen ja noch einen Nachweis der Folgeversicherung erbringen), für den Zahnbaustein aber erfolgt die Bestätigung sofort, da dieser nicht der Pflicht unterliegt.

Damit ist die Kündigung für den Zahnbaustein zum Ablauf des Versicherungs-/ Kalenderjahres wirksam.

Ich habe einen Bausteintarif (einzelner Tarif für ambulant, stationär und Zahn)

Wer bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) oder zum Beispiel auch bei der Alten Oldenburger versichert ist, der hat so genannte Bausteintarife. Das erkennen Sie, wenn Sie einen ambulanten, einen stationären und einen Zahnbaustein haben. Auch wenn diese in einem Vertrag sind und nur eine Nummer haben, so unterliegen nicht alle Bausteine der Versicherungspflicht.

Heißt aber auch hier: Kündigen Sie den Gesamtvertrag, so müssen Sie (nur) für ambulant und Zahn einen neuen Schutz nachweisen und nur diese Kündigungsteile sind solange schwebend unwirksam. (bzw. richtiger: sie werden erst mit Nachweis der Folgeversicherung wirksam.

Krankentagegeld

Ebenfalls problematisch sind damit hohe Krankentagegelder, wie diese bei Angestellten über der JAEG durchaus üblich sind. Nehmen wir auch hier eine Kündigung an, welche der Versicherer schnell bestätigt. Vielleicht auch deshalb, weil Sie Vorerkrankungen haben und er durchaus „froh ist“, das Risiko los zu werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung existiert (aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze) eine Begrenzung des Krankentagegeldes. Die Berechnung finden Sie unter dem Punkt „Krankentagegeld„.

Alle Teile des Versicherungsschutzes, welche somit nicht der Pflicht unterliegen, werden daher sofort gekündigt. Auch Bausteine zur Pflegeergänzung, Beitragsentlastung, Kurtagegelder, Krankenhaustagegeld, Optionen oder Auslandsbausteine. Nur die, die der Pflicht genügen müssen, sind unter dem Vorbehalt des Nachweises der Folgeversicherung.

Dann ziehe ich meine Kündigung zurück?

und genau hier beginnt das Problem. Eine Kündigung ist, als einseitige Willenserklärung, dann wirksam. Möchten Sie hier Ihre Meinung ändern und doch bei dem alten Unternehmen bleiben, so ist das Ihr gutes Recht. Aber:

  • – der Versicherer muss einer Rücknahme zustimmen (Ausnahme: Versicherungspflichtbausteine)

  • – der Versicherer kann einen neuen Antrag und neue Gesundheitsangaben verlangen

  • – er führt eine neue Risikoprüfung durch

  • – er bewertet ggf. alles was er aus dem Vertragsverlauf weiß

Das bedeutet auch: Selbst das, was in dem neuen Antrag nicht mehr anzugeben wäre (da die Fristen vorbei sind), selbst das kann der Versicherer hier berücksichtigen. Hatten Sie vor 8 Jahren eine Krebserkrankung und nun müssen Sie nur noch 5 Jahre rückwirkend angeben, so mag das für andere Unternehmen stimmen. Der eigene Versicherer wird diese Information natürlich verwerten.

Kündigung möglich – aber bitte überlegt!

Wenn Sie also die Absicht haben noch vor dem 30. September zu kündigen, dann sollten Sie das überlegt tun. Gelingt es Ihnen nicht einen neuen Schutz zu erhalten und diesen auch final beantragen zu können, so überlegen Sie sich eine Kündigung (also eine vorsorgliche) bitte gut.

Zu oft werden schnell neue Verträge geschlossen und alte beendet und das, ohne die Risiken zu kennen. Auch das Risiko von zwei Verträgen beachten Sie bitte.

Vordrucke für eine Kündigung habe ich Ihnen im Downloadbereich unter „Kündigungsvordrucke“ zusammengestellt. Aber wie gesagt, lassen Sie sich beraten und überlegen genau.

Weitere Informationen finden Sie auch unter den Punkten:

06.
Juni '17

Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung


…wie und wann wird diese denn abgerechnet?

Auch hiermit greife ich mal wieder eine Frage aus dem LiveChat auf, welche in den letzten Wochen und Monaten einige Male gestellt wurde. Komischerweise auch von Menschen, die seit langem privat versichert sind, wo der Berater aber es entweder nicht erklärt hat, es nicht wusste (das hoffe ich doch nicht) oder es einfach vergessen wurde. Daher geht es heute und hier um die Abrechnung/ Abrechnung der Selbstbeteiligung.

Arten der Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung

Unterschieden wird in der privaten Krankenversicherung nach der absoluten und der prozentualen Selbstbeteiligung. Wie der Name schon sagt, kann diese entweder prozentual berechnet werden, oder aber als fester Betrag zur Verfügung stehen. Auch ist eine Kombination aus beiden möglich. Hier einige Beispiele:

Tarif expert+ der Barmenia, absolute Selbstbeteiligung 300 €

Das bedeutet hier: 300 € fallen als fester Betrag an, reichen Sie eine Rechnung über 200 € ein und haben bisher keine Rechnungen abgerechnet, so wird die Rechnung zwar erstattet, aber nichts ausgezahlt. Hier ist der Rechnungs-/ Auszahlungsbetrag geringer als die Selbstbeteiligung. Reichen Sie aber eine 500 € Rechnung ein und diese ist erstattungsfähig, so werden Ihnen 200 € ausgezahlt. Rechnungsbetrag 500 minus Selbstbeteiligung 300 € ergibt eine Überweisung von 200 €.

Die zweite Art der Selbstbeteiligung ist eine prozentuale. Diese kann zum Beispiel 10, 20 oder 30 % betragen. So ist es zum Beispiel in dem

Tarif A80 der Alten Oldenburger Krankenversicherung, prozentuale SB 20%

Hier wird von der erstattungsfähigen Rechnung ein bestimmter Prozentsatz einbehalten. Reichen Sie also die gleiche Rechnung über 200 € wie in unserem Beispiel ein, so bekommen Sie einen Betrag von 160 € ausgezahlt. Von dem erstattungsfähigen Rechnungsbetrag von 200 € werden also 20%, also 40 € einbehalten.

Tarif Comfort+ des Deutschen Ring, Selbstbeteiligung 20% max. 540 €

Jetzt gibt es noch Tarife, welche eine Kombination aus beiden Modellen anbieten. So ist das zum Beispiel bei dem Tarif Comfort+ des Deutschen Rings. Hier wird zunächst einmal geprüft, welcher prozentuale Anteil in Abzug gebracht wird. Bei unserem Beispiel von der 200 € Rechnung, werden hier also zunächst einmal 20 % abgezogen, dann wird aber geprüft ob die maximale Selbstbeteiligung schon erreicht ist.

Reicht also der hier versicherte Kunde eine Rechnung über 3.000 € ein, so entsprechen 20 % einerseits Beteiligung von 600 €, da hier aber eine Obergrenze von 540 € festgelegt ist, wird auch maximal diese abgezogen. Die Erstattung bei der 3.000 € Rechnung läge also bei 2.460 €. alle Rechnungen die danach folgen werden entsprechend wieder zu 100 % erstattet.

Fällt die Selbstbeteiligung bei jeder Rechnung oder pro Jahr an?

Dieses ist eine sehr häufig gestellte Frage, eine der Fragen wo man sich als Berater gar keine Gedanken darüber macht, weil man es als selbstverständlich hinnimmt. Grundsätzlich fällt die Selbstbeteiligung immer pro (Versicherungs-/)Kalenderjahr an. Es ist also keinesfalls so, wie sie das aus der Autoversicherung kennen, dass bei jedem versicherten Schaden erst einmal die Selbstbeteiligung abgezogen werden muss.

Der Eigenanteil in der Autoversicherung oder auch in anderen Sparten der Sachversicherung wird pro Schadenfall erhoben, in der Krankenversicherung ist dem nicht so.

Wer also bereits einige Rechnungen eingereicht und damit seine Selbstbeteiligung bezahlt/ verbraucht hat, der bekommt die weiteren Rechnungen in dem Jahr erstattet und das ohne weiteren Abzug.

Dennoch kann diese SB in kurzer Zeit zweimal anfallen. Wer das Jahr über gesund bleibt und dann im Dezember krank wird, der zahlt die SB des Jahres dann. Geht die Behandlung nun bis ins neue Jahr, fällt unter Umständen die SB nochmals an, für das neue Jahr.

Daher sollten Sie, immer wenn Sie sich bei der Vertragsgestaltung die Frage der Höhe der Selbstbeteiligung stellen, überlegen ob und wieviel dieser Beträge Sie liquide zur Verfügung haben. Wer eine Selbstbeteiligung von 3.000 € pro Jahr wählt um Prämie zu sparen, der wird schnell ein böses Erwachen erleben, wenn binnen weniger Tage oder Wochen 6.000 € Liquidität nötig ist um die Arztrechnungen über den Jahreswechsel zu bezahlen.

Auf welche Kosten entfällt die Selbstbeteiligung?

Auch das kommt auf den Tarif an. Es gibt Tarife, dort wird die Selbstbeteiligung auf einige Bereiche berechnet. Dabei muss zunächst einmal unterschieden werden, ob Sie nach einem Bausteintarif oder einem Kompakttarif versichert sind. Haben Sie einen Tarif für ambulant, stationär und Zahnleistungen, so ist es ein Kompakttarif. Ist hier eine Selbstbeteiligung OHNE weitere Eingrenzung vereinbart, so gilt diese üblicherweise für alle Rechnungen welche Sie einreichen.

Haben Sie hingegen einen Bausteintarif, also drei Tarife für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen, so fällt die SB nur in dem Baustein an, wo diese auch vereinbart ist.

Auch hier gibt es Ausnahmen. Obwohl der Tarif des Deutschen Rings (comfort+) ein Kompakttarif ist, fällt die Selbstbeteiligung hier nur in dem ambulanten Bereich an.

Fallen alle Kosten unter die Selbstbeteiligung oder gibt es Ausnahmen?

Viele Gesellschaften gehen noch etwas weiter und nehmen bestimmte Kosten von der Selbstbeteiligung aus. Um zu vermeiden dass Versicherte, nur weil diese einen Eigenanteil zahlen müssen, nicht zur Vorsorge oder zur Prophylaxe beim Zahnarzt gehen, haben viele Unternehmen ähnliche Regelungen wie die Barmenia hier im Tarif. In den Bedingungen sieht das dann so aus.

Damit hat der Versicherte den Vorteil, dass er keine Kosten selbst tragen muss, falls er sonst gesund ist und keine weiteren Rechnungen einzureichen hat. Für den Versicherer und das Kollektiv ergibt sich ebenfalls ein Vorteil, denn es werden Krankheiten vielleicht früher erkannt und das Gebiss bleibt länger gesund.

Was passiert bei vorzeitigem Ende der PKV?

Endet die Private Krankenversicherung inmitten eines Jahres, so ändert das leider nichts an der Selbstbeteiligung. Während bei einem Wechsel in die PKV unterjährig eine anteilige SB berechnet wird, passiert das beim Ende nicht. Im Schlimmsten Fall ist jemand also nur einen Monat versichert, bevor er seinen Vertrag kündigt und zahlt die Selbstbeteiligung für das ganze Jahr.

Artikel: Selbstbeteiligung und warum diese manchmal zweimal gezahlt werden muss

Gibt es eine Höchstgrenze?

Ja. Mit Einführung der Versicherungspflicht hat der Gesetzgeber im § 193 VVG, Absatz 3 eine Höchstgrenze eingeführt. Dort heisst es:

(3) Jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung, die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst und bei der die für tariflich vorgesehene Leistungen vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung für jede zu versichernde Person auf eine betragsmäßige Auswirkung von kalenderjährlich 5.000 Euro begrenzt ist, abzuschließen und aufrechtzuerhalten; für Beihilfeberechtigte ergeben sich die möglichen Selbstbehalte durch eine sinngemäße Anwendung des durch den Beihilfesatz nicht gedeckten Vom-Hundert-Anteils auf den Höchstbetrag von 5.000 Euro.

Ein Versicherer kann also nicht sagen, ich möchte von Ihnen ambulant 5.000 € Selbstbeteiligung und stationär nochmals 2.000 €, selbst in Bausteintarifen nicht. Was er aber tun kann ist eine zusätzliche Selbstbeteiligung für zahnärztliche Leistungen verlangen, da diese von der Versicherungspflicht nicht erfasst sind.

Hat ein Tarif im Zahnbereich aber eine Limitierung, also eine Erstattung von z.Bsp. 60% für Zahnersatz, dann gilt diese 5.000 € Grenze nicht. Klar müssten Sie dazu schon immensen Zahnersatz haben, aber bei 15.000 € Kosten entstehen Ihnen dann ggf. dennoch 6.000 € Eigenanteil, welcher nicht begrenzt ist durch die 5.000 €.

Fazit

  • Selbstbeteiligung in der PKV gilt immer für ein Jahr (Kalender-/Versicherungsjahr)
  • Gilt je nach Tarif für ambulant, stationär oder Zahn
  • Vorsorge-/ Impfungen/ Prophylaxe KÖNNEN ausgenommen sein, müssen aber nicht
07.
Juni '16

Warum ich keine Angebote für die Private Krankenversicherung verschicke


Die private Krankenversicherung gehört mit Abstand zu den beratungsintensivsten Versicherungssparten in Deutschland. Wir sprechen über eine (unter Umständen) lebenslange Entscheidung, eine Entscheidung die nicht ohne weiteres wieder revidiert werden kann und daher genauestens überlegt werden sollte. (Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen) Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung sind manchmal ärgerlich, oftmals verständlich und nachvollziehbar und dennoch führen diese immer wieder zu den Gedanken und Überlegungen den Vertrag zu kündigen und zu einem anderen Versicherer zu wechseln. In einer Anfrage der letzten Woche ging es genau darum. Jemand war bereits seit 2010 in einem Tarif der privaten Krankenversicherung versichert und hat nun im Rahmen der Beitragsanpassung eine Erhöhung bekommen.

Beitragserhöhung und die Kündigungsmöglichkeiten

Eine Beitragserhöhung in der privaten Krankenversicherung bedeutet auch ein Sonderkündigungsrecht. Dieses Recht lässt sich innerhalb bestimmter Fristen ausüben und bietet dem Versicherten die Möglichkeit sich nach einem anderen Tarif oder einem anderen Versicherer umzusehen. Der Wechsel der privaten Krankenversicherung hingegen bedeutet immer einen (teilweisen) Verlust der Alterungsrückstellungen, bedeutet eine neue Gesundheitsprüfung und bedeutet den Neubeginn von Wartezeiten und Summenbegrenzungen. Die Entscheidung für oder gegen einen Tarif sollte daher sehr sorgfältig gewählt werden.

„Sind Sie bitte so nett und erstellen mir ein Angebot der xxx“

Dieser Wunsch eines Kunden mag durchaus legitim sein, er möchte ein Angebot, eine für sich passende Empfehlung für oder gegen einen Tarif. In diesem Fall gab es sogar eine konkrete Vorgabe zur Gesellschaft, nicht jedoch final zu dem Tarif. Sollte es doch ein Tarif sein welcher keine absolute Selbstbeteiligung enthält sondern eine sogenannte fallbezogene. Damit ist die Versichererauswahl arg beschränkt, denn es gibt nur die Continentale mit den Tarifen Economy und Comfort, die eine solche fallbezogene Selbstbeteiligung anbieten. Nun hat dieser Tarif durchaus Vorteile, ebenso wie er mindestens genauso viele Nachteile hat. (Lesehinweis: Kommentar zur Einführung des Continentale-Tarifs)

Doch darum soll es in diesem Artikel gar nicht gehen, es geht darum wie Sie zu dem richtigen, für Sie passenden Tarif der privaten Krankenversicherung kommen. Natürlich können Sie hingehen und können jedem oder mehreren Beratern eine E-Mail schreiben mit dem Hinweis, Sie bräuchten ein Angebot. Genauso wie man das mit dem Einbau einer Heizung, der Renovierung des Bades oder anderen Sachen tut, die man sich anschaffen möchte. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, dass Sie nicht eine „schnelle Anschaffung“ tätigen, sondern eine Lebensentscheidung treffen.

Das Angebot ist nur so gut, wie die Fragen die davor gestellt wurden

Ich verwende in meiner Beratung einen sogenannten Kriterienfragebogen. Dieser Fragebogen ist vier Seiten lang und enthält unterschiedlichste Fragen zu dem eigenen Wunsch an die zukünftige private Krankenversicherung. Diese Wünsche sollten Sie für sich so spontan als möglich festlegen, denn es gibt mir in der Beratung einen ersten Hinweis darauf, was Sie gern hätten wenn Sie es frei entscheiden. Ohne Hintergedanken über den Preis, das Unternehmen oder andere Vorgaben- einfach Wünsche festlegen. Das bedeutet auch, das diese Anforderungen, die Sie in dem Kriterienfragebogen zunächst festlegen in 99,9% der Fälle nicht erfüllbar sind. Das macht auch gar nichts, denn genau darum geht es. Es geht darum zu verstehen welche eigenen Anforderungen erfüllbar sind, wo Abstriche gemacht werden müssen und welche Vorgaben in der Tarifkombination oder bei der gewünschten Gesellschaft gar nicht vorhanden und damit nicht machbar sind. Würde ich dem Wunsch nachkommen und diesem Interessenten ein Angebot der Gesellschaft XY schicken, vielleicht sogar beider Tarife die diese anbietet, dann verstieße ich hiermit gegen die eigenen Qualitätsmaßstäbe und den eigenen Anspruch an meine Beratung. Eine private Krankenversicherung ist eine so lebenslange Entscheidung, dass ich es persönlich nicht verantworten kann und möchte, dass diese auf  Zuruf  zum Angebot führt. Natürlich muss der Interessent am Ende wissen welcher Tarif in Frage kommt, welche Bausteine er braucht und was diese kosten. Natürlich muss er (irgendwann im Laufe der Beratung) die Unterlagen gemäß Vertragsversicherungsgesetz bekommen, natürlich muss er auch wissen welche Belastung in Form von Beiträgen auf ihn zukommt. Diese Entscheidungen lassen sich aber erst dann begründet treffen und damit auch erst dann begründet Empfehlungen abgeben, wenn ich als Berater einschätzen kann, welche Ansprüche Sie an ihren eigenen Versicherungsschutz haben.

Dabei hilft mir der Kriterienfragebogen als erster Anhaltspunkt. Im Anschluss an den Fragebogen ist ein längeres Telefonat erforderlich um

  • –  persönliche Verhältnisse in Beruf und Familienplanung zu klären
  • –  persönliche Wünsche hinsichtlich spezieller Leistungen zu klären
  • –  individuelle Vorgaben und zukünftige Veränderungen zu berücksichtigen

Erst unter Kenntnis all dieser Umstände und Berücksichtigung des Wissens über Gesellschaften, Tarife und Beitragsentwicklungen, erst jetzt kann ich einen fundierten Rat und eine Empfehlung für mehrere Tarife abgeben. Es wird am Ende dennoch niemals eine konkrete Empfehlung für einen Tarif dabei herauskommen. In den meisten Fällen wird Ihnen der Berater, und genauso tue ich das auch, eine Empfehlung oder eine Entscheidungsgrundlage liefern (mehr …)

19.
November '14

Beitragserhöhung in der PKV bekommen- und nun? Nur nichts überstürzen und genau überlegen!


Hat Sie eine Suchmaschine und die Begriffe wie Beitragsanpassung und PKV auf diesen Beitrag gebracht? Vielleicht haben Sie dann in den letzten Tagen auch Post bekommen und sind von Ihrer Krankenversicherung mit einer Beitragserhöhung überrascht worden? Meist hinterlässt ein solcher Brief mehr Fragen als Antworten und zuerst denken sicher auch Sie „Warum schon wieder eine Anpassung?“. Daher erkläre ich Ihnen hier einmal etwas zu den Hintergründen der Anpassung und zu Möglichkeiten wie Sie hier reagieren können.

Warum Beitragsanpassungen?

Beiträge in der privaten Krankenversicherung sind (theoretisch) so kalkuliert, dass diese über die gesamte Laufzeit konstant bleiben. Das ist natürlich Illusion, da Faktoren wie höhere Gesundheitskosten, geringere Zinserträge und höhere Lebenserwartungen (und damit längere Zahlungen der PKV) zu steigenden Beiträgen führen. Weitere Details habe ich bereits unter dem Punkt „Beitragsanpassungen“ (KLICK!) hier auf der Seite geschrieben.

Haben Sie nun eine solche Anpassung bekommen, dann können Sie hiergegen zunächst nicht viel unternehmen, da der Versicherer hier ein Recht zur Anpassung hat. Natürlich können Sie eine solche Anpassung über einen Gutachter überprüfen lassen, dieser muss dann prüfen ob die rechtlichen und versicherungsmathematischen Voraussetzungen erfüllt sind.

Darf der Versicherer auch die Selbstbeteiligung erhöhen?

Bei gestiegenen Leistungsausgaben und damit höherem Leistungsbedarf hat der Versicherer zwei Möglichkeiten. Neben der Anpassung der Beiträge bleibt auch die Möglichkeit eine vereinbarte Selbstbeteiligung zu erhöhen. Eine solche Erhöhung der Selbstbeteiligung kann aber nur erfolgen, wenn bereits eine SB im Vertrag vereinbart ist. Einen Einschluss einer neuen SB in den Vertrag, welcher bisher keine hatte, ist nicht möglich.

Von der Möglichkeit der SB Erhöhung machen durchaus eine Reihe von Versicherern Gebrauch. Dieses hat (wie alles im Leben) Vor- und Nachteile. Während eine Anhebung der Beiträge alle Kunden gleichermaßen trifft, wirkt sich eine Anpassung der SB nur auf die „Kranken“ aus, ist also etwas einseitig. Wer also keine Leistungen einreichen möchte oder besser muss, der wird mit einer SB Anpassung vielleicht sogar besser gestellt, vielleicht deshalb, weil sich auch steuerliche Aspekte noch auswirken, dazu unten mehr.

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Kann ich zwischen SB Erhöhung und Beitragsanpassung wählen?

Nein, der Versicherer entscheidet ob er die Selbstbeteiligung erhöht oder die Beiträge anpassen möchte, oder aber auch beides. Auch ist eine solche Anpassung keinesfalls für alle Kunden eines Tarifs gleichermaßen wirksam, so unterscheiden sich die Anpassungen bei Kunden in Bi- oder Unisextarifen und auch in den unterschiedlichen Altersstufen.

Steht mir ein Kündigungsrecht zu?

Werden die Beiträge vom Versicherer angehoben, so steht dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu. Dieses ist in den Musterbedingungen geregelt und liest sich dort wie folgt:

(5) Erhöht der Versicherer die Beiträge aufgrund der Beitragsanpassungsklausel oder vermindert er seine Leistungen gemäß § 18 Abs. 1, so kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb eines Monats nach Zugang der Änderungsmitteilung zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderung kündigen. Bei einer Beitragserhöhung kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis auch bis und zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Erhöhung kündigen.

Wer also gesunkene Leistungen in Form einer Erhöhung der SB bekommt, der kann seinen Vertrag ebenso kündigen wie der, dessen Beiträge erhöht werden. Diese Kündigung ist an die Schriftform gebunden und muss gegenüber dem Versicherer rechtzeitig erklärt werden. Einen entsprechenden Vordruck zur Kündigung einer Krankenversicherung finden Sie im Downloadbereich.

Reicht die Erhöhung eines Bausteins (z.Bsp. des Krankentagegeldes) oder einer Person aus?

Die Kündigung des Gesamtvertrages ist nicht in jedem Fall möglich. Wird also nur ein Teil, so das Krankentagegeld erhöht, so ergibt sich hieraus kein Sonderkündigungsrecht zu dem Gesamtvertrag. Bei einer Erhöhung der Krankenversicherung ist jedoch eine Beendigung der Pflegepflichtversicherung durchaus möglich.

Auch wenn nur die Beiträge für einzelne Personen erhöht werden, so lassen sich nicht ohne weitere automatisch alle versicherten Personen kündigen.

Kündigen Sie niemals voreilig

Generell sollten Sie niemals voreilig kündigen! Ist ein Vertrag einmal gekündigt und der Versicherer „möchte Sie loswerden“, so wird eine Rücknahme der Kündigung problematisch. Trotz Versicherungspflicht und der Tatsache das Sie nachweisen müssen anderweitig versichert zu sein, könnte eine voreilige Kündigung dazu führen, kein Krankentagegeld mehr zu haben oder kein neues zu bekommen.

Auch könnte es passieren, das Bausteine im Tarif, wie Krankenhaus- oder Kurtagegeld, Kurkosten oder sonstige Tarifbausteine nicht mehr zu bekommen sind, wenn die Kündigung beim Versicherer bereits vorliegt und nun zurückgenommen werden soll.

Was tun gegen Beitragserhöhungen?

Zuerst schauen Sie sich also einmal an, welche Tarifbausteine in ihrem Vertrag angepasst werden.

– Wann fand die letzte Anpassung statt?

– Wie hoch (in EURO) ist die Erhöhung?

– Passt der Tarif (noch) zu Ihren Anforderungen? (Hilfe zu Auswahlkriterien)

– Wird neben der Beitragsanpassung auch die Selbstbeteiligung erhöht?

Stellt sich also heraus, dass der heutige Bedarf von dem Tarif abweicht, so ist ungeachtet der Beitragserhöhung eine Änderung notwenig. Natürlich kann diese bei dem gleichen Unternehmen gemacht werden, andererseits kann auch ein Wechsel zu einem anderen Versicherer (unter Umständen verbunden mit anderen Nachteilen). Weiterhin wäre zu prüfen, in welcher SB Stufe Sie derzeit versichert sind und ob der Versicherer noch andere Leistungsstufen in Ihrem Tarif anbietet.

Unisex- statt Bisextarif?

Sind Sie heute noch in einem alten Tarif, also einem Tarif der Bisexwelt (Männer und Frauen mit unterschiedlichen Prämien), so wäre auch ein Wechsel in die neue Welt zu prüfen und mit abzuwägen. Neben Leistungsverbesserungen in dem neuen Tarif, ändern sich dort auch die Kalkulationszinsen und damit unter Umständen die mögliche Beitragsstabilität.

Was nun tun?

1.) Füllen Sie einmal für sich den Kriterienfragebogen aus

2.) Lassen Sie sich eine Übersicht zu den Leistungen Ihres Tarifss erstellen (Leistungsübersicht hier anfordern!)

3.) Überlegen Sie bitte genau, welche Tarifalternativen in Frage kommen und ob ein Tarifwechsel nach § 204 VVG möglich uns sinnvoll ist

4.) Überprüfen Sie bitte auch die Anpassung der Beitragsentlastungkomponente und weitere Tarifbestandteile