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08.
Februar '21

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – sieben von elf der Aussagen sind falsch! Das müssen Sie jetzt wissen!


Es war Samstagabend, ich saß entspannt auf dem Sofa, da erschien auf dem iPhone eine dieser allseits beliebten Nachrichten.
Du wurdest bei Facebook erwähnt“. „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“ sollte das Thema sein und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um mir diesen Post einmal anzuschauen. Dabei ging es um einen konkreten Facebookbeitrag von Elisheba Wilde (Der Beitrag ist nach unserem Telefonat bei Facebook leider wieder gelöscht worden.), welche über die private Krankenversicherung ihres Mannes schrieb. Dazu hat sie auch bereits im letzten Jahr einen Blogbeitrag und ein Video veröffentlicht, über die elf Nachteile der privaten Krankenversicherung für Familien.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – was war passiert?

Ich glaube sogar, mich an diesen Beitrag im letzten Jahr zu erinnern, hatte damals, glaube ich, auch schon darüber nachgedacht, etwas dazu zu schreiben, aber irgendwie schien es dann in der Hektik des Alltages untergegangen zu sein. Also las ich zunächst einmal die Kommentare und Bemerkungen der andere Nutzer und fand dann auch den Kommentar, der mich explizit erwähnte.

11 Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Also habe ich die Gelegenheit genutzt, mir den Beitrag einmal etwas genauer anzuschauen. Da die Kommentare zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet waren und ich somit nicht direkt auf die Beiträge antworten konnte, habe ich der Autorin direkt per Nachricht geantwortet und etwas Hilfe angeboten. Hieraus wurde ein längerer Chat und… warten wir es einmal ab.

Doch was genau daraus entstand, warum anderthalb Stunden Telefonat am Samstag einige erhellende Momente brachten und was sie genau konkret beachten sollten, bevor sie Entscheidungen treffen, das schauen wir uns in diesem und einem weiteren Beitrag etwas genauer an.

Bevor wir uns nun mit dem konkreten und aktuellen Leistungsfall und der Familie hier beschäftigen, sollten wir uns aber zunächst über die Fakten Gedanken machen und uns gemeinsam anschauen, was ist denn mit diesen ominösen elf Nachteilen für die private Krankenversicherung auf sich hat.

Wer meinen Blog schon länger liest, und das ist ja nun schon über 20 Jahre so möglich, der weiß, dass ich vielen Konstellationen kritisch gegenüberstehe. Ich habe oft erklärt, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind, ich habe oft gesagt warum es nicht sinnvoll ist, für bestimmte Personen und Personengruppen in die private Krankenversicherung zu wechseln und warum jemand nicht in in der Lage-, sondern geeignet sein muss, sich privat zu versichern.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – der Blogbeitrag ohne Fachwissen schadet mehr, statt zu helfen

Das klingt jetzt hart, und sicher hat es in diesem konkreten Fall einige Fehler des Beraters gegeben, nicht nur einen, sondern über mehrere Jahre, verschiedene. Aber das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht, über ein Thema zu schreiben, von dem die Autorin hier wenig bis keine Kenntnisse hat. Diese elf Aussagen in dem Artikel zu den Nachteilen der privaten Krankenversicherung sind schlichtweg zum großen Teil falsch! Es bringt uns allen nichts weiter, falsche Informationen im Internet zu verbreiten, es bringt neuen Kunden nichts, es hält andere Kunden von richtigen Entscheidungen ab und es ermöglicht somit keine fundierte und faktenbasierte Entscheidung. Daher habe ich mich auch entschlossen, auf diesem Blog Beitrag konkret zu antworten, denn so kann und will ich das nicht stehen lassen.

In ihrem Beitrag, der sicherlich aufgrund der persönlichen Situation stellenweise recht emotional ist, beschreibt Elisheba Wilde die, aus ihrer Sicht nachteiligen Punkte, der privaten Krankenversicherung. Dabei sind die Fakten nur so mittelmäßig recherchiert und der Beitrag weist viele Fehler auf. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zu jedem, der dort angesprochenen Punkte etwas zu schreiben, damit wir zumindest etwas fachlichen Input in die ganze Sache kriegen.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – Was Sie in jedem Fall VOR Unterschrift bedenken sollten!

Die Autorin beginnt ihren Artikel mit der Aussage: „Private Krankenversicherer locken junge Kunden“. Ist noch gar keiner der elf Punkte, sondern eine simple Feststellung. Natürlich ist ein privater Krankenversicherer ein Unternehmen, welches an Neukunden interessiert ist. Aus diesem Grund gibt es Geld für Werbung aus. Das tut jeder andere Hersteller, der Waren verkaufen möchte, auch. Nur weil ein Versicherer mir ein Angebot macht, heißt das nicht, dass man diesem blind vertrauen- oder ohne weitere Beratung dieses einfach abschließen sollte. Ich habe vor längerem einmal erklärt, warum eine Beratung zur privaten Krankenversicherung deutlich länger, im Vergleich zu anderen Beratungen, dauert.
10 Stunden sind hier ein völlig legitimer Wert und reichen in den meisten Fällen meine Kundenberatungen nicht aus.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Mit dem Abschluss einer Versicherung kaufen wir Sicherheit. Gefühlte oder reale Sicherheit, aber wir kaufen ein nicht greifbares Gut, ein gutes Gefühl oder einfach etwas, was uns ruhiger schlafen lässt. Für dieses gute Gefühl zahlen wir Geld, einen Beitrag, der dazu dient, dass jemand anders unser persönliches Risiko trägt. Dabei kann es in der privaten Krankenversicherung das Risiko von Arztkosten sein, ebenso aber das Risiko für den Ausfall des eigenen Einkommens, welcher krankheitsbedingt durchaus passieren kann. Natürlich hat auch jedes System Nachteile und so gibt es eben auch die Nachteile der Privaten Krankenversicherung.

Eine Versicherung, egal welcher Sparte, die muss sich nie „lohnen“. Es geht nicht darum abzuwägen, wie viel Beiträge ich einzahlen und wieder rausbekomme, damit es am Ende möglichst für mich, mehr Geld rausgibt, als ich eingezahlt habe. Es geht darum, einen Versicherungsschutz zu kreieren, der mich im Falle der Fälle vor bestimmten Risiken schützt. Um diese erste Frage des Beitrages somit zu beantworten:

Nein, eine Krankenversicherung lohnt sich nie- sie sichert ab!

Wir sollten uns darüber freuen, wenn wir diese niemals brauchen und nach Jahrzehnten feststellen: „Jetzt habe ich Jahrzehnte Beiträge eingezahlt, und lange nicht das wieder herausbekommen.“ So und genau so funktioniert eine Versicherung.

Eine Anmerkung jedoch speziell zu dieser Familie: Der Abschluss der privaten Krankenversicherung erfolgte auf Rat eines Freundes, vor über 20 Jahren. Die Kinder der Familie sind heute im Grundschulalter. Heißt also auch, es gab vor Geburt der Kinder weit über ein Jahrzehnt, indem durch die private Krankenversicherung hier Monat für Monat Geld gespart wurde. Natürlich wurde dieses Geld mit großer Wahrscheinlichkeit ausgegeben, und nicht separat in einem Topf angelegt.

Aber ich kann doch nicht erwarten, aus einem System mit weniger Leistung in ein System mit mehr Leistung zu wechseln und zusätzlich noch jeden Monat Geld heraus zu nehmen. Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, so finden Sie sich damit ab, dass sie mit der privaten Krankenversicherung eben kein Geld sparen, sondern betrachten Sie das „System“ Private Krankenversicherung als anderes System und keinesfalls mit der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares.

Doch kommen wir nun zu den eigentlichen elf großen Nachteilen der privaten Krankenversicherung, die die Autoren in ihrem Blog Beitrag nach und nach behandelt.

„1. Kurzarbeit während der Corona-Krise“

Richtig ist, dass jemand, der vor der Coronakrise (oder jeder anderen Kurzarbeit) privat versichert war, dass auch weiterhin bleibt. Während der Kurzarbeit wird fiktiv ein vergleichbares Einkommen angenommen.

Was die Autorin aber nicht erwähnt, ist der erhöhte Arbeitgeberzuschuss, welcher den größten Teil des Beitrages abdecken kann. Voraussetzungen sind hier Einkommen in der Kurzarbeit unter der Jahresarbeitentgeltgrenze und damit eine deutliche Verringerung. Ich habe hierzu in einigen Beiträgen detailliert beschrieben, warum es hier notwendig ist, es zu berechnen und zu handeln. Dann aber bekommt der Arbeitnehmer hier weitaus höhere Zuschüsse, eben um die finanziellen Folgen der Kurzarbeit abzumildern. Mehr Informationen zu

Kurzarbeit und Private Krankenversicherung HIER in meinen Beiträgen.

Da es hier in dem konkreten Fall keine Kurzarbeit gab, stellte sich die Frage des erhöhten Zuschusses auch nicht. Auch klingen 1.300 € Beitrag gewaltig, die sind es aber so nicht. In diesem Betrag sind Selbstbeteiligungen enthalten, für sich und die Kinder, welche nur teilweise genutzt wurden. So kann einer der Nachteile der Privaten Krankenversicherung schnell zu einem (finanziellen) Vorteil werden.

„2. Wiedereingliederung in den Beruf nach Krankheit“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Hier kommen mehrere Punkte gleich in einem Beitragsteil zusammen: Die private Krankenversicherung funktioniert nach einer Art Baustein- System. Sie versichern also einen Haupttarif, welcher die Kosten für ambulante, stationäre oder auch zahnärztliche Behandlung übernimmt. Danach ergänzen Sie Ihren Vertrag direkt bei Abschluss um weitere Bausteine. Das kann ein Baustein für Kurleistungen sein, ebenso der wichtige Baustein für das sogenannte „Krankentagegeld“. Also der Baustein, der im Falle der längerfristigen Krankheit über die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers hinaus dafür sorgen soll, dass Ihnen auch im Krankheitsfall kein finanzieller Nachteil entsteht.

Um diesen Baustein aber richtig und sinnvoll ab zu sichern, bedarf es einiger wichtiger Informationen vor ab. Natürlich ist es richtig, dass der Beitrag für die private Krankenversicherung und auch den Baustein für das Krankentagegeld im Leistungsfall weiter zu zahlen ist. Daher habe ich mehrfach (unter anderem hier auf der Seite unter dem Unterpunkt Krankentagegeld) darauf hingewiesen, dass es notwendig und wichtig ist, nicht nur die laufenden Fixkosten, sondern eben auch den Beitrag zur privaten Krankenversicherung, abzusichern.

Soweit zu den generellen Fragen zum Thema „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“. Auch finden wir in diversen Tarifen der privaten Krankentagegeldversicherung Regelungen zur Teil- Arbeitsunfähigkeit und zu der Frage der Wiedereingliederung. Es ist eben nicht generell so, dass es keinerlei Leistung bei Wiedereingliederung gibt. Sondern es ist vielmehr richtig, dass es Tarife und Gesellschaften gibt, bei denen das Thema „Teilarbeitsunfähigkeit und Wiedereingliederung“ nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ nicht sauber und vernünftig gelöst ist. Eine solche Gesellschaft von der eigenen Wahl auszuschließen, das ist aber Aufgabe des Beraters und des Kunden, noch bevor ein Abschluss zustande kommt.

Und lassen Sie mich einen wichtigen Punkt gleich hier schon einmal erwähnen: Eine private Krankenversicherung ist nichts, was man vor 20 Jahren einmal gemacht hat und dann in der Schublade liegt und man sich nie wieder anschaut. Eine private Krankenversicherung bedarf einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung und damit ein „Mitwachsen“ mit dem eigenen Leben.

Lohnersatzleistung und Krankentagegeld – anpassen, prüfen, ändern!

Auch bei der sogenannten Entgeltersatzleistung bringt unsere Autorin in ihrem Beitrag einiges durcheinander: Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fallen von dem ausgezahlten Krankentagegeld auch deshalb nicht an, weil die Sozialversicherungsbeiträge von dem Bruttokrankengeld bereits abgezogen worden. Damit ist die Beitragszahlung in der gesetzlichen Krankenkasse während einer längeren Arbeitsunfähigkeit nicht vorhanden. Aber, ein Unterschied zwischen beiden Systemen, die gesetzliche Krankenkasse darf maximal 78 Wochen zahlen, danach endet die Lohnfortzahlung selbst dann, wenn der Patient weiterhin krank, also arbeitsunfähig ist. In der privaten Krankentagegeld Versicherung kennen wir diese Einschränkung so nicht. Was die Absicherung dort nicht prinzipiell besser oder schlechter, sondern einfach anders macht.

Dazu kommt, dass der private Krankenversicherer schlichtweg nicht wissen kann, wie sich Ihr Einkommen entwickelt. Wer also sein vor 20 Jahren abgeschlossenes Krankentagegeld nicht anpasst und verändert, und das obwohl sich die Familiensituation und die Beiträge der Krankenversicherung massivst verändert haben, der ist (das mag hart klingen) mit Schuld an der eigenen Situation. Das wurde hier in meinem Telefonat auch bestätigt. Die Familie hatte sich aufgrund der zusätzlichen Beitragszahlung gegen eine Erhöhung des Krankentagegeldes entschieden. Und so war es im Wesentlichen noch so, wie es vor 20 Jahren einmal abgeschlossen wurde. Dass das heute nicht reicht und dass der Tarif heute durchaus anders und besser und mit mehr Leistungen zu versichern wäre, das wurde hier „unterschlagen“.

„3. Kein Kinderkrankengeld in der privaten Krankenversicherung“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Vor 20 Jahren, bei Abschluss dieser Versicherung, war die Aussage durchaus richtig. Eine Krankentagegeldversicherung bei Erkrankung des Kindes gab es in der privaten Krankenversicherung so nicht. Das ist- und war ein Nachteil für viele Versicherten, welche sich dieses Risikos bewusst sein sollten.

Aber, so erzählten die Kunden gestern, waren damals Kinder kein Thema. Es wurde weder angesprochen- noch besprochen und die Lebensplanung hat sich schlicht und ergreifend verändert. Heute ist es in der privaten Krankenversicherung bei einigen Versicherern durchaus möglich, eine Lohnersatzleistung bei Erkrankung der Kinder, zu versichern.

Das geht auch heute weiterhin nicht pauschal bei jedem Versicherer, es gibt aber Lösungen dafür. Wer sich also für die private Krankenversicherung entscheidet, und selbst wenn er heute noch keine Kinder plant, gehört das Thema auf den Tisch der Beratung. Auf der anderen Seite ist das Risiko durchaus begrenzt. Die Zeiten der Lohnfortzahlung für Eltern, welche in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, sind ebenfalls stark reglementiert. Aktuell weitet die Bundesregierung aber die Regelungen durch Corona aus, eine generelle Erweiterung ist das aber auch hier nicht.

Auch bei dieser Familie hätten sich die Eltern bei Geburt für die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse entscheiden können und die Kinder dort versichern. Dann bestünde auch ein Anspruch auf Krankentagegeld bei Erkrankung des Kindes. Auch hier ist die Beratung sicherlich nicht optimal gelaufen, ob der Fehler beim Berater, bei dem Kunden oder vielleicht bei beiden lag, vermag ich nicht zu beurteilen.

„4. Jedes Familienmitglied muss eigene Beiträge zahlen“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Punkt vier von elf und wir sind bei dem ersten richtigen Punkt angelangt. Denn vollkommen korrekt ist, dass in der privaten Krankenversicherung es keine Art von Familienversicherung gibt. Die Kinder, oder eine nicht arbeitende Ehefrau oder der nicht arbeitende Ehemann, können in der privaten Krankenversicherung nur gegen eigenen Beitrag mitversichert werden.

Jede Person stellt ein eigenes Risiko da, kann eigene Tarife und Leistungen wählen und Zeit auch für diese einen entsprechenden Beitrag. Unter bestimmten Umständen bekommt aber der Hauptversicherte Arbeitnehmer hier auch einen anteiligen Arbeitgeberzuschuss für seine Kinder oder andere Familienangehörige im Rahmen der Höchstgrenzen.

„5. Auch nach sechs Wochen Krankheit müssen volle Beiträge gezahlt werden“

Dieses Thema hatten wir eingangs schon bei der Frage der Teilarbeitsunfähigkeit oder der Wiedereingliederung. Die Aussage ist so halb richtig. Natürlich bucht der private Krankenversicherer den Beitrag auch während der Krankheit weiter ab. Dazu gibt es eben das Krankentagegeld, welches in der richtigen Höhe versichert, dieses wieder ausgleicht.

Das Beispiel der Autorin:

Nehmen wir mal an, jemand bekommt 60 Euro pro Tag. Die monatlichen Beiträge – zum Beispiel 1.500 Euro für eine Familie – müssen weiterhin in voller Höher gezahlt werden.

Das heißt: Privatversicherte müssen sich eine längere Krankheit finanziell leisten können.

Wer nur 60 € Tagessatz, also 1800 € im Monat an Krankentagegeld versichert hat, der hat entweder einen vollkommen unfähigen Berater gehabt, wollte am Beitrag sparen oder aber hat 20 Jahre lang geschlafen und keinerlei Anpassung vorgenommen. 60 € Krankentagegeld waren schon vor 20 Jahren zu wenig.

Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und einem Krankentagegeld unter 120 € sollten sehr genau überlegen, was sie da tun und sich auch fragen, was im Falle der Krankheit dann passiert. Denn nehmen wir als Beispiel 120 €, so klingen die 3.600 € Auszahlung pro Monat viel. Ziehen wir davon aber einmal 800 € Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) ab und brauchen dann noch Geld für die Rentenversicherung, so bleiben am Ende knapp 2.300 € übrig. Ob das reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden und das auch über die Jahre überdenken und anpassen.

„6. Ausschluss von Leistungen bei Vorerkrankungen“ – definitiv so keine Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (zum Beispiel ein bereits fehlender Zahn bei Abschluss, wo dann der erste Zahnersatz ausgeschlossen werden kann) gibt es in der privaten Krankenversicherung gerade keine Ausschlüsse. Was es natürlich gibt, sind Zuschläge für bereits bestehende Erkrankungen. Sie würden ja auch nicht ein höheres Risiko zum gleichen Preis versichern wie das eines gesunden Kunden.

Doch unsere Familie wollte hier auf ein ganz anderes Thema raus:

„Als ich bei der Versicherung unserer Kinder nach dem Tarif für Kuren nachgefragt habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Mir wurde geantwortet, dass man diesen extra Tarif mit den entsprechenden Leistungen nur bekommt, wenn man vorher eine Gesundheitsprüfung überstanden hat.
Wer als Baby Neurodermitis hatte, scheidet für sämtliche Extras aus. Ich habe genervt geantwortet, dass meine Tochter kerngesund ist und dass bei uns im Kindergarten zahlreiche Mütter erzählen, dass ihr Kind als Baby Probleme mit der Haut hatte.
Der Mitarbeiter hat mir klar gemacht, dass nur Eltern von gesunden Kindern extra Tarife für den Nachwuchs buchen können.“

Denn diese Aussage ist zumindest genauso falsch. Die Kundin wollte hier ein vorher gemachtes Versäumnis korrigieren und später, also Jahre später, einen Zusatzbaustein für Kurleistungen für das Kind versichern. Das Kind bekam eine Hauterkrankung, wie sie schreibt, und sollte nun für einen Tarifbaustein für Kurleistungen nachversichert werden. Dass der Versicherer das nicht möchte, weil das Risiko um ein Vielfaches erhöht ist, (zwischenzeitlich waren die Kinder auch bei der Kur) ist im Sinne des Versichertenkollektivs mehr als verständlich.

Was wir auch festhalten sollten, die Kinder bekommen bei Geburt durch eine entsprechende Anmeldung und nach Versicherungsumfang in dem Vertrag des Vaters/ der Mutter, identischen Schutz ohne jegliche Gesundheitsprüfung. Hätte der Vater also damals mit seinem Berater einen umfassenden Versicherungsschutz gewählt oder noch vor der Geburt für sich selbst einen solchen „Kurtarif“ abgeschlossen, dann wäre auch die Nachversicherung für die Kinder, selbst mit Vorerkrankung, kein Problem gewesen. Wer aber für sich selbst an den Leistungen spart oder an einen solchen Zusatzbaustein nicht denkt, der muss mit der Konsequenz der Gesundheitsprüfung für die Kinder leben. Hier ein eigenes Versäumnis oder das Fehlen der Aufklärung durch den Berater als Nachteil darzustellen, halte ich für etwas fragwürdig.

„7. Zähne sind im Basistarif der Kinder nicht mit drin“

In dem „PKV-Warn-Blogbeitrag“ lesen wir:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich erfahren habe, dass wir knapp 800 Euro für den Zahnarzt selbst zahlen müssen.

Der Grund: Zähne müssen nochmal separat versichert werden.

Ja, ich habe auch nicht schlecht gestaunt als ich eine solche (falsche) Aussage lesen musste. Kinder haben natürlich Anspruch auf Zahnleistungen in dem entsprechenden Tarif. Der Sohn übrigens, für den hat man es bei Geburt auch richtig einfach mitversichert. Für die Tochter hingegen wurde sich aus Ersparnisgründen bei Geburt dafür entschieden, sich doch den „Zahn- Baustein“ ab Geburt zu sparen. Schließlich kann doch für junge Kinder gar kein Kostenrisiko für Zahnbehandlungen oder Zahnersatz bestehen, dachte man zumindest. Dass die dann später auftretenden Kosten nun doch da sind, und dass der Versicherer nun diese nicht übernehmen will, ist schlichtweg der eigenen Ersparnis geschuldet.

Denken wir also einmal darüber hinaus nach, was an Beiträgen in den ersten fünf oder gar acht Jahren nach Geburt der Kinder gespart wurde, dann finde ich das „Jammern“ über die eigene falsche Entscheidung den völlig falschen und irreführenden Weg.

Hier wurde nach Geburt der Kinder eine Entscheidung getroffen (ob der Berater geschlafen hat oder man ist damals bewusst so entschieden hat und sich heute nur nicht mehr erinnern kann, das vermag ich nicht zu beurteilen). Heute, wo es anders gelaufen ist und Kosten für die Kinder angefallen sind, wird nun über die damalige Entscheidung gejammert. Das erweckt nicht nur einen falschen Eindruck über die Versicherungsmöglichkeiten und Varianten, sondern es verzerrt auch ganz deutlich die Tatsachen.

Übrigens hätte es auch damals schon bei der Universa ab Geburt der Kinder Tarife gegeben, welche als so genannte „Kompakttarife“ die Bereiche „Ambulant, Stationär und Zahnleistungen“ enthalten hätten. Auch diese wären ohne Gesundheitsprüfung abschließbar gewesen.

„8. Keine Beitragsfreiheit während Mutterschafts- oder Erziehungszeiten“

Die Beitragsfreiheit bei Mutterschaft – oder Erziehungszeiten sind in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gänzlich anders gelöst. Daher ist zumindest diese Aussage nicht generell falsch.

Auch wenn das vor 20 Jahren bei den meisten Tarifen nicht so war, gibt es heute hierfür Lösungen. So existieren auch in der privaten Krankenversicherung Tarife und Leistungen, welche für den Zeitraum der Elternzeit den Zuschuss des Arbeitgebers übernehmen- oder gar den ganzen Beitrag für eine begrenzte Zeit „auf null setzen“.

Voraussetzung hierfür ist natürlich ein entsprechender Tarif: Das es hier einen solchen bei der Versicherung der Familie nicht gab, ist natürlich ärgerlich und nur deshalb den Versicherer zu wechseln, auch die völlig falsche Wahl. Aber eine generelle Aussage funktioniert auch hier nicht und ist falsch.

Übrigens würde der Mann in Elternzeit gehen und als freiwillig versichertes Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse (was er mit seinem Einkommen wäre) sein, so wäre auch hier die Mitgliedschaft NICHT kostenlos und müsste bezahlt werden. Mehr dazu in meinem Beitrag zur

„Nicht immer beitragsfreien Versicherung in Elternzeit“.

„9. Kuren sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen“ – falsch und nicht zwingend Nachteile der Privaten Krankenversicherung!

Auch diese Aussage ist so nicht richtig! Wir hatten das Thema ja vorhin schon oben bei den Kindern, eine Kurleistung kann entweder Bestandteil des Tarifes sein, oder aber es gibt dazu einen ergänzenden Baustein. Wenn ich mich bei Abschluss gegen einen solchen Tarif entscheide, so kann ich den in der Zukunft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung versichern. Habe ich selber keinen solchen Tarif, so bekommen die Kinder diesen mit Geburt auch nicht automatisch ohne Gesundheitsprüfung.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, warum die sorgfältige Auswahl des eigenen Versicherungsschutzes (und unter Umständen die Anpassung des eigenen Schutzes vor Geburt der Kinder) so wichtig und elementar ist.

Wer sich aber aus finanziellen Gründen (oder weil der Berater anscheinend keine Ahnung hat er auf das Thema hinzuweisen) dagegen entscheidet, der sollte nicht der privaten Krankenversicherung den Vorwurf machen. Schließlich hat er eine Leistung nicht versichert, für die er auch keine Beiträge gezahlt hat. Warum sollte hier eine Leistung erfolgen?

„10. Berge voller Papierkram – jeder Beleg muss eingereicht werden“

Wenigstens dieser Punkt ist richtig. Natürlich muss ich mir als privat versicherter bewusst sein, dass ich einen höheren Aufwand betreiben muss. Es gibt eben keinen direkten Abrechnungsweg zwischen Arzt und Krankenversicherung (ausgenommen sind einige stationäre Rechnungen) und ich bekomme die Rechnung nach Hause.

Dieses Nachhause schicken hat durchaus Vorteile, denn ich kann kontrollieren, was der Arzt abgerechnet hat und ob die Diagnosen auch so stimmen.

Auch kann ich entschieden, welche Rechnungen ich wann einreiche. Das „alles vorgestreckt werden muss“ ist aber wiederum falsch. Private Krankenversicherer erstatten heute binnen weniger Tage, wenn Rechnungen als Foto via App eingereicht oder per Post geschickt werden.

Sie erstatten aber nur das, was auch versichert ist. Anders als in der GKV kann, muss ich aber nicht alle Bereiche versichern und spare somit an den Leistungen, welche mir bei Abschluss nicht wichtig sind. Wenn diese wichtig werden, muss aber auch bei laufendem Vertrag gehandelt werden.

Wer hohe Medikamentenrechnungen hat, sollte zudem über ein Kundenkonto bei der Apotheke nachdenken. Hier bekommt man dann einfach eine Rechnung, reicht diese ein und hat das Geld wieder, bevor es bezahlt werden muss.

Wem dieser Abrechnungsweg aber Sorgen bereitet, hierfür gibt es Dienstleister! Also entweder selbstmachen, oder jemanden für eine monatliche Pauschale damit beschäftigen, die Arbeit für einen selbst zu übernehmen.

Noch einen Satz zu der Aussage:

„Außerdem akzeptieren die privaten Krankenkassen nicht jede Arztrechnung. Mein Mann hat die Rechnung für ein Schlaflabor vorgestreckt und dann von der privaten Krankenkasse erfahren, dass gemäß der Gebührenverordnung zu hoch abgerechnet wurde.“

Was wäre Ihnen lieber? Ein privater Krankenversicherer, der unberechtigte Leistungen trotzdem bezahlt und damit die Beiträge deutlich schneller erhöhen muss, oder einer, der sich an die Regeln hält und dem Arzt gegebenenfalls auch aufzeigt, warum seine Rechnung falsch ist? Das möchte ich gar nicht im Detail bewerten oder kommentieren, machen Sie sich einfach einmal selbst dazu Gedanken.

„11. Du kommst aus einer Ehe leichter raus, als aus einer privaten Krankenkasse“

Die letzte Aussage in dem Beitrag unserer Autorin ist die erste und einzige, welche vollständig richtig ist. Hier wird ganz klar und deutlich dargestellt, dass es eine dauerhafte Entscheidung für die eigene Gesundheitsvorsorge ist.

Wer sich für die private Krankenversicherung heute entscheidet, der sollte das bewusst und wohl überlegt tun. Es gibt eine Unmenge an Gründen, die für eine entsprechende Versorgung und mindestens genauso viele Gründe die gegen eine entsprechende Versorgung in dem privaten Versicherungssystem sprechen.

Ich kann mich kaum noch erinnern wie oft ich darüber aufgeklärt habe, wie wichtig es ist, Lebensentscheidungen von dir zu treffen und eben nicht darauf zu vertrauen, was einem der „gute Kumpel“ (der gerade zufällig auch bei einer Versicherung auch arbeitet und irgendetwas mit Krankenversicherung mal gelesen hat), erzählt.

Hinterfragen Sie Aussagen, beschäftigen Sie sich mit der Zukunftsfähigkeit von Tarifen und schauen Sie sich an, wie sich der Tarif in Zukunft verändern kann. Auch wenn heute eine Familienplanung vielleicht nicht denkbar ist, so kann es doch in Zukunft eine solche geben. Morgen kommt die Partnerin/der Partner um die Ecke, und es ändert sich sprichwörtlich alles.

Hierfür muss ein Versicherungsschutz gemacht sein und angepasst werden.
Wichtig ist aber hier, dass ein Wechsel, zurück in das andere der jeweiligen Systeme, durchaus denkbar und möglich ist, wenn man ihn entsprechend vorbereitet. Hierfür gibt es Spezialisten, die sie als Berater zur Seite stellen sollten, denn wenn man hier gut erkennen kann ist es eben nicht so einfach.

In einem weiteren Beitrag werde ich Ihnen einige solcher Spezialisten vorstellen und auch erklären, wie die ihnen konkret in unserem Beispiel hier helfen können.

Zu dem konkreten Fall und warum es nach meinem anderthalbstündigen Samstagabend- Telefonat plötzlich alles nicht mehr so war wie es schien (und warum der Facebookpost jetzt auch wieder gelöscht wurde), das erzähle ich gern in einem weiteren Beitrag.

05.
Mai '17

Der Focus glänzt mal wieder mit Wissen über die Private Krankenversicherung – nicht


Eigentlich habe ich mir abgewöhnt falsche und unsinnige Aussagen in Presseerzeugnissen zu kommentieren, dieses „tote Papier“ ist leider sehr anfällig für „schnelle Recherche“ und reißerische Aussagen, was nicht bedeutet es wäre im Internet anders. Als ich heute am Flughafen an einem Zeitungsstand vorbeilief, fiel mir dieser Titel der aktuellen Ausgabe des „Focus Magazins“ auf, mit dem Titel:

„Zwei-Klassen-Medizin … und wie Sie trotzdem die perfekte Behandlung bekommen“

(c) Focus, Titelbild der Ausgabe vom 29.04.2017

Ergänzt wurde das Cover dann noch mit einem gelben Sticker „113 Versicherer im Test – Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“.

Hier geht das Elend schon wieder los. Was ist die Intention? Um was wird es wohl in dem mehrseitigen Artikel und der langen Tabelle gehen? Um Krankenversicherer, also private? Oder doch um Krankenkassen, also gesetzliche?

Und warum eigentliche „Was Ihre Kasse jetzt noch zahlt“, ich kann mich nicht erinnern, es habe gerade jetzt eine größere Kürzung oder Leistungsreduktion in der gesetzlichen Kasse gegeben? (Eher Veränderungen zu Gunsten der Versicherten, im Heil- und Hilfsmitelgesetz) Aber gut, der Autor oder besser die beiden Autoren, Kurt-Martin Mayer und Matthias Kowalski, werden sich schon etwas dabei gedacht haben. So ein Titel bringt vielleicht Leser, Leser die etwas über die Unterschiede der einzelnen Versicherer erfahren möchten und sich Hilfe bei der Auswahl erhoffen.

Da es bekanntlich unhöflich ist, eine Zeitung schon „ungekauft“ um Geschäft zu lesen, wird der eine oder andere diese 4,20 Euro sicher investiert haben. Kleiner Tipp falls noch nicht geschehen- lassen Sie es bleiben.

Allein der Anspruch in einem Artikel einen sinnvollen Vergleich anstellen zu wollen, einen mit den Leistungen der 113 Krankenkassen, wovon Sie eine Reihe nur nutzen können falls Sie in bestimmten Bundesländern leben, ist leicht irrwitzig. Aber vielleicht erwarten Sie ja auch etwas anderes? Eine Erklärung warum es zur Zwei-Klassen-Medizin kommt, eine Aussage zu den privaten Versicherungen und deren Tücken, dann haben Sie leider etwas hohe Erwartungen und wissen wohl um den Unterschied zwischen privaten Versicherungen und gesetzlichen Kassen, vielleicht mögen Sie es den Autoren einmal schreiben.

Einen Tarifvergleich kann man nicht in eine Zeitung pressen, Unterschiede zu Systemen und Informationen über die Modelle der beiden Wege im Gesundheitswesen, der gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherung aber schon. Nach einer nichtssagenden Titel-Doppelseite auf 73 und 74 geht es auf Seite 75 nun los mit dem Text.

Los geht es schon vor dem Text mit einem Klischeebild. Ein Wartezimmer im Look einer Zigarrenlounge, eines welches (so die Bildbeschreibung) ein Berliner Zahnarzt für seine Privatpatienten anbietet. Klar gibt es sowas, kenne ich aus eigener Erfahrung. Aber ist das ein Grund so meinen Zahnarzt auszuwählen? Sicher nicht! Wer meinen Artikel zu der Versorgung mit Implantaten gelesen hat,

LINK: Implantate, Narkose und die Erfahrung und Erstattung der PKV

der hat auch gesehen, was der Arzt dort abgerechnet hat. Keinen Höchstsatz, keinen Schnickschnack und dennoch hat er (so ein Kollege) eine sehr gute Arbeit abgeliefert und eine durchaus ansehnliche Praxis, einen OP, aber eben kein Zigarrenzimmer. Wer darauf Wert legt, der kann dieses aber natürlich nutzen. Am Ende sind es Komfortleistungen für die bezahlt wird/ werden muss. Ein Berliner Orthopäde bei dem ich einmal war, hatte zwei Wartezimmer, eines für PKV Versicherte und Selbstzahler und eines für GKV Patienten. Warum? In dem einen stellte er Kaffee und Softdrinks kostenfrei, im anderen selbige gegen Bezahlung zur Verfügung. Es ist am Ende eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Eine zwingend erforderliche Dienstleistung ist es sicher nicht.

Nach der Geschichte über die Brustkrebspatientin und den Gentest (den so die meisten Kassen nicht bezahlen (dürfen), geht es dann weiter.

Zwei Rubriken oder Spalten fallen mir auf den ersten Blick auf, überschrieben mit:

Für wen lohnt sich die private Krankenkasse?

und

„Für wen lohnt sich die gesetzliche Krankenkasse“

Abgesehen davon, dass schon der Ansatz falsch ist, es geht eben nicht um lohnen. Also um „mehr raus zu bekommen“ als einzuzahlen, es geht um eine passende Absicherung der Leistungen, die mich privat an meine finanzielle Grenze bringen und diese übersteigen.

Die Besonderheiten der Privaten Krankenversicherung

Daher geht es auch in der privaten Krankenversicherung nicht um Brillenleistungen oder ein Krankenhaustagegeld, es geht um elementare und wichtige Leistungen bei schweren Unfällen, dauerhaften Erkrankungen und hohen kosten. Mehr dazu habe ich aber schon in meiner Rubrik

Auswahlkriterien für die Private Krankenversicherung

erklärt und zusammengefasst. Doch der Focus glänzt nun unter der Überschrift „wann sich die private KV lohnt“ mit falschen Aussagen.

„Beamte müssen sich (noch) privat versichern, Selbstständige und Besserverdienende haben die Wahl.“

Ach ja? und warum „noch“? Alle derzeit angedachten Änderungen und Pläne gehören in die Schublade „Wahlkampf“. Davon habe ich in meinen 20 Jahren in der Tätigkeit schon einige gesehen, gelesen und wieder sterben sehen. Wo genau hat der Focus denn diese Aussage her? Auch Beamte müssen nichts. Wer als Beamter in der gesetzlichen Kasse bleiben möchte, der kann das genauso guttun. Eine Pflicht zur Privaten Krankenversicherung gibt es für Beamte ebenso wenig, für andere. (unter bestimmten Voraussetzungen und Vorversicherungszeiten kann es möglich sein, keinen Zugang zur GKV zu haben, das sind aber die Ausnahmen)
Selbstständige und Freiberufler die keine Voraussetzungen für eine Pflicht in der GKV erfüllen, können sich frei entscheiden in welches System diese wollen. Eine solche Entscheidung kann aber langfristig bindend sein und sollte daher gut überlegt sein, schrieb ich bereits im Artikel:

„Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen.“

Weiterhin kommt der Focus mit einer anderen Idee um die Ecke, einer die gleich zwei Fehler enthält. Er schreibt:

„Nur bis zu einem Alter von 35 ist ein Eintritt in die Privaten erwägenswert und nur ohne gewichtige Vorerkrankungen. Sonst drohen Behandlungsausschlüsse oder Risikozuschläge.“

Lieber Focus, einem 40jährigen, gutverdienenden Angestellten ist es nach Eurer Auffassung verboten in die PKV zu wechseln? Jetzt wo er Geld hat, jetzt wo er merkte wie wichtig ihm Gesundheit ist und vielleicht wo Entscheidungen zu Kinderwunsch und Familie gefallen sind? Diese generelle Altersgrenze ist Unsinn.

Klar gilt, je früher desto besser. Aber seien wir mal ehrlich, die Einkommensgrenzen und damit die Wahl hat der Versicherte nicht mit 18 oder 20, sondern erst später. Eine entsprechende Vorausschau und damit die Nutzung von Anwartschaften und Optionen sichert entsprechende Rechte und ermöglicht auch später eine begründete und fundierte Wechselentscheidung.

Und gleich noch etwas. In der privaten (Voll-)Krankenversicherung gibt es keine Ausschlüsse oder Beschränkungen der Leistungen durch Vorerkrankungen. Höhere Risiken werden mit einem Angebot eines Riskozuschlages ausgeglichen, aber Leistungen werden NICHT ausgeschlossen. Es wäre auch fatal, würde der Kunde mit einer Verletzung des Knies bei einem Antrag eine PKV bekommen, die „Leistungen bei Behandlungen der Knie“ ausschließen würde. Daher ist dieses- schon allein wegen der Pflicht zur Versicherung- nicht möglich. Ein fehlender Zahn bei Antragstellung kann- für den ersten Zahnersatz- ausgeschlossen werden, das ist soweit auch richtig, denn das brennende Haus ist einfach nicht mehr gegen Feuer versicherbar.

Laut Focus liegen die „Stärken der PKV“ in den Bereichen: „Zahn-Inlays, Heilpraktiker, Vitamine, Privatkliniken, weltweiter Schutz und Mehrleistungen der privaten Pflegeversicherung“.

Autsch, da hat aber einer das System so gar nicht verstanden. Zahn-Inlays, OK, das mag gerade noch so sein. Heilpraktiker auch, wobei diese ja selbst in der folgenden GKV Leistungstabelle als neue Stärke der GKV angepriesen werden.

Aber VITAMINE?? Was bitte soll das? Nahrungsergänzungen sind auch in der PKV nicht mit einer medizinisch notwenigen (und das ist zwingende Voraussetzung) Behandlung zu verwechseln. Klar gibt es Diagnosen und Stoffwechselerkrankungen, hier bekommen aber auch GKV Versicherte mit passenden Diagnosen eine Leistung.

Mehrleistungen in der Pflegeversicherung? Ja, in einer Pflegezusatzversicherung mit Pfegetagegeld, Pflegerente und Pflegekosten. Diese Zusatzversicherung ist jedoch auch für jeden gesetzlich versicherten Kunden abschließbar. Die Leistungen der Pflegepflichtversicherung sind hingegen identisch, nur die Prämien sind andere.

Stärken der Privaten liegen sicher eher in der Wahl- und Kombinationsmöglichkeit, in der Anpassbarkeit des Schutzes an den Bedarf und der Garantie der Leistungen laut Vertrag. Kein Bundesausschuss und auch kein Gesetzgeber können diese Leistungen hier reduzieren oder anpassen, wenn der Versicherte das nicht will.

Als Schwächen werden dann (zugegeben richtig) eine oft nicht transparente Beitragskalkulation und komplizierte Wechselmöglichkeiten genannt. Hier sind Berater und Versicherer gefragt und durchaus auf einem guten Weg. Warum nun hier schwache „Kurleistungen und Leistungen bei Psychotherapie“ genannt werden, nun gut. Auch hier ist die Frage: Was will ich als Versicherter? Welche Leistungen sind mir wichtig, genau die sollte ich auch absichern. Und nein, der Hinweis auf eine Vergleichsplattform ist keine adäquate Beratung. Auch Tabellen und Test sind generell hierbei ungeeignet.

Gleiche Betrachtung bei der GKV- Stärken und Schwächen

nach FOCUS Meinung.

Stark soll die GKV deshalb sein, weil diese sich „wegen der kostenlosen Familienversicherung besonders für große Haushalte rentiert“. Oh, genau das ist leider auch in vielen Bereichen das Problem. Das „Rosienenpicken“. Solange ich aus der PKV mehr raus bekomme nutze ich die, dann später die GKV? Mehr Infos dazu auch in meinem Beitrag:

„Mein Kind muss ja dann auch in die PKV“

Und für Besserverdienende lohnt sich die GKV, meint der Focus. Warum? Weil der Beitrag ab einem Einkommen von 4.350 Euro (als Grenze der Beitragsbemessung) nicht weiter steigt. Ah, super Idee lieber Focus. Blöd nur wenn die Grenze, wie in den letzten 20 Jahren, nahezu jährlich erhöht wird. Dazu kommen Zusatzbeiträge und damit steigende Höchstbelastungen in der GKV.

Die Abrechnung über Chipkarte, das Angebot von Gesundheitskursen und ein 18-Monate Wechselrecht sind tatsächlich Merkmale und teilweise sogar Stärken der GKV, unumstritten. Die PKV muss man wollen, das System PKV muss man verstehen und wollen und auch die „Mehrarbeit“ muss man verstehen, den Arzt auch einmal kritisch hinterfragen und sich im Klaren sein was genau man sich dort kauft.

Warum dann aber bei den Stärken der Privaten stand:

„Vorteile für weibliche Singles. Single-Frauen genießen in den Unisextarifen der Privaten einige Vorteile“

kann uns wohl auch nur einer der beiden Autoren erklären. Empfehlenswert hier vielleicht ein Gespräch mit einem Aktuar oder anderen Fachleuten zum Thema Kalkulation der PKV.

Aber wenigstens bei den Schwächen der GKV scheint man sich belesen zu haben. So werden Wartezeiten beim Arzt, viele Zuzahlungen, „wirtschaftliche Leistungen“ und Rentenbeiträge angesprochen. Auch der Hinweis auf die Beitragshöhe und Änderungen durch die Politik sind da, na wenigstens etwas.

Noch zur Erklärung:

Was zahlt die gesetzliche Kasse?

Regelungen welche Leistungen in der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden (dürfen) finden sich im Sozialgesetzbuch V. Dieses schreibt eine medizinisch notwenige und wirtschaftliche Versorgung vor, eine wirtschaftliche bedeutet aber auch, keine unsinnigen, umstrittenen und nicht nachgewiesenen Methoden zu bezahlen. Der große Nachteil: Der so genannte „gemeinsame Bundesausschuss“ tagt im Verborgenen und entscheidet über die Hinzunahme oder das Herausstreichen von Behandlungsmethoden für gesetzlich Versicherte. Eine Einzelfallprüfung, also eine Entscheidung für einen Patienten erfolgt so nicht, es geht eher um einen generellen Leistungskatalog. Das bedeutet aber auch, es ist ein langwieriger Prozess und nicht immer bei nachgewiesener Sinnhaftigkeit schafft es eine Methode auch in den Katalog der GKV.

Darüberhinausgehende Leistungen sind der Kasse nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So erntete die Techniker Krankenkasse erst kürzlich einen gewaltigen „Shitstorm“ im Netz, nachdem diese Kosten für eine homöopathische Behandlung übernehmen will. Der Aufreger dabei? „Ihr verschwendet meine Gelder.“ „Ich will nicht meine Beiträge für solchen Unsinn und ohne Wirksamkeit verschwendet wissen.“ Nachvollziehbare Gedanken? Vielleicht. Aber am Ende entscheidet die Kasse nur über einen sehr, sehr kleinen Teil des Leistungskataloges. Dennoch resultieren hieraus Zusatzleistungen. Dazu zählen zum Beispiel.

  • – zuzahlungsfreie Medikamente
  • – Brillen bei Kindern für den Sport
  • – Mehrleistungen bei Kieferorthopädie
  • – erweiterte Kostenübernahme bei Vorsorgeuntersuchungen
  • – Mehrleistungen bei künstlicher Befruchtung
  • – Zuschuss zu alternativer Medizin
  • – Gesundheitskurse
  • – Osteopathie und vieles mehr

Dazu bieten verschiedene Kassen besondere Services an. Kooperationsärzte mit schnellen Terminen, Hilfe bei dem Einholen einer Zweitmeinung, Hebammenzuschüsse und vieles mehr, aber alles im Vergleich zu den normalen Leistungen eher ein kleiner Teil. Durch solche Leistungen heben sich Kassen von den anderen ab, bieten einer bestimmten Zielgruppe bestimmte Leistungen.

Die dann aufgestellte Tabelle bewertet in Rubriken die allgemeinen Services, digitale Zusatzleistungen, Spartarife und Mehrleistungen und listet einige Besonderheiten der Kasse auf. Eine Hilfestellung wer eine neue Kasse sucht? Ja- eine kleine. Dennoch wird es schwer all diese Leistungen in eine Tabelle zu pressen, daher haben Vergleichsportale und digitale Assistenten bei der Kassenauswahl die Nase hier vorn. Ein Beispiel? Der Kassenfinder…

Auch zu dem Thema

„Wie komme ich aus der privaten Versicherung wieder heraus“

haben die Autoren eine eigenwillige Meinung.

So schrieben sie auf der Seite 78 in der weiteren Spalte dann auch gleich:

„Wer längere Zeit weniger als 57.600 € verdient“ kann zurück in die GKV. Der Satz „Umstritten ist, wie lange man unterhalb dieser Grenze bleiben muss. Ein Jahr kann dafür reichen, manchmal sind zwei gefordert“

Manchmal? Kann reichen? Was genau ist an einem Gesetz, den Hinweisen des GKV Spitzenverbandes und klaren Aussagen nicht zu verstehen? Nach Eurer Auffassung lieber FOCUS ist es Würfeln? Also mal ein, mal zweimal weniger Jahre?

Artikel: Änderungen der GKV und Hinweise dazu

Schade, ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung, hat mal jemand gesagt (ich habe vergessen wer). Wird eine Versicherungspflicht ausgelöst, dieses kann auch durch einen Tag Arbeitslosengeldbezug passieren“, kann gem. SGB V danach die Weiterversicherung erklärt werden. Diese Weiterversicherung ist an Voraussetzungen und Vorgaben gebunden,welche im Paragraphen 9 des Sozialgesetzbuches V geregelt sind. Natürlich sind reine Umgehungstatbestände notfalls rechtlich zu prüfen, aber die Aussage im Artikel ist so schlichtweg Unsinn. Auch die Aussagen zur Familien-GmbH und zur Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit (die dann laut Artikel nach einem Jahr eine Familienversicherung ermöglicht) ist so leider… Unsinn!

Mit dem Thema Versicherungspflicht und die Rückkehr in der GKV sind Spezialisten und Experten über Wochen pro Fall beschäftigt, Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das mit drei bis fünf Sätzen in einem Artikel unterbringen zu können und dann auch noch mit wenigen richtigen Aussagen?

Ein Artikel den „Mann und Frau“ getrost nicht lesen braucht

Was nutzen Informationen die schlichtweg falsch und ungenau sind und was helfen diese bei der Findung der richtigen Entscheidung? Nichts. Daher, lassen Sie die Finger von dem Artikel. Kaufen Sie sich für die 4,20 Euro dieses FOCUS einen Kaffee, setzen Sie sich in die Sonne und genießen Sie den Frühling. Oder gehen Sie ein Eis essen, Eis ist übrigens immer gut. 🙂

Bei Fragen zu so wichtigen Themen, lebenslangen Entscheidungen, fragen Sie bitte Experten und Menschen die sich damit auskennen, diese Autoren gehören wohl noch nicht dazu, aber vielleicht haben ja auch diese jetzt Neues gelernt.

21.
Juli '15

Stiftung „Dilettanztest“ mit neuem Test zur Berufsunfähigkeit in der Ausgabe Finanztest 08/2015


Stellen Sie sich vor, jemand tut etwas was er nicht kann, dann würde man diesen vielleicht als unfähig bezeichnen. Jemand der weiß „er kann etwas nicht“ und es dennoch tut, der ist wahrscheinlich dumm. Selbst die meisten Dummen sind einsichtig, wenn man ihnen dann begründet darlegen kann was sie falsch gemacht haben. Nehmen wir nun aber an, es gibt jemanden der etwas nicht kann, es dann trotzdem tut, auf seine Fehler aufmerksam gemacht wurde und es jetzt doch wieder (falsch) macht. Wie würden Sie diesen nennen? Der Begriff dafür lautet: Finanztest.

Es ist etwas mehr als zwei Jahre her, da hat Finanztest einen Test zu Berufsunfähigkeitsversicherungen veröffentlicht und ist damit in der Öffentlichkeit gehörig auf die Nase gefallen. Da waren nicht nur elementare Fehler im Test, sondern es waren falsche Annahmen, unhaltbare Aussagen, schlimme Empfehlungen, die den Leser beim Befolgen der Ratschläge und Tipps finanziell ruinieren, ohne das FT dafür haften müsste. In dem Test zur Berufsunfähigkeitsversicherung (–> Test Juli 2013) in der Juli Ausgabe 2013 waren (noch) 75 % der getesteten Tarife sehr gut.

Im Jahr 2014 gab es keinen neuen Test zur Berufsunfähigkeit, da hat man sich an der Krankenversicherung versucht, was leider nicht wirklich besser ausging. In dieser Ausgabe (08/2015) will man es nun wieder wissen und testet erneut die BU-Tarife und schreibt gleichzeitig über die private Krankenversicherung, dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.Finanztest_BU_8-2015_ - 4

Aufhänger zu Beginn des Artikels sind (laut Finanztest) nicht versicherbar Berufe die angeblich keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Darunter Musik- oder Sportlehrer, aber auch Yogalehrer, Filmausstatter und andere. Vielleicht hätte Finanztest jemanden fragen sollen der sich damit auskennt, unter Umständen wäre dann ein anderes Ergebnis herausgekommen. Natürlich gibt es Berufe die gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht versicherbar sind. Finanztest schreibt jedoch einschränkend, dass diese Berufe „jedenfalls nicht bei der sehr großen Versicherungsgesellschaft, deren Annahmerichtlinien Finanztest einsehen konnte“ versicherbar sind. In den Test versucht man sich dann wieder an Musterkunden, jedoch sind plötzlich nur noch „mehr als die Hälfte der 70 Angebote im Test“ mit sehr gut bewertet. Ob die anderen einfach nur schlechter geworden sind? Ob die Kriterien andere sind? Dazu später jedoch noch etwas mehr.

Bei dem Tipp von Finanztest den Beitrag jährlich zu zahlen, hat  man- nur so nebenbei- vergessen zu erwähnen, dass natürlich jetzt auch eine längere Kündigungsfrist gilt, dass aber nur am Rande. Ein Versicherter mit einer monatlichen Zahlweise, welcher merkt dass ein Schutz vielleicht doch nicht so optimal war Finanztest heute behauptet, kann damit auch „schon“ nach einem Jahr wechseln, wäre natürlich auch blöd wenn das mit Monatsfrist ginge. (–> Erklärung zur BU Kündigung) Zudem schreibt FT in den FAQ auf der Website:

„Eine ordentliche Kündigung ist in der Regel zum Ende der Vertrags­lauf­zeit zulässig, danach jähr­lich mit einer Frist von drei Monaten. Beachten Sie bitte, dass der Abschluss des Neuvertrags nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt.“

Also kann der Kunde erst zu seinem 67. Lebensjahr kündigen? Vielleicht hätte man die Versicherungsbedingungen doch erstmal lesen sollen.

Die Modellkunden für Finanztest sind wieder einmal ein Industriemechaniker und die Arzthelferin, natürlich gehört auch der Diplom-Kaufmann dazu. Und schon auf der ersten Seite des Tests gibt es nun „Unser Rat“. Schon hier geht es mit dem Unsinn weiter, den ich vor zwei Jahren schon kritisieren musste. Bei der Rentenhöhe wird dem Kunden geraten zu überlegen „wie viel Geld Sie jeden Monat zur Existenzsicherung brauchen“. Auch diesmal wieder kein Wort darüber, dass eine Altersvorsorge weiter betrieben werden muss, dass keine Beiträge mehr in die gesetzlichen Rentenkassen fließen und daher (je nachdem wann die Berufsunfähigkeit eintritt) monatlich hohe Beiträge aufgewendet werden müssen Rentenansprüche im Alter zu erhalten. Hier wird wieder einmal der Eindruck erzeugt, einfach die monatlichen Fixkosten zu nehmen und daraus abzuleiten wie hoch die BU-Rente sein muss. Schlimmer wird es jedoch im zweiten Absatz.

„Orientieren Sie sich an den Preisen für unsere Modellkunden und wählen Sie einen günstigen Tarif aus.“

Trotz der zahlreichen, begründeten Kritik vor zwei Jahren schert es Finanztest überhaupt nicht und es kommt wieder zu Aussagen, die so nicht funktionieren. Warum wohl verbringt ein qualifizierter Berater bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung Stunden über Stunden damit, den passenden Tarif zu finden, die richtige Berufsgruppe (und damit die Beitragshöhe) zu bestimmen? Bei Finanztest glaubt man das könne man mit einem Blick in die Tabelle? Die angeblichen „Testsieger“, die mit einem  „sehr gut“ bewertet und zudem billig sind, sind diesmal Provinzial Rheinland, die Europa und die Condor. Es macht natürlich auch ungeheuer viel Sinn, als Testsieger einen Versicherer zu küren, welche nur regional eingeschränkt in einem kleinen Teil Deutschlands tätig ist, vielleicht sollte Finanztest darüber nachdenken Ihrer Zeitschrift auch nur dort zu verkaufen.

Im dritten Absatz des gelben Kastens (Seite 67 der Zeitschrift) wird es immer schlimmer. Hier folgt dann der Ratschlag, der Kunde möge doch mehrere Angebote parallel einholen. Kunden die älter als 40 sind, in einem Risikoberuf arbeiten oder in den vergangenen Jahren in ärztlicher Behandlung waren, die sollen „so viele Angebote“ einholen „wie möglich“. Hartnäckigkeit zahlt sich oft aus.“ Mit der zwei Euro teuren „BU-Checkliste“ soll der Kunde die Angebote schrittweise selbst durchgehen können.

Finanztest_BU_8-2015_ - 1Finanztest verschweigt auch hier wieder die immense Bedeutung der richtigen Darstellung des Berufes, die Wichtigkeit der Einstufung in die richtige Berufsgruppe und damit auch die Entscheidung darüber, der Tarif bezahlbar ist und bleibt. Es ist nämlich keineswegs so, das eine Berufsbezeichnung tatsächlich allein ausschlaggebend darüber ist, wie die Prämie aussieht. Fragen Sie also mit diesen minimalen Angaben bei einem Versicherer an, so bekommen Sie wahrscheinlich sogar ein Angebot, ob es das passende, für Sie zugeschnittene ist, das steht auf einem anderen Blatt. Hierbei geht es entscheidend darum, für den (potentiellen) Kunden ein entsprechendes Angebot auszuarbeiten und zwar so auszuarbeiten, das aus den vorhandenen Tarifen die der Markt hergibt der passende herausgefunden wird. Wer es glaubt das könne man mit einem einfachen „Angebot anfordern“ Brief an einen Versicherer erreichen, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann.

„jung und gesund“?

Dieser Dilettantismus setzt sich dann in dem schönen bunten Bild mit der Überschrift „Der Weg zum Vertrag“ fort. Nachdem sie also jung und gesund sind, kommen Sie zu Schritt zwei auf dem Wanderweg und dort rät Finanztest erneut den preisgünstigsten Schutz aus dem „sehr guten Angeboten“ auszusuchen. Je nach Beruf sollen sie sich an einem der drei  Modellkunden orientieren. Klar, Arzthelferin, Industriemechaniker und Diplom-Kaufmann, in eine dieser drei Schubladen wird ihr Beruf wohl passen, seien sie nur nicht zu anspruchsvoll.

Nicht ein einziges Wort wird darüber verloren, dass Mitarbeiterverantwortung zu einer besseren Berufsgruppen führt, dass Außendiensttätigkeiten die Berufsgruppe verschlechtert, dass Ärzte die operieren ein höheres Risiko darstellen und vieles mehr. Doch nun wird es erst recht schlimm. In dem Punkt drei auf dem Weg zum Vertrag berät in den Finanztest allen Ernstes:

„Haben Sie die Angebote gefunden, schreiben Sie mehrere Versicherer per Brief oder per Mail  parallel an. Notwendige Angaben: Alter, Beruf, Rauchgewohnheit, Laufzeit und Rentenhöhe. Wählen Sie die jährliche Beitragszahlung und als Überschusssystem die Beitragsverrechnung.“

Werfen sie zuhause bei Entscheidungen manchmal eine Münze? Genau mit dieser Wahrscheinlichkeit erhalten Sie bei der von Finanztest empfohlenen Vorgehensweise ihr passendes Angebot.

Kann klappen, muss aber nicht. Nehmen wir an, Versicherer A stuft sie aufgrund dieser Angaben in eine Berufsgruppe ein und schickt Ihnen Ihr Versicherungsangebot bis zum gewünschten Endalter. Kein Wort darüber das vielleicht die Reduzierung oder Erhöhung des Endalters eine entscheidende Rolle spielen kann. So gibt es Konstellationen wo Versicherungsschutz bis 65 statt 67 riesige Unterschiede im Beitrag bedeutet, ebenso ist es in anderen Fällen so, dass sie für zwei Jahre mehr Versicherungsschutz nur eine minimal höhere Prämie aufwenden müssen. Bekommen Sie nun die Angebote der Versicherer, so sortieren Sie vielleicht ein Unternehmen aus, was Ihnen aufgrund der falschen Eckdaten ein völlig unpassendes Angebot geschickt hat und das Unternehmen kann noch nicht einmal etwas dafür.

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14.
November '13

Die Debeka und Vorwürfe zur Bestechung, unsauberen Praktiken und Tipp Provisionen an Beamte


Gestern sprach mich einer meiner Kunden an, welcher als Beamter bei der Debeka versichert ist. Er wäre doch seit Jahren da, alle liefe soweit gut, auch wenn das mit seinen wenigen Rechnungen kaum zu beurteilen ist, meinte er weiter. Doch nun, nun liest er überall „nur negatives von meinem Versicherer“, so Hr. M. am Telefon. Was genau da dran sei und ob das seine Auswahl beeinflusst oder er diese nun überdenken sollte, fragte er nochmals.

debeka_dpa

Was ist los- die aktuelle Berichterstattung

Stein des Anstoßes sind mehrere Presseartikel, welche sich mit dem Vorwurf der Bestechung von Personen in Behörden beschäftigen und wozu das Handelsblatt mehrfach ausführlich geschrieben hat. Hier soll es Zahlungen an Personen in Behörden gegeben haben, die dann zu einem Abschluss von Verträgen bei der Debeka geführt haben sollen. Heikel wird das Ganze nur, wenn in einem geschilderten Fall die Person selbst noch nichts von der Verbeamtung wusste, der Versicherer aber schon, bzw. ein Außendienst mit Blumen gratulierte ohne das die Verbeamtung selbst klar war.

Das Handelsblatt berichtet am 1. November: Der Zeitung „liegen interne Unterlagen vor, die belegen, dass Debeka-Mitarbeiter über Jahre hinweg Adressen von Personen kauften, die kurz vor ihrer Verbeamtung standen. Debeka-Mitarbeiter verschafften sich damit einen starken Wettbewerbsvorteil, weil sie die Beamten auf eine Versicherung ansprechen konnten, kaum dass diese selbst von ihrer Verbeamtung erfahren hatten.“

Hier einige Links auf die entsprechenden Artikel:

Handelsblatt: Mehr als 10.000 Beamte halfen der Debeka

alle Debeka Artikel im Handelsblatt

Video: ZDF heute.de Debeka und die Vorwürfe

ProContra Online: Debeka wehrt sich

Wer zuerst kommt…

Klar, wird ein junger Anwärter oder eine junge Referendarin in die Beamtenlaufbahn übernommen oder sieht es zumindest danach aus, so ist es für viele Versicherer bzw. deren Vertrieb ein „guter Kandidat“. Die Menschen sind jung, oftmals haben diese wenige Vorerkrankungen und zudem wechseln diese meist nicht unbedingt wieder. Das sollte man in der Krankenversicherung eh nicht tun, gerade wenn zudem noch eine Empfehlung aus dem Kollegenkreis dazu kommt sind die Kunden nahezu „sicher“.

Daher ist es also für den Vertreter wichtig, so früh als möglich beim Kunden zu sein um das „Geschäft“ zu machen. Für solche Empfehlungen zahlte die Debeka an Beamte Geld, was grundsätzlich ja noch nicht so verkehrt ist, wenn die Daten auf „korrektem Wege“ an die Versicherung gekommen sind. Ob das so ist, das wird die Staatsanwaltschaft nun prüfen müssen.

Spannend finde ich in dem Zusammenhang die Frage, wie diese „mehr als 100 Millionen Tipp Provision“ in den letzten Jahren verbucht worden sind. Abschlusskosten? Werbeaufwendungen?

Was bedeutet das alles für Versicherte?

Erstmal rein gar nichts. Wer heute dort versichert ist, der bleibt dort und es ändert sich weder am Vertrag noch am Berater etwas. Warum auch, die Auswahl der passenden privaten Krankenversicherung sollte nicht von der Empfehlung eines Bekannten abhängen, sondern von der sorgfältigen Auswahl der benötigten Leistungen und Tarife. Es ist völlig egal wo der Kollege oder auch die weiteren 10 Kollegen versichert sind, nur weil der Schutz bei Tarif X-Y-Z bei denen passt, muss es für einen selbst noch lange nicht passen.

Also gilt: Ruhig bleiben, nicht übereilt reagieren und alles bleibt wie es ist. Erst nach dem Abschluss der Ermittlungen werden wir weiteres wissen.

22.
Mai '13

„Fiese Fragen im Fragebogen“ bei der Absicherung von Berufsunfähigkeitsrisiken, meint der Spiegel


In einem aktuellen Artikel mit dem oben genannten Titel beschreibt der Spiegel online Fragen und Szenerien bei der Absicherung von Berufsunfähigkeit durch eine entsprechende Versicherung. Dabei geht es zum einen um das Thema der „vorvertraglichen Anzeigepflicht“ und weiterhin um das Vorgehen bei der Leistungsabwicklung. Gerade bei der Absicherung gegen finanzielle Folgen der Berufsunfähigkeit geht es darum, die Fragen des Versicherers genau und vorallem richtig zu beantworten.

Es geht eben nicht um die eigene Wahrnehmung „bin ich gesund“ oder fühle ich mich so, sondern um konkrete Fragen und damit zu gebende konkrete Antworten. Hierbei sollte sich der Antragsteller wenn möglich professioneller Hilfe bedienen. Auch Bagatellerkrankungen sind anzugeben, wenn danach gefragt wird und die Fragen so formuliert sind, das diese Angaben zu machen sind. Oftmals herrscht leider die Meinung vor „Wenn ich Medikamente nehme, bin ich doch gesund„. Dieses ist aber gerade ein Trugschluss. Die Fragen in den Anträgen sind unterschiedlich gestellt und so ist es durchaus möglich bei einem Unternehmen Angaben nicht, bei einem anderen aber schon machen zu müssen.

Was muss ich beachten?

Lesen Sie die Fragen genau durch. Beachten Sie die genauen Formulierungen und Worte wie „z. Bsp.“ oder „beispielsweise“, das kann eine entscheidende Bedeutung bei der Beantwortung haben, hier ein Beispiel aus der Praxis. Im Antrag der Europa Lebensversicherung heisst es:

Frage im Antrag Europa Lebensversicherung, (c) Europa

Frage im Antrag Europa Lebensversicherung, (c) Europa

Es geht also keinesfalls nur um die „schweren“ Erkrankungen. Auch ein Sodbrennen ist eine angabepflichtige Erkrankung und muss somit in der Frage c mit JA beantwortet und erläutert werden. Dabei ist es dem Versicherer zu überlassen, (mehr …)