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02.
März '21

PKV Tarifoptimierung Finanzcheck – Mehmet Göker nach MEG wieder da


Zuerst eines vorab. Menschen machen Fehler, Menschen verdienen eine zweite Change, solange es fair und rechtlich sauber ist. Wer den Namen Göker schon mal gehört hat, dem fällt sofort das Thema PKV – private Krankenversicherung ein. Einer der größten Finanzvertriebe, welche mit fragwürdigen Methoden die Private Krankenversicherung verkauft hat, hat nun ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Die „PKV Tarifoptimierung Finanzcheck Rhein Main“, also einen Tarifwechsel nach § 204 VVG.

PKV Tarifoptimierung – wer ist die Zielgruppe?

Generell sind all die Personen Zielgruppe, welche bisher schon in der privaten Krankenversicherung versichert sind. Auch in der Privaten Krankenversicherung finden Beitragsanpassungen statt, was auch völlig normal und nachvollziehbar ist. Mehr dazu habe ich im letzten Jahr ausführlich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben.

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – wieso, weshalb, warum?

Beitragsanpassungen in der PKV – was Sie tun können (und sollten)

Was nun die Damen und Herren der Finanzcheck Rhein Main GmbH machen, ist recht einfach erklärt und generell erst einmal auch durchaus legitim. Diese wollen einen so genannten Tarifwechsel nach §204 VVG prüfen und damit eine Reduzierung der Prämie bei der privaten Krankenversicherung erreichen. Die Grundlage dazu bietet der Gesetzgeber schon direkt im Versicherungsvertragsgesetz und zwingt die Versicherer auch hier zu handeln.

Aber: Einen solchen Tarifwechsel für den Endkunden allein zu überblicken und vor allem die Tarife für den Wechsel zu vergleichen ist nicht ganz einfach. Um nicht auf vermeintlich großartige „Optimierungen“ mit Verlust von Leistungen oder hohen Selbstbeteiligungen hereinzufallen, benötigen viele einfach den Rat von Experten.

Auch dagegen ist nichts einzuwenden und gerade der Tarifwechsel wird durchaus von einigen sehr seriösen Anbietern am Markt angeboten und begleitet. Diese erstellen Vorschläge, erklären und beraten und nach einem erfolgreichen Wechsel zahlen Sie dem Berater ein Honorar. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, schließlich muss die Dienstleistung auch bezahlt werden.

PKV Tarifoptimierung – dürfen die mich anrufen?

Am Telefon wird oft und schnell erklärt, Sie haben sich eingetragen und werden deshalb angerufen. Wo genau weiß man oft nicht mehr und Angerufene fühlen sich überrumpelt und unter Druck gesetzt. Schließlich ist jeder froh, wenn am Ende die Beiträge zur Privaten Krankenversicherung sinken, wer will das nicht. Das ist auch genau die Masche, mit der am Telefon beraten wird. In wenigen Minuten (so das Training von Mehmet Göker) soll am Telefon verkauft werden. Wobei, verkaufen tun die Berater ja nichts, sagen Sie.

„Wir verkaufen nichts, wir reparieren“

Eine teure Private Krankenversicherung soll von der Finanzcheck Rhein Main GmbH optimiert, oder repariert werden. Diese bieten Kunden am Telefon eine PKV Tarifoptimierung Finanzcheck an. In dem unten verlinkten Film wird auch nochmals das Konzept besprochen, das neue „Göker Konzept“. Nachdem also vor Jahren, fast Jahrzehnten Kunden in die Private Krankenversicherung gelockt wurde, welche da nichts zu suchen haben, will man diesen nun helfen.

Am Telefon ist also keineswegs der, der den Tarif optimieren will, sondern der Verkäufer der Dienstleistung. Dieser muss Ihnen sein Honorar verkaufen und dazu hat er richtig etwas gelernt, im Verkaufstraining bei Hr. Göker. (Quelle: Video siehe Link unten)

drei Std. Coaching
6 Wochen Einarbeitung / 1 Std. netto am Tag
3.500 € Gebühr für das Konzept
10 € pro Datensatz/ Lead (also Name, Tel. Nr. und ggf. Daten zur PKV)

Natürlich verkauft man Ihnen also etwas. Man überredet Sie zu einer Honorarvereinbarung, einem Vertrag zu einem Tarifwechsel Ihrer Privaten Krankenversicherung.

Ob Sie sich tatsächlich irgendwo eingetragen haben oder die Adresse aus alten Beständen der MEG oder anderen Listen stammt, das kann ich Ihnen nicht beantworten. Nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) steht es Ihnen ja frei, eine entsprechende Auskunft an die Firma zu senden und um Auskunft zur Herkunft Ihrer Daten und dem Umfang der Speicherung zu bitten. Auch eine Löschung oder Sperrung kann verlangt werden.

Registriert ist der Berater oder die Firma, in dessen Impressum Mehmet Göker selbst nicht auftaucht, als Versicherungsmakler. Im zentralen Vermittlerregister ist das nachzulesen. PKV Tarifoptimierung Finanzcheck

Für diese Optimierung, werden einige tausend Euro in Rechnung gestellt. Was diese aber wirklich kostet und wie Sie seriöse Anbieter finden, dazu mehr weiter unten im Beitrag.

PKV Tarifoptimierung – das Video

In einer aufwändigen Recherche hat das Team von „Strg-F“ hier zu dem Modell, dem Vertrieb und den Methoden recherchiert und dazu heute ein Video veröffentlicht. Wenn Sie also Zeit und Lust haben… sehr spannend.

Nachdem Sie nun wissen, wie es nicht geht, schauen wir uns dennoch die Frage an, woran Sie einen seriösen Anbieter für die Tarifwechselberatung in der Privaten Krankenversicherung erkennen. Mit einer kleinen Checkliste lässt sich gut erkennen, ob der Anbieter zumindest in die weiteren Überlegungen mit einbezogen werden sollte.

PKV Tarifoptimierung – Fragen rund um den Tarifwechsel?

Tarifwechsel wird von verschiedenen Berufsgruppen beraten. Dazu gehören Versicherungsmakler, Versicherungsberater, Rechtsanwälte und einige Verbraucherschutzverbände. Jeder der Gruppen hat Ihre Berechtigung und mal passt der eine, mal der andere besser.

Alle gemein haben eines. Ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft ist kein Thema, es geht ausschließlich um einen Wechseln INNERHALB der bisherigen Gesellschaft, denn dort sind Sie bereits versichert. Wenn der Berater Ihnen „tausende und abertausende Euro Ersparnis“ verspricht, sollten Sie schon das erste Mal vorsichtig sein. Richtig ist, dass mir einem Tarifwechsel der Beitrag deutlich sinken kann. Das ist aber auch von vielen Faktoren abhängig. Dazu gehören Fragen wie:

  • – wie lange sind Sie bereits bei der Gesellschaft versichert?
  • – sind Sie zufrieden mit dem Leistungsumfang?
  • – haben Sie Ihren Tarif schon einmal gewechselt?

Wichtig bei der Tarifoptimierung und ein immer wieder gern genommenes Argument: „Das geht auch, wenn Sie schon krank sind, wir brauchen keine Gesundheitsprüfung“. Das stimmt so auch, denn ein Tarifwechsel benötigt erstmal keine neue Risikoprüfung. Enthält der Tarif, in den Sie wechseln möchten, jedoch Mehrleistungen gegenüber dem Schutz bisher, so kann eine solche Prüfung und auch ein Zuschlag für eben diese Mehrleistungen in Frage kommen und sinnvoll sein.

Als Alternative kommt aber auch ein so genannter Mehrleistungsverzicht in Frage. Das bedeutet nichts anderes, als das Sie in den Tarif wechseln und die besseren Leistungen nicht für Sie gelten, wohl aber die geringere Prämie. Solche Vereinbarungen sind legitim, sollten aber sehr sorgfältig betrachtet werden, sonst kann ein Tarifwechsel auch schnell wieder nach hinten losgehen.

Auch ist es wichtig Gleiches mit Gleichem zu vergleichen und Tarife sind nun einmal nicht 100% identisch. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung und damit eine Reduzierung der Prämie ist allein für sich genommen nicht unbedingt ein sinnvoller Wechsel. Ganz sicher ist es keiner, den Sie mit tausenden Euro Honorar bezahlen sollten.

PKV Tarifoptimierung – was kostet eine solche Beratung?

Die Beratung zum Tarifwechsel ist arbeitsreich. Braucht es doch einigen Schriftverkehr mit Versicherern, die Aufbereitung der Tarife und Beratung. Daher fällt für eine solche Dienstleistung auch ein Honorar an. Je nach Berater und dessen Berufsgruppe kann dieses ein fixes Honorar sein, ein Honorar welches an den Aufwand (Stunden) geknüpft ist und auch eines, welches sich an der Ersparnis orientiert.

Auch abhängig vom Beruf (Anwalt, Makler, Berater) ist die Frage, ob das Honorar abhängig vom Erfolg ist oder die Beratungsleistung selbst honoriert wird, das geht nur bei wenigen Berufsgruppen. Daher sollten Sie sich immer erst informieren und das Kleingedruckte nicht nur bei der Versicherung lesen, sondern auch bei dem Berater.

Sparen Sie zum Beispiel durch einen Tarifwechsel 100 € im Monat, also 1.200 € im Jahr, so ist ein Honorar von einigen Monatsersparnissen sinnvoll und angemessen. Nur weil ein Berater das 8-, der andere das 5- und der dritte das 9-fache der Ersparnis als Honorar ansetzt, ist nicht einer gut oder schlecht. Je nach Aufwand und auch je nach Qualifikation und Erfahrung des Beraters können auch höhere Honorare durchaus berechtigt sein.

ABER: Wer Ihnen erst ein Honorar von tausenden Euro abnehmen will, da sollten Sie vorsichtig sein.

PKV Tarifoptimierung – wie kommen Sie zu einer seriösen Beratung zur Tarifoptimierung?

Ein seriöser Berater

  • – ruft Sie nicht ungefragt an, niemals!

  • – belästigt Sie nicht nochmals, wenn Sie NEIN gesagt haben!

  • – will keinen Vorschuss auf das Honorar!

  • – bietet Ihnen ein kostenfreies Erstgespräch!

  • – sendet Ihnen alle nötigen Unterlagen und lässt Ihnen Zeit!

Im Video ist noch von einer anderen Masche die Rede. Ob das immer so ist kann ich nicht beurteilen. Aber die Tatsache den Interessenten (oder hier die Interessentin) ein zweites Mal anzurufen und vorzugeben man wäre die Versicherung selbst, die finde ich schon sehr mies.

Zweiter Anruf – angeblich durch die eigene Private Krankenversicherung?

Die Private Krankenversicherung wird Sie niemals anrufen und Sie drängen, das Mandat an einen Tarifoptimierer zu unterschrieben. Sollte Ihnen das so passieren, dann legen Sie auf und rufen am besten zur Sicherheit selbst bei Ihrer Versicherung an. Dabei ist es egal, welche Nummer auf dem Display erschienen ist.

Fragen können Sie auch jederzeit dem Versicherer selbst stellen und sich auch dort informieren.

PKV Tarifoptimierung – kann ich das nicht allein oder direkt bei der Gesellschaft?

Klar. Das Wechselrecht steht Ihnen selbst und allein zu. Natürlich können Sie die Gesellschaften direkt anrufen und sich Angebote und Vorschläge zur Tarifoptimierung und einem solchen Wechsel schicken lassen. Das geht kostenfrei und ganz ohne Berater. Auch eine PKV oder Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie ganz ohne Beratung direkt im Netz abschließen oder bei der Gesellschaft direkt.

Den Berater braucht es nicht zum Tarifwechsel, aber zur Bewertung der Tarife, der Erklärung und Beurteilung der Folgen oder weiterer Hilfestellung schon. Auch ist es bei einigen Gesellschaften nicht ganz so einfach die „richtigen“ Tarife angeboten zu bekommen. Wissen Sie aber wovon Sie reden, oder Ihr Berater, macht es vieles einfacher.

Einen Steuerberater oder Rechtsanwalt brauchen Sie oft auch nicht. Sie können auch selbst die Steuer erklären oder den sich selbst verteidigen. Warum nutzen wir Experten? Richtig, weil diese – wie Sie in Ihrem Beruf – eben Experten sind und mehr Wissen haben.

Haben Sie einen guten Kontakt zu Ihrem Berater, mit dem Sie damals die Private Krankenversicherung abgeschlossen haben? Dann hilft auch der Ihnen gern weiter. Kann er das nicht selbst, so wird er Ihnen hoffentlich auch das sagen und zu einem Spezialisten raten.

PKV Tarifoptimierung – Fragen?

Wenn Sie weitere Fragen haben, vielleicht übereilt eine Honorarvereinbarung unterschrieben haben oder Anrufe bekommen, dann gibt es durchaus Hilfe und Möglichkeiten. Generell stehen Ihnen gesetzliche Rechte wie ein Widerruf (auch einer Honorarvereinbarung) oder dergleichen zu. Dazu lassen Sie sich aber bitte von Personen beraten, welche das dürfen. Rechtsanwälte oder auch die Verbraucherzentralen.

Fragen zur PKV, zu einem Tarif oder Tarifwechsel oder vielleicht einfach nur generelle Fragen können Sie hier im LiveChat kostenfrei stellen, oder melden sich einfach über einen der HIER GENANNTEN Kontaktwege.

Dumme Fragen gibt es auch hier nicht! Fragen Sie also gern nach.

25.
Februar '21

Wenn die Krankenkasse schreibt: „Sie sind nun freiwillig versichert“ – was zu tun ist



Post von der Krankenkasse ist meist nur mittelmäßig erfreulich. „Sie sind nun freiwillig versichert“ ist aber eine durchaus erfreuliche Nachricht. Daher habe ich auch hier einen alten Beitrag von vor einigen Jahren (siehe alte Kommentare) aktualisiert und diese um die neuen Zahlen ergänzt.

Steigen die Beiträge oder gibt es sonst irgendetwas zu klären? Auch das wären Gründe für eine Post der Krankenkasse. Doch für einige ist die Post im Januar, Februar oder manchmal auch erst im März eine andere, eine die durchaus erfreulich ist. Viele gesetzliche Krankenkassen haben diese Mitteilungen bereits verschickt, andere sind noch mitten dabei und einige wenige vergessen es gern auch einmal ganz. Ihnen wird darin mitgeteilt, dass die bisherige Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) endet und diese zu einer freiwilligen Versicherung in der GKV wird.

Sie sind nun freiwillig versichert – Wer bekommt diesen Brief überhaupt?

All diejenigen, welche im Jahr 2020 die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) von 62.550 Euro pro Jahr überschritten haben und mit dem erzielten Einkommen auch voraussichtlich über der neuen JEAG für 2021 von 64.350 Euro liegen. Welche Komponenten Ihres Einkommens hier zu berücksichtigen sind habe ich bereits vor einiger Zeit beschrieben.

Lesetipp: Was zählt zur Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Sozialversicherungswerte 2021

Die Einstufung wer freiwillig oder pflichtig versichert ist übernimmt der Arbeitgeber. Dieser ist auch für die Richtigkeit der Meldung verantwortlich. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden und glauben hier liegt ein Fehler vor, so sprechen Sie am besten zuerst mit Ihrer Personalabteilung. Erst wenn hier keine Klärung möglich ist, kann die gesetzliche Krankenkasse oder im Zweifel auch die Deutsche Rentenversicherung mit einer so genannten Statusfeststellung verbindlich entscheiden.

Sie sind nun freiwillig versichert – Bin ich jetzt nicht mehr versichert?

Mit dem Wechsel vom Pflicht- zum freiwilligen Mitglied ändert sich einiges, dennoch bleiben Sie weiterhin versichert und stehen zu keinem Zeitpunkt ohne Versicherungsschutz da. Nicht nur durch die bestehende Versicherungspflicht endet der Schutz nie, ohne das ein anderer Versicherungsschutz besteht und nachgewiesen wurde. Dennoch kann es sinnvoll sein, hier tätig zu werden, falls Änderungen sinnvoll und gewünscht sind.

Aber anders als bisher können Sie nun selbst entscheiden, in welchem System Sie versichert sein möchten. Das kann weiterhin die gesetzliche Krankenkasse sein, kann aber ebenso ein passender Tarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) sein. Hier gilt es aber zunächst ganz in Ruhe zu überlegen und zu prüfen, ob das System der PKV überhaupt das passende für Sie, Ihre Wünsche und Ihren Bedarf ist. Es gibt weder einen Zwang noch eine Vorgabe jetzt zu wechseln oder zu handeln. Unternehmen Sie nichts, bleibt Ihnen auch weiterhin das Kündigungsrecht zum Ende des übernächsten Monats erhalten und Sie können dieses nutzen.

Lesetipp: Leitfaden zu den Unterschieden der GKV und PKV

Was passiert mit mitversicherten Familienangehörigen?

Hatten Sie bisher neben dem eigenen Versicherungsschutz weitere Familienangehörige im Rahmen der kostenfreien Familienversicherung versichert, so bleibt das auch zunächst weiterhin so, es sei denn Sie ändern etwas daran. Solange die Voraussetzungen des Paragraphen 10 des SGB V erfüllt sind, bleibt alles beim wie bisher. Zu beachten sind aber nun ggf. Änderungen bei den mitversicherten Kindern. Waren oder sind diese in der Familienversicherung kostenfrei versichert, so beachten Sie bitte unbedingt die Gesamtsituation mit beiden Eltern. Denn hier gilt es zu prüfen, wo das Kind zu versichern ist. Durch ein Überschreiten der JAEG ändert sich ggf. der Anspruch auf eine kostenfreie Versicherung, je nachdem wo Sie sich (und wo das zweite Elternteil) versichert ist.

Lesetipp: Beiträge zur Familienversicherung

Muss ich nun in die Private Krankenversicherung wechseln?

Natürlich nicht. Sie müssen zunächst einmal überhaupt nix. Tun Sie nichts und ändern auch nicht, so sind Sie weiterhin bei der bestehenden gesetzlichen Krankenkasse versichert. Nur wenn Sie AKTIV etwas ändern und für sich entscheiden, dass die private Versicherung das richtige, für Sie passende System ist, nur dann ändert sich etwas.

Eine Verpflichtung zur PKV gibt es genau so wenig, wie die unsinnige (aber sich wacker haltende Behauptung) jeder der sich selbstständig machte müsse in die PKV. Viele gehören dort einfach nicht hin.

Lesetipp: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Gibt es auch Nachteile gegenüber der Pflichtversicherung?

Es gibt Unterschiede zwischen beiden Versicherungsarten und sogar Verschlechterungen, so zum Beispiel in der Elternzeit. Während pflichtig versicherte Mitglieder der GKV beitragsfreien Schutz während der Elternzeit haben, ist das bei freiwilligen Mitgliedern nicht so, klar, verdienen Sie doch nun soviel und können sich die GKV auch dann leisten *Ironiemodus aus*

Lesetipp: Die nicht immer beitragsfreie Versicherung in der Elternzeit

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert mit meiner Karte?

Erstmal gar nichts. Denn: Da die Mitgliedschaft so bleibt, ändert sich auch an der Versichertenkarte zunächst nichts. Viele Kassen bieten Ihnen nun aber Wahltarife an. Dabei handelt es sich um Tarife mit Beitragsrückzahlungen, besonderen Leistungen, Selbstbeteiligungen oder anderen Abweichungen und Vergünstigungen. Bitte aufpassen. Durch den Abschluss eines Wahltarifes binden Sie sich langfristig an die Kasse und können somit nicht mehr so einfach kündigen.

Lesetipp: Wahltarife und die Eingeschränkte Kündigung der GKV

Bevor Sie eine solche Vereinbarung unterschreiben, loten Sie bitte für sich alle Möglichkeiten aus, darunter auch die der PKV, anderer gesetzlicher Kassen und dergleichen, SIE HABEN ZEIT!

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert nun bei meinem Arbeitgeber?

Bisher, also als pflichtversichertes Mitglied, hat der Arbeitgeber Ihnen einen Anteil vom Lohn abgezogen. 7,3% + ZUSATZbeitrag der Kasse + Pflegeversicherung + ggf. Zuschlag PV bei Kinderlosen. Zukünftig zahlt der Arbeitgeber Ihnen einen Zuschuss. Dieser ist begrenzt und orientiert sich immer an den aktuellen Zahlen der JAEG des jeweiligen Jahres.

Auch hier ist es wichtig zu wissen, es gibt mehrere Optionen. In der Regel ändert der Arbeitgeber nichts. Außer die Meldung der freiwilligen Versicherung passiert hier wenig. Die Beiträge werden auch weiterhin von dem Arbeitgeber an die Krankenkasse gezahlt und der Zuschuss direkt verrechnet.

ABER: Sie können auch als Selbstzahler bei der Kasse auftreten. Ist das Ihr Wunsch, dann bekommen Sie den steuerfreien Arbeitgeberzuschuss mit Ihrer Lohnabrechnung mit ausgezahlt und die Krankenkasse wird auch durch Sie direkt bezahlt. Abbuchung oder Überweisung ist Ihre Entscheidung, aber dann zahlt der Arbeitgeber nicht mehr direkt.

Lesetipp: Sozialversicherungswerte und Arbeitgeberzuschuss 2021

Dieser kann im folgenden Jahr also höher und auch niedriger sein (letztes ist in den letzten Jahren nahezu nie passiert, da die Grenze bis zu der die Beiträge berechnet werden (Beitragsbemessungsgrenze) immer angehoben wurde. Aber: Dieser Betrag ist somit veränderbar.

Sie sind nun freiwillig versichert – Gibt es ein Sonderkündigungsrecht?

Ja, dieses allerdings in einer besonderen Form. Generell gilt auch bei freiwillig Versicherten die reguläre, normale Kündigung zum Ende des übernächsten Monats. Kündigen Sie also im Januar noch Ihre GKV (ggf. auch rein vorsorglich)

LESETIPP: GKV ohne Risiko kündigen- Sie riskieren nichts- schaffen sich aber Zeit

so wird die Kündigung zum Ende des übernächsten Monats (März) wirksam und Sie können dann in eine andere Kasse wechseln. Hier ist die Bindungsfrist zu beachten. Sind Sie noch keine 12 Monate (neu in 2021, vorher waren es 18 Monate) bei der bisherigen Kasse versichert, dann ist diese Frist einzuhalten.

ABER: Erhöht die Kasse die Beiträge, also genauer den Zusatzbeitrag, oder führt einen solchen neu ein, so ist auch hier eine besondere Kündigungsfrist zum Monatsende möglich. Also können Sie die Kasse nach der Anpassung zum 1.1. noch bis zum 31.1. verlassen.

Und jetzt kommen wir noch zu dem BESONDEREN KÜNDIGUNGSFRIST bei dem Überschreiten der JAEG. Dieses besteht nur jetzt und nur einmalig. Haben Sie also im Jahr 2020 die Grenze ERSTMALIG überschritten und sind nun zum 1.1. freiwillig versichert, so muss die GKV Sie hierüber schriftlich informieren. Es reicht nicht wenn der Arbeitgeber es Ihnen sagt, die Information muss von der gesetzlichen Krankenkasse erfolgen.

Sie sind nun freiwillig versichert - Versicherungspflicht Ausscheiden

Sie sind nun freiwillig versichert – muss ich nun schnell handeln, oder lieber doch nicht?

Eine Entscheidung über die zukünftige Absicherung gegen Krankheitsfolgen sollte sehr sorgfältig getroffen werden. Ein Haus kauft man ja auch nicht mal „eben schnell“ und genau über solche Summen reden wir auch hier. Schauen Sie sich den Beitrag der GKV an, so sprechen wir über knapp 900 EUR monatlich inkl. Zusatzbeitrag, also über ca. 324.000 Euro in den kommenden 30 Jahren. Bei solchen Summen sollten Sie sich gut und ausführlich Gedanken machen.

Lesetipp: Entscheidung für das passende System in Ruhe treffen

Wenn ich nun wechseln möchte, wie und wann kann ich das tun?

Sollten Sie sich nach ausreichender Beratung, Analyse und Überlegung für einen Wechsel in die private Versicherung entschieden haben, so gibt es auch hier mehrere Möglichkeiten. Haben Sie das Schreiben der GKV im Januar bekommen und möchten Sie nun schnellstmöglich wechseln, so können Sie das nun einmalig und rückwirkend tun. Rückwirkend bedeutet Sie verlassen die GKV zum Beginn des Jahres 2021 und das obwohl die GKV noch nichts davon weiß. Dieses sollten Sie aber nur dann tun, wenn die neue Versicherung klar ist, Tarif und Gesellschaft ausgewählt, Risikoprüfung erfolgt und alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Ist dem nicht so und/ oder brauchen Sie einfach noch ein bisschen Bedenkzeit, so kündigen Sie gleichzeitig mit der Austrittserklärung zum 31.3. und wechseln zum 1.4.2021.

Was passiert mit Behandlungen zwischen dem 1. Januar und einem Wechsel?

Sollten im Zeitraum vom 01. Januar bis zur Erklärung des rückwirkenden Austritts Behandlungen, Untersuchungen oder sonstige Leistungen der GKV stattgefunden oder in Anspruch genommen worden sein, so sind diese natürlich zu erstatten. Die Kassen handhaben das unterschiedlich, fordern aber diese Kosten berechtigt zurück.

In der privaten Krankenversicherung können Sie diese aber nicht einreichen, selbst wenn diese den Schutz auf den 1.1. datieren würde, da die kosten dort vor dem eigentlichen Versicherungsbeginn entstanden wären. Daher sollten Sie- wenn es denn Leistungen gab, eher über einen Wechsel zum 1.4. nachdenken und den rückwirkenden Austritt nicht nutzen.

Gibt es beim Krankengeld etwas zu beachten?

Das Krankentagegeld in der PKV oder das Krankengeld in der GKV sind ähnlich, aber in vielen Bereichen unterschiedlich. Wichtig ist es für alle, die (weit) über der Grenze verdienen, sich die Höhe anzuschauen.

Gerade bei höherem Einkommen gibt es dort eine beachtliche Lücke, welche bekannt sein sollte und ggf. angepasst werden muss.

Weitere Infos finden Sie auch unter dem Punkt „Krankengeld“ hier auf der Seite. Schnell entstehen hier Lücken von mehreren hundert Euro pro Monat, die im Falle einer längeren Krankschreibung tüchtig ins Geld gehen. Und nein, eine vorhandene Berufsunfähigkeitsversicherung reicht hier leider nicht aus um dieses Risiko zu decken.

Wie finde ich die passende Krankenversicherung?

Wenn Sie sich nun weiter mit dem Thema PKV und GKV beschäftigen möchten und sich einmal Gedanken machen, welche Kriterien IHRE persönliche PKV dann erfüllen soll und muss, dann finden Sie unter folgenden Links weitere Hilfe.

1.) Auswahlkriterien der privaten Krankenversicherung

2.) Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung

3.) Kriterienfragebogen zur PKV oder als Interaktiver Onlinefragebogen

08.
Februar '21

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – sieben von elf der Aussagen sind falsch! Das müssen Sie jetzt wissen!


Es war Samstagabend, ich saß entspannt auf dem Sofa, da erschien auf dem iPhone eine dieser allseits beliebten Nachrichten.
Du wurdest bei Facebook erwähnt“. „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“ sollte das Thema sein und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um mir diesen Post einmal anzuschauen. Dabei ging es um einen konkreten Facebookbeitrag von Elisheba Wilde (Der Beitrag ist nach unserem Telefonat bei Facebook leider wieder gelöscht worden.), welche über die private Krankenversicherung ihres Mannes schrieb. Dazu hat sie auch bereits im letzten Jahr einen Blogbeitrag und ein Video veröffentlicht, über die elf Nachteile der privaten Krankenversicherung für Familien.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – was war passiert?

Ich glaube sogar, mich an diesen Beitrag im letzten Jahr zu erinnern, hatte damals, glaube ich, auch schon darüber nachgedacht, etwas dazu zu schreiben, aber irgendwie schien es dann in der Hektik des Alltages untergegangen zu sein. Also las ich zunächst einmal die Kommentare und Bemerkungen der andere Nutzer und fand dann auch den Kommentar, der mich explizit erwähnte.

11 Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Also habe ich die Gelegenheit genutzt, mir den Beitrag einmal etwas genauer anzuschauen. Da die Kommentare zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet waren und ich somit nicht direkt auf die Beiträge antworten konnte, habe ich der Autorin direkt per Nachricht geantwortet und etwas Hilfe angeboten. Hieraus wurde ein längerer Chat und… warten wir es einmal ab.

Doch was genau daraus entstand, warum anderthalb Stunden Telefonat am Samstag einige erhellende Momente brachten und was sie genau konkret beachten sollten, bevor sie Entscheidungen treffen, das schauen wir uns in diesem und einem weiteren Beitrag etwas genauer an.

Bevor wir uns nun mit dem konkreten und aktuellen Leistungsfall und der Familie hier beschäftigen, sollten wir uns aber zunächst über die Fakten Gedanken machen und uns gemeinsam anschauen, was ist denn mit diesen ominösen elf Nachteilen für die private Krankenversicherung auf sich hat.

Wer meinen Blog schon länger liest, und das ist ja nun schon über 20 Jahre so möglich, der weiß, dass ich vielen Konstellationen kritisch gegenüberstehe. Ich habe oft erklärt, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind, ich habe oft gesagt warum es nicht sinnvoll ist, für bestimmte Personen und Personengruppen in die private Krankenversicherung zu wechseln und warum jemand nicht in in der Lage-, sondern geeignet sein muss, sich privat zu versichern.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – der Blogbeitrag ohne Fachwissen schadet mehr, statt zu helfen

Das klingt jetzt hart, und sicher hat es in diesem konkreten Fall einige Fehler des Beraters gegeben, nicht nur einen, sondern über mehrere Jahre, verschiedene. Aber das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht, über ein Thema zu schreiben, von dem die Autorin hier wenig bis keine Kenntnisse hat. Diese elf Aussagen in dem Artikel zu den Nachteilen der privaten Krankenversicherung sind schlichtweg zum großen Teil falsch! Es bringt uns allen nichts weiter, falsche Informationen im Internet zu verbreiten, es bringt neuen Kunden nichts, es hält andere Kunden von richtigen Entscheidungen ab und es ermöglicht somit keine fundierte und faktenbasierte Entscheidung. Daher habe ich mich auch entschlossen, auf diesem Blog Beitrag konkret zu antworten, denn so kann und will ich das nicht stehen lassen.

In ihrem Beitrag, der sicherlich aufgrund der persönlichen Situation stellenweise recht emotional ist, beschreibt Elisheba Wilde die, aus ihrer Sicht nachteiligen Punkte, der privaten Krankenversicherung. Dabei sind die Fakten nur so mittelmäßig recherchiert und der Beitrag weist viele Fehler auf. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zu jedem, der dort angesprochenen Punkte etwas zu schreiben, damit wir zumindest etwas fachlichen Input in die ganze Sache kriegen.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – Was Sie in jedem Fall VOR Unterschrift bedenken sollten!

Die Autorin beginnt ihren Artikel mit der Aussage: „Private Krankenversicherer locken junge Kunden“. Ist noch gar keiner der elf Punkte, sondern eine simple Feststellung. Natürlich ist ein privater Krankenversicherer ein Unternehmen, welches an Neukunden interessiert ist. Aus diesem Grund gibt es Geld für Werbung aus. Das tut jeder andere Hersteller, der Waren verkaufen möchte, auch. Nur weil ein Versicherer mir ein Angebot macht, heißt das nicht, dass man diesem blind vertrauen- oder ohne weitere Beratung dieses einfach abschließen sollte. Ich habe vor längerem einmal erklärt, warum eine Beratung zur privaten Krankenversicherung deutlich länger, im Vergleich zu anderen Beratungen, dauert.
10 Stunden sind hier ein völlig legitimer Wert und reichen in den meisten Fällen meine Kundenberatungen nicht aus.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Mit dem Abschluss einer Versicherung kaufen wir Sicherheit. Gefühlte oder reale Sicherheit, aber wir kaufen ein nicht greifbares Gut, ein gutes Gefühl oder einfach etwas, was uns ruhiger schlafen lässt. Für dieses gute Gefühl zahlen wir Geld, einen Beitrag, der dazu dient, dass jemand anders unser persönliches Risiko trägt. Dabei kann es in der privaten Krankenversicherung das Risiko von Arztkosten sein, ebenso aber das Risiko für den Ausfall des eigenen Einkommens, welcher krankheitsbedingt durchaus passieren kann. Natürlich hat auch jedes System Nachteile und so gibt es eben auch die Nachteile der Privaten Krankenversicherung.

Eine Versicherung, egal welcher Sparte, die muss sich nie „lohnen“. Es geht nicht darum abzuwägen, wie viel Beiträge ich einzahlen und wieder rausbekomme, damit es am Ende möglichst für mich, mehr Geld rausgibt, als ich eingezahlt habe. Es geht darum, einen Versicherungsschutz zu kreieren, der mich im Falle der Fälle vor bestimmten Risiken schützt. Um diese erste Frage des Beitrages somit zu beantworten:

Nein, eine Krankenversicherung lohnt sich nie- sie sichert ab!

Wir sollten uns darüber freuen, wenn wir diese niemals brauchen und nach Jahrzehnten feststellen: „Jetzt habe ich Jahrzehnte Beiträge eingezahlt, und lange nicht das wieder herausbekommen.“ So und genau so funktioniert eine Versicherung.

Eine Anmerkung jedoch speziell zu dieser Familie: Der Abschluss der privaten Krankenversicherung erfolgte auf Rat eines Freundes, vor über 20 Jahren. Die Kinder der Familie sind heute im Grundschulalter. Heißt also auch, es gab vor Geburt der Kinder weit über ein Jahrzehnt, indem durch die private Krankenversicherung hier Monat für Monat Geld gespart wurde. Natürlich wurde dieses Geld mit großer Wahrscheinlichkeit ausgegeben, und nicht separat in einem Topf angelegt.

Aber ich kann doch nicht erwarten, aus einem System mit weniger Leistung in ein System mit mehr Leistung zu wechseln und zusätzlich noch jeden Monat Geld heraus zu nehmen. Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, so finden Sie sich damit ab, dass sie mit der privaten Krankenversicherung eben kein Geld sparen, sondern betrachten Sie das „System“ Private Krankenversicherung als anderes System und keinesfalls mit der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares.

Doch kommen wir nun zu den eigentlichen elf großen Nachteilen der privaten Krankenversicherung, die die Autoren in ihrem Blog Beitrag nach und nach behandelt.

„1. Kurzarbeit während der Corona-Krise“

Richtig ist, dass jemand, der vor der Coronakrise (oder jeder anderen Kurzarbeit) privat versichert war, dass auch weiterhin bleibt. Während der Kurzarbeit wird fiktiv ein vergleichbares Einkommen angenommen.

Was die Autorin aber nicht erwähnt, ist der erhöhte Arbeitgeberzuschuss, welcher den größten Teil des Beitrages abdecken kann. Voraussetzungen sind hier Einkommen in der Kurzarbeit unter der Jahresarbeitentgeltgrenze und damit eine deutliche Verringerung. Ich habe hierzu in einigen Beiträgen detailliert beschrieben, warum es hier notwendig ist, es zu berechnen und zu handeln. Dann aber bekommt der Arbeitnehmer hier weitaus höhere Zuschüsse, eben um die finanziellen Folgen der Kurzarbeit abzumildern. Mehr Informationen zu

Kurzarbeit und Private Krankenversicherung HIER in meinen Beiträgen.

Da es hier in dem konkreten Fall keine Kurzarbeit gab, stellte sich die Frage des erhöhten Zuschusses auch nicht. Auch klingen 1.300 € Beitrag gewaltig, die sind es aber so nicht. In diesem Betrag sind Selbstbeteiligungen enthalten, für sich und die Kinder, welche nur teilweise genutzt wurden. So kann einer der Nachteile der Privaten Krankenversicherung schnell zu einem (finanziellen) Vorteil werden.

„2. Wiedereingliederung in den Beruf nach Krankheit“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Hier kommen mehrere Punkte gleich in einem Beitragsteil zusammen: Die private Krankenversicherung funktioniert nach einer Art Baustein- System. Sie versichern also einen Haupttarif, welcher die Kosten für ambulante, stationäre oder auch zahnärztliche Behandlung übernimmt. Danach ergänzen Sie Ihren Vertrag direkt bei Abschluss um weitere Bausteine. Das kann ein Baustein für Kurleistungen sein, ebenso der wichtige Baustein für das sogenannte „Krankentagegeld“. Also der Baustein, der im Falle der längerfristigen Krankheit über die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers hinaus dafür sorgen soll, dass Ihnen auch im Krankheitsfall kein finanzieller Nachteil entsteht.

Um diesen Baustein aber richtig und sinnvoll ab zu sichern, bedarf es einiger wichtiger Informationen vor ab. Natürlich ist es richtig, dass der Beitrag für die private Krankenversicherung und auch den Baustein für das Krankentagegeld im Leistungsfall weiter zu zahlen ist. Daher habe ich mehrfach (unter anderem hier auf der Seite unter dem Unterpunkt Krankentagegeld) darauf hingewiesen, dass es notwendig und wichtig ist, nicht nur die laufenden Fixkosten, sondern eben auch den Beitrag zur privaten Krankenversicherung, abzusichern.

Soweit zu den generellen Fragen zum Thema „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“. Auch finden wir in diversen Tarifen der privaten Krankentagegeldversicherung Regelungen zur Teil- Arbeitsunfähigkeit und zu der Frage der Wiedereingliederung. Es ist eben nicht generell so, dass es keinerlei Leistung bei Wiedereingliederung gibt. Sondern es ist vielmehr richtig, dass es Tarife und Gesellschaften gibt, bei denen das Thema „Teilarbeitsunfähigkeit und Wiedereingliederung“ nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ nicht sauber und vernünftig gelöst ist. Eine solche Gesellschaft von der eigenen Wahl auszuschließen, das ist aber Aufgabe des Beraters und des Kunden, noch bevor ein Abschluss zustande kommt.

Und lassen Sie mich einen wichtigen Punkt gleich hier schon einmal erwähnen: Eine private Krankenversicherung ist nichts, was man vor 20 Jahren einmal gemacht hat und dann in der Schublade liegt und man sich nie wieder anschaut. Eine private Krankenversicherung bedarf einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung und damit ein „Mitwachsen“ mit dem eigenen Leben.

Lohnersatzleistung und Krankentagegeld – anpassen, prüfen, ändern!

Auch bei der sogenannten Entgeltersatzleistung bringt unsere Autorin in ihrem Beitrag einiges durcheinander: Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fallen von dem ausgezahlten Krankentagegeld auch deshalb nicht an, weil die Sozialversicherungsbeiträge von dem Bruttokrankengeld bereits abgezogen worden. Damit ist die Beitragszahlung in der gesetzlichen Krankenkasse während einer längeren Arbeitsunfähigkeit nicht vorhanden. Aber, ein Unterschied zwischen beiden Systemen, die gesetzliche Krankenkasse darf maximal 78 Wochen zahlen, danach endet die Lohnfortzahlung selbst dann, wenn der Patient weiterhin krank, also arbeitsunfähig ist. In der privaten Krankentagegeld Versicherung kennen wir diese Einschränkung so nicht. Was die Absicherung dort nicht prinzipiell besser oder schlechter, sondern einfach anders macht.

Dazu kommt, dass der private Krankenversicherer schlichtweg nicht wissen kann, wie sich Ihr Einkommen entwickelt. Wer also sein vor 20 Jahren abgeschlossenes Krankentagegeld nicht anpasst und verändert, und das obwohl sich die Familiensituation und die Beiträge der Krankenversicherung massivst verändert haben, der ist (das mag hart klingen) mit Schuld an der eigenen Situation. Das wurde hier in meinem Telefonat auch bestätigt. Die Familie hatte sich aufgrund der zusätzlichen Beitragszahlung gegen eine Erhöhung des Krankentagegeldes entschieden. Und so war es im Wesentlichen noch so, wie es vor 20 Jahren einmal abgeschlossen wurde. Dass das heute nicht reicht und dass der Tarif heute durchaus anders und besser und mit mehr Leistungen zu versichern wäre, das wurde hier „unterschlagen“.

„3. Kein Kinderkrankengeld in der privaten Krankenversicherung“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Vor 20 Jahren, bei Abschluss dieser Versicherung, war die Aussage durchaus richtig. Eine Krankentagegeldversicherung bei Erkrankung des Kindes gab es in der privaten Krankenversicherung so nicht. Das ist- und war ein Nachteil für viele Versicherten, welche sich dieses Risikos bewusst sein sollten.

Aber, so erzählten die Kunden gestern, waren damals Kinder kein Thema. Es wurde weder angesprochen- noch besprochen und die Lebensplanung hat sich schlicht und ergreifend verändert. Heute ist es in der privaten Krankenversicherung bei einigen Versicherern durchaus möglich, eine Lohnersatzleistung bei Erkrankung der Kinder, zu versichern.

Das geht auch heute weiterhin nicht pauschal bei jedem Versicherer, es gibt aber Lösungen dafür. Wer sich also für die private Krankenversicherung entscheidet, und selbst wenn er heute noch keine Kinder plant, gehört das Thema auf den Tisch der Beratung. Auf der anderen Seite ist das Risiko durchaus begrenzt. Die Zeiten der Lohnfortzahlung für Eltern, welche in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, sind ebenfalls stark reglementiert. Aktuell weitet die Bundesregierung aber die Regelungen durch Corona aus, eine generelle Erweiterung ist das aber auch hier nicht.

Auch bei dieser Familie hätten sich die Eltern bei Geburt für die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse entscheiden können und die Kinder dort versichern. Dann bestünde auch ein Anspruch auf Krankentagegeld bei Erkrankung des Kindes. Auch hier ist die Beratung sicherlich nicht optimal gelaufen, ob der Fehler beim Berater, bei dem Kunden oder vielleicht bei beiden lag, vermag ich nicht zu beurteilen.

„4. Jedes Familienmitglied muss eigene Beiträge zahlen“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Punkt vier von elf und wir sind bei dem ersten richtigen Punkt angelangt. Denn vollkommen korrekt ist, dass in der privaten Krankenversicherung es keine Art von Familienversicherung gibt. Die Kinder, oder eine nicht arbeitende Ehefrau oder der nicht arbeitende Ehemann, können in der privaten Krankenversicherung nur gegen eigenen Beitrag mitversichert werden.

Jede Person stellt ein eigenes Risiko da, kann eigene Tarife und Leistungen wählen und Zeit auch für diese einen entsprechenden Beitrag. Unter bestimmten Umständen bekommt aber der Hauptversicherte Arbeitnehmer hier auch einen anteiligen Arbeitgeberzuschuss für seine Kinder oder andere Familienangehörige im Rahmen der Höchstgrenzen.

„5. Auch nach sechs Wochen Krankheit müssen volle Beiträge gezahlt werden“

Dieses Thema hatten wir eingangs schon bei der Frage der Teilarbeitsunfähigkeit oder der Wiedereingliederung. Die Aussage ist so halb richtig. Natürlich bucht der private Krankenversicherer den Beitrag auch während der Krankheit weiter ab. Dazu gibt es eben das Krankentagegeld, welches in der richtigen Höhe versichert, dieses wieder ausgleicht.

Das Beispiel der Autorin:

Nehmen wir mal an, jemand bekommt 60 Euro pro Tag. Die monatlichen Beiträge – zum Beispiel 1.500 Euro für eine Familie – müssen weiterhin in voller Höher gezahlt werden.

Das heißt: Privatversicherte müssen sich eine längere Krankheit finanziell leisten können.

Wer nur 60 € Tagessatz, also 1800 € im Monat an Krankentagegeld versichert hat, der hat entweder einen vollkommen unfähigen Berater gehabt, wollte am Beitrag sparen oder aber hat 20 Jahre lang geschlafen und keinerlei Anpassung vorgenommen. 60 € Krankentagegeld waren schon vor 20 Jahren zu wenig.

Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und einem Krankentagegeld unter 120 € sollten sehr genau überlegen, was sie da tun und sich auch fragen, was im Falle der Krankheit dann passiert. Denn nehmen wir als Beispiel 120 €, so klingen die 3.600 € Auszahlung pro Monat viel. Ziehen wir davon aber einmal 800 € Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) ab und brauchen dann noch Geld für die Rentenversicherung, so bleiben am Ende knapp 2.300 € übrig. Ob das reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden und das auch über die Jahre überdenken und anpassen.

„6. Ausschluss von Leistungen bei Vorerkrankungen“ – definitiv so keine Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (zum Beispiel ein bereits fehlender Zahn bei Abschluss, wo dann der erste Zahnersatz ausgeschlossen werden kann) gibt es in der privaten Krankenversicherung gerade keine Ausschlüsse. Was es natürlich gibt, sind Zuschläge für bereits bestehende Erkrankungen. Sie würden ja auch nicht ein höheres Risiko zum gleichen Preis versichern wie das eines gesunden Kunden.

Doch unsere Familie wollte hier auf ein ganz anderes Thema raus:

„Als ich bei der Versicherung unserer Kinder nach dem Tarif für Kuren nachgefragt habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Mir wurde geantwortet, dass man diesen extra Tarif mit den entsprechenden Leistungen nur bekommt, wenn man vorher eine Gesundheitsprüfung überstanden hat.
Wer als Baby Neurodermitis hatte, scheidet für sämtliche Extras aus. Ich habe genervt geantwortet, dass meine Tochter kerngesund ist und dass bei uns im Kindergarten zahlreiche Mütter erzählen, dass ihr Kind als Baby Probleme mit der Haut hatte.
Der Mitarbeiter hat mir klar gemacht, dass nur Eltern von gesunden Kindern extra Tarife für den Nachwuchs buchen können.“

Denn diese Aussage ist zumindest genauso falsch. Die Kundin wollte hier ein vorher gemachtes Versäumnis korrigieren und später, also Jahre später, einen Zusatzbaustein für Kurleistungen für das Kind versichern. Das Kind bekam eine Hauterkrankung, wie sie schreibt, und sollte nun für einen Tarifbaustein für Kurleistungen nachversichert werden. Dass der Versicherer das nicht möchte, weil das Risiko um ein Vielfaches erhöht ist, (zwischenzeitlich waren die Kinder auch bei der Kur) ist im Sinne des Versichertenkollektivs mehr als verständlich.

Was wir auch festhalten sollten, die Kinder bekommen bei Geburt durch eine entsprechende Anmeldung und nach Versicherungsumfang in dem Vertrag des Vaters/ der Mutter, identischen Schutz ohne jegliche Gesundheitsprüfung. Hätte der Vater also damals mit seinem Berater einen umfassenden Versicherungsschutz gewählt oder noch vor der Geburt für sich selbst einen solchen „Kurtarif“ abgeschlossen, dann wäre auch die Nachversicherung für die Kinder, selbst mit Vorerkrankung, kein Problem gewesen. Wer aber für sich selbst an den Leistungen spart oder an einen solchen Zusatzbaustein nicht denkt, der muss mit der Konsequenz der Gesundheitsprüfung für die Kinder leben. Hier ein eigenes Versäumnis oder das Fehlen der Aufklärung durch den Berater als Nachteil darzustellen, halte ich für etwas fragwürdig.

„7. Zähne sind im Basistarif der Kinder nicht mit drin“

In dem „PKV-Warn-Blogbeitrag“ lesen wir:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich erfahren habe, dass wir knapp 800 Euro für den Zahnarzt selbst zahlen müssen.

Der Grund: Zähne müssen nochmal separat versichert werden.

Ja, ich habe auch nicht schlecht gestaunt als ich eine solche (falsche) Aussage lesen musste. Kinder haben natürlich Anspruch auf Zahnleistungen in dem entsprechenden Tarif. Der Sohn übrigens, für den hat man es bei Geburt auch richtig einfach mitversichert. Für die Tochter hingegen wurde sich aus Ersparnisgründen bei Geburt dafür entschieden, sich doch den „Zahn- Baustein“ ab Geburt zu sparen. Schließlich kann doch für junge Kinder gar kein Kostenrisiko für Zahnbehandlungen oder Zahnersatz bestehen, dachte man zumindest. Dass die dann später auftretenden Kosten nun doch da sind, und dass der Versicherer nun diese nicht übernehmen will, ist schlichtweg der eigenen Ersparnis geschuldet.

Denken wir also einmal darüber hinaus nach, was an Beiträgen in den ersten fünf oder gar acht Jahren nach Geburt der Kinder gespart wurde, dann finde ich das „Jammern“ über die eigene falsche Entscheidung den völlig falschen und irreführenden Weg.

Hier wurde nach Geburt der Kinder eine Entscheidung getroffen (ob der Berater geschlafen hat oder man ist damals bewusst so entschieden hat und sich heute nur nicht mehr erinnern kann, das vermag ich nicht zu beurteilen). Heute, wo es anders gelaufen ist und Kosten für die Kinder angefallen sind, wird nun über die damalige Entscheidung gejammert. Das erweckt nicht nur einen falschen Eindruck über die Versicherungsmöglichkeiten und Varianten, sondern es verzerrt auch ganz deutlich die Tatsachen.

Übrigens hätte es auch damals schon bei der Universa ab Geburt der Kinder Tarife gegeben, welche als so genannte „Kompakttarife“ die Bereiche „Ambulant, Stationär und Zahnleistungen“ enthalten hätten. Auch diese wären ohne Gesundheitsprüfung abschließbar gewesen.

„8. Keine Beitragsfreiheit während Mutterschafts- oder Erziehungszeiten“

Die Beitragsfreiheit bei Mutterschaft – oder Erziehungszeiten sind in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gänzlich anders gelöst. Daher ist zumindest diese Aussage nicht generell falsch.

Auch wenn das vor 20 Jahren bei den meisten Tarifen nicht so war, gibt es heute hierfür Lösungen. So existieren auch in der privaten Krankenversicherung Tarife und Leistungen, welche für den Zeitraum der Elternzeit den Zuschuss des Arbeitgebers übernehmen- oder gar den ganzen Beitrag für eine begrenzte Zeit „auf null setzen“.

Voraussetzung hierfür ist natürlich ein entsprechender Tarif: Das es hier einen solchen bei der Versicherung der Familie nicht gab, ist natürlich ärgerlich und nur deshalb den Versicherer zu wechseln, auch die völlig falsche Wahl. Aber eine generelle Aussage funktioniert auch hier nicht und ist falsch.

Übrigens würde der Mann in Elternzeit gehen und als freiwillig versichertes Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse (was er mit seinem Einkommen wäre) sein, so wäre auch hier die Mitgliedschaft NICHT kostenlos und müsste bezahlt werden. Mehr dazu in meinem Beitrag zur

„Nicht immer beitragsfreien Versicherung in Elternzeit“.

„9. Kuren sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen“ – falsch und nicht zwingend Nachteile der Privaten Krankenversicherung!

Auch diese Aussage ist so nicht richtig! Wir hatten das Thema ja vorhin schon oben bei den Kindern, eine Kurleistung kann entweder Bestandteil des Tarifes sein, oder aber es gibt dazu einen ergänzenden Baustein. Wenn ich mich bei Abschluss gegen einen solchen Tarif entscheide, so kann ich den in der Zukunft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung versichern. Habe ich selber keinen solchen Tarif, so bekommen die Kinder diesen mit Geburt auch nicht automatisch ohne Gesundheitsprüfung.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, warum die sorgfältige Auswahl des eigenen Versicherungsschutzes (und unter Umständen die Anpassung des eigenen Schutzes vor Geburt der Kinder) so wichtig und elementar ist.

Wer sich aber aus finanziellen Gründen (oder weil der Berater anscheinend keine Ahnung hat er auf das Thema hinzuweisen) dagegen entscheidet, der sollte nicht der privaten Krankenversicherung den Vorwurf machen. Schließlich hat er eine Leistung nicht versichert, für die er auch keine Beiträge gezahlt hat. Warum sollte hier eine Leistung erfolgen?

„10. Berge voller Papierkram – jeder Beleg muss eingereicht werden“

Wenigstens dieser Punkt ist richtig. Natürlich muss ich mir als privat versicherter bewusst sein, dass ich einen höheren Aufwand betreiben muss. Es gibt eben keinen direkten Abrechnungsweg zwischen Arzt und Krankenversicherung (ausgenommen sind einige stationäre Rechnungen) und ich bekomme die Rechnung nach Hause.

Dieses Nachhause schicken hat durchaus Vorteile, denn ich kann kontrollieren, was der Arzt abgerechnet hat und ob die Diagnosen auch so stimmen.

Auch kann ich entschieden, welche Rechnungen ich wann einreiche. Das „alles vorgestreckt werden muss“ ist aber wiederum falsch. Private Krankenversicherer erstatten heute binnen weniger Tage, wenn Rechnungen als Foto via App eingereicht oder per Post geschickt werden.

Sie erstatten aber nur das, was auch versichert ist. Anders als in der GKV kann, muss ich aber nicht alle Bereiche versichern und spare somit an den Leistungen, welche mir bei Abschluss nicht wichtig sind. Wenn diese wichtig werden, muss aber auch bei laufendem Vertrag gehandelt werden.

Wer hohe Medikamentenrechnungen hat, sollte zudem über ein Kundenkonto bei der Apotheke nachdenken. Hier bekommt man dann einfach eine Rechnung, reicht diese ein und hat das Geld wieder, bevor es bezahlt werden muss.

Wem dieser Abrechnungsweg aber Sorgen bereitet, hierfür gibt es Dienstleister! Also entweder selbstmachen, oder jemanden für eine monatliche Pauschale damit beschäftigen, die Arbeit für einen selbst zu übernehmen.

Noch einen Satz zu der Aussage:

„Außerdem akzeptieren die privaten Krankenkassen nicht jede Arztrechnung. Mein Mann hat die Rechnung für ein Schlaflabor vorgestreckt und dann von der privaten Krankenkasse erfahren, dass gemäß der Gebührenverordnung zu hoch abgerechnet wurde.“

Was wäre Ihnen lieber? Ein privater Krankenversicherer, der unberechtigte Leistungen trotzdem bezahlt und damit die Beiträge deutlich schneller erhöhen muss, oder einer, der sich an die Regeln hält und dem Arzt gegebenenfalls auch aufzeigt, warum seine Rechnung falsch ist? Das möchte ich gar nicht im Detail bewerten oder kommentieren, machen Sie sich einfach einmal selbst dazu Gedanken.

„11. Du kommst aus einer Ehe leichter raus, als aus einer privaten Krankenkasse“

Die letzte Aussage in dem Beitrag unserer Autorin ist die erste und einzige, welche vollständig richtig ist. Hier wird ganz klar und deutlich dargestellt, dass es eine dauerhafte Entscheidung für die eigene Gesundheitsvorsorge ist.

Wer sich für die private Krankenversicherung heute entscheidet, der sollte das bewusst und wohl überlegt tun. Es gibt eine Unmenge an Gründen, die für eine entsprechende Versorgung und mindestens genauso viele Gründe die gegen eine entsprechende Versorgung in dem privaten Versicherungssystem sprechen.

Ich kann mich kaum noch erinnern wie oft ich darüber aufgeklärt habe, wie wichtig es ist, Lebensentscheidungen von dir zu treffen und eben nicht darauf zu vertrauen, was einem der „gute Kumpel“ (der gerade zufällig auch bei einer Versicherung auch arbeitet und irgendetwas mit Krankenversicherung mal gelesen hat), erzählt.

Hinterfragen Sie Aussagen, beschäftigen Sie sich mit der Zukunftsfähigkeit von Tarifen und schauen Sie sich an, wie sich der Tarif in Zukunft verändern kann. Auch wenn heute eine Familienplanung vielleicht nicht denkbar ist, so kann es doch in Zukunft eine solche geben. Morgen kommt die Partnerin/der Partner um die Ecke, und es ändert sich sprichwörtlich alles.

Hierfür muss ein Versicherungsschutz gemacht sein und angepasst werden.
Wichtig ist aber hier, dass ein Wechsel, zurück in das andere der jeweiligen Systeme, durchaus denkbar und möglich ist, wenn man ihn entsprechend vorbereitet. Hierfür gibt es Spezialisten, die sie als Berater zur Seite stellen sollten, denn wenn man hier gut erkennen kann ist es eben nicht so einfach.

In einem weiteren Beitrag werde ich Ihnen einige solcher Spezialisten vorstellen und auch erklären, wie die ihnen konkret in unserem Beispiel hier helfen können.

Zu dem konkreten Fall und warum es nach meinem anderthalbstündigen Samstagabend- Telefonat plötzlich alles nicht mehr so war wie es schien (und warum der Facebookpost jetzt auch wieder gelöscht wurde), das erzähle ich gern in einem weiteren Beitrag.

25.
Januar '21

Impftermin online vereinbaren für PKV Versicherte Kunden – so klappt die Eingabe der Versichertennummer


Sie wollen einen Impftermin für PKV Versicherte beantragen und die Nummer wird nicht akzeptiert? Hier die Lösung.

Die Impfungen gegen das Covid-19 Virus laufen erst langsam an und nur bestimmte Gruppen sind derzeit „dran“. Diese können oder müssen in den meisten Bundesländern einen Impftermin online vereinbaren und geben dort Ihre Daten an. Das klappt für Privat Krankenversicherte Kunden nur so mittel, da das System meldet:

„Keine gültige Versicherungsnummer“

Somit haben auch viele Beamte und Pensionäre das Problem, sie können für sich oder auch die Angehörigen keine Impftermine vereinbaren und das obwohl diese schon berechtigt wären.

Impftermin für PKV Versicherte online vereinbaren – falsche Versichertennummer

Bevor wir uns nun also eine Lösung anschauen, hier noch der Hinweis auf welchen Portalen Sie Ihren Impftermin oder den für berechtigte Personen wie Eltern, Großeltern etc. reservieren können.

Die Techniker Krankenkasse hat auf Ihrer Internetseite eine Übersicht veröffentlicht und dort alle Seiten der Bundesländer entsprechend verlinkt.

Impftermin für PKV Versicherte

Hier können Sie einfach auf das Bild klicken und kommen oben zu der Seite der TKK. Dort lassen sich Bundesland und weitere Informationen auswählen und Sie können dann zum Portal für die Terminvereinbarung wechseln.

Die folgenden Bundesländer nutzen (derzeit) das Portal 116117.de zur Buchung.

  • Baden-Würtemberg

  • Hamburg

  • Hessen

  • Nordrhein-Westphalen

Doch hier gibt es ein kleines Problem, wenn der Impfwillige privat versichert ist. Das System weist die Versichertennummer zurück weil das Muster nicht stimmt.

Impftermin für PKV Versicherte online vereinbaren – PKV Versichertennummer oder Mitgliedsnummer?

Je nach Versicherer haben die Versichertennummern ganz unterschiedliche Formate. Zum Beispiel sieht es bei der Barmenia Krankenversicherung so aus (002873874A00) oder die der Debeka zum Beispiel so: Service-Nr. 6487287.5. Diese Nummern werden aber, mit oder ohne Punkte oder Striche, von dem Portal nicht akzeptiert.

Ändern Sie diese nach einem bestimmten Muster ab, so geht es aber.

Die Nummer in dem Impfportal muss nach einem festen Muster vorliegen. Dieses lautet:

Buchstabe + 9 Ziffern

Da Ihre Versichertennummer bei der PKV ein anderes Format hat, geben Sie einfach eine fiktive Nummer ein. Dabei verwenden Sie den Anfangsbuchstaben des Nachnamens und dann gefolgt von 9 Stellen Ihrer echten Versicherungsnummer (ggf. mit Nullen auffüllen, vorn nach dem Buchstaben oder hinten am Ende.

Beispiele bei einem Kunden Max Mustermann

BBKK/ VKB   KK000052505658    —> wird zu: M052505658

Barmenia   002873874A00    —> wird zu: M002873874

Debeka   6487287.5    —> wird zu M648728750

Mit diesen Nummern können Sie dann auch einen Impftermin vereinbaren.

Impftermin für PKV Versicherte online vereinbaren – Über das zentrale Impfportal Ihres Bundeslandes

Dazu geben Sie die Daten auf dem Portal ein, welches Sie unten durch den Klick auf das Bild erreichen:

Impftermin für PKV Versicherte

Nachdem Sie dort die Daten und Ihre „neu kreierte Versichertennummer“ eingegeben haben, klappt auch die Buchung eines Termins.

Das ändert nichts an der Priorität und der Frage wann und wie Sie dran sind. Es löst nur ein technisches Problem für privatversicherte Kunden, deren Versicherungsnummer/ Mitgliedsnummer nicht erkannt wird. Die Kosten der Impfung werden weder dem GKV noch dem PKV versicherten Kunden in Rechnung gestellt und vom Bund getragen.

Weitere Beiträge rund um das Thema Covid und die PKV finden Sie hier.

31.
Oktober '20

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt…


Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung? Eigentlich sollten wir diese doch Beitragserhöhungen nennen, sagte mir die Tage jemand in einer Beratung. Und ja, oft oder meist ist eine Anpassung eine Erhöhung der Beiträge, auch wenn es Beitragssenkungen in der Krankenversicherung ebenso gab und gibt.

Natürlich bekommt niemand gern Post a la „Sie müssen mehr zahlen“. Ich möchte aber- auch wenn meine Beratung bei einigen Kunden Jahrzehnte zurück liegt- heute einmal das „erklärende Einhorn“ spielen. (Was es mit dem Einhorn auf sich hat, dazu in einem anderen Beitrag einmal mehr.)

Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung – welche Gründe haben diese?

Zunächst einmal gibt es nicht den einen Grund. In meinem Beitrag zu den Beitragsanpassungen der Debeka und dem wenig seriösen Angebot der AXA habe ich bereits einige Erklärungen gegeben. Ich möchte das aber durchaus nutzen, um das Thema Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung hier weiter auszuführen.

Gesundheit kostet Geld und gerade in den heutigen Zeiten sehen wir auch, was uns als Gesellschaft ein stabiles und gutes Gesundheitssystem wert sein sollte und wert ist. Wir haben Menschen, die viel Zeit, Herzblut und Leidenschaft in die Tätigkeit im Gesundheitswesen stecken. Geht es um die Frage der fairen Bezahlung dieser Menschen, denn diese sorgen für eine hochwertige Versorgung, dann rufen alle: „Ja klar!“. Das hat aber auch mit steigenden Kosten zu tun. Auch das medizinische Personal möchte mehr in der Tasche haben für Ihren aufwändigen Job als das Klatschen vom Balkon aus. Wenn wir alle gemeinsam, also Personal in wichtiger Infrastruktur (bei aller Kritik an Geldverschwendung und Ineffizienz in einigen Bereichen) vernünftig entlohnen wollen, dann steigen damit unsere aller Beiträge. Das trifft auf GKV und PKV zu.

„Ich will medizinisches Personal und Pflegeberufe gut bezahlt haben… solange ich es nicht zahlen muss.“

…ist leider eine oft auftretende Meinung und das kann es eben gerade nicht sein. Es sind natürlich Kosten, die anfallen und Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung sind nicht vermeidbar und sogar wichtig und sinnvoll. Schauen wir uns einmal in unseren Nachbarländern um, dann sehen wir schnell wie wir es eigentlich nicht wollen: Die oft gelobten nordischen Länder sind nur solange hochgelobt, bis man krank ist.“ Sprechen sie einmal mit Menschen, die beide Systeme kennen und das nicht nur von einem Schnupfe! Diese hochwertige Gesundheitsvorsorge kostet Geld, viel Geld. Auch wenn wir als Gesellschaft oft und gern jammern und ich jeden sehr gut verstehen kann, der nicht (noch) mehr zahlen möchte, so werden wir auch langfristig in keinem System um steigende Gesundheitskosten herum kommen.

In vielen Beratungen habe ich schon einmal die Zahl „25 Prozent“ in den Raum geworfen. Das wird langfristig, meines Erachtens, der Wert sein (gerechnet vom Brutto), den jeder einzelne irgendwie für seie Gesundheit aufwenden muss. Dabei spielt das System: „GKV“ oder „PKV“ noch gar keine Rolle, es geht um eine generelle Entwicklung.

Wir als Gesellschaft können kaum auf der einen Seite faire Bezahlung und passende Versorgung nach Vollkaskomentalität erwarten, dafür aber Beitragsaufwendungen, wie für eine Minimalversorgung zahlen. Faire Bezahlung der Angestellten und Krankenhäuser kann eben nicht billig sein. Billig ungleich gut!

Das sehen wir auch in anderen Bereichen: „Qualität hat ihren Preis“, diese Aussage klingt vielen noch von den Großeltern in den Ohren und diese sehen wir auch in anderen Lebensbereichen. Doch genug der allgemeinen Zahlen, schauen wir uns die Beiträge einmal genauer an und betrachten die Gründe dieser Entwicklung:

Beitragsanpassungen in der gesetzlichen Krankenversicherung – wie wird hier angepasst?

In der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) sieht die Anpassung ganz anders aus und ist nicht mit der Privaten Krankenversicherung vergleichbar. Zumindest nicht von den Verfahrensweisen. Um die Kosten in der GKV zu senken und/ oder mehr Geld in das (umlagefinanzierte) System zu bringen, hat der Staat mehrere Möglichkeiten:

Steuerzuschüsse zur GKV erhöhen

Durch zusätzliche Mittel aus Steuereinnahmen fließen hier mehr Geld in den „Topf“ der gesetzliche Krankenkassen. Das ist nicht nur aktuell in der Pandemie so, auch sonst werden hier die Kosten teilweise auch aus Steuermitteln (mit-)finanziert. Eine solche Finanzspitze gibt es in der PKV so nicht.

Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung- Erhöhung der Zusatzbeiträge der Kassen (GKV)

Anders als der Beitragssatz, der ist aktuell bei einem Wert von 14,6% des Bruttoeinkommens festgeschrieben, gibt es in der GKV einen kassenabhängigen Zusatzbeitrag. Dieser wird, je nach Krankenkasse, erhoben und mittlerweile auch wieder anteilig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert.

Kommt eine Kasse mit dem Geld nicht hin, so muss der Zusatzbeitrag angepasst werden. Das passiert zum Januar, wie üblich, bei einigen Kassen. Dadurch steigt auch der sogenannte durchschnittliche Zusatzbeitrag an. Im Januar 2021 von 1,1 auf 1,3%. Für die Privatversicherten hat das auch eine Auswirkung, denn mit Anstieg des GKV Zusatzbeitrages steigt auch der Arbeitgeberzuschuss in der privaten Krankenversicherung an, denn die Arbeitgeber müssen auch hier das zahlen, was diese an einen gesetzlich versicherten Arbeitnehmer zahlen würden. Genaue Zahlen zum Arbeitgeberzuschuss sind schon seit längerem bekannt und bei mir im Blog im folgenden Beitrag seit Anfang September zu lesen:

Rechengrößen zur Sozialversicherung 2021, neuer Arbeitgeberzuschuss 2021 und neue Jahresarbeitentgeltgrenze 2021 (vorläufig)

Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze der GKV – auch das sind Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung

Die dritte Option im System der gesetzlichen Kassen liegt in der Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze. Diese Zahl beschreibt, bis zu welchem Einkommen Beiträge gezahlt werden müssen. Lag diese im Jahr 2020 bei 4.687,50 €, so steigt diese auf einen Betrag von 4.837,50 € in 2021.

Auf 150 € mehr Ihres Einkommens müssen somit Menschen, die an der Grenze verdienen, nun zusätzlich Beiträge in die gesetzliche Krankenkasse zahlen. Schauen wir uns das in der Gesamtbeitragsbelastung einmal genauer an:

Der HÖCHSTBEITRAG für einen gesetzlich versicherten Arbeitnehmer in 2020 berechnete sich wie folgt:

4.687,50 € (BBG) * (14,6% GKV + 1,1% Zusatzbeitrag + 3,3% Pflege ohne Kind)

= 890,62 €

ab 2021 ändern sich die ROT markierten Werte

4.837,50 € (BBG) * (14,6% GKV + 1,3% Zusatzbeitrag + 3,3% Pflege ohne Kind)

= 928,80 € (+38,18 €)

Dabei sprechen wir weiter über den reinen GKV-Beitrag. Haben Sie hierzu Zusatzschutz für Bereiche wie Sehhilfen; Hörgeräte; Zahnleistungen; stationäre Ergänzungen (Zweibettzimmer, Privatarzt); Krankentagegeld (was in der GKV für Menschen über BBG zu niedrig ist), dann sind diese dazu zu rechnen.

Ein Arbeitnehmer mit entsprechenden Zusatzversicherungen und Höchstbeitrag in der GKV hat einen Gesamtbeitrag von deutlich über 1.000 €. Davon zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des GKV Beitrages, die Hälfte des Zusatzbeitrages, einen Teil der Pflegeversicherung (den Kinderanteil zahlt nur der Arbeitnehmer) und nichts zur Zusatzversicherung.

In unserem Fall – und bei Zusatzversicherungen von vereinfacht 100 € Monatsbeitrag, entfallen auf den Arbeitnehmer folgende Zahlungen:

in 2020: Krankenversicherung 439,45 € + 11,72 € (Pflege-Extrabeitrag) + 100 € Zusatzversicherungen

= 551,17 €

In 2021 ändern sich die Zahlen durch die rot markierten Werte.

in 2021: Krankenversicherung 458,35 € + 12,09 € (Pflege-Extrabeitrag) + 100 € Zusatzversicherungen

= 570,44 €

Steuerliche Aspekte lasse ich hier bewusst unberücksichtigt, da diese sehr individuell sind. Auch in der PKV berücksichtigen wir diese so nicht. Auch Beitragsrückerstattungen in der Privaten Krankenversicherung werde ich hier nicht heranziehen, diese können sich jederzeit ändern..

GKV: Änderung von Leistungen, Erhöhung von Eigenanteile = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung

In den letzten Jahren- und Jahrzehnten haben sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen verändert. Der Gesetzgeber hat Budgetierungen eingeführt, hat Leistungen verändert und gekürzt, Zahnersatz gestrichen oder Brillen und Sehilfen nun nicht mehr bezahlt. Auch Eigenanteile, wie die Zuzahlung bei Medikamenten oder Krankenhausaufenthalten, ist eine Stellschraube um die Kosten zu drücken. Diese Optionen hat die PKV so nicht. Die Leistungen dort sind garantiert, es sei denn Sie ändern proaktiv Ihren Tarif.

Doch, wie bereits mehrfach geschrieben, ändern sich auch die Rahmenbedingungen der Privaten Krankenversicherung und auch hier steigen die Belastungen. Daher schauen wir uns nun einmal die Möglichkeiten und Varianten an, wie sich hier Beiträge entwicklen oder wovon diese beeinflusst werden können:

steigende Ausgaben in der PKV = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung (PKV)

Dieser Teil ist in der Praxis gar nicht so riesig, wie immer vermutet. Natürlich steigen die Kosten für Arzthonorare, Kosten für Krankenhausbehandlungen und andere Ausgaben der Versicherer weiter an und müssen kompensiert werden. Diese Kostensteigerung ist, je nach Tarif und Versicherer, unterschiedlich, denn auch die Leistungen sind anders.

Haben wir einen „TopTarif“ mit vielen Leistungen, so können auch viele Leistungen teurer werden und die Kosten hier weiter ansteigen. Hat ein Tarif zum Beispiel einhundert Leistungsbestandteile und es werden davon neunzig teurer, dann ist der Anstieg allein rechnerisch schon größer. Ein Tarif mit „nur“ siebzig Leistungen von einhundert möglichen, kann auch nur in den 70 teurer werden.

wir leben länger… JUHU… oder doch nicht?

Natürlich freuen wir uns alle darüber, wenn die Großmutter mit 80, 90 oder sogar 100 Jahren noch lebt. Diese kann Ihre Enkelkinder oder meist schon Urenkel aufwachsen sehen, ist mehr oder weniger fit und erfreut sich des Lebens. Das ist die sehr positive Seite von Medizin und Entwicklung. Aber – so realistisch müssen wir sein – es gibt auch eine negative.

Je länger wir leben, je länger verursachen wir Kosten. Das ist nun eben so. Wer nicht nur 80, sondern 90 wird, der braucht natürlich auch von 80 bis 90 medizinische Leistungen. Diese sind meist deutlich höher im Vergleich zu den Vorjahren. Damit meine ich nicht nur die Kosten in Pflegeeinrichtungen oder bei der Hilfe im Alltag, sondern auch Kosten für Medikamente und Unterstützungen im täglichen Leben.

Ich bin topfit

sagen viele ältere Leute heute. Ich ergänze dann

„weil Sie medizinisch gut versorgt sind.“

Eine solche umfangreiche Medizin ermöglicht uns erst ein langes oder längeres Leben. Überlegen Sie eimal wie das in Ihrer Kindheit war. Wie alt sind Ihre Großeltern oder Urgroßeltern geworden und wie alt sind vielleicht Ihre Eltern heute?

Was passierte vor Jahrzehnten mit einem Patienten, der einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatte, was machen wir heute in der Medizin alles möglich? Ich möchte gar nicht von ethischen Fragen anfangen, wie weit Medizin gehen sollte, das ist ein ganz anderes Thema. Klar ist aber:

Medizin kostet Geld. Jeder Tag länger leben kostet Geld.

Das trifft dann auch, oder gerade, die Private Krankenversicherung. Steigt also die Lebenserwartung der Menschen statistisch an, so MUSS der private Krankenversicherer dafür sorgen, dass am ENDE DES LEBENS GENUG GELD DA IST. Also muss jedes Jahr längeres Leben finanziert werden.

In der GKV verlagern wir das Problem des langen Lebens an das Ende und denken uns: „sollen sich unsere Kinder später darum kümmern“, in der PKV machen wir das nicht, da dürfen die Versicherer es auch nicht.

sinkende Zinsen = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung (PKV)

Das aktuell aber größte Thema bei Anpassungen in der Privaten Krankenversicherung ist gar nicht die Kostensteigerung oder das „lange Leben“. Das aktuelle Thema ist die Phase der Niedrigzinsen.

Stellen wir uns vor, wir brauchen in 35 Jahren (also ein heute 32jähriger) einen Betrag von 200.000 € um die Kosten seiner/ Ihrer Gesundheitsvorsorge bis zum Lebensende aufrecht zu erhalten. Was glauben Sie, müssen Sie dafür monatlich bei einem Zins von 3,5%, 3%, 2%, 1,5% oder 1% anlegen? Also wie verändert sich der Monatsbeitrag bei sinkenden Zinsen, wenn am Ende gleich viel Geld „rauskommen“ soll.

Die Lösung. Um 200.000 € in 35 Jahren zu haben, braucht es (mit Zinseszinsen) bei:

3,5% einen monatlichen Betrag von ca. 245 € bei

3,0% braucht es da schon 271 €

bei 2% schon 329 €

bei 1,5% ca. 362 €

und wenn ich nur noch 1% erreiche, dann: 397 €

Das heißt in unserem Beispiel. Würde ein Versicherer statt 3% nun nur noch 2% Zins erreichen können, dann braucht es hier eine monatliche Beitragssteigerung von 58 €, um nur diesen Verlust auszugleichen. Für 1% weniger Zinsen in der Anlage über einen Zeitraum von 35 Jahren braucht es also eine Beitragssteigerung von 21 Prozent!

Die Niedrigzinsphase geht an keinem Lebensbereich direkt oder indirekt vorbei, und es ist eben nicht der „böse Versicherer“ sondern die wirtschaftliche Lage insgesamt. Dazu kommt, einige Parteien sind nicht so böse, wenn man der PKV „schlimme Beitragserhöhungen“ in die Schuhe schieben kann.

Klar werden- und wurden hier auch Fehler gemacht und Tarife waren- und sind zu billig. Dennoch gibt viele Bausteine in dem Puzzle, welche die Versicherer lieber gestern als heute ändern würden, politisch aber nicht gemacht wurden und werden.

Das sehen wir in der Altersvorsorge und auch in der Krankenversicherung, dazu kommen strenge Regeln der Geldanlage. Klar soll das Geld sicher sein, aber viel Sicherheit ist auch wenig Rendite. Klar kann auf Ihrem Sparbuch das Geld (FAST) nicht weg sein, bringt aber eben auch nix. Legen Sie das Geld spekulativ(er) an, so sind auch 4 oder 5% keine Seltenheiten, aber eben auch hier steigt das Risiko. Der Gesetzgeber und die entsprechenden Verordnungen, schreiben hier aber den Versicherern vor, wie und wo diese anlegen dürfen. Das ist- bis zu einem gewissen Grad- auch gut so. So wird vermieden, dass hier Geld „verzockt wird“.

Übrigens: Steigen die (Anlage-)Zinsen wieder, das wird es auch wieder geben, dann profitieren auch die Versicherten davon. Gesetzlich garantiert wandern dann 90% der Überschüsse in die Rückstellungen und wirken somit beitragsmindernd oder stabilisierend.

Noch ergänzend als Beispiel: 

Hat ein Versicherer bisher mit einem Rechnungszins von 3,5% (in den alten Bixestarifen) oder 2,75% oder 2,5% in den Unisextarifen kalkuliert und senkt den Rechnungszins nun auf 2% ab, dann MUSS dieses zu höheren Beiträgen führen und macht den Tarif sicherer. Sie erinnern sich an meine Rechnung von eben?

Nur ein Prozent Senkung im Rechnungszins löst knapp 21% Anpassung aus. (BEISPIELHAFT) Wer als Versicherer später anpasst (weil er nicht darf, kann oder will und den Rechnungszins daher weiter „zu hoch“ lässt), der kann Glück haben, wenn die Zinsen schnell wieder steigen oder richtig auf die Nase fallen, wenn dem nicht so ist.

Klar haben Sie dann heute keine Beitragsanpassung und zahlen weniger, aber zukünftig wird es um so höher angepasst, denn auch Zinseszinsen müssen nun auch noch nachgeholt werden.

Welche Kosten kalkuliert der Versicherer?

Nehmen wir einen Versicherer mit blauem Logo. Dieser bekannte und leistungsfähige Versicherer geht in seiner Kalkulation davon aus, dass Menschen sogar über hundert Jahre alt werden und bis zu diesem Zeitpunkt auch genug Geld da sein muss. Sterben diese früher, war es vielleicht zu vorsichtig, aber „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, Sie kennen das.

Nun unterstellen wir einen Versicherten, der mit 35 Jahren in die PKV wechselt. Im Schnitt über alle Versicherten geht unser Beispielversicherer hier davon aus, dass im Laufe des Lebens pro Kunde durchschnittlich 500.000 € Kosten zu erstatten sind. Interessant dazu auch meine Serie #WasKostetEigentlich.

–> Hier Beispiele zu der Frage „Was kostet eigentlich…“

500.000 € Kosten bis zum 100. Lebensjahr. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Kostet also ein anderer Tarif mit „fast gleichen“ Leistungen deutlich weniger, dann haben wir hier zwei, drei Möglichkeiten:

  • – Versicherer ist „fies“ und hat sich Formulierungen in die Bedingungen geschrieben, welche ihm ermöglichen, nicht oder weniger zu leisten = gemein!
  • – Die Kunden bei diesem Versicherer werden nicht oder weniger krank = eher unwahrscheinlich!
  • – Der Versicherer rechnet mit höheren Zinsen = kann klappen, muss aber nicht!
  • – Der Versicherer glaubt an das frühe Ableben = kann klappen, aber eher unschön!

Jetzt haben Sie generell zwei Optionen: Geld sparen im Tarif und damit etwas höhere Lohnsteuer (siehe hier) zahlen. Dann sollten Sie aber ungeachtet dessen, selbst Geld zusätzlich zurücklegen. (Tipps und Hinweise für meine Kunden gern in einer direkten Beratung, das macht es sonst hier noch Seiten länger. Das kann, muss aber nicht, ein Beitragsentlastungsbaustein sein.

Zweite Option: Sie wählen einen Versicherer mit geringerem Rechnungszins und einer eher vorsichtigen Kalkulation und merken im Alter, zu vorsichtig gewesen zu sein. Ist jetzt nicht so schlecht!

KLAR IST: Nur weil Sie bei Unternehmen A oder B sind, werden Sie nicht mehr oder weniger krank. Stellschrauben sind also nur Leistungen, Bedingungen und/ oder Rückstellungen.

Wann darf denn der Versicherer überhaupt anpassen?

Zuerst einmal ist wichtig zu verstehen, wie Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung überhaupt zu Stande kommen. Dabei werden die Versicherungsleistungen (die ausgezahlt werden/wurden) mit denen verglichen, die kalkuliert werden. Dann ergibt sich hierdurch ein Unterschiedsbetrag. Unterscheidet sich dieser Betrag (auslösender Faktor) um 10 Prozent (wie der Gesetzgeber es regelt), dann muss der Versicherer anpassen. In neueren Verträgen ist die Grenze schon bei 5 Prozent um hier schneller reagieren zu können.

Erreicht aber ein Versicherer diesen auslösenden Faktor nicht, dann „schleppt er den Bedarf zur Anpassung“ über Jahre mit. Erst wenn dieser Faktor erreicht ist, erst dann darf der Versicherer die Beiträge erhöhen. Alles, was dann aber angesammelt wurde, in den letzten Jahren, MUSS JETZT mit angepasst werden.

Beispiel: Ein Tarif wurde zuletzt im Jahr 2015 angepasst. In 2016, 17, 18, 19 gab es keine Anpassung, da die 10% (oder 5% bei neueren Tarifen) nicht erreicht wurden. Nehmen wir weiter an, wir wären jeweils nur knapp unter dem Wert geblieben, also mal 9, mal 8 mal 6% die nötig waren, aber nicht angepasst werden durften.

Nun folgt in 2020 ein Überschreiten der Grenze und alles, was noch „offen an Anpassungen ist“ muss nachgeholt werden.

Mir persönlich wären andere Regelungen auch lieber. Also lieber jährlich 1, 2, 3, 4% Anpassung, statt 5 Jahre nichts und dann 17% wie bei der Debeka aktuell, oder 10- 14% bei anderen Unternehmen. Das möchte aber der Gesetzgeber so nicht, dann fehlen ja negative Schlagzeilen.

Nehmen wir also einen Kunden, der schon 6 Jahre bei „Unternehmen A“ ist. Angepasst wurde zuletzt vor fünf Jahren, dann fünf Jahre nicht, jetzt wieder mit 15%. Für diesen Kunden ist „alles gut“. Anpassung kam lange nicht, da wurden Beiträge gespart, jetzt kommt die (nachgeholte) Anpassung.

Für den zweiten Kunden, der gerade erst zum 01.01.2020 gewechselt ist, für den sieht es anders aus. Der ärgert sich über die Anpassung mehr, denn es ist „seine erste und gleich eine große“. In fünf Jahren sieht er das dann wieder anders.

Beitragsanpassungen kommen NIE ZUM PERFEKTEN Zeitraum, aber man muss sich überlegen, ob man lieber jetzt (wenn das Einkommen höher ist) investiert oder im Alter, mit kleinerer Rente/ kleinerem Einkommen, dann diese Fehler ausbügeln muss.

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – was sollten Sie tun?

Hatten Sie bei Abschluss Ihren Versicherer sorgfältig ausgesucht, sich bei der Auswahl Gedanken zu Zielen und Wüschen gemacht? Hatten Sie sich überlegt warum Ihnen diese oder jene Leistung wichtig oder weiter wichtig ist, dann lehnen Sie sich zurück, es gesteht hier wenig Handlungsbedarf.

Sie sind in einem Tarif der- auch nach einer Anpassung- die oben genannten Werte der gesetzlichen Krankenkasse zuzüglich einer Zusatzversicherung (ca. 570 € nach Arbeitgeberanteil), also ca. 970 €, nicht erreicht?

Dann würde ich den Tarif heute nicht ändern. Vorausgesetzt immer, man kann und will sich diese Leistung leisten. Es heißt ja nicht: „Nur weil es Luxusautos gibt, muss ich diese auch haben.“ Wenn mir aber meine Versorgung wichtig ist und genau solche Leistungen für eine optimale Versorgung ausgesucht waren, dann kosten diese eben auch entsprechend Geld.

Klar würde ich Ihnen jetzt gern raten: Specken Sie Ihren Tarif ab, erhöhen Sie die Selbstbeteiligung, die Sie vielleicht heute eh nicht brauchen oder ähnliches. Auch werden „windige Berater“ (Nepper, Schlepper, Bauernfänger – wie hier beschrieben) mit „wehenden Fahnen durch die Gegend laufen“, wie schlimm Versicherer A, B oder F seien. Na und?

Lassen Sie sich vorschreiben welches Auto, welches Haus oder sonstiges Sie haben? Wo Sie essen gehen sollten, weil es doch auch viel billiger geht?

Nochmals ganz deutlich: Gesundheit kostet Geld. Viel Geld. Was es Ihnen wert ist, muss jeder für sich allein entscheiden und überlegen. Auch muss jeder selbst ganz allein überlegen, welche Versorgung für die Kinder, die Familie insgesamt und für sich selbst die passende ist. Will ich das Geld lieber in einen hochwertigen Schutz investieren und Leistungen erstattet bekommen, oder zahle ich im Fall der Fälle einfach die Kosten selbst? Kann ich mir das zu dem Zeitpunkt dann (noch) leisten?

Beitragserhöhung in der PKV und Vorsicht vor den Neppern, Schleppern, Bauernfängern!

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – Schritt für Schritt

1.) Tun Sie NICHTS ÜBEREILTES und UNÜBERLEGTES

2.) Sie müssen jetzt und sofort gar nichts, warum auch. Tarifwechsel und Änderungen sind nicht an das Jahresende gebunden. Kündigen ist nur die letzte Option! Klar ist aber auch, wer seine Zeit beim damaligen Abschluss nicht sorgfältig genutzt hat und sich informierte, der kann und sollte das jetzt nachholen. Ob Sie danach wechseln, sich entschieden dort zu bleiben und mit mehr Wissen über den Tarif da zufrieden sind, oder ganz neu anfangen- Ihre Entscheidung!

3.) Änderungen von Komponenten zur Beitragsentlastung sind denkbar, aber auch hier nur, wenn man das Geld im Alter nicht braucht. Jetzt, mit höherem Einkommen, höherem Steuersatz Beträge zurück zu legen um diese dann im Alter zu haben, ist meist die bessere Wahl.

4.) Tarifänderungen sollten gut überlegt werden, denn: „Warum hatten Sie sich noch für genau diese Leistungen und Tarife entschieden?“

5.) Fragen Sie gern: Telefonisch, per Mail oder via Kontaktformular oder nutzen den LiveChat (der leidet zeitlich gerade etwas bei vielen anderen offenen Beratungen, sorry dafür). Dennoch versuche ich mir Zeit zu nehmen. Für jede und jeden einzelnen und beantworte Ihnen auch gern als (Nichtkunde) Ihre Fragen, soweit es zeitlich irgendwie einzurichten ist.

Das ich das, was ich tue, gern tue und viel Spaß daran habe, das lassen sie sich am besten von 149 Referenzen zu meiner Beratung erklären. Hier bewerten Kunden warum ich anders bin, ein Einhorn eben.

Sie sind bis hier mit dem Lesen gekommen? HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. So- und genau so kenne ich das von vielen meiner Kunden. Manchmal ist es wichtig und richtig nach einem ersten Telefonat von etwas abzuraten, ganz gehen das eigene „Geschäft“, dafür aber ruhig und zufrieden abends eizuschlafen. Informieren in absoluter Detailtiefe, welche Ihnen eine fundierte Entscheidung ermöglicht und so eine Basis schafft, um sich ganz in Ruhe Gedanken zu machen. Es treibt Sie niemand, niemals!

Ihre Versicherer, egal ob Hallesche, Barmenia, Debeka, Axa, Hanse Merkur oder wo auch immer Sie aktuell versichert sind, werden Ihnen auch noch weitere Informationen zu der Anpassung liefern. Und nein, das ist kein „Schönreden“, das ist Realität und betrifft uns nun einmal alle.

Zu Beginn meiner Ausbildung waren vier, fünf, oder mehr Prozent für täglich verfügbare Geldanlagen noch möglich und Festgelder hatten acht und neun Prozent Rendite. Dafür waren Baufinanzierungen und Kredite teurer, es war eine andere Zeit. Aktuell ist es etwas anders und das Ansparen in Fonds und ähnlichem ist derzeit besser denn je. Aktienmärkte schwanken stark, bieten aber dafür auch Chancen. Und … die wirtschaftliche (Welt)-Situation ist aktuell gerade sowieso außergewöhnlich.

Daher… machen Sie ganz in Ruhe, wir bekommen das alle gemeinsam hin und … es wird auch wieder besser. Versprochen!

Wenn Sie am Ende etwas mehr Verständnis und Hintergrundwissen für Ihre Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung bekommen haben und auch andere von dem Wissen profitieren lassen wollen, teilen Sie den Artikel gern in (ihren) sozialen Netzwerken. Wissen ist Macht und Nichtwissen führt leider zu unüberlegten Handlungen oder zum Reinfall auf „Nepper, Schlepper und Bauernfänger„.