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06.
August '19

Der 10%ige Beitragszuschlag in der privaten Krankenversicherung


Wann und bis wann wird dieser gezahlt und was passiert dann damit?

In einem älteren Beitrag hatte ich vor einigen Jahren schon einmal etwas zu diesem Zuschlag geschrieben, ein Zuschlag welcher verpflichtend ist und welcher somit nicht abgewählt werden kann. Da dort noch das alte VAG und damit auch andere Paragraphen galten, hier eine kleine Aktualisierung.

Generell hat sich nur wenig geändert. Der so genannte Gesetzliche Zuschlag ist ein, im Jahr 2000 eingeführtes, Instrument zur Stabilisierung der Beiträge im Alter. Jeder privat Versicherte, ab Vollendung des 21. Lebensjahres, findet diesen Baustein auf seinem Versicherungsschein.

Wer zahlt den Beitragszuschlag?

Die Regelungen dazu finden sich nun im Paragraphen 149 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG). Dort heißt es:

§ 149
Prämienzuschlag in der substitutiven Krankenversicherung

1 In der substitutiven Krankheitskostenversicherung ist spätestens mit Beginn des Kalenderjahres, das auf die Vollendung des 21. Lebensjahres des Versicherten folgt und endend in dem Kalenderjahr, in dem die versicherte Person das 60. Lebensjahr vollendet, für die Versicherten ein Zuschlag von 10 Prozent der jährlichen gezillmerten Bruttoprämie zu erheben.

Heißt also:

Ist das 21. Lebensjahr vollendet, der Versicherte hat also den 21. Geburtstag gefeiert, dann geht es am 01. 01. des FOLGEjahres los und der Versicherer erhebt einen Zuschlag in Höhe von 10% (auf was genau klären wir gleich)

Ein Beispiel: Unser Musterkunde ist am 01.07.1998 geboren und feierte also in diesem Jahr den 21. Geburtstag. Somit ist ab dem 01. Januar des nächsten Jahres (also 01. 01.2020) der Zuschlag zu zahlen.

Wie lange wird dieser gezahlt?

Auch das findet sich in dem eben zitierten Paragraphen. Mit VOLLendung des 60. Lebensjahres, also mit dem ENDE des Kalenderjahres, in welchem der Versicherte 60. wird.

Auch hier ein Beispiel: Unser Kunde ist am 01. 07. 1959 geboren und wurde daher im Jahr 2019, genauer am 01. Juli 60 Jahre alt. Die Pflicht zur Zahlung des Zuschlages endet somit nicht am Geburtstag, sondern mit der Beitragszahlung Dezember. Ab dem 01. Januar 2020 sinkt der Beitrag um 10%, oder richtiger formuliert, der 10% Zuschlag entfällt.

Wie berechnet sich der Zuschlag?

Erhoben wird der Zuschlag in Höhe von 10% auf den Beitrag zur Krankenversicherung (Leistungen für ambulante, stationäre oder zahnärztliche Leistungen). Haben Sie aber weitere Bausteine versichert, wie zum Beispiel Krankentagegeld, Pflegepflicht- oder Pflegezusatzbausteine oder andere zusätzliche Tarife, dann wird auf diese kein Beitragszuschlag erhoben.

Ein Beispiel: Unser Kunde zahlt für einen Kompakttarif in der Krankenversicherung einen Beitrag.

Tarif ABC (ambulant, stationär, Zahn) = 400 € 

Krankentaggeld = 50 €

Pflegepflichtversicherung = 30 €

GESETZLICHER ZUSCHLAG: 40 € (10% von 400 €)

Hätte der Kunde einen Bausteintarif und die Beiträge würden wie folgt aussehen:

Tarifbeitrag ambulant: 100 €

Tarifbeitrag stationär: 150 €

Tarifbeitrag Zahn: 80 €

Dann betrüge der gesetzliche Zuschlag 33 € (10% von 100+150+80)

Wozu dient der Zuschlag?

Auch hier liefert das Gesetz klare Regelungen. Der § 150, Absatz 2+3 des VAG ist hier maßgebend. Schauen wir uns den einmal genauer an und nehmen diesen dann Stück für Stück auseinander. Hier erstmal der ganze Paragraph der Abschnitte 2 und 3.

§ 150
Gutschrift zur Alterungsrückstellung; Direktgutschrift
(1) 1 Das Versicherungsunternehmen hat den Versicherten in der nach Art der Lebensversicherung betriebenen Krankheitskosten- und freiwilligen Pflegekrankenversicherung (Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung) jährlich Zinserträge gutzuschreiben, die auf die Summe der jeweiligen zum Ende des vorherigen Geschäftsjahres vorhandenen positiven Alterungsrückstellung der betroffenen Versicherungen entfallen. 2 Diese Gutschrift beträgt 90 Prozent der durchschnittlichen, über die rechnungsmäßige Verzinsung hinausgehenden Kapitalerträge (Überzins).

(2) 1 Den Versicherten, die den Beitragszuschlag nach § 149 geleistet haben, ist bis zum Ende des Geschäftsjahres, in dem sie das 65. Lebensjahr vollenden, von dem nach Absatz 1 ermittelten Betrag der Anteil, der auf den Teil der Alterungsrückstellung entfällt, der aus diesem Beitragszuschlag entstanden ist, jährlich in voller Höhe direkt gutzuschreiben. 2 Der Alterungsrückstellung aller Versicherten sind von dem verbleibenden Betrag jährlich 50 Prozent direkt gutzuschreiben. 3 Der Prozentsatz nach Satz 2 erhöht sich ab dem Geschäftsjahr des Versicherungsunternehmens, das im Jahr 2001 beginnt, jährlich um 2 Prozent, bis er 100 Prozent erreicht hat.

(3) 1 Die Beträge nach Absatz 2 sind ab der Vollendung des 65. Lebensjahres des Versicherten zur zeitlich unbefristeten Finanzierung der Mehrprämien aus Prämienerhöhungen oder eines Teils der Mehrprämien zu verwenden, soweit die vorhandenen Mittel für eine vollständige Finanzierung der Mehrprämien nicht ausreichen. 2 Nicht verbrauchte Beträge sind mit der Vollendung des 80. Lebensjahres des Versicherten zur Prämiensenkung einzusetzen. 3 Zuschreibungen nach diesem Zeitpunkt sind zur sofortigen Prämiensenkung einzusetzen. 4 In der freiwilligen Pflegetagegeldversicherung können die Versicherungsbedingungen vorsehen, dass anstelle einer Prämienermäßigung eine entsprechende Leistungserhöhung vorgenommen wird.

1.) jährliche Gutschrift des Betrag es bis zum Ende des Jahres, mit dem 61. Geburtstag

Nur bis zu diesem Termin zahlen Sie den Zuschlag überhaupt. Im Jahr danach ist Ihre „Einzahlung“ dazu beendet und der Vertrag läuft ohne die 10% weiter. Eine Wirkung entfaltet der Zuschlag hier aber nicht sofort.

2.) Mit VOLLENDUNG des 65. Lebensjahres passiert nun etwas. Das aber immer nur dann, wenn der Versicherer nach Zustimmung durch den Treuhändler, eine Beitragserhöhung vornehmen muss. Zunächst einmal versucht der Versicherer eine solche Erhöhung durch so genannte Direktgutschriften abzumildern, also eine Beitragsanpassung zu mindern oder gar zu verhindern. Eine weitere Begrenzung oder Abmilderung ist durch die so genannten RfB Mittel möglich und angedacht. Diese so genannten „erfolgsabhängigen Rückstellungen für Beitragsrückersattungen“ haben auch diesen Zweck.

Erst die DANN NOCH verbliebene und notwenige Erhöhung der Beiträge, wird mit den Mitteln aus dem gesetzlichen Zuschlag(stopf) auf null reduziert. Praktisch hat das zur Folge: Solange Geld in dem „Zuschlagstopf“ vorhanden ist, sind keine Beitragserhöhungen mehr (nach dem 66. Geburtstag) zu erwarten. Erst wenn diese aufgebraucht sind, dann sind weitere Erhöhungen möglich.

2.) Nächste Stufe, der 81. Geburtstag

Erfreuen Sie sich des Lebens und genießen Ihren 81. Geburtstag, dann passiert noch etwas. Nach Vollendung des 80. Lebensjahres sollten die restlichen, dann noch im Zuschlagstopf vorhandenen Mittel, verwendet werden um dann die Beiträge aktiv zu senken.

Ob das passiert und ob dann noch Geld im Topf ist, das hängt von unzähligen Faktoren ab. Dazu zählen neben der Beitragsentwicklung auch und vor allem die Zinsentwicklung, welche in der Niedrigzinsphase aktuell geringer ist.

Richtig und wichtig, aber nicht allein darauf verlassen

Der Zuschlag ist ein gesetzlich verordneter Sparvorgang. Dieser ist im Sinne der Beitragsstabilisierung richtig und wichtig. Aber allein auf diesen sollten Sie sich nicht verlassen.

Die Beiträge lassen sich auch durch andere Maßnehmen stabilisieren. Eine weitere Methode (neben vielen anderen) ist der so genannte Beitragsentlastungsbaustein. Mehr dazu finden Sie im Artikel:

–> Beitragsentlastung – ein Baustein in der privaten Krankenversicherung

Welche Strategie und welche Modelle für Sie aber passend sind und wie sich diese über die Zeit verändern, das lässt sich nur in einer individuellen BERATUNG klären.

23.
Mai '19

Axa Krankenversicherung mit neuem Tarif ActiveMe – Innovation oder Flop? Eine ausführliche Analyse


Da sitze ich nun hier. Warte seit Wochen gespannt auf die angekündigte und innovative Krankenversicherung der Axa. Ein neuer Vollkostentarif soll es werden. Seit einigen Wochen rührt die Axa die Werbetrommel bei den Vermittlern und verspricht Innovation, Veränderungen und eine Anpassung an die neue Zielgruppe der Axa. Man wolle ein Gesundheitsversicherer werden, kein Krankenversicherer.

Klingt besser, wird wohl bei einem innovativen Marketing-meet-up herausgekommen sein. Aber lassen wir uns überraschen, dachte ich.

Nachdem dann gestern die ersten Unterlagen eintrudelten, sahen diese auch ganz vielversprechend aus. OK, es ist weiterhin aus Sicht der Versicherer nicht nötig dem Makler oder Berater Bedingungen zu schicken, es reicht aus Prospekte und Sales Seiten zu verlinken. Nur dank eines direkten Kontaktes liegen mir die Bedingungen vor. Die Axa selbst hat in dem innovativen Newsletter nur Prospekte verteilt und recht nichts sagende Sales-Seiten verlinkt. (Wollen Sie mal schauen? aber pssst!)

In der Vergangenheit hatte die Axa ja ein weniger glückliches Händchen mit der Krankenversicherung. Versagen in der Kalkulation, Treuhändlerstreit und mehr Baustellen als man bedienen kann. Aber das ändert sich nun. Mit dem neuen und innovativen Vollkostentarif.

Mit dem neuen Tarif möchte man sich wandeln. Von der reinen Kostenerstattung, hin zu einem Gesundheitsdienstleister.

Tarif ActiveMe – Bonus für…

  • – Nichtraucher
  • – Sportler
  • – Blutspender
  • – Kranke in speziellen Programmen

So will man locken, mit Geld. Jeder der bestimmte Kriterien erfüllt, bekommt welches. Ganz unabhängig von der Leistungsfreiheit im Tarif und der normalen Rückerstattung. Solange es jeder auch in der Steuer angibt, alles gut.

Tarif ActiveMe – Bedingungen eher „geht so“

Nicht schlecht, das möchte ich damit keinesfalls pauschal sagen, aber auch nichts welches besonders innovativ ist oder den Namen „Innovation“ verdienen würde.

Aber ich habe es nicht in eine Analyse mit über 3.000 Worten geschrieben, damit ich es hier in den Beitrag nochmals schreibe. Daher bin ich einfach so frei und verlinke Ihnen hier die vollständige

Tarifanalyse AXA ActiveMe

Als kostenfreie PDF zum Download. Bei einem heißen Kaffee und mit ganz viel Spaß beim Lesen. Lehnen Sie sich zurück, schnappen sich den Ausdruck und lesen!

Weitere Unterlagen zum AXA ActiveMe Tarif

Ein etwas vorweg gegriffenes…

Fazit

Zunächst noch einen Blick auf eine andere Formulierung, welche ich noch nicht ansprach. Die Axa hat natürlich, allein schon weil man es dann bewerben kann, eine Beitragsbefreiung bei Elternzeit. Zumindest schriebt man das.

Schauen wir uns die Regelungen dann unter Punkt E.) in den Tarifbedingungen an, werden schnell die Einschränkungen klar.

Während der ersten 2 Monate des Bezuges von Elterngeldreduziert sich der für diesen Tarif zu
zahlende monatliche Beitrag um 50%. Die Beitragsreduzierung gilt nur für die versicherte Person, die Elterngeld bezieht und nur, wenn für die Person keine besonderen Bedingungen für Personen in Berufsausbildung bestehen. Der Antrag auf Reduzierung des Beitrages ist innerhalb von 3 Monaten nach Bezugsbeginn des Elterngeldes zu stellen und nachzuweisen. Die Beitragsreduktion ist ausgeschlossen, wenn bei Beantragung dieses Tarifes die Schwangerschaft bereits festgestellt oder das Kind bereits entbunden wurde.

ZWEIganze Monate und zudem natürlich nur für den Tarif selbst, nicht für den Zahnschutz, nicht für andere Bausteine. Aber klar, bewerben kann man es nun natürlich.

In Summe betrachtet ist der Tarif ganz nett und sicher durchaus eine Option für bisher AXA Versicherte. In der Hoffnung hier die Beiträge besser in den Griff zu bekommen und die Kalkulation sauber durchdacht zu haben, keine so schlechte Wahl.

Innovationen suche ich auch nach dem dritten Lesen noch. Neu ist außer ein wenig Bonus, der Zuschuss zu einer App (z.Bsp. bei Tinitus, 19 EUR monatlich nach ärztlicher Verordnung) oder auch einem Bonus bei Nichtrauchern nicht wirklich etwas.
Was hier als Innovation verkauft und angekündigt wird, haben auch andere Mitbewerber, teilweise sogar schon lange.

Bonuszahlungen sind möglich bei Nichtrauchern, einem passenden BMI, Teilnahme an Impfungen, Sport oder Blutspenden oder bei Patientenprogrammen bei bestimmten Erkrankungen.

16.
Mai '19

Familienversicherung: „Aber die Krankenkasse wird sich schon melden“ – es ist keine gute Idee zu warten


Die Familienversicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse ist ein oft unterschätztes Problem, denn dieses kann ein sehr teures Problem werden. Dabei gehen viele Eltern immer noch davon aus: „wenn sich die Krankenkasse nicht meldet, wird wohl alles gut sein.“

Das ist aber nicht nur ein Trugschluss, sondern kann auch schnell einige tausend Euro kosten und ist dann irgendwann nicht mehr mal schnell aus der Portokasse zu bezahlen. Daher ist es auch leider nicht verständlich, wenn einige Eltern aus Trotz und wider besseren Wissens die Kasse nicht über Veränderungen im Leben informieren. Welche das sind und wann genau Sie wie reagieren müssen, um Nachzahlungen zu vermeiden, das schauen wir uns heute einmal genauer an.

Zunächst einmal finden Sie in meinem Schema zur Familienversicherung die ersten Grundlagen. Hier können Sie anhand einzelner Schritte einfach prüfen, wie die Kinder versichert sind oder es bei Veränderungen werden.

Diese Übersicht steht Ihnen auch als kostenfreier Download in pdf Form zur Verfügung.

Familienversicherung – wie sind die Kinder zu versichern [pdf]

Dabei geht es immer um den Fall, dass nur ein Elternteil in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, die/ der andere privat versichert. Hier ist für die Kinder in jedem Fall und immer die Frage der Familienversicherung zu prüfen. Dabei gilt das nicht einmalig, sondern laufend und bei allen Veränderungen im Leben der Familie.

Es gibt mehrere Ereignisse, zu denen sollten Sie die Kasse selbstständig und ohne Nachfrage informieren. Dazu zählen insbesondere:

– Heirat
– Geburt eines Kindes oder Adoption
– Veränderung/ Verschiebung der Einkünfte
– Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit eines Partners
– Abgabe der Steuererklärung/ Erhalt des Steuerbescheides

Um genauer zu verstehen was und wie ein Ereignis sich auswirkt, schauen wir einmal detaillierter darauf.

HEIRAT

Zunächst, Herzlichen Glückwunsch falls die Hochzeit schon war. Oder Alles Gute und gute Nerven bei den Vorbereitungen. Aber genug gescherzt. Eine Hochzeit ändert die Situation in der Familie auch im Hinblick auf die Krankenversicherung. Waren die Kinder vorher vielleicht bei der Mutter kostenlos familienversichert, so kann dieses nun schnell erledigt sein. Eine kostenlose Familienversicherung kann nun enden, wenn der nicht GKV versicherte Partner mehr verdient. Bei Angestellten ist es recht einfach zu prüfen, da hier ein Bruttojahresgehalt vereinbart ist. Was genau alles dazu zählt, das lesen Sie hier:

Was zählt zur JAEG?

Zudem finden Sie die aktuellen Sozialversicherungswerte in den einzelnen Blogbeiträgen erläutert und in Tabellenform zum Download bereitgestellt.

 Sozialversicherungswerte 2019

Ist nun der, der mehr verdient (und bei selbstständigen auch über der Grenze), in der privaten Versicherung, dann besteht auch nun für die Kinder ab Hochzeit kein Anspruch mehr auf eine kostenlose Familienversicherung.

Das heißt aber NICHT, dass die Kinder nun aus der GKV „rausfliegen“ und in die PKV müssen. Das heißt aber, dass diese nun keine kostenlose Familienversicherung mehr bekommen.

Diesen Umstand der Hochzeit und damit der Veränderungen bei der Familienversicherung müssen Sie der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) melden.

ACHTUNG: SIE müssen die GKV informieren, nicht die GKV muss raten wann Sie heiraten.

Dazu senden Sie am besten (schriftlich und mit Zugangsnachweis) eine Kopie der Heiratsurkunde an die gesetzliche Krankenkasse und fordern gleichzeitig einen Fragebogen für die Familienversicherung an. Viele gesetzliche Krankenkassen stellen diese Formulare auch auf der Homepage zum Download bereit. Dann können Sie das Formular gleich mitsenden.

AB DEM HOCHZEITSMONAT gelten die neuen Regelungen. Entfällt für die Kinder die kostenlose Familienversicherung nach §10 SGB V, dann sind ab diesem Zeitpunkt Beiträge für die Kranken- und Pflegepflichtversicherung zu zahlen.

Welche Optionen Sie haben und warum es für die GKV Beiträge keinen Arbeitgeberzuschuss gibt, das lesen Sie am Ende dieses Beitrages.

Geburt oder Adoption

Meist haben hier die Eltern schnell ein eigenes Interesse die Kinder zu versichern. Dabei können die Kinder in der GKV angemeldet werden, oder aber die Nachversicherung (binnen 2 Monaten nach Geburt/ Adoption) bei der PKV beantragt werden.

Hier wird es weitaus weniger oft „vergessen“, denn schließlich möchten Sie, dass Ihr Kind versichert ist. Auch hier gibt es dann die Optionen. Sie können das Kind als so genanntes freiwilliges Mitglied in der GKV anmelden, oder es in der privaten Versicherung versichern.

Eine Nachversicherung ohne Prüfung der Gesundheit muss nur die eigene Versicherung der Eltern durchführen, eine Antragsannahme mit Gesundheitsprüfung ist auch bei anderen Unternehmen möglich. Das kann durchaus sinnvoll sein, wenn der Schutz bei anderen Versicherern besser passt oder sich die Voraussetzungen und Wünsche verändert haben.

Veränderung/ Verschiebung der Einkünfte

Nun ist es keineswegs so, dass eine Verteilung der Einkünfte unverändert die nächsten Jahre Bestand hat. Verschieben sich daher die Einkünfte, wird ein Elternteil befördert oder hat einen neuen Arbeitsvertrag und verdient nun mehr oder weniger, ändert sich alles.
Die Prüfung der Familienversicherung findet nun nach dem oben abgebildeten Schema neu statt.

Auch das kann die GKV nicht wissen. Auch hier sollten Sie kurzfristig reagieren und einen Fragebogen zur Familienversicherung anfordern und diesen korrekt und vollständig ausfüllen.

Denken Sie bitte daran, falsche oder beschönigte Aussagen sind nicht nur aufgrund der Nachforderung problematisch, sondern können auch rechtlich fragwürdig sein. Daher machen Sie bitte richtige und vollständige Angaben.

Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit eines Partners

Auch wenn einer der Elternteile von der Angestellten- in eine selbstständige Tätigkeit wechseln will/ wird, auch dann ist eine Meldung erforderlich. Hier sind die Einkünfte und die ggf. zu erwartenden Einkünfte interessant und entscheiden dann über eine Familienversicherung der Kinder.

Auch wenn es nett klingt, erstmal keine Einkünfte anzugeben und die Kinder beitragsfrei versichert zu lassen, das rächt sich dann schnell wieder. Ist daher klar, dass aufgrund bestehender Auftragslage entsprechende Einkünfte realisiert werden können, dann sollte auch hier eine Beitragszahlung direkt erfolgen.

Es fällt sicher einfacher, einige hundert Euro laufend, als viele tausend Euro nachzahlen zu müssen.

Abgabe der Steuererklärung/ Erhalt des Steuerbescheides

Hier ergibt sich meist das größere Problem und die am häufigsten Auftretende Verärgerung. Diese entsteht dann, wenn die gesetzliche Krankenkasse dann plötzlich und ggf. rückwirkend Beiträge für die Kinder berechnet. Eine rückwirkende private Versicherung ist dann meist nicht mehr möglich, ein Arbeitgeberzuschuss auch nicht, einige tausend Euro sind dann schnell fällig, bei einem Kind. Haben Sie zwei oder mehr Kinder, so wird es noch deutlich teurer.

Gerade bei Selbstständigen wird die Steuererklärung meist recht spät abgegeben und der Steuerbescheid selbst lässt wiederrum nochmals auf sich warten. Daher kommt es hier zu Verspätungen und Verzögerungen.

Geben Sie aber die Steuererklärung ab und es ist klar, die JAEG wird überschritten, so informieren Sie die GKV bereits jetzt. Dann zahlen Sie ggf. auch schon Beiträge der Kinder oder können überlegen ob diese in die PKV übergehen sollen. Nur so vermeiden Sie Nachzahlungen.

Was passiert wenn Sie Veränderungen nicht melden?

Ja, die Methode Strauß, also Kopf in den Sand und abwarten, ist leider sehr verbreitet. Manchmal durch Unwissenheit, manchmal aber auch einfach Berechnung. Oft habe ich Aussagen wie „Solange die [Anm. die GKV]sich nicht melden, warte ich erstmal ab“ gehört. Das Sie sich damit „ins eigene Fleisch schneiden“ und nachher einen Beitragsbescheid über einige tausend Euro auf dem Tisch haben, welcher dann noch zeitig zu zahlen ist, dass ist leider vielen Versicherten nicht klar.

Es bringt daher leider überhaupt nichts. Sie verschieben das Problem, lösen es aber nicht. Auch ist dann die Wahlmöglichkeit weg und es schafft Probleme mit bereits abgerechneten Leistungen. Daher, lieber rechtzeitig handeln.

Weitere Artikel die das Thema Familienversicherung behandeln und Ihnen noch mehr Informationen geben:

Keinen Arbeitgeberzuschuss für die GKV versicherten Kinder
Kann ich mein Kind rückwirkend in der PKV versichern?
Die gesetzliche Kasse will tausende Euro Nachzahlung

und weitere Artikel zum Thema: FAMILIENVERSICHERUNG

26.
April '19

Die Lücke im Krankentagegeld – 100 € pro Tag sind keine 3.000 Euro monatlich


Das ist ein typischer Denkfehler, der taucht in meinen Beratungen immer und immer wieder auf.

„Aber ich brauche doch keine 3.000 Euro, das ist ja mehr als ich heute netto habe.“

Wirklich?

Wie berechnet sich das Krankentagegeld und was bleibt übrig?

Wer sich mit dem Thema Private Krankenversicherung beschäftigt, der wird sich auch mit dem Thema Krankentagegeld befassen müssen. Dieses sichert für Angestellte nach der 6. Woche (für Selbstständige und Freiberufler auch vorher) das Einkommen und ersetzt somit die Zahlungen des Arbeitgebers.

Doch der große Trugschluss ist noch ein ganz anderer. Wer also glaubt er versichert heute 100 EUR Krankentagegeld, der wird keineswegs 3.000 EUR im Monat zur Verfügung haben.

Bereits unter dem Punkt „Krankengeld“ hier auf der Seite finden Sie weitere Erklärungen dazu. Es sind von dem ausgezahlten Geld noch weitere Kosten zu bestreiten. In der Praxis sieht das dann wie folgt aus:

verbleibender Betrag 1.546,70 €

verbleibender Betrag 1.546,70 €

Tagessatz Krankengeld 100,00 €
ausgezahlter Betrag (30 Tage) 3.000,00 €
– abzüglich Rentenversicherung (freiwillig): – 753,30 €
– abzüglich Beitrag zur Krankenversicherung (AG+AN Anteil) – 700,00 €

Das versicherte Krankengeld, welches immer für 30 Tage und nicht nur für Arbeitstage gezahlt wird, ist damit nicht der Betrag, welcher auch ausgezahlt wird.

Die Arbeitslosenversicherung läuft übrigens ebenfalls weiter, wird Ihnen aber nicht abgezogen. Der dazu notwendige Beitrag wird durch das PKV Unternehmen direkt an die Bundesanstalt für Arbeit gezahlt und Ihnen nicht berechnet.

Auch ist es wichtig die Rentenversicherung zu prüfen und dort die Weiterversicherung zu beantragen. Es passiert NICHT AUTOMATISCH. Sie müssen einen Antrag auf Weiterversicherung bei der Rentenversicherung stellen. Hierzu sollten Sie dieses innerhalb der Frist von 3 Monaten tun, nur dann ist eine rückwirkende und nahtlose Versicherung möglich.

Dazu muss ein Antrag bei der zuständigen gesetzlichen Rentenversicherung gestellt werden. Das entsprechende Formular finden Sie hier.

Wer kann auf Antrag versicherungspflichtig werden?

(…) Ebenfalls berechtigt sind Personen, die arbeitsunfähig sind oder an einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation teilnehmen, wenn sie keinen Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung haben (Versicherungspflicht auf Antrag für Zeiten der Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitation). Dazu gehören Personen, die ohne Anspruch auf Krankengeld versichert oder nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind (z. B. privat Krankenversicherte). Voraussetzung ist jedoch, dass sie im letzten Jahr vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung zuletzt versicherungspflichtig waren.

Wie hoch sind die Beiträge für die Rentenversicherung?

Bei Arbeitsunfähigen und Rehabilitanden, die keinen Anspruch auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung haben, wird der Rentenversicherungsbeitrag aus einem Betrag in Hohe von 80 % des zuletzt für einen vollen Kalendermonat versicherten Arbeitsentgelts oder Arbeitseinkommens berechnet. Die Rentenversicherungsbeiträge sind in diesen Fällen vom Antragsteller (Versicherten) alleine in voller Hohe zu tragen.

Es ist also das Einkommen im letzten vollen Monat vor der Krankheit maßgebend. Dabei wird dann nur 80% des damaligen Einkommens zu Grunde gelegt und dieser mit dem geltenden Rentenversicherungsbeitrag multipliziert. Ungeachtet der letztendlichen Höhe, eines ist klar. Es wird ein deutlicher Betrag abgezogen und keineswegs sollte man darauf verzichten diese „freiwillige“ Zahlung auf Antrag abzulehnen. Nur so entstehen keine Lücken im Beitragsverlauf und es bleiben weitere Leistungen der Rentenversicherung erhalten.

In unserem Beispiel bleiben also von den 3.000 Euro versichertem Krankentagegeld 1.546 EUR übrig. Selbst wenn keine Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt würden, wären es nur 2.246 EUR.

Der Weg zur richtigen Krankentagegeldhöhe

Um nun aber den passenden Betrag zu ermitteln, lässt sich dieses einfach zurückrechnen. Zunächst einmal müssen Sie überlegen, welchen Betrag Sie am Ende benötigen. Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen heute und wie gut kommen Sie damit aus? Was entfällt an Kosten wenn Sie nicht mehr zur Arbeit fahren müssen? und… entfallen diese wirklich? Was ist mit den Kosten der Arztbesuche? Wann verlieren Sie den Anspruch auf den Dienstwagen/ Firmenwagen und wenn Sie den behalten dürfen, wie hoch sind die Kosten? (meist werden die 1% geldwerter Vorteil auch dann weiterberechnet und sind an den Arbeitgeber zu erstatten). Ist der Betrag klar, bildet dieser den Bedarf.

Bedarf im Krankheitsfall (muss nicht dem Netto entsprechen)

dazu kommen Rentenbeiträge (18,6% von 80% des Bruttoeinkommens vor Krankheit)

plus die Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile der PKV

= Krankentagegeld pro Monat

/ 30 = Tagegeld

Auch hier ein Beispiel in Zahlen. Unser Musterkunde hat ein Bruttoeinkommen von 5.500 EUR, Steuerklasse eins und damit ein Nettoeinkommen von 3.120 EUR. Dazu kommt ein geldwerter Vorteil von 450 EUR und damit ein ausgezahltes Netto von 2.670 EUR. Diese 450 EUR sind auch im Krankheitsfall weiter zu zahlen, sonst könnte unser Musterkunde auf keine weiteren Zahlungen verzichten und möchte daher sein Nettoeinkommen auch weiterhin bekommen. Auch der Beitrag zur PKV (PLUS AG ANTEIL) läuft natürlich weiter.

Bruttoeinkommen 5.500,00 €
bisheriges Netto 3.120,00 €
geldwerter Vorteil 450,00 €
Auszahlungsbetrag 2.670,00 €
Rückrechnung der Krankengeldbeträge
Bedarf im Krankheitsfall 2.670,00 €
plus geldwerter Vorteil 450,00 €
Rentenversicherungsbeiträge (18,6% von 80% des Brutto) 814,00 €
Beitrag zur Privaten KV (inkl. AG Anteil) 700,00 €
 
Bedarf im Krankheitsfall 4.634,00 €
Tagessatz 154 €

Mit einem versicherten Krankengeld vom 155 EUR ist somit der Bedarf gut abzusichern. Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn Sie das Krankengeld regelmäßig überprüfen und an sich ändernde Gegebenheiten anpassen.

Anpassung des Krankengeldes – denken Sie daran

04.
April '19

„Aber wir stellen doch nur mal einen Antrag, alles andere können Sie dann ja noch überlegen.“


Vorgestern hatte ich schon von einem anderen Fall berichtet, einem der sich erst nach dem Abschluss weiter informiert hat und dem dann viele Probleme auffielen. Gleich viermal war es „dumm gelaufen“ und alles führt zu einer Entscheidung, welche heute und jetzt nicht mehr rückgängig zu machen ist, da alle Fristen vorbei waren.

Den vollständigen Fall können Sie gern im Detail nachlesen, im Beitrag zu

Google, tausenden Informationsquellen, welche man aber auch nutzen muss

Der zweite Fall dieses Nachmittages, welcher mich auch im LiveChat erreichte und auch eher nach dem Motto „erst handeln, dann googleln“ verlaufen ist, betrifft meine Freunde vom Main, also die mit dem Kompass. Würde es nicht der x-te Fall bei mir und einigen Kollegen sein, so könnte man von einem Versehen oder einer schlechten Beraterin sprechen, scheint hier aber nicht so zu sein.

Die anderen Fälle, darunter durchaus schlimme, können Sie in den Beiträgen hier nachlesen. Mal war es ein Anruf eines Dachverbandes der PKV, mal wurde ein Kunde dazu überredet bequatscht einen Antrag zu stellen, der eigentlich eine Voranfrage war. So wurde aus dem Antrag ein Vertrag. Klar kann man den widerrufen, wenn man es denn weiß. Da die Police aber zum Berater ging und es eine Vollmacht gab, war die Frist dann auch wieder vorbei.

Mehr Hintergrund: Ein Antrag ist ein Antrag und keine Voranfrage

„Die Beraterin rief an, ich müsse wechseln.“

Die Dame, gemeinsam mit dem Ehemann selbstständig im Einzelhandel, sollte nun Besuch bekommen. Nicht, dass diese nun schon sechs Jahre bei der Axa versichert war und es daher nur bedingt Sinn ergibt da nun Hals über Kopf zu wechseln. In dem Gespräch kamen dann auch so allerlei eigenwillige Aussagen der Beraterin.

  • 1.) „Wenn Sie auch in die Hanse Merkur wechseln (wo der Mann schon versichert ist), ist das besser, weil alle zusammen sind.“

  • 2.) „Ihr Mann kann ja dann auch wieder in die GKV wechseln.“

  • 3.) „Den Antrag füllen wir erstmal aus, ich nehme den unterschrieben mit und dann schauen Sie am Wochenende weiter, dann können Sie es ja prüfen.“

und noch einige Aussagen mehr.

Nicht eine Aussage ist leider richtig und vollständig. Den Hintergrund, warum die Dame nun von der Axa weg sollte und jetzt bereits einen Antrag stellen soll, ist nicht klar. Es gab keinen konkreten Anlass, der Vertrag bei der Axa ist ungeachtet allem erst zum Jahresende kündbar. Wir haben April, das heißt auch, der neue Antrag kann 6 Monate in die Zukunft datiert werden.

Das Vordatieren kann auch sinnvoll sein, so hier dann der Gesundheitszustand kostenfrei eingefroren wird, will man keine Option oder Anwartschaft verwenden (die Geld kosten). Doch April + 6 Monate ist eben Oktober und nicht Januar oder Dezember.

Hier wurde aber solange geredet, bis die Dame dachte sie muss das so machen und unterschrieb einen Antrag. Den wohl gemerkt im ersten Gespräch, nach wenigen Minuten Beratung. Wie so schnell die Gesundheitshistorie aufgearbeitet, Arztunterlagen besorgt wurden, Tarife vergleichen und eine saubere Beratung stattgefunden haben soll, es muss Hexerei sein. Realistisch und normal zu machen ist das nicht.

Leider lassen sich immer wieder Kunden und Interessenten überreden. Das Ergebnis:Da wurde „mal schnell“ ein Antrag auf eine neue, private Krankenversicherung unterschrieben und am Wochenende sollte dann die Zeit sein, sich das zu überlegen und neu zu prüfen. Sonderbare Ansichten hatte die Beraterin, denn das ist ganz sicher der falsche Weg. Zumal es weder Zeitdruck noch sonst etwas brauchte.

Da wurde nun der Verkaufsdruck so hoch und die Dame war zu gutgläubig, also unterschrieb diese einen Antrag auf Krankenversicherung bei der Hanse Merkur, weil der Mann da ja auch versichert ist. Ach ja, zufrieden war er auch, ist ja gesund und hat nichts mit der Gesellschaft abzumachen.

„Ihr Mann kann ja dann auch wieder in die GKV wechseln.“

Das nächste und haarsträubende Argument war dann ein anderes. Der Mann könne ja dann irgendwie bei ihr angestellt werden und somit in die gesetzliche Kasse wechseln. Warum er das sollte, wo doch der Versicherer angeblich so gut und alle zufrieden sind, ist nicht klar. Aber das Argument ist genauso ein Unsinn, wie die Aussage „beide bei der gleichen Gesellschaft bringe Vorteile.“ Außer der Tatsache, dass vielleicht eine App zur Einreichung von Rechnungen auf dem Smartphone reicht (selbst das ist falsch, da diese immer mit dem Versichertenaccount verknüpft ist), gibt es keinen Unterschied.

Die Vertragsbedingungen und Prämien werden weder anders noch günstiger, wenn zwei, drei oder acht Versicherte einer Familie dort versichert sind. Die Private Krankenversicherung ist zudem auch viel zu individuell um die Auswahl von jemand anderem Abhängig zu machen. Ähnlich der Aussage

Meine Freunde, Bekannte, Kollegen sind bei Gesellschaft XYZ versichert.

„Den Antrag füllen wir erstmal aus, ich nehme den unterschrieben mit und dann schauen Sie am Wochenende weiter, dann können Sie es ja prüfen.“

Nein, nein und nochmals nein. Man füllt niemals einen Antrag nur mal „so“ schnell aus und gibt diesen unterschrieben dem Berater mit. Wenn Sie einen Antrag stellen wollen, dann bitte in vollem Bewusstsein was Sie da tun und auch mit dem Verstehen der Hintergründe und Folgen. Was aus so einer Geschichte werden kann und warum Sie da nie wieder raus kommen, das lesen Sie im Artikel:

„Ein Antrag ist ein Antrag und wird schnell ein Vertrag“

Komisch, war auch hier das gleiche Unternehmen mit der Beratung beschäftigt, ist aber sicher ein Versehen. Aber auch hier sollte nur mal geschaut werden, wie denn so ein Antrag gestellt werden „KÖNNTE“ und natürlich sei das alles nicht verbindlich. Sorry, aber wie armselig muss man als Beraterin sein, um hier wohl unter Vortäuschung falscher Tatsachen einen unterschriebenen Antrag zu bekommen. Klar, vielleicht hat die Kundin auch gesagt: „Hey, geht ja eh erst zum 1.1., aber wo Sie gerade einmal hier sind und bevor Sie das Haus verlassen, ich möchte Ihnen gern noch den Antrag unterschreiben. Ich habe zwar keine Idee warum und kann es erst am Wochenende prüfen, aber nehmen Sie den schon einmal unterzeichnet mit.“

Klingt doch plausibel, oder?

Nun haben wir auch hier die Situation einer bestehenden PKV, dazu eines neuen Antrags. Dieser ist ganz sicher auf dem Weg zur Hanse Merkur. Als Gesellschaft kann und muss diese den nun prüfen und wird bei Zustimmung den Antrag annehmen. Damit wird hier eine Police erstellt und dem Kunden der Beraterin zugesandt. Ja, der Beraterin, dazu hat es schließlich einen Maklerauftrag und eine Vollmacht gegeben.

Befrage ich meine Glaskugel, kann ich sagen was hier passiert. Der Antrag liegt heute dem Versicherer vor, wird angenommen. Die Police nebst Widerrufsbelehrung kommt bei der Maklerfirma an und wird doch erfasst. Dann könnte es nun sein, dass diese so viel zu tun haben und der Antrag erst nach Ablauf der Widerrufsfrist bei der Kundin ankommt. Sorry, ging einfach nicht schneller.

Nun stellt diese dann fest: „Hey, ich habe es geprüft und wollte doch nicht wechseln, ich habe eine zweite Meinung eingeholt und fühle mich nicht wohl mit der Entscheidung“. Jetzt könnte diese den Widerruf schreiben und aus dem Vertrag heraus wollen. Blöd nur, dass die Fristen bereits um sind.

Einen theoretischen Anspruch könnte diese Betrogene Kundin nun vielleicht gegen den Makler haben, nur blöderweise gibt es eine Vollmacht… DUMM GELAUFEN!

Den Ablauf und warum das so ist, habe ich ausführlich in einem anderen Beitrag beschrieben.

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass solche Maklervollmachten und Aufträge wichtig und richtig sind, wenn alle beteiligten vertrauensvoll damit umgehen. Die meisten Versicherungsmakler (die, den Namen wert sind, den Beruf mit Ehre und Anstand ausüben) tun das und würden niemals solche Wege beschreiten. Eine Vollmacht an einen Berater ist immer dann richtig sind wichtig, wenn abgesprochen ist was dieser tun soll. Klar, auch ein Anwalt kann einen Vergleich für Sie annehmen, einen den Sie gar nicht wollen. Wir er aber nicht tun.

So steht auch der Versicherungsmakler auf Ihrer Seite und vertritt Ihre Interessen. Das kann und soll er und auch ich verwende in meinen Kundenbeziehungen Makleraufträge und Vollmachten. Das erleichtert die tägliche Arbeit. Wenn, ja wenn sorgfältig damit umgegangen wird.

Doch in diesem Fall ist noch nicht alles zu spät. Unsere betroffene Kundin kann und muss nun schnell reagieren und das gleich an mehreren Stellen. Dazu müssen im Wesentlichen drei Briefe verfasst werden.

„Schnell handeln und retten was zu retten ist.“

  • 1.) Brief an die Hanse Merkur (als neue Gesellschaft)

  • 2.) Brief an den „Berater“

  • 3.) Brief an die alte Versicherung, die Axa

Was dort drin stehen muss und warum drei Briefe notwendig sind, erkläre ich Ihnen nun. Zuerst einmal muss die Hanse als vermeintlich neuer Versicherer informiert werden. Dazu ist es sinnvoll neben dem Widerruf auch gleich eine Auskunft der Daten anzufordern, dann sehen Sie ggf. auch Post und Emailverkehr mit dem oder von dem Berater.

1.) Brief an die Hanse Merkur (als neue Gesellschaft)

Ein unverbindliches Muster sehen Sie hier:

„Hanse Merkur Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit
Siegfried-Wedells-Platz 1
20354 Hamburg

Fax: 040 4119-3257

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu dem Antrag auf private Krankenversicherung vom ____________ liegt mir bisher der Versicherungsschein noch nicht vor. Rein vorsorglich mache ich von meinem Widerrufsrecht schon heute Gebrauch und erkläre, dass ich den gestellten Antrag zurücknehmen möchte und einem Versicherungsschein hiermit widerspreche.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen aber mit, dass ich sämtliche, gegenüber der Firma _____ erteilte Vollmachten hiermit widerrufe und bitte um schriftliche Bestätigung. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen 7 Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

  1. Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
  2. Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
  3. Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
  4. Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.

Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nachdem Sie dieses per Fax an die oben genannte Nummer oder per E-Mail an [email protected] geschickt haben, senden Sie es in jedem Fall als Brief (ggf. mit Einschreiben und Rückschein) hinterher und passen auf, dass Sie hier auch eine Antwort erhalten.

Brief an den „Berater“

Auch dem „neuen Berater“ müssen Sie schreiben, denn schließlich haben Sie dort einen Maklerauftrag erteilt und eine Vollmacht ausgesprochen. Diese muss zurück genommen werden. Auch hier ist eine Auskunft nach den gespeicherten und verwendeten Daten sinnvoll. Ebenso ist ein Kontaktverbot ganz hilfreich, da Sie sonst wieder angerufen und erneut bequatscht werden. Name, Aktuelle Anschrift und Tel./ Fax finden Sie auf Ihrem Maklerauftrag oder einfach hier.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich die bestehende Maklervollmacht und den geschlossenen Maklerauftrag ab sofort fristlos. Ich bitte um schriftliche Bestätigung binnen der kommenden 5 Tage nach Zugang dieses Schreibens/ Fax.

Sämtliche weitere Korrespondenz in meinem Namen mit Versicherern, Ärzten oder anderen Beteiligten untersage ich Ihnen. Eine telefonische Kontaktaufnehme untersage ich hiermit ebenfalls vollständig. Eine eventuell erteilte Einwilligung gilt hiermit als widerrufen!

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.
Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nun haben wie schon mal den größten Teil gerettet. Einen haben wir aber noch, die Axa als alten Versicherer. Da der Maklerauftrag auch zur Kündigung berechtigt und weitere Änderungen und Handlungen zulässt, ist auch hier eine Mitteilung wichtig.

Brief an die alte Versicherung, die Axa

„AXA Krankenversicherung AG
Colonia-Allee 10-20
51067 Köln

Fax: 0800 3557035
E-Mail: [email protected]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreiben Ihnen in Bezug auf meine, bei Ihnen bestehende Krankenversicherung mit der Nummer ___________.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen mit, dass ich weder eine Kündigung ausgesprochen habe, noch dieser zustimme. Sollte Ihnen ein Kündigungswunsch der Firma „________“ zugehen, so nehme ich den ausdrücklich zurück. Der bestehende Vertrag soll solange unverändert bleiben, bis ich Ihnen hierzu anderweitige Weisungen erteile.

Auch eine eventuell eingereichte Folgeversicherungsbestätigung der Hanse Merkur ist nichtig, da dort der Vertrag widerrufen wurde.

Eine weitere Korrespondenz mit dem Makler ____________ untersage ich und ziehe eventuell erteilte Vollmachten hiermit zurück. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen 7 Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.
Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nachdem unsere Kundin alles das getan hat, abgeschickt und gefaxt, ist diese aus dem Schlimmsten raus und es kann wenig passieren. Natürlich kann diese, wenn denn doch gekündigt werden soll, den bestehenden Vertrag mit einer normalen Frist von 3 Monaten zum Jahresende beenden. Das aber nur dann, wenn diese es auch wirklich wünscht und ein entsprechender neuer Schutz sinnvoll ist und auch gewünscht.

Glück gehabt, aber viel Arbeit

In unserem Fall hat die Kundin zwar auch erst nach der Unterschrift die Tante Google bemüht, aber dann noch verstanden was sie da genau abgeschlossen hat. Daher nehmen Sie sich diesen Fall zu Herzen und unterschreiben Sie nicht erst und recherchieren und hinterfragen dann. Eine private Krankenversicherung schließt man nicht mal so nebenbei ab. Auch nicht im ersten Termin nach einer Stunde Beratung.

Und immer wenn Ihnen gesagt wird, „Wir stellen erstmal einen Antrag und gucken ob Sie genommen werden“, sollten Sie hellhörig werden. Nicht nur weil es verbindlich ist, sondern auch, weil anonyme Voranfragen das Mittel der Wahl sind. Mehr Informationen warum eine Voranfrage sinnvoll und wichtig ist und warum diese anonym mit qualifizierten Beratern gestellt werden muss, das lesen Sie hier.

„Anonyme Voranfrage – darum braucht es einen qualifizierten Berater“

Haben Sie auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht? Was ist Ihnen passiert? Schreiben Sie es gern in die Kommentare, vielleicht verhindern wir dann gemeinsam weitere Katastrophen bei Menschen, die darauf reinfallen zu drohen.