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31.
Oktober '20

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt…


Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung? Eigentlich sollten wir diese doch Beitragserhöhungen nennen, sagte mir die Tage jemand in einer Beratung. Und ja, oft oder meist ist eine Anpassung eine Erhöhung der Beiträge, auch wenn es Beitragssenkungen in der Krankenversicherung ebenso gab und gibt.

Natürlich bekommt niemand gern Post a la „Sie müssen mehr zahlen“. Ich möchte aber- auch wenn meine Beratung bei einigen Kunden Jahrzehnte zurück liegt- heute einmal das „erklärende Einhorn“ spielen. (Was es mit dem Einhorn auf sich hat, dazu in einem anderen Beitrag einmal mehr.)

Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung – welche Gründe haben diese?

Zunächst einmal gibt es nicht den einen Grund. In meinem Beitrag zu den Beitragsanpassungen der Debeka und dem wenig seriösen Angebot der AXA habe ich bereits einige Erklärungen gegeben. Ich möchte das aber durchaus nutzen, um das Thema Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung hier weiter auszuführen.

Gesundheit kostet Geld und gerade in den heutigen Zeiten sehen wir auch, was uns als Gesellschaft ein stabiles und gutes Gesundheitssystem wert sein sollte und wert ist. Wir haben Menschen, die viel Zeit, Herzblut und Leidenschaft in die Tätigkeit im Gesundheitswesen stecken. Geht es um die Frage der fairen Bezahlung dieser Menschen, denn diese sorgen für eine hochwertige Versorgung, dann rufen alle: „Ja klar!“. Das hat aber auch mit steigenden Kosten zu tun. Auch das medizinische Personal möchte mehr in der Tasche haben für Ihren aufwändigen Job als das Klatschen vom Balkon aus. Wenn wir alle gemeinsam, also Personal in wichtiger Infrastruktur (bei aller Kritik an Geldverschwendung und Ineffizienz in einigen Bereichen) vernünftig entlohnen wollen, dann steigen damit unsere aller Beiträge. Das trifft auf GKV und PKV zu.

„Ich will medizinisches Personal und Pflegeberufe gut bezahlt haben… solange ich es nicht zahlen muss.“

…ist leider eine oft auftretende Meinung und das kann es eben gerade nicht sein. Es sind natürlich Kosten, die anfallen und Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung sind nicht vermeidbar und sogar wichtig und sinnvoll. Schauen wir uns einmal in unseren Nachbarländern um, dann sehen wir schnell wie wir es eigentlich nicht wollen: Die oft gelobten nordischen Länder sind nur solange hochgelobt, bis man krank ist.“ Sprechen sie einmal mit Menschen, die beide Systeme kennen und das nicht nur von einem Schnupfe! Diese hochwertige Gesundheitsvorsorge kostet Geld, viel Geld. Auch wenn wir als Gesellschaft oft und gern jammern und ich jeden sehr gut verstehen kann, der nicht (noch) mehr zahlen möchte, so werden wir auch langfristig in keinem System um steigende Gesundheitskosten herum kommen.

In vielen Beratungen habe ich schon einmal die Zahl „25 Prozent“ in den Raum geworfen. Das wird langfristig, meines Erachtens, der Wert sein (gerechnet vom Brutto), den jeder einzelne irgendwie für seie Gesundheit aufwenden muss. Dabei spielt das System: „GKV“ oder „PKV“ noch gar keine Rolle, es geht um eine generelle Entwicklung.

Wir als Gesellschaft können kaum auf der einen Seite faire Bezahlung und passende Versorgung nach Vollkaskomentalität erwarten, dafür aber Beitragsaufwendungen, wie für eine Minimalversorgung zahlen. Faire Bezahlung der Angestellten und Krankenhäuser kann eben nicht billig sein. Billig ungleich gut!

Das sehen wir auch in anderen Bereichen: „Qualität hat ihren Preis“, diese Aussage klingt vielen noch von den Großeltern in den Ohren und diese sehen wir auch in anderen Lebensbereichen. Doch genug der allgemeinen Zahlen, schauen wir uns die Beiträge einmal genauer an und betrachten die Gründe dieser Entwicklung:

Beitragsanpassungen in der gesetzlichen Krankenversicherung – wie wird hier angepasst?

In der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) sieht die Anpassung ganz anders aus und ist nicht mit der Privaten Krankenversicherung vergleichbar. Zumindest nicht von den Verfahrensweisen. Um die Kosten in der GKV zu senken und/ oder mehr Geld in das (umlagefinanzierte) System zu bringen, hat der Staat mehrere Möglichkeiten:

Steuerzuschüsse zur GKV erhöhen

Durch zusätzliche Mittel aus Steuereinnahmen fließen hier mehr Geld in den „Topf“ der gesetzliche Krankenkassen. Das ist nicht nur aktuell in der Pandemie so, auch sonst werden hier die Kosten teilweise auch aus Steuermitteln (mit-)finanziert. Eine solche Finanzspitze gibt es in der PKV so nicht.

Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung- Erhöhung der Zusatzbeiträge der Kassen (GKV)

Anders als der Beitragssatz, der ist aktuell bei einem Wert von 14,6% des Bruttoeinkommens festgeschrieben, gibt es in der GKV einen kassenabhängigen Zusatzbeitrag. Dieser wird, je nach Krankenkasse, erhoben und mittlerweile auch wieder anteilig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert.

Kommt eine Kasse mit dem Geld nicht hin, so muss der Zusatzbeitrag angepasst werden. Das passiert zum Januar, wie üblich, bei einigen Kassen. Dadurch steigt auch der sogenannte durchschnittliche Zusatzbeitrag an. Im Januar 2021 von 1,1 auf 1,3%. Für die Privatversicherten hat das auch eine Auswirkung, denn mit Anstieg des GKV Zusatzbeitrages steigt auch der Arbeitgeberzuschuss in der privaten Krankenversicherung an, denn die Arbeitgeber müssen auch hier das zahlen, was diese an einen gesetzlich versicherten Arbeitnehmer zahlen würden. Genaue Zahlen zum Arbeitgeberzuschuss sind schon seit längerem bekannt und bei mir im Blog im folgenden Beitrag seit Anfang September zu lesen:

Rechengrößen zur Sozialversicherung 2021, neuer Arbeitgeberzuschuss 2021 und neue Jahresarbeitentgeltgrenze 2021 (vorläufig)

Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze der GKV – auch das sind Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung

Die dritte Option im System der gesetzlichen Kassen liegt in der Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze. Diese Zahl beschreibt, bis zu welchem Einkommen Beiträge gezahlt werden müssen. Lag diese im Jahr 2020 bei 4.687,50 €, so steigt diese auf einen Betrag von 4.837,50 € in 2021.

Auf 150 € mehr Ihres Einkommens müssen somit Menschen, die an der Grenze verdienen, nun zusätzlich Beiträge in die gesetzliche Krankenkasse zahlen. Schauen wir uns das in der Gesamtbeitragsbelastung einmal genauer an:

Der HÖCHSTBEITRAG für einen gesetzlich versicherten Arbeitnehmer in 2020 berechnete sich wie folgt:

4.687,50 € (BBG) * (14,6% GKV + 1,1% Zusatzbeitrag + 3,3% Pflege ohne Kind)

= 890,62 €

ab 2021 ändern sich die ROT markierten Werte

4.837,50 € (BBG) * (14,6% GKV + 1,3% Zusatzbeitrag + 3,3% Pflege ohne Kind)

= 928,80 € (+38,18 €)

Dabei sprechen wir weiter über den reinen GKV-Beitrag. Haben Sie hierzu Zusatzschutz für Bereiche wie Sehhilfen; Hörgeräte; Zahnleistungen; stationäre Ergänzungen (Zweibettzimmer, Privatarzt); Krankentagegeld (was in der GKV für Menschen über BBG zu niedrig ist), dann sind diese dazu zu rechnen.

Ein Arbeitnehmer mit entsprechenden Zusatzversicherungen und Höchstbeitrag in der GKV hat einen Gesamtbeitrag von deutlich über 1.000 €. Davon zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des GKV Beitrages, die Hälfte des Zusatzbeitrages, einen Teil der Pflegeversicherung (den Kinderanteil zahlt nur der Arbeitnehmer) und nichts zur Zusatzversicherung.

In unserem Fall – und bei Zusatzversicherungen von vereinfacht 100 € Monatsbeitrag, entfallen auf den Arbeitnehmer folgende Zahlungen:

in 2020: Krankenversicherung 439,45 € + 11,72 € (Pflege-Extrabeitrag) + 100 € Zusatzversicherungen

= 551,17 €

In 2021 ändern sich die Zahlen durch die rot markierten Werte.

in 2021: Krankenversicherung 458,35 € + 12,09 € (Pflege-Extrabeitrag) + 100 € Zusatzversicherungen

= 570,44 €

Steuerliche Aspekte lasse ich hier bewusst unberücksichtigt, da diese sehr individuell sind. Auch in der PKV berücksichtigen wir diese so nicht. Auch Beitragsrückerstattungen in der Privaten Krankenversicherung werde ich hier nicht heranziehen, diese können sich jederzeit ändern..

GKV: Änderung von Leistungen, Erhöhung von Eigenanteile = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung

In den letzten Jahren- und Jahrzehnten haben sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen verändert. Der Gesetzgeber hat Budgetierungen eingeführt, hat Leistungen verändert und gekürzt, Zahnersatz gestrichen oder Brillen und Sehilfen nun nicht mehr bezahlt. Auch Eigenanteile, wie die Zuzahlung bei Medikamenten oder Krankenhausaufenthalten, ist eine Stellschraube um die Kosten zu drücken. Diese Optionen hat die PKV so nicht. Die Leistungen dort sind garantiert, es sei denn Sie ändern proaktiv Ihren Tarif.

Doch, wie bereits mehrfach geschrieben, ändern sich auch die Rahmenbedingungen der Privaten Krankenversicherung und auch hier steigen die Belastungen. Daher schauen wir uns nun einmal die Möglichkeiten und Varianten an, wie sich hier Beiträge entwicklen oder wovon diese beeinflusst werden können:

steigende Ausgaben in der PKV = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung (PKV)

Dieser Teil ist in der Praxis gar nicht so riesig, wie immer vermutet. Natürlich steigen die Kosten für Arzthonorare, Kosten für Krankenhausbehandlungen und andere Ausgaben der Versicherer weiter an und müssen kompensiert werden. Diese Kostensteigerung ist, je nach Tarif und Versicherer, unterschiedlich, denn auch die Leistungen sind anders.

Haben wir einen „TopTarif“ mit vielen Leistungen, so können auch viele Leistungen teurer werden und die Kosten hier weiter ansteigen. Hat ein Tarif zum Beispiel einhundert Leistungsbestandteile und es werden davon neunzig teurer, dann ist der Anstieg allein rechnerisch schon größer. Ein Tarif mit „nur“ siebzig Leistungen von einhundert möglichen, kann auch nur in den 70 teurer werden.

wir leben länger… JUHU… oder doch nicht?

Natürlich freuen wir uns alle darüber, wenn die Großmutter mit 80, 90 oder sogar 100 Jahren noch lebt. Diese kann Ihre Enkelkinder oder meist schon Urenkel aufwachsen sehen, ist mehr oder weniger fit und erfreut sich des Lebens. Das ist die sehr positive Seite von Medizin und Entwicklung. Aber – so realistisch müssen wir sein – es gibt auch eine negative.

Je länger wir leben, je länger verursachen wir Kosten. Das ist nun eben so. Wer nicht nur 80, sondern 90 wird, der braucht natürlich auch von 80 bis 90 medizinische Leistungen. Diese sind meist deutlich höher im Vergleich zu den Vorjahren. Damit meine ich nicht nur die Kosten in Pflegeeinrichtungen oder bei der Hilfe im Alltag, sondern auch Kosten für Medikamente und Unterstützungen im täglichen Leben.

Ich bin topfit

sagen viele ältere Leute heute. Ich ergänze dann

„weil Sie medizinisch gut versorgt sind.“

Eine solche umfangreiche Medizin ermöglicht uns erst ein langes oder längeres Leben. Überlegen Sie eimal wie das in Ihrer Kindheit war. Wie alt sind Ihre Großeltern oder Urgroßeltern geworden und wie alt sind vielleicht Ihre Eltern heute?

Was passierte vor Jahrzehnten mit einem Patienten, der einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatte, was machen wir heute in der Medizin alles möglich? Ich möchte gar nicht von ethischen Fragen anfangen, wie weit Medizin gehen sollte, das ist ein ganz anderes Thema. Klar ist aber:

Medizin kostet Geld. Jeder Tag länger leben kostet Geld.

Das trifft dann auch, oder gerade, die Private Krankenversicherung. Steigt also die Lebenserwartung der Menschen statistisch an, so MUSS der private Krankenversicherer dafür sorgen, dass am ENDE DES LEBENS GENUG GELD DA IST. Also muss jedes Jahr längeres Leben finanziert werden.

In der GKV verlagern wir das Problem des langen Lebens an das Ende und denken uns: „sollen sich unsere Kinder später darum kümmern“, in der PKV machen wir das nicht, da dürfen die Versicherer es auch nicht.

sinkende Zinsen = Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung (PKV)

Das aktuell aber größte Thema bei Anpassungen in der Privaten Krankenversicherung ist gar nicht die Kostensteigerung oder das „lange Leben“. Das aktuelle Thema ist die Phase der Niedrigzinsen.

Stellen wir uns vor, wir brauchen in 35 Jahren (also ein heute 32jähriger) einen Betrag von 200.000 € um die Kosten seiner/ Ihrer Gesundheitsvorsorge bis zum Lebensende aufrecht zu erhalten. Was glauben Sie, müssen Sie dafür monatlich bei einem Zins von 3,5%, 3%, 2%, 1,5% oder 1% anlegen? Also wie verändert sich der Monatsbeitrag bei sinkenden Zinsen, wenn am Ende gleich viel Geld „rauskommen“ soll.

Die Lösung. Um 200.000 € in 35 Jahren zu haben, braucht es (mit Zinseszinsen) bei:

3,5% einen monatlichen Betrag von ca. 245 € bei

3,0% braucht es da schon 271 €

bei 2% schon 329 €

bei 1,5% ca. 362 €

und wenn ich nur noch 1% erreiche, dann: 397 €

Das heißt in unserem Beispiel. Würde ein Versicherer statt 3% nun nur noch 2% Zins erreichen können, dann braucht es hier eine monatliche Beitragssteigerung von 58 €, um nur diesen Verlust auszugleichen. Für 1% weniger Zinsen in der Anlage über einen Zeitraum von 35 Jahren braucht es also eine Beitragssteigerung von 21 Prozent!

Die Niedrigzinsphase geht an keinem Lebensbereich direkt oder indirekt vorbei, und es ist eben nicht der „böse Versicherer“ sondern die wirtschaftliche Lage insgesamt. Dazu kommt, einige Parteien sind nicht so böse, wenn man der PKV „schlimme Beitragserhöhungen“ in die Schuhe schieben kann.

Klar werden- und wurden hier auch Fehler gemacht und Tarife waren- und sind zu billig. Dennoch gibt viele Bausteine in dem Puzzle, welche die Versicherer lieber gestern als heute ändern würden, politisch aber nicht gemacht wurden und werden.

Das sehen wir in der Altersvorsorge und auch in der Krankenversicherung, dazu kommen strenge Regeln der Geldanlage. Klar soll das Geld sicher sein, aber viel Sicherheit ist auch wenig Rendite. Klar kann auf Ihrem Sparbuch das Geld (FAST) nicht weg sein, bringt aber eben auch nix. Legen Sie das Geld spekulativ(er) an, so sind auch 4 oder 5% keine Seltenheiten, aber eben auch hier steigt das Risiko. Der Gesetzgeber und die entsprechenden Verordnungen, schreiben hier aber den Versicherern vor, wie und wo diese anlegen dürfen. Das ist- bis zu einem gewissen Grad- auch gut so. So wird vermieden, dass hier Geld „verzockt wird“.

Übrigens: Steigen die (Anlage-)Zinsen wieder, das wird es auch wieder geben, dann profitieren auch die Versicherten davon. Gesetzlich garantiert wandern dann 90% der Überschüsse in die Rückstellungen und wirken somit beitragsmindernd oder stabilisierend.

Noch ergänzend als Beispiel: 

Hat ein Versicherer bisher mit einem Rechnungszins von 3,5% (in den alten Bixestarifen) oder 2,75% oder 2,5% in den Unisextarifen kalkuliert und senkt den Rechnungszins nun auf 2% ab, dann MUSS dieses zu höheren Beiträgen führen und macht den Tarif sicherer. Sie erinnern sich an meine Rechnung von eben?

Nur ein Prozent Senkung im Rechnungszins löst knapp 21% Anpassung aus. (BEISPIELHAFT) Wer als Versicherer später anpasst (weil er nicht darf, kann oder will und den Rechnungszins daher weiter „zu hoch“ lässt), der kann Glück haben, wenn die Zinsen schnell wieder steigen oder richtig auf die Nase fallen, wenn dem nicht so ist.

Klar haben Sie dann heute keine Beitragsanpassung und zahlen weniger, aber zukünftig wird es um so höher angepasst, denn auch Zinseszinsen müssen nun auch noch nachgeholt werden.

Welche Kosten kalkuliert der Versicherer?

Nehmen wir einen Versicherer mit blauem Logo. Dieser bekannte und leistungsfähige Versicherer geht in seiner Kalkulation davon aus, dass Menschen sogar über hundert Jahre alt werden und bis zu diesem Zeitpunkt auch genug Geld da sein muss. Sterben diese früher, war es vielleicht zu vorsichtig, aber „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, Sie kennen das.

Nun unterstellen wir einen Versicherten, der mit 35 Jahren in die PKV wechselt. Im Schnitt über alle Versicherten geht unser Beispielversicherer hier davon aus, dass im Laufe des Lebens pro Kunde durchschnittlich 500.000 € Kosten zu erstatten sind. Interessant dazu auch meine Serie #WasKostetEigentlich.

–> Hier Beispiele zu der Frage „Was kostet eigentlich…“

500.000 € Kosten bis zum 100. Lebensjahr. Irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Kostet also ein anderer Tarif mit „fast gleichen“ Leistungen deutlich weniger, dann haben wir hier zwei, drei Möglichkeiten:

  • – Versicherer ist „fies“ und hat sich Formulierungen in die Bedingungen geschrieben, welche ihm ermöglichen, nicht oder weniger zu leisten = gemein!
  • – Die Kunden bei diesem Versicherer werden nicht oder weniger krank = eher unwahrscheinlich!
  • – Der Versicherer rechnet mit höheren Zinsen = kann klappen, muss aber nicht!
  • – Der Versicherer glaubt an das frühe Ableben = kann klappen, aber eher unschön!

Jetzt haben Sie generell zwei Optionen: Geld sparen im Tarif und damit etwas höhere Lohnsteuer (siehe hier) zahlen. Dann sollten Sie aber ungeachtet dessen, selbst Geld zusätzlich zurücklegen. (Tipps und Hinweise für meine Kunden gern in einer direkten Beratung, das macht es sonst hier noch Seiten länger. Das kann, muss aber nicht, ein Beitragsentlastungsbaustein sein.

Zweite Option: Sie wählen einen Versicherer mit geringerem Rechnungszins und einer eher vorsichtigen Kalkulation und merken im Alter, zu vorsichtig gewesen zu sein. Ist jetzt nicht so schlecht!

KLAR IST: Nur weil Sie bei Unternehmen A oder B sind, werden Sie nicht mehr oder weniger krank. Stellschrauben sind also nur Leistungen, Bedingungen und/ oder Rückstellungen.

Wann darf denn der Versicherer überhaupt anpassen?

Zuerst einmal ist wichtig zu verstehen, wie Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung überhaupt zu Stande kommen. Dabei werden die Versicherungsleistungen (die ausgezahlt werden/wurden) mit denen verglichen, die kalkuliert werden. Dann ergibt sich hierdurch ein Unterschiedsbetrag. Unterscheidet sich dieser Betrag (auslösender Faktor) um 10 Prozent (wie der Gesetzgeber es regelt), dann muss der Versicherer anpassen. In neueren Verträgen ist die Grenze schon bei 5 Prozent um hier schneller reagieren zu können.

Erreicht aber ein Versicherer diesen auslösenden Faktor nicht, dann „schleppt er den Bedarf zur Anpassung“ über Jahre mit. Erst wenn dieser Faktor erreicht ist, erst dann darf der Versicherer die Beiträge erhöhen. Alles, was dann aber angesammelt wurde, in den letzten Jahren, MUSS JETZT mit angepasst werden.

Beispiel: Ein Tarif wurde zuletzt im Jahr 2015 angepasst. In 2016, 17, 18, 19 gab es keine Anpassung, da die 10% (oder 5% bei neueren Tarifen) nicht erreicht wurden. Nehmen wir weiter an, wir wären jeweils nur knapp unter dem Wert geblieben, also mal 9, mal 8 mal 6% die nötig waren, aber nicht angepasst werden durften.

Nun folgt in 2020 ein Überschreiten der Grenze und alles, was noch „offen an Anpassungen ist“ muss nachgeholt werden.

Mir persönlich wären andere Regelungen auch lieber. Also lieber jährlich 1, 2, 3, 4% Anpassung, statt 5 Jahre nichts und dann 17% wie bei der Debeka aktuell, oder 10- 14% bei anderen Unternehmen. Das möchte aber der Gesetzgeber so nicht, dann fehlen ja negative Schlagzeilen.

Nehmen wir also einen Kunden, der schon 6 Jahre bei „Unternehmen A“ ist. Angepasst wurde zuletzt vor fünf Jahren, dann fünf Jahre nicht, jetzt wieder mit 15%. Für diesen Kunden ist „alles gut“. Anpassung kam lange nicht, da wurden Beiträge gespart, jetzt kommt die (nachgeholte) Anpassung.

Für den zweiten Kunden, der gerade erst zum 01.01.2020 gewechselt ist, für den sieht es anders aus. Der ärgert sich über die Anpassung mehr, denn es ist „seine erste und gleich eine große“. In fünf Jahren sieht er das dann wieder anders.

Beitragsanpassungen kommen NIE ZUM PERFEKTEN Zeitraum, aber man muss sich überlegen, ob man lieber jetzt (wenn das Einkommen höher ist) investiert oder im Alter, mit kleinerer Rente/ kleinerem Einkommen, dann diese Fehler ausbügeln muss.

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – was sollten Sie tun?

Hatten Sie bei Abschluss Ihren Versicherer sorgfältig ausgesucht, sich bei der Auswahl Gedanken zu Zielen und Wüschen gemacht? Hatten Sie sich überlegt warum Ihnen diese oder jene Leistung wichtig oder weiter wichtig ist, dann lehnen Sie sich zurück, es gesteht hier wenig Handlungsbedarf.

Sie sind in einem Tarif der- auch nach einer Anpassung- die oben genannten Werte der gesetzlichen Krankenkasse zuzüglich einer Zusatzversicherung (ca. 570 € nach Arbeitgeberanteil), also ca. 970 €, nicht erreicht?

Dann würde ich den Tarif heute nicht ändern. Vorausgesetzt immer, man kann und will sich diese Leistung leisten. Es heißt ja nicht: „Nur weil es Luxusautos gibt, muss ich diese auch haben.“ Wenn mir aber meine Versorgung wichtig ist und genau solche Leistungen für eine optimale Versorgung ausgesucht waren, dann kosten diese eben auch entsprechend Geld.

Klar würde ich Ihnen jetzt gern raten: Specken Sie Ihren Tarif ab, erhöhen Sie die Selbstbeteiligung, die Sie vielleicht heute eh nicht brauchen oder ähnliches. Auch werden „windige Berater“ (Nepper, Schlepper, Bauernfänger – wie hier beschrieben) mit „wehenden Fahnen durch die Gegend laufen“, wie schlimm Versicherer A, B oder F seien. Na und?

Lassen Sie sich vorschreiben welches Auto, welches Haus oder sonstiges Sie haben? Wo Sie essen gehen sollten, weil es doch auch viel billiger geht?

Nochmals ganz deutlich: Gesundheit kostet Geld. Viel Geld. Was es Ihnen wert ist, muss jeder für sich allein entscheiden und überlegen. Auch muss jeder selbst ganz allein überlegen, welche Versorgung für die Kinder, die Familie insgesamt und für sich selbst die passende ist. Will ich das Geld lieber in einen hochwertigen Schutz investieren und Leistungen erstattet bekommen, oder zahle ich im Fall der Fälle einfach die Kosten selbst? Kann ich mir das zu dem Zeitpunkt dann (noch) leisten?

Beitragserhöhung in der PKV und Vorsicht vor den Neppern, Schleppern, Bauernfängern!

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – Schritt für Schritt

1.) Tun Sie NICHTS ÜBEREILTES und UNÜBERLEGTES

2.) Sie müssen jetzt und sofort gar nichts, warum auch. Tarifwechsel und Änderungen sind nicht an das Jahresende gebunden. Kündigen ist nur die letzte Option! Klar ist aber auch, wer seine Zeit beim damaligen Abschluss nicht sorgfältig genutzt hat und sich informierte, der kann und sollte das jetzt nachholen. Ob Sie danach wechseln, sich entschieden dort zu bleiben und mit mehr Wissen über den Tarif da zufrieden sind, oder ganz neu anfangen- Ihre Entscheidung!

3.) Änderungen von Komponenten zur Beitragsentlastung sind denkbar, aber auch hier nur, wenn man das Geld im Alter nicht braucht. Jetzt, mit höherem Einkommen, höherem Steuersatz Beträge zurück zu legen um diese dann im Alter zu haben, ist meist die bessere Wahl.

4.) Tarifänderungen sollten gut überlegt werden, denn: „Warum hatten Sie sich noch für genau diese Leistungen und Tarife entschieden?“

5.) Fragen Sie gern: Telefonisch, per Mail oder via Kontaktformular oder nutzen den LiveChat (der leidet zeitlich gerade etwas bei vielen anderen offenen Beratungen, sorry dafür). Dennoch versuche ich mir Zeit zu nehmen. Für jede und jeden einzelnen und beantworte Ihnen auch gern als (Nichtkunde) Ihre Fragen, soweit es zeitlich irgendwie einzurichten ist.

Das ich das, was ich tue, gern tue und viel Spaß daran habe, das lassen sie sich am besten von 149 Referenzen zu meiner Beratung erklären. Hier bewerten Kunden warum ich anders bin, ein Einhorn eben.

Sie sind bis hier mit dem Lesen gekommen? HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH. So- und genau so kenne ich das von vielen meiner Kunden. Manchmal ist es wichtig und richtig nach einem ersten Telefonat von etwas abzuraten, ganz gehen das eigene „Geschäft“, dafür aber ruhig und zufrieden abends eizuschlafen. Informieren in absoluter Detailtiefe, welche Ihnen eine fundierte Entscheidung ermöglicht und so eine Basis schafft, um sich ganz in Ruhe Gedanken zu machen. Es treibt Sie niemand, niemals!

Ihre Versicherer, egal ob Hallesche, Barmenia, Debeka, Axa, Hanse Merkur oder wo auch immer Sie aktuell versichert sind, werden Ihnen auch noch weitere Informationen zu der Anpassung liefern. Und nein, das ist kein „Schönreden“, das ist Realität und betrifft uns nun einmal alle.

Zu Beginn meiner Ausbildung waren vier, fünf, oder mehr Prozent für täglich verfügbare Geldanlagen noch möglich und Festgelder hatten acht und neun Prozent Rendite. Dafür waren Baufinanzierungen und Kredite teurer, es war eine andere Zeit. Aktuell ist es etwas anders und das Ansparen in Fonds und ähnlichem ist derzeit besser denn je. Aktienmärkte schwanken stark, bieten aber dafür auch Chancen. Und … die wirtschaftliche (Welt)-Situation ist aktuell gerade sowieso außergewöhnlich.

Daher… machen Sie ganz in Ruhe, wir bekommen das alle gemeinsam hin und … es wird auch wieder besser. Versprochen!

Wenn Sie am Ende etwas mehr Verständnis und Hintergrundwissen für Ihre Beitragsanpassungen in der Krankenversicherung bekommen haben und auch andere von dem Wissen profitieren lassen wollen, teilen Sie den Artikel gern in (ihren) sozialen Netzwerken. Wissen ist Macht und Nichtwissen führt leider zu unüberlegten Handlungen oder zum Reinfall auf „Nepper, Schlepper und Bauernfänger„.

14.
September '20

Focus Money testet die besten PKV-Angebote – eigenwillig und ungeeignet


Neues Jahr, neues Glück. Zumindest hat man sich das anscheinend beim Focus Money PKV Test mit dem Titel: „Die besten PKV-Angebote im Check: Hier finden Sie den für Sie passenden Tarif“ gedacht. Zumindest Geld müssen Sie hierfür nicht ausgeben, da der Test vollständig online zur Verfügung steht. Warum Sie das Geld für so einen Test auch lieber nicht ausgeben sollten, das schauen wir uns hier einmal gemeinsam an. Auch in der Vergangenheit hatte Focus Money mit den PKV Tests nicht wirklich viel Glück, Wissen leider auch nicht. Die letzte Glanzleistung hatte sich Focus Money bereits in 2017 geleistet, wobei auch die Tests in 2009 und -10 nicht besser waren. Alle Beiträge zum Focus Money PKV Test finden Sie hier.

Eines sei aber vorab erwähnt. Es ist ein wenig besser geworden, also zumindest der Ansatz und die Unterstützung, die man sich geholt hat. KVpro mit ins Boot zu nehmen und sich so zumindest Fachwissen einkaufen zu können ist ganz gut gedacht. Leider auch diesmal schlecht bzw. falsch umgesetzt.Focus Money PKV Test 2020

Es nützt eben wenig sich externer Experten zu bedienen, wenn man dann doch sein eigenes Muster drum herum strickt. Klar, muss am Ende ja auch etwas werden, wofür es Abnehmer gibt. So werden zumindest einige der „Testsieger“ mit einem Urteil werben und das Siegel oder Sonderdrucke kaufen.

Focus Money PKV Test – die Testsieger

Wer also demnächst ein Siegel von einem „Focus Money Urteil“ liest, der sollte vorher auch den Test und die Details hierzu gelesen und verstanden haben. Dabei können folgende Versicherer mit Siegeln werben, mal sehen wer es auch tun wird.

  • Allianz mit dem Tarif AktiMed Best – sehr gut

  • Alte Oldenburger mit der Tarifkombination A112, K20, Z100/80 – sehr gut

  • Axa mit den Tarifen Vital-300U, KHR-U, Prem Zahn-U) – sehr gut

  • Barmenia mit dem Tarif expert 2+ (EXP2) – sehr gut

  • Bayrische Beamten mit dem Tarif Gesundheit Vario – sehr gut

  • Concordia mit der Kombination VV Plus, AV2, SV1, ZV1 – sehr gut

  • DKV mit dem Tarif BestMed Komfort BMK/1 – sehr gut

  • Generali (vorher Central) mit dem GesundPro1 – vertrieben über die DVAG Dt. Vermögensberatung – sehr gut

  • Gothaer mit dem Tarif MediVita 500, MediMPlus und MediNaturaP, MediPrävent und MediClinic – sehr gut

  • Hanse Merkur mit dem Tarif AZP „Pro Fit“ – sehr gut – hier Details zum Tarif

  • Debeka mit dem Tarif N – hervorragend

  • Hallesche mit dem Tarif NK.2 – hervorragend – fragwürdige Tarifauswahl, da NK Bonus vorhanden

  • Inter mit der Kombination AM12, S1, Z9 – sehr gut

  • SDK mit den Tarifen ? – stimmen hier leider nicht – aber sehr gut

  • Signal Iduna Tarife sind ebenfalls falsch im Test – aber sehr gut

  • UKV mit dem Gesundheit Vario – sehr gut

  • Universa mit dem Uni-A 620, uni.ST1/100 und uni-ZA100 – sehr gut

  • R+V mit dem Agil Premium – sehr gut

  • Dt. Ring, Tarif Prime – befriedigend, gäbe aber andere Tarife für den Test

Schon auf den ersten Blick zeigen sich offensichtliche Fehler. Beim Dt. Ring gäbe es durchaus andere Tarife, welche die fragwürdigen Mindestkriterien der Tester erfüllen können. Der Prime ist leistungsmäßig und ohne SB gänzlich anders zu bewerten und schwer vergleichbar.

Der SDK und der Signal wurden hier Tarife angedichtet, welche diese gar nicht haben.

Signal Iduna Focus Money

Die Signal besitzt keinen solchen Tarif, dieser gehörter UKV oder BBKK, dann stimmen aber die Beiträge nicht

SDK Focus Money

Auch die SDK hat keinen solchen Tarif, sondern Bausteintarife. Auch hier passen die Beiträge nicht. Diese Tarife gehören übrigens zur Signal

Sie können ja einmal in den nächsten Wochen auf die Internetseiten der Versicherer schauen und sehen, wer denn nun mit dem Testsiegel wirbt und sich dann Ihr eigenes Bild machen. Wir schauen uns nun aber einmal die Mindestkriterien und den Aufbau des Tests an. Schon in der Vergangenheit habe ich in diesem Beitrag erklärt, warum solche Tests zur Tarifauswahl ungeeignet und sogar gefährlich sind. Das gilt und galt auch bei den PKV Tests in Finanztest, auch hier ist es nicht anders.

Focus Money PKV Test – Zusammensetzung der Gesamtbewertung

Bei der Gewichtung der Kriterien hat Focus Money auch im PKV Test 2020 so gar nichts gelernt. Schauen wir uns daher zunächst einmal an, welche drei großen Kriterien in die Gesamtnote einfließen:

Kapitalstärke des Unternehmens – zu 20%

Einleitend schreibt Focus Money im Test dann auch: „Auf die Bonität des Anbieters achten“ und weiter „Auch bei privaten Krankenversicherungspolicen ist die Finanzstärke des Anbieters wichtig, ….“. Die Frage welches Rating man denn genutzt hat, löst Focus Money pragmatisch.

„Haben PKV Gesellschaften mehrere Beurteilungen, gilt jeweils das beste Rating.“

Klar, sich die Mühe zu machen und das aktuellste oder einen Mittelwert zu wählen, das macht Arbeit und vielleicht auch das Ergebnis schlechter. Daher nehmen wir einfach das beste Rating, wird schon irgendwie stimmen. Und falls nicht, macht ja nix, ist ja nicht unser Rating. Zumindest bildet aber Focus Money einige Ratings in der Auswahl ab und zeigt diese auch online in einer Tabelle.

(heutiger) Beitrag – zu 40%

Den heute zu zahlenden Beitrag hat Focus Money dann auch gleich mit fast der Hälfte der Gesamtnote bewertet. Das ist insbesondere zum Jahresende mehr als fragwürdig, da Anpassungen der Beiträge anstehen und bei den Gesellschaften ganz unterschiedlich ausfallen. Auch eine Angabe wann denn dieser Tarif das letzte Mal angepasst wurde und so zumindest eine grobe Einschätzung einer solchen Beitragszahl fehlt im Test gänzlich. Zudem ist es eine absolute Momentaufnahme und keinerlei Garantie für die Zukunft. Warum diese momentane Aufnahme nahezu ohne jedwede Aussagekraft dann fast die Hälfte der Gesamtnote ausmachen soll, das vermag ich hier nicht zu beurteilen.

Ein Versicherer, welcher bewusst neue Tarife knapp kalkuliert an den Markt bringt, der wird hier mit einer besseren Bewertung belohnt. Versicherer, die aber vorsichtig und nachhaltig kalkulieren und damit (berechtigt) höhere Beiträge für hohe Leistungen haben, werden abgestraft.

Focus Money PKV Test Gewichtung

(vertraglich garantierter) Leistungsumfang des Tarifes – zu 40%

Kommen wir nun zu dem wichtigen Punkt, die Leistungen des Tarifes. Dieser, und nur dieser, Punkt ist der einzig garantierte Part in den gesamten Testbedingungen. Nur die Leistungen sind vertraglich garantiert und können vom Versicherer nicht einseitig geändert werden.

Mit dieser wichtigen Vertragsgrundlage entscheide ich in Zukunft darüber, ob und welche Leistungen ich aus meinem Vertrag bekommen und welche ich auch rechtssicher einklagen kann. Bei dem Abschluss eines PKV Vertrages kaufen Sie Bedingungen (garantiert), einen aktuellen Beitrag (nicht garantiert) und ein Unternehmen und eine Kapitalstärke (nicht garantiert). Welchem der Bereiche messen Sie die höchste Bedeutung bei?

Es ist natürlich wichtig Beiträge bezahlbar und kalkulierbar zu halten. Aber diese Aufteilung widerspricht einer vernünftigen Bewertung schon deshalb, weil es 60% der Gesamtnote nicht garantierte Anteile enthält die morgen, oder spätestens am 1.1. 2021 wieder ganz anders aussehen können.

Focus Money PKV Test – Kriterien für einen Topschutz (lt. Focus)

Nun wird das eine mehrteilige Reihe im Focus und begonnen wurde mit den Toptarifen der Branche. Also schauen wir einmal genauer auf die Kriterien, welche für den 35jährigen Musterkunden zu Grunde gelegt wurden. Der Kunde (egal ob männlich oder weiblich, da Unisextarife) ist Angestellt und somit wird auch in der Betrachtung des Focus nur der Arbeitnehmeranteil zu Grunde gelegt.

Damit der Tarif überhaupt ein TOP Schutz sein kann, müssen folgende Merkmale erfüllt sein.

  • – maximaler Selbstbehalt (ambulant, stationär, Zahn) von maximal 750 € pro Jahr
  • – es müssen 110 € Krankentagegeld versicherbar sein (warum das irgendwo nicht gehen sollte, erschließt sich nicht)
  • – ambulant freie Arztwahl, also kein Primär- oder Hausarzttarif
  • – Erstattung bis Höchstsätze GOÄ
  • – 100% Kostenübernahme für allo-dargepatische und homöopathische Arzneimittel
  • – 80% für Psychotherapie
  • – offener Hilfsmittelkatalog
  • – Erstattung von Krankenfahrstühlen
  • – Erstattung von Heilpraktikerleistungen
  • – stationär mind. Zweibettzimmer + Privatarzt
  • – stationär bis GOÄ Höchstsätze
  • – stationäre Transportkosten und 6 Wochen Psychotherapie
  • – Zahnleistungen mind. 75% Zahnersatz, 70% Inlays, 90% für Zahnbehandlung
  • – Gnathologie und Material-Laborkosten müssen übernommen werden

Welche eine spannende Auswahl. Und ohne auf jedes einzelne Kriterium eingehen zu wollen. TOP Tarife beschreiben diese Kriterien ganz sicher nicht. Einen guten, durchschnittlichen Schutz in jedem Fall. TOP bedeutet aber auch Leistungen über die Höchstsätze der Gebührenordnung. Die doch so wichtige Erstattung von Zuckerkügelchen scheint dem Autor oder Tester scheinbar aber ein persönliches Anliegen zu sein, was sonst hat das in einer KRANKENversicherung zu suchen? Ob der Versicherer hier bei den 80% Psychotherapie vielleicht auf eine bestimmte Anzahl Sitzungen begrenzt oder gar nur bestimmte Behandler zulässt, ist auch egal.

Fragwürdig ist auch die Anforderung an einige andere Bereiche. Keine Qualitäts- oder Ausstattungsanforderungen an Hilfsmittel, keine an Heilmittel. Kein Wort zu Höchstgrenzen, Betragsbegrenzungen bei Rollstühlen, nichts zu ambulanten Transporten bei schweren Krankheiten.

Auch im stationären Bereich reichen anscheinend GOÄ Höchstsätze, keine „Top-Leistungen“ in einem Toptarif. Spannender Ansatz. Das einige der Tarife (z.Bsp. Hallesche NK) die gesetzten Mindestkriterien zum Beispiel bei Zahnersatz nicht erfüllen liegt wohl auch an einer eigenwilligen Darstellung der Software. Der Tarif NK zahlt 100% für die ersten 550 € pro Jahr, danach 75% bei Zahnbehandlung. Wie das mit 90% Zahnbehandlung in Einklang zu bringen ist, das beantworte wohl nur die Mathematik des Focus.

Focus Money PKV Test – Selbstbeteiligung und „eSB“

Wie, den Begriff eSB haben Sie noch nie gehört? Nun, hier wird der normale Selbstbehalt nicht als Maßstab genommen. Entgegen der üblichen Regelung den maximalen Selbstbehalt (denn das ist der Betrag, den Sie schlichtweg haben müssen, weil er anfallen kann)zu nehmen, wird hier mit statistischen Wahrscheinlichkeiten gerechnet. Hier wird also hinterfragt wie oft der durchschnittliche Kunde mit 35 zum Arzt geht, welche Kosten dadurch entstehen und diese Kosten werden dann wiederum als „fiktiver SB“ angenommen.

Blöd nur, wenn Sie den PKV Schutz auch nutzen (müssen) und dummerweise auch noch krank sind. Dann interessiert Sie nämlich die Statistik und das was andere Kunden so haben gar nicht. Sie sind der-/diejenige, welche die volle Selbstbeteiligung plötzlich aus eigener Tasche bezahlen muss. Ist das Geld dann nicht da oder nicht eingeplant, weil man Ihnen den Tarif schön gerechnet hat, dann sieht es eher düster aus.

Nochmals ganz deutlich:

Die Private Krankenversicherung ist kein Sparschwein – sie sichert Gesundheitsleistungen

Auch ist eine Beitragsrückerstattung keine kalkulierbare Größe und die Zahlen die Focus Money hier auswirft sind irreführend und verleiten zu falschen Annahmen. Klar ist es nett, falls der Versicherer Ihnen Geld zurückzahlt da Sie gesund sind. Bedenken Sie dabei bitte aber 1.) die steuerlichen Auswirkungen und 2.) die nicht planbare Zahlung. Bis auf wenige garantierte Modelle ist die Rückzahlung vom Versicherer jederzeit für die Zukunft änderbar und zu kürzen oder kann gestrichen werden.

Focus Money nimmt aber diesen eSB Betrag, schlägt den auf den Arbeitnehmeranteil drauf und vergibt dann eine Note. bis 330 € ist die Note 1, über 510 € die Note 6. Dabei sind hier Tarife in dem Vergleich, welche sich in unzähligen Bereichen und Kriterien unterscheiden. Tarife, welche von Mittelklasse bis High End Schutz gehen können und dennoch wird diese unsinnige Einstufung vorgenommen.

Focus Money PKV Test – fragwürdige Tarifauswahl

Neben den offensichtlichen Fehlern im Test, Tarifen die es bei Gesellschaften gar nicht gibt und handwerklichen Fehlern geht es noch weiter. Da werden Tarife und Kombinationen einfach vergessen. Beispiel Hallesche. Der Tarif NK2 mit 600 € SB wird berücksichtigt. Der Tarif NK Bonus (ohne SB, 60 € monatlicher Bonus, sonst gleiche Leistungen) findet in der Betrachtung aber nicht statt.

Für den Tarif NK Bonus sähe das dann so aus: (Werte in ROT)

Hallesche

Tarifkombination: NK.2, PVN, KT.43 / NK.Bonus, PVN, KT43
KVpro-Leistungsrating: A++ / A++
Monatsbeitrag: 599,35 / 655,22
Arbeitnehmer-Anteil (AN): 299,68 / 327,61
jährl. max. Selbstbehalt: 600 / 0 – abzüglich BONUS 720 € garantiert
erwarteter Selbstbehalt (eSB)1: 503,25 / 0
AN-Anteil inkl. eSB2: 341,62 / 327,61 ohne Bonus, 267,61 mit Bonus
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 1 Jahr: 468,74 / 519,22
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 2 Jahren: 703,11 / 778,83
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 3 Jahren: 937,48 / 1.038,44
Finanzstärke (von): A+ (Assekurata, B)
Bewertung: Hervorragend

Bei der Inter gibt es zudem auch Tarife, die diese gar nicht haben. Das sind im Übrigen Tarife der SDK, die hatten aber schon die Tarife der Signal. Was dazu kommt. Eine Selbstbeteiligung von 600 € wie der Focus schreibt, die gibt es aber auch in den Tarifen AM12 der SDK nicht, die übrigens 480 € SB ambulant haben.

Tarife der Inter bei Focus Money

Tarife der Inter – gibt es aber so gar nicht und gehören zur SDK, die SB gibt es aber auch hier nicht mit 600 €

Focus Money PKV Test – falsche Tarife, falsche Daten, unbrauchbarer Test

Leider muss sich hier der Focus oder die Focus Money Redaktion durchaus die Frage gefallen lassen, wer diesen Unsinn abgesegnet hat – keine Ahnung. Der Test strotzt vor falschen Angaben und Annahmen, gibt sehr eigenwillige Tipp und Hinweise und zielt anscheinend auf das Verkaufen von Testsiegeln ab.

Bevor Sie sich also an so einem Test orientieren und damit lebenslange falsche und fatale Entscheidungen treffen, suchen Sie sich Hilfe und beschäftigen sich mit dem Thema. Die Auswahl ist nicht einfach, die Auswahl einer PKV geht nicht schnell und Beratung kostet Zeit und macht Arbeit. In meinem Beitrag vom Wochenende habe ich Ihnen den Ablauf einer PKV Beratung beschrieben.

Individuelle Beratung zu Berufsunfähigkeit und PKV – Vorbereitung auf Ihr Beratungsgespräch

Beschäftigen Sie sich zudem mit den AUSWAHLKRITERIEN einer Privaten Krankenversicherung und lesen den Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und schauen sich einmal den Kriterienfragebogen an. Schnell werden Sie erkennen welche Fragen notwendig sind, um eine fundierte Beratung zu erhalten. Das was Focus Money hier veröffentlicht ist fahrlässig und falsch. Würde ich als Makler so einen Mist beraten müsste ich dafür haften. Leider müssen das Journalisten nicht.

Bei Fragen nutzen Sie gern den LiveChat oder das die Kontaktseite.

Weiterführende Links:

Übrigens… wenn Sie Versicherer finden, welche mit diesem Siegel werben, dann gern hier als Kommentar posten.

27.
August '20

Verdienstausfall in der Quarantäne – wer zahlt und welche Auswirkungen hat es auf meine Krankenversicherung?


Das Thema Corona begleitet uns weiter, ich hatte in der Vergangenheit schon etwas zu Test und anderen COVID 19 Themen hier im Blog geschrieben. Heute geht es aber um ein etwas anderen Thema, den Verdienstausfall bei Quarantäne und die damit zusammenhängenden Folgen für gesetzlich oder privat versicherte Kunden. Ebenfalls schauen wir uns kurz die Frage der Erstattung des Verdienstausfalls im Falle einer angeordneten Quarantäne an.

In diesem Artikel finden Sie daher Informationen zu folgenden Fragen:

  • – Wer zahlt meinen Verdienstausfall als Arbeitnehmer, falls ich in Quarantäne muss? [siehe auch UPDATE]

  • – Wer zahlt meinen Verdienstausfall als Selbstständiger/ Freiberufler, falls ich in Quarantäne muss?

  • – Wie wirken sich die Entschädigungen auf meine Pflichtversicherung als Arbeitnehmer aus?

  • – Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich freiwillig gesetzlich versichert bin?

  • – Werde ich durch eine solche Entschädigung wieder versicherungspflichtig?

  • – Wie werden die Leistungen in Bezug auf die Beitragspflicht bewertet?

Fangen wir also einmal an es etwas genauer anzuschauen. Dazu ist zu beachten, dass elf Bundesländer einen einheitlichen Onlineantrag nutzen, um die Entschädigung bei Quarantäne zu beantragen. Nur die anderen machen eine Ausnahme.

Wer zahlt meinen Verdienstausfall als Arbeitnehmer, falls ich in Quarantäne muss?

[UPDATE 28.08.2020]

NACH AKTUALISIERTEN PLÄNEN DER BUNDESREGIERUNG SOLL ES EINE ÄNDERUNG DES INFEKTIONSSCHUTZGESETZES GEBEN. Hierbei geht es vorrangig darum, „selbstverschuldete“ Quarantäne bei Urlaubsreisen in Risikogebiete nicht mehr bei dem Verdienstausfall zu berücksichtigen. Das ändert aber nichts an angeordnete Quarantäne bei Kontakt mit Personen in Schule, Kita, beruflichen Kontakten oder der eigenen Infektion oder den Verdacht.

Grundlage für eine solche Erstattung des Verdienstausfalls bzw. eine solche Entschädigung ist der Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes. Dabei heißt es dort:

Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG)
§ 56 Entschädigung
(1) Wer auf Grund dieses Gesetzes als Ausscheider, Ansteckungsverdächtiger, Krankheitsverdächtiger oder als sonstiger Träger von Krankheitserregern im Sinne von § 31 Satz 2 Verboten in der Ausübung seiner bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegt oder unterworfen wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet, erhält eine Entschädigung in Geld. Das Gleiche gilt für Personen, die als Ausscheider, Ansteckungsverdächtige oder Krankheitsverdächtige abgesondert wurden oder werden, bei Ausscheidern jedoch nur, wenn sie andere Schutzmaßnahmen nicht befolgen können. […]

Die Entschädigung wird bei Arbeitnehmern durch den Arbeitgeber als ausführende und auszahlende Stelle geleistet und koordiniert, dieser kann im Anschluss eine entsprechende Erstattung beantragen. Dafür steht für die meisten Bundesländer ein entsprechendes online Portal zur Verfügung.

Als Alternativen zur Onlineantragstellung stehen auf dem Portal auch die Anträge als pdf zur Verfügung.

Wer zahlt meinen Verdienstausfall als Selbstständiger/ Freiberufler, falls ich in Quarantäne muss?

Auch für selbstständig tätige und Freiberufler ist eine entsprechende Entschädigung in dem Infektionsschutzgesetz vorgesehen. Hier zu fehlt natürlich dort der Arbeitgeber, welche die Abwicklung und Antragstellung übernimmt. Dazu muss durch den Selbstständigen selbst ein entsprechender Antrag gestellt werden, um eine solche Erstattung zu bekommen.

Wie wirken sich die Entschädigungen auf meine Pflichtversicherung als Arbeitnehmer aus?

Für den Fall, dass sie als Arbeitnehmer versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse beschäftigt sind und demnach ihr Arbeitgeber die Pflichtbeiträge zur Krankenversicherung abführt, ändert sich (ganz vereinfacht formuliert) für sie nichts.

Sie bleiben auch während der Zeit der Entschädigung ein Pflicht Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse. Ebenso besteht die Pflicht Mitgliedschaft in der Arbeitslosen – und Rentenversicherung weiter fort. Die Bemessungsgrundlage für die Beiträge regelt sich nach dem Paragraphen 57 des Infektionsschutzgesetzes. Die Beiträge für die Sozialversicherung trägt jedoch die Entschädigungsbehörde allein. Ein Abzug von Arbeitnehmeranteilen kommt hierbei nicht in Betracht. Ihr Arbeitgeber hat die Entschädigung für die Dauer des Arbeitsverhältnisses, wo ist es jedoch für sechs Wochen auftragsweise auszuzahlen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich freiwillig gesetzlich versichert bin?

Sind Sie als Arbeitnehmer (mit einem Einkommen über der Jahres Arbeitsentgeltgrenze) versicherungsfrei, Sie bleiben Sie dieses auch während des Bezuges der Entschädigungsleistung. Dabei ist auch weiterhin unverändert der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Kranken – und Pflegeversicherung zu zahlen.

Die Zeiten der Verdienst Ausfall Entschädigung bleiben somit ohne Auswirkungen auf ihren krankenversicherungsrechtlichen Status. Die Beitragsbemessung richtet sich in den ersten sechs Wochen der Entschädigungsleistung nach den bisherigen Grundsätzen.

Führt ihr Arbeitgeber bisher die Beiträge für Sie als Freiwillig Versicherter ab, so tut er das auch weiterhin. Zahlen Sie im Wege der „Selbstzahler Vereinbarung“ die Beiträge an ihre Krankenkasse selbst und direkt, so ergeben sich auch hier keine Unterschiede in der Beitragszahlung.

Kein Arbeitgeberzuschuss bei Quarantäne

ABER ACHTUNG: da sie jedoch eine Entschädigungsleistung und kein Arbeitsentgelt in dieser Zeit bekommen, entfällt die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Leistung eines Arbeitgeberzuschusses nach Paragraph 257 SGB V.

Die vom Versicherten getragenen und gezahlten Beiträge zur Kranken – und Pflegeversicherung werden auf Antrag (die in dieser Stelle muss) ebenfalls durch die Entschädigungsbehörde getragen. Die Grundlage hierfür ist der Paragraph 58 des Infektionsschutzgesetzes.

§ 58 Aufwendungserstattung
Entschädigungsberechtigte im Sinne des § 56 Absatz 1 und 1a, die der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Kranken-, Renten- sowie der sozialen Pflegeversicherung nicht unterliegen, haben gegenüber der zuständigen Behörde einen Anspruch auf Erstattung ihrer Aufwendungen für soziale Sicherung in angemessenem Umfang. In den Fällen, in denen sie Netto-Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen aus einer Tätigkeit beziehen, die als Ersatz der verbotenen Tätigkeit ausgeübt wird, mindert sich der Anspruch nach Satz 1 in dem Verhältnis dieses Einkommens zur ungekürzten Entschädigung.

Werde ich durch eine solche Entschädigung wieder versicherungspflichtig?

Nein, denn die Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz stellen kein Arbeitseinkommen dar. Aus diesem Grund ändert sich auch der Status der Versicherungspflicht nach dem fünften Buch des Sozialgesetzbuches nicht. Zu beachten ist hier jedoch, dass eine solche Quarantäne Zeit das Jahres Einkommen verringert und damit das maßgebliche Jahres Einkommen zur Überschreitung der Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) beeinflussen kann.

Wie werden die Leistungen in Bezug auf die Beitragspflicht bewertet?

Für Selbstständige, welche eine Erstattung der Kranken – und Pflegeversicherungsbeiträge durch die Entschädigungsbehörde (nach einer entsprechenden Antragstellung) erhalten, handelt es sich hierbei um einen Ersatz für entstandene Aufwendungen. Das ist wichtig bei der Beurteilung der Einkünfte. Es handelt sich hierbei um eine Einkunftsart, welche keinen Einnahmecharakter besitzt und folglich nicht der Beitragspflicht im Sinne des Paragraphen 240 SGB V unterliegt.

Anders sieht es mit der Entschädigungsleistung selbst aus. Diese wird im Rahmen der endgültigen Beitragsfestsetzung nach Paragraph 240 SGB V Für die betroffenen Mitglieder berücksichtigt. Beitragsrechtlich ist die Entschädigungsleistung, die sich an dem Arbeitseinkommen aus der entschädigungspflichtigen Tätigkeit bemisst, ebenfalls wie solche Einkünfte zu behandeln.

Ungeachtet dessen, wann das Geld tatsächlich fließt, ist es dem Kalenderjahr 2020 zuzuordnen, wenn die Entschädigung für einen Zeitraum in diesem Jahr gezahlt wird.

24.
Juni '20

CLARK und die PKV Beratung – Sie können alles mit nein ankreuzen – so geht es dann bitte auch nicht


Seit nunmehr 20 Jahren bin ich fast ausschließlich in der Beratung zur Privaten Krankenversicherung und Berufsunfähigkeit unterwegs und mache das gern, sehr gern. Ich könnte nicht einen Tag nennen, an dem ich meine Entscheidung bereut habe. Doch auf dem Weg begegnen einem immer wieder „Kollegen“, da stellt es einem die Nackenhaare auf. Vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung, komische Beratungen und Ratschläge und vieles mehr säumen den Weg. Würde ich nur von diesen Fällen schrieben, brauchte es einen täglichen Blog.

Das wäre sehr schade, denn es gibt so viele tolle und sehr fair und sauber arbeitenden Kollegen und Unternehmen, diese müssen sich aber leider den Unsinn einiger weniger mit ansehen. Klar, es gibt gute und schlechte Ärzte, Anwälte, Handwerker, wie in allen Berufen.

Obwohl ich in der Vergangenheit den einen oder anderen Disput mit Clark (mehr dazu hier) hatte und auch heute nicht mit allem konform gehe, gibt es auch bei den App-Anbietern gute und schlechte Berater, wie überall. Auch die Idee ist gut und hätte Clark diesen Kunden nicht angesprochen, so wäre es sicher gar nicht zu der Überlegung PKV bei ihm gekommen.

Was war bei Clark passiert?

Ein Interessent schrieb mich vor einiger Zeit an.In der ersten Anfrage war keine Rede von dem Berater und auch nicht wie diese bisher abgelaufen war. Das ergab sich erst im Verlauf der weiteren Beratung. Hier hatte jemand zunächst einmal eine App genutzt und seine Verträge eingetragen um diese in einer App alle gemeinsam zu sehen und die Unterlagen parat zu haben. Das hiermit der bisherige Berater vor die Tür gesetzt wird, das haben wir bereits an anderer Stelle diskutiert und es sollte mittlerweile allen Nutzern klar sein, dass hier eine Maklervollmacht erteilt wird.

Einige Kollegen meinen, hier wird die Maklervollmacht „untergeschoben“ und unbewusst der Vertrag übertragen. Ich meine, es ist auch nach einiger Kritik besser geworden. Klar passiert es auch heute noch unbewusst und App-Nutzer wundern sich dann, wenn der bisherige Berater weg ist. Aber die Unterschrift unter eine Maklervollmacht (die auch als solche zu erkennen ist) sollte das vorab klar machen. Hier liegt es leider oft auch an „ich lese das nicht alles durch und klicke schnell weiter“ und nicht an dem, der die App betreibt. Doch das spielt hier auch gar keine Rolle. Der Kunde war hier gesetzlich versichert und hatte gar keinen PKV Vertrag.

Im Verkauf der Dateneingabe in die App und damit auch Eingabe von Einkommen und Gesundheitsschutz kam ein Berater von Clark auf den Kunden zu. Klar, Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze und damit durchaus einen Hinweis oder eine Nachfrage zur PKV wert.

Insgeheim (was der Berater nicht wusste) hatte auch der Kunde das Thema PKV schon vorher einmal auf dem Schirm gehabt und es war dann eingeschlafen. So fehlte nur der Anstoß um es einmal mehr aufzugreifen.

Der Ablauf der Beratung

Los ging es mit einem ersten Kontakt, wie der Kunde erzählt. Den detaillierten Ablauf hat er inzwischen auch in einer öffentlich zugänglichen Bewertung im Netz veröffentlicht, aus der ich hier einfach zitiere. So ist es einfacher den Ablauf nachzuvollziehen und im Anschluss schauen wir uns dann das eigentliche Problem der Voranfrage und der Gesundheitsfragen an. Also hier die Beschreibung des Kunden: (Hervorhebungen durch mich)

Ich wurde von clark kontaktiert, weil die zu recht festgestellt haben, dass ich in die PKV wechseln kann.

Zur „Beratung“ wurde mir dann eine Übersicht geschickt bestehend aus vier Tarifen von drei Gesellschaften und einem Tarif, bei einer Gesellschaft bei der eine Risikovoranfrage bereits abgelehnt wurde. Es fand im Voraus keine Abfrage statt, welche Leistungen mir wichtig sind, über mein Lebenssituation und was ich für die Zukunft vorhabe. Die Übersicht ist 21 Seiten lang und für jemanden, der sich mit der PKV nicht auskennt aus meiner Sicht nur sehr schwer durchschaubar.

Seitens Clark wurden zwei Tarife als Top-Tarife hervorgehoben. Wobei die eindeutige Tendenz in der Beratung war den absoluten Top-Tarif zu nehmen (der auch am meisten kostete natürlich). Details der Tarife wurden kaum besprochen, es wurde nicht erläutert, worauf bei der Tarifwahl zu achten ist, etc.. Auf die Nachfrage, ob man nicht noch andere Gesellschaften betrachten könne, wurde dies relativ lapidar abgetan (kann man, mache es aber unübersichtlicher) und mir wurde einer der Tarife einfach mit einer anderen Selbstbeteiligung angeboten.

Nach einer Risikovoranfrage bei den beiden Gesellschaften mit den Top-Tarifen wurde mir nach ein paar Tagen mitgeteilt, dass die eine Gesellschaft (mit dem teuersten Tarif) mich mit einem Risikozuschlag von 10% nehmen würde (was den monatlichen Beitrag auf über 900€ gehoben hätte). Ich wartete dann noch auf das Ergebnis der zweiten Gesellschaft und dort sollte ich ohne Zuschlag angenommen werden.

Also entschloss ich mich mit dem „zweitbesten“ Tarif zufrieden zu sein.

So kann man für mein Verständnis PKV nicht beraten und so darf es auch nicht sein. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Arzt weil Sie seit einigen Tagen starke Kopfschmerzen plagen. Nun öffnen Sie die Tür zum Sprechzimmer, der Arzt schaut Sie an, stellt sich vor und fragen was Sie haben. Sie antworten: „Kopfschmerzen“, seit Tagen. (mehr …)

20.
Juni '20

Arag Krankenversicherung – wir spionieren Sie aus und natürlich nur zu Ihrem Besten


Versicherer haben oftmals zu Unrecht einen schlechten Ruf. Da werden Leistungen zu recht nicht erbracht und der Versicherer ist dennoch „böse“ und das ganz ohne Hintergrund. Doch manchmal…

In den letzten Tagen gab es dann doch Gesprächsstoff. Ein Kollege hatte etwas entdeckt, was Ihnen stutzig machte. Walter Benda von den Finanzprüfern hatte einen Newsletter eines Maklerpools bekommen, in welchen einige „wichtige Informationen“ zu einem Versicherer, der ARAG Krankenversicherung zu Lesen waren. Den Artikel dazu verlinke ich Ihnen am Ende dieses Beitrages ebenso.

Warum braucht der Versicherer Daten?

Das ist recht eindeutig und klar. Will der Versicherer einen Kunden versichern, so muss dieser eine ganze Reihe von Daten und Informationen liefern. Das ist auch völlig berechtigt und korrekt so. Nur wenn ein Versicherer im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Informationen zu Kunden und Interessenten verarbeitet, nur dann kann dieser auch maßgeschneiderte Angebote erstellen und seine Leistung erfüllen. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden und es muss auch so sein. Stellt also ein Kunde einen Antrag auf eine Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, dann muss dieser Antrag geprüft werden. Daten, die hier notwendig sind, können zum Beispiel:

  • – Name und Anschrift

  • – Gesundheitsdaten

  • – Beruf, Ausbildung und aktuelle Tätigkeit

  • – Hobby- oder Freizeitaktivitäten

und einiges mehr sein. Um an diese Informationen zu kommen, gibt es Antragsformulare. In diesen fragt der Versicherer all das ab, was er für eine Antrags-/Annahmeentscheidung wissen will.

Wollen Sie diese Angaben nicht machen oder fragt Ihnen ein Unternehmen zu viel, dann entscheiden Sie sich dagegen und wählen einen anderen Versicherer. Soweit die Theorie.

So viel Daten wie nötig, so wenig wie möglich

Nicht erst seit Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) besteht die Verpflichtung, nur die Daten zu erheben welche zwingend nötig sind. Datensparsamkeit sollte immer und überall das erste Gebot sein und die Anzahl der Daten, die gesammelt werden sollten, beschränkt werden. Was ich nicht für eine Annahme oder die Abwicklung brauche, das sollte ich auch nicht speichern.

In einem Makler-Newsletter eines Pools fand sich nun folgender Hinweis, welcher anscheinend auf Abwicklungen und Erfahrungen beruht und damit als „Warnung“ an die Makler verschickt wurde. Ob dieser auf schlechten Erfahrungen beruht ist nicht bekannt.

Recherche versus unerlaubtes Profiling?

Wir lesen nun also hier, der Antragsprüfer bzw. der Bearbeiter bei der ARAG googelt jeden Kunden und beschafft sich hiermit weitere Informationen ÜBER DEN ANTRAG HINAUS.

Diese Informationen können sich sowohl aus einer Internetseite des Unternehmen oder der selbstständigen Tätigkeit ergeben, aber genauso aus sozialen Netzwerken, Profilen bei Instagram, Facebook und dergleichen oder aus anderen „öffentlichen Quellen“.

Nun gibt es dabei einige Probleme. Zuerst fällt mir dann die Datensparsamkeit wieder ein. Auf der anderen Seite wissen wir alle, mancher möchte im Netz besser dastehen und „hübscht einige Infos etwas auf“. Auch Fake Profile, Berichte Dritter über eine Person oder dergleichen sind vielen sicher ein Begriff.

Stellen wir uns einen typischen Fall vor. Max Muster möchte einen Antrag bei der ARAG Krankenversicherung stellen und tut dieses auch. Nach Ankunft des Antrages bei dem Unternehmen öffnet der Mitarbeiter Google, Facebook und dergleichen und sucht erstmal das zusammen, was er über den (potentiellen) Kunden finden kann.

Alles wird gesammelt, aufgeschrieben und in der Kundenakte verarbeitet, sonst hätte man ja hier keinen Zugriff. Es entsteht also so nach und nach ein Kundenprofil mit Informationen, welche ausdrücklich nicht im Antrag abgefragt wurden und welche der Kunde auch sicher nicht für die Versicherung so dargestellt hat.

Wie weit geht die Recherche? Fakeprofile? Detektive?

Eine entscheidende Frage bleibt aber. Wie weit geht eine solche Suche? Was passiert zum Beispiel in sozialen Netzwerken, wo nur bestimmte Infos mit bestimmten Gruppen oder „Freunden“ geteilt werden? Geht es soweit, dass hier Fakeprofile benutzt werden, oder möchte der Sachbearbeiter mit seinem privaten Facebook Profil dann mit dem Kunden „befreundet sein“?

Diese Fragen bleiben offen. Auch ist nicht geklärt, was genau dort an Informationen gesammelt wird. Was ist mit Hobbys oder alten Presseberichten, welche Sportarten beschreiben die der Kunde vielleicht gar nicht mehr betreibt?

Was, wenn jemand mal mit Alkohol am Steuer erwischt wurde oder ständig Bilder von exzessiven Feiern postet? Ist der dann ein „höheres Risiko“ und wird nicht versichert?

Wie mein Kollege schon schrieb:

Zwar gehe ich davon aus, dass man GMV (gesunden Menschenverstand) walten lässt, aber dennoch bleibt es ein unbeschränkter Raum, in dem gewühlt wird. Was z. B. wenn Dinge aus der Vergangenheit auftauchen, die verjährt sind? Oder Falschaussagen, die dem Antragssteller unbekannt waren bzw. sind, beispielsweise Abrechnungsdiagnosen? Oder üble Nachrede?

Dazu hat die ARAG auch einen Passus in die Datenschutzerklärung eingebaut. In dem aktuellen Antrag der ARAG KV findet sich folgende Aussage: (mehr …)