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16.
Juni '21

Beitragsgarantie in der PKV – warum diese als Entscheidungsgrundlage ungeeignet sind


Wir haben Juni. In der Mitte des Jahres überschlagen sich die Gesellschaften zur privaten Krankenversicherung (PKV) wieder einmal selbst. Überall lesen Sie: „Beitragsgarantie in der PKV“. Jeder will der Erste sein, jeder garantiert Beiträge und stellt schöne Zertifikate aus. Hierbei handelt es sich um nichts anderes als ein Versprechen. Ein Versprechen, die Neugeschäftsbeiträge vor dem 1. Januar 2023 nicht mehr anzupassen.

Beitragsgarantie in der PKV- Was bringt diese?

Die Beitragsgarantie ist nichts anders als eine Vorhersage der Gesellschaft, den Beitrag in einem bestimmten Tarif der privaten Krankenversicherung (PKV) bis zu einem Termin X nicht anzupassen. Diese Beitragsgarantie soll Planungssicherheit ermöglichen. Natürlich hat diese einen Marketing-Effekt. Insbesondere möchte man hiermit sagen: „Hey, schaut her: Wir haben stabile Beiträge.

Warum das jedoch wenig bringt und für wen diese Beitragsgarantien gültig sind, das schauen wir uns in diesen Beitrag einmal genauer an.

In den vergangenen Jahren habe ich diese Beitragsgarantien immer dann veröffentlicht, wenn die Gesellschaft diese herausgegeben haben. Einige Kunden und auch Kollegen hecheln diesen hinterher. Maklerbetreuer schicken überschwängliche Mails: „Schaut her, wir garantieren!“

Beitragsgarantie in der PKV- für wen gelten diese?

Die Beitragsgarantien beziehen sich grundsätzlich und immer nur auf das Neugeschäft. Die Gesellschaften veröffentlichen somit die Tarife, welche für Neukunden zum 1. Januar des Folgejahres nicht angepasst werden. Das heißt nicht, dass der Beitrag am 1.12. identisch mit dem Beitrag am 1.1. ist. Das Eintrittsalter ändert sich in jedem Fall trotzdem. Damit steigt auch der Beitrag in der Krankenversicherung an. Warum eine solche Information dennoch eine Orientierung geben kann, dazu gleich mehr. Generell hier noch zwei weitere Links/ Informationen zu:

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung 

Ein Jahr jünger in die PKV

Beitragsgarantie in der PKV- was sagen diese über die Beitragsstabilität aus?

Ein Tarif, welcher zum 1. Januar des Folgejahres nicht angepasst wird, ist weder gut noch schlecht. Für die Bewertung eines Tarifes bzw. der Beitragsstabilität eines solchen Tarifes müssen wir einen längeren Zeitraum beachten. Zudem sind neben den Neugeschäftsbeiträgen insbesondere die Beträge interessant, die der Bestandskunde zahlt.

Beitragsgarantie in der PKV

Wurde also ein Tarif über einige Jahre nicht angepasst, wird dieser oftmals als beitragsstabil verkauft. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Beitragsgarantie in der PKV- warum werden Beiträge angepasst?

Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung habe ich in einem anderen Beitrag hier auf dem Blog schon einige Male erklärt. So schauen Sie sich gern das Beispiel des AXA VITAL Tarifes an. Generell hat es unterschiedliche Ursachen. Zum einen führt eine gestige Lebenserwartung zu steigenden Beiträgen in der Krankenversicherung, denn der Versicherer muss länger zahlen. Aus statistischen Erhebungen wissen wir zudem, dass die letzten Jahre im Leben eines Menschen oftmals die teuersten sind. Dazu bedarf es nicht mal einer Pflegebedürftigkeit. Menschen sind im Alter schlichtweg öfter krank und verursachen dementsprechen höhere Kosten. Ein weiterer Grund, welcher zu Beitragsanpassungen in einem Tarif führt, ist die Niedrigzinsphase.

Nehmen wir an, wir benötigen für einen Kunden bei Renteneintritt einen Betrag (fiktiven) von 200.000 Euro, um seine Kosten bis zum Lebensende zu decken. Jetzt kann man relativ einfach ausrechnen, welchen Betrag ich monatlich zurücklegen muss, ..(nicht gehört).. (abhängig vom aktuellen Alter) bis zum Rentenbeginn diesen Betrag angespart haben.

Bei einer Ansparest von 37 Jahren (Kunde heute 30 Jahre alt, bis 67) braucht es

bei 3,5% Zins, ca. 222 € monatlich als Sparrate

Dazu spielt es eine wichtige Rolle, ob ich zum Beispiel 3,5, 2,5 0,5 % oder gar keinen Zinsertrag pro Jahr erwirtschafte.

bei 2,5% schon 275 € 

bei 1,5% dann 337 € 

und bei 0% exakt 450 € MONATLICH.

Umso höher mein Zinsertrag, desto geringer ist mein monatlicher Sparanteil. Hat der Versicherer nun in der Vergangenheit zum Beispiel mit einem Rechnungszins von 3,5 % kalkuliert, erreicht diesen nun nicht mehr und bekommt vielleicht noch 2 %, so muss die monatliche Sparrate steigen.

In unserem ganz vereinfachten und fiktiven Beispiel, steigen die Beiträge von 275 € auf 450 € monatlich.

Der dritte Punkt, warum Beiträge steigen, ist die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Neue Medikamente, höhere Honorare für Ärzte und besondere Ausgaben führen ebenfalls zu einer Steigerung. All diese Punkte treffen generell erstmal auf alle Versicherten und alle Tarife zu.Beitragsgarantie PKV 2023

Also kann sich auch kein Versicherer der Niedrigzinsphase, gestiegenen Gesundheitskosten oder dem Älterwerden der Kunden entgehen. Wird hier nicht angepasst, so muss diese Anpassung irgendwann nachgeholt werden. Selbst, wenn der Versicherer noch so gut kalkuliert hat, wenn plötzlich der Zinsertrag kleiner wird und die Kosten steigen und dazu noch eine längere Lebenserwartung kommt, dann muss angepasst werden.

Nun legt der Gesetzgeber aber sehr enge Voraussetzungen für eine Beitragsanpassung vor. Somit kann der Versicherer nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen anpassen, Wenn diese Anpassungsvoraussetzungen jedoch nicht erfüllt sind, muss er warten. Wenn nun über mehrere Jahre keine Anpassung erfolgte, dann ist das kein Zeichen für eine besonders stabile Kalkulation, sondern unter Umständen ein Anzeichen für eine bald anstehende höhere Steigerung.

Vielen Kunden hingegen ist es jedoch lieber, wenn die Beiträge kontinuierlich in kleineren Schritten steigen und nicht alle paar Jahre in großen Schritten.

Beitragsgarantie in der PKV – sagt es nun gar nichts aus?

Doch. Gerade die Beitragsgarantie in Verbindung mit anderen Informationen zu dem Tarif gibt durchaus Aufschluss darüber, wie die Kalkulation des Versicherers aufgestellt ist. Sie wissen zudem auch, ob Sie als Neukunde zum 1. Januar die Folgejahre mit einer Prämienanpassungnpassung rechnen müssen. Einige Gesellschaften veröffentlichen auch bereits im Herbst die Beiträge für das nächste Jahr. Selbst, wer also einen Tarif abschließen möchte, der Anpassungsbedarf zum 1. Januar hat, kennt diesen Beitrag somit schon weit im Voraus.

Wichtig ist aber in jedem Fall, nicht eine vermeintliche Beitragsgarantie als Grundlage für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif in der privaten Krankenversicherung zu wählen.

Auswahlkriterien für die private Krankenversicherung

Um den passenden Tarif zu finden, ist es wichtig zu wissen, was es gibt. Nur, wenn ich Ihnen sage, dass es heute am Markt Autos mit einem Airbag gibt, nur dann können Sie überlegen, ob für Sie dieser Airbag wichtig ist.

Würden Sie heute ein Auto ohne Airbag, ohne ABS oder ohne Gurt kaufen? Wenn Ihnen niemand etwas zu neuen Features erzählt, dann können Sie auch für sich keine begründete Entscheidung treffen. Aus diesem Grund habe ich auf einer speziellean Beratungsseite Details zusammengestellt, damit Sie sich ein Bild über Ihre Vorstellung und die Anforderungen an den passenden Tarif machen können.

Gemeinsam lässt sich dann herausfinden, welcher der unzähligen Tarife am Markt dafür geeignet ist und welche Tarife in die engere Auswahl kommen. Bevor Sie sich also auf ein vermeintliches Garantiezertifikat verlassen, schauen Sie sich zunächst einmal die Versicherer und Tarife neutral an.

Anhand einer Beitragsgarantie oder der Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre eine Tarifauswahl entscheiden zu wollen, ist schlichtweg unmöglich und schönes Marketing. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

10.
Juni '21

Durch Vorauszahlung der Krankenversicherung (PKV) kräftig Steuern sparen


Durch die Vorauszahlung der Krankenversicherung lassen sich bei vielen Versicherten beachtliche Summen sparen. Sogar zweistellige Renditen sind hier (abhängig von Steuersatz und persönlicher Situation) keine Seltenheit. Das Thema ist nicht nur jedes Jahr aufs Neue interessant, sondern wird leider oft bis ins Jahresende geschoben und dann unter Stress und Hektik versucht zu lösen. Warum es aber sinnvoll ist, für wen es passt und wie viel Sie denn überhaupt wann und wohin zahlen können, das schauen wir uns hier einmal genauer an.

Dabei gilt generell: Suchen Sie sich hierbei professionelle Unterstützung und lassen sich hier steuerlich von Ihrem Steuerberater beraten. Der kann zwar Ihre Krankenversicherung nicht beurteilen, das ist auch nicht seine Baustelle. Er kann und wird Ihnen aber steuerlichen Rat geben.

Ich hatte bereits im 2017 und 2018 zu der Möglichkeit geschrieben, durch eine Vorauszahlung in der privaten Krankenversicherung einiges an Geld zu sparen. Das geht nicht immer und für alle, aber für einen Teil der Versicherten bringt dieses doch einige tausend Euro an Ersparnis. (Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Update des Ursprungsbeitrages aus 2018)

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Für wen ist diese „Modell“ geeignet?

Geeignet ist das Modell am besten für die folgenden Personengruppen:

  • – privat versicherte Beamte mit Restkostenversicherung (ergänzend zur Beihilfe)

  • Selbstständige oder Freiberufler in der PKV (mit nicht mehr abzugsfähigen sonstigen Vorsorgeaufwendungen, zum Beispiel für Unfall-/ Haftpflicht-/ Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, Arbeitslosenversicherungen)

  • Arbeitnehmern in der PKV, wenn diese entweder ledig oder mit einer/m ebenfalls PKV Versicherten/m Partner verheiratet sind

  • – wenn im Jahr der Vorauszahlung ein hoher Grenzsteuersatz droht (zum Beispiel auch Abfindungen, Sonderzahlungen etc.)

In den meisten Fällen NICHT sinnvoll ist eine solche Vorauszahlung dann, wenn eine gesetzliche Krankenkasse besteht. Hier müssen die Beiträge vom Arbeitgeber monatlich abgeführt werden. Auch wenn ein Ehepartner gesetzlich und der andere privat versichert ist, führt es bei Zusammenveranlagung hier meist zu keinem sinnvollen Effekt.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Grundlage des Modells – Einkommensteuerrecht?

Erstmal muss beachtet werden, dass Beiträge zur privaten Krankenversicherung in zwei Teile aufgesplittert werden. Einen Teil bilden die Beiträge der so genannten Basisabsicherung, einen weiteren alle Mehrleistungen.

Vereinfacht gesagt muss der Versicherer berechnen, wie viel Geld Ihres Beitrages er kalkulatorisch benötigt, um die Basisabsicherung zu bieten. Danach ergeben sich die Restbeiträge, die für „Komfortleistungen“ gelten. Haben Sie sehr leistungsfähige Tarife der PKV, welche weit über der Versorgung der GKV liegen und zum Beispiel Wahlleistungen, das Einbettzimmer oder andere Vorteile bieten, dann sind diese Mehrleistungen nicht mehr Basisschutz.

Als grobe Orientierung: Bei Tarifen mit viel Leistung, liegt der Prozentsatz hier bei ca. 80%. Damit unterliegen von einem Beitrag von 800 € in der PKV, dann zum Beispiel 640 € der Basisabsicherung, der Rest nicht.Vorauszahlung der Krankenversicherung Rechner

Höchstabzugsbetragsgrenze gilt nicht für die „Beiträge zur Basisabsicherung“

Der Hintergrund des Modells ist recht einfach erklärt. Normalerweise werden die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung steuerlich angerechnet. Auch die Beträge, welche tatsächlich ausgegeben werden und die Höchstbeiträge überschreiten werden angerechnet und haben einen steuerlichen Effekt. Das gilt aber eben nur für den Basisschutz. Ist der PKV Tarif leistungsfähiger, ist der aufgewendete Beitrag nur anteilig zu berücksichtigen.

Warum das so ist? Es ist gerecht. Denn wer nicht in der PKV versichert ist oder sich aus anderen Gründen für eine GKV plus Zusatzversicherungen entschieden hat, der bekommt auch die Beiträge für den Zusatzschutz nicht als „Basisabsicherung“ anerkannt. Daher ist es nur logisch, den Beitrag mit enthaltenen Zusatzversicherungen zu kürzen.

Auch alle anderen Versicherungen wie Arbeitslosen-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen, Schutz gegen Berufsunfähigkeit und einige Lebensversicherungen sind theoretisch anrechenbar. Aber in der Praxis wirken sich diese meist nicht aus, da für die Steuerpflichtigen Höchstbeiträge bestehen und diese meist schon durch die Krankenversicherung dann ausgeschöpft werden.

Hier kommt nun der Effekt ins Spiel. Während die Beträge der „anderen Versicherungen“ auf 1.900 oder 2.800 € pro Jahr begrenzt sind, ist es die Basisabsicherung nicht. Keine Angst, wir machen das gleich in Zahlen.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – ein Beispiel in Zahlen

Nehmen wir an, wir haben einen Beitrag zur PKV von 800 €, wovon 640 € auf die Basisabsicherung entfallen. Unser Selbstständige hat einen Steuersatz von 35% und keinen Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss.

Für andere Versicherungen (Berufsunfähigkeit, Lebensversicherungen, Unfall- und Haftpflicht) wendet dieser jährlich nochmals 3.000 € auf.

Beispiel OHNE Vorauszahlung

Der Höchstbeitrag der abzugsfähigen Beträge liegt bei ihm bei 2.800 € pro Jahr (+ die Beträge zur Basisabsicherung). Somit kann unser Kunde hier 7.680 € (Basisabsicherung, 640 * 12) anrechnen lassen. Die anderen Versicherungen bleiben aber dabei unberücksichtigt, denn die maximalen 2.800 € sind bereits aufgebraucht.

Beispiel MIT Vorauszahlung

Zahlt der Kunde nun aber die Beiträge für ein, zwei oder maximal drei Jahre im Voraus, dann sieht die Situation etwas anders aus.

Im Jahr der Vorauszahlung kann dieser nun nicht nur die 7.680 € für das laufende Jahr zahlen, sondern auch maximal drei weitere Jahresbeiträge überweisen. Hat er diese 27.648 € auch noch und überweist diese an den Versicherer, so ist in den kommenden Jahren KEINE Beitragszahlung der Basisabsicherung mehr nötig, ist ja schon bezahlt.

Stattdessen stehen die max. 2.800 € (oder eben 1.900 €, wenn AG Zuschuss besteht) voll für die anderen Versicherungen zur Verfügung. Es lassen sich also Beiträge steuerlich berücksichtigen, welche sonst aufgrund der maximalen Begrenzung „hinten runtergefallen wären“.

Mehr anrechenbare Beiträge = weniger zu versteuerndes Einkommen = weniger Steuern.

Bei der Vorauszahlung für EIN Jahr und der Anrechnung von somit 2.800 € mehr, bedeutet dieses eine Steuerersparnis von 980 €. (35% Steuersatz).

DAZU KOMMEN noch die Rabatte der PKV, welche einige unternehmen gewähren. (Auflistung unten) Hier sind stellenweise zwischen 4 und 0,5% Rabatt möglich.

In unserem Beispiel kommt der Versicherte somit auf eine Ersparnis von 1.417 € bei einer Vorauszahlung von nur EINEM Jahr. Auf den Jahresbetrag von 9.600 € (der durch Rabatt nur bei 9.216 € lag), ergibt das einen „Gewinn“ von 14,8%.

„Spielt“ der Kunde das Modell mit einer 3-Jahresvorauszahlung, so bleiben ganze 4.253 € Ersparnis übrig. Bezogen auf den (rabattierten) Vorauszahlungsbetrag somit 15,38%.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Vorteile 

  • – Je nach Versicherer erhalten Sie bis zu 4% Skonto, wenn die Beiträge vorausgezahlt werden, einige Versicherer geben aber auch keinen Rabatt

  • bei Arbeitnehmern wirkt der Rabatt doppelt, denn auch auf den AG Anteil gibt es den, denn den Arbeitgeberzuschuss bekommen Sie weiterhin monatlich.

  • – dazu kommt- je nach persönlichen Verhältnissen- eine Steuerersparnis in nicht unerheblicher Höhe

  • – bei einer Änderung des Vertrages (Beitragsanpassung oder auch Kündigung der PKV) ergeben sich Änderungen

  • – Endet der PKV Vertrag, gibt es aber alle zu viel gezahlten Beiträge auch wieder zurück, es ist also nur ein GUTHABEN bei der PKV

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Nachteile

  • – Kapital muss da sein und muss bis Mitte Dezember an den Versicherer überwiesen werden

  • – maximal lassen sich DREI Jahresbeiträge (also 36 Monate) die Beiträge vorauszahlen

  • – auch der Arbeitgeberanteil muss vorausgezahlt werden

  • – nur sinnvoll, wenn andere Vorsorgeaufwendungen vorhanden sind (Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, Komfortleistungen aus der PKV, Krankentagegeldschutz und einige Lebensversicherungen)

Wo liegen die Höchstbeiträge für die „übrigen Vorsorgeaufwendungen“?

Um den für Sie richtigen Höchstbeitrag zu ermitteln, ist zunächst eine Frage wichtig.

Sind Sie Beihilfeberechtigte(r) oder Arbeitnehmer mit einem steuerfreien AG Zuschuss?

Dann gelten für Sie maximal 1.900 EUR pro Jahr als Höchstbetrag.

Sind Sie Steuerpflichtige(r) und zahlen die Beiträge zur Krankenversicherung allein?

Dann beträgt Ihr Höchstbetrag der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen 2.800 EUR pro Jahr.

Bei zusammen veranlagten Ehepartnern wird zunächst für jeden Ehegatten nach dessen persönlichen Verhältnissen der Freibetrag bestimmt. Diese werden dann zu dem gemeinsamen Höchstbetrag addiert.

Ist einer selbstständig und einer Angestellt, sind es also 2.800 + 1.900 EUR = 4.700 EUR. Bei zwei Angestellten dann 1.900 + 1.900 EUR = 3.800 EUR und so weiter.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Arbeitnehmer mit steuerfreiem Arbeitgeberzuschuss mit niedrigeren Abzugsbeträgen

Bekommen Sie noch bis zur Hälfte des PKV Beitrages von Ihrem Arbeitgeber erstattet, so wird der Höchstbetrag für die anderen Versicherungen von 2.800 € auf 1.900 € reduziert. Nehmen wir sonst gleiche Voraussetzungen an, wie unser selbstständiger Musterkunde vorhin, so ergeben sich folgende Beträge:

  • – bei einem Jahr Vorauszahlung: 1.085 €
  • – bei drei Jahren Vorauszahlung: 3.256,73 €

Der Rabatt, welchen die Krankenversicherung gibt, steht Ihnen aber allein zu. Der Arbeitgeber zahlt weiter normal monatlich seinen Zuschuss zur PKV.

Zur besseren Darstellung finden Sie einen kleinen Modellrechner, welchen Sie für eine erste Übersicht nutzen können. Dieser Rechner und auch der Artikel können und sollen keineswegs eine steuerliche Beratung ersetzen, sondern geben Ihnen einen Anhaltspunkt der Auswirkungen. Bei steuerlichen Fragen stehen Ihnen Ihr Steuerberater oder andere zur Steuerberatung berechtigte Personen zur Verfügung, bitte wenden Sie sich dann an diese.

Modellrechner PKV Vorauszahlung HIER ALS Excel Datei herunterladen

Vorauszahlung Krankenversicherung Angestellter

Zählen auch Beiträge meiner Kinder dazu?

Ja, wenn die Kinder (für deren Unterhalt Sie verantwortlich sind) in der privaten Krankenversicherung versichert sind, dann sind auch deren Beiträge (für die Sie dann aufkommen müssen) steuerlich berücksichtigungsfähig. Somit wirkt sich eine Vorauszahlung dort auch entsprechend aus.

Was passiert bei einer Beitragsanpassung?

Muss der Krankenversicherer den Beitrag anpassen, so ändert auch eine bereits geleistete Vorauszahlung nichts. Die Anpassung gilt auch für die Beiträge, welche bereits bezahlt wurden. Dabei erhalten die Kunden dann eine Nachberechnung über den Betrag, der der Erhöhung entspricht und zahlen den dann entweder nach (was aber meist nicht sinnvoll ist) oder die Vorauszahlung verkürzt sich um den entsprechenden Betrag. Dann wären zum Beispiel statt 30 nur 28 Beiträge vorausgezahlt, je nachdem wie die Anpassung ausfällt. In dem Jahr, in dem die Anrechnungsbeträge für andere Versicherungen genutzt werden, sollte dann auch ein solcher Betrag nicht nachgezahlt werden.

Bekomme ich den Arbeitgeberanteil weiter?

Klar, denn nur weil Sie etwas vorauszahlen, ändert sich an dem Zuschuss des Arbeitgebers natürlich nichts. Hier zahlt dieser ihnen weiter den monatlich steuerfreien Zuschuss auf Ihr Gehalt.

Achtung: Bei Arbeitnehmern ist dieses- wie oben erwähnt- dann eine steuerfreie Einnahme in dem jeweiligen Jahr wo keine KV Beiträge gezahlt werden. Diese meldet der Arbeitgeber aber automatisch an das Finanzamt.

Vorauszahlung der Krankenversicherung – Was muss ich bis wann tun?

Bei den meisten Gesellschaften liegt die Frist MITTE DEZEMBER. Bis zu dem Datum müssen auch die Beträge bezahlt sein, damit diese noch steuerlich wirken sollen. Daher wenden Sie sich möglichst schnell an die Gesellschaft und fragen die genauen Beträge an.

Zunächst einmal können Sie überschlägig selbst ermitteln, welche Liquidität hierzu erforderlich ist. Ist diese vorhanden und können Sie diese auch kurzfristig an den Versicherer überweisen, so gehen Sie am besten wie folgt vor.

Für die Anfrage per Mail/ Fax können Sie folgendes Muster verwenden:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei meinem Vertrag zur privaten Krankenversicherung mit der Versicherungsnummer: ________ die Vorauszahlung nutzen. Bitte teilen Sie mir mit, in welchem Umfang dieses bei Ihnen möglich ist und beantworten die folgenden Fragen:

1.) Wie hoch ist der Nachlass bei jährlicher Zahlweise?
2.) Für welchen Zeitraum ist eine Vorauszahlung der Beiträge zur PKV und Pflege maximal in meinem Vertrag möglich?
3.) Bitte nennen Sie mir die Vorauszahlungsbeträge für die a.) Vorauszahlung für ein Jahr und b.) maximal mögliche Vorauszahlung.
4.) Bis zu welchem Termin muss der Betrag bei Ihnen eingehen?
5.) Bitte nennen Sie mir eine Bankverbindung oder teilen Sie mir mit, wie ich eine geänderte Lastschrift bei Ihnen beauftragen kann.
Für Ihre Mühe vielen Dank!

Die Antwort können Sie mir, aufgrund der knappen Frist bis zum Jahresende, auch gern per E-Mail an: _______ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

XXX“

Nachdem Sie die Antworten und Beträge erhalten haben, weisen Sie den Betrag entsprechend an und lehnen sich zurück. Viel Erfolg!

(PS: Wer solche Vorauszahlung schon nutzt, posten Sie gern die gewährten Rabatte und maximalen Vorauszahlungen hier unter dem Beitrag als Kommentar, so sammeln wir diese mal branchenweit)

ARAG, BARMENIA, NÜRNBERGER KV = 4% Nachlass

CONCORDIA, HALLESCHE, HANSE MERKUR, MÜNCHENER VEREIN = 3% Nachlass

AXA = 2% Nachlass

SDK, SIGNAL = 1% Nachlass

RuV = 0,5% Nachlass

KEIN NACHLASS geben derzeit: ALLIANZ. ALTE OLDENBURGER, BBKK, UKV, Debeka, DKV, LKH, UNIVERSA

Grundlage ist unter anderem der §10 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Die Erklärungen können Sie in den Ausführungen des Bundesfinanzministeriums nachlesen:

01.
Juni '21

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif der Hallesche – warum billig nicht gut sein kann


Wer sich privat versichert hat oder das tun möchte, der sollte dringend die Bedingungen lesen und verstehen. Heute aus der Reihe „Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif Hallesche“ Krankenversicherung. Hier ist der Versicherer weder böse noch gemein, er tut einfach nur das, was vereinbart war. Der Kunde hat sich 2008, mit damals 48 Jahren durch irgendwen zur PKV bequatschen lassen. Das lasse ich jetzt einmal so stehen, da ich weder Hintergründe kenne, noch den Beratungsverlauf. Klar ist, Bedingungen hat damals anscheinend niemand gelesen. Auch bei Umstellungen der Tarife scheint niemand so richtig gelesen zu haben, oder zumindest die entsprechenden Passagen nicht.

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif der Hallesche

Heute landete dieser Kunde, nach einer Erkrankung und damit einer Amputation des Unterschenkels bei mir im LiveChat. (Was das ist und warum ich hier kostenfrei helfe, das habe ich Ihnen bereits hier aufgeschrieben). Dabei geht es, neben allen medizinischen Problemen, auch um finanzielle.

Nun ist aber das Kind in den Brunnen gefallen. Warum? Schauen Sie einmal hier:

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif HallescheSchauen wir uns das Problem einmal genauer an, also das finanzielle Problem. Der Kunde benötigt nach der Amputation eine prophetische Versorgung. Kann sich jeder noch so vorstellen, aber haben oder hatten Sie eine Vorstellung, was eine solche Unterschenkelprothese kostet?

In unserem Fall liegt ein Kostenvoranschlag vor und dieser listet einen Preis von 10.000 € für die Prothese auf.

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif der Hallesche – was ist denn nun versichert?

10.000 € Kosten und davon sollen nur 3.500 € erstattet werden? Also nur 35%?

Nein, das stimmt so natürlich nicht. Sorry für den Sarkasmus, aber es ist WENIGER. Schauen wir dazu erst einmal in die Bedingungen des Tarifs. Nur wer das Kleingedruckte liest, versteht was zwischen den beiden Vertragspartnern vereinbart wurde. Dort in den Tarifbedingungen (Für alle Kenner, verlinkt sind hier die Unisex Bedingungen, da ich die alten Bisex TB nicht mehr auf der Seite habe, ändert aber nichts an der Sache) heisst es also:

„1.9 Hilfsmittel

Es besteht Versicherungsschutz für folgende Hilfsmittel:“

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif Hallesche Erstattungen

Hier steht also, klar, deutlich und bei Vertragsabschluss vereinbart.

Lieber Kunde, wir bieten Versicherungsschutz bei Prothesen im Unterschenkel bis zum Rechnungsbetrag von 3.500 €.

Das ist nicht versteckt, nicht gemein, sondern einfach der Schutz, der damals abgeschlossen wurde. Diese Leistungen wurden gekauft und auch bezahlt. Auch die Hallesche hätte, mit anderen Tarifen, höhenwertigen Schutz angeboten und der wäre damals auch wählbar gewesen. Klar, mit einer höheren Prämie natürlich, wenn mehr versichert sein soll. Dort (in den Bedingungen des Tarifes NK zum Beispiel, stünde dann „Erstattet werden 100% der Aufwendungen.“, also in unserem Fall etwa dreimal so viel. Ändert nun aber nix und das war es auch noch nicht mit den schlechten Nachrichten, tut mir leid.

Was hier leider wieder nicht gelesen wurde, war der Rest des Schreibens der Hallesche. Hier steht nämlich nicht: „wir erstatten 3.500 €“, sondern hier steht, wir erstatten bis zu einem Rechnungsbetrag von 3.500 € bei Prothesen im Unterschenkel. Zwei Absätze weiter unten steht dann dazu ergänzend:

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif Hallesche Rechnungsbetrag

Schauen wir also nochmal gesammelt auf die vorliegenden Daten.

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif Hallesche Beispielrechnung

Klingt bitter? Ist es auch. Auf der anderen Seite muss hier gesagt werden: „Es wäre damals besser gegangen“. Ob nun der „Wann brauche ich schon eine Prothese“-Gedanke eine Rolle spielte, oder es um eine günstige(re) Prämie bei Abschluss ging, das kann ich nicht sagen. Steht mir auch nicht zu zu beurteilen, warum jemand seinen Schutz so ausgewählt hat.

Der bessere Schutz hätte damals auch ca. 150 € mehr monatlichen Beitrag gekostet und damit natürlich nicht nur die Prothesen verbessert, sondern noch ganz viele andere Leistungen. Ich kann nicht beantworten, was konkret für diese schlechtere Leistung an Prämie gespart wurde. Heute spielt das auch keine Rolle mehr, denn nur mit einer Option wäre das noch zu ändern. Bei dem Alter des Kunden ist aber auch diese nicht mehr vorhanden.

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif der Hallesche – aber der Versicherer kann doch aus Kulanz….?

Klar ist aber auch, der Versicherer kann hier nichts tun. Er kann, darf und sollte auch aus Kulanz nicht, mehr zahlen. Wenn ich einen Liter Milch kaufe und den bezahle, bekomme ich auch nicht zwei, drei oder anderthalb Liter. Leistungen sind kalkuliert und müssen (vom Versicherer und damit von allen Versicherten im Kollektiv) gemeinsam getragen werden.

Daher ist hier eine höhere Erstattung aus Kulanz nicht möglich. Leider rechnete unser Versicherter hier schon mit 3.500 EU und nun sind es nochmals fast 900 € weniger, weil es eben so geregelt und nur so versichert ist.

Genau aus solchen Gründen lesen meine Kunden in der PKV Beratung den Leitfaden, lesen mit mir zusammen Bedingungen und das seitenweise.

Prothesen und Hilfsmittel im PRIMO Tarif der Hallesche – wichtig ist, was nicht versichert ist

Bunte Prospekte, blumige Aussagen und Versprechen, das können alle gut selbst. Viel wichtiger, und das ist der eigentliche Grund für Beratung durch Spezialisten, sind Ausschlüsse und Einschränkungen. Es geht primär darum zu verstehen und zu akzeptieren, was ein Tarif beschränkt, ausschließt oder einschränkt.

Wann und unter welchen Voraussetzungen werden welche Leistungen erbracht?

Interessant war dann noch die Frage am Ende des Gespräches.

Natürlich geht das nicht. Würden Sie als Versicherer heute das „brennende Haus“ gegen Feuer versichern? Auch wenn einige Unternehmen gerade im Bereich Zahnersatz solchen Unsinn am Markt anbieten und verkaufen, dass ist keine Versicherung. Es ist ein Kredit.

In diesem Fall ist die Aussage klar. Mit über 60 Jahren, mit >13 Jahren bei einem Versicherer, mit einer überstandenen Amputation und Vorerkrankungen? Never, ever. Klar ist hier keine Versicherung bereit,  zu dem bestehenden Risiko sich noch ein weiteres einzukaufen. Warum auch? Bei Erneuerung der Prothese kommen dann weitere Kosten dazu. Reparaturen und Verschleiß sind auch nahezu planbar. Es ist schlichtweg nicht mehr zu lösen.

Und so leid es mir tut, so wurde auch hier aus einer „ich mache es mal günstiger, was soll mir schon passieren?“ oder auch nur einer unüberlegten Entscheidung, eine lebensentscheidende.

Wenn Sie sich weiter über das Thema Prothesen informieren wollen, schauen Sie einmal bei den Herstellern vorbei. So zeigt zum Beispiel Otto Bock hier und in der Ausstellung in Berlin, was heute technisch so möglich ist. HIER zu OTTO BOCK

Was sollten Sie jetzt tun?

Es weiß niemand, wann und ob er einmal krank wird, einmal Prothesen oder andere Versorgung braucht. Sollten Sie sich damals nicht mit dem Thema beschäftigt haben und den Tarif „einfach so ausgewählt haben“, dann schauen Sie sich den nochmals an.

Was zahlt Ihr Tarif für die Versorgung in so einem Fall? Was zahlt meine gesetzliche Krankenkasse eigentlich?

Sollten Sie diese Frage nicht beantworten können, dann lassen Sie sich beraten, oder schreiben mir eine kurze Mail. Ihnen alles Gute und… hoffentlich brauchen Sie nie eine solche Prothese. Und, falls doch… dann eine gute und eine hohe Erstattung!

Mehr Preis- und Kostenbeispiele von Sachen, die einem hoffentlich nie passieren, finden Sie hier im Blog unter dem Tag #waskoststeigentlich

Lösung in den Unisextarifen

Einen Hinweis möchte ich nicht unerwähnt lassen. In den neuen Bedingungen der UNISEX Welt ist diese Beschränkung wie hier so nicht enthalten. Also der Hallesche .PRIMO Tarif ab 2012 bietet bei den Hilfsmitteln folgende Formulierung.

1.9.1 Hilfsmittelbegriff

Erstattungsfähig sind Aufwendungen für Hilfsmittel (sächliche und technische Mittel sowie Körperersatzstücke) in Standardausführung (einfache Ausführung),

  • – die Behinderungen, Krankheits- oder Unfallfolgen unmittelbar mildern oder ausgleichen (z.B. Krankenfahrstühle, Prothesen),
  • – die zur Therapie und Diagnostik erforderlich sind (z.B. Blutdruckmessgeräte),
  • – die zur Lebenserhaltung erforderlich sind (lebenserhaltende Hilfsmittel wie z.B. Beat-mungsgeräte).

Erstattungsfähig ist ferner die Anschaffung und Ausbildung eines Blindenhundes. Ebenfalls erstattungsfähig sind Aufwendungen für die Hinzuzie-hung einer Kommunikationshilfe nach der Kommunikationshilfenverordnung (z.B. Gebärdensprachdolmetscher, Schriftdolmetscher), sofern dies für die Inanspruchnahme für Leistungen nach diesem Tarif erforderlich ist.

Erstattungsfähig sind auch Aufwendungen für Unterweisung, Wartung und Reparatur von Hilfsmitteln, ausgenommen Reparaturen von Sohlen und Absätzen von orthopädischen Maßschuhen.

Hier finden wir nun keine Begrenzung auf Beträge wie die 3.500 €, wohl aber auf die „einfache Ausführung“, mit der sich ein anderer Versicherer (hier die Continentale) schon einmal vor Gericht beschäftigen musste.

19.
März '21

Württembergische PKV Modultarife – Tarifeinführung der neuen Krankenvollversicherung


Manchmal kommt es unerwartet, wie die Württembergische PKV Modultarife, welche der Versicherer aus Stuttgart veröffentlicht hat und zum 01.04.2021 offiziell einführt. Damit löst die Württembergische die alten Tarife im Bestand komplett ab. Wie und ob es Wechselrechte für Bestandskunden geben wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Schauen wir uns daher in diesem Beitrag einmal den Aufbau der Tarife genauer an.

Wer ist die Württembergische überhaupt?

Im Bereich der privaten Krankenversicherung ist die Württembergische Krankenversicherung AG jetzt nicht unbedingt als Schwergewicht der Krankenvollversicherung bekannt. Mit etwas über 22.500 Versicherten in der Krankenvollversicherung (PKV) lag das Hauptaugenmerk bisher eher auf Zusatzversicherungen. Mit dort über 420.000 Versicherten in den Zusatzversicherungen (zum Beispiel auch dem Pflegeergänzungsschutz) ist die Kundenbasis dort weitaus größer. (Alle Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2019).

Mit Einführung der neuen Vollkostentarife soll sich das nun aber ändern.

Württembergische PKV Modultarife – Tarifstruktur der Modultarife

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Kompakttarifen (in denen ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen in einem Tarif enthalten sind), hat sich die Württembergische hier anders entschieden. Ähnlich wie einige andere Unternehmen (zum Beispiel die SDK, LKH, Alt Oldenburger oder Universa) nutzt die Württembergische in den neuen Modultarifen Bausteine, oder Module, wie der Name schon sagt.

Dabei gibt es insgesamt zehn (oder eigentlich acht, wenn man ambulant mit dem Zusatz Hausarzt nicht extra zählt) Module, welche sich der Kunde mit seinem Berater selbst zusammenstellen kann. Das ist generell nicht ungewöhnlich und auch nicht von besonderem Vor- oder Nachteil gegenüber den Kompakttarifen. Denn auch bei Kompakttarifen bieten Gesellschaften heute mit umfangreichen Wechseloptionen (hier sei beispielhaft die Barmenia mit dem aktuellen Tarifwerk genannt)an und ermöglichen somit eine Anpassung des Schutzes. Wie gut diese Wechseloptionen, welche die Württembergische in Modulwechsel und „Besondere Umstellungsrechte“ teilt, dann am Ende tatsächlich sind, das schauen wir uns später genauer an.

Im Wesentlichen sieht der Aufbau der Tarife wie folgt aus:

Wuerttembergische PKV Modultarife

Württembergische PKV Modultarife – Tarifbedingungen

Basis dieses Beitrages und meiner Aussagen sind die mit vorliegenden Tarifbedingungen der Württembergische Krankenversicherung mit Stand 01.2021. Die Bedingungen finden Sie auch als markierte und kommentierte Variante im Downloadbereich, ebenso als Originalversion.

  • – Württembergische: AVB Teil I und II für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Allgemeiner Teil, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Ambulant Premium (A1+A1H) und Kompakt (A2+A2H), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Stationär Premium (S1), Komfort (S2) und Kompakt (S3), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Zahn Premium (Z1), Komfort (Z2) und Kompakt (Z3), Stand 2021
  • – Württembergische: Sonderbedingungen zur Beitragsentlastung im Alter (SBVU/SBZU), Stand 2021

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Zum schnelleren Download finden Sie hier die AVB Würtembergische Modultarife im Original Bedingungsheft und hier mit meinen Kommentierungen, Markierungen und Anmerkungen in der „gelesenen“ Version der AVB Württembergische Modultarife.

Allgemeine Versicherungsleistungen nach Teil I und II – Ausland, Neugeborene, Mindestlaufzeiten

Grundlage zunächst für alle Tarife, sind die Versicherungsbedingungen des Teil I und II, welche dann durch die weiteren Regelungen in Teil III erweitert und ergänzt werden. Versicherungsfähig sind demnach alle Personen, welche Ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Dabei ist zu beachten, wird eine Vollversicherung erst nach Wegzug beantragt, ist die Person nicht mehr versicherungsfähig. Ist die Person aber bereits versichert, so besteht auch Versicherungsschutz im Ausland. Dabei wird zwischen dem vorrübergehenden Auslandsaufenthalt und der Verlegung des Wohnsitzes unterschieden.

Für die ersten sechs Monate eines vorübergehenden Auslandsaufenthaltes leistet die Württembergische auch ohne weitere oder besondere Vereinbarungen. Wichtig und richtig ist somit auch die Formulierung, dass sich der Versicherungsschutz über diese Zeit verlängert, fall die versicherte Person die Rückreise nicht antreten kann. Hier spricht die Württembergische aber nicht von „allein aus medizinischen Gründen“. In den letzten Monaten haben wir durchaus lernen müssen, dass Ausreisen aus bestimmten Regionen der Welt auch lange nicht möglich waren, dieses wäre hiermit dann solange abgedeckt, bis die Person wieder eine Rückreisemöglichkeit hat.

Wird aber der gewöhnliche Aufenthalt ins Ausland verlegt (wohlgemerkt nach §1 (5) nur INNERHALB des Europäischen Wirtschaftsraumes, so ist ein Auslandszuschlag fällig, welcher erstmal unbestimmt ist. Voraussetzung auch hier, der Kunde muss es innerhalb der ersten sechs Monate bei dem Versicherer beantragen, der Zuschlag fällt dann ab dem 7. Monat an. Bei Rückkehr nach Deutschland und Rückverlegung des Wohnsitzes gelten wieder die alten Bedingungen und der Zuschlag entfällt. Auch für Kriegsereignisse besteht solange im Ausland Versicherungsschutz, wie bei Reiseantritt keine Reisewarnung vorgelegen hat. (§5 (1)). Wird nach §15 (3) der Wohnsitz außerhalb des EWR verlegt, so kann auch hier der Versicherte eine Vereinbarung mit Beitragszuschlag verlangen.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt bei der Württembergischen, wie bisher, zwei Jahre. Eine Kündigung ist ordentlich mit dreimonatiger Frist möglich. Besteht hingegen Arbeitslosigkeit oder vorübergehende Familienversicherung, so kann der Versicherer bis zu 6 Monaten ein Ruhen vereinbaren, danach ist der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung wie üblich möglich.

Bei Neugeborenen besteht auch hier eine Nachversicherungsgarantie, so dass Ihr Kind ohne Gesundheitsfragen aufgenommen und auch rückwirkend ab Geburt versichert ist. Dabei beginnt der Versicherungsschutz ab VOLLENDUNG der Geburt. Eine Nachversicherung ohne Gesundheitsfragen ist nur dann möglich, wenn die Eltern eine dreimonatige Vorversicherungszeit erfüllt haben, oder bei Vertragsschluss des versicherten Elternteils die 20. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht war.

Die Wartezeiten entfallen bei Abschluss einer Krankenvollversicherung generell. Möchte der Versicherer (oder muss) er den Beitrag anpassen, so bedarf es hierbei einer Gegenüberstellung der Kosten, welche sich im 5% unterscheiden muss. Diese geringeren Prozentsätze (in alten Bedingungen sind manchmal noch 10% enthalten) ermöglichen eine schnellere Reaktion.

Tarifleistungen etwas detaillierter

Im Wesentlichen konzentriere ich mich auch in dieser Beschreibung auf den Premiumschutz, erwähne aber in Details die Beschränkungen in anderen Tarifbausteinen und gebe Hinweise dazu. Generell sorgen die Wechselrechte zumindest für einige Verbesserungsoptionen und auch die Rückkehrmöglicheiten, welche ich im Detail unten unter „Optionsrechte“ erkläre.

Ärztliche und zahnärztliche Honorare

In der Premiumvariante sind bei den ärztlichen und zahnärztlichen Honoraren die Kosten auch ÜBER die Höchstsätze der jeweiligen Gebührenordnung hinaus erstattungsfähig, solange eine gültige Honorarvereinbarung vorliegt. Die 100% Leistung für Arzthonorare berücksichtigt (mit extra Nennung) ebenso Leistungen aus Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Laborgemeinschaften, Radiologischen Zentren oder ärztlichen Akutdiensten. Bei Heilpraktikern ist die Erstattung jedoch selbst im Premiumtarif auf 80% und zusätzlich auf 2.000 € pro Versicherungsjahr begrenzt. Wer im Komforttarif versichert ist, bekommt für die Heilpraktikerbesuche ebenfalls 80%, aber max. 500 € pro Jahr.

Nährmittel sind bei Vorliegen einer Enzymmangelkrankheit oder Mukoviszidose ebenso erstattungsfähig, wie generell die enterale und parenterale Ernährung. Voraussetzung ist hier immer die med. Indikation, dass eine Nahrungsaufnahme normal nicht mehr möglich ist, aber aus „Spaß“ macht das auch tatsächlich niemand. Selbst an die Mittel zur Regulierung der erektilen Dysfunktion hat der Versicherer gedacht, und definiert hierfür enge, aber klare Kriterien wann diese Mittel erstattungsfähig sind. Unter Punkt 1.3 der Ambulanten Bedingungen finden Sie die Aufzählung der Krankheitsbilder.

Hilfsmittel und Sehhilfen

Brillen, besser Sehhilfen sind je nach Tarifstufe bis 400 € (Premium oder Komfort 250 €) innerhalb zwei Jahren erstattungsfähig. Sollten Sie Ihre Augen einer Laserbehandlung unterziehen wollen, stehen hier nach definierten Kriterien von 2.000 € pro Auge innerhalb von 10 Jahren (Premium) bis 500 € (Komfort) zur Verfügung. Zusätzlich greifen hier Leistungsgrenzen in den ersten drei Jahren, die eine gezielte Inanspruchnahme direkt nach Wechsel in die PKV verhindern soll.

Wichtiger und meist auch deutlich kostenintensiver sind andere Hilfsmittel, auch wenn deren Eintrittswahrscheinlichkeit geringer sein mag. Dabei sind neben lebenserhaltenden Hilfsmitteln, Körperersatzstücken, Hörgeräten und mehr, auch der Blindenhund und die Allergiker Bettwäsche extra genannt. Für einige Hilfsmittel gelten bestimmte und definierte Höchstgrenzen in Euro, welche bei Beitragsanpassungen in der Zukunft angepasst werden können. Wann  und in welchem Umfang eine solche Anpassung von absoluten Eurobeträgen erfolgt, kann der Kunde allerdings nicht planen.

Bei orthopädischen Schuhen wird ein, wie ich finde vertretbarer, Eigenanteil von 70 € für normales Schuhwerk abgezogen. Ebenso sind Apps welche als Medizinprodukt zertifiziert sind ebenso zu erstatten, wie Kommunikationshilfen wie Gebärdendollmetscher bei entsprechender Indikation.

Vorsicht ist aber geboten bei einer interessanten anderen Formulierung. In 1.5 der ambulanten Bedingungen heißt es:

„Nicht erstattungsfähig sind Hilfsmittel, für die die Pflegepflichtversicherung leistungspflichtig ist.“

Klar ist, warum solche Formulierungen getroffen werden, damit keine Doppelleistung anfällt und auch, weil die Kosten dann auf die Pflegeversicherung „abgewälzt“ werden sollen. Diese Regelung hat ein anderer, großer Versicherer auch in den Bedingungen und vor Abschluss sollten Sie zumindest die Formulierung kennen und mögliches Streitpotential abschätzen können.

Generell gilt bei Hilfsmitteln eine Erstattung von 80%, welche sich auf 100% erhöht, wenn: – der Versicherer mit der Beschaffung beauftragt wird, – das Hilfsmittel nicht mehr als 1.000 € kostet oder im Rahmen eines akuten Notfalls beschafft wird, oder es sich um eine erstattungsfähige Perücke handelt. (bei Chemotherapie oder kreisrundem Haarausfall).

Psychotherapie, Vorsorge, ambulante Operationen

Bei der Psychotherapie gibt es eine recht interessante Formulierung. Die Anzahl der Sitzungen, welche bei der Premiumvariante auf 100% für 60 Sitzungen begrenzt ist, beschränkt sich auf den Behandlungsfall und nicht das Jahr. Wer also an einem Versicherungsfall wie einer langwierigen Depression leidet, der muss nach 60 Sitzungen (auch wenn es über Jahre geht) eine entsprechende Zusage einholen. Diese wird laut Bedingungen erteilt, wenn die Behandlung (weiter) medizinisch notwendig ist, muss und sollten Sie aber vorher wissen. In der untersten Tarifstufe werden 5 probatische Sitzungen zu 100%, danach 30 zu 80% erstattet, bevor weitere Genehmigungen nötig sind.

Eine Besonderheit für die Selbstbeteiligung gilt bei ambulanten Operationen. Hier wird auf die Anrechnung der SB verzichtet, solange diese im Katalog stationsersetzender Operationen genannt ist. Damit kann eine solche OP auch ohne Abzug von Eigenanteilen durchgeführt werden.

Ähnliche Regelungen gibt es bei den Vorsorgeuntersuchungen. Hier werden im Premiumtarif bis zu 1.000 € pro Jahr nicht auf SB und Beitragsrückerstattung angerechnet. Dazu gehören neben ambulanten Vorsorgeuntersuchungen auch Impfungen, selbst dann, wenn diese aus Anlass einer Auslandsreise durchgeführt werden. Präventionskurse sind bis zu einem Betrag von 150 € on Top erstattungsfähig, solange Sie mind. 80% Teilnahme nachweisen können. Selbst im Komforttarif sind es immerhin noch bis zu 500 € pro Jahr.

Hausarztmodell, Generika Regelung

Die Tarifvarianten generell unterscheiden sich im ambulanten Bereich nach Premium und Komfort und existieren jeweils noch in einer Hausarztvariante. In letzteres gilt nur dann eine 100% Erstattung, wenn die Behandlung unter den Haus-/Primärärzten begann. Wer sich nicht daran hält, der kürzt seine Erstattung auf 70%. Ähnliche Einschränkungen gelten für Medikamente. Im Hausarzt Premium erfolgt für die ersten 2.500 € nur eine 70% Erstattung (also zusätzlich 750 € max. Eigenanteil, es sei denn Patienten nutzen Generika, dann gilt diese Einschränkung nicht.

Stationäre Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Fangen wir hier eher von unten an, da die Tarife dann aufeinander aufbauen. Der stationär Kompakt (S3) leistet, wie die drei schon vermuten lässt, das Mehrbettzimmer in der stationären Versorgung. Dabei sind auch hier nur die Regelleistungen, also durchaus zu vergleichen mit einem gesetzlichen Versicherungsschutz in der Tarifleistung enthalten. Auch hier werden jedoch auch Belegärzte, Hebammen und Leistungen für Begleitpersonen für bis zu 16-jährige Kinder genannt.

Bei einer Aufnahme in eine gemischte Anstalt ist hier, wie mittlerweile üblich, keine Meldung oder gar Zusage vorher nötig. Leistungen für eine stationäre Anschlussheilbehandlung sind dann erstattungsfähig, wenn der Versicherer vorher zugesagt (wird er laut Bedingungen bei med. Notwenigkeit) hat und wenn diese binnen 4 Wochen (oder fall med. Gründe dagegen sprechen auch später) beginnt. Ähnliche Regelungen finden sich für die Stationären Rehabilitationen. Bei Kuren sind die Kosten auf 3.000 € innerhalb von drei Versicherungsjahren begrenzt, aber enthalten. (die 3.000 € gelten auch in der Premium S1 Variante)

Wie auch im ambulanten Bereich, ist auch die Palliative Medizin versichert. Hier orientiert sich die Württembergische an der GKV und leistet bis zu deren Aufwendungen mit 100%.

Bei Krankentransporten, welche bei Notfällen, der Erstversorgung oder Geh-, Seh- oder Fahruntauglichkeit im Umkreis von 100km erstattet werden, gibt es auch hier Ausnahmen. Sollte kein Krankenhaus geeignet sein, so darf „die Reise auch weiter gehen“. Private Krankenfahrten sind hingegen auf 300 € pro Jahr begrenzt und werden mit 0,30 € pro km abgerechnet. Im Premiumtarif liegt hier die Grenze bei 500 €. Zudem ist dort auch die Kostenübernahme für Wunschverlegungen in ein anderes Krankenhaus (wenn es keine Intensivbetreuung braucht) versichert.

Stationäre Kurzpflege, Rücktransport, Bergungen

Auch wer nicht pflegebedürftig ist, kann einen Bedarf an einer kurzen Pflege haben. Dieses passiert zum Beispiel nach einer Krankenhausbehandlung oder einer ambulanten OP, aber auch bei akuter Verschlimmerung einer Krankheit. Der Punkt 9 des S1 regelt auch hier die Grundlagen und bietet eine Erstattung von 100% nach den vorhandenen Kriterien an.

Wer aus dem Ausland zurück nach Deutschland transportiert werden muss, der kann das nicht nur bei medizinischer Notwenigkeit, sondern auch bei medizinisch sinnvollen Krankentransporten. Dieses kann aus psychologischen Gründen sinnvoll und angeraten sein. Ein solcher Transport muss medizinisch organisiert und die Transportfähigkeit vorher bescheinigt sein.

Bergungskosten sind bis 15.000 €, die Überführungskosten eines Verstorbenen bis 10.000 € bedingungsgemäß versichert.

Stationäre Wahlleistungen – Einbett, Zweibett, Privat-/ Chefarzt

Im Gegensatz zum Kompakt, bietet die Stationär Komfort bereits den Schutz für Wahlleistungen. So wird hier das Zweibettzimmer bzw. der Zuschlag hierfür bedingungsgemäß erstattet, ebenso die privatärztliche Leistung und diese auch über die Höchstsätze bei entsprechender Honorarvereinbarung.

Wer sich für die Premiumvariante entscheidet (S1), der kann sich auch im Einbettzimmer mit einer entsprechenden Kostenerstattung behandeln lassen. Steht ein solches nicht zur Verfügung, so werden entsprechende Ersatzkrankenhaustagegelder von 50 oder 20 € geleistet, um dieses auszugleichen.

Zahnärztliche Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Auch hier existieren drei unterschiedliche Tarifmodelle. Wir schon aus den beiden anderen Leistungsgruppen bekannt, folgen diese auch der Logik unterschiedlicher Leistungen.

100% Zahnbehandlung in allen Tarifvarianten. Hier werden (unter Punkt 1.3) die Zahnbehandlung und auch diverse prophylaktische und konservierende Leistungen genannt, dazu gehören auch Inlays, Aufbissschienen etc. Die Kosten für Zahnvorsorge hingegen staffelt sich von 500 € pro Jahr in der besten Tarifvariante bis 300 € im Kompakt. Zudem werden diese Leistungen nicht auf die Beitragsrückerstattung angerechnet.

Danach geht es aber in die Unterschiede. Während der Premium eine Zahnersatzleistung bis 90% vereinbart, liegt es in den anderen Tarifen bei 75% im Komfort- und 60% im Kompakttarif. Eine solche Leistung lässt sich jeweils um 5% erhöhen, wenn Partnerlabore genutzt werden.

Bei der Kieferorthopädie variieren die Erstattungen (unter vorher definierten Regeln siehe 1.5.) von 90/70% im Premium bis hin zu 60/50% in dem Kompakt Tarif. Der zweite Prozentsatz ist der, wenn kein Heil- und Kostenplan vor Handlung vorliegt. Zu beachten auch, diese Kosten sind generell nur bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erstattet werden. Ausnahmen bei Erwachsenen bestehen nur bei Unfall oder schweren Kieferanomalien.

Zudem genau zu beachten sind die Erstattungsgrenzen in den ersten Jahren. Während bei dem Premiumtarif diese mit 1.000/ 2.000/ 3.000 und 4.000 € in den ersten vier Jahren durchaus vertretbar sind, sollten Sie sich diese im Kompakt mit 600 bis 2.400 € in den ersten vier Jahren genau überlegen. Die Höchstgrenzen gelten sowohl für Zahnersatz, aber auch für Kieferorthopädie.

Auch bei den Zahntarifen besteht ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung, zum Beispiel nach einer Behandlung mit Betäubung. Hierbei gelten 100-300 € pro Jahr bei Privatfahrten als zusätzliche Obergrenze. Gerade bei dem Einsetzen von Implantaten oder Zahnbehandlungen mit Betäubung oder dem so genannten Dämmerschlaf, besteht oft direkt danach noch eine Fahruntüchtigkeit.

Optionsrechte und Wechselmöglichkeiten

Im Teil III des Allgemeinen Teils regelt die Württembergische auch die Optionen zur Verbesserung des Schutzes. Während eine Reduzierung der Leistung (als der Tarife oder aber eine Steigerung der Selbstbeteiligung) immer möglich ist, bedarf eine Verbesserung der Leistung oder die Vereinbarung einer kleineren Selbstbeteiligung normalerweise einer neuen Gesundheitsprüfung. Da diese im Alter oder auch im Vertragsverlauf generell schwieriger sein kann, hat auch die Württembergische hier Optionsrechte eingebaut. Diese unterscheiden sich in zwei Bereichen.

Modulwechseloption (I.2. AVB)

Zunächst sei nicht unerwähnt, dass dieses Modulwechselrecht nur bis zum 50. Lebensjahr besteht und der Anlass bis zu diesem Termin eingetreten sein muss. Wer von einer selbstständigen zu einer Angestelltentätigkeit wechselt (nur in diese Richtung), der kann den Versicherungsschutz verbessern. Dabei muss der jeweilige Antrag innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Ein weiteres Optionsrecht zur Verbesserung des Schutzes besteht nach Ende des dritten oder fünften Versicherungsjahres. Dabei ist wichtig zu erwähnen, für Kinder, welche ohne Gesundheitsprüfung über die Kindernachversicherung zum Versicherer kamen, gelten diese Rechte nach dem 3. und 5. Jahr nicht.

Sonst besteht das Wechselrecht bei Änderung des beruflichen Status jedoch auch für mitversicherte Kinder, wenn die Eltern gleichermaßen wechseln.

Besonderes Umstellungsrecht (I.2. AVB)

Neben den Modulwechselrechten bestehen noch weitere Umstellungsrechte. Dabei geht es im Wesentlichen um eine RÜCKumstellung nach einer Reduzierung des Versicherungsschutzes bei Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Sabbatical oder auch der beruflichen Reduktion auf eine Teilzeitstelle. Zum Ende des Ereignisses, spätestens aber EIN JAHR nach Reduzierung, ist somit die Rückkehr in den alten Schutz wieder möglich.

Lediglich bei Reduzierung aufgrund des Wechsels von Angestelltentätigkeiten zu selbstständiger Tätigkeit beträgt die Frist drei statt eines Jahres.

Elternzeit, Kinderkrankengeld und besondere Leistungen

Auch an eine Beitragsfreistellung bei Elternzeit hat die Württembergische gedacht und diese in den Tarif aufgenommen. Dabei wird in den ersten sechs Monaten des Bezuges von Elterngeld der Versicherungsschutz von der Beitragszahlung befreit, wenn innerhalb von zwei Monaten der Bezugsbeginn nachgewiesen wird. Ausgeschlossen ist es nur dann, wenn bereits bei Antragstellung Schwangerschaft bestand oder die Entbindung schon stattfand.

Im Premiumtarif findet sich auch eine Leistung bei Erkrankung eines Kindes. Diese ist eher ein Witz und Marketinggag, hat aber wenig bis nichts mit wirklicher Leistung zu tun. Hier bietet der Versicherer 200 € PAUSCHAL an, wenn das Kind auch bei der Württembergischen versichert ist UND die Krankschreibung mit dem Kind mindestens 5 Tage dauerte. Zudem wird max. zweimal pro Jahr diese Pauschale gezahlt. Sorry liebe Württembergische, aber das bringt im Leistungsfall mehr Frust als Freude. 200 € pauschal und das nur, wenn lange krank, ernsthaft?

Leistungen bei Palliativtherapie, Versorgung in Hospizen sowie auch Leistungen bei Nichtärztlicher Osteopathie haben dagegen Ihren Weg sauber in die neuen Bedingungen gefunden. Natürlich gibt es auch hier Begrenzungen (zum Beispiel im Premiumtarif max. 8*80 € für die Osteopathie), weiterhin sind die erstattungsfähigen Behandler in Punkt 1.20 genauer definiert und zu beachten.

Kinderwunschbehandlung wird in den Punkten 1.23 geregelt und leistet bis zu 8 Inseminationen oder 3 IVF Maßnahmen, auch hier gelten Vorgaben wann genau eine Leistungspflicht, bis zu welchem Alter, besteht. Dieses sollten sich Versicherte genauer anschauen, wenn es Bedarf gibt und natürlich vor Abschluss. In den ersten drei Versicherungsjahren ist zudem je nach Ambulanttarif auf 2.500 € (Premium) bis hin zu 1.800 € (Komfort) begrenzt.

Haushaltshilfen werden bis zu 100% und max. 6 Wochen (15 € / Std. und 80 pro Tag max.) geleistet. Hierbei ist zu beachten, dass die zeitliche Begrenzung auf den Versicherungsfall, nicht auf das Jahr begrenzt ist. Eine ähnlich eigenwillige Formulierung haben wir vorhin schon bei der Psychotherapie gesehen.

Weitere Leistungen wie Soziotherapie, Frühforderung bei Kindern und weiteren Bausteinen in der Leistung, finden Sie in den Bedingungen der Tarife detailliert erklärt.

Beispielprämien

In unserem Fall nehmen wir einen 30jährigen Musterkunden. Dabei setzen sich die Preise nach den Bausteinen zusammen. In der höchstmöglichen Kombination ergeben sich hier:

A10: 403,79
S1: 162,97
Z1: 88,60
PVN: 36,90
gesetzl. Zuschlag: 65,54
Gesamtbeitrag: 757,80 Euro

DAZU kommt noch der Beitrag für das Krankentaggeld (dabei kosten 100 € Tagessatz hier 34,20 €)  in entsprechender Höhe.

Wer sich hingegen für die höchste SB Stufe (die so bei Angestellten aus AG Zuschuss und Steuergründen nur so mittelmäßig sinnvoll ist) entscheidet, dessen Gesamtbeitrag reduziert sich um 156 auf 247,14 € für den Baustein (plus gesetzlichen Zuschlag). Damit rechnet sich diese Option eher nicht. Auch wenn der Betrag erstmal eine höhere Ersparnis verspricht, der nicht durch die Eigenbeteiligung von 1.440 € „aufgefressen wird“, ist es in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Grund sind hier Steuern, Arbeitgeberzuschuss und damit verbundene Effekte.

Dieses sind beides jedoch nur erste Beispielprämien, Beiträge für Kinder und andere Kombinationen sind noch nicht berechenbar und folgen gern nach dem 1.April. Mir liegen nunmehr auch die vollständigen Prämien vor.

Schauen wir uns daher die Kombinationen bei Kindern an:

Kinder zwischen 0 und 15 gelten als eine Altersstufe. In der besten Absicherung fallen hierfür folgende Prämien an:

Ambulant Premium OHNE SB: 130,25 € (bei 480 SB (wird noch halbiert) dann 100,99 €)
Stationär Premium: 46,20 €
Zahn Premium: 62,57 €
= GESAMT: 239,02 €
bei der SB Variante sind es insgesamt 209,76 €

Jugendliche im Alter ab 16 bis 20 zahlen ohne SB 269,60 € in der Kombination Premium, mit SB dann 236,53 €.

Für wen eignen sich die Tarife?

Zunächst muss ein Versicherungsschutz immer zu der Person passen. Das bedeutet auch, ein Tarif ist (bis auf wenige besondere „Kandidaten“) niemals generell gut oder schlecht. Die Tarife bieten eine gewisse Art von Flexibilität bei besonderen Situationen, wenn eine Reduzierung des Schutzes geboten ist. Danach sichern diese bis zum 50. Lebensjahr eine einfache Rückkehr in den neuen Schutz.

Eine besondere Option ist dieses aber am Ende dennoch nicht. Hier fehlen flexiblere Modelle zur Anpassung des Schutzes auch in den kommenden Jahren ohne Ereignis. Aber bekanntlich ist alles Gute nie beisammen. Ob der Versicherer nun zu Ihnen passt und wie die Alternativen am Markt aussehen, dass bleibt wie immer einer Beratung vorbehalten und pauschale Tipps sind nicht möglich.

Unter den Auswahlkriterien oder aber auch der Beratungsseite zur PKV finden Sie weitere Informationen und Fakten und eine Menge Fragen mit denen Sie sich vor einer Anfrage zur PKV beschäftigen sollten.

Für wen eignen sich die Tarife nicht?

Beamte und Beamtenkinder, bzw. solche die es mal werden wollen. Die Württembergische bietet keine Beamtentarife. Nun kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie Beamtin oder Beamter werden will. Aber was, wenn Sie die Partnerin/ den Partner ihres Lebens treffen und die Kinder im Rahmen einer Kindernachversicherung versichern wollen? Das ist nicht ein alleiniger Grund den Schutz nicht zu nutzen, aber, es ist eine Überlegung wert.

Dabei bleibt aber der Fairness halber zu erwähnen, dass ein Kind bekanntlich zwei Eltern hat und es sich so auch einen Schutz über die Neugeborenennachversicherung der Mutter oder des Vaters sichern kann, der / die woanders versichert ist.

Auch der Schutz über Optionstarife ist ein vorher lösbares Problem.

Württembergische PKV Modultarife – Fazit

Die Württembergische hat mit den neuen Tarifen sicher einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dabei sind niemals alle guten Dinge beisammen und Formulierungen bei diversen Bereichen, darunter Psychotherapie, Wechselrechte, Hilfsmittel und einige mehr sind sicher zu diskutieren. Bestehende Kunden bei der Württembergische sollten sich die neuen Tarife als Wechseloptionen durchaus (auch mit neuer Risikoprüfung) ansehen.

Sobald mehr Prämien verfügbar sind, können wir hier auch weiter etwas mehr zur Markteinordnung sagen. Mit den derzeitig bekannten Prämien in der Premiumkombination sieht es jedoch durchaus gut positioniert aus.

Im Bereich der Prämien für Kinder ist hier zu erwähnen, es handelt sich um einen hochwertigen Schutz, welcher seinen Preis hat. Nehmen wir jedoch eine „mittlere“ Leistungsvariante für Kinder, wie den Tarif Esprit vom Deutschen Ring/ Signal Iduna, so müssen wir diesen auch mit anderen Bausteinen vergleichen. Eine denkbare Kombination wäre dabei dann

Ambulant Komfort, Stationär Komfort (2 Bett) und Zahn 2: 158,47 € und damit wieder „näher an den“ 138 € des Esprit und auch besser vergleichbar. Zudem sind auch die Kriterien zur Kinderalleinversicherung zu beachten.

16.
März '21

Anwartschaft oder Optionstarif – wo liegt der Unterschied und was passt für wen?


Wer sich mit dem Thema der heutigen oder zukünftigen Gesundheitsvorsorge beschäftigt, der kommt für sich und die Kinder um Fragen zur Anwartschaft oder Optionstarif nicht drum herum. Dabei haben beide Produkte etwas gemeinsam, unterscheiden sich aber zum anderen auch grundsätzlich. Je nach Anwendungsfall sichern beide ein bestimmtes Ziel ab.

Als Teil meiner Serie: Leserfragen aus dem LiveChat, schauen wir uns heute diese beiden Formen der Absicherung an. Nachdem es bei Fragen wie „Kann ich als Kassenpatient in eine Privatpraxis?„, „Darf mich die PKV bei hohen Kosten rauswerfen?“ um praktische Beispiele ging, behandelte ich bei der Frage nach Karenzzeiten Basiswissen. Hierzu gehört auch die Frage „Anwartschaft oder Optionstarif„? Wie immer geht es erst einmal um Grundlagenwissen. Bevor wir also bewerten und beschreiben können was für wen passt, schauen wir uns erstmal an, worüber wir überhaupt reden.

Anwartschaft oder Optionstarif – Basiswissen

Anwartschaft – was ist das?

Als ich die Frage heute bei twitter gestellt habe, hat Kai geantwortet: „Anwartschaft ist ein ruhendes Vertragsverhältnis“. Das trifft es schon gar nicht so schlecht. Auch hier im Glossar habe ich es im Wesentlichen so geschrieben. Eine Anwartschaft ist ein ruhendes Vertragsverhältnis welches vor, zwischen oder nach einer „normalen“ Privaten Krankenversicherung bestehen kann.

Ganz einfach kann man auch sagen: Sie zahlen für einen Versicherungsschutz, welcher nicht leistet. Das klingt jetzt jedoch negativ und so ist es gar nicht. Mit einer Anwartschaft auf eine private Krankenversicherung lassen sich mehrere Ziele erreichen. Klar muss sein, eine Anwartschaft existiert in unterschiedlichen Varianten. Dabei muss nicht jede Gesellschaft beide Modelle anbieten.

Durch eine Anwartschaft ruht ein „normales Vertragsverhältnis“, welches sonst einen Versicherungsschutz gewähren würde und erhält dem Versicherten seine Rechte. Wer also einen Vertrag „in Anwartschaft“ umstellt, weil zum Beispiel für ein paar Monate Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse eingetreten ist, der möchte ja nicht danach wieder „von Null anfangen“. Also keine neuen Gesundheitsfragen beantworten müssen, keine Altersrückstellungen verlieren und somit einfach den Vertrag „ruhen lassen“.

Aber: Eine Anwartschaft ist tarifbezogen. Sie entscheiden, oder entschieden sich in der Vergangenheit, sich für einen Tarif, der ruht nun und in den kehren Sie dann zurück. Anwartschaft groß oder klein

Anwartschaft – warum gibt es große und kleine Anwartschaften?

Bei der Anwartschaft gibt es zwei Modelle. Eine so genannte „große Anwartschaft“ und dann natürlich auch eine „kleine“. Fangen wir zunächst mit den Gemeinsamkeiten an. Mit beiden Anwartschaften „frieren Sie Ihren Gesundheitszustand ein“. Das bedeutet also, nutzen Sie eine Anwartschaft heute und können sich erst ab dem 1.1. des Folgejahres privat versichern, so ist es egal, ob Sie bis dahin krank sind oder werden. Eine neue Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Ebenso ist es, falls Sie heute privat versichert sind und durch Arbeitslosigkeit zurück in die GKV müssen. Mit einer Anwartschaft sichern Sie das Recht, nach Ende der Versicherungspflicht wieder in die Private Krankenversicherung zurückkehren zu können und keine neuen Gesundheitsfragen zu beantworten.

Bei einer kleinen Anwartschaft war es das nun auch schon. Also, der Sinn einer solchen Absicherung ist, den Gesundheitszustand nicht weiter prüfen zu müssen.

Die große Anwartschaft hingegen kann noch etwas mehr. Diese sichert neben dem Gesundheitszustand auch das Eintrittsalter und bildet damit weiterhin (oder schon vor Vertragsbeginn der Voll-KV) Alterungsrückstellungen. So können Sie auch im kommenden Jahr noch ein Jahr jünger in die PKV wechseln.

Grund für dieses Privileg sind die Altersrückstellungen, welche Sie mit der Prämie für die große Anwartschaft bezahlen. Damit ist diese auch deutlich teurer im Vergleich zur kleinen Anwartschaft.

Die Anwartschaft ist zudem an einen Zeitpunkt und ein festes Ereignis gebunden. Welche Probleme es geben kann, wenn dieser verpasst wird, das können Sie in dem Beitrag zur Central und der Anwartschaft nachlesen.

Optionstarif – was ist das?

Auch in der Vergangenheit gab es schon Optionstarife, wenn auch nicht so „schöne“ wie die, die wir heute kennen. Aber zunächst auch hier einmal die Frage, was so ein Optionstarif denn überhaupt kann und soll.

Auch hier wieder eine Twitterantwort, diesmal von Pierre. „Bei einem optionstarif kaufe ich, meist die Pflicht, bei nächster Möglichkeit, zum Gesundheitsstatus bei Abschluss, mich bei dieser Gesellschaft zu versichern.“ Fast…

Der Optionstarif bringt mir ein RECHT, das Recht zu einem bestimmten Ereignis oder aber auch bei mehreren Ereignissen, vorher definierte Arten eines Versicherungsschutzes abschließen zu können, OHNE dass es einer neuen Gesundheitsprüfung bedarf. Dabei ist der große Unterschied zur Anwartschaft der, dass eine Entscheidung WELCHEN Tarif ich denn nun abschließen möchte, erst bei AUSÜBUNG der Option fällt. So können Sie zum Beispiel heute einen Optionstarif (wie zum Beispiel Hallesche OptiFree oder Barmenia „Mehr Optionen“, aber auch OptiFlex der Allianz viele Ereignisse abdecken.

Optionen sind keine kleine Anwartschaft

Der große Unterschied zur Anwartschaft: Es ist nicht auf einen Tarif, wohl aber auch auf eine Gesellschaft beschränkt. Heißt auch hier, vor Abschluss eines solchen Optionstarife sollte immer geprüft werden, ob die jeweilige Gesellschaft überhaupt passende Tarife hat. Nur wenn später das Ziel eines ist, was mir gefällt, nur dann lohnt sich eine solche Option.

Dazu kommt bei den neueren Optionstarifen noch ein großer Vorteil. Diese lassen sich mehrfach und zu vorher festgelegten Zeiten „ziehen“. So kann ein Student diese heute abschließen, in einigen Jahren eine stationäre Zusatzversicherung abschließen (die Option bleibt bestehen), dann ein Krankentagegeld (Option erhalten), dann wieder um eine Zahnzusatz oder später eine Krankenvollversicherung.

Diese Optionen lassen sich also, je nach Tarif und Bedingungen, mehrfach und in unterschiedlichen Bereichen ausüben. Es gibt aber keinen Zwang. Damit schaffen die neuen Optionstarife auf Versichererseite eine hohe Kundenbindung und wachsen über das Leben mit, begleiten es. Auf der Kundenseite ergibt sich aber dadurch der große Vorteil, einen Gesundheitszustand einfrieren zu können und den dann in Versicherungsschutz umzustellen, wenn der Bedarf entsteht.

Auch für die Vermeidung von großen Nachzahlungen der GKV bei dem Ende der Familienversicherung bei Kindern, können diese Optionstarife mehr als hilfreich und nützlich sein. So sparen diese manchmal tausende Euro Nachzahlungen. Hier entsteht also, je nach Bedingungen, ein Recht auf Versicherungsschutz bei Entfall der Familienversicherung und damit ohne Risiko bei dem Gesundheitszustand des Kindes.

Anwartschaft oder Optionstarif Unterschiede

Anwartschaft oder Optionstarif – Fragen

Schauen wir uns einige Fragen an. Wenn Sie mehr Fragen haben, dann finden Sie unter den Kontaktmöglichkeiten Wege, mir diese zu stellen. Auch unter diesem Beitrag als Kommentar können Sie das gern tun. Falls diese für alle Leser interessant sind, ergänze ich Frage und Antwort dann auch hier.

Muss ich mich auf eine Gesellschaft festlegen?

Ja. Sowohl die Anwartschaften, aber auch die Optionstarife beziehen sich auf eine Gesellschaft. Einen Optionstarif bei Gesellschaft A und dann später eine Kranken(zusatz)versicherung bei Gesellschaft B geht nicht, zumindest nicht unter Nutzung der Option. Natürlich können Sie auch später normale Anträge woanders stellen. Das Optionsrecht ist aber dabei dann nicht nützlich, das gilt nur bei der Gesellschaft, wo der Tarif auch besteht.

Darf ich mehrere Optionen abschließen?

Ja, generell können Sie mehrere Optionstarife haben. Dabei sind Meldepflichten und Anzeigepflichten wichtig, da hierdurch sonst Obliegenheiten verletzt werden können. Sie sollten also alle Versicherer voneinander informieren, Ihr Berater weiß hier mehr.

Nehmen wir einen Studenten. Der weiß noch nicht, ob er Beamter oder Angestellter wird. Eine Gesellschaft hat aber für ihn großartige Tarife für Beamte, weniger tolle für Angestellte. Nun möchte unser Student lieber auf Nummer sicher gehen und schließt zwei Optionstarife ab. Da die Prämien nicht so hoch sind, geht das auch finanziell. Zu dem entsprechenden Ereignis kann er nun aus zwei Gesellschaften und unzähligen Tarifen wählen.

Wann passt eine Anwartschaft besser?

Wer über Jahre bereits versichert war und nun arbeitslos oder aus anderen Gründen (begrenzt) versicherungspflichtig wird, der kann mit einer Anwartschaft die Rechte in seinem Tarif, seinem Vertrag und bei seiner Gesellschaft sichern. Das kann der Gesundheitszustand sein, aber auch die bestehenden und bereits angesparten Altersrückstellungen.

Da unser Beispielkunde aber in seinen Tarif wieder zurückwill, ist eine Anwartschaft eine überlebenswerte Variante.

Für wen sind die Optionstarife eine Überlegung wert?

Wer nur weiß zu welcher Gesellschaft, aber nicht planen kann oder will, welche Art Schutz er wann braucht, der ist mit den Optionstarifen flexibler. Damit eröffnen sich mehr Tarife und Optionen. Auch die Wahl ob Zusatzversicherung oder Vollkrankenschutz ist nicht jetzt zu treffen. ABER: Es wird nur das Recht auf den Abschluss zu dem späteren Zeitpunkt gegeben, es werden keine Altersrückstellungen angespart und damit gilt später das jeweilige Alter bei Abschluss/ Umwandlung.

Anwartschaft oder Optionstarif – Beratung tut not

Auch hier sehen wir wieder gut. Alles Gute ist nie zusammen und alle Vorteile lassen sich nicht kombinieren. Aber, wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigen, sich Gedanken machen und beraten lassen, so lassen sich mit Anwartschaften, aber auch gerade mit Optionstarifen viele Türen öffnen. Damit schaffen Sie sich Flexibilität und Planbarkeit für die Zukunft. Bei Fragen, fragen Sie einfach.

Übrigens: Eine Beratung zu einem Optionstarif ist fast so umfangreich wie zur Krankenversicherung. Warum? Weil die Gesellschaft damit entschieden wird und am Ende ist diese Entscheidung die wichtigste und Sie treffen diese mit Abschluss des Optionstarifs.