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19.
März '21

Württembergische PKV Modultarife – Tarifeinführung der neuen Krankenvollversicherung


Manchmal kommt es unerwartet, wie die Württembergische PKV Modultarife, welche der Versicherer aus Stuttgart veröffentlicht hat und zum 01.04.2021 offiziell einführt. Damit löst die Württembergische die alten Tarife im Bestand komplett ab. Wie und ob es Wechselrechte für Bestandskunden geben wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Schauen wir uns daher in diesem Beitrag einmal den Aufbau der Tarife genauer an.

Wer ist die Württembergische überhaupt?

Im Bereich der privaten Krankenversicherung ist die Württembergische Krankenversicherung AG jetzt nicht unbedingt als Schwergewicht der Krankenvollversicherung bekannt. Mit etwas über 22.500 Versicherten in der Krankenvollversicherung (PKV) lag das Hauptaugenmerk bisher eher auf Zusatzversicherungen. Mit dort über 420.000 Versicherten in den Zusatzversicherungen (zum Beispiel auch dem Pflegeergänzungsschutz) ist die Kundenbasis dort weitaus größer. (Alle Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2019).

Mit Einführung der neuen Vollkostentarife soll sich das nun aber ändern.

Württembergische PKV Modultarife – Tarifstruktur der Modultarife

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Kompakttarifen (in denen ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen in einem Tarif enthalten sind), hat sich die Württembergische hier anders entschieden. Ähnlich wie einige andere Unternehmen (zum Beispiel die SDK, LKH, Alt Oldenburger oder Universa) nutzt die Württembergische in den neuen Modultarifen Bausteine, oder Module, wie der Name schon sagt.

Dabei gibt es insgesamt zehn (oder eigentlich acht, wenn man ambulant mit dem Zusatz Hausarzt nicht extra zählt) Module, welche sich der Kunde mit seinem Berater selbst zusammenstellen kann. Das ist generell nicht ungewöhnlich und auch nicht von besonderem Vor- oder Nachteil gegenüber den Kompakttarifen. Denn auch bei Kompakttarifen bieten Gesellschaften heute mit umfangreichen Wechseloptionen (hier sei beispielhaft die Barmenia mit dem aktuellen Tarifwerk genannt)an und ermöglichen somit eine Anpassung des Schutzes. Wie gut diese Wechseloptionen, welche die Württembergische in Modulwechsel und „Besondere Umstellungsrechte“ teilt, dann am Ende tatsächlich sind, das schauen wir uns später genauer an.

Im Wesentlichen sieht der Aufbau der Tarife wie folgt aus:

Wuerttembergische PKV Modultarife

Württembergische PKV Modultarife – Tarifbedingungen

Basis dieses Beitrages und meiner Aussagen sind die mit vorliegenden Tarifbedingungen der Württembergische Krankenversicherung mit Stand 01.2021. Die Bedingungen finden Sie auch als markierte und kommentierte Variante im Downloadbereich, ebenso als Originalversion.

  • – Württembergische: AVB Teil I und II für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Allgemeiner Teil, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Ambulant Premium (A1+A1H) und Kompakt (A2+A2H), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Stationär Premium (S1), Komfort (S2) und Kompakt (S3), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Zahn Premium (Z1), Komfort (Z2) und Kompakt (Z3), Stand 2021
  • – Württembergische: Sonderbedingungen zur Beitragsentlastung im Alter (SBVU/SBZU), Stand 2021

Alle weiteren Dokumente können Sie im Downloadbereich als pdf kostenfrei herunterladen.

Zum schnelleren Download finden Sie hier die AVB Würtembergische Modultarife im Original Bedingungsheft und hier mit meinen Kommentierungen, Markierungen und Anmerkungen in der „gelesenen“ Version der AVB Württembergische Modultarife.

Allgemeine Versicherungsleistungen nach Teil I und II – Ausland, Neugeborene, Mindestlaufzeiten

Grundlage zunächst für alle Tarife, sind die Versicherungsbedingungen des Teil I und II, welche dann durch die weiteren Regelungen in Teil III erweitert und ergänzt werden. Versicherungsfähig sind demnach alle Personen, welche Ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Dabei ist zu beachten, wird eine Vollversicherung erst nach Wegzug beantragt, ist die Person nicht mehr versicherungsfähig. Ist die Person aber bereits versichert, so besteht auch Versicherungsschutz im Ausland. Dabei wird zwischen dem vorrübergehenden Auslandsaufenthalt und der Verlegung des Wohnsitzes unterschieden.

Für die ersten sechs Monate eines vorübergehenden Auslandsaufenthaltes leistet die Württembergische auch ohne weitere oder besondere Vereinbarungen. Wichtig und richtig ist somit auch die Formulierung, dass sich der Versicherungsschutz über diese Zeit verlängert, fall die versicherte Person die Rückreise nicht antreten kann. Hier spricht die Württembergische aber nicht von „allein aus medizinischen Gründen“. In den letzten Monaten haben wir durchaus lernen müssen, dass Ausreisen aus bestimmten Regionen der Welt auch lange nicht möglich waren, dieses wäre hiermit dann solange abgedeckt, bis die Person wieder eine Rückreisemöglichkeit hat.

Wird aber der gewöhnliche Aufenthalt ins Ausland verlegt (wohlgemerkt nach §1 (5) nur INNERHALB des Europäischen Wirtschaftsraumes, so ist ein Auslandszuschlag fällig, welcher erstmal unbestimmt ist. Voraussetzung auch hier, der Kunde muss es innerhalb der ersten sechs Monate bei dem Versicherer beantragen, der Zuschlag fällt dann ab dem 7. Monat an. Bei Rückkehr nach Deutschland und Rückverlegung des Wohnsitzes gelten wieder die alten Bedingungen und der Zuschlag entfällt. Auch für Kriegsereignisse besteht solange im Ausland Versicherungsschutz, wie bei Reiseantritt keine Reisewarnung vorgelegen hat. (§5 (1)). Wird nach §15 (3) der Wohnsitz außerhalb des EWR verlegt, so kann auch hier der Versicherte eine Vereinbarung mit Beitragszuschlag verlangen.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt bei der Württembergischen, wie bisher, zwei Jahre. Eine Kündigung ist ordentlich mit dreimonatiger Frist möglich. Besteht hingegen Arbeitslosigkeit oder vorübergehende Familienversicherung, so kann der Versicherer bis zu 6 Monaten ein Ruhen vereinbaren, danach ist der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung wie üblich möglich.

Bei Neugeborenen besteht auch hier eine Nachversicherungsgarantie, so dass Ihr Kind ohne Gesundheitsfragen aufgenommen und auch rückwirkend ab Geburt versichert ist. Dabei beginnt der Versicherungsschutz ab VOLLENDUNG der Geburt. Eine Nachversicherung ohne Gesundheitsfragen ist nur dann möglich, wenn die Eltern eine dreimonatige Vorversicherungszeit erfüllt haben, oder bei Vertragsschluss des versicherten Elternteils die 20. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht war.

Die Wartezeiten entfallen bei Abschluss einer Krankenvollversicherung generell. Möchte der Versicherer (oder muss) er den Beitrag anpassen, so bedarf es hierbei einer Gegenüberstellung der Kosten, welche sich im 5% unterscheiden muss. Diese geringeren Prozentsätze (in alten Bedingungen sind manchmal noch 10% enthalten) ermöglichen eine schnellere Reaktion.

Tarifleistungen etwas detaillierter

Im Wesentlichen konzentriere ich mich auch in dieser Beschreibung auf den Premiumschutz, erwähne aber in Details die Beschränkungen in anderen Tarifbausteinen und gebe Hinweise dazu. Generell sorgen die Wechselrechte zumindest für einige Verbesserungsoptionen und auch die Rückkehrmöglicheiten, welche ich im Detail unten unter „Optionsrechte“ erkläre.

Ärztliche und zahnärztliche Honorare

In der Premiumvariante sind bei den ärztlichen und zahnärztlichen Honoraren die Kosten auch ÜBER die Höchstsätze der jeweiligen Gebührenordnung hinaus erstattungsfähig, solange eine gültige Honorarvereinbarung vorliegt. Die 100% Leistung für Arzthonorare berücksichtigt (mit extra Nennung) ebenso Leistungen aus Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Laborgemeinschaften, Radiologischen Zentren oder ärztlichen Akutdiensten. Bei Heilpraktikern ist die Erstattung jedoch selbst im Premiumtarif auf 80% und zusätzlich auf 2.000 € pro Versicherungsjahr begrenzt. Wer im Komforttarif versichert ist, bekommt für die Heilpraktikerbesuche ebenfalls 80%, aber max. 500 € pro Jahr.

Nährmittel sind bei Vorliegen einer Enzymmangelkrankheit oder Mukoviszidose ebenso erstattungsfähig, wie generell die enterale und parenterale Ernährung. Voraussetzung ist hier immer die med. Indikation, dass eine Nahrungsaufnahme normal nicht mehr möglich ist, aber aus „Spaß“ macht das auch tatsächlich niemand. Selbst an die Mittel zur Regulierung der erektilen Dysfunktion hat der Versicherer gedacht, und definiert hierfür enge, aber klare Kriterien wann diese Mittel erstattungsfähig sind. Unter Punkt 1.3 der Ambulanten Bedingungen finden Sie die Aufzählung der Krankheitsbilder.

Hilfsmittel und Sehhilfen

Brillen, besser Sehhilfen sind je nach Tarifstufe bis 400 € (Premium oder Komfort 250 €) innerhalb zwei Jahren erstattungsfähig. Sollten Sie Ihre Augen einer Laserbehandlung unterziehen wollen, stehen hier nach definierten Kriterien von 2.000 € pro Auge innerhalb von 10 Jahren (Premium) bis 500 € (Komfort) zur Verfügung. Zusätzlich greifen hier Leistungsgrenzen in den ersten drei Jahren, die eine gezielte Inanspruchnahme direkt nach Wechsel in die PKV verhindern soll.

Wichtiger und meist auch deutlich kostenintensiver sind andere Hilfsmittel, auch wenn deren Eintrittswahrscheinlichkeit geringer sein mag. Dabei sind neben lebenserhaltenden Hilfsmitteln, Körperersatzstücken, Hörgeräten und mehr, auch der Blindenhund und die Allergiker Bettwäsche extra genannt. Für einige Hilfsmittel gelten bestimmte und definierte Höchstgrenzen in Euro, welche bei Beitragsanpassungen in der Zukunft angepasst werden können. Wann  und in welchem Umfang eine solche Anpassung von absoluten Eurobeträgen erfolgt, kann der Kunde allerdings nicht planen.

Bei orthopädischen Schuhen wird ein, wie ich finde vertretbarer, Eigenanteil von 70 € für normales Schuhwerk abgezogen. Ebenso sind Apps welche als Medizinprodukt zertifiziert sind ebenso zu erstatten, wie Kommunikationshilfen wie Gebärdendollmetscher bei entsprechender Indikation.

Vorsicht ist aber geboten bei einer interessanten anderen Formulierung. In 1.5 der ambulanten Bedingungen heißt es:

„Nicht erstattungsfähig sind Hilfsmittel, für die die Pflegepflichtversicherung leistungspflichtig ist.“

Klar ist, warum solche Formulierungen getroffen werden, damit keine Doppelleistung anfällt und auch, weil die Kosten dann auf die Pflegeversicherung „abgewälzt“ werden sollen. Diese Regelung hat ein anderer, großer Versicherer auch in den Bedingungen und vor Abschluss sollten Sie zumindest die Formulierung kennen und mögliches Streitpotential abschätzen können.

Generell gilt bei Hilfsmitteln eine Erstattung von 80%, welche sich auf 100% erhöht, wenn: – der Versicherer mit der Beschaffung beauftragt wird, – das Hilfsmittel nicht mehr als 1.000 € kostet oder im Rahmen eines akuten Notfalls beschafft wird, oder es sich um eine erstattungsfähige Perücke handelt. (bei Chemotherapie oder kreisrundem Haarausfall).

Psychotherapie, Vorsorge, ambulante Operationen

Bei der Psychotherapie gibt es eine recht interessante Formulierung. Die Anzahl der Sitzungen, welche bei der Premiumvariante auf 100% für 60 Sitzungen begrenzt ist, beschränkt sich auf den Behandlungsfall und nicht das Jahr. Wer also an einem Versicherungsfall wie einer langwierigen Depression leidet, der muss nach 60 Sitzungen (auch wenn es über Jahre geht) eine entsprechende Zusage einholen. Diese wird laut Bedingungen erteilt, wenn die Behandlung (weiter) medizinisch notwendig ist, muss und sollten Sie aber vorher wissen. In der untersten Tarifstufe werden 5 probatische Sitzungen zu 100%, danach 30 zu 80% erstattet, bevor weitere Genehmigungen nötig sind.

Eine Besonderheit für die Selbstbeteiligung gilt bei ambulanten Operationen. Hier wird auf die Anrechnung der SB verzichtet, solange diese im Katalog stationsersetzender Operationen genannt ist. Damit kann eine solche OP auch ohne Abzug von Eigenanteilen durchgeführt werden.

Ähnliche Regelungen gibt es bei den Vorsorgeuntersuchungen. Hier werden im Premiumtarif bis zu 1.000 € pro Jahr nicht auf SB und Beitragsrückerstattung angerechnet. Dazu gehören neben ambulanten Vorsorgeuntersuchungen auch Impfungen, selbst dann, wenn diese aus Anlass einer Auslandsreise durchgeführt werden. Präventionskurse sind bis zu einem Betrag von 150 € on Top erstattungsfähig, solange Sie mind. 80% Teilnahme nachweisen können. Selbst im Komforttarif sind es immerhin noch bis zu 500 € pro Jahr.

Hausarztmodell, Generika Regelung

Die Tarifvarianten generell unterscheiden sich im ambulanten Bereich nach Premium und Komfort und existieren jeweils noch in einer Hausarztvariante. In letzteres gilt nur dann eine 100% Erstattung, wenn die Behandlung unter den Haus-/Primärärzten begann. Wer sich nicht daran hält, der kürzt seine Erstattung auf 70%. Ähnliche Einschränkungen gelten für Medikamente. Im Hausarzt Premium erfolgt für die ersten 2.500 € nur eine 70% Erstattung (also zusätzlich 750 € max. Eigenanteil, es sei denn Patienten nutzen Generika, dann gilt diese Einschränkung nicht.

Stationäre Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Fangen wir hier eher von unten an, da die Tarife dann aufeinander aufbauen. Der stationär Kompakt (S3) leistet, wie die drei schon vermuten lässt, das Mehrbettzimmer in der stationären Versorgung. Dabei sind auch hier nur die Regelleistungen, also durchaus zu vergleichen mit einem gesetzlichen Versicherungsschutz in der Tarifleistung enthalten. Auch hier werden jedoch auch Belegärzte, Hebammen und Leistungen für Begleitpersonen für bis zu 16-jährige Kinder genannt.

Bei einer Aufnahme in eine gemischte Anstalt ist hier, wie mittlerweile üblich, keine Meldung oder gar Zusage vorher nötig. Leistungen für eine stationäre Anschlussheilbehandlung sind dann erstattungsfähig, wenn der Versicherer vorher zugesagt (wird er laut Bedingungen bei med. Notwenigkeit) hat und wenn diese binnen 4 Wochen (oder fall med. Gründe dagegen sprechen auch später) beginnt. Ähnliche Regelungen finden sich für die Stationären Rehabilitationen. Bei Kuren sind die Kosten auf 3.000 € innerhalb von drei Versicherungsjahren begrenzt, aber enthalten. (die 3.000 € gelten auch in der Premium S1 Variante)

Wie auch im ambulanten Bereich, ist auch die Palliative Medizin versichert. Hier orientiert sich die Württembergische an der GKV und leistet bis zu deren Aufwendungen mit 100%.

Bei Krankentransporten, welche bei Notfällen, der Erstversorgung oder Geh-, Seh- oder Fahruntauglichkeit im Umkreis von 100km erstattet werden, gibt es auch hier Ausnahmen. Sollte kein Krankenhaus geeignet sein, so darf „die Reise auch weiter gehen“. Private Krankenfahrten sind hingegen auf 300 € pro Jahr begrenzt und werden mit 0,30 € pro km abgerechnet. Im Premiumtarif liegt hier die Grenze bei 500 €. Zudem ist dort auch die Kostenübernahme für Wunschverlegungen in ein anderes Krankenhaus (wenn es keine Intensivbetreuung braucht) versichert.

Stationäre Kurzpflege, Rücktransport, Bergungen

Auch wer nicht pflegebedürftig ist, kann einen Bedarf an einer kurzen Pflege haben. Dieses passiert zum Beispiel nach einer Krankenhausbehandlung oder einer ambulanten OP, aber auch bei akuter Verschlimmerung einer Krankheit. Der Punkt 9 des S1 regelt auch hier die Grundlagen und bietet eine Erstattung von 100% nach den vorhandenen Kriterien an.

Wer aus dem Ausland zurück nach Deutschland transportiert werden muss, der kann das nicht nur bei medizinischer Notwenigkeit, sondern auch bei medizinisch sinnvollen Krankentransporten. Dieses kann aus psychologischen Gründen sinnvoll und angeraten sein. Ein solcher Transport muss medizinisch organisiert und die Transportfähigkeit vorher bescheinigt sein.

Bergungskosten sind bis 15.000 €, die Überführungskosten eines Verstorbenen bis 10.000 € bedingungsgemäß versichert.

Stationäre Wahlleistungen – Einbett, Zweibett, Privat-/ Chefarzt

Im Gegensatz zum Kompakt, bietet die Stationär Komfort bereits den Schutz für Wahlleistungen. So wird hier das Zweibettzimmer bzw. der Zuschlag hierfür bedingungsgemäß erstattet, ebenso die privatärztliche Leistung und diese auch über die Höchstsätze bei entsprechender Honorarvereinbarung.

Wer sich für die Premiumvariante entscheidet (S1), der kann sich auch im Einbettzimmer mit einer entsprechenden Kostenerstattung behandeln lassen. Steht ein solches nicht zur Verfügung, so werden entsprechende Ersatzkrankenhaustagegelder von 50 oder 20 € geleistet, um dieses auszugleichen.

Zahnärztliche Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Auch hier existieren drei unterschiedliche Tarifmodelle. Wir schon aus den beiden anderen Leistungsgruppen bekannt, folgen diese auch der Logik unterschiedlicher Leistungen.

100% Zahnbehandlung in allen Tarifvarianten. Hier werden (unter Punkt 1.3) die Zahnbehandlung und auch diverse prophylaktische und konservierende Leistungen genannt, dazu gehören auch Inlays, Aufbissschienen etc. Die Kosten für Zahnvorsorge hingegen staffelt sich von 500 € pro Jahr in der besten Tarifvariante bis 300 € im Kompakt. Zudem werden diese Leistungen nicht auf die Beitragsrückerstattung angerechnet.

Danach geht es aber in die Unterschiede. Während der Premium eine Zahnersatzleistung bis 90% vereinbart, liegt es in den anderen Tarifen bei 75% im Komfort- und 60% im Kompakttarif. Eine solche Leistung lässt sich jeweils um 5% erhöhen, wenn Partnerlabore genutzt werden.

Bei der Kieferorthopädie variieren die Erstattungen (unter vorher definierten Regeln siehe 1.5.) von 90/70% im Premium bis hin zu 60/50% in dem Kompakt Tarif. Der zweite Prozentsatz ist der, wenn kein Heil- und Kostenplan vor Handlung vorliegt. Zu beachten auch, diese Kosten sind generell nur bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erstattet werden. Ausnahmen bei Erwachsenen bestehen nur bei Unfall oder schweren Kieferanomalien.

Zudem genau zu beachten sind die Erstattungsgrenzen in den ersten Jahren. Während bei dem Premiumtarif diese mit 1.000/ 2.000/ 3.000 und 4.000 € in den ersten vier Jahren durchaus vertretbar sind, sollten Sie sich diese im Kompakt mit 600 bis 2.400 € in den ersten vier Jahren genau überlegen. Die Höchstgrenzen gelten sowohl für Zahnersatz, aber auch für Kieferorthopädie.

Auch bei den Zahntarifen besteht ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung, zum Beispiel nach einer Behandlung mit Betäubung. Hierbei gelten 100-300 € pro Jahr bei Privatfahrten als zusätzliche Obergrenze. Gerade bei dem Einsetzen von Implantaten oder Zahnbehandlungen mit Betäubung oder dem so genannten Dämmerschlaf, besteht oft direkt danach noch eine Fahruntüchtigkeit.

Optionsrechte und Wechselmöglichkeiten

Im Teil III des Allgemeinen Teils regelt die Württembergische auch die Optionen zur Verbesserung des Schutzes. Während eine Reduzierung der Leistung (als der Tarife oder aber eine Steigerung der Selbstbeteiligung) immer möglich ist, bedarf eine Verbesserung der Leistung oder die Vereinbarung einer kleineren Selbstbeteiligung normalerweise einer neuen Gesundheitsprüfung. Da diese im Alter oder auch im Vertragsverlauf generell schwieriger sein kann, hat auch die Württembergische hier Optionsrechte eingebaut. Diese unterscheiden sich in zwei Bereichen.

Modulwechseloption (I.2. AVB)

Zunächst sei nicht unerwähnt, dass dieses Modulwechselrecht nur bis zum 50. Lebensjahr besteht und der Anlass bis zu diesem Termin eingetreten sein muss. Wer von einer selbstständigen zu einer Angestelltentätigkeit wechselt (nur in diese Richtung), der kann den Versicherungsschutz verbessern. Dabei muss der jeweilige Antrag innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Ein weiteres Optionsrecht zur Verbesserung des Schutzes besteht nach Ende des dritten oder fünften Versicherungsjahres. Dabei ist wichtig zu erwähnen, für Kinder, welche ohne Gesundheitsprüfung über die Kindernachversicherung zum Versicherer kamen, gelten diese Rechte nach dem 3. und 5. Jahr nicht.

Sonst besteht das Wechselrecht bei Änderung des beruflichen Status jedoch auch für mitversicherte Kinder, wenn die Eltern gleichermaßen wechseln.

Besonderes Umstellungsrecht (I.2. AVB)

Neben den Modulwechselrechten bestehen noch weitere Umstellungsrechte. Dabei geht es im Wesentlichen um eine RÜCKumstellung nach einer Reduzierung des Versicherungsschutzes bei Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Sabbatical oder auch der beruflichen Reduktion auf eine Teilzeitstelle. Zum Ende des Ereignisses, spätestens aber EIN JAHR nach Reduzierung, ist somit die Rückkehr in den alten Schutz wieder möglich.

Lediglich bei Reduzierung aufgrund des Wechsels von Angestelltentätigkeiten zu selbstständiger Tätigkeit beträgt die Frist drei statt eines Jahres.

Elternzeit, Kinderkrankengeld und besondere Leistungen

Auch an eine Beitragsfreistellung bei Elternzeit hat die Württembergische gedacht und diese in den Tarif aufgenommen. Dabei wird in den ersten sechs Monaten des Bezuges von Elterngeld der Versicherungsschutz von der Beitragszahlung befreit, wenn innerhalb von zwei Monaten der Bezugsbeginn nachgewiesen wird. Ausgeschlossen ist es nur dann, wenn bereits bei Antragstellung Schwangerschaft bestand oder die Entbindung schon stattfand.

Im Premiumtarif findet sich auch eine Leistung bei Erkrankung eines Kindes. Diese ist eher ein Witz und Marketinggag, hat aber wenig bis nichts mit wirklicher Leistung zu tun. Hier bietet der Versicherer 200 € PAUSCHAL an, wenn das Kind auch bei der Württembergischen versichert ist UND die Krankschreibung mit dem Kind mindestens 5 Tage dauerte. Zudem wird max. zweimal pro Jahr diese Pauschale gezahlt. Sorry liebe Württembergische, aber das bringt im Leistungsfall mehr Frust als Freude. 200 € pauschal und das nur, wenn lange krank, ernsthaft?

Leistungen bei Palliativtherapie, Versorgung in Hospizen sowie auch Leistungen bei Nichtärztlicher Osteopathie haben dagegen Ihren Weg sauber in die neuen Bedingungen gefunden. Natürlich gibt es auch hier Begrenzungen (zum Beispiel im Premiumtarif max. 8*80 € für die Osteopathie), weiterhin sind die erstattungsfähigen Behandler in Punkt 1.20 genauer definiert und zu beachten.

Kinderwunschbehandlung wird in den Punkten 1.23 geregelt und leistet bis zu 8 Inseminationen oder 3 IVF Maßnahmen, auch hier gelten Vorgaben wann genau eine Leistungspflicht, bis zu welchem Alter, besteht. Dieses sollten sich Versicherte genauer anschauen, wenn es Bedarf gibt und natürlich vor Abschluss. In den ersten drei Versicherungsjahren ist zudem je nach Ambulanttarif auf 2.500 € (Premium) bis hin zu 1.800 € (Komfort) begrenzt.

Haushaltshilfen werden bis zu 100% und max. 6 Wochen (15 € / Std. und 80 pro Tag max.) geleistet. Hierbei ist zu beachten, dass die zeitliche Begrenzung auf den Versicherungsfall, nicht auf das Jahr begrenzt ist. Eine ähnlich eigenwillige Formulierung haben wir vorhin schon bei der Psychotherapie gesehen.

Weitere Leistungen wie Soziotherapie, Frühforderung bei Kindern und weiteren Bausteinen in der Leistung, finden Sie in den Bedingungen der Tarife detailliert erklärt.

Beispielprämien

In unserem Fall nehmen wir einen 30jährigen Musterkunden. Dabei setzen sich die Preise nach den Bausteinen zusammen. In der höchstmöglichen Kombination ergeben sich hier:

A10: 403,79
S1: 162,97
Z1: 88,60
PVN: 36,90
gesetzl. Zuschlag: 65,54
Gesamtbeitrag: 757,80 Euro

DAZU kommt noch der Beitrag für das Krankentaggeld (dabei kosten 100 € Tagessatz hier 34,20 €)  in entsprechender Höhe.

Wer sich hingegen für die höchste SB Stufe (die so bei Angestellten aus AG Zuschuss und Steuergründen nur so mittelmäßig sinnvoll ist) entscheidet, dessen Gesamtbeitrag reduziert sich um 156 auf 247,14 € für den Baustein (plus gesetzlichen Zuschlag). Damit rechnet sich diese Option eher nicht. Auch wenn der Betrag erstmal eine höhere Ersparnis verspricht, der nicht durch die Eigenbeteiligung von 1.440 € „aufgefressen wird“, ist es in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Grund sind hier Steuern, Arbeitgeberzuschuss und damit verbundene Effekte.

Dieses sind beides jedoch nur erste Beispielprämien, Beiträge für Kinder und andere Kombinationen sind noch nicht berechenbar und folgen gern nach dem 1.April. Mir liegen nunmehr auch die vollständigen Prämien vor.

Schauen wir uns daher die Kombinationen bei Kindern an:

Kinder zwischen 0 und 15 gelten als eine Altersstufe. In der besten Absicherung fallen hierfür folgende Prämien an:

Ambulant Premium OHNE SB: 130,25 € (bei 480 SB (wird noch halbiert) dann 100,99 €)
Stationär Premium: 46,20 €
Zahn Premium: 62,57 €
= GESAMT: 239,02 €
bei der SB Variante sind es insgesamt 209,76 €

Jugendliche im Alter ab 16 bis 20 zahlen ohne SB 269,60 € in der Kombination Premium, mit SB dann 236,53 €.

Für wen eignen sich die Tarife?

Zunächst muss ein Versicherungsschutz immer zu der Person passen. Das bedeutet auch, ein Tarif ist (bis auf wenige besondere „Kandidaten“) niemals generell gut oder schlecht. Die Tarife bieten eine gewisse Art von Flexibilität bei besonderen Situationen, wenn eine Reduzierung des Schutzes geboten ist. Danach sichern diese bis zum 50. Lebensjahr eine einfache Rückkehr in den neuen Schutz.

Eine besondere Option ist dieses aber am Ende dennoch nicht. Hier fehlen flexiblere Modelle zur Anpassung des Schutzes auch in den kommenden Jahren ohne Ereignis. Aber bekanntlich ist alles Gute nie beisammen. Ob der Versicherer nun zu Ihnen passt und wie die Alternativen am Markt aussehen, dass bleibt wie immer einer Beratung vorbehalten und pauschale Tipps sind nicht möglich.

Unter den Auswahlkriterien oder aber auch der Beratungsseite zur PKV finden Sie weitere Informationen und Fakten und eine Menge Fragen mit denen Sie sich vor einer Anfrage zur PKV beschäftigen sollten.

Für wen eignen sich die Tarife nicht?

Beamte und Beamtenkinder, bzw. solche die es mal werden wollen. Die Württembergische bietet keine Beamtentarife. Nun kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie Beamtin oder Beamter werden will. Aber was, wenn Sie die Partnerin/ den Partner ihres Lebens treffen und die Kinder im Rahmen einer Kindernachversicherung versichern wollen? Das ist nicht ein alleiniger Grund den Schutz nicht zu nutzen, aber, es ist eine Überlegung wert.

Dabei bleibt aber der Fairness halber zu erwähnen, dass ein Kind bekanntlich zwei Eltern hat und es sich so auch einen Schutz über die Neugeborenennachversicherung der Mutter oder des Vaters sichern kann, der / die woanders versichert ist.

Auch der Schutz über Optionstarife ist ein vorher lösbares Problem.

Württembergische PKV Modultarife – Fazit

Die Württembergische hat mit den neuen Tarifen sicher einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dabei sind niemals alle guten Dinge beisammen und Formulierungen bei diversen Bereichen, darunter Psychotherapie, Wechselrechte, Hilfsmittel und einige mehr sind sicher zu diskutieren. Bestehende Kunden bei der Württembergische sollten sich die neuen Tarife als Wechseloptionen durchaus (auch mit neuer Risikoprüfung) ansehen.

Sobald mehr Prämien verfügbar sind, können wir hier auch weiter etwas mehr zur Markteinordnung sagen. Mit den derzeitig bekannten Prämien in der Premiumkombination sieht es jedoch durchaus gut positioniert aus.

Im Bereich der Prämien für Kinder ist hier zu erwähnen, es handelt sich um einen hochwertigen Schutz, welcher seinen Preis hat. Nehmen wir jedoch eine „mittlere“ Leistungsvariante für Kinder, wie den Tarif Esprit vom Deutschen Ring/ Signal Iduna, so müssen wir diesen auch mit anderen Bausteinen vergleichen. Eine denkbare Kombination wäre dabei dann

Ambulant Komfort, Stationär Komfort (2 Bett) und Zahn 2: 158,47 € und damit wieder „näher an den“ 138 € des Esprit und auch besser vergleichbar. Zudem sind auch die Kriterien zur Kinderalleinversicherung zu beachten.

20.
April '20

Continentale Krankenversicherung mit neuem Tarif PREMIUM – eine ausführliche Tarifbewertung


Die Continentale Krankenversicherung hat sich zum 01. April und ganz ohne Scherz, für die Einführung eines neuen Tarifes entschieden. Zu den bestehenden Tarifen der Serien ECONOMY, COMFORT und BUSINESS kommt nun eine weitere Tarifreihe.

Im Gegensatz zu der Vermutung heißt diese aber nun nicht First (Class), sondern PREMIUM.

Mit dem neuen Tarifwerk Premium möchte die Continentale einen verbesserten Schutz bieten und eine andere Zielgruppe, die mit hohen Leistungsansprüchen, endlich wieder zu eigenen Kunden machen. Das gelang in der Vergangenheit eher nicht, da die vorhandenen Tarife eher preisorientiert sind.

Zudem bergen die fallbezogenen Selbstbeteiligungen doch einige Gefahren.

Was sich nun im neuen Tarif geändert hat, welche Leistungen neu und gut und welche vielleicht weiterhin schwierig sind, das schaue ich mir mit Ihnen gemeinsam auf den kommenden 13 Seiten Kommentar zur Tarifeinführung an.

Warum ich glaube, dass die Continentale hierbei Fehler aus der Vergangenheit wiederholt und schon mit dem ersten Prospekt falsche Anreize schafft, das lesen Sie hier.

Zur besseren Lesbarkeit finden Sie den Kommentar als eigenständige PDF Datei im Downloadbereich, oder durch klicken auf das Bild am Ende des Textes hier.

Sehr geehrte Leser,

ein neues Jahr, in vielerlei Hinsicht ein Jahr mit besonderen Herausforderungen. Zumindest aus der aktuellen Erfahrung in der Beratung, wandeln sich nicht nur die Ansprüche der Versicherten, es ändern sich auch gravierend die Produkte und Angebote der Versicherer.

Auch die Continentale Krankenversicherung, welche mit der fallbezogenen Selbstbeteiligung einen sehr eigenwilligen Weg am Markt bestreitet, kann den neuen Anforderungen und Wünschen der (potenziellen) Kunden nicht entgehen und führte damit vor einigen Tagen einen neuen Tarif der Krankenvollversicherung am Markt ein.

PREMIUM – der neue Krankenvolltarif der Continentale Krankenversicherung aG

In der Vergangenheit hatte man sich (aus meiner Sicht durchaus zu viel) auf das Kriterium „billig“ gestürzt und teilweise sah es so aus, als müsste man um jeden Preis die Prämie der Mitbewerber unterbieten, oder zumindest den Anschein erwecken dies zu können.

Wie sich der neue Tarif am Markt positioniert und welche Vor- und Nachteile dieser bietet, das schauen wir uns hier gemeinsam im Detail an.

HIER WEITERLESEN

Kommentar zur Tarifeinführung CONTINENTALE PREMIUM [pdf]

Weitere Unterlagen zu dem Tarif finden Sie hier:

23.
Mai '19

Axa Krankenversicherung mit neuem Tarif ActiveMe – Innovation oder Flop? Eine ausführliche Analyse


Da sitze ich nun hier. Warte seit Wochen gespannt auf die angekündigte und innovative Krankenversicherung der Axa. Ein neuer Vollkostentarif soll es werden. Seit einigen Wochen rührt die Axa die Werbetrommel bei den Vermittlern und verspricht Innovation, Veränderungen und eine Anpassung an die neue Zielgruppe der Axa. Man wolle ein Gesundheitsversicherer werden, kein Krankenversicherer.

Klingt besser, wird wohl bei einem innovativen Marketing-meet-up herausgekommen sein. Aber lassen wir uns überraschen, dachte ich.

Nachdem dann gestern die ersten Unterlagen eintrudelten, sahen diese auch ganz vielversprechend aus. OK, es ist weiterhin aus Sicht der Versicherer nicht nötig dem Makler oder Berater Bedingungen zu schicken, es reicht aus Prospekte und Sales Seiten zu verlinken. Nur dank eines direkten Kontaktes liegen mir die Bedingungen vor. Die Axa selbst hat in dem innovativen Newsletter nur Prospekte verteilt und recht nichts sagende Sales-Seiten verlinkt. (Wollen Sie mal schauen? aber pssst!)

In der Vergangenheit hatte die Axa ja ein weniger glückliches Händchen mit der Krankenversicherung. Versagen in der Kalkulation, Treuhändlerstreit und mehr Baustellen als man bedienen kann. Aber das ändert sich nun. Mit dem neuen und innovativen Vollkostentarif.

Mit dem neuen Tarif möchte man sich wandeln. Von der reinen Kostenerstattung, hin zu einem Gesundheitsdienstleister.

Tarif ActiveMe – Bonus für…

  • – Nichtraucher
  • – Sportler
  • – Blutspender
  • – Kranke in speziellen Programmen

So will man locken, mit Geld. Jeder der bestimmte Kriterien erfüllt, bekommt welches. Ganz unabhängig von der Leistungsfreiheit im Tarif und der normalen Rückerstattung. Solange es jeder auch in der Steuer angibt, alles gut.

Tarif ActiveMe – Bedingungen eher „geht so“

Nicht schlecht, das möchte ich damit keinesfalls pauschal sagen, aber auch nichts welches besonders innovativ ist oder den Namen „Innovation“ verdienen würde.

Aber ich habe es nicht in eine Analyse mit über 3.000 Worten geschrieben, damit ich es hier in den Beitrag nochmals schreibe. Daher bin ich einfach so frei und verlinke Ihnen hier die vollständige

Tarifanalyse AXA ActiveMe

Als kostenfreie PDF zum Download. Bei einem heißen Kaffee und mit ganz viel Spaß beim Lesen. Lehnen Sie sich zurück, schnappen sich den Ausdruck und lesen!

Weitere Unterlagen zum AXA ActiveMe Tarif

Ein etwas vorweg gegriffenes…

Fazit

Zunächst noch einen Blick auf eine andere Formulierung, welche ich noch nicht ansprach. Die Axa hat natürlich, allein schon weil man es dann bewerben kann, eine Beitragsbefreiung bei Elternzeit. Zumindest schriebt man das.

Schauen wir uns die Regelungen dann unter Punkt E.) in den Tarifbedingungen an, werden schnell die Einschränkungen klar.

Während der ersten 2 Monate des Bezuges von Elterngeldreduziert sich der für diesen Tarif zu
zahlende monatliche Beitrag um 50%. Die Beitragsreduzierung gilt nur für die versicherte Person, die Elterngeld bezieht und nur, wenn für die Person keine besonderen Bedingungen für Personen in Berufsausbildung bestehen. Der Antrag auf Reduzierung des Beitrages ist innerhalb von 3 Monaten nach Bezugsbeginn des Elterngeldes zu stellen und nachzuweisen. Die Beitragsreduktion ist ausgeschlossen, wenn bei Beantragung dieses Tarifes die Schwangerschaft bereits festgestellt oder das Kind bereits entbunden wurde.

ZWEIganze Monate und zudem natürlich nur für den Tarif selbst, nicht für den Zahnschutz, nicht für andere Bausteine. Aber klar, bewerben kann man es nun natürlich.

In Summe betrachtet ist der Tarif ganz nett und sicher durchaus eine Option für bisher AXA Versicherte. In der Hoffnung hier die Beiträge besser in den Griff zu bekommen und die Kalkulation sauber durchdacht zu haben, keine so schlechte Wahl.

Innovationen suche ich auch nach dem dritten Lesen noch. Neu ist außer ein wenig Bonus, der Zuschuss zu einer App (z.Bsp. bei Tinitus, 19 EUR monatlich nach ärztlicher Verordnung) oder auch einem Bonus bei Nichtrauchern nicht wirklich etwas.
Was hier als Innovation verkauft und angekündigt wird, haben auch andere Mitbewerber, teilweise sogar schon lange.

Bonuszahlungen sind möglich bei Nichtrauchern, einem passenden BMI, Teilnahme an Impfungen, Sport oder Blutspenden oder bei Patientenprogrammen bei bestimmten Erkrankungen.

18.
Juni '18

Signal Iduna mit neuem Deutscher Ring Tarif PRIME – der neue Toptarif


Sie möchten es lieber als druckbare pdf Datei lesen? Bitte sehr. Finanz-News 2-2018 zur Tarifeinführung Signal/Dt. Ring PRIME

In den letzten Jahren waren die Versicherer eher vorsichtig. Keiner wollte so recht mit neuen Tarifen an den Markt, auch weil keiner so richtig wusste was das so kommen mag, gesundheitspolitisch. Aber die Anforderungen an einen Krankenversicherungsschutz haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert. So kommt die Private Krankenversicherung langsam wieder darin zurück, wo diese einmal herkam.

Bereits mehrfach habe ich geschrieben, dass nicht jeder der kann auch in die private Krankenversicherung gehört. Es gibt viele die eine PKV als „Geldsparmodell ansehen“ und auch einige Kollegen verkaufen das Produkt so. Falscher geht es aber schon gar nicht mehr. Die Signal und der Deutsche Ring haben vor einigen Jahren den Zusammenschluss bekannt gegeben und einige vermuteten schon, der Dt. Ring würde als lange bestehende Marke am Markt verschwinden. Das sieht aber gar nicht so aus. Auch wenn es ein Unternehmen ist und das „Deutscher Ring“ im Namen nicht enthalten ist, als Marke besteht es weiter.

Signal Iduna mit neuem Deutscher Ring Tarif PRIME – die Rahmenbedingungen

Bisher bietet der Dt. Ring für Angestellte und Selbstständige im Wesentlichen zwei Tariflinien an. Dazu gehört der Esprit (mit dem Esprit M = Mehrbettzimmer) und der Comfort+, jeweils mit unterschiedlichen Leistungen und Zielgruppen. Doch auch wenn der Comfort+ einmal zu den leistungsfähigsten Tarifen am Markt gehörte, hat sich der Markt verändert. Das bedeutet nicht, dass der Tarif schlechter geworden ist, aber der Markt drum herum eben besser oder anders.

Diesen Veränderten Rahmenbedingungen trägt der Deutsche Ring, bzw. die Signal Iduna jetzt Rechnung und hat vor einigen Tagen einen neuen Tarif am Markt eingeführt, den PRIME. Damit soll ein Tarif angeboten werden, welcher sich am oberen Ende des Leistungsniveaus positioniert. Ob das gelungen ist und wie die Tarifbedingungen im Detail aussehen, das habe ich mir einmal genauer angesehen. Auch schauen wir uns an, was dieses für Bestandskunden des Dt. Rings bedeutet, ob diese nun wechseln können und sollten oder eben nicht.

Signal Iduna mit neuem Deutscher Ring Tarif PRIME – der Tarif

Der neue Tarif PRIME wird mit nur einer einzigen Selbstbeteiligung an den Start gehen, nämlich der Tarifstufe mit NULL, also ohne Selbstbeteiligung. Das ist auch schon das erste Manko, denn gerade wer dort versichert ist und für eine begrenzte Zeit seine Leistungen reduzieren oder verändern möchte, dem fehlt jedwede Option. Natürlich steht den Kunden ein umfangreiches Tarifwechselrecht nach 204 VVG zu und damit fast alle Tarife der Signal Iduna und des Deutschen Rings offen, aber dann stellt sich wieder die Frage wie und ob der Versicherte auch ohne Gesundheitsprüfung zurück in seinen Tarif kommen kann. Auch das schauen wir uns nachher noch an, speziell die Wechseloptionen und weitere Leistungen.

Der Anspruch, welchen die Signal Iduna hier verfolgt ist klar, es soll ein Tarif mit einem höchstmöglichen Leistungsangebot werden, sicher kein Tarif für jedermann auch sicher keiner der hunderttausende Kunden als Zielgruppe hat. Daher bleibt abzuwarten wie sich der Tarif entwickelt und damit meine ich nicht primär die Beiträge, sondern auch die Anzahl der Versicherten.

Schauen wir aber zunächst einmal etwas genauer auf die Leistungen. Genaue Leistungsbeschreibungen und Ausschlüsse sind in den Versicherungsbedingungen zu entnehmen, diese verlinke ich wie immer unten unter dem Beitrag. Auch im Downloadbereich stehen Ihnen diese als pdf zur Verfügung.

Weltgeltung

Der Tarif bekommt eine Weltgeltung. Maßgeblich hierfür ist die Regelung unter Punkt 2.3 der Bedingungen, wo es wörtlich heißt:

2.3 Weltgeltung Es besteht weltweiter Versicherungsschutz. Der Tarif Prime kann nach Verlegung des Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthaltes außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums bestehen bleiben. Abweichend von § 1 Abs. 4 MB/KK 2009 i. V. m. Tarifbedingung Nr. 2 und § 15 Abs. 3 MB/KK 2009 i. V. m. Tarifbedingung Nr. 44 ist insoweit eine anderweitige Vereinbarung für einen Tarifwechsel zur Fortsetzung des Versicherungsschutzes nach Verlegung des Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthaltes außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums nicht erforderlich. Für den Tarif kann der Versicherer dann aber einen angemessenen Beitragszuschlag verlangen (siehe § 15 Abs. 3 MB/KK 2009 i. V. m. Tarifbedingung Nr. 44)

Fazit: Sie können überall hin und haben weltweiten Versicherungsschutz, aber: es kostet unter Umständen Geld. Was angemessen ist definiert der Versicherer nicht, jedoch ist klar, er kann es nicht ablehnen und kann einen Zuschlag verlangen.

Zudem entfallen die Wartezeiten, welche sich sonst als allgemeine oder besondere Wartezeiten in §3 MB/KK finden, was aber auch bisher bei einem nahtlosen Übergang aus der GKV meist der Fall war.

Arzt-/ Behandlungskosten

Grundlage für die Abrechnung von ärztlichen Leistungen sind die Gebührenordnung für Ärzte bzw. die für die Zahnärzte. Versichert sind zudem im Ausland die Kosten, wenn Sie die

für die Behandlung von Ausländern am Behandlungsort üblicherweise berechneten Sätzen entsprechen. Insoweit finden hier deutsche Gebührenordnungen keine Anwendung. Die Leistungen in der ambulanten örtlichen Behandlung sind zu 100% versichert und auch die Honorare werden nicht begrenzt.

Damit ist auch die Befürchtung, zum Beispiel in Asien, zu einem „lokalen und vielleicht schlechterem Arzt zu müssen“ geklärt. Hier wird von angemessenen Kosten gesprochen und einige mögen sich an dem Wort „üblicherweise“ stören, jedoch halte ich die Formulierung durchaus für gut und es lässt sich am Ende auch nicht alles in eine 100% konkrete Formulierung packen.

Genannt sind ebenso die Kosten für Hebammen, Entbindungspflegern und auch weiter detailliert die Kosten für psychotherapeutische Behandlung. Zwingende Voraussetzung ist eine Zulassung und die Tätigkeit in eigener Praxis. Auch Kinder- und Jugendpsychologen finden sich in der Aufzählung in 3.1 der Tarifbedingungen. Wer stattdessen lieber den Heilpraktiker aufsuchen möchte, auch diese Option besteht und sind damit im Rahmen der entsprechenden Gebührenordnungen nutzbar.

Wer sich bei einer Behandlung für eine die ambulante Variante entschiedet (als so genannter stationsersetzender Eingriff gemäß § 115b SGB V), der wird mit einer zusätzliche Leistung von 200 € belohnt, welche zusätzlich zu den erstattungsfähigen Kosten ausgezahlt wird.

Naturheilkunde

Auch hier geht man „mit dem Markt“ und passt sich an. Darüber kann man vortrefflich streiten. Während einige darauf schwören, ist und bleibt es für viele andere Hokuspokus und allen wird man es nie recht machen. In den neuen Bedingungen finden sich daher Aussagen zur Naturheilkunde.

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.1 sind darüber hinaus die Kosten für

Naturheilkunde für – Heilpraktiker Leistungen im Rahmen des geltenden Gebührenverzeichnisses für Heilpraktiker (GebüH) bis zum Höchstbetrag des Verzeichnisses; psychotherapeutische Behandlung durch Heilpraktiker ist nur erstattungsfähig, wenn diese ärztlich verordnet wurde; – von Ärzten oder Heilpraktikern durchgeführte, im Hufeland- Leistungsverzeichnis aufgeführte Therapieformen der Naturheilkunde; – naturheilkundliche Leistungen von Ärzten. Erstattungsfähig sind auch die Kosten für wissenschaftlich nicht anerkannte Heilmethoden, z. B. Akupunktur, Homöopathie, Phytotherapie, Neuraltherapie, Eigenbluttherapie, anthroposophische Medizin, Atemtherapie, Schröpftherapie. Bei sonstiger Behandlung nach den Methoden der besonderen Therapierichtungen (Homöopathie, Phytotherapie, anthroposophische Medizin) sind die Kosten für alle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sowie Heilmittel, die sich – gegebenenfalls in Analogie – aus der GOÄ oder dem GebüH ergeben, und Arzneimittel erstattungsfähig.

Vorsorge, Impfungen, Medikamente

Gerade in der Schwangerschaft sind Vorsorge und Kontrolle wichtig und so werden abweichend von anderen Versicherern auch weitere Untersuchungen genannt. Die präventiven Gentests werden hier auch ausgeschlossen, andere Untersuchungen aber genannt. Bitte Voraussetzungen beachten!

Erstattungsfähig sind während einer Schwangerschaft bei Vorliegen von Risikofaktoren bei der Schwangeren als erweiterte Vorsorge auch Maßnahmen zur Pränatal Diagnostik wie z. B. die Nackentransparenzmessung, jedoch keine prädiktiven Gentests.

Bei der Aufzählung der Vorsorgeuntersuchungen ist nicht die Rede von rein ambulanten Untersuchungen, jedoch gilt wie bei allen Behandlungen und Untersuchungen die medizinische Notwendigkeit. Altersgrenzen aus der GKV entfallen und auf die „Krebsfrüherkennungsrichtlinien“ und „Gesundheitsuntersuchungsrichtlinien“ wird ausdrücklich Bezug genommen.

Auch bei den Impfungen gibt es eine Grundlage, die „von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfohlen werden (STIKO), sowie Reise-und indikationsbedingte bzw. ärztlich angeratene Impfungen, die nach der geltenden Gebührenordnung für Ärzte berechnungsfähig sind.“ Auch der Impfstoff zählt natürlich zur den erstattungsfähigen Aufwendungen.

Eine besondere Regelung findet sich hier zur Beitragsrückerstattung. Entgegen anderer Mitbewerber, welche diese Kosten generell nicht als BRE schädlich berücksichtigen, sind hier maximal 500 € pro Jahr unschädlich für die Rückerstattung.

Abschließend finden sich noch unter Punkt c.) die Vorgaben für die Arzneimittel. Dort heißt es:

Arzneien und Verbandmittel sowie Harn- und Blutteststreifen und Produkte zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM-Sensoren), jedoch nicht hygienisch kosmetische Präparate, Badezusatz-, Nähr-, Potenz-, Raucherentwöhnungs-, Stärkungs-, Antikonzeptionsmittel (außer bei gynäkologischer Indikation oder bei einem Bezug bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres), Mineralwasser, Vitamin- und Nahrungsergänzungspräparate sowie Medikamente zur Reiseprophylaxe.

Heil- und Hilfsmittel, Lasik

Ein nicht ganz unwichtiger Punkt, eher ein wichtiger sind die Erstattungshöhen bei Heil- und Hilfsmittel. Erklärungen was es bedeutet, finden sich im Glossar auf der Website. Zunächst werden unter d.) die Heilmittel besprochen. Hier sind zunächst die

physikalisch-medizinische Leistungen (Heilmittel), die durch Ärzte, Heilpraktiker und staatlich geprüfte Angehörige von Gesundheitsfachberufen, hierzu gehören auch Podologen und medizinische Fußpfleger, durchgeführt wurden, z. B.:

aufgeführt und es folgen Beispiele. Damit handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Aufzählung. Auch die Fahrtkosten bis max. 50km (wenn ärztlich verordnet) finden den Weg in die Bedingungen, mit einer Begrenzung auf 0,30 € p. Kilometer.

Osteopathie ist genannt und versichert, solange eine solche Behandlung von einem Arzt oder Heilpraktiker angeordnet und überwacht wird. Das wird vor allem Eltern freuen, denn zumindest in meinem Kundenkreis nehmen diese Art von Behandlungen bei Kindern durchaus zu.

Die nächste große „Baustelle“ in der PKV sind die Hilfsmittel. Es gibt am Markt unzählige Formulierungen und Aussagen. Jeder will noch ein wenig mehr leisten als der Mitbewerber und dabei muss doch immer auch die Kostenentwicklung im Auge behalten werden. Die Formulierung ist- wie erwartet- ein offener Katalog, dazu heißt es:

Hilfsmittel und Körperersatzstücke (außer Sehhilfen), die Krankheits- oder Unfallfolgen oder körperliche Behinderungen mildern oder ausgleichen sollen, den Erfolg der Heilbehandlung sichern oder das Leben erhalten, sowie Therapiegeräte. Abweichend von Tarifbedingung Nr. 19 zum § 4 MB/KK 2009 sind auch die Kosten von Blutdruckmessgeräten erstattungsfähig.

Soweit die Aufzählung, die Einschränkungen folgen im Anschluss. Dabei ist es wichtig was das Hilfsmittel kosten soll. Die „magische Grenze“ liegt bei 1.200 €. Alles darunter (bei Kosten für Anschaffung oder Wartung/Reparatur pro Jahr) wird ohne vorherige Zusage erstattet. Übersteigen die Kosten dann aber die 1.200 €, so ist vorher eine Zusage einzuholen.

Der Versicherer wird die Zusage nach Prüfung erteilen, wenn der erneute Bezug, die Wartung oder die Reparatur des Hilfsmittels im Kalenderjahr medizinisch notwendig ist. (…)

Interessant ist dabei die Frage, was passiert, wenn diese Pflicht verletzt wird. Also holt jemand keine Zusage ein und kauft das Hilfsmittel einfach so. Auch hierzu finden sich natürlich Regelungen in den Bedingungen. Es heißt dazu:

Wird keine vorherige Zusage eingeholt, werden die Kosten übernommen, die in gleicher Qualität und Ausführung im Rahmen einer möglichen alternativen und kostengünstigeren Versorgungsform (Miete, Leasing, Kauf) oder bei Bezug des Hilfsmittels über einen Kooperationspartner des Versicherers angefallen wären, sofern sich die medizinische Notwendigkeit nachträglich bestätigt. Eine vorherige Zusage ist nicht erforderlich, wenn die Versorgung mit dem Hilfsmittel im Rahmen einer Unfall- oder Notfallerstversorgung erfolgt.

Ein letzter Punkt zu den Hilfsmitteln. Die Sehhilfen. Egal ob sich der Versicherte für Brille oder Kontaktlinsen entscheidet, die Kostenbegrenzung liegt bei 1.200 € für 24 Monate. Dabei ist aber zu beachten, Kontaktlinsenpflegemittel, Sonnen-, Sport oder Arbeitsbrillen fallen nicht darunter.

Erstmalig findet sich in Bedingungen eines Tarifes des Deutschen Rings auch die Formulierung zu Sehschärfenkorrektur.

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.1 sind darüber hinaus die Kosten für Operationen zur Sehschärfenkorrektur (brechkraftverändernde Augenlaserkorrekturen (z. B. LASIK/LASEK)).

Fahrtkosten, besondere Leistungen

Natürlich ist eine medizinisch verordnete und notwendige Dialysebehandlung ebenso erstattungsfähig wie Sachkosten bei einer Heimdialyse. Auch die Fahrten dorthin und auch Fahrten zur oder von der Chemotherapie fallen in den Leistungsumfang des Tarifes. Sonstige Fahrtkosten sind versichert, wenn es sich um einen Notfall, eine Erstversorgung nach einem Unfall oder aber um eine ärztlich bescheinigte Gehunfähigkeit handelt. Auch wenn nach einer Untersuchung die Fahruntüchtigkeit (zum Beispiel nach Narkosen beim Arzt/ Zahnarzt) bescheinigt wird, besteht Versicherungsschutz bis zu 50km oder immer zum nächstgelegenen, geeigneten Arzt oder Krankenhaus.

Ist die Erkrankung soweit fortgeschritten, dass nur noch eine Palliativversorgung helfen kann, so ist diese als ambulante Leistung (mit Bezug auf einen Vertrag gem. SGB V) erstattungsfähig und soll das Leiden am Ende des Lebens erträglicher machen und nicht noch finanzielle Probleme schaffen.

Neu in den Bedingungen sind Leistungen zur häuslichen Behandlungspflege, ärztlich verordneter häuslicher Krankenpflege, Soziotherapie, Sozialpädiatrie und auch einer Haushaltshilfe (unter den Voraussetzungen des §38 SGB V.

Hier finden wir, wie auch bei in den letzten Jahren eingeführter Tarife der Mitbewerber wie der SDK oder Barmenia, immer mehr Leistungen aus der gesetzlichen Krankenkasse. Ob dieses in die PKV gehört muss jeder für sich selbst entscheiden, gerade wenn es sich nicht um typische Leistungen einer Krankenversicherung handelt. Dennoch fragt der Markt genau das nach und die Versicherer reagieren.

In den Bedingungen natürlich ebenfalls enthalten sind Leistungen für ambulante Rehabilitationsmaßnahmen (insbesondere Anschlussrehabilitation) bzw. Kuren.

Zu den Leistungen die vielleicht und hoffentlich wenige brauchen zählen auch die Versicherten Entziehung-/ Entwöhnungsmaßnehmen. Genauere Regelungen lesen Sie einfach unter Punkt 3.4 nach, wobei es hier eine Zusage erforderlich macht.

Warum man zudem Präventionskurse und Mitgliedsbeiträge in einem „qualitätsgesicherten“ Fitnessstudio bis 600 € erstatten muss, erschließt sich mir leider nicht.

stationäre Behandlungen

Versichert sind zunächst die allgemeinen Krankenhausleistungen. Berechnet das Krankenhaus nicht anhand der Vorgaben aus dem Bundespflegesatzverordnung (BPflV) bzw. des Krankenhausentgeltgesetzes (KHEntgG), so gelten max. 200% der dort genannten Kosten als angemessen. Versichert sind aber ebenfalls die Kosten für das EIN- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus. Wird diese Leistung nicht genutzt, so gibt es 32 € pro Tag als Krankenhaustagegeld zurück, denn schließlich spart der Versicherer hier auch Geld.

Wahl-, Beleg- und Chefärzte sind ebenso versichert, auch hier, 32 € pro Tag, wenn sich der Patient entscheidet diese dieses Mal nicht zu nutzen. Ebenfalls in den Versicherungsbedingungen finden sich dann die Aussagen zu Versicherten stationsäquivalente psychiatrische Behandlungen, stationäre Rehabilitationsmaßnahmen, Kuren oder den Kosten für Rooming In bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr und maximal 28 Tagen. Muss eine erwachsene Person im Krankenhaus begleitet werden, so sind auch hier Kosten für einen Zeitraum von 4 Wochen erstattungsfähig, ebenso wie eine Haushalts-/ Familienhilfe unter bestimmten Umständen.

Fahrkosten zur stationären Behandlung sind unter den vorhin genannten Bedingungen analog zur ambulanten Behandlung genannt und erstattungsfähig, auch hier gilt 50km oder die nächste geeignete und erreichbare Einrichtung als Grenze.

Neben der bereits beschriebenen ambulanten Palliativversorgung kommt auch eine Aufnahme in einem Hospiz unter den, in 3.2 j.) ff. genannten Bedingungen infrage. Neu ist auch die Nennung von stationärer Kurzzeitpflege für maximal acht Wochen.

die lieben Zähne

Ja, einige bekommen schon Schmerzen bei dem Wort, aber auch das gehört eben zu den Leistungen einer Krankenversicherung. Auch hier sind die Leistungen recht umfangreich, wenn auch teilweise erklärungsbedürftig. Vereinfacht gilt (nachzulesen in 3.3. der Bedingungen) eine Leistung von 100% für Zahnbehandlung und auch für eine professionelle Zahnreinigung. Die Höchstgrenzen (dazu komme ich gleich noch) gelten hierfür nicht.

Die tarifliche Leistung für zahnärztliche Behandlungen nach Buch stabe b) und c) wird je Person in den ersten drei Versicherungsjahren (Definition Versicherungsjahr siehe Ziffer 2.2) begrenzt, auf insgesamt 10.000 EUR. Ab dem 4. Versicherungsjahr sowie bei unfallbedingten Kosten entfällt diese Begrenzung.

Interessant ist die Art der Änderung für die Zahnersatzerstattung. Dabei geht es zunächst mit 90% los. Diese bleiben nur dann erhalten (sonst werden es 80%), wenn im zurückliegenden Jahr zahnärztliche Kontrolluntersuchung nachgewiesen wird. Wer also nicht beim Zahnarzt war, bekommt statt 90% nur noch 80 und ein Jahr später nur noch 75%. Weiter runter geht es aber nicht, so werden immer mindestens 75% erstattet. Auch der Weg zurück geht genauso. Ist der Versicherte bei 75% angekommen und weißt die Vorsorge nach, werden es nach einem Jahr wieder 80 und dann 90% Erstattung.

Wer vorher versichert war und nichts anderes in den Gesundheitsfragen angeben muss, dem wird für drei Jahre eine erfolgreiche Kontrolle unterstellt, so beginnt dieser mit 90% Erstattung.

Bei Kosten von 4.000 € und mehr sollten Sie zudem bedenken, es MUSS der Versicherer vorher gefragt werden. Passiert das nicht, wird alles über die 4.000 € nur zur Hälfte erstattet.

In der Kieferorthopädie gilt ebenfalls zunächst 90%, weitere 10% gibt es dann, wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde. Diese- sonst nur bei Kindern bekannte Regel, findet hier auch für Erwachsende Anwendung.

Optionsrechte

Wie wir alle wissen haben viele Kunden keine linearen Lebensverläufe. Die Zeiten in denen Opa früher bei der Firma lernte und sich dann dort auch in die Rente verabschiedete sind vorbei. Daher sind Anpassungen des Versicherungsschutzes immer ganz hilfreich. Gerade hier patzt der Deutsche Ring /die Signal aber im Vergleich zu Mitbewerbern. So finden sich in den Tarifen folgende Regelungen:

5.1 Ausübung der Optionen

Jede versicherte Person im Tarif Prime hat das Recht auf

a) den Abschluss eines Pflegetage- oder Pflegemonatsgeldtarifs Für die versicherte Person besteht innerhalb von 24 Monaten, gerechnet vom erstmaligen Tarifbeginn des Tarifs Prime, das Recht, auf der Grundlage einer mit dem Abschluss dieses Tarifs durchgeführten Gesundheitsprüfung, einen Tarif der ergänzenden Pflegetage- oder Pflegemonatsgeldversicherung abzuschließen, der zum jeweiligen Zeitpunkt zum aktiven Produktangebot des Versicherers gehören. Voraussetzung ist, dass zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme des Optionsrechts keine Pflegebedürftigkeit im Sinne von § 14 SGB XI (siehe Anhang) eingetreten ist, keine Beitragsrückstände bestehen, keine wirksame Kündigung des Versicherungsverhältnisses vorliegt und die Versicherung nach Tarif Prime vor einem Eintrittsalter von 60 Jahren begonnen hat.

Entschuldigung, aber was für eine Regelung. Wenn ich heute in der Lage bin die Gesundheitsprüfung für eine Voll-KV zu überstehen, dann kann ich auch eine Pflegezusatzversicherung abschließen. Klingt also gut, ist aber m.E. nicht wirklich etwas wert. Wenn ich damit 24 Monate warte und vielleicht bis dahin krank bin, OK, kann passieren, ist aber dann eben Lebensrisiko. Die 24 Monate sind nun nicht so lang.

Interessanter sind die Regelungen des veränderten Versicherungsschutzes. Generell können Sie Ihren Versicherungsschutz immer reduzieren, so der Versicherer einen solchen Schutz anbietet. Problematisch wird es bei der Verbesserung. Zwar besteht nach 204 VVG ein Wechselrecht, jedoch mit ggf. Risikozuschlägen für Mehrleistungen und/ oder einem Verzicht auf selbige. Daher sind Optionsrechte wichtig. Hier heißt es:

b) eine Erhöhung des Versicherungsschutzes in der Krankheitskostenvollversicherung Für die versicherte Person besteht nach Ablauf von 36 Monaten und erneut nach Ablauf von 72 Monaten, gerechnet vom erst-maligen Tarifbeginn des Tarifs Prime das Recht, den bestehenden Versicherungsschutz nach Tarif Prime in leistungsstärkere Tarife umzustellen, die zum Zeitpunkt der Umstellung zum aktiven Produktangebot des Versicherers gehören.

Auch hier, gut gedacht, schlecht gemacht. Warum? Weil es keinen leistungsstärkeren Tarif gibt und wohl auch eher innerhalb der kommenden Jahre nicht noch einen geben wird. Dabei wären auch nicht mehr viele Möglichkeiten den Schutz noch weiter zu verbessern. Eine andere SB Stufe fehlt auch, zudem wäre ja „ohne SB“ die beste Stufe. ABER: Das Optionsrecht wird nach hinten verschoben, wenn sich der Vertrag zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit in einer Anwartschaft befindet.

Mir fehlen hier eindeutig Regelungen „nach Reduzierung des Schutzes“ oder Regelungen für eine Rückkehr nach Wechsel in andere Tarife. Schade, hier wollte man wohl nicht ran oder der Treuhändler wollte es nicht. Das machen andere Versicherer durchaus besser.

Beitragsbefreiungen

Keinen Beitrag mehr zahlen zu müssen kann in einigen Fällen durchaus angenehm sein. So hat auch der Deutsche Ring (die Signal) hier Regelungen geschaffen, welche in finanziell angespannten Situationen helfen können.

Pflegegrad 4, mindestens

Wird die versicherte Person pflegebedürftig im Sinne der §§ 14 und 15 Abs. 1 SGB XI (siehe Anhang), so entfällt die Pflicht zur Beitragszahlung in diesem Tarif ab Beginn des vierten Monats nach Feststellung der Pflegebedürftigkeit entsprechend der Vorgaben der §§ 14, 15 und 18 SGB XI (siehe Anhang), wenn die Einstufung mindestens in Pflegegrad 4 erfolgt. Die Beitragsfreiheit endet zum Letzten des Monats, in welchem keine Pflegebedürftigkeit nach mindestens Pflegegrad 4 mehr vorliegt. Die Beitragsbefreiung erfolgt nur, wenn und solange sich der Vertrag nicht im Ruhen nach § 193 Abs. 6 und 7 VVG befindet (Nichtzahlung der Beiträge und Versicherung im Notlagentarif nach § 153 VAG, siehe Anhang).

Ein weiteres Szenario kann durchaus eintreten und auch hier ist eine Regelung zum nicht mehr zahlen müssen sehr angenehm. Die Elternzeit. Dazu finden sich ebenfalls unter 4.3 die entsprechenden Regelungen.

Bezieht die nach diesem Tarif versicherte Person Elterngeld im Sinne des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes (BEEG), so entfällt die Pflicht zur Beitragszahlung in diesem Tarif ab dem ersten Monat des Elterngeldbezugs, längstens jedoch für die Dauer von insgesamt sechs Monaten. Voraussetzung ist, dass – die versicherte Person zu Beginn des erstmaligen Bezugs von Elterngeld mindestens acht Monate im Tarif Prime versichert ist, – die Beiträge vollständig gezahlt sind und der Vertrag sich nicht im Ruhen nach § 193 Abs. 6 und 7 VVG (Nichtzahlung der Beiträge und Versicherung im Notlagentarif nach § 153 VAG, siehe Anhang) befindet, – der Bezug von Elterngeld dem Versicherer durch den Elterngeldbescheid nachgewiesen wird.

Zu beachten hier, der Vertrag der Mutter/ des Vaters wird beitragsfrei, wenn dieser Elterngeld bezieht, NICHT auch der Vertragsteil des ggf. nachversicherten Kindes. Dennoch ist die Zahlung von 6 Monatsbeiträgen bei vielen Eltern eine willkommene Erleichterung.

Beitragsrückerstattung

Wer keine Leistungen (Ausnahmen hatte ich vorhin bei Vorsorge und Impfungen genannt) in Anspruch nimmt, der bekommt im Folgejahr Geld zurück. Dieses kann sich zwar in der Zukunft ändern, sieht aber derzeit wie folgt aus.

Bei 1 leistungsfreien Jahr werden 0,75 Monatsbeiträge erstattet. Nach 2, 3, 4 oder 5 Jahren ohne Leistung steigt der Betrag auf 1,5, 2,25, 3 oder 3,75 Monatsbeiträge an.

Beispielprämien

Um eine Vorstellung von der Prämie zu bekommen, hier einige kurze Beispiele.

Da es den Tarif nur OHNE SB gibt, sind alle Prämien auch für diese eine SB Stufe.

  • – Kinder bis 15 zahlen für den Schutz 194,70 €

  • – Jugendliche (16-20) 279,19 €

  • – Erwachsene mit 30 Jahren 626,42 € + 10% Vorsorgezuschlag (62,64 €)

  • – Erwachsene mit Eintrittsalter 40 J. dann 723,45 € + 10% also 72,35 €

Es ist sicher kein billiger Schutz, soll es auch nicht sein. Sondern der TOP Tarif im Hause Signal.

Fazit

Zunächst einmal muss ich zugeben, hätte ich nicht gedacht einen solchen Tarif unter dem Namen „Deutscher Ring“ noch einmal zu sehen. Es freut mich besonders, dass die Signal Iduna hier anscheinend die Marke Deutscher Ring weiter bestehen und sogar stärken möchte. Der Tarif ist sicher nur für eine sehr kleine Zielgruppe geeignet, eine die Leistung für sehr wichtig erachten und sich diese auch leisten können und wollen.

Problematisch sehe ich fehlende andere SB Stufen, da hier eine Anpassung an sich verändernde Lebenssituationen ausgeschlossen ist. Klar ist es schön immer alles einreichen zu können, dennoch wäre eine (mindestens eine) andere Stufe der Selbstbeteiligung wirklich angenehm gewesen. Auch die Optionsrechte sind leider nicht brauchbar und so wurde hier leider eine Chance verschlafen, auch hier etwas mehr Flexibilität einbauen zu können.

Können bestehende Kunden in den Prime wechseln?

Wer heute schon bei der Signal Iduna oder dem ehemaligen Deutschen Ring versichert ist, der kann natürlich einen Antrag auf Wechsel in den neuen Tarif PRIME stellen. Hierfür ist aber eine neue Gesundheitsprüfung (unter Anrechnung der alten Rechte aus dem Tarif bisher) erforderlich. Auch wer bisher den Optionstarif FUTURA hat, der kann nicht ohne Gesundheitsprüfung wechseln, denn hier ist das Wechselrecht in den Comfort+ oder Esprit geregelt, nicht aber in den (vor Jahren nicht bekannten) PRIME. Daher, Anrechnung der alten Rechte ja, ohne Gesundheitsprüfung nein.

Dennoch kann es für den einen oder anderen Bestandskunden sinnvoll sein, sich über einen solchen Wechsel einmal Gedanken zu machen und es rechnen zu lassen.

Das vollständige Bedingungsheft finden Sie im Downloadbereich.

Signal Iduna inkl. Dt. Ring, Bedingungsheft Vollkosten, 2018 Unisex, komplett

Dabei finden Sie die MB/KK als allgemeine Bedingungen ab Seite 116 der pdf, die Tarifbedingungen ab Seite 124