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08.
Februar '21

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – sieben von elf der Aussagen sind falsch! Das müssen Sie jetzt wissen!


Es war Samstagabend, ich saß entspannt auf dem Sofa, da erschien auf dem iPhone eine dieser allseits beliebten Nachrichten.
Du wurdest bei Facebook erwähnt“. „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“ sollte das Thema sein und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um mir diesen Post einmal anzuschauen. Dabei ging es um einen konkreten Facebookbeitrag von Elisheba Wilde (Der Beitrag ist nach unserem Telefonat bei Facebook leider wieder gelöscht worden.), welche über die private Krankenversicherung ihres Mannes schrieb. Dazu hat sie auch bereits im letzten Jahr einen Blogbeitrag und ein Video veröffentlicht, über die elf Nachteile der privaten Krankenversicherung für Familien.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – was war passiert?

Ich glaube sogar, mich an diesen Beitrag im letzten Jahr zu erinnern, hatte damals, glaube ich, auch schon darüber nachgedacht, etwas dazu zu schreiben, aber irgendwie schien es dann in der Hektik des Alltages untergegangen zu sein. Also las ich zunächst einmal die Kommentare und Bemerkungen der andere Nutzer und fand dann auch den Kommentar, der mich explizit erwähnte.

11 Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Also habe ich die Gelegenheit genutzt, mir den Beitrag einmal etwas genauer anzuschauen. Da die Kommentare zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet waren und ich somit nicht direkt auf die Beiträge antworten konnte, habe ich der Autorin direkt per Nachricht geantwortet und etwas Hilfe angeboten. Hieraus wurde ein längerer Chat und… warten wir es einmal ab.

Doch was genau daraus entstand, warum anderthalb Stunden Telefonat am Samstag einige erhellende Momente brachten und was sie genau konkret beachten sollten, bevor sie Entscheidungen treffen, das schauen wir uns in diesem und einem weiteren Beitrag etwas genauer an.

Bevor wir uns nun mit dem konkreten und aktuellen Leistungsfall und der Familie hier beschäftigen, sollten wir uns aber zunächst über die Fakten Gedanken machen und uns gemeinsam anschauen, was ist denn mit diesen ominösen elf Nachteilen für die private Krankenversicherung auf sich hat.

Wer meinen Blog schon länger liest, und das ist ja nun schon über 20 Jahre so möglich, der weiß, dass ich vielen Konstellationen kritisch gegenüberstehe. Ich habe oft erklärt, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind, ich habe oft gesagt warum es nicht sinnvoll ist, für bestimmte Personen und Personengruppen in die private Krankenversicherung zu wechseln und warum jemand nicht in in der Lage-, sondern geeignet sein muss, sich privat zu versichern.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – der Blogbeitrag ohne Fachwissen schadet mehr, statt zu helfen

Das klingt jetzt hart, und sicher hat es in diesem konkreten Fall einige Fehler des Beraters gegeben, nicht nur einen, sondern über mehrere Jahre, verschiedene. Aber das rechtfertigt meiner Meinung nach nicht, über ein Thema zu schreiben, von dem die Autorin hier wenig bis keine Kenntnisse hat. Diese elf Aussagen in dem Artikel zu den Nachteilen der privaten Krankenversicherung sind schlichtweg zum großen Teil falsch! Es bringt uns allen nichts weiter, falsche Informationen im Internet zu verbreiten, es bringt neuen Kunden nichts, es hält andere Kunden von richtigen Entscheidungen ab und es ermöglicht somit keine fundierte und faktenbasierte Entscheidung. Daher habe ich mich auch entschlossen, auf diesem Blog Beitrag konkret zu antworten, denn so kann und will ich das nicht stehen lassen.

In ihrem Beitrag, der sicherlich aufgrund der persönlichen Situation stellenweise recht emotional ist, beschreibt Elisheba Wilde die, aus ihrer Sicht nachteiligen Punkte, der privaten Krankenversicherung. Dabei sind die Fakten nur so mittelmäßig recherchiert und der Beitrag weist viele Fehler auf. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, zu jedem, der dort angesprochenen Punkte etwas zu schreiben, damit wir zumindest etwas fachlichen Input in die ganze Sache kriegen.

Nachteile der Privaten Krankenversicherung – Was Sie in jedem Fall VOR Unterschrift bedenken sollten!

Die Autorin beginnt ihren Artikel mit der Aussage: „Private Krankenversicherer locken junge Kunden“. Ist noch gar keiner der elf Punkte, sondern eine simple Feststellung. Natürlich ist ein privater Krankenversicherer ein Unternehmen, welches an Neukunden interessiert ist. Aus diesem Grund gibt es Geld für Werbung aus. Das tut jeder andere Hersteller, der Waren verkaufen möchte, auch. Nur weil ein Versicherer mir ein Angebot macht, heißt das nicht, dass man diesem blind vertrauen- oder ohne weitere Beratung dieses einfach abschließen sollte. Ich habe vor längerem einmal erklärt, warum eine Beratung zur privaten Krankenversicherung deutlich länger, im Vergleich zu anderen Beratungen, dauert.
10 Stunden sind hier ein völlig legitimer Wert und reichen in den meisten Fällen meine Kundenberatungen nicht aus.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Mit dem Abschluss einer Versicherung kaufen wir Sicherheit. Gefühlte oder reale Sicherheit, aber wir kaufen ein nicht greifbares Gut, ein gutes Gefühl oder einfach etwas, was uns ruhiger schlafen lässt. Für dieses gute Gefühl zahlen wir Geld, einen Beitrag, der dazu dient, dass jemand anders unser persönliches Risiko trägt. Dabei kann es in der privaten Krankenversicherung das Risiko von Arztkosten sein, ebenso aber das Risiko für den Ausfall des eigenen Einkommens, welcher krankheitsbedingt durchaus passieren kann. Natürlich hat auch jedes System Nachteile und so gibt es eben auch die Nachteile der Privaten Krankenversicherung.

Eine Versicherung, egal welcher Sparte, die muss sich nie „lohnen“. Es geht nicht darum abzuwägen, wie viel Beiträge ich einzahlen und wieder rausbekomme, damit es am Ende möglichst für mich, mehr Geld rausgibt, als ich eingezahlt habe. Es geht darum, einen Versicherungsschutz zu kreieren, der mich im Falle der Fälle vor bestimmten Risiken schützt. Um diese erste Frage des Beitrages somit zu beantworten:

Nein, eine Krankenversicherung lohnt sich nie- sie sichert ab!

Wir sollten uns darüber freuen, wenn wir diese niemals brauchen und nach Jahrzehnten feststellen: „Jetzt habe ich Jahrzehnte Beiträge eingezahlt, und lange nicht das wieder herausbekommen.“ So und genau so funktioniert eine Versicherung.

Eine Anmerkung jedoch speziell zu dieser Familie: Der Abschluss der privaten Krankenversicherung erfolgte auf Rat eines Freundes, vor über 20 Jahren. Die Kinder der Familie sind heute im Grundschulalter. Heißt also auch, es gab vor Geburt der Kinder weit über ein Jahrzehnt, indem durch die private Krankenversicherung hier Monat für Monat Geld gespart wurde. Natürlich wurde dieses Geld mit großer Wahrscheinlichkeit ausgegeben, und nicht separat in einem Topf angelegt.

Aber ich kann doch nicht erwarten, aus einem System mit weniger Leistung in ein System mit mehr Leistung zu wechseln und zusätzlich noch jeden Monat Geld heraus zu nehmen. Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, so finden Sie sich damit ab, dass sie mit der privaten Krankenversicherung eben kein Geld sparen, sondern betrachten Sie das „System“ Private Krankenversicherung als anderes System und keinesfalls mit der gesetzlichen Krankenkasse vergleichbares.

Doch kommen wir nun zu den eigentlichen elf großen Nachteilen der privaten Krankenversicherung, die die Autoren in ihrem Blog Beitrag nach und nach behandelt.

„1. Kurzarbeit während der Corona-Krise“

Richtig ist, dass jemand, der vor der Coronakrise (oder jeder anderen Kurzarbeit) privat versichert war, dass auch weiterhin bleibt. Während der Kurzarbeit wird fiktiv ein vergleichbares Einkommen angenommen.

Was die Autorin aber nicht erwähnt, ist der erhöhte Arbeitgeberzuschuss, welcher den größten Teil des Beitrages abdecken kann. Voraussetzungen sind hier Einkommen in der Kurzarbeit unter der Jahresarbeitentgeltgrenze und damit eine deutliche Verringerung. Ich habe hierzu in einigen Beiträgen detailliert beschrieben, warum es hier notwendig ist, es zu berechnen und zu handeln. Dann aber bekommt der Arbeitnehmer hier weitaus höhere Zuschüsse, eben um die finanziellen Folgen der Kurzarbeit abzumildern. Mehr Informationen zu

Kurzarbeit und Private Krankenversicherung HIER in meinen Beiträgen.

Da es hier in dem konkreten Fall keine Kurzarbeit gab, stellte sich die Frage des erhöhten Zuschusses auch nicht. Auch klingen 1.300 € Beitrag gewaltig, die sind es aber so nicht. In diesem Betrag sind Selbstbeteiligungen enthalten, für sich und die Kinder, welche nur teilweise genutzt wurden. So kann einer der Nachteile der Privaten Krankenversicherung schnell zu einem (finanziellen) Vorteil werden.

„2. Wiedereingliederung in den Beruf nach Krankheit“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Hier kommen mehrere Punkte gleich in einem Beitragsteil zusammen: Die private Krankenversicherung funktioniert nach einer Art Baustein- System. Sie versichern also einen Haupttarif, welcher die Kosten für ambulante, stationäre oder auch zahnärztliche Behandlung übernimmt. Danach ergänzen Sie Ihren Vertrag direkt bei Abschluss um weitere Bausteine. Das kann ein Baustein für Kurleistungen sein, ebenso der wichtige Baustein für das sogenannte „Krankentagegeld“. Also der Baustein, der im Falle der längerfristigen Krankheit über die sechswöchige Lohnfortzahlung des Arbeitgebers hinaus dafür sorgen soll, dass Ihnen auch im Krankheitsfall kein finanzieller Nachteil entsteht.

Um diesen Baustein aber richtig und sinnvoll ab zu sichern, bedarf es einiger wichtiger Informationen vor ab. Natürlich ist es richtig, dass der Beitrag für die private Krankenversicherung und auch den Baustein für das Krankentagegeld im Leistungsfall weiter zu zahlen ist. Daher habe ich mehrfach (unter anderem hier auf der Seite unter dem Unterpunkt Krankentagegeld) darauf hingewiesen, dass es notwendig und wichtig ist, nicht nur die laufenden Fixkosten, sondern eben auch den Beitrag zur privaten Krankenversicherung, abzusichern.

Soweit zu den generellen Fragen zum Thema „Nachteile der Privaten Krankenversicherung“. Auch finden wir in diversen Tarifen der privaten Krankentagegeldversicherung Regelungen zur Teil- Arbeitsunfähigkeit und zu der Frage der Wiedereingliederung. Es ist eben nicht generell so, dass es keinerlei Leistung bei Wiedereingliederung gibt. Sondern es ist vielmehr richtig, dass es Tarife und Gesellschaften gibt, bei denen das Thema „Teilarbeitsunfähigkeit und Wiedereingliederung“ nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ nicht sauber und vernünftig gelöst ist. Eine solche Gesellschaft von der eigenen Wahl auszuschließen, das ist aber Aufgabe des Beraters und des Kunden, noch bevor ein Abschluss zustande kommt.

Und lassen Sie mich einen wichtigen Punkt gleich hier schon einmal erwähnen: Eine private Krankenversicherung ist nichts, was man vor 20 Jahren einmal gemacht hat und dann in der Schublade liegt und man sich nie wieder anschaut. Eine private Krankenversicherung bedarf einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung und damit ein „Mitwachsen“ mit dem eigenen Leben.

Lohnersatzleistung und Krankentagegeld – anpassen, prüfen, ändern!

Auch bei der sogenannten Entgeltersatzleistung bringt unsere Autorin in ihrem Beitrag einiges durcheinander: Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fallen von dem ausgezahlten Krankentagegeld auch deshalb nicht an, weil die Sozialversicherungsbeiträge von dem Bruttokrankengeld bereits abgezogen worden. Damit ist die Beitragszahlung in der gesetzlichen Krankenkasse während einer längeren Arbeitsunfähigkeit nicht vorhanden. Aber, ein Unterschied zwischen beiden Systemen, die gesetzliche Krankenkasse darf maximal 78 Wochen zahlen, danach endet die Lohnfortzahlung selbst dann, wenn der Patient weiterhin krank, also arbeitsunfähig ist. In der privaten Krankentagegeld Versicherung kennen wir diese Einschränkung so nicht. Was die Absicherung dort nicht prinzipiell besser oder schlechter, sondern einfach anders macht.

Dazu kommt, dass der private Krankenversicherer schlichtweg nicht wissen kann, wie sich Ihr Einkommen entwickelt. Wer also sein vor 20 Jahren abgeschlossenes Krankentagegeld nicht anpasst und verändert, und das obwohl sich die Familiensituation und die Beiträge der Krankenversicherung massivst verändert haben, der ist (das mag hart klingen) mit Schuld an der eigenen Situation. Das wurde hier in meinem Telefonat auch bestätigt. Die Familie hatte sich aufgrund der zusätzlichen Beitragszahlung gegen eine Erhöhung des Krankentagegeldes entschieden. Und so war es im Wesentlichen noch so, wie es vor 20 Jahren einmal abgeschlossen wurde. Dass das heute nicht reicht und dass der Tarif heute durchaus anders und besser und mit mehr Leistungen zu versichern wäre, das wurde hier „unterschlagen“.

„3. Kein Kinderkrankengeld in der privaten Krankenversicherung“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Vor 20 Jahren, bei Abschluss dieser Versicherung, war die Aussage durchaus richtig. Eine Krankentagegeldversicherung bei Erkrankung des Kindes gab es in der privaten Krankenversicherung so nicht. Das ist- und war ein Nachteil für viele Versicherten, welche sich dieses Risikos bewusst sein sollten.

Aber, so erzählten die Kunden gestern, waren damals Kinder kein Thema. Es wurde weder angesprochen- noch besprochen und die Lebensplanung hat sich schlicht und ergreifend verändert. Heute ist es in der privaten Krankenversicherung bei einigen Versicherern durchaus möglich, eine Lohnersatzleistung bei Erkrankung der Kinder, zu versichern.

Das geht auch heute weiterhin nicht pauschal bei jedem Versicherer, es gibt aber Lösungen dafür. Wer sich also für die private Krankenversicherung entscheidet, und selbst wenn er heute noch keine Kinder plant, gehört das Thema auf den Tisch der Beratung. Auf der anderen Seite ist das Risiko durchaus begrenzt. Die Zeiten der Lohnfortzahlung für Eltern, welche in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, sind ebenfalls stark reglementiert. Aktuell weitet die Bundesregierung aber die Regelungen durch Corona aus, eine generelle Erweiterung ist das aber auch hier nicht.

Auch bei dieser Familie hätten sich die Eltern bei Geburt für die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse entscheiden können und die Kinder dort versichern. Dann bestünde auch ein Anspruch auf Krankentagegeld bei Erkrankung des Kindes. Auch hier ist die Beratung sicherlich nicht optimal gelaufen, ob der Fehler beim Berater, bei dem Kunden oder vielleicht bei beiden lag, vermag ich nicht zu beurteilen.

„4. Jedes Familienmitglied muss eigene Beiträge zahlen“ – Nachteile der Privaten Krankenversicherung?

Punkt vier von elf und wir sind bei dem ersten richtigen Punkt angelangt. Denn vollkommen korrekt ist, dass in der privaten Krankenversicherung es keine Art von Familienversicherung gibt. Die Kinder, oder eine nicht arbeitende Ehefrau oder der nicht arbeitende Ehemann, können in der privaten Krankenversicherung nur gegen eigenen Beitrag mitversichert werden.

Jede Person stellt ein eigenes Risiko da, kann eigene Tarife und Leistungen wählen und Zeit auch für diese einen entsprechenden Beitrag. Unter bestimmten Umständen bekommt aber der Hauptversicherte Arbeitnehmer hier auch einen anteiligen Arbeitgeberzuschuss für seine Kinder oder andere Familienangehörige im Rahmen der Höchstgrenzen.

„5. Auch nach sechs Wochen Krankheit müssen volle Beiträge gezahlt werden“

Dieses Thema hatten wir eingangs schon bei der Frage der Teilarbeitsunfähigkeit oder der Wiedereingliederung. Die Aussage ist so halb richtig. Natürlich bucht der private Krankenversicherer den Beitrag auch während der Krankheit weiter ab. Dazu gibt es eben das Krankentagegeld, welches in der richtigen Höhe versichert, dieses wieder ausgleicht.

Das Beispiel der Autorin:

Nehmen wir mal an, jemand bekommt 60 Euro pro Tag. Die monatlichen Beiträge – zum Beispiel 1.500 Euro für eine Familie – müssen weiterhin in voller Höher gezahlt werden.

Das heißt: Privatversicherte müssen sich eine längere Krankheit finanziell leisten können.

Wer nur 60 € Tagessatz, also 1800 € im Monat an Krankentagegeld versichert hat, der hat entweder einen vollkommen unfähigen Berater gehabt, wollte am Beitrag sparen oder aber hat 20 Jahre lang geschlafen und keinerlei Anpassung vorgenommen. 60 € Krankentagegeld waren schon vor 20 Jahren zu wenig.

Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und einem Krankentagegeld unter 120 € sollten sehr genau überlegen, was sie da tun und sich auch fragen, was im Falle der Krankheit dann passiert. Denn nehmen wir als Beispiel 120 €, so klingen die 3.600 € Auszahlung pro Monat viel. Ziehen wir davon aber einmal 800 € Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) ab und brauchen dann noch Geld für die Rentenversicherung, so bleiben am Ende knapp 2.300 € übrig. Ob das reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden und das auch über die Jahre überdenken und anpassen.

„6. Ausschluss von Leistungen bei Vorerkrankungen“ – definitiv so keine Nachteile der Privaten Krankenversicherung

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (zum Beispiel ein bereits fehlender Zahn bei Abschluss, wo dann der erste Zahnersatz ausgeschlossen werden kann) gibt es in der privaten Krankenversicherung gerade keine Ausschlüsse. Was es natürlich gibt, sind Zuschläge für bereits bestehende Erkrankungen. Sie würden ja auch nicht ein höheres Risiko zum gleichen Preis versichern wie das eines gesunden Kunden.

Doch unsere Familie wollte hier auf ein ganz anderes Thema raus:

„Als ich bei der Versicherung unserer Kinder nach dem Tarif für Kuren nachgefragt habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Mir wurde geantwortet, dass man diesen extra Tarif mit den entsprechenden Leistungen nur bekommt, wenn man vorher eine Gesundheitsprüfung überstanden hat.
Wer als Baby Neurodermitis hatte, scheidet für sämtliche Extras aus. Ich habe genervt geantwortet, dass meine Tochter kerngesund ist und dass bei uns im Kindergarten zahlreiche Mütter erzählen, dass ihr Kind als Baby Probleme mit der Haut hatte.
Der Mitarbeiter hat mir klar gemacht, dass nur Eltern von gesunden Kindern extra Tarife für den Nachwuchs buchen können.“

Denn diese Aussage ist zumindest genauso falsch. Die Kundin wollte hier ein vorher gemachtes Versäumnis korrigieren und später, also Jahre später, einen Zusatzbaustein für Kurleistungen für das Kind versichern. Das Kind bekam eine Hauterkrankung, wie sie schreibt, und sollte nun für einen Tarifbaustein für Kurleistungen nachversichert werden. Dass der Versicherer das nicht möchte, weil das Risiko um ein Vielfaches erhöht ist, (zwischenzeitlich waren die Kinder auch bei der Kur) ist im Sinne des Versichertenkollektivs mehr als verständlich.

Was wir auch festhalten sollten, die Kinder bekommen bei Geburt durch eine entsprechende Anmeldung und nach Versicherungsumfang in dem Vertrag des Vaters/ der Mutter, identischen Schutz ohne jegliche Gesundheitsprüfung. Hätte der Vater also damals mit seinem Berater einen umfassenden Versicherungsschutz gewählt oder noch vor der Geburt für sich selbst einen solchen „Kurtarif“ abgeschlossen, dann wäre auch die Nachversicherung für die Kinder, selbst mit Vorerkrankung, kein Problem gewesen. Wer aber für sich selbst an den Leistungen spart oder an einen solchen Zusatzbaustein nicht denkt, der muss mit der Konsequenz der Gesundheitsprüfung für die Kinder leben. Hier ein eigenes Versäumnis oder das Fehlen der Aufklärung durch den Berater als Nachteil darzustellen, halte ich für etwas fragwürdig.

„7. Zähne sind im Basistarif der Kinder nicht mit drin“

In dem „PKV-Warn-Blogbeitrag“ lesen wir:

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich erfahren habe, dass wir knapp 800 Euro für den Zahnarzt selbst zahlen müssen.

Der Grund: Zähne müssen nochmal separat versichert werden.

Ja, ich habe auch nicht schlecht gestaunt als ich eine solche (falsche) Aussage lesen musste. Kinder haben natürlich Anspruch auf Zahnleistungen in dem entsprechenden Tarif. Der Sohn übrigens, für den hat man es bei Geburt auch richtig einfach mitversichert. Für die Tochter hingegen wurde sich aus Ersparnisgründen bei Geburt dafür entschieden, sich doch den „Zahn- Baustein“ ab Geburt zu sparen. Schließlich kann doch für junge Kinder gar kein Kostenrisiko für Zahnbehandlungen oder Zahnersatz bestehen, dachte man zumindest. Dass die dann später auftretenden Kosten nun doch da sind, und dass der Versicherer nun diese nicht übernehmen will, ist schlichtweg der eigenen Ersparnis geschuldet.

Denken wir also einmal darüber hinaus nach, was an Beiträgen in den ersten fünf oder gar acht Jahren nach Geburt der Kinder gespart wurde, dann finde ich das „Jammern“ über die eigene falsche Entscheidung den völlig falschen und irreführenden Weg.

Hier wurde nach Geburt der Kinder eine Entscheidung getroffen (ob der Berater geschlafen hat oder man ist damals bewusst so entschieden hat und sich heute nur nicht mehr erinnern kann, das vermag ich nicht zu beurteilen). Heute, wo es anders gelaufen ist und Kosten für die Kinder angefallen sind, wird nun über die damalige Entscheidung gejammert. Das erweckt nicht nur einen falschen Eindruck über die Versicherungsmöglichkeiten und Varianten, sondern es verzerrt auch ganz deutlich die Tatsachen.

Übrigens hätte es auch damals schon bei der Universa ab Geburt der Kinder Tarife gegeben, welche als so genannte „Kompakttarife“ die Bereiche „Ambulant, Stationär und Zahnleistungen“ enthalten hätten. Auch diese wären ohne Gesundheitsprüfung abschließbar gewesen.

„8. Keine Beitragsfreiheit während Mutterschafts- oder Erziehungszeiten“

Die Beitragsfreiheit bei Mutterschaft – oder Erziehungszeiten sind in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gänzlich anders gelöst. Daher ist zumindest diese Aussage nicht generell falsch.

Auch wenn das vor 20 Jahren bei den meisten Tarifen nicht so war, gibt es heute hierfür Lösungen. So existieren auch in der privaten Krankenversicherung Tarife und Leistungen, welche für den Zeitraum der Elternzeit den Zuschuss des Arbeitgebers übernehmen- oder gar den ganzen Beitrag für eine begrenzte Zeit „auf null setzen“.

Voraussetzung hierfür ist natürlich ein entsprechender Tarif: Das es hier einen solchen bei der Versicherung der Familie nicht gab, ist natürlich ärgerlich und nur deshalb den Versicherer zu wechseln, auch die völlig falsche Wahl. Aber eine generelle Aussage funktioniert auch hier nicht und ist falsch.

Übrigens würde der Mann in Elternzeit gehen und als freiwillig versichertes Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse (was er mit seinem Einkommen wäre) sein, so wäre auch hier die Mitgliedschaft NICHT kostenlos und müsste bezahlt werden. Mehr dazu in meinem Beitrag zur

„Nicht immer beitragsfreien Versicherung in Elternzeit“.

„9. Kuren sind eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen“ – falsch und nicht zwingend Nachteile der Privaten Krankenversicherung!

Auch diese Aussage ist so nicht richtig! Wir hatten das Thema ja vorhin schon oben bei den Kindern, eine Kurleistung kann entweder Bestandteil des Tarifes sein, oder aber es gibt dazu einen ergänzenden Baustein. Wenn ich mich bei Abschluss gegen einen solchen Tarif entscheide, so kann ich den in der Zukunft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung versichern. Habe ich selber keinen solchen Tarif, so bekommen die Kinder diesen mit Geburt auch nicht automatisch ohne Gesundheitsprüfung.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, warum die sorgfältige Auswahl des eigenen Versicherungsschutzes (und unter Umständen die Anpassung des eigenen Schutzes vor Geburt der Kinder) so wichtig und elementar ist.

Wer sich aber aus finanziellen Gründen (oder weil der Berater anscheinend keine Ahnung hat er auf das Thema hinzuweisen) dagegen entscheidet, der sollte nicht der privaten Krankenversicherung den Vorwurf machen. Schließlich hat er eine Leistung nicht versichert, für die er auch keine Beiträge gezahlt hat. Warum sollte hier eine Leistung erfolgen?

„10. Berge voller Papierkram – jeder Beleg muss eingereicht werden“

Wenigstens dieser Punkt ist richtig. Natürlich muss ich mir als privat versicherter bewusst sein, dass ich einen höheren Aufwand betreiben muss. Es gibt eben keinen direkten Abrechnungsweg zwischen Arzt und Krankenversicherung (ausgenommen sind einige stationäre Rechnungen) und ich bekomme die Rechnung nach Hause.

Dieses Nachhause schicken hat durchaus Vorteile, denn ich kann kontrollieren, was der Arzt abgerechnet hat und ob die Diagnosen auch so stimmen.

Auch kann ich entschieden, welche Rechnungen ich wann einreiche. Das „alles vorgestreckt werden muss“ ist aber wiederum falsch. Private Krankenversicherer erstatten heute binnen weniger Tage, wenn Rechnungen als Foto via App eingereicht oder per Post geschickt werden.

Sie erstatten aber nur das, was auch versichert ist. Anders als in der GKV kann, muss ich aber nicht alle Bereiche versichern und spare somit an den Leistungen, welche mir bei Abschluss nicht wichtig sind. Wenn diese wichtig werden, muss aber auch bei laufendem Vertrag gehandelt werden.

Wer hohe Medikamentenrechnungen hat, sollte zudem über ein Kundenkonto bei der Apotheke nachdenken. Hier bekommt man dann einfach eine Rechnung, reicht diese ein und hat das Geld wieder, bevor es bezahlt werden muss.

Wem dieser Abrechnungsweg aber Sorgen bereitet, hierfür gibt es Dienstleister! Also entweder selbstmachen, oder jemanden für eine monatliche Pauschale damit beschäftigen, die Arbeit für einen selbst zu übernehmen.

Noch einen Satz zu der Aussage:

„Außerdem akzeptieren die privaten Krankenkassen nicht jede Arztrechnung. Mein Mann hat die Rechnung für ein Schlaflabor vorgestreckt und dann von der privaten Krankenkasse erfahren, dass gemäß der Gebührenverordnung zu hoch abgerechnet wurde.“

Was wäre Ihnen lieber? Ein privater Krankenversicherer, der unberechtigte Leistungen trotzdem bezahlt und damit die Beiträge deutlich schneller erhöhen muss, oder einer, der sich an die Regeln hält und dem Arzt gegebenenfalls auch aufzeigt, warum seine Rechnung falsch ist? Das möchte ich gar nicht im Detail bewerten oder kommentieren, machen Sie sich einfach einmal selbst dazu Gedanken.

„11. Du kommst aus einer Ehe leichter raus, als aus einer privaten Krankenkasse“

Die letzte Aussage in dem Beitrag unserer Autorin ist die erste und einzige, welche vollständig richtig ist. Hier wird ganz klar und deutlich dargestellt, dass es eine dauerhafte Entscheidung für die eigene Gesundheitsvorsorge ist.

Wer sich für die private Krankenversicherung heute entscheidet, der sollte das bewusst und wohl überlegt tun. Es gibt eine Unmenge an Gründen, die für eine entsprechende Versorgung und mindestens genauso viele Gründe die gegen eine entsprechende Versorgung in dem privaten Versicherungssystem sprechen.

Ich kann mich kaum noch erinnern wie oft ich darüber aufgeklärt habe, wie wichtig es ist, Lebensentscheidungen von dir zu treffen und eben nicht darauf zu vertrauen, was einem der „gute Kumpel“ (der gerade zufällig auch bei einer Versicherung auch arbeitet und irgendetwas mit Krankenversicherung mal gelesen hat), erzählt.

Hinterfragen Sie Aussagen, beschäftigen Sie sich mit der Zukunftsfähigkeit von Tarifen und schauen Sie sich an, wie sich der Tarif in Zukunft verändern kann. Auch wenn heute eine Familienplanung vielleicht nicht denkbar ist, so kann es doch in Zukunft eine solche geben. Morgen kommt die Partnerin/der Partner um die Ecke, und es ändert sich sprichwörtlich alles.

Hierfür muss ein Versicherungsschutz gemacht sein und angepasst werden.
Wichtig ist aber hier, dass ein Wechsel, zurück in das andere der jeweiligen Systeme, durchaus denkbar und möglich ist, wenn man ihn entsprechend vorbereitet. Hierfür gibt es Spezialisten, die sie als Berater zur Seite stellen sollten, denn wenn man hier gut erkennen kann ist es eben nicht so einfach.

In einem weiteren Beitrag werde ich Ihnen einige solcher Spezialisten vorstellen und auch erklären, wie die ihnen konkret in unserem Beispiel hier helfen können.

Zu dem konkreten Fall und warum es nach meinem anderthalbstündigen Samstagabend- Telefonat plötzlich alles nicht mehr so war wie es schien (und warum der Facebookpost jetzt auch wieder gelöscht wurde), das erzähle ich gern in einem weiteren Beitrag.