Artikel mit ‘Nachforderung’ getagged

16.
Mai '19

Familienversicherung: „Aber die Krankenkasse wird sich schon melden“ – es ist keine gute Idee zu warten


Die Familienversicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse ist ein oft unterschätztes Problem, denn dieses kann ein sehr teures Problem werden. Dabei gehen viele Eltern immer noch davon aus: „wenn sich die Krankenkasse nicht meldet, wird wohl alles gut sein.“

Das ist aber nicht nur ein Trugschluss, sondern kann auch schnell einige tausend Euro kosten und ist dann irgendwann nicht mehr mal schnell aus der Portokasse zu bezahlen. Daher ist es auch leider nicht verständlich, wenn einige Eltern aus Trotz und wider besseren Wissens die Kasse nicht über Veränderungen im Leben informieren. Welche das sind und wann genau Sie wie reagieren müssen, um Nachzahlungen zu vermeiden, das schauen wir uns heute einmal genauer an.

Zunächst einmal finden Sie in meinem Schema zur Familienversicherung die ersten Grundlagen. Hier können Sie anhand einzelner Schritte einfach prüfen, wie die Kinder versichert sind oder es bei Veränderungen werden.

Diese Übersicht steht Ihnen auch als kostenfreier Download in pdf Form zur Verfügung.

Familienversicherung – wie sind die Kinder zu versichern [pdf]

Dabei geht es immer um den Fall, dass nur ein Elternteil in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, die/ der andere privat versichert. Hier ist für die Kinder in jedem Fall und immer die Frage der Familienversicherung zu prüfen. Dabei gilt das nicht einmalig, sondern laufend und bei allen Veränderungen im Leben der Familie.

Es gibt mehrere Ereignisse, zu denen sollten Sie die Kasse selbstständig und ohne Nachfrage informieren. Dazu zählen insbesondere:

– Heirat
– Geburt eines Kindes oder Adoption
– Veränderung/ Verschiebung der Einkünfte
– Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit eines Partners
– Abgabe der Steuererklärung/ Erhalt des Steuerbescheides

Um genauer zu verstehen was und wie ein Ereignis sich auswirkt, schauen wir einmal detaillierter darauf.

HEIRAT

Zunächst, Herzlichen Glückwunsch falls die Hochzeit schon war. Oder Alles Gute und gute Nerven bei den Vorbereitungen. Aber genug gescherzt. Eine Hochzeit ändert die Situation in der Familie auch im Hinblick auf die Krankenversicherung. Waren die Kinder vorher vielleicht bei der Mutter kostenlos familienversichert, so kann dieses nun schnell erledigt sein. Eine kostenlose Familienversicherung kann nun enden, wenn der nicht GKV versicherte Partner mehr verdient. Bei Angestellten ist es recht einfach zu prüfen, da hier ein Bruttojahresgehalt vereinbart ist. Was genau alles dazu zählt, das lesen Sie hier:

Was zählt zur JAEG?

Zudem finden Sie die aktuellen Sozialversicherungswerte in den einzelnen Blogbeiträgen erläutert und in Tabellenform zum Download bereitgestellt.

 Sozialversicherungswerte 2019

Ist nun der, der mehr verdient (und bei selbstständigen auch über der Grenze), in der privaten Versicherung, dann besteht auch nun für die Kinder ab Hochzeit kein Anspruch mehr auf eine kostenlose Familienversicherung.

Das heißt aber NICHT, dass die Kinder nun aus der GKV „rausfliegen“ und in die PKV müssen. Das heißt aber, dass diese nun keine kostenlose Familienversicherung mehr bekommen.

Diesen Umstand der Hochzeit und damit der Veränderungen bei der Familienversicherung müssen Sie der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) melden.

ACHTUNG: SIE müssen die GKV informieren, nicht die GKV muss raten wann Sie heiraten.

Dazu senden Sie am besten (schriftlich und mit Zugangsnachweis) eine Kopie der Heiratsurkunde an die gesetzliche Krankenkasse und fordern gleichzeitig einen Fragebogen für die Familienversicherung an. Viele gesetzliche Krankenkassen stellen diese Formulare auch auf der Homepage zum Download bereit. Dann können Sie das Formular gleich mitsenden.

AB DEM HOCHZEITSMONAT gelten die neuen Regelungen. Entfällt für die Kinder die kostenlose Familienversicherung nach §10 SGB V, dann sind ab diesem Zeitpunkt Beiträge für die Kranken- und Pflegepflichtversicherung zu zahlen.

Welche Optionen Sie haben und warum es für die GKV Beiträge keinen Arbeitgeberzuschuss gibt, das lesen Sie am Ende dieses Beitrages.

Geburt oder Adoption

Meist haben hier die Eltern schnell ein eigenes Interesse die Kinder zu versichern. Dabei können die Kinder in der GKV angemeldet werden, oder aber die Nachversicherung (binnen 2 Monaten nach Geburt/ Adoption) bei der PKV beantragt werden.

Hier wird es weitaus weniger oft „vergessen“, denn schließlich möchten Sie, dass Ihr Kind versichert ist. Auch hier gibt es dann die Optionen. Sie können das Kind als so genanntes freiwilliges Mitglied in der GKV anmelden, oder es in der privaten Versicherung versichern.

Eine Nachversicherung ohne Prüfung der Gesundheit muss nur die eigene Versicherung der Eltern durchführen, eine Antragsannahme mit Gesundheitsprüfung ist auch bei anderen Unternehmen möglich. Das kann durchaus sinnvoll sein, wenn der Schutz bei anderen Versicherern besser passt oder sich die Voraussetzungen und Wünsche verändert haben.

Veränderung/ Verschiebung der Einkünfte

Nun ist es keineswegs so, dass eine Verteilung der Einkünfte unverändert die nächsten Jahre Bestand hat. Verschieben sich daher die Einkünfte, wird ein Elternteil befördert oder hat einen neuen Arbeitsvertrag und verdient nun mehr oder weniger, ändert sich alles.
Die Prüfung der Familienversicherung findet nun nach dem oben abgebildeten Schema neu statt.

Auch das kann die GKV nicht wissen. Auch hier sollten Sie kurzfristig reagieren und einen Fragebogen zur Familienversicherung anfordern und diesen korrekt und vollständig ausfüllen.

Denken Sie bitte daran, falsche oder beschönigte Aussagen sind nicht nur aufgrund der Nachforderung problematisch, sondern können auch rechtlich fragwürdig sein. Daher machen Sie bitte richtige und vollständige Angaben.

Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit eines Partners

Auch wenn einer der Elternteile von der Angestellten- in eine selbstständige Tätigkeit wechseln will/ wird, auch dann ist eine Meldung erforderlich. Hier sind die Einkünfte und die ggf. zu erwartenden Einkünfte interessant und entscheiden dann über eine Familienversicherung der Kinder.

Auch wenn es nett klingt, erstmal keine Einkünfte anzugeben und die Kinder beitragsfrei versichert zu lassen, das rächt sich dann schnell wieder. Ist daher klar, dass aufgrund bestehender Auftragslage entsprechende Einkünfte realisiert werden können, dann sollte auch hier eine Beitragszahlung direkt erfolgen.

Es fällt sicher einfacher, einige hundert Euro laufend, als viele tausend Euro nachzahlen zu müssen.

Abgabe der Steuererklärung/ Erhalt des Steuerbescheides

Hier ergibt sich meist das größere Problem und die am häufigsten Auftretende Verärgerung. Diese entsteht dann, wenn die gesetzliche Krankenkasse dann plötzlich und ggf. rückwirkend Beiträge für die Kinder berechnet. Eine rückwirkende private Versicherung ist dann meist nicht mehr möglich, ein Arbeitgeberzuschuss auch nicht, einige tausend Euro sind dann schnell fällig, bei einem Kind. Haben Sie zwei oder mehr Kinder, so wird es noch deutlich teurer.

Gerade bei Selbstständigen wird die Steuererklärung meist recht spät abgegeben und der Steuerbescheid selbst lässt wiederrum nochmals auf sich warten. Daher kommt es hier zu Verspätungen und Verzögerungen.

Geben Sie aber die Steuererklärung ab und es ist klar, die JAEG wird überschritten, so informieren Sie die GKV bereits jetzt. Dann zahlen Sie ggf. auch schon Beiträge der Kinder oder können überlegen ob diese in die PKV übergehen sollen. Nur so vermeiden Sie Nachzahlungen.

Was passiert wenn Sie Veränderungen nicht melden?

Ja, die Methode Strauß, also Kopf in den Sand und abwarten, ist leider sehr verbreitet. Manchmal durch Unwissenheit, manchmal aber auch einfach Berechnung. Oft habe ich Aussagen wie „Solange die [Anm. die GKV]sich nicht melden, warte ich erstmal ab“ gehört. Das Sie sich damit „ins eigene Fleisch schneiden“ und nachher einen Beitragsbescheid über einige tausend Euro auf dem Tisch haben, welcher dann noch zeitig zu zahlen ist, dass ist leider vielen Versicherten nicht klar.

Es bringt daher leider überhaupt nichts. Sie verschieben das Problem, lösen es aber nicht. Auch ist dann die Wahlmöglichkeit weg und es schafft Probleme mit bereits abgerechneten Leistungen. Daher, lieber rechtzeitig handeln.

Weitere Artikel die das Thema Familienversicherung behandeln und Ihnen noch mehr Informationen geben:

Keinen Arbeitgeberzuschuss für die GKV versicherten Kinder
Kann ich mein Kind rückwirkend in der PKV versichern?
Die gesetzliche Kasse will tausende Euro Nachzahlung

und weitere Artikel zum Thema: FAMILIENVERSICHERUNG

02.
Mai '18

Hilfe, die gesetzliche Krankenkasse will Geld für mein Kind, viel Geld (Familienversicherung und Nachforderung)


Es gibt so Tage, da wünschen sich einige nicht zum Briefkasten gegangen zu sein und dennoch verschiebt es das Problem doch nur und löst es nicht. Ein solcher Tag war vor kürzlich auch bei einer Fragenden, welche sich über den Live Chat hier auf der Seite an mich wandte und einige Fragen loswerden wollte, denn diese Post konnte sie sich nun so gar nicht erklären.

Was war genau passiert?

Die Tochter, mittlerweile schon 21 Jahre alt aber, bekam Post der gesetzlichen Krankenkasse. Diese wollte Geld, viel Geld. Insgesamt sollte die Versicherte 31.000 EUR nachzahlen, denn hier schien etwas mit der Mitgliedschaft nicht gestimmt zu haben.

Die Kasse bot zwar an, die 31.000 EUR in Raten (maximal sechs) zu zahlen, aber auch das bringt hier nicht wirklich weiter.

Die Versicherte war bisher immer bei der Mutter familienversichert. Beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse der Mutter und das auch schon immer. Im Jahre 2016 machte die Tochter irgendwann Abitur, konnte aber aufgrund diverser Erkrankungen bisher keine Ausbildung beginnen und hielt sich mit „Nebenjobs“ über Wasser. Soweit auch unkompliziert, solange hier keine Versicherungspflicht eintritt oder gar die Einkommensgrenzen für das Kindergeld überschritten werden, denn dann will das auch noch zurückgefordert werden.

Bis 06/2016 ging das Kind also zur Schule und beendete diese mit dem Abitur. Danach gab es keinen Tatbestand, welcher eine Versicherungspflicht begründen würde und somit dachten alle Beteiligten, es ist wie es ist und bleibt so.

Doch auch schon hiervor gab es ein Problem. Der Vater ist privat versichert, die Mutter gesetzlich. Zudem verdient der Vater über der Beitragsbemessungsgrenze und damit tritt die Frage ein, wo das Kind zu versichern ist.

Ich habe Ihnen dazu ein ausführliches Schema erstellt und rate Ihnen dringend das Thema nicht zu verschieben, sondern immer direkt anzugehen. Schauen Sie einfach einmal hier:

Demnach bestand schon in 2015 kein Anspruch auf Familienversicherung mehr und die Eltern hätten für die Tochter zwei andere Möglichkeiten gehabt. Entweder die Mitversicherung in der privaten Krankenversicherung bei dem Vater (oder einer anderen), oder aber die freiwillige Versicherung in der GKV der Mutter (oder einer anderen) und dort einen eigenen Beitrag zahlen. Beides war aber nicht passiert.

Komplizierter wird die Sache noch dadurch, dass sich die Eltern bis heute zwar irgendwann getrennt haben und der Vater auszog, aber die Scheidung auch noch nicht weiter fortgeschritten ist. Nun hat die gesetzliche Kasse aber davon „Wind bekommen“ und gehandelt. Statt weiteren Schreiben gab es einen Bescheid.

Hiernach sollen die Beiträge für die Tochter nachgezahlt werden. Doch hat die Kasse nicht die Beiträge für ein freiwillig versichertes Kind angenommen, sondern die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze des entsprechenden Jahres als Einkommen zugrunde gelegt. Damit zahlt die Tochter über die Jahre Höchstbeitrag und das sieht dann in etwa so aus.

Demnach ergeben sich zum Beispiel für das Jahr 2018 monatlich folgende Beiträge:

Bemessungsgrundlage: 4.425 Euro monatlich

GKV Basisbeitrag: 619,50 Euro

Zusatzbeitrag der Kasse: 66,38 Euro

Pflegepflicht Beitrag: 112,84 Euro

Insgesamt also monatliche Beiträge von 798,72 Euro

Das die Kundin gar kein solches Einkommen hatte, interessiert die Kasse hier zunächst nicht. Der erstellte Beitragsbescheid hat eine Widerspruchsfrist von vier Wochen. Selbst wenn diese Zahlen hier nicht stimmen sollten, MUSS die Kundin also reagieren und Widerspruch einlegen, sonst bekommt die Kasse hier einen Bescheid der notfalls vollstreckt werden kann.

Was tun?

Lassen Sie sich beraten. Suchen Sie sich dazu einen Anwalt oder einen entsprechenden Versicherungsberater, welcher Ihnen gegen Honorar hier weiterhelfen kann. Achten Sie unbedingt auf die Fristen und halten Sie diese ein. Ein einfacher Anruf bei der Kasse reicht nicht aus und hemmt auch die Frist nicht.

In unserem Fall gilt es zunächst zu klären, wie die Kasse darauf kommt und welche Möglichleiten bestehen. So muss geprüft werden, ob ggf. doch noch ein Anspruch auf Familienversicherung besteht, zumindest seitdem der Vater Auszog und die Tochter bei der Mutter lebt und kein eigenes Einkommen hat.

Weiterhin ist für die Zeit bis zum Auszug ebenfalls der Betrag falsch, denn nicht der Höchstbetrag sollte hier zu Grunde liegen, sondern der Beitrag für das freiwillig versicherte Kind, was die GKV aber so nicht wissen kann.

Somit steht der GKV hier wohl recht sicher ein Beitrag zu, jedoch eben nicht der berechnete. Selbst wenn der Beitrag für die freiwillige Versicherung seit 2015 rückwirkend gezahlt werden müsste, dann sprechen wir hier über etwa 180 Euro pro Monat. Nehmen wir nun einmal 36 Monate als Grundlage und gehen von einem Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft in 04/2015 aus, dann sprechen wir über:

36 Monate * 180 Euro (Kranken- und PflegeV) = 6.480 Euro

Klar, auch das ist noch viel Geld und auch das wird sicher nicht in einer und auch wohl nicht in sechs Raten zahlbar sein. Dennoch ist es knapp ein Fünftel von dem, was die Kasse laut Bescheid von der Tochter an Beiträgen wollte.

So hat ein Nachmittag „sich damit Beschäftigen und sich einen Berater suchen“ der Kundin auf die Schnelle eine „Ersparnis“ von 24.000 Euro gebracht. So teuer kann der Berater unmöglich gewesen sein.

Wie kann ich solche Forderungen vermeiden?

Achten Sie immer darauf, der Kasse rechtzeitig Änderungen mitzuteilen. Dazu gehören Informationen wie zum Beispiel:

– Wechsel eines Elternteils in die PKV

– Entstehen von Beihilfeansprüchen

– Aufnahme von Selbstständigen Tätigkeiten bei Eltern oder Kindern

– Auszug/ Trennung/ Scheidung

– Ende der Schule

– Beginn der Ausbildung

– Eigene Einkünfte des Kindes

Und vieles mehr. Im Zweifel schreiben Sie der GKV lieber einmal mehr und geben eine Information rechtzeitig, als das Sie später mit solchen Nachzahlungen zu kämpfen haben.