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28.
Juni '21

ARAG MedBest – einfach günstig oder zu billig?


In der letzten Zeit häufen sich Fragen zu einem speziellen Tarif einer Gesellschaft, oder besser einem (neuen) Tarifwerk. Wobei das Wort „neu“ es gar nicht mehr so genau trifft. Die ARAG Krankenversicherung AG hat im Jahr 2019 zwei neue Tarife eingeführt. Den ARAG MedExtra und den ARAG MedBest. Beide sind Tarife der privaten Krankenvollversicherung, mit der Zielgruppe Angestellte, aber auch Selbstständige.

Die ARAG hatte natürlich auch vorher schon Tarife der privaten Krankenversicherung, und so ergeben sich bei den neuen Tarifen einige Besonderheiten und Fragen. Oftmals kommen Interessenten zu mir, welche sich schon einmal im Internet zu der PKV informiert haben. Dabei häufen sich einige Fragen.

Interessent_ARAG_MedBest_Schwachstellen

Die Tarife erscheinen auf dem ersten Blick extrem günstig. Gerade im oberflächlichen, direkten Vergleich mit Mitbewerbern stellt sich der Kunde durchaus die Frage, warum ist der Tarif so günstig. Die ARAG wirbt auch gern damit, einen hochleistungsfähigen Tarif zu haben, welcher viel besser ist (oder zu sein scheint) im Vergleich zum Rest des Marktes.

Dabei sind sie in der Preisregion gar nicht mal allein. Ein dreißigjähriger Versicherter muss für den ARAG MedBest 0 (ohne Selbstbeteiligung) einen Beitrag von 521 Euro, zuzüglich gesetzlichem Zuschlag aufwenden.

ARAG MedBest – billig oder gerechtfertigt?

Wenn wir uns die private Krankenversicherung genauer anschauen, dann stützt sich eine Entscheidung für oder gegen einen Tarif auf mehrere Grundlagen. Zuerst einmal ist dort das Leistungsspektrum des Tarifes. Die vertraglich garantierten Leistungen eines Tarifes lassen sich durch den Versicherer nicht einseitig ändern. Vereinfacht formuliert bedeutet das, heute in den Versicherungsbedingungen garantierte Leistungen bleiben auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten. Der Versicherer kann nichts herausstreichen, aber auch nichts hinzufügen. Die Leistung ist damit die einzige Säule bei der Tarifentscheidung, welche dauerhaft konstant ist. Das bedeutet nicht, das sie nicht selbst aktiv etwas ändern können, Tarife wechseln oder Veränderungen vornehmen. Die zweite Säule ist dabei die zukünftige Beitragsentwicklung. Es nützt uns allen wenig, wenn wir in einem Tarif versichert sind, welcher unbezahlbar wird. Warum er das werden kann, beziehungsweise warum die Beiträge steigen können, habe ich in einem anderen Betrag bereits ausführlicher erklärt.

Erklärungen und Infos: Beitragsanpassungen in der PKV

Wie funktioniert eine Krankenversicherung generell?

In der privaten Krankenversicherung vereinbart der Versicherer einen Beitrag, der zunächst einmal heute gilt. Dieser kalkulierte Betrag basiert auf Informationen zu statistischen Kostenwahrscheinlichkeiten, der Lebenserwartung und der Kalkulation des Versicherers. Würde ich also als Versicherer A davon ausgehen, dass sie nur sechzig Jahre alt werden, wäre mein Betrag viel geringer. Warum? Nun, ich müsste nur entstehenden Kosten bis zu diesem Zeitpunkt kalkulieren. Das geht nicht, daher greifen Versicherer auf sogenannte Sterbetafeln zurück. Diese statistischen Berechnungen und Behebungen bilden die Grundlage. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Menschen werden älter, die Medizin wird besser und ermöglicht ein längeres Leben.

Langes Leben – hohe Kosten?

Wer nun länger lebt, der verursacht auch länger Kosten. Neben dieser Kostensteigerung spielen auch die medizinischen Kosten und die Weiterentwicklung in der Medizin eine deutliche Rolle. Wenn wir uns überlegen, wie viele Menschen vor Jahrzehnten noch an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind, und wie lange diese heute (teilweise wieder unbeschwert) leben, wird diese Entwicklung sehr deutlich.

Der dritte Punkt, welcher eine Rolle bei der Kalkulation spielt, ist der Rechnungszins. Stellen wir uns vor, wir müssten zu einem bestimmten Termin eine Summe von 100.000 Euro angespart haben. Bei einem Zins von 5% und der daraus resultierenden Zinseszinsen müssen sie dazu einen Betrag X jeden Monat weglegen. Beträgt der Zins nur noch 3%, so müssen sie dafür einen wesentlich höheren Betrag jeden Monat auf die hohe Kante legen, damit sie nach gleichem Zeitablauf den gleichen Endbetrag haben.

Ein Zahlenspiel

In Zahlen. Um in 30 Jahren 100.000 € anzusammeln, braucht es bei 5% Zins 122 € und bei nur 3% Zins schon 172 €. Zwei Prozent weniger Zins auf 30 Jahre führen zu einer fast ein Drittel höheren Sparrate.

Diese wirkt sich auch gleich auf die private Krankenversicherung aus. Stichwort Niedrigzinsphase. Je geringer die Zinserträge aus den Kapitalanlagen sind, desto schneller muss ich meine Prämien anpassen.

ARAG MedBest – das Rad neu erfunden?

Sie als Kunde verursachen generell erst mal nicht mehr oder nicht weniger Kosten. Unterstellen wir völlige Leistungsgleichheit zweier Tarife (die es so nicht gibt) so werden sie nicht kränker oder bleiben nicht gesünder, nur weil sie bei Versicherer A, B oder C versichert sind. Der Versicherer erstattet ihnen die Versicherten- und die angefallen Krankheitskosten. Er kann aber wenig dafür und es liegt außerhalb seiner Macht, wie gesund oder wie krank sie sind. Haben sie jetzt also zwei Leistungsgleiche Tarife mit unterschiedlichem Beitrag, stellt sich die Frage, für welchen sie sich entscheiden.

Sie wählen den Tarif, welcher 500 statt 600 Euro Monatsbeitrag kostet? Dann stehen diesem Tarif auch 100 Euro weniger für die Bildung für Alterungsrückstellungen zur Verfügung. Der Versicherer legt also generell einen Teil des Beitrags zurück. Das Geld was er nicht für die aktuelle Risikodeckung benötigt wird angelegt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei dann der Zins- und Zinseszins Effekt. Entscheide ich für den Versicherer mit dem geringeren Beitrag, nehme ich ihm die Chance mehr Geld zurückzulegen. Geld was ich nicht habe, kann ich weder anlegen, noch ausgeben.

ARAG MedBest – ist günstiger Beitrag das das entscheidende Ziel?

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn etwas einen geringeren Preis hat. Auch spielen leider Preise eine übergeordnete Rolle in vielen Bereichen. Sei es ein Internetvergleichsrechner bei Check24, oder leider auch in viele Beratungen. Der Makler, Vertreter oder der Kunde selbst sortieren sich ihre Tabellen nach Preisen. Das ist jedoch in der Krankenversicherung der falsche Ansatz. Die Sortierung nach dem Preis und das „immer der billigste sein zu wollen“ verschiebt teilweise die Wahrnehmung.

ARAG MedBest – wie machen die das zu diesem Preis?

Wer sich nun mit den Leistungen der Tarife beschäftigt, der wird sich irgendwann eine berechtigte Frage stellen. Wie kommt die Kalkulation des Versicherers für den Tarif MedBest zustande? Ein Tarif ohne Selbstbeteiligung und mit (auf den oberflächlichen Blick) hohen Leistungen, der zu dem bis zu 200 Euro weniger im Monatsbeitrag kostet. Andere Toptarife liegen da zum Teil deutlich darüber. Natürlich unterscheiden sich die Leistungen. Wichtiger als die oberflächliche Leistung in einem Prospekt zu lesen, sind die Versicherungsbedingungen. Dabei kann manchmal ein kleines Wörtchen in einem Satz die Entscheidung darüber treffen, ob ein Versicherer leisten muss oder eben nicht. Solche Leistungsbeschränkungen finden wir auch in allen Versicherungsbedingungen. Eine Frage ist am Ende jedoch, wie diese ausgestaltet sind.

Als Beispiel schauen wir uns einmal die Formulierung bei den Hilfsmitteln an.

(Auszug aus den Versicherungsbedingungen, Paragraf 4 Absatz 2 Punkt 5):

Hilfsmittel mit einem Bezugspreis von unter 1.000 Euro sind ohne vorherige Genehmigung durch den Versicherer erstattungsfähig. Wird ein Hilfsmittel mit einem Bezugspreis ab 1.000 Euro ohne vorherige schriftliche Zusage des Versicherers bezogen, werden 80% des erstattungsfähigen Rechnungsbetrags für die funktionale Standardausführung für die tarifliche Erstattung zu Grunde gelegt. Als Bezugspreis gilt der Preis für die gesamte Versorgung.

Diese Formulierung bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Natürlich ist jede Regelung akzeptabel, welche vor Vertragsabschluss klar und deutlich kommuniziert wird. So lange sie „wissen was sie da tun“ können sie unterschreiben was sie möchten.

Die erste Einschränkung besteht in dem ARAG MedBest darin, dass sie bei Hilfsmitteln über 1.000 Euro eine schriftliche Genehmigung benötigen. Weiterhin, und die Einschränkung ist deutlich größer, ist nur die sogenannte „funktionale Standardausführung“ erstattungsfähig.

Wenn sie Zeit und Lust haben, gehen sie beim nächsten Spaziergang durch die Stadt an einem Sanitätshaus vorbei. Dort fragen sie, was eine moderne Prothese des Unterschenkels in der besten Absicherung und einmal in der Standardausführung (funktional) kostet. Sie werden überrascht sein, wie groß der Unterschied ist.

Dieses ist nur ein sehr einfaches Beispiel, es zeigt aber sehr gut, warum ein Tarif billig kalkuliert werden kann. Wenn ich mir als Versicherer genug Formulierungen, in den Bedingungen schaffen, in denen ich meine Leistungen begrenzen oder reduzieren kann, dann ist es auch möglich einen billigen/günstigen Tarif auf den Markt zu bringen.

ARAG MedBest – Wollen sie billig? Günstig? Oder gut?

Natürlich gibt es Situationen, Kunden und Ansprüche, wo auch dieser Tarif passen kann. Jedoch sollten sie sich sehr genau die Frage stellen, wie eine solche Kalkulation zustande kommt. Dabei ist es wichtig die Bedingungen bis in den letzten Winkel zu lesen. Ohne einen spezialisierten Berater wird das oftmals etwas schwierig. Leider wird jedoch von vielen Beratern „nach dem Preis“ verkauft. Frei nach dem Motto: „Bevor ich gar nichts verkaufe, verkaufe ich lieber etwas Billiges.“ und habe ein Geschäft gemacht.

Damit kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt Tarife, Gesellschaften und Konstellationen, wo die private Krankenversicherung nicht passt. Es gibt Kunden, wo die PKV nicht passt. Dabei habe ich kein Problem damit, von Tarifen oder dem generellen Wechsel abzuraten.

Ich möchte auch nicht, dass dieser Beitrag als generelle Meinung gegen den MedBest der ARAG KV verstanden wird, ich möchte sie aber sensibilisieren. Machen sie sich klar, wo die Lücken und Haken sind. Fragen sie sich wie eine Kalkulation funktionieren soll, wenn diese weit vom Durchschnitt des Marktes abweicht. Schon mein Opa hat schon früher gesagt: „Wer billig kauft, kauft zweimal“.

Das Problem in der Krankenversicherung ist jedoch, dass es in vielen Fällen keinen zweiten Kauf geben wird. Wenn sie merken, dass ihre Entscheidung falsch war und sie nun krank sind, dann lässt sich diese nicht mehr revidieren. Daher möchte ich sie nur eindringlich warnen, voreilig aufgrund des Preises eine Tarifentscheidung zu treffen. Machen sie sich in Ruhe Gedanken zu den Fragen, was ihnen persönlich wichtig ist. Sie müssen keinesfalls immer den besten Tarif kaufen, ein guter Mittelklassewagen fährt ebenso. Je geringer der Preis, umso weniger Leistungen kann ein Tarif (wenn er vernünftig kalkuliert ist) auch enthalten.

Fragen sollten sie sich aber in jedem Fall: „Wie kann etwas, was vermeintlich gleich gut sein soll“, deutlich billiger sein?

Wer sich für einen reduzierten Versicherungsschutz entscheidet, und das weiß, für den sind auch solche Tarife in Ordnung. Viele meiner Kunden kennen aus der Beratung einen Satz:

„Wichtiger als zu wissen was ein Tarif leistet, ist zu wissen, was er nicht leistet.“

Sie müssen verstehen und begreifen, wo es Leistungslücken und Probleme eines Tarifes liegen. Aus meiner Sicht sind in den Tarifen hier Punkte vorhanden, welche sie zum Nachdenken bringen sollten. Zum einen handelt es sich um einen neuen Tarif am Markt (Einführung war 2019) und daher fällt es uns schwer etwas zu den Versichertenkollektiven zu sagen. Eine Beitragsanpassung hat bisher nicht stattgefunden. Diese wir auch zum 1.1.2022 nicht stattfinden, da die sogenannten auslösenden Faktoren sich erreicht sind. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass eine Beitragsanpassung in Zukunft all die Anpassungen nachholen muss, welche bisher nicht erfolgt sind.

Auch halte ich Formulierungen in den Bedingungen für bedenkenswert. Als Beispiele seien hier die Hilfsmittel, die Heilmittel, die Geltung im Ausland, Zahnhöchstgrenzen, KFO oder auch andere Punkte genannt. Unbestimmte Begriffe oder beschränkte Leistungen können zu riesigen Eigenanteilen führen.

Ein Beispiel wie das mit der „mittleren Ausführung“ und der „funktionalen Standardausführung“ aussehen kann, finden sie auch in dem folgenden Beitrag unter dem Link:

Continentale: „einfach vs. billig“ oder „Was Hilfsmittel kosten

ARAG MedBest – Ein Fazit?

Nicht ganz, denn ich kann ihnen weder eine Tarif Empfehlung für oder gegen einen solchen Tarif geben. Das möchte ich auch nicht tun. Um eine solche, weitreichende Entscheidung treffen zu können, benötigen sie Beratung. Lassen sie sich durch ihren Berater ausbilden. Er muss sie in die Lage versetzten, dass es ihnen gelingt Bedingungsaussagen zu lesen und zu verstehen, um dann die Auswirkungen abschätzen zu können.

Das ist sicher der Grund, warum es keinen guten oder schlechten Tarif gibt, nur einen passenden oder unpassenden. Nur, wenn sie verstehen welche Risiken in Tarifen enthalten sind (sei es in der Kalkulation oder in den Leistungen) nur dann können sie fundiert entscheiden.

Informationen wie sie zur passenden privaten Krankenversicherung kommen, welche Fragen sie ihrem Berater oder sich selbst stellen müssen, dazu habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt. Unter den folgenden Links finde sie die entsprechenden Beiträge.

20.
Juni '20

Arag Krankenversicherung – wir spionieren Sie aus und natürlich nur zu Ihrem Besten


Versicherer haben oftmals zu Unrecht einen schlechten Ruf. Da werden Leistungen zu recht nicht erbracht und der Versicherer ist dennoch „böse“ und das ganz ohne Hintergrund. Doch manchmal…

In den letzten Tagen gab es dann doch Gesprächsstoff. Ein Kollege hatte etwas entdeckt, was Ihnen stutzig machte. Walter Benda von den Finanzprüfern hatte einen Newsletter eines Maklerpools bekommen, in welchen einige „wichtige Informationen“ zu einem Versicherer, der ARAG Krankenversicherung zu Lesen waren. Den Artikel dazu verlinke ich Ihnen am Ende dieses Beitrages ebenso.

Warum braucht der Versicherer Daten?

Das ist recht eindeutig und klar. Will der Versicherer einen Kunden versichern, so muss dieser eine ganze Reihe von Daten und Informationen liefern. Das ist auch völlig berechtigt und korrekt so. Nur wenn ein Versicherer im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Informationen zu Kunden und Interessenten verarbeitet, nur dann kann dieser auch maßgeschneiderte Angebote erstellen und seine Leistung erfüllen. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden und es muss auch so sein. Stellt also ein Kunde einen Antrag auf eine Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, dann muss dieser Antrag geprüft werden. Daten, die hier notwendig sind, können zum Beispiel:

  • – Name und Anschrift

  • – Gesundheitsdaten

  • – Beruf, Ausbildung und aktuelle Tätigkeit

  • – Hobby- oder Freizeitaktivitäten

und einiges mehr sein. Um an diese Informationen zu kommen, gibt es Antragsformulare. In diesen fragt der Versicherer all das ab, was er für eine Antrags-/Annahmeentscheidung wissen will.

Wollen Sie diese Angaben nicht machen oder fragt Ihnen ein Unternehmen zu viel, dann entscheiden Sie sich dagegen und wählen einen anderen Versicherer. Soweit die Theorie.

So viel Daten wie nötig, so wenig wie möglich

Nicht erst seit Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) besteht die Verpflichtung, nur die Daten zu erheben welche zwingend nötig sind. Datensparsamkeit sollte immer und überall das erste Gebot sein und die Anzahl der Daten, die gesammelt werden sollten, beschränkt werden. Was ich nicht für eine Annahme oder die Abwicklung brauche, das sollte ich auch nicht speichern.

In einem Makler-Newsletter eines Pools fand sich nun folgender Hinweis, welcher anscheinend auf Abwicklungen und Erfahrungen beruht und damit als „Warnung“ an die Makler verschickt wurde. Ob dieser auf schlechten Erfahrungen beruht ist nicht bekannt.

Recherche versus unerlaubtes Profiling?

Wir lesen nun also hier, der Antragsprüfer bzw. der Bearbeiter bei der ARAG googelt jeden Kunden und beschafft sich hiermit weitere Informationen ÜBER DEN ANTRAG HINAUS.

Diese Informationen können sich sowohl aus einer Internetseite des Unternehmen oder der selbstständigen Tätigkeit ergeben, aber genauso aus sozialen Netzwerken, Profilen bei Instagram, Facebook und dergleichen oder aus anderen „öffentlichen Quellen“.

Nun gibt es dabei einige Probleme. Zuerst fällt mir dann die Datensparsamkeit wieder ein. Auf der anderen Seite wissen wir alle, mancher möchte im Netz besser dastehen und „hübscht einige Infos etwas auf“. Auch Fake Profile, Berichte Dritter über eine Person oder dergleichen sind vielen sicher ein Begriff.

Stellen wir uns einen typischen Fall vor. Max Muster möchte einen Antrag bei der ARAG Krankenversicherung stellen und tut dieses auch. Nach Ankunft des Antrages bei dem Unternehmen öffnet der Mitarbeiter Google, Facebook und dergleichen und sucht erstmal das zusammen, was er über den (potentiellen) Kunden finden kann.

Alles wird gesammelt, aufgeschrieben und in der Kundenakte verarbeitet, sonst hätte man ja hier keinen Zugriff. Es entsteht also so nach und nach ein Kundenprofil mit Informationen, welche ausdrücklich nicht im Antrag abgefragt wurden und welche der Kunde auch sicher nicht für die Versicherung so dargestellt hat.

Wie weit geht die Recherche? Fakeprofile? Detektive?

Eine entscheidende Frage bleibt aber. Wie weit geht eine solche Suche? Was passiert zum Beispiel in sozialen Netzwerken, wo nur bestimmte Infos mit bestimmten Gruppen oder „Freunden“ geteilt werden? Geht es soweit, dass hier Fakeprofile benutzt werden, oder möchte der Sachbearbeiter mit seinem privaten Facebook Profil dann mit dem Kunden „befreundet sein“?

Diese Fragen bleiben offen. Auch ist nicht geklärt, was genau dort an Informationen gesammelt wird. Was ist mit Hobbys oder alten Presseberichten, welche Sportarten beschreiben die der Kunde vielleicht gar nicht mehr betreibt?

Was, wenn jemand mal mit Alkohol am Steuer erwischt wurde oder ständig Bilder von exzessiven Feiern postet? Ist der dann ein „höheres Risiko“ und wird nicht versichert?

Wie mein Kollege schon schrieb:

Zwar gehe ich davon aus, dass man GMV (gesunden Menschenverstand) walten lässt, aber dennoch bleibt es ein unbeschränkter Raum, in dem gewühlt wird. Was z. B. wenn Dinge aus der Vergangenheit auftauchen, die verjährt sind? Oder Falschaussagen, die dem Antragssteller unbekannt waren bzw. sind, beispielsweise Abrechnungsdiagnosen? Oder üble Nachrede?

Dazu hat die ARAG auch einen Passus in die Datenschutzerklärung eingebaut. In dem aktuellen Antrag der ARAG KV findet sich folgende Aussage: (mehr …)