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15.
Oktober '18

Anruf vom Dachverband der PKV und im Anschluss von einem Vertrieb – so fallen Sie nicht auf Betrüger herein


Eine ganze Reihe von Lesern erhält in den letzten Tagen und Wochen sonderbare Anrufe. Da melden sich Damen und Herren am Telefon und behaupten Sie kämen von einem

„Dachverband der Privaten Krankenversicherung, der PKV“

oder dem

„Verband der privaten Krankenkassen“

Dabei wird dann auch gleich eine Münchener Nummer, oder noch schlimmer eine Nummer aus Köln angezeigt. Dabei ist Köln auch der Sitz des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, den gibt es wirklich.

Die beiden anderen Verbände sind aber nur eine Betrugsmasche, denn beide gibt es in Wirklichkeit nicht. Durch geschickte Fragen versuchen die Anrufer zunächst einmal herauszubekommen wo die angerufenen versichert sind. Einige Angerufene äußern auch den Verdacht, „die müssen von dem alten Vertreter/ Berater irgendwie meine Daten bekommen haben“. Nur so ist es zu erklären, dass diese Tarife wissen konnten.

Stichprobe zur Zufriedenheit oder eine Umfrage unter Versicherten – alles nur eine Betrugsmasche?

Bei dem Anruf wird dann vorgegeben, man wende sich als Verband an Versicherte, denn „die Versicherungsunternehmen geben oft falsche Informationen an die Kunden und erhöhen die Beiträge zu stark“, dem „wolle man nun nachgehen und braucht dazu einige Daten.“

Durch eine geschickte Fragetechnik entlockt man dem Angerufenen nun weitere Daten und Details zu seinem Tarif. Klar funktionieren Suggestivfragen wie „Sie zahlen doch sicher auch zu viel Beitrag“ oder „Sie haben sich auch über die letzte Anpassung geärgert“ dazu nur allzu gut.

Der Anruf wird nie eine Umfrage oder eine wirkliche Stichprobe, das ginge schon allein aus rechtlichen Gründen und dem Datenschutz nicht. Doch was dann passiert ist noch viel schlimmer.

Das es kein Einzelfall ist, zeigen schon knapp 9 Fälle aus den letzten Tagen. Auch sind hier Daten bekannt, wo noch keiner weiss woher die kommen können.

Terminbestätigung von MainCompass als helfender Berater

Bereits in der Vergangenheit habe ich über einige sonderbare Fälle dieses Vertriebes gesprochen. Nun taucht er Name auch hier wieder auf. So schreibt ein Betroffener heute im LiveChat und erzählt weitere Details im anschließenden Telefonat. Dabei habe er sich dann zu einem Termin bei sich zu Hause überreden lassen. Schließlich klang es gut und man wollte sich das einmal anhören. Doch dann die Verwunderung. Nicht der angebliche Verband schickte die Bestätigung, sondern ein Unternehmen namens MainCompass bestätigt einen Beratertermin.

Jetzt stellt sich zunächst einmal die Frage, wie der neue Berater an die Daten aus dem Telefonat des angeblichen Verbandes gekommen ist. Dazu kann ich nur spekulieren und behaupte es daher auch nicht. Es gibt aber für mein Verständnis nur zwei Möglichkeiten.

Variante 1.) Main Compass kauft so genannte Leads

Das ist in der Branche und auch in anderen nicht unüblich. Ein Callcenter vereinbart im Auftrag Termine, führt Anrufe durch und nimmt dem kaufenden Unternehmen damit Arbeit und BackOffice Tätigkeiten ab. Daran ist nichts auszusetzen, wenn die Daten rechtmäßig erworben wurden. Eine der größeren Plattformen für Datensätze (welche ausdrücklich NICHTS mit dem Fall zu tun hat, sondern nur als Beispiel dient) ist finanzen.de, diese bieten Beratern Datensätze an.

Hier ein Überblick über die Preise. Auszug der Angebotsseite von finanzen.de

Wäre ein solcher Datensatz also regulär und legal zu Stande gekommen, dann würde der Berater für einen reinen Kontakt ca. 150 EUR zahlen. Wird dann noch ein Termin vereinbart und „vorqualifiziert- also weitere Daten mitgeliefert, sind schnell 200-250 EUR fällig. Wohlgemerkt, es geht NUR um die Kontaktdaten des Angerufenen.

Würde diese Variante zutreffen, so muss der Datenabnehmer (also hier der Berater) natürlich auch sicherstellen, dass die Daten rechtmäßig und gemäß den aktuellen datenschutzrechtlichen Bestimmungen erhoben wurden. Ob und wieweit der Abnehmer gemeinsam mit dem Callcenter dafür haftet weiß ich aber nicht, das fragen Sie am besten einen Juristen oder den Datenschutzbeauftragten.

Variante 2.) Main Compass hat selbst angerufen/ anrufen lassen

Die zweite Möglichkeit wäre natürlich, dass man einfach unter einer falschen Nummer oder einem falschen Namen angerufen hat. Das möchte und will ich natürlich niemandem unterstellen, ich zeige nur eine weitere Möglichkeit, wie man an die Daten gekommen sein kann.

Denn wenn kurz nach dem Anruf des Verbandes eine Terminbestätigung per Mail von MainCompass kommt, dann stellt sich der Kunde/ Interessent schon die Frage, wie das so geht und vor allem wer denn derjenige ist. Hier wird ein Termin mit einem Berater bestätigt, welcher so vorher in nicht in Erscheinung trat.

Aber da ja alle Berater ehrlich sind und sich auch in den anderen Fallen sicher nur bedauerliche Einzelfälle und Irrtümer gehäuft haben, ist es sicher ein dummes Missverständnis und es wird sich schnell aufklären. Aber wie gesagt, eine der beiden Varianten muss es gewesen sein, sonst wären die Daten nicht dort, wo diese nun sind.

Spannend wäre zudem auch die Datenschutzerklärung, welche die Weitergabe regelt. Der „Dachverband der PKV“ müsste ja nun auch eine solche haben.

Der RICHTIGE PKV Verband ist auch schon „dran“

Auch dem wirklichen PKV Verband, welches aber ein Mitgliedsverband der Unternehmen ist, ist hierüber keinesfalls amüsiert. Auch hier wird geprüft, was genau sich unter der Behauptung und Vorgabe falscher Tatsachen abspielt. Leider ist es ähnlich wie mit anderen Fakeanrufen. Dem Herr zu werden ist extrem schwer bis unmöglich.

So langsam reagieren auch Versicherer

In den vergangenen Beiträgen zu den bedauerlichen Einzelfällen habe ich einige Fälle geschildert. Dabei geht es um falsche Angaben im Antrag, in einem anderen Fall um Vergessene Kündigungen und damit zwei Verträge und in einem wieder anderen um angebliche Voranfragen, welche sich dann als Antrag herausstellen.

Alle Beiträge können Sie hier nachlesen. -So geht Beratung nicht- nie!-

Was Sie tun können, um nicht auf so eine Masche hereinzufallen?

Seriöse Berater rufen Sie nicht als so genannte ColdCalls (welche zudem noch verboten sind) an. Daher beachten Sie einige Regeln.

  • – Der Kontakt geht von Ihnen aus

  • – Falls nicht, es handelt sich um einen Berater, der Sie schon kennt/ betreut

  • – Geben Sie am Telefon keine Details zu Verträgen heraus

  • – Beantworten Sie keine Fragen zu Versicherungsstatus oder persönlichen Umständen

  • – Werden Ihnen Termine bestätigt, überlegen Sie ob Sie diese auch wollen und vereinbart haben

  • – Jeden Termin können Sie auch absagen/ die Tür zu lassen

  • – Fragen Sie ggf. bei Ihrem Versicherer nach, wenn sich jemand als der ausgibt

  • – Bitten Sie um eine Rückrufnummer und geben an, Sie melden sich zurück

Leider klappt das nicht immer. Die Fragetechnik/ Überredung muss so gut sein (ich kann es live ja nicht bewerten, mich ruft man ja leider nicht an), dass die Menschen darauf hereinfallen.

Erste Versicherer reagieren

Auf meine Anfrage bei einem betroffenen Krankenversicherer erhielt ich zwischenzeitlich eine Rückinfo. Dieser ist, neben dem echten PKV Verband, um eine Lösung bemüht. Daher

„werden wir jeden einzelnen Antrag des Vertriebspartners manuell nachtelefonieren und uns vergewissern, ob die Antragstellung auch dem Kundenwunsch entspricht“,

so der Vorstand mir gegenüber telefonisch. Denn wenn der

„Kunde einen Antrag bei uns stellt, sollte er das auch wissen und wollen“ und auch „über die Folgen des Antrages und der Anzeigepflichtverletzung aufgeklärt sein“.

Dieses Vorgehen gelte zunächst bis auf Weiteres und für alle Anträge dieses Partners. Danach wolle man sich ein Bild über den Ablauf und die Qualität machen und diese besser bewerten und einschätzen.

Sind Sie auch betroffen?

Haben Sie gewechselt und wollten das gar nicht? Wurden Ihnen Anträge als „harmlose Voranfragen“ angeboten oder gesagt „bestimmte Erkrankungen können Sie einfach weglassen“? Falls ja, es gibt durchaus Lösungsmöglichkeiten. Dazu zählt zum einen das Freigabeverfahren, zum anderen die Rückabwicklung der bestehenden Verträge, Schadenersatz und mehr. Dazu wenden Sie sich aber bitte an die entsprechenden Stellen. Das kann der Versicherer sein, dabei schreiben Sie am besten direkt an den Vorstand.

Beachten Sie auch die Folgen einer generellen Maklervollmacht, auf die Gefahren habe ich hier hingewiesen.

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht – und schon sind Ihre Rechte weg

 

03.
September '18

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht – und schon sind Ihre Rechte weg


Vor einiger Zeit habe ich über einen Einzelfall geschrieben, zumindest dachte ich das damals noch. Leider habe ich zwischenzeitlich von diesen „Kollegen“ zehn Fälle auf dem Tisch, alle nach dem gleichen Muster. Mittlerweile will der GF des Unternehmens, dass ich den Beitrag lösche, denn

“ (…) Im Wettbewerb der Unternehmen um Kunden spielen Bewertungsportale eine immens wichtige Rolle. (…) Zudem kommt es vermehrt zu missbräuchlich abgegebenen falschen Negativbewertungen bezüglich der Dienstleistungen und Waren der Konkurrenz, um deren Ruf zu schädigen und die eigene Position am Markt zu verbessern. Abgesehen davon, dass dies wettbewerbswidrig ist, wird durch falsche Negativbewertungen das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Betroffenen verletzt.“

Aber man wolle dem nachgehen, schrieb man mir im September letzten Jahres schon:

„Wir arbeiten mit vielen Untervermittlern zusammen und haben ca. 1000 Neunkunden pro Jahr. Da kann ich nicht garantieren, dass alle Kunden zufrieden sind, ich kann nur garantieren, dass ich jedem Fall persönlich nachgehe.“

Auch ein Anwalt schrieb mir dann im März nochmals, ich müsse unbedingt löschen. Werde ich aber nicht, da es wahr ist, mir entsprechende Erklärungen der Betroffenen vorliegen und nahezu jeden Monat ein neuer Fall dazu kommt. Gleiche Vorgehensweise. Auch aus der Geschäftsführung oder deren Umfeld soll es solche „Beratungen“ gegeben haben, schildert ein weiterer Betroffener. Ist aber sicher auch alles nicht wahr.

Nachdem mir an diesem Wochenende wieder zwei solcher Fälle vorgetragen wurden, hier nun einmal der Ablauf im Detail und die Gefahren, welche sich daraus ergeben.

Der Ablauf

1.) COLD CALL – Anruf zur Tarifoptimierung Ihrer PKV

Bei Ihnen (im Unternehmen, denn bei Privatkunden ist ein solcher „Cold Call“ verboten), ruft jemand an, druckst etwas herum und kommt am Ende darauf zu sprechen, man könne ja einmal die Private Krankenversicherung überprüfen. Schließlich „sei es bestimmt auch immer teurer geworden“ und man hätte ja die passende Lösung. Diese Anrufe werden meist nicht von dem Unternehmen mit dem Kompass durchgeführt, dazu beauftragt man Callcenter, was nicht unüblich ist.

2.) Terminvereinbarung zur unverbindlichen Beratung

Dann wird ein Termin vereinbart und es kommt ein, meistens kommen aber zwei, Berater ins Haus. In die Firma oder zu Ihnen nach Hause. Bei den letzten beiden Fällen handelte es sich um langjährige PKV Kunden. Aus einer der E-Mails zitiere ich einfach, denn hier wird gut beschrieben was dort wie ablief.

Hallo Herr Hennig,

ich bin seit 2003 bei der ____ privat krankenversichert. Anfangs im ____, später dann, mit Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit im ____ (danach Aussage meines bisherigen Maklers, in dem Fall, dass ich keinen ‚echten‘ Arbeitgeberzuschuss mehr bekomme, die höhere Selbstbeteiligung wirtschaftlich sinnvoller wäre. Nach einigen Runden der Beitragserhöhung habe ich dann mal nachgefragt, ob es da Handlungsbedarf, bzw. sinnvolle Handlungsoptionen gäbe. (…)

____ kam dann zu einem für mich erst einmal sehr trivialen Ergebnis, nämlich einen Tarif mit deutlich höherer Selbstbeteiligung zu wählen. Es ergab sich dann nicht nur bei meiner momentan gesundheitlich noch sehr guten Ausgangssituation (d.h. nicht Inanspruchnahme der Versicherung) eine Ersparnis, sondern selbst bei Inanspruchnahme unter Zurechnung der zusätzlichen Selbstbeteiligung. (…) Nur wenige Monate nach dem Wechsel kam dann die erste Beitragsanpassung. +80% für den ____. (…)dann nur die Aussage, dass man das nicht habe wissen können (so viel zu den tiefen Einblicken in die Kalkulation) man aber einen erneuten Tarifwechsel…

In diese nicht wirklich befriedigende Situation kam dann (mal wieder) ein Kalt-Akquise Anruf zur Optimierung meiner PKV, die situationsbedingt nicht auf den üblichen Widerstand meinerseits getroffen ist und an die ____ weitergegeben wurde. Ich dachte anhören kann man sich das ja mal

Dann kam ein Gespräch, welches dem in Ihrem Blog beschriebenen durchaus Ähnlichkeiten aufweist.

Empfohlen wurde ein Wechsel zur Hanse-Merkur, welcher bei ähnlichen Beiträgen, in den wesentlichen Bereichen ähnlichen Leistungen eine geringe Selbstbeteiligung bot. Als Problem wurde ausgemacht, dass mein ____ bereits seit vielen Jahren geschlossen ist und das sich hieraus ergebende hohe Durchschnittsalter zu in Zukunft hohen Beitragsanpassungen führen würde (wie ich diese zuletzt ja gerade erlebt hatte), während der Alterdurschnitt im Hanse-Merkur-Tarif dramatisch niedriger wäre, was über viele Jahre zu geringem anpassungsbedarf führen würde (was ein Blick in die Vergangenheit auch bestätigte). Erstmal einen Antrag stellen und sehen ob und zu welchen Bedingungen mich die Hanse-Merkur denn aufnehmen würde. (…)“

Hier gibt es gleich mehrere spannende Punkte, besonders solche, welche ich aus Sicht der Beratung, der Haftung und des Strafrechts durchaus für bemerkenswert halte, aber ich bin ja nur juristischer Laie.

In dem „unverbindlichen Gespräch“ werden dann Erläuterungen gegeben, siehe Stellungnahme des Betroffenen, in dem der alte Tarif möglichst schlecht dargestellt wird, die Beiträge explodieren werden und unbedingt ein Wechsel in einen neuen Tarif und eine neue Gesellschaft erfolgen muss. Auch nach 15 Jahren Vorversicherungszeit, mit neuem Eintrittsalter und neuen Fristen.

3.) Wir können ja einmal anfragen – ganz ohne Risiko

Jetzt folgt ein Antrag. Denn schließlich muss man erst einmal wissen wie denn der neue Versicherer, welches in allen Fällen die Hanse Merkur war, denn überhaupt reagieren würde. Dazu wird der Antrag vollständig ausgefüllt und muss vom Kunden unterschrieben werden. „Sie wissen ja, wegen Datenschutz und so“.

Weigert sich der Kunde seine Bankdaten anzugeben, weil es ja aus seiner Sicht nur eine Anfrage ist, so gibt der „Makler“ den Antrag mit dem Hinweis an die Hanse Merkur, der Kunde würde als Selbstzahler überweisen.

Hier war der Berater aber besonders kreativ, denn auch zu den Gesundheitsfragen hatte man da durchaus eine interessante Auffassung. Denn:

Außer meinem Heuschnupfen bräuchte ich die in Vorsorge-Untersuchungen diagnostizierten Vorerkrankungen, welche aber nicht einer Therapie bedurften und mittelfristig wahrscheinlich auch nicht bedürfen werden, nicht anzugeben. Sollte nach größer 3 Jahren dann doch eine Behandlung erforderlich werden, wären frühere Befunde oder die ‚Nichtangabe‘ einer Vorerkrankung ohnehin belanglos.

Das es eine Reglung gibt, wobei alle Diagnosen nicht abgabepflichtig sind, welche nicht behandelt werden ist mir neu, aber wahrscheinlich habe ich in fast 22 Jahren Beratung solches einfach nur nicht mitbekommen.

Die Probleme mit der vorvertraglichen Anzeigepflicht lesen Sie gern HIER nach.

Wenn aus einer „wir schauen mal“ Anfrage ein rechtsverbindlicher Antrag wird

4.) Wenn der Versicherungsschein nicht kommt und dennoch Fristen laufen

Nomalerweise hat sich der Gesetzgeber dabei etwas gedacht. Der Versicherer muss Sie ausdrücklich und drucktechnisch hervorgehoben, auf Ihr Widerspruchsrecht hinweisen. Das passiert in dem Versicherungsschein und sieht in etwas so aus:

Das ist auch gut so. Denn wer den Antrag als unverbindliche Anfrage gesehen hat und sich nun nicht mehr sicher ist, der wird mit der Nase darauf gestoßen- es wurde ein Vertrag und Sie müssen reagieren.

Ein Antrag ist ein Antrag- wird aber zu einem Vertrag – so schützen Sie sich vor falschen Beratern

Für diese speziellen Berater scheinen zudem eigene gesetzliche Regeln zu gelten. Während alle ein einheitliches Widerrufsrecht haben, gibt es am Main ein anderes. Hier kann man- dummerweise kann man es nicht schriftlich bekommen- ein spezielles Recht was nur nirgendwo steht.

„Da ich in den nächsten Wochen wenig zuhause sein werde, fragte ich, wie lange ich einen Wechsel zum 01.01.19 noch widerrufen könne, da ich das auch wegen des Verfalls meiner bisherigen Altersrückstellungen noch einmal in Ruhe betrachten möchte. Ich erhielt die Information, dass der neue Vertrag und die Kündigung meines aktuellen Vertrags noch bis notfalls 31.12.18 rückabgewickelt werden könnten.

Auf Nachfrage bei ____ sagte man mir, dass das für den direkt über mich auszuübenden Widerspruch gelten würde, sie als Makler für mich das aber noch bis Ende des Jahres alles folgenlos rückgängig machen können. Schriftlich können man mir das aber leider nicht bestätigen. Das sei so in der Branche…

4.) Maklervollmacht hebelt Kundenrechte aus

Nun hat dummerweise der Berater den Kunden immer gesagt „wir brauchen eine Vollmacht“. Das ist ÜBLICH und NORMAL und wird auch von mir so gehandhabt, denn sonst dürfte der Versicherer keinerlei Korrespondenz mit mir führen und ich würde über den Vertrag nichts wissen und auch nicht reagieren können. Bei einer unverbindlichen Anfrage bedarf es dieser aber nicht.

Hier reicht ggf. eine Datenschutzerklärung und eine Auskunftsvollmacht. Der große Knackpunkt und die Gefahr ist die so genannte Postempfangsvollmacht. Hiermit erlauben Sie dem Versicherer Fristsachen an den Makler zuzustellen. Versäumt dieser es, diese an Sie weiterzuleiten oder „vergisst“ er es einfach, so ist die Widerrufsfrist vorbei, obwohl Sie keinerlei Kenntnis von einem bestehenden Vertrag oder dem Versicherungsschein haben.

Liegt dem Versicherer nun eine solche Vollmacht vor, so muss er Sie gar nicht anschreiben. Das ist vergleichbar mit einem Anwalt und der Post des Gerichts. Das Gericht stellt rechtswirksam an den Anwalt zu. Versäumt der etwas, so müssen Sie es auch gegen sich gelten lassen.

Daher:

Viele Kollegen machen es gut, richtig und ehrlich und dann ist eine solche Vollmacht für die täglichen Geschäfte, Absprachen und Änderungen richtig und wichtig und erleichtert allen die Arbeit.

Will jemand aber die Situation ausnutzen, so können Sie Fristen versäumen, von denen Sie aber rein gar nichts wissen und wissen können. Schließlich haben Sie Ihre „Rechte“ mit der Vollmacht auf einen Dritten übertragen. Dieses bestätigt auch die Hanse, nachdem ein anderer Kunde widerrufen wollte, weil er den Versicherungsschein gar nicht kannte und immer noch glaubte er habe nur eine unverbindliche Anfrage gestellt.

Für eine unverbindliche Prüfung braucht es keinen Antrag

Wer also nur einmal „prüfen lassen will“, ob er überhaupt versicherbar ist, der braucht keineswegs einen kompletten Antrag und sollte den auch nicht stellen. Es macht absolut null Sinn (es sei denn man führt etwas im Schilde) den Antrag komplett auszufüllen, alle Angaben zur Person, Bankverbindung und Gesundheit zu machen und alles zu unterschreiben.

Wenn „ANTRAG“ drüber steht, dann ist es auch so einer.

Sollte der Berater meinen es geht nur so, schreiben Sie DICK UND LESBAR oben drauf „Probeantrag“, „unverbindliche Anfrage“ oder dergleichen. Nur dann laufen Sie nicht Gefahr einen Vertrag zu schließen, den Sie nie wollten.

Wer ist nun schuld, an wen kann ich mich wenden?

Zuerst einmal überlegen Sie gut mit wem Sie was machen und lesen Sie genau was Sie unterschreiben. Auch sollten Sie hinterfragen warum da eben „Antrag“ steht, wenn es nur eine Vorprüfung, Testen der Versicherbarkeit oder eine Voranfrage werden soll.

Maklervollmachten sind wichtig und richtig, aber bergen nicht unerhebliche Gefahren.

Haben Sie nun zwei Verträge, weil der Makler den alten nicht gekündigt hatte und der neue nun auch abbucht, wie in einem anderen Fall von heute, dann reagieren Sie! Schnell!

Natürlich haben Sie ggf. einen Schadenersatzanspruch gegen den Berater oder seine Firma. Dazu lassen Sie sich bitte juristisch beraten. Einen Anspruch durchzusetzen ist aber weitaus komplexer und schwieriger und manche Rechte (alte Rückstellungen, Eintrittsalter, Gesundheitszustand, mehr Leistungen im Altvertrag) bringt es Ihnen auch nicht mehr zurück, es entschädigt Sie vielleicht finanziell. (wenn Sie denn den Prozess durchhalten und gewinnen).

Kann ich die Maklervollmacht kündigen?

Ja klar. Eine Maklervollmacht ist kündbar, jederzeit. Das sollten Sie dann auch tun und bitte nicht nur gegenüber dem Makler, sondern auch gegenüber dem Versicherer. Denn nur wenn dieser auch Bescheid weiß, wird es wirksam. Es könnte ja sein, der Berater „vergisst die Weiterleitung der Kündigung“. 🙂

Auch sollten Sie einmal nach den Unterlagen fragen, also beim Versicherer was er alles hat (er muss auch die Maklervollmacht haben, sonst kann er ja nicht an den Makler zustellen. Macht er das dennoch, so wäre es zumindest fragwürdig.

Auch können Sie natürlich eine Selbstauskunft nach DSGVO verlangen. Ich würde durchaus beides tun. Schreiben an Makler mit Kündigung Maklervertrag, Entzug Vollmacht und Auskunft nach DSGVO. Ebenso ein Schreiben an die Hanse Merkur mit gleichem Inhalt und Frist zur Bestätigung.

Zum Beispiel könnte es so aussehen, wie es einer der Frageneden hier gemacht hatte. (Quelle zur DSGVO Auskunft: aboalarm.de)

„Hanse Merkur Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit
Siegfried-Wedells-Platz 1
20354 Hamburg

Fax: 040 4119-3257

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu der Vers. Nr. ____________ liegt mir bisher der Versicherungsschein noch nicht vor.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen aber mit, dass ich sämtliche, gegenüber der Firma _____ erteilte Vollmachten hiermit widerrufe und bitte um schriftliche Bestätigung. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen ____ Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

  1. Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
  2. Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
  3. Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
  4. Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.

Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

______

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Und dem Makler schrieb er folgendes:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich die bestehende Maklervollmacht und den geschlossenen Maklerauftrag ab sofort fristlos. Ich bitte um schriftliche Bestätigung binnen der kommenden 5 Tage nach Zugang dieses Schreibens/ Fax.

Sämtliche weitere Korrespondenz in meinem Namen mit Versicherern, Ärzten oder anderen Beteiligten untersage ich Ihnen.

Ebenso senden sie mir bitte nach DSGVO eine Auskunft aller gespeicherten Daten über mich und meinen Vertrag. Die Kopie aller Unterlagen und auch eine Kopie des Antrags und der Beratungsdokumentation senden Sie bitte binnen der kommenden 7 Tage an meine Ihnen bekannte Anschrift.

Eine telefonische Kontaktaufnehme untersage ich hiermit ebenfalls vollständig.

Mit freundlichen Grüßen“

Sie sehen, es ist doch einiges an Arbeit und alles nur, weil einem Berater, oder zweien ohne weiteres Hinterfragen geglaubt wurde. Aber… SIE MÜSSEN handeln, oder leider mit den Konsequenzen leben.

und hier noch etwas zum Thema…

Die Herren vom Main laufen immer noch in die falsche Richtung – es ist eine Schande für die Branche, leider!

27.
Juni '18

Die Herren vom Main laufen immer noch in die falsche Richtung – es ist eine Schande für die Branche, leider!


[Lesezeit ca. 12 Minuten]

Es gibt so Tage, da kann ich gar nicht soviel essen, wie ich k…. könnte. Nein, es hat niemand meinen Account gekapert, auch schreibt niemand unter meinem Namen. Ich habe heute einfach gestrichen die Nase voll und kann mich nur schwer zurückhalten. Daher werde ich diesen Beitrag wohl auch morgen nochmals gegenlesen, dann sicher einige Passagen sprachlich entschärfen und dann online stellen. Warum? Weil mir heute wieder einmal vor Augen geführt wurde, wie verlogen und hinterlistig einige „Kollegen“ sind. Ich traue mich gar nicht diese als Kollegen zu bezeichnen, denn solche sind es nicht. Es gibt eine Reihe von guten Maklern, gute Versicherungsvertreter und Vermögensberater und es geht mir heute keinesfalls um ein Bashing, weder gegen einzelner Berufsstände, geschweige denn einzelner Berater. Aber eine Firma, welche ebenfalls in der Branche tätig ist ihr Unwesen treibt, schafft es immer und immer wieder den Vogel erneut abzuschießen.

Die Vorgeschichte

Erster Akt

Es gab schon vor ca. 18 Monaten einen Beitrag, einen der hinterlistige Berater beschrieb, solche die man niemals auf Kunden loslassen sollte. Hier können Sie die Geschichte vollständig nachlesen und sich selbst ein Bild machen. Nicht nur dieser Fall beschäftigt Juristen.

Zweiter Akt

Dann, knapp ein Jahr nach dem Erscheinen der Geschichte hat wohl der Geschäftsführer des Unternehmens einmal selbst nach seinem Unternehmen gegoogelt oder er wurde darauf angesprochen und schrieb mir daraufhin eine E-Mail. Tenor der Mail:

  • – ich verbreite falsche Tatsachen über sein Unternehmen
  • – es war alles ganz anders und der Kunde hat mich belogen
  • – es verletzt das Persönlichkeitsrecht seines Unternehmens und ich müsse ihm Schadenersatz zahlen

Nachdem ich dann freundlich mit einigen Fakten geantwortet hatte, schrieb er mir, der Fall gehe nun an den Anwalt. Dann teilte er mir aber vorher noch mit: „Wir arbeiten mit vielen Untervermittlern zusammen und haben ca. 1.000 Neukunden pro Jahr. Da kann ich nicht garantieren, dass alle Kunden zufrieden sind, ich kann nur garantieren, dass ich jedem Fall persönlich nachgehe.“

Soweit, so richtig. Klar kann ein Geschäftsführer nicht jeden einzelnen Schritt seiner Mitarbeiter überwachen und keinesfalls sitzt er bei einer Beratung dabei. Dennoch, ein Unternehmen muss eben sicherstellen und solange optimieren, bis sich solche Fälle lösen und nicht zur Normalität verkommen. Daran bestand aber wohl wenig Interesse, denn es ist ja einfacher einem, der etwas negatives schreibt, zu drohen und „Anwälte auf den Hals zu schicken“. Dann braucht man die eigenen Prozesse ja nicht überdenken und bearbeiten.

Was mich hier nur wundert? All diese angeblich falschen Behauptungen sind belegt. Teilweise mit eidesstattlichen Aussagen, teilweise mit Schriftstücken, nachweisbar und nachvollziehbar.

Dritter Akt

Weitere Kunden melden sich. Sie haben im Blog gelesen und ebenfalls Probleme mit dem Unternehmen. Auch hier seien Gesundheitsfragen verharmlost worden „Thrombose? Brauchen Sie nicht angeben, war ja nur im Unterschenkel.“ und führen nun zu großen Problemen. Der Versicherer wittert Betrug, beginnt mit einer Prüfung der Anzeigepflicht und der Kunde ist sich nunmehr sicher: „das war so alles nicht richtig, aber wir haben dem Berater geglaubt.“. Diesmal war es nicht einfach nur „irgendein Untervermittler“, mehr kann ich aber aufgrund eines möglicherweise anstehenden Prozesses des Kunden noch nicht dazu schreiben.

Doch das sollte nicht der einzige „Folgefall“ bleiben, dazu aber nachher mehr.

Vierter Akt

Der Anwalt wurde dann beauftragt und schrieb mir einen Brief. Das war dann wohl irgendwann im März. Ohne dass ich auch nur einmal irgendwo den Namen des Kunden erwähnt hatte, stand im Anwaltsschreiben nun ein Kundenname. Interessant, wo man doch gar nichts gemacht haben will und der Kunde hier natürlich auch schuld sein soll. Wie viele solcher Fälle man wohl dazu hat? Ich zumindest habe weder gesagt noch bestritten, dass es sich um den nun zitierten Fall handelt.

Dennoch hat man eine Geschichte aufgeschrieben und ist weiter der Meinung, alles falsch, alles gelogen, der Berater hat alles richtig gemacht und der Kunde erzählt hier die Unwahrheit. Das kann und darf ich natürlich nicht schreiben. Komisch, denn auch Kollegen kennen solche Fälle und prozessieren teilweise schon

Zum Glück leben wir in einem Land, wo die Pressefreiheit groß geschrieben wird, wo durchaus auch unangenehme Wahrheiten geschrieben werden dürfen. Daher habe ich versucht, in knapp vier DIN A4 Seiten die Sache etwas genauer zu erklären. Vielleicht hat ja der Mandant bei der Beauftragung seines Anwaltes auch nicht an alle Tatsachen gedacht oder der Berater hat ihm einfach auch nicht alle Tatsachen erzählt? Kann ja sein, wer weiß das schon.

Seitdem passierte nichts. Entweder wurden weitere Auskünfte nachgeliefert und das Bild hat sich nun doch verändert, oder aber die Gerichte haben einfach viel zu tun und warten mit der Zustellung der Klageschrift an mich noch ab, wer weiß. Vielleicht werden wir es noch erleben, vielleicht kommt auch zu dem alten Fall nichts mehr. Macht auch nichts, wir haben nun einen neuen, mal wieder.

Ein neuer Fall

Eines möchte ich vorab loswerden. Hier ist das Kind noch nicht ganz in den Brunnen gefallen und daher ist es durchaus noch zu retten. Was nicht bedeutet, dass damit der Fall abgetan oder erledigt ist. Lediglich finanziell oder auch vom Vertragszustand ist es noch nicht unlösbar. Nachdem ich also heute einen „Gespräch“ über den Live Chat hatte und anschließend ein langes Telefonat führte, hier einmal etwas mehr Details zur der Geschickte.

Da arbeitet jemand in einem kleinen Unternehmen. Nicht viele Mitarbeiter. Ein ausländischer Geschäftsführer, ein Prokurist und eben einige Mitarbeiter sind dort beschäftigt, einer von ihnen sollte seit kurzem in der Situation sein, sich selbst für die gesetzliche oder private Krankenversicherung zu entscheiden, kurzum, er verdient seit einigen Monaten genug und ist nun freiwillig versichert. (weitere Details zu der freiwilligen Versicherung hier)

Während er nun eher zufällig ans Telefon in der Firmenzentrale geht, meldet sich ein Anrufer und fragt nach dem Geschäftsführer. Eher geheimnisvoll, denn genau sagen worum es geht wolle er nicht. Nachdem an einem der folgenden Tage der Anruf erneut kommt, rückt man damit raus. Man suche den Geschäftsführer oder Prokuristen, etwas Wichtiges wolle man besprechen. Nach weiteren Nachfragen endlich einige Details. Kurzum, der Angerufene erwähnt nun, wenn sich hier einer privat versichern könne, dann er. Schon „hörte man das Blitzen in den Augen“ und es ging los. Ob er sich das dann nicht einmal anhören wolle. Unverbindlich und natürlich kostenlos.

So kommt es zu einem Beratungsgespräch und der Berater stellt dem Interessenten das Thema PKV und den Wechsel dorthin vor. Die Herren kamen gleich zu zweit, einer allein kann auch schlecht so dämlich sein. Die Beratung dauerte, inklusive des Antrages, aller weiteren Unterlagen und allem „Drum und Dran“ knapp 1-1,5 Std., erinnert sich der Interessent heute. [wie lange eine Beratung normalerweise dauert, das habe ich hier einmal erklärt]

Nachdem einige Fragen besprochen sind, muss natürlich erst einmal geklärt werden, ob er sich denn versichern wolle. Auch aber, ob er überhaupt versicherbar ist und die Gesellschaft ihn nehmen würde. Daher muss man einmal eine Anfrage machen, ganz unverbindlich und kostenlos.

Kopien von Vorschlägen, Unterlagen oder gar Bedingungen gibt es keine, wollte man per Mail senden, hat man aber nicht.

Unterschreiben muss der Kunde diese ja auch noch, nebst Vollmacht und vorsorglicher Kündigung der gesetzlichen Krankenkasse. Letztgenanntes ist übrigens gar nicht verkehrt, wenn der erste Wille besteht zu wechseln, da die „Kündigung der GKV völlig risikolos möglich ist“ [hier weitere Hintergrundinformationen zur GKV Kündigung nachlesen]. Also werden diverse Unterlagen ausgefüllt und unterschrieben. Kopien hat der Kunden sonderbarerweise nicht bekommen. Warum auch. Auch hat dieser dieses nicht weiter hinterfragt, wollte er doch nie einen richtigen Antrag stellen, sondern nur einmal unverbindlich prüfen lassen, ob er möglicherweise überhaupt versicherbar ist. Warum aber hier eine anonyme Anfrage sinnvoller wäre? [hier weitere Details nachlesen]

So ging man dann auch auseinander und verabredete sich für weiteren Kontakt, wenn man neue Erkenntnisse habe. Der Interessent war soweit zufrieden, hat ja nun alle Zeit der Welt. Auch waren Tarife noch nicht entschieden, weder Details zum Vertrag noch zur Gesellschaft. Daher machte sich der möglicherweise bald privat versicherte Kunde auch keine Gedanken, wollte sich auch noch anderweitig informieren und beraten lassen.

Doch die Verwunderung geht dann einige Zeit später los. Der Berater sendet ihm per Mail irgendwann ohne weitere Informationen eine Kopie einer Police. Dabei ist noch nicht klar, warum der Vermittler diese bekommen hat, der Versicherer hat dem Kunden die Police nicht zugeschickt, bis heute nicht. Spätestens dann wäre dem Kunden ja aufgefallen, dass hier etwas nicht zu stimmen scheint. Also informiert der Interessent seinen Berater über den Fehler und lässt ihn wissen: „So war das nicht abgesprochen, ich sollte nur eine Anfrage machen, nichts abschließen.“ Aber der Vermittler beruhigt. „Alles gut, machen Sie sich keine Sorgen, wir mussten ja erst einmal testen ob Sie versicherbar sind.“

Die GKV bestätigt eine Kündigung

Doch dann, dann wird es kurios. Obwohl der Vermittler wusste was die korrekte Willenserklärung des Kunden war, nämlich unverbindlich anzufragen und auch der Kunde ihm nochmals deutlich per Telefon genau das mitteilte, ist die so genannte Folgeversicherungsbescheinigung wohl zur GKV geschickt worden. Das kann unmöglich der grüne Versicherer aus dem Norden der Republik getan haben, denn Versicherer versenden an die gesetzlichen Krankenkassen keinerlei Folgeversicherungsbescheinigungen. Dafür ist der Kunde verantwortlich und muss sich hier darum kümmern.

Dennoch hat die Krankenkasse nun aktuell die Beendigung der Mitgliedschaft final bestätigt. Zum Glück, denn erst durch dieses Schreiben ist der Kunde auf den Schwindel aufmerksam geworden, hat Google bemüht und landete am Ende hier um mir von dem Fall zu erzählen.

Fragen über Fragen

Warum hat aber der Berater hier erneut gegen den Willen des Kunden gehandelt?

Warum werden hier, auch wenn der Kunde keinen Vertrag wollte und keinen Antrag stellen wollte, Unterlagen falsch weitergebenen? Warum wird aus einer „unverbindlichen Anfrage“ ein rechtsverbindlicher Antrag den der Versicherer mit einer Police beantwortet?

Nun, das ist nur mit Zufällen bei einem Vermittler zu erklären. Nur der hatte die Daten des Kunden, nur der kann die Annahmeerklärung/ Bescheinigung der Folgeversicherung bekommen und an die gesetzliche Kasse weitergeleitet haben. Sicher ist das hausintern und ausversehen passiert, anders kann ich mir das nicht erklären.

Auch stellt sich nicht erst seit dem 25. Mai 2018 die Frage, wie hier mit Daten und Informationen des Kunden umgegangen wird.

Mit welcher Berechtigung und aufgrund welcher gesetzlichen Grundlage verschickt der Berater hier Daten und Unterlagen an die gesetzliche Kasse?

Wo ist die Kopie des Antrages geblieben und was hat der Interessent vielleicht noch alles unterschrieben, ohne es genau gelesen oder geschweige denn eine Kopie bekommen zu haben?

Jetzt muss eine Lösung her. Irgendwie muss der Kunde ja zu seinem Recht kommen und es muss doch möglich sein, dass sich Berater an das halten was Ihnen gesagt wird.

Die Lösung

Zunächst einmal steht es mir als Blogger und auch uns als Makler nicht zu, rechtlichen Rat zu geben. Dennoch werde ich versuchen, hier einige Erläuterungen zu liefern und die gesetzlichen Grundlagen darzustellen, auch ohne konkret im Einzelfall zu beraten.

Vertragserklärung und Widerrufsrecht

Der Gesetzgeber hat, zuletzt mit der Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes vor einigen Jahren, klare Grundlagen geschaffen. Demnach muss der Versicherer den Antragsteller auf seine Rechte hinweisen, ihm alle vertragsrelevanten Unterlagen zusenden und dann über sein Widerrufsrecht informieren. Um also bei unserem Beispiel zu bleiben, der Kunde muss von der Hanse den Versicherungsschein bekommen, (mehr …)

10.
April '18

Wenn die Vermittlerin lügt – „Die Thrombose war ja nur im Unterschenkel, da brauchen Sie diese nicht angeben!“


Seit nunmehr zwanzig Jahren bin ich in der Vermittlung und Beratung von biometrischen Produkten unterwegs. Seit 2007 können Sie meine Erfahrungen und Erlebnisse hier im Blog mitverfolgen und haben sicher nicht nur einmal- mit mir gemeinsam- den Kopf geschüttelt. Klar manchen Menschen Fehler, klar passieren bei vielen Beratungen auch einmal Fehler. Davon kann und soll sich niemand freisprechen. Wenn allerdings strafrechtlich relevante Punkte berührt werden, wenn Anträge beim Versicherer anders ankommen, als die Kopie beim Kunden, dann ist schon etwas „seltsam“.

Vor einigen Jahren hatte ich genau über diesen „Kollegen“, richtigerweise über einen seiner Mitarbeiter, schon einmal geschrieben. Da ging es um einen anderen Fall und dort waren und sind einige Ungereimtheiten in der Sache selbst aufgetreten. Diese zu klären steht jedoch im Aufgabenbereich der Staatsanwaltschaft und daher möchte ich ihn keineswegs vorverurteilen. Doch nun liegen mir zwei weitere Fälle vor, einen davon möchte ich Ihnen heute gern etwas genauer erzählen, machen Sie sich einfach selbst ein Bild.

Es handelt sich um eine Familie. Selbstständige, fleißige Menschen aus der Dienstleistungsbranche und vielleicht manchmal etwas zu gutgläubig. Das meine ich keineswegs böse, sie haben schlichtweg der Beraterin geglaubt und die Aussagen dort als gegeben und ungeprüft hingenommen.

Die Ausgangslage

Die Famile, Mutter 44 Jahre alt, Vater 48 Jahre alt und die Tochter zehn Jahre, wurden vor einigen Jahren beraten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kunden bereits 13, 9 und 10 Jahren bei einem anderen privaten Krankenversicherer versichert. Hier bestanden Vollkostenverträge, also solche die Eintrittsalterrelevant sind und natürlich Alterungsrückstellungen bilden. Solche Rückstellungen waren damals nicht portierbar, konnten also nicht mitgenommen werden.

Die Beratung

Die Versicherten waren also lange bei einem Versicherer, Zahnstaffeln und Summenbegrenzungen waren bereits vorbei. Ob hier ein Wechsel Vorteile brachte, also außer für den Vermittler, mag ich einmal vorsichtig in Frage stellen. Laut Auskunft der Versicherten wurden Sie aber angesprochen und dann zu einem Wechsel beraten und sollten aus Köln nach Hamburg wechseln, also bezogen auf den Sitz des Versicherers.

Selbst wenn es also eine Unzufriedenheit mit dem Versicherer gegeben hätte, eine Prüfung ob es eine interne Umstellungsmöglichkeit gegeben hätte, wäre sicher nicht die schlechteste Idee gewesen.

Stattdessen wurde ein Wechseln angestoßen. Dazu wurden also im Jahr 2015 Beratungen durchgeführt (und die eigenen Fehler zum Glück fein säuberlich in dem Beratungsprotokoll dokumentiert). Nach dem Ergebnis kam es nun zur Antragstellung. So werden Anträge auf einen neuen Versicherungsschutz mit Beginn 01. 01. 2016 und (für zwei Personen) mit Beginn 1.1.2017 gestellt. Wie das geht, wo doch eine Vordatierung des Antrages maximal 6 Monate ging? Nun, man hat dem Kunden folgendes verkauft.

Anträge aus 11/2015

Frau soll wechseln zum 1.1.2016 – Antrag soweit normal vordatiert

Mann soll wechseln zum 1.1.2017 – Antrag auf Anwartschaft ab 1.5.2016, dann Beginn 1.1.2017

Kind soll wechseln zum 1.1.2017 – Antrag auf Anwartschaft ab 1.5.2016, dann Beginn 1.1.2017

Warum macht man das? Weil der Vermittlerin das Geschäft nicht entgehen sollte vielleicht? Denn eine Anwartschaft kann durchaus Vorteile haben. Der Kunde zahlt hierfür einen Beitrag mit Beginn der Anwartschaft und zahlt diesen solange (ca. 25% des normalen Beitrages), bis der Vertrag richtig beginnen kann. Also in unserem Fall für die Monate Mai bis Dezember 2016. Klar, denn so konnte man im November 2015 schon das „Geschäft eintüten“ und schließlich zahlt es ja der Kunde.

Ungeachtet dessen, ob die Beratung und der Wechsel überhaupt richtig waren, wurden so dem Kunden einige Monate Anwartschaftsbeitrag aufgebürdet.

Was wäre die Alternative?

Natürlich wäre es möglich gewesen, den Antrag auf Krankenversicherung erst später, also Mitte 2016 zu stellen. Antragstellung im Juni 2016 hätte bedeutet, kostenfreier Schutz bis Jahresende und normaler Wechsel zum 1.1.2017. Aber natürlich will man das nicht, schließlich könnte der Kunde sich das ja anders überlegen und vielleicht noch eine passendere Beratung bekommen.

Noch schnell „ein Jahr jünger“ in die Private Krankenversicherung (PKV)

Richtig ist aber auch, in so einem Fall wären Erkrankungen von November 2015 bis zur Antragstellung im Juni 2016 abgabepflichtig gewesen. Klar kann in der Zeit etwas passieren und würde dann zu einem Zuschlag oder gar zur Ablehnung führen, das ist klar. Ob man sich aber mit knapp 700 € Anwartschaftsbeträgen hier einen Gefallen getan hat? Mag es einfach jeder selbst entscheiden.

Wenn die Vermittlerin lügt

Nun hat eine Krankenversicherung Gesundheitsfragen. Immer! Dort möchte der Versicherer seinen Kunden, oder besser den potentiellen Kunden, kennenlernen und sich ein Bild über den Gesundheitszustand machen.

Da die Tochter sich zum Zeitpunkt der Antragstellung in einer Behandlung befand, sollte Ihr Wechsel eben nicht mit der Mutter zum 1.1.16, sondern zum 1.1.17 vollzogen werden. Die laufende Kieferorthopädische Behandlung wäre zu diesem Zeitpunkt das k.o. für die neue KV gewesen. Also kam die Beraterinnenaussage: „Ach, bleiben Sie erstmal bei der A. und machen die Kieferorthopädie zu Ende, wir stellen jetzt den Antrag für die Tochter dann zum 1.1.2017 und sie wechselt dann.“

Soweit keine so summe Idee, ist doch dann eine Behandlung abgeschlossen und vielleicht eine bessere Annahme möglich. Dumm nur, im Antrag findet sich keinerlei Hinweis. Schlimmer noch, die Frage 12 ist einfach und frech mit NEIN angekreuzt und das obwohl bekannt war (war ja der Grund für die Wahl). Klar kann man nun sagen „das lesen die Kunden und die unterschreiben es ja auch.“ und auch „die sind ja naiv“. Klar kann man das. Aber schauen wir einmal weiter.

Während der Vater einen Zuschlag bekommt aufgrund einer angegebenen Erkrankung mit regelmäßigen Medikamenten, ist es bei der Mutter etwas anders. Diese äußert gegenüber der Vermittlerin eine Thrombose. Im Krankenhausbericht steht dazu:

Nun schauen wir uns dazu also einmal die Antragsfragen an. (ja, es fällt in den Zeitraum von 3 Jahren) und lesen dort:

Was meinen Sie? Welche der Erkrankungen ist denn wie in die Antragsfragen zu schreiben? Dazu ist es wichtig einmal genau zu schauen, wie diese formuliert sind. Maßgebend sind bei unserer Kundin die Fragen 1, 2 und 3.

Was genau hätten Sie dazu in die Antragsfragen geschrieben?

Durch die erste Frage sind bereits die Behandlungen erfasst. Also allein der Besuch im Krankenhaus (dabei ist es egal ob ambulant oder stationär, da in den letzten drei Jahren gewesen) sind anzugeben. Dazu die Diagnosen des Berichtes. Auch unter Frage zwei fällt es, denn Untersuchungen haben nun einmal stattgefunden, selbst wenn diese ohne einen weiteren Befund gewesen WÄREN.

Doch es kommt anders. Die Kundin ist sich nicht sicher und so bietet die Vermittlerin an, sich einmal mit dem Versicherer in Verbindung zu setzten. Das passiert dann auch und als Antwort kommt dann:

„Die Unterschenkelthrombose brauchen Sie aber nicht angeben, da diese ja nur im Unterschenkel war.“

Die Dame gibt gegenüber der Kundin an, Sie habe „mit dem Risikoprüfer gesprochen“ und der „hätte dieses nochmals so bestätigt.“ Das ist aber eine glatte Lüge. Niemand, kein einziger Risikoprüfer wird jemals so eine Aussage treffen, nicht schriftlich und schon gar nicht telefonisch. Warum auch, denn dazu ist der Antrag ja eindeutig. Dort ist eine Frage gestellt, oder besser mehrere.

Dennoch und auch deshalb, weil bei dem Mann mit entsprechenden Vorerkrankungen ein Zuschlag erhoben wurde, verlässt sich die Familie auf die Aussage der Kundin. In dem Antrag steht damit nichts. Einzige Gesundheitsangaben die im Antrag angeben wurden sind „Vorsorgeuntersuchungen ohne Befund (Frauenarzt, Zahnarzt)“, sonst aber rein gar nichts.

Nicht einmal der Arztbesuch, keine weiteren Behandlungen, die wir mittlerweile aus der Krankenakte kennen. Keine Medikamente, keine Beschwerden.

Klar kann man auch hier wieder argumentieren: „Das hätte die Kundin doch wissen müssen, sie hat es ja unterschrieben.“ und ja, natürlich trifft sie hier eine gewisse Mitschuld. Aber: Hätte die Vermittlerin hier nicht gelogen und bewusst vorgegeben „sie habe mit dem Risikoprüfer gesprochen und es vorab geklärt“, wäre es zu der Situation nie gekommen.

Nun ist guter Rat teuer

Doch was nun? Warum kommt der Fall überhaupt Jahre später auf den Tisch? Nun, weil sich die Kunden natürlich darüber gar keine Sorgen gemacht haben, denn diese waren ja in dem Glauben, eine Angabe sei nicht nötig. Auf einer nun später eingereichten Rechnung hat der Versicherer aber nun „Wind davon bekommen“ und (mehr …)

31.
Oktober '16

Ein Antrag ist ein Antrag- wird aber zu einem Vertrag – so schützen Sie sich vor falschen Beratern


Das Jahresende ist nah und wie sie bereits in meinem letzten Beitrag hier lesen konnten, steht damit die Zeit der Beitragsanpassungen vor der Tür. Jedes Jahr überprüfen die privaten Krankenversicherer die entstandenen Kosten und die Frage der dauerhaften Finanzierbarkeit und passen daher die Beiträge entsprechend an.

Leider ist das Jahresende auch die Zeit für betrügerisch arbeitende Berater. Ja, ich habe lange überlegt ob ich das Wort „betrügerisch“ verwenden soll, aber nach den mir vorliegenden Unterlagen von mehreren Fällen einer Beraterfirma in Frankfurt, deren Name sich aus einem Fluss und dem Wort Compass zusammensetzt, lassen mir keine andere Wahl. Der zweite Fall ist so haarsträubend, dass ich diesem einen eigenen Beitrag widmen werde. Hier jedoch zu dem ersten Fall einige Details.

Ein Versicherter der seit längerem (2007) bei der DKV versichert ist, wird von einem Berater dieser Compass Firma angesprochen. Wie die Daten zu dem bestehenden Vertrag dorthin kamen, oder ob vielleicht in einem geschickt geführten Telefonat die Daten „hinten herum“ erfragt wurden, dass ist derzeit noch nicht klar. Nachdem der Kunde nun mehrfach von dem Berater angerufen wurde, kommt es sodann zu einem persönlichen Termin. In diesem Termin Mitte Juli wird dem Kunden erläutert, dass er doch möglichst schnell von der DKV zur Hanse Merkur Krankenversicherung wechseln sollte. Eine Aufklärung über Leistungsunterschiede oder Einschränkungen wie dem Verlust von Alterungsrückstellungen, dem neuen Eintrittsalter oder dem Neubeginn von Summenbegrenzungen und Wartezeiten erfolgt hier nicht. Danach wird es penetrant, der Versicherte schildert in seinem Schreiben wie folgt:

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Es handelt sich hierbei um einen selbstständigen Kunden, welcher beruflich stark eingebunden ist. Warum sich dieser hier so überreden ließ und sich dann zu einem Antrag hinreißen ließ, das kann ich derzeit nicht beantworten. Richtig ist, dass der Verkäufer wohl gut geschult gewesen ist. Es ist mir nicht klar, weshalb man sich hier bei einem wichtigen Thema wie der privaten Krankenversicherung so überrumpeln lässt.

Antragstellung am 16.07.2016, Beginn 1.1.2017

Dennoch wird es noch schlimmer. Der (noch) DKV Versicherte unterschrieb also einen entsprechenden Antrag auf Abschluss einer Krankenversicherung bei der Hanse Merkur. Dieser Antrag wurde dann von dem Berater an die neue Krankenversicherung, die Hanse Merkur geschickt. Die Gesellschaft prüft den Antrag (wobei es hier noch gravierende Unklarheiten bezüglich der Gesundheitsangaben gibt, denn der Kunde gibt an keine Gesundheitsfragen ausgefüllt zu haben, im Antrag stehen aber Anfragen mit Nein beantwortet. Dieses entspricht zudem nicht der Wahrheit.

Police erstellt am 22.08.2016, Beginn 1.1.2017

Mit Datum vom 22. August 2016, also etwa vier Wochen nach der Antragstellung, nimmt der Versicherer den Antrag an und weist den Kunden auf sein Widerrufsrecht hin. Dazu befindet sich auf der dritten Seite des Versicherungsscheins ein besonderer Hinweis.main-compas-str-hanse-vers-schein

Unterstellen wir eine Postlaufzeit von 2-3 Werktagen, so ist der Versicherungsschein am 25. August 2016 spätestens bei dem Kunden eingegangen. Dieser Versicherungsschein kommt mit der normalen Post, also nicht per Einschreiben oder einen sonstigen nachverfolgbaren Versandweg.

Widerrufsfrist verpasst?

Die Widerrufsfrist von 14 Tagen begann also am 25. August und endet dementsprechend am 8. September. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte der Widerruf in Schriftform beim Versicherer eingehen müssen. Die entsprechenden Kontaktdaten inklusive E-Mail-Adresse und Telefax hat die Hanse Merkur auf dem Versicherungsschein genannt.

Erfolgt der Widerruf nicht oder nicht fristgemäß, dann wird aus dem gestellten Antrag (den der Kunde auch hier unterschrieben hat) ein Vertrag. Das bedeutet das zum beantragten Beginn am 1. Januar 2017 die Versicherungsprämien an den neuen Versicherer zu zahlen sind. Dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, ob der alte Vertrag gekündigt wird oder weiterbesteht.

Gefälschte Kündigung?

Dieser Fall wird leider noch schlimmer, denn nun wird es strafrechtlich relevant. Der Kunde schildert in seinem Schreiben den weiteren Ablauf und weitere Anrufe des Beraters. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine weitere Reaktion auf den Versicherungsschein der Hanse Merkur, keinen Widerruf, keine Nachfrage bei der Versicherung oder sonstiges. Dieses muss man eindeutig den Kunden anlasten, denn spätestens mit Erhalt des Versicherungsscheins und dem darauf abgedruckten Hinweis zum Widerruf hätte dieser hier reagieren müssen. Auf der anderen Seite- das muss man ihm zugute halten- war er sich keines wirklichen Vertragsabschlusses bewusst, denn der Berater hatte mehrfach beteuert das ist erst mal eine Anfrage/ein Antrag ist um zu prüfen ob die neue Versicherung ihn überhaupt aufnimmt. Weiterhin schildert er nun:

main-compas-kuendigung-dkv

Nun, diese Aussage war am 30. September 2016 durchaus nicht ganz falsch, denn dieses ist der letzte Tag an dem die alte private Krankenversicherung fristgemäß zum Jahresende gekündigt werden kann. Erfolgt dieses nicht, so besteht der Versicherungsschutz dort entsprechend weiter. Auch hier wird jedoch mit einem Anruf um 17:30 Uhr am letzten Tag ein enormer Druck aufgebaut, und laut Aussage des Kunden mit „riesigen Problemen“ gedroht. Unter diesem Zeitdruck und dem Bewusstsein hier vielleicht etwas Falsches gemacht zu haben, entschied sich der Kunde deutlich klarzustellen, dass er einen Wechsel zu einer anderen privaten Krankenversicherung nicht wünscht.

Eine weitere Unterschrift erfolgt nicht, auch wünscht der Kunde keinen weiteren Kontakt. Jedoch wird es nun erst recht so. Denn die DKV als bisherige private Krankenversicherung trotzdem eine Kündigung mit Unterschrift des Kunden. Wie diese dort hingekommen ist, können wir nur vermuten. Nachdem die DKV dann einige Zeit später die Kündigung des Krankenversicherungsvertrages bestätigt, wird der Kunde hier endgültig wach. Ein Maklerkollege der den bisherigen Vertrag betreut hat interveniert und die DKV überprüft diesen Fall erneut.

Dabei kommt der alte Versicherer zu dem Ergebnis, dass die Kündigung unwirksam zu sein scheint. Die Unterschrift auf dem Kündigungsformular weicht deutlich von den bisherigen Unterschriften des Kunden ab. Hier scheint es also so, als ob irgendjemand die Unterschrift des Kunden gefälscht hat, um den neuen Krankenversicherungsvertrag zu retten.

Diese strafrechtlich relevante Tätigkeit muss von der zuständigen Staatsanwaltschaft und den Gerichten geprüft werden. Im weiteren Verlauf erklärt sich daher die DKV bereit den Vertrag wie bisher fortzusetzen und diesen so zu stellen, es wäre eine Kündigung nicht erfolgt. Das ist für den Kunden insofern entscheidend und wichtig, da einige Vorerkrankungen vorliegen die in dem neuen Antrag gar nicht angegeben worden sind. Was dann passieren kann können Sie in meinem Beitrag nachlesen:

vorvertragliche Anzeigepflicht und die dramatischen Folgen

Müssen nun zwei Krankenversicherungen ab Januar bezahlt werden?

Im Augenblick besitzt der Kunde zwei Krankenversicherungen. Den alten Versicherungsschutz bei der DKV hat er seit 2007 und die Kündigung wurde hier zurückgenommen. Den neuen Versicherungsschutz bei der HanseMerkur besitzt er ebenfalls ab dem 1. Januar 2017 und soll hierfür (zusammen mit dem ebenfalls beantragten Versicherungsschutz für seinen Sohn) einen monatlichen Beitrag von 550,03 € bezahlen.

Beide Versicherer haben derzeit einen formal richtigen und rechtlich bindenden Vertrag. Jedoch handelt es sich hier anscheinend um einen betrügerischen Berater. Das größte Problem des Kunden ist nun, wie er aus dem Vertrag der Hanse Merkur wieder herauskommen kann.

Variante 1 –  Gesundheitsangaben richtigstellen.

Da die Angaben zum Gesundheitszustand und damit auch die Einschätzung des Versicherungsunternehmens den Kunden ohne Zuschlag zu versichern falsch war, muss der Kunde in jedem Fall die korrekten Gesundheitsangaben nach melden. Dies geschieht in dem er alle Fragen richtig, vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet und dem Versicherer diese Information zur Verfügung stellt. Daraufhin beginnt der neue Krankenversicherer mit der Risikoprüfung und wird dem Versicherten eine entsprechende Entscheidung mitteilen. Ist aufgrund der angegebenen Vorerkrankungen eine Versicherung gar nicht möglich, so wird der Versicherer hier vom Vertrag zurücktreten. Kann ein Versicherungsschutz jedoch mit einem Risikozuschlag gewährt werden, so erhält der Kunde hier ein entsprechendes Angebot welches er annehmen kann. In der dieses nicht an, so kann kein Vertrag zustande kommen, bzw. wird auch hier richtigerweise zunächst der Rücktritt erklärt und dann ein entsprechendes Verlängerungsangebot gemacht.

Variante 2 – Freigabeverhanldungen gem. Wettbewerbsrichtlinien

In der Versicherungswirtschaft existieren sogenannte Wettbewerbsrichtlinien. Diese Regeln den Umgang mit Versicherungsverträgen welche durch eine sogenannte Umdeckung zustande gekommen sind. Den genauen Wortlaut dieser Richtlinien können Sie auf der Seite des Beck Verlages nachlesen, dort heißt es:

68. Verpflichtung zur Freigabe

Wird eine Krankenversicherung beim ersten Versicherungsunternehmen gekündigt, um eine gleichartige bzw. gleichwertige Versicherung (vgl. Nr. 69 Abs. 1) bei einem zweiten Versicherungsunternehmen abzuschließen, so gilt Folgendes:

a) Hat die Versicherung beim ersten Versicherungsunternehmen zum Zeitpunkt des Ausscheidens des Versicherten noch nicht drei Jahre bestanden, so ist das zweite Versicherungsunternehmen zur Freigabe verpflichtet, wenn

aa) der Versicherungsvertrag bei ihm unter Verletzung der Bestimmungen gegen den unlauteren Wettbewerb zustande gekommen ist und
bb) ein schriftlicher Freigabeantrag des Versicherten vorgelegt wird, worin dieser das erste Versicherungsunternehmen mit der Führung von Freigabeverhandlungen beauftragt. Aus dem Freigabeantrag muss der Tatbestand eines Verstoßes gemäß Nr. 68 Abs. 1 a) aa) ersichtlich sein.
b) Hat die Versicherung beim ersten Versicherungsunternehmen zum Zeitpunkt des Ausscheidens des Versicherten mindestens drei Jahre bestanden, so ist das zweite Versicherungsunternehmen zur Freigabe unabhängig von der Sach- und Rechtslage verpflichtet, wenn der Versicherte im Freigabeantrag die schriftliche Erklärung abgibt, dass er seine bisherige Versicherung fortsetzen will.
Auf die Frist ist eine bei dem ersten Versicherungsunternehmen dem Versicherungsvertrag unmittelbar vorangegangene Versicherung im Vertrag eines anderen oder eine Anwartschaftsversicherung anzurechnen.

Diese Regelungen gelten für beim ersten Versicherungsunternehmen mitversicherte Personen auch, soweit eine Teilkündigung erfolgt ist.

Sie finden auf Kollektivrahmenverträge Anwendung, die nicht einem vorübergehenden Zweck dienen, wenn der Versicherte beim ersten Versicherungsunternehmen in einem Einzel- oder Kollektivrahmenvertrag versichert war. Dasselbe gilt für Sammelinkassoverträge.

In unserem Fall hier gilt der Unterpunkt b.). Der alte Versicherungsvertrag bei der DKV bestand seit 2007 und damit mindestens drei Jahre. Der Versicherte erklärt schriftlich, dass er seine bisherige Versicherung fortsetzen möchte. Aus diesem Grund muss die alte Versicherer einen sogenannten Freigabeantrag stellen, auch den genauen Ablauf und das Verfahren zur Freigabe regeln die Wettbewerbsrichtlinien mit folgendem Wortlaut:

69. Umfang der Freigabe

Nach der Freigabeverpflichtung gemäß Nr. 68 sind aufzuheben:

a) Krankheitskosten-Vollversicherungen,
b) Teilversicherungen, soweit beim ersten Versicherungsunternehmen ein gleichartiger bzw. bei der Krankenhaustagegeld- und/oder Krankentagegeldversicherung ein gleichwertiger Versicherungsschutz bestand. Als gleichartig gegenüber einer Krankenhauskostenversicherung gilt auch eine Krankenhaustagegeldversicherung.

70. Verfahren der Freigabe

Der Freigabeantrag muss innerhalb von vier Monaten nach Eingang der Kündigung beim ersten Versicherungsunternehmen dem zweiten Versicherungsunternehmen zugegangen sein. Um den Versicherten vor der Abgabe gegensätzlicher Erklärungen zu bewahren, ist es dem zweiten Versicherungsunternehmen nicht gestattet, ihn zur Rücknahme des Freigabeantrages zu veranlassen.

Das zweite Versicherungsunternehmen hat binnen eines Monats nach Zugang des Freigabeantrages seine Entscheidung bekannt zu geben. Liegen die Voraussetzungen zur Freigabe vor, so hat es innerhalb derselben Frist die Versicherung rückwirkend ab Beginn aufzuheben. Gezahlte Beiträge und Gebühren sind dem Versicherungsnehmer ohne Abzug – abgesehen von der Verrechnung gewährter Versicherungsleistungen – zurückzugewähren.

Das zweite Versicherungsunternehmen ist verpflichtet, ein etwa eingeleitetes Mahnverfahren sofort nach Eingang des Freigabeantrages bis zum Abschluss der Freigabeverhandlungen ruhen zu lassen. Wird die Freigabe mit Recht verweigert, so muss das erste Versicherungsunternehmen eine form- und fristgerechte Kündigung des Versicherungsnehmers gegen sich gelten lassen, die vor Stellung des Freigabeantrages ausgesprochen worden ist.

Wird dem Freigabeantrag erst zu einem Zeitpunkt stattgegeben, nachdem der Vertrag mit dem ersten Versicherungsunternehmen infolge der Kündigung bereits beendet ist, so ist dieses verpflichtet, die bisherige Versicherung wiederherzustellen.

Unser DKV Versicherter sollte also hier schnell mit der DKV in Kontakt treten und die Freigabeverhandlungen für sich und seinen Sohn beauftragen. Dieses muss innerhalb der oben genannten Fristen geschehen. Die Kündigung (zumindest die angeblich vom Kunden unterschriebene) ist dem Versicherer DKV am 30.09.2016 zugegangen. Die Frist von vier Monaten endet also am 30.01.2017. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte der Kunde hier tätig geworden sein, so die Hanse Merkur hier noch nicht aufgehoben hat.

strafrechtliche Konsequenzen für den Berater

Inwieweit hier strafrechtliche Konsequenzen für den Berater folgen und ob hier Straftatbestände wie Urkundenfälschung oder Betrug vorliegen, das müssen Gerichte und Staatsanwaltschaft überprüfen und ggf. verurteilen. Eine gefälschte Unterschrift unter einer Kündigung ist zumindest ein Indiz. Diese Bewertung kann, will und werde ich auch in keiner Weise vornehmen und natürlich ist auch ein Berater der Unrechtes tut keineswegs Maßstab eines Unternehmens. Gerade wenn mehrere Berater im Rahmen des Vertriebs eingestellt werden, kann und soll ein schwarzes Schaf nicht den Ruf der ganzen Firma ruinieren können. Dennoch: es ist leider unverantwortlich was heute immer noch und wieder hier bei uns in der Branche passiert und ich bin fest der Meinung das man solche Fälle veröffentlichen und ahnden muss.

Natürlich gilt auch hier- wie bei jedem anderen- die Unschuldsvermutung.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen?

Ihnen ist etwas Ähnliches passiert? Was haben Sie getan? Wie ist es ausgegangen? Lassen Sie mich die Erfahrungen gern hier in den Kommentaren wissen.

Was können Sie tun?

Zunächst einmal gilt der eiserne Grundsatz:

LESEN SIE GENAU WAS und BEVOR SIE ETWAS UNTERSCHREIBEN

  1. Einen Antrag stellen, dann ist es eben auch ein Antrag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nimmt der Versicherer dann den Antrag an, so kommt ein Vertrag zustande.
  2. Achten Sie zunächst einmal ebenfalls darauf, dass die Gesundheitsangaben vollständig und richtiggemacht werden.
  3. Entscheiden Sie sich gegen den Antrag, so beachten Sie die 14-tägige Frist für den Widerruf.
  4. Sollten Sie bei dem alten Versicherer bleiben wollen, so müssen sie zwingend auch mit diesem in Kontakt treten gekündigt haben.