Artikel mit ‘KT BU Übergang’ getagged

03.
Juni '13

Ich bin schon krank, bekomme ich noch einen Schutz gegen Berufsunfähigkeit?


Die Absicherung bei bzw. gegen die finanziellen Folgen einer eingetretenen Berufsunfähigkeit ist nach wie vor eine der wichtigsten Absicherungen für Privatpersonen. Dennoch wird oftmals nicht, oder erst deutlich zu spät an eine entsprechende Absicherung gedacht und diese somit oftmals unmöglich oder nur mit vielen Einschränkungen realisierbar. Ein solches Beispiel, wenn auch vielleicht in einer etwas extremeren Form, erreichte mich in einer E-Mail eines Interessenten in der letzten Woche.

„Ich bin als freiberuflicher Ausstellungsmacher seit dem 19.04.2012 krank geschrieben. Die Hanse Merkur zahlt mir seitdem Krankentagegeld. Ich spüre aber jetzt schon, dass mich die Krankenversicherung durch eingesetzte Gutachter in eine Berufsunfähigkeit drängen will, die ich aber keinesfalls wünsche, da ich eine Wiederaufnahme meiner Tätigkeiten durchaus für realistisch halte. Kann ich noch eine Berufsunfähigkeitsrente abschließen, denn bisher besitze ich so etwas überhaupt nicht. Was raten Sie?“

In diesem ganz speziellen Fall kommen mehrere, verschiedene Punkte zusammen. Um besser zu verstehen, warum hier für die entsprechende Erkrankung natürlich kein weiterer Versicherungsschutz mehr zu bekommen ist, schauen wir uns den Fall etwas näher an.

Welcher Versicherungsschutz besteht für Freiberufler und Angestellte?

Freiberufler wie auch Angestellte haben heute keinen gesetzlichen Versicherungsschutz mehr für den Fall einer eintretenden Berufsunfähigkeit. Anders als die Versicherten, welche vor dem 1. Januar 1961 geboren wurden, besteht für alle jüngeren Versicherten nur noch ein Versicherungsschutz bei Erwerbsminderung. Die so genannte Erwerbsminderungsrente, welche von der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt wird, ist im Sozialgesetzbuch geregelt. Wie der Name schon sagt, geht es nicht um eine Rentenzahlung bei Berufsunfähigkeit (also wenn der erlernte bzw. ausgeübte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann) sondern nur noch um eine Absicherung gegen Erwerbsminderung. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass es bei der Prüfung immer nur darum geht, ob überhaupt irgendeine Tätigkeit durch den Versicherten ausgeübt werden kann.

Auch früher war es jedoch so, dass nur die Personen Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen konnten, die dort auch beitragspflichtig versichert waren. (bis auf einige Ausnahmen mit bestehenden Anwartschaften oder ähnlichem) Unser oben genannter Fall, also ein freiberuflich tätiger, genießt also auch hier keinen entsprechenden Versicherungsschutz. Daher ist die Frage eines Leistungsbezuges hier deutlich mit „nein“ zu beantworten.

Der Sonderfall bei dem Bezug von Krankentagegeld und dem Übergang zur Berufsunfähigkeit

Wie bereits in verschiedenen anderen Beiträgen hier im Blog dargestellt, besteht eine besondere Herausforderung darin, die bestehende Arbeitsunfähigkeit von einer Berufsunfähigkeit abzugrenzen. Bei der Arbeitsunfähigkeit geht es darum, dass der Versicherte auf absehbare Zeit wieder in seinem Beruf zurückkehren kann, also nur vorübergehend nicht in der Lage ist seinen Beruf auszuüben. Die Berufsunfähigkeit beschreibt dagegen einen Zustand, der in die Zukunft gerichtet auf (mehr …)

01.
August '12

Axa Krankenversicherung mit neuer „Garantieerklärung“ für den Krankentagegeld- Berufsunfähigkeitsübergang – mehr als nur ein Prospekt?


In vergangenen Blogbeiträgen ging es schon einige Male um die Frage des Überganges zwischen Krankentagegeld- und Berufsunfähigkeitsabsicherung. Auch andere Gesellschaften haben bereits mehr oder minder sinnige Erklärungen zu der Frage abgegeben. Die Gothaer kam vor einiger Zeit mit einem Prospekt (Neuer Werbegag der Gothaer oder echter Mehrwert?), auch die Barmenia hat eine solche Erklärung.

Nun scheint auch bei der Axa Krankenversicherung angekommen zu sein, das mündliche Aussagen nichts helfen und „Garantien“ immer gut sind um ein Produkt „an den Mann zu bringen“. Dieses schieb mir dann auch die Axa in einer Vertriebsinfo:

„Mit dem neuen Garantiezertifikat von AXA, kann dies Ihren Kunden mit einer Krankentagegeld- und BU-/DU-Versicherung von AXA nicht mehr passieren. (…) Nutzen Sie diesen Vorteil in Ihrem Kundengespräch und händigen am Besten gleich die Garantieerklärung aus!“

Das klingt doch erstmal gut, dachte ich mir also auch und las weiter. Klar ist, dass der Übergang zwischen Krankentagegeldleistung und der Frage nach bestehender Berufsunfähigkeit elementar wichtig ist.

Was passiert da überhaupt?

Die Definition der Berufsunfähigkeit in der Krankentagegeldversicherung ist eine andere, als in der BU Versicherung selbst. So kann es im Leistungsfall passieren, dass die Krankenversicherung die Leistung einstellt, da laut Bedingungen eine Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Eine Leistungspflicht besteht somit nicht mehr. (–> Unterschiede zwischen Berufsunfähigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Invalidität) Doch wer nun geglaubt hat, dann ist man ja berufsunfähig und die BU Versicherung zahlt, der wird leider enttäuscht. Da es sich um unterschiedliche Definitionen handelt, muss auch diese ggf. nicht zahlen. So hat der Kunde zwei unterschiedliche Produkte, die für sich allein genommen auch passen können, aber eben nicht zusammenpasst. Ergo: Es zahlt niemand. (mehr …)

20.
Januar '12

Krankentagegeld wegen Mobbing – ist auch ein Leistungsfall sagt der Bundesgerichtshof, AZ IV ZRR 137/09


Die Frage ob und vorallem wann jemand krank ist, ist gerade in der Krankentagegeldversicherung wichtig. Diese sichert den Verdienstausfall des Versicherten im Falle der Arbeitsunfähigkeit ab. Daher ist diese nicht nur zwingend notwendig um die laufenden Kosten zu bezahlen, oftmals hängt davon auch die Bezahlbarkeit der Privaten Krankenversicherung ab und somit die weitere Inanspruchnahme der Leistungen.

Ob Mobbing am Arbeitsplatz aber nun eine Krankheit im Sinne der Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung (MBKT) ist, damit beschäftigte sich der Bundesgerichtshof. Doch was genau war passiert?

Der Versicherte hatte bei der Gesellschaft eine Krankentagegeldversicherung nach den MB KT 94 abgeschlossen und wollte damit seinen Verdienstausfall als Folge von Unfällen und Krankheiten absichern. Der Projektleiter für Brandschutzanlagen befand sich längere Zeit in ärztlicher Behandlung. Grund dafür war eine Mobbinsituation in seiner damaligen Firma. Nachdem sich der Kläger einem solchen Mobbing an seinem Arbeitsplatz ausgesetzt war, war dieser krank geschrieben worden und der Versicherer zahlte auch einige Zeit das versicherte Krankentagegeld aus.

Dann jedoch wollte der Versicherer nicht mehr zahlen. Da es sich um keine Krankheit, sondern um eine „konfliktbedingte Arbeitsplatzunverträglichkeit“ handelt, begründe diese keinen Anspruch auf Krankentagegeld. Schon das Berufungsgericht hatte jedoch einen solchen Zustand bejaht. Nach medizinischem Befund habe der Versicherte „seine berufliche Tätigkeit in dieser konkreten Ausgestaltung in keiner Weise ausüben können, was auf die Mobbinsituation am Arbeitsplatz zurückzuführen sei.“

Dieser Auffassung folgt auch der Bundesgerichtshof mit seinem Urteil Az. ZR 137/08 vom 09. 03. 2011. Grund für diese Auffassung ist laut Senat:
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20.
Juli '11

Berufsunfähigkeitsrente auch schon bei 6 Monaten Krankschreibung?!


Das die Berufsunfähigkeitsabsicherung eine der wichtigsten Absicherungen ist, das ist mittlerweile in den meisten Köpfen angekommen. Alle anderen Absicherungen, Sparvorgänge oder auch die eigene (private oder gesetzliche) Kranken(zusatz)versicherung sind nicht mehr wert wenn kein Geld da ist diese zu bezahlen. Daher sollte, lange bevor an Vorsorge und Sparverträge gedacht wird, die Frage beantwortet werden:

Woher kommt eine Leistung, wenn ich nicht mehr in meinem Beruf arbeiten kann?

Dazu lesen Sie aber am besten die folgenden Beiträge in meinem Blog oder verschaffen sich durch den Leitfaden für die Berufsunfähigkeitsversicherung einen Überblick über die Voraussetzungen, Bedingungen und wichtigen Eckpunkte des Systems „Berufsunfähigkeit.“

Ich werde nicht berufsunfähig, ich bin ja im Büro

Bedingungsänderungen der Condor für die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUZ) zum 01. 07. 2011

Der Finanztest Artikel „Die 50 besten Versicherungen“ zur Berufsunfähigkeit oder: Haben die ihre Testergebnisse gewürfelt?

Doch gerade wenn Sie beginnen sich mit dem Thema auseinander zu setzen, ein bisschen im Internet suchen und Beiträge und Erfahrungsberichte lesen, werden Sie schnell auch eine Reihe von Berichten lesen, welche gar nicht so positiv klingen.

Da ist von Ablehnungen, Verzögerungen und wieder und wieder Gutachten und Artzanordnungen die Rede. Kunden werden hingehalten und es wird hinaus gezögert bis es nicht mehr anders geht. Solche Berichte fördern auf der einen Seite nicht gerade das Vertrauen in das Produkt oder an den Versicherer, auf der anderen Seite sind diese ja in den meisten Fällen nicht nachprüfbar.

Lässt sich eine solche Ungewissheit über eine Rentenzahlung umgehen? Wie? 

Natürlich kann das Bedingungswerk zur Berufsunfähigkeitsversicherung noch so gut sein, eine 100%ige Garantie die Rente ohne Stress zu bekommen, wird ihnen kein seriöser Berater oder Versicherer geben können. Dazu sind die Leistungsfälle zu komplex und bieten zu viele verschiedene Variationen der Leistung, der beruflichen Tätigkeit und dergleichen. Dennoch lässt sich das Risiko, ohne Geld da zu sitzen, recht gut minimieren. Eine ganz entscheidende Aussage ist diese, hier in den Versicherungsbedingungen eines BU Tarifes.

(7) Arbeitsunfähigkeit: Wir leisten auch – gegebenenfalls nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit, siehe unten Absatz 10 – , wenn eine Berufsunfähigkeit ärztlich noch nicht festgestellt werden kann und zunächst nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit vorliegt, die mindestens 6 Monate andauert ( vergleiche § 2 Absatz 8 )

Das klingt ja einmal ganz anders, wie berufsunfähig. Hier ist es einzig und allein ausreichend, über einen Zeitraum von 6 Monaten krank geschrieben zu sein. Dieses ist als Grundlage für den Beginn einer Rentenzahlung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung ausreichend.

Durch eine solche Formulierung wird eines der großen Probleme gelöst. der Übergang von der Definition der Arbeitsunfähigkeit (also dem Bezug von Krankengeld) hin zum Zustand der Berufsunfähigkeit. Die Begriffe haben ich Ihnen im Blogbeitrag „Berufsunfähigkeit – Invalidität – Arbeitsunfähigkeit, eine kleine Erklärung durch den Begriffsdschungel“ bereits etwas ausführliche erklärt.

Und was ist, wenn ich zwischendurch versuche zu arbeiten?

Diese Frage ist durchaus berechtigt. Gerade die Versicherer und auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben ein Interesse an einer Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit Da aus medizinischer Sicht ein „von Null auf Hundert“ meist nicht funktioniert, wird mit dem so genannten Hamburger Modellgearbeitet. Dadurch wird eine Tätigkeit sehr langsam wieder aufgebaut und beginnt zunächst mit 2 Std. pro Tag, steigert sich dann je nach Diagnose auf 4, 6, bis hin zu den vollen 8 Stunden am Tag.

Bei dieser stufenweisen Wiedereingliederung wird die Belastbarkeit getestet und die Leistungsfähigkeit erst langsam aufgebaut. Im Rahmen dieses Modells (Einzelheiten auf den Seiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales) findet somit eine teilweise „Gesundschreibung“ statt. Gerade dieses würde aber dazu führen, das die oben genannte Passage in den BU Bedingungen „6 Monate andauert“ nicht erfüllt ist. Schade, damit ist die BU Zahlung dahin, oder doch nicht ?

Daher hat die Condort Lebensversicherung bei der letzten Bedingungsänderung eine Passage in die Bedingungen eingefügt. Dort heißt es unter §2 Punkt 8 nun weiter

Vorübergehende Arbeitsversuche zur Erprobung der möglicherweise wieder erlangten Arbeitsfähigkeit stellen keine Unterbrechung der Arbeitsunfähigkeit dar, sofern diese einen Arbeitsversuch im Sinne des § 74 SGB V (Stufenweise Wiedereingliederung mit Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit) darstellen.

Durch diese Ergänzung ist der ursprüngliche Sinn dieser Formulierung wieder da. Es besteht Anspruch auf die Zahlung der versicherten Berufsunfähigkeitsrente auch dann, wenn der Versicherte „nur“ 6 Monate ununterbrochen krank ist. Gerade dieser Punkt erleichtert die Leistung in der Berufsunfähigkeitsabsicherung enorm und vermeidet die Lücke bei dem so genannten KT-BU Übergang, zumindest teilweise. (Infos zum Krankentagegeld)

Das bedeutet natürlich auch, das so eine Mehrleistung Geld kostet. Der auch sonst risikoreiche und kostenintensive Schutz bei Berufsunfähigkeit ist mit so einem Modell sicher leistungsfähiger und auch kostenintensiver.

Dennoch bedeutet das weder, dass Sie einen alten BU Schutz NUR DESHALB kündigen sollen. Nur wenn die Gesamtauswahl passt, Kriterien bei der Auswahl besprochen und berücksichtigt wurden, nur dann erreicht er Berater mit Ihnen gemeinsam einen entsprechend individuellen Schutz.

Weitere Unterlagen:

Zur Überprüfung der bestehenden BU-Absicherung können Sie gern den Kriterienfragebogen (Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeitsabsicherung) ausfüllen und im Rahmen einer kostenfreien Analyse einen Auswertung der bisherigen Leistungen ihres Tarifs bekommen.

Auch lesen Sie bitte den Leitfaden zur Berufsunfähigkeit

14.
Juni '11

Neuer Werbegag der Gothaer oder echter Mehrwert?


In der Vergangenheit hatte ich bereits über den Unterschied zwischen Aussagen in bunten Prospekten und den Versicherungsbedingungen geschrieben. Ein eindrucksvolles Beispiel zu solchem Unfu,g ist in dem Artikel „Wie Kunden und Vermittler für dumm verkauft werden sollen – das Gothaer Hilfsmittelmanagement in der PKV“ anschaulich dokumentiert.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass Versicherer aus so einem „Supergau aus Marketingsicht“ lernen. Mal sehen ob das in diesem Fall passiert ist.

Letze Woche erreichte mich via Mail ein neues Prospekt der Gothaer Versicherung. Wer genau Herausgeber des Prospektes „Die Gothaer Service-Erklärung“ mit der Druckstücknummer 115108 – 05.2011 ist, lässt sich nicht so genau sagen. Es wäre neben der Gothaer Krankenversicherung auch die Lebensversicherung des Konzerns möglich. Steht aber nirgends.

KT – BU Übergang, was ist das denn?

Der so genannte KT-BU Übergang beschreibt den (möglichst) nahtlosen Übergang von der Zahlung des Krankentagegeldes bis zum Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente. In dem Beitrag „Krankentagegeld und die Abstimmung auf die Berufsunfähigkeitsabsicherung“ finden Sie zunächst generelle Informationen hierzu. In der Krankentaggeeldversicherung wird die Leistung solange erbracht, wie der Versicherte arbeitsunfähig ist. Dabei ist maßgebend, dass eine Besserung zu erwarten ist und nicht dauerhafte Beeinträchtigung vorliegt, welche zur Nichtausübung des Berufes führt. Dieses wäre dann nicht mehr der Zustand der Arbeitsunfähigkeit, sondern vielmehr der Berufsunfähigkeit. Bereits mehrfach musste sich das oberste Gericht, der Bundesgerichtshof, mit der Frage beschäftigen, ob der Versicherte denn nun noch arbeits- oder schon berufsunfähig ist. Urteile dazu finden Sie in der Unterrubrik Urteile im Downloadbereich.

(c) Sven Hennig, online-pkv.de

Was steht nun in den Bedingungen bei der Gothaer?

In den Versicherungsbedingungen zum Krankentagegeldtarif TG der Gothaer Krankenversicherung findet man folgende Formulierungen dazu:

§ 15 Sonstige Beendigungsgründe

(1) Das Versicherungsverhältnis endet hinsichtlich der betroffenen versicherten Personen (…)

b) mit Eintritt der Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50% erwerbsunfähig ist. Besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt in einem bereits eingetretenen Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit, so endet das Versicherungsverhältnis nicht vor dem Zeitpunkt, bis zu dem der Versicherer seine im Tarif aufgeführten Leistungen für diese Arbeitsunfähigkeit zu erbringen hat, spätestens aber drei Monate nach Eintritt der Berufsunfähigkeit;

(2) Der Versicherungsnehmer und die versicherten Personen haben das Recht, einen von ihnen gekündigten oder einen wegen Eintritts der Berufsunfähigkeit gemäß Abs. 1 Buchstabe b) beendeten Vertrag nach Maßgabe des Tarifs in Form einer Anwartschaftsversicherung fortzusetzen, sofern mit einer Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit zu rechnen ist.

Das bedeutet somit auch, 3 Monate nach (behauptetem) Eintritt der Berufsunfähigkeit, hat der Versicherte keine Einkünfte aus der Krankentageldversicherung mehr. Besteht dann keine Versicherung gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, so entstehen unkalkulierbare finanzielle Lücken. Daher kann der Kunde (auch bei der Gothaer) einen solchen Schutz abschließen. In den Bedingungen zur Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (Druckstück 255103, 01-2011) heißt es dazu:

Der Anspruch auf Versicherungsleistungen entsteht mit Ablauf des Monats, in dem die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Bei verspäteter Meldung leisten wir bis zu drei Jahre ab Zeitpunkt der Meldung rückwirkend. Wenn die Verspätung der Meldung nicht auf das Verschulden des Versicherungsnehmers zurückzuführen ist, leisten wir rückwirkend für die nachgewiesene Zeit der Berufsunfähigkeit.

Klingt doch alles gar nicht schlecht, oder etwa doch nicht?

Dazu schauen wir noch einmal in die beiden Bedingungen und betrachten hier die Definition der Berufsunfähigkeit einmal genauer. In der Krankenversicherung heißt es bekanntlich:

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person nach medizinischem Befund im bisher ausgeübten Beruf auf nicht absehbare Zeit mehr als 50% erwerbsunfähig ist.

In dem Vertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung aber:

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn

a. die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich länger als sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf, wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, tätig zu sein, und

b. sie keiner anderen Tätigkeit nachgeht, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht, und

c. sie auch keiner beruflichen Tätigkeit nachgehen könnte, die sie innerhalb der letzten 12 Monate vor Eintritt der Berufsunfähigkeit konkret ausgeübt hat. Eine frühere berufliche Tätigkeit wird nicht berücksichtigt, wenn der Berufswechsel auf ärztliches Anraten oder wegen eines nicht von der versicherten Person verursachten Wegfalls der früheren Tätigkeit erfolgte.

Hier wird sehr schnell deutlich, das „Berufsunfähigkeit“ nicht gleich „Berufsunfähigkeit“ ist und es daher durchaus vorkommen kann, das der Krankentagegeldversicherer meint man sei berufsunfähig (dann braucht dieser nicht mehr zahlen) und der Berufsunfähigkeitsversicherer das ganz anders sieht und behauptet, man wäre „noch nicht“ berufsunfähig.

Was hat es nun mit der „Service Erklärung“ der Gothaer auf sich?

Denn mit der Service-Erklärung garantieren Gothaer Kranken- und Lebensversicherung AG ihren Kunden eine unkomplizierte, reibungslose und schnelle Leistungsprüfung beim Übergang vom Krankentagegeld auf die Berufsunfähigkeitsrente.

So wird hier eine Garantie ausgesprochen, die für mein Verständnis selbstverständlich sein sollte. Das ein Unternehmen schnell seine Leistungspflicht prüft und reibungslos arbeitet, dazu noch unkompliziert- WOW, aber das erwarte ich sowieso. Weiterhin gibt es, so das Unternehmen weiter, Vorteile die da wären:

– Meldepflicht automatisch erfüllt

– unbürokratischer Ablauf

– schnelle Klarheit über den weiteren Verlauf

– Optimale Nutzung der Nachleistungszeit

FAZIT: Und was bringt mir diese Erklärung nun?

Offen gesagt, außer ein bisschen Marketing, nichts. Das ist einfach zu erklären. Zum einen handelt es sich bei der Servicegarantie um ein Prospekt, welches keinen vertraglich bindenden Charakter hat. Ob es daher in die Versicherungspoilice(n) der jeweiligen Kunden geschrieben wird, also als Klausel oder besondere Bedingung zum Vertragsbestandteil wird, bleibt abzuwarten. Ich habe in der letzten Woche beide Vorstände angeschrieben und um schriftliche Bestätigung zu dieser Frage gebeten.

Einen echten Mehrwert (außer vielleicht die automatische Erfüllung der Meldepflicht) kann ich hier nicht erkennen. Es ist mal wieder etwas aus der Rubrik „unnützes möglichst gut aufbauschen um einen Marketingeffekt zu erzielen“.

Warum die Gothaer das tut, die Frage können Sie sich bestimmt selbst beantworten. Zumal aus meiner Sicht der Berufsunfähigkeitsschutz der Gothaer nicht unbedingt zu den leistungsstärksten zählt. Sollten sie sich dennoch für einen solchen entscheiden oder bereits entschieden haben, so beachten Sie dabei bitte unter anderem die Formulierungen zu der abstrakten Verweisung, dem Berufswechsel und dem Ausscheiden aus dem Beruf, den Vorgaben bei der Nachprüfung, Ausschlüssen im Kleingedruckten und vielem mehr.

Dabei gibt es durchaus Unternehmen, welche solche KT-BU Übergänge vertraglich lösen und auch in Ihre Bedingungen schreiben. Eine solche Formulierung und damit eine die auch einen Mehrwert bringt, finden Sie bei der Halleschen Krankenversicherung und der Alten Leipziger Lebensversicherung. Die Bedingungen Alte Leipziger KT – BU Übergang finden Sie im Downloadbereich unter Versicherungsbedingungen.

Bevor sie also (leider wieder einmal) Prospekten glauben und sich vermeintlichen Garantien hingeben, beachten Sie bitte die Auswahlkriterien der Privaten Krankenversicherung und natürlich auch die Kriterien zur Berufsunfähigkeitsversicherung und lassen sich ausreichend Zeit bei der Suche des für Sie passenden Produktes.

Weiterführende Informationen:

Gothaer Service Erklärung (KT-BU Übergang), Stand 05.2011

“Der Beste Tarif ist der Gothaer MediVita 500? – oder: Was von solchen Versprechungen zu halten ist

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