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01.
November '18

Ab 01. Januar über der Einkommensgrenze – was Sie jetzt noch tun sollten


Es ist jedes Jahr gleich. Arbeitnehmer schauen sich zum Jahresende Ihr Einkommen an und einige freuen sich über ein höheres Einkommen im Vorjahresvergleich. Dabei gibt es eine Reihe von Versicherten, welche nicht nur mehr Geld in der Tasche haben, sondern auch solche die sich von human entschieden können wo und wie sie versichert sein wollen. Doch ganz so einfach und simpel ist es dann doch nicht, es sind einige Hürden zu nehmen, Abläufe zu beachten, nur so funktioniert ein Wechsel auch richtig.

Wer wird zum Jahresanfang versicherungsfrei?

Bevor sich diese Frage beantworten lässt, sind zwei „Zahlen wichtig“. Dabei handelt es sich um die so genannte Jahresarbeitentgeltgrenze. Aber nicht nur die aus 2018 ist wichtig, auch und insbesondere die für 2019 spielt schon heute eine Rolle. (alle Werte finden Sie in der Übersicht)

JAEG 2018: 59.400 EUR

JAEG 2019: 60.750 EUR

Noch eins! Es sind immer Jahreswerte. Natürlich lassen sich diese zur Vereinfachung durch zwölf teilen und man hat einen Wert pro Monat, am Ende ist für die Betrachtung aber immer der Wert über das Jahr wichtig.

Wer also in 2018 bereits das komplette Jahr beschäftigt war, der muss nicht nur die Grenze für 2018 erreichen, nein, auch die neue Grenze für das folgende Jahr muss überschritten werden. Dieses muss jedoch mit dem Einkommen aus 2018 passieren.

Die rechtliche Grundlage zeigt und der Paragraph 5 des Sozialgesetzbuches Nr. 5. Dort heißt es:

(4) Wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird. Dies gilt nicht, wenn das Entgelt die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt. Rückwirkende Erhöhungen des Entgelts werden dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem der Anspruch auf das erhöhte Entgelt entstanden ist.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet es also: Nur wer im Jahr 2018 ein Bruttoeinkommen (was alles zur JAEG zählt lesen Sie hier) von 60.751 EUR oder mehr hat(te), nur der wird ab dem 1. Januar versicherungsfrei und kann sich zwischen den beiden Systemen GKV und PKV selbst entscheiden. Wer hingegen bei einem Einkommen zwischen 59.400 EUR und 60.750 EUR liegt, der bleibt auch weiterhin versicherungspflichtig.

Ausnahme: Beginnen Sie zum 01.11. oder 01.12.2018 ein neues Arbeitsverhältnis und ergibt das hochgerechnete monatliche Bruttoeinkommen einen Wert größer 59.400 EUR, dann sind Sie von Beginn der neuen Tätigkeit versicherungsfrei. Ab dem 01. 01. würden Sie dann versicherungspflichtig, können sich aber von dieser Pflicht befreien lassen.

Welches Einkommen muss wann erreicht werden?

Wie bereits erklärt gibt es unterschiedliche Szenarien.

laufendes Arbeitsverhältnis im gesamten Jahr 2018:

Einkommen muss, auf das Jahr 2018 gerechnet, die neue Grenze von 60.750 EUR überschreiten.

neues Arbeitsverhältnis in 2018 begründet, keine 12 Monate beschäftigt:

Das hochgerechnete (und damit fiktive) Bruttojahreseinkommen für 2018 muss > 59.400 EUR sein. Bereits heute haben Sie auf Ihrer Lohnabrechnung einen Hinweis auf die freiwillige Versicherung. Dort findet sich eine Position „Zuschuss zur freiwilligen Krankenversicherung“ und diese zeigt an, dass Sie bereits heute freiwillig gesetzlich versichert sind.

ACHTUNG nur bei dem Unterschreiten der neuen Grenze von 2019, wie bereits oben beschrieben.

neues Arbeitsverhältnis ab 01. 01. 2019 oder später:

Es muss zwingend die neue Grenze erreicht werden. Dabei wird bei dem Neubeginn des Arbeitsvertrages zu Beginn der Wert fiktiv berechnet. Wer also einen neuen Arbeitsvertrag mit einem monatlichen Bruttogehalt von 5.062,50 EUR oder mehr unterschreibt, der ist von Beginn an freiwillig versichert in der GKV oder versichert sich ab sofort privat.

Wann kann ich mich für die PKV entscheiden?

Wer also bisher gesetzlich versichert ist oder war und nun erfahren hat, sein Einkommen überschreitet auch die 60.750 EUR (JAEG 2019), der kann sich ab Januar zwischen beiden Systemen entscheiden. Für das Jahr 2018 besteht jedoch weiterhin Versicherungspflicht und damit ist hier die gesetzliche Krankenkasse (GKV) nicht zu verlassen. Ab dem 01. Januar sieht das aber anders aus.

Der mögliche Wechsel ist damit erst ZUM 01. Januar 2019 möglich.

Welche Schritte sollten Sie noch in 2018 unternehmen?

Nun gibt es dennoch, auch wenn Sie erst im Januar wechseln können und dürfen, Schritte, welche Sie in 2018 schon unternehmen sollten. In der privaten Krankenversicherung gilt bei fast allen Versicherern das Kalenderjahr-Prinzip um das Eintrittsalter zu ermitteln. Wie das genau funktioniert, habe ich hier in einem Beitrag erklärt.

Das jährliche Rennen zum Jahresende startet in 3, 2, 1… und warum es machmal unsinnig ist

Daher kann es sinnvoll sein, noch im Jahr 2018 die erforderlichen Schritte zu unternehmen und sich das alte Eintrittsalter zu sichern. Das kann und sollte aber nicht voreilig geschehen.

Eine Anwartschaft sichert das heutige Alter

Da das Eintrittsalter über die Höhe der Prämien entscheidet und diese dauerhaft beeinflusst, sind auch kleine Unterschiede von 5, 10 oder 15 EUR pro Monat Auslöser für große Beitragsunterschiede.

Wer mit Anfang dreißig eine Private Krankenversicherung abschließen möchte, der kann durch eine Anwartschaft für den Monat Dezember somit schnell einige tausend Euro sparen.

Ein Beispiel eines meiner aktuellen Beratungskunden. Dieser wird erst zum 01. Januar versicherungsfrei. Zwischen dem Beitrag in 2018 und dem, den er in 2019 zahlen müsste, liegen 15,52 EUR.

Gehen wir von einer Laufzeit von knapp 40 Jahren aus, dann wäre er 71, so belaufen sich die Mehrkosten aufgrund des höheren Eintrittsalters immerhin auf

7,15,42 EUR * 12 Monate * 40 Jahre = 7.401,60 EUR

Davon entfallen noch einige Euro auf den Arbeitgeber und auf die veränderte Lohnsteuer. Aber auch Beitragsanpassungen in der Zukunft haben wir dabei noch nicht berücksichtigt, dadurch wird die Ersparnis eher größer.

Mit einer Anwartschaft sichert sich der Interessent aber das Eintrittsalter 2018. Diese kostet jedoch Geld. Je nach Unternehmen fallen hier zwischen 100 und 200 EUR für den Monat Dezember an und das ohne eine Leistung bei Krankheit. Der Betrag dient nur dazu, das Eintrittsalter und den Gesundheitszustand zu sichern.

Dennoch ist der Aufwand für die Anwartschaft eher überschaubar, zumindest wenn wir über einen Monat sprechen. Es macht weniger Sinn, wenn diese für mehrere Monate oder Jahre benötigt wird, aber zum Jahresende ist diese in den meisten Fällen sehr sinnvoll.

Anwartschaft für den sicheren Weg in die Private Krankenversicherung nach Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze

Achtung! Auswahl der Anwartschaft so sorgfältig, wie den Schutz selbst

Dabei wird die Anwartschaft immer für den Tarif und bei der Gesellschaft abgeschlossen, bei der später auch der Versicherungsschutz bestehen soll. Das setzt jedoch voraus, dass die Auswahl der Tarife, das Auswerten von Auswahlkriterien bereits abgeschlossen ist.

Lassen Sie sich daher damit nicht Zeit bis zum Jahresende, dann ist es schnell zu spät und nicht mehr zu schaffen. Auch wir als Ihr Berater haben am Jahresende nicht unbegrenzt Kapazitäten.

Wer also zum Jahresende in die PKV kann und möchte und dieses heute schon weiß, der sollte sich jetzt um die Auswahl der Tarife, das Festlegen von Kriterien und die Beratung kümmern. Nur so ist ein entspannter und durchdachter Wechsel möglich.

Weitere Informationen finden Sie auch hier:

10.
September '18

Sozialversicherungswerte für 2019 steigen deutlich – höhere Grenze für den PKV Wechsel


Alle vorläufigen Werte, inkl. Arbeitgeberzuschuss und Berechnung der Höchstbeiträge finden Sie hier.

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019

Es ist Anfang September und normalerweise hatten wir in den letzten Jahren zumindest schon alle vorläufigen Zahlen für das kommende Jahr. Dieses Jahr ist es anders, denn erst am 18. September 2018 soll über die neuen Beitragssätze der Arbeitslosen- und Rentenversicherung beraten werden. Dennoch will Focus Money Online (diese geben das Redaktionsnetzwerk Deutschland als Quelle an) schon einige Werte ab 2019 erfahren haben.

ACHTUNG: Es handelt sich hier um VORLÄUFIGE Zahlen und es ist noch nicht klar, wie die Beitragssätze der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung im kommenden Jahr aussehen. Daher lässt sich auch der neue Arbeitgeberzuschuss, der dann ebenfalls steigt, noch nicht berechnen.

Soweit aber die nun vorläufigen Werte bekannt sind, möchte ich Ihnen diese natürlich nicht vorenthalten. Daher hier eine erste Information über die Werte, wie Sie im Jahr 2019 voraussichtlich aussehen werden.

Versicherungspflichtgrenze Krankenversicherung 2019

Die Grenze, ab der sich Versicherte für eine gesetzliche oder private Krankenversicherung entscheiden können, die so genannte JAEG (Jahresarbeitentgeltgrenze) steigt im Jahr 2019 auf 60.750 EUR und damit um 1.350 EUR.

NEUE JAEG 2019: 60.750 EUR p.a. oder 5.062,50 EUR p. Monat

Beitragsbemessungsgrenzen 2019

Auch die Grenzen zur Beitragsbemessung steigen weiter an. So findet auch in diesem Jahr eine Anpassung der Grenzen an die allgemeine Lohnentwicklung statt. Dabei ergeben sich für das Jahr 2019 folgende, voraussichtliche Werte.

Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Krankenversicherung 2019: 54.450 EUR p.a. oder 4.537,50 EUR p. Monat

Die Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung sind weiter nach Ost und West getrennt.

Beitragsbemessungsgrenze Rente OST: 73.800 EUR p.a. oder 6.150 EUR p. Monat (+ 4.200 EUR p.a.)

Beitragsbemessungsgrenze Rente WEST: 80.400 EUR p.a. oder 6.700 EUR p. Monat (+ 2.400 EUR p.a.)

Auch kommt eine weitere Neuigkeit hinzu, wie ich bereits vor einigen Monaten schrieb. Die PARITÄTISCHE Versorgung in der Krankenversicherung kehrt zurück. Damit steigt für weitere PKV Versicherte der Zuschuss der Arbeitgeber deutlich an.

Rückkehr zur paritätischen Versorgung in der GKV – mehr Arbeitgeberzuschuss für PKV Versicherte

Weitere Zahlen, die Entwicklung des Arbeitgeberzuschusses und auch die zusammengefassten Sozialversicherungswerte 2019 finden Sie hier im Blog, sobald alle Zahlen bekannt sind. Alle bisher bekannten Zahlen hier in der Übersicht.

Diese Übersicht steht Ihnen kostenfrei als BILDDATEI oder auch als PDF zum Download zur Verfügung.

13.
September '17

Liegt Ihr Einkommen zwischen 57.600€ und 59.400€ im Jahr 2017, werden Sie vor. ab 01. Januar versicherungspflichtig in der GKV – was Sie jetzt tun können


Es ist wie jedes Jahr und so sind auch heute bereits die

Sozialversicherungswerte und der Arbeitgeberzuschuss 2018

jetzt bekannt. Ebenfalls wie in jedem Jahr hebt der Gesetzgeber damit die Jahresarbeitentgeltgrenze, die so genannte Versicherungspflichtgrenze, erneut an und verhindert damit für einige den Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV). Doch für wen sich genau welche Unterschiede ergeben und was diese Menschen nun tun können um das gewünschte Ziel zu erreichen, dass habe ich einmal hier genauer zusammengestellt, sind es doch gerade diese Fragen welche sich nun häufen.

Personen die heute GKV versichert sind

Beginnen wir dabei mit denen, die heute neu in die private Krankenversicherung wechseln möchten und damit sich vielleicht eine Option mehr offen halten wollen, die später eine Entscheidung für oder gegen Einheitskasse ermöglicht. Dabei muss auch hier das Einkommen genau betrachtet werden und der heutige Status.

Erstmaliges Überschreiten der JAEG 2017 in diesem Jahr

Wer bisher unter der Grenze verdient hat und damit pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse war, der kann durch Überschreiten der JAEG von 2017 versicherungsfrei werden. Dazu ist es zunächst einmal erforderlich, mit dem SV pflichten Bruttoeinkommen in der Lohnabrechnung die Grenze von 57.600 € zu überschreiten.

Ist eine solche Überschreitung IM LAUFENDEN ARBEITSVERHÄLTNIS für das Jahr 2017 zu erwarten, so tritt Versicherungsfreiheit ab dem 01. Januar nur dann ein, wenn auch die voraussichtliche Grenze für das Folgejahr (in unserem Fall 50.400 € in 2018) überschritten wird. Wer aber ein Einkommen von mehr als 57.600€ aber unter 59.400€, der wird zum 01. Januar 2018 NICHT aus der Pflicht zur GKV entlassen.

  • – Einkommen in 2017 über 59.400 € = Wechsel auch später in 2018 noch möglich
  • – Einkommen zwischen 57.600 € und 59.400 € erstmalig in 2017 = kein Wechsel mehr in 2018 möglich
  • – NEUER Job in 2017 mit hochgerechnetem Einkommen über 57.600 € aber unter 59.400 € = Wechsel derzeit (bis 30.11.) noch möglich
  • – NEUER Job in 2017 mit (hochgerechnetem) Einkommen über 59.400 € = Wechsel auch in 2018 noch möglich

Vergleichbare Regelungen treffen dann zu, wenn es sich um eine gravierende Änderung des Arbeitsverhältnisses handelt. Wer also eine neue Stelle im gleichen Unternehmen annimmt, befördert oder versetzt wird, für den gelten die oben genannten Werte ebenfalls.

Heute schon freiwillig versichert

Wer im Jahre 2016ein Bruttojahreseinkommen von 56.250 € überschritten hat und zudem auch die JAEG für 2017 von 57.600 € erreichte, der war und ist schon jetzt freiwillig versichert. DIESE Personen haben derzeit ein Wahlrecht für die gesetzliche Krankenkasse oder die private Krankenversicherung.

Wer sich bisher für die freiwillige gesetzliche Krankenkasse entschied und dieses noch ändert möchte, der kann sich mit einer Kündigungsfrist zum Ende des übernächsten Monats aus der GKV verabschieden. Kündigung im September bedeutet daher Ende der GKV zum 30.11.2017. Das ist zudem die LETZTE Möglichkeit die GKV zu verlassen für all diejenigen, welche die Grenze in 2018 (59.400 €) nicht erreichen und dennoch in die PKV möchten.

Eine Kündigung der GKV ist risikolos möglich, auch wenn Sie sich noch nicht sicher sind. Wer seine GKV kündigt (eine Bindungsfrist von 18 Monaten gibt es hier nicht, auch wenn die Kassen das gern behaupten –> HIER nachlesen), der kann sich bis 30. 11. 2017 noch überlegen welches System das richtige für ihn ist.

Lesetipp: Nicht jeder der kann und darf gehört auch in die PKV – wohl überlegte Entscheidungen sind wichtig

Also nochmals in Stichpunkten:

  • – heute noch GKV versichert und freiwillig, EK unter 59.400 € aber über 57.600 €, Wechsel nur noch mit GKV Kündigung bis 30.09.
  • – Einkommen über 59.400 € = Wechsel auch später

Personen die heute privat versichert sind

Hier muss unterschieden werden, wie das Jahreseinkommen aussieht oder aussehen wird. Dazu schauen wir uns zunächst noch einmal die genauen Grenzen für die Jahre 2016 bis 2018 an. Die Versicherungspflichtgrenze liegt also

  • – in 2016 bei 56.250 € pro Jahr (es ist immer eine Jahresgrenze)
  • – in 2017 bei 57.600 € pro Jahr
  • – in 2018 bei 59.400 € pro Jahr

Dadurch erheben sich unterschiedliche Szenarien für bereits heute privat Krankenversicherte Kunden. Liegt Ihr Einkommen aus einer angestellten Tätigkeit im Jahr 2017 über 57.600 € aber UNTER 59.400 €, so werden Sie ab dem 01. 01. 2018 wieder Pflichtmitglied in der GKV. Laufende Behandlungen werden dann nicht mehr durch die PKV übernommen, die Leistungspflicht endet mit dem Ablauf der Versicherung ab dem 31.12.2017.

Wer damit also DURCH DAS ANHEBEN der Versicherungspflichtgrenze (JAEG) versicherungspflichtig wird, der hat eine

Befreiungsmöglichkeit auf Antrag

und kann dann in der privaten Versicherung bleiben. Eine solche Befreiung ist im Sozialgesetzbuch V geregelt und findet sich dort im Paragraphen acht. Dort heisst es dazu:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 8 Befreiung von der Versicherungspflicht

(1) Auf Antrag wird von der Versicherungspflicht befreit, wer versicherungspflichtig wird

1.
wegen Änderung der Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 6 Satz 2 oder Abs. 7,
(…)
(2) Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse zu stellen. Die Befreiung wirkt vom Beginn der Versicherungspflicht an, wenn seit diesem Zeitpunkt noch keine Leistungen in Anspruch genommen wurden, sonst vom Beginn des Kalendermonats an, der auf die Antragstellung folgt. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden. Die Befreiung wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist.
(3) Personen, die am 31. Dezember 2014 von der Versicherungspflicht nach Absatz 1 Nummer 2a befreit waren, bleiben auch für die Dauer der Nachpflegephase nach § 3 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe c des Familienpflegezeitgesetzes in der am 31. Dezember 2014 geltenden Fassung befreit. Bei Anwendung des Absatzes 1 Nummer 3 steht der Freistellung nach § 2 des Familienpflegezeitgesetzes die Nachpflegephase nach § 3 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe c des Familienpflegezeitgesetzes in der am 31. Dezember 2014 geltenden Fassung gleich.

Das bedeutet für Sie, wenn Sie absehen können mit dem Jahreseinkommen 2017 die neue Grenze für 2018 (59.400 €) nicht mehr zu erreichen, dann können Sie über eine solche Befreiung nachdenken und sich diese überlegen. Wägen Sie bitte dabei die Vor- und Nachteile ab und lassen sich genau beraten.

Die Befreiung kann (FÜR DIESEN GRUND) nicht widerrufen werden. Das bedeutet: Wird die JAEG nochmals angehoben, so werden Sie nicht mehr versicherungspflichtig. Treten andere Gründe ein, wie zum Beispiel:

  • – Arbeitslosigkeit
  • – Elternzeit
  • – pflichtige Beschäftigung etc.

so werden Sie auch hier wieder ERNEUT versicherungspflichtig.

Sinkendes Einkommen ist KEIN Befreiungsgrund

Ganz wichtig: Die Möglichkeit der Befreiung von der gesetzlichen Krankenkasse haben nur diejenigen, welche DUCH DIE ERHÖHUNG der Grenze versicherungspflichtig werden. SINKT Ihr Einkommen jedoch durch eine Änderung des Arbeitsvertrages unter die existierende Grenze, so tritt Versicherungspflicht ein und eine Befreiung ist hier NICHT möglich. Daher ist eine solche Möglichkeit keine Option um bei fallenden Einkünften in der privaten Krankenversicherung bleiben zu können.

17.
Mai '17

Welche Einkünfte zählen zur Jahresarbeitentgeldgrenze (JAEG) und bestimmen die Versicherungspflicht mit


Die Beurteilung, ob ein Arbeitnehmer freiwillig versichert oder doch weiterhin versicherungspflichtiges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse ist, führt immer wieder zu Diskussionen und Irritationen. In einigen Fällen haben auch die Lohnabteilungen des Arbeitgebers eine andere Auffassung, der Mitarbeiter ist wiederum anderer Meinung und die Krankenkasse legt einen noch anderen Maßstab an. So passiert es durchaus häufig, dass sich hier mehrere Meinungen erheben und am Ende niemand mehr weiss wer recht hat.

Versicherungspflicht- und freiheit von Arbeitnehmern

Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegen den Regelungen des Sozialgesetzbuches V, welches im Paragraphen 5 die Versicherungspflicht regelt. Der Folgeparagraph 6 regelt zudem, wann eine Versicherungspflicht für den Arbeitnehmer endet. Dort heisst es:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 6 Versicherungsfreiheit

(1) Versicherungsfrei sind
1. Arbeiter und Angestellte, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze nach den Absätzen 6 oder 7 übersteigt; Zuschläge, die mit Rücksicht auf den Familienstand gezahlt werden, bleiben unberücksichtigt,

(…)

(4) Wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschritten, endet die Versicherungspflicht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie überschritten wird. Dies gilt nicht, wenn das Entgelt die vom Beginn des nächsten Kalenderjahres an geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt. Rückwirkende Erhöhungen des Entgelts werden dem Kalenderjahr zugerechnet, in dem der Anspruch auf das erhöhte Entgelt entstanden ist.

(7) Abweichend von Absatz 6 Satz 1 beträgt die Jahresarbeitsentgeltgrenze für Arbeiter und Angestellte, die am 31. Dezember 2002 wegen Überschreitens der an diesem Tag geltenden Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei und bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen in einer substitutiven Krankenversicherung versichert waren, im Jahr 2003 41 400 Euro. Absatz 6 Satz 2 bis 4 gilt entsprechend.

Regelmäßiges Arbeitsentgelt

Bei der Frage, welche Einkünfte und Einkunftsarten bei der Frage „wird die JAEG überschritten“ zu berücksichtigen sind, ist zunächst auch hier wieder auf das Sozialgesetzbuch abzustellen.

Als Berechnungsgrundlage zur Feststellung des regelmäßigen Jahresarbeitsentgelts ist das regelmäßige Arbeitsentgelt (§ 14 Abs. 1 SGB IV) aus der Beschäftigung, deren Versicherungspflicht bzw. Versicherungsfreiheit zu beurteilen ist, heranzuziehen.

Nur Einkünfte, welche regelmäßig wiederkehrend auftreten und auf die der Arbeitnehmer einen entsprechenden vertraglichen Anspruch hat, nur solche Einkünfte können auch bei der Berechnung berücksichtigt werden. Aber: Diese Einkünfte müssen regelmäßig und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens einmal jährlich gezahlt werden. Zum regelmäßigen Arbeitsentgelt zählen also (nicht abschließend):

  • – vertraglich vereinbartes Arbeitseinkommen (Lohn, Gehalt etc.)
  • – geldwerter Vorteil für ein KfZ (1% Regel z.Bsp.)
  • – Urlaubsgeld
  • – Weihnachtsgeld
  • – vermögenswirksame Leistungen
  • – regelmäßige Gewinnbeteiligungen (wenn diese sicher gezahlt werden)
  • – Vergütungen für Bereitschaftsdienste und Zuschläge (Schicht- oder Erschwernis)
  • – Überstundenvergütungen zählen aber nur dann dazu, wenn diese pauschal gezahlt werden.
  • – vertragliche Ansprüche auf Mindestbeträge für variable Bestandteile
  • – leistungsbezogene Vergütungen (nur mit dem garantierten Mindestbetrag)

Nicht zu berücksichtigende Einnahmen

Alle Einkünfte/ Einnahmen, welche sich in §1 der Sozialversicherungsentgeltverordnung – SvEV finden, gelten nicht als ein solches Einkommen und beeinflussen die Frage „wird die JAEG überschritten“ daher nicht. Zu den NICHT anzurechnenden Einkünften gehören somit: (nicht abschließend)

  • – variable Zahlungen und Lohnbestandteile
  • – Familienzuschläge, Zuschläge mit Rücksicht auf den Familienstand
  • – einmalige Einnahmen, laufende Zahlungen, Zuschläge und Zuschüsse die zusätzlich zu Lohn- und Gehalt gezahlt werden, soweit diese lohnsteuerfrei sind (es gilt NICHT für Sonn- und Feiertagszuschläge generell)
  • – Lohnfortzahlungen nach §10 Entgeltfortzahlungsgesetz
  • – Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld
  • – Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld, Saison-Kurzarbeitergeld (soweit unter der 80% Grenze)
  • – Leistungen des Arbeitgebers an eine Unterstützungskasse, Pensionsfond etc.
  • – Leistungen des Arbeitgebers für eine Direktversicherung
  • – Sachprämien
  • – vom Arbeitgeber übernommene Studiengebühren
  • – steuerfreie Aufwandsentschädigungen nach §3 Nr. 26 und 26a des Einkommensteuergesetzes
  • – Elterngeld, Wohngeld, Kindergeld (auch wenn vom AG abgerechnet)
  • – Beträge, welche ein Wertguthaben nach § 7b SGB IV aufbauen (diese zählen erst bei Inanspruchnahme)

auch andere Einkünfte, welche nicht aus der aktuellen Beschäftigung stammen, zählen nicht zur aktuellen JAEG, so zum Beispiel:

  • – Renten
  • – Versorgungsbezüge
  • – Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • – Kapitalerträge
  • – Unterhaltsleistungen

Weiterhin NICHT berücksichtigt werden bei der Frage nach der Versicherungsfreiheit auch Einkünfte

  • – aus einer neben dem Angestelltenverhältnis bestehenden Selbstständigkeit
  • – Einkünfte aus geringfügiger Beschäftigung (hier Besonderheiten beachten, falls gleicher Arbeitgeber)

Mehrfachbeschäftigung

Üben Sie mehr als eine Tätigkeit aus und sind somit mehrfach beschäftigt, so ist die versicherungsrechtliche Beurteilung etwas komplizierter. Hier sind dann die regelmäßigen Arbeitsentgelte aus allen Beschäftigungen zusammenzurechnen, wenn die jeweilige Beschäftigung für sich betrachtet zunächst Versicherungspflicht für den Arbeitnehmer begründen würde.

„Eine Zusammenrechnung der regelmäßigen Arbeitsentgelte findet ebenfalls statt, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt aus einer Beschäftigung (für sich betrachtet) bereits die Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreitet; infolge der Zusammenrechnung ist auch in allen weiteren Beschäftigungen von einem Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze auszugehen, sodass die Versicherungsfreiheit nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB V auf alle Beschäftigungen ausstrahlt.“

JAEG, Familienversicherung und Planung

Bei der Frage welche Einkünfte zu berücksichtigen sind und was nicht anrechenbar ist, ist immer eine sehr individuelle Überprüfung vorzunehmen. Je nachdem welches Ziel verfolgt wird, kann hiermit sowohl eine Versicherungsfreiheit, aber auch eine eintretende Versicherungspflicht begründet werden. Dabei sind individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, gerade bei Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses durchaus möglich und mit dem Arbeitgeber zu besprechen.

Auch durch Änderungen am Arbeitsvertrag, dem Abschluss einer Direktversicherung oder sonstige betrieblichen Altersvorsorge oder der Einführung neuer Lohnbestandteile, pauschaler Abgeltungen von Überstunden oder ähnlichem sind hier Änderungen auch laufend möglich.

Die aktuellen Sozialversicherungswerte 2017 und damit die Frage, welche Grenze überschritten werden muss, finden Sie in meinem Beitrag

Sozialversicherungswerte 2017, Arbeitgeberzuschuss, Jahresarbeitentgeltgrenze und mehr

Bei geplanten Änderungen an einem laufenden Arbeitsverhältnis haben Sie daher bitte auch immer die oben genannten Einkünfte im Blick, nicht das es zu bösen Überraschungen oder gar einer rückwirkenden Versicherungspflicht mit entsprechenden Nachzahlungen führt. Auch bei der Frage der Familienversicherung der Kinder (Lesetipp: Mein Kind muss dann auch in die PKV) spielen diese Zahlen hier eine entscheidende Rolle.

20.
Oktober '15

Beitragserhöhung bei den gesetzlichen Krankenkassen zum 01.01.2016 – was es Sie mehr kostet


Es wird teurer… wie immer also? Nicht ganz, denn in diesem Jahr kommen neben der Änderung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenkasse (–> neue Sozialversicherungswerte 2016) auch noch steigende Beiträge in der GKV hinzu. Seit längerem steigt die Beitragsbemessungsgrenze jährlich an. Eine Erhöhung dieser Grenze führt zur Erhöhung des Höchstbetrages, welches dann zunächst nur diejenigen betrifft, die mit dem Einkommen diese Grenze überschreiten.

Im Jahr 2016 werden pro Jahr dann nicht mehr „nur“ von 49.500 € Jahreseinkommen berechnet, sondern für weitere 1.350 €. Die neue Beitragsberechnung in der gesetzlichen Krankenkasse liegt somit ein maximal anrechenbares Einkommen von 50.850 € zu Grunde. Der Höchstbeitrag ab 2016 ändert sich somit ebenfalls und berechnet sich wie folgt:

Krankenversicherung: 4.237,50 € * 14,6% = 618,68 € (bisher 602,25 €, 16,43 € + Zusatzbeitrag für AN allein)

Pflegepflichtversicherung: 4.237,50 €* (2,35% + 0,25% (Kinderlose)) =  110,18 € (bisher 107,25 €, +2,931 €)

GESAMT sind in der Krankenversicherung dann 728,86 € (bisher 709,50 €, +19,36 €)

pro Monat von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu entrichten, + Zusatzbeitrag den die Kasse prozentual (vom eigenen Einkommen) erheben kann.

Das ist jedoch nur der eine Teil. Auch die Krankenkassen passen Ihre Beitragssätze an, richtigerweise die Zusatzbeiträge. Schauen wir uns als Beispiel die IKK Nord an, ist diese im Jahr 2015 mit einem Zusatzbeitrag von 0.9% gestartet, steigt dieser nun auf 1,3%. Was auf den ersten Blick gar nicht viel klingt, „lausige 0,4%“, katapultiert die IKK Nord an die Spitze der Zusatzbeiträge, zumindest derzeit.

Schon heute haben wir in der GKV keine „halbe-halbe“ Aufteilung mehr, die Zeiten sind längst vorbei. Der Arbeitnehmer zahlt ab 2016, inkl. Pflegeversicherung einen Beitrag von 369,72 € und damit +9,81 € gegenüber dem Vorjahr 2015. Doch das ist lange nicht alles und gilt nur dann, wenn der Versicherte bei einer von 4 Kassen versichert ist, welche keinen Zusatzbeitrag erheben. Die Masse der GKV’en erhebt aber einen zusätzlichen Beitragsanteil von 0,9%, manche sogar mehr, bis hin zu 1,3%.

Berechnet auf die Bemessungsgrenze 2016 bedeutet das also:

Beitrag GKV und Pflege = 369,72 EUR

Zusatzbeitrag (1,3% auf 4.237,50 €) = 55,09 € (bei 0.9% = 38,13 €)

Ein Versicherter der IKK Nord zahlt somit einen Gesamtbeitrag von monatlich 424,80 € (bei 0.9% 407,86 €). Gegenüber dem Jahr 2015 ergibt sich bei Versicherten der IKK, welche den Höchstsatz zahlen, ein monatlicher Mehrbeitrag von 27,78 € oder auf den Zahlbeitrag 2015 bezogen einen Anstieg um 6,9%.

Verdienen Sie unter der Beitragsbemessungsgrenze oder passt Ihre Krankenkasse den Zusatzbeitrag nicht so stark an, so fällt die Anpassung etwas geringer aus.

GKV 2015 2ß16 Diagramm IKK NordWelche Faktoren beeinflussen den Beitrag in der GKV?

Der entscheidende Faktor ist Ihr Einkommen. Dieses bestimmt die Höhe des Beitrages zur GKV im Wesentlichen, wird doch der Beitragssatz davon berechnet. Zweiter Faktor ist die Wahl der Krankenkasse, denn einige erheben keinen Zusatzbeitrag, andere wiederum bis zu 1,3%. Das mag auf den ersten Blick nicht viel klingen, ist es aber. Liegt ihr Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze, so macht dieser Zusatzbeitrag zwischen derzeit null und 55,09 € aus, monatlich und ohne weiteren AG Zuschuss.

Dritter Faktor ist die Beitragsbemessungsgrenze, aber nur dann wenn Ihr Einkommen darüber liegt. Steigt diese, so steigt auch der Beitrag, da mehr Einkommen beitragspflichtig wird. Genaue Details wie sich das auswirkt finden Sie im Beitrag zu den –> Sozialversicherungswerten 2016.

Zusatzbeiträge

Die Kassen berechnen, je nach wirtschaftlicher Lage, individuelle Zusatzbeiträge. Diese sind veränderbar und müssen vom Arbeitnehmer allein getragen werden. Die aktuelle Übersicht über die derzeitigen Zusatzbeiträge finden Sie im Downloadbereich unter „Gesetzliche Krankenkassen“ oder hier mit direktem Link auf die „–> Übersicht über die derzeitigen GKV Zusatzbeiträge der bundesweit geöffneten Kassen„.

Was können Sie tun?

Ist Ihnen der Betrag zu hoch oder gefallen Ihnen die Leistungen nicht mehr, so ist nach Ablauf der 18monatigen Bindungsfrist ein Wechsel zu einer anderen GKV möglich. Sind Sie hingegen freiwillig versichert, dann können Sie auch in die private Krankenversicherung wechseln. Dieses sollte aber nicht nur wohl überlegt sein, –> man muss sich einen Schutz in der PKV auch leisten können und wollen, zum Geld sparen ist die PKV nichts.