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28.
März '20

Kurzarbeit und die Private Krankenversicherung – Fragen und Antworten


Das Thema Kurzarbeit und private Krankenversicherung, aber auch das Thema Kurzarbeit generell beschäftigt aktuell viele Arbeitnehmer und Unternehmen. Dabei tauchen auch hier im LiveChat immer wieder fast gleiche Fragen auf. Ich habe mich daher entschlossen einige von diesen Fragen etwas zu bündeln und eine einer Art „FAQ“ zusammenzusammeln. Sollten Ihnen weitere Fragen einfallen, senden Sie diese gern über das Kontaktformular, im LiveChat oder als Kommentar zu diesem Beitrag.

Bitte beachten Sie zudem vorab: Dieser Beitrag stellt eine Sammlung von Fragen und Antworten dar. Eine individuelle Beratung oder gar Rechtsberatung ist hier weder erlaubt noch möglich. Dazu wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt oder Steuerberater.

HINWEIS: Sie können direkt auf die Fragen klicken und springen direkt dort hin.

1.) Tritt durch Kurzarbeit Versicherungspflicht ein?

Nein. Allein durch die Kurzarbeit tritt keine Versicherungspflicht ein. In der Zeit der Kurzarbeit wird weiter ein fiktives Einkommen in der identischen Höhe wie bisher angenommen und damit gibt es (fiktiv) kein verändertes Einkommen.

Das bedeutet also. Haben Sie zum Beispiel Januar bis März ein Bruttoeinkommen von 6.000 € gehabt und diese reduziert sich durch Kurzarbeit in den Monaten April bis August auf 2.000 € (oder einen anderen Betrag), so bleibt Ihr anzurechnendes Jahreseinkommen zur JAEG (und damit zur Prüfung ob Versicherungspflicht eintritt) bei 72.000 €. (Dabei werden 12 Monate a 6.000 € angesetzt)

Auszug aus dem Rundschreiben der Spitzenverbände der Krankenkassen „Versicherungsfreiheit von Arbeitnehmern bei Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze vom 20. März 2019“:

Ein bei vorliegender Versicherungsfreiheit nur vorübergehendes Unterschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze, das ohne Auswirkungen auf den Versicherungsstatus bleibt, wird nur in engen Grenzen für zulässig und vertretbar erachtet und ist auf wenige Sachverhalte beschränkt. In Betracht kommen im Wesentlichen die Fälle der Kurzarbeit (mit Ausnahme des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld) und der stufenweisen Wiedereingliederung in das Erwerbsleben. In diesen Fällen bleibt der Versicherungsstatus für die Dauer des jeweiligen Tatbestandes unverändert. Dies ist gerechtfertigt, da das aus Anlass der Kurzarbeit oder der Wiedereingliederung ausfallende regelmäßige Arbeitsentgelt durch eine Entgeltersatzleistung (Kurzarbeitergeld bzw. Krankengeld) ersetzt wird und der eigentliche Entgeltanspruch dem Grunde nach unberührt bleibt.

1.1.) Wie wird die Kurzarbeit am Jahresende bei dem Gesamteinkommen berücksichtigt?

Hierbei ist es, wie unter 1.) beschrieben. Nicht nur bei der monatlichen Bewertung, auch bei der Betrachtung der Jahreseinkünfte wird hier fiktiv weitergerechnet und der Arbeitgeber meldet hier keine Versicherungspflicht. Das sollten Sie jedoch am Jahresende selbst im Auge behalten, da hier Fehler schnell zu größeren Problemen führen können.

2.) Wie berechnet sich das Kurzarbeitergeld – Onlinerechner

Das Kurzarbeitergeld (KUG) berechnet sich nach einem fixen Satz. Dabei muss zuerst der Einkommensverlust durch die Kurzarbeit berechnet werden.

Würden wir eine Steuer nicht berücksichtigen, so sieht das vereinfacht so aus.

  • bisheriges Brutto: 6.000 €
  • Kurzarbeit 50% Brutto (0-100% möglich): 3.000 €
  • Differenz: 3.000 €

Das Kurzarbeitergeld beträgt nun 60% (ohne Kinder) oder 67% (mit Kinderfreibetrag).

Mit dem Rechner (EXTERNER ANBIETER) oder vielen anderen Kurzarbeitergeldrechnern können Sie das exakte Kurzarbeitergeld berechnen.

Mit diesem Rechner lassen sich die Auswirkungen einer Kurzarbeit berechnet. Nach Eingabe Ihrer persönlichen Daten erhalten Sie Ihre individuelle Berechnung des Kurzarbeitergeldes.

2.2.) Kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocken?

Ja, der Arbeitgeber kann, wenn es seine Leistungsfähigkeit zulässt, das Kurzarbeitergeld aufstocken. Dabei gelten einige Besonderheiten, welche sich hier insbesondere mit den Sozialabgaben auf diesen Zuschuss beschäftigen.

Generell gelten zunächst die gleichen Eckdaten wie bisher bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes (KUG). Dabei ist das bisherige Einkommen das so genannte SOLL-Entgelt.

Das Einkommen während der Kurzarbeit das so genannte IST-Entgelt.

Darauf aufgesetzt folgt das Kurzarbeitergeld, nach den Sätzen 60% des entfallenden Einkommens bei Arbeitnehmern ohne Kinder und 67% bei Arbeitnehmern mit Kindern.

JETZT folgt die Aufstockung.

Hierbei ist es zulässig, das IST Entgelt + Kurzarbeitergeld (das wäre der Betrag den der Arbeitnehmer während der Kurzarbeit bekommt, noch weiter zu erhöhen, um den Einkommensverlust der Arbeitnehmer weiter zu reduzieren. Dabei ist eine Erhöhung BIS ZU 80% des ausgefallenen (und durch KUG ersetzten) Arbeitsentgeltes möglich, ohne Beiträge (Sozialabgaben) hierauf zu zahlen.

Die Aufstockung von 80% bis zum vollen Nettoeinkommen des Arbeitnehmers ist auch möglich, dann aber nicht mehr beitragsfrei (Sozialabgaben).

WICHTIG: Beide Stufen der Aufstockung sind jedoch steuerpflichtig.

Detailliert und mit Beispielen finden Sie dieses auf den Seiten von Lohn-Info erklärt, welche Sie unter dem folgenden LINK erreichen.

3.) Was passiert mit Firmenwagen, Vermögenswirksamen Leistungen und weiteren Lohnbestandteilen?

Auch hier ist genauer zu prüfen welche Bestandteile in die Berechnung einfließen. Lexware, der Anbieter der Lohnabrechnersoftware für Arbeitgeber hat hierzu bereits Informationen in seinem Handbuch veröffentlicht.

Dabei gehören verschiedene Lohnbestandteile zu dem so genannten SOLL Entgelt, also dem Lohn, welcher für die weitere Berechnung des Kurzarbeitergeldes benötigt wird. (Quelle: Lexware)

Soll-Entgelt ist das beitragspflichtige Bruttoarbeitsentgelt (max. BBG RV), das der Arbeitnehmer ohne den Arbeitsausfall im Anspruchszeitraum (Kalendermonat) erzielt hätte.

Dazu zählen folgende Entgeltbestandteile:

  • – vermögenswirksame Leistungen
  • – Anwesenheitsprämien
  • – Leistungs- und Erschwerniszulagen
  • – Feiertage
  • – Beitragspflichtige Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nacharbeit
  • – bezahlter Urlaub
  • – überlassener Dienstwagen (geldwerter Vorteil)
  • – Sozialversicherungspflichtige Zusatzleistungen des Arbeitgebers zur betrieblichen Altersvorsorge

Nicht zum Soll-Entgelt gehören:

  • – Mehrarbeitsvergütungen (Stundenlöhne und Zuschläge)

  • – Einmalzahlungen

  • – steuer- und beitragsfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit

Sprechen Sie bitte mit Ihrem Steuerberater oder Lohnbüro bei weiteren individuellen Fragen zur Anrechnung für das Kurzarbeitergeld. Bitte beachten Sie auch, dass ein Dienstwagen, welcher weiter benutzt werden darf, auch weiter zu bezahlen ist.

Bitte beachten Sie auch die Verbesserungen bei dem Kurzarbeitergeld, welche die Bundesregierung aufgrund der Corona Pandemie am 18.03.2020 beschlossen hat. Hier ist unter anderem auch die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch die Arbeitsagentur enthalten. Nachzulesen bei HAUFE.

4.) Wie bekomme ich bis zu 100% Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung bei Kurzarbeit?

Hier gibt es einen großen Unterschied zu der Zeit bei „normaler Arbeit“. Während Sie dort maximal 50% des PKV Beitrages und dieses zudem gedeckelt auf die Höchstbeiträge des Arbeitgeberzuschuss vom Arbeitgeber bekommen, ist das bei Kurzarbeit anders.

Denn für einen Teil der Bezüge ist diese Begrenzung aufgehoben. So bekommen

Arbeitnehmer in Kurzarbeit bis zu 100% des Beitrages zur PKV

von Ihrem Arbeitgeber erstattet. Sind in Ihrem Vertrag auch noch Kinder oder Partner mit versichert, so gilt dieses auch für deren Beiträge. Leider ist die Berechnung des dann neuen Arbeitgeberzuschusses etwas kompliziert und auch vielen Arbeitgebern nicht bekannt.

Daher habe ich Ihnen in einem alten Blogbeitrag in 2019 bereits hier erläutert.

Dennoch fällt es vielen schwer hier eine entsprechende Berechnung für sich vorzunehmen. Daher bieten wir eine solche Berechnung an. Für eine Pauschale von 5 € erhalten Sie eine Berechnung, welche Sie dann dem Arbeitgeber mitgeben können und ebenfalls für sich genaue Werte haben.

Damit tun Sie noch etwas Gutes, da das Geld einem Kinderhospiz und einem Kinderhilfsverein zu Gute kommt. Die Details finden Sie hier. Mit dem folgenden Formular können Sie eine Berechnung mit Ihren Daten anfordern.

5.) Muss ich den Arbeitgeber informieren oder es aktiv beantragen?

Theoretisch nicht. Praktisch schon.

Für viele Arbeitgeber ist die Situation mindestens genau so neu und viele Lohnabteilungen mussten bisher nie Kurzarbeit abrechnen. Daher seien Sie bitte etwas nachsichtig, wenn auch hier nicht alles reibungslos klappt. Nehmen Sie einfach Ihre individuelle Berechnung (siehe 4.) mit und erleichtern Sie somit allen die Arbeit.

Die Lohnabteilungen rechnen meist nachschüssig ab. Also bekommen Sie im April noch den Lohn für März ohne Kurzarbeitergeld. Daher ist auch der erhöhte Arbeitgeberzuschuss zeitversetzt, denn er gilt nur für die Abrechnungsmonate mit Kurzarbeit. Danach erfolgt wieder die Deckelung auf die Höchstbeiträge und 50% des zu zahlenden Beitrages.

Weitere Fragen?

Fällt Ihnen noch etwas ein? Haben Sie weitere Fragen oder möchten Sie etwas zu Ihrem PKV Schutz wissen? Fragen Sie einfach über die bereits angesprochenen Wege.

Ein Hinweis noch: Bevor Sie an dem vorhandenen Vertrag zur PKV etwas ändern, lassen Sie sich bitte beraten. Voreilige Änderungen lassen sich manchmal nicht mehr korrigieren und sollten wohl überlegt sein. Auch Versicherer bieten hier unterschiedliche Lösungen an, die uns alle Helfen durch diese Zeit zu kommen.

Bleiben Sie gesund!

19.
März '20

PKV Arbeitgeberzuschuss bei Kurzarbeit – so bekommen Sie bis zu 100% des Beitrages


Die Zeit um und mit Corona hat uns alle fest im Griff. Dank Verbesserungen im Kurzarbeitergeld und aufgrund der angespannten Situationen bei Unternehmen nutzen diese immer häufiger Kurzarbeitergeld.

Eine Berechnung und weitere detaillierte Informationen zum Arbeitgeberzuschuss bei Kurzarbeitergeld habe ich bereits in 2019 erstellt und in dem folgenden Blogbeitrag beschrieben.

Kurzarbeit und die private Krankenversicherung – warum es bis zu 100% Zuschuss zum Beitrag gibt

Aufgrund vieler Nachfragen und Wünschen nach Berechnungen des individuellen Zuschusses durch Ihren Arbeitgeber, welcher bis zu 100% des Beitrages für Sie und die Kinder/ PartnerIn betragen kann, habe ich in den letzten Tagen ein entsprechendes Tool erstellt. Mit diesem können Sie:

  • – nach Eingabe von altem Brutto und Brutto während der Kurzarbeit

  • – und Angabe der PKV Beiträge im Detail

eine einseitige Berechnung im Detail erstellen. Diese stellt den erhöhten Arbeitgeberzuschuss dann genau dar.

Leider wissen viele Personalabteilungen und Büros zur Lohnabrechnung auch hier nich über alle Details und die gesetzlichen Hintergründe Bescheid. Hier hilft eine detaillierte Aufstellung ungemein.

Wie kommen Sie an Ihre individuelle Abrechnung

Dabei müssen wir unterscheiden, wo Ihr PKV Vertrag betreut wird.

Von mir betreute PKV Kunden

Sollten Sie Ihre private Krankenversicherung bei mir damals abgeschlossen haben oder sollte ich Ihren Vertrag direkt betreuen, dann erstellen wir Ihnen diese Modellrechnung mit den detaillierten Daten gern KOSTENFREI und unverbindlich.

Es reicht aus, wenn Sie mir per E-Mail folgende Daten übermitteln.

  • – Bruttoeinkommen bisher

  • – Bruttoeinkommen während der Kurzarbeit (reduziertes Brutto)

  • – Beitrag zur PKV

  • – Beitrags zur Pflegepflichtversicherung

Alle anderen PKV Kunden, Lohnbüros, Interessierte

Haben Sie Ihre private Krankenversicherung anderweitig abgeschlossen und wird diese anderweitig oder bei dem Versicherer direkt betreut, oder haben Sie nur Interesse an einer Modellrechnung, dann können Sie diese selbstverständlich auch bekommen.

Seit mehreren Jahren, fast nun einem Jahrzehnt, unterstütze ich mit solchen Berechnungen, Tools und mehr die Arbeit eines Kinderhospizes und einen Kinderhilfsverein meiner Hausärztin. HIER mehr Details. Das möchte und werde ich auch hier wieder tun.

Gegen eine

Pauschale von 5 €

erhalten Sie, nach Bekanntgabe Ihrer Daten, auch diese Berechnung. Diese Beträge werde ich wieder sammeln und dann auf beide Organisationen verteilt spenden.

FORMULAR zur Anforderung der Berechnung

Alternativ können Sie- wenn online- mir die Daten auch im LiveChat übermitteln und für die „Bezahlung“ auf

diesen Link klicken.

Auch in der Email mit dem oben genannten Link finden Sie alle Daten.

Lassen Sie uns gemeinsam aus der unerfreulichen Sitiation Kurzarbeit noch eine kleine aber schöne Aktion machen.

Bei Fragen gilt wie immer- fragen!

Weitere Informationen finden Sie im folgenden Beitrag.

Kurzarbeit und die Private Krankenversicherung – Fragen und Antworten

29.
November '19

Beitragserhöhung bekommen? Egal ob Signal, Axa, DKV, Allianz oder andere, hier Hinweise und Tipps was zu tun ist und was besser nicht


Es ist Ende November. Wie jedes Jahr verschicken einige Krankenversicherungen derzeit die Schreiben zur Beitragsanpassung und – neu in diesem Jahr – alle die Anpassungen in der Pflegeversicherung. Damit ist auch die Zeit gekommen, in der Anfragen über mein kostenloses LiveChat Angebot noch stärker ansteigen und immer mehr Fragende sich auf der Suche nach einem Tipp an mich wenden.

Damit dieses Angebot auch weiterhin (zeitlich und personell) realisierbar bleibt, nutze ich diesen Beitrag, um häufige Fragen zu bündeln und direkt zu beantworten. Daher haben Sie bitte Verständnis, dass Sie ggf. auch im LiveChat hier her geleitet wurden und Ihre Frage hier ausführlicher beantwortet ist.

  1. Warum passt mein Versicherer die Beiträge an?
  2. Sollte ich nun kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln?
  3. Müssen alle versicherten Personen wechseln?
  4. Wie lange habe ich das Recht zur Kündigung?
  5. Soll ich schon einmal vorsorglich kündigen?
  6. Kann ich meine Kinder allein woanders versichern?
  7. Was passiert mit meinen Rückstellungen?
  8. Ist ein Altersentlasungsbaustein (Beitragsentlastung) sinnvoll?
  9. Bekomme ich meine Beitragsrückerstattung auch dann, wenn ich zum 01. Januar wechseln würde?
  10. Wenn schon wechseln, dann mit Anwartschaft – ein Jahr jünger in die PKV!

1.) Warum passt mein Versicherer die Beiträge an?

Die Beitragsanpassung in der privaten Krankenversicherung hat verschiedene Gründe und oft auch solche, die einige von Ihnen eher als „das sagen die eh nur um einen Grund zu suchen“ sehen. Im Wesentlichen bedarf eine Krankenversicherung immer dann einer Anpassung, wenn die Gefahr besteht seine Leistungen, ohne eine solche Anpassung nicht mehr dauerhaft erfüllen zu können.

Dabei spielen Gründe wie die längere Lebenserwartung, die gestiegenen Arzt-/ Gesundheitskosten und auch (entscheidend) die andauernd niedrigen Zinsen eine Rolle. Zu den Gründen und der Zusammensetzung einer Anpassung finden Sie unter dem Punkt PKV/Beitragsanpassung hier auf der Webseite einige detailliertere Informationen.

Doch gerade den Punkt „niedrige Zinsen“ möchte ich hier noch einmal etwas genauer aufgreifen. Die Central hatte das neulich in einem Brief in Zahlen, ich habe mich für ein Diagramm entschieden.

In der privaten Krankenversicherung werden Teile des monatlichen Beitrages zurückgelegt und verzinst, um hiermit die Kosten im Alter zu finanzieren. Nehmen wir also an, die Lebenserwartung ändert sich nicht und auch die Kosten nicht, sondern nur die Zinsen.

Wir legen also 100 € monatlich an und erhalten – bei 3,5% Zinsen – nach 30 Jahren 63.541 €.

Nun sinken die Zinsen am Kapitalmarkt um 1%, also erhalten wir nur noch 53.536 €. Blöd, denn wir brauchen ja die 63.000 €, um unsere Gesundheitskosten zu finanzieren, denn nur weil es weniger Zinsen gibt, wird ja der Kapitalbedarf nicht geringer.

Also müssen wir mehr Geld zur Seite legen, um den gleichen Endbetrag zu haben. In unserem Fall benötigen wir genau 118,69 €, um nach 30 Jahren mit 2,5% genau den Endbetrag zu haben, den wir mit 100 € bei 3,5% erhalten haben.

Übertragen auf die PKV bedeutet das: Wir müssen den monatlichen Beitrag/ die Rücklage um 18% erhöhen, damit am Ende alles bleibt wie es ist.Das ist nun eine sehr vereinfachte Darstellung und natürlich abhängig vom Alter, der Restlaufzeit, bereits angesparten Rückstellungen und vielen Faktoren mehr. Aber es zeigt – hoffe ich – Ihnen sehr verständlich und einfach warum der Versicherer hier reagieren muss.

2.) Sollte ich nun kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln?

Niemals, absolut niemals ist eine Beitragsanpassung allein ein Grund den privaten Krankenversicherungsvertrag zu kündigen. Es kann ein Anlass sein sich mit dem Umfang des Schutzes, der Tarifwelt des Versicherers oder dem eigenen Leistungsanspruch zu beschäftigen.

Allein aufgrund einer Anpassung sollten Sie aber nicht kündigen. In anderen Artikeln habe ich aber bereits weitere Details geliefert und diese auch, getrennt nach Gesellschaften. So finden Sie hier zum Beispiel etwas zu Lesen.

Einige Anbieter glauben nun, mit einem (befristeten) Bonus kann man Kunden halten, welche sonst gegangen wären. So falsch es ist einfach zu kündigen, so gefährlich und unlogisch ist auch ein solcher Bonus.

Was Sie aber nun dennoch tun können und sollten, das finden Sie in den Empfehlungen am Ende des Artikels. Doch nun weiter mit anderen Fragen.

3.) Müssen alle versicherten Personen wechseln?

Nehmen wir an Sie haben schon gekündigt oder wollen (nicht allein aus Gründen der BAP) wechseln. Häufig kommt die Frage auf, was mit mitversicherten Personen passiert und ob alle oder keiner wechseln können. Gerade bei mitversicherten Kindern, Ehepartnern kann es durchaus vorkommen, dass einer nicht mehr so gesund und in der Lage ist zu wechseln.

Auch wenn es hier manchmal haarsträubende Aussagen im Netz gibt, Sie können die Kündigung allein entscheiden und sich auch selbst für jede Person entscheiden. Möchten Sie also die Kinder bei dem alten Unternehmen lassen und selbst einen anderweitigen Schutz nutzen, so geht das Problemlos. Achten Sie nur bei der Kündigung darauf, nur die gewünschten Personen zu kündigen.

Auch Versicherer, welche sonst Kinder gar nicht allein versichern würden, können das Kind nicht einfach „vor die Tür setzen“ oder darauf bestehen dieses auch wechseln zu lassen.

Im Übrigen gibt es auch nur für die Kunden ein Sonderkündigungsrecht, deren Beiträge angepasst werden. Ist das bei einzelnen Personen nicht so, so kann auch diese nicht kündigen. Einige Ausnahmen machen Unternehmen bei Kindern. Wechselt ein Elternteil aufgrund einer Anpassung, KANNN (aus Kulanz) der Versicherer das Kind auch mit wechseln lassen, muss es aber nicht.

4.) Wie lange habe ich das Recht zur Kündigung?

Die Regelungen zur Kündigung nach einer Beitragsanpassung finden sich in den gesetzlichen Grundlagen. Schauen wir daher einmal in den §205 VVG.

(4) Erhöht der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel die Prämie oder vermindert er die Leistung, kann der Versicherungsnehmer hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung für den Zeitpunkt kündigen, zu dem die Prämienerhöhung oder die Leistungsminderung wirksam werden soll.

Weitere Informationen zu einer Kündigung der PKV auch im Artikel:

Wer also jetzt erst seine Beitragsanpassung bekam oder bekommt, der hat noch alle Zeit der Welt.

5.) Soll ich schon einmal vorsorglich kündigen?

Nein, das sollten Sie nicht. Hierbei ist es zwar durchaus möglich, dass bei fehlendem Nachweis der Folgeversicherung eine solche Kündigung dann unwirksam wird und Sie bei dem Versicherer bleiben müssen, das gilt aber nicht für alle Bestandteile des Tarifes und daher ist hier Vorsicht geboten.

6.) Kann ich meine Kinder allein woanders versichern?

Ja. Genau wie schon bei Frage 3 angesprochen, können auch die Kinder allein versichert werden. Aufpassen sollten hier Angestellte nur auf einen Punkt. Der Arbeitnehmer, welcher den Zuschuss vom Arbeitgeber auch für die Familienangehörigen in der PKV haben möchte, der muss auch Versicherungsnehmer sein. Es muss eben nicht der gleiche Versicherer sein, aber der VN muss immer der Arbeitnehmer sein.

Es geht also nicht, dass die Mutter einen Antrag für die Kinder stellt und hier VN wird und der Vater bei seinem Arbeitgeber dann den Zuschuss für die Kinder bekommt. Der Versicherer stellt die Bescheinigung nach 257 SGBV nur für den aus, der auch Inhaber des Vertrages ist.

7.) Was passiert mit meinen Rückstellungen?

Auch diese Frage ist leider pauschal nicht zu beantworten. Dazu sind eine Reihe weiterer Informationen nötig, da es über die Jahre ganz unterschiedliche Verträge gab. Daher ist es wichtig zu wissen WANN der Vertrag abgeschlossen wurde und ob ggf. hier Änderungen vorgenommen wurden.

Erst kürzlich abgeschlossene Verträge in der Privaten Krankenversicherung besitzen sogenannte portierbare Rückstellungen. Also können die angesammelten Alterungsrückstellungen zu einem neuen Unternehmen mitgenommen werden. Das gilt auch und insbesondere für Gesetzlichen Zuschlag und andere Komponenten. Dennoch ist immer das neue Gesundheitsrisiko und Eintrittsalter zu beachten.

Bei alten Verträgen hingegen kann es durchaus sein, dass diese Rückstellungen nicht mitzunehmen sind und daher dann beim Versicherer verbleiben.

8.) Ist ein Altersentlasungsbaustein (Beitragsentlastung) sinnvoll?

Bei jeder Anpassung kommt es zur gleichen Überlegung. Soll ich privat oder innerhalb der Krankenversicherung noch eine zusätzliche Sicherheit einbauen und einen so genannten Altersentlastungstarif abschließen?

Auch hier gibt es keineswegs ein generelles JA oder NEIN. Es ist immer von der Situation abhängig. Dafür sprechen mehr Sicherheit im Alter, die Anrechenbarkeit bei der Steuer und ggf. ein Arbeitgeberzuschuss. Dagegen die schwierige „Mitnahme“ solcher Gelder, die Weiterzahlung im Alter und einiges mehr.

9.) Bekomme ich meine Beitragsrückerstattung auch dann, wenn ich zum 01. Januar wechseln würde?

Eine der häufigsten Fragen. Es geht um die Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit im Jahr 2019. Wer nun wechselt und damit zum 01. Januar den Versicherer verlassen möchte, der verzichtet auch auf die Auszahlung der Beitragsrückerstattung.

Diese ist zwar generell kein Kriterium bei der Auswahl des Versicherers und sollte es auch nie sein, aber man muss eben wissen was hier passiert. Die Versicherer haben in den Bedingungen eine Regelung, welche einen ungekündigten und bezahlten Vertrag an einem Stichtag voraussetzt. Das ist oft im Juni oder Juli und somit können Sie nicht zum Januar kündigen.

Jetzt zu glauben „dann mache ich das nächstes Jahr“ ist aber genauso unsinnig, denn diese Regelung gilt dann für das Folgejahr natürlich auch wieder.

10.) Wenn schon wechseln, dann mit Anwartschaft – ein Jahr jünger in die PKV

Kommen Sie nun aber nach den (folgenden) Kriterien zu dem Ergebnis, der Tarif und auch der Versicherer passen nicht mehr zu Ihnen und Sie „wollen da weg“, dann überlegen Sie bitte zumindest das Thema Anwartschaft. Mit einer solchen können Sie auch zum 1. Januar noch mit dem Eintrittsalter 2019 in die neue Gesellschaft wechseln. Dieses erfordert einen Beitrag für den Monat Dezember, der rechnet sich aber sehr schnell. Alle weiteren Informationen hierzu und Hinweise was es zu beachten gibt, habe ich in meinem Beitrag zusammengefasst.

Mindestens genauso wichtig ist aber, Ruhe zu bewahren und sich nicht hetzen oder gar von Beratern unter Druck setzen zu lassen. Mehr dazu und warum das schlecht und schlimm ist, finden Sie hier:

Beitragsanpassung in Ihrem Tarif – Fakten – Infos und was Sie tun können und sollten

Wichtig ist zunächst

RUHE BEWAHREN

– NICHTS ÜBERSTÜTZEN –

SICH NICHT HETZEN LASSEN

Jeder, egal ob Berater, Bekannte, Freunde und Kollegen, die Sie zu etwas überreden oder zu einem schnellen Entschluss drängen wollen, die setzten Sie am besten (zumindest bei diesem Thema) gedanklich vor die Tür. Es bringt einfach nichts.

Übrigens, Freunde und Bekannte sind – auch wenn diese zufrieden sind bei ihrem Versicherer – kein guter Ratgeber. Warum lesen Sie im HIER IM Beitrag.

Bevor Sie sich einen Berater suchen, oder mich gern um Rat fragen, benötigen wir und auch jeder andere Berater einige erste Informationen.

  • Wo sind Sie versichert?
  • Wie alt sind Sie?
  • Seit wann sind Sie versichert?
  • Wie genau heißt Ihr Tarif?
  • Was wurde genau erhöht?
  • Was genau stört Sie an dem Tarif?
  • Warum denken Sie über einen Wechsel nach?

Wenn Sie den nun folgenden Link nutzen, können Sie Ihre Antworten einfach direkt in der Mail dahinter schreiben. Die Erstinformation und Datenschutzerklärung finden Sie hier zum Download.

ALLE FRAGEN MIT EINEM KLICK HIER AUSFÜLLEN

Nachdem Sie anscheinend bis hierher nicht aufgegeben haben und immer noch dabei sind, hier noch einige Links mit weiteren Informationen und Hinweisen, insbesondere zu den Auswahlkriterien und dem generellen Prozess.

Weitere Informationen, Links und Videos mit Hilfestellungen zur Auswahl erhalten Sie bei Bedarf direkt per Mail.

03.
Oktober '19

LiveChat – ein kostenloses Angebot für schnelle Hilfe


… und ein Versuch die Frage „Warum machen Sie das mit dem LiveChat und das auch noch kostenlos?“

Eine der am häufigsten gestellten Fragen und meist von Kollegen gestellt. Vieles an Informationen, Fragebögen, Leitfäden oder Übersichten hier auf meiner Seite sind aus einem einfachen Grund entstanden. Eigener Faulheit 🙂

Nachdem ich vieles immer und immer wieder unterschiedlichen Menschen erklärt habe, habe ich Fragebögen entworfen, Leitfäden und/ oder Bücher geschrieben und damit allen das Leben erleichtert. Zum einen wird es leichter für Sie, denn Sie haben die Möglichkeit Informationen nachlesbar zu machen und sich bei Bedarf (erneut) anzuschauen. Auf der anderen Seite ist es auch für mich einfacher/ zeitsparender und ermöglicht mir damit Zeit „freizuschaufeln“ und damit Zeit für andere Dinge zu haben.

Wie alles anfing

Vor einigen Jahren nahmen dann auch die Anrufe zu, meist Anrufe die „ich habe mal eine kurze Frage“ als Hintergrund hatten. Diese habe ich, soweit zeitlich machbar, auch dann schon immer kostenlos beantwortet. Das Problem was sich dann ergab?

Am Telefon lassen sich zwar Fragen beantworten und Sachen einfach schnell erklären, aber es fehlt oft die ergänzende Möglichkeit weiterführende Informationen zu übermitteln.

In der Praxis war es dann oft so, dass ich im Anschluss nach dem „Ich-habe-mal-eine-Frage-Telefonat“ dann E-Mails verschickt habe und hier weitere Links zu Blogbeiträgen oder Unterlagen verschickt. Das bindet dann am Ende aber so viel Zeit, dass es schlichtweg nicht mehr machbar war.

Die Idee des Live Chats entstand auch hier eher aus einer Laune heraus und als ich damit anfing, im Dezember 2014, gab es das schon in anderen Bereichen, aber bei Maklern und in der Versicherungsbranche eher nicht. Doch warum eigentlich nicht?

Gerade wenn Sie sich auf der Seite hier aufhalten und sich Beiträge durchlesen, Fragebögen anschauen und informieren, gerade dann entstehen Fragen und Rückfragen. Warum also diese dann nicht einfach beantworten?

Fragen und Antworten zum LiveChat

Zu dem Angebot des Live Chats gab es in den letzten Monaten immer einmal wieder Fragen. Daher habe ich einige dieser Fragen aufgegriffen und werde diese nun hier im Beitrag beantworten. Fangen wir damit mit einer der am Häufigsten gestellten Frage an.

Ist es ein Chat Bot?

Interessant, denn in Zeiten immer unpersönlicherer Hotlines und ausgelagerten Servicecenter, ist dieses eine der Fragen welche Sie als Besucher beschäftigt. So kommt oft vor der eigentlichen Fragen eben genau diese und die kann ich ganz klar und eindeutig beantworten.

NEIN, wenn der Chat online ist und Ihnen als PopUp Fenster angeboten wird, dann ist es niemals ein Bot, sondern (mehr …)

11.
Oktober '18

Wenn Arzt oder Krankenhaus die Zusendung der Krankenakte verweigern


In über zwanzig Jahren in der Branche erlebt man durchaus spannende, aber auch haarsträubende Sachen. Nun ist es kein Geheimnis, dass die Einsicht in die eigene Krankenakte bis auf ganz wenige Einzelfälle ein verbrieftes Recht ist. Gerade bei dem (geplanten) Abschluss einer Versicherung mit Gesundheitsfragen, aber auch aus rein persönlichem Interesse sollte und möchten die Patienten wissen, was in der Krankenakte geschrieben steht.

Mit diesem Artikel erhalten Sie

  • – Informationen zur Beschaffung Ihrer Krankenakte
  • – Hintergrundwissen zu der rechtlichen Voraussetzung
  • – Hinweise, falls der Arzt oder das Krankenhaus die Zusendung verweigert
  • – Hinweise was zu tun ist, wenn der Arzt auf eine Anfrage Ihrer Versicherung besteht
  • – ein kostenfreies Musterformular zum Versand an Arzt und Krankenhaus
  • – einen Hinweis auf Auskunft nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Schon in der Vergangenheit schrieb ich über die Beschaffung der Krankenakte, um eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung zu vermeiden. Anscheinend versuchen aber einige Ärzte und Krankenhäuser jetzt eine neue Masche, daher hier noch einmal etwas detailliertere Informationen dazu.

Warum ist der Auszug aus der Krankenakte wichtig?

Nicht erst seit dem Abrechnungsskandal in der gesetzlichen Krankenversicherung in den letzten Jahren ist klar, der Patient sollte wissen was in seiner Akte steht. Auch wenn es viele Ärzte und Behandler gibt, welche sehr sauber arbeiten und einen großartigen Job machen, gibt es auch hier schwarze Schafe. Da werden dann schnell einmal Diagnosen dazu erfunden, um so einen höheren Betrag abrechnen zu können.

Aus harmlosen Rückenbeschwerden wird ein Bandscheibenvorfall, aus der Magengrippe schnell eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Klar interessiert es den (GKV versicherten) Patienten zunächst nicht, da die Abrechnung direkt mit der Kasse erfolgt. Doch was passiert, wenn später in einem Leistungsfall der Kranken(zusatz)- oder Berufsunfähigkeitsversicherung der Versicherer nachforscht? Was passiert, wenn sich dort Diagnosen finden, welche dem Kunden so nicht bekannt waren?

Wollen Sie dann anfangen zu diskutieren und mit dem Arzt (der dann vielleicht schon an einen Nachfolger übergeben hat) zu verhandeln, was, warum und wie in Ihrer Akte steht? Sicher nicht, zumal das Kind dann meist in den Brunnen gefallen ist.

Wer sagt, dass mein Arzt mir die Akte auch aushändigen muss?

Es gibt eine Reihe von gesetzlichen Grundlagen, welche ein Auskunftsrecht des Patienten regeln. Dennoch bedeutet es nicht, dass Sie das Original einfach beim Arzt abholen können, denn dieses steht dem Arzt natürlich zu. Eine Kopie hingegen kann er Ihnen nicht verweigern.

Grundlage ist zunächst der Paragraph 10 der Berufsordnung für Ärzte. Dieser regelt gleich mehrere Verpflichtungen für den Arzt und die Rechte des Patienten. Daher zerlegen wir den Paragraphen einmal etwas und schauen uns an was der Arzt kann und darf:

§ 10 MBO-Ä 1997 – Dokumentationspflicht

(1) Ärztinnen und Ärzte haben über die in Ausübung ihres Berufes gemachten Feststellungen und getroffenen Maßnahmen die erforderlichen Aufzeichnungen zu machen. Diese sind nicht nur Gedächtnisstützen für die Ärztin oder den Arzt, sie dienen auch dem Interesse der Patientin oder des Patienten an einer ordnungsgemäßen Dokumentation.

Zunächst ist es kein „ich schreibe mal etwas auf“, sondern der Arzt MUSS eine Krankenakte führen und dokumentieren. Das tun die Ärzte auch. Doch oft weigern diese sich, die Akte dann herauszugeben. Aber auch das findet sich in der Berufsordnung, nun dem Absatz zwei des gleichen Paragraphen.

(2) Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen in die sie betreffende Dokumentation Einsicht zu gewähren, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische Gründe oder erhebliche Rechte der Ärztin, des Arztes oder Dritter entgegenstehen. Auf Verlangen sind der Patientin oder dem Patienten Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben.

Ja, es gibt einige, insbesondere psychische Erkrankungen, wonach eine solche Herausgabe problematisch ist. Dieses bedarf aber ganz speziellen Gründen und muss medizinisch begründbar sein. Selbst dann ist eine Herausgabe an einen anderen Arzt durchaus denkbar und auch hier besteht ein entsprechender Anspruch des Patienten. Doch zunächst ist nun klar, wenn Sie eine Kopie möchten, dann bekommen Sie auch eine, ob es dem Arzt passt oder nicht.

Der Arzt verlangt, dass die Versicherung direkt anfragt, und nun?

Das ist leider ein neuerdings häufiger vorkommendes Problem. Einige Ärzte versprechen sich dadurch ein Honorar, denn wenn die Versicherung spezielle Fragen stellt oder andere Angaben und Einschätzungen vom Arzt anfordert, dann kann dieser eine solche Leistung abrechnen. Möglich wäre hier die Gebührenziffer 80 oder 85, ggf. auch noch weitere. Diese wären dann entsprechend mit dem Steigerungssatz zu erhöhen.

Sollte also Ihr Arzt oder das Krankenhaus auf eine Anfrage der Versicherung bestehen, oder gar andere Auskünfte komplett verweigern, erklären Sie freundlich aber bestimmt den Hintergrund. Sie möchten die Krankenakte für sich, ebenso möchten Sie nicht vorab Daten an die Versicherung geben, um sich die Möglichkeit der anonymen Voranfrage nicht zu verbauen.

Der Arzt oder das Krankenhaus verweigern die Zusendung, nur Abholung sei möglich?

Eine weitere „Masche“ um es dem Patienten schwerer zu machen, es wird angeboten die Akte beim Arzt einsehen zu können, aber Kopien werden verweigert. Oder aber es ist wie in diesem Fall, welcher mit im LiveChat mehrfach vorgetragen wurde.

Hier sehen wir schon das nächste Problem. Bedingt durch Umzug, eine neue Arbeitsstelle oder einfach private Gründe, kann eine Zusendung per Post der einzig praktikable Weg sein. Das Krankenhaus hier verweigert das aber. Es will (und beruft sich dabei auf den Datenschutz) eine Zusendung verhindern.

Zunächst einmal, DATENSCHUTZ IST WICHTIG. Schließlich möchten Sie auch nicht, dass jemand anderes einfach so Ihre Krankenakte abholen soll und Einsicht in sehr vertrauliche Unterlagen bekommt. Daher ist es zwingend erforderlich, die berechtigten Interessen und die eigene Identität nachzuweisen.

Den Patienten aber deshalb dazu zu zwingen hunderte Kilometer zu fahren, nur um eine Auskunft aus der Akte zu bekommen? Sicher nicht. Doch wie können Sie eine solche „sichere Übertragung“ ermöglichen, ohne dort vorbei zu fahren?

Kopie des Personalausweises mit Anschrift, ggf. mit Beglaubigung

Zunächst einmal werden Sie um einen Nachweis Ihrer Identität nicht umhin kommen. Einfach und unkompliziert ist dieses mit einer Kopie des Personalausweises (auf dem sind Ausweisnummer und andere irrelevante Daten zu schwärzen) möglich. Sollte der Arzt es darauf anlegen Sie zu ärgern, so wird er ggf. zusätzlich auf einer Beglaubigung bestehen. Nur so ist sichergestellt, dass auch Sie den Ausweis kopiert haben und jemand das Original eingesehen hat.

Eine Beglaubigung ist bei offiziellen Stellen (wie zum Beispiel Stadtverwaltung, Landkreis) oder auch bei jedem Notar möglich. Dieser verlangt dafür eine Gebühr von 10-20 Euro, bestätigt Ihnen aber dann die Richtigkeit der Kopie.

Diese reichen Sie dann bei dem Arzt oder Krankenhaus ein und weisen so das berechtigte Interesse nach.

Zusendung wird dennoch verweigert?

Jetzt argumentieren die Krankenhäuser oder einige Ärzte immer noch, man kann es Ihnen nicht zusenden, schließlich könne den Brief ja jeder lesen. Auch das lässt sich aber lösen. Der Weg dazu, das Einschreiben eigenhändig. Ein Service der Deutschen Post.

Mit dieser besonderen Variante des Einschreibens wird dieses nur gegen Unterschrift und nur Ihnen persönlich, oder einem ausdrücklich Bevollmächtigten, ausgehändigt. Somit geht der Absender sicher, dass diese Unterlagen nicht in falsche Hände gelangen können. Hierfür fallen bei dem Absender Kosten an. Diese liegen (in 2018) für ein Einschreiben/eigenhändig bei 4,65 EUR zzgl. dem normalen Porto je nach Größe des Briefes.

Bieten Sie dem Absender also diese Variante zusätzlich an und erklären auch, die Kosten zu übernehmen, so haben wir auch diese „Verhinderungstaktik“ erledigt. Ein weiterer Weg kann auch die Zusendung an Ihren Hausarzt sein, dort können Sie dann die Unterlagen persönlich und gegen Unterschrift abholen.

Was passiert bei Schließung der Praxis?

Auch hierfür hat der Paragraph 10 eine Lösung. Dort heißt es:

(3) Ärztliche Aufzeichnungen sind für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht nach gesetzlichen Vorschriften eine längere Aufbewahrungspflicht besteht.

(4) Nach Aufgabe der Praxis haben Ärztinnen und Ärzte ihre ärztlichen Aufzeichnungen und Untersuchungsbefunde gemäß Absatz 3 aufzubewahren oder dafür Sorge zu tragen, dass sie in gehörige Obhut gegeben werden. Ärztinnen und Ärzte, denen bei einer Praxisaufgabe oder Praxisübergabe ärztliche Aufzeichnungen über Patientinnen und Patienten in Obhut gegeben werden, müssen diese Aufzeichnungen unter Verschluss halten und dürfen sie nur mit Einwilligung der Patientin oder des Patienten einsehen oder weitergeben.

(5) Aufzeichnungen auf elektronischen Datenträgern oder anderen Speichermedien bedürfen besonderer Sicherungs- und Schutzmaßnahmen, um deren Veränderung, Vernichtung oder unrechtmäßige Verwendung zu verhindern. 2Ärztinnen und Ärzte haben hierbei die Empfehlungen der Ärztekammer zu beachten.

Gibt es also keinen Nachfolger, so muss der Arzt selbst dafür sorgen, dass Sie zehn Jahre lang an Ihre Unterlagen kommen. Da dieses in der Realität jedoch schwer werden kann, gerade wenn dann Kontaktdaten fehlen, empfiehlt sich bei Umzug immer direkt eine Kopie mitzunehmen, oder direkt bei Abschluss der Behandlung alle Daten zu kopieren.

Weiterhin sollten Sie sich regelmäßig um ein Update Ihrer Akte kümmern, es spricht nichts dagegen einmal im Jahr eine solche Kopie zu verlangen.

Warum kann die die Unterlagen nicht per E-Mail bekommen?

Nun, das liegt in der Sicherheit der E-Mail und der fehlenden Kontrolle wer diese liest. Ausgenommen sich sicherer E-Maildienste wie die damals eingeführte DE Mail, aber auf diese Diskussion würde ich es gar nicht erst ankommen lassen.

Die Anforderung kann ggf. noch per Mail erfolgen, wenn es sich um unterschriebene und gescannte Unterlagen handelt. Dennoch würde ich diese Anforderung immer per Post im Original senden, am besten auch per Einschreiben um einen Nachweis des Zugangs zu haben.

Krankenhausentlassungsbericht oder Krankenakte?

Krankenhäuser versenden oft einen Entlassungsbericht oder geben Ihnen den mit. Ich für meinen Teil möchte aber- nicht unbedingt zur Freude der Klinik- gern die Kopie der kompletten Krankenakte haben. Nicht weil ich dem Arzt im Bericht nicht glaube, sondern weil mir Laborbefunde oder weitere Unterlagen und Werte aus der Akte wichtig sind und eine Aussage/ Kopie von Tageswerten aus dem Labor nun einmal aussagekräftiger ist, als ein Satz im Entlassungsbericht a la „Der Laborwert ging über den Aufenthalt auf den Normalwert zurück.“

Das kann auch für eine spätere/ weitere Behandlung wichtig sein.

Welche Kosten muss ich tragen?

Wie wir vorhin im Paragraphen 10 schon gelesen haben, sind die Kosten für die Kopien von dem Patienten zu tragen. Kosten für das Anfertigen der Kopien oder weitergehende Kosten jedoch nicht.

Zudem sollten die Kosten angemessen sein. Die Gebührenordnung nennt dabei für Kopien Kosten von 0,17 EUR pro Seite. Ich persönlich halte sogar 30 Cent für durchaus noch „im Rahmen“. Vielmehr sollte es aber nicht sein.

Auch glauben anscheinend einige Ärzte dazu noch die Arbeitszeit für das Kopieren abrechnen zu können. Dafür gibt es aber meines Erachtens keine rechtliche Grundlage.

Wollen Sie die Unterlagen zugesandt haben, so müssen Sie natürlich auch die Kosten für den Versand und ggf. das Einschreiben zahlen. Schickt der Arzt es mit einem normalen Brief an Ihre Anschrift, können Sie bei der Anforderung auch einen Freiumschlag beilegen.

Musterbrief zur Anforderung

Ich habe meinen, seit Jahren genutzten, Musterbrief zum Jahresbeginn nochmals angepasst. Dieser steht Ihnen auch weiterhin zum kostenfreien Download und Verwendung zur Verfügung.

Laden Sie diesen bitte zuerst herunter und speichern diesen lokal auf Ihrem Computer. Danach lassen sich die Felder in der pdf ausfüllen und dann ausdrucken/ speichern und an den Arzt bzw. das Krankenhaus versenden.

DOWNLOAD als ausfüllbare PDF – Musterformular Anforderung Patientenakte/ Krankenakte

DOWNLOAD als ausfüllbare WORD – Musterformular Anforderung Patientenakte/ Krankenakte