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22.
November '20

Beitragsanpassung in der PKV – das sollten Sie jetzt tun


Am letzten Wochenende haben viele von Ihnen Post bekommen. Die Beitragsanpassung in der PKV lag im Briefkasten oder Ihrem Online-Postfach des Versicherers. In den nächsten Tagen werden daher einige „windige Berater“ die Kunden anrufen und die Gespräche enden oft mit „Ich habe da eine Alternative, Sie müssen dann wechseln zu Versicherer XYZ.“

Warum es ein fataler Fehler sein kann, übereilt nach der Beitragsanpassung in der PKV zu wechseln und wann ein solcher Wechsel dennoch sinnvoll sein kann, das schauen wir uns gemeinsam heute in diesem Beitrag an.

Zuerst aber möchte ich Sie noch auf meinen (zugegeben recht langen Beitrag) zur Beitragsanpassung in der PKV hinweisen. Hier habe ich nicht nur die Hintergründe beschrieben, sondern auch den Vergleich zu der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und einen Ausblick wie dieses in Zukunft weitergehen wird und kann.

Beitragsanpassung in der PKV

Doch nun schauen wir uns konkret an, was Sie genau tun können um eine solche Anpassung entweder abzumildern, oder aber generell eine Änderung der Tarife und Bausteine zu überlegen.

Beitragsanpassung in der PKV – diese Fragen sollten Sie sich jetzt stellen

Zuerst einmal sind Fakten und Zahlen wichtig, um überhaupt seriös und sinnvoll eine solche Anpassung bewerten zu können. Dabei sollten Sie sich einige Fragen stellen, ohne diese kann Ihnen kein Berater sinnvoll helfen und Tipps geben. Nur wenn Sie sich über die Fragen Gedanken machen und klar ist, was Ihnen wichtig ist, nur dann werden Sie gemeinsam mit Ihrem Berater Lösungen suchen und finden. Beantworten Sie sich daher folgende Fragen zunächst für sich:

  • – Seit wann sind Sie in dem derzeitigen Tarif versichert?

  • – Seit wann sind Sie bei dem Versicherer? Gab es vorher schon einen anderen Tarif?

  • – Gelten die Kriterien, die beim Abschluss galten, auch heute noch?

  • – Hat sich der Familienstand, die Anzahl der Kinder oder der berufliche Status verändert?

  • – Hat Ihr Tarif Bausteine zur Beitragsentlastung im Alter?

  • – Gibt es weitere Tarifbausteine die optional gewählt wurden?

  • – Wie weit nutzen Sie den Arbeitgeberzuschuss aus? Wie hoch ist aktuell Ihr Beitrag (nach Anpassung) in der Krankenversicherung und in der Pflegeversicherung?

Beitragsanpassung in der PKV – Antworten und Hinweise auf Ihre Fragen

Nachdem Sie sich nun die Fragen beantwortet haben und damit die Fakten „auf dem Tisch“ liegen, lassen sich nun auch weitere Handlungsempfehlungen geben. Warum die einzelnen Fragen wichtig sind, schauen wir uns nun mit dem Blick auf die Antworten an.

Seit wann sind Sie in dem derzeitigen Tarif versichert? – Welche Welt gilt?

Diese Frage ist deshalb wichtig, weil damit auch die Tarifgeneration klar ist. Dabei gibt es im Wesentlichen drei Zeitpunkte, welche bei der Beurteilung wichtig sind.

Abschluss vor 2000: (ALTE WELT)

Der Vertrag besteht in der „ganz alten“ Welt. Hier gab es die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern ebenso, wie auch keinen gesetzlichen Zuschlag. Dieser 10%-ige Zuschlag in der privaten Krankenversicherung (der gesetzliche Zuschlag) wurde im Januar 2000 für alle Versicherten eingeführt und ist für Neuabschlüsse seitdem verpflichtend. Mehr Informationen dazu, wie lange dieser zu zahlen ist und was ab Vollendung des 60. und 65. Lebensjahres mit dem angesparten Geld passiert, finden Sie hier im Beitrag: „Der gesetzliche Zuschlag in der PKV

Sollten Sie damals schon privat versichert gewesen sein, also im Januar 2000, dann konnten Sie selbst entscheiden und wählen, ob Sie den gesetzlichen Zuschlag auch zahlen wollten. Dieser Baustein wurde dann (langsam ansteigend) in den Vertrag integriert und Sie zahlen auch- wie Neukunden- heute 10% als zusätzlichen Sparbeitrag.

Abschluss vor 2009: (ALTE WELT)

Der Vertrag besteht in der sogenannten alten Welt. Hier wurden die Tarife nach Geschlechtern kalkuliert, Frauen zahlten einen anderen Beitrag im Vergleich zu Männern. Auch galt hier, Altersrückstellungen in dem Tarif sind bei einem Versichererwechsel nicht übertragbar.

Verlassen Sie als Versicherter vor 2009 das Unternehmen, so verbleiben die angesparten Rückstellungen in dem Kollektiv Ihres alten Unternehmens. Diese, als Stornogewinne bezeichneten, Gelder kommen somit allen anderen Versicherten in dem Kollektiv zugute. Überspitzt bedeutet das, verlassen ganz viele Kunden ganz schnell den Tarif und Versicherer und waren alle vor 2009 versichert, so profitieren die verbleibenden von zusätzlichem Geld.

In diesen Tarifen wird als KEIN Übertragungswert gebildet.

Ein weiterer Unterschied. Hier gilt im Alter die Option Standardtarif. Ein Tarifmodell welcher auf den Höchstbeitrag der GKV begrenzt ist und in welchem im Alter die Altersrückstellungen angerechnet werden. Somit ergeben sich hier teils große Anrechnungen und kleine Beiträge im Alter.

Abschluss zwischen 2009 und 2012: (NEUE WELT)

In dieser Tarifwelt, welche auch als „Neue Welt“ bezeichnet wird, werden Übertragungswerte gebildet. Hier können also die Versicherte bei einem Wechsel des Unternehmens (anteilig) Altersrückstellungen mitnehmen. Auch diese Tarife sind noch geschlechterabhängig kalkuliert.

Diese verbleiben somit nicht mehr einfach so als Stornogewinne, sondern Sie übertragen einen Teil des Geldes auf Ihren neuen Vertrag.

Auch die Modelle im Alter haben sich geändert. Wer nach dem 1.1.2009 den Versicherer gewechselt oder in die PKV neu eingetreten ist, der hat keinen Zugang zum Standardtarif. Diese Versicherten haben daher einen Zugang zum Basistarif. Auch hier gilt die gleiche Schutzfunktion wie schon im Standardtarif. Dabei kann bei Hilfebedürftigkeit ein Zuschuss gewährt werden.

Abschluss zwischen 2009 und 2012: (UNISEX WELT)

In dieser neuen UNISEX Tarifwelt gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Männern und Frauen. Das Geschlecht beeinflusst den Beitrag nicht.

Die Altersrückstellungen sind auch in dieser UNISEXWELT übertragbar. Bei einer Kündigung und einem Wechsel des Versicherers werden die angesparten Rückstellungen zu großen Teilen übertragen und so an den neuen Versicherer mitgegeben.

In dieser Tarifwelt wird der Garantiezins erstmals abgesenkt. Während VORHER noch der Rechnungszins in der Bisexwelt bei 3,5% lag (die aufgrund anhaltender Niedrigzinsen immer schwerer erreichbar sind), einigten sich die Unternehmen hier auf einen Zins von 2,75%.

Hinweis: In heute existierenden Tarifen und auch mit der Anpassung 2021 wurde dieser Zins weiter reduziert. Am Markt finden sich heute durchaus Unternehmen, welche nur noch mit einem Rechnungszins von 1,95 bis 2,5% kalkulieren, welche nach Auffassung der Aktuare auch langfristig erreichbar sein sollen.

Die Alterslösung ist auch hier der sogenannte Basistarif, welcher auch in der Unisexvariante vorhanden ist.

Seit wann sind Sie bei dem Versicherer? Gab es vorher schon einen anderen Tarif?

Diese Frage ist wichtig, da zum Beispiel durch den Wechsel des Unternehmens oder auch den Wechsel innerhalb der Versicherer eine andere Grundlage gelten kann.

Somit ist es nicht nur wichtig zu wissen, wann Sie in Ihren Tarif heute gewechselt sind, sondern auch wie die Historie aussieht. Erst wenn klar ist, wie Ihr Krankenversicherungsverlauf ab 2000 aussah, lassen sich hier sinnvoll und seriös Tipps geben.

Gelten die Kriterien, die beim Abschluss galten, auch heute noch?

Diese Frage sollten Sie sich generell und immer wieder stellen. Ein Vertrag in der Krankenversicherung ist nicht in Stein gemeißelt. Nur weil es bei dem Abschluss, welcher oft Jahre oder Jahrzehnte zurückliegt, Auswahlkriterien gab die damals richtig waren, müssen diese heute nicht mehr gelten.

–> Auswahlkriterien in der PKV

Haben sich Ihre Ansprüche verändert? Sind Leistungen die Ihnen damals wichtig waren heute nicht mehr relevant? Dann ändert sich auch der Anspruch an den Versicherer und der Tarif kann mehr oder weniger gut passen. Ein Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft kann hier eine Lösung sein.

Auch wenn damals der Tarif „einfach so und ohne große Kriterienauswahl“ mal schnell abgeschlossen wurde, kann es sinnvoll sein die Leistungen neu zu überprüfen.

Hat sich der Familienstand, die Anzahl der Kinder oder der berufliche Status verändert?

Vorher konnten Sie Kinder nahezu ausschließen, jetzt kam dann doch der Partner/ die Partnerin fürs Leben und im Anschluss wollen/ wollten oder haben Sie bereits Kinder?

Dann beeinflusst das die Tarifauswahl ebenso, wie der Wegfall von Kindern aus dem eigenen Schutz. Auch wenn die Kinder älter werden, Studium oder Ausbildung beginnen oder wieder einen Anspruch auf Familienversicherung haben, auch dann sollten Sie den Schutz überprüfen und anpassen.

Optionsrechte, welche einige Versicherer hier in den Tarifen oder mit Bausteinen anbieten, spielen eine Rolle und helfen bei der Entscheidung.

Hat Ihr Tarif Bausteine zur Beitragsentlastung im Alter? Gibt es weitere Tarifbausteine die optional gewählt wurden?

Gleiches gilt für Bausteine in dem Vertrag. Bei Abschluss können die Kriterien andere gewesen sein und die Auswahl hat sich vielleicht verändert. Nur wenn diese überprüft und angepasst werden, nur dann können die Tarife weiterhin passend sein.

Bausteine können eine Möglichkeit seins, den Tarif wieder etwas „passender zu machen.“

Wie weit nutzen Sie den Arbeitgeberzuschuss aus? Wie hoch ist aktuell Ihr Beitrag (nach Anpassung) in der Krankenversicherung und in der Pflegeversicherung?

Veränderungen bei dem Arbeitgeberzuschuss führen auch zu einem veränderten Vertrag und der Notwenigkeit diesen zu optimieren.

Arbeitgeberzuschuss und Beitragsbemessungsgrenze Entwicklung

Der Arbeitgeberzuschuss hat sich, wie die Beitragsbemessungsgrenze, stetig erhöht. Größere Sprünge gab es zum durch die Wiedereinführung der paritätischen Versorgung.

Die neuen Werte für 2021 (max. Zuschuss steigt auf 384 €) finden Sie hier im Beitrag:

–> Arbeitgeberzuschuss und Sozialversicherungswerte 2021

Doch nachdem wir nun alle Eckdaten geklärt haben, Sie Fakten und Informationen gesammelt, stellt sich die Frage wie und was Sie genau tun sollten und was Sie besser lassen sollten.

Beitragsanpassung in der PKV – das sollten Sie jetzt tun

Zuerst einmal, und das ist auch mit der wichtigste Rat, nichts überstützen. Zuerst schauen Sie sich dann den Beitrag in Bezug auf den Arbeitgeberzuschuss an.

Ist Ihr Beitrag kleiner oder gleich 768 € für die KRANKENVERSICHERUNG? Dann bekommen Sie auch weiterhin 50% Zuschuss zu Ihrem Beitrag. Dabei kommt der Beitrag für die Pflegeversicherung und der Zuschuss dazu noch dazu, dieser ist nahezu immer 50%, da der Höchstbeitrag nicht erreicht wird.

Dann wäre zu prüfen und zu überlegen, wie viel Leistungen/ Mehrleistungen gegenüber dem GKV Schutz bestehen (und was genau hiervon benötigt und gewünscht wird).

Ergänzend: Bekommen Sie zum Beispiel 15% Beitragsanpassung in Ihrem GESAMTvertrag, so ist ein Teil davon eine Erhöhung Ihres SPARanteils, dem Gesetzlichen Zuschlag. Nehmen wir an ein Haupttarif wird von 800 € auf 900 € erhöht. In den 800 € sind 10% gesetzlicher Zuschlag enthalten (727+73). In den 900 € auch (818 + 82). Also sind 9 € der Anpassung die Erhöhung des Gesetzlichen Zuschlags, der Ihnen als Guthaben verbleibt.

Nehmen wir ein Beispiel, eines heute 33 Jährigen Versicherten.

Wollen wir die Leistungen der GKV durch Zusatzversicherungen bestmöglich aufstocken und damit den Leistungsumfang somit an einen Hochleistungstarif wie zum Beispiel den EXPERT+ der Barmenia anpassen, dann benötigen wir:

  • ambulante Ergänzung + „Mehr Sehen Tarif“ = 44,50 € monatlich

  • stationäre Ergänzung (Einbett + Wahlarzt) = 54,11 € (Komf.1 mit Altersrückstellung)

  • Zahn Ergänzung Zahn 100 + Vorsorge = 31,50 €

  • Krankentagegeld 30 € (Aufstockung zur GKV 95 €) = 16,50 €

GESAMTBEITRAG: 146,16 €

Zu diesem Betrag kommt natürlich der Höchstbeitrag (der Arbeitnehmeranteil) der gesetzlichen Krankenkasse. Dieser steigt bei dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag 2021 auf einen Anteil von

Krankenversicherung GKV (inkl. max. der Hälfte von 1,3% ZUSATZbeitrag) max. 384,58 EUR

zzgl. als kinderloser Versicherter max. 85,86 € (73,77+12,09) in der Pflegeversicherung

= 470,44 EUR

Sollten Sie also den TOP Schutz der Barmenia (hier aus unserem Beispiel) mit der GKV vergleichen wollen, so können Sie das recht einfach tun. Nehmen Sie den Beitrag nach der Beitragsanpassung (zum Beispiel 800 € + 50 € Pflege). In der PKV bekommen Sie dann 384 + 25 € Zuschuss, es bleiben also EIGENANTEIL: 441 €.

Zum Vergleich in der GKV + Zusatzschutz liegt der EIGENANTEIL GKV bei 146 € (Zusatzvers.) und 470 € = 616 €.

Bei anderen Tarifen und anderen Gesellschaften kann die Rechnung anders aussehen. Gerade wenn der Schutz in der PKV nicht so leistungsfähig ist oder Sie dabei Leistungen nicht mehr brauchen, ändert sich diese Betrachtung etwas. Daher muss und sollte es individuell geprüft und berechnet werden.

Mit einer Anpassung des Tarifes, der Selbstbeteiligung oder anderer Tarifwechsel lassen sich die Optionen ausloten und gemeinsam mit Ihrem Berater entscheiden was passieren kann und soll.

Umstellung auf Jährliche Zahlweise und Vorauszahlung

Auch die Umstellung der Zahlweise kann eine Möglichkeit der Ersparnis sein. Einige Unternehmen geben einen Rabatt bei jährlicher Zahlweise. Hier einige Beispiele:

ARAG, BARMENIA, NÜRNBERGER KV = 4% Nachlass

CONCORDIA, HALLESCHE, HANSE MERKUR, MÜNCHENER VEREIN = 3% Nachlass

AXA = 2% Nachlass

SDK, SIGNAL = 1% Nachlass

RuV = 0,5% Nachlass

KEIN NACHLASS geben derzeit: ALLIANZ. ALTE OLDENBURGER, BBKK, UKV, Debeka, DKV, LKH, UNIVERSA

Dazu lesen Sie bitte auch meinen Artikel zur VORAUSZAHLUNG und Steuerersparnis.

Beitragsanpassung in der PKV – und das sollten Sie lassen

Egal was Ihnen ein Berater rät. Niemals sollten Sie voreilig kündigen, voreilig wechseln oder andere Handlungen überstürzt vornehmen.

Auch ein Tarifwechsel hat eben nicht nur Vorteile. Bedenken Sie bitte bei dem Wechsel innerhalb der Gesellschaft auch die Faktoren wie:

  • – wann war die letzte Anpassung im Zieltarif?

  • – welche Leistungen geben Sie auf?

  • – wie verändert sich die Selbstbeteiligung?

  • – was sind die vordergründigen Wechselmotive?

Bedenken Sie bitte auch, dass Sie bei einem Tarifwechsel nicht ohne Weiteres in den Tarif zurückkommen. Leistungen auf die Sie heute verzichten, lassen sich nicht ohne Gesundheitsprüfung wieder einschließen.

Bevor Sie kündigen und neu Abschließen

Auch eine Kündigung und ein neuer Abschluss kann sinnvoll und richtig sein, ist es aber in den meisten Fällen nicht. Auch hier gilt zunächst zu prüfen, ob und wie der neue Tarif die Leistungen und Wünsche abdeckt, welche HEUTE bestehen.

Je nach Tarifgeneration lassen sich die Übertragungswerte mitnehmen und somit auch Altersarückstellungen „retten“. Damit dieses etwas deutlicher wird. Bei einem 43jährigen Kunden, welcher 3 Jahre versichert war in einem TOP Tarif, wurden laut Bescheinigung der Übertragungswerte knapp 10.000 € angesammelt.

Bei dem Wechsel zu einer anderen Gesellschaft sehen Sie im folgenden Screenshot die Beiträge MIT und OHNE Anrechnung der Übertragungswerte. Die Tarife sind nicht in allen Punkten vergleichbar und der Zieltarif bietet weniger Leistungen in Teilbereichen.BBKK Angebot mit Übertragungswert

In unserem Beispiel führen die mitgebrachten Übertragsungwerte von knapp 10.000 € somit zu einer monatlichen Beitragssenkung von 40 €.

Die Übertragungswerte welche Sie angesammelt haben sind abhängig vom Alter und der Laufzeit, ebenso wie von dem Alter bei Abschluss.

Bevor Sie also etwas unternehmen, wenden Sie sich an Ihren Berater und überlegen gemeinsam was der passende Weg ist. Ob ein Tarifwechsel, erstmal alles so lassen oder ein Gesellschaftswechsel, eines haben alle Modelle gemeinsam.

INFORMIERT entscheidet es sich besser.

28.
März '20

Kurzarbeit und die Private Krankenversicherung – Fragen und Antworten


Das Thema Kurzarbeit und private Krankenversicherung, aber auch das Thema Kurzarbeit generell beschäftigt aktuell viele Arbeitnehmer und Unternehmen. Dabei tauchen auch hier im LiveChat immer wieder fast gleiche Fragen auf. Ich habe mich daher entschlossen einige von diesen Fragen etwas zu bündeln und eine einer Art „FAQ“ zusammenzusammeln. Sollten Ihnen weitere Fragen einfallen, senden Sie diese gern über das Kontaktformular, im LiveChat oder als Kommentar zu diesem Beitrag.

Bitte beachten Sie zudem vorab: Dieser Beitrag stellt eine Sammlung von Fragen und Antworten dar. Eine individuelle Beratung oder gar Rechtsberatung ist hier weder erlaubt noch möglich. Dazu wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt oder Steuerberater.

HINWEIS: Sie können direkt auf die Fragen klicken und springen direkt dort hin.

1.) Tritt durch Kurzarbeit Versicherungspflicht ein?

Nein. Allein durch die Kurzarbeit tritt keine Versicherungspflicht ein. In der Zeit der Kurzarbeit wird weiter ein fiktives Einkommen in der identischen Höhe wie bisher angenommen und damit gibt es (fiktiv) kein verändertes Einkommen.

Das bedeutet also. Haben Sie zum Beispiel Januar bis März ein Bruttoeinkommen von 6.000 € gehabt und diese reduziert sich durch Kurzarbeit in den Monaten April bis August auf 2.000 € (oder einen anderen Betrag), so bleibt Ihr anzurechnendes Jahreseinkommen zur JAEG (und damit zur Prüfung ob Versicherungspflicht eintritt) bei 72.000 €. (Dabei werden 12 Monate a 6.000 € angesetzt)

Auszug aus dem Rundschreiben der Spitzenverbände der Krankenkassen „Versicherungsfreiheit von Arbeitnehmern bei Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze vom 20. März 2019“:

Ein bei vorliegender Versicherungsfreiheit nur vorübergehendes Unterschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze, das ohne Auswirkungen auf den Versicherungsstatus bleibt, wird nur in engen Grenzen für zulässig und vertretbar erachtet und ist auf wenige Sachverhalte beschränkt. In Betracht kommen im Wesentlichen die Fälle der Kurzarbeit (mit Ausnahme des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld) und der stufenweisen Wiedereingliederung in das Erwerbsleben. In diesen Fällen bleibt der Versicherungsstatus für die Dauer des jeweiligen Tatbestandes unverändert. Dies ist gerechtfertigt, da das aus Anlass der Kurzarbeit oder der Wiedereingliederung ausfallende regelmäßige Arbeitsentgelt durch eine Entgeltersatzleistung (Kurzarbeitergeld bzw. Krankengeld) ersetzt wird und der eigentliche Entgeltanspruch dem Grunde nach unberührt bleibt.

1.1.) Wie wird die Kurzarbeit am Jahresende bei dem Gesamteinkommen berücksichtigt?

Hierbei ist es, wie unter 1.) beschrieben. Nicht nur bei der monatlichen Bewertung, auch bei der Betrachtung der Jahreseinkünfte wird hier fiktiv weitergerechnet und der Arbeitgeber meldet hier keine Versicherungspflicht. Das sollten Sie jedoch am Jahresende selbst im Auge behalten, da hier Fehler schnell zu größeren Problemen führen können.

2.) Wie berechnet sich das Kurzarbeitergeld – Onlinerechner

Das Kurzarbeitergeld (KUG) berechnet sich nach einem fixen Satz. Dabei muss zuerst der Einkommensverlust durch die Kurzarbeit berechnet werden.

Würden wir eine Steuer nicht berücksichtigen, so sieht das vereinfacht so aus.

  • bisheriges Brutto: 6.000 €
  • Kurzarbeit 50% Brutto (0-100% möglich): 3.000 €
  • Differenz: 3.000 €

Das Kurzarbeitergeld beträgt nun 60% (ohne Kinder) oder 67% (mit Kinderfreibetrag).

Mit dem Rechner (EXTERNER ANBIETER) oder vielen anderen Kurzarbeitergeldrechnern können Sie das exakte Kurzarbeitergeld berechnen.

Mit diesem Rechner lassen sich die Auswirkungen einer Kurzarbeit berechnet. Nach Eingabe Ihrer persönlichen Daten erhalten Sie Ihre individuelle Berechnung des Kurzarbeitergeldes.

2.2.) Kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocken?

Ja, der Arbeitgeber kann, wenn es seine Leistungsfähigkeit zulässt, das Kurzarbeitergeld aufstocken. Dabei gelten einige Besonderheiten, welche sich hier insbesondere mit den Sozialabgaben auf diesen Zuschuss beschäftigen.

Generell gelten zunächst die gleichen Eckdaten wie bisher bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes (KUG). Dabei ist das bisherige Einkommen das so genannte SOLL-Entgelt.

Das Einkommen während der Kurzarbeit das so genannte IST-Entgelt.

Darauf aufgesetzt folgt das Kurzarbeitergeld, nach den Sätzen 60% des entfallenden Einkommens bei Arbeitnehmern ohne Kinder und 67% bei Arbeitnehmern mit Kindern.

JETZT folgt die Aufstockung.

Hierbei ist es zulässig, das IST Entgelt + Kurzarbeitergeld (das wäre der Betrag den der Arbeitnehmer während der Kurzarbeit bekommt, noch weiter zu erhöhen, um den Einkommensverlust der Arbeitnehmer weiter zu reduzieren. Dabei ist eine Erhöhung BIS ZU 80% des ausgefallenen (und durch KUG ersetzten) Arbeitsentgeltes möglich, ohne Beiträge (Sozialabgaben) hierauf zu zahlen.

Die Aufstockung von 80% bis zum vollen Nettoeinkommen des Arbeitnehmers ist auch möglich, dann aber nicht mehr beitragsfrei (Sozialabgaben).

WICHTIG: Beide Stufen der Aufstockung sind jedoch steuerpflichtig.

Detailliert und mit Beispielen finden Sie dieses auf den Seiten von Lohn-Info erklärt, welche Sie unter dem folgenden LINK erreichen.

3.) Was passiert mit Firmenwagen, Vermögenswirksamen Leistungen und weiteren Lohnbestandteilen?

Auch hier ist genauer zu prüfen welche Bestandteile in die Berechnung einfließen. Lexware, der Anbieter der Lohnabrechnersoftware für Arbeitgeber hat hierzu bereits Informationen in seinem Handbuch veröffentlicht.

Dabei gehören verschiedene Lohnbestandteile zu dem so genannten SOLL Entgelt, also dem Lohn, welcher für die weitere Berechnung des Kurzarbeitergeldes benötigt wird. (Quelle: Lexware)

Soll-Entgelt ist das beitragspflichtige Bruttoarbeitsentgelt (max. BBG RV), das der Arbeitnehmer ohne den Arbeitsausfall im Anspruchszeitraum (Kalendermonat) erzielt hätte.

Dazu zählen folgende Entgeltbestandteile:

  • – vermögenswirksame Leistungen
  • – Anwesenheitsprämien
  • – Leistungs- und Erschwerniszulagen
  • – Feiertage
  • – Beitragspflichtige Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nacharbeit
  • – bezahlter Urlaub
  • – überlassener Dienstwagen (geldwerter Vorteil)
  • – Sozialversicherungspflichtige Zusatzleistungen des Arbeitgebers zur betrieblichen Altersvorsorge

Nicht zum Soll-Entgelt gehören:

  • – Mehrarbeitsvergütungen (Stundenlöhne und Zuschläge)

  • – Einmalzahlungen

  • – steuer- und beitragsfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit

Sprechen Sie bitte mit Ihrem Steuerberater oder Lohnbüro bei weiteren individuellen Fragen zur Anrechnung für das Kurzarbeitergeld. Bitte beachten Sie auch, dass ein Dienstwagen, welcher weiter benutzt werden darf, auch weiter zu bezahlen ist.

Bitte beachten Sie auch die Verbesserungen bei dem Kurzarbeitergeld, welche die Bundesregierung aufgrund der Corona Pandemie am 18.03.2020 beschlossen hat. Hier ist unter anderem auch die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch die Arbeitsagentur enthalten. Nachzulesen bei HAUFE.

4.) Wie bekomme ich bis zu 100% Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung bei Kurzarbeit?

Hier gibt es einen großen Unterschied zu der Zeit bei „normaler Arbeit“. Während Sie dort maximal 50% des PKV Beitrages und dieses zudem gedeckelt auf die Höchstbeiträge des Arbeitgeberzuschuss vom Arbeitgeber bekommen, ist das bei Kurzarbeit anders.

Denn für einen Teil der Bezüge ist diese Begrenzung aufgehoben. So bekommen

Arbeitnehmer in Kurzarbeit bis zu 100% des Beitrages zur PKV

von Ihrem Arbeitgeber erstattet. Sind in Ihrem Vertrag auch noch Kinder oder Partner mit versichert, so gilt dieses auch für deren Beiträge. Leider ist die Berechnung des dann neuen Arbeitgeberzuschusses etwas kompliziert und auch vielen Arbeitgebern nicht bekannt.

Daher habe ich Ihnen in einem alten Blogbeitrag in 2019 bereits hier erläutert.

Dennoch fällt es vielen schwer hier eine entsprechende Berechnung für sich vorzunehmen. Daher bieten wir eine solche Berechnung an. Für eine Pauschale von 5 € erhalten Sie eine Berechnung, welche Sie dann dem Arbeitgeber mitgeben können und ebenfalls für sich genaue Werte haben.

Damit tun Sie noch etwas Gutes, da das Geld einem Kinderhospiz und einem Kinderhilfsverein zu Gute kommt. Die Details finden Sie hier. Mit dem folgenden Formular können Sie eine Berechnung mit Ihren Daten anfordern.

5.) Muss ich den Arbeitgeber informieren oder es aktiv beantragen?

Theoretisch nicht. Praktisch schon.

Für viele Arbeitgeber ist die Situation mindestens genau so neu und viele Lohnabteilungen mussten bisher nie Kurzarbeit abrechnen. Daher seien Sie bitte etwas nachsichtig, wenn auch hier nicht alles reibungslos klappt. Nehmen Sie einfach Ihre individuelle Berechnung (siehe 4.) mit und erleichtern Sie somit allen die Arbeit.

Die Lohnabteilungen rechnen meist nachschüssig ab. Also bekommen Sie im April noch den Lohn für März ohne Kurzarbeitergeld. Daher ist auch der erhöhte Arbeitgeberzuschuss zeitversetzt, denn er gilt nur für die Abrechnungsmonate mit Kurzarbeit. Danach erfolgt wieder die Deckelung auf die Höchstbeiträge und 50% des zu zahlenden Beitrages.

Weitere Fragen?

Fällt Ihnen noch etwas ein? Haben Sie weitere Fragen oder möchten Sie etwas zu Ihrem PKV Schutz wissen? Fragen Sie einfach über die bereits angesprochenen Wege.

Ein Hinweis noch: Bevor Sie an dem vorhandenen Vertrag zur PKV etwas ändern, lassen Sie sich bitte beraten. Voreilige Änderungen lassen sich manchmal nicht mehr korrigieren und sollten wohl überlegt sein. Auch Versicherer bieten hier unterschiedliche Lösungen an, die uns alle Helfen durch diese Zeit zu kommen.

Bleiben Sie gesund!

19.
März '20

PKV Arbeitgeberzuschuss bei Kurzarbeit – so bekommen Sie bis zu 100% des Beitrages


Die Zeit um und mit Corona hat uns alle fest im Griff. Dank Verbesserungen im Kurzarbeitergeld und aufgrund der angespannten Situationen bei Unternehmen nutzen diese immer häufiger Kurzarbeitergeld.

Eine Berechnung und weitere detaillierte Informationen zum Arbeitgeberzuschuss bei Kurzarbeitergeld habe ich bereits in 2019 erstellt und in dem folgenden Blogbeitrag beschrieben.

Kurzarbeit und die private Krankenversicherung – warum es bis zu 100% Zuschuss zum Beitrag gibt

Aufgrund vieler Nachfragen und Wünschen nach Berechnungen des individuellen Zuschusses durch Ihren Arbeitgeber, welcher bis zu 100% des Beitrages für Sie und die Kinder/ PartnerIn betragen kann, habe ich in den letzten Tagen ein entsprechendes Tool erstellt. Mit diesem können Sie:

  • – nach Eingabe von altem Brutto und Brutto während der Kurzarbeit

  • – und Angabe der PKV Beiträge im Detail

eine einseitige Berechnung im Detail erstellen. Diese stellt den erhöhten Arbeitgeberzuschuss dann genau dar.

Leider wissen viele Personalabteilungen und Büros zur Lohnabrechnung auch hier nich über alle Details und die gesetzlichen Hintergründe Bescheid. Hier hilft eine detaillierte Aufstellung ungemein.

Wie kommen Sie an Ihre individuelle Abrechnung

Dabei müssen wir unterscheiden, wo Ihr PKV Vertrag betreut wird.

Von mir betreute PKV Kunden

Sollten Sie Ihre private Krankenversicherung bei mir damals abgeschlossen haben oder sollte ich Ihren Vertrag direkt betreuen, dann erstellen wir Ihnen diese Modellrechnung mit den detaillierten Daten gern KOSTENFREI und unverbindlich.

Es reicht aus, wenn Sie mir per E-Mail folgende Daten übermitteln.

  • – Bruttoeinkommen bisher

  • – Bruttoeinkommen während der Kurzarbeit (reduziertes Brutto)

  • – Beitrag zur PKV

  • – Beitrags zur Pflegepflichtversicherung

Alle anderen PKV Kunden, Lohnbüros, Interessierte

Haben Sie Ihre private Krankenversicherung anderweitig abgeschlossen und wird diese anderweitig oder bei dem Versicherer direkt betreut, oder haben Sie nur Interesse an einer Modellrechnung, dann können Sie diese selbstverständlich auch bekommen.

Seit mehreren Jahren, fast nun einem Jahrzehnt, unterstütze ich mit solchen Berechnungen, Tools und mehr die Arbeit eines Kinderhospizes und einen Kinderhilfsverein meiner Hausärztin. HIER mehr Details. Das möchte und werde ich auch hier wieder tun.

Gegen eine

Pauschale von 5 €

erhalten Sie, nach Bekanntgabe Ihrer Daten, auch diese Berechnung. Diese Beträge werde ich wieder sammeln und dann auf beide Organisationen verteilt spenden.

FORMULAR zur Anforderung der Berechnung

Alternativ können Sie- wenn online- mir die Daten auch im LiveChat übermitteln und für die „Bezahlung“ auf

diesen Link klicken.

Auch in der Email mit dem oben genannten Link finden Sie alle Daten.

Lassen Sie uns gemeinsam aus der unerfreulichen Sitiation Kurzarbeit noch eine kleine aber schöne Aktion machen.

Bei Fragen gilt wie immer- fragen!

Weitere Informationen finden Sie im folgenden Beitrag.

Kurzarbeit und die Private Krankenversicherung – Fragen und Antworten

29.
November '19

Beitragserhöhung bekommen? Egal ob Signal, Axa, DKV, Allianz oder andere, hier Hinweise und Tipps was zu tun ist und was besser nicht


Es ist Ende November. Wie jedes Jahr verschicken einige Krankenversicherungen derzeit die Schreiben zur Beitragsanpassung und – neu in diesem Jahr – alle die Anpassungen in der Pflegeversicherung. Damit ist auch die Zeit gekommen, in der Anfragen über mein kostenloses LiveChat Angebot noch stärker ansteigen und immer mehr Fragende sich auf der Suche nach einem Tipp an mich wenden.

Damit dieses Angebot auch weiterhin (zeitlich und personell) realisierbar bleibt, nutze ich diesen Beitrag, um häufige Fragen zu bündeln und direkt zu beantworten. Daher haben Sie bitte Verständnis, dass Sie ggf. auch im LiveChat hier her geleitet wurden und Ihre Frage hier ausführlicher beantwortet ist.

  1. Warum passt mein Versicherer die Beiträge an?
  2. Sollte ich nun kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln?
  3. Müssen alle versicherten Personen wechseln?
  4. Wie lange habe ich das Recht zur Kündigung?
  5. Soll ich schon einmal vorsorglich kündigen?
  6. Kann ich meine Kinder allein woanders versichern?
  7. Was passiert mit meinen Rückstellungen?
  8. Ist ein Altersentlasungsbaustein (Beitragsentlastung) sinnvoll?
  9. Bekomme ich meine Beitragsrückerstattung auch dann, wenn ich zum 01. Januar wechseln würde?
  10. Wenn schon wechseln, dann mit Anwartschaft – ein Jahr jünger in die PKV!

1.) Warum passt mein Versicherer die Beiträge an?

Die Beitragsanpassung in der privaten Krankenversicherung hat verschiedene Gründe und oft auch solche, die einige von Ihnen eher als „das sagen die eh nur um einen Grund zu suchen“ sehen. Im Wesentlichen bedarf eine Krankenversicherung immer dann einer Anpassung, wenn die Gefahr besteht seine Leistungen, ohne eine solche Anpassung nicht mehr dauerhaft erfüllen zu können.

Dabei spielen Gründe wie die längere Lebenserwartung, die gestiegenen Arzt-/ Gesundheitskosten und auch (entscheidend) die andauernd niedrigen Zinsen eine Rolle. Zu den Gründen und der Zusammensetzung einer Anpassung finden Sie unter dem Punkt PKV/Beitragsanpassung hier auf der Webseite einige detailliertere Informationen.

Doch gerade den Punkt „niedrige Zinsen“ möchte ich hier noch einmal etwas genauer aufgreifen. Die Central hatte das neulich in einem Brief in Zahlen, ich habe mich für ein Diagramm entschieden.

In der privaten Krankenversicherung werden Teile des monatlichen Beitrages zurückgelegt und verzinst, um hiermit die Kosten im Alter zu finanzieren. Nehmen wir also an, die Lebenserwartung ändert sich nicht und auch die Kosten nicht, sondern nur die Zinsen.

Wir legen also 100 € monatlich an und erhalten – bei 3,5% Zinsen – nach 30 Jahren 63.541 €.

Nun sinken die Zinsen am Kapitalmarkt um 1%, also erhalten wir nur noch 53.536 €. Blöd, denn wir brauchen ja die 63.000 €, um unsere Gesundheitskosten zu finanzieren, denn nur weil es weniger Zinsen gibt, wird ja der Kapitalbedarf nicht geringer.

Also müssen wir mehr Geld zur Seite legen, um den gleichen Endbetrag zu haben. In unserem Fall benötigen wir genau 118,69 €, um nach 30 Jahren mit 2,5% genau den Endbetrag zu haben, den wir mit 100 € bei 3,5% erhalten haben.

Übertragen auf die PKV bedeutet das: Wir müssen den monatlichen Beitrag/ die Rücklage um 18% erhöhen, damit am Ende alles bleibt wie es ist.Das ist nun eine sehr vereinfachte Darstellung und natürlich abhängig vom Alter, der Restlaufzeit, bereits angesparten Rückstellungen und vielen Faktoren mehr. Aber es zeigt – hoffe ich – Ihnen sehr verständlich und einfach warum der Versicherer hier reagieren muss.

2.) Sollte ich nun kündigen, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln?

Niemals, absolut niemals ist eine Beitragsanpassung allein ein Grund den privaten Krankenversicherungsvertrag zu kündigen. Es kann ein Anlass sein sich mit dem Umfang des Schutzes, der Tarifwelt des Versicherers oder dem eigenen Leistungsanspruch zu beschäftigen.

Allein aufgrund einer Anpassung sollten Sie aber nicht kündigen. In anderen Artikeln habe ich aber bereits weitere Details geliefert und diese auch, getrennt nach Gesellschaften. So finden Sie hier zum Beispiel etwas zu Lesen.

Einige Anbieter glauben nun, mit einem (befristeten) Bonus kann man Kunden halten, welche sonst gegangen wären. So falsch es ist einfach zu kündigen, so gefährlich und unlogisch ist auch ein solcher Bonus.

Was Sie aber nun dennoch tun können und sollten, das finden Sie in den Empfehlungen am Ende des Artikels. Doch nun weiter mit anderen Fragen.

3.) Müssen alle versicherten Personen wechseln?

Nehmen wir an Sie haben schon gekündigt oder wollen (nicht allein aus Gründen der BAP) wechseln. Häufig kommt die Frage auf, was mit mitversicherten Personen passiert und ob alle oder keiner wechseln können. Gerade bei mitversicherten Kindern, Ehepartnern kann es durchaus vorkommen, dass einer nicht mehr so gesund und in der Lage ist zu wechseln.

Auch wenn es hier manchmal haarsträubende Aussagen im Netz gibt, Sie können die Kündigung allein entscheiden und sich auch selbst für jede Person entscheiden. Möchten Sie also die Kinder bei dem alten Unternehmen lassen und selbst einen anderweitigen Schutz nutzen, so geht das Problemlos. Achten Sie nur bei der Kündigung darauf, nur die gewünschten Personen zu kündigen.

Auch Versicherer, welche sonst Kinder gar nicht allein versichern würden, können das Kind nicht einfach „vor die Tür setzen“ oder darauf bestehen dieses auch wechseln zu lassen.

Im Übrigen gibt es auch nur für die Kunden ein Sonderkündigungsrecht, deren Beiträge angepasst werden. Ist das bei einzelnen Personen nicht so, so kann auch diese nicht kündigen. Einige Ausnahmen machen Unternehmen bei Kindern. Wechselt ein Elternteil aufgrund einer Anpassung, KANNN (aus Kulanz) der Versicherer das Kind auch mit wechseln lassen, muss es aber nicht.

4.) Wie lange habe ich das Recht zur Kündigung?

Die Regelungen zur Kündigung nach einer Beitragsanpassung finden sich in den gesetzlichen Grundlagen. Schauen wir daher einmal in den §205 VVG.

(4) Erhöht der Versicherer auf Grund einer Anpassungsklausel die Prämie oder vermindert er die Leistung, kann der Versicherungsnehmer hinsichtlich der betroffenen versicherten Person innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Änderungsmitteilung mit Wirkung für den Zeitpunkt kündigen, zu dem die Prämienerhöhung oder die Leistungsminderung wirksam werden soll.

Weitere Informationen zu einer Kündigung der PKV auch im Artikel:

Wer also jetzt erst seine Beitragsanpassung bekam oder bekommt, der hat noch alle Zeit der Welt.

5.) Soll ich schon einmal vorsorglich kündigen?

Nein, das sollten Sie nicht. Hierbei ist es zwar durchaus möglich, dass bei fehlendem Nachweis der Folgeversicherung eine solche Kündigung dann unwirksam wird und Sie bei dem Versicherer bleiben müssen, das gilt aber nicht für alle Bestandteile des Tarifes und daher ist hier Vorsicht geboten.

6.) Kann ich meine Kinder allein woanders versichern?

Ja. Genau wie schon bei Frage 3 angesprochen, können auch die Kinder allein versichert werden. Aufpassen sollten hier Angestellte nur auf einen Punkt. Der Arbeitnehmer, welcher den Zuschuss vom Arbeitgeber auch für die Familienangehörigen in der PKV haben möchte, der muss auch Versicherungsnehmer sein. Es muss eben nicht der gleiche Versicherer sein, aber der VN muss immer der Arbeitnehmer sein.

Es geht also nicht, dass die Mutter einen Antrag für die Kinder stellt und hier VN wird und der Vater bei seinem Arbeitgeber dann den Zuschuss für die Kinder bekommt. Der Versicherer stellt die Bescheinigung nach 257 SGBV nur für den aus, der auch Inhaber des Vertrages ist.

7.) Was passiert mit meinen Rückstellungen?

Auch diese Frage ist leider pauschal nicht zu beantworten. Dazu sind eine Reihe weiterer Informationen nötig, da es über die Jahre ganz unterschiedliche Verträge gab. Daher ist es wichtig zu wissen WANN der Vertrag abgeschlossen wurde und ob ggf. hier Änderungen vorgenommen wurden.

Erst kürzlich abgeschlossene Verträge in der Privaten Krankenversicherung besitzen sogenannte portierbare Rückstellungen. Also können die angesammelten Alterungsrückstellungen zu einem neuen Unternehmen mitgenommen werden. Das gilt auch und insbesondere für Gesetzlichen Zuschlag und andere Komponenten. Dennoch ist immer das neue Gesundheitsrisiko und Eintrittsalter zu beachten.

Bei alten Verträgen hingegen kann es durchaus sein, dass diese Rückstellungen nicht mitzunehmen sind und daher dann beim Versicherer verbleiben.

8.) Ist ein Altersentlasungsbaustein (Beitragsentlastung) sinnvoll?

Bei jeder Anpassung kommt es zur gleichen Überlegung. Soll ich privat oder innerhalb der Krankenversicherung noch eine zusätzliche Sicherheit einbauen und einen so genannten Altersentlastungstarif abschließen?

Auch hier gibt es keineswegs ein generelles JA oder NEIN. Es ist immer von der Situation abhängig. Dafür sprechen mehr Sicherheit im Alter, die Anrechenbarkeit bei der Steuer und ggf. ein Arbeitgeberzuschuss. Dagegen die schwierige „Mitnahme“ solcher Gelder, die Weiterzahlung im Alter und einiges mehr.

9.) Bekomme ich meine Beitragsrückerstattung auch dann, wenn ich zum 01. Januar wechseln würde?

Eine der häufigsten Fragen. Es geht um die Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit im Jahr 2019. Wer nun wechselt und damit zum 01. Januar den Versicherer verlassen möchte, der verzichtet auch auf die Auszahlung der Beitragsrückerstattung.

Diese ist zwar generell kein Kriterium bei der Auswahl des Versicherers und sollte es auch nie sein, aber man muss eben wissen was hier passiert. Die Versicherer haben in den Bedingungen eine Regelung, welche einen ungekündigten und bezahlten Vertrag an einem Stichtag voraussetzt. Das ist oft im Juni oder Juli und somit können Sie nicht zum Januar kündigen.

Jetzt zu glauben „dann mache ich das nächstes Jahr“ ist aber genauso unsinnig, denn diese Regelung gilt dann für das Folgejahr natürlich auch wieder.

10.) Wenn schon wechseln, dann mit Anwartschaft – ein Jahr jünger in die PKV

Kommen Sie nun aber nach den (folgenden) Kriterien zu dem Ergebnis, der Tarif und auch der Versicherer passen nicht mehr zu Ihnen und Sie „wollen da weg“, dann überlegen Sie bitte zumindest das Thema Anwartschaft. Mit einer solchen können Sie auch zum 1. Januar noch mit dem Eintrittsalter 2019 in die neue Gesellschaft wechseln. Dieses erfordert einen Beitrag für den Monat Dezember, der rechnet sich aber sehr schnell. Alle weiteren Informationen hierzu und Hinweise was es zu beachten gibt, habe ich in meinem Beitrag zusammengefasst.

Mindestens genauso wichtig ist aber, Ruhe zu bewahren und sich nicht hetzen oder gar von Beratern unter Druck setzen zu lassen. Mehr dazu und warum das schlecht und schlimm ist, finden Sie hier:

Beitragsanpassung in Ihrem Tarif – Fakten – Infos und was Sie tun können und sollten

Wichtig ist zunächst

RUHE BEWAHREN

– NICHTS ÜBERSTÜTZEN –

SICH NICHT HETZEN LASSEN

Jeder, egal ob Berater, Bekannte, Freunde und Kollegen, die Sie zu etwas überreden oder zu einem schnellen Entschluss drängen wollen, die setzten Sie am besten (zumindest bei diesem Thema) gedanklich vor die Tür. Es bringt einfach nichts.

Übrigens, Freunde und Bekannte sind – auch wenn diese zufrieden sind bei ihrem Versicherer – kein guter Ratgeber. Warum lesen Sie im HIER IM Beitrag.

Bevor Sie sich einen Berater suchen, oder mich gern um Rat fragen, benötigen wir und auch jeder andere Berater einige erste Informationen.

  • Wo sind Sie versichert?
  • Wie alt sind Sie?
  • Seit wann sind Sie versichert?
  • Wie genau heißt Ihr Tarif?
  • Was wurde genau erhöht?
  • Was genau stört Sie an dem Tarif?
  • Warum denken Sie über einen Wechsel nach?

Wenn Sie den nun folgenden Link nutzen, können Sie Ihre Antworten einfach direkt in der Mail dahinter schreiben. Die Erstinformation und Datenschutzerklärung finden Sie hier zum Download.

ALLE FRAGEN MIT EINEM KLICK HIER AUSFÜLLEN

Nachdem Sie anscheinend bis hierher nicht aufgegeben haben und immer noch dabei sind, hier noch einige Links mit weiteren Informationen und Hinweisen, insbesondere zu den Auswahlkriterien und dem generellen Prozess.

Weitere Informationen, Links und Videos mit Hilfestellungen zur Auswahl erhalten Sie bei Bedarf direkt per Mail.

03.
Oktober '19

LiveChat – ein kostenloses Angebot für schnelle Hilfe


… und ein Versuch die Frage „Warum machen Sie das mit dem LiveChat und das auch noch kostenlos?“

Eine der am häufigsten gestellten Fragen und meist von Kollegen gestellt. Vieles an Informationen, Fragebögen, Leitfäden oder Übersichten hier auf meiner Seite sind aus einem einfachen Grund entstanden. Eigener Faulheit 🙂

Nachdem ich vieles immer und immer wieder unterschiedlichen Menschen erklärt habe, habe ich Fragebögen entworfen, Leitfäden und/ oder Bücher geschrieben und damit allen das Leben erleichtert. Zum einen wird es leichter für Sie, denn Sie haben die Möglichkeit Informationen nachlesbar zu machen und sich bei Bedarf (erneut) anzuschauen. Auf der anderen Seite ist es auch für mich einfacher/ zeitsparender und ermöglicht mir damit Zeit „freizuschaufeln“ und damit Zeit für andere Dinge zu haben.

Wie alles anfing

Vor einigen Jahren nahmen dann auch die Anrufe zu, meist Anrufe die „ich habe mal eine kurze Frage“ als Hintergrund hatten. Diese habe ich, soweit zeitlich machbar, auch dann schon immer kostenlos beantwortet. Das Problem was sich dann ergab?

Am Telefon lassen sich zwar Fragen beantworten und Sachen einfach schnell erklären, aber es fehlt oft die ergänzende Möglichkeit weiterführende Informationen zu übermitteln.

In der Praxis war es dann oft so, dass ich im Anschluss nach dem „Ich-habe-mal-eine-Frage-Telefonat“ dann E-Mails verschickt habe und hier weitere Links zu Blogbeiträgen oder Unterlagen verschickt. Das bindet dann am Ende aber so viel Zeit, dass es schlichtweg nicht mehr machbar war.

Die Idee des Live Chats entstand auch hier eher aus einer Laune heraus und als ich damit anfing, im Dezember 2014, gab es das schon in anderen Bereichen, aber bei Maklern und in der Versicherungsbranche eher nicht. Doch warum eigentlich nicht?

Gerade wenn Sie sich auf der Seite hier aufhalten und sich Beiträge durchlesen, Fragebögen anschauen und informieren, gerade dann entstehen Fragen und Rückfragen. Warum also diese dann nicht einfach beantworten?

Fragen und Antworten zum LiveChat

Zu dem Angebot des Live Chats gab es in den letzten Monaten immer einmal wieder Fragen. Daher habe ich einige dieser Fragen aufgegriffen und werde diese nun hier im Beitrag beantworten. Fangen wir damit mit einer der am Häufigsten gestellten Frage an.

Ist es ein Chat Bot?

Interessant, denn in Zeiten immer unpersönlicherer Hotlines und ausgelagerten Servicecenter, ist dieses eine der Fragen welche Sie als Besucher beschäftigt. So kommt oft vor der eigentlichen Fragen eben genau diese und die kann ich ganz klar und eindeutig beantworten.

NEIN, wenn der Chat online ist und Ihnen als PopUp Fenster angeboten wird, dann ist es niemals ein Bot, sondern (mehr …)