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30.
Juni '21

Gesamteinkommen – was gehört für die Krankenkasse dazu, was nicht?


Das Gesamteinkommen, ein Buch mit sieben Siegeln. Gerade in Fragen via LiveChat oder über meine Kontaktseite zur Beratung häufen sich Fragen was wozu gerechnet wird. Was gehört zur Jahresarbeitentgeltgrenze? Wie berechne ich mein Gesamteinkommen und welche Einkünfte und Einkunftsarten werden zur Berechnung herangezogen.

Dabei ist im Wesentlichen zuerst einmal zu entscheiden, wofür wird das Gesamteinkommen benötigt und was ist die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG). Auch der Begriff „Beitragsbemessungsgrenze“ spielt bei Fragen der GKV Beiträge eine Rolle. Eine Variante, wozu Sie diese benötigen, ist die Prüfung der Versicherungspflicht für einen Angestellten. Wer angestellt ist und dort hauptberuflich beschäftigt, dessen Einkommen wird jährlich überprüft. Liegt dieses Einkommen unter der Jahresarbeitentgeltgrenze (2021: 64.350 Euro), so besteht Versicherungspflicht. Verdienen sie über dieser Grenze, können sie sich freiwillig versichern. Dabei steht ihnen die Wahl zwischen gesetzlicher Krankenkasse (GKV) und den privaten Krankenversicherungen (PKV) offen.

Zu der Grenze werden nicht alle Einkünfte dazu gezählt. Generell ist diese Grenze jedoch eine Jahresgrenze. Diese kann zwar zu Vereinfachung auf den Monatswert herunter gebrochen werden, bleibt aber eine Jahresgrenze. Bekommen sie also mehr als zwölf Gehälter, so werden diese addiert und bilden das Jahreseinkommen.

Gesamteinkommen = Jahresarbeitentgeltgrenze?  Nein!

Ich habe bereits in anderen Beiträgen genauer beschrieben, welche Einkünfte hierzu zählen. Dabei ist zunächst einmal der Arbeitgeber verantwortlich hier korrekt zu melden und zu berechnen.

Wer als Angestellter dazu noch nebenberuflich selbstständig ist, bei diesem werden diese Einkünfte in der Regel nicht berücksichtigt. Auch Einkünfte eines Angestellten aus einer Photovoltaikanlage oder aus Vermietung und Verpachtung zählen hier nicht dazu.

Ausnahmen bestehen jedoch, bei einer parallelen und gleichwertigen Tätigkeit als Angestellter und als Selbstständiger. Dabei sind sowohl zeitliche, als auch finanzielle Punkte zu berücksichtigen. Wer als Angestellter hauptberuflich tätig ist, der hat auch nur dieses Einkommen aus dieser speziellen Angestelltentätigkeit bei der Berechnung zu berücksichtigen. Das kann positiv sein, wenn das Ziel ist, möglichst versicherungspflichtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu bleiben oder zu werden.

Nachteilig kann es jedoch sein, wenn das Ziel ist, die die Privaten Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Die Regelungen sind hier aber eindeutig. Zudem hat der Gesamtverband der gesetzlichen Krankenversicherungen hier umfangreiche Kataloge mit Einkunftsarten herausgegeben, welche genau und im Einzelnen beschreiben, welches Einkommen hinzugerechnet wird.

Rundschreiben: „Katalog von Einnahmen und deren beitragsrechtliche Bewertung nach § 240 SGB V

Gesamteinkommen – Wichtig für die Familienversicherung

Bei der Familienversicherung hingegen wird auch ein sogenanntes Gesamteinkommen benötigt. Das spielt immer dann eine Rolle, wenn Kinder von unterschiedlich versicherten Eltern (einer gesetzlich, einer privat) einen Anspruch auf eine kostenfreie Familienversicherung haben. Hierzu habe ich in einem anderen Beitrag bereits umfangreich beschrieben, wo das Kind zu versichern ist. In dem folgenden Schema (im Downloadbereich finde sie dieses als PDF) können Sie selbst ermitteln, ob ein Anspruch auf Familienversicherung besteht. Hier spielt die Jahresarbeitsentgeltgrenze eine Rolle und auch das Einkommen.

Bevor wir nun die Frage beantworten, welche Einkünfte hier berücksichtigt werden, zunächst noch einen Blick auf das sogenannte „regelmäßige Gesamteinkommen“. Bei der Ermittlung des Gesamteinkommens sind die Einkünfte zu berücksichtigen, die regelmäßig im Monat erzielt werden oder dem Versicherten zufließen. Aber Achtung:

Es zählen hier aber auch Einmalzahlungen hinzu, welche jährlich gewährt werden (mindestens einmal jährlich). Diese sind dann anteilig zu berücksichtigen und werden auf den Monat herunter gebrochen. So kann, zum Beispiel, neben einem laufenden Arbeitsentgelt auch ein Weihnachtsgeld berücksichtig werden. Dieses wird dann auf die Monate herunter gerechnet.

Gesamteinkommen bei Selbstständigen

Versuchen wir das Gesamteinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit zu berücksichtigen, ist dieses ungleich schwieriger. Das Einkommen schwankt gewöhnlich über die Jahre, und verändert sich somit regelmäßig. Es kann daher über der Grenze und auch wieder darunter liegen. Abhängig davon, wann der Monatsdurchschnitt berechnet wird. Aber auch hier vergegenwärtigen wir uns wieder die Tatsache, dass es eine Jahresbetrachtung ist. Es geht also nicht darum das Einkommen, beispielsweise von Januar bis Juni zu berücksichtigen und dieses auf den Monat aufzuteilen. Vielmehr betrachten wir grundsätzlich einen kompletten Zwölfmonatszeitraum.

Maßgebend ist hier der Einkommenssteuerbescheid. Das dort ermittelte Gesamteinkommen ist dann ab dem folgenden Monat zu berücksichtigen. Bekommen sie also ihren Steuerbescheid für das Jahr 2020 im August, können sie das dort genannte Gesamteinkommen durch zwölf teilen und haben dann die Berücksichtigungsgröße für die Prüfung der Familienversicherung. Nach Zustellung des Steuerbescheides kann somit die Familienversicherung entfallen sein. Wichtig dabei: Es kann auch rückwirkend passieren. Hier gilt es vorzusorgen, zum Beispiel mit Optionstarifen. (Dazu aber in einem anderen Beitrag einmal mehr. Bei Fragen, gern direkt fragen.)

Rückwirkende Versicherung von Kindern, nach zu hohem Gesamteinkommen

Dabei spielt es ausdrücklich keine Rolle, wie ihr tatsächliches und „echtes“ Einkommen aus der Selbständigkeit im aktuellen Jahr aussieht. Selbst wenn sie kein weiteres, momentanes Einkommen haben und ihre Einnahmen daher gegen null tendieren, entfällt die Familienversicherung nach Zugang des Steuerbescheides unter Umständen trotzdem.

TIPP: In solchen besonderen Fällen, oder wenn sich das Einkommen drastisch verringert hat, sollten sie unbedingt, mit dem Steuerbescheid, ihre gesetzliche Krankenkasse kontaktieren.

Eine hilfsweise Lösung kann es sein, durch den Steuerberater eine Reduzierung der Vorauszahlungen beim Finanzamt zu beantragen, denn dieses erstellt dann einen neuen Steuerbescheid (einen Vorauszahlungsbescheid). Dieser, an die Krankenkasse geschickt, kann und eine entsprechende Neueinstufung zum nächsten Monatsersten bewirken kann. So kommen, in einigen Fällen, ihre Kinder in die kostenfreie Familienversicherung zurück, obwohl noch kein Steuerbescheid für das laufende Jahr vorliegt.

Wichtig dabei: Diese Nachweise und Belege müssen von Dritten erstellt worden sein. Eine selbsterstellte BWA (wenn sie die Buchhaltung für sich bzw. für ihr Unternehmen selbst erstellen) zählt hier nicht. Sie benötigen einen neutralen Dritten, kann das Steuerbüro sein, aber auch das Finanzamt. Erst mit einem neuen Steuerbescheid ist eine Neueinstufung möglich.

Ganz entscheidend: Die Familienversicherung für Kinder kann auch rückwirkend enden. Stellt also das Finanzamt erst im Jahr 2021 den Steuerbescheid 2020 fertig und dort wird die JAEG überschritten, so endet gegebenenfalls die Familienversicherung rückwirkend. In den folgenden Beiträgen zur Familienversicherung und dem Entfall bzw. der rückwirkenden Versicherung für Kinder, habe ich umfangreiche Informationen dazu aufgeschrieben. Auch lesen Sie dort Hilfestellungen und Tipps darüber, wie Sie eine rückwirkende Versicherung erreichen und was Sie schon weit im Voraus hierzu bedenken müssen.

Gesamteinkommen – gesetzliche Grundlagen

Als Ergänzung zu den oben genannten Ausführungen noch der Hinweis auf den Paragrafen 16 des Sozialgesetzbuches 4. Der Begriff Gesamteinkommen wird in dem Paragrafen 16 als die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts definiert.

㤠16 Gesamteinkommen

Gesamteinkommen ist die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts; es umfasst insbesondere das Arbeitsentgelt und das Arbeitseinkommen.“

Sind Sie nun schlauer? Nicht wirklich, dann gern noch etwas detaillierter.

Hierzu gehören nach dem Paragrafen 2 Absatz 1 des Einkommenssteuergesetzes zwei unterschiedliche Einkommensarten. Die sogenannten „Überschusseinkünfte“ und die „Einkünfte mit Gewinnermittlung“.

Überschusseinkünfte

Hierzu zählen Einkünfte

– aus nichtselbstständiger Arbeit das Arbeitsentgelt
– Einmal jährlich gewährte Einmalzahlungen (u.a. Weihnachts-/ Urlaubsgeld)
– Abfindungen bei Auflösung eines Arbeitsvertrages
– Einkünfte aus Kapitalvermögen, zum Beispiel Zinserträge
– Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
– Sonstige Einkünfte wie zum Beispiel Renten (kein Abzug von Werbungskosten)

Bei diesen Überschusseinkünften mindern die Werbungskosten das Gesamteinkommen. So wird bei dem Bruttoarbeitsentgelt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR pro Jahr abgezogen, es sei denn es werden höhere Werbungskosten nachgewiesen. Auch bei Kapitaleinkünften kann der Freibetrag (801 EUR bei Alleinstehenden oder 1.602 EUR bei gemeinsam steuerlich veranlagten Partnern) berücksichtigt werden.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden gemindert um sämtliche Aufwendungen, welche durch diese Einkommensart verursacht wurden und dieser zuzuordnen sind. (Betriebskosten, Erhaltungsaufwand, Kosten der Geldbeschaffung, Versicherungen für die Immobilie u.v.m.). Eine Tilgung des Darlehens aber nicht, denn dieses sorgt ja dafür, dass Sie diese Immobilie irgendwann besitzen.

Einkünfte mit Gewinnermittlung

Hierzu zählen

– selbstständigen Tätigkeiten,
– Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
– Einkünfte aus Gewerbebetrieben

Gesamteinkommen richtig ermitteln

Generell sollten Sie sich hierzu professioneller Hilfe bedienen. Ein Steuerberater kann Ihnen bei der Ermittlung des Gesamteinkommens helfen. Hier müssen Sie jedoch zunächst Unterlagen besorgen und die nötigen Informationen liefern. Zu beachten sind jedoch die unterschiedlichen Anrechnungen von verschiedenen Einkunftsarten. Der Steuerberater kennt sich mit Steuern aus, nicht aber mit der Krankenversicherung – ist auch nicht sein Job!

Abhängig von dem Zweck der Berechnung erkennen Sie somit schnell, welche Einkunftsarten zu berücksichtigen sind. Angestellte, welche prüfen möchten, ob sie versicherungspflichtig sind, vergleichen Ihr Einkommen mit der Jahresarbeitentgeltgrenze.

Versicherungspflichtig oder versicherungsfrei als Angestellter?

Bei der Prüfung der Familienversicherung hingegen, sind umfangreiche Aufstellungen nötig, um hier ggf. auch Abzüge und anrechenbare Beträge zu berücksichtigen. Schwankt das Einkommen eines Selbstständigen stark, welcher seine Kinder privat versichern will oder muss, bestehen besondere Herausforderungen. Insbesondere, wenn sich die Einkünfte mal über und mal unter der JAEG bewegen, gilt es hier besondern gut vorzusorgen.

Fragen hierzu? Auch bei der Frage, wie Sie hohe Nachzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse umgehen können, lesen Sie gern die weiteren Beiträge.

Beiträge zur Familienversicherung
Kann mein Kind rückwirkend versichert werden?
Die Krankenkasse droht mit hohen Nachzahlungen

Bereits in der Vergangenheit habe ich hierzu eine Artikelserie veröffentlicht. Hier beschreibe ich detailliert und verständlich alle Probleme und Lösungen zum Gesamteinkommen, der Kinderversicherung und den Auswirkungen für eine Familienversicherung.

Kinderkrankenversicherung – alles was Sie wissen müssen, Teil 1 und Kinderkrankenversicherung Teil 2

Im Rundschreiben des GKV Spitzenverbandes (letzter Stand 2020) finden Sie zudem weitere Informationen und eine detaillierte Liste zu den Einkunftsarten. Als Anlage finden Sie dort auch eine Liste mit allen Einkunftsarten, der Frage nach der Anrechnung auf das Gesamteinkommen und die Rechtsgrundlage.

Rundschreiben: Gesamteinkommen im Rahmen der Prüfung der Familienversicherung

06.
Oktober '14

Soll ich als junger Mensch heute noch in die Private Krankenversicherung? Überlegungen zu unterschiedlichen Systemen


Eine interessante Frage, welche ein Maklerkollege in einem Forum gestellt hat. Grund dafür war sein Wechsel zu einer Kapitalgesellschaft und er überlegte somit nun für sich selbst, ob das eine (gesetzliche) oder das andere (private) System nun das passende ist. In meinen, bald in dritter Auflage erscheinenden „Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung“ habe ich bereits einige grundlegende Unterschiede hierzu erklärt, ebenso finden sich hier Informationen zu der Funktionsweise beider Systeme. Doch zurück zur eigentlichen Frage, die er nicht nur diesen (auf Sachversicherungen spezialisierten) Kollegen betrifft, sondern auch viele meiner Kunden. Auch hier stellt sich grundsätzlich die Frage, welches Krankenversicherungssystem langfristig das bessere passender für den jeweiligen Interessenten ist.

Um eine solche Entscheidung treffen zu können, sind ganz viele unterschiedliche Punkte zu berücksichtigen und es geht dabei nicht, nicht einmal nachrangig um die Prämie sondern um eine grundsätzliche Entscheidung, welche von Leistungen, der eigenen Zukunftsplanung und den persönlichen Ansprüchen getragen werden sollte.

Familien immer in die Gesetzliche Krankenkasse (GKV)?

Auch hier hilft uns eine pauschale Aussage leider überhaupt nicht weiter. Es gibt durchaus eine Reihe von privat versicherten Kunden, welche dort überhaupt nicht hingehören, auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Familien (auch in meinem Kundenkreis) welche sich bewusst und unter Kenntnis der finanziellen Belastungen für das System der privaten Krankenversicherung entschieden haben. Auch hierzu habe ich bereits etwas in meinem Beitrag „Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen“ geschrieben und versucht deutlich zu machen, dass es auch langfristig kein Modell zum Geld sparen ist.

Weiterhin stellt sich natürlich hierbei die Frage der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit und der heutigen (und langfristigen) finanziellen Situation. Diese ist leider nicht immer im Detail planbar und daher bergen natürlich beide Systeme unterschiedliche Risiken. Besondere Vorteile, welche in der gesetzlichen Krankenkasse oftmals angeführt werden, gelten auch hier nicht für jeden (freiwillig) Versicherten. Dazu zählen unter anderem die Beitragsfreiheit während der Elternzeit, aber auch die Tatsache dass ein Elternteil bei Erkrankung des Kindes krank geschrieben werden kann. Die Beitragsfreiheit kann in einigen Tarifen der privaten Krankenversicherung ebenfalls enthalten sein, ist jedoch kein genereller und verpflichtender Bestandteil. Dieses ist also ein weiterer Punkt, welcher bei der Auswahl des entsprechenden Tarifs und der Gesellschaft berücksichtigt werden sollte.

„Ich bleibe in der GKV, dann kostet das Kind nichts.“

Wirklich? Auch dieser, immer wieder aufgezählte, Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse ist in jedem Fall genau zu durchleuchten. Hierbei spielt es unter anderem eine Rolle, ob die Eltern verheiratet sind und in welchem der beiden Systeme wer versichert ist. Damit Sie ganz einfach herausfinden können ob es einen beitragsfreien Versicherungsschutz für ihr (zukünftiges) Kind gibt, werden sie gern einmal einen Blick auf mein Schaubild zur Versicherung der Kinder in der Krankenversicherung.

Eine generelle Aussage, dass Kinder demnach immer beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse sind, stimmt daher nicht. Auch solltest durchaus Kinder geben, welche aus bestimmten Überlegungen der Eltern ein eigenes Einkommen haben und auch hier unter bestimmten Umständen aus einer beitragsfreien Familienversicherung eine kostenpflichtige, freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse werden kann.

„Die Leistungen die mir fehlen, die gleiche ich mit einer Zusatzversicherung aus.“

Natürlich lassen sich einige Bereiche der privaten Krankenversicherung durchaus mittels einer Zusatzversicherung zur GKV abdecken, auf der anderen Seite gibt es irgend eine Reihe von Leistungsmerkmalen, welche sich nicht ergänzen lassen. Im stationären Bereich lassen sich die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung durchaus mit einer privaten Zusatzversicherung entscheidend verbessern. Dabei geht es nicht nur um die freie Auswahl des Krankenhauses, sondern auch um eine Versorgung in einem Ein-oder Zweibettzimmer, oder auch die (zum Teil sehr wichtige) gezielte privatärztliche Behandlung. Dabei geht es gar nicht darum, ob nun unbedingt der Chefarzt einer Klinik derjenige sein muss, der eine bestimmte Behandlung besonders gut kann. Hier herrscht oftmals sogar die Befürchtung, dass die Chefärzte es teilweise sogar „schlechter behandeln“ als der (Ober-) Arzt, der ist die ganze Woche über tut.

Bei der so genannten Wahlleistung Privatarzt geht es vielmehr darum, den gewünschten Arzt einer Klinik gezielt auswählen zu können und sich bewusst für eine Behandlung bei diesem zu entscheiden. Gerade bei schwerwiegenden Erkrankungen, welche zudem noch eine planbare Behandlung ermöglichen, ist die Auswahl eines entsprechenden Arztes mit ausreichender Spezialisierung und Erfahrung unter Umständen von entscheidender Bedeutung.

Mit einer hochwertigen Zusatzversicherung, welche aber durchaus auch dreistellige Monatsbeiträge zur Folge haben kann, lässt sich der gesetzlich Versicherte (fast) auf den Status eines Privatversicherten mit einem leistungsfähigen Tarif anheben. Teilweise ist diese Versorgung sogar besser, als ein leistungsreduzierter (um nicht zu schreiben schlechter) Tarif der privaten Krankenversicherung.

Auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der zahnärztlichen Versorgung, ist eine entsprechende Zusatzversicherung eine Möglichkeit den eigenen, gesetzlichen Krankenversicherungsschutz entsprechend aufzuwerten und sich die gewünschte (hochwertigere) Behandlung damit zu erkaufen.

Bei Kindern denkt man häufig an die (fast schon typische) Versorgung mit einer Zahnspange, also die Behandlung im Rahmen einer kieferorthopädischen Versorgung. Diese ist nicht nur sehr kostenintensiv, hierbei handelt es sich auch um eine Leistungsbereich der nur „so leidlich“ durch eine Zusatzversicherung ausgeglichen werden kann. Es existieren zwar entsprechende Tarife für die kieferorthopädische Versorgung von Kindern, jedoch müssen diese in einem bestimmten Alter abgeschlossen sein, und haben auf der anderen Seite recht hohe Beiträge. Da stellt sich am Ende fast die Frage, ob es sinnvoller ist das Geld selbst zurückzulegen, statt einen entsprechenden Tarif für die KFO Behandlung abzuschließen.

Im Rahmen dieser Aufstellung der Leistungsbereiche in Ergänzung zur gesetzlichen Krankenkasse sei jedoch noch erwähnt, dass auch für das gesetzliche Krankentagegeld eine entsprechende Ergänzung sinnvoll ist, denn wie der Krankengeldrechner Ihnen zeigt, besteht gerade hier ein großes finanzielles Risiko welches in der gesetzlichen Krankenkasse nicht abgedeckt werden kann.

Aber wenn ich doch die Beiträge später nicht bezahlen kann?

Das Risiko steigender Beiträge, unter anderem aufgrund von gestiegenen Gesundheitskosten wird beide Systeme in vergleichbarem Maße treffen. Während die gesetzliche Krankenkasse als umlagefinanziertes System Steuerzuschüsse bekommt und zudem von der Konjunktur abhängig ist, ergeben sich in der privaten Krankenversicherung durchaus andere Probleme. Insbesondere der, der heute auf „Geld sparen“ setzt und glaubt, er wechsle in ein System mit besseren Leistungen und gleichzeitig (langfristig) geringeren Beiträgen der unterliegt einem Irrglauben. Insbesondere die Tarife die heute am Markt deutlich günstiger als andere vergleichbare sind, oder die die hohe Beitragsrückerstattungen ausschütten, werden irgendwann ein Problem mit der Gegenfinanzierung haben.

Man kann Geld schlicht und ergreifend nur einmal ausgeben und die Beträge die heute fehlen, die lassen sich nur schwer wieder hereinholen. Es fehlt ja nicht nur der Betrag X den sie heute monatlich weniger einzahlen, sondern es fehlt insbesondere der Zins und Zinseszinseffekt durch die Wiederanlage dieser Beträge.

Die Beiträge sind sowohl in der gesetzlichen als auch in der privaten Krankenversicherung in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Das wird sich auch zukünftig zu fortsetzen. Wer also Befürchtungen hat, seine Beiträge langfristig nicht bezahlen zu können, der muss heute gegensteuern und entsprechende Rücklagen für (egal welches) System bilden um diese zukünftigen Anpassungen abfedern zu können.

Dazu bieten sich in der privaten Krankenversicherung unterschiedliche Möglichkeiten, das kann, muss aber nicht ein Baustein zur Beitragsentlastung in dem eigenen Krankenversicherungsvertrag sein. In der gesetzlichen Krankenkasse haben wir in den vergangenen Jahren ebenfalls durchaus deutliche Steigerungen der Beitragssätze bzw. der endgültigen Beitragsbelastung gesehen. Diese hat jedoch durchaus mehrere Gründe und ist nicht immer an der Steigerung des Beitragssatzes nachvollziehbar. Insbesondere trifft es die Versicherten, welche oberhalb der so genannten Beitragsbemessungsgrenze liegen. Durch die Anhebung dieser Grenze, stieg auch die Summe der Beträge, auf welche Beiträge in der gesetzlichen Krankenkasse entrichtet werden müssen. Aus diesem Grund muss sich der Beitragssatz gar nicht verändern, dennoch steigt der Beitrag entsprechend an.

Beitragsentwicklung GKV

Zum 1. Januar 2015 werden wir eine Reduzierung des Beitragssatzes um 0,9 % erfahren, jedoch für das nicht zwingend zu einer Reduzierung der Beiträge. Zum Einen wird die Beitragsbemessungsgrenze angehoben (+900 € pro Jahr) und zum Anderen wird der wegfallende Zusatzbeitrag durch die Krankenkassen aufgefangen werden müssen. Dieses geschieht (so der Wille des Gesetzgebers) mit einem prozentual vom Einkommen abhängigen Zusatzbeitrag. Es wird also nicht mehr ein fester und damit pauschaler Zusatzbeitrag für alle festgelegt, sondern ein bestimmte, prozentualer Anteil der beitragspflichtigen Einnahmen zusätzlich erhoben. Diesen kann man eine gewisse Zeit sicherlich durch ein „Hin-und her wechseln“ der GKV entstehen, das wird jedoch nur begrenzt funktionieren.

Die Patentlösung gibt es nicht!

Wer nun glaubt er bekäme einen „schnellen Ratschlag“ welches System für ihn das richtige und passende ist, den muss ich leider auch am Ende dieses Beitrages enttäuschen. Eine pauschale Aussage gibt es nicht, sondern vielmehr eine genaue Abwägung der persönlichen Ansprüche und der Möglichkeiten diese zu realisieren. Dazu muss nicht nur die Unterschiedlichkeit der Systeme verstanden werden, sondern vielmehr muss sich der Interessent/Kunde überlegen, welche Variante er für sich für die passende hält.

PKV macht Arbeit!

Wer sich für die private Krankenversicherung (PKV) entscheidet, der sollte sich ebenfalls klar darüber sein, dass er selbst Zahler gegenüber dem Arzt ist. Sie oder er entscheiden selbst und eigenständig welche Behandlungen sie bei dem Arzt in Anspruch nehmen, denn nur der Patient geht ein Vertragsverhältnis mit dem Arzt ein. Diese schreibe ich auch deshalb so deutlich, weil in den Medien manchmal von einer „Übermaßbehandlung“ von Privatpatienten die Rede ist. Für mein Verständnis gehört nur derjenige in die private Krankenversicherung, der in der Lage und willens ist sich selbst und bewusst mit der Behandlung auseinander zusetzen. Dazu gehört eben auch Behandlungsmethoden abzulehnen oder sich für eine zweite Meinung eines anderen Arztes zu entscheiden.

Grundsätzlich ist dieses Verständnis auch in der gesetzlichen Krankenkasse nötig und sollte normalerweise für jeden Patienten selbstverständlich sein. Dem Irrglauben zu unterliegen, der Arzt machen alles richtig und man ließe das mal alles so „über sich ergehen“ ist nicht nur bei einem privat versicherten Patienten der falsche Ansatz. Der (wie er so gern tituliert wird) „mündige Patient“ ist eine zwingende Voraussetzung für ein funktionierendes Gesundheitssystem. Er ist aber zudem eine zwingende Voraussetzung dafür, dass Gesundheitssysteme langfristig funktionieren.

Wenn Sie also als privat oder auch gesetzlich versicherter Patient das Gefühl haben, Ihr Arzt behandelt sie „nur des Geldes wegen“ oder um irgend eine bestimmte Behandlungsmethode einmal „testen zu können“ dann sollten Sie schleunigst den Arzt wechseln.

Entscheiden Sie sich bewusst!

Wenn Sie also gerade jetzt vor der Frage stehen, ob sie in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung richtig aufgehoben sind, dann tun sie sich zunächst einmal einen großen Gefallen damit, wenn Sie sich Zeit lassen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und versuchen Sie beiden unterschiedlichen Systeme zu verstehen und machen sich genauestens mit den Gegebenheiten in dem einen, wie dem anderen System vertraut. Erst wenn sie verstanden haben wie das System der gesetzlichen Krankenkassen funktioniert, wie sie dieses verlassen können und wie sie auch gegebenenfalls in dieses wieder zurückkehren können, erst dann sollten Sie eine begründete Entscheidung für die private Krankenversicherung treffen.

Haben Sie das System der privaten Krankenversicherung nicht durchschaut, so bleiben sie da wo sie sind. Ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenkasse liegt unter anderem darin, dass Ihnen (Entschuldigen Sie bitte die direkte Formulierung) jemand in verschiedenen Bereichen das Denken abnimmt. Eine Auseinandersetzung mit dem Arzt oder seinen Behandlungsmethoden ist hier trotzdem angeraten, unterlassen Sie dieses ist es unter Umständen aber Anführungsstriche unten nicht so schlimm“, da die Regulierungen der gesetzlichen Krankenversicherung einem gewissen Rahmen bilden.

Diesen regulierenden Rahmen haben sie jedoch in der privaten Krankenversicherung oftmals nicht. Der Arzt geht davon aus, dass all da, was er abrechnen möchte und behandeln möchte auch von Ihnen bezahlt wird und wer die Leistungen beansprucht wird auch zunächst einmal zahlungspflichtig. Das betrifft natürlich nicht falsche Rechnungen und überhöhte Abrechnungen (gegen diese müssen Sie als Privatpatient natürlich vorgehen).

Ich bin, für einen ganz bestimmten Kundenkreis davon überzeugt, dass die private Krankenversicherung das richtige System ist. Ebenso glaube ich aber das viele, welche sich heute in der privaten Krankenversicherung befinden (und durch „windige Berater“ in dieses System gebracht wurden) deutlich besser in der gesetzlichen Krankenversicherung aufgehoben wären. Daher spricht auch nichts dagegen, in einer vernünftigen Beratung einem Kunden von einem Wechsel in das System der PKV abzuraten, und ja, das kann man auch wenn man Versicherungsmakler mit dem Schwerpunkt private Krankenversicherung ist. Ein ebenso vernünftiger Rat am Ende einer Beratung kann lauten: „Die Bereiche X, Y, Z lassen sich durch eine entsprechende Zusatzversicherung dem Anbieter A, B, C ausgleichen, ansonsten bleiben Sie bitte in der GKV!“

Einige von ihnen haben (weil sie genug verdienen, oder sich für eine Selbstherrlichkeit entschieden haben, oder Beamte sind) von dem Gesetzgeber eine Auswahlmöglichkeit zugestanden bekommen, andere müssen sich mit dem System in das sie zwangsweise eingegliedert werden begnügen.

Es gibt eben kein „richtiges oder falsches System“, sondern nur den passenden Interessenten für das passende System.