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06.
August '18

PKV: Ich möchte eine hohe Beitragsrückerstattung wenn ich keine Rechnungen einreiche


Wer sich für die private Krankenversicherung (PKV) interessiert, der hat sich meist schon etwas belesen. Er hat Google gefragt, sich Tarife von Freunden und Bekannten empfehlen lassen (Warum das keine gute Idee ist? Hier klicken!) und irgendwann etwas über Rückzahlungen gelesen.

Ob die Gesellschaft das nun

oder wie auch sonst heißt, es suggeriert eine Beitragsrückzahlung an den Kunden und weckt Erwartungen. Diese werden dann teilweise nicht erfüllt oder führen zu dem bösen Erwachen später, aber dazu später mehr.

Der Wunsch taucht auch immer wieder im Livechat hier auf der Seite auf, in dem können Sie Fragen stellen und bekommen schnell und kostenfrei eine Antwort. Dazu einfach links unten klicken. Eine solche Aussage kam daher auch kürzlich wieder.

Der Wunsch der Rückzahlung

Es war einmal… nein, doch kein Märchen. Aber der Wunsch der zukünftig privat versicherten ist oft auch dadurch geprägt, dass Gesellschaften weiter mit Rückerstattungen, Bonusleistungen und dergleichen werben und so den Eindruck erwecken, man müsse also unbedingt irgendwie Geld aus dem PKV Vertrag wieder rausbekommen.

Für einige Berater ist es ebenso ein „gefundenes Fressen“. Da wird eine Rückerstattung gleich mal von dem Beitrag abgezogen, das sieht so alles viel besser aus. Da werden dann aus 600 EUR Monatsbeitrag gleich nur noch 165 EUR. Klingt gut, oder?

Ist nur dummerweise Unsinn und eher Marketing und Verkauf, denn Beratung. Denn genau so geht es eben nicht. Eine PKV muss man sich leisten können und wollen, habe ich einmal in einem anderen Beitrag geschrieben und auch wenn dieser Blogpost schon älter ist, ist er nicht weniger richtig.

Wer eine solche Entscheidung nicht bewusst trifft und sich überreden lässt, der fällt schnell auf die Nase. Und ja, Makler verdienen Geld damit, dass diese Sie beraten und dann eine Vergütung bekommen. Das eine schließt aber das andere nicht aus und so gehört zu einer guten Beratung eben auch ein „nein, Sie passen (derzeit/ generell) nicht in das System PKB.

PKV – gewollt und bewusst entschieden, aber niemand muss in die private Krankenversicherung

Die Beitragsrückerstattung in der PKV

Generell sind zwei Modell zu unterscheiden. Die garantierte Rückerstattung und die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung in der privaten Krankenversicherung. Zum besseren Verständnis hier einmal etwas auseinander „gepflückt“.

garantierte Rückerstattungen

Das kann eine monatlich garantiere Zahlung in Form eines Bonus sein (Hallesche NK) oder schon ein vorweg genommener Abzug, weil man meint der Kunde ist eh ohne Leistung. Letzteres ist das Modell der Hanse Merkur im Nachfolger des ASZG Tarifs, wo das schon immer so war. Aber auch im neuen AZP Tarif ist die Regelung wieder so drin. Da ist dann wieder von garantierter Pauschalerstattung die Rede. Blöd nur, dass es nicht wirklich garantiert ist, denn der Tarif wird deutlich teurer, wenn Leistungen benötigt werden.

Das Modell dahinter? Die Hanse geht davon aus, Sie brauchen eh keine Leistungen und stundet Ihnen daher einen Teil, genauer gesagt die Hälfte, des reinen Tarifbeitrages. Daher zahlen Sie auf dem Papier einen immens niedrigen Beitrag. Was daraus wird lesen Sie, wenn Sie im 1. Absatz auf die roten Wörter klicken.

Doch mal im Ernst. Sie schließen eine Krankenversicherung ab, damit Sie davon ausgehen nie krank zu werden und das macht auch der Versicherer und zahlt Ihnen etwas zurück? Ich bitte Sie…

Eine Krankenversicherung ist dann wichtig, wenn Sie eben nicht krank sind. Wenn Sie sparen wollen, kaufen Sie sich einen Strumpf.

  • – garantierte Rückerstattungen sind an Bedingungen geknüpft

  • – garantiere Rückerstattungen sind der Höhe nach fix (auch in der Zukunft werden diese nicht erhöht)

  • – wer heute 50 EUR monatlich bekommt, bekommt auch in 30 Jahren 50 EUR monatlich

  • – kann durch die Gesellschaft nicht reduziert werden (auch nicht erhöht)

erfolgsabhängige Rückerstattungen (BRE)

Im Gegensatz zu den eben genannten sind diese Rückerstattungen erfolgsabhängig. Aber nicht von Ihrem Erfolg, sondern vom Erfolg des Versicherers. Wirtschaftet dieser gut und erzielt Gewinne, bekommen die Kunden welche leistungsfrei sind auch etwas zurück. Wenn nicht, dann eben nicht. Sie rechnen also mit einer WENN, DANN, VIELLEICHT Zahlung.

Diese wird für das laufende Jahr festgelegt und nur für dieses. Überlegt sich das Unternehmen es zukünftig nicht mehr zu zahlen, dann ist das für die folgenden Jahre ebenso. Auch wenn Sie krank sind werden solche Leistungen nicht mehr erbracht.

Wofür machen Sie sich noch gleich die Arbeit bei der Suche nach der passenden Versicherung? Ach richtig, für den Fall das Sie KRANK sind und bestmögliche Leistung brauchen.

  • – erfolgsabhängige Rückerstattungen sind nicht garantiert

  • – können zukünftig angepasst, reduziert werden

  • – können ab dem Folgejahr ganz entfallen

  • – sind weg, wenn Sie krank werden und Leistungen brauchen

Was aber beide Rückerstattungen gemeinsam haben… Sie sind beide steuerschädlich. Warum? Weil es eine Rückzahlung und damit eine Minderung der gezahlten Krankenversicherungsbeiträge ist.

Das kann- auch im Hinblick auf das Pauschalleistungsmodell- noch nach einigen Jahren ganz spannend finden, wenn dort Steuerbescheide geändert werden müssen und sollen. Dann ist eine Nachzahlung nicht ausgeschlossen.

Die steuerlichen Folgen

Jeder Euro Rückzahlung ist ein Euro weniger gezahlte Krankenversicherung. Das heißt auch und gerade bei höheren Einkommen, höheren Steuerklassen, es kann sinnvoller sein Rechnungen einzureichen und lieber auf die BRE zu verzichten, dafür aber die PKV Beiträge angerechnet zu bekommen.

Nehmen wir das Beispiel von dem „Zettel“ oben im Beitrag. Zunächst hat unser Musterkunde 600 EUR gezahlt, davon 300 vom Arbeitgeber zurückbekommen. Der Aufwand für die KV beträgt somit pro Jahr 300 * 12 = 3.600 EUR.

Dieser Betrag führt zu einer steuerlichen Entlastung, da der Beitrag angerechnet wird. Er mindert somit die Lohn-/ Einkommensteuer und so reicht unser Kunde das auch ein. Im Herbst des Folgejahres bekommt er nun 3 Monatsbeiträge, also 1.800 EUR wieder, denn die 1.500 EUR Arztkosten hat er selbst bezahlt, sonst wäre ja die Rückerstattung futsch.

Dumm nur, aus dem KV Aufwand in der Steuer werden schnell 1.800 EUR, denn die Hälfte bekam er ja wieder als Rückerstattung. Wem das Wort Progression etwas sagt… der kann sich die Folgen gern selbst ansehen und berechnen. Klar ist, durch einen höheren Steuersatz sind auch andere Einkünfte höher besteuert und das kann schnell nach hinten losgehen.

Da ich Makler und nicht Steuerberater bin, besprechen Sie Details bitte mit den Fachleuten aus dem Steuerrecht. Vertrauen Sie aber nicht einfach auf die Rückerstattung und dass diese gut ist.

Hinweise zur Tarifauswahl

Daher vergessen Sie bei der Auswahl der PKV die Beitragsrückerstattung und beachten einige Hinweise.

  • – kalkulieren Sie „NIEMALS NIE“ mit einer Rückerstattung

  • – wählen Sie Ihr Produkt so aus, dass es ohne Erstattungen passt

  • – überlegen Sie am Jahresende dann zunächst, ob das Einreichen sinnvoll ist

  • – beachten Sie auch die steuerschädlichen Folgen

Kein Versicherungsschutz in der Krankenversicherung wird abgeschlossen, damit Sie diesen lebenslang nicht nutzen. Irgendwann (hoffentlich dauert es noch sehr lange) werden Sie den Schutz brauchen, dafür ist er auch da.

Eine Krankenversicherung ist eine Krankenversicherung, kein Sparvertrag.

Und nun, nun finden Sie hier viele weitere Punkte, die Sie bedenken müssen und lassen Sie sich Zeit, lesen Sie, verstehen Sie, nur dann wird es ein passendes Produkt.

05.
November '10

Hallesche NK Bonus – eine andere Tarifvariante und die Wechselmöglichkeiten


Vor einigen Wochen hatte ich bereits über die Einführung der neuen Tarifstufe NK Bonus der Halleschen Krankenversicherung berichtet.

Im Unterschied zu den anderen Tarifstufen (0, 300, 600 oder 1.200 EUR Selbstbeteiligung) hat der NK Bonus keine fest vereinbarte Selbstbeteiligung. Dennoch ist eine fiktive Selbstbeteiligung (SB) vorhanden und das ganze funktioniert wie folgt:

Nachdem der Versicherer den monatlichen Beitrag abgebucht hat, erfolgt eine monatliche Bonus(rück-)zahlung in Höhe von 60 EUR. Dieses hat mit der erfolgsabhängigen Beitragsrückerstattung zunächst einmal nichts zu tun und ist ein garantierter Betrag.

Warum macht ein Versicherer so einen Tarif?

Durch die Rückzahlungsvariante erhöht sich der Arbeitgeberanteil und somit sinkt die Belastung für den Arbeitnehmer. In Zahlen sieht das dann zum Beispiel so aus:

Beitrag zur PKV: 400 EUR, Arbeitnehmer, Tarif mit 600 EUR Selbstbeteiligung

Der Arbeitgeberzuschuss beträgt somit 200 EUR, ein Eigenanteil für den Arbeitnehmer von somit 200 EUR. Im Falle einer Erkrankung und somit dem ausschöpfen der SB sieht die maximale Arbeitnehmerbelastung also so aus:

Arbeitnehmeranteil 200 EUR zzgl. 50 EUR (600/12) monatliche SB = 250 EUR

Bei dem NK Bonus sieht dieses etwas anderes aus. Auch hier unterstellen wir einmal gleiche Daten, also 400 EUR Beitrag, Arbeitnehmer und keine absolute Selbstbeteiligung.

Der Arbeitgeberanteil liegt auch hier bei 200 EUR, nur der Arbeitnehmeranteil ist ein anderer. Zunächst sind auch hier 200 EUR vom Arbeitnehmer (AN) zu tragen. Davon abgezogen werden (im Falle der Leistungsfreiheit) 60 EUR monatlicher Bonus, also verbleibt ein maximaler AN Anteil von 140 EUR monatlich.

Doch was passiert bei Inanspruchnahme von Leistungen?

Dann erfolgt eine Verrechnung der Bonusleistung. Unterstellen wir also einmal 1.000 EUR Rechnungsbetrag pro Jahr und ein weiteres Mal eine chronische Erkrankung und 5.000 EUR jährliche Kosten.

Im NK 2 (600 EUR SB) beträgt die Erstattung somit 400 EUR (1.000 EUR abzüglich SB) oder 4.400 EUR bei der chronischen Erkrankung. Der Gesamtaufwand pro Jahr ist somit 3.000 EUR . (Beitrag 400 x 12 = 4.800 EUR abzüglich AG Anteil 2.400 EUR + Selbstbeteiligung 600 EUR)

Im NK Bonus läge die Erstattung bei 280 EUR, da der (bereits gezahlte) Bonus von 720 EUR verrechnet wurde. Im Falle der 5.000 EUR Rechnungsbeträge somit 4.280 EUR + Bonus. Der Gesamtaufwand bei der chronischen Erkrankung und dem NK Bonus beträgt somit 1.680 EUR . (400 x 12 abzüglich 2.400 EUR AG Anteil – Bonus 720 EUR)

Doch kann man zwischen den Tarifen hin- und her wechseln?

Der Wechsel aus NK 100 (0 €  SB), 3 (300 € SB) und 2 (600 € SB) in NK Bonus ist ohne Risikoprüfung möglich. Fristen sind nicht einzuhalten, jedoch kann der Tarifwechsel nicht rückwirkend beantragt werden.

… und wie geht es wieder zurück?

Ein Rückwechsel in die Tarifstufen NK 100, 3 oder 2 gilt als Höherversicherung und löst eine Risikoprüfung aus. Ohne Risikoprüfung kann aus NK Bonus in die Tarifstufen NK 1 (1.200 € SB) und NK 4  (3.300 € SB) gewechselt werden. Ebenfalls gilt: ein solcher Wechsel kann nur für die Zukunft (i.d.R. zum nächsten Monatsersten) beantragt werden.

Bevor Sie sich also für einen solchen Tarif entscheiden, überlegen Sie sorgfältig welche Leistungskriterien erfüllt sein müssen, was Sie von ihrem Tarif genau erwarten und worauf Sie vielleicht verzichten können und wollen.

Zur steuerlichen Berücksichtigung dieser Bonusleistung in einem späteren Blogbeitrag mehr.

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