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22.
August '20

Continentale KV: Sie suchen sich Hilfe, aber mit dem Spezialisten reden wir nicht


Man kann nicht alles können, warum auch, es gibt ja Spezialisten.

Stellen Sie sich vor, Sie haben Kopfschmerzen und überlegen was sie dagegen tun können. Natürlich können Sie Doktor Google befragen, Sie können auch im Internet lesen woher ihre Kopfschmerzen kommen können und sich dann in der eigenen Therapie versuchen. Das mag bis zu einem gewissen Grad problemlos funktionieren, doch sobald es tiefergehende Probleme betrifft, ist eine professionelle Unterstützung hilfreich. Auch einen Schadensersatzanspruch nach einem Autounfall machen Sie ja nicht „einfach mal schnell selbst geltend“, sie suchen sich einen Anwalt, einen Gutachter, um ihre Ansprüche zu untermauern.

Schon mein Opa hat früher gesagt: tue das was du kannst und wovon du etwas verstehst, bei allen anderen Themen frage einen der es kann.

Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung und die sonderbaren Continentale / Mannheimer Ansichten

Nun gibt es viele Menschen, welche bereits in der privaten Krankenversicherung versichert sind. Nach einigen Jahren stellt man sich irgendwann durchaus berechtigt die Frage: „Ist der Versicherungsschutz noch passend, oder gibt es vielleicht etwas Besseres?“

Dabei geht es gerade nicht um den Wechsel zu einem anderen Versicherer, sondern es geht um einen gesetzlich garantierten Tarifwechsel Anspruch, geregelt in den Paragraphen 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG).

Kunde beauftragt (s)einen Spezialisten via Vollmacht

Nun passierte in der letzten Woche bei einem Interessenten folgendes: Er suchte sich Hilfe für eine Tarifwechselberatung in der privaten Krankenversicherung. Aus alten Zeiten war dieser Kunde noch bei der Mannheimer versichert, die heute zur Continentale Krankenversicherung gehört. Nicht nur in die alten Tarife der Mannheimer Krankenversicherung kann dieser Kunde nach seinem gesetzlichen Recht wechseln, auch die aktuellen Tarife der Continentale sind hier durch aus eine Option. Ob dieses aber sinnvoll ist und falls ja welche Tarife und Kombinationen sinnvoll sind, das gilt es herauszufinden.

Aus dem Grunde erteilte uns der Kunde einen Maklerauftrag. Zur Erklärung, der Maklerauftrag enthält den Wunsch der Betreuung durch mich, weiterhin eine entsprechende Makler Vollmacht, um mich gegenüber dem Versicherer als berechtigt zu legitimieren. Es wäre auch durchaus fatal, würde der Versicherer jedem der „daher gelaufen käme“ Informationen zu einem bestehenden Vertrag geben. Aus diesem Grunde gibt es also einen bestehenden Maklervertrag und eine Vollmacht. Da ich aber ausschließlich in der Beratung zur privaten Krankenversicherung und biometrischen Risiken tätig bin, daher meinen Kunden auch gar nicht in zum Beispiel Sachversicherungen oder Geldanlage beraten kann und möchte, ist meine Vollmacht und auch der Maklerauftrag auf die private Krankenversicherung begrenzt.

Also habe ich, wie von dem Versicherten gewünscht, den Versicherer kontaktiert. In dieser Kontaktaufnahme habe ich nicht nur die bestehende Vollmacht mitgeschickt, sondern den Versicherer auch darüber informiert, welche Tarife für eine mögliche Tarifumstellung berechnet werden sollen.

Daraufhin erhielt ich folgendes Schreiben:

Ganz vereinfacht möchte mir der Versicherer damit sagen:

„Was interessiert es uns, was unser Kunde will!“

Nur zum besseren Verständnis. Wir sprechen über ein Vertragsverhältnis zwischen einem Versicherten und (s)einem Krankenversicherer. Daraufhin erteilt der Kunde einem Spezialisten eine Vollmacht für ihn Informationen zu einem speziellen Vertrag (dem einzigen bei dem Unternehmen übrigens), seiner Krankenversicherung einzuholen.

Die Mitarbeiterin des Krankenversicherers hat sich sogar die Mühe gemacht, ein Urteil des Bundesgerichtshofs zum Thema begrenzte Vollmachten auszugraben. Leider scheint man hier das Urteil nicht vollständig gelesen zu haben. Es geht eben hier nicht um eine begrenzte Vollmacht für bestimmte Tätigkeiten oder gar nur eine Bevollmächtigung für Teile des Vertrages, sondern es geht um einen Maklerauftrag für genau diesen gesamten Vertrag.

„Du wirst betreut von wem WIR wollen!“

Dass der Kunde bewusst eine Entscheidung getroffen hat, warum er eben von einem Spezialisten betreut werden möchte und nicht von dem bisherigen Außendienst, das interessiert die Continentale Krankenversicherung hier leider überhaupt nicht. Im zweiten Teil des Schreibens teilt man mit, der betreuende Vertriebspartner des Versicherers bekommt nun die Informationen.

Auch Datenschutz und den Wunsch die Betreuung selbst bestimmen zu wollen, scheint die Continentale hier nicht wirklich zu interessieren. Ich finde es ziemlich erschreckend, eine Anforderung von Tarifwechsel Unterlagen (welche bewusst über einen neutralen Dritten erfolgt ist) nun über interne Vertriebswege an den Kunden zusenden.

Das Urteil können sie sich hier einmal genauer ansehen und lesen sie dabei gern einmal genauer die Begründung des Urteils. In der Begründung heißt es:

aa) Der Versicherungsnehmer hat auch bei bereits bestehenden Versicherungsverträgen grundsätzlich ein berechtigtes Interesse daran, seine Angelegenheiten gegenüber dem Versicherer durch einen Vertreter – das kann auch ein Versicherungsmakler sein – wahrnehmen zu lassen. Die Entscheidung seines Vertragspartners, die mit den Versicherungsangelegenheiten zusammenhängenden Arbeiten an einen Vertreter zu delegieren, muss der Versicherer grundsätzlich respektieren. Aus diesem sich als Nebenpflicht aus dem Versicherungsvertrag ergebenden Anspruch folgt zugleich die Verpflichtung des Versicherers, die Bevollmächtigung des Dritten zu beachten und dem Wunsch des Versicherungsnehmers entsprechend mit dem Vertreter im Rahmen bestehender Versicherungsverträge zu korrespondieren.

cc) Ein Anspruch des Versicherungsnehmers auf Korrespondenz mit und Auskunftserteilung gegenüber einem von ihm eingeschalteten Vertreter besteht lediglich dann nicht, wenn sich dies für den Versicherer im Einzelfall als unzumutbar darstellt.

(1) Entgegen der Auffassung des Beklagten folgt eine Unzumutbarkeit allerdings nicht bereits aus seinem Vertriebssystem.

(3) Unzumutbar kann die Korrespondenzpflicht mit einem vom Versicherungsnehmer eingeschalteten Vertreter auch sein, wenn dies für den Versicherer mit einem unzumutbaren Mehraufwand verbunden ist. Das ist allerdings noch nicht der Fall, wenn der Versicherer generell die Korrespondenz mit einem Vertreter führen soll. Ein unzumutbarer Mehraufwand kann aber entstehen, wenn der Versicherungsnehmer seinem Vertreter keine umfassende, sondern lediglich eine begrenzte Vollmacht erteilt hat.

In unserem Beispiel meint die Continentale Krankenversicherung also einen Mehraufwand dadurch zu haben, dass der Kunde mich als Makler beauftragt hat ihn gegenüber dem Versicherer zu vertreten. Die Krankenversicherung, die nur einen Vertrag mit dem Kunden unterhält und der Maklerauftrag, der auf den Bereich Krankenversicherung begrenzt ist, stellt nach Auskunft der Continentale eine unzumutbare Begrenzung und einen höheren Aufwand dar.

Vielleicht kommen wir ja damit durch, denkt die Continentale

Natürlich kann es einen Mehraufwand bedeuten, wenn der Kunde bei einem Unternehmen zig unterschiedliche Verträge hat und eine Vollmacht sich nur auf einen, oder gar einen Teil eines Vertrages bezieht. Das ist hier aber nicht der Fall. Es handelt sich vielmehr um eine standardmäßige Ablehnung, weil man vermutlich einfach keine Lust hat mit einem kompetenten Gegenüber über eine Tarifwechseloption zu diskutieren und sich vermutlich davon verspricht, der Kunde wird es dann wohl lassen.

Es zeigt leider wieder einmal einen Grund, warum der Ruf der Versicherer nicht unbedingt der Beste ist. Sucht der Kunde sich professionelle Unterstützung und Hilfe und will hier „auf Augenhöhe“ die Tarifwechseloptionen besprechen und sucht sich Unterstützung, dann wird gemauert was das Zeug hält.

Gerade für die Altkunden der Mannheimer Krankenversicherung (die heute zur Continentalen gehört) ist es sinnvoll, sich hier über Tarifoptionen zu informieren. Grund sind hier nicht nur die beschränkten Tarifwerke in den alten Verträgen, sondern auch neue Möglichkeiten nach dem Zusammenschluss der Unternehmen.

Liebe Continentale Krankenversicherung – Fairness ist keine Einbahnstraße

Auch wenn man mit solchen Spielchen und Taktiken vielleicht den einen oder anderen Tarifwechsel verhindern kann, und damit vielleicht noch den einen oder anderen Euro mehr Beitrag einnimmt, zu einem Vertrauensverhältnis führen solche Spielchen nicht.

Ich möchte auch keineswegs damit gesagt haben, dass der eigene Außendienst eine solche Tarifwechselberatung nicht durchführen könnte, aber ein Vertreter einer Gesellschaft steht nun einmal im Lager des Versicherers. Das ist auch nicht per se schlecht, aber es ist einfach so. Der Vertreter vertritt die (Interessen) der Gesellschaft. Sucht sich der Versicherte anderweitig Unterstützung, so erwarte ich von einem Vertragspartner dass er diesen Wunsch akzeptiert.

Natürlich verstehe ich auch Versicherer, denn leider wird auch auf Beraterseite bei einigen schwarzen Schafen viel Schaden angerichtet. Da werden Tarifwechsel nur für den eigenen Geldbeutel des Beraters organisiert, und Schaden manchmal mehr als sie nützen.Das ändert aber alles nichts an der Tatsache, das Versicherer eine Vollmacht eben nicht einfach ignorieren dürfen, wenn sie von Kundenseite so gewünscht ist.

Und mit dieser Art von Ablehnung Schreiben hat die Continentale bewiesen, dass sie sich nicht einmal ansatzweise mit der Vollmacht beschäftigt haben, sondern einfach pauschal Tarifwechsel plus Vollmacht = Ablehnung als Grundlage genommen haben.

Nach einigen Mails an den Vorstand und einige Mitarbeiter und etwas Nachhilfe in Sachen Vollmacht, hat auch die Conti den Fehler nun eingesehen. Über die Tarifvorschläge diskutieren wir noch, aber viellicht hilft etwas Nachhilfe auch da.

25.
Juli '20

Wechseln Sie schnell in den Continentale Comfort Tarif, alles viel billiger und ohne Nachteile – wirklich?


Auch nach über zwanzig Jahren in der aktiven Beratung zur Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt manchmal einfach nur Kopfschütteln. So auch heute einmal mehr. Da gibt es so einen Vertrieb, einen mit dem passenden Impuls. Einige Mitarbeiter dort „kümmern sich“ augenblicklich mal wieder um bestehende PKV Kunden. Nicht ihre eigenen, aber solche die in Werbeanzeigen mal geklickt haben und nun ist es ja schließlich auch schon Juli.

Juli, also nur noch sechs Monate bis zum neuen Jahr und damit auch schon an der Zeit, Anträge in der privaten Krankenversicherung zu diesem Termin zu stellen. Der Termin ist deshalb wichtig, weil viele private Krankenversicherungen das Kalenderjahr als Versicherungsjahr nutzen und damit zum Jahresende eine Kündigung (mit dreimonatiger Frist) möglich ist.

Egal warum eine Antragstellung nötig ist, das vordatieren auf den 01. Januar 2021 kann durchaus sinnvoll sein, denn so spart sich der Interessent eine Anwartschaft und sichert sich dennoch kostenfrei den Gesundheitszustand per heute. So sind Veränderungen oder neue Erkrankungen bis zum Jahresende nicht mehr hinderlich für den Abschluss der neuen Absicherung, denn diese kann nun bereits verbindlich beantragt werden.

Soweit alles gut und richtig, doch einen Haken hat die Sache dennoch.

Wechsel eines langjährig PKV versicherten Kunden?

Nun gibt es eine Reihe von Konstellationen, wo auch ein seit Jahren bestehender Versicherungsschutz überprüft und verändert werden sollte oder gar muss. Ein solcher Fall liegt immer dann vor, wenn die alten Anforderungen an einen Tarif nicht oder nicht mehr passen. Das kann an persönlichen Umständen oder aber an ganz anderen Bedürfnissen liegen.

Dabei sind jedoch einige wichtige Punkte zu beachten und nicht blind einer Beitragsersparnis (oder einer vermeintlichen) hinterher zu laufen.

Bevor ein solcher Wechsel sinnvoll geprüft werden kann, sollten Sie daher die eigenen Bedürfnisse hinterfragen und überlegen, was genau Ihnen an dem derzeitigen Versicherungsschutz nicht (mehr) passt. Warum muss dieser geändert werden, was genau fehlt Ihnen an Leistungen dort und welche Bausteine müssen vielleicht ergänzt werden?

Tarifwechsel vor Versichererwechsel

Zuerst ist aber immer wichtig zu prüfen, was kann der aktuelle Versicherer mir bieten. Welche Leistungen fehlen und welche Tarife hat das Unternehmen heute „am Start“ und darf ich in diese wechseln?

Der Paragraph 204 des Versicherungsvertragsgesetzes ist hier unser Freund. Hier regelt der Gesetzgeber einen Tarifwechsel innerhalb des eigenen Unternehmens, einen ohne Verlassen des Versicherers! Dieser Tarifwechsel kann von Ihnen selbst veranlasst und angefragt werden, wobei das nicht immer sinnvoll ist.

Bei einem solchen Wechsel gilt das, was auch für einen Neuabschluss gilt und immer galt. Es braucht Wissen, Einordnung der Leistungen und eine genaue Analyse der Bedingungen. Können Sie das nicht allein, dann sollten Sie sich hier Hilfe suchen. Eine solche Beratung ist- im Gegensatz zu einer Beratung zum Abschluss- kostenpflichtig und wird von diversen Beratern gegen ein Honorar angeboten. Dabei gibt es Modelle mit einem pauschalen Honorar oder einer Abhängigkeit in Bezug auf die realisierte Ersparnis nach einem solchen Wechsel.

Auch hier bedarf es aber vor allem eines: BERATUNG!

Was Sie aber in keinem Fall tun sollten, ist ein voreiliger Wechsel zu einem anderen Unternehmen.

100 € Ersparnis im Tarif Continentale Comfort – Vorsicht !

Nun gibt es derzeit einige Vertriebe und Berater, die laufen mit wehenden Fahnen durch die Lande und empfehlen einen Tarif, den Comfort der Continentale Krankenversicherung. Einen Tarif der eines ganz sicher ist. Billig. Interessant sind die die Argumente die dort als Grund angeführt werden. Um das etwas genauer anzuschauen, betrachten wir doch einen meiner Kunden, dem genau das angeboten wurde.

Damit die Vorgaben bekannt sind, schauen wir uns zunächst einmal die Eckdaten an.

  • angestellter Kunde
  • wechselte in 2011 aus der GKV in die PKV, damals 32 Jahre jung / heute also 41
  • versichert seither im Tarif Esprit des Dt. Rings (heute Signal Iduna)
  • versichert in der alten, Bisextarifwelt im 9. Versicherungsjahr

die aktuelle Prämie und die Details sehen Sie hier:

Die Prämie von 518,95 € teilt sich der Kunde mit seinem Arbeitgeber, der einen Zuschuss von 50% zahlt. Somit bekommt er 259 € wieder und hat somit den maximalen Arbeitgeberzuschuss von derzeit 367 € nicht ausgenutzt. Es wären also zum Beispiel Kinder oder die Ehefrau bei einer Mitversicherung noch in der Lage, einen Zuschuss von bis zu 108 € zu nutzen. Oder er könnte auch eine Beitragsentlastungskomponente einschließen, die auch zu 50% vom Arbeitgeber bezahlt würde (bis max. 216 € Beitrag für diesen Baustein)

Nun wurde dem bereits PKV versicherten aber etwas Tolles angeboten, schrieb er.

Das schauen wir uns doch einmal genauer an. Versichert ist er aktuell zu den oben genannten Konditionen in einem Tarif mit 450 € ambulanter SB (außer Vorsorgeleistungen, die teilweise ohne). Dazu gibt es ein Krankentagegeld von 120 € und im Tarif ist ein Risikozuschlag von 11,14 € enthalten. Wie der heute ausfällt bei einem Neuantrag, das wäre noch abzuwarten. Also gehen wir einmal von einer „glatten“ Annahme aus und hätten dann folgende Tarife:

Hierbei müssen wir bei dem Altvertrag noch die Pflegepflichtversicherung dazu rechnen, die unter einer separaten Nummer geführt wird und aktuell mit einem Beitrag von 45,75 € berechnet wird. Hierfür folgt ein eigener AG Zuschuss von 50%, so bleiben hier noch 22,88 € Arbeitnehmeranteil übrig.

Rechnen wir also auch bei der Continentalen die Pflegepflichtversicherung heraus, so ergibt sich ein Beitrag von 410,52 € plus der Beitrag der Anwartschaft für Dezember, denn ich habe die Beiträge 2020 berechnet, nicht die mit dem höheren Eintrittsalter 2021. Warum, das lesen Sie in meinem Beitrag „noch schnell ein Jahr jünger in die PKV„.

Der Prämienvergleich

Zunächst ergibt sich also, ungeachtet der Leistungen, ein Vergleich der Prämien.

Bisher waren / sind 518,95 € für die Krankenversicherung zu zahlen, nach AG Zuschuss dann 259,48 €

Zukünftig würde die Prämie bei 205,26 € liegen.

Damit ist auf den ersten Blick eine Beitragsersparnis von knapp 54 € im Monat möglich. Super, oder?

Leistungsvergleich und Wechselrisiken

Doch leider wurden anscheinend die Impulse bei der Beratung vergessen. Dabei geht es um die entstehenden Nachteile bei einem Wechsel.

Anzeigepflichtig beginnen neu, inkl. neuem Gesundheitszustand

Mit der Antragstellung sind damit auch alle bisherigen Erkrankungen und Beschwerden anzugeben. Es gilt das neue Eintrittsalter unter der Berücksichtigung der anteilig mitgegebenen Altersrückstellungen. Dabei sind insbesondere Fristen zu beachten, bis wann der Versicherer aufgrund fehlender, falscher oder unvollständiger Angaben etwas tun kann.

Ebenso beginnen die Jahre für die Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit neu.

Neue Zahnstaffeln von Null

Ein weiterer Punkt. Der Kunde ist aktuell im 9. Versicherungsjahr und hat damit 12.000 € für Zahnbehandlungen und Zahnersatz in seinem Tarif als Leistung. Nach einem Wechsel bleiben ihm in den ersten 5 Jahren bei der Continentalen nunmehr 5.000 € für ALLE Jahre, also 5.000 € vs. 60.000 €. Schauen wir uns die Kosten bei Implantaten einmal an, dann wissen Sie schnell was ich meine. –> Was kosten eigentlich Implantate? Hier zu der Rechnung kommen 5.000 € für den Aufbau dazu, das nur als Hinweis!

450 € ambulante Selbstbeteiligung vs. 20 € pro Behandlung

Über die Risiken und Nebenwirkungen der ach so tollen „fallbezogenen SB“ habe ich bereits mehrfach geschrieben. Schauen Sie sich dazu gern den Artikel dazu einmal genauer an.

Continentale Economy und Comfort – das Desaster der fallbezogenen Selbstbeteiligung in der PKV

Dazu kommen teils große Leistungsunterschiede in den Tarifleistungen der Tarife selbst. Darum soll es aber heute und hier gar nicht gehen, da diese sicher von den persönlichen Bedürfnissen abhängig sind.

„Nachteile entstehen mir keine

Diese Aussage ist sicher so nicht nur „nicht richtig“, sondern gehörig falsch. Schauen wir uns also die Unterlagen und den Rat zum Wechsel einmal genauer an, dann stellen wir schnell fest:

  • – der Wechsel ist toll, nur für den Kunden eben nicht

  • – ein Wechsel nach 9 Jahren und nicht ansatzweise Ausschöpfen des AG Zuschusses ist nicht wirklich sinnvoll

  • – es macht immer Sinn, sich mit den Details zu befassen

  • – Leistungsunterschiede sind hier deutliche vorhandene

Selbst wenn wir alle Leistungen vergessen und nur die Prämien vergleichen, dann sprechen wir am Ende über knapp 50 € Differenz. Klar ist das auch hochgerechnet viel Geld, das will ich keineswegs bestreiten. Nur der Gedanke allein auf den Preis abzustellen ist hier nicht nur falsch, sondern gefährlich.

So werden bewusst Risiken und Nebenwirkungen verschwiegen und selbst mit wenigen Behandlungen ist diese Ersparnis schnell dahin. Auch die Risiken eines Neuabschlusses sind nicht zu unterschätzen.

Was Sie immer tun sollten

Hinterfragen, Nachfragen, Lesen!

Und manchmal beantworte ich E-Mails oder XING Nachrichten auch einfach mit einem ausführlichen Blogbeitrag. 🙂

20.
April '20

Continentale Krankenversicherung mit neuem Tarif PREMIUM – eine ausführliche Tarifbewertung


Die Continentale Krankenversicherung hat sich zum 01. April und ganz ohne Scherz, für die Einführung eines neuen Tarifes entschieden. Zu den bestehenden Tarifen der Serien ECONOMY, COMFORT und BUSINESS kommt nun eine weitere Tarifreihe.

Im Gegensatz zu der Vermutung heißt diese aber nun nicht First (Class), sondern PREMIUM.

Mit dem neuen Tarifwerk Premium möchte die Continentale einen verbesserten Schutz bieten und eine andere Zielgruppe, die mit hohen Leistungsansprüchen, endlich wieder zu eigenen Kunden machen. Das gelang in der Vergangenheit eher nicht, da die vorhandenen Tarife eher preisorientiert sind.

Zudem bergen die fallbezogenen Selbstbeteiligungen doch einige Gefahren.

Was sich nun im neuen Tarif geändert hat, welche Leistungen neu und gut und welche vielleicht weiterhin schwierig sind, das schaue ich mir mit Ihnen gemeinsam auf den kommenden 13 Seiten Kommentar zur Tarifeinführung an.

Warum ich glaube, dass die Continentale hierbei Fehler aus der Vergangenheit wiederholt und schon mit dem ersten Prospekt falsche Anreize schafft, das lesen Sie hier.

Zur besseren Lesbarkeit finden Sie den Kommentar als eigenständige PDF Datei im Downloadbereich, oder durch klicken auf das Bild am Ende des Textes hier.

Sehr geehrte Leser,

ein neues Jahr, in vielerlei Hinsicht ein Jahr mit besonderen Herausforderungen. Zumindest aus der aktuellen Erfahrung in der Beratung, wandeln sich nicht nur die Ansprüche der Versicherten, es ändern sich auch gravierend die Produkte und Angebote der Versicherer.

Auch die Continentale Krankenversicherung, welche mit der fallbezogenen Selbstbeteiligung einen sehr eigenwilligen Weg am Markt bestreitet, kann den neuen Anforderungen und Wünschen der (potenziellen) Kunden nicht entgehen und führte damit vor einigen Tagen einen neuen Tarif der Krankenvollversicherung am Markt ein.

PREMIUM – der neue Krankenvolltarif der Continentale Krankenversicherung aG

In der Vergangenheit hatte man sich (aus meiner Sicht durchaus zu viel) auf das Kriterium „billig“ gestürzt und teilweise sah es so aus, als müsste man um jeden Preis die Prämie der Mitbewerber unterbieten, oder zumindest den Anschein erwecken dies zu können.

Wie sich der neue Tarif am Markt positioniert und welche Vor- und Nachteile dieser bietet, das schauen wir uns hier gemeinsam im Detail an.

HIER WEITERLESEN

Kommentar zur Tarifeinführung CONTINENTALE PREMIUM [pdf]

Weitere Unterlagen zu dem Tarif finden Sie hier:

05.
Oktober '17

Continentale Economy und Comfort – das Desaster der fallbezogenen Selbstbeteiligung in der PKV


Vor einigen Tagen erreichte mich (mal wieder) ein Hilferuf eines Versicherten, einer den ich nutzen möchte um noch einmal mehr auf das Thema Fallbezogene Selbstbeteiligung einzugehen, ein Thema was in den Tarifen der Continentale Krankenversicherung sowohl im ECONOMY aber auch im COMFORT auftritt. Damit es etwas klarer wird, schauen wir uns das Thema Selbstbeteiligung einmal genauer in der Privaten Krankenversicherung an.

Die Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung (PKV)

Eine Selbstbeteiligung zu vereinbaren ist für viele Interessenten und Kunden der PKV selbstverständlich. Einen Teil der jährlichen Krankheitskosten somit selbst zu zahlen, das ist eher unkritisch, wenn man denn weiss was einen erwartet.

Der Gesetzgeber hat zudem die maximal zu vereinbarende Selbstbeteiligung auf einen Betrag von 5.000 € pro Jahr gedeckelt, es kann also kein Schutz mit (wie mal möglich) 7.500 € jährlicher Eigenbeteiligung mehr abgeschlossen werden, an alten Bestandsverträgen ändert das natürlich nichts. Um zu verstehen wie die SB funktioniert, schauen wir uns einmal die drei unterschiedlichen Varianten an. In einem alten Beitrag habe ich diese bereits ausführlich erklärt, daher hier etwas knapper.

Selbstbeteiligung in der Privaten Krankenversicherung

absolute, feste Selbstbeteiligung

Es wird ein fester Betrag vereinbart, dieser ist in Euro festgelegt und beschreibt den Teil, den der Versicherte zuerst aus eigener Tasche zahlen muss, bevor der Versicherer leistet. Bei einer vereinbarten SB von 300 € bekommt dieser also eine 200 € Rechnung noch nicht erstattet, von der nächsten Rechnung in gleicher Höhe aber schon mal 100 € wieder, weil der maximale Eigenanteil (200+100 €) somit erreicht ist.

prozentuale Selbstbeteiligung (ggf. mit Deckelung)

Auch kann ein Versicherer vereinbaren, eine prozentuale Selbstbeteiligung zu nutzen. In dieser Form könnte es zum Beispiel im Vertrag eine Regelung geben, nach der immer 20% als Eigenanteil berechnet werden, bis zum Rechnungsbetrag von 2.700 €, danach erfolgt eine Erstattung zu 100% (Regelung im Tarif comfort+ des Deutschen Rings)

Fällt hier also die erste 200 € Rechnung an, werden hiervon 160 € erstattet. Der Rest, die 20% = 40 € werden auf die SB angerechnet. Würde nun eine Rechnung von 3.000 € folgen, so wären hier eigentlich auch 20%, also 600 € abzuziehen. Da der maximale Abzugsbetrag aber bei 540 € (20% von 2.700 €) liegt, bekommt der Versicherte von den 3.000 € also 2.540 € erstattet. Denn: es sind nur noch 460 € von der SB übrig, 160 sind schon gezahlt und bei 540 € liegt der maximale Deckel.

fallbezogene Selbstbeteiligung

Das ist die dritte, kreative Variante. Die Continentale setzt diese bei den Tarifen ECONOMY (10 € pro Fall) und Comfort (20 € pro Fall) ein und zieht damit von jeder Rechnung ebendiesen Betrag ab. Habe ich eine Rechnung von 100 €, so werden 10 € abgezogen.

Doch hier kommt es gerade zum Problem, einem solchen wie der „Hilferuf“ hier zeigt. Eines vorweg, das Krankentagegeld ist hier sicher zu niedrig, vielleicht passte es auch damals zum Einkommen, aber es sind somit maximal 1.500 € pro Monat, davon ist die PKV weiter zu zahlen, daher überprüfen Sie bitte Ihr Kranken(tage)geld. Mehr Infos dazu finden Sie HIER UNTER DEM PUNKT KRANKENTAGEGELD.

Schauen wir uns einmal das Problem genauer an, dazu brauchen wir einmal die Bedingungen in den entsprechenden Tarifen, zum anderen brauchen wir mehr Informationen zu dem speziellen Fall. Hier handelt es sich nach einer Knieverletzung um eine sehr lange Behandlung. Seit 2,5 Jahren AU, also arbeitsunfähig zu sein wirft zudem die Frage auf, ob hier nicht lange BU, also Berufsunfähigkeit vorliegt. Das ist aber ein ganz anderes Thema, darum soll es hier gar nicht gehen, dennoch- lesen Sie einfach HIER ZUM THEMA KT-BU Übergang. (unten, letzter Absatz)

Continentale fallbezogene SB, Tarifregelungen

Grundlage sind die Bedingungswerke der jeweiligen Tarife CONTI Economy und CONTI Comfort. Diese schauen wir einmal genauer an.

Tarifwerk ECONOMY

In den Bedingungen dazu findet sich folgende Regelung, welche eine Selbstbeteiligung im Detail regelt:

Die Selbstbeteiligung beträgt für

–  ärztliche Leistungen nach Abs. I 1, Abs. I 11 und Abs. I 12 maximal 10,– Euro je Behandlungstag bei einem Arzt. Das gleiche gilt für gesondert berechnete Leistungen von Ärzten, die von dem behandelnden Arzt beauftragt werden (z.B. Laboruntersuchungen).

Also, morgens zum Arzt, Blut abgenommen, Beratung, Behandlung und Blut ins Labor geschickt.

Selbstbeteiligung 20 € für diesen TAG

–  psychotherapeutische Leistungen nach Abs. I 2 maximal 10,– Euro je Sitzung, jedoch nicht mehr als 30 % vom erstattungsfähigen Rechnungsbetrag.

Gehen wir von einem „Preis“ von 100 € pro Therapiesitzung und einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 30 Sitzungen pro Jahr aus, sprechen wir hier wieder über eine neue Selbstbeteiligung:

10 € pro Sitzung = 300 € SB (für das Jahr)

–  Leistungen von Hebammen und Entbindungspflegern nach Abs. I 3 maximal 10,– Euro je Behandlungstag bei einer Hebamme bzw. bei einem Entbindungspfleger.
–  Heilpraktikerleistungen nach Abs. I 4 maximal 10,– Euro je Behandlungstag bei einem Heilpraktiker oder Arzt.

Selbstbeteiligung 10 € für diesen TAG

–  häusliche Behandlungspflege nach Abs. I 5 maximal 10,– Euro je Behandlungstag durch geeignete Pflegefachkräfte.
–  Arznei- und Verbandmittel nach Abs. I 6 sowie Impfstoffe nach Abs. I 10 maximal 10,– Euro je Arzneimittel, je Verbandmittel und je Impfstoff. Sie entfällt für Arzneimittel (einschließlich Impfstoffe), die als Generika bezogen werden. Generika sind Arzneimittel, die in ihrem Wirkstoff, in ihrer Zusammensetzung und in ihrer Darreichungsform einem bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichem Medikament gleichen.

Nach so einer Knie OP braucht man… richtig, Verbände, Medikamente, Impfungen fallen auch mal an.

Kauft der Kunde es nicht als Generika, oder hat er es einfach vergessen, so fallen hier erneut 10 € PRO MEDIKAMENT und weitere 10 € je Verbandmittel an. Dazu bei jeder Impfung 10+10 €, denn einmal für den Stoff, einmal für das Impfen.

–  Heilmittel nach Abs. I 7 maximal 10,– Euro je Heilmittel an einem Behandlungstag.

Heilmittel sind spannend, denn es handelt sich hier um Krankengymnastik, Massagen, Packungen, Bewegungsbäder, schließlich möchte man wieder laufen können. Scheint hier nicht ganz so gut geklappt zu haben bei unserem Beispielfall, denn hier waren zwei weitere Operationen nötig und es geht von vorn los. Also wieder Medikamente, Verbände, Krankengymnastik. Doch weiter, KG und Massage, Bewegungsbäder etc. 20 Behandlungen sind jetzt bei einer Knie OP nicht so selten, eher mehr.

20 * 10 € = 200 € weitere Selbstbeteiligung

ACHTUNG: Die 10 € fallen pro Heilmittel an einem Tag an. Also: Wer morgens Krankengymnastik bekommt und nachmittags oder auch direkt danach ins Bewegungsbad geht, der zahlt 20 €, nicht 10.

–  Hilfsmittel nach Abs. I 8 maximal 50,– Euro je Hilfsmittel.

Auch das dürfte hier notwenig gewesen sein. Krücken, Bewegungsschiene, Bandagen etc. Also, 100, 150 € oder mehr weitere Selbstbeteiligung.

–  Krankentransporte nach Abs. I 13 und Abs. III 8 maximal 10,– Euro je Transport. Bei ärztlich verordneten Fahrten zur und von der nächstgelegenen, nach medizinischen Kriterien geeigneten Einrichtung für Dialyse, Strahlen- oder Chemotherapie gelten die Hin- und Rückfahrt zusammen als ein Transport.

Nicht in diesem Fall, aber großartig. Jeder Transport zur Chemotherapie oder zu Dialyse mit 10 €. Einer meiner Kunden muss da seit Jahren dreimal die Woche hin, sind

also 30 € * 53 Wochen = 1.560 € zusätzliche SB im Jahr.

–  zahnärztliche Leistungen nach Abs. II 1 maximal 10,– Euro je Behandlungstag bei einem Zahnarzt.

Auch hier, 10 € pro Tag

–  Krankenhausleistungen nach Abs. III 1, Abs. III 2 und Abs. III 6 maximal 10,– Euro je Kalendertag für höchstens 14 Kalendertage je vollstationärem Aufenthalt. Wenn die erstattungsfähigen Kosten geringer als die jeweilige vorgenannte Selbstbeteiligung sind, reduziert sich diese auf den niedrigeren Betrag.

Solche OP’s machen sich schlecht ambulant, gerade wenn diese kompilierter sind. Also, Krankenhaus. Ist auch nicht schlimm, man ist ja PKV versichert. Blöd nur,

Selbstbeteiligung 10 € pro Tag, max. 140 € JE AUFENTHALT

Wer also zwischendurch entlassen und zur nächsten OP wieder rein muss, der zahlt neu, wieder max. 140 €.

Tarifwerk COMFORT

Wer sich dann statt Eco für Comfort entschieden hat, der sollte mehr Komfort genießen und es besser haben. Oder? Oh, STOPP, wohl doch nicht, denn hier sind es nicht 10, sondern gleich 20 € pro Fall.

Ist auch nicht schlimm, schließlich zahlt der Kunde im Comfort auch mehr, da kann er sich auch die höhere SB leisten, oder? Unlogisch? Ich habe es mir nicht ausgedacht. Die Bedingungen zu beiden Tarifen können Sie hier nachlesen.

Das zeigt uns aber eines ganz deutlich, die Fallbezogene SB ist nix, also nur für ganz, ganz wenige Personen geeignet.

Continentale fallbezogene SB – ungeeignet für alle die Schutz wollen

In den Prospekten der Continentalen klingt das alles ganz entspannt und simpel. Die finden Sie hier:

Auch dort findet sich eine Beispielrechnung. Für den Economy sieht die laut Continentale so aus:

Für wen sind denn nun solche Tarife passend und geeignet?

  • – Menschen, die nie krank sind
  • – Menschen, die außer Vorsorge nix brauchen
  • – Menschen, welche wenn sie krank sind mit wenig Leistung und Generika zufrieden sind
  • – Menschen, die neben der PKV monatlich ausreichend Geld sparen, 200, 300, 400 € und garantieren können in den ersten 10 Jahren keine SB zu nutzen
  • – Menschen, die wenn, dann nur leichte Erkrankungen bekommen
  • – Menschen, die genug Geld „auf der hohen Kante haben“

Leider wird die Zielgruppe zumindest von den Vertretern der Conti und auch von „unabhängigen Beratern“ ganz anders definiert. Gerade weil der Tarif billig(er) ist, wird dieser von Menschen abgeschlossen (oder Ihnen aufgequatscht), die sich den nicht leisten können. Spätestens wenn hie regelmäßig Erkrankungen auftreten, die Erkrankungen chronisch sind oder länger dauern, dann ist das hier ein Fass ohne Boden.

Klar ist der Fall hier ein Extrembeispiel und klar ist es hier ein schlimmer Fall, drei Knie OP’s, zweieinhalb Jahre arbeitsunfähig, kleines Krankengeld, aber dennoch, es ist kein Einzelfall.

Die Krankenversicherung brauche ich nicht, wenn es mir gutgeht, auch nicht wenn es mal zwickt und mein Fuß verstaucht ist, ich brauche die dann, wenn es schlimm wird, lange dauert, Geld kostet und Chronisch wird.

Und dann… Dann VIEL ERFOLG (Spaß möchte ich nicht wünschen) mit solcher Entscheidung und solchen Tarifen.

Bevor Sie sich also dafür entschieden (im Augenblick werden wieder massiv Verträge der Hanse Merkur zur Continantalen umgedeckt, frage mich warum?), dann machen Sie dieses nur dann, wenn Sie alle Risiken kennen, verstanden haben, überblicken können und Geld haben, VIEL GELD! Danke !

14.
November '16

Beitragsanpassung der privaten Krankenversicherung und was sie jetzt tun können


Am letzten Wochenende haben viele Versicherte Post von ihrer privaten Krankenversicherung bekommen und wurden darüber informiert, dass die Beiträge für den eigenen Versicherungsschutz zum 1. Januar 2017 steigen. Dabei spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, ich möchte daher diesen Beitrag nutzen um etwas mehr Klarheit in dieses Thema zu bringen.

Die Ursachen der Beitragsanpassung

Für eine Anpassung der Beiträge gibt es ganz unterschiedliche Ursachen, daher sind diese Anpassungen auch keineswegs bei allen Versicherern und auch nicht bei allen Versicherten in einem Tarif identisch. Anpassungen werden daher abhängig von den Altersstufen, dem gewählten Tarif, der Frage ob sie in Bisex oder Unisex sicher sind und weiteren Faktoren beeinflusst. Zum Jahr 2017 kommt noch ein anderer Punkt dazu. Auch in der privaten Krankenversicherung in der es im eigentlichen Tarif keine Anpassung gibt, führt eine Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung zu einem höheren Gesamtbeitrag im Jahr 2017.

Beitragsanpassung in der Pflegepflichtversicherung

Diese Beitragserhöhung kann durchaus 20% und mehr (auf den Beitrag der Pflegeversicherung) betragen. Dabei sollten wir jedoch so realistisch sein, dass wir hier über Anpassungen von 5 bis 8 Euro reden und zumindest bei Angestellten diese zur Hälfte dem Arbeitgeber landet. Während der Beitrag in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung im Jahr 2017 auf 121,80 € als Höchstbeitrag ansteigt, zahlen Versicherte in der privaten Pflegepflichtversicherung (mit identischen Leistungen) oftmals Beiträge von deutlich unter 50 €, selbst nach der Erhöhung.

Steigende Kosten bei Ärzten und Behandlern

Auf der Ausgabenseite stehen viele private Krankenversicherer vor dem Problem der steigenden Kosten, welches diese nur sehr bedingt beeinflussen können. Natürlich lassen sich in die Versicherungsbedingungen Regelungen schreiben, welche dem Versicherer ermöglichen den Bezug von zum Beispiel Hilfsmittel über einen eigenen Großhändler zu organisieren, Medikamente oder sonstige Leistungen mit Rabattverträgen einzukaufen, im wesentlichen jedoch ist man Kostenerstatter. Dabei möchte ich gar nicht die Schuld auf die Ärzte oder andere Berufsgruppen abwälzen, wir haben jedoch allgemein das Problem, dass die Kosten für eine hochwertige medizinische Versorgung ansteigen.

Nun könnte man durchaus meinen das „hätte man wissen können“ oder zumindest „ahnen können“ und manche Versicherer haben dieses durchaus besser im Griff als andere. Auf der anderen Seite haben wir leider die Situation dass vielfach die private Krankenversicherung immer noch nach dem Motto: „Wer versichert mich denn billiger“ oder „Wer nimmt mich dann ohne Zuschlag“ beraten wird. So werden Entscheidungen für die private Krankenversicherung oftmals nach dem Preis, nicht aber nach der Leistung, dem Versicherer oder anderer Fakten getroffen. Einige Beispiele und weitere Erklärungen dazu finden Sie unter anderen in den folgenden Beiträgen:

Niedrigzinsphase und deren Folgen

Wer noch vor einigen Jahren Geld anlegen wollte, der bekam selbst auf ein Tagesgeldkonto zu guten Zeiten 4 %. Vier Prozent für eine Geldanlage, welche täglich verfügbar war, nahezu vollständig sicher und ohne Risiken. Auch in der privaten Krankenversicherung wird Geld angelegt. Denn das Prinzip einer kapitalgedeckten Versorgung ist nun einmal, dass in jungen Jahren weniger Kosten verursacht werden als Beiträge gezahlt. Diese Differenz geht- ganz vereinfacht- in den großen Topf der Altersrückstellungen und vermindert den Beitrag im Alter. Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Darstellung und die Zuführung zu den Altersrückstellungen sind deutlich komplizierter. So ist es auch davon abhängig wie leistungsfähig ein Tarif ist, welche Leistungen also heute (und in Zukunft) versprochen werden und wie sich diese entwickeln.

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Wer monatlich 100 € spart, hierfür 4 % Zins bekommt und das ganze 30 Jahre durchhält, der profitiert am Ende von 32.760 € Zinsertrag und hat ein Gesamtkapital von über 68.000 €. Sinkt der Zins nur um ein (niedriges) halbes Prozent, so vermindern sich die Zinsen um 5.639 € und betragen damit nur noch 20.121 €.

Was Sie nach der Beitragsanpassung tun sollten

Bereits vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag ausführlich beschrieben, was Sie nach Erhalt der Information zur Beitragsanpassung tun sollten. Dabei geht es insbesondere darum, keine übereilten Entscheidungen zu treffen und sich genau vor Augen zu führen welche Folgen eine solche Entscheidung hat.beitrag-bap

So lassen sich übereilt getroffene Entscheidungen oft nicht mehr rückgängig machen oder nur mit gravierenden Folgen wieder korrigieren. Wer dabei zu schnell oder übereilt zum Beispiel seine Selbstbeteiligung erhöht, der wird später Probleme haben diese wieder zu reduzieren. Eine Reduzierung der Selbstbeteiligung ist eine Leistungsverbesserung, welches in den meisten Fällen eine neue Gesundheitsprüfung nach sich zieht.

Nicht in eine Tarifstufe wechseln, welche heute nicht angepasst wird

Eine beliebte Empfehlung von überforderten Beratern ist oftmals ein schneller Wechsel in eine höhere Selbstbeteiligungsstufe. Dabei verringert sich der Beitrag sofort, oftmals wird jedoch nicht bedacht dass dieses weit reichende Folgen haben kann. Nicht nur, dass genau zu berücksichtigen ist wie viele Kosten denn nun (mehr) selbst getragen werden müssen, nein auch die folgenden Anpassungen spielen eine Rolle. so ist es in den allerwenigsten Fällen sinnvoll, heute in eine Tarifstufe zu wechseln die nicht angepasst war. Auch dieser Tarifstufe steht (dann vielleicht im nächsten Jahr) eine entsprechende Anpassung ins Haus.

Soll ich zu einer anderen Gesellschaft wechseln?

Diese Frage wird mir oftmals gleich nach der Beitragsanpassung gestellt. Auch hier ist eine seriöse Empfehlung und Beratung nicht möglich, ohne zumindest weitere Umstände zu kennen. Dazu spielt es eine entscheidende Rolle ob sie in der alten Tarifwelt oder schon in neuen Tarifen sind. Auch stellt sich die Frage wie alt sie sind, seit wann sie bei der bisherigen Gesellschaft und in den bisherigen Tarifen versichert sind und ob die Anforderungen an die Tarife noch denen entsprechen die es bei der Einführung der Tarife bzw. beim Abschluss waren. Leider erlebe ich nur zu oft, dass damals bei der Entscheidung für die private Krankenversicherung damit bei der Entscheidung für den Tarif die Gesellschaft keine wirkliche Beratung stattfand. Der Berater entschied welche Gesellschaft und Tarif die richtige ist, der Berater musste es ja wissen und die oder der Versicherte haben einfach geglaubt. Geglaubt ohne zu hinterfragen ob es Alternativen gibt, geglaubt ohne zu überlegen warum denn gerade diese Gesellschaft oder dieser Tarif empfohlen wurde.

Versteckte Probleme in den Gesundheitsangaben

Dazu kommt in verschiedenen Altverträgen das Problem, Gesundheitsangaben sind nicht korrekt und vollständig gemacht worden. Da schlummern also Pulverfässer in den Bestand, und in vielen Fällen kann der Versicherer zumindest in den nächsten Jahren problemlos die rote Karte in Form einer Anzeige Pflichtverletzung ziehen. Wenn dieses so ist und Gesundheitsangaben bei“ nicht, nicht vollständig gemacht worden sind, so ist auch dieses ein Problem welches gelöst werden muss.

Eine solche Lösung kann ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft sein, wenn diese aus anderen Gründen sowieso ansteht. Ein Wechsel der Gesellschaft ist kein Allheilmittel. In den meisten Fällen wird dieser mit einem erhöhten Beitrag einhergehen, Denn das Eintrittsalter hat sich gegenüber der ursprünglichen Tarifauswahl verändert. Weiterhin sind Tarife angepasst worden, haben sich Rahmenbedingungen geändert und auch hier führen diese Veränderungen meist zu einer höheren Prämie.

Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft

Der Wechsel des Tarifes innerhalb der eigenen Gesellschaft ist für viele Versicherte der letzte Strohhalm. So gibt es in der privaten Krankenversicherung natürlich genügend Versicherte, welche die Leistungen auch genutzt haben. Wer also in den letzten Jahren krank war und vielleicht zudem schon etwas älter ist, für den macht ein Wechsel der Gesellschaft in den meisten Fällen keinen Sinn. Für all diese hat der Gesetzgeber jedoch eine Möglichkeit geschaffen die Versicherungsbeiträge ohne Gesellschaftswechsel zu reduzieren. Der sogenannte Tarifwechsel, geregelt im Paragrafen 204 des Versicherungsvertragsgesetzes nicht einen Wechsel in einen gleichartigen Versicherungsschutz. Für diesen Wechsel darf der Versicherer keine Zuschläge erheben, und muss diesen auch nicht mehr gesunden Bestandskunden erlauben.

Leider ist es bei vielen Gesellschaften nach wie vor ein Problem, die entsprechenden Angebote zu bekommen. Auch wenn inzwischen Angebote zu dem Tarifwechsel verschickt werden, wer sagt dem Versicherten das hier der optimale Tarifwechsel angeboten wurde. Auch die Gegenüberstellung der Leistungen zwischen dem alten Versicherungsschutz und den neu angebotenen Tarif stellt für viele Versicherte ein großes Problem dar. Hier kann professionelle Hilfe unterstützend tätig sein und einen solchen Tarifwechsel erleichtern. Dazu gibt es eine Unmenge an seriösen, aber noch eine viel größere Anzahl unseriöser Anbieter. Hier werden horrende Honorare verlangt, hier werden Vollmachten gefordert welche jedwede Kontaktaufnahme durch den Versicherer bieten, hier werden Gespräche geführt die er aggressiven Verkauf in einer Beratung ähneln.

Einen solchen Tarifwechsel sollten Sie Profis überlassen. Bei unseren eigenen (Makler-) Kunden gehört auch eine solche Tarifwechselberatung zu dem eigenen Beratungsanspruch. Ich halte es für fatal vor Jahren eine private Krankenversicherung vermittelt zu haben und dann heute nicht mehr bei Fragen für einen Wechsel zur Verfügung zu stehen. Für Fremdkunden, also Kunden wo der Vertrag nicht durch uns vermittelt wurde, ist so eine Beratung sehr schwierig. Nicht nur dass wir weder die damaligen Grundlagen, noch die Gegebenheiten heute kennen, wenden Sie sich bei Fragen gerne an mich, ich kann Ihnen gegebenenfalls direkt oder mit einem Kontakt helfen.

Einige trifft es besonders hart, mal wieder

Fast genau vor einem Jahr habe ich über die gravierenden Beitragsanpassungen bei der AXA Krankenversicherung geschrieben.

Es gab Versicherte die im Jahr 2015 mit einer Anpassung von über 34 % zu kämpfen hatten. Einige haben sich dann entschieden dieses Risiko nicht weitertragen zu wollen und das Unternehmen verlassen. Andere wiederum waren der Meinung dass dieses wohl ein Ausreißer war und zukünftig dann Stabilität einkehren würde. Leider trat dieses für Versicherte im  Tarif Vital oder auch dem EcoRA nicht ein. Auch in diesem Jahr sind Versicherte von größeren Anpassungen betroffen. So sind auch zum 1.1.2017 Anpassungen von 20-30 % für bestimmte Altersgruppen möglich, und zwar auch in Tarifen die im letzten Jahr bereits angepasst worden.

Debeka mit 19 % Anpassung

Aber auch bei anderen Gesellschaften sind Anpassungen nötig. So erreichte mich vor einigen Tagen diese E-Mail von einem Leser:

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Es handelt sich hierbei um den Tarif für Angestellte, nicht Beamte, bei der Debeka. Hier kann ich die Entrüstung über 19 % Beitragsanpassung auf der einen Seite verstehen, bei genauerem Lesen relativiert sich dieses etwas. Es handelt sich hier um eine Anpassung von 70 €, diese sind für eine monatliche Erhöhung durchaus happig. Aber, und jetzt kommen die Einschränkungen:

Wir sprechen über eine Beitrag von 440 € (zuzüglich Pflege, Krankengeld usw.) aber wir sprechen auf der anderen Seite immer noch über einen Beitrag der etwas mehr als die Hälfte des Beitrages für die gesetzliche Krankenversicherung beträgt. Dazu besteht eine Absicherung in einem deutlich höheren Leistungsniveau. In meinem Beitrag zu der AXA Beitragserhöhung im letzten Jahr habe ich bereits eine Tabelle mit dem Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse veröffentlicht. (hier direkt die Tabelle aufrufen)

Nehmen wir diese als Grundlage, so sparte der Versicherte bisher (bei einem Beitrag von 370 €+ Krankengel+ Pflege gegenüber dem Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse (den er als Angestellter über der Grenze zahlen müsste) immerhin 250 € monatlich. O. k., die Ersparnis reduziert sich nun auf knapp 190 €. Dennoch gilt genau die Aussage, welche ich im letzten Jahr getroffen haben. Die Ersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse ist im Moment noch so groß, dass genügend Mittel zur Verfügung stehen zusätzlich Vorsorge für das Alter zu treffen. Auch in den letzten Jahren (dieser Kunde ist ja schon seit acht Jahren in dem Tarif) gab es genügend Möglichkeiten Rücklagen zu bilden.

Dabei haben wir noch nicht berücksichtigt das für die Mehrleistungen seines Tarifes in der privaten Krankenversicherung Zusatzversicherungen notwendig wären. Auch hierfür wäre irgendetwas zwischen 50 und 100 € monatlicher Beitragsaufwand erforderlich.

RuV, Hanse Merkur, Continentale

und dabei könnte ich diese Liste unendlich weiterführen, haben natürlich ebenfalls mit Anpassungen ihrer Tarife zu kämpfen. Und natürlich fällt eine Anpassung in einen Tag mit sehr hohen Leistungen und vielleicht noch ohne Selbstbeteiligung in absoluten Beträgen höher aus, als eine prozentual gleichwertige Anpassung in einem Basisschutz. 10 % von 400 € sind eben nun mal weniger als 10 % von 700 €.

Jetzt muss man hinterfragen, wie weit eine solche Anpassung einmalig oder öfter vorkommt, ob der angepasste Beitrag noch im finanziellen Rahmen liegt und worauf gegebenenfalls verzichtet werden kann. Das kann eine Leistungseinschränkung sein (setzt aber dann natürlich voraus das zu viel Leistungen derzeit versichert sind), ein Tarifwechsel oder der Wechsel zu einer anderen (voraussichtlich beitragsstabileren) Gesellschaft.

Welche Schritte soll ich unternehmen?

Diese Frage kommt immer unmittelbar nach der Beitragsanpassung. Hier ist es wichtig zu wissen dass es keine pauschale Empfehlung gibt. Wichtig ist dass sie sich intensiv mit ihrem Versicherungsschutz auseinandersetzen. Überlegen Sie gut, ob die Leistungen die dort versichert sind so benötigt werden. Weiterhin schauen Sie sich die Beitragsentwicklung in der Vergangenheit an. Trauen Sie dem Versicherer zu, langfristig eine gewisse Art von moderater Beitragsentwicklung zu gewährleisten?

Diese Frage hat zwar auf der einen Seite was mit hellsehen zu tun, auf der anderen Seite ist diese durchaus berechtigt. Denn wenn sie kein Vertrauen in ihren Vertragspartner (den sie noch die nächsten Jahrzehnte haben werden) mehr haben, dann muss hier eine Entscheidung getroffen werden. Diese Entscheidung kann zu einem Tarifwechsel, einem Wechsel der Gesellschaft oder eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung führen. Alle diese Entscheidungen sind mit gravierenden Folgen verbunden.

Daher kann ich Ihnen nur raten, sich hier vertrauensvoll an einen Berater ihrer Wahl zu wenden und sich mit einer Entscheidung Zeit zu lassen. Ein Wechsel und ein schneller Antrag bei einer neuen Gesellschaft und dort am besten noch mit allen Gesundheitsfragen mit Nein beantwortet, wird sie zu viel größeren Problemen führen die Beitragsanpassung jemals gehabt hätte.

Bei weiteren Fragen nutzen Sie gern das Kontaktformular oben rechts, den Live Chat unten links oder das Anfrageformular unter dem Menüpunkt private Krankenversicherung. Für alle Entscheidungen gilt:

Überlegen Sie gut was sie tun, schnelle Entscheidungen sind fast nie hilfreich!