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04.
April '18

Vertragsgestaltung in der Berufsunfähigkeitsversicherung – garantierte Rentensteigerung oder lieber eine höhere Rente?


Garantierte Rentensteigerung ist eine nette Option, gleicht dies doch die inflationsbedingte Entwertung der versicherten BU-Rente aus. Doch nicht immer ist es eine passende Option, auch wenn die Idee gut ist. Aus einer laufenden Beratung kam die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, eine BU Rente gleich höher zu versichern. Daher schauen wir uns das Thema einmal genauer an und betrachten dabei beide Optionen.

Was ist das überhaupt, die „Leistungsdynamik“ oder „garantierte Rentensteigerung“?

Nun, wenn Sie in einem versicherten Vertrag eine Berufsunfähigkeitsrente beziehen, dann ist diese zum Zeitpunkt des eintreten der BU in einer Höhe festgeschrieben. Das mag dann auch durchaus passen und ausreichen, ob es das 5, 6, 10 Jahre danach auch noch tut?

Genau hier greift diese Option, welche bei den meisten neueren Verträgen in der BU versicherbar ist (und extra Beitrag kostet). Hierbei sichert der Versicherer eine Steigerung der ausgezahlten Rente auch dann zu, wenn (bzw. gerade dann) schon der Leistungsfall eingetreten ist. Normalerweise lässt sich eine solche BU-Rente nicht mehr erhöhen, wenn Sie schon berufsunfähig sind. Dazu dient aber diese Option.

Weitere Erklärungen finden Sie auch in meinem älteren Blogbeitrag hier.

Garantierte Rentensteigerung, Leistungsdynamik, Anpassung bei bestehender Berufsunfähigkeit- eine der wichtig(st)en Optionen in der BU-Absicherung

Also vereinfacht:

Die garantierte Rentensteigerung erhöht jedes Jahr die auszuzahlende BU-Rente und das obwohl Sie schon berufsunfähig sind.

Schauen wir dazu einmal in die Bedingungen eines Versicherers, hier die aktuelle Version der alten Leipziger für Ihre BU?

Garantierte Steigerung der Rente:

Die Berufsunfähigkeitsrente erhöht sich jährlich um einen festen Prozentsatz, während der Versicherte berufsunfähig ist. Die Rente steigt zu Beginn eines jeden Versicherungsjahrs. Wenn der Versicherte nicht mehr berufsunfähig ist, zahlen Sie wieder die gleichen Beiträge wie vor der Berufsunfähigkeit. Wenn der Versicherte später erneut berufsunfähig wird, zahlen wir die zuletzt erreichte Berufsunfähigkeitsrente weiter. Bisherige Erhöhungen aus der garantierten Steigerung der Rente bleiben also erhalten. Künftig erhöht sich die Rente weiter. Dafür berechnen wir den vereinbarten Prozentsatz auf die zuletzt erreichte Rente. Dazu zählen auch der erreichte Rentenzuwachs (siehe § 12 Absatz 6) und die Erhöhungen durch die Dynamik.

Welche Kosten entstehen?

Das kommt am Ende auf den Versicherer, das Alter, den Tarif und einige weitere Faktoren an. Schauen wir uns einmal an einem Beispiel die unterschiedlichen Prämien mit und ohne eine solche Rentensteigerung an. Dazu nehmen wir einen „Musterkunden“ als Beispiel und legen folgende Daten zu Grunde:

  • 30 Jahre alt
  • kaufmännische(r) Angestellte(r)
  • Rente von 2.000 € monatlich

Nehmen wir zunächst eine Absicherung ohne eine garantierte Rentensteigerung und schauen uns diese einmal an. Dabei ergeben sich folgende Brutto- und Nettobeiträge. (Unterschied Brutto-/Netto ist hier erklärt)

Für die versicherte Rente ohne weitere Steigerungen muss unser Musterkunde nun folgende Beiträge zahlen:

Bruttobeitrag: 125,60

Zahlbeitrag: 95,96 € monatlich

Wird dieser Kunde nun mit 40 Jahren oder zu irgendeinem Zeitpunkt berufsunfähig, so bekommt er die versicherte Rente ausgezahlt und hat seine 2.000 € monatlich auf dem Konto. Egal ob er ein, drei oder zehn Jahre berufsunfähig ist, oder gar bis zum Rentenbeginn eine solche Rente bekommt, es ist immer gleich. Eine Steigerung der Rente ist ausgeschlossen, da der Leistungsfall schon eingetreten ist.

Hätte er hingegen eine garantierte Rentensteigerung versichert, so würde der Versicherer die Rente Jahr für Jahr etwas anheben und damit die Inflation und ggf. auch steigende Lebenshaltungskosten ausgleichen. Dafür muss er dann aber einen höheren Beitrag zahlen. Konkret sind das:

Bruttobeitrag: 142,41

Zahlbeitrag: 111,07 € monatlich (+15,11 €)

Für eine Garantie, seine Rente jedes Jahr um 2% erhöht zu bekommen, ist also ein Mehrbeitrag nötig, welchen der Versicherer von Beginn an berechnet. Das Risiko ist für den Versicherer dabei durchaus groß, denn niemand weiß, wann und wie lange eine Berufsunfähigkeit eintritt. Daher erhöht sich jedes Jahr der Betrag, der gegenüber dem Vertrag ohne Rentensteigerung, an „Mehrleistung“ gezahlt wird. Jedes Jahr aufs Neue erfolgt die Anpassung.

Rente monatlich Steigerung mtl. Steigerung p.J. Mehrzahlung bisher
1 2.000,00 €
2 2.040,00 € 40,00 € 480,00 € 480,00 €
3 2.080,80 € 40,80 € 489,60 € 969,60 €
4 2.122,42 € 41,62 € 499,39 € 1.468,99 €
5 2.164,86 € 42,45 € 509,38 € 1.978,37 €
6 2.208,16 € 43,30 € 519,57 € 2.497,94 €
7 2.252,32 € 44,16 € 529,96 € 3.027,90 €
8 2.297,37 € 45,05 € 540,56 € 3.568,46 €
9 2.343,32 € 45,95 € 551,37 € 4.119,83 €
10 2.390,19 € 46,87 € 562,40 € 4.682,22 €

Ist es ratsam, statt der Rentensteigerung eine höhere Rente zu versichern?

Anstatt aber eine solche Rentenerhöhung zu versichern, könnte man auf die Idee kommen gleich eine höhere Rente zu versichern. Schauen wir uns daher einmal an, was wir denn dafür „mehr bekommen“ können. Als Grundlage dient also der Beitrag, welcher für den Vertrag inkl. 2% Rentensteigerung anfällt, also 142,41 € Brutto oder 111,07 € Zahlbeitrag.

Würden wir stattdessen also den „kompletten Beitrag“ in die BU ohne Rentenerhöhung stecken, so bekämen wir für die knapp 15 € Beitragsdifferenz eine „Mehrrente“ von 290 €. Wer also auf die Rentensteigerung verzichtet, der kann für den fast identischen Beitrag gleich 2.300 € Rente versichern, einen Betrag den er sonst erst nach 8 Jahren Rentensteigerung erreichen würde. Super, oder? Warum machen das nicht alle so?

Eine solche Rechnung passt aber nicht immer. Denn die garantierte Rentensteigerung hat eben durchaus einige Vorteile.

  • – Anpassung der Rente jährlich auf den Vorjahresbetrag
  • – Steigerung wird somit bei langen BU Zeiten immer wichtiger
  • – auch bei Unterbrechung der BU springt die höhere Rente wieder ein
  • – garantiert einen Inflationsausgleich

Für den Versicherer bedeutet dieses aber ein Risiko, denn er weiß ja- wie Sie auch- nie, wann eine BU eintritt und wie lange diese andauert. Bei kurzen BU Laufzeiten ist es daher sogar sinnvoller eine hohe BU Rente zu versichern und vielleicht sogar auf die Rentensteigerung zu verzichten, bei langen BU Laufzeiten eher nicht.

Wir wissen aber nicht, wann und wie lange eine BU besteht. Eine solche Absicherung ist aber immer eine „Schlimmster Fall“ Absicherung. Gerade wenn ich lange und dauerhaft ausfalle, braucht es eine Absicherung welche mitwachsen kann. Gerade für solche „schlimmen Fälle“ ist eine entsprechende BU Rente wichtig.

Nachteile der Variante „höhere Rente zu Beginn“?

Gerade bei Antragstellern mit höherem Einkommen stoßen wir bei der Beantragung schnell an die Grenzen der Angemessenheit und der Grenze für ärztliche Untersuchungen. Mehr Informationen zu den Untersuchungsgrenzen und der Gefahr eines Antrags mit „zu hoher BU“ hier:

Besser zwei Anträge auf Berufsunfähigkeitsversicherung als einer… warum das Teilen Sinn macht

Daher ist es gerade in den Fällen durchaus sinnvoll eine solche garantierte Rentensteigerung zu wählen. Wer aber darauf spekuliert nur „mal ein Jahr BU zu sein“ und sonst „wird schon alles gutgehen“, der kann auch mit der anderen Variante gut fahren. Das ist aber nicht mein Ansatz, denn dann führt es die BU ad absurdum, wenn ich mir von vornherein einrede, ich werde schon nicht berufsunfähig.

Kann ich solchen Baustein wieder ausschließen?

Ja, Verträge lassen sich natürlich wieder verändern. Ebenso wie sich eine Rente reduzieren lässt, lassen sich auch Bausteine wie solche zur Rentensteigerung oder ein Baustein für die AU Leistungen wieder ausschließen. Wann, wie und in welchem Umfang hängt von den konkreten Vertragsbedingungen ab. Eine Absicherung der BU sollte aber immer so gewählt werden, dass diese den schlimmsten denkbaren Fall absichert und hierfür genug Schutz bietet. Merken Sie dann im Verlauf des Vertrages, eine solche Absicherung ist nun zu hoch (weil ein Erbe anstand, das eigene Vermögen gewachsen ist oder andere Sondereinkünfte dazu kamen), dann lassen sich Verträge auch nach unten anpassen, also reduzieren.

Solange die eigenen Mittel aber nicht so hoch sind, oder der Hauptverdiener abgesichert werden muss, solange bedarf es einer umfassenden und leistungsstarken Absicherung.

Fazit

Am Ende gilt das, was immer gilt. Eine Absicherung ist individuell und auf den eigenen Bedarf abzustellen. Nur wenn diese den gewünschten Schutz bietet ist diese auch sinnvoll. Halbherzige Absicherungen oder zu geringe Leistung schaffen eher neue Probleme, denn sie helfen. Daher gibt es auch für die Frage „garantierte Rentensteigerung oder höhere BU Rente“ kein Patentrezept und keine allgemeingültige Lösung.

Auch kann eine geteilte Lösung sinnvoll sein. Wer also einen Vertragsteil mit einer solchen Steigerung versieht und einen zweiten (der später mit ärztlicher Untersuchung dazu kommt) ohne, der kann sich hier individuell das richtige „Schutzmodell“ basteln.

19.
Februar '18

Barmenia Berufsunfähigkeitsversicherung nun auch mit Arbeitsunfähigkeitsklausel versicherbar


Die so genannte AU Klausel in der BU wird immer beliebter und immer mehr Versicherer bieten diese an. Dabei handelt es sich um eine Erleichterung zur Erlangung einer Leistung, welche bei Arbeitsunfähigkeit eine bestehende Lücke ausgleichen soll.

Auslöser für eine solche Lücke ist der so genannte KT-BU Übergang. Also das Problem, dass der Kranken(tage)Geldversicherer seine Leistung einstellt, weil keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorliegt, sondern der Kunde zwischenzeitlich berufsunfähig ist. Eine Erklärung zu den unterschiedlichen Begriffen habe ich bereits in einem anderen Beitrag zusamengefasst.

Berufsunfähigkeit – Invalidität – Arbeitsunfähigkeit, eine kleine Erklärung durch den Begriffsdschungel

Hierfür bieten die Versicherer nun unterschiedliche Lösungsansätze an, einer kann ein garantierter Übergang zwischen Krankentagegeld und Berufsunfähigkeit sein, wie ihn auch die Barmenia unter dem Namen „VersiPro“ anbietet. Doch nicht jeder erfüllt die entscheidende Voraussetzung: Beide Verträge müssen bei dem gleichen Versicherer bestehen.

Das ist bei vielen schon allein deshalb nicht möglich, weil der eine Vertrag vor Abschluss bereits woanders bestand und oft Gründe gegen eine Auflösung und einen Neuabschluss sprechen.

Eine zweite Option ist eine so genannte Arbeitsunfähigkeitsklausel. Die Versicherer führen diese nach und nach ein und wir haben eine zweistellige Anzahl an Unternehmen, welche diese mittlerweile anbieten. Wie diese funktioniert und für wen diese gilt, das schauen wir uns heute hier an.

Wichtig sind hier die Bedingungen und damit die konkreten und rechtlich verbindlichen Regelungen. Bei der Barmenia finden diese in dem Paragraphen 1 unter dem Punkt 6 ff. der (neuen) Versicherungsbedingungen in der Fassung 2018.

Neu heisst auch, es gilt zunächst nur für den neuen Abschluss, mehr dazu aber später noch. Schauen wir daher einmal in die konkreten Regelungen und dazu zunächst in den Bedingungstext. Eine Zahlung erfolgt also nicht nur bei Berufs- sondern auch schon bei länger bestehenden Arbeitsunfähigkeit.

Was wird also geleistet?

Die Barmenia erbringt also eine Zahlung einer Rente, welche der Höhe nach der versicherten Berufsunfähigkeitsrente entspricht. Diese wird dann ebenso gezahlt, wie der Vertrag ab Leistungsbeginn nicht mehr mit einem Beitrag belastet wird.

(7) Der Anspruch auf die Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit entsteht mit Ablauf des Monats, in dem die Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist (siehe § 3 Abs. 1). Ist eine Karenzzeit vereinbart, entsteht der Anspruch auf Zahlung der Rente erst mit Ablauf der Karenzzeit, sofern die Arbeitsunfähigkeit gemäß § 3 während der Karenzzeit ununterbrochen bestanden hat und bei deren Ablauf noch andauert. Eine vereinbarte Karenzzeit erstreckt sich nicht auf die Beitragsbefreiung.

Ein Unterschied ist zu beachten. Die Beitragsbefreiung beginnt sofort, die Rentenzahlung berücksichtig eine eventuelle Karenzzeit. (Was ist die Karenzzeit?)

Weiter gibt es noch ein paar allgemeine Regelungen:

(8) Der Anspruch auf die Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit endet, wenn

– eine Arbeitsunfähigkeit gemäß § 3 nicht mehr vorliegt,

– wir wegen Berufsunfähigkeit der versicherten Person leistungspflichtig werden,

– die versicherte Person stirbt oder

– die vertragliche Leistungsdauer abläuft,

jedoch spätestens mit Ablauf des 18. Monats nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.

Wer also Arbeitsunfähig ist, der bekommt seine Rente (wie am Markt durchaus üblich) maximal 18 Monate lang. In der Zeit sollte sich sowieso prüfen lassen, wie die weitere Zukunft aussieht, also ob Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Verändert sich der Zustand oder kommt eine neue Erkrankung dazu, ist hierbei die nötige dreimonatige Unterbrechung zu beachten.

(9) Kommt während einer Leistungspflicht wegen Arbeitsunfähigkeit eine weitere Gesundheitsstörung hinzu, führt dies weder zu einer höheren Leistung noch zu einer Verlängerung des Anspruchs auf die Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit. Wird die versicherte Person nach dem Ende einer Leistungspflicht wegen Arbeitsunfähigkeit erneut gemäß § 3 arbeitsunfähig, entsteht ein neuer Anspruch auf die Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit nur dann, wenn die versicherte Person bei Eintritt der erneuten Arbeitsunfähigkeit drei Monate ununterbrochen nicht arbeitsunfähig war.

Was ist Arbeitsunfähigkeit nach der Definition der Barmenia BU

Auch hier sind die Bedingungen die Grundlage und der Paragraph 3 enthält auch hier folgende Formulierungen:

(1) Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn der versicherten Person ärztlich bescheinigt wird, dass sie

a) seit mindestens vier Monaten ununterbrochen arbeitsunfähig ist und die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich insgesamt mindestens sechs Monate ununterbrochen bestehen wird oder

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, welche eine 6-monatige AU fordern, stellt die Barmenia hier auch (wie die Alte Leipziger) auf die 4+2 Regel ab. Es reicht also aus wenn bescheinigt wird, 4 Monate AU gewesen zu sein und es wohl noch zwei Monate sein zu werden. Oder aber auch hier:

b) seit sechs Monaten ununterbrochen arbeitsunfähig ist.

Als Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit gilt der Beginn des sechsmonatigen Zeitraums. Die Arbeitsunfähigkeit besteht solange fort, wie der versicherten Person eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit ärztlich bescheinigt wird.

Eine dieser Bescheinigungen müssen jedoch fachärztlich sein, nur der Hausarzt reicht hier nicht aus.

Erforderliche Nachweise für Leistungen wegen Arbeitsunfähigkeit

(2) Werden Leistungen aus dieser Versicherung wegen Arbeitsunfähigkeit beansprucht, müssen uns auf Kosten des Ansprucherhebenden vorgelegt werden:

– bei Arbeitsunfähigkeit gemäß § 3 Abs. 1 Buchstabe a: ärztliche ausgestellte Bescheinigungen, aus denen die ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person über den Zeitraum von mindestens vier Monaten hervorgeht, sowie eine fachärztliche Bescheinigung, dass die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich insgesamt mindestens sechs Monate ununterbrochen bestehen wird;

– bei Arbeitsunfähigkeit gemäß § 3 Abs. 1 Buchstabe b: ärztliche ausgestellte Bescheinigungen, aus denen die ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person über den Zeitraum von sechs Monaten hervorgeht. Die Bescheinigungen müssen Angaben zu Grund, Beginn und voraussichtlicher Dauer der Arbeitsunfähigkeit enthalten.

Mindestens eine der ärztlichen Bescheinigungen über die Arbeitsunfähigkeit muss durch einen Facharzt einer Fachrichtung, in die die Ursache der Arbeitsunfähigkeit fällt, ausgestellt worden sein. Der Facharzt muss in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen sein. Dies gilt auch für den Facharzt, der bei Arbeitsunfähigkeit gemäß § 3 Abs. 1 Buchstabe a die Bescheinigung über die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit ausgestellt hat. Bescheinigungen der versicherten Person selbst, des Versicherungsnehmers, von Ehegatten, Lebenspartnern, Eltern oder Kindern der versicherten Person oder des Versicherungsnehmers reichen zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit nicht aus.

Positiv fällt auch hier (wie bei einigen anderen Mitbewerbern) auf, dass Wiedereingliederungsversuche, also das sogenannte Hamburger Modell nicht gegen eine Leistung sprechen und keine Unterbrechung darstellen.

(2) Arbeitsversuche im Rahmen einer ärztlich verordneten stufenweisen Wiedereingliederung stellen keine Unterbrechung der Arbeitsunfähigkeit dar

Stellt ein Unternehmen das nicht klar, so würde ein Versuch wieder arbeiten zu gehen den Zeitraum unterbrechen und demnach die Leistung zu Nichte machen.

Auch muss, um die Leistung zur AU zu bekommen, NICHT zwingend ein Antrag auf Leistungen auf Berufsunfähigkeit gestellt werden, es reicht aus, hier nur die AU Leistungen (vorerst) zu beantragen. Das kann aus Sicht und für andere Leistungsträger wie eine private Krankenversicherung oder sonstige AU Leistungen, durchaus wichtig sein.

Was kostet der Schutz für Arbeitsunfähigkeit extra?

Nun, das ist pauschal nicht zu sagen. Aber einen entscheidenden Vorteil hat die Lösung der Barmenia. Sie muss nicht abgeschlossen werden, sondern kann. Es handelt sich um einen Baustein, so kann dieser optional versichert werden und wird bei neuen Verträgen angeboten. Hier ein Preisbeispiel:

Ein Schutz bis Endalter 67 bei einem 30jährigen in der BG 1 kostet für 2.500 € Rente monatlich

147,03 € brutto oder 102,92 € Zahlbeitrag

Soll die AU Leistung dazu versichert werden, so betragen die Beiträge monatlich

161,85 € brutto oder 113,85 € Zahlbeitrag

Es ist also ein Aufschlag von knapp 10% zu zahlen, um eine schnellere Leistung auch im AU Fall zu bekommen. Ob Sie diese brauchen, oder bereits eine Garantie bei Ihrem PKV Unternehmen haben, müssen Sie selbst für sich prüfen.

Wie sieht es für die Bestandskunden aus?

Wie bereits geschrieben ist diese Option auf Leistung bei Arbeitsunfähigkeit nur im Rahmen der neuen Bedingungen 2018 einzuschließen und damit zunächst einmal generell nicht für die bereits im Bestand versicherten Kunden versichert. ABER: Auch bereits bei der Barmenia Versicherte BU Kunden können diese in den eigenen Vertrag übernehmen. Voraussetzung ist hier aber eine neue Gesundheitsprüfung, denn es handelt sich um eine Leistungsverbesserung.

Sind Sie bereits Barmenia krankenversichert und haben dort auch ein entsprechendes Krankentagegeld, dann kann ein bestehender Versicherungsschutz mit VersoPro durchaus ausreichend sein. Sollten Sie aber gesetzlich versichert sein oder eine anderweitige Krankenversicherung bestehen, so sollten Sie über einen entsprechenden Einschluss nachdenken.

Andere Beiträge zum KT-BU-Übergang finden Sie hier.

01.
November '16

Die 1-Minuten-BU von Knip – ein Marketing Gag der zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann, aber keine seriöse Beratung


Zunächst einmal ist es mehr als positiv, dass auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung hingewiesen wird, dabei ist es völlig egal von wem dieses geschieht.

Artikel: Warum es unverantwortlich ist keinen BU Schutz zu haben

Und auch wenn das Handelsblatt in seiner unsäglichen Geschichte vor einigen Wochen eine etwas andere Meinung vertreten hat, hat man selbst dort dieses inzwischen revidiert. Doch gerade die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft und damit die Sicherung aller anderen Vorhaben im Leben, gehört zu den wichtigsten Vorhaben.

Artikel: Ohne Einkommen ist alles andere nichts

Ohne ein regelmäßiges Einkommen sind die Finanzierung der laufenden Ausgaben, die Bezahlung der Ausbildung der Kinder, eigene (Urlaubs-) Reisen natürlich auch die Altersvorsorge nicht möglich. Wer kein Einkommen mehr erzielen kann, da er krankheits- oder unfallbedingt keine Erwerbstätigkeit mehr nachgehen kann, der benötigt jemanden der für dieses Einkommen sorgt, die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nun haben die sogenannten Insurtechs, also Unternehmen die eine Verwaltung ihrer Versicherungen über eine App auf dem Smartphone anbieten, auch „schon“ das Thema und die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung erkannt.

Artikel: Knip, Clark und Co – ein neuer Ansatz der Beratung?

Getreu nach dem Motto „die Geister die ich rief“ muss natürlich speziell bei diesen Fintechs alles möglichst einfach, unkompliziert und mit wenigen Klicks erledigt sein. Da wundert es mich nicht, dass man dort die so wichtige Berufsunfähigkeitsversicherung, also die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als „1-Minuten-Produkt“ bewirbt. In seinem aktuellen TV Spot heißt es an wörtlich:

„Dabei dauert es nur eine Minute sich vor dem Ernstfall (Anmerkung: Berufsunfähigkeit) zu schützen. Nimm dir jetzt die Zeit!“

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Als gewissenhafter Berater und jemand der sich bereits seit über 16 Jahren mit dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung beschäftigt sträuben sich mir die Nackenhaare. Hier wird suggeriert, dass eine Absicherung gegen das elementare Risiko der Berufsunfähigkeit mit einem Zeitaufwand von nur einer Minute möglich sein soll. Hier wird eine Illusion geschaffen die nur ein einziges Ziel hat, den möglichen Interessenten auf die eigene Internetseite zu locken.

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen. Ich habe genau das getan, ich habe mich der Website umgesehen und versucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu berechnen. Unabhängig davon, dass selbst ich (und im Gegensatz zu dem Laien weiß ich sogar wo ich klicken muss und was vielleicht wichtig sein könnte) in einer Minute nicht ansatzweise so einen sinnvollen Vorschlag gekommen bin, ist diese „1 Minuten BU“ ein wahrer Hohn. Wer ernsthaft glaubt, dass die Auswahl einer existenzsichernden und damit „lebenswichtigen“ (zumindest finanziell) Police innerhalb von einer Minute erledigt sein kann, der glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten.

Schauen wir uns doch die „Beratung“ einmal etwas genauer an und wählen dabei einen Musterkunden. Dieser Kunde in meinem Test war ein Diplom-Informatiker. Ich habe ein fiktives Bruttoeinkommen von 3.200 €/ netto 2.000€ vorgegeben, dazu ein Endalter bis zum 67. Lebensjahr.

knip-bu-dateneingabeNach Eingabe dieser Daten (mehr wird auch nicht abgefragt) offeriert mir der Onlineanbieter sofort die drei passenden Angebote.

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Cool, geht jedoch ganz schnell und in wenigen Minuten kann ich mich entscheiden. Die Kriterien zum Versicherungsumfang sind auf einer Seite zusammengefasst, und es gibt sogenannte Comfortleistungen. Zum unterstützen meiner Auswahl ist der mittlere Tarif mit dem Zusatz „unsere Preis/Leistung Empfehlung passen zu deiner Lebenssituation“ noch farblich hervorgehoben. Für 90,55 € im Monat bekomme ich einen Versicherungsschutz von 1.500 € monatliche Rente.

Stopp! Warum stehen denn da 1.500 €? Ich habe doch gerade bei meinem Nettoeinkommen 2.000 € vorgegeben und das Bruttoeinkommen beträgt 3.200 €? Selbst wenn ich eine Rechnung von 65 % des Bruttoeinkommens (wie das einige Gesellschaften tun) zu Grunde legt, liegt meine versicherbare Rente bei knapp 2.000€. Das kann der Onlinerechner natürlich nicht wissen, denn das Bruttoeinkommen wird gar nicht erst abgefragt.

Doch im oberen Bereich des Bildschirms geht es eine Möglichkeit das Angebot zu individualisieren. „Super“ denke ich und klicke drauf. Daraufhin erscheint die folgende, durchaus interessante Auswahlmaske.

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Geht also der Onlinerechner davon aus, ich hätte keinen Schulabschluss. Klingt logisch, habe ich doch als Beruf Informatiker eingegeben, dazu braucht man sicherlich keine Ausbildung. Also korrigiere ich diesen Unsinn auf Diplom. Klicke danach auf Filter anwenden und warten was passiert.

Es folgen drei neue Angebote, dummerweise ist das günstigste Angebot von 63 auf 68€ angestiegen, was angesichts der besseren Berufsausbildung völliger Unfug ist. Aber ich als unbedarfte Kunde tue genau das was von mir erwartet wird und klicke auf „online beantragen“ unter dem mittleren Angebot, schließlich ist dieses die Empfehlung des Anbieters.knip-bu-drei-angebote-ii

Zu meiner großen Überraschung funktioniert ab jetzt fast nichts mehr. Meinen Namen, das Geschlecht und mein Geburtsdatum kann ich noch eingeben, ebenso meine Handynummer zur Verifikation. Den Code der mir per SMS umgehend auf mein Smartphone geschickt wird gebe ich sofort ein. Ebenso trage ich dann auf der folgenden Seite meine Anschrift und Bankverbindung ein. Interessant ist die Unterschrift im Feld darunter. Nach meiner Unterschrift sieht das nicht aus, wie sollte es auch schließlich habe ich nirgendwo unterschrieben.

knip-bu-pers-datenIch ging weiter und komme zur nächsten Seite mit Gesundheitsfragen. Um den Versicherungsschutz auf mich und meinen Versicherer abstimmen zu können, dazu benötigt Knip nun meine Gesundheitsangaben. Naiv wie ich bin dachte ich ernsthaft, die Produktauswahl wäre beendet und man hätte mir bereits eine Empfehlung gegeben?

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Übrigens funktioniert bei dem Klick auf die Dokumente auf der rechten Seite nur die Beratungsdokumentation (hier ein Beispiel) und die erst Information. Wer jedoch glaubt er könnte den Versicherungsvertrag oder die zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen einmal nachlesen, der wird enttäuscht.

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Nachdem es bei meinem Versuch gestern gar keine Informationen gab, erhalte ich heute beim Klick auf „Erstinformation“ eine Information für Vertriebspartner. Das ist nett, bringt aber rein gar nichts und ist am Ende auch nichts für den Kunden. Klick auf „Versicherungsvertrag“ und „AVB“ führen zu einer Fehlermeldung und dem Hinweis diese Infos gibt es erst im Antrag. Die „Beratungsdokumentation“ gibt es hier nachzulesen.knip-bu-fehler-i

Doch nun mache ich mich an das Ausfüllen der Gesundheitsfragen, kommen jedoch nicht wirklich weiter. Nachdem ich die Frage nach bestehenden Erkrankungen der letzten fünf Jahre wahrheitsgemäß mit ja beantwortet habe, geht es nicht mehr weiter.

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Nachdem ich dann auf die Kontaktvariante E-Mail geklickt habe, kommt nur noch ein Hinweis, dass ich es jetzt geschafft habe und man mir die Unterlagen zusenden wird. Blöd nur, dass diese nicht kamen.

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Viel interessanter ist jedoch etwas Anderes, denn während mir die Produktempfehlung von einem Beitrag von über 90 € verkauft werden sollte, ergab die Berechnung bei der AXA direkt eine Prämie von 76,53 € und damit eine viel geringere Prämie. Über die Laufzeit gesehen hätte ich bei einem voreiligen Abschluss über Knip immerhin 4.710,72 € zu viel bezahlt.

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Ebenfalls fragwürdig ist die Produktempfehlung selbst, denn andere Anbieter weisen einen durchaus umfangreicheren Versicherungsschutz auf und bieten diesen für eine geringere (als die von Knip ausgewiesene) Prämie an. So müsste ich für einen vergleichsweise identischen Versicherungsschutz mit 1.500 € Rente bis zum 67. Lebensjahr und einem umfangreicheren Bedingungswerk bei der Alte Leipziger Versicherung nur 83 statt 90 € Monatsprämie zahlen, auch hier immer noch eine Ersparnis von 2.352 € über die Vertragslaufzeit von 28 Jahren.

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Auch die Gesundheitsfragen in dem Formular bei Knip sind nicht identisch mit den Gesundheitsfragen im Antrag der AXA. Das führt dazu, dass selbst bei wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen eine Abweichung zu den Angaben im Antrag besteht. Mal unterstellt der Interessent bekommt nach diesem Onlineformular den Antrag noch per E-Mail zugeschickt und vertraut darauf, dass seine Angaben richtig übernommen worden, besteht hier eine weitere große Gefahr. Durch die abweichenden Formulierungen entsteht die Gefahr einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Dieses führt zu einer Verweigerung des Versicherungsschutzes im Leistungsfall und am Ende war die gesamte Police nichts wert.

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Es scheint sich übrigens nicht um ein Problem in der Datenübermittlung an die AXA zu handeln, sondern um ein generelles technisches Problem. Alternativ habe ich ein Angebot für eine Altenpflegerin mit einer monatlichen BU Rente von 1.500 € berechnet. Hier wird als Empfehlung ein Versicherungsschutz bei der Allianz ausgesprochen, mit einer monatlichen Rente bis zum 67. Lebensjahr und einer Prämie von 355,19 €. Klickt der Interessent hier auf die Dokumente und erwartet dann seinen Versicherungsvertrag oder die erst Information, so bekommt er ein Musterangebot für Max Muster einer Rente von 1000 € und einer Prämie von 60 €. Die Schnittstellen zu den Versicherern scheinen hier also nicht nur manchmal, sondern ganz generell nicht zu funktionieren, und eine entsprechende Aufbereitung der Angebote findet nicht statt.

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Eine 1-Minuten-BU ist eine Marketinglüge

Hier wird bewusst versucht ein kompliziertes und beratungsintensives Thema irgendwie kompatibel mit dem Ansatz eines Insurtechs zu machen. Mit dem heutigen Stand ist dieses jedoch nicht machbar und ein Abschluss über diesen Weg nicht zu empfehlen.

Der Interessent bekommt unpassende und viel zu teure Angebote, bekommt keine umfangreichen Leistungsvergleiche und Vertragsinformationen und ihm werden wahllos drei Tarife auf den Bildschirm geworfen. Zudem scheint in der Berechnungsroutine einiges nicht zu funktionieren, denn selbst nach Eingabe eines höherwertigen Berufsabschlusses (in unserem Fall dem Diplom) erscheint im zweiten Schritt eine höhere Prämie.

Zusammengefasst sich das Angebot zur 1-Minuten-BU wie folgt beschreiben

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Nach den derzeitigen Informationen und mit dem derzeitigen Ablauf ist von einem online Abschluss über die Knip Plattform dringend abzuraten. Das von Knip online gestellte Video mit dem BU Experten (der keiner zu sein scheint) ist noch viel schlimmer… Dazu mehr in einem anderen Artikel. Generell stehe ich jedoch auch der neuen Entwicklung sehr positiv gegenüber, habe ich doch bereits vor 16 Jahren mit der Onlineberatung begonnen und berate seit dem ausschließlich im Rahmen der Fernberatung am Telefon und online. Eine App und damit ein schneller Kontakt mit dem Berater und die Verfügbarkeit von Informationen über den eigen Vertrag kann durchaus hilfreich sein.

Jedoch dauert bei mir eine Beratung zu Berufsunfähigkeit mehrere Stunden, erfordert die Auswahl mit passenden Kriterien und ein individuelles Ausarbeiten und Festlegen der Berufsgruppe, der Risikofaktoren und der Erstellung eines persönlichen Angebots. Erst das Zusammenspiel aller Faktoren führt zu einer individuell passenden Absicherung und bedarfsgerechten Konditionen Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Links. Bei Fragen sprechen Sie mich gern an, eins kann ich aber versprechen: Ohne einige Stunden investierte Zeit werden Sie niemals zu einem passenden Schutz kommen.

15.
Juni '16

Unfallversicherung – brauche ich nicht, ich habe doch eine Berufsunfähigkeitsversicherung


Diese Aussage höre ich in der Beratung relativ häufig, denn oftmals werden die unterschiedlichen Versicherungssparten vermischt und es ist nicht klar welche Versicherungen für welche Leistungen verantwortlich sind. Aus diesem Grund nutze ich auch heute wieder einen Blogbeitrag um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

BU Unfall PflegeNatürlich gibt es Leistungsfälle, bei denen die Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern auch die Unfallversicherung eine Leistung für ein und denselben Versicherungsfall erbringen muss. In vielen Fällen gibt es zwar Überschneidungen, nicht aber gleiche Leistungen. Daher fangen wir zunächst mit der unterschiedlichen Definition an.

Die Unfallversicherung

In der Unfallversicherung wird für Schadenfälle geleistet, die den Unfallbegriff erfüllen. Ein Unfall ist demnach ein festes Ereignis, welches in den Versicherungsbedingungen nach ganz speziellen Kriterien definiert ist.

„Ein Unfall ist demnach ein plötzlich und von außen auf den Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) welches unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung hervorruft.“

Dabei muss diese Gesundheitsschädigung in den meisten (anderweitige Leistungen mal außen vor gelassen) Unfallversicherungen eine Invalidität hervorrufen, um überhaupt eine Leistung zu erhalten. Eine Invalidität wiederum ist eine körperlich oder geistige dauerhafte Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit. Unfallversicherungen können Nebenleistungen erbringen, dazu gehört ein Unfallkrankenhaustagegeld, dazu gehören auch Bergungskosten oder Behandlungskosten bei kosmetischen Operationen. Das alles sind aber nicht die Kernthemen der Unfallversicherung, Kernthema ist die Absicherung der Invalidität. Haben Sie also einen schweren Autounfall, so spielt in der Regel keine Rolle was die Ursache dafür war, solange keine Ausschlüsse im Vertrag greifen. Hat dieser Unfall eine Gesundheitsstörung zur Folge, welche dauerhaft zur Invalidität führt, so bedingt dieses eine Leistung aus dem Unfallversicherungsvertrag. Natürlich kann durch so einen Unfall auch eine Berufsunfähigkeit ausgelöst werden, wobei wir schon beim nächsten Thema wären.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Anders als die Unfallversicherung, kennen wir hier nicht einen Unfall als Voraussetzung einer Leistungspflicht aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Unfallversicherung hat also eine feste Vorgabe der Ursache, es muss zwingend ein Unfall als leistungsauslösender Faktor vorhanden sein, in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der erreichte Zustand maßgebend. Daher gibt es auch hier eine feste Definition, aber keine Definition für die Ursache oder den auslösenden Faktor sondern eine Definition für den Zustand:

„Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.“

Es spielt also keine Rolle warum Sie berufsunfähig geworden sind (ausgenommen natürlich Versicherungsausschlüsse in den Versicherungsbedingungen) sondern es geht vielmehr darum, dass Sie berufsunfähig sind. Dieser Zustand kann durch eine Krankheit, durch mehr als einen altersentsprechenden Kräfteverfall (bei einigen Versicherern reicht ein altersentsprechender Kräfteverfall) oder eben einen Unfall ausgelöst werden. Kehren wir zurück zu unserem Beispiel mit dem Autounfall von eben, so kann es natürlich passieren, dass ein Versicherter nach einem Unfall eine Leistung aus der Unfallversicherung bekommt und im Anschluss daran oder parallel dazu eine Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung – Unfallversicherung, die Unterschiede

Die meisten Unfallversicherungen sind mit einer Invaliditätssumme ausgestattet, wobei es auch Verträge mit einer Unfallrente gibt. Schauen wir uns zunächst die Verträge mit der Invaliditätssumme an. Eine festgelegte und im Vertrag enthaltene Summe stellt die Grundleistung bei einer verbleibenden Invalidität dar. Zum besseren Verständnis auch hier ein Beispiel:

Der Verlust eines Armes (oder der vollständige Verlust der Gebrauchsfähigkeit des Armes) bedingt eine Invalidität von 70%. (Anmerkung: Es gibt durchaus Versicherungen, die andere Gliedertaxen für die Festlegung der Invalidität verwenden, die bestimmten Berufsgruppen eine spezielle Gliedertaxe anbieten und zudem eine Progressionsstaffel in ihre Bedingungen integrieren). Bei der Mehrheit der Verträge handelt es sich jedoch um eine Invaliditätsgrundsumme, welche nach unterschiedlichen Modalitäten gesteigert wird. Bei der vollständigen Verletzung des Armes werden also 70% der vereinbarten Invaliditätsgrundsumme geleistet.  (Ist eine Progression vorhanden kann dieser Satz um das 5-fache oder mehr gesteigert werden. ) das bedeutet, bei einer versicherten Invaliditätsgrundsumme von 100.000 Euro wär hier eine Leistung von 70%, also 70.000 Euro fällig. Ist der Arm allerdings nur zur Hälfte in seinem Gebrauch eingeschränkt, so besteht eine Invalidität von 35% (die Hälfte der 70%) und das führt zu einer einmaligen Leistung von 35.000,00 Euro.

Hier sehen wir schon einen elementaren Unterschied. Die Leistung aus der Unfallversicherung, wenn es sich um eine Invaliditätsleistung und nicht um eine Unfallrente handelt, als einmalige Zahlung erbracht. In den meisten Bedingungswerken ist zudem die Voraussetzung ganz klar geregelt, denn hier müssen die Ansprüche in einer bestimmten Frist geltend gemacht werden. So regeln viele Versicherungsbedingungen, dass der Kunde seinen Anspruch auf Invalidität (welcher innerhalb von zwölf Monaten nach dem Unfall eintreten muss) binnen weiterer drei Monate ärztlich nachweisen und geltend machen muss. Tritt also die Unfallfolge nach diesem Zeitpunkt ein, kann alleine deshalb die Leistung verwirkt sein.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das hingegen etwas anders, es geht hier um den Zustand der Berufsunfähigkeit, der auch durch eine schleichende, allmähliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintreten kann. Auch wenn der Vertrag der Unfallversicherung eine Unfallrente enthält, und diese sogar dauerhaft/ bzw. lebenslang bezahlt werden könnte oder kann, ist immer noch der Unfall die zwingende Voraussetzung. Nur wenn der Nachweis einer Beeinträchtigung in einer bestimmten Frist erfolgen kann, löst dieses eine entsprechende Leistung aus. Der Vorteil der Unfallversicherung liegt sicherlich darin, verbessert sich der Zustand später und wird der Kunde nach Jahren wieder in der Lage sein seinen Arm oder seiner Schulter, vielleicht auf Grund neuer medizinischer Entwicklungen zu benutzen, so entsteht hier kein Rückforderungsgrund des Versicherers. Wäre der Kunde berufsunfähig wegen der gleichen Erkrankung, so würde die Rente irgendwann unter Umständen enden, wenn der Kunde durch eine medizinische Entwicklung und damit Verbesserung seines Gesundheitszustandes in der Zukunft wieder arbeiten gehen kann und geht. Die Unfallversicherung ist damit eine sogenannte Ausschnittsdeckung. Sie leistet für einen Ausschnitt der möglichen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, wenn diese durch einen Unfall ausgelöst sind. Nun haben die verbesserten Bedingungswerke in der Unfallversicherung durchaus Klauseln, welche zum Beispiel auch das Verheben und damit die Schädigung des Rückens, oder die Infektionen durch den Stich eines Insektes als Unfall ansehen (und damit den Unfallbegriff etwas weiter fassen) dennoch bedarf es immer eines konkreten Anlasses der eine dauerhafte Beeinträchtigung nach sich zieht.

Wer hingegen Berufsunfähigkeit als Risiko versichert, der kann im Falle der eingetretenen Beeinträchtigung immer dann eine Leistung verlangen, wenn dieser Zustand zur Berufsunfähigkeit führt. Dabei ist immer der Beruf wirksam und maßgebend, (mehr …)

16.
März '16

Berufsunfähigkeitsversicherung noch während der Schwangerschaft abschließen?


Eigentlich ist es auch ein bisschen „wunderlich“. Spätestens wenn ein neuer Erdenbürger im Bauch der Mutter heranwächst, steigt plötzlich auch das Bewusstsein für die eigene Absicherung. Das mögen Psychologen sicherlich besser erklären können, aber vielleicht ist es die steigende Verantwortung und auch etwas die Angst später nicht für das eigene Kind sorgen zu können. In den letzten Tagen trat eine Art von Anfrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung häufiger auf, die Frage nach der Versicherbarkeit gegen das Risiko der Berufsunfähigkeit, falls schon eine Schwangerschaft diagnostiziert wurde.

Grundsätzlich ist Schwangerschaft keine Krankheit und so lässt sich das Risiko der Berufsunfähigkeit „ganz normal“ auch während einer bestehenden Schwangerschaft versichern. Dabei sind jedoch einige Punkte zu beachten und es ist, nicht nur jetzt, besonders wichtig sich auf ein entsprechend hochwertigen Versicherungsschutz zu konzentrieren. Schließlich soll dieser im Falle der eintretenden Berufsunfähigkeit dafür sorgen, dass die Mutter weiterhin eine Art Einkommen hat, auch deshalb um die Familie und damit auch das noch ungeborene Kind weiter zu versorgen. Jeder der Kinder hat, der weiß das diese langfristig einiges an Geld kosten. Das geht ganz simpel mit Unmengen von Windeln los, folgt das Kinderzimmer, später die Schulzeit, Kieferorthopädie, irgendwann das eigene Moped, der Führerschein, das Auto, Studium und vieles, vieles mehr.

Schwangerschaft_ - 1Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass die Eltern einen entsprechenden Versicherungsschutz für den Fall haben, dass sie selbst nicht mehr arbeiten können und damit kein Einkommen für all diese Kosten zur Verfügung steht, denn das Kind ist ja nun die/der letzte der etwas dafür kann. Aus diesem Grund muss die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit ausreichend hoch sein, denn nur ein richtig versicherte Rente bringt den notwendigen Effekt.

Worauf ist bei dem Tarif zu achten?

Zunächst einmal gibt es ein Unmenge an Kriterien dem Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung, welche genau durchdacht und sorgfältig entschieden werden müssen. Da stellen sich Fragen der späteren Verweisung auf andere Berufe, Fragen zur Aussetzung der beruflichen Tätigkeit, Fragen zur Angemessenheit der Berufsunfähigkeitsrente und natürlich auch Fragen zur späteren Erhöhung einer bereits versicherten Berufsunfähigkeitsrente.

Insbesondere die vertraglichen Regelungen zur Frage „was Berufsunfähigkeit eigentlich ist“ und wie eine Mutter in der Elternzeit oder im Mutterschutz überhaupt berufsunfähig werden kann, spielen eine wichtige und entscheidende Rolle. Hierbei ist genau zu beachten, wie lange der Versicherer das Ausscheiden aus dem Beruf „toleriert“ und man nicht mehr auf den (vielleicht höher qualifizierten) Beruf von früher und stattdessen auf die Tätigkeit als Hausfrau verwiesen wird. Dabei ist auch zu berücksichtigen was passiert, falls während der Elternzeit des ersten Kindes ein weiteres Kind geboren wird und die Rückkehr in die berufliche Tätigkeit vielleicht nicht geplant erfolgen kann.

Eine weitere Frage stellt sich in Bezug auf die Angemessenheit der versicherten Berufsunfähigkeitsrente. Welche Rentenhöhe darf die Mutter, die werdende Mutter, überhaupt versichern und muss diese nach Beginn der Musterschutzfristen oder der Elternzeit reduziert werden?

Was passiert mit dynamischen Erhöhungen, können diese auch während der Schutzfristen und der Elternzeit mitgemacht werden und sich damit die Rente weiter erhöhen? Auch hier ist es entscheidend von den vertraglichen Regelungen der jeweiligen Versicherer abhängig.

Kann die Mutter überhaupt berufsunfähig werden?

Dieses ist eine der Fragen, die am häufigsten gestellt werden. Oftmals wird die „Tätigkeit“ als Mutter gleichgestellt mit einer nicht vorhandenen Berufsunfähigkeit und damit auch der fehlenden Notwendigkeit für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch in der Regel haben die Mütter vor der Geburt des Kindes bereits einen Beruf ausgeübt und viele wollen das auch nach der Elternzeit wieder tun. Passiert jetzt während dieser Zeit ein Unfall oder eine Krankheit die zur Berufsunfähigkeit führt, so besteht hier natürlich im vertraglichen Umfang Leistungspflicht des Versicherers, die weit über Mutterschutzzeiten oder die Elternzeit hinausgehen. Auch das „ruhen lassen“ des Vertrages während der Elternzeit ist oftmals keine gute Idee. Denn besteht kein Versicherungsschutz während dieser Zeit, so können auch neu auftretende Krankheiten oder Unfälle nicht zu einer Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung führen. Das gilt selbst dann, wenn die Berufsunfähigkeit selbst erst nach der Elternzeit festgestellt wird, die Ursache aber unter Umständen davor liegt.

Wie ist das mit den Gesundheitsfragen?

Bei einem Antrag auf die Absicherung der Berufsunfähigkeit werden unterschiedliche Gesundheitsfragen gestellt dabei wird zunächst einmal nach Untersuchungen und Behandlungen gefragt, wobei die Schwangerschaftsvorsorge und sämtliche weiteren Untersuchungen natürlich anzugeben sind. Schon aus dieser Antwort erfährt der Versicherer von der bestehenden Schwangerschaft. Die meisten Unternehmen fragen dann gezielter nach und versuchen in Erfahrung zu bringen, in welcher Woche die Mutter sich bereits befindet, ob es sich um eine „normale“ Schwangerschaft handelt oder ob Risikomerkmale vorliegen. Bei dem Bestehen einer Risikoschwangerschaft sind die Versicherer oftmals vorsichtig und stellen den Antrag durchaus schon einmal zurück. Das bedeutet nichts anderes als das zu diesem Zeitpunkt der Antragstellung keine Versicherbarkeit besteht, dieser aber nicht generell abgelehnt wird und später erneut gestellt werden kann. Verläuft die Schwangerschaft allerdings normal, so spricht dieses keinesfalls gegen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Selbst unerwartete Komplikationen bei der Geburt sind dann hierbei mitversichert und (falls diese so schwerwiegend sind, dass daraus eine Berufsunfähigkeit resultiert) zu einer Leistung aus dem Vertrag führen.

Natürlich sind alle Angaben wahrheitsgemäß und vollständig zu machen, und die Nachfragen des Versicherers zu beantworten. Einige Unternehmen behalten es sich vor, eine Kopie des Mutterpasses anzufordern und sich damit selbst ein Urteil über den Verlauf der Schwangerschaft bilden zu können.

Schwere Krankheiten Vorsorge mit Nachversicherungsgarantie für das Kind

Während Kinder in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ab Geburt nachversichert werden können (die meisten Unternehmen bieten hier Versicherungsschutz zehn Jahren) sieht das bei der sogenannten Schwere-Krankheiten-Vorsorge (Dead Disease) etwas anders aus. Hier kann ein rechtzeitiger Abschluss eines solchen Vertrages für Mutter oder Vater dazu führen, dass für das Kind selbst bei schweren Geburtsschäden oder angeborenen Erkrankungen eine Nachversicherungsmöglichkeit besteht und das Kind über diesen Weg (im Rahmen der tariflichen Höchstgrenzen) einen Versicherungsschutz bekommen kann, welchen es sonst niemals in seinem Leben bekommen würde. Diese Nachversicherung funktioniert ähnlich, wie die nachträgliche Absicherung einer Pflegetagegeldversicherung ohne Gesundheitsfragen. Über diese Art von Vorsorge sichern Sie sich ihm eine Option, die es sonst nicht hätte.

Eine solche Absicherung ist nicht für jedermann die passende Option und oftmals nur zweite Wahl nach der eigentlichen Berufsunfähigkeitsversicherung, kann aber eine sinnvolle Ergänzung davon sein.

Die Fakten

Sollten Sie also bereits schwanger sein, oder die Familien“erweiterung“ planen, so denken Sie insbesondere über den notwendigen Versicherungsschutz bei Berufsunfähigkeit nach. Eine diagnostizierte und bereits bestehende Schwangerschaft ist hierbei kein Hinderungsgrund. Weitere Hinweise finden Sie unter dem Punkt „Auswahlkriterien“, Fragen beantworte ich Ihnen gerne –> nach einer entsprechenden Anfrage.