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05.
März '21

Wie lange dauert eine Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung?


Neben anderen Leserfragen ist die nach der Dauer und „wie schnell geht denn eine Antragstellung“ eine der häufigeren Fragen. Generell und Pauschal kann ich nicht sagen, wie lang die Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung dauert, da dieses sehr individuell ist. Aber nach einigen hundert Beratungen in den letzten Jahren nehme ich hier einmal ein Beispiel für einen längeren Prozess und möchte auch erklären warum eine solche Arbeitskraftabsicherung eben Zeit braucht. Auch schauen wir und in diesem Beitrag an:

  • – Wie Sie sich auf eine Berufsunfähigkeitsberatung und Ihren Beratertermin vorbereiten

  • – Warum die Krankenakte und die Aufbereitung der ärztlichen Unterlagen elementar ist

  • – Welche Punkte besprochen gehören

  • – und auch die Frage, was die Krankenversicherung und das System GKV/PKV damit zu tun hat

Starten wir also und schauen und den Ablauf einer solchen Beratung und die einzelnen Schritte etwas genauer an.

Anfrage zur Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Zuerst einmal müssen Sie für sich natürlich erkennen, dass es hier einen Beratungsbedarf gibt und natürlich einen Bedarf in der Absicherung. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Absicherung überhaupt. Denn ohne Einkommen sind auch alle anderen Planungen und Absicherungen irgendwann hin, weil einfach kein Geld da ist.

Anfrage zur BU Beratung im Dezember

Diese Anfrage zur Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung erreichte mich Anfang Dezember, genauer am 02. 12. 2020. Der Interessent hatte schon einiges an Vorarbeit geleistet und sich bereits vorab informiert. Dazu las er bereits hier unter der Rubrik Berufsunfähigkeit allgemeine Informationen, lud sich den Leitfaden herunter und war auch sonst durchaus vorinformiert.

Nach einigen E-Mails und der Zusendung des Kriterienfragebogens (den es mittlerweile auch als interaktives Onlineformular gibt) vereinbarten wir für die folgende Woche einen ersten Telefontermin.

Basiswissen zur Berufsunfähigkeit und Ziele & Wünsche – unser Erstgespräch

„Kennenlerngespräch“ sagen einige Kollegen. Nun, mich „kennen“ Sie meist schon durch umfangreiche Beiträge im Netz und alles was Sie „über mich“ so lesen können. Auch zum Thema meines Beratungsansatzes haben Sie sicher schon etwas gelesen. Falls Sie schauen möchten, was andere Kunden so sagen… Bitte hier auf „Referenzen“ oder hier auf weitere Bewertungen klicken.

Bevor Sie entscheiden können was Sie brauchen und wollen, muss Ihnen jemand erklären was es gibt. Stellen Sie sich einen Autokauf vor. Sie wüssten nicht, dass es Autos mit Airbags gibt und können damit auch nicht entscheiden, ob Ihnen ein solcher wichtig ist. Mit dem Zeitpunkt wo Ihnen aber jemand erklärt was ein Airbag ist und wie der Sie und Ihr Leben schützen kann, ändert sich die Sichtweise. Sie können nun entscheiden, ob Ihnen der Aufpreis für einen solchen Airbag das Geld wert ist, Sie diesen in jedem Fall haben wollen oder darauf verzichten.

Das sind Themen für unser Erstgespräch! Dort geht es zunächst weder um Tarife noch um Prämien und Zuschläge, es geht um Basiswissen. Eine kleine Ausbildung in Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Weiterhin in diesem Gespräch geht es um die Fragen: „Wo wollen wir denn gemeinsam mit der Absicherung in?“

Denn wer in 10 Jahren ein Millionenerbe macht, sich zur Ruhe setzt oder ein Kind plant, ein Haus baut, ins Ausland geht, dessen Bedürfnisse sind anders. Anders im Vergleich zu Menschen, die es nicht planen oder andere Ziele haben. Auch Fragen nach Endalter und die Frage wann und wie kann ich mir Prämien bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sparen, gehören dazu.

Versichern müssen und sollten Sie das, was Sie an Risiko nicht selbst tragen können. Was allein zu „stemmen ist“, muss nicht (oder ggf. später nicht mehr) versichert werden.

Versicherungsschutz ist ein Netz, ein Netz, welches Sie auffängt, wenn Sie fallen und das eigene Seil dünn wird oder zu reißen droht.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Daher sind auch pauschale Lösungen zur Rentenhöhe nicht angebracht. Weil bei dem Kollegen, Nachbarn oder Freund bei 2.000 € netto diese auch monatlich weg sind und dieser also eine Absicherung in der Höhe braucht, ist bei Ihnen vielleicht nur „Fixkostenbedarf von 1.000 €“ und der Absicherungsbedarf sieht gleich ganz anders aus.

Für das erste Telefonat planen Sie bitte mindestens 60, eher 90 Minuten ein. Je nach Vorwissen und Kenntnisstand. In Bezug auf unser „Netz“, welches ich eben bereits ansprach, gilt:

Aufgabe des Beraters ist es, Ihnen zu zeigen welche Netze es gibt und wie haltbar diese sind, damit Sie entscheiden können.

Nach diesem Telefonat bekam der Kunde erstmal erste Unterlagen. Hier gibt es viel zu Lesen und durchzuarbeiten. Fragen zu notieren, Markierungen zu machen und zu überlegen, welche „Features“ sind denn wie wichtig. Die Unterlagen bekam mein Kunde dann ca. am 12.12. und hatte dann sehr schnell Zeit und Muße diese auch durchzuarbeiten.

Nächstes Gespräch – Tarife, Optionen und alle Fragen besprechen

Die Absicherung war zudem so hoch, dass wir ohne ärztliche Untersuchung oder Verteilung der BU Renten auf unterschiedliche Anbieter nicht weiterkommen. Warum zwei BU Anträge zudem besser sind und nicht aus Berater- oder Kundenfaulheit nur einer gestellt werden sollte, habe ich hier erklärt:

Warum zwei Anträge zur BU besser sind – nicht aus Faulheit Zeit sparen wollen.

Auch in unserem Fall war das so. Im nun folgenden Gespräch kommen alle die Fragen und Punkte „auf den Tisch“, die sich beim Lesen der Unterlagen angesammelt haben. Ebenso geht es hier schon weiter um Tarifinhalte und Bedingungen, um Aussagen und Folgen und natürlich um Konzeption generell. Dabei ist zu klären welche Verteilung mit welchen Vor- oder Nachteilen verbunden ist und wie dieses in der Praxis aussehen könnte.

Der Kunde besorgt parallel schon einmal alle Daten zum Thema Gesundheit. Das ist wichtig, denn diese Daten brauchen wir später noch genauer. Atteste, Krankenakten, OP und Krankenhausberichte, Medikamente und vieles mehr. Zum Thema „Krankenakte – warum Sie diese nicht, oder doch anfordern sollten

Hilfestellung dazu geben Musterformulare, welche ich Ihnen hier kostenfrei bereitstelle. In meinem Beitrag „Was tun, wenn der Arzt die Krankenakte nicht schicken will“ finden Sie auch Informationen was Sie dann tun können und warum eben nicht die Versicherung anfragen soll, sondern Sie.

Am Ende dieses und weiterer Folgegespräche je nach Bedarf steht dann die generelle Entscheidung zur Konzeption und den Versicherern, zumindest vorläufig. Denn nun geht es um die Frage „Wer nimmt mich denn, wie?“.

Versicherer bieten bei Vorerkrankungen mehrere Optionen an. Von Ablehnung, über Zurückstellung oder Zuschlag und Ausschluss kann alles dabei sein. Weil die Entscheidungen aber völlig unterschiedlich bei den Unternehmen ausfallen, sind

Anonyme Voranfragen – wichtig wie nichts anderes

Spätestens jetzt ist dann auch klar, warum es einen Berater braucht, einen der weiß was er da tut. In unserem Fall starteten wir also noch vor Weihnachten mit den Voranfragen und bereiten hierzu die Gesundheitsangaben auf. Dazu gibt es auf der einen Seite Antragsfragen welche zu beantworten sind, auf der anderen Seite müssen die Informationen für die Antworten ja irgendwo herkommen. Daher Krankenakten, Atteste etc. Das müssen und sollten Sie nicht ganz allein tun. Klar können Sie eine Frage lesen und die Antwort aufschreiben. Was aber wie abgabepflichtig ist, welche Tücken dort lauern und warum Angaben auch nach den Zeiträumen zu erfassen sind, dazu ist Ihr Berater da, um hier zu unterstützen.

Voranfragen, Ausschreibungen, Arztunterlagen und Entscheidungen

Nachdem diese Unterlagen aufbereitet sind, haben Sie erstmal eine kleine Pause verdient. Auch in unserem Fall habe ich dann einige Versicherer (nach der Vorauswahl) mit den Unterlagen angeschrieben, wir haben besprochen was noch nachzusenden ist und was der Kunde noch von wo besorgen muss. Am Ende gab es einige Entscheidungen, welche von Zurückstellung, über Zuschlag bis hin zu Klauseln und Ausschlüssen alles enthielten.

Zuschlag oder Ausschluss – was ist besser?

Nachdem hier nun alle Entscheidungen vorlagen, konnte auch der Kunde gemeinsam mit mir eine Tarifentscheidung treffen. Der erste von zwei Anträgen konnte also gestellt werden. Nach knapp zwei Wochen und einer weiteren Nachfrage zu dem Antrag, ging es dann auch bei dem Versicherer weiter.

Mitte Januar, also knapp 6 Wochen nach der Anfrage lag uns dann die erste Police vor, die gewünschten 2.500 € bei dem ersten Unternehmen waren policiert und somit sicher. Versicherungsschutz besteht also schon einmal für einen Teil.

Antragstellung

Auch die zweite Absicherung sollte nun beantragt werden. Dafür war, aus Gründen wie Nachversicherung und anderen wie zum Beispiel der Staffelung des Endalters, ein anderes Produkt und ein anderes Unternehmen ausgewählt. Ob das sinnvoll ist oder bei Ihnen die Erhöhung der ersten Police die bessere Wahl ist, so etwas klären wir individuell und im Detail dann.

Hier konnten wir also, da ja schon alles da war und auch die Voranfragen und Ausschreibungen schon bekannt, die Antragstellung für den zweiten Antrag vorbereiten. Gleiches Schema wie bisher. Anträge stellen, Unterlagen aufbereiten und beilegen und mehr.

Dieses dauerte aus verschiedenen Gründen hier dann doch noch einige Zeit länger, so konnten wir Mitte Februar dann den letzten Antrag stellen. Auch dieser wurde nach knapp zwei Wochen angenommen.

Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung – das Finale

Am Ende wurde aus einer Anfrage zur Absicherung bei Berufsunfähigkeit ein entsprechendes Paket der Absicherung. Ein BU Schutz, welcher sich aus verschiedenen Gründen auf zwei Versicherer verteilt und einmal 2.500 € und nochmals weitere 2.400 € absichert.

Beide Policen liegen mittlerweile vor und somit ist eine volle Absicherung vorhanden.

Wie schnell es gehen kann und warum dann einige tausende Euro schnell gezahlt werden und wichtig sind, das habe ich in einem ganz anderen Beitrag einmal beschrieben.

42.000 € „eben mal schnell“ gezahlt! warum und wie das ging – schnell erklärt

Auch allgemeine Fragen und Antworten zum Beispiel zur garantierten Rentensteigerung, Dynamik oder der Arbeitsunfähigkeitsklausel finden Sie im Blog beschrieben. Versicherer verändern zudem aktuell immer mal wieder die Einstufung der Berufsgruppen oder verzichten auf diese fast ganz.

Und natürlich bleiben auch weitere Fragen nicht unbeantwortet. „Wo finden Sie eine unabhängige Beratung und welche Vermittler gibt es eigentlich?“ beantworte ich genauso, wie die nach „Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung“ oder „Warum bei Krebs verschiedene Absicherungen greifen sollten“.

Zuletzt noch ein Hinweis für Sie, was können Sie tun, um sich auf Ihre Beratung vorzubereiten? Also quasi die Hausaufgaben schon mal vor dem Besuch der Schule.

So bereiten Sie sich auf Ihre Beratung zur PKV und / oder Berufsunfähigkeitsabsicherung vor

Und am Ende wünsche ich Ihnen, dass Sie den Schutz nach Jahrzehnten anschauen und denken: „Mist, alles umsonst gezahlt, weil ich so gesund bin!“

24.
Juni '20

CLARK und die PKV Beratung – Sie können alles mit nein ankreuzen – so geht es dann bitte auch nicht


Seit nunmehr 20 Jahren bin ich fast ausschließlich in der Beratung zur Privaten Krankenversicherung und Berufsunfähigkeit unterwegs und mache das gern, sehr gern. Ich könnte nicht einen Tag nennen, an dem ich meine Entscheidung bereut habe. Doch auf dem Weg begegnen einem immer wieder „Kollegen“, da stellt es einem die Nackenhaare auf. Vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung, komische Beratungen und Ratschläge und vieles mehr säumen den Weg. Würde ich nur von diesen Fällen schrieben, brauchte es einen täglichen Blog.

Das wäre sehr schade, denn es gibt so viele tolle und sehr fair und sauber arbeitenden Kollegen und Unternehmen, diese müssen sich aber leider den Unsinn einiger weniger mit ansehen. Klar, es gibt gute und schlechte Ärzte, Anwälte, Handwerker, wie in allen Berufen.

Obwohl ich in der Vergangenheit den einen oder anderen Disput mit Clark (mehr dazu hier) hatte und auch heute nicht mit allem konform gehe, gibt es auch bei den App-Anbietern gute und schlechte Berater, wie überall. Auch die Idee ist gut und hätte Clark diesen Kunden nicht angesprochen, so wäre es sicher gar nicht zu der Überlegung PKV bei ihm gekommen.

Was war bei Clark passiert?

Ein Interessent schrieb mich vor einiger Zeit an.In der ersten Anfrage war keine Rede von dem Berater und auch nicht wie diese bisher abgelaufen war. Das ergab sich erst im Verlauf der weiteren Beratung. Hier hatte jemand zunächst einmal eine App genutzt und seine Verträge eingetragen um diese in einer App alle gemeinsam zu sehen und die Unterlagen parat zu haben. Das hiermit der bisherige Berater vor die Tür gesetzt wird, das haben wir bereits an anderer Stelle diskutiert und es sollte mittlerweile allen Nutzern klar sein, dass hier eine Maklervollmacht erteilt wird.

Einige Kollegen meinen, hier wird die Maklervollmacht „untergeschoben“ und unbewusst der Vertrag übertragen. Ich meine, es ist auch nach einiger Kritik besser geworden. Klar passiert es auch heute noch unbewusst und App-Nutzer wundern sich dann, wenn der bisherige Berater weg ist. Aber die Unterschrift unter eine Maklervollmacht (die auch als solche zu erkennen ist) sollte das vorab klar machen. Hier liegt es leider oft auch an „ich lese das nicht alles durch und klicke schnell weiter“ und nicht an dem, der die App betreibt. Doch das spielt hier auch gar keine Rolle. Der Kunde war hier gesetzlich versichert und hatte gar keinen PKV Vertrag.

Im Verkauf der Dateneingabe in die App und damit auch Eingabe von Einkommen und Gesundheitsschutz kam ein Berater von Clark auf den Kunden zu. Klar, Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze und damit durchaus einen Hinweis oder eine Nachfrage zur PKV wert.

Insgeheim (was der Berater nicht wusste) hatte auch der Kunde das Thema PKV schon vorher einmal auf dem Schirm gehabt und es war dann eingeschlafen. So fehlte nur der Anstoß um es einmal mehr aufzugreifen.

Der Ablauf der Beratung

Los ging es mit einem ersten Kontakt, wie der Kunde erzählt. Den detaillierten Ablauf hat er inzwischen auch in einer öffentlich zugänglichen Bewertung im Netz veröffentlicht, aus der ich hier einfach zitiere. So ist es einfacher den Ablauf nachzuvollziehen und im Anschluss schauen wir uns dann das eigentliche Problem der Voranfrage und der Gesundheitsfragen an. Also hier die Beschreibung des Kunden: (Hervorhebungen durch mich)

Ich wurde von clark kontaktiert, weil die zu recht festgestellt haben, dass ich in die PKV wechseln kann.

Zur „Beratung“ wurde mir dann eine Übersicht geschickt bestehend aus vier Tarifen von drei Gesellschaften und einem Tarif, bei einer Gesellschaft bei der eine Risikovoranfrage bereits abgelehnt wurde. Es fand im Voraus keine Abfrage statt, welche Leistungen mir wichtig sind, über mein Lebenssituation und was ich für die Zukunft vorhabe. Die Übersicht ist 21 Seiten lang und für jemanden, der sich mit der PKV nicht auskennt aus meiner Sicht nur sehr schwer durchschaubar.

Seitens Clark wurden zwei Tarife als Top-Tarife hervorgehoben. Wobei die eindeutige Tendenz in der Beratung war den absoluten Top-Tarif zu nehmen (der auch am meisten kostete natürlich). Details der Tarife wurden kaum besprochen, es wurde nicht erläutert, worauf bei der Tarifwahl zu achten ist, etc.. Auf die Nachfrage, ob man nicht noch andere Gesellschaften betrachten könne, wurde dies relativ lapidar abgetan (kann man, mache es aber unübersichtlicher) und mir wurde einer der Tarife einfach mit einer anderen Selbstbeteiligung angeboten.

Nach einer Risikovoranfrage bei den beiden Gesellschaften mit den Top-Tarifen wurde mir nach ein paar Tagen mitgeteilt, dass die eine Gesellschaft (mit dem teuersten Tarif) mich mit einem Risikozuschlag von 10% nehmen würde (was den monatlichen Beitrag auf über 900€ gehoben hätte). Ich wartete dann noch auf das Ergebnis der zweiten Gesellschaft und dort sollte ich ohne Zuschlag angenommen werden.

Also entschloss ich mich mit dem „zweitbesten“ Tarif zufrieden zu sein.

So kann man für mein Verständnis PKV nicht beraten und so darf es auch nicht sein. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Arzt weil Sie seit einigen Tagen starke Kopfschmerzen plagen. Nun öffnen Sie die Tür zum Sprechzimmer, der Arzt schaut Sie an, stellt sich vor und fragen was Sie haben. Sie antworten: „Kopfschmerzen“, seit Tagen. (mehr …)

16.
Juni '19

Warum nur? Wenn der Berater das Krankentagegeld kündigt und neue BU’s abschließt


Es sind immer und immer wieder diese Geschichten, solche die dem Ansehen der Makler, Vertreter, Vermögens-/ Finanzberater und der ganzen Branche mehr schaden als nützen. Schlimm ist es für alle, doch den Schaden hat am Ende nur einer, der Kunde.

Klar, dieser ist oft auch nicht kritisch genug, fragt nicht nach und glaubt einem guten „Verkäufer“ schnell und oft mehr als er sollte. Das führt am Ende aber zu den absurdesten Geschichten, welche im schlimmsten Fall nicht mehr zu lösen sind. Eine solche Geschichte, wo gleich zwei Berater involviert waren und beide sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, eine solche möchte ich Ihnen heute hier erzählen.

Erzählen auch deshalb, damit es Ihnen nicht passiert, damit Sie zukünftig (noch kritischer) hinterfragen und die guten Berater, die ehrlichen, eine Chance haben zu zeigen was diese können.

Absicherungen sind wichtig, diese sichern die finanzielle Existenz und schützen damit mit Hilfe der Versicherer vor den finanziellen Folgen von Krankheit, Berufsunfähigkeit oder anderen Gefahren.

Die Geschichte beginnt vor drei Jahren. Unser Kunde Hr. B. war damals 48 Jahre alt, seit Jahren privat versichert bei der Continentale in einem der alten Bisex Tarife, genauer dem GS1. Einem Tarif aus den ganz alten Zeiten, Zeiten wo steuerliche Anrechnung der Beiträge kein Thema war und eine hohe Rückerstattung eine gute Idee.

Durch Jahrelange Leistungsfreiheit bekommt er nun auch die maximale Erstattung. Jedes Jahr werden also sechs Monatsbeiträge (steuerschädlich) an den Versicherten zurückgezahlt. Im Jahr 2018, richtiger für das Jahr 2018, waren es immerhin fast 3.000 €, also umgerechnet 250 € Nachlass pro Monat.

Zum 01. Januar gab es dann eine recht deutliche Anpassung der Beiträge. Von bisher 577 € stieg der Beitrag auf 709 €, wird aber durch einen befristeten Beitragsnachlass abgemildert

–> befristeter Nachlass – erkauft man sich Kunden durch Rabatte?

und endet so bei 651 €.

Also, für die bessere Übersicht. Gezahlt werden monatlich 651 €, davon zahlt der Arbeitgeber 50%, also bleiben für den Versicherten knapp 325 € übrig.

Dazu folgt (bei weiter bestehender Leistungsfreiheit) eine Rückzahlung von 250 €. Effektiv verbleiben somit vor Steuer ein Eigenanteil von 75 €. Mit 51 Jahren!

Krankentagegeld kann weg – wir machen eine BU, oder zwei

Bis zum Jahr 2016, der Kunde war dort 48 Jahre alt, hatte er neben der Krankenversicherung bei der Continentale auch noch ein Krankentagegeld bei der Europa. Diese ist Partner der Conti, welche kein eigenes Krankentagegeld anbot.

–> Krankentagegeld – Informationen, Berechnungen, Erklärungen

Das Krankentagegeld sichert den Einkommensausfall bei Arbeitsunfähigkeit aus. Jeder der gesetzlich versichert ist, der kennt das Krankengeld der GKV. Wer als Angestellter mindestens 6 Wochen (ggf. auch nicht zusammenhängende 6 Wochen, aber eine Krankheit) erkrankt und ausfällt, der braucht eine solche Absicherung.

Der Arbeitgeber ist nach 6 Wochen aus jedweder Zahlung heraus und privat versicherte Arbeitnehmer, wie unser Hr. B., zahlen dann auch den Arbeitgeberanteil weiter. Dazu dient also das Krankentagegeld.

–> Krankentagegeld – die richtige Höhe entscheidet

Doch dann begann das Unheil, als der Berater um die Ecke kam. Der hatte nämlich eine tolle Idee. Schließlich war der Kunde kaum krank, da braucht es auch kein Krankengeld. Viel wichtiger ist zudem eine BU Absicherung. Was das nun wieder ist, und warum das eine mit dem anderen nur bedingt etwas zu tun hat, das lesen Sie hier:

–> Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit, Invalidität – eine Erklärung im Begriffsdschungel

Also kam unser toller Berater und sprach mit dem Kunden über eine BU, oder besser zwei, denn doppelt hält schließlich besser und das Risiko muss man ja auch verteilen.

Gut, drei Monate vor dem Abschluss der neuen BU war der Kunde im Krankenhaus. Unregelmäßiger Puls, Einweisung durch den Betriebsarzt. OK, angegeben wurde das nun leider auch nicht im Antrag auf BU, aber das ist ein anderes Thema.

Das Krankentagegeld wurde also dann, zu Gunsten einer eher mäßigen (von den Bedingungen) Berufsunfähigkeitsversicherung gekündigt. Ist unser Kunde nun sechs Wochen krank, kann aber irgendwann wieder arbeiten, so hat er ein Problem.

Die PKV und alle laufenden Kosten will weitergezahlt werden, aber ein Einkommen oder eine Ersatzleistung gibt es nicht.

Neu zu versichern ist es heute auch nicht mehr, da es gesundheitlich weitere Diagnosen bezüglich Herz- und Kreislauferkrankungen gibt. Da wird unser Kunde nun wohl selbst vorsorgen müssen und sparen, sparen, sparen, um am Ende den Ausfall kompensieren zu können. Schließlich sprechen wir noch über 16 Jahre bis zur Rente.

Im Schlimmsten Fall fehlen die 2.700 € jeden Monat, solange wie Arbeitsunfähigkeit besteht.

Das ist nicht nur ein elementarer Beratungsfehler, es sorgt auch für große finanzielle Probleme.

Zwei BU’s, welche nichts voneinander wissen, mit unvollständigen Gesundheitsangaben

Abgeschlossen wurden stattdessen zwei unterschiedliche Berufsunfähigkeitsversicherungen und das bei unterschiedlichen Anbietern. Auf eine Klausel bei Arbeitsunfähigkeit hat man verzichtet, auch wenn es diese in 2016 für einige Anbieter schon gab. (Nicht bei so vielen wie heute, aber es gab sie).

Durch die Beantragung der Verträge bei zwei Anbietern (2000 € + 2000 € Rente) sollte wohl eine ärztliche Untersuchung verhindert werden. Bei den meisten Unternehmen wird ab einer Rente von 2.500 € oder mehr pro Monat eine ärztliche Untersuchung fällig. Das dient einer genaueren Einschätzung.

Aus diesem Grund sind zwei Anträge nacheinander auch besser, wie Sie hier lesen können.

–> Zwei BU Anträge sind besser, auch wenn es mehr Arbeit bedeutet

Nur so wird eine Einschätzung verbessert und ggf. bei neuen Befunden der alte Schutz gesichert. Doch das brauchte der Berater natürlich nicht, denn „vergisst“ man Angaben wie einen Krankenhausaufenthalt, dann kann auch der Versicherer nicht nachfragen.

Auch die Angabe einer anderen Beantragung oder eines bestehenden Schutzes wurde natürlich hier nicht gemacht, denn wäre dem so, so gäbe es Nachfragen und die Anforderung der Untersuchung. Das selbst dann, wenn es eine andere Rente bei einem anderen Anbieter gibt.

Was haben wir also heute?

Probleme über Probleme.

Problem 1 – fehlendes Krankengeld

Einen 51jährigen Kunden, welcher bis zum Rentenalter mit 67 wohl kein passendes Krankengeld mehr bekommen wird. Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Einnahme von Beta Blockern und mehr führt zu Ausschlüssen, hohen Zuschlägen und mehr.

Auch müsste das Krankengeld heute natürlich mit neuem Eintrittsalter und unter Verlust aller Rückstellungen von damals neu beantragt werden.

Problem 2 – Berufsunfähigkeitsschutz der wohl nie zahlen muss

Beide Verträge mit der BU Rente müssen wohl nie zahlen. Die 240 € monatlicher Beitrag könnten somit auch aus dem Fenster geworfen werden. Warum? Weil bei beiden eine Anzeigepflichtverletzung besteht. Beide Verträge sind somit unter falschen Voraussetzungen zustande bekommen und beide Versicherer könnten (und würden) im Leistungsfall zurücktreten.

Somit verlässt sich der Versicherte auf einen Schutz, den er nicht hat.

Die Probleme sind Nichtangabe des anderen Schutzes und damit Verhinderung der ärztlichen Untersuchungen auf der einen Seite, und fehlende Gesundheitsangaben auf der anderen.

Zudem haben wir auch hier das Problem – neuer Schutz heute wird wohl eher noch schwieriger, ähnlich dem Krankengeld.

Was soll der Versicherte nun tun?

Generell geht es nur in kleinen Schritten. Zunächst einmal wäre zu überlegen, die fehlenden Anhaben nach zu melden und einen nachträglichen Zuschlag oder aber einen Ausschluss in Kauf zu nehmen. Alles besser im Vergleich zu einem Rauswurf wenn es akut wird.

Zudem sind die Angaben im Antrag über anderweitigen Schutz nachzuholen und ebenfalls die Versicherer zu informieren. Auch Ausschreibungen über heute neuen, möglichen anderen Schutz, sind im Rahmen von anonymen Anfragen zu prüfen.

–> Anonyme Voranfragen und Ausschreibungen – was dabei wichtig ist

Erst nach Einschätzung der weiteren Versicherbarkeit lässt sich eine vernünftige Aussage treffen. Zudem lauert da noch ein anderes Problem. Der nächste schlaue Berater ist mit einer Tarifwechselidee für die PKV um die Ecke gekommen. Dazu aber in einer anderen Geschichte etwas mehr.

04.
April '19

„Aber wir stellen doch nur mal einen Antrag, alles andere können Sie dann ja noch überlegen.“


Vorgestern hatte ich schon von einem anderen Fall berichtet, einem der sich erst nach dem Abschluss weiter informiert hat und dem dann viele Probleme auffielen. Gleich viermal war es „dumm gelaufen“ und alles führt zu einer Entscheidung, welche heute und jetzt nicht mehr rückgängig zu machen ist, da alle Fristen vorbei waren.

Den vollständigen Fall können Sie gern im Detail nachlesen, im Beitrag zu

Google, tausenden Informationsquellen, welche man aber auch nutzen muss

Der zweite Fall dieses Nachmittages, welcher mich auch im LiveChat erreichte und auch eher nach dem Motto „erst handeln, dann googleln“ verlaufen ist, betrifft meine Freunde vom Main, also die mit dem Kompass. Würde es nicht der x-te Fall bei mir und einigen Kollegen sein, so könnte man von einem Versehen oder einer schlechten Beraterin sprechen, scheint hier aber nicht so zu sein.

Die anderen Fälle, darunter durchaus schlimme, können Sie in den Beiträgen hier nachlesen. Mal war es ein Anruf eines Dachverbandes der PKV, mal wurde ein Kunde dazu überredet bequatscht einen Antrag zu stellen, der eigentlich eine Voranfrage war. So wurde aus dem Antrag ein Vertrag. Klar kann man den widerrufen, wenn man es denn weiß. Da die Police aber zum Berater ging und es eine Vollmacht gab, war die Frist dann auch wieder vorbei.

Mehr Hintergrund: Ein Antrag ist ein Antrag und keine Voranfrage

„Die Beraterin rief an, ich müsse wechseln.“

Die Dame, gemeinsam mit dem Ehemann selbstständig im Einzelhandel, sollte nun Besuch bekommen. Nicht, dass diese nun schon sechs Jahre bei der Axa versichert war und es daher nur bedingt Sinn ergibt da nun Hals über Kopf zu wechseln. In dem Gespräch kamen dann auch so allerlei eigenwillige Aussagen der Beraterin.

  • 1.) „Wenn Sie auch in die Hanse Merkur wechseln (wo der Mann schon versichert ist), ist das besser, weil alle zusammen sind.“

  • 2.) „Ihr Mann kann ja dann auch wieder in die GKV wechseln.“

  • 3.) „Den Antrag füllen wir erstmal aus, ich nehme den unterschrieben mit und dann schauen Sie am Wochenende weiter, dann können Sie es ja prüfen.“

und noch einige Aussagen mehr.

Nicht eine Aussage ist leider richtig und vollständig. Den Hintergrund, warum die Dame nun von der Axa weg sollte und jetzt bereits einen Antrag stellen soll, ist nicht klar. Es gab keinen konkreten Anlass, der Vertrag bei der Axa ist ungeachtet allem erst zum Jahresende kündbar. Wir haben April, das heißt auch, der neue Antrag kann 6 Monate in die Zukunft datiert werden.

Das Vordatieren kann auch sinnvoll sein, so hier dann der Gesundheitszustand kostenfrei eingefroren wird, will man keine Option oder Anwartschaft verwenden (die Geld kosten). Doch April + 6 Monate ist eben Oktober und nicht Januar oder Dezember.

Hier wurde aber solange geredet, bis die Dame dachte sie muss das so machen und unterschrieb einen Antrag. Den wohl gemerkt im ersten Gespräch, nach wenigen Minuten Beratung. Wie so schnell die Gesundheitshistorie aufgearbeitet, Arztunterlagen besorgt wurden, Tarife vergleichen und eine saubere Beratung stattgefunden haben soll, es muss Hexerei sein. Realistisch und normal zu machen ist das nicht.

Leider lassen sich immer wieder Kunden und Interessenten überreden. Das Ergebnis:Da wurde „mal schnell“ ein Antrag auf eine neue, private Krankenversicherung unterschrieben und am Wochenende sollte dann die Zeit sein, sich das zu überlegen und neu zu prüfen. Sonderbare Ansichten hatte die Beraterin, denn das ist ganz sicher der falsche Weg. Zumal es weder Zeitdruck noch sonst etwas brauchte.

Da wurde nun der Verkaufsdruck so hoch und die Dame war zu gutgläubig, also unterschrieb diese einen Antrag auf Krankenversicherung bei der Hanse Merkur, weil der Mann da ja auch versichert ist. Ach ja, zufrieden war er auch, ist ja gesund und hat nichts mit der Gesellschaft abzumachen.

„Ihr Mann kann ja dann auch wieder in die GKV wechseln.“

Das nächste und haarsträubende Argument war dann ein anderes. Der Mann könne ja dann irgendwie bei ihr angestellt werden und somit in die gesetzliche Kasse wechseln. Warum er das sollte, wo doch der Versicherer angeblich so gut und alle zufrieden sind, ist nicht klar. Aber das Argument ist genauso ein Unsinn, wie die Aussage „beide bei der gleichen Gesellschaft bringe Vorteile.“ Außer der Tatsache, dass vielleicht eine App zur Einreichung von Rechnungen auf dem Smartphone reicht (selbst das ist falsch, da diese immer mit dem Versichertenaccount verknüpft ist), gibt es keinen Unterschied.

Die Vertragsbedingungen und Prämien werden weder anders noch günstiger, wenn zwei, drei oder acht Versicherte einer Familie dort versichert sind. Die Private Krankenversicherung ist zudem auch viel zu individuell um die Auswahl von jemand anderem Abhängig zu machen. Ähnlich der Aussage

Meine Freunde, Bekannte, Kollegen sind bei Gesellschaft XYZ versichert.

„Den Antrag füllen wir erstmal aus, ich nehme den unterschrieben mit und dann schauen Sie am Wochenende weiter, dann können Sie es ja prüfen.“

Nein, nein und nochmals nein. Man füllt niemals einen Antrag nur mal „so“ schnell aus und gibt diesen unterschrieben dem Berater mit. Wenn Sie einen Antrag stellen wollen, dann bitte in vollem Bewusstsein was Sie da tun und auch mit dem Verstehen der Hintergründe und Folgen. Was aus so einer Geschichte werden kann und warum Sie da nie wieder raus kommen, das lesen Sie im Artikel:

„Ein Antrag ist ein Antrag und wird schnell ein Vertrag“

Komisch, war auch hier das gleiche Unternehmen mit der Beratung beschäftigt, ist aber sicher ein Versehen. Aber auch hier sollte nur mal geschaut werden, wie denn so ein Antrag gestellt werden „KÖNNTE“ und natürlich sei das alles nicht verbindlich. Sorry, aber wie armselig muss man als Beraterin sein, um hier wohl unter Vortäuschung falscher Tatsachen einen unterschriebenen Antrag zu bekommen. Klar, vielleicht hat die Kundin auch gesagt: „Hey, geht ja eh erst zum 1.1., aber wo Sie gerade einmal hier sind und bevor Sie das Haus verlassen, ich möchte Ihnen gern noch den Antrag unterschreiben. Ich habe zwar keine Idee warum und kann es erst am Wochenende prüfen, aber nehmen Sie den schon einmal unterzeichnet mit.“

Klingt doch plausibel, oder?

Nun haben wir auch hier die Situation einer bestehenden PKV, dazu eines neuen Antrags. Dieser ist ganz sicher auf dem Weg zur Hanse Merkur. Als Gesellschaft kann und muss diese den nun prüfen und wird bei Zustimmung den Antrag annehmen. Damit wird hier eine Police erstellt und dem Kunden der Beraterin zugesandt. Ja, der Beraterin, dazu hat es schließlich einen Maklerauftrag und eine Vollmacht gegeben.

Befrage ich meine Glaskugel, kann ich sagen was hier passiert. Der Antrag liegt heute dem Versicherer vor, wird angenommen. Die Police nebst Widerrufsbelehrung kommt bei der Maklerfirma an und wird doch erfasst. Dann könnte es nun sein, dass diese so viel zu tun haben und der Antrag erst nach Ablauf der Widerrufsfrist bei der Kundin ankommt. Sorry, ging einfach nicht schneller.

Nun stellt diese dann fest: „Hey, ich habe es geprüft und wollte doch nicht wechseln, ich habe eine zweite Meinung eingeholt und fühle mich nicht wohl mit der Entscheidung“. Jetzt könnte diese den Widerruf schreiben und aus dem Vertrag heraus wollen. Blöd nur, dass die Fristen bereits um sind.

Einen theoretischen Anspruch könnte diese Betrogene Kundin nun vielleicht gegen den Makler haben, nur blöderweise gibt es eine Vollmacht… DUMM GELAUFEN!

Den Ablauf und warum das so ist, habe ich ausführlich in einem anderen Beitrag beschrieben.

Die Gefahr der uneingeschränkten Maklervollmacht.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass solche Maklervollmachten und Aufträge wichtig und richtig sind, wenn alle beteiligten vertrauensvoll damit umgehen. Die meisten Versicherungsmakler (die, den Namen wert sind, den Beruf mit Ehre und Anstand ausüben) tun das und würden niemals solche Wege beschreiten. Eine Vollmacht an einen Berater ist immer dann richtig sind wichtig, wenn abgesprochen ist was dieser tun soll. Klar, auch ein Anwalt kann einen Vergleich für Sie annehmen, einen den Sie gar nicht wollen. Wir er aber nicht tun.

So steht auch der Versicherungsmakler auf Ihrer Seite und vertritt Ihre Interessen. Das kann und soll er und auch ich verwende in meinen Kundenbeziehungen Makleraufträge und Vollmachten. Das erleichtert die tägliche Arbeit. Wenn, ja wenn sorgfältig damit umgegangen wird.

Doch in diesem Fall ist noch nicht alles zu spät. Unsere betroffene Kundin kann und muss nun schnell reagieren und das gleich an mehreren Stellen. Dazu müssen im Wesentlichen drei Briefe verfasst werden.

„Schnell handeln und retten was zu retten ist.“

  • 1.) Brief an die Hanse Merkur (als neue Gesellschaft)

  • 2.) Brief an den „Berater“

  • 3.) Brief an die alte Versicherung, die Axa

Was dort drin stehen muss und warum drei Briefe notwendig sind, erkläre ich Ihnen nun. Zuerst einmal muss die Hanse als vermeintlich neuer Versicherer informiert werden. Dazu ist es sinnvoll neben dem Widerruf auch gleich eine Auskunft der Daten anzufordern, dann sehen Sie ggf. auch Post und Emailverkehr mit dem oder von dem Berater.

1.) Brief an die Hanse Merkur (als neue Gesellschaft)

Ein unverbindliches Muster sehen Sie hier:

„Hanse Merkur Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit
Siegfried-Wedells-Platz 1
20354 Hamburg

Fax: 040 4119-3257

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu dem Antrag auf private Krankenversicherung vom ____________ liegt mir bisher der Versicherungsschein noch nicht vor. Rein vorsorglich mache ich von meinem Widerrufsrecht schon heute Gebrauch und erkläre, dass ich den gestellten Antrag zurücknehmen möchte und einem Versicherungsschein hiermit widerspreche.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen aber mit, dass ich sämtliche, gegenüber der Firma _____ erteilte Vollmachten hiermit widerrufe und bitte um schriftliche Bestätigung. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen 7 Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

  1. Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
  2. Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
  3. Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
  4. Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.

Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nachdem Sie dieses per Fax an die oben genannte Nummer oder per E-Mail an info@hansemerkur.de geschickt haben, senden Sie es in jedem Fall als Brief (ggf. mit Einschreiben und Rückschein) hinterher und passen auf, dass Sie hier auch eine Antwort erhalten.

Brief an den „Berater“

Auch dem „neuen Berater“ müssen Sie schreiben, denn schließlich haben Sie dort einen Maklerauftrag erteilt und eine Vollmacht ausgesprochen. Diese muss zurück genommen werden. Auch hier ist eine Auskunft nach den gespeicherten und verwendeten Daten sinnvoll. Ebenso ist ein Kontaktverbot ganz hilfreich, da Sie sonst wieder angerufen und erneut bequatscht werden. Name, Aktuelle Anschrift und Tel./ Fax finden Sie auf Ihrem Maklerauftrag oder einfach hier.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich die bestehende Maklervollmacht und den geschlossenen Maklerauftrag ab sofort fristlos. Ich bitte um schriftliche Bestätigung binnen der kommenden 5 Tage nach Zugang dieses Schreibens/ Fax.

Sämtliche weitere Korrespondenz in meinem Namen mit Versicherern, Ärzten oder anderen Beteiligten untersage ich Ihnen. Eine telefonische Kontaktaufnehme untersage ich hiermit ebenfalls vollständig. Eine eventuell erteilte Einwilligung gilt hiermit als widerrufen!

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.
Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nun haben wie schon mal den größten Teil gerettet. Einen haben wir aber noch, die Axa als alten Versicherer. Da der Maklerauftrag auch zur Kündigung berechtigt und weitere Änderungen und Handlungen zulässt, ist auch hier eine Mitteilung wichtig.

Brief an die alte Versicherung, die Axa

„AXA Krankenversicherung AG
Colonia-Allee 10-20
51067 Köln

Fax: 0800 3557035
E-Mail: info@axa.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreiben Ihnen in Bezug auf meine, bei Ihnen bestehende Krankenversicherung mit der Nummer ___________.

Rein vorsorglich teile ich Ihnen mit, dass ich weder eine Kündigung ausgesprochen habe, noch dieser zustimme. Sollte Ihnen ein Kündigungswunsch der Firma „________“ zugehen, so nehme ich den ausdrücklich zurück. Der bestehende Vertrag soll solange unverändert bleiben, bis ich Ihnen hierzu anderweitige Weisungen erteile.

Auch eine eventuell eingereichte Folgeversicherungsbestätigung der Hanse Merkur ist nichtig, da dort der Vertrag widerrufen wurde.

Eine weitere Korrespondenz mit dem Makler ____________ untersage ich und ziehe eventuell erteilte Vollmachten hiermit zurück. Ich untersage Ihnen hiermit jedwede Weitergabe von persönlichen Daten, vertragsrelevanten Informationen oder anderen Daten meine Person oder den Vertrag betreffend.

Bitte bestätigen Sie mir dieses umgehend, spätestens jedoch binnen 7 Tagen ab Zugang dieses Schreibens.

Ich möchte hiermit von meinem Auskunftsrecht gem. Art. 15 DSGVO Gebrauch machen und bitte Sie daher, mir innerhalb der einmonatigen Frist nach Art. 12 Abs. 3 S. 1 DSGVO, über folgende Punkte Auskunft zu erteilen:

Ist/Soll eine Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt/erfolgen oder nicht? Bitte senden Sie mir eine Kopie zu bzw. erstellen mir einen Zugang zu meinen personenbezogenen Daten, die Sie erhoben haben und/oder verarbeiten.
Bitte senden Sie mir einen Bericht darüber zu, inwiefern meine personenbezogenen Daten von Ihnen im Einzelnen verwendet wurden/in Zukunft verwendet werden. Bitte klären Sie mich auch über Ihre TOMs/weitere Schutzmaßnahmen sowie die geplante Speicherdauer auf.
Bitte senden Sie mir eine Liste aller Dritten bzw. Auftragsverarbeiter zu, die Zugriff auf meine personenbezogenen Daten haben (könnten) und die betreffenden Rechtsgrundlagen.
Sollten Sie aus anderen Quellen als von mir persönlich Daten mich betreffend erheben, teilen Sie mir bitte entsprechend Art. 14 DSGVO alle Informationen über diese Quelle mit.
Diese Anfrage steht unter der Bedingung, dass Ihre Antwort kostenfrei für mich ist.

Auskunftsersuchende:

(NAME, ANSCHRIFT, GEB.DATUM __________________________)

Zuletzt senden Sie mir bitte eine vollständige Kopie der bei Ihnen eingegangenen Antragsunterlagen und sonstiger Formulare mit meinen Daten und Unterschriften.

Mit freundlichen Grüßen“

Nachdem unsere Kundin alles das getan hat, abgeschickt und gefaxt, ist diese aus dem Schlimmsten raus und es kann wenig passieren. Natürlich kann diese, wenn denn doch gekündigt werden soll, den bestehenden Vertrag mit einer normalen Frist von 3 Monaten zum Jahresende beenden. Das aber nur dann, wenn diese es auch wirklich wünscht und ein entsprechender neuer Schutz sinnvoll ist und auch gewünscht.

Glück gehabt, aber viel Arbeit

In unserem Fall hat die Kundin zwar auch erst nach der Unterschrift die Tante Google bemüht, aber dann noch verstanden was sie da genau abgeschlossen hat. Daher nehmen Sie sich diesen Fall zu Herzen und unterschreiben Sie nicht erst und recherchieren und hinterfragen dann. Eine private Krankenversicherung schließt man nicht mal so nebenbei ab. Auch nicht im ersten Termin nach einer Stunde Beratung.

Und immer wenn Ihnen gesagt wird, „Wir stellen erstmal einen Antrag und gucken ob Sie genommen werden“, sollten Sie hellhörig werden. Nicht nur weil es verbindlich ist, sondern auch, weil anonyme Voranfragen das Mittel der Wahl sind. Mehr Informationen warum eine Voranfrage sinnvoll und wichtig ist und warum diese anonym mit qualifizierten Beratern gestellt werden muss, das lesen Sie hier.

„Anonyme Voranfrage – darum braucht es einen qualifizierten Berater“

Haben Sie auch schon einmal solche Erfahrungen gemacht? Was ist Ihnen passiert? Schreiben Sie es gern in die Kommentare, vielleicht verhindern wir dann gemeinsam weitere Katastrophen bei Menschen, die darauf reinfallen zu drohen.

 

02.
April '19

Google, Facebook und tausende Informationsquellen – Bitte nutzen Sie diese auch BEVOR Sie etwas unterschreiben


Wir leben in einer Zeit von einem Überfluss an Information. Klar, einiges davon sind „Fake News“, einiges sicher auch gepuscht, beworben und oft sind auch Anzeigen von normalen redaktionellen Texten kaum zu unterscheiden. Klar, da ist mal ein Wort „Anzeige“ oder „Advertisement“ in der rechten oder linken Ecke, so richtig klar ist es aber nicht.

Aber gerade weil wir in einer Welt voller Informationen leben, gerade darum nutzen Sie diese doch bitte auch. Heute sind mir zwei Fälle begegnet, beide wären schnell und einfach vermeidbar gewesen und beide sollen zeigen, wie wichtig Informationen sind, BEVOR SIE einen Vertrag unterschreiben. Beide Fälle zeigen aber, warum eben nicht alles online und nebenbei zu erledigen geht.

Klar, ich könnte sagen: „Mir doch egal“ und „nicht mein Kunde“, was stört es mich. Mit beiden haben ich heute einige Zeit telefoniert, weil es im LiveChat (das Angebot auf meiner Website) zu langwierig wurde und es einfacher war kurz zu telefonieren. OK, aus kurz wurde lang, aber ich hoffe es hat beiden geholfen.

Fall 1, der Vater und der Pflegebedürftige Sohn

Ein gut verdienender Vater, angestellt, bisher in der gesetzlichen Krankenkasse, wie die Frau und der Sohn auch. Die Mutter ist selbst versichert, der Sohn in der Familienversicherung der beiden und somit alle in der GKV. Nun steigt das Einkommen, die Chance auf die Absicherung in der privaten Krankenversicherung wächst. Man bemüht das Internet, landet auf einem Vergleichsportal, rechnet (sich) die PKV und schließt diese ab. Soweit so unkompliziert. War ja ganz leicht und einfach. Oder?

Die Police kommt vor einigen Wochen, Beginn soll erst noch sein. Der Versicherer tut alles was er tun muss und das richtig. Es folgen Hinweise zur Folgeversicherungsbescheinigung und diese wird- so geheißen- an die alte gesetzliche Krankenkasse geschickt. Der neue Beitrag in der PKV ist noch- JUHU- gleich 200 € günstiger, verglichen mit dem GKV Höchstbeitrag – alles richtig gemacht!

Oder doch nicht? – Was passiert mit dem Sohn?

Irgendwann kommen Rückfragen, Zweifel, es scheint etwas nicht ganz zu stimmen. Die GKV hat zwischenzeitlich die Kündigung bestätigt, die Private Versicherung alle Unterlagen zugeschickt und in einigen Wochen soll er vollzogen werden, der Wechsel in die PKV. Blöd nur, da wurde der Sohn und dessen Schutz wohl vergessen. Klar, in eine private Krankenversicherung ist dieser mit einem Antrag und Gesundheitsfragen nicht zu bekommen. Nie. Laufende Pflegebedürftigkeit und Behinderung sprechen dagegen. Keine Chance.

Dann muss der Sohn in der GKV bleiben und Beitrag zahlen

Stimmt, das geht ja auch. Aus der Familienversicherung wird eine freiwillige Versicherung des Sohnes. Die Voraussetzungen sind erfüllt, dabei zahlt dieser dann einen Beitrag in der Kranken- und Pflegeversicherung (anders als in der PKV ist diese für Kinder nicht beitragsfrei). Die nächste Ernüchterung: 185 € soll es kosten, jeden Monat und das für die GKV Leistungen. (Anmerkung. Ein Kind mit Pflegegrad und Behinderung lässt man in der GKV, die Frage stellt sich nicht. Allein wegen bereits getätigter Leistungszulagen, Betreuungsleistungen und vielem mehr.)

Jeder halbwegs anständige Berater kann das und weiß das. Ein Onlinerechner eher nicht und dummerweise hat es sowohl das Portal, aber auch der Rechner selbst nicht hinterfragt. Da war eben kein Feld wo man es eingeben kann. Kein Feld wo die Fragen kommen: „Gibt es Kinder“ oder „Wo sind diese versichert?“ oder „Können die Kinder überhaupt mit in die PKV?“.

Blöd gelaufen, oder? „Dann bleibe ich auch in der GKV“

Ein Widerruf muss her, ist ja nicht so, als ob sowas nicht ginge. Der Gesetzgeber sieht im §8 VVG ein solches Recht vor. Sobald der Versicherte alle Unterlagen bekommen hat, also die Belehrung über die Möglichkeit des Widerrufes, die Police etc., so kann er sich das nochmals anders überlegen und eben diesen Vertrag widerrufen.

Ergebnis: Der Vertrag kommt nicht zu Stande. In der Krankenversicherung sollte man zudem auch der alten GKV diese Information nicht vorenthalten und dafür sorgen, dass eine bereits verschickte Bescheinigung der Folgeversicherung zurückgenommen wird.

Blöd gelaufen Teil II – Frist verpasst

Dumm nur, wenn die Frist für den Widerruf vorbei ist. Ja, der Versicherer muss den Zugang beweisen und auch darlegen, wie dieser Widerruf beim Kunden angekommen ist. Blöd hingegen, wenn es schon Telefonate mit dem Unternehmen gab, wenn die Bescheinigungen bereits der GKV vorlagen und somit klar war, diese waren im Brief mit der Police.

„DANN KÜNDIGE ICH EBEN WIEDER.“

Klar, auch das können Sie machen. Aber: 1.) gelten auch dort Mindestvertragslaufzeiten, zum anderen hat man hier auch gleich das Problem der GKV. Nur weil die PKV nun gekündigt ist, ist der GKV Schutz noch lange nicht wieder da. Warum? Weil dazu ein Tatbestand vorliegen muss, der unseren angestellten Kunden wieder Versicherungspflichtig macht. Das gerade ist aber hier nicht so, denn nur weil er eben nicht -pflichtig ist/ war, nur darum ist er ja in die PKV gegangen.

OK, also auch kein Ausweg. Naja, egal. Dann werfen wir zumindest noch einmal einen Blick auf die PKV. „Kann man denn Steuerfreibeträge eintragen“, fragt er. Nun, schauen wir uns das Thema Lohnsteuer und private Krankenversicherung nochmals an. OK, da steigt dann ab Wechseltermin in die PKV die Lohnsteuer noch etwas an. 30, 50, 80 € jeden Monat werden wohl weniger auf dem Konto zu sehen sein, denn der PKV Beitrag ist 1.) um einiges geringer und 2.) auch nicht 100% anrechenbar, denn dieser enthält mehr Leistungen im Vergleich zur PKV. (Informationen zum Thema Lohnsteuer und PKV gibt es hier)

Wie, das hat Ihnen er Onlinerechner auch nicht gesagt?

Blöd gelaufen Teil III – weniger Netto nach dem Wechsel

Also nicht nur der Mehrbeitrag für den Sohn in der GKV, auch die höhere Lohnsteuer nach dem Umstieg ist zu beachten. Auch ein Thema, welches sich in einem Onlinerechner einfach nicht abbilden lässt, oder wo man es nicht wollte.

Schade, aber sonst wäre diese Entscheidung wohl so nie zu Strande bekommen. Aber dann ist das so, es ist ja nun nicht mehr zu ändern. Also wird es wohl bei dem Wechsel bleiben. Eine Ersparnis wie erhofft gibt es nicht mehr, denn die 185 € für den Sohn waren ja außerhalb des Plans. Aber: „Hey, ich nutze meinen AG Zuschuss von über 350 € monatlich gar nicht aus, weil mein Beitrag ja weit unter 700 € liegt.“

Aktuelle Zahlen zum AG Zuschuss und dem Höchstbeitrag gibt es hier im Beitrag als Übersicht

„Dann bleiben mir ja noch Gelder übrig und die GKV für meinen Sohn ist dann doch günstiger. Puh, Glück gehabt.“ Oder doch nicht? Sie ahnen es vielleicht, aber leider stimmt auch das leider nicht.

Blöd gelaufen Teil IV – kein AG Zuschuss für GKV versichertes Kind

„Mist verdammter“, auch das klappt also nicht. Für ein Kind, welches nicht in der PKV versichert wird (weil es nicht soll, oder wie in unserem Fall nicht kann), wird kein Arbeitgeberzuschuss gezahlt. Ein Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse ist eben nicht zuschussfähig. Hat der Onlinerechner nicht gewusst? Ne, er hat ja nicht nach Kindern gefragt und daher kam diese Frage auch gar nicht. Ob er es sonst gesagt hätte? Nun, qualifizierte Berater können das, oder sollten es zumindest können.

Mehr Infos: Kein AG Zuschuss für in der GKV versicherte Kinder und/ oder Ehepartner

Also auch hier „nix mehr zu holen“.

Leider ist hier so alles schief gegangen, was nur schief gehen kann. Dabei geht es noch gar nicht um den Tarif und die Auswahl, dass die Leistungen von dem abweichen, was der Kunde so wünscht. Es geht aber um drei entscheidende Punkte.

  • – Kind „vergessen“ zu versichern

  • – vergessen die Lohnsteuer und deren Mehrbelastung anzusprechen

  • – kein AG Zuschuss für das Kind in der GKV

Was sagt und dieses Beispiel?

Wir können vieles online, wir brauchen für viele Dinge nicht zwingend ein „menschliches Gegenüber“. Aber bitte nehmen Sie sich für Themen wie die private Krankenversicherung und damit die Versorgung des wichtigsten Gutes, der Gesundheit, ausreichend Zeit. Setzen Sie sich mit Spezialisten zusammen, hören Sie zu, hinterfragen Sie und lesen Sie nach. Wenn Sie etwas nicht verstehen, ist es KEIN passender Zeitpunkt einen Vertrag zu unterschreiben. Klar hat die GKV eigene Interessen Sie zu (be)halten, die PKV Interesse Sie zu bekommen. Auch ein Berater, Makler, Vertreter hat durchaus Interessen. Die erste sollte sein, Sie gut und richtig zu beraten. Die private Krankenversicherung ist für viele Gruppen die richtige Wahl, aber eben nicht für alle.

Daher lassen Sie sich Zeit, nehmen Sie sich genau die Zeit, die Sie brauchen und entscheiden dann.

Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten wollen und können- eine langfristige Beziehung mit nötiger Planung

Und den zweiten Fall aus dem LiveChat von heute… den erzähle ich Ihnen ein anderes Mal. Bleiben Sie neugierig und skeptisch. Es schadet sicher nicht!