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12.
September '20

Individuelle Beratung zu Berufsunfähigkeit und PKV – Vorbereitung auf Ihr Beratungsgespräch


Beginnen möchte ich mit etwas sehr Positivem: Das Bewusstsein für eine notwendige und dann auch hochwertige Absicherung in den Bereichen Absicherung der Arbeitskraft und Gesundheitsvorsorge ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung wird nicht zuletzt als „Königsdisziplin“ bezeichnet, denn hier sichern Sie lebenswichtige Risiken ab und sichern Ihre Existenz. Nicht erst seit Corona beschäftigen sich immer mehr Menschen mit der richtigen und passenden Absicherung und schützen nicht nur sich damit, sondern sichern auch die Familien ab.

Dabei müssen wir uns jedoch bewusst sein, dass die Auswahl eines individuellen und passenden Produktes für die Absicherung eines einzelnen durchaus Beratungsaufwand bedeutet. Dieser Aufwand entsteht jedoch nicht nur bei dem Berater, auch bei Ihnen als Kunden oder zunächst einmal Interessenten gibt es einiges zu tun.

Wir alle müssen uns verabschieden von:

„Lieber Berater, schicken Sie mir einmal bitte ein Angebot und sagen mir was ich machen soll.“

Die Berechnung eines Angebotes und vielleicht auch noch die Auswahl eines entsprechenden Versicherers, das kann eine einigermaßen brauchbar programmierte Maschine sicherlich auch. Gerade darum geht es aber nicht. Es geht vielmehr um Wissensvermittlung und Ausbildung der Interessenten, denn nur wenn Sie einen Überblick darüber haben was es am Markt für Möglichkeiten gibt, nur dann können Sie fundiert und begründet eine Entscheidung treffen.

Vor einigen Tagen habe ich hier in einem Beitrag einen Leistungsfall der Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Büroangestellten beschrieben, dieser zeigt sehr anschaulich, was einem so passieren kann. Um das Risiko aber zu begrenzen, müssen Sie Ihr eigenes Risiko erst einmal kennen.

1. Kunde und Berater müssen zueinander passen

Bevor wir uns nun aber der Beratung und Vorbereitung widmen, möchte ich noch einige kurze Einblicke in Anfragen zeigen, welche bei mir in den letzten Tagen und Wochen so gelandet sind.

Sehr geehrter Herr Hennig,

bei Twitter bin ich über Ihren Blogeintrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung eines typischen „Büromenschens“ gestolpert und habe mich dort wiedererkannt. Bisher habe ich auch die Meinung vertreten, dass mir eigentlich nichts passieren kann, was mich für eine lange Zeit außer Gefecht setzt. Nach Geburt unserer Tochter, einem anstehenden Bauprojekt mit einhergehenden finanziellen Verpflichtungen, Ihrem Blogeintrag sowie vieler Gespräche mit meiner Frau, setzt hier jedoch ein Umdenken ein. Daher würden wir uns gern mal beraten lassen, welche BU für uns am besten wäre, selbstverständlich mit dem Ziel diese dann auch abzuschließen.

Wir haben den Kriterienfragebogen nach bestem Wissen ausgefüllt, sind jedoch bei vielen Punkten nicht festgelegt und flexibel. Meine Frau arbeitet als Referentin im ……. (dort war das Feld zu kurz).

Die Kommunikation und Koordination läuft am besten telefonisch oder per Mail über mich. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Viele Grüße aus Berlin und ein schönes Wochenende,

und ein weiteres Beispiel:

Hallo Herr Hennig,
ich bin über Twitter auf Sie aufmerksam geworden und habe aufgrund der umfassenden Infos auf Ihrer Webseite und den guten Referenzen entschieden, dass ich Sie gerne kennenlernen möchte!
Ich bin zweifacher Vater und Ehemann und habe mit nun 38 Jahren leider bisher den Fehler gemacht, mich nicht gegen Berufsunfähigkeit zu versichern.
Das möchte ich unbedingt korrigieren und in einem persönlichen Gespräch herausfinden, ob wir zueinander passen.
Im Anhang finden Sie den ausgefüllten Kriterienfragebogen.
Ich befinde mich aktuell in Elternzeit und bin daher recht flexibel was Termine angeht. Wenn Sie mir 2-3 Terminvorschläge schicken, wird da sicher einer dabei sein, der passt.
Da ich weiß, dass Sie viel unterwegs sind, sind alle möglichen Kommunikationswege wie Facetime, Google Meet etc. denkbar 😊
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Was ich bei beiden Anfragen hier gut erkennen lässt, die Interessenten haben sich nicht nur mit dem Thema welches sie ab sichern möchten beschäftigt, sondern auch mit dem potentiellen neuen Berater. Natürlich gibt es nicht den einen Berater oder den einen richtigen Weg der Beratung, denn wie überall im Leben muss es auch hier passen. Wenn sie das Gefühl haben es passt nicht, dann sollten Sie das durch aus auch sagen.

Ich berate meine Kunden seit dem Jahr 2000 ausschließlich am Telefon, online oder über diverse andere Möglichkeiten. Als ich damit anfing und mich entschied sich nicht direkt gegenübersitzen zu müssen, erntete ich von Kollegen und anderen Mitbewerbern ein müdes Lächeln und „das klappt eh nicht.“

Doch warum sollte es nicht? Ist es wichtig ob wir gemeinsam an einem Tisch sitzen oder ist es vielleicht wichtiger ob die Informationen die sie für eine Entscheidung brauchen zu Ihnen kommen und sie vielleicht sogar einfacher Sachen nachlesen, erfragen und verstehen können? Ein persönliches Verhältnis und eine fachliche Qualifikation braucht keinen gemeinsamen Tisch.

2. Was erwarten Sie von Ihrem Berater

Bevor Sie also in eine Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung starten, überlegen Sie sich was sie von ihrem Berater erwarten. Soll dieser vor Ort sein und bei Ihnen zu Hause vorbeikommen, möchten Sie sich direkt bei einer Gesellschaft beraten lassen oder lieber eine unabhängige Meinung eines Versicherungsmaklers nutzen?

Der Markt der Berater bietet alle möglichen Formen der Beratung. Angefangen von dem Versicherungsvertreter einer Gesellschaft über den Vertreter mehrere Gesellschaften (den Mehrfachagenten, der gerne mit dem Makler verwechselt wird), die klassischen Versicherungsmakler, Onlineportale oder Beratung gegen Honorar.

Der Weg zum passenden Berater

Für sich müssen Sie also zunächst einmal eine Entscheidung treffen, welchen Berater Typ sie sich vorstellen können und dann noch eine andere, weit wichtigere Entscheidung. Stellen Sie sich dazu folgende Frage: „Will ich gesagt bekommen was ich zu tun habe, oder will ich informiert entscheiden können?“

Was auf den ersten Blick vielleicht etwas sonderbar klingt, passiert in der Praxis leider täglich. Der Kunde ist zufrieden sich keine Gedanken machen zu müssen, der Berater ist zufrieden eine schnelle Unterschrift zu bekommen und am Ende ist leider keinem geholfen. Es gibt Entscheidungen im Leben, die kann niemand anders für Sie treffen.

Ich als Berater kann ohne viele Fragen nicht wissen, wie ihre Zukunftsplanung aussieht, ob sie Kinder wollen, ob sie ins Ausland gehen möchten oder sich übermorgen beruflich verändern. Wenn wir aber über Absicherungsprodukte sprechen, die sie die nächsten Jahrzehnte begleiten werden, dann bedarf es solche Informationen. Und wer dann (egal ob auf Kunden – oder Beraterseite) meint, solche Produkte lassen sich in einer Stunde mal schnell nebenbei beraten, der irrt hier gewaltig.

Ich habe mich schon vor 20 Jahren dafür entschieden, meine Kunden auszubilden und meine Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung als Wissensvermittlung aufzubauen. Wissen zu vermitteln, Informationen zu geben und gemeinsam sich Klauseln und Versicherungsbedingungen anzuschauen bilden das Fundament für eine begründete Entscheidung.

Seit Jahren wiederholt sich in Beiträgen, Videos oder Leitfäden dieser Satz:

Nur wenn sie wissen was es am Markt gibt, nur dann können Sie entscheiden ob sie es auch brauchen oder wollen.

Wagen wir einen kurzen Blick in eine andere Branche. Nehmen wir an sie wollten sich ein Auto kaufen. Wenn Ihnen der Verkäufer aber nicht erklärt, was es für Sicherheitssysteme und -möglichkeiten gibt, dann können Sie nicht überlegen ob Ihnen dieser Schutz das Geld wert ist. Der Berater oder Autoverkäufer kann und sollte in keinem Fall für Sie entscheiden, sondern Sie müssen mit den übermittelten Fakten für sich eine individuelle Entscheidung treffen.

3. Bereiten Sie sich darauf vor, viele Fragen gestellt zu bekommen

Ganz egal ob sie sich über eine Berufsunfähigkeitsversicherung informieren, oder zu der privaten Krankenversicherung beraten werden möchten, in jedem Fall stellen Sie sich auf viele Fragen ein. Schon vor vielen Jahren habe ich mich daher für umfangreiche Fragebögen entschieden, damit sie in Ruhe für sich Informationen besorgen können und sich über die Themen Gedanken machen.

Sie werden bei den Kriterienfragebögen zur Berufsunfähigkeit oder auch zur privaten Krankenversicherung auf Fragen stoßen, die hat Ihnen so noch nie jemand gestellt und bei einigen Begriffen wussten sie nicht einmal das es diese gibt. Das ist auch gut so und die erste und grundsätzliche Aufgabe der Beratung. Aufklärung und Information. Dazu habe ich Leitfäden vorbereitet und stelle Ihnen hier in über 1.300 Blog Beiträgen Unmengen an Information zur Verfügung.

Sie müssen kein Versicherungsexperte werden um die Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung zu verstehen, auch wenn viele meiner Kunden ihren Bekannten und Kollegen manchmal so vorkommen. Aber nur in dem sie sich einlesen und mit dem Thema beschäftigen, nur dann Sind Sie überhaupt in der Lage für sich eine richtige und fundierte Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung die ihnen nicht ihr Berater „aufs Auge gedrückt hat“, sondern eine Entscheidung die in ihrer individuellen Situation begründet und richtig ist.

Daher ist eine Beratung ohne Vorarbeit (angefangen von dem Ausfüllen von Fragebögen, über das erste, ausführliche Telefonat) und die Bereitschaft zu lesen und Verstehen zu wollen nicht möglich.

Kriterien der Berufsunfähigkeitsversicherung

4. Lassen sie sich helfen und unterstützen mit einer qualifizierten Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung

Neben dem Selbststudium zu den wichtigen Punkten und Hintergründen einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder auch der privaten Krankenversicherung, welche Sie sich als Basiswissen aneignen können, geht es aber um viele weitere Punkte.

Dazu gibt es Spezialisten und Berater. Gemeinsam mit diesen klären Sie nicht nur Ihre persönliche Information, sonder lesen gemeinsam Bedingungen, informieren sich über Gesellschaften und gestalten Tarife. Auch hier werden Sie mit neuen und weiteren Fragen konfrontiert auf die Sie sich einstellen müssen.

Ach wenn Vergleichsrechner auch schnelle und kostenlose Vergleiche oder Hilfe bieten, in komplexen Fragen und gerade bei biometrischen Risiken sind diese nur bedingt geeignet.

Eine anonyme Risikovoranfrage bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein weiterer Punkt. Niemals sollten Sie einen Antrag ungeprüft und ohne entsprechende Risikovorabanfragen stellen. Zu groß ist die Gefahr hier Informationen an Gesellschaften zu geben und Entscheidungen zu dokumentieren, welche sich so später als Hindernis herausstellen. In meinem Artikel zu den anonymen Voranfragen finden Sie hier detailliertere Beschreibungen und die Möglichkeit eine solche Anfrage zu stellen.

Anonyme Voranfragen bei Berufsunfähigkeit und Krankenversicherung – warum es einen qualifizierten Berater braucht

Auch hierfür gibt es mittlerweile Tools. Diese sind aber – wie so oft – nur so gut, wie der/diejenige welche sie bedient. Daher bringen die Tools meist nur dann etwas sinnvolles zu Tage, wenn die Eingingen richtig, vollständig und gut aufbereitet sind.

Checkliste zur Antragstellung in der Berufsunfähigkeitsversicherung oder der Krankenversicherung

Ich hoffe, Sie konnten bisher einen Eindruck gewinnen, wie umfangreich und vor allem wie wichtig hier eine saubere Vorbereitung und Antragstellung ist. Hier nochmals die wichtigsten Punkte in einer Zusammenfassung zur Beratung zur Berufsunfähigkeits- und Krankenversicherung.

  1. Informieren Sie sich umfassend zum ThemaHilfestellungen bieten der Leitfaden zur Berufsunfähigkeitsversicherung oder zur der Leitfaden zur privaten Krankenversicherung und umfangreiche Informationen in Blogbeiträgen oder auf den entsprechenden Unterseiten zu den Themen.
  2. Bevor Sie einen Berater aussuchen, informieren Sie sich über dessen Art der Beratungstätigkeit, die Spezialisierung und seine Qualifikation
  3. Lesen Sie Referenzen oder Bewertungen Ihres Gegenüber
  4. Nehmen Sie zu dem Beratungsgespräch einen Fragebogen zu den Kriterien des Produktes mit. So den Kriterienfragebogen zur Berufsunfähigkeitsversicherung oder Kriterienfragebogen zur Krankenversicherung. Stellt Ihr Berater solche Fragen nicht oder nicht in dem Umfang, fragen Sie selbst nach und holen sich eine zweite Meinung ein. Nur wer umfangreich die „Anamnese“ macht, kann richtig und passend ein Produkt empfehlen.Zudem finden Sie hier weitere Fragen und Kriterien:- Auswahlkriterien Private Krankenversicherung
    Auswahlkriterien Berufsunfähigkeitsversicherung

Haben Sie weitere Fragen oder brauchen Hilfe

Dann finden Sie unter „Kontakt“ Möglichkeiten diese zu stellen. Alternativ nutzen Sie gern den LiveChat.

 

24.
September '19

Private Krankenversicherung – vorsorglich kündigen um dann zu wechseln? Das müssen Sie beachten!


Eine Frage, die sich in den letzten Tagen im LiveChat häuft, denn der 30.09. und damit der letzte Kündigungstermin für die meisten Verträge in der privaten Krankenversicherung rückt näher. Während eine Kündigung in der gesetzlichen Krankenkasse risikolos möglich ist, stellen sich bei privat Krankenversicherten andere Fragen und Herausforderungen. Damit Sie hier nicht in eine Falle tappen, hier einmal einige Fakten dazu zusammengefasst.

Insbesondere schauen wir uns in diesem Artikel an:

  • – wie die Kündigungsfristen sind

  • – wann Sie kündigen müssen

  • – wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

  • – welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung

  • – gibt es Alternativen

Bei der privaten Krankenversicherung handelt es sich um einen Vertrag, welchen Sie mit Ihrem Versicherer geschlossen haben. Neben den Allgemeinen Versicherungsbedingungen gelten hier die gesetzlichen Grundlagen, so unter anderem das Versicherungsvertragsgesetz.

Wie ist die Kündigungsfrist meiner privaten Krankenversicherung?

Generell gilt in der Privaten Krankenversicherung eine Frist von drei Monaten zum Ende des laufenden Versicherungsjahres. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht bei allen Unternehmen das Versicherungsjahr auch dem Kalenderjahr entspricht.

So gelten in den meisten Verträgen der Alten Oldenburger, der Barmenia, der BK oder auch der Continentalen nicht das Kalenderjahr, sondern das Versicherungsjahr. Auch Versicherer wie die Debeka, Hallesche oder Inter und auch Signal Iduna oder Universa setzen nicht das Kalenderjahr an.

Möchten Sie einen solchen Vertrag daher wirksam kündigen, so ist dieses mit einer Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres möglich. Ein Beispiel?

Ihr Vertrag begann am 01. 04. 2018 und Sie möchten diesen kündigen. Dann muss die Kündigung bis drei Monate vor diesem Termin, also vor dem 01. 01. bei dem Unternehmen eingehen. Wären Sie nun aber bei der Continentalen versichert und möchten kündigen, so gilt eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren, erst danach können Sie kündigen. Bedeutet in unserem Fall:

Beginn war 01. 04. 2018, zwei Jahre Mindestlaufzeit enden am 01.04.2020 –> Kündigung bis 31.12.2019 mit Wirkung zum 01.04.2020

Haben wir aber einen Versicherer bei dem Versicherungsjahr = Kalenderjahr ist, so ist es etwas anders. Nehmen wir auch hier einen:

Beginn am 01.04.2018 und eine Mindestvertragslaufzeit von 2 Jahren. Diese endet normalerweise am 01.04.2020. Durch die Tatsache der Kündigung zum Ende des Kalenderjahres, ist dieser Vertrag bei einer Kündigung bis 30.09.2020 aber erst zum 01.01.2021 kündbar.

Gibt es andere „besondere“ Kündigungsmöglichkeiten?

Neben der ordentlichen Kündigung gibt es noch einige andere Gründe. So ist

  • – Eintritt der Versicherungspflicht/ Familienversicherung

ein solcher Grund. Dieser kann durch Arbeitslosigkeit (und dem Bezug von ALG I) oder auch durch eine Aufnahme einer nichtselbstständigen Tätigkeit unter der JAEG eintreten. Wer durch das Anheben der Grenze in 2020 unter diese rutscht, auch für den tritt unter Umständen Versicherungspflicht ein. Mehr Details dazu hier. Auch ein

  • – dauerhafter Wegzug ins Ausland

kann ein solcher Grund sein.

Ebenfalls gibt es auch im laufenden Vertragsverhältnis einen Grund, die

  • – Beitragsanpassung

Ändert (erhöht) der Versicherer die Beiträge, so ergibt sich dadurch ein Sonderkündigungsrecht. In diesem Jahr (2019) betrifft das tatsächlich (soweit bekannt) recht wenige Verträge. Bei der größten Anzahl der Vollversicherten erwartet und keine Beitragsanpassung zum 01.01.2020.

Wann und unter welchen Voraussetzungen die Kündigung wirksam wird

Das größte Problem in solchen Fällen ist aber, dass den Versicherten die Voraussetzungen und nötigen Schritte nicht klar sind. Dabei hat sich vor einigen Jahren, mit Eintritt der Versicherungspflicht, einiges geändert. Eine wichtige Grundlage bildet die Versicherungspflicht. Dazu heißt es im Versicherungsvertragsgesetz. Maßgebend sind hier der §205 in Verbindung mit dem §193.

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 205 Kündigung des Versicherungsnehmers
(…)
(6) Abweichend von den Absätzen 1 bis 5 kann der Versicherungsnehmer eine Versicherung, die eine Pflicht aus § 193 Abs. 3 Satz 1 erfüllt, nur dann kündigen, wenn er bei einem anderen Versicherer für die versicherte Person einen neuen Vertrag abschließt, der dieser Pflicht genügt. Die Kündigung wird nur wirksam, wenn der Versicherungsnehmer innerhalb von zwei Monaten nach der Kündigungserklärung nachweist, dass die versicherte Person bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung versichert ist; liegt der Termin, zu dem die Kündigung ausgesprochen wurde, mehr als zwei Monate nach der Kündigungserklärung, muss der Nachweis bis zu diesem Termin erbracht werden.

und dazu heißt es in §193:

Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG)
§ 193 Versicherte Person; Versicherungspflicht
(…)
(3) Jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung, die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst und bei der die für tariflich vorgesehene Leistungen vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung für jede zu versichernde Person auf eine betragsmäßige Auswirkung von kalenderjährlich 5.000 Euro begrenzt ist, abzuschließen und aufrechtzuerhalten; für Beihilfeberechtigte ergeben sich die möglichen Selbstbehalte durch eine sinngemäße Anwendung des durch den Beihilfesatz nicht gedeckten Vom-Hundert-Anteils auf den Höchstbetrag von 5.000 Euro. (…)

Das bedeutet, Sie müssen

  • – rechtzeitig (3 Monate vor Ende des Vers.-/ Kalenderjahres kündigen

  • – bis dahin eine Bestätigung der neuen Versicherung einreichen

Nur dann wird Ihre Kündigung auch wirksam und Sie können den Versicherer wechseln.

Mehr Infos und Urteile zur Folgeversicherung finden Sie hier.

Welche Risiken bestehen bei einer vorsorglichen Kündigung?

Jetzt ist es nicht mehr lang bis zum 30. September und einige kommen dann gern auf die Idee: „ich kündige einmal vorsorglich“ und schaue dann weiter.

Während für gesetzlich Versicherte eine Kündigung der GKV risikolos möglich ist, sieht das in der PKV etwas anders aus. Die Kündigung ist zunächst eine einseitige Willenserklärung. Wer also seinem Vertragspartner (hier dem Versicherer) erklärt: „ich will kündigen“, der kann das natürlich tun. Die Vorgaben der Versicherungspflicht erstrecken sich aber nur auf die Leistungen im ambulanten und stationären Bereich. Dabei müssen wir hier genauer die Tarife unterscheiden.

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant, stationär, Zahn in einem Tarif)

Besteht Ihre Krankenversicherung aus einem solchen Kompakttarif, also einem Tarif welcher Leistungen für ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen enthält (zum Beispiel der AZP Tarif oder KVS der Hanse Merkur), dann ist nur eine Kündigung des kompletten Tarifs möglich. Reichen Sie hier die Folgeversicherungsbestätigung dann nicht ein, so wird auch diese Kündigung für alle (ambulant, stationär, Zahn) Teile NICHT wirksam. Ihr Risiko für die Kündigung ist also sehr begrenzt. (siehe Abschnitt „Kündigung zurückziehen“)

Ich habe einen Kompakttarif (ambulant + stationär in einem Tarif und einen Zahnbaustein)

Sind Sie aber zum Beispiel im AXA VITAL Tarif versichert und haben auch den Zahnbaustein ZPro versichert, so sieht das anders aus. Durch die Kündigung wird die Axa Ihnen diese vorsorglich für den VITAL bestätigen (Sie müssen ja noch einen Nachweis der Folgeversicherung erbringen), für den Zahnbaustein aber erfolgt die Bestätigung sofort, da dieser nicht der Pflicht unterliegt.

Damit ist die Kündigung für den Zahnbaustein zum Ablauf des Versicherungs-/ Kalenderjahres wirksam.

Ich habe einen Bausteintarif (einzelner Tarif für ambulant, stationär und Zahn)

Wer bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) oder zum Beispiel auch bei der Alten Oldenburger versichert ist, der hat so genannte Bausteintarife. Das erkennen Sie, wenn Sie einen ambulanten, einen stationären und einen Zahnbaustein haben. Auch wenn diese in einem Vertrag sind und nur eine Nummer haben, so unterliegen nicht alle Bausteine der Versicherungspflicht.

Heißt aber auch hier: Kündigen Sie den Gesamtvertrag, so müssen Sie (nur) für ambulant und Zahn einen neuen Schutz nachweisen und nur diese Kündigungsteile sind solange schwebend unwirksam. (bzw. richtiger: sie werden erst mit Nachweis der Folgeversicherung wirksam.

Krankentagegeld

Ebenfalls problematisch sind damit hohe Krankentagegelder, wie diese bei Angestellten über der JAEG durchaus üblich sind. Nehmen wir auch hier eine Kündigung an, welche der Versicherer schnell bestätigt. Vielleicht auch deshalb, weil Sie Vorerkrankungen haben und er durchaus „froh ist“, das Risiko los zu werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung existiert (aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze) eine Begrenzung des Krankentagegeldes. Die Berechnung finden Sie unter dem Punkt „Krankentagegeld„.

Alle Teile des Versicherungsschutzes, welche somit nicht der Pflicht unterliegen, werden daher sofort gekündigt. Auch Bausteine zur Pflegeergänzung, Beitragsentlastung, Kurtagegelder, Krankenhaustagegeld, Optionen oder Auslandsbausteine. Nur die, die der Pflicht genügen müssen, sind unter dem Vorbehalt des Nachweises der Folgeversicherung.

Dann ziehe ich meine Kündigung zurück?

und genau hier beginnt das Problem. Eine Kündigung ist, als einseitige Willenserklärung, dann wirksam. Möchten Sie hier Ihre Meinung ändern und doch bei dem alten Unternehmen bleiben, so ist das Ihr gutes Recht. Aber:

  • – der Versicherer muss einer Rücknahme zustimmen (Ausnahme: Versicherungspflichtbausteine)

  • – der Versicherer kann einen neuen Antrag und neue Gesundheitsangaben verlangen

  • – er führt eine neue Risikoprüfung durch

  • – er bewertet ggf. alles was er aus dem Vertragsverlauf weiß

Das bedeutet auch: Selbst das, was in dem neuen Antrag nicht mehr anzugeben wäre (da die Fristen vorbei sind), selbst das kann der Versicherer hier berücksichtigen. Hatten Sie vor 8 Jahren eine Krebserkrankung und nun müssen Sie nur noch 5 Jahre rückwirkend angeben, so mag das für andere Unternehmen stimmen. Der eigene Versicherer wird diese Information natürlich verwerten.

Kündigung möglich – aber bitte überlegt!

Wenn Sie also die Absicht haben noch vor dem 30. September zu kündigen, dann sollten Sie das überlegt tun. Gelingt es Ihnen nicht einen neuen Schutz zu erhalten und diesen auch final beantragen zu können, so überlegen Sie sich eine Kündigung (also eine vorsorgliche) bitte gut.

Zu oft werden schnell neue Verträge geschlossen und alte beendet und das, ohne die Risiken zu kennen. Auch das Risiko von zwei Verträgen beachten Sie bitte.

Vordrucke für eine Kündigung habe ich Ihnen im Downloadbereich unter „Kündigungsvordrucke“ zusammengestellt. Aber wie gesagt, lassen Sie sich beraten und überlegen genau.

Weitere Informationen finden Sie auch unter den Punkten:

02.
Oktober '18

Die ottonova Zufriedenheitsgarantie – leider vergisst man die Risiken


„Wir sind neu, innovativ, anders als die anderen und digital.“ So zumindest einige Werbeaussagen in der Vergangenheit. In der privaten Krankenversicherung war lange Zeit vieles angestaubt. Rechnungen mussten per Brief an die Versicherung geschickt werden, dann wurden diese bearbeitet, erstattet und dem Kunden als Brief die Erstattung bestätigt.

Das hat sich aber bei vielen Versicherern geändert. RechnungsApps machen das Leben einfacher, Kundenportale lassen Abrechnungen und Vertragsunterlagen jederzeit einsehen und auch die Versicherer werden digital. Das reicht aber alles nicht, sagt ottonova, und kam vor kurzer Zeit als StartUp der Krankenversicherung an den Markt. Viele Versicherer haben jedoch ebenfalls diese Entwicklungen erkannt, bieten all das, was so einzigartig sei, nun auch an. Beispiele sind die Barmenia mit der Teleclinic, dazu die Abrechnung per App und ein umfangreiches Kundenportal.

Meine Beiträge zu den Tarifleistungen und den Problemen und Lücken in den Bedingungen, habe ich bereits bei Markteinführung aufgeschrieben.

–> HIER GEHT ES ZU DEN BEITRÄGEN der Ottonova Tarife

Jetzt hat das noch nicht ganz so gut geklappt mit dem Kundenwachstum, was aber in den ersten Jahren auch normal sein dürfte. Die Akzeptanz eines rein digitalen Krankenversicherers (welcher nun aber Kooperationen sucht und Infoabende veranstaltet um Kunden zu gewinnen) ist noch nicht sehr hoch. Zudem möchten viele neu-PKV Kunden nicht in einen Tarif wechseln, welcher erst wenige Monate besteht. Nicht bei einem alteingesessenen Krankenversicherer und erstrecht nicht bei einem StartUp. Aber das muss jeder für sich allein entscheiden.

Damit nun aber mehr Kunden zu ottonova kommen, hat der Versicherer sich etwas Neues überlegt, die ZUFRIEDENHEITSGARANTIE. Irgendwie muss es doch gelingen, Kunden davon zu überzeugen sich dem neuen, innovativen Versicherer anzuschließen, oder?

Also muss eine Garantie her, klingt immer gut und so beruhigend.

Worum geht es bei der Zufriedenheitsgarantie?

Nun, es soll Sie überzeugen, falls Sie noch zweifeln ob ein StartUp das richtige ist, nun einen Versuch zu wagen. Also so eine Art „Geld zurück Garantie“, als würden Sie eine neue Waschmaschine kaufen.

Zunächst gilt eine Mindestvertragslaufzeit von zwei Jahren, so lange müssen Sie nun schon dableiben. Sind Sie danach aber nicht zufrieden, so kannst „Du“ auch wieder woanders hin wechseln.

„Wir geben dann 100% deiner Alterungsrückstellungen an deine neue Krankenversicherung weiter.“

… verspricht ottonova und erhofft sich damit Wechsler aus der GKV und PKV, um diese in der Praxis von dem Produkt zu überzeugen. Dummerweise ist eine private Krankenversicherung kein Fernseher oder eine Waschmaschine, welche man einfach nach Jahren so austauscht.

Die Risiken der Zufriedenheitsgarantie bei ottonova

Ja, es ist durchaus eine Innovation, ALLE Alterungsrückstellungen mitzugeben, meint ottonova. Ist es auch, denn auch nach Einführung der Portierbarkeit der Alterungsrückstellungen sind nicht 100% übertragbar, hier geht ottonova nun einen Schritt weiter. Doch dabei vergisst man leider die Risiken zu erwähnen. Eine Krankenversicherung wechselt man eben nicht wie das Hemd und die Auswahl sollte so fundiert und ausgewogen sein, dass man dort dauerhaft bleiben kann.

Wechseloptionen innerhalb des Unternehmens sind wichtig

Natürlich können sich Lebensumstände ändern und genau darum ist es entscheidend, was das Unternehmen neben dem aktuell ausgewählten Tarif noch anbietet. Gibt es Wechseloptionen innerhalb des Versicherers? Lassen sich geänderte Lebensumstände somit auf den neuen Schutz übertragen und lässt sich dieser anpassen?

Hat ein Unternehmen nur einen oder zwei Tarife, so ist es natürlich schwerer etwas Passendes zu finden. Doch das ist nicht unbedingt das Problem.

Eintrittsalter – nach zwei Jahren drei Jahre älter?

Nun können Sie natürlich erst einmal hin und testen. Gibt ja eine Zufriedenheitsgarantie und damit auch die Möglichkeit dort wieder weg zu gehen. Doch schauen wir einmal auf das erste der zwei Probleme. Das Eintrittsalter. Zunächst einmal sind Sie dann zwei, oder gar drei Jahre älter. Je nachdem ob der Wechsel unterjährig oder aber zu Beginn des neuen Jahres erfolgt.

Zum Vergleich schauen wir uns doch einmal einen Mitbewerber an. Die Barmenia mit dem expert+, einem dreißigjährigen Kunden und dort den bestmöglichen Schutz. Passend mit 120 EUR Krankentagegeld.

Wird der Schutz heute abgeschlossen, sind dafür in Summe 684,45 EUR zu zahlen, ist der Kunde heute zwei Jahre älter, sind es 714,49 EUR. Somit fallen Monat für Monat

Mehrkosten in Höhe von 30,04 EUR

Unterstellen wir einmal einen Versicherungsverlauf bis 75 und vergessen alle noch folgenden Anpassungen, so reden wir über eine

Kostendifferenz von 15.500 EUR.

Dabei bin ich immer nur von zwei Jahren Altersdifferenz ausgegangen. Ein Risiko, was auch eine Zufriedenheitsgarantie nicht lösen kann, selbst wenn es eine Mitnahme der Rückstellungen gibt (und sich dadurch der Betrag noch verändern kann).

Gesundheitszustand – das viel größere Problem

Viel wichtiger und entscheidender ist aber das zweite Problem, welches sich nicht lösen lässt. Der Gesundheitszustand der versicherten Person ist eben nicht zwei Jahre in die Zukunft planbar. Dabei reicht ein kleiner Unfall, ein Missgeschick beim Sport oder einfach ein Laborwert, welcher bei einer Vorsorgeuntersuchung nicht ganz in Ordnung ist.

Zack- schon sind bei einem Wechsel 5, 10, 15 oder mehr Prozent Zuschlag zu zahlen. Ja, vielleicht entfällt der auch irgendwann wieder. Aber so wird eine Zufriedenheitsgarantie ad absurdum geführt.

Oftmals sind es Kleinigkeiten, Diagnosen, die nicht unbedingt zu Beschwerden führen müssen und / oder Zufallsbefunde, welche einen Wechsel in der Zukunft nicht nur erschweren, sondern auch unmöglich machen können. Dann sind Sie in einem Krankenversicherer gefangen, wo Sie dauerhaft nicht hinwollten, einem Startup was vielleicht auch nicht die gewünschten Erfolge hat?

Nur damit kein Missverständnis entsteht. Das Risiko besteht auch bei jedem anderen Versicherer. Daher sollten auch hier die Auswahl des Versicherers und der Tarife im Vordergrund stehen. Wechseln Sie nur zu einem Versicherer, in welchem Sie dauerhaft (nach heutiger Annahme) bleiben können und wollen.

Eine PKV schließt man eben nicht ab, um in 1, 2, 3 Jahren wieder zu wechseln, auch nicht mit einer Zufriedenheitsgarantie.

Auswahlkriterien

Entscheidend für jedwede Auswahl sind die passenden Kriterien. Dazu habe ich Ihnen unter

–> Auswahlkriterien

einige Informationen zusammengestellt. Auch der Leitfaden zur PKV und der Kriterienfragebogen helfen bei der Suche nach dem passenden Produkt und der richtigen Absicherung. Denken Sie immer daran, Flexibilität ist wichtig, aber wechseln Sie nie irgendwohin, wo Sie nicht auch dauerhaft bleiben würden.,

06.
August '18

PKV: Ich möchte eine hohe Beitragsrückerstattung wenn ich keine Rechnungen einreiche


Wer sich für die private Krankenversicherung (PKV) interessiert, der hat sich meist schon etwas belesen. Er hat Google gefragt, sich Tarife von Freunden und Bekannten empfehlen lassen (Warum das keine gute Idee ist? Hier klicken!) und irgendwann etwas über Rückzahlungen gelesen.

Ob die Gesellschaft das nun

oder wie auch sonst heißt, es suggeriert eine Beitragsrückzahlung an den Kunden und weckt Erwartungen. Diese werden dann teilweise nicht erfüllt oder führen zu dem bösen Erwachen später, aber dazu später mehr.

Der Wunsch taucht auch immer wieder im Livechat hier auf der Seite auf, in dem können Sie Fragen stellen und bekommen schnell und kostenfrei eine Antwort. Dazu einfach links unten klicken. Eine solche Aussage kam daher auch kürzlich wieder.

Der Wunsch der Rückzahlung

Es war einmal… nein, doch kein Märchen. Aber der Wunsch der zukünftig privat versicherten ist oft auch dadurch geprägt, dass Gesellschaften weiter mit Rückerstattungen, Bonusleistungen und dergleichen werben und so den Eindruck erwecken, man müsse also unbedingt irgendwie Geld aus dem PKV Vertrag wieder rausbekommen.

Für einige Berater ist es ebenso ein „gefundenes Fressen“. Da wird eine Rückerstattung gleich mal von dem Beitrag abgezogen, das sieht so alles viel besser aus. Da werden dann aus 600 EUR Monatsbeitrag gleich nur noch 165 EUR. Klingt gut, oder?

Ist nur dummerweise Unsinn und eher Marketing und Verkauf, denn Beratung. Denn genau so geht es eben nicht. Eine PKV muss man sich leisten können und wollen, habe ich einmal in einem anderen Beitrag geschrieben und auch wenn dieser Blogpost schon älter ist, ist er nicht weniger richtig.

Wer eine solche Entscheidung nicht bewusst trifft und sich überreden lässt, der fällt schnell auf die Nase. Und ja, Makler verdienen Geld damit, dass diese Sie beraten und dann eine Vergütung bekommen. Das eine schließt aber das andere nicht aus und so gehört zu einer guten Beratung eben auch ein „nein, Sie passen (derzeit/ generell) nicht in das System PKB.

PKV – gewollt und bewusst entschieden, aber niemand muss in die private Krankenversicherung

Die Beitragsrückerstattung in der PKV

Generell sind zwei Modell zu unterscheiden. Die garantierte Rückerstattung und die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung in der privaten Krankenversicherung. Zum besseren Verständnis hier einmal etwas auseinander „gepflückt“.

garantierte Rückerstattungen

Das kann eine monatlich garantiere Zahlung in Form eines Bonus sein (Hallesche NK) oder schon ein vorweg genommener Abzug, weil man meint der Kunde ist eh ohne Leistung. Letzteres ist das Modell der Hanse Merkur im Nachfolger des ASZG Tarifs, wo das schon immer so war. Aber auch im neuen AZP Tarif ist die Regelung wieder so drin. Da ist dann wieder von garantierter Pauschalerstattung die Rede. Blöd nur, dass es nicht wirklich garantiert ist, denn der Tarif wird deutlich teurer, wenn Leistungen benötigt werden.

Das Modell dahinter? Die Hanse geht davon aus, Sie brauchen eh keine Leistungen und stundet Ihnen daher einen Teil, genauer gesagt die Hälfte, des reinen Tarifbeitrages. Daher zahlen Sie auf dem Papier einen immens niedrigen Beitrag. Was daraus wird lesen Sie, wenn Sie im 1. Absatz auf die roten Wörter klicken.

Doch mal im Ernst. Sie schließen eine Krankenversicherung ab, damit Sie davon ausgehen nie krank zu werden und das macht auch der Versicherer und zahlt Ihnen etwas zurück? Ich bitte Sie…

Eine Krankenversicherung ist dann wichtig, wenn Sie eben nicht krank sind. Wenn Sie sparen wollen, kaufen Sie sich einen Strumpf.

  • – garantierte Rückerstattungen sind an Bedingungen geknüpft

  • – garantiere Rückerstattungen sind der Höhe nach fix (auch in der Zukunft werden diese nicht erhöht)

  • – wer heute 50 EUR monatlich bekommt, bekommt auch in 30 Jahren 50 EUR monatlich

  • – kann durch die Gesellschaft nicht reduziert werden (auch nicht erhöht)

erfolgsabhängige Rückerstattungen (BRE)

Im Gegensatz zu den eben genannten sind diese Rückerstattungen erfolgsabhängig. Aber nicht von Ihrem Erfolg, sondern vom Erfolg des Versicherers. Wirtschaftet dieser gut und erzielt Gewinne, bekommen die Kunden welche leistungsfrei sind auch etwas zurück. Wenn nicht, dann eben nicht. Sie rechnen also mit einer WENN, DANN, VIELLEICHT Zahlung.

Diese wird für das laufende Jahr festgelegt und nur für dieses. Überlegt sich das Unternehmen es zukünftig nicht mehr zu zahlen, dann ist das für die folgenden Jahre ebenso. Auch wenn Sie krank sind werden solche Leistungen nicht mehr erbracht.

Wofür machen Sie sich noch gleich die Arbeit bei der Suche nach der passenden Versicherung? Ach richtig, für den Fall das Sie KRANK sind und bestmögliche Leistung brauchen.

  • – erfolgsabhängige Rückerstattungen sind nicht garantiert

  • – können zukünftig angepasst, reduziert werden

  • – können ab dem Folgejahr ganz entfallen

  • – sind weg, wenn Sie krank werden und Leistungen brauchen

Was aber beide Rückerstattungen gemeinsam haben… Sie sind beide steuerschädlich. Warum? Weil es eine Rückzahlung und damit eine Minderung der gezahlten Krankenversicherungsbeiträge ist.

Das kann- auch im Hinblick auf das Pauschalleistungsmodell- noch nach einigen Jahren ganz spannend finden, wenn dort Steuerbescheide geändert werden müssen und sollen. Dann ist eine Nachzahlung nicht ausgeschlossen.

Die steuerlichen Folgen

Jeder Euro Rückzahlung ist ein Euro weniger gezahlte Krankenversicherung. Das heißt auch und gerade bei höheren Einkommen, höheren Steuerklassen, es kann sinnvoller sein Rechnungen einzureichen und lieber auf die BRE zu verzichten, dafür aber die PKV Beiträge angerechnet zu bekommen.

Nehmen wir das Beispiel von dem „Zettel“ oben im Beitrag. Zunächst hat unser Musterkunde 600 EUR gezahlt, davon 300 vom Arbeitgeber zurückbekommen. Der Aufwand für die KV beträgt somit pro Jahr 300 * 12 = 3.600 EUR.

Dieser Betrag führt zu einer steuerlichen Entlastung, da der Beitrag angerechnet wird. Er mindert somit die Lohn-/ Einkommensteuer und so reicht unser Kunde das auch ein. Im Herbst des Folgejahres bekommt er nun 3 Monatsbeiträge, also 1.800 EUR wieder, denn die 1.500 EUR Arztkosten hat er selbst bezahlt, sonst wäre ja die Rückerstattung futsch.

Dumm nur, aus dem KV Aufwand in der Steuer werden schnell 1.800 EUR, denn die Hälfte bekam er ja wieder als Rückerstattung. Wem das Wort Progression etwas sagt… der kann sich die Folgen gern selbst ansehen und berechnen. Klar ist, durch einen höheren Steuersatz sind auch andere Einkünfte höher besteuert und das kann schnell nach hinten losgehen.

Da ich Makler und nicht Steuerberater bin, besprechen Sie Details bitte mit den Fachleuten aus dem Steuerrecht. Vertrauen Sie aber nicht einfach auf die Rückerstattung und dass diese gut ist.

Hinweise zur Tarifauswahl

Daher vergessen Sie bei der Auswahl der PKV die Beitragsrückerstattung und beachten einige Hinweise.

  • – kalkulieren Sie „NIEMALS NIE“ mit einer Rückerstattung

  • – wählen Sie Ihr Produkt so aus, dass es ohne Erstattungen passt

  • – überlegen Sie am Jahresende dann zunächst, ob das Einreichen sinnvoll ist

  • – beachten Sie auch die steuerschädlichen Folgen

Kein Versicherungsschutz in der Krankenversicherung wird abgeschlossen, damit Sie diesen lebenslang nicht nutzen. Irgendwann (hoffentlich dauert es noch sehr lange) werden Sie den Schutz brauchen, dafür ist er auch da.

Eine Krankenversicherung ist eine Krankenversicherung, kein Sparvertrag.

Und nun, nun finden Sie hier viele weitere Punkte, die Sie bedenken müssen und lassen Sie sich Zeit, lesen Sie, verstehen Sie, nur dann wird es ein passendes Produkt.

14.
Juni '17

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind


Der Dschungel der Tarife in der privaten Krankenversicherung ist oftmals schier unübersichtlich und kaum zu überblicken. Da ist es nur verständlich, wenn Sie versuchen sich bei der Auswahl einiger Hilfsmittel zu bedienen. Neben Onlinevergleichsrechnen, welche zumindest für die private Krankenversicherung ungeeignet sind, stützen viele Interessenten ihre Entscheidung auf den Rat von Freunden, Bekannten und Kollegen.

„Wenn meine Freunde/Kollegen dort versichert sind, dann kann es ja nicht schlecht sein, diese sind bei Gesellschaft XYZ zufrieden“. 

Warum solche Hinweise und Tipps aber eher fatale Folgen haben können und für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif und eine Gesellschaft nicht geeignet sind, das schauen wir uns einmal im Detail an.

Beginnen wir mit der Gesellschaft oder den Tarif, in dem die Bekannten und Freunde versichert sind. Bevor sie sich also auf so eine Empfehlung verlassen, machen Sie sich Gedanken zu folgenden Fragen:

  • –  Wie wurde der Versicherungsschutz ausgewählt?
  • –  Warum sind die Kollegen dort versichert und welche Alternativen gab es?
  • –  Welche Vorerkrankungen bestanden bei den Kollegen?
  • –  Hatten diese schon Zusatzversicherungen dort?
  • –  Wie und durch wen erfolgte die Beratung?

Eine der wichtigsten Fragen, um eine solche Empfehlung hier bewerten zu können ist die, wie denn bei den Freunden der Versicherungsschutz ausgewählt wurde. Gab es eine Beratung durch einzelne Versicherungsvertreter einer Gesellschaft, wurde vielleicht ein Makler oder ein anderer Berater gegen Honorar genutzt?

Lesetip: Wo bekomme ich unabhängige Beratung in Finanz- und Versicherungsfragen?

Welche Anforderungen und welches familiäre und berufliche Umfeld lagen der Beratung zu Grunde, sind diese Kriterien zu 100 % mit Ihren vergleichbar? Oftmals stellt sich dann gleich die Frage, wie Sie es beurteilen sollen, kennen Sie doch all diese Kriterien und Anforderungen aus der damaligen Beratung gar nicht. Ganz vereinfacht gefragt: Kaufen Sie das gleiche Auto, das gleiche Haus und/ oder sieht Ihre Wohnungseinrichtung auch so aus wie die Ihrer Kollegen?

Nicht? Warum nicht?

Weil Sie Ihren eigenen Geschmack haben? Weil Sie individuell sind? Weil Sie Kinder haben oder wollen, die Kollegen und Freunde vielleicht nicht?

Sehr schnell merken Sie nun, eine Beratung einer Person ist nicht auf die andere übertragbar. Selbst wenn es Übereinstimmungen gibt, wenn Kriterien wie

  • –  beruflicher Status (angestellt oder selbstständig)
  • –  Einkommen
  • –  Ausbildung

übereinstimmen, so ist die Anforderung an einen passenden Versicherungsschutz doch etwas ganz anderes. So individuell wie ein Haus, eine Einrichtung, der eigene Geschmack, so individuell ist auch die Auswahl des Versicherungsschutzes.

„Aber die Abwicklung bei Gesellschaft XYZ ist gut, mein Kollege bekommt alles erstattet“

Auch dieses ist ein beliebtes Argument. Wird doch von vielen befürchtet keine ausreichende Erstattung im Leistungsfall zu bekommen, lange hinter Rechnungen und deren Erstattung hinterher zu laufen und dann am Ende Ärger zu haben? So werden bereits versicherte immer mal wieder gefragt, wie zufrieden diese denn sind. Werden Rechnungen abgerechnet und schnell bezahlt? Gab es Probleme bei der Abrechnung oder prüft der Versicherer zu streng und fragt viel?

Gerade bei jüngeren Kunden die bereits privat versichert sind kommt dann schnell die Aussage „Ich bin zufrieden mit meiner PKV“. Hinterfragen Sie bitte solche Aussagen, hinterfragen Sie insbesondere aufgrund welcher Daten, (mehr …)