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13.
August '19

Anforderung der Krankenakte und gespeicherter Informationen – so gehts kostenlos


Die Krankenakte ist oftmals nicht ganz einfach zu bekommen. Da meinen einige Ärzte dann doch ernsthaft: „Sie müssen vorbei kommen, schicken kann ich Ihnen diese nicht.“, andere kommen dann mit einigen kurzen Auszügen um die Ecke und der Dritte sagt „ich muss Ihnen die gar nicht geben.“ Mit einigen dieser Vorurteile räumen wir nun einmal auf und schauen uns an, wie Sie schnell und kostenfrei an Ihre Krankenakte kommen.

Zunächst sei einmal auf bereits erschienene Artikel verwiesen:

Während es also schon immer möglich war, die eigene Krankenakte gegen Erstattung der Kosten für gefertigte Kopien zu bekommen, haben wir seit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung im Jahr 2018 noch eine andere Möglichkeit. Diese verbesserte Situation gilt damit ab dem Jahr 2018 und ermöglicht dem Patienten noch schneller, sicherer und kostenfrei an die entsprechenden Informationen zu kommen.

Wozu bedarf es überhaupt einer Kopie der Krankenakte?

Es gibt ganz verschiedene Gründe, warum die Einsicht in die Krankenakte wichtig und erforderlich ist. Das kann

  • – Prüfung der Diagnosen

  • – Einsicht in die abgerechneten Diagnosen

  • – Antrag auf eine Lebens-/ Berufsunfähigkeits-/ Krankenversicherung

  • – eigenes Interesse

  • – Weitergabe an einen anderen Arzt

  • – eine Zweitmeinung

oder etwas ganz anderes sein. Dabei ist es auch nicht relevant warum Sie diese Kopie haben möchten, sondern nur das Sie es möchten. Ich persönlich fordere jedes Jahr zum Jahresanfang die Unterlagen des zurückliegenden Jahres an. Das hat den Vorteil, dass ich immer alle Unterlagen greifbar habe und mich im Fall der Fälle keine Gedanken machen muss.

Weiterhin ist es auch durchaus aufschlussreich zu wissen, was andere (hier Arzt oder Krankenhäuser) über einen selbst gespeichert haben und ggf. auch, an wen diese Daten weitergeben wurden.

Wer kann den Anspruch geltend machen?

Jeder Patient/ jede Patientin hat einen entsprechenden Anspruch an den Arzt und kann die eigene Krankenakte verlangen. Bei nicht volljährigen Kindern besteht der Anspruch natürlich auch und kann durch die sorgenberechtigten Eltern ausgeübt werden.

Wollen Sie diese Unterlagen hingegen für eine andere Person bekommen, so bedarf es einer ausführlichen Bevollmächtigung, schließlich handelt es sich hier um sehr private und sensible Gesundheitsdaten. Daher ist es am einfachsten, wenn diese durch den jeweilig Betroffenen selbst beantragt werden und auch diesem zugestellt werden sollen.

Darf der Arzt mich zum „Vorbeikommen“ zwingen?

Nein. Auch wenn es einige Ärzte oder Praxismitarbeiter gibt, welche auch heute noch der Meinung sind, es ginge nur persönlich, so ist es schlichtweg falsch. Es gibt insbesondere in der DSGVO aber auch nicht in der Berufsordnung der Ärzte eine Regelung, wonach eine solche Auskunft vor Ort zu erfolgen hat. Gerade nach einem Umzug oder dem Wechsel zu einem anderen Arzt möchten Sie vielleicht gar keinen persönlichen Kontakt mehr, daher reicht es per Post vollkommen aus.

Aber: Sie müssen nachweisen können, dass Sie auch die anspruchsberechtigte Person sind. Das kann über geeignete Unterlagen wie einer Kopie des Ausweises, Reisepasses oder anderer passender Nachweise erfolgen. Eine solche Berechtigung lässt sich aber auch auf die Entfernung einreichen und prüfen.

Was Sie genau antworten können, wenn der Arzt sich dennoch weigert, das habe ich im Artikel hier beantwortet:

Wenn Arzt oder Krankenhaus die Zusendung der Krankenakte verweigern

Lassen Sie sich daher auf keine Diskussionen ein. Setzen Sie ggf. eine Frist, schreiben die Praxis erneut mit Fristsetzung an und haken Sie nach. Auch wenn es am Ende ein bisschen Arbeit macht, es sind Ihre Daten und Ihre Unterlagen.

Welche Rechtsgrundlagen gelten?

Die Regelungen zur Auskunft finden sich in der DSGVO, der Datenschutzgrundverordnung. Genauer im Artikel 15 Absatz 1, denn dort heißt es:

Die betroffene Person hat das Recht, von dem Verantwortlichen eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob sie betreffende personenbezogene Daten verarbeitet werden; ist dies der Fall, so hat sie ein Recht auf Auskunft über diese personenbezogenen Daten und auf folgende Informationen:

a.) die Verarbeitungszwecke;
b.) die Kategorien personenbezogener Daten, die verarbeitet werden;
c.) die Empfänger oder Kategorien von Empfängern, gegenüber denen die personenbezogenen Daten offengelegt worden sind oder noch offengelegt werden, insbesondere bei Empfängern in Drittländern oder bei internationalen Organisationen;
d.) falls möglich die geplante Dauer, für die die personenbezogenen Daten gespeichert werden, oder, falls dies nicht möglich ist, die Kriterien für die Festlegung dieser Dauer;
e.) das Bestehen eines Rechts auf Berichtigung oder Löschung der sie betreffenden personenbezogenen Daten oder auf Einschränkung der Verarbeitung durch den Verantwortlichen oder eines Widerspruchsrechts gegen diese Verarbeitung;
f.) das Bestehen eines Beschwerderechts bei einer Aufsichtsbehörde;
g.) wenn die personenbezogenen Daten nicht bei der betroffenen Person erhoben werden, alle verfügbaren Informationen über die Herkunft der Daten;
h.) das Bestehen einer automatisierten Entscheidungsfindung einschließlich Profiling gemäß Artikel 22 Absätze 1 und 4 und – zumindest in diesen Fällen – aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik sowie die Tragweite und die angestrebten Auswirkungen einer derartigen Verarbeitung für die betroffene Person.

Die Kostenerstattung oder besser die Kostenfreiheit der Information findet sich in Absatz 3:

Der Verantwortliche stellt eine Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind, zur Verfügung. Für alle weiteren Kopien, die die betroffene Person beantragt, kann der Verantwortliche ein angemessenes Entgelt auf der Grundlage der Verwaltungskosten verlangen. Stellt die betroffene Person den Antrag elektronisch, so sind die Informationen in einem gängigen elektronischen Format zur Verfügung zu stellen, sofern sie nichts anderes angibt.“

Vereinfacht bedeutet das: Fordern Sie eine Auskunft auf Grundlage des §10 der Berufsordnung für Ärzte an, so ist diese kostenpflichtig. Fordern Sie diese Informationen nach DSGVO an, ist diese kostenfrei.

Ab dem 25.05.2018 wird dieses Recht nunmehr auch durch die DSGVO gesondert geregelt. Denn zum einen gewährt Art. 15 Abs. 1 DSGVO ein Recht auf Auskunft über die verarbeiteten personenbezogenen Daten (s. o.), also über den Inhalt der Patientendaten. Zum anderen besteht nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO das Recht auf Erhalt einer „Kopie der personenbezogenen Daten, die Gegenstand der Verarbeitung sind“, d. h. insbesondere auf eine Kopie der Patientenakte.

Welche Unterlagen stehen Ihnen zu?

Ganz vereinfacht. Alle. Die Ärztekammer Berlin hat hier in einem Rundschreiben an die Mitglieder sehr schön dargelegt, welche Unterlagen bzw. das alles was der Arzt hat weiterzugeben ist.

Das Recht auf Einsichtnahme in die Behandlungsunterlagen erfasst daher sämtliche selbst dokumentierten Aufzeichnungen sowie auch Fremdbefunde, Arztbriefe und andere Unterlagen. Auch Niederschriften über persönliche Eindrücke oder subjektive Wahrnehmungen der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes sind bei einem Einsichtsbegehren grundsätzlich offenzulegen. Dies gilt auch für psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungsunterlagen.

Insbesondere stehen Ihnen zu:

  • – die komplette Krankenakte

  • – Aufzeichnungen und subjektive Wahrnehmungen des Arztes

  • – alle Fremdbefunde die dem Arzt übermittelt wurden

  • – Arztbriefe

  • – Laborberichte und Befunde

  • – persönliche Notizen und Wahrnehmungen über den Patienten (auch eine Notiz wie „hat nix, jammert nur rum“ gehört also dazu

  • – gestellte Rechnungen (da auch diese pers. Daten, Diagnosen etc. enthalten)

Wie muss die Anforderung erfolgen? Kostenloses Musterformular

Eine Anforderung muss somit so erfolgen, dass es dem Empfänger möglich ist eine Berechtigung des Anfragenden zu prüfen. So ist sichergestellt, dass die Unterlagen nicht in falsche Hände gelangen und damit missbräuchlich verwendet werden können.

Sie fordern also die Unterlagen einfach auf dem Postweg an. Alternativ ist auch eine sichere, verschlüsselte E-Mail möglich oder aber eine Anforderung per Fax. In der Anforderung ist genau zu benennen, welcher Patient diese Unterlagen anfordert.

Anders als bei dem Anspruch aus der Berufsordnung für Ärzte, sind bei der Auskunft nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) keine Kosten zu befürchten. Mit dem nun verlinkten Musterformular können Sie Ihre Anforderung einfach absenden. Bitte vergessen Sie nicht, einen Identitätsnachweis beizulegen.

Sollten Sie die Anfrage elektronisch an die Arztpraxis senden, so haben Sie zwar keinen Zustellbeweis, aber können nachsehen wann diese versandt ist. Alternativ verwenden Sie ein Einschreiben (ggf. mit Rückschein) um sicher den Zugang nachweisen zu können. Bekommen Sie binnen der Frist keine Antwort, sollten Sie hier erneut tätig werden.

 

30.
April '15

Anfragen von Gesetzlichen Krankenkassen an private Auskunfteien unzulässig, doch wie ist es in der Privaten Krankenversicherung?


Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff wies bereits im April darauf hin, dass Anfragen der gesetzlichen Krankenkasse an private Auskunfteien unzulässig seien. Einige gesetzliche Krankenkassen, darunter die Deutsche BKK und die mhplus BKK hatten in der Vergangenheit Anfragen an private Auskunfteien (z.Bsp. Kreditreform, die Schufa, Infoscore) genutzt, um Informationen zu ihren freiwillig versicherten Mitgliedern zu erlangen und das Risiko eines Zahlungsausfall zu vermeiden. Die Bundesdatenschutzbeauftragte wies darauf hin, eine solche Auskunftserteilung sei den gesetzlichen Krankenkassen nicht gestattet.

Auskünfte über Arbeitgeber erlaubt

Doch anders sieht es mit Auskünften der gesetzlichen Kassen über Arbeitgeber aus. Hier kann sehr wohl bei privaten Auskunfteien beauskunftet werden, um das Risiko von Zahlungsausfällen zu vermeiden oder eine eventuelle Zahlungsunfähigkeit zu überprüfen. Anders als bei dem versicherten Mitglied besteht hier kein schutzbedürftiges (Datenschutz-) Interesse.

Wie sieht es bei der privaten Krankenversicherung aus?

Bereits in der Vergangenheit habe ich in einigen Beiträgen über die Auskunfteien und die Einholung von Informationen aus privaten Datensammlungen geschrieben, welche die privaten Krankenversicherer zur Minimierung des Zahlungsausfalls einsetzen. (Link zum Beitrag)

Schufa und Co

Anders als noch vor einigen Jahren ist die Kündigung einer privaten Krankenversicherung durch den Versicherer auch bei Zahlungsverzug nicht möglich. Der Versicherer hat nur die Möglichkeit der Leistungseinstellung und der Überführung in den so genannten Notlagentarif. Daher besteht für den Versicherer ein erhebliches finanzielles Risiko, welches durch Auskünfte über die Bonität des Versicherten vor Antragstellung minimiert werden soll. Eine solche Auskunft durch die private Krankenversicherung ist zulässig, falls der Kunde einer solchen Auskunftserteilung zugestimmt hat. Dieses geschieht üblicherweise durch eine Zustimmung im Antrag. Bevor Sie daher einen Antrag auf private Krankenversicherung stellen und das Risiko eingehen dass diese abgelehnt wird, lesen Sie bitte genau die entsprechenden Anträge.

Ein Beispiel aus dem Antrag der Continentale Krankenversicherung, Hervorhebungen durch mich:

Einwilligung in die Bonitätsauskunft und in die Verwendung der Ergebnisse

Ich willige jederzeit widerruflich ein, dass meine Antragsangaben Name, Vorname, Geburtsdatum, Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort bei der Antragsprüfung genutzt werden, um Bonitätsprüfungen bei Auskunfteien (z.B. SCHUFA, Infoscore, Creditreform) durchzuführen.

Weiter willige ich ein, dass die für Bonitätsprüfungen genutzten Auskunfteien die erhaltenen Daten speichern und nutzen. Die Nutzung umfasst die Errechnung eines Wahrscheinlichkeitswertes auf Grundlage des Datenbestandes der Auskunftei zur Beurteilung des Ausfallrisikos (sog. Score). Hierbei handelt es sich um Bonitätsinformationen auf Basis wissenschaftlich anerkannter mathematisch-statistischer Verfahren, die immer nur ein allgemeines Zahlungsausfallrisiko beschreiben. Die Nutzung umfasst zudem die Prüfung der Identität und des Alters auf Anfrage der Vertragspartner der Auskunftei. Des Weiteren übermittelt die Auskunftei die erhaltenen Daten an ihre Vertragspartner im Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz, um diesen Informationen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit von natürlichen Personen zu geben. Personenbezogene Daten werden von den Auskunfteien nur zur Verfügung gestellt, wenn ein berechtigtes Interesse im Einzelfall glaubhaft dargelegt werden kann und die Übermittlung nach Abwägung aller Interessen zulässig ist. Unabhängig davon wird die Continentale Krankenversicherung a.G. auch Daten über gegen mich bestehende fällige Forderungen (Forderungsbetrag nach Titulierung) an Auskunfteien (z. B. SCHUFA) übermitteln. Dies ist nach dem Bundesdatenschutzgesetz (§ 28a Abs. 1 Satz 1 BDSG) zulässig und erfolgt in den Fällen, wenn ich die geschuldete Leistung trotz Fälligkeit nicht erbracht habe, die Übermittlung zur Wahrung berechtigter Interessen des Versicherers oder Dritter erforderlich ist und die Forderung durch ein rechtskräftiges oder für vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil fest- gestellt worden ist oder ein Schuldtitel nach § 794 der Zivilprozessordnung vorliegt.

Zu diesen Zwecken befreie ich die Continentale Krankenversicherung a.G. bezüglich der nach § 203 StGB geschützten Daten von Ihrer Schweigepflicht. Über die genutzte Auskunftei und deren Kontaktdaten sowie die gespeicherten und übermittelten Daten erhalte ich auf Anforderung Auskunft.

Darüber hinaus willige ich ein, dass die im Zuge der Bonitätsprüfungen zu meiner Person übermittelten Ergebnisse während der ersten fünf Jahre der Laufzeit dieses Vertrages zur Überprüfung sowie Verbesserung der Annah- merichtlinien bzw. für andere die Versichertengemeinde schützende Maßnah- men erneut ausgewertet werden dürfen.

Für die Bonitätsprüfungen benötigt der Versicherer die Angabe des vollständigen Namens und die Adressdaten des Hauptwohnsitzes lt. Melderegistereintrag. Bei falschen Angaben behält sich der Versicherer die Möglichkeit des Rücktritts und der Anfechtung des Vertrages vor.

Im Rahmen einer Voranfrage dürfte so einer Auskunftseinholung bei privaten Auskunfteien jedoch weiterhin unzulässig sein, da die Zustimmung des Versicherten explizit nicht eingeholt ist. Daher kann ein Antrag trotz positiver vor Anfrage im Rahmen der Antragstellung aus Bonität guten abgelehnt werden, obwohl die gesundheitliche Vorprüfung positiv war. Das Risiko für den Krankenversicherer ist finanziell gesehen hoch, da dieser auch bei Zahlungsverzug für weiterhin entstehende Kosten (im Rahmen des Vertrages bzw. später Notlagentarifs) aufkommen muss.

Bevor Sie daher einen Antrag auf private Krankenversicherung stellen, sollten Sie (falls nicht sicher ist das keine Eintragung bestehen) die Möglichkeit der Selbstauskunft bei diversen Auskunftei nutzen. Ich habe dafür eine ganze Reihe von Musteranschreiben und die nötigen Informationen in einem gesonderten doch Beitrag zur Verfügung gestellt. Diese können Sie kostenfrei nutzen um Ihre Anfrage zu gestalten.

Selbstauskünfte Screenshot

Zur Begründung eines Vertragsverhältnisses ist daher bei entsprechender Zustimmung diese Auskunft in der privaten Krankenversicherung zulässig und findet regelmäßig statt. Hat ihre gesetzliche Krankenkasse eine solche Information über sie eingeholt, so haben sie auch hier jederzeit das Recht einer Selbstauskunft. Sie können entweder die entsprechende Auskunftei anschreiben, oder aber auch die gesetzliche Krankenversicherung direkt um eine Auskunft über die von Ihnen gespeicherten Daten bitten.

Nach Auffassung der Bundesdatenschutzbeauftragten darf die gesetzliche Krankenkasse diese Information jedoch nicht verwerten, auch wenn diese in der Vergangenheit eingeholt wurde. Sollten Sie also bei der Deutsche BKK oder mhPlus (oder einer anderen nicht bekannten Krankenkasse welche Infos eingeholt hat) eine Ablehnung einer freiwilligen Mitgliedschaft erhalten haben, so können Sie dagegen vorgehen. Ebenso steht Ihnen die Internetseite der Bundesdatenschutzbeauftragten für weitere Fragen und Beschwerden zur Verfügung. (LINK)

20.
Februar '12

Mein Arzt sagt: Der Versicherer soll bei mir anfragen, wenn er Unterlagen haben will


Bei der Antragstellung zur Privaten Krankenversicherung oder auch einer Berufsunfähigkeits- oder Pflegeergänzungsversicherung werden Gesundheitsfragen gestellt. Diese ermöglichen dem Versicherer eine korrekte und individuelle Risikoeinschätzung und sind damit für eine sachgerechte Prämie verantwortlich. Doch um als Patient und Antragsteller überhaupt die Gesundheitsfragen richtig und vollständig beantworten zu können, benötigt dieser meist selbst Unterlagen von seinen Ärzten.

Wo und wann man „ungefähr“ behandelt wurde, das bekommt der Antragsteller meist noch hin. Wenn es aber um genaue Diagnosen geht, dann ist es schon kompliziert. Wer weiss schon noch, was einem der Arzt vor 2, 5, 7 Jahren gesagt hat und vorallem was er genau geschrieben hat?

Wie komme ich an die Unterlagen?

Zunächst wenden Sie sich (wenn Sie einen haben) an den Hausarzt. Dort wird man eine Krankenakte von Ihnen haben, diese enthält nicht nur die Informationen zu weiteren Ärzten (wenn man Sie dorthin überwiesen hat, oder Sie nach einem Facharztbesuch zum Hausarzt zurück kamen), sondern auch meistens zu Krankenhausaufenthalten und weiteren Therapien. Nachdem Ihnen diese Unterlagen in Kopie vorliegen, können Sie dann diese Ärzte aufsuchen oder anschreiben und auch hier um eine Auskunft der Daten bitten. Oftmals erscheint dieses jedoch eher kompliziert als „schnell zu lösen“. Meist erhalten Patienten dann am Telefon oder schriftlich eine Aussage wie die folgende:

„Wenn die Versicherung was wissen will, dann sollen die bei mir schriftlich anfragen!“

Diese Aussage ist leider genau so falsch wie unsinnig. Doch um zu klären warum und wie es anders geht, zunächst einige Informationen zur Antragstellung bei Vorerkrankungen. Dabei muss unterschieden werden, ob ein Antrag gestellt, oder nur eine Voranfrage/ Ausschreibung gemacht wird. Bei einem Antrag beginnt der Versicherer die Rsisikoprüfung und kann die Ärzte anschreiben. Hierbei nutzt er die vorhandene Entbindung von der Schweigepflicht auf dem Antrag und übersendet diese an den Arzt.

Der Vorteil für den Arzt liegt auf der Hand. Er bekommt Geld für seine Auskunft und kann dieses der Versicherung in Rechnung stellen. Leider ist mit dem vermeintlichen Vorteil des Arztes ein entscheidender Nachteil für den Kunden verbunden. 1.) bekommt er die Unterlagen vorher nicht zu Gesicht und kann maximal im Nachhinein von der Versicherung eine Kopie erhalten. Das ist besonders bei unklaren Diagnosen oder falschen Abrechnungspunkten nicht nur ärgerlich, sondern zieht einen unberechtigten Risikozuschlag nach sich. Im schlimmsten Fall führt es zu einer Ablehnung, die auf falschen Tatsachen beruht. Diese Fakten wieder aus dem Weg zu räumen ist nicht nur aufwändig, meist auch extrem kompliziert.

2.) sollte aber gar kein Antrag gestellt werden. Ein Antrag welcher „mit Erschwerung“ angenommen wurde (wofür also ein Zuschlag angeboten wurde) oder der gar abgelehnt ist, ist bei dem neuen Versicherer anzugeben. Dieses macht die Antragstellung dort nicht gerade einfacher. Daher werden durch einen versierten Berater/ Makler zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Anträge gestellt. Es werden „nur“ Ausschreibungen gemacht und Voranfragen gestellt. Diese Voranfragen können teilweise anonym passieren, teilweise reichen Name und Geburtsmonat aus um eine Anfrage zu starten. Mit diesen Daten kann und will der Versicherer natürlich keine Arztanfragen machen. Zum einen kosten die Geld, welches der Versicherer bei einem Antrag schon, bei der Voranfrage aber nicht ausgeben will und zum anderen fehlt die Übersicht des Kunden.

Der Arzt will mir die Auskunft aber nicht direkt geben!

Leider passiert es viel zu häufig, das Ärzte die Auszüge aus der Krankenakte nicht direkt herausgeben wollen. Oftmals wird einfach darauf verwiesen, dass man es dem Versicherer direkt schicken könne, wenn der denn anfragt. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und verstößt gegen die Berufsordnung der Ärzte. Die Bundesärztekammer, als zuständiges Aufsichtsorgan der Ärzte hat auf deren Internetseite die Berufsordnung veröffentlicht. In dem entsprechenden Paragraphen 10 heißt es dort:

§ 10 Dokumentationspflicht

(1) Ärztinnen und Ärzte haben über die in Ausübung ihres Berufes gemachten Feststellungen und getroffenen Maßnahmen die erforderlichen Aufzeichnungen zu machen. Diese sind nicht nur Gedächtnisstützen für die Ärztin oder den Arzt, sie dienen auch dem Interesse der Patientin oder des Patienten an einer ordnungsgemäßen Dokumentation.

(2) Ärztinnen und Ärzte haben Patientinnen und Patienten auf deren Verlangen grundsätzlich in die sie betreffenden Krankenunterlagen Einsicht zu gewähren; ausgenommen sind diejenigen Teile, welche subjektive Eindrücke oder Wahrnehmungen der Ärztin oder des Arztes enthalten. Auf Verlangen sind der Patientin oder dem Patienten Kopien der Unterlagen gegen Erstattung der Kosten herauszugeben.

Auch wenn der Arzt es gern anders hätte, die Unterlagen stehen Ihnen zu. Wenn Sie diese also nicht auf den ersten Anruf hin bekommen, so teilen Sie dem Arzt schriftlich mit, welche Unterlagen Sie benötigen. Der Hinweis auf die Berufsordnung sollte reichen, um an die entsprechenden Unterlagen zu kommen. Die Kosten für die Erstellung einer Kopie müssen Sie aber tragen, wenn der Arzt dieses möchte. Folgendes Schreiben an den Arzt können Sie verwenden:

Schreiben an den Arzt zur Auskunft aus der Krankenakte (ausfüllbar)

Aufbewahren muss der Arzt diese Unterlagen übrigens nur 10 Jahre. Die Regelung findet sich ebenfalls in der Berufsordnung unter Punkt 3 des Paragraphen 1o.

(3) Ärztliche Aufzeichnungen sind für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht nach gesetzlichen Vorschriften eine längere Aufbewahrungspflicht besteht.

Auch bei einer Aufgabe der Praxis müssen diese Unterlagen aufbewahrt werden. In den meisten Fällen existiert ein Nachfolger. Wer das ist, erfahren Sie auch bei der Ärztekammer. Sollte sich der Arzt immer noch weigern, Ihnen die entsprechenden Unterlagen zukommen zu lassen, so wenden Sie sich einfach an die zuständige Ärztekammer. Diese ist erfahrungsgemäß sehr zügig und hilfsbereit, wenn es um die Einhaltung der Vorschriften geht. Jedoch ist es bei den meisten Ärzten zum Glück nicht nötig, sondern erfordert nur dieses eine Schreiben. Danach können Sie sich dann mit der Anfrage und der Tarifauswahl beschäftigen.