Archiv für die Kategorie ‘Private KV’

14.
Februar '19

Beitragsentlastung im Alter für die Private Krankenversicherung


Bereits im Jahr 2011 habe ich in einem Artikel Informationen zur Beitragsentlastung im Alter zusammengestellt. Aufgrund einiger Änderungen, vieler Fragen und immer wieder auftretenden Unklarheiten nutze ich die Gelegenheit um eine Aktualisierung vorzunehmen. Dabei geht es um die oft und wiederkehrende Frage der Beitragsentlastung im Alter.

  • Wie kann ich meine Beiträge stabilisieren?

  • Ist der Abschluss eines Beitragsentlastungsbausteines sinnvoll?

  • Zahlt mein Arbeitgeber auch einen Zuschuss für die Beitragsentlastung?

  • Sinkt durch eine Beitragsentlastung mein Zuschuss der Rentenversicherung im Alter?

  • Was passiert bei Kündigung des Bausteins?

  • Was passiert wenn ich wieder in die GKV zurück muss?

Nicht nur diese Fragen kommen immer und immer wieder und bieten sich daher für eine weitere und genauere Erklärung an. Haben Sie aber weitere Fragen zum Thema Beitragsentlastung im Alter, dann stellen Sie diese gern in den Kommentaren unter dem Beitrag und ich werde Antworten entsprechend ergänzen.

  • Wie kann ich meine Beiträge stabilisieren?

Generell sind beide Systeme zur Gesundheitsvorsorge (also GKV oder PKV) Steigerungen unterworfen. Im System der gesetzlich versicherten ändern sich die Jahresarbeitentgeltgrenze (Werte 2019 hier) und die Beitragssätze der gesetzlichen Kassen. Wer PKV versichert ist, der bekommt über eine Beitragsanpassung ebenfalls die Auswirkungen von gestiegenen Kosten oder geringeren Zinsen, aber eben auch die (erfreulicherweise) steigende Lebenserwartung zu spüren. Hier möchten viele Versicherte vorsorgen und gegensteuern.

EINE, nicht „die“ Lösung, sind so genannte Beitragsentlastungsbausteine in der PKV. Vereinfacht ist dieses eine Art Vorsorgesparen. Sie zahlen heute einen (zusätzlichen) Beitragsanteil an den Versicherer und dieser verspricht garantiert Ihnen hierzu eine monatliche Minderung der Beiträge im Alter.

Geld fließt also heute in den Topf hinein und wird im Alter (ab einem bestimmten Datum, welches Sie bei einigen Unternehmen selbst wählen können) entnommen.

Andere Möglichkeiten sind das Fondsparen, Riester- oder Rürup Verträge, Rentenversicherungen und viele weitere Möglichkeiten Geld anzusparen. Ein großer Unterschied zu allen, nur die Beitragsentlastungskomponente ist arbeitgeberzuschussfähig, dazu aber später mehr.

  • Ist der Abschluss eines Beitragsentlastungsbausteines sinnvoll?

Eine pauschale Antwort ist hier weder sinnvoll noch möglich. Dazu sind die Anforderungen und Verläufe der Versicherten viel zu unterschiedlich, als das es eine allgemeingültige Lösung auch nur ansatzweise geben könnte.

Aber. Es gibt durchaus Konstellationen, da ist ein solcher Baustein (mit all seinen Vor- und Nachteilen) einer anderen Form der Beitragsminderung im Alter vorzuziehen.

Nicht nur (wie oft vermutet) bei Angestellten, auch Selbstständige können von einem solchen Baustein profitieren.

Generell gilt aber auch hier, eine Private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen. Ausführliche Hinweise und Erklärungen finden Sie hier im Beitrag.

  • Wo ist der Haken?

Wie jedes Modell, jeder Tarif und alles andere auf der Welt hat auch der Beitragsentlastungsbaustein Nachteile. Diese sollten Sie kennen und für sich hinterfragen bevor Sie einen solchen Tarif abschließen oder diesen nachträglich anpassen.

Zu beachten ist hierbei, dass bei dem Modell mit laufender Beitragszahlung (Sie können auch einen solchen Baustein gegen Einmalzahlung abschließen) dieser laufende Beitrag auch in der Entlastungsphase weiter zu zahlen ist. Kostet der Baustein also 50 EUR und Sie bekommen eine Entlastung von 200 EUR, so sind es effektiv nur 150 EUR reale Entlastung.

  • Zahlt mein Arbeitgeber auch einen Zuschuss für die Beitragsentlastung?

Ja, das tut er. Der Arbeitgeber beteiligt sich auch an dem Beitragsanteil, welcher für die Entlastung im Alter sorgt. Das bedeutet vereinfacht, schon heute zahlt Ihr Arbeitgeber einen Teil Ihrer Krankenversicherungsbeiträge im Alter. Dabei ist es völlig unabhängig davon, wo Sie bis dahin noch alles arbeiten und wie sich die Krankenversicherung weiter entwickelt.

Maßhebend dazu ist der Höchstzuschuss des Arbeitgebers. Im Jahr 2019 hat sich dieser durch die Rückkehr zur Paritätischen Versorgung erneut erhöht und auch durch die neue JAEG wird der Zuschuss jährlich nach oben angepasst.

Bis zu einem Maximalbetrag von 351 EUR pro Monat beteiligt sich der Arbeitgeber an der Krankenversicherung. Alle Zahlen und Daten des Jahres 2019 finden Sie hier.

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019

  • Sinkt durch eine Beitragsentlastung mein Zuschuss der Rentenversicherung im Alter?

Auch diese Frage kommt durchaus öfter vor, sei es in Kommentaren oder E-Mails, aber auch im LiveChat hier auf der Seite. Und ja, es kann durchaus passieren. Um zu verstehen warum, schauen wir uns erst einmal die Verteilung des Beitrages im Alter an. Einen Zuschuss von der Rentenversicherung erhält dann derjenige, der dort eine Altersrente bezieht und privat Krankenversichert ist. Dabei ist auch hier eine Obergrenze vorhanden und es werden nicht einfach 50% des Beitrages übernommen.

Ähnlich des Arbeitgeberzuschusses bekommt der Rentner mit einer Altersrente von der Rentenversicherung nun einen Zuschuss zu seiner PKV, wenn er diesen dann beantragt. Die Rentenversicherung Bund hat dazu umfangreiche Informationen auf deren Webseite zusammengestellt und stellt auch die nötigen Formulare bereit.

Erfüllen der PKV Vertrag und der Versicherungsnehmer die Voraussetzungen, so wird bis maximal 50% des Beitrages zur PKV bezuschusst. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass der Beitrag in der PKV im Alter verändert wird. Mit Ablauf des 60. Lebensjahres sinkt dieser um 10%, da dann der gesetzliche Zuschlag entfällt. (Was das ist? Hier nachlesen –> gesetzlicher Zuschlag)

Weiterhin entfällt zum Ende des Erwerbslebens der Baustein zur Krankentagegeldversicherung. Nehmen wir nun an, der versicherte Rentner hat/ hätte einen Beitrag von 700 EUR zu zahlen, was je nach Kaufkraft heute oder zukünftig eine andere Zahl sein kann, als wir uns das heute vorstellen.

Als Rentner bekommt er dann eine (heute hochgerechnete) Rente von 2.500 EUR monatlich. Der Beitragszuschuss richtet sich immer nach dem Betrag, den die Rentenversicherung für eine GKV zahlen müsste, also die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6%, also 7,3% + den halben ZUSATZbeitrag (durchschnittlich 0,9%, also 0,45%).

Also bekäme unser Rentner aus dem Beispiel von seiner Rentenkasse einen Zuschuss von:

7,3% + 0,45% = 7,75% * 2.500 EUR Rente = 193,85 EUR ZUSCHUSS

Der Höchstzuschuss beträgt aber maximal 50% des Beitrages zur PKV, also 350 EUR.

Mit einer versicherten Beitragsreduzierung von 400 EUR monatlich sähe das dann etwas anders aus. Hat unser versicherte mit Hilfe seiner damaligen Arbeitgeber immer wieder in die Beitragsentlastung eingezahlt und bekommt nun die Ausbeute, so reduziert sich sein Krankenversicherungsbeitrag.

Sein Krankenversicherer will nun monatlich statt der 700 EUR nur noch 300 EUR Beitrag von ihm. Der Zuschuss der Rentenversicherung sinkt damit aber auf 150 EUR, da 50% die obere Grenze sind.

  • Was passiert bei Kündigung des Bausteins?

Hier sind die Vertragsbedingungen elementar und sollten in jedem Fall vorher beachtet werden. Die Versicherer sehen unterschiedliche Regelungen vor. Theoretisch ist auch eine Mitgabe der gebildeten Rückstellungen an einen anderen Versicherer möglich. Ebenso eine Verrechnung mit laufenden Verträgen. Eine allgemeingültige Lösung gibt es hier aber nicht.

  • Was passiert wenn ich wieder in die GKV zurück muss?

Auch ein Rückkehr in die GKV und damit eine Kündigung der privaten Vollversicherung führt zur Beendigung des Beitragsentlastungsbausteines gem. den vereinbarten Bedingungen.

Ein Beispiel der Hallesche KV und deren Beitragsentlastungsbaustein MBZ flex

4.1.1 Beendigung der substitutiven Krankheitskostenversicherung

Endet die substitutiven Krankheitskostenversicherung, wird die MBZ.flex in Verbindung mit einer beim Versicherer anderweitig bestehenden Krankheitskostenversicherung beitragsfrei weiter geführt. Die vereinbarte Beitragsermäßigung vermindert sich dadurch auf höchstens 100% des zu diesem Zeitpunkt zu zahlenden monatlichen Beitrags zur Krankheitskostenversicherung und beginnt immer in dem Jahr, in dem die versicherte Person das 67. Lebensjahr vollendet.

Hier wird also aus der Voll- eine Zusatzversicherung als Ergänzung zur GKV und die Beitragsentlastung im Alter wird beitragsfrei und greift dann mit 67.

  • Kann ich die Höhe der Beitragsentlastung ändern?

Ja, die Anpassung des Entlastungsbetrages ist bei nahezu allen Unternehmen möglich und auch sinnvoll. Warum? Verändert sich der PKV Beitrag, so ist es sinnvoll auch den Entlastungsbetrag anzupassen.

Aber auch zur optimalen Anpassung an den Arbeitgeberzuschuss ist eine solche Überprüfung regelmäßig sinnvoll.

Mehr Informationen und spezielle Erklärungen zu Tarifen zur Beitragsentlastung finden Sie

HIER unter dem tag –> Beitragsentlastung

29.
Januar '19

„Sie sind nun freiwillig versichert.“ – ein Schreiben der Krankenkasse welches alles verändern kann, aber nichts muss


Es gibt eine Reihe von Menschen, die bekommen oder bekamen in den letzten Tagen einen Brief mit nahezu identischem Inhalt. Dort informiert die bisherige (und auch aktuelle) gesetzliche Krankenkasse darüber, dass die bisher bestehenden (Pflicht-)Mitgliedschaft nun zu Ende ist. Daraus ergeben sich, beim ersten Überfliegen des Schreibens, dann auch gleich weitere Fragen und „Probleme“, welche zumindest besprochen werden sollten. Nur wenn Sie umfassend informiert sind und wissen welche Tür sich wo öffnen kann, auch nur dann lässt sich fundiert und begründet entscheiden. Daher habe ich einige der fast immer auftretenden Fragen zusammengefasst und erkläre in diesem Beitrag,

  • – was es mit dem Ende der Pflichtversicherung auf sich hat

  • – ob Sie nun automatisch aus der GKV „rausgeworfen werden“

  • – wo die Tücken bei einem schnellen Abschluss der Weiterversicherung liegen

  • – wann und wie Sie sich nun versichern können

  • – warum Familien- und Berufsplanung elementar sind

  • – ob rückwirkend oder in die Zukunft eine Entscheidung sinnvoller ist

  • – und vieles, vieles mehr

Zunächst schauen wir uns einmal an, wen es denn überhaupt betrifft. Dieses Schreiben, welches Ihnen von Ihrer Krankenkasse geschickt wird, bekommen Sie nur unter bestimmten Voraussetzungen.

 

  • Sie müssen im Jahr 2018 über der damaligen JAEG (Jahresarbeitentgeltgrenze) verdient haben. Diese lag im Jahr 2018 bei 59.400 EUR und hier lesen Sie, was àgehört eigentlich alles zur JAEG und welche Anteile am Einkommen bleiben unberücksichtigt?
  • Sie müssen GLEICHZEITIG auch über der neuen Grenze (60.750 EUR) liegen, also muss Ihr Einkommen in 2018 (Januar bis Dezember) auch die Grenze für das Folgejahr überschritten haben. Alle Grenzwerte finden Sie hier im Blog bei den Sozialversicherungswerten 2019.

Nur wenn diese beiden Tatbestände erfüllt sind und Sie zudem angestellt sind, nur dann erhalten Sie dieses Schreiben und haben einen neue Tür, welche sich nun für Sie öffnet.

Aber allein weil eine Tür aufgemacht wurde, muss niemand durch diese gehen. Dazu aber gleich detailliertere Informationen.

Daher schauen wir uns nun die Fragestellungen etwas detaillierter an.

1.) Was hat es nun mit dem Ende der Pflichtversicherung auf sich?

Bisher waren Sie versicherungspflichtig versichert. Die Grundlage für diese Entscheidung bildet das Sozialgesetzbuch V und darin die Paragraphen fünf und alle weiteren. Dabei wird definiert, dass Sie sich mit einem Einkommen unterhalb der JAEG in einer gesetzlichen Kasse versichern müssen. Welche das sein soll, entscheiden Sie selbst, aber eine muss es werden.

Dabei gibt es noch die Besonderheit, eine Kasse nur bei einer Beitragserhöhung oder nach Ablauf der so genannten Bindungsfrist von 18 Monaten wechseln zu dürfen. Das gilt jedoch nicht bei einem Wechsel in die private Versicherung, auch wenn die Kassen es widerrechtlich immer und immer wieder neu behaupten.

Lesehinweis: Bindungsfrist gilt bei Wechseln in die PKV NICHT!

Durch das Überschreiten der JAEG im Jahre 2018 und gleichzeitig das Erreichen der Grenze 2019, wechseln Sie von der Pflicht- in die Freiwillige Mitgliedschaft. Dabei führt (ACHTUNG!) dieser Wechsel nicht zur Aufhebung der Bindungsfrist. Wollen Sie also in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben, so ist auch hier die 18-Monatsfrist zu beachten.

Soll hingegen das System verlassen werden und Sie möchten sich zukünftig privat versichern, dann können Sie dieses zu unterschiedlichen Terminen tun, dazu aber später noch mehr unter PUNKT 4.

2.) Werden Sie nun automatisch aus der GKV „rausgeworfen“?

Nein, natürlich nicht. Auch wenn es „Kollegen“ gibt, die nun zur Eile drängen weil Sie ja nun ohne Schutz sind, das ist mit Verlaub Unsinn. Aufgrund der bestehenden Versicherungspflicht endet ein Vertrag nur dann, wenn der neue Schutz für die Gesundheitsvorsorge nachgewiesen wurde, schriftlich.

Um das nochmals klar und deutlich zu sagen, Sie können raus, müssen es aber nicht und werden keinesfalls ohne Schutz dastehen.

3.) Wo liegen die Tücken bei einem schnellen Abschluss der Weiterversicherung?

Genauso falsch wie sich keine Gedanken zu machen, ist es übereilt die Weiterversicherung als so genannte Freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) zu erklären. Denn hier lauern durchaus gefahren. Einige Krankenkassen(-mitarbeiter) wollen hier das „schnelle Geschäft“ und empfehlen den nun (möglicherweise) abtrünnig werdenden Kunden tolle Tarife. Tarife mit Selbstbeteiligung, Tarife mit einer Rückerstattung wenn Sie keine Leistungen benötigen oder auch Tarife mit weiteren Zusatzleistungen. Alle gemein haben aber eins, es handelt sich um sogenannte Wahltarife. Hiermit beschäftigen sich diverse Paragraphen des Sozialgesetzbuches und es gibt unzählige Tarife davon. Eines haben aber alle gemeinsam. Setzen Sie eine Unterschrift unter einen Wahltarif, so binden Sie sich an die Kasse. So kann es durchaus zu einer Mindestvertragslaufzeit von bis zu drei (!) Jahren kommen, eine Zeit, in der Sie keine andere GKV und auch keine private Versicherung abschließen können.

Mehr Informationen zu den Wahltarifen und deren Kündigung finden Sie HIER

Lesehinweis: Alle Informationen zu Wahltarifen – ein Ratgeber

4.) Wann und wie können Sie sich nun versichern?

Das ist die wichtigste Frage, denn es ist elementar sich zu informieren und Optionen auszuloten, nur wenn Sie den Markt und die Möglichkeiten kennen, nur dann ist eine sinnvolle Entscheidung möglich.

In einem älteren Artikel habe ich den genauen Ablauf schon einmal beschrieben und die beiden Möglichkeiten aufgezeigt.

Lesehinweis: Post von der Krankenkasse – Sie nun versicherungsfrei

Die erste ist eine ganz normale und reguläre Kündigung der GKV um dann zum Ende des übernächsten Monats diese zu verlassen. Kündigen Sie im Januar, endet die GKV also zum Ende März.

Eine andere Option ist die Rückwirkende Beendigung der GKV. Dieses ist möglich aber natürlich auch hier mit Vor- und Nachteilen behaftet. Hier ist jedoch die Frist von 14 Tagen nach Zugang des GKV Schreibens zu beachten.

Sie können nun rückwirkend aus der GKV austreten- wenn Sie mögen

Danach können Sie dann zu einer anderen Kasse wechseln, sich privat versichern und / oder genauer überlegen ob eine Kombination aus GKV und Zusatzversicherung vielleicht sinnvoll ist.

5.) Warum Familien- und Berufsplanung elementar sind

Für die Auswahl des richtigen Systems ist aber lange nicht nur der Versicherungswunsch wichtig. Es ist vielmehr entscheidend wo die private und berufliche Reise im Leben hin gehen soll. Auch wenn da sicher viel „hätte, könnte, sollte, würde und vielleicht“ in diesen Überlegungen steckt, es ist doch sinnvoll sich dazu Gedanken zu machen. In meinem

Leitfaden zur PKV / GKV

erkläre ich Ihnen Unterschiede und Optionen, kläre Fragen zu den Beiträgen im Alter und der Überlegung welcher Schutz oder welche Kombination in Ihrem Fall sinnvoll und passend ist. Klar ist und sollte immer sein, Geld sparen werden Sie mit keinem der Systeme auf das Leben gesehen. Warum? Das gehört in eine sinnvolle Beratung, aber jeder der Ihnen zu einem PKV Wechseln wegen Beitragsersparnis rät, der gehört vor die Tür, auch wenn es da kalt und zugig ist.

6.) Ist die rückwirkende Entscheidung oder eine für die Zukunft sinnvoller?

Hier gibt es kein richtig oder falsch, hier ist es wichtig wie weit Sie schon sind. Auch ist die Frage zu klären, ob es im Jahr 2019 (also 1. Januar bis zum Zugang des Schreibens Ihrer Krankenkasse) schon Arztbesuche gab. Können oder müssen Sie diese Frage mit ja beantworten, so ist es sinnvoller den Wechsel in die Zukunft gerichtet zu vollziehen oder einfach zu warten.

Gab es hingegen keine Behandlungen und Medikamente und sind Sie mit der Entscheidung welches System für Sie das geeignete ist schon weiter fortgeschritten, so kann auch ein rückwirkender Wechsel die passende Lösung sein.

Wichtig ist auch hier, keine überstürzten Entscheidungen zu treffen und diese später zu bereuen. Nur wer sich intensiv mit den Systemen auseinandergesetzt hat, der kann begründet eine Entscheidung treffen.

7.) Sie haben schon eine Anwartschaft oder Option? Dann bitte VORSICHT!

Haben Sie sich in der Vergangenheit schon einmal für eine Anwartschaft entschieden oder eine Option abgeschlossen? Wollten Sie sich damit den Weg in die Private Krankenversicherung sichern? Dann ist dieses eine besondere Situation, welche weitere Beratung und Planung erfordert. Im Wesentlichen hat dieses zwei Gründe. Einerseits gilt es nun zu prüfen, ob die Anforderungen an Tarif und Auswahlkriterien noch immer identisch sind, oder ob es nicht doch passendere Tarife gibt und auf der anderen Seite die Gesundheit.

Beides ist wichtig um zu beurteilen, welche Wege Ihnen (zusätzlich zur Anwartschaft und Option) noch offen stehen.

Ohne Beratung keine sinnvolle Entscheidung

Sie sehen also, es sind doch einige Punkte mehr zu beachten und zu überlegen, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann.

Als weitere Lektüre empfehle ich Ihnen folgende Links:

Alles Weitere gilt es dann detailliert zu besprechen, denn hier sind wir dann weit weg von „der oder der Tarif ist gut“ oder „Meine Freunde/ Kollegen sind bei XYZ versichert“, denn Sie kaufen auch nicht die gleiche Kleidung und richten Ihre Wohnung/ das Haus genauso ein, oder?

Meine Kollegen/ Freunde sind bei … versichert. Warum Freunde und Bekannte kein guter Ratgeber bei der Auswahl der privaten Krankenversicherung sind

12.
Dezember '18

Arbeitgeberzuschuss 2019 und Sozialversicherungswerte 2019


In meinem gestrigen Beitrag habe ich bereits über die neuen Beitragsbemessungsgrenzen und die neue JAEG 2019 geschrieben.

Nun sind aus dem Referentenentwurf auch weitere Zahlen bekannt. Auch die Pläne zur Neuordnung der Pflegeversicherung und der damit verbundenen Anpassung der Beiträge um 0,5 Prozentpunkte sind relativ sicher. Daher habe ich die- Sie kennen es aus den letzten Jahren- Übersichten für 2019 aktualisiert und stelle diese wie immer kostenfrei zur Verfügung.

Hinweis an Kollegen: Unverändert können diese gern genutzt und weitergegeben werden. Für eine Nutzung mit eigenem Logo oder verändert, kontaktieren Sie mich bitte vorab.

Allen Tabellen und Berechnungen liegen folgende Daten zugrunde.

1.) Referentenentwurf mit den vorläufigen Zahlen 2019

2.) Annahme der Steigerung der Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte

3.) durchschnittlicher ZUSATZbeitrag der GKV liegt unverändert bei 1% bestätigt: Zusatzbeitrag 0,9%

4.) Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt auf 2,5%

Es können sich noch die Beiträge der Renten- und/oder Arbeitslosenversicherung (beschlossen wurde eine Senkung von 3,0 auf 2,5% Beitragssatz ab 2019) und damit auch die damit berechneten Höchstbeiträge ändern. Sobald es hier konkrete und verbindliche Zahlen gibt, passe ich es entsprechend an. Doch zunächst einmal die Änderungen 2018 auf 2019 in der Übersicht.

Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung 2019

Die bisherige Grenze betrug in 2018 monatlich 4.425 € oder richtigerweise jährlich 53.100 €. Ab dem 01. 01. 2019 sind in der Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge bis zur neuen Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4.537,50 €/ jährlich 54.450 € zu zahlen.

Beitragsbemessungsgrenze KV 2019:

54.450 € (2017: 53.100 €), monatlich 4.537,50 €

ACHTUNG! Für die Berechnung des Arbeitgeberzuschuss und auch der folgenden Höchstbeträge sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Dabei sind noch nicht alle Vorgaben bestätigt. Der Gesundheitsminister hat derzeit eine Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrages um 0,5% geplant, final bestätigt ist diese noch nicht. Was aber sicher ist, es kommt ab dem Jahr 2019 wieder eine paritätische Versorgung. Hier hatte ich schon Anfang des Jahres zu Details geschrieben.

Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung in 2019

Damit verändern sich zwangsläufig weitere Werte. Der Arbeitgeberzuschuss 2019 errechnet sich demnach wie folgt:

Für das Jahr 2019 ergibt sich somit folgende Berechnung:

Zuschuss zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz, davon trägt der Arbeitgeber 7,3%

7,3% x 4.537,50 € = 331,24 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2019

Zuschuss zur Krankenversicherung (auf ZUSATZbeitrag)

DAZU kommt ab 2019 auch der kassenindividuelle ZUSATZbeitrag (dieser liegt zwischen null und 1,7 Prozent, der durchschnittliche ZUSATZbeitrag bei 0,9%)

ZUSCHUSS berechnet sich also in 2019 wie folgt:

0,45% x 4.537,50 € = 20,41 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung TEIL II 2019

Zuschuss zur Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

Pflegeversicherung ZUSCHUSS berechnet sich also in 2019 wie folgt:

1,525 % x 4.537,50 € = 69,20 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2019

Im Vergleich zu 2018 (Werte hier) steigt der Arbeitgeberzuschuss durch die Paritätische Versorgung und die Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung auf folgende Werte:

Arbeitgeberzuschuss 2019 Krankenversicherung (inkl. ZUSATZbeitrag) = 351,66 EUR

Arbeitgeberzuschuss 2019 Pflegepflichtversicherung (inkl. ZUSATZbeitrag) = 69,20 EUR

Berechnung der Höchstbeiträge 2019 in der gesetzlichen Krankenversicherung

Der Gesamtbeitrag der GKV in 2019 berechnet sich dann wie folgt:

Beitrag zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz

14,6% x 4.537,50 € = 662,48 € = Krankenversicherungsbeitrag (Höchstbeitrag) Teil I

Zuschuss zur Krankenversicherung (auf ZUSATZbeitrag)

DAZU kommt ab 2019 auch der halbe Zuschlag auf den durchschnittlichen ZUSATZbeitrag (in 2019 = 0,9%)

ZUSCHUSS berechnet sich also in 2019 wie folgt:

0,9% bis 1,7% x 4.537,50 € = 40,84 bis 77,14 € = Krankenversicherungsbeitrag TEIL II (ZUSATZbeitrag) 2019

Zuschuss zur Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

Pflegeversicherung ZUSCHUSS berechnet sich also in 2019 wie folgt:

KINDERLOS 3,3% x 4.537,50 € = 149,74 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2019

MIT KINDERN 3,05% x 4.537,50 € = 138,39 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2019

Danach ergeben sich folgende Höchstbeiträge:

Gesetzliche Krankenkasse ohne ZUSATZbeitrag: 662,48 €

Gesetzliche Krankenkasse mit durchschnittlichem ZUSATZbeitrag (0,9%): 703,31 €

Gesetzliche Krankenkasse mit höchstem ZUSATZbeitrag (1,7%): 739,62 €

DAZU kommt die Pflegeversicherung

Gesetzliche Pflegeversicherung OHNE KINDER: 149,74 €

Gesetzliche Pflegeversicherung MIT KINDERN: 138,39 €

Ein Arbeitnehmer über der Beitragsbemessungsgrenze zahlt somit für seine

Krankenversicherung GKV (inkl. max. der Hälfte von 1,7% ZUSATZbeitrag) max. 739,62 EUR

zzgl. als Kinderloser Versicherter max. 149,74 EUR in der Pflegeversicherung

= 889,36 EUR

Liegt Ihr Jahreseinkommen zwischen 59.400 € p.a. und 60.750 €, so werden Sie dadurch voraussichtlich ab dem 1. Januar 2019 versicherungspflichtig in der GKV und müssen sich auf Antrag befreien lassen. Diese Befreiung gilt nur für den einen Grund (steigende Beitragsbemessungsgrenze) unwiderruflich, mehr Informationen in meinem Beitrag „Wie kann ich in der PKV bleiben

Die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung beträgt in 2019

West: 80.400 € oder 6.700 € monatlich (in 2018 waren es 78.000 € €, ein Plus von 2.400 €)

Ost: 73.800 € oder 6.150€ monatlich (in 2018 waren es 69.600 €, ein Plus von 4.200 €)

Vollständige Werte finden sich in meiner neuen Übersicht. Diese steht zur freien Verwendung (unverändert) jedermann zur Verfügung. Download als pdf und als Grafik

10.
Dezember '18

Als GKV Versicherter in eine Privatpraxis? Geht das? Was kostet das und bekomme ich von der Krankenkasse etwas wieder?


Eine durchaus spannende Frage, die da kürzlich auf twitter aufgetaucht ist. Was ist denn, wenn ein gesetzlich Krankenversicherter Patient eine Privatpraxis aufsuchen möchte. Daraus ergeben sich einige Fragen, diese sollten vorab geklärt werden um keine böse Überraschung zu erleben.

  • – Was ist denn eine Privatpraxis?

  • – Darf ich als Kassenpatient dort auch hin?

  • – Welche Kosten entstehen?

  • – Bekomme ich die Kosten (anteilig?) von der GKV ersetzt?

All diese Fragen entstanden auch bei dem Tweet.

Um die Fragen sinnvoll zu beantworten, schauen wir uns das ganze Thema etwas detaillierter an.

Was ist denn eine Privatpraxis?

Möchte ein Arzt auch Kassenpatienten behandeln, so benötigt dieser in Deutschland eine Kassenzulassung. Diese ist an einige Regularien gebunden –> Kassenzulassung. Hat der Arzt nun entweder keine Zulassung bekommen, weil in dem gewünschten Gebiet keine frei ist, oder hat er einfach „keine Lust auf die Regularien und die Kassenpatienten“, dann kann er natürlich auch ohne eine solche Zulassung tätig sein und Patienten behandeln. Aber: Er bekommt eben kein Geld von der Krankenkasse und muss die Leistungen als so genannte „Privatabrechnung“ an den Patienten stellen. Danach ist eine Abrechnung nach den Vorgaben der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erforderlich. Die Abrechnung sieht dann in etwa so aus, wie in dem folgenden Beitrag beschrieben.

Was darf der Arzt berechnen und was bedeutet eigentlich Regelhöchstsatz?

Darf ich als Kassenpatient dort auch hin?

Klar, denn Privatpraxis bedeutet eben nicht „nur Privatpatienten“, sondern eher „keine Kassenpatienten/ Kassenabrechnung“. In einer kassenärztlichen Praxis sieht das Vertragsverhältnis bzw. die Verbindungen zwischen den Beteiligten zunächst so aus:

Natürlich können Sie als GKV Versicherter auch dann zu einem solchen Arzt in die Behandlung, Sie müssen nur für die Kosten dann selbst aufkommen. Gegenüber dem Arzt sind Sie dann Selbstzahler. Ob Sie dann dafür eine Versicherung haben oder nicht, das spielt dabei keine Rolle. Auch als Privatpatient sind Sie in einem Vertragsverhältnis mit Ihrem Arzt und schulden diesem die Honorare für die erbrachten Leistungen. Hat Ihr Tarif Lücken oder erstattet dieser bestimmte Leistungen nicht, so können Sie solche natürlich dennoch nutzen, müssen diese nur selbst bezahlen.

So ein „Selbstzahler“ sind Sie auch dann, wenn Sie sonst GKV versichert sind.

BESONDERHEIT: Es gibt in der gesetzlichen Krankenkasse so genannte Kostenerstattungstarife. Diese funktionieren so ähnlich wie die PKV. Sie gehen zum Arzt, bekommen Ihre Behandlung und reichen die Rechnung bei der Kasse ein. Diese erstattet einen Teil, den Rest zahlen Sie selbst oder haben den privat abgesichert.

Welche Kosten entstehen?

Das ist vorab nicht zu sagen. Anders als bei pauschalen Leistungen, müssen die Ärzte die Einzelleistungen nach der so genannten Gebührenordnung abrechnen. Diese und was der Arzt dann wie berechnen kann, habe ich in dem oben verlinkten Artikel bereits erklärt. Daher kann Ihnen vor der Behandlung meist nicht, maximal aber ungefähr, gesagt werden welche Kosten entstehen. Dieses birgt ein durchaus beachtliches Risiko. Im ambulanten Bereich und nur bei kleineren Behandlungen ist dieses zwar vertretbar, kann aber dennoch zu höheren Kosten führen.

Doch schauen wir uns das am Beispiel einer Magenspiegelung einmal an. Der Arzt wird hier zunächst eine Untersuchung vornehmen, dabei die persönlichen Umstände des Patienten beurteilen und die Untersuchung planen. Dann sollte er Sie aufklären und die Risiken der Untersuchung erklären. Hierfür fallen dann unterschiedliche Ziffern der Gebührenordnung an. In unserem Fall der Magenspiegelung zum Beispiel die Ziffern 3, 7 und 682.

Die Grundbeträge können Sie der Gebührenordnung für Ärzte entnehmen. In der unten gezeigten Rechnung hat der Arzt zudem nur den normalen, den so genannten Regelhöchstsatz von 2,3 berechnet. Bei Besonderheiten auch während der Untersuchung kann dieser aber bis auf den 3,5fachen, den Höchstsatz, angepasst werden. Die Nummer 682 kann somit entweder 113,95 EUR oder auch 173,40 EUR kosten.Auch Befundberichte kosten natürlich extra. Wird bei der Magenspiegelung eine Narkose erforderlich, so entstehen auch hier gem. der Gebührenordnung Kosten. Diese sollten ca. bei 200 EUR liegen. Doch damit nicht genug. Unser Patient bekommt nun bei der Magenspiegelung noch eine Probe entnommen und diese wird in das Labor zur Untersuchung geschickt. Dieser Posten ist am schwierigsten zu schätzen. Je nachdem wie viele Proben und auf was genau getestet werden soll, können hier 100 aber auch 500 EUR Kosten entstehen.

ZUSAMMENFASSUNG:

Die Magenspiegelung kostet „als Paket“ etwas zwischen 150 EUR und 230 EUR

dazu bei Bedarf ca. 200-300 EUR für die Narkose

und dann das Labor, 100 bis 500 EUR (ggf. auch darüber)

 

Bekomme ich die Kosten (anteilig?) von der GKV ersetzt?

Nein. Der „normal in der GKV Pflichtversicherte“ bekommt solche Kosten nicht erstattet. Auch nicht anteilig und auch keinen einfachen Satz oder dergleichen. Dieses Gerücht, die Kasse müsste zumindest den einfachen Satz zahlen hält sich wacker, ist aber falsch. Wer in eine Praxis ohne Kassenzulassung geht, der zahlt die Kosten selbst.

Wer einen so genannten Kostenerstattungstarif seiner Kasse hat, der bekommt anteilig Kosten zurück und muss nur den Rest selbst tragen. Das sind aber nur sehr wenige Versicherte mit ganz besonderen Tarifen.

Empfehlung

Wenn Sie als gesetzlich versicherter Patient in eine solche Privatpraxis wollen, dann besprechen Sie unbedingt mit dem Arzt vorher und ausführlich die MÖGLICHEN Kosten und die Risiken. Lassen Sie sich auch erklären und aufschreiben, welche zusätzlichen Untersuchungen sich ergeben können, was mit Labor, Narkose und dergleichen ist.

Klar, wenn Sie einen Ultraschall und ggf. eine zweite Meinung brauchen, dann in eine Privatpraxis gehen und der Arzt sagt „mache ich für 98,34 EUR“, dann ist der Umfang und der Preis fast klar. Alles andere birgt aber teils hohe Risiken.

03.
Dezember '18

Durch Vorauszahlung der Privaten Krankenversicherung kräftig sparen


Ich hatte bereits im letzten Jahr zu der Möglichkeit geschrieben, durch eine Vorauszahlung in der privaten Krankenversicherung einiges an Geld zu sparen. Das geht nicht immer und für alle, aber für einen Teil der Versicherten bringt dieses doch einige tausend Euro an Ersparnis. Wie es geht und was genau zu beachten ist, das lesen Sie hier im Beitrag.

Vorteile der PKV Vorauszahlung

  • – Je nach Versicherer erhalten Sie bis zu 4% Skonto, wenn die Beiträge vorausgezahlt werden

  • – dazu kommt- je nach persönlichen Verhältnissen- eine Steuerersparnis in nicht unerheblicher Höhe

Nachteile der PKV Vorauszahlung

  • – Kapital muss da sein

  • – maximal lassen sich 2,5 Jahresbeiträge (also 30 Monate) die Beiträge vorauszahlen

  • – auch der Arbeitgeberanteil muss vorausgezahlt werden

  • – nur sinnvoll, wenn andere Vorsorgeaufwendungen vorhanden sind (Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, Komfortleistungen aus der PKV, Krankentagegeldschutz und einige Lebensversicherungen)

Für wen eignet sich das Modell?

All diejenigen, welche das Kapital verfügbar haben und dieses nicht anderweitig benötigen, für diese lohnt sich eine solche Vorauszahlung. Durch die Kombination aus Steuerersparnis und einem eventuell vorhandenen Rabatt aus der PKV kommen hier schnell beträchtliche Beträge und damit Renditen über 6% pro Jahr zusammen.

Wo sind die Grenzen des Modells oder für wen passt es nicht?

Haben Sie keine sonstigen Aufwendungen, also keine anderen Versicherungen als Vorsorgeaufwendungen wie zu Beginn des Beitrages genannt, dann macht es weniger Sinn. Natürlich bekommen Sie auch dann einen Rabatt in Form eines Skonto von Ihrer PKV, jedoch verpufft dann der steuerliche Effekt der Vorauszahlung und es bleibt nur das Skonto.

Auch wer verheiratet ist und bei dem der Partner/ die Partnerin gesetzlich versichert ist, der hat hier eher das Nachsehen. Durch die Anrechnung der Beiträge des Ehepartners (welche als GKV Beiträge nicht vorausgezahlt werden können, egal ob freiwillig oder pflichtig in der GKV), entstehen auch in den Folgejahren Kosten, welche die Vorsorgebeträge ausschöpfen.

Grundlage des Modells – Einkommensteuerrecht?

Der Hintergrund des Modells ist recht einfach erklärt. Normalerweise werden die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung steuerlich angerechnet. Auch die Beträge, welche tatsächlich ausgegeben werden und die Höchstbeiträge überschreiten werden angerechnet und haben einen steuerlichen Effekt. Das gilt aber eben nur für den Basisschutz. Ist der PKV Tarif leistungsfähiger, ist der aufgewendete Beitrag nur anteilig zu berücksichtigen.

Auch alle anderen Versicherungen wie Arbeitslosen-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen, Schutz gegen Berufsunfähigkeit und einige Lebensversicherungen sind theoretisch anrechenbar. Aber in der Praxis wirken sich diese meist nicht aus, da für die Steuerpflichtigen Höchstbeiträge bestehen und diese meist schon durch die Krankenversicherung dann ausgeschöpft werden.

Wo liegen die Höchstbeiträge?

Um den für Sie richtigen Höchstbeitrag zu ermitteln, ist zunächst eine Frage wichtig.

Sind Sie Beihilfeberechtigte(r) oder Arbeitnehmer mit einem steuerfreien AG Zuschuss?

Dann gelten für Sie maximal 1.900 EUR pro Jahr als Höchstbetrag.

Sind Sie Steuerpflichtige(r) und zahlen die Beiträge zur Krankenversicherung allein?

Dann beträgt Ihr Höchstbetrag der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen 2.800 EUR pro Jahr.

Bei zusammen veranlagten Ehepartnern wird zunächst für jeden Ehegatten nach dessen persönlichen Verhältnissen der Freibetrag bestimmt. Diese werden dann zu dem gemeinsamen Höchstbetrag addiert.

Ist einer selbstständig und einer Angestellt, sind es also 2.800 + 2.800 EUR = 5.600 EUR. Bei zwei Angestellten dann 1.800 + 1.800 EUR = 3.600 EUR und so weiter.

Wie funktioniert es nun genau?

Das lässt sich am schnellsten mit einer Beispielrechnung erklären. Nehmen wir daher zwei unterschiedliche Fälle als Modell und beginnen mit einem Angestellten. Ausgangslage ist ein monatlicher PKV Beitrag von 700 EUR und davon entfallen 500 EUR auf die Basisabsicherung. Bei Angestellten ist auch noch zu beachten, dass im Folgejahr der Zuschuss vom Arbeitgeber weiter erhalten wird und damit Einkommen ist, wenn auch ein steuerfreies Einkommen.

Unser Angestellter hat einen angenommenen Steuersatz von 35%. Weiterhin besitzt er eine Unfallversicherung mit 200 EUR, weitere Haftpflicht-, Arbeitslosen- und Berufsunfähigkeitsversicherungen mit 2.700 EUR Kosten pro Jahr.

Ohne Vorauszahlung

Zahlt der Versicherte jeden Monat seine Beiträge zur Privaten Krankenversicherung und bekommt die 6.000 EUR (500*12, ggf. abzgl. AG Zuschuss) angerechnet. Hierdurch sind in den kommenden 4 Jahren 24.000 EUR abzugsfähig. Die weiteren Kosten für die Komfortleistungen in der PKV (die Differenz aus den 700 EUR und dem Basisschutz von 500 EUR, also 200 EUR pro Monat = 2.400 EUR pro Jahr) und aller weiteren Versicherungen verpuffen einfach.

Mit Vorauszahlung

Werden nun die Beiträge zur Krankenversicherung vorausgezahlt, so sind diese im Jahr der Vorauszahlung (zu max. 2,5 Jahresbeiträgen) anrechenbar. Auch die, im gleichen Jahr bereits monatlich bezahlten PKV Beiträge bleiben in Höhe der Basistarife anrechenbar.

Dadurch werden in dem Jahr der Vorauszahlung alle PKV Beiträge bezahlt, in den beiden Folgejahren fallen also keine Beiträge dafür mehr an und es sind die Vorsorgebeträge „frei“ für andere Versicherungen.

Somit können nun die (sonst nicht abzugsfähigen) Beträge angesetzt werden. In beiden folgenden Jahren bleiben unserem Versicherten damit 1.900 EUR + 1.900 EUR = 3.800 EUR mehr anrechenbare Aufwendungen, welches zu einer Steuerersparnis von ca. 1.300 EUR + ca. 74 EUR Soli Zuschlag führt. Dazu kommt das Skonto, wenn denn der Versicherer ein solches gewährt.

Wer alle Vorteile nutzen kann, der spart hier bei einer Vorauszahlung von 2 Jahren über 2.000 EUR.

Eine durchaus schöne Rendite, auch wenn dazu erst einmal 16.000 EUR Kapital notwendig sind. In unserem Beispiel entspricht das einer Rendite von über 6% pro Jahr. Das ist heute bei den Zinsen kaum zu erreichen.

Selbstständige und Freiberufler mit höheren Abzugsbeträgen

Bei denen, die keinen Arbeitgeberzuschuss bekommen, gelten die höheren Abzugsbeträge. Legen wir sonst gleiche Beträge zugrunde, dann liegt eine Ersparnis hier bei 2.739 EUR bei zwei, oder 1.369 EUR bei Vorauszahlung für ein Jahr.

Zur besseren Darstellung finden Sie einen kleinen Modellrechner, welchen Sie für eine erste Übersicht nutzen können. Dieser Rechner und auch der Artikel können und sollen keineswegs eine steuerliche Beratung ersetzen, sondern geben Ihnen einen Anhaltspunkt der Auswirkungen. Bei steuerlichen Fragen stehen Ihnen Ihr Steuerberater oder andere zur Steuerberatung berechtigte Personen zur Verfügung, bitte wenden Sie sich dann an diese.

Modellrechner PKV Vorauszahlung HIER ALS Excel Datei herunterladen

Zählen auch Beiträge meiner Kinder dazu?

Ja, wenn die Kinder (für deren Unterhalt Sie verantwortlich sind) in der privaten Krankenversicherung versichert sind, dann sind auch deren Beiträge (für die Sie dann aufkommen müssen) steuerlich berücksichtigungsfähig. Somit wirkt sich eine Vorauszahlung dort auch entsprechend aus.

Was passiert bei einer Beitragsanpassung?

Muss der Krankenversicherer den Beitrag anpassen, so ändert auch eine bereits geleistete Vorauszahlung nichts. Die Anpassung gilt natürlich auch für die Beiträge, welche bereits bezahlt wurden. Dabei erhalten die Kunden dann eine Nachberechnung über den Betrag, der der Erhöhung entspricht und zahlen den dann entweder nach (was aber meist nicht sinnvoll ist) oder die Vorauszahlung verkürzt sich um den entsprechenden Betrag. Dann wären zum Beispiel statt 30 nur 28 Beiträge vorausgezahlt, je nachdem wie die Anpassung ausfällt. In dem Jahr, in dem die Anrechnungsbeträge für andere Versicherungen genutzt werden, sollte dann auch ein solcher Betrag nicht nachgezahlt werden.

Bekomme ich den Arbeitgeberanteil weiter?

Klar, denn nur weil Sie etwas vorauszahlen ändert sich an dem Zuschuss des Arbeitgebers natürlich nichts. Hier zahlt dieser ihnen weiter den monatlich steuerfreien Zuschuss auf Ihr Gehalt.

Achtung: Bei Arbeitnehmern ist dieses- wie oben erwähnt- dann eine steuerfreie Einnahme in dem jeweiligen Jahr wo keine KV Beiträge gezahlt werden. Diese meldet der Arbeitgeber aber automatisch an das Finanzamt.

Was muss ich bis wann tun?

Bei den meisten Gesellschaften liegt die Frist MITTE DEZEMBER. Bis zu dem Datum müssen auch die Beträge bezahlt sein, damit diese noch steuerlich wirken sollen. Daher wenden Sie sich möglichst schnell an die Gesellschaft und fragen die genauen Beträge an.

Zunächst einmal können Sie überschlägig selbst ermitteln, welche Liquidität hierzu erforderlich ist. Ist diese vorhanden und können Sie diese auch kurzfristig an den Versicherer überweisen, so gehen Sie am besten wie folgt vor.

Für die Anfrage per Mail/ Fax können Sie folgendes Muster verwenden:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei meinem Vertrag zur privaten Krankenversicherung mit der Versicherungsnummer: ________ die Vorauszahlung nutzen. Bitte teilen Sie mir mit, in welchem Umfang dieses bei Ihnen möglich ist und beantworten die folgenden Fragen:

1.) Wie hoch ist der Nachlass bei jährlicher Zahlweise?
2.) Für welchen Zeitraum ist eine Vorauszahlung der Beiträge zur PKV und Pflege maximal in meinem Vertrag möglich?
3.) Bitte nennen Sie mir die Vorauszahlungsbeträge für die a.) Vorauszahlung für ein Jahr und b.) maximal mögliche Vorauszahlung.
4.) Bis zu welchem Termin muss der Betrag bei Ihnen eingehen?
5.) Bitte nennen Sie mir eine Bankverbindung oder teilen Sie mir mit, wie ich eine geänderte Lastschrift bei Ihnen beauftragen kann.
Für Ihre Mühe vielen Dank!

Die Antwort können Sie mir, aufgrund der knappen Frist bis zum Jahresende, auch gern per E-Mail an: _______ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

XXX“

Nachdem Sie die Antworten und Beträge erhalten haben, weisen Sie den Betrag entsprechend an und lehnen sich zurück. Viel Erfolg!

(PS: Wer solche Vorauszahlung schon nutzt, posten Sie gern die gewährten Rabatte und maximalen Vorauszahlungen hier unter dem Beitrag als Kommentar, so sammeln wir diese mal branchenweit)

Hallesche KV: 3%

Barmenia KV: 4%

Grundlage ist unter anderem der §10 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Die Erklärungen können Sie in den Ausführungen des Bundesfinanzministeriums nachlesen: