Archiv für die Kategorie ‘Private KV’

27.
September '20

Kinderkrankenversicherung – Alles was Sie wissen müssen – Teil 1




Die Kinderkrankenversicherung ist – nach allen medizinischen Fragen und riesiger Vorfreude – ein Thema, welches werdende Eltern schnell auf der Agenda haben. Oft wird dieses aber leider doch recht schnell auf die leichte Schulter genommen und einfach das Kind da angemeldet wo man selbst ist. Klingt einfach und ist ja simpel, was soll da schon schief gehen.

Blogbeitrag zum HörenWenn Sie lieber hören statt Lesen, bitte sehr.

Kinderkrankenversicherung – Alles was Sie wissen müssen – Teil 1

Ich freue mich sehr, gerade hierzu, auf Ihr Feedback.

Das Thema ist aber weitaus komplexer und umfangreich und so machen sich sorgsame Eltern immer wieder Gedanken und es kommen viele Fragen auf. Zuerst dachte ich: „Schreib ich mal schnell einen Blogbeitrag und erkläre das.“.

Nachdem ich schnell gemerkt habe, es ist viel zu umfangreich, habe ich mich entschlossen eine Serie aus Beiträgen daraus zu machen und diese in den kommenden Tagen nach und nach online zu stellen.

In meiner Blogserie zur Kinderkrankenversicherung beschäftigen wir uns mit den folgenden Fragen und Themen.

Kinderkrankenversicherung Teil 1:

  • – Muss mein Kind in die private Krankenversicherung (PKV)?

  • – Hat mein Kind Anspruch auf die kostenfreie Familienversicherung?

  • – Vorsicht bei Selbstständigen und schwankendem Einkommen

  • – Kann das Kind rückwirkend in die private Krankenversicherung wechseln?

Kinderkrankenversicherung Teil II:

  • – Bekomme ich für mein Kind einen Arbeitgeberzuschuss?
  • – Was ändert sich durch eine Hochzeit?
  • – Muss das Kind in der Versicherung der Eltern versichert werden?
  • – Können auch andere Tarife als die der Eltern gewählt werden?

Kinderkrankenversicherung Teil III:

  • – Kann ich mein Kind auch privat versichern, wenn beide Eltern in der GKV sind?
  • – Welche Fristen gelten?
  • – Wenn das Kind in der GKV bleibt, was sollte ich bedenken?
  • – Kann das Kind in beiden Systemen gleichzeitig versichert sein?

Kinderkrankenversicherung Teil IV:

  • – mit Ihren Fragen und einigen weiteren (angrenzenden) Themen

Die Schwangerschaft hat gerade erst begonnen und bereits jetzt machen sich viele Eltern Gedanken über die Kinderkrankenversicherung. Sich so früh damit zu beschäftigen ist auch gut und wichtig. Jedoch sind falsche Entscheidungen oft mit hohen Kostenrisiken verbunden. Bei der Beantragung der Kinderkrankenversicherung sollten Sie sich rechtzeitig von einem Spezialisten unterstützen lassen.

Kinderkrankenversicherung – so finden Sie das richtige Versicherungssystem

Gerade wenn die Eltern in unterschiedlichen Systemen versichert sind, ist die Kinderkrankenversicherung manchmal nicht ganz einfach. Die gesetzliche Krankenkasse bei dem einen Elternteil oder die private Krankenversicherung bei dem anderen und schon stellen sich viele Fragen, die ersten beantworten wir heute.

Weiterhin biete ich Ihnen eine kostenlose Telefonberatung zur Kinderkrankenversicherung an. Auch eine Unterstützung im LiveChat für erste Fragen ist kostenfrei möglich.

Kinderkrankenversicherung – Muss mein Kind in die Private Krankenversicherung?

Diese Frage ist ganz einfach und eindeutig zu beantworten. NEIN, das Kind muss erst einmal gar nichts. Ob eine private Krankenversicherung eine Möglichkeit ist, das ergibt sich aus diversen Umständen beider Eltern. Auch wenn es immer noch als Mythos durch das Internet geistert, auch wenn das Höherverdienende Elternteil in der Privaten Krankenversicherung ist, gibt es keinen Zwang das Kind privat zu versichern.

In einem bereits erschienenen Artikel geht es genau um diese Frage.

–> Mein Kind muss dann ja auch in die PKV

Damit Sie schneller herausfinden können, wo das Kind versichert ist und welche Ansprüche es hat, habe ich ein Schema vorbereitet. Hier können Sie in der kostenlosen pdf Datei „Wo sind die Kinder zu versichern“ schnell einfach nachprüfen, ob das Kind in der gesetzlichen Krankenkasse kostenfrei versichert sein kann. Diese Familienversicherung regelt der §10 des Sozialgesetzbuches V.Kinderkrankenversicherung Wo ist das Kind zu versichern

Kinderkrankenversicherung – Hat mein Kind Anspruch auf die kostenfreie Familienversicherung?

Zunächst einmal hat das Kind immer dann einen Anspruch auf eine kostenlose Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse, falls die Eltern nicht verheiratet sind und die Mutter in der gesetzlichen Krankenkasse versichert ist.

Ebenfalls besteht der Anspruch natürlich dann, wenn beide Eltern gesetzlich versichert sind. In diesem Fall spielen auch Einkommen oder Eheschließung keine Rolle und verändern den Anspruch nicht.

Wie Sie aber in dem Schaubild erkennen können, spielende unterschiedlicher Versicherung nach einer Hochzeit die Einkommensdaten eine große Rolle. Hier geht es um die Frage, wer mehr verdient und wo dieses Elternteil versichert ist. Dabei ist dann zu prüfen, ob hier ein Einkommen über der Jahresarbeitentgeltgrenze (ab 2021 in Höhe von 64.350 EUR pro Jahr brutto) vorliegt. Dann entfällt, wenn das höher verdienende Elternteil darüber liegt, die kostenlose Familienversicherung für das Kind.

Vorsicht bei Selbstständigen oder schwankendem Einkommen bei Beamten

Gerade bei Selbstständigen ist nicht jedes Jahr gleich. Es gibt Jahre mit einem hohen Einkommen und damit einem Überschreiten der Grenze und Jahre mit weniger Geld in der Kasse. Hier kann somit auch rückwirkend der Anspruch auf Familienversicherung entfallen. Das wird regelmäßig aber erst mit dem Steuerbescheid festgestellt. Ein Beispiel:

Ein freiberuflicher Rechtsanwalt (PKV versichert) hat im Jahr 2018 ein Jahreseinkommen von 70.000 EUR, im Vorjahr waren es noch 50.000 EUR. Für das Jahr 2019 ist noch keine Steuererklärung fertiggestellt, aber 2020 wird er wohl auch wieder über der JAEG liegen.

Die gesetzlichen Kassen fragen manchmal von allein und senden Ihnen einen „Fragebogen zur Familienversicherung“ zu. ACHTUNG: Hier besteht eine Auskunftspflicht. Wer hier trödelt oder bewusst hinauszögert, der macht sich mehr Probleme und verhindert eine saftige Nachzahlung nicht. Füllen Sie den Fragebogen nicht aus oder sendet Ihnen die Krankenkasse einen solchen nicht automatisch zu, befreit Sie dieses nicht von einer Nachzahlung. Dieses habe ich bereits in diversen Artikel ausführlich beschrieben.

Alle Artikel zur Nachzahlung und Nachforderung der GKV Familienversicherung

Bei unserem Beispiel (und der Annahme das die mit dem Anwalt verheiratete Mutter in der GKV Pflichtmitglied ist) wurden die Kinder in der gesetzlichen und kostenlosen Familienversicherung gelassen.

Eine Information an die Kasse erfolgte durch den Versicherten aus eigenem Antrieb nicht. „Die können ja fragen, dann antworte ich.“ herrscht hier oft als Meinung vor. Ganz nüchtern betrachtet hatten die Kinder einen Anspruch auf Familienversicherung in dem Jahr 2017, da das Einkommen unter der Jahresarbeitentgeltgrenze lag. Für das Jahr 2018 entfiel dieser Anspruch durch das höhere Einkommen. Für das Jahr 2019 liegen noch keine Unterlagen vor, da hier Abschreibungen und Investitionen die Fertigstellung der Steuererklärung verzögern.

Ohne weitere Informationen an die Krankenkasse der Mutter und Kinder sind die Kinder also aktuell mit einer Versichertenkarte ausgestattet und nutzen diese auch für Arztbesuche.

Klar ist, für die Jahre 2018, vielleicht 2019 und garantiert 2020 sind die Kinder in der kostenfreien Familienversicherung unberechtigt versichert. Wüsste die Kasse von den korrekten Zahlen, so wären Beiträge für die Kinder seit dem 01.01.2018 zu zahlen.

Eine Kinderkrankenversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse kostet je nach Kasse zwischen 175 und 190 EUR, inkl. der Pflegepflichtversicherung des Kindes. In unserem Beispiel sind für die zwei Kinder nun schon einmal Nachzahlungen in Höhe von mindestens 4.200 EUR zu leisten. Sobald die Kasse davon Kenntnis erlangt, beendet diese rückwirkend die Familienversicherung und erstellt einen Beitragsbescheid. Auch wenn die Zahlen für das Jahr 2019 von dem Steuerberater noch gar nicht fertiggestellt sind, dennoch sind auch hier zunächst Beiträge an die gesetzliche Kasse zu zahlen. Grund hierfür ist die Einstufung aus dem Vorjahr. Somit erhöht sich die Nachzahlung um weitere 4.200 EUR, womit wir schon bei einem Beitragsbescheid von 8.400 EUR sind.

Nun ist aber auch das Jahr 2020 schon weit fortgeschritten und auch hier wurden bisher keinerlei Beiträge gezahlt. Für den Zeitraum Januar bis September sind somit auch für zwei Kinder a‘ 175 EUR monatlich und damit in Summe 3.150 EUR zu berappen.

Der gesetzlichen Krankenkasse stehen somit auf einen Schlag 11.500 EUR zu, welche diese binnen Monatsfrist haben möchten und welche denen auch zusteht. Stellt sich später mit der Steuererklärung 2019 heraus, dass das Einkommen unter der JAEG 2019 gelegen hat, dann werden hier die Kosten auch wieder rückgerechnet.

Kinderkrankenversicherung – Kann mein Kind rückwirkend in die Private Krankenversicherung wechseln?

Diese Frage wird mir mindestens einmal die Woche im LiveChat oder in der Telefonberatung gestellt. Daher habe ich bereits in einem anderen Beitrag die Möglichkeiten und Varianten einer rückwirkenden privaten Krankenversicherung für Kinder beschrieben. Dort finden Sie Hinweise und Erläuterungen wie und ob Sie Ihr Kind rückwirkend privat versichern können.

–> Kann mein Kind rückwirkend in der PKV versichert werden

Ergänzend hierzu sind aber noch weitere Überlegungen anzustellen. Auf dem Markt gibt es schon heute entsprechende Optionsbausteine wie den OptiFree der Hallesche oder auch Bausteine der Allianz und zukünftig weiterer Unternehmen. Mit diesen Bausteinen sichern Sie sich als Eltern eine nahtlose Versicherung der Kinder nach dem Ende der Familienversicherung. Gelingt dieses sauber zu lösen und haben Sie sich rechtzeitig Gedanken gemacht und gehandelt, so können Sie hier tausende Euro an Nachzahlungen sparen.

Vorsicht ist aber auch hier geboten, denn während der Familienversicherung entstandene Kosten für Arztbesuche oder sonstige medizinische Versorgung sind der GKV in den meisten Fällen zu erstatten. Ob diese dann durch die Private Krankenversicherung rückwirkend getragen werden können, hängt von vielen Umständen ab.

Wichtigste Regel: Wenn schon beide Systeme optimal (aus-)genutzt werden sollen, dann bedarf dieses einer rechtzeitigen und sorgfältigen Planung.

Bei Fragen, gern Fragen!

Bevor wir nun mit den ganzen weiteren Fragen und Antworten in den kommenden Teilen weitermachen, bis hierhin erstmal vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Bei Fragen zur Kindernachversicherung eines Neugeborenen oder Vorschlägen zur Versicherung von Kindern melden Sie sich gern über die Kontaktseite oder aber den LiveChat.

Gern können Sie mir auch eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten senden, dann erhalten Sie kostenfrei und unverbindlich den Fragebogen per Mail oder SMS-Link.

HIER Beratungsanfrage Kinderkrankenversicherung anfordern

14.
September '20

Focus Money testet die besten PKV-Angebote – eigenwillig und ungeeignet


Neues Jahr, neues Glück. Zumindest hat man sich das anscheinend beim Focus Money PKV Test mit dem Titel: „Die besten PKV-Angebote im Check: Hier finden Sie den für Sie passenden Tarif“ gedacht. Zumindest Geld müssen Sie hierfür nicht ausgeben, da der Test vollständig online zur Verfügung steht. Warum Sie das Geld für so einen Test auch lieber nicht ausgeben sollten, das schauen wir uns hier einmal gemeinsam an. Auch in der Vergangenheit hatte Focus Money mit den PKV Tests nicht wirklich viel Glück, Wissen leider auch nicht. Die letzte Glanzleistung hatte sich Focus Money bereits in 2017 geleistet, wobei auch die Tests in 2009 und -10 nicht besser waren. Alle Beiträge zum Focus Money PKV Test finden Sie hier.

Eines sei aber vorab erwähnt. Es ist ein wenig besser geworden, also zumindest der Ansatz und die Unterstützung, die man sich geholt hat. KVpro mit ins Boot zu nehmen und sich so zumindest Fachwissen einkaufen zu können ist ganz gut gedacht. Leider auch diesmal schlecht bzw. falsch umgesetzt.Focus Money PKV Test 2020

Es nützt eben wenig sich externer Experten zu bedienen, wenn man dann doch sein eigenes Muster drum herum strickt. Klar, muss am Ende ja auch etwas werden, wofür es Abnehmer gibt. So werden zumindest einige der „Testsieger“ mit einem Urteil werben und das Siegel oder Sonderdrucke kaufen.

Focus Money PKV Test – die Testsieger

Wer also demnächst ein Siegel von einem „Focus Money Urteil“ liest, der sollte vorher auch den Test und die Details hierzu gelesen und verstanden haben. Dabei können folgende Versicherer mit Siegeln werben, mal sehen wer es auch tun wird.

  • Allianz mit dem Tarif AktiMed Best – sehr gut

  • Alte Oldenburger mit der Tarifkombination A112, K20, Z100/80 – sehr gut

  • Axa mit den Tarifen Vital-300U, KHR-U, Prem Zahn-U) – sehr gut

  • Barmenia mit dem Tarif expert 2+ (EXP2) – sehr gut

  • Bayrische Beamten mit dem Tarif Gesundheit Vario – sehr gut

  • Concordia mit der Kombination VV Plus, AV2, SV1, ZV1 – sehr gut

  • DKV mit dem Tarif BestMed Komfort BMK/1 – sehr gut

  • Generali (vorher Central) mit dem GesundPro1 – vertrieben über die DVAG Dt. Vermögensberatung – sehr gut

  • Gothaer mit dem Tarif MediVita 500, MediMPlus und MediNaturaP, MediPrävent und MediClinic – sehr gut

  • Hanse Merkur mit dem Tarif AZP „Pro Fit“ – sehr gut – hier Details zum Tarif

  • Debeka mit dem Tarif N – hervorragend

  • Hallesche mit dem Tarif NK.2 – hervorragend – fragwürdige Tarifauswahl, da NK Bonus vorhanden

  • Inter mit der Kombination AM12, S1, Z9 – sehr gut

  • SDK mit den Tarifen ? – stimmen hier leider nicht – aber sehr gut

  • Signal Iduna Tarife sind ebenfalls falsch im Test – aber sehr gut

  • UKV mit dem Gesundheit Vario – sehr gut

  • Universa mit dem Uni-A 620, uni.ST1/100 und uni-ZA100 – sehr gut

  • R+V mit dem Agil Premium – sehr gut

  • Dt. Ring, Tarif Prime – befriedigend, gäbe aber andere Tarife für den Test

Schon auf den ersten Blick zeigen sich offensichtliche Fehler. Beim Dt. Ring gäbe es durchaus andere Tarife, welche die fragwürdigen Mindestkriterien der Tester erfüllen können. Der Prime ist leistungsmäßig und ohne SB gänzlich anders zu bewerten und schwer vergleichbar.

Der SDK und der Signal wurden hier Tarife angedichtet, welche diese gar nicht haben.

Signal Iduna Focus Money

Die Signal besitzt keinen solchen Tarif, dieser gehörter UKV oder BBKK, dann stimmen aber die Beiträge nicht

SDK Focus Money

Auch die SDK hat keinen solchen Tarif, sondern Bausteintarife. Auch hier passen die Beiträge nicht. Diese Tarife gehören übrigens zur Signal

Sie können ja einmal in den nächsten Wochen auf die Internetseiten der Versicherer schauen und sehen, wer denn nun mit dem Testsiegel wirbt und sich dann Ihr eigenes Bild machen. Wir schauen uns nun aber einmal die Mindestkriterien und den Aufbau des Tests an. Schon in der Vergangenheit habe ich in diesem Beitrag erklärt, warum solche Tests zur Tarifauswahl ungeeignet und sogar gefährlich sind. Das gilt und galt auch bei den PKV Tests in Finanztest, auch hier ist es nicht anders.

Focus Money PKV Test – Zusammensetzung der Gesamtbewertung

Bei der Gewichtung der Kriterien hat Focus Money auch im PKV Test 2020 so gar nichts gelernt. Schauen wir uns daher zunächst einmal an, welche drei großen Kriterien in die Gesamtnote einfließen:

Kapitalstärke des Unternehmens – zu 20%

Einleitend schreibt Focus Money im Test dann auch: „Auf die Bonität des Anbieters achten“ und weiter „Auch bei privaten Krankenversicherungspolicen ist die Finanzstärke des Anbieters wichtig, ….“. Die Frage welches Rating man denn genutzt hat, löst Focus Money pragmatisch.

„Haben PKV Gesellschaften mehrere Beurteilungen, gilt jeweils das beste Rating.“

Klar, sich die Mühe zu machen und das aktuellste oder einen Mittelwert zu wählen, das macht Arbeit und vielleicht auch das Ergebnis schlechter. Daher nehmen wir einfach das beste Rating, wird schon irgendwie stimmen. Und falls nicht, macht ja nix, ist ja nicht unser Rating. Zumindest bildet aber Focus Money einige Ratings in der Auswahl ab und zeigt diese auch online in einer Tabelle.

(heutiger) Beitrag – zu 40%

Den heute zu zahlenden Beitrag hat Focus Money dann auch gleich mit fast der Hälfte der Gesamtnote bewertet. Das ist insbesondere zum Jahresende mehr als fragwürdig, da Anpassungen der Beiträge anstehen und bei den Gesellschaften ganz unterschiedlich ausfallen. Auch eine Angabe wann denn dieser Tarif das letzte Mal angepasst wurde und so zumindest eine grobe Einschätzung einer solchen Beitragszahl fehlt im Test gänzlich. Zudem ist es eine absolute Momentaufnahme und keinerlei Garantie für die Zukunft. Warum diese momentane Aufnahme nahezu ohne jedwede Aussagekraft dann fast die Hälfte der Gesamtnote ausmachen soll, das vermag ich hier nicht zu beurteilen.

Ein Versicherer, welcher bewusst neue Tarife knapp kalkuliert an den Markt bringt, der wird hier mit einer besseren Bewertung belohnt. Versicherer, die aber vorsichtig und nachhaltig kalkulieren und damit (berechtigt) höhere Beiträge für hohe Leistungen haben, werden abgestraft.

Focus Money PKV Test Gewichtung

(vertraglich garantierter) Leistungsumfang des Tarifes – zu 40%

Kommen wir nun zu dem wichtigen Punkt, die Leistungen des Tarifes. Dieser, und nur dieser, Punkt ist der einzig garantierte Part in den gesamten Testbedingungen. Nur die Leistungen sind vertraglich garantiert und können vom Versicherer nicht einseitig geändert werden.

Mit dieser wichtigen Vertragsgrundlage entscheide ich in Zukunft darüber, ob und welche Leistungen ich aus meinem Vertrag bekommen und welche ich auch rechtssicher einklagen kann. Bei dem Abschluss eines PKV Vertrages kaufen Sie Bedingungen (garantiert), einen aktuellen Beitrag (nicht garantiert) und ein Unternehmen und eine Kapitalstärke (nicht garantiert). Welchem der Bereiche messen Sie die höchste Bedeutung bei?

Es ist natürlich wichtig Beiträge bezahlbar und kalkulierbar zu halten. Aber diese Aufteilung widerspricht einer vernünftigen Bewertung schon deshalb, weil es 60% der Gesamtnote nicht garantierte Anteile enthält die morgen, oder spätestens am 1.1. 2021 wieder ganz anders aussehen können.

Focus Money PKV Test – Kriterien für einen Topschutz (lt. Focus)

Nun wird das eine mehrteilige Reihe im Focus und begonnen wurde mit den Toptarifen der Branche. Also schauen wir einmal genauer auf die Kriterien, welche für den 35jährigen Musterkunden zu Grunde gelegt wurden. Der Kunde (egal ob männlich oder weiblich, da Unisextarife) ist Angestellt und somit wird auch in der Betrachtung des Focus nur der Arbeitnehmeranteil zu Grunde gelegt.

Damit der Tarif überhaupt ein TOP Schutz sein kann, müssen folgende Merkmale erfüllt sein.

  • – maximaler Selbstbehalt (ambulant, stationär, Zahn) von maximal 750 € pro Jahr
  • – es müssen 110 € Krankentagegeld versicherbar sein (warum das irgendwo nicht gehen sollte, erschließt sich nicht)
  • – ambulant freie Arztwahl, also kein Primär- oder Hausarzttarif
  • – Erstattung bis Höchstsätze GOÄ
  • – 100% Kostenübernahme für allo-dargepatische und homöopathische Arzneimittel
  • – 80% für Psychotherapie
  • – offener Hilfsmittelkatalog
  • – Erstattung von Krankenfahrstühlen
  • – Erstattung von Heilpraktikerleistungen
  • – stationär mind. Zweibettzimmer + Privatarzt
  • – stationär bis GOÄ Höchstsätze
  • – stationäre Transportkosten und 6 Wochen Psychotherapie
  • – Zahnleistungen mind. 75% Zahnersatz, 70% Inlays, 90% für Zahnbehandlung
  • – Gnathologie und Material-Laborkosten müssen übernommen werden

Welche eine spannende Auswahl. Und ohne auf jedes einzelne Kriterium eingehen zu wollen. TOP Tarife beschreiben diese Kriterien ganz sicher nicht. Einen guten, durchschnittlichen Schutz in jedem Fall. TOP bedeutet aber auch Leistungen über die Höchstsätze der Gebührenordnung. Die doch so wichtige Erstattung von Zuckerkügelchen scheint dem Autor oder Tester scheinbar aber ein persönliches Anliegen zu sein, was sonst hat das in einer KRANKENversicherung zu suchen? Ob der Versicherer hier bei den 80% Psychotherapie vielleicht auf eine bestimmte Anzahl Sitzungen begrenzt oder gar nur bestimmte Behandler zulässt, ist auch egal.

Fragwürdig ist auch die Anforderung an einige andere Bereiche. Keine Qualitäts- oder Ausstattungsanforderungen an Hilfsmittel, keine an Heilmittel. Kein Wort zu Höchstgrenzen, Betragsbegrenzungen bei Rollstühlen, nichts zu ambulanten Transporten bei schweren Krankheiten.

Auch im stationären Bereich reichen anscheinend GOÄ Höchstsätze, keine „Top-Leistungen“ in einem Toptarif. Spannender Ansatz. Das einige der Tarife (z.Bsp. Hallesche NK) die gesetzten Mindestkriterien zum Beispiel bei Zahnersatz nicht erfüllen liegt wohl auch an einer eigenwilligen Darstellung der Software. Der Tarif NK zahlt 100% für die ersten 550 € pro Jahr, danach 75% bei Zahnbehandlung. Wie das mit 90% Zahnbehandlung in Einklang zu bringen ist, das beantworte wohl nur die Mathematik des Focus.

Focus Money PKV Test – Selbstbeteiligung und „eSB“

Wie, den Begriff eSB haben Sie noch nie gehört? Nun, hier wird der normale Selbstbehalt nicht als Maßstab genommen. Entgegen der üblichen Regelung den maximalen Selbstbehalt (denn das ist der Betrag, den Sie schlichtweg haben müssen, weil er anfallen kann)zu nehmen, wird hier mit statistischen Wahrscheinlichkeiten gerechnet. Hier wird also hinterfragt wie oft der durchschnittliche Kunde mit 35 zum Arzt geht, welche Kosten dadurch entstehen und diese Kosten werden dann wiederum als „fiktiver SB“ angenommen.

Blöd nur, wenn Sie den PKV Schutz auch nutzen (müssen) und dummerweise auch noch krank sind. Dann interessiert Sie nämlich die Statistik und das was andere Kunden so haben gar nicht. Sie sind der-/diejenige, welche die volle Selbstbeteiligung plötzlich aus eigener Tasche bezahlen muss. Ist das Geld dann nicht da oder nicht eingeplant, weil man Ihnen den Tarif schön gerechnet hat, dann sieht es eher düster aus.

Nochmals ganz deutlich:

Die Private Krankenversicherung ist kein Sparschwein – sie sichert Gesundheitsleistungen

Auch ist eine Beitragsrückerstattung keine kalkulierbare Größe und die Zahlen die Focus Money hier auswirft sind irreführend und verleiten zu falschen Annahmen. Klar ist es nett, falls der Versicherer Ihnen Geld zurückzahlt da Sie gesund sind. Bedenken Sie dabei bitte aber 1.) die steuerlichen Auswirkungen und 2.) die nicht planbare Zahlung. Bis auf wenige garantierte Modelle ist die Rückzahlung vom Versicherer jederzeit für die Zukunft änderbar und zu kürzen oder kann gestrichen werden.

Focus Money nimmt aber diesen eSB Betrag, schlägt den auf den Arbeitnehmeranteil drauf und vergibt dann eine Note. bis 330 € ist die Note 1, über 510 € die Note 6. Dabei sind hier Tarife in dem Vergleich, welche sich in unzähligen Bereichen und Kriterien unterscheiden. Tarife, welche von Mittelklasse bis High End Schutz gehen können und dennoch wird diese unsinnige Einstufung vorgenommen.

Focus Money PKV Test – fragwürdige Tarifauswahl

Neben den offensichtlichen Fehlern im Test, Tarifen die es bei Gesellschaften gar nicht gibt und handwerklichen Fehlern geht es noch weiter. Da werden Tarife und Kombinationen einfach vergessen. Beispiel Hallesche. Der Tarif NK2 mit 600 € SB wird berücksichtigt. Der Tarif NK Bonus (ohne SB, 60 € monatlicher Bonus, sonst gleiche Leistungen) findet in der Betrachtung aber nicht statt.

Für den Tarif NK Bonus sähe das dann so aus: (Werte in ROT)

Hallesche

Tarifkombination: NK.2, PVN, KT.43 / NK.Bonus, PVN, KT43
KVpro-Leistungsrating: A++ / A++
Monatsbeitrag: 599,35 / 655,22
Arbeitnehmer-Anteil (AN): 299,68 / 327,61
jährl. max. Selbstbehalt: 600 / 0 – abzüglich BONUS 720 € garantiert
erwarteter Selbstbehalt (eSB)1: 503,25 / 0
AN-Anteil inkl. eSB2: 341,62 / 327,61 ohne Bonus, 267,61 mit Bonus
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 1 Jahr: 468,74 / 519,22
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 2 Jahren: 703,11 / 778,83
BRE bei Leistungsfreiheit von Finanzstärke (von) Bewertung 3 Jahren: 937,48 / 1.038,44
Finanzstärke (von): A+ (Assekurata, B)
Bewertung: Hervorragend

Bei der Inter gibt es zudem auch Tarife, die diese gar nicht haben. Das sind im Übrigen Tarife der SDK, die hatten aber schon die Tarife der Signal. Was dazu kommt. Eine Selbstbeteiligung von 600 € wie der Focus schreibt, die gibt es aber auch in den Tarifen AM12 der SDK nicht, die übrigens 480 € SB ambulant haben.

Tarife der Inter bei Focus Money

Tarife der Inter – gibt es aber so gar nicht und gehören zur SDK, die SB gibt es aber auch hier nicht mit 600 €

Focus Money PKV Test – falsche Tarife, falsche Daten, unbrauchbarer Test

Leider muss sich hier der Focus oder die Focus Money Redaktion durchaus die Frage gefallen lassen, wer diesen Unsinn abgesegnet hat – keine Ahnung. Der Test strotzt vor falschen Angaben und Annahmen, gibt sehr eigenwillige Tipp und Hinweise und zielt anscheinend auf das Verkaufen von Testsiegeln ab.

Bevor Sie sich also an so einem Test orientieren und damit lebenslange falsche und fatale Entscheidungen treffen, suchen Sie sich Hilfe und beschäftigen sich mit dem Thema. Die Auswahl ist nicht einfach, die Auswahl einer PKV geht nicht schnell und Beratung kostet Zeit und macht Arbeit. In meinem Beitrag vom Wochenende habe ich Ihnen den Ablauf einer PKV Beratung beschrieben.

Individuelle Beratung zu Berufsunfähigkeit und PKV – Vorbereitung auf Ihr Beratungsgespräch

Beschäftigen Sie sich zudem mit den AUSWAHLKRITERIEN einer Privaten Krankenversicherung und lesen den Leitfaden zur Privaten Krankenversicherung und schauen sich einmal den Kriterienfragebogen an. Schnell werden Sie erkennen welche Fragen notwendig sind, um eine fundierte Beratung zu erhalten. Das was Focus Money hier veröffentlicht ist fahrlässig und falsch. Würde ich als Makler so einen Mist beraten müsste ich dafür haften. Leider müssen das Journalisten nicht.

Bei Fragen nutzen Sie gern den LiveChat oder das die Kontaktseite.

Weiterführende Links:

Übrigens… wenn Sie Versicherer finden, welche mit diesem Siegel werben, dann gern hier als Kommentar posten.

08.
September '20

Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021 durch steigende Jahresarbeitentgeltgrenze


Auch in 2021 heißt es für einige Angestellte wieder zittern, für andere erfüllt sich ein Wunsch der Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse durch die eintretende Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021. Welche Gruppe von Angestellten genau davon betroffen sind und was Sie tun können, das habe ich in diesem Beitrag einmal zusammengefasst.

Versicherungspflicht für Angestellte ab 2021

Warum unterliegen nun einige Angestellte der Versicherungspflicht?

Grund für die eintretende Versicherungspflicht ab dem 01. 01. 2021 ist der Anstieg der Jahresarbeitentgeltgrenze im Jahr 2021. Diese ist bereits bekannt, auch wenn die Werte bis zur Bestätigung durch den Bundesrat noch vorläufig sind. In den letzten Jahren, gar Jahrzehnten, gab es den Fall der Ablehnung durch den Bundesrat nicht.

Die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) wird auch die Versicherungspflichtgrenze genannt und beschreibt den Wert des Jahreseinkommens, der zur Beurteilung einer Versicherungspflicht für Angestellte maßgeblich ist. Hierbei sollten Sie zudem berücksichtigen, welche –> Einkünfte zur Jahresarbeitentgeltgrenze hinzugerechnet werden.

Ab dem 01. Januar 2021 gilt für Angestellte eine neue Versicherungspflichtgrenze von 64.350 € womit diese im Vergleich zum Vorjahr 2021 erneut um 1.800 € steigt.

Schema - werden Sie am 01. 01. 2021 versicherungspflichtig als Angestellte(r)

Angestellt und ein Einkommen zwischen 62.550 € und 64.350 € brutto pro Jahr?

Dann besteht für Sie Handlungsbedarf. Unterschreiten Sie mit Ihrem Einkommen die neue JAEG und liegen damit ab dem 01. Januar 2021 (als Grundlage dient das Einkommen 2021) unter der neuen Grenze, dann werden Sie zunächst einmal versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse und müssen die private Krankenversicherung verlassen.

Falls Sie zurück in die gesetzliche Krankenkasse möchten

Eine wichtige Voraussetzung ist das Alter. Sollten Sie noch nicht 55 Jahre alt sein:

Sollte der Wechsel in die GKV gewünscht sein, so brauchen Sie erst einmal nichts unternehmen. Der Arbeitgeber informiert Sie meist nochmals und meldet Sie dann zum 01.01.2021 wieder als Pflichtmitglied an. Sie können sich dann selbst eine Krankenkasse auswählen.

Zum Eintritt der Versicherungspflicht kann die private Krankenversicherung außerordentlich gekündigt werden. Hierzu benötigen Sie den Nachweis der GKV Mitgliedschaft. Diese stellt eine sogenannte „Folgeversicherungsbescheinigung“ aus, denn nur wer die Erfüllung der Versicherungspflicht nachweist, nur dessen PKV kann auch beendet werden. Achten Sie aber hier auf Möglichkeiten einer Umwandlung in eine Anwartschaft, die Nutzung von Zusatzversicherungen und den (teilweise) Erhalt von Altersrückstellungen und lassen sich daher hier beraten.

Haben Sie das 55. Lebensjahr bereits erreicht, dann passiert das nicht wie eben beschrieben. Hier tritt dann KEINE Versicherungspflicht automatisch ein. Ein (so einfaches) Zugangsrecht in die gesetzliche Krankenkasse gibt es hier so nicht mehr. Auch hier kann noch eine Rückkehr möglich sein, dazu wenden Sie sich aber an Spezialisten, die Ihnen hier behilflich sind. Dort sind Fragen wie der bisherige Versicherungsverlauf und die Familiensituation genauer zu prüfen.

Die Suche nach der passenden Krankenkasse ist manchmal nicht ganz einfach. Keineswegs sind „alle gleich und es ist egal“. Einen Überblick über Kassen, Beiträge und Varianten finden Sie in unserem:

–> Interaktiven Vergleichsrechner für die Gesetzlichen Krankenkassen

Hier können Sie ganz in Ruhe vergleichen und die passende Kasse direkt beantragen und Ihrem Arbeitgeber mitteilen. Bitte beachten Sie noch zusätzlich: Die Auswahl der Kasse ist dann für 18 Monate bindend und kann nicht geändert werden. Beachten Sie bitte auch die Hinweise zu laufenden Behandlungen am Ende des Beitrages.

Falls Sie in der privaten Krankenversicherung bleiben möchten

Hier gibt es einiges zu beachten. In einem anderen Artikel habe ich bereits in der Vergangenheit beschrieben, was bei Eintritt der Versicherungspflicht passiert. Für das Jahr 2021 gilt dieses analog.

Versicherungspflicht durch Erhöhung der Jahresarbeitentgeltgrenze, Befreiungsmöglichkeit und Fakten

Werden Sie nur versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenkasse, weil die Grenze vom Gesetzgeber angehoben wurde, dann können Sie sich befreien lassen. Werden sie allerdings versicherungspflichtig weil ihr Einkommen sinkt, dann gibt es diese Befreiungsmöglichkeit nicht.

Zur Vereinfachung habe ich auch in diesem Jahr wieder eine aktuelle Übersicht kostenlos zum Download bereitgestellt. Hier können Sie einfach Schritt für Schritt für sich prüfen und kommen am Ende zur Antwort, ob Sie ab 2021 versicherungspflichtig werden.

Schema - werden Sie am 01. 01. 2021 versicherungspflichtig als Angestellte(r)

Wie funktioniert die Befreiung?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass sie aktiv tätig werden müssen. Dabei gelten Fristen, die sich nicht verlängern lassen und bei überschreiten eine Befreiung unmöglich machen. Daher beschäftigen Sie sich bitte rechtzeitig mit dem Thema. In meinem oben verlinkten Beitrag (hier nochmals der Link) habe ich Ihnen detailliert beschrieben, was sie wann tun müssen.

Werde ich dann nie wieder versicherungspflichtig und ist das nicht ein Risiko?

Die Befreiung von der Versicherungspflicht gilt für diesen Grund unwiderruflich und dauerhaft. Das bedeutet, bei der nächsten Anhebung der Jahres Arbeitsentgeltgrenze im Jahr 2022 tritt nicht wieder Versicherungspflicht bei Ihnen ein. Für diesen Grund (Erhöhung der Grenze durch den Gesetzgeber) kann also auch in zukünftigen Jahren nicht in die gesetzliche Krankenkasse zurück gewechselt werden.

ABER: auch hier bedarf es des genaueren Blickes eines Spezialisten. Denn Unterbrechungen, eine neue Pflicht durch zum Beispiel einen neuen Job oder dergleichen verändern die Situation hier ggf. auch noch. Bleiben Sie aber in dem gleichen Arbeitsverhältnis und wird kommendes Jahr die Grenze erneut erhöht, löst genau das keine Pflicht aus.

ACHTUNG! Alle anderen Gründe bei denen Versicherungspflicht eintreten kann und wird (zum Beispiel Arbeitslosigkeit, eine neue Tätigkeit mit einem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze oder andere Gründe) führen auch weiterhin zur Versicherungspflicht und zurückkehren in die gesetzliche Krankenkasse.

Was passiert mit mitversicherten Kindern durch meine Versicherungspflicht?

Über die Frage wo die Kinder zu versichern sind, habe ich bereits in diversen Beiträgen geschrieben. Nun kann es durch die eintretende Versicherungspflicht des zweiten Elternteils zu der Situation kommen, dass plötzlich wieder beide in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Damit haben auch die Kinder wieder einen Anspruch auf kostenfreie Familienversicherung.

Dennoch möchten einige Eltern ihre Kinder auch weiterhin in der privaten Krankenversicherung versichert lassen. Das geht auch, jedoch gibt es dann keinen entsprechenden Arbeitgeberzuschuss mehr. Wer seine Kinder (aufgrund laufender Behandlungen, bessere Leistungen oder sonstigen Gründen) weiterhin in der privaten Krankenversicherung lassen möchte, der sollte bei der Kündigung der eigenen privaten Krankenversicherung darauf aufpassen, nur seinen Anteil zu kündigen.

Die private Versicherung kann (auch wenn das einige gern behaupten) die Kinder nicht von selbst kündigen, und sie auch nicht dazu zwingen die Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern. Beachten Sie aber, es gibt hier Obliegenheitspflichten die Sie zu einer Information der PKV über die neue Situation verpflichten. Auch hier bedarf es Beratung um nicht in die Falle zu tappen.

Sie dürfen natürlich Leistungen nur einmal in Anspruch nehmen und müssen sich vor Behandlungsbeginn zwingend entscheiden welches System sie nutzen möchten. Haben Sie das getan, so spricht auch nichts gegen eine parallele Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (als kostenfreie Familienversicherung) und in der privaten Krankenversicherung (mit verbesserten Leistungen).

Gerade bei begonnen der Kieferorthopädie oder sonstigen größeren Behandlungen der Kinder, kann dieses eine durchaus sinnvolle und denkbare Option sein.

Was passiert mit bereits begonnenen und / oder laufenden Behandlungen

Vorsicht ist bei laufenden Behandlungen geboten. Für Behandlungen die bis zum Jahresende nicht beendet worden sind, endet trotzdem die Leistungspflicht der privaten Krankenversicherung. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass eine Behandlung die am 31. Dezember mittags beginnt und noch in das neue Jahr hinein dauern wird, teilweise in dem einen und teilweise in dem anderen System abgerechnet wird.

Daher ist es wichtig und richtig sich vorher über den Versicherungsschutz ab dem 1. Januar Gedanken zu machen, und sich auch vorher um die entsprechende gesetzliche Krankenkasse zu kümmern. Während das bei kleineren ambulanten Behandlungen sicherlich eher unkompliziert ist, bedeutet dass bei einem andauernden stationären Aufenthalt ein finanzielles Risiko.

Bei verordneten Medikamenten gilt in jedem Falle das Bezugsdatum. Das bedeutet, holen Sie das Medikament noch im Jahr 2020 ab, fällt es in den Versicherungsschutz für dieses Jahr. Bekommen Sie aber nur das Rezept und holen es erst im Januar ab, dann muss es von der privaten Krankenversicherung (die zum Jahresende beendet wurde) nicht mehr erstattet werden.

Weitere Informationen dazu auch im Beitrag „Rechnungs- und/ oder Behandlungsdatum“.

Entwicklung der Jahresarbeitentgeltgrenze und der Beitragsbemessungsgrenze

Zum Abschluss sehen Sie in der folgenden Grafik noch die Entwicklung der entsprechenden Grenzen. Dabei finden Sie sowohl die Jahres Arbeitsentgeltgrenze, aber auch die Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung. Hier lässt sich in den letzten Jahren sehr deutlich ein regelmäßiger Anstieg erkennen.

Bereits seit dem Jahr 2011 ist die Grenze nicht mehr gesunken oder gleich geblieben, sondern steigt in jedem Jahr kontinuierlich an. Das bedeutet auf der anderen Seite auch eine jährliche Erhöhung der zu zahlenden Höchstbeiträge in der gesetzlichen Krankenkasse, für die Privatversicherten hingegen auch eine Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses.

 

Entwicklung der JAEG, Jahresarbeitentgeltgrenze auch Versicherungspflichtgrenze und der Beitragsbemessungsgrenze BBG

05.
September '20

Rechengrößen zur Sozialversicherung 2021, neuer Arbeitgeberzuschuss 2021 und neue Jahresarbeitentgeltgrenze 2021 (vorläufig)


Wie auch in den letzten Jahren, ändern sich auch in 2021 der Arbeitgeberzuschuss 2021 und die Rechengrößen zur Sozialversicherung ab dem 01. Januar 2021. Dabei sind es auch dieses Jahr wieder vorläufige Größen, da diese noch der Zustimmung des Bundesrates bedürfen. Jedoch hatten wir in den letzten Jahren nie eine Veränderung der Werte nach Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen aus dem Referentenentwurf zur Sozialversicherungs-Rechengrößen­verordnung 2021.

Arbeitgeberzuschuss 2021, Beitragsbemessungsgrenze 2021 und alle Rechengrößen zur Sozialversicherung als Übersicht

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • – die neuen Rechengrößen zur Sozialversicherung 2021

  • – die Berechnung des Arbeitgeberzuschusses 2021 zur Kranken- und Pflegeversicherung für PKV Versicherte

  • – die Jahresarbeitentgeltgrenze 2021

  • – steigende/ neue Höchstbeträge zur gesetzlichen Krankenversicherung

  • – weitere Sozialversicherungswerte 2021

Ebenso finden Sie am Ende des Beitrages zum kostenfreien DOWNLOAD

  • – Übersicht über die Sozialversicherungswerte 2021

  • – Änderungen der Rechengrößen im Vergleich zu 2020

Die Werte ändern sich Jahr für Jahr aufgrund des gesetzlichen Automatismus und orientieren sich an dem gestiegenen Durchschnittseinkommen. Durch diese Änderungen ergeben sich im Jahr 2021 ein steigender Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung (PKV) und ebenso die neuen Höchstbeiträge der gesetzlichen Krankenkasse.

Änderungen an den Werten zur Arbeitslosenversicherung, der Pflegeversicherung und eine Änderung des durchschnittlichen Zusatzbeitrages der gesetzlichen Krankenkassen (aktuell 1,1%) ist derzeit noch nicht geplant/ bekannt.

Hinweis an Kollegen: Unverändert können diese gern genutzt und weitergegeben werden. Für eine Nutzung mit eigenem Logo oder verändert, kontaktieren Sie mich bitte vorab.

Grundlage aller Zahlen und Werte in den Übersichten ist der Referentenentwurf zu den Sozialversicherungsgrößen 2021, veröffentlicht am 04.09.2020 durch das Bundesgesundheitsministerium und der gültige durchschnittliche Zusatzbeitrag von 1,1%. Die Barfögbedarfssätze und studentischen Krankenversicherungen gelten bereits ab Oktober 2020 mit Semesterbeginn.

Wie bereits veröffentlicht, hier zunächst die kurze Übersicht mit den wichtigen Zahlen zur Sozialversicherung 2021 und die Veränderungen gegenüber 2020.Rechengrößen der Sozialversicherung 2021

Einen kostenfreien Download finden Sie:

Sozialversicherungswerte 2021 und Arbeitgeberzuschuss als Übersicht
Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung 2021

Die bisherige Grenze betrug in 2020 monatlich 4.687,50 € oder richtigerweise jährlich 56.250 €. Ab dem 01. 01. 2021 sind in der Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge bis zur neuen Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4.837,50 €/ jährlich 58.050 € zu zahlen.

Beitragsbemessungsgrenze KV 2021:

58.050 € , monatlich ab 01.01.2021 sind das dann: 4.837,50 €

ACHTUNG! Für die Berechnung des Arbeitgeberzuschuss und auch der folgenden Höchstbeträge sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Dabei bleibt es auch weiterhin bei der paritätischen Versorgung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, welche in 2019 wieder eingeführt wurde. Aus der Veränderung aller Zahlen ergeben sich daher im neuen Jahr folgende, neue Werte.

Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung in 2021

Damit verändern sich zwangsläufig weitere Werte. Der Arbeitgeberzuschuss 2021 errechnet sich demnach wie folgt:

TEIL 1: Zuschuss zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz, davon trägt der Arbeitgeber 7,3%

7,3% x 4.837,50 € = 353,14= AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2021

TEIL 2: Zuschuss zur Krankenversicherung (auf ZUSATZbeitrag)

DAZU kommt auch der kassenindividuelle ZUSATZbeitrag (dieser liegt zwischen null und 2 Prozent, der durchschnittliche ZUSATZbeitrag bei 1,1%)

Der Durchschnittliche Zusatzbeitrag wurde auf 1,1% für 2020 und kann sich in 2021 noch verändern festgesetzt. Daher ergibt sich hier ein erhöhter Zuschuss. Der berechnet sich also in 2020 wie folgt:

0,55% x 4.837,50 € = 13,30 € = AG Zuschuss zur Krankenversicherung TEIL II 2021

Zuschuss zur Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

Pflegeversicherung ZUSCHUSS berechnet sich also in 2021 wie folgt:

1,525 % x 4.837,50 € = 73,77= AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2021 (der Kinderzuschuss ist allein zu tragen)

Im Vergleich zu 2020 (Werte hier) steigt der Arbeitgeberzuschuss durch die neuen Werte Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung auf folgende Werte:

Arbeitgeberzuschuss 2021 Krankenversicherung (inkl. ZUSATZbeitrag) = 379,74 € (+11,77 €)

Arbeitgeberzuschuss 2021 Pflegepflichtversicherung = 73,77 € (+2,29 €)

Berechnung der Höchstbeiträge 2021 in der gesetzlichen Krankenversicherung

Der Gesamtbeitrag der GKV in 2020 berechnet sich dann wie folgt:

Beitrag zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz

14,6% x 4.837,50 € = 706,28 € = Krankenversicherungsbeitrag (Höchstbeitrag) Teil I

dazu kommen Krankenversicherung auf ZUSATZbeitrag

0,39% bis 2,5% x 4.687,50 € = 18,87 € bis 120,94 € = Krankenversicherungsbeitrag TEIL II (ZUSATZbeitrag) 2020

Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

KINDERLOS 3,3% x 4.837,50 € = 159,64 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2020

MIT KINDERN 3,05% x 4.837,50 € = 147,54 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2020

demnach ergeben sich folgende Höchstbeiträge:

Gesetzliche Krankenkasse ohne ZUSATZbeitrag: 706,28 €

Gesetzliche Krankenkasse mit durchschnittlichem ZUSATZbeitrag (1,1%): 53,21 €

Gesetzliche Krankenkasse mit höchstem ZUSATZbeitrag (2,5%): 827,21 €

DAZU kommt die Pflegeversicherung

Gesetzliche Pflegeversicherung OHNE KINDER: 159,64 €

Gesetzliche Pflegeversicherung MIT KINDERN: 147,54 €

Ein Arbeitnehmer über der Beitragsbemessungsgrenze zahlt somit für seine

Krankenversicherung GKV (inkl. max. der Hälfte von 1,1% ZUSATZbeitrag) max. 379,74 EUR

zzgl. als kinderloser Versicherter max. 85,86 € (73,77+12,09) in der Pflegeversicherung

= 465,60 EUR

Liegt Ihr Jahreseinkommen zwischen 62.550 € p.a. und 64.350 €, so werden Sie dadurch voraussichtlich ab dem 1. Januar 2020 versicherungspflichtig in der GKV und müssen sich auf Antrag befreien lassen. Diese Befreiung gilt nur für den einen Grund (steigende Beitragsbemessungsgrenze) unwiderruflich, mehr Informationen in meinem Beitrag „Wie kann ich in der PKV bleiben

Die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung beträgt in 2021

West: 85.200 € oder 7.100 € monatlich (in 2020 waren es 82.800 € €, ein Plus von 2.400 €)

Ost: 80.400 € oder 6.700 € monatlich (in 2020 waren es 77.400 €, ein Plus von 3.000 €)

Vollständige Werte finden sich in meiner neuen Übersicht. Diese steht zur freien Verwendung (unverändert) jedermann zur Verfügung. Download als pdf und als Grafik

Sozialversicherungswerte 2021 und Arbeitgeberzuschuss als Übersicht

31.
August '20

Kann die private Krankenversicherung ein Frühgeborenes (Frühchen) ablehnen?


Die Nachversicherung von Kindern in der privaten Krankenversicherung ist eine der wichtigsten vertraglichen Regelungen für Eltern. Durch diese so genannte Neugeborenen Nachversicherung garantiert der private Krankenversicherung den Eltern schon vor der Geburt eine Absicherung des Kindes. Der wesentliche Unterschied zu einer normalen Antragstellung liegt hierbei in den wegfallenden Gesundheitsfragen. Wer keine Gesundheitsfragen stellt, der kann auch erst mal niemanden ablehnen.

Kindernachversicherung in der Privaten Krankenversicherung – das müssen Sie beachten

Dabei gibt es bei den Neugeborenen einige wichtige Kriterien zu beachten, damit die Nachversicherung des Kindes auch reibungslos funktioniert. Insbesondere gelten hier wichtige, nicht verlängerbare Fristen, an die Sie sich halten müssen. Auch vor einigen Tagen erhielt ich eine solche Frage in dem Live Chat. Falls Sie die noch nicht kennen, das kostenlose Angebot zur Beratung via Chat habe ich in diesen Beitrag hier erklärt.

In diesem Beispiel ging es um zwei Kinder, welche vor etwa sieben Wochen bereits als Frühchen auf die Welt kam. Wie immer gibt es ohne weitere Rückfragen keine detaillierte und richtige Auskunft. Es gilt wie so oft: „es kommt darauf an“ und so entschied ich mich auch diesmal, weiter nachzufragen.

Die erste Antwort vorab: Sind alle Voraussetzungen für eine Nachversicherung des Neugeborenen erfüllt, kann ein Versicherer einen solchen Antrag nicht ablehnen. Das ist genau der Ansatz, denn hier geht es um durchaus hohe Kosten für die Geburt des Kindes/in der Kinder und damit zusammenhängend auch die Frage nach weiteren Behandlungskosten. Um das etwas detaillierter zu betrachten, beschäftigen wir uns in diesem Beitrag mit unterschiedlichen Fragestellungen.

  • Wer hat Anspruch auf die Neugeborenennachversicherung?

  • Wann muss diese beantragt werden?

  • Gilt eine solche Garantie auch in der Zusatzversicherung oder nur bei den Vollversicherten?

  • Welches besondere Risiko gibt es bei den Geburtskosten und wie vermeide ich die böse Überraschung?

  • Falls beide Eltern versichert sind, kann ich selbst aussuchen wo die Kinder hin sollen?

Sie erkennen schon, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Da ist jedoch ein hohes Kostenrisiko nach sich zieht und Fristen gibt, die unbedingt einzuhalten sind, sollten Sie sich vor der Geburt damit beschäftigt haben.

Wer hat Anspruch auf die Neugeborenennachversicherung?

Voraussetzung für eine Nachversicherung von Neugeborenen ohne neue Gesundheitsprüfung ist natürlich der bestehende Krankenversicherungsvertrag für (mindestens) einen Elternteil. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass dieser Versicherungsschutz bereits vor der Geburt besteht. Die Musterbedingungen zur privaten Krankenversicherung Regeln im Paragraphen 2 die genauen Vorgaben zum Beginn des Versicherungsschutzes. Dort heißt es:

(2) Bei Neugeborenen beginnt der Versicherungsschutz ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten ab Vollendung der Geburt, wenn am Tage der Geburt ein Elternteil mindestens drei Monate beim Versicherer versichert ist und die Anmeldung zur Versicherung spätestens zwei Monate nach dem Tage der Geburt rückwirkend erfolgt. Der Versicherungsschutz darf nicht höher oder umfassender als der eines versicherten Elternteils sein.

Hier sind also einige wichtige Voraussetzungen zu beachten.

Wann muss diese beantragt werden?

  • – Anmeldung des Kindes muss innerhalb von zwei Monaten nach Geburt erfolgen
  • – Anmeldung muss ebenfalls rückwirkend zum Tag der Geburt erfolgen

Sollten Sie also auf die Idee gekommen sein, ein gesundes Kind erst in zwei Monaten zu versichern, müssen Sie trotzdem die Beiträge für die beiden letzten Monate nachzahlen. Es gibt private Krankenversicherung, die Sonderregelungen für den Beitrag im ersten Monat haben. Jedoch geht ganz generell, nur eine rückwirkende Versicherung schützt sie vor hohen Kosten. Dazu in der übernächsten Frage weitere Informationen.

Gilt eine solche Garantie auch in der Zusatzversicherung oder nur bei den Vollversicherten?

Grundsätzlich erstreckt sich die Nachversicherungsgarantie bei Neugeborenen nicht nur auf eine Vollversicherung. So kann es durchaus sein, dass entweder beide Eltern oder zumindest eines der beiden gesetzlich krankenversichert ist. Besitzt dieses Elternteil eine Zusatzversicherung (für den stationären Bereich, für die Pflegeergänzung, oder eine Optionsversicherung für den späteren PKV Wechsel), so greift auch hier die Möglichkeit für das Kind einen solchen Versicherungsschutz nach zu versichern.

Dennoch gibt es Besonderheiten zu beachten, insbesondere sind hier „taktische“ Überlegungen sinnvoll, falls beide Eltern unterschiedliche Tarife versichert haben. Dazu in der übernächsten Frage weitere Details.

Welches besondere Risiko gibt es bei den Geburtskosten und wie vermeide ich die böse Überraschung?

Um dieses elementare Risiko zu verstehen, schauen wir uns ganz kurz die Abrechnungsmodalitäten im Krankenhaus bei der Geburt an. Wird das Kind als gesundes neugeborenes geboren, und gibt es keinerlei Krankheitsanzeichen, dann werden die Kosten der Geburt über die Krankenversicherung der Mutter abgerechnet. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, falls die Mutter gesetzlich versichert ist und der Vater (und später das Kind) in die private Krankenversicherung sollen. Dennoch werden auch in dieser Konstellation die Geburtskosten der Mutter in Rechnung gestellt.

ACHTUNG! Anders sieht es jedoch aus, wenn das Kind nicht als gesundes neugeborenes auf die Welt kommt. Dabei reicht zum Beispiel eine Diagnose wie der Verdacht auf Neugeborenen Gelbsucht bereits aus. Oftmals bestätigt sich dieser Verdacht in der Vorsorgeuntersuchung U2 oder U3 nicht mehr. Dennoch ist das Kind nicht als gesundes neugeborenes auf die Welt gekommen, die Kosten der Geburt werden somit der den Eltern in Rechnung gestellt. Damit Sie eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, es handelt sich (vorausgesetzt es sind keine frühgeborenen) um circa 2500 € für die Geburt.

Diese Kosten werden manchmal erst nach einigen Wochen den Eltern in Rechnung gestellt. Bei einer Versicherung des Kindes in der privaten Krankenversicherung ist dieses auch kein Problem. Sie reichen später die Rechnung an den privaten Krankenversicherer und diese erstattet Ihnen (oder manchmal den Krankenhaus direkt) den Betrag.

Problem: Wenn Sie einen anderen Versicherer wählen

Haben Sie jedoch einen anderen Versicherer für den Krankenversicherungsschutz des Kindes gewählt, weil es ja auf den ersten Blick gesund zur Welt kam und der andere Krankenversicherer vielleicht auf den ersten Blick günstigeren Versicherungsschutz angeboten hat, dann beginnt spätestens jetzt das Problem. Nehmen wir an sie haben sich sofort nach der Geburt um einen Antrag bei einer anderen Gesellschaft gekümmert.

Noch aus dem Krankenhaus haben Sie Ihrem Berater oder der Versicherung selbst die Untersuchungsberichte der U1 und U2 geschickt, der Versicherer hat den Antrag schnell angenommen und bereits am dritten oder vierten Tag nach der Geburt policiert. Nach einigen Wochen, bei Erhalt der Krankenhausrechnung, reichen Sie diese also bei dem Versicherer ein. Was passiert? Er lehnt die Leistung (zurecht) ab.

Denn selbst wenn der Versicherungsschutz zum Tag der Geburt policiert worden ist, entsteht eine Leistungspflicht niemals vor der Policierung. Das bedeutet in der Praxis, sie bleiben auf den Kosten für die Geburt und auch den Kosten für die ersten Vorsorgeuntersuchungen sitzen. Eine Übernahme dieser Kosten ist nur möglich, wenn das Kind bei der eigenen Krankenversicherung im Rahmen der Neugeborenennachversicherung angemeldet wird.

Gravierende Probleme in der Praxis – ein Beispiel

Auch in dem Beispiel aus dem oben genannten LiveChat ergab sich genau diese Situation. Der Vertreter der Debeka, wo das erste Kind bereits versichert war, hatte hier leichtsinniger Weise eine Nachversicherung in Aussicht gestellt. Das hat deshalb nicht funktioniert, weil die Mutter nur eine Zusatzversicherung bei der Debeka hatte. Selbst war sie in der gesetzlichen Krankenkasse versichert. Die Kinder (beides Frühchen) sind gesund geboren worden und sollten nun in der günstigeren Privaten Krankenversicherung versichert werden. Dazu wurde ein Antrag gestellt, einige Wochen später forderte die Debeka (zurecht) Gesundheitsfragen für beide Kinder an. Danach teilte dieser mit, dass man die Kinder aufgrund der Situation als Frühchen geboren zu sein nicht versichern können.

Zur Erklärung der Situation sei noch die Gesamtsituation erwähnt. Die Mutter, gesetzlich krankenversichert, besaß eine Zusatzversicherung bei der Debeka für die stationäre Ergänzung und eine Option. Der Vater war selbst krankenversichert in der privaten Krankenversicherung bei einem anderen Unternehmen. In der ersten Beratung war der Vertreter jedoch (völlig falsch) davon ausgegangen, auch für die Debeka gebe es eine Annahme Verpflichtung für eine Vollversicherung der Kinder. Diese Annahme ist jedoch falsch!

Wie Sie in der Übersicht zur Kinder Versicherung erkennen können, haben die Kinder in dieser Konstellation keinen Anspruch auf eine beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse der Mutter.

Weil es diese Familienversicherung also nicht gibt, bleibt den Kindern entweder eine beitragspflichtige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse (circa 180-190 € pro Monat und Kind) oder aber eine Versicherung in der privaten Krankenversicherung des Vaters. Ein weiterer Unterschied besteht unter anderem noch darin, dass für die Kinder in der PKV auch ein Anspruch auf Arbeitgeberzuschuss durch den Arbeitgeber des Vaters besteht, blieben die Kinder in der freiwilligen gesetzlichen Krankenkasse, besteht dieser Anspruch nicht. Entscheiden sich die Eltern aber dennoch für die Versicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse der Mutter (beitragspflichtig) so entsteht hier auch ein Anspruch auf Neugeborene Nachversicherung in den Zusatz Versicherungstarifen der Mutter.

Bei einem Optionstarif ist jedoch unbedingt darauf zu achten, wann diese Option unter welchen Voraussetzungen genutzt werden kann. Der Umweg hier die Kinder erst einmal in der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern (obwohl sie keinen Familien Versicherungsanspruch haben) und dann plötzlich die Option ziehen zu wollen, die schnell nach hinten los.

Falls beide Eltern versichert sind, kann ich selbst aussuchen wo die Kinder hin sollen?

Etwas anders gestaltet sich die Situation dann, falls beide Eltern in unterschiedlichen Tarifen der privaten Krankenversicherung versichert sind. Dann nämlich können die Eltern selbst entscheiden bei welchem Versicherer und in welchem Tarif eine solche Nachversicherung sinnvoll und gewünscht ist. Gerade im Hinblick auf Leistungsunterschiede in den unterschiedlichen Tarifen kann es hier also durchaus helfen, sich in einer Beratung den bestmöglichen Versicherungsschutz für die Kinder zu sichern.

Dabei sind nicht nur die heutigen Prämien für die Kinder interessant, sondern insbesondere der Leistungsumfang und die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit der Tarife in der Zukunft. Dabei lassen Sie sich zwingend beraten und stellen die entsprechenden Tarife und direkten Vergleich.

Weitere Beiträge zur Neugeborenennachversicherung oder Kindernachversicherung finden Sie hier.

Auch in so einem recht umfangreichen Beitrag lassen sich natürlich nicht alle Konstellationen beleuchten. Daher nutzen Sie zwingend die Möglichkeit sich ausführlich vor der Geburt über ihre Optionen zu informieren. Hinterfragen Sie Aussagen ihres Beraters durchaus kritisch, lesen Sie selbst in den Versicherungsbedingungen nach und holen Sie sich eine zweite Meinung.

In dem Fall unseres Live Chats ist das Problem noch lösbar, da die zwei Monatsfrist nach der Geburt erst in einigen Tagen endet. Auch bei den Geburtskosten ist hier Vorsicht geboten. Denn selbst wenn bereits eine Rechnung des Krankenhauses erfolgt ist und die Debeka hier als Zusatzversicherung diese beglichen hat, handelt es sich hierbei nicht um die Geburtskosten, sondern um die Kosten für die Wahlleistung der Mutter. Diese werden natürlich über die Zusatzversicherung erstattet. Die Geburtskosten für die Kinder (die in einigen Wochen abgerechnet werden) aber nicht.