Archiv für die Kategorie ‘Private KV’

19.
März '21

Württembergische PKV Modultarife – Tarifeinführung der neuen Krankenvollversicherung


Manchmal kommt es unerwartet, wie die Württembergische PKV Modultarife, welche der Versicherer aus Stuttgart veröffentlicht hat und zum 01.04.2021 offiziell einführt. Damit löst die Württembergische die alten Tarife im Bestand komplett ab. Wie und ob es Wechselrechte für Bestandskunden geben wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Schauen wir uns daher in diesem Beitrag einmal den Aufbau der Tarife genauer an.

Wer ist die Württembergische überhaupt?

Im Bereich der privaten Krankenversicherung ist die Württembergische Krankenversicherung AG jetzt nicht unbedingt als Schwergewicht der Krankenvollversicherung bekannt. Mit etwas über 22.500 Versicherten in der Krankenvollversicherung (PKV) lag das Hauptaugenmerk bisher eher auf Zusatzversicherungen. Mit dort über 420.000 Versicherten in den Zusatzversicherungen (zum Beispiel auch dem Pflegeergänzungsschutz) ist die Kundenbasis dort weitaus größer. (Alle Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2019).

Mit Einführung der neuen Vollkostentarife soll sich das nun aber ändern.

Württembergische PKV Modultarife – Tarifstruktur der Modultarife

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Kompakttarifen (in denen ambulante, stationäre und zahnärztliche Leistungen in einem Tarif enthalten sind), hat sich die Württembergische hier anders entschieden. Ähnlich wie einige andere Unternehmen (zum Beispiel die SDK, LKH, Alt Oldenburger oder Universa) nutzt die Württembergische in den neuen Modultarifen Bausteine, oder Module, wie der Name schon sagt.

Dabei gibt es insgesamt zehn (oder eigentlich acht, wenn man ambulant mit dem Zusatz Hausarzt nicht extra zählt) Module, welche sich der Kunde mit seinem Berater selbst zusammenstellen kann. Das ist generell nicht ungewöhnlich und auch nicht von besonderem Vor- oder Nachteil gegenüber den Kompakttarifen. Denn auch bei Kompakttarifen bieten Gesellschaften heute mit umfangreichen Wechseloptionen (hier sei beispielhaft die Barmenia mit dem aktuellen Tarifwerk genannt)an und ermöglichen somit eine Anpassung des Schutzes. Wie gut diese Wechseloptionen, welche die Württembergische in Modulwechsel und „Besondere Umstellungsrechte“ teilt, dann am Ende tatsächlich sind, das schauen wir uns später genauer an.

Im Wesentlichen sieht der Aufbau der Tarife wie folgt aus:

Wuerttembergische PKV Modultarife

Württembergische PKV Modultarife – Tarifbedingungen

Basis dieses Beitrages und meiner Aussagen sind die mit vorliegenden Tarifbedingungen der Württembergische Krankenversicherung mit Stand 01.2021. Die Bedingungen finden Sie auch als markierte und kommentierte Variante im Downloadbereich, ebenso als Originalversion.

  • – Württembergische: AVB Teil I und II für die Krankheitskosten- und Krankenhaustagegeldversicherung, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Allgemeiner Teil, Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Ambulant Premium (A1+A1H) und Kompakt (A2+A2H), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Stationär Premium (S1), Komfort (S2) und Kompakt (S3), Stand 2021
  • – Württembergische: AVB Teil III, Besonderer Teil Zahn Premium (Z1), Komfort (Z2) und Kompakt (Z3), Stand 2021
  • – Württembergische: Sonderbedingungen zur Beitragsentlastung im Alter (SBVU/SBZU), Stand 2021

Alle weiteren Dokumente können Sie im Downloadbereich als pdf kostenfrei herunterladen.

Zum schnelleren Download finden Sie hier die AVB Würtembergische Modultarife im Original Bedingungsheft und hier mit meinen Kommentierungen, Markierungen und Anmerkungen in der „gelesenen“ Version der AVB Württembergische Modultarife.

Allgemeine Versicherungsleistungen nach Teil I und II – Ausland, Neugeborene, Mindestlaufzeiten

Grundlage zunächst für alle Tarife, sind die Versicherungsbedingungen des Teil I und II, welche dann durch die weiteren Regelungen in Teil III erweitert und ergänzt werden. Versicherungsfähig sind demnach alle Personen, welche Ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben. Dabei ist zu beachten, wird eine Vollversicherung erst nach Wegzug beantragt, ist die Person nicht mehr versicherungsfähig. Ist die Person aber bereits versichert, so besteht auch Versicherungsschutz im Ausland. Dabei wird zwischen dem vorrübergehenden Auslandsaufenthalt und der Verlegung des Wohnsitzes unterschieden.

Für die ersten sechs Monate eines vorübergehenden Auslandsaufenthaltes leistet die Württembergische auch ohne weitere oder besondere Vereinbarungen. Wichtig und richtig ist somit auch die Formulierung, dass sich der Versicherungsschutz über diese Zeit verlängert, fall die versicherte Person die Rückreise nicht antreten kann. Hier spricht die Württembergische aber nicht von „allein aus medizinischen Gründen“. In den letzten Monaten haben wir durchaus lernen müssen, dass Ausreisen aus bestimmten Regionen der Welt auch lange nicht möglich waren, dieses wäre hiermit dann solange abgedeckt, bis die Person wieder eine Rückreisemöglichkeit hat.

Wird aber der gewöhnliche Aufenthalt ins Ausland verlegt (wohlgemerkt nach §1 (5) nur INNERHALB des Europäischen Wirtschaftsraumes, so ist ein Auslandszuschlag fällig, welcher erstmal unbestimmt ist. Voraussetzung auch hier, der Kunde muss es innerhalb der ersten sechs Monate bei dem Versicherer beantragen, der Zuschlag fällt dann ab dem 7. Monat an. Bei Rückkehr nach Deutschland und Rückverlegung des Wohnsitzes gelten wieder die alten Bedingungen und der Zuschlag entfällt. Auch für Kriegsereignisse besteht solange im Ausland Versicherungsschutz, wie bei Reiseantritt keine Reisewarnung vorgelegen hat. (§5 (1)). Wird nach §15 (3) der Wohnsitz außerhalb des EWR verlegt, so kann auch hier der Versicherte eine Vereinbarung mit Beitragszuschlag verlangen.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt bei der Württembergischen, wie bisher, zwei Jahre. Eine Kündigung ist ordentlich mit dreimonatiger Frist möglich. Besteht hingegen Arbeitslosigkeit oder vorübergehende Familienversicherung, so kann der Versicherer bis zu 6 Monaten ein Ruhen vereinbaren, danach ist der Abschluss einer Anwartschaftsversicherung wie üblich möglich.

Bei Neugeborenen besteht auch hier eine Nachversicherungsgarantie, so dass Ihr Kind ohne Gesundheitsfragen aufgenommen und auch rückwirkend ab Geburt versichert ist. Dabei beginnt der Versicherungsschutz ab VOLLENDUNG der Geburt. Eine Nachversicherung ohne Gesundheitsfragen ist nur dann möglich, wenn die Eltern eine dreimonatige Vorversicherungszeit erfüllt haben, oder bei Vertragsschluss des versicherten Elternteils die 20. Schwangerschaftswoche noch nicht erreicht war.

Die Wartezeiten entfallen bei Abschluss einer Krankenvollversicherung generell. Möchte der Versicherer (oder muss) er den Beitrag anpassen, so bedarf es hierbei einer Gegenüberstellung der Kosten, welche sich im 5% unterscheiden muss. Diese geringeren Prozentsätze (in alten Bedingungen sind manchmal noch 10% enthalten) ermöglichen eine schnellere Reaktion.

Tarifleistungen etwas detaillierter

Im Wesentlichen konzentriere ich mich auch in dieser Beschreibung auf den Premiumschutz, erwähne aber in Details die Beschränkungen in anderen Tarifbausteinen und gebe Hinweise dazu. Generell sorgen die Wechselrechte zumindest für einige Verbesserungsoptionen und auch die Rückkehrmöglicheiten, welche ich im Detail unten unter „Optionsrechte“ erkläre.

Ärztliche und zahnärztliche Honorare

In der Premiumvariante sind bei den ärztlichen und zahnärztlichen Honoraren die Kosten auch ÜBER die Höchstsätze der jeweiligen Gebührenordnung hinaus erstattungsfähig, solange eine gültige Honorarvereinbarung vorliegt. Die 100% Leistung für Arzthonorare berücksichtigt (mit extra Nennung) ebenso Leistungen aus Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Laborgemeinschaften, Radiologischen Zentren oder ärztlichen Akutdiensten. Bei Heilpraktikern ist die Erstattung jedoch selbst im Premiumtarif auf 80% und zusätzlich auf 2.000 € pro Versicherungsjahr begrenzt. Wer im Komforttarif versichert ist, bekommt für die Heilpraktikerbesuche ebenfalls 80%, aber max. 500 € pro Jahr.

Nährmittel sind bei Vorliegen einer Enzymmangelkrankheit oder Mukoviszidose ebenso erstattungsfähig, wie generell die enterale und parenterale Ernährung. Voraussetzung ist hier immer die med. Indikation, dass eine Nahrungsaufnahme normal nicht mehr möglich ist, aber aus „Spaß“ macht das auch tatsächlich niemand. Selbst an die Mittel zur Regulierung der erektilen Dysfunktion hat der Versicherer gedacht, und definiert hierfür enge, aber klare Kriterien wann diese Mittel erstattungsfähig sind. Unter Punkt 1.3 der Ambulanten Bedingungen finden Sie die Aufzählung der Krankheitsbilder.

Hilfsmittel und Sehhilfen

Brillen, besser Sehhilfen sind je nach Tarifstufe bis 400 € (Premium oder Komfort 250 €) innerhalb zwei Jahren erstattungsfähig. Sollten Sie Ihre Augen einer Laserbehandlung unterziehen wollen, stehen hier nach definierten Kriterien von 2.000 € pro Auge innerhalb von 10 Jahren (Premium) bis 500 € (Komfort) zur Verfügung. Zusätzlich greifen hier Leistungsgrenzen in den ersten drei Jahren, die eine gezielte Inanspruchnahme direkt nach Wechsel in die PKV verhindern soll.

Wichtiger und meist auch deutlich kostenintensiver sind andere Hilfsmittel, auch wenn deren Eintrittswahrscheinlichkeit geringer sein mag. Dabei sind neben lebenserhaltenden Hilfsmitteln, Körperersatzstücken, Hörgeräten und mehr, auch der Blindenhund und die Allergiker Bettwäsche extra genannt. Für einige Hilfsmittel gelten bestimmte und definierte Höchstgrenzen in Euro, welche bei Beitragsanpassungen in der Zukunft angepasst werden können. Wann  und in welchem Umfang eine solche Anpassung von absoluten Eurobeträgen erfolgt, kann der Kunde allerdings nicht planen.

Bei orthopädischen Schuhen wird ein, wie ich finde vertretbarer, Eigenanteil von 70 € für normales Schuhwerk abgezogen. Ebenso sind Apps welche als Medizinprodukt zertifiziert sind ebenso zu erstatten, wie Kommunikationshilfen wie Gebärdendollmetscher bei entsprechender Indikation.

Vorsicht ist aber geboten bei einer interessanten anderen Formulierung. In 1.5 der ambulanten Bedingungen heißt es:

„Nicht erstattungsfähig sind Hilfsmittel, für die die Pflegepflichtversicherung leistungspflichtig ist.“

Klar ist, warum solche Formulierungen getroffen werden, damit keine Doppelleistung anfällt und auch, weil die Kosten dann auf die Pflegeversicherung „abgewälzt“ werden sollen. Diese Regelung hat ein anderer, großer Versicherer auch in den Bedingungen und vor Abschluss sollten Sie zumindest die Formulierung kennen und mögliches Streitpotential abschätzen können.

Generell gilt bei Hilfsmitteln eine Erstattung von 80%, welche sich auf 100% erhöht, wenn: – der Versicherer mit der Beschaffung beauftragt wird, – das Hilfsmittel nicht mehr als 1.000 € kostet oder im Rahmen eines akuten Notfalls beschafft wird, oder es sich um eine erstattungsfähige Perücke handelt. (bei Chemotherapie oder kreisrundem Haarausfall).

Psychotherapie, Vorsorge, ambulante Operationen

Bei der Psychotherapie gibt es eine recht interessante Formulierung. Die Anzahl der Sitzungen, welche bei der Premiumvariante auf 100% für 60 Sitzungen begrenzt ist, beschränkt sich auf den Behandlungsfall und nicht das Jahr. Wer also an einem Versicherungsfall wie einer langwierigen Depression leidet, der muss nach 60 Sitzungen (auch wenn es über Jahre geht) eine entsprechende Zusage einholen. Diese wird laut Bedingungen erteilt, wenn die Behandlung (weiter) medizinisch notwendig ist, muss und sollten Sie aber vorher wissen. In der untersten Tarifstufe werden 5 probatische Sitzungen zu 100%, danach 30 zu 80% erstattet, bevor weitere Genehmigungen nötig sind.

Eine Besonderheit für die Selbstbeteiligung gilt bei ambulanten Operationen. Hier wird auf die Anrechnung der SB verzichtet, solange diese im Katalog stationsersetzender Operationen genannt ist. Damit kann eine solche OP auch ohne Abzug von Eigenanteilen durchgeführt werden.

Ähnliche Regelungen gibt es bei den Vorsorgeuntersuchungen. Hier werden im Premiumtarif bis zu 1.000 € pro Jahr nicht auf SB und Beitragsrückerstattung angerechnet. Dazu gehören neben ambulanten Vorsorgeuntersuchungen auch Impfungen, selbst dann, wenn diese aus Anlass einer Auslandsreise durchgeführt werden. Präventionskurse sind bis zu einem Betrag von 150 € on Top erstattungsfähig, solange Sie mind. 80% Teilnahme nachweisen können. Selbst im Komforttarif sind es immerhin noch bis zu 500 € pro Jahr.

Hausarztmodell, Generika Regelung

Die Tarifvarianten generell unterscheiden sich im ambulanten Bereich nach Premium und Komfort und existieren jeweils noch in einer Hausarztvariante. In letzteres gilt nur dann eine 100% Erstattung, wenn die Behandlung unter den Haus-/Primärärzten begann. Wer sich nicht daran hält, der kürzt seine Erstattung auf 70%. Ähnliche Einschränkungen gelten für Medikamente. Im Hausarzt Premium erfolgt für die ersten 2.500 € nur eine 70% Erstattung (also zusätzlich 750 € max. Eigenanteil, es sei denn Patienten nutzen Generika, dann gilt diese Einschränkung nicht.

Stationäre Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Fangen wir hier eher von unten an, da die Tarife dann aufeinander aufbauen. Der stationär Kompakt (S3) leistet, wie die drei schon vermuten lässt, das Mehrbettzimmer in der stationären Versorgung. Dabei sind auch hier nur die Regelleistungen, also durchaus zu vergleichen mit einem gesetzlichen Versicherungsschutz in der Tarifleistung enthalten. Auch hier werden jedoch auch Belegärzte, Hebammen und Leistungen für Begleitpersonen für bis zu 16-jährige Kinder genannt.

Bei einer Aufnahme in eine gemischte Anstalt ist hier, wie mittlerweile üblich, keine Meldung oder gar Zusage vorher nötig. Leistungen für eine stationäre Anschlussheilbehandlung sind dann erstattungsfähig, wenn der Versicherer vorher zugesagt (wird er laut Bedingungen bei med. Notwenigkeit) hat und wenn diese binnen 4 Wochen (oder fall med. Gründe dagegen sprechen auch später) beginnt. Ähnliche Regelungen finden sich für die Stationären Rehabilitationen. Bei Kuren sind die Kosten auf 3.000 € innerhalb von drei Versicherungsjahren begrenzt, aber enthalten. (die 3.000 € gelten auch in der Premium S1 Variante)

Wie auch im ambulanten Bereich, ist auch die Palliative Medizin versichert. Hier orientiert sich die Württembergische an der GKV und leistet bis zu deren Aufwendungen mit 100%.

Bei Krankentransporten, welche bei Notfällen, der Erstversorgung oder Geh-, Seh- oder Fahruntauglichkeit im Umkreis von 100km erstattet werden, gibt es auch hier Ausnahmen. Sollte kein Krankenhaus geeignet sein, so darf „die Reise auch weiter gehen“. Private Krankenfahrten sind hingegen auf 300 € pro Jahr begrenzt und werden mit 0,30 € pro km abgerechnet. Im Premiumtarif liegt hier die Grenze bei 500 €. Zudem ist dort auch die Kostenübernahme für Wunschverlegungen in ein anderes Krankenhaus (wenn es keine Intensivbetreuung braucht) versichert.

Stationäre Kurzpflege, Rücktransport, Bergungen

Auch wer nicht pflegebedürftig ist, kann einen Bedarf an einer kurzen Pflege haben. Dieses passiert zum Beispiel nach einer Krankenhausbehandlung oder einer ambulanten OP, aber auch bei akuter Verschlimmerung einer Krankheit. Der Punkt 9 des S1 regelt auch hier die Grundlagen und bietet eine Erstattung von 100% nach den vorhandenen Kriterien an.

Wer aus dem Ausland zurück nach Deutschland transportiert werden muss, der kann das nicht nur bei medizinischer Notwenigkeit, sondern auch bei medizinisch sinnvollen Krankentransporten. Dieses kann aus psychologischen Gründen sinnvoll und angeraten sein. Ein solcher Transport muss medizinisch organisiert und die Transportfähigkeit vorher bescheinigt sein.

Bergungskosten sind bis 15.000 €, die Überführungskosten eines Verstorbenen bis 10.000 € bedingungsgemäß versichert.

Stationäre Wahlleistungen – Einbett, Zweibett, Privat-/ Chefarzt

Im Gegensatz zum Kompakt, bietet die Stationär Komfort bereits den Schutz für Wahlleistungen. So wird hier das Zweibettzimmer bzw. der Zuschlag hierfür bedingungsgemäß erstattet, ebenso die privatärztliche Leistung und diese auch über die Höchstsätze bei entsprechender Honorarvereinbarung.

Wer sich für die Premiumvariante entscheidet (S1), der kann sich auch im Einbettzimmer mit einer entsprechenden Kostenerstattung behandeln lassen. Steht ein solches nicht zur Verfügung, so werden entsprechende Ersatzkrankenhaustagegelder von 50 oder 20 € geleistet, um dieses auszugleichen.

Zahnärztliche Leistungen in dem Premium, Komfort und Kompakt Bausteinen

Auch hier existieren drei unterschiedliche Tarifmodelle. Wir schon aus den beiden anderen Leistungsgruppen bekannt, folgen diese auch der Logik unterschiedlicher Leistungen.

100% Zahnbehandlung in allen Tarifvarianten. Hier werden (unter Punkt 1.3) die Zahnbehandlung und auch diverse prophylaktische und konservierende Leistungen genannt, dazu gehören auch Inlays, Aufbissschienen etc. Die Kosten für Zahnvorsorge hingegen staffelt sich von 500 € pro Jahr in der besten Tarifvariante bis 300 € im Kompakt. Zudem werden diese Leistungen nicht auf die Beitragsrückerstattung angerechnet.

Danach geht es aber in die Unterschiede. Während der Premium eine Zahnersatzleistung bis 90% vereinbart, liegt es in den anderen Tarifen bei 75% im Komfort- und 60% im Kompakttarif. Eine solche Leistung lässt sich jeweils um 5% erhöhen, wenn Partnerlabore genutzt werden.

Bei der Kieferorthopädie variieren die Erstattungen (unter vorher definierten Regeln siehe 1.5.) von 90/70% im Premium bis hin zu 60/50% in dem Kompakt Tarif. Der zweite Prozentsatz ist der, wenn kein Heil- und Kostenplan vor Handlung vorliegt. Zu beachten auch, diese Kosten sind generell nur bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres erstattet werden. Ausnahmen bei Erwachsenen bestehen nur bei Unfall oder schweren Kieferanomalien.

Zudem genau zu beachten sind die Erstattungsgrenzen in den ersten Jahren. Während bei dem Premiumtarif diese mit 1.000/ 2.000/ 3.000 und 4.000 € in den ersten vier Jahren durchaus vertretbar sind, sollten Sie sich diese im Kompakt mit 600 bis 2.400 € in den ersten vier Jahren genau überlegen. Die Höchstgrenzen gelten sowohl für Zahnersatz, aber auch für Kieferorthopädie.

Auch bei den Zahntarifen besteht ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung, zum Beispiel nach einer Behandlung mit Betäubung. Hierbei gelten 100-300 € pro Jahr bei Privatfahrten als zusätzliche Obergrenze. Gerade bei dem Einsetzen von Implantaten oder Zahnbehandlungen mit Betäubung oder dem so genannten Dämmerschlaf, besteht oft direkt danach noch eine Fahruntüchtigkeit.

Optionsrechte und Wechselmöglichkeiten

Im Teil III des Allgemeinen Teils regelt die Württembergische auch die Optionen zur Verbesserung des Schutzes. Während eine Reduzierung der Leistung (als der Tarife oder aber eine Steigerung der Selbstbeteiligung) immer möglich ist, bedarf eine Verbesserung der Leistung oder die Vereinbarung einer kleineren Selbstbeteiligung normalerweise einer neuen Gesundheitsprüfung. Da diese im Alter oder auch im Vertragsverlauf generell schwieriger sein kann, hat auch die Württembergische hier Optionsrechte eingebaut. Diese unterscheiden sich in zwei Bereichen.

Modulwechseloption (I.2. AVB)

Zunächst sei nicht unerwähnt, dass dieses Modulwechselrecht nur bis zum 50. Lebensjahr besteht und der Anlass bis zu diesem Termin eingetreten sein muss. Wer von einer selbstständigen zu einer Angestelltentätigkeit wechselt (nur in diese Richtung), der kann den Versicherungsschutz verbessern. Dabei muss der jeweilige Antrag innerhalb von drei Monaten gestellt werden.

Ein weiteres Optionsrecht zur Verbesserung des Schutzes besteht nach Ende des dritten oder fünften Versicherungsjahres. Dabei ist wichtig zu erwähnen, für Kinder, welche ohne Gesundheitsprüfung über die Kindernachversicherung zum Versicherer kamen, gelten diese Rechte nach dem 3. und 5. Jahr nicht.

Sonst besteht das Wechselrecht bei Änderung des beruflichen Status jedoch auch für mitversicherte Kinder, wenn die Eltern gleichermaßen wechseln.

Besonderes Umstellungsrecht (I.2. AVB)

Neben den Modulwechselrechten bestehen noch weitere Umstellungsrechte. Dabei geht es im Wesentlichen um eine RÜCKumstellung nach einer Reduzierung des Versicherungsschutzes bei Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Sabbatical oder auch der beruflichen Reduktion auf eine Teilzeitstelle. Zum Ende des Ereignisses, spätestens aber EIN JAHR nach Reduzierung, ist somit die Rückkehr in den alten Schutz wieder möglich.

Lediglich bei Reduzierung aufgrund des Wechsels von Angestelltentätigkeiten zu selbstständiger Tätigkeit beträgt die Frist drei statt eines Jahres.

Elternzeit, Kinderkrankengeld und besondere Leistungen

Auch an eine Beitragsfreistellung bei Elternzeit hat die Württembergische gedacht und diese in den Tarif aufgenommen. Dabei wird in den ersten sechs Monaten des Bezuges von Elterngeld der Versicherungsschutz von der Beitragszahlung befreit, wenn innerhalb von zwei Monaten der Bezugsbeginn nachgewiesen wird. Ausgeschlossen ist es nur dann, wenn bereits bei Antragstellung Schwangerschaft bestand oder die Entbindung schon stattfand.

Im Premiumtarif findet sich auch eine Leistung bei Erkrankung eines Kindes. Diese ist eher ein Witz und Marketinggag, hat aber wenig bis nichts mit wirklicher Leistung zu tun. Hier bietet der Versicherer 200 € PAUSCHAL an, wenn das Kind auch bei der Württembergischen versichert ist UND die Krankschreibung mit dem Kind mindestens 5 Tage dauerte. Zudem wird max. zweimal pro Jahr diese Pauschale gezahlt. Sorry liebe Württembergische, aber das bringt im Leistungsfall mehr Frust als Freude. 200 € pauschal und das nur, wenn lange krank, ernsthaft?

Leistungen bei Palliativtherapie, Versorgung in Hospizen sowie auch Leistungen bei Nichtärztlicher Osteopathie haben dagegen Ihren Weg sauber in die neuen Bedingungen gefunden. Natürlich gibt es auch hier Begrenzungen (zum Beispiel im Premiumtarif max. 8*80 € für die Osteopathie), weiterhin sind die erstattungsfähigen Behandler in Punkt 1.20 genauer definiert und zu beachten.

Kinderwunschbehandlung wird in den Punkten 1.23 geregelt und leistet bis zu 8 Inseminationen oder 3 IVF Maßnahmen, auch hier gelten Vorgaben wann genau eine Leistungspflicht, bis zu welchem Alter, besteht. Dieses sollten sich Versicherte genauer anschauen, wenn es Bedarf gibt und natürlich vor Abschluss. In den ersten drei Versicherungsjahren ist zudem je nach Ambulanttarif auf 2.500 € (Premium) bis hin zu 1.800 € (Komfort) begrenzt.

Haushaltshilfen werden bis zu 100% und max. 6 Wochen (15 € / Std. und 80 pro Tag max.) geleistet. Hierbei ist zu beachten, dass die zeitliche Begrenzung auf den Versicherungsfall, nicht auf das Jahr begrenzt ist. Eine ähnlich eigenwillige Formulierung haben wir vorhin schon bei der Psychotherapie gesehen.

Weitere Leistungen wie Soziotherapie, Frühforderung bei Kindern und weiteren Bausteinen in der Leistung, finden Sie in den Bedingungen der Tarife detailliert erklärt.

Beispielprämien

In unserem Fall nehmen wir einen 30jährigen Musterkunden. Dabei setzen sich die Preise nach den Bausteinen zusammen. In der höchstmöglichen Kombination ergeben sich hier:

A10: 403,79
S1: 162,97
Z1: 88,60
PVN: 36,90
gesetzl. Zuschlag: 65,54
Gesamtbeitrag: 757,80 Euro

DAZU kommt noch der Beitrag für das Krankentaggeld (dabei kosten 100 € Tagessatz hier 34,20 €)  in entsprechender Höhe.

Wer sich hingegen für die höchste SB Stufe (die so bei Angestellten aus AG Zuschuss und Steuergründen nur so mittelmäßig sinnvoll ist) entscheidet, dessen Gesamtbeitrag reduziert sich um 156 auf 247,14 € für den Baustein (plus gesetzlichen Zuschlag). Damit rechnet sich diese Option eher nicht. Auch wenn der Betrag erstmal eine höhere Ersparnis verspricht, der nicht durch die Eigenbeteiligung von 1.440 € „aufgefressen wird“, ist es in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Grund sind hier Steuern, Arbeitgeberzuschuss und damit verbundene Effekte.

Dieses sind beides jedoch nur erste Beispielprämien, Beiträge für Kinder und andere Kombinationen sind noch nicht berechenbar und folgen gern nach dem 1.April. Mir liegen nunmehr auch die vollständigen Prämien vor.

Schauen wir uns daher die Kombinationen bei Kindern an:

Kinder zwischen 0 und 15 gelten als eine Altersstufe. In der besten Absicherung fallen hierfür folgende Prämien an:

Ambulant Premium OHNE SB: 130,25 € (bei 480 SB (wird noch halbiert) dann 100,99 €)
Stationär Premium: 46,20 €
Zahn Premium: 62,57 €
= GESAMT: 239,02 €
bei der SB Variante sind es insgesamt 209,76 €

Jugendliche im Alter ab 16 bis 20 zahlen ohne SB 269,60 € in der Kombination Premium, mit SB dann 236,53 €.

Für wen eignen sich die Tarife?

Zunächst muss ein Versicherungsschutz immer zu der Person passen. Das bedeutet auch, ein Tarif ist (bis auf wenige besondere „Kandidaten“) niemals generell gut oder schlecht. Die Tarife bieten eine gewisse Art von Flexibilität bei besonderen Situationen, wenn eine Reduzierung des Schutzes geboten ist. Danach sichern diese bis zum 50. Lebensjahr eine einfache Rückkehr in den neuen Schutz.

Eine besondere Option ist dieses aber am Ende dennoch nicht. Hier fehlen flexiblere Modelle zur Anpassung des Schutzes auch in den kommenden Jahren ohne Ereignis. Aber bekanntlich ist alles Gute nie beisammen. Ob der Versicherer nun zu Ihnen passt und wie die Alternativen am Markt aussehen, dass bleibt wie immer einer Beratung vorbehalten und pauschale Tipps sind nicht möglich.

Unter den Auswahlkriterien oder aber auch der Beratungsseite zur PKV finden Sie weitere Informationen und Fakten und eine Menge Fragen mit denen Sie sich vor einer Anfrage zur PKV beschäftigen sollten.

Für wen eignen sich die Tarife nicht?

Beamte und Beamtenkinder, bzw. solche die es mal werden wollen. Die Württembergische bietet keine Beamtentarife. Nun kann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie Beamtin oder Beamter werden will. Aber was, wenn Sie die Partnerin/ den Partner ihres Lebens treffen und die Kinder im Rahmen einer Kindernachversicherung versichern wollen? Das ist nicht ein alleiniger Grund den Schutz nicht zu nutzen, aber, es ist eine Überlegung wert.

Dabei bleibt aber der Fairness halber zu erwähnen, dass ein Kind bekanntlich zwei Eltern hat und es sich so auch einen Schutz über die Neugeborenennachversicherung der Mutter oder des Vaters sichern kann, der / die woanders versichert ist.

Auch der Schutz über Optionstarife ist ein vorher lösbares Problem.

Württembergische PKV Modultarife – Fazit

Die Württembergische hat mit den neuen Tarifen sicher einen großen Schritt nach vorn gemacht. Dabei sind niemals alle guten Dinge beisammen und Formulierungen bei diversen Bereichen, darunter Psychotherapie, Wechselrechte, Hilfsmittel und einige mehr sind sicher zu diskutieren. Bestehende Kunden bei der Württembergische sollten sich die neuen Tarife als Wechseloptionen durchaus (auch mit neuer Risikoprüfung) ansehen.

Sobald mehr Prämien verfügbar sind, können wir hier auch weiter etwas mehr zur Markteinordnung sagen. Mit den derzeitig bekannten Prämien in der Premiumkombination sieht es jedoch durchaus gut positioniert aus.

Im Bereich der Prämien für Kinder ist hier zu erwähnen, es handelt sich um einen hochwertigen Schutz, welcher seinen Preis hat. Nehmen wir jedoch eine „mittlere“ Leistungsvariante für Kinder, wie den Tarif Esprit vom Deutschen Ring/ Signal Iduna, so müssen wir diesen auch mit anderen Bausteinen vergleichen. Eine denkbare Kombination wäre dabei dann

Ambulant Komfort, Stationär Komfort (2 Bett) und Zahn 2: 158,47 € und damit wieder „näher an den“ 138 € des Esprit und auch besser vergleichbar. Zudem sind auch die Kriterien zur Kinderalleinversicherung zu beachten.

16.
März '21

Anwartschaft oder Optionstarif – wo liegt der Unterschied und was passt für wen?


Wer sich mit dem Thema der heutigen oder zukünftigen Gesundheitsvorsorge beschäftigt, der kommt für sich und die Kinder um Fragen zur Anwartschaft oder Optionstarif nicht drum herum. Dabei haben beide Produkte etwas gemeinsam, unterscheiden sich aber zum anderen auch grundsätzlich. Je nach Anwendungsfall sichern beide ein bestimmtes Ziel ab.

Als Teil meiner Serie: Leserfragen aus dem LiveChat, schauen wir uns heute diese beiden Formen der Absicherung an. Nachdem es bei Fragen wie „Kann ich als Kassenpatient in eine Privatpraxis?„, „Darf mich die PKV bei hohen Kosten rauswerfen?“ um praktische Beispiele ging, behandelte ich bei der Frage nach Karenzzeiten Basiswissen. Hierzu gehört auch die Frage „Anwartschaft oder Optionstarif„? Wie immer geht es erst einmal um Grundlagenwissen. Bevor wir also bewerten und beschreiben können was für wen passt, schauen wir uns erstmal an, worüber wir überhaupt reden.

Anwartschaft oder Optionstarif – Basiswissen

Anwartschaft – was ist das?

Als ich die Frage heute bei twitter gestellt habe, hat Kai geantwortet: „Anwartschaft ist ein ruhendes Vertragsverhältnis“. Das trifft es schon gar nicht so schlecht. Auch hier im Glossar habe ich es im Wesentlichen so geschrieben. Eine Anwartschaft ist ein ruhendes Vertragsverhältnis welches vor, zwischen oder nach einer „normalen“ Privaten Krankenversicherung bestehen kann.

Ganz einfach kann man auch sagen: Sie zahlen für einen Versicherungsschutz, welcher nicht leistet. Das klingt jetzt jedoch negativ und so ist es gar nicht. Mit einer Anwartschaft auf eine private Krankenversicherung lassen sich mehrere Ziele erreichen. Klar muss sein, eine Anwartschaft existiert in unterschiedlichen Varianten. Dabei muss nicht jede Gesellschaft beide Modelle anbieten.

Durch eine Anwartschaft ruht ein „normales Vertragsverhältnis“, welches sonst einen Versicherungsschutz gewähren würde und erhält dem Versicherten seine Rechte. Wer also einen Vertrag „in Anwartschaft“ umstellt, weil zum Beispiel für ein paar Monate Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse eingetreten ist, der möchte ja nicht danach wieder „von Null anfangen“. Also keine neuen Gesundheitsfragen beantworten müssen, keine Altersrückstellungen verlieren und somit einfach den Vertrag „ruhen lassen“.

Aber: Eine Anwartschaft ist tarifbezogen. Sie entscheiden, oder entschieden sich in der Vergangenheit, sich für einen Tarif, der ruht nun und in den kehren Sie dann zurück. Anwartschaft groß oder klein

Anwartschaft – warum gibt es große und kleine Anwartschaften?

Bei der Anwartschaft gibt es zwei Modelle. Eine so genannte „große Anwartschaft“ und dann natürlich auch eine „kleine“. Fangen wir zunächst mit den Gemeinsamkeiten an. Mit beiden Anwartschaften „frieren Sie Ihren Gesundheitszustand ein“. Das bedeutet also, nutzen Sie eine Anwartschaft heute und können sich erst ab dem 1.1. des Folgejahres privat versichern, so ist es egal, ob Sie bis dahin krank sind oder werden. Eine neue Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Ebenso ist es, falls Sie heute privat versichert sind und durch Arbeitslosigkeit zurück in die GKV müssen. Mit einer Anwartschaft sichern Sie das Recht, nach Ende der Versicherungspflicht wieder in die Private Krankenversicherung zurückkehren zu können und keine neuen Gesundheitsfragen zu beantworten.

Bei einer kleinen Anwartschaft war es das nun auch schon. Also, der Sinn einer solchen Absicherung ist, den Gesundheitszustand nicht weiter prüfen zu müssen.

Die große Anwartschaft hingegen kann noch etwas mehr. Diese sichert neben dem Gesundheitszustand auch das Eintrittsalter und bildet damit weiterhin (oder schon vor Vertragsbeginn der Voll-KV) Alterungsrückstellungen. So können Sie auch im kommenden Jahr noch ein Jahr jünger in die PKV wechseln.

Grund für dieses Privileg sind die Altersrückstellungen, welche Sie mit der Prämie für die große Anwartschaft bezahlen. Damit ist diese auch deutlich teurer im Vergleich zur kleinen Anwartschaft.

Die Anwartschaft ist zudem an einen Zeitpunkt und ein festes Ereignis gebunden. Welche Probleme es geben kann, wenn dieser verpasst wird, das können Sie in dem Beitrag zur Central und der Anwartschaft nachlesen.

Optionstarif – was ist das?

Auch in der Vergangenheit gab es schon Optionstarife, wenn auch nicht so „schöne“ wie die, die wir heute kennen. Aber zunächst auch hier einmal die Frage, was so ein Optionstarif denn überhaupt kann und soll.

Auch hier wieder eine Twitterantwort, diesmal von Pierre. „Bei einem optionstarif kaufe ich, meist die Pflicht, bei nächster Möglichkeit, zum Gesundheitsstatus bei Abschluss, mich bei dieser Gesellschaft zu versichern.“ Fast…

Der Optionstarif bringt mir ein RECHT, das Recht zu einem bestimmten Ereignis oder aber auch bei mehreren Ereignissen, vorher definierte Arten eines Versicherungsschutzes abschließen zu können, OHNE dass es einer neuen Gesundheitsprüfung bedarf. Dabei ist der große Unterschied zur Anwartschaft der, dass eine Entscheidung WELCHEN Tarif ich denn nun abschließen möchte, erst bei AUSÜBUNG der Option fällt. So können Sie zum Beispiel heute einen Optionstarif (wie zum Beispiel Hallesche OptiFree oder Barmenia „Mehr Optionen“, aber auch OptiFlex der Allianz viele Ereignisse abdecken.

Optionen sind keine kleine Anwartschaft

Der große Unterschied zur Anwartschaft: Es ist nicht auf einen Tarif, wohl aber auch auf eine Gesellschaft beschränkt. Heißt auch hier, vor Abschluss eines solchen Optionstarife sollte immer geprüft werden, ob die jeweilige Gesellschaft überhaupt passende Tarife hat. Nur wenn später das Ziel eines ist, was mir gefällt, nur dann lohnt sich eine solche Option.

Dazu kommt bei den neueren Optionstarifen noch ein großer Vorteil. Diese lassen sich mehrfach und zu vorher festgelegten Zeiten „ziehen“. So kann ein Student diese heute abschließen, in einigen Jahren eine stationäre Zusatzversicherung abschließen (die Option bleibt bestehen), dann ein Krankentagegeld (Option erhalten), dann wieder um eine Zahnzusatz oder später eine Krankenvollversicherung.

Diese Optionen lassen sich also, je nach Tarif und Bedingungen, mehrfach und in unterschiedlichen Bereichen ausüben. Es gibt aber keinen Zwang. Damit schaffen die neuen Optionstarife auf Versichererseite eine hohe Kundenbindung und wachsen über das Leben mit, begleiten es. Auf der Kundenseite ergibt sich aber dadurch der große Vorteil, einen Gesundheitszustand einfrieren zu können und den dann in Versicherungsschutz umzustellen, wenn der Bedarf entsteht.

Auch für die Vermeidung von großen Nachzahlungen der GKV bei dem Ende der Familienversicherung bei Kindern, können diese Optionstarife mehr als hilfreich und nützlich sein. So sparen diese manchmal tausende Euro Nachzahlungen. Hier entsteht also, je nach Bedingungen, ein Recht auf Versicherungsschutz bei Entfall der Familienversicherung und damit ohne Risiko bei dem Gesundheitszustand des Kindes.

Anwartschaft oder Optionstarif Unterschiede

Anwartschaft oder Optionstarif – Fragen

Schauen wir uns einige Fragen an. Wenn Sie mehr Fragen haben, dann finden Sie unter den Kontaktmöglichkeiten Wege, mir diese zu stellen. Auch unter diesem Beitrag als Kommentar können Sie das gern tun. Falls diese für alle Leser interessant sind, ergänze ich Frage und Antwort dann auch hier.

Muss ich mich auf eine Gesellschaft festlegen?

Ja. Sowohl die Anwartschaften, aber auch die Optionstarife beziehen sich auf eine Gesellschaft. Einen Optionstarif bei Gesellschaft A und dann später eine Kranken(zusatz)versicherung bei Gesellschaft B geht nicht, zumindest nicht unter Nutzung der Option. Natürlich können Sie auch später normale Anträge woanders stellen. Das Optionsrecht ist aber dabei dann nicht nützlich, das gilt nur bei der Gesellschaft, wo der Tarif auch besteht.

Darf ich mehrere Optionen abschließen?

Ja, generell können Sie mehrere Optionstarife haben. Dabei sind Meldepflichten und Anzeigepflichten wichtig, da hierdurch sonst Obliegenheiten verletzt werden können. Sie sollten also alle Versicherer voneinander informieren, Ihr Berater weiß hier mehr.

Nehmen wir einen Studenten. Der weiß noch nicht, ob er Beamter oder Angestellter wird. Eine Gesellschaft hat aber für ihn großartige Tarife für Beamte, weniger tolle für Angestellte. Nun möchte unser Student lieber auf Nummer sicher gehen und schließt zwei Optionstarife ab. Da die Prämien nicht so hoch sind, geht das auch finanziell. Zu dem entsprechenden Ereignis kann er nun aus zwei Gesellschaften und unzähligen Tarifen wählen.

Wann passt eine Anwartschaft besser?

Wer über Jahre bereits versichert war und nun arbeitslos oder aus anderen Gründen (begrenzt) versicherungspflichtig wird, der kann mit einer Anwartschaft die Rechte in seinem Tarif, seinem Vertrag und bei seiner Gesellschaft sichern. Das kann der Gesundheitszustand sein, aber auch die bestehenden und bereits angesparten Altersrückstellungen.

Da unser Beispielkunde aber in seinen Tarif wieder zurückwill, ist eine Anwartschaft eine überlebenswerte Variante.

Für wen sind die Optionstarife eine Überlegung wert?

Wer nur weiß zu welcher Gesellschaft, aber nicht planen kann oder will, welche Art Schutz er wann braucht, der ist mit den Optionstarifen flexibler. Damit eröffnen sich mehr Tarife und Optionen. Auch die Wahl ob Zusatzversicherung oder Vollkrankenschutz ist nicht jetzt zu treffen. ABER: Es wird nur das Recht auf den Abschluss zu dem späteren Zeitpunkt gegeben, es werden keine Altersrückstellungen angespart und damit gilt später das jeweilige Alter bei Abschluss/ Umwandlung.

Anwartschaft oder Optionstarif – Beratung tut not

Auch hier sehen wir wieder gut. Alles Gute ist nie zusammen und alle Vorteile lassen sich nicht kombinieren. Aber, wenn Sie sich mit dem Thema beschäftigen, sich Gedanken machen und beraten lassen, so lassen sich mit Anwartschaften, aber auch gerade mit Optionstarifen viele Türen öffnen. Damit schaffen Sie sich Flexibilität und Planbarkeit für die Zukunft. Bei Fragen, fragen Sie einfach.

Übrigens: Eine Beratung zu einem Optionstarif ist fast so umfangreich wie zur Krankenversicherung. Warum? Weil die Gesellschaft damit entschieden wird und am Ende ist diese Entscheidung die wichtigste und Sie treffen diese mit Abschluss des Optionstarifs.

09.
März '21

Rückwirkend versicherungspflichtig in der GKV- was wird nun mit der Privaten Krankenversicherung?


Ein immer wieder auftretendes Problem und eine der oft gestellten Fragen im LiveChat betrifft das Thema „rückwirkend versicherungspflichtig“? Zunächst stellt sich die Frage, wie jemand überhaupt in eine solche Situation kommen kann, denn eigentlich kann man ja nur gesetzlich oder privat kranken(voll)versichert sein und nicht beides gleichzeitig. Da das Thema in jedem Jahr erneut aufkommt und es tausende Euro Nachzahlungen erfordern kann, überarbeite ich hier einen fast sieben Jahre alten Artikel nochmals und ergänze den mit aktuellen Beispielen und Zahlen. Die Situation rückwirkend versicherungspflichtig zu sein oder zu werden ist weiterhin gleich.

Dabei passiert das im Wesentlichen in zwei unterschiedlichen Situationen. Einmal werden Arbeitnehmer rückwirkend versicherungspflichtig, wenn sich bei einer Sozialversicherungsprüfung des Arbeitgebers eine falsche Meldung und Erfassung herausstellt. Andererseits werden Gesellschafter und Geschäftsführer rückwirkend versicherungspflichtig, wenn hier von einer „Selbstständigkeit“ oder zumindest nicht Sozialversicherungspflicht ausgegangen wurde, diese aber nicht zutrifft. Für beide ist die Situation vergleichbar in vielen Punkten, aber dennoch unterscheiden sich die finanziellen und SV-rechtlichen Folgen. Auch die Frage, was mit doppelt gezahlten Beiträgen denn nun wird und wer haftbar ist, beschäftigt viele.

Rückwirkend versicherungspflichtig – als Arbeitnehmer

Auch wenn der Fall schon einige Jahre alt ist, gilt dieser auch heute genauso und führt auch jetzt noch zu identischen Ergebnissen. Unser Arbeitnehmer war bei einem Softwareunternehmen angestellt und bezog Gehalt. Schon vor der Tätigkeit dort, hatte er eine andere Beschäftigung und wart auch dort in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichert. Nach dem Wechsel zum neuen Arbeitgeber, wollte er auch dableiben. Also, ab in die Gehaltsverhandlungen mit dem neuen „Chef“. Klar war Hr. S. sich darüber, dass sein Gehalt über der Jahresarbeitentgeltgrenze, der sogenannten JAEG, liegen muss. Diese ändert sich Jahr für Jahr.

Im Jahr 2021 ist diese, wie in den Vorjahren, leicht angestiegen und liegt nun bei 64.350 € Bruttojahreseinkommen. Liegt ein Angestellter UNTER dieser Grenze, dann ist er automatisch und ohne Wahlrecht in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert, liegt er darüber, kann er wählen. Doch um zu beurteilen was individuell zutrifft, ist eine ganz andere Frage entscheidend.

Was gehört zur Jahresentgeltgrenze, welche Einkommensbestandteile zählen denn dazu?

Wenn Sie den Link nutzen, dann kommen Sie dort zu einer Aufzählung und auch Beispielen. Wichtig ist noch zu wissen, der Arbeitgeber ist für die Meldung verantwortlich und haftet zunächst einmal auch dafür. (was bei Nachzahlungen dennoch zu gemeinsamer Pflicht führt, dazu aber später mehr)

Aber zurück zu Hr. S. In den Gehaltsverhandlungen wurde man sich einig. Es gab Bonusvereinbarungen, Sonderzahlungen und sogar einen Firmenwagen. Für diesen zahlte unser Arbeitnehmer den so genannten geldwerten Vorteil. Die private Krankenversicherung unseres Kunden freute auch den Arbeitgeber. Denn da der Beitrag in der privaten Versicherung die 768 € pro Monat (ohne Pflegeversicherung) in 2021 nicht erreichte, sparte auch der Arbeitgeber etwas an Zuschuss zur Krankenversicherung. Die genauen Zahlen und Grenzen finden Sie in dem Beitrag:

Sozialversicherungswerte 2021 – Arbeitgeberzuschuss, JAEG und Beitragsbemessungsgrenzen

Doch es kam, wie es kommen musste, sonst wäre der Fall hier nicht unser Beispiel. Kaum ein Jahr nach Beginn der Beschäftigung bekam der Arbeitgeber Post. Die Rentenversicherung Bund wollte eine Prüfung durchführen. Das ist nichts Ungewöhnliches, den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer hat auch niemand „angeschwärzt“, sondern diese regelmäßige Prüfung findet immer mal wieder statt. Dabei gibt es keine Garantie wann, aber irgendwann ist jeder Arbeitgeber einmal an der Reihe. Die Grundalge für eine solche Prüfung Bildes das Sozialgesetzbuch Nummer Vier. In dem schönen Paragrafen 28p heißt es dann also:

§ 28p SGB IV Prüfung bei den Arbeitgebern

(1) Die Träger der Rentenversicherung prüfen bei den Arbeitgebern, ob diese ihre Meldepflichten und ihre sonstigen Pflichten nach diesem Gesetzbuch, die im Zusammenhang mit dem Gesamtsozialversicherungsbeitrag stehen, ordnungsgemäß erfüllen; sie prüfen insbesondere die Richtigkeit der Beitragszahlungen und der Meldungen (§ 28a) mindestens alle vier Jahre. Die Prüfung soll in kürzeren Zeitabständen erfolgen, wenn der Arbeitgeber dies verlangt. Die Einzugsstelle unterrichtet den für den Arbeitgeber zuständigen Träger der Rentenversicherung, wenn sie eine alsbaldige Prüfung bei dem Arbeitgeber für erforderlich hält.

Die Prüfung umfasst auch die Entgeltunterlagen der Beschäftigten, für die Beiträge nicht gezahlt wurden. Die Träger der Rentenversicherung erlassen im Rahmen der Prüfung Verwaltungsakte zur Versicherungspflicht und Beitragshöhe in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie nach dem Recht der Arbeitsförderung einschließlich der Widerspruchsbescheide gegenüber den Arbeitgebern; insoweit gelten § 28h Absatz 2 sowie § 93 in Verbindung mit § 89 Absatz 5 des Zehnten Buches nicht. Die landwirtschaftliche Krankenkasse nimmt abweichend von Satz 1 die Prüfung für die bei ihr versicherten mitarbeitenden Familienangehörigen vor.

(1a) Die Prüfung nach Absatz 1 umfasst die ordnungsgemäße Erfüllung der Meldepflichten nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz und die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Künstlersozialabgabe durch die Arbeitgeber. Die Prüfung erfolgt 1. mindestens alle vier Jahre bei den Arbeitgebern, die als abgabepflichtige Unternehmer nach § 24 des Künstlersozialversicherungsgesetzes bei der Künstlersozialkasse erfasst wurden, 2. mindestens alle vier Jahre bei den Arbeitgebern mit mehr als 19 Beschäftigten und 3. bei mindestens 40 Prozent der im jeweiligen Kalenderjahr zur Prüfung nach Absatz 1 anstehenden Arbeitgeber mit weniger als 20 Beschäftigten.

Zusammengefasst. Mindestens alle vier Jahre soll geprüft werden. Möchte der Arbeitgeber es vorher (auch um mehr Sicherheit zu haben), kann er dieses verlangen und es soll ermöglicht werden. Auch ein Steuerberater ist hier kein so guter Ratgeber. Von vielen Fällen, die bei mir so landen, hatten die Steuerberater auch wenig Ahnung. Das heißt keineswegs, dass Sie diesen nicht fragen können und dass ein Lohnbüro es nicht wissen kann, ist aber oft eben nicht so.

Lohnbüro, Steuerberater, oder wer auch immer schuld

Unser Arbeitgeber war also davon ausgegangen (weil er falsche Lohnbestandteile dazu gerechnet hatte), dass Hr. S. über der JAEG liegt und damit freiwillig versichert ist. Somit konnte er- nach Auffassung beider- in der Privaten Krankenversicherung (PKV) versichert werden, bzw. bleiben. Beiträge an die gesetzliche Krankenkasse wurden also, anders im Vergleich zu Beiträgen zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung, hier nicht abgeführt.

Das sahen die Prüfer am Ende leider anders. Denn im Ergebnis der Prüfung wurde ein Bescheid erlassen, welcher Hr. S. als Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenkasse sah und dieses auch bestätigte. Auch ein Widerspruch und eine neue Prüfung brachten hier nichts, es blieb bei der rückwirkenden Pflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Arbeitgeber hatte sich geirrt und Fahrtkosten, Überstunden und nicht garantierte, erfolgsabhängige Leistungen im Entgelt berücksichtigt.

Auch die, bei Beginn des Arbeitsverhältnisses abgeschlossene, Direktversicherung wurde nicht korrekt berücksichtigt. Diese mindert das SV-pflichtige Einkommen (das ist ja unter anderem einer der Vorteile, Zahlung aus dem Brutto) und führt damit zur Versicherungspflicht. Auch wenn der Artikel dazu schon älter ist, lesen Sie gern einmal den:

Lesetipp: Wie der Abschluss oder die Erhöhung einer Direktversicherung Sie rückwirkend versicherungspflichtig macht

Die Folge für unseren Hr. S.? Er muss rückwirkend zurück in die gesetzliche Krankenkasse, welche ihn auch aufnehmen muss. Einen Grund zur Ablehnung hat diese Kasse nicht. Hr. S. muss sich also rückwirkend für eine gesetzliche Krankenkasse entscheiden und diese dem Arbeitgeber mitteilen. Tut er das nicht, muss der Arbeitgeber eine Wahl treffen und die Beiträge nachträglich dort abführen. Im Bescheid sieht das dann so aus:

rückwirkend versicherungspflichtig

Doch nun geht der Aufwand und Ärger erst los. Der Arbeitgeber erhält mit dem Bescheid eine Aufforderung und Berechnung der Nachzahlung. Binnen eines Monats muss dieser nun dafür sorgen, dass Beiträge abgeführt werden, teilweise eben Jahre zurück. Schauen wir uns das einmal in Zahlen (am Beispiel 2020) an. Dabei sind die Beträge beachtlich. So ergeben sich (geschätzt) folgende Werte:

SV pflichtiges Bruttoeinkommen 01. 01. bis 31.12. 4.980 EUR monatlich (p.a. 59.760 EUR)

abzuführende Beiträge für die gesetzliche Krankenkasse (GKV) 14,6% (gesamt AG+AN) = 727,08 EUR

abzuführen für den GKV Zusatzbeitrag (bei der gewählten Kasse 1%) (gesamt AG+AN) = 49,80 EUR

abzuführende Beiträge Pflege Vers. 3,05% (gesamt AG+AN, AN hat Kinder) = 151,89 EUR

monatlich nicht abgeführt sind somit 928,77 EUR bzw. für das Jahr 11.145,24 EUR

Zusätzlich hat der Arbeitgeber bereits an den AN für die PKV einen Zuschuss von 3.600 € (300 EUR * 12) gezahlt. Dieses hätte er nicht tun dürfen und weiterhin wären von den 11.145,24 € die Hälfte dem Arbeitnehmer vom Lohn abzuziehen gewesen.

Zusammengefasst bedeutet das also: Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer falsch, 3.600 € steuerfreien Zuschuss zur Privaten Krankenversicherung ausgezahlt. Der Arbeitnehmer hat seine PKV komplett aus eigenen Mitteln + Zuschuss bezahlt und diese auch genutzt bzw. gehabt. Dabei spielt es erstmal keine Rolle, ob er krank ist.

Was passiert nun?

Der Arbeitgeber will nun erstmal den Arbeitgeberzuschuss zurückhaben. Weiterhin von den 11.145,24 €, die er an die Krankenkasse überweisen muss, ebenso die Hälfte, denn die schuldet der Arbeitnehmer. Zunächst einmal kommt der AG, wenn der Bescheid rechtskräftig ist, um eine Nachzahlung nicht drum herum. Der Arbeitnehmer hat aber noch ein anderes Problem. Zum einen hat er solche Beträge im Zweifel nicht mal so herumliegen, um diese binnen eines Monats an den AG zu erstatten, zum anderen hat er ja auch monatlich 600 EUR an seine private Krankenversicherung gezahlt, in gutem Glauben, das der Vertrag so richtig besteht.

Wäre er krank gewesen oder hat er sogar Leistungen eingereicht, so hat der Versicherer hier auch entsprechenden Schutz geboten, denn auch der hatte rechtmäßig einen Vertrag mit dem Kunden. Theoretisch kann sogar (wenn sich das jemand leisten kann und will) beides bestehen, also eine Gesetzliche Krankenkasse und eine private Krankenversicherung. (sollten Sie so etwas machen wollen, lassen Sie sich beraten und passen bitte auf, wer wann informiert werden muss!)

Rückwirkend versicherungspflichtig – PKV kann mir das ja erstatten, oder doch nicht?

Daraufhin schickte der Arbeitnehmer diese Informationen gleich an seine PKV und wollte die Beiträge von denen erstattet haben. Schließlich konnte er nicht wissen, dass er nicht in der PKV bleiben konnte und Rechnungen habe er auch keine eingereicht. Zur Verwunderung bestätigte ihm aber die Private Krankenversicherung (PKV) nur, dass diese jetzt, nach Kenntnis der Versicherungspflicht, den Vertrag aufheben wollen und eine Rückerstattung der Beiträge für das Jahr 2020 käme so gar nicht infrage, „leider könne man da nichts machen“, so schrieb ihm die PKV freundlich, aber bestimmt.

Unser Hr. S. staunte nicht schlecht. Es kann doch nicht sein, dass er nun zahlen soll, die „böse PKV“ aber das Geld behalten will und ihm so gar nichts erstatten muss? So geht das nicht und die Aufregung nahm seinen Lauf.

Ach du Schreck- und nun? Wer hat denn nun recht?

Recht hat in dem Fall die private Krankenversicherung, denn der Vertrag mit dieser ist rechtmäßig zu Stande gekommen und bestand ohne Einschränkung. Daher hat der Kunde (außer aus Kulanz) keine Chance die Beiträge für die PKV erstattet zu bekommen, die Beiträge zur GKV muss er aber dennoch nachzahlen.

Versetzen wir uns einmal in die Lage des Krankenversicherers und auch des Kunden. Was wäre passiert, wäre der Kunde dann ins Krankenhaus gekommen und hätte die PKV gefragt. Klar hätten diese leisten müssen, diese waren „im Risiko“ und haben dafür gesorgt, dass Gesundheitskosten wie vertraglich vereinbart übernommen werden. Auch die PKV kann im Leistungsfall nicht einfach sagen „ach, erstmal schauen wir ob vielleicht doch eine Pflicht zur GLV vorliegt, solange zahlen wir nichts!“. Dann wäre unser Hr. S. ebenso sauer und verärgert. Er hat also einen Vertrag geschlossen, den hat der Krankenversicherer angenommen und eingehalten. Also stehen ihm hierzu auch die Prämien zu.

Ob jetzt der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, das Steuerbüro oder sonst jemand dafür verantwortlich ist das es so kam, spielt hierbei keine Rolle. Der Krankenversicherer hat rechtmäßig nach Bekanntwerden der Versicherungspflicht und des entsprechenden Nachweises den Vertrag zum 31. 3. beendet. Grundlage hierfür ist der §13.3 der Musterbedingungen der Privaten Krankenversicherung (MB/KK)

Später kann der Versicherungsnehmer die Krankheitskostenversicherung oder eine dafür bestehende Anwartschaftsversicherung zum Ende des Monats kündigen, in dem er den Eintritt der Versicherungspflicht nachweist. Dem Versicherer steht der Beitrag in diesem Fall bis zum Ende des Versicherungsvertrages zu.

Den Nachweis der Versicherungspflicht hat unser Arbeitnehmer nun erbracht, denn eine gesetzliche Kasse hat ihm eine Annahmebestätigung ausgestellt und die Erfüllung der GKV Pflicht und der Versicherungspflicht im Allgemeinen nachgewiesen. Das ändert aber an der Situation erstmal wenig, denn Beiträge in der PKV sind gezahlt, der Arbeitgeber will den Zuschuss weiter zurück und die GKV will Beiträge.

Auch wenn unser Hr. S. nicht verstehen kann, warum er nun in eine gesetzliche Kasse rückwirkend Beiträge zahlen soll, wo er doch gar nicht krank werden kann rückwirkend und auch garantiert keinerlei Leistungen aus der GKV mehr bekommen kann. Selbst Arztbesuche in der Vergangenheit lassen sich nicht mehr von „Privatabrechnung“ in eine „GKV Abrechnung“ ändern. Auch der Arzt kann nämlich darauf vertrauen, dass die Angaben des Kunden richtig sind, wenn er die Praxis aufsucht. Auch lassen sich einige Privatpraxen von Kassenpatienten gar nicht erst aufsuchen. Mehr dazu im Beitrag „Als Kassenpatient in eine Privatpraxis, was zahlt meine Kasse?

Rückwirkend versicherungspflichtig – was kann unser Arbeitgeber und der Arbeitnehmer nun noch machen?

Als Arbeitgeber können Sie zunächst nichts mit / bei dem PKV Vertrag unternehmen, denn Sie sind nicht Vertragspartner des Versicherers. Für den Arbeitgeber gelten die Regelungen im Bescheid der Rentenversicherung und der dort enthaltenen Regelungen. Der Arbeitgeber muss somit erstmal nachzahlen.

Klar kann dieser auch Beiträge mit dem Lohnbüro verrechnen lassen und sich so das Geld schnell beim Arbeitnehmer zurückholen. So wird einfach mit laufendem Lohn verrechnet, was den Arbeitnehmer in Bedrängnis bringen kann. Daher gilt hier ggf. gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ratenzahlungen bei der Rentenversicherung zu vereinbaren, dann ebenfalls Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Problematischer wird es dann noch, wenn der Versicherte vielleicht gar nicht mehr beschäftigt ist, dann endet es leider oft in Gerichtsverfahren und bösem Streit, obwohl die Regelungen eindeutig sind.

Der Versicherungsnehmer, der Arbeitnehmer sollte den Versicherer zunächst schnellstmöglich von der eingetretenen Versicherungspflicht in Kenntnis setzen und hier erstmal darüber sorgen, dass nicht noch weitere Beiträge anfallen. Im zweiten Schritt geht es um die Frage einer gemeinsamen, vielleicht kulanten Lösung. Das bedeutet nicht, dass Kulanz hier bedeutet der Kunde bekommt alle Beiträge zurück, der Versicherer ggf. Beitragsrückerstattung oder erstattete Leistungen. Sondern eine gemeinsame Lösung muss das Ziel sein. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren einige solcher Fälle gesehen und erlebt. Von vollständigen Erstattungen aller Beiträge (in sehr großen Ausnahmen), über eine „halbe-halbe“ Lösung und damit einer Teilerstattung, bis hin zur kompletten Ablehnung habe ich alles gesehen. Dazwischen gibt es Modalitäten wie „wir erstatten anteilig die Beiträge, verrechnen aber Rückerstattungen und Leistungen und erwarten die Umstellung in eine Zusatzversicherung“.

Ob der Versicherer das „Spiel mitmacht“ wird von verschiedenen Faktoren abhängen. Nicht nur der bisherige Vertragsverlauf, eventuelle Beitragsrückstände etc., auch die Frage ob Leistungen eingereicht wurden spielen eine Rolle. Ist dieses der Fall, so wird es noch komplizierter und fast unmöglich Geld zurück zu erhalten. Dennoch sollten Sie wissen, wo Sie stehen. Auch ein Anwalt ist hier nicht immer die beste Lösung. Ich habe fast einmal im Monat Anfragen von Anwälten, frei nach dem Motto „was soll ich denn meinem Mandanten raten?“ oder „erstmal schreibe ich denen und wir fordern alle Beiträge zurück“.

Sorry liebe Anwälte, aber nicht immer ist der Holzhammer die beste Methode. Manchmal ist es besser, wenn der Kunde selbst etwas unternimmt, manchmal hat auch der Vertreter der Gesellschaft (wenn dort abgeschlossen) oder der Makler auf dem kurzen Weg eine Lösung. Es geht hier auch nicht um Rechtsberatung und Tätigkeiten, die weder Makler noch Vertreter darf, dennoch ist gegen ein kurzes Telefonat mit Gesellschaften (gerade, wenn man lange mit denen arbeitet) nichts einzuwenden. Klar ist aber, rechtlich muss der Versicherer hier nicht zurückzahlen, daher sollte sich auch weder Kunde noch Anwalt wie die Axt im Walde aufführen.

Rückwirkend versicherungspflichtig – Wie lassen sich solche Situationen verhindern?

Wenn Sie oder der Arbeitgeber nicht sicher sind ob ein Arbeitnehmer rückwirkend versicherungspflichtig ist oder wird, sollten Sie direkt handeln. So klären Sie dieses vor Aufnahme des Arbeitsverhältnisses verbindlich über die Rentenversicherung oder die gesetzliche Krankenkasse den Status. Das ist bürokratisch, nervig und am Ende haftet der Arbeitgeber mit. Damit haben von Beginn an alle Beteiligten ein Interesse daran, hier möglichst saubere, klare und vor allem rechtsverbindliche Lösungen zu finden und Klarheit ab Beginn zu schaffen.

Vielleicht ist das Ergebnis (GKV-Pflicht) dann nicht das gewünschte, aber alles ist besser, statt am Ende zehntausende Euro Nachzahlung zu haben. Tritt eine Pflicht ein und kann sich das vielleicht in Zukunft ändern, dann denken Optionen nach, sichern sich Ansprüche und Leistungen durch Zusatzversicherungen und einiges mehr. Kurzum: Suchen Sie sich Hilfe, lassen Sie sich beraten.

Hilfe bietet auch die Statusfeststellung der Rentenversicherung Bund, welche eine solche Situation VORAB klären kann. Alle Unterlagen, Anträge und Informationen dazu finden Sie hier:

–> Statusfeststellung Krankenversicherung

Auch wenn dieses nicht speziell für die Arbeitnehmer, sondern eher für selbstständige ist, helfen Ihnen die Anträge und dort angegebenen Kontakte auch dort weiter, auch wenn Sie angestellt sind.

Bei dem Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge achten Sie zudem peinlich genau darauf, ob hier keine Versicherungspflicht eintritt.

Rückwirkend versicherungspflichtig – als Gesellschafter & Geschäftsführer oder Selbstständiger

Sie haben bis hier gelesen? Glückwunsch und Danke! Sie sehen wie komplex das Thema ist, daher nehme ich den Teil für die zweite Berufsgruppe mit in einen neuen Beitrag. Wann der genau erscheinen wird, je nach Zeit, kann ich noch nicht sagen. Aber wenn, verlinke ich den hier. Einen (ganz, ganz alten Beitrag dazu schon hier, der muss aber dringend aktualisiert werden)

02.
März '21

PKV Tarifoptimierung Finanzcheck – Mehmet Göker nach MEG wieder da


Zuerst eines vorab. Menschen machen Fehler, Menschen verdienen eine zweite Change, solange es fair und rechtlich sauber ist. Wer den Namen Göker schon mal gehört hat, dem fällt sofort das Thema PKV – private Krankenversicherung ein. Einer der größten Finanzvertriebe, welche mit fragwürdigen Methoden die Private Krankenversicherung verkauft hat, hat nun ein neues Geschäftsmodell entdeckt. Die „PKV Tarifoptimierung Finanzcheck Rhein Main“, also einen Tarifwechsel nach § 204 VVG.

PKV Tarifoptimierung – wer ist die Zielgruppe?

Generell sind all die Personen Zielgruppe, welche bisher schon in der privaten Krankenversicherung versichert sind. Auch in der Privaten Krankenversicherung finden Beitragsanpassungen statt, was auch völlig normal und nachvollziehbar ist. Mehr dazu habe ich im letzten Jahr ausführlich in einem anderen Blogbeitrag beschrieben.

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung – wieso, weshalb, warum?

Beitragsanpassungen in der PKV – was Sie tun können (und sollten)

Was nun die Damen und Herren der Finanzcheck Rhein Main GmbH machen, ist recht einfach erklärt und generell erst einmal auch durchaus legitim. Diese wollen einen so genannten Tarifwechsel nach §204 VVG prüfen und damit eine Reduzierung der Prämie bei der privaten Krankenversicherung erreichen. Die Grundlage dazu bietet der Gesetzgeber schon direkt im Versicherungsvertragsgesetz und zwingt die Versicherer auch hier zu handeln.

Aber: Einen solchen Tarifwechsel für den Endkunden allein zu überblicken und vor allem die Tarife für den Wechsel zu vergleichen ist nicht ganz einfach. Um nicht auf vermeintlich großartige „Optimierungen“ mit Verlust von Leistungen oder hohen Selbstbeteiligungen hereinzufallen, benötigen viele einfach den Rat von Experten.

Auch dagegen ist nichts einzuwenden und gerade der Tarifwechsel wird durchaus von einigen sehr seriösen Anbietern am Markt angeboten und begleitet. Diese erstellen Vorschläge, erklären und beraten und nach einem erfolgreichen Wechsel zahlen Sie dem Berater ein Honorar. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden, schließlich muss die Dienstleistung auch bezahlt werden.

PKV Tarifoptimierung – dürfen die mich anrufen?

Am Telefon wird oft und schnell erklärt, Sie haben sich eingetragen und werden deshalb angerufen. Wo genau weiß man oft nicht mehr und Angerufene fühlen sich überrumpelt und unter Druck gesetzt. Schließlich ist jeder froh, wenn am Ende die Beiträge zur Privaten Krankenversicherung sinken, wer will das nicht. Das ist auch genau die Masche, mit der am Telefon beraten wird. In wenigen Minuten (so das Training von Mehmet Göker) soll am Telefon verkauft werden. Wobei, verkaufen tun die Berater ja nichts, sagen Sie.

„Wir verkaufen nichts, wir reparieren“

Eine teure Private Krankenversicherung soll von der Finanzcheck Rhein Main GmbH optimiert, oder repariert werden. Diese bieten Kunden am Telefon eine PKV Tarifoptimierung Finanzcheck an. In dem unten verlinkten Film wird auch nochmals das Konzept besprochen, das neue „Göker Konzept“. Nachdem also vor Jahren, fast Jahrzehnten Kunden in die Private Krankenversicherung gelockt wurde, welche da nichts zu suchen haben, will man diesen nun helfen.

Am Telefon ist also keineswegs der, der den Tarif optimieren will, sondern der Verkäufer der Dienstleistung. Dieser muss Ihnen sein Honorar verkaufen und dazu hat er richtig etwas gelernt, im Verkaufstraining bei Hr. Göker. (Quelle: Video siehe Link unten)

drei Std. Coaching
6 Wochen Einarbeitung / 1 Std. netto am Tag
3.500 € Gebühr für das Konzept
10 € pro Datensatz/ Lead (also Name, Tel. Nr. und ggf. Daten zur PKV)

Natürlich verkauft man Ihnen also etwas. Man überredet Sie zu einer Honorarvereinbarung, einem Vertrag zu einem Tarifwechsel Ihrer Privaten Krankenversicherung.

Ob Sie sich tatsächlich irgendwo eingetragen haben oder die Adresse aus alten Beständen der MEG oder anderen Listen stammt, das kann ich Ihnen nicht beantworten. Nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) steht es Ihnen ja frei, eine entsprechende Auskunft an die Firma zu senden und um Auskunft zur Herkunft Ihrer Daten und dem Umfang der Speicherung zu bitten. Auch eine Löschung oder Sperrung kann verlangt werden.

Registriert ist der Berater oder die Firma, in dessen Impressum Mehmet Göker selbst nicht auftaucht, als Versicherungsmakler. Im zentralen Vermittlerregister ist das nachzulesen. PKV Tarifoptimierung Finanzcheck

Für diese Optimierung, werden einige tausend Euro in Rechnung gestellt. Was diese aber wirklich kostet und wie Sie seriöse Anbieter finden, dazu mehr weiter unten im Beitrag.

PKV Tarifoptimierung – das Video

In einer aufwändigen Recherche hat das Team von „Strg-F“ hier zu dem Modell, dem Vertrieb und den Methoden recherchiert und dazu heute ein Video veröffentlicht. Wenn Sie also Zeit und Lust haben… sehr spannend.

Nachdem Sie nun wissen, wie es nicht geht, schauen wir uns dennoch die Frage an, woran Sie einen seriösen Anbieter für die Tarifwechselberatung in der Privaten Krankenversicherung erkennen. Mit einer kleinen Checkliste lässt sich gut erkennen, ob der Anbieter zumindest in die weiteren Überlegungen mit einbezogen werden sollte.

PKV Tarifoptimierung – Fragen rund um den Tarifwechsel?

Tarifwechsel wird von verschiedenen Berufsgruppen beraten. Dazu gehören Versicherungsmakler, Versicherungsberater, Rechtsanwälte und einige Verbraucherschutzverbände. Jeder der Gruppen hat Ihre Berechtigung und mal passt der eine, mal der andere besser.

Alle gemein haben eines. Ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft ist kein Thema, es geht ausschließlich um einen Wechseln INNERHALB der bisherigen Gesellschaft, denn dort sind Sie bereits versichert. Wenn der Berater Ihnen „tausende und abertausende Euro Ersparnis“ verspricht, sollten Sie schon das erste Mal vorsichtig sein. Richtig ist, dass mir einem Tarifwechsel der Beitrag deutlich sinken kann. Das ist aber auch von vielen Faktoren abhängig. Dazu gehören Fragen wie:

  • – wie lange sind Sie bereits bei der Gesellschaft versichert?
  • – sind Sie zufrieden mit dem Leistungsumfang?
  • – haben Sie Ihren Tarif schon einmal gewechselt?

Wichtig bei der Tarifoptimierung und ein immer wieder gern genommenes Argument: „Das geht auch, wenn Sie schon krank sind, wir brauchen keine Gesundheitsprüfung“. Das stimmt so auch, denn ein Tarifwechsel benötigt erstmal keine neue Risikoprüfung. Enthält der Tarif, in den Sie wechseln möchten, jedoch Mehrleistungen gegenüber dem Schutz bisher, so kann eine solche Prüfung und auch ein Zuschlag für eben diese Mehrleistungen in Frage kommen und sinnvoll sein.

Als Alternative kommt aber auch ein so genannter Mehrleistungsverzicht in Frage. Das bedeutet nichts anderes, als das Sie in den Tarif wechseln und die besseren Leistungen nicht für Sie gelten, wohl aber die geringere Prämie. Solche Vereinbarungen sind legitim, sollten aber sehr sorgfältig betrachtet werden, sonst kann ein Tarifwechsel auch schnell wieder nach hinten losgehen.

Auch ist es wichtig Gleiches mit Gleichem zu vergleichen und Tarife sind nun einmal nicht 100% identisch. Eine Erhöhung der Selbstbeteiligung und damit eine Reduzierung der Prämie ist allein für sich genommen nicht unbedingt ein sinnvoller Wechsel. Ganz sicher ist es keiner, den Sie mit tausenden Euro Honorar bezahlen sollten.

PKV Tarifoptimierung – was kostet eine solche Beratung?

Die Beratung zum Tarifwechsel ist arbeitsreich. Braucht es doch einigen Schriftverkehr mit Versicherern, die Aufbereitung der Tarife und Beratung. Daher fällt für eine solche Dienstleistung auch ein Honorar an. Je nach Berater und dessen Berufsgruppe kann dieses ein fixes Honorar sein, ein Honorar welches an den Aufwand (Stunden) geknüpft ist und auch eines, welches sich an der Ersparnis orientiert.

Auch abhängig vom Beruf (Anwalt, Makler, Berater) ist die Frage, ob das Honorar abhängig vom Erfolg ist oder die Beratungsleistung selbst honoriert wird, das geht nur bei wenigen Berufsgruppen. Daher sollten Sie sich immer erst informieren und das Kleingedruckte nicht nur bei der Versicherung lesen, sondern auch bei dem Berater.

Sparen Sie zum Beispiel durch einen Tarifwechsel 100 € im Monat, also 1.200 € im Jahr, so ist ein Honorar von einigen Monatsersparnissen sinnvoll und angemessen. Nur weil ein Berater das 8-, der andere das 5- und der dritte das 9-fache der Ersparnis als Honorar ansetzt, ist nicht einer gut oder schlecht. Je nach Aufwand und auch je nach Qualifikation und Erfahrung des Beraters können auch höhere Honorare durchaus berechtigt sein.

ABER: Wer Ihnen erst ein Honorar von tausenden Euro abnehmen will, da sollten Sie vorsichtig sein.

PKV Tarifoptimierung – wie kommen Sie zu einer seriösen Beratung zur Tarifoptimierung?

Ein seriöser Berater

  • – ruft Sie nicht ungefragt an, niemals!

  • – belästigt Sie nicht nochmals, wenn Sie NEIN gesagt haben!

  • – will keinen Vorschuss auf das Honorar!

  • – bietet Ihnen ein kostenfreies Erstgespräch!

  • – sendet Ihnen alle nötigen Unterlagen und lässt Ihnen Zeit!

Im Video ist noch von einer anderen Masche die Rede. Ob das immer so ist kann ich nicht beurteilen. Aber die Tatsache den Interessenten (oder hier die Interessentin) ein zweites Mal anzurufen und vorzugeben man wäre die Versicherung selbst, die finde ich schon sehr mies.

Zweiter Anruf – angeblich durch die eigene Private Krankenversicherung?

Die Private Krankenversicherung wird Sie niemals anrufen und Sie drängen, das Mandat an einen Tarifoptimierer zu unterschrieben. Sollte Ihnen das so passieren, dann legen Sie auf und rufen am besten zur Sicherheit selbst bei Ihrer Versicherung an. Dabei ist es egal, welche Nummer auf dem Display erschienen ist.

Fragen können Sie auch jederzeit dem Versicherer selbst stellen und sich auch dort informieren.

PKV Tarifoptimierung – kann ich das nicht allein oder direkt bei der Gesellschaft?

Klar. Das Wechselrecht steht Ihnen selbst und allein zu. Natürlich können Sie die Gesellschaften direkt anrufen und sich Angebote und Vorschläge zur Tarifoptimierung und einem solchen Wechsel schicken lassen. Das geht kostenfrei und ganz ohne Berater. Auch eine PKV oder Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie ganz ohne Beratung direkt im Netz abschließen oder bei der Gesellschaft direkt.

Den Berater braucht es nicht zum Tarifwechsel, aber zur Bewertung der Tarife, der Erklärung und Beurteilung der Folgen oder weiterer Hilfestellung schon. Auch ist es bei einigen Gesellschaften nicht ganz so einfach die „richtigen“ Tarife angeboten zu bekommen. Wissen Sie aber wovon Sie reden, oder Ihr Berater, macht es vieles einfacher.

Einen Steuerberater oder Rechtsanwalt brauchen Sie oft auch nicht. Sie können auch selbst die Steuer erklären oder den sich selbst verteidigen. Warum nutzen wir Experten? Richtig, weil diese – wie Sie in Ihrem Beruf – eben Experten sind und mehr Wissen haben.

Haben Sie einen guten Kontakt zu Ihrem Berater, mit dem Sie damals die Private Krankenversicherung abgeschlossen haben? Dann hilft auch der Ihnen gern weiter. Kann er das nicht selbst, so wird er Ihnen hoffentlich auch das sagen und zu einem Spezialisten raten.

PKV Tarifoptimierung – Fragen?

Wenn Sie weitere Fragen haben, vielleicht übereilt eine Honorarvereinbarung unterschrieben haben oder Anrufe bekommen, dann gibt es durchaus Hilfe und Möglichkeiten. Generell stehen Ihnen gesetzliche Rechte wie ein Widerruf (auch einer Honorarvereinbarung) oder dergleichen zu. Dazu lassen Sie sich aber bitte von Personen beraten, welche das dürfen. Rechtsanwälte oder auch die Verbraucherzentralen.

Fragen zur PKV, zu einem Tarif oder Tarifwechsel oder vielleicht einfach nur generelle Fragen können Sie hier im LiveChat kostenfrei stellen, oder melden sich einfach über einen der HIER GENANNTEN Kontaktwege.

Dumme Fragen gibt es auch hier nicht! Fragen Sie also gern nach.

DIE ANTWORT von M. Göker

Wie bei jedem anderen auch, hat auch Hr. Göker die Change dazu Stellung zu nehmen. Im Sinne von Transparenz, hier auch der Beitrag dazu:

Rhetorik kann er, definitiv. Und jede Aussage ist (juristisch) sehr genau überlegt, das hört man durchaus, bei der Wortwahl.

25.
Februar '21

Wenn die Krankenkasse schreibt: „Sie sind nun freiwillig versichert“ – was zu tun ist


Post von der Krankenkasse ist meist nur mittelmäßig erfreulich. „Sie sind nun freiwillig versichert“ ist aber eine durchaus erfreuliche Nachricht. Daher habe ich auch hier einen alten Beitrag von vor einigen Jahren (siehe alte Kommentare) aktualisiert und diese um die neuen Zahlen ergänzt.

Steigen die Beiträge oder gibt es sonst irgendetwas zu klären? Auch das wären Gründe für eine Post der Krankenkasse. Doch für einige ist die Post im Januar, Februar oder manchmal auch erst im März eine andere, eine die durchaus erfreulich ist. Viele gesetzliche Krankenkassen haben diese Mitteilungen bereits verschickt, andere sind noch mitten dabei und einige wenige vergessen es gern auch einmal ganz. Ihnen wird darin mitgeteilt, dass die bisherige Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) endet und diese zu einer freiwilligen Versicherung in der GKV wird.

Sie sind nun freiwillig versichert – Wer bekommt diesen Brief überhaupt?

All diejenigen, welche im Jahr 2020 die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG) von 62.550 Euro pro Jahr überschritten haben und mit dem erzielten Einkommen auch voraussichtlich über der neuen JEAG für 2021 von 64.350 Euro liegen. Welche Komponenten Ihres Einkommens hier zu berücksichtigen sind habe ich bereits vor einiger Zeit beschrieben.

Lesetipp: Was zählt zur Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Sozialversicherungswerte 2021

Die Einstufung wer freiwillig oder pflichtig versichert ist übernimmt der Arbeitgeber. Dieser ist auch für die Richtigkeit der Meldung verantwortlich. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden und glauben hier liegt ein Fehler vor, so sprechen Sie am besten zuerst mit Ihrer Personalabteilung. Erst wenn hier keine Klärung möglich ist, kann die gesetzliche Krankenkasse oder im Zweifel auch die Deutsche Rentenversicherung mit einer so genannten Statusfeststellung verbindlich entscheiden.

Sie sind nun freiwillig versichert – Bin ich jetzt nicht mehr versichert?

Mit dem Wechsel vom Pflicht- zum freiwilligen Mitglied ändert sich einiges, dennoch bleiben Sie weiterhin versichert und stehen zu keinem Zeitpunkt ohne Versicherungsschutz da. Nicht nur durch die bestehende Versicherungspflicht endet der Schutz nie, ohne das ein anderer Versicherungsschutz besteht und nachgewiesen wurde. Dennoch kann es sinnvoll sein, hier tätig zu werden, falls Änderungen sinnvoll und gewünscht sind.

Aber anders als bisher können Sie nun selbst entscheiden, in welchem System Sie versichert sein möchten. Das kann weiterhin die gesetzliche Krankenkasse sein, kann aber ebenso ein passender Tarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) sein. Hier gilt es aber zunächst ganz in Ruhe zu überlegen und zu prüfen, ob das System der PKV überhaupt das passende für Sie, Ihre Wünsche und Ihren Bedarf ist. Es gibt weder einen Zwang noch eine Vorgabe jetzt zu wechseln oder zu handeln. Unternehmen Sie nichts, bleibt Ihnen auch weiterhin das Kündigungsrecht zum Ende des übernächsten Monats erhalten und Sie können dieses nutzen.

Lesetipp: Leitfaden zu den Unterschieden der GKV und PKV

Was passiert mit mitversicherten Familienangehörigen?

Hatten Sie bisher neben dem eigenen Versicherungsschutz weitere Familienangehörige im Rahmen der kostenfreien Familienversicherung versichert, so bleibt das auch zunächst weiterhin so, es sei denn Sie ändern etwas daran. Solange die Voraussetzungen des Paragraphen 10 des SGB V erfüllt sind, bleibt alles beim wie bisher. Zu beachten sind aber nun ggf. Änderungen bei den mitversicherten Kindern. Waren oder sind diese in der Familienversicherung kostenfrei versichert, so beachten Sie bitte unbedingt die Gesamtsituation mit beiden Eltern. Denn hier gilt es zu prüfen, wo das Kind zu versichern ist. Durch ein Überschreiten der JAEG ändert sich ggf. der Anspruch auf eine kostenfreie Versicherung, je nachdem wo Sie sich (und wo das zweite Elternteil) versichert ist.

Lesetipp: Beiträge zur Familienversicherung

Muss ich nun in die Private Krankenversicherung wechseln?

Natürlich nicht. Sie müssen zunächst einmal überhaupt nix. Tun Sie nichts und ändern auch nicht, so sind Sie weiterhin bei der bestehenden gesetzlichen Krankenkasse versichert. Nur wenn Sie AKTIV etwas ändern und für sich entscheiden, dass die private Versicherung das richtige, für Sie passende System ist, nur dann ändert sich etwas.

Eine Verpflichtung zur PKV gibt es genau so wenig, wie die unsinnige (aber sich wacker haltende Behauptung) jeder der sich selbstständig machte müsse in die PKV. Viele gehören dort einfach nicht hin.

Lesetipp: Eine private Krankenversicherung muss man sich leisten können und wollen

Gibt es auch Nachteile gegenüber der Pflichtversicherung?

Es gibt Unterschiede zwischen beiden Versicherungsarten und sogar Verschlechterungen, so zum Beispiel in der Elternzeit. Während pflichtig versicherte Mitglieder der GKV beitragsfreien Schutz während der Elternzeit haben, ist das bei freiwilligen Mitgliedern nicht so, klar, verdienen Sie doch nun soviel und können sich die GKV auch dann leisten *Ironiemodus aus*

Lesetipp: Die nicht immer beitragsfreie Versicherung in der Elternzeit

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert mit meiner Karte?

Erstmal gar nichts. Denn: Da die Mitgliedschaft so bleibt, ändert sich auch an der Versichertenkarte zunächst nichts. Viele Kassen bieten Ihnen nun aber Wahltarife an. Dabei handelt es sich um Tarife mit Beitragsrückzahlungen, besonderen Leistungen, Selbstbeteiligungen oder anderen Abweichungen und Vergünstigungen. Bitte aufpassen. Durch den Abschluss eines Wahltarifes binden Sie sich langfristig an die Kasse und können somit nicht mehr so einfach kündigen.

Lesetipp: Wahltarife und die Eingeschränkte Kündigung der GKV

Bevor Sie eine solche Vereinbarung unterschreiben, loten Sie bitte für sich alle Möglichkeiten aus, darunter auch die der PKV, anderer gesetzlicher Kassen und dergleichen, SIE HABEN ZEIT!

Sie sind nun freiwillig versichert – was passiert nun bei meinem Arbeitgeber?

Bisher, also als pflichtversichertes Mitglied, hat der Arbeitgeber Ihnen einen Anteil vom Lohn abgezogen. 7,3% + ZUSATZbeitrag der Kasse + Pflegeversicherung + ggf. Zuschlag PV bei Kinderlosen. Zukünftig zahlt der Arbeitgeber Ihnen einen Zuschuss. Dieser ist begrenzt und orientiert sich immer an den aktuellen Zahlen der JAEG des jeweiligen Jahres.

Auch hier ist es wichtig zu wissen, es gibt mehrere Optionen. In der Regel ändert der Arbeitgeber nichts. Außer die Meldung der freiwilligen Versicherung passiert hier wenig. Die Beiträge werden auch weiterhin von dem Arbeitgeber an die Krankenkasse gezahlt und der Zuschuss direkt verrechnet.

ABER: Sie können auch als Selbstzahler bei der Kasse auftreten. Ist das Ihr Wunsch, (mehr …)