Archiv für die Kategorie ‘Private KV’

21.
Juli '21

Signal Iduna / Dt. Ring – eigene Bedingungen nicht verstanden? [UPDATE: Fall gelöst]


UPDATE siehe unten

Fitnessstudios sollten im Tarif PRIME der Signal Iduna/ des Deutschen Rings, als Zuschuss bezahlt werden. Tun Sie aber nicht, weil anscheinend der Versicherer seine eigenen Bedingungen nicht kennt.

Zuerst eines vorweg. Die Signal Iduna (der „Nachfolger“ auch für Versicherte des Deutschen Rings, siehe „Fusion“) sind seit Jahrzehnten ein durchaus ansprechender Versicherer. Als einer der ersten haben diese sich schon vor über 15 Jahren auf die Fahnen geschrieben, Bedingungen klar und deutlich zu formulieren.

Was leider aktuell zuzunehmen scheint ist leider etwas anders. Das Servicecenter, welches auch Anfragen von Kunden und manchmal auch von Vermittlern beantwortet, scheint nicht nur überlastet, sondern nicht zum ersten Mal ahnungslos.

Generell steht Ihnen als Kunde durchaus der Berater als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Das ist gut und richtig, kennt der doch Ihre Situation und den Vertragsverlauf schnell und einfach. Viele meiner Kunden nutzen mich auch nach Jahrzehnten als direkten Kontakt bei Fragen rund um den Versicherungsschutz. Das geht schnell, zeigt mir als Berater auch, wie die Praxis in der Leistung so läuft und macht es für alle einfacher.

Versicherer verweist an Berater, der es aber nicht wissen kann

Ein schönes Beispiel wie es aber nicht geht, sehen wir hier. Einer meiner Kunden hat sich in dem Tarif PRIME der Signal, unter der Marke Deutscher Ring, versichert. Der PRIME ist der hochwertigste und umfangreichste Tarif, welche die Signal überhaupt hat.

Spannend wird es nun, wenn anscheinend auch die Mitarbeiter keine Ahnung haben, oder auch keine haben wollen. Unser gemeinsamer Kunde fragte also zuerst bei der Signal an. Er würde gern in ein Fitnesscenter gehen und die Tarifbedingungen sehen einen Zuschuss für so genannte „qualitätsgesicherte Fitnessstudios“ vor, „bis zu 600 EUR innerhalb von zwei Kalenderjahren“, laut Bedingungen.

Falls Sie es nachlesen wollen, auf Seite 128, unter Punkt 4 in der rechten Spalte steht es genau beschrieben.

Welche Fitnessstudios als „qualitätsgesichert“ gelten, wollte der Kunden nun einfach telefonisch erfragen. Allein die Aussage „fragen Sie mal Ihren Betreuer“ ist schon fragwürdig. 1.) wissen wir diese nicht, da die Signal keine Liste herausrückt und 2.) hat der Kunde durchaus einen Vertrag mit seinem Versicherer, daher kann dieser alles was zu Leistung betrifft auch einmal beantworten. Ist auch nicht so schwer.

Eigene Bedingungen nicht verstanden?

Doch nun wird es noch besser. Als weder wir, noch unser Maklerbetreuer noch anscheinend das Servicecenter helfen können, fragt der Kunde nun schriftlich an. Auch das richtig und wichtig. Wie sagte mein Opa schon:

Wer schreibt, der bleibt.

Schauen wir aber zuvor nicht nur in die Bedingungen, sondern auch noch einmal auf die Homepage des Versicherers, welcher auch heute (am 21.7.2021) folgendes bewirbt:

Nach knapp zwei Wochen antwortet dann auch der Versicherer. Schriftlich, wie erwartet und wie gewünscht und stellt unserem gemeinsamen Kunden die Informationen zur Verfügung, welche Fitnesscenter dann nun geeignet sind. Zumindest dachte ich das, als heute früh die E-Mail mit dem Hinweis auf die Anlage kam. Zu früh gefreut, wie wir gleich sehen.

Anscheinend hat dort der nächste nicht verstanden, dass es Aussagen in den Bedingungen gibt (die auf der Homepage auch noch beschrieben werden), welche nun auch bindend sind. Der große Vorteil einer privaten Krankenversicherung ist eben gerade, dass sich der Versicherer in der Zukunft an das halten muss, was dieser auch vorher zugesagt hat.

Nun ja, werden wir also dem Versicherer leider nochmal seine einigen Bedingungen erklären.

Nur damit es nicht falsch ankommt. Wo Menschen arbeiten passieren Fehler, mir, Ihnen und jedem anderen. Ist auch nicht schlimm. Hier jedoch hat es einen Beigeschmack, weil der Kunde ja explizit angefragt hat und die Bedingungen eindeutig sind.

UPDATE 22.07.2021 – Problem gelöst

So schnell geht das zu klären. Und es hat sich gelöst.

Zum Hintergrund: Die Signal musste, wie auch andere Unternehmen (BBKK zum Beispiel) die Erstattung der Fitnesscenter aus den Bedingungen für NEUkunden entfernen. Hintergrund ist, dass die BaFin als Aufsichtsbehörde hier eine versicherungsfremde Leistung sieht und die Erstattung damit als nicht zulässig erachtet.

Nun wissen wir, Bedingungen können im Bestand nicht geändert werden, für neue Kunden schon. Unser Kunde hier war an der Grenze von alt zu neu. Heißt, mit den Angebotsunterlagen gab es (zu recht) die alten Bedingungen, mit der Police einige Wochen später die neuen. (Manchmal vergehen zwischen erstem Angebot und der Beratung und dann dem Abschluss einfach einige Wochen.

Mit der Signal und dem Kunden wurde hier eine schnelle und unkomplizierte Lösung gefunden. Danke nochmals an die schnelle Reaktion und den das Gespräch mit Hr. S. Klar ist auch, die Webseite des Versicherers ist auch heute noch falsch (22.07.21), wird aber nun geändert und man ist froh über den Hinweis.

Wenn Sie also auch im PRIME Tarif versichert sind: Abschluss und Beginn vor dem 1.10.2020, dann bekommen Sie Leistungen für das Fitnesscenter, sind Sie danach versichert, dann nicht mehr.

Zum Vergleich einmal beide Formulierungen.

ALTE REGELUNG vor 10/2020

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.4b) sind die Kosten für – Präventionskurse und Mitgliedschaftsbeiträge der versicherten Person in einem qualitätsgesicherten Fitnessstudio bis zu 600 EUR innerhalb von zwei Kalenderjahren. Der Versicherer teilt der versicherten Person auf Anfrage mit, welche Fitness-studios als „qualitätsgesichert“ gelten. Nicht erstattungsfähig sind Mitgliedschaftsbeiträge für noch nicht zurückgelegte Mitgliedschaftszeiten und Mitgliedschafts-zeiten vor Versicherungsbeginn. Eingereichte Kostennach-weise müssen daher den Zeitraum enthalten, auf den sie sich beziehen. 

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.4b) sind die Kosten für – Präventionskurse. Als Präventionskurse gelten Maßnahmen nach § 20 Abs. 1 SGB V, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sind. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass ein Nachweis über die Teilnahme an mindestens 80 % der Kurseinheiten vorgelegt und vom Kursanbieter auf einer Teilnahmebescheinigung bestätigt wird. Nicht erstattungsfähig sind Aufwände für noch nicht zurückgelegte Maßnahmen und Maßnahmen vor Versicherungsbeginn. Eingereichte Kostennachweise müssen daher den Zeitraum enthalten, auf den sie sich beziehen.

28.
Juni '21

ARAG MedBest – einfach günstig oder zu billig?


In der letzten Zeit häufen sich Fragen zu einem speziellen Tarif einer Gesellschaft, oder besser einem (neuen) Tarifwerk. Wobei das Wort „neu“ es gar nicht mehr so genau trifft. Die ARAG Krankenversicherung AG hat im Jahr 2019 zwei neue Tarife eingeführt. Den ARAG MedExtra und den ARAG MedBest. Beide sind Tarife der privaten Krankenvollversicherung, mit der Zielgruppe Angestellte, aber auch Selbstständige.

Die ARAG hatte natürlich auch vorher schon Tarife der privaten Krankenversicherung, und so ergeben sich bei den neuen Tarifen einige Besonderheiten und Fragen. Oftmals kommen Interessenten zu mir, welche sich schon einmal im Internet zu der PKV informiert haben. Dabei häufen sich einige Fragen.

Interessent_ARAG_MedBest_Schwachstellen

Die Tarife erscheinen auf dem ersten Blick extrem günstig. Gerade im oberflächlichen, direkten Vergleich mit Mitbewerbern stellt sich der Kunde durchaus die Frage, warum ist der Tarif so günstig. Die ARAG wirbt auch gern damit, einen hochleistungsfähigen Tarif zu haben, welcher viel besser ist (oder zu sein scheint) im Vergleich zum Rest des Marktes.

Dabei sind sie in der Preisregion gar nicht mal allein. Ein dreißigjähriger Versicherter muss für den ARAG MedBest 0 (ohne Selbstbeteiligung) einen Beitrag von 521 Euro, zuzüglich gesetzlichem Zuschlag aufwenden.

ARAG MedBest – billig oder gerechtfertigt?

Wenn wir uns die private Krankenversicherung genauer anschauen, dann stützt sich eine Entscheidung für oder gegen einen Tarif auf mehrere Grundlagen. Zuerst einmal ist dort das Leistungsspektrum des Tarifes. Die vertraglich garantierten Leistungen eines Tarifes lassen sich durch den Versicherer nicht einseitig ändern. Vereinfacht formuliert bedeutet das, heute in den Versicherungsbedingungen garantierte Leistungen bleiben auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten. Der Versicherer kann nichts herausstreichen, aber auch nichts hinzufügen. Die Leistung ist damit die einzige Säule bei der Tarifentscheidung, welche dauerhaft konstant ist. Das bedeutet nicht, das sie nicht selbst aktiv etwas ändern können, Tarife wechseln oder Veränderungen vornehmen. Die zweite Säule ist dabei die zukünftige Beitragsentwicklung. Es nützt uns allen wenig, wenn wir in einem Tarif versichert sind, welcher unbezahlbar wird. Warum er das werden kann, beziehungsweise warum die Beiträge steigen können, habe ich in einem anderen Betrag bereits ausführlicher erklärt.

Erklärungen und Infos: Beitragsanpassungen in der PKV

Wie funktioniert eine Krankenversicherung generell?

In der privaten Krankenversicherung vereinbart der Versicherer einen Beitrag, der zunächst einmal heute gilt. Dieser kalkulierte Betrag basiert auf Informationen zu statistischen Kostenwahrscheinlichkeiten, der Lebenserwartung und der Kalkulation des Versicherers. Würde ich also als Versicherer A davon ausgehen, dass sie nur sechzig Jahre alt werden, wäre mein Betrag viel geringer. Warum? Nun, ich müsste nur entstehenden Kosten bis zu diesem Zeitpunkt kalkulieren. Das geht nicht, daher greifen Versicherer auf sogenannte Sterbetafeln zurück. Diese statistischen Berechnungen und Behebungen bilden die Grundlage. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Menschen werden älter, die Medizin wird besser und ermöglicht ein längeres Leben.

Langes Leben – hohe Kosten?

Wer nun länger lebt, der verursacht auch länger Kosten. Neben dieser Kostensteigerung spielen auch die medizinischen Kosten und die Weiterentwicklung in der Medizin eine deutliche Rolle. Wenn wir uns überlegen, wie viele Menschen vor Jahrzehnten noch an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind, und wie lange diese heute (teilweise wieder unbeschwert) leben, wird diese Entwicklung sehr deutlich.

Der dritte Punkt, welcher eine Rolle bei der Kalkulation spielt, ist der Rechnungszins. Stellen wir uns vor, wir müssten zu einem bestimmten Termin eine Summe von 100.000 Euro angespart haben. Bei einem Zins von 5% und der daraus resultierenden Zinseszinsen müssen sie dazu einen Betrag X jeden Monat weglegen. Beträgt der Zins nur noch 3%, so müssen sie dafür einen wesentlich höheren Betrag jeden Monat auf die hohe Kante legen, damit sie nach gleichem Zeitablauf den gleichen Endbetrag haben.

Ein Zahlenspiel

In Zahlen. Um in 30 Jahren 100.000 € anzusammeln, braucht es bei 5% Zins 122 € und bei nur 3% Zins schon 172 €. Zwei Prozent weniger Zins auf 30 Jahre führen zu einer fast ein Drittel höheren Sparrate.

Diese wirkt sich auch gleich auf die private Krankenversicherung aus. Stichwort Niedrigzinsphase. Je geringer die Zinserträge aus den Kapitalanlagen sind, desto schneller muss ich meine Prämien anpassen.

ARAG MedBest – das Rad neu erfunden?

Sie als Kunde verursachen generell erst mal nicht mehr oder nicht weniger Kosten. Unterstellen wir völlige Leistungsgleichheit zweier Tarife (die es so nicht gibt) so werden sie nicht kränker oder bleiben nicht gesünder, nur weil sie bei Versicherer A, B oder C versichert sind. Der Versicherer erstattet ihnen die Versicherten- und die angefallen Krankheitskosten. Er kann aber wenig dafür und es liegt außerhalb seiner Macht, wie gesund oder wie krank sie sind. Haben sie jetzt also zwei Leistungsgleiche Tarife mit unterschiedlichem Beitrag, stellt sich die Frage, für welchen sie sich entscheiden.

Sie wählen den Tarif, welcher 500 statt 600 Euro Monatsbeitrag kostet? Dann stehen diesem Tarif auch 100 Euro weniger für die Bildung für Alterungsrückstellungen zur Verfügung. Der Versicherer legt also generell einen Teil des Beitrags zurück. Das Geld was er nicht für die aktuelle Risikodeckung benötigt wird angelegt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei dann der Zins- und Zinseszins Effekt. Entscheide ich für den Versicherer mit dem geringeren Beitrag, nehme ich ihm die Chance mehr Geld zurückzulegen. Geld was ich nicht habe, kann ich weder anlegen, noch ausgeben.

ARAG MedBest – ist günstiger Beitrag das das entscheidende Ziel?

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn etwas einen geringeren Preis hat. Auch spielen leider Preise eine übergeordnete Rolle in vielen Bereichen. Sei es ein Internetvergleichsrechner bei Check24, oder leider auch in viele Beratungen. Der Makler, Vertreter oder der Kunde selbst sortieren sich ihre Tabellen nach Preisen. Das ist jedoch in der Krankenversicherung der falsche Ansatz. Die Sortierung nach dem Preis und das „immer der billigste sein zu wollen“ verschiebt teilweise die Wahrnehmung.

ARAG MedBest – wie machen die das zu diesem Preis?

Wer sich nun mit den Leistungen der Tarife beschäftigt, der wird sich irgendwann eine berechtigte Frage stellen. Wie kommt die Kalkulation des Versicherers für den Tarif MedBest zustande? Ein Tarif ohne Selbstbeteiligung und mit (auf den oberflächlichen Blick) hohen Leistungen, der zu dem bis zu 200 Euro weniger im Monatsbeitrag kostet. Andere Toptarife liegen da zum Teil deutlich darüber. Natürlich unterscheiden sich die Leistungen. Wichtiger als die oberflächliche Leistung in einem Prospekt zu lesen, sind die Versicherungsbedingungen. Dabei kann manchmal ein kleines Wörtchen in einem Satz die Entscheidung darüber treffen, ob ein Versicherer leisten muss oder eben nicht. Solche Leistungsbeschränkungen finden wir auch in allen Versicherungsbedingungen. Eine Frage ist am Ende jedoch, wie diese ausgestaltet sind.

Als Beispiel schauen wir uns einmal die Formulierung bei den Hilfsmitteln an.

(Auszug aus den Versicherungsbedingungen, Paragraf 4 Absatz 2 Punkt 5):

Hilfsmittel mit einem Bezugspreis von unter 1.000 Euro sind ohne vorherige Genehmigung durch den Versicherer erstattungsfähig. Wird ein Hilfsmittel mit einem Bezugspreis ab 1.000 Euro ohne vorherige schriftliche Zusage des Versicherers bezogen, werden 80% des erstattungsfähigen Rechnungsbetrags für die funktionale Standardausführung für die tarifliche Erstattung zu Grunde gelegt. Als Bezugspreis gilt der Preis für die gesamte Versorgung.

Diese Formulierung bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Natürlich ist jede Regelung akzeptabel, welche vor Vertragsabschluss klar und deutlich kommuniziert wird. So lange sie „wissen was sie da tun“ können sie unterschreiben was sie möchten.

Die erste Einschränkung besteht in dem ARAG MedBest darin, dass sie bei Hilfsmitteln über 1.000 Euro eine schriftliche Genehmigung benötigen. Weiterhin, und die Einschränkung ist deutlich größer, ist nur die sogenannte „funktionale Standardausführung“ erstattungsfähig.

Wenn sie Zeit und Lust haben, gehen sie beim nächsten Spaziergang durch die Stadt an einem Sanitätshaus vorbei. Dort fragen sie, was eine moderne Prothese des Unterschenkels in der besten Absicherung und einmal in der Standardausführung (funktional) kostet. Sie werden überrascht sein, wie groß der Unterschied ist.

Dieses ist nur ein sehr einfaches Beispiel, es zeigt aber sehr gut, warum ein Tarif billig kalkuliert werden kann. Wenn ich mir als Versicherer genug Formulierungen, in den Bedingungen schaffen, in denen ich meine Leistungen begrenzen oder reduzieren kann, dann ist es auch möglich einen billigen/günstigen Tarif auf den Markt zu bringen.

ARAG MedBest – Wollen sie billig? Günstig? Oder gut?

Natürlich gibt es Situationen, Kunden und Ansprüche, wo auch dieser Tarif passen kann. Jedoch sollten sie sich sehr genau die Frage stellen, wie eine solche Kalkulation zustande kommt. Dabei ist es wichtig die Bedingungen bis in den letzten Winkel zu lesen. Ohne einen spezialisierten Berater wird das oftmals etwas schwierig. Leider wird jedoch von vielen Beratern „nach dem Preis“ verkauft. Frei nach dem Motto: „Bevor ich gar nichts verkaufe, verkaufe ich lieber etwas Billiges.“ und habe ein Geschäft gemacht.

Damit kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt Tarife, Gesellschaften und Konstellationen, wo die private Krankenversicherung nicht passt. Es gibt Kunden, wo die PKV nicht passt. Dabei habe ich kein Problem damit, von Tarifen oder dem generellen Wechsel abzuraten.

Ich möchte auch nicht, dass dieser Beitrag als generelle Meinung gegen den MedBest der ARAG KV verstanden wird, ich möchte sie aber sensibilisieren. Machen sie sich klar, wo die Lücken und Haken sind. Fragen sie sich wie eine Kalkulation funktionieren soll, wenn diese weit vom Durchschnitt des Marktes abweicht. Schon mein Opa hat schon früher gesagt: „Wer billig kauft, kauft zweimal“.

Das Problem in der Krankenversicherung ist jedoch, dass es in vielen Fällen keinen zweiten Kauf geben wird. Wenn sie merken, dass ihre Entscheidung falsch war und sie nun krank sind, dann lässt sich diese nicht mehr revidieren. Daher möchte ich sie nur eindringlich warnen, voreilig aufgrund des Preises eine Tarifentscheidung zu treffen. Machen sie sich in Ruhe Gedanken zu den Fragen, was ihnen persönlich wichtig ist. Sie müssen keinesfalls immer den besten Tarif kaufen, ein guter Mittelklassewagen fährt ebenso. Je geringer der Preis, umso weniger Leistungen kann ein Tarif (wenn er vernünftig kalkuliert ist) auch enthalten.

Fragen sollten sie sich aber in jedem Fall: „Wie kann etwas, was vermeintlich gleich gut sein soll“, deutlich billiger sein?

Wer sich für einen reduzierten Versicherungsschutz entscheidet, und das weiß, für den sind auch solche Tarife in Ordnung. Viele meiner Kunden kennen aus der Beratung einen Satz:

„Wichtiger als zu wissen was ein Tarif leistet, ist zu wissen, was er nicht leistet.“

Sie müssen verstehen und begreifen, wo es Leistungslücken und Probleme eines Tarifes liegen. Aus meiner Sicht sind in den Tarifen hier Punkte vorhanden, welche sie zum Nachdenken bringen sollten. Zum einen handelt es sich um einen neuen Tarif am Markt (Einführung war 2019) und daher fällt es uns schwer etwas zu den Versichertenkollektiven zu sagen. Eine Beitragsanpassung hat bisher nicht stattgefunden. Diese wir auch zum 1.1.2022 nicht stattfinden, da die sogenannten auslösenden Faktoren sich erreicht sind. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass eine Beitragsanpassung in Zukunft all die Anpassungen nachholen muss, welche bisher nicht erfolgt sind.

Auch halte ich Formulierungen in den Bedingungen für bedenkenswert. Als Beispiele seien hier die Hilfsmittel, die Heilmittel, die Geltung im Ausland, Zahnhöchstgrenzen, KFO oder auch andere Punkte genannt. Unbestimmte Begriffe oder beschränkte Leistungen können zu riesigen Eigenanteilen führen.

Ein Beispiel wie das mit der „mittleren Ausführung“ und der „funktionalen Standardausführung“ aussehen kann, finden sie auch in dem folgenden Beitrag unter dem Link:

Continentale: „einfach vs. billig“ oder „Was Hilfsmittel kosten

ARAG MedBest – Ein Fazit?

Nicht ganz, denn ich kann ihnen weder eine Tarif Empfehlung für oder gegen einen solchen Tarif geben. Das möchte ich auch nicht tun. Um eine solche, weitreichende Entscheidung treffen zu können, benötigen sie Beratung. Lassen sie sich durch ihren Berater ausbilden. Er muss sie in die Lage versetzten, dass es ihnen gelingt Bedingungsaussagen zu lesen und zu verstehen, um dann die Auswirkungen abschätzen zu können.

Das ist sicher der Grund, warum es keinen guten oder schlechten Tarif gibt, nur einen passenden oder unpassenden. Nur, wenn sie verstehen welche Risiken in Tarifen enthalten sind (sei es in der Kalkulation oder in den Leistungen) nur dann können sie fundiert entscheiden.

Informationen wie sie zur passenden privaten Krankenversicherung kommen, welche Fragen sie ihrem Berater oder sich selbst stellen müssen, dazu habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt. Unter den folgenden Links finde sie die entsprechenden Beiträge.

21.
Juni '21

Risikovoranfrage PKV – Fehler vermeiden, sicher beantragen


Auf dem Weg zur passenden privaten Krankenversicherung haben Sie sich bisher mit Tarifen und den Auswahlkriterien beschäftigt, nun folgt dann die Risikovoranfrage PKV. Jetzt  Alle Prämien aus den Tarifunterlagen beziehen sich auf einen gesunden Neukunden in ihrem Alter. Das heißt aber auch, dass der Versicherer erst dann eine genaue  und finale Einschätzung abgeben kann, wenn er ihren Gesundheitszustand genauer kennt. Für diese Einschätzung nutzen wir den Weg der anonymen Risikovoranfrage.

Warum anonym? Weil sie nicht möchten, dass entsprechende Gesundheitsangaben bei den Versichern liegen, die wir vielleicht später nicht mehr korrigieren können. Dabei geht es keinesfalls darum, Angaben zu verschweigen oder schön zu reden. Wir benötigen vielmehr eine genaue Aufbereitung der gesundheitlichen Historie.

In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen, wie der Prozess der anonymen Risikovoranfrage abläuft, welche Unterlagen wir benötigen und was sie parallel vorbereiten können.

Risikovoranfrage – welche Unterlagen benötigen Sie?

Bei der Risikovoranfrage geht es um eine detailgenaue Beantwortung der Gesundheitsfragen, welche bei jedem Versicherer unterschiedlich sind. Um diese Fragen richtig und vollständig beantworten zu können, benötigen wir die Angaben zu ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte. An größere Sachen werden sie sich meist direkt erinnern. Wer einmal im Krankenhaus war, der weiß das in der Regel. Auch wenn die Behandlung schon einige Zeit zurückliegt, größere Behandlungen im Krankenhaus, ambulante Operationen, aber auch Reha-Aufenthalte bleiben im Gedächtnis.

Die Erinnerungslücken werden meist größer, wenn es sich um kleinere Erkrankungen handelt, wenn sie also erkältet waren oder eine Magen-Darm-Grippe hatten. Auch einen eingewachsenen Fußnagel, Nagelpilz oder Kopfschmerzen werden schnell vergessen. Dennoch sind diese Angaben, wenn der Versicherer danach fragt, in ihrem Antrag auf eine Private Krankenversicherung anzeigepflichtig .

Besorgen sollten sie sich deshalb folgende Unterlagen:

– eine Kopie der Krankenakte ihres Hausarztes
– eine Kopie der Krankenakte bei Fachärzten
– Informationen zu Behandlungen bei ihrem Zahnarzt, inklusive fehlender Zähne
– wenn vorhanden, die Entlassungsberichte des Krankenhauses (das kann auch der Arztbrief vom Krankenhaus an ihren Hausarzt sein)
– einen Auszug ihrer gesetzlichen Krankenkasse (den finden sie online im Portal ihrer GKV, oder diesen fordern sie schriftlich an)

Für die Anforderung der Krankenakte habe ich Ihnen im Downloadbereich Musterformulare und Musterschreiben zur Verfügung gestellt. Mit diesen ist es einfach und schnell möglich, die Krankenakte anzufordern. Weitere Details und Fragen rund um Ihre Patientenakte finden Sie HIER in den Beiträgen zur

„Krankenakte und den Patientenunterlagen“.

Ist eine Praxis schon geschlossen, da der Arzt sich zur Ruhe gesetzt hat, finden Sie hier Hilfe. „So kommen Sie an die Krankenakte nach Schließung der Praxis„. Diese Unterlagen müssen nicht zwingend bei ihrem Versicherer eingereicht werden und in einigen Fällen sollten Sie dieses auch nicht tun. Was aber wichtig ist, was nicht fehlen darf, das klären wir gemeinsam. Es erleichtert ihnen aber die sorgfältigere Beantwortung der Gesundheitsfragen sehr.

Risikovoranfrage PKV – muss ich wirklich jede Erkältung angeben?

Ein Versicherer wird sie nicht ablehnen, weil sie im Frühjahr Herbst und Winter eine entsprechende Erkältung hatten. Dennoch, ganz genau genommen, sind auch diese Erkältungen oder grippalen Infekte anzeigepflichtig. Wenn sie jetzt einen Blick an die Anträge werfen, dann werden sie sehen, es gibt hier nur wenige kleine Felder. Bei den meisten Antragstellungen passen hier unmöglich alle Untersuchungen hinein. Sie können also einfach eine Tabelle anfügen, in der sie die Gesundheitsangaben ergänzen. Wichtig ist dabei, dass sie sie angeben wann die Behandlung war, welche Behandlung es war, ob diese zu Arbeitsunfähigkeit geführt hat und ob diese ausgeheilt ist.

Ebenso hilfreich ist die Frage, ob sie operiert wurden oder ob noch Untersuchungsergebnisse ausstehend sind oder weitere Behandlungen geplant sind. Wenn sie sich nicht sicher sind, welche Angaben sie aus einem Krankenhausentlassungsbericht, fügen sie gern den Bericht als Foto oder als Scan direkt der Voranfrage bei. Auch Operationsberichte oder Befunde und Laborwerte legen Sie einfach bei. Bevor dieser an den Versicherer geht, anonymisieren wir ihre Anfrage und löschen die persönlichen Daten aus dem Dokument.

Risikovoranfrage PKV – der Arzt sagt: „Der Versicherer soll direkt bei mir anfragen“

Viele Ärzte haben diese Antwort auf eine Anfrage parat. Die Ärzte meinen, wenn der Versicherer etwas wissen möchte, dann soll er doch bitte direkt bei mir anfragen. Hintergrund hierzu, der Arzt kann diese Anfrage abrechen. Das wollen wir aber nicht. Dazu muss der Versicherer dann persönliche Anhaben haben. Mit der Schweigepflichtsentbindung fragt er an, aber dann ist es mit der anonymen Voranfrage vorbei. Denn sobald der Versicherer Kenntnis über ihren Namen, dem Geburtsdatum und dem Arzt bekommt, kann eine Anfrage unmöglich anonym sein. Damit wir also unser Ziel einer anonymen Anfrage verfolgen können, brauchen wir auch die mit Hilfe des Arztes.

Einige Ärzte sträuben sich auch aus einem anderen Grund ihnen ihre Krankenakte zu geben. Wenn sie in den letzten Jahren einige Berichte in der Presse mitverfolgt haben, dann werden sie gelesen haben, dass hier vielfach Abrechnungsdiagnosen gab. Freundlich formuliert hat sie ihr Arzt also „kränker“ gemacht, als sie in Wirklichkeit waren. Der Hintergrund dafür ist die Abrechnungsfrage. Ohne das jetzt im letzten Detail zu der Abrechnungsmodalität erklären zu wollen, umso kränker sie sind, umso besser für die Krankenkasse und den Arzt. Eine Rolle spielen hierbei Zuweisungen von Beträgen aus dem Gesundheitsfonds.

Was tun, wenn die Angaben in der Krankenakte falsch sind?

Jetzt kann es durchaus passieren, dass in ihrer Krankenakte Angaben zu ihren Diagnosen finden, die vielleicht gar nicht hatten. Weit verbreiten sind Diagnosen wie stressbedingte Überlastung oder Skoliose, auch Rückenprobleme und andere Untersuchungsergebnisse tauchen dort auf. Die erste Wahl ist es immer, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. Aus Erfahrung sind viele Ärzte durchaus bereit Diagnosen auch nachträglich sauber zu attestieren. Hier kann es sich um weitere Befunde handeln, oder auch den Hinweis, dass es die abgerechnete Diagnose so nicht gab. Dabei geht es gar nicht um die Löschung oder nachträglicher Veränderung der Krankenakte. Ziel ist ein entsprechendes Attest und damit eine Klarstellung. Wer also in seiner Krankenakte chronische Rückenschmerzen findet, aber nur einmal beim Arzt da war, der sollte das klarstellen lassen.

Das allein ist nicht der Schlüssel aller Probleme, aber ein Weg dahin. So tauchen immer wieder so genannte F-Diagnosen, also Krankheiten aus dem Bereich der Psyche auf. Diese verhindern, ohne weitere Aufbereitung der Unterlagen, eine Aufnahme in die PKV. Manchmal merken auch Ärzte, dass hier mit einer abgerechneten Diagnose über das Ziel hinaus geschossen wurde. Der Arzt muss also mit ins Boot, auch wenn dies die Einträge bei der Krankenkasse nicht ändert.

Mobbing PKV Antrag

Kommen sie mit dem Arzt nicht allein zurecht, hilft manchmal ein entsprechendes Muster zukommen lassen. Einige Ärzte fragen auch direkt, wie Kollegen dies gelöst haben. Schließlich ist auch für den Arzt Abrechnungsbetrug kein Kavaliersdelikt. Vielen Ärzten hilft es, ihnen eine Brücke zu bauen. Eine falsche Diagnose nur der Abrechnung willen ist falsch und das wissen auch Ärzte. Gemeinsam lassen sich aber meist Lösungen finden.

Risikovoranfrage – wie nun weiter?

Wenn sie die Antragsangaben gemacht haben, so senden sie mir diese Unterlagen gern wie gehabt per E-Mail zu. Alles was nicht in die Formulare passt, einfach auf einem Beiblatt beschreiben und auflisten. Sie können diese mit einem Passwort versehen alternativ kann ich ihnen einen Link zu einem passwortgeschützten Ordner senden. Nachdem diese Unterlagen vorliegen biete ich ihnen an, diese vorab noch einmal zu besprechen. Damit beseitigen wir Unklarheiten, ergänzen Angaben und schauen gemeinsam, dass nichts vergessen wird. Wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben (Allergien, Rückenbeschwerden, Einlagen für die Schuhe), dann kann es sinnvoll sein dem Versicherer gleich den entsprechenden Fragebogen beizulegen. Eine große Anzahl der Fragebögen, finden sie auf der Homepage unter Downloads und Antragsunterlagen klicken, und sich dann bei der jeweiligen Gesellschaft den Fragebogen heraussuchen, der auf ihre Erkrankung am Besten passt.

Ein Beispiel:

Es bringt relativ wenig, wenn im Antrag steht „Heuschnupfen“. Es bringt aber durchaus viel, wenn im Antrag neben der Angabe Heuschnupfen der Allergiefragebogen ausgefüllt und beigelegt wird. Hier stellt der Versicherer zusätzliche Fragen, zum Beispiel nach der Beteiligung von Asthma. Die Dauer Ihrer Beschwerden, oder noch geplanten Desensibilisierungen sind ebenso wichtig. Je genauer ihre Angaben, desto besser und einfacher ist eine entsprechende Einschätzung möglich.

Sobald ich von den Versicherern eine Rückmeldung bekommen habe, sammle ich diese und stelle ihnen dann die Auswertung der Tarife mit den realen Prämien zu Verfügung. Das sind dann die Prämien, die bereits den Risikozuschlag enthalten. Auch bekommen sie Informationen darüber, ob der Zuschlag dauerhaft ist oder nach einer bestimmten Zeit entfällt oder überprüft werden kann.

Erst wenn all diese Angaben vorliegen, schätzt der Versicherer das Risiko final ein. Nun haben wir verbindliche Prämien, erst dann besprechen wir die finale Ausgestaltung. Dazu gehören Fragen zur Höhe des Krankentagegeldes, zur Beitragsentlastung und weiteren Bausteinen. Erst weit nach der Risikovoranfrage PKV stellen wir dann einen Antrag. Finden sich im Antrag die identischen Angaben wie in der Voranfrage, ist die Entscheidung sicher. Der Versicherer nimmt diesen Antrag zu den angebotenen Konditionen an.

Keine Angst, aber in Ruhe und beacht entscheiden

Ohne Ihnen Angst machen zu wollen, bedenken sie dabei aber:

Alle neuen Erkrankungen, die bis zur tatsächlichen Antragsstellung dazu kommen, sind auch weiterhin angabepflichtig. Lassen wir uns zu viel Zeit und es haben sich weitere vielleicht Erkrankungsbilder ergeben. Auch eine Vorsorgeuntersuchung mit neuen Laborwerten oder eine Krankheit, kann schnell einen Antrag verhindern. All das müssten wir nachträglich nachmelden. Damit beginnt der Prozess der Vorantrage dann erneut.

Mit diesem Weg kommen wir jedoch schnell und auch sicher zu einer sauberen Voranfrage. Wir vermeiden das Risiko einer Anzeigepflichtverletzung und späteren Problemen. Im besten Fall ist es ein rückwirkender Zuschlag, im schlimmsten Fall aber auch die Kündigung durch den Versicherer. Auch ein späterer Rücktritt wäre ein Problem. Beides möchte niemand und Sie ganz sicher nicht erleben.

Auch wenn ein Zuschlag mehr Beitrag bedeutet, in vielen Fällen ist der sinnvoll und nötig. Warum, habe ich in einem anderen Beitrag zu Risikozuschlägen aufgeschrieben und erkläre ich in einem anderen Beitrag anhand meiner persönlichen Geschichte nochmals.

Sie haben weitere Fragen dazu, oder sie interessieren die Themen Voranfrage oder Zuschläge? Klicken Sie auf die folgenden Beiträgen für umfangreiche Information:

16.
Juni '21

Beitragsgarantie in der PKV – warum diese als Entscheidungsgrundlage ungeeignet sind


Wir haben Juni. In der Mitte des Jahres überschlagen sich die Gesellschaften zur privaten Krankenversicherung (PKV) wieder einmal selbst. Überall lesen Sie: „Beitragsgarantie in der PKV“. Jeder will der Erste sein, jeder garantiert Beiträge und stellt schöne Zertifikate aus. Hierbei handelt es sich um nichts anderes als ein Versprechen. Ein Versprechen, die Neugeschäftsbeiträge vor dem 1. Januar 2023 nicht mehr anzupassen.

Beitragsgarantie in der PKV- Was bringt diese?

Die Beitragsgarantie ist nichts anders als eine Vorhersage der Gesellschaft, den Beitrag in einem bestimmten Tarif der privaten Krankenversicherung (PKV) bis zu einem Termin X nicht anzupassen. Diese Beitragsgarantie soll Planungssicherheit ermöglichen. Natürlich hat diese einen Marketing-Effekt. Insbesondere möchte man hiermit sagen: „Hey, schaut her: Wir haben stabile Beiträge.

Warum das jedoch wenig bringt und für wen diese Beitragsgarantien gültig sind, das schauen wir uns in diesen Beitrag einmal genauer an.

In den vergangenen Jahren habe ich diese Beitragsgarantien immer dann veröffentlicht, wenn die Gesellschaft diese herausgegeben haben. Einige Kunden und auch Kollegen hecheln diesen hinterher. Maklerbetreuer schicken überschwängliche Mails: „Schaut her, wir garantieren!“

Beitragsgarantie in der PKV- für wen gelten diese?

Die Beitragsgarantien beziehen sich grundsätzlich und immer nur auf das Neugeschäft. Die Gesellschaften veröffentlichen somit die Tarife, welche für Neukunden zum 1. Januar des Folgejahres nicht angepasst werden. Das heißt nicht, dass der Beitrag am 1.12. identisch mit dem Beitrag am 1.1. ist. Das Eintrittsalter ändert sich in jedem Fall trotzdem. Damit steigt auch der Beitrag in der Krankenversicherung an. Warum eine solche Information dennoch eine Orientierung geben kann, dazu gleich mehr. Generell hier noch zwei weitere Links/ Informationen zu:

Beitragsanpassungen in der Privaten Krankenversicherung 

Ein Jahr jünger in die PKV

Beitragsgarantie in der PKV- was sagen diese über die Beitragsstabilität aus?

Ein Tarif, welcher zum 1. Januar des Folgejahres nicht angepasst wird, ist weder gut noch schlecht. Für die Bewertung eines Tarifes bzw. der Beitragsstabilität eines solchen Tarifes müssen wir einen längeren Zeitraum beachten. Zudem sind neben den Neugeschäftsbeiträgen insbesondere die Beträge interessant, die der Bestandskunde zahlt.

Beitragsgarantie in der PKV

Wurde also ein Tarif über einige Jahre nicht angepasst, wird dieser oftmals als beitragsstabil verkauft. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Beitragsgarantie in der PKV- warum werden Beiträge angepasst?

Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung habe ich in einem anderen Beitrag hier auf dem Blog schon einige Male erklärt. So schauen Sie sich gern das Beispiel des AXA VITAL Tarifes an. Generell hat es unterschiedliche Ursachen. Zum einen führt eine gestige Lebenserwartung zu steigenden Beiträgen in der Krankenversicherung, denn der Versicherer muss länger zahlen. Aus statistischen Erhebungen wissen wir zudem, dass die letzten Jahre im Leben eines Menschen oftmals die teuersten sind. Dazu bedarf es nicht mal einer Pflegebedürftigkeit. Menschen sind im Alter schlichtweg öfter krank und verursachen dementsprechen höhere Kosten. Ein weiterer Grund, welcher zu Beitragsanpassungen in einem Tarif führt, ist die Niedrigzinsphase.

Nehmen wir an, wir benötigen für einen Kunden bei Renteneintritt einen Betrag (fiktiven) von 200.000 Euro, um seine Kosten bis zum Lebensende zu decken. Jetzt kann man relativ einfach ausrechnen, welchen Betrag ich monatlich zurücklegen muss, um (abhängig vom aktuellen Alter) bis zum Rentenbeginn diesen Betrag angespart haben.

Bei einer Ansparzeit von 37 Jahren (Kunde heute 30 Jahre alt, bis 67) braucht es

bei 3,5% Zins, ca. 222 € monatlich als Sparrate

Dazu spielt es eine wichtige Rolle, ob ich zum Beispiel 3,5, 2,5 0,5 % oder gar keinen Zinsertrag pro Jahr erwirtschafte.

bei 2,5% schon 275 € 

bei 1,5% dann 337 € 

und bei 0% exakt 450 € MONATLICH.

Umso höher mein Zinsertrag, desto geringer ist mein monatlicher Sparanteil. Hat der Versicherer nun in der Vergangenheit zum Beispiel mit einem Rechnungszins von 3,5 % kalkuliert, erreicht diesen nun nicht mehr und bekommt vielleicht noch 2 %, so muss die monatliche Sparrate steigen.

In unserem ganz vereinfachten und fiktiven Beispiel, steigen die Beiträge von 275 € auf 450 € monatlich.

Der dritte Punkt, warum Beiträge steigen, ist die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Neue Medikamente, höhere Honorare für Ärzte und besondere Ausgaben führen ebenfalls zu einer Steigerung. All diese Punkte treffen generell erstmal auf alle Versicherten und alle Tarife zu.Beitragsgarantie PKV 2023

Also kann sich auch kein Versicherer der Niedrigzinsphase, gestiegenen Gesundheitskosten oder dem Älterwerden der Kunden entgehen. Wird hier nicht angepasst, so muss diese Anpassung irgendwann nachgeholt werden. Selbst, wenn der Versicherer noch so gut kalkuliert hat, wenn plötzlich der Zinsertrag kleiner wird und die Kosten steigen und dazu noch eine längere Lebenserwartung kommt, dann muss angepasst werden.

Nun legt der Gesetzgeber aber sehr enge Voraussetzungen für eine Beitragsanpassung vor. Somit kann der Versicherer nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen anpassen, Wenn diese Anpassungsvoraussetzungen jedoch nicht erfüllt sind, muss er warten. Wenn nun über mehrere Jahre keine Anpassung erfolgte, dann ist das kein Zeichen für eine besonders stabile Kalkulation, sondern unter Umständen ein Anzeichen für eine bald anstehende höhere Steigerung.

Vielen Kunden hingegen ist es jedoch lieber, wenn die Beiträge kontinuierlich in kleineren Schritten steigen und nicht alle paar Jahre in großen Schritten.

Beitragsgarantie in der PKV – sagt es nun gar nichts aus?

Doch. Gerade die Beitragsgarantie in Verbindung mit anderen Informationen zu dem Tarif gibt durchaus Aufschluss darüber, wie die Kalkulation des Versicherers aufgestellt ist. Sie wissen zudem auch, ob Sie als Neukunde zum 1. Januar die Folgejahre mit einer Prämienanpassungnpassung rechnen müssen. Einige Gesellschaften veröffentlichen auch bereits im Herbst die Beiträge für das nächste Jahr. Selbst, wer also einen Tarif abschließen möchte, der Anpassungsbedarf zum 1. Januar hat, kennt diesen Beitrag somit schon weit im Voraus.

Wichtig ist aber in jedem Fall, nicht eine vermeintliche Beitragsgarantie als Grundlage für die Entscheidung für oder gegen einen Tarif in der privaten Krankenversicherung zu wählen.

Auswahlkriterien für die private Krankenversicherung

Um den passenden Tarif zu finden, ist es wichtig zu wissen, was es gibt. Nur, wenn ich Ihnen sage, dass es heute am Markt Autos mit einem Airbag gibt, nur dann können Sie überlegen, ob für Sie dieser Airbag wichtig ist.

Würden Sie heute ein Auto ohne Airbag, ohne ABS oder ohne Gurt kaufen? Wenn Ihnen niemand etwas zu neuen Features erzählt, dann können Sie auch für sich keine begründete Entscheidung treffen. Aus diesem Grund habe ich auf einer speziellean Beratungsseite Details zusammengestellt, damit Sie sich ein Bild über Ihre Vorstellung und die Anforderungen an den passenden Tarif machen können.

Gemeinsam lässt sich dann herausfinden, welcher der unzähligen Tarife am Markt dafür geeignet ist und welche Tarife in die engere Auswahl kommen. Bevor Sie sich also auf ein vermeintliches Garantiezertifikat verlassen, schauen Sie sich zunächst einmal die Versicherer und Tarife neutral an.

Anhand einer Beitragsgarantie oder der Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre eine Tarifauswahl entscheiden zu wollen, ist schlichtweg unmöglich und schönes Marketing. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

14.
Juni '21

Digitaler Impfpass – so bekommen Sie ihren digitalen Impfpass auf dem Handy


Heute ist es soweit, Ihr Digitaler Impfpass (das Digitale Impfzertifikat) kommt auf das Smartphone. Auch wenn es gar nicht direkt etwas mit der Krankenversicherung zu tun hat, indirekt schon. Heute, den 14. Juni 2021 soll es soweit sein, die digitale Version des gelben Impfpasses oder der Impfbescheinigung kommt auf das Smartphone. Damit sollen Reisen erleichtert werden und ein bisschen Papier abgebaut.

Auch wenn viele der Fragen bereits besprochen sind, bleiben immer wieder Rückfragen übrig. Interessanterweise habe ich im LiveChat hier in den letzten Tagen genau davon einige gehabt. Um es nicht jeden Tag neu zu schreiben, schreibe ich es einmal auf. Ich als altes Faultier.

Daher hier ganz kurz zusammengefasst die wichtigsten Fragen zum digitalen Impfpass:

  • 1.) Ab wann bekomme ich den digitalen Impfpass?

  • 2.) Kann ich meinen gelben Impfpass weiter nutzen?

  • 3.) Gilt meine Impfbescheinigung weiter?

  • 4.) Wer kann den Impfpass ausstellen?

  • 5.) Was muss ich mitnehmen um den neuen, digitalen, Pass zu bekommen?

  • 6.) Was, wenn ich kein Smartphone habe?

  • 7.) Welche Apps kann ich nutzen, um den Pass anzuzeigen?

Das sind sicher nicht alle Fragen, aber einige die immer wieder gestellt werden und wurden. Daher eine kurze Zusammenfassung der Antworten. Schreiben Sie gern Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

Eine Bitte noch. Egal ob Impfzentrum, Apotheke, Hausarzt. Ja, es ist eine Dienstleistung, welche auch bezahlt wird. Aber: SEIEN SIE BITTE NETT zu den Mitarbeiter:Innen, die machen auch nur Ihren Job und haben es nicht verdient angemault zu werden.

1.) Digitaler Impfpass – Ab wann bekomme ich den?

Nach der Einführung in der letzten Woche, sollen die Apotheken heute (Montag, 14.6.21) den neuen, digitalen Impfpass ausstellen können. Dabei muss nicht jede Apotheke mitmachen, auch nicht jede wird zu Beginn dabei sein. Auch für Apotheken ist es ein logistischer Aufwand, es müssen Mitarbeiter dazu abgestellt und geschult werden. Welche Apotheken dabei sind, hat der Deutsche Apothekerverband (DAV) auf seiner Internetseite zusammengestellt und bietet eine Suchfunktion an. Heute Morgen wird dort noch an der Seite gebaut, seien Sie also bitte etwas geduldig.

Digitaler Impfpass DAV Suche

Auf der Seite „Mein-Apothekenmanager.de“ wurde die Suche erweitert. So lässt sich hier nach Serviceleistungen suchen. Neben der bisher schon verfügbaren Suche nach Apotheken mit Schnelltests, kann nun auch nach Apotheken gesucht werden, die den digitalen Impfpass ausstellen.

2.) Digitaler Impfpass – Kann ich meinen gelben Impfpass weiter nutzen?

Natürlich können Sie. Ob Sie den gelben Impfpass (der auch für alle anderen Impfungen gilt) nutzen, oder eine Impfbescheinigung SARS-CoV-2 Ihres Arztes oder Impfzentrums, oder / und das digitale Impfzertifikat, das bleibt Ihnen überlassen. Weder ersetzt eines das andere, noch werden Sie gezwungen nur dies, oder das zu nutzen. Die digitale Version soll Ihnen nur die Nutzung erleichtern. Ich habe mein Handy öfter dabei, um nicht zu sagen immer.

Viele Funktionen, wofür es früher andere Utensilien brauchte (Kreditkarte, Kundenkarten etc.) sind heute einfach und selbstverständlich auf dem Handy verfügbar. Daher… wer will nutzt, wer nicht der lässt es.

3.) Digitaler Impfpass – Gilt meine Impfbescheinigung weiter?

Sicher. Siehe Punkt 2. Alles bleibt wie bisher. Welche der drei Optionen, die für Sie passende ist, entscheiden Sie selbst.

4.) Digitaler Impfpass – Wer kann den Impfpass ausstellen?

Ihr neuer Digitaler Impfpass kann an verschiedenen Stellen ausgestellt werden. Nicht alle werden es heute, jetzt und sofort können und anbieten, aber mittelfristig wird es einige Optionen geben. Die oben unter dem Punkt 1.) erwähnte Suche zeigt Ihnen die erste Anlaufstelle. Die Apotheken.

Zweite Option: Arztpraxen. Sind Sie bei einem Hausarzt oder Facharzt geimpft worden, dann können Sie auch hier (in den kommenden Tagen und Wochen) den Digitalen Impfpass, oder richtig das Digitale Impfzertifikat bekommen. Ob und inwieweit Arztpraxen auch die Ausstellung anbieten, wenn Sie woanders geimpft worden sind, das erfragen Sie bitte bei der Praxis direkt.

Dritte Option: Impfzentrum. Sollten Sie in einem Impfzentrum geimpft worden sein, so kann auch dieses (nicht gleich heute) das Zertifikat ausstellen. Hier gibt es Unterschiede in den Bundesländern. Einige Bundesländer planen zudem den automatischen Versand der Zertifikate für alle, die bereits zweimal geimpft worden sind. (oder bei dem Johnson & J. Impfstoff nur einmal).

Für alle Optionen gilt. Es wird langsam anlaufen und zeitweise sicher etwas holprig. Es ist für alle neu. Mitarbeiter in Apotheken, bei Ärzten und in Zentren. Bitte seien Sie nett!

Der digitale Impfpass ist eine ERGÄNZUNG, Sie haben ja auch so einen Nachweis.

Hier einmal ein Beispiel es es Kunden, welcher heute geimpft wurde. Dieser bekam im Impfzentrum den QR Code gleich mit.

Corona Warn App Impfpass Digital

5.) Digitaler Impfpass – Was muss ich mitnehmen um den neuen, digitalen, Pass zu bekommen?

Wenn Sie eine solche Apotheke für die Ausstellung nutzen möchten, gehen Sie mit dem Originalimpfpass und einem Lichtbildausweis dort hin. Nach Vorlage der Dokumente erstellt die Apotheke dann einen QR Code, welchen Sie mit den Apps (Siehe Punkt 7) scannen können und dann nutzen.

Generell gelten erstmal auch die gleichen Voraussetzungen für Ärzte und Impfzentren. Einige haben die Informationen auch vor Ort gespeichert und wenn es Ihr Hausarzt ist, sollte der auch eine Krankenakte mit den Daten haben. Bei allen schadet es nicht, einfach den Nachweis der erfolgten Impfungen und einen Ausweis mitzunehmen. Spart Zeit für alle und macht es einfacher.

6.) Digitaler Impfpass – Was, wenn ich kein Smartphone habe?

Dann haben Sie keins und müssen sich auch keins kaufen. Wie bereits unter 2.) und 3.) beschrieben wird niemand gezwungen das Zertifikat digital zu nutzen. Es ist eine ERGÄNZUNG zu den bisherigen Möglichkeiten und kein Ersatz. Daher nutzen Sie ganz beruhigt einfach die beiden anderen Optionen weiter.

Für den Impfausweis ist eine Hülle (Hüllen für Impfausweis bei Amazon) vielleicht ganz hilfreich, die kostet nur ein paar Euro und schützt den Pass, damit er nach vielem Vorzeigen nicht so zerfleddert aussieht wie mein alter Reisepass.

7.) Digitaler Impfpass – Welche Apps kann ich nutzen, um den Pass anzuzeigen?

Nach aktuellem Stand gibt es dazu mehrere Möglichkeiten. Je nachdem welches Smartphone-Betriebssystem Sie nutzen, können Sie auch hier unter Alternativen auswählen.

Zuerst einmal die Corona Warn App des Bundes. Diese bietet in der aktuellen Version für Apple iOS Geräte schon eine solche Funktion an.

Download der CORONA WARN APP für APPLE Geräte

In der Android Version ist ebenfalls ein Update angekündigt vorhanden. Jetzt lässt sich das digitale Impfzertifikat auch hier einfügen. Danke H. für den Hinweis.

Download der CORONA WARN APP für Android Geräte

Haben Sie die App(s) schon, dann hilft ein Update.

Eine Möglichkeit ist die neue

CovPass App. Auch diese zeigt das digitale Zertifikat an und erfüllt somit als eigenständige App die Funktion.

CovPass App für Apple Geräte, hier für Android Geräte

und hier für HUAWEI Geräte

Also, lassen wir Ärzten und Apotheken noch ein, zwei, drei Tage Zeit und überrennen Sie nicht alle gleich heute. Mit etwas Vorbereitung bekommt jeder seinen Pass und langfristig auch hoffentlich jeder der mag seine Impfung.

In der Suche (siehe Punkt 1) sieht das bei mir dann so aus:

Digitaler Impfpass Rügen Apotheke

8.) Digitaler Impfpass – Wann kann ich den Pass bekommen?

Generell ist der Pass dann vollständig, wenn die vollständige Impfung abgeschlossen ist. Dabei muss es sich um einen, in der EU (von der EMA) zugelassenen Impfstoff handeln. Bei Biontech/Pfizer und Moderna also nach der zweiten Impfung, bei Johnson & J. nach der ersten Impfung. Danach müssen noch 2 Wochen vergehen, um den entsprechenden Schutz aufzubauen.

Aber: Auch bei erst einer erfolgten Impfung, lässt sich die schon eintragen. Aus Erfahrung von Lesern heute, verlangen einige Apotheken hier einen Zeitraum von 21 Tagen nach der ersten Impfung. Warum es sinnvoll sein kann? Es gibt Länder, welche auch nach der ersten Impfung selbst schon Vorteile (weniger Testen, mehr Freiheiten) ermöglichen. So zum Beispiel Österreich und Tschechien. Daher, wenn Sie die erste Impfung habt und auf die zweite wartet, diese lässt sich schon eintragen.