Archiv für die Kategorie ‘GKV’

16.
November '19

Beitragsanpassungen in der Pflegepflichtversicherung – es geht alles so und es wird weiter gehen (müssen)


In den nächsten Tagen bekommen Sie Post. Dabei ist es völlig egal bei welchem Unternehmen Sie krankenversichert sind, Sie haben immer auch eine private Pflegepflichtversicherung. Diese Beiträge für den Schutz sind gleich! Nur bis auf wenige Cent Beträge unterscheiden sich diese Beiträge bei den Gesellschaften und auch die Leistungen sind zu 100% identisch.

Warum steigen Beiträge in der Pflegepflichtversicherung an?

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Einer der entscheidendsten Gründe ist durchaus positiv zu werten.

Grund 1: WIR LEBEN LÄNGER

Um zu verdeutlichen wie sich die Lebenserwartung eines gesunden Neugeborenen entwickelt hat, schauen wir uns deren Entwicklung in den letzten Jahren einmal genauer an. Das Statistische Bundesamt hat hierzu gerade vor einigen Wochen neue Zahlen veröffentlicht.

Die Grafik zeigt uns zwei unterschiedliche Faktoren, die aber recht deutlich. Auf der einen Seite ist die Lebenserwartung bei Geburt des Neugeborenen in den letzten Jahren stetig gestiegen. Wer in dem Jahr 1991 als Junge geboren wurde, hatte eine Lebenserwartung von 72,47 Jahren, bei Mädchen lag diese bei 79,01 Jahren. Im Jahr 2016 hingegen wurde ein Junge schon 78,48 Jahre alt (statistisch) und damit knapp 6 Jahre älter, Mädchen haben nunmehr vier Jahre mehr zu erwarten und werden statistisch 83,27 Jahre alt. Dazu noch der Hinweis:

Die aktuellen Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes sind sogenannte Periodensterbetafeln. Sie basieren auf Daten zu den Gestorbenen und der Bevölkerung nach Einzelaltersjahren im Betrachtungszeitraum. Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für den jeweiligen Zeitraum (aktuell die Jahre 2016 bis 2018). Eine Prognose der zukünftigen Entwicklung der Lebenserwartung ist demzufolge nicht eingeschlossen. Die Lebenserwartung bei Geburt gibt an, wie lange Neugeborene den aktuellen Überlebensverhältnissen entsprechend durchschnittlich leben würden. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Der zweite Punkt den wir der Grafik aber auch entnehmen können, die Steigerung geht langsamer vorab. Während sich von 1991 bis 2006 die Männer über 4,4 Jahre mehr Lebenserwartung freuen konnten, waren es in den Jahren 2001 bis 2016 (also auch wieder 15 Jahre) nur noch 3,1 Jahre an Zuwachs.

Für die Versicherer bedeutet das aber auch, diese müssen einige Jahre mehr leisten. Gerade in der Pflegeversicherung beutet dieses, am Ende kommen „teure Jahre hinten dran“.

Grund 2: medizinische Versorgung und Pflege wird besser

Ein zweiter Grund der steigenden Kosten ist auch die Tatsache, dass Patienten länger, aufwändiger und damit besser gepflegt und versorgt werden können. Denken Sie einmal an Ihre Großeltern und Urgroßeltern zurück und überlegen sich, wie „fit“ diese mit 60, 70, 80 Jahren so waren. Nun schauen Sie sich die heutige Generation in dem Alter an.

Alt und gebrechlich passt gehört eben nicht mehr zwangsläufig zusammen

Auf der anderen Seite und so makaber das klingen mag, bei einigen Erkrankungen, gerade im Bereich der Herz- Kreislauferkrankungen, nach Schlaganfall oder Herzinfarkt verstarben Menschen früher und damit war nicht nur deren Leben, sondern auch eine Pflege zu Ende. Heute ist das- zum Glück- in vielen Fällen nicht mehr so. Auf der anderen Seite kommen so viele Kosten in der Altenpflege auf uns zu und diese sind durch die Pflegeversicherung abzufedern.

Ganz salopp und klar: Wer länger lebt, wird länger gepflegt.

Das Alter hat es nun einmal so ansich, dass Fähigkeiten und Leistung nachlassen und das viele Menschen am Ende Hilfe benötigen. Diese Kosten und Leistungen werden in der Pflegeversicherung erbracht und steigen dementsprechend.

Auch einen dritten und vierten Grund möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten. Zum einen hat der Gesetzgeber die Leistungen der Pflegeversicherung in den letzten Jahren deutlich verbessert und das Geld dafür muss auch irgendwo herkommen. Zum anderen haben- zumindest die privaten- Pflegeversicherer mit Niedrigzinsen zu kämpfen, welche sich in der gesetzlichen als umlagefinanziert so nicht auswirken. Dort sind eher wirtschaftliche Entwicklung, Rezession und steigende/ sinkende Löhne Einflussfaktoren.

Leistungen bei GKV und PKV gleich?!

Ja, denn die Leistungen in der Pflegepflichtversicherung sind identisch. Sowohl privat versicherte Kunden, aber auch jeder gesetzlich Versicherte Kunde bekommt im Falle der Pflegebedüftigkeit den gleichen Umfang an Leistungen. Auch die Einstufung der Pflegegrade, also die Feststellung wie hoch Ihr Leistungsanspruch sein wird/ ist, wird in beiden Systemen nach gleichen Kriterien vorgenommen. Gutachter des medizinischen Dienstes oder aber der Begutachtung der PKV stellen den Grad der Pflegebedürftigkeit fest.

Beitragsvergleich GKV und PKV Pflegeversicherung

Die Beiträge aber werden gänzlich nach anderem Modell berechnet. Während in der sozialen Pflegepflichtversicherung die Beiträge prozentual vom Einkommen berechnet werden und der Gesetzgeber hier einen Beitragssatz festlegt, ist es in der privaten Krankenversicherung vom Alter abhängig.

So ist es in der Privaten Pflegeversicherung vom Eintrittsalter abhängig. Ich nehme hier- da ich die Daten alle hier habe – meinen eigener Vertrag als Beispiel. Im Jahr 2002, da war ich 25 Jahre alt, betrug mein Beitrag in der Privaten Pflegeversicherung 18,50 €. Wäre ich – zum Höchstbeitrag – in der GKV versichert gewesen, wären dieses damals 57,38 € gewesen.

Nun ist das Alter mit 25 kein typisches PKV Eintrittsalter könnte man meinen, oder doch? Ich habe durchaus eine ganze Reihe Kunden, bei denen das so ist. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Ein heute 30jähriger zahlt folgende Beiträge:

Höchstbeitrag Selbstständiger
Private Pflege GKV ohne Kind 3000 EUR brutto
Eintrittsalter 30 in 2019 32,04 € 149,74 € 99,00 €
in 2020 38,53 € 154,69 € 99,00 €
Steigerung 6,49 € 4,95 € – €

 

Gut zu erkennen, für einen Angestellten in der PKV, der sonst HÖCHSTBEITRAG in der GKV zahlt, ändern sich die Beiträge in beiden Systemen. In der Privaten jedoch prozentual höher. Das liegt aber auch an die niedrigeren absoluten Beiträgen.

Verdient ein Selbstständiger aber 3.000 € Brutto und hat somit keinen Höchstbeitrag zu zahlen, so ändert sich der Beitrag in der Pflegeversicherung der GKV für diesen nicht, da der Höchstbetrag zwar verändert wurde, der Beitragssatz aber nicht. Zumindest solange nicht, bis der Gesetzgeber den Beitragssatz wieder anpasst.

Eines ist aber noch sehr gut zu erkennen. Der heute privat versicherte Arbeitnehmer zahlt knapp EIN FÜNFTEL des GKV Beitrages in der Pflegeversicherung und bekommt von diesem jeweils die Hälfte als Arbeitgeberzuschuss. Selbst nach Berücksichtigung des AG Zuschusses liegt das Verhältnis bei einem Viertel.

Wie wirkt sich meine Erhöhung aus?

Nun, die erhöhten Beiträge in der Pflegepflichtversicherung sind von Ihnen ab 1.1.2020 zu tragen. Davon trägt der Arbeitgeber auch die Hälfte. Somit werden von zum Beispiel 10 € Anpassung in der Pflege nur 5 bei Ihnen bleiben.

Auch in Zukunft wird es Erhöhungen in der Pflegeversicherung geben. Zum einen bei der privaten, zum anderen auch durch Anpassung des Beitragssatzes in der Pflegeversicherung der GKV. Am Ende ist- glaube ich- allen klar.

Pflege und Versorgung im Alter wird teurer werden und wir werden mehr Geld aufwenden müssen.

So schön langes Leben, gute Pflege und bessere Medizin auch sein mag- diese kostet eben Geld. Für privat versicherte bedeuten diese Anpassungen prozentual große, aber absolut in Euro vertretbare Zahlen.

Wie Sie gehen steigende Pflegekosten vorsorgen können, das zeige ich Ihnen in einem weiteren Beitrag in den nächsten Wochen. Wer schon einmal ein solches Modell anschauen will, der findet den Beitrag zum Pflegetagegeld OLGA Flex und auch einen Modellrechner hier.

25.
September '19

Unwissenheit oder Selbstüberschätzung? Ins Ausland nie ohne Auslandskrankenschutz! 12 € die sich lohnen, IMMER!


Manche Sachen sind mir auch nach über 20 Jahren heute noch unerklärlich. Einer davon ist die Tatsache, wie Menschen ins Ausland reisen können und dabei keinen Auslandsschutz für das Risiko von Krankheiten oder Unfällen haben. Dabei kann es am Geld nicht liegen, denn wer die 10-12 Euro pro Jahr nicht hat und für hunderte oder tausende Euro in den Urlaub fährt/ fliegt… Ich verstehe es einfach nicht.

Einer dieser Fälle landete die letzten Tage bei mir im LiveChat. Dieser kann, das einmal vorab, 200 oder auch 200.000 Euro Kosten nach sich ziehen. Warten wir also einmal ab und schauen uns die Fragestellung aus dem Chat einmal an.

Welcher Schutz besteht durch die gesetzliche Krankenkasse?

Wer in Deutschland in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist und damit eine Pflicht- oder freiwillige Mitgliedschaft hat, der hat zunächst in Deutschland Versicherungsschutz. Darüber hinaus besteht nach besonderen Vereinbarungen auch Schutz in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. (bis zum EU Austritt also auch noch in Großbritannien, danach muss eine neue Vereinbarung her)

Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern

Zudem haben sich weitere Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes dazugesellt und bieten auch hier Schutz für einige Leistungen.

Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz

Auch in den folgenden Ländern besteht (teilweise) Schutz über die deutsche Krankenversicherung, da hier ein sogenanntes Soialversicherungsabkommen besteht welches den KV Schutz inkludiert. Dazu gehören also:

Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien, Tunesien oder der Türkei

Dabei ist zu beachten: [Quelle: Bundesgesundheitsministrerium]

Bitte bedenken Sie, dass durch Ihre gesetzliche Krankenversicherung nicht alle Krankheitskosten bei einem Auslandsaufenthalt abgedeckt sind. Hierzu gehören z. B. Kosten für einen gegebenenfalls erforderlich werdenden Rücktransport nach Deutschland, im Gastland übliche Zuzahlungen oder Behandlungen durch private Leistungserbringer. Daher ist der Abschluss einer privaten Auslandsreise-Krankenversicherung ratsam.

Welche Kosten können hier entstehen?

Das ist je nach Land und Erkrankung grundverschieden und daher können wenige Euro bis hin zu hunderttausenden Euro an Kosten entstehen. Nehmen wir also einmal unser Beispiel auch dem Chat. Es gab Bauchschmerzen. Die können bekanntlich unzählige Ursachen haben, bis hin zu einer Blinddarmentzündung mit notweniger Operation. Das ist dann auch kein Zustand mehr, mit dem man warten kann und sollte bis man wieder zu Hause ist.

In den USA (wie in unserer Anfrage hier) ist es für eine Ersteinschätzung möglich eine der URGEND CARE Praxen zu nutzen. Diese sind, anders als der Emergency Room (Notaufnahme) nicht in einem Krankenhaus angesiedelt und können hier bei Kleinigkeiten durchaus hilfreich sein. Auch Urintest oder Sonographie kann dort gemacht werden, nicht aber Blutuntersuchungen oder sonstige komplizierte Untersuchungen.

Da ich im letzten Jahr in den USA selbst in einer solchen Situation war und sowohl URGEND CARE, aber dann auch Notaufnahme und weitere Behandlungen „genießen durfte“, gern diese Kosten einmal als Beispiel

Kostenart in Dollar in Euro
Erstkontakt URGEND CARE $ 169,00 153,76 €
Taxi zum Emergency Room $ 40,00 36,39 €
Anzahlung Notaufnahme $ 1.150,00 1.046,33 €
Medikamente $ 69,00 62,78 €
Computertomografie $ 1.354,00 1.231,94 €
Auswertung CT $ 398,00 362,12 €
Krankenhausendrechnung nach 4 Std. $ 5.122,00 4.660,25 €
Fahrt zurück ins Hotel/ zum Airport $ 35,00 31,84 €
SUMME $ 8.337,00 7.585,42 €

Alle weiteren Details zu meinem Aufenthalt und den dort entstandenen Rechnungen finden Sie im Beitrag:

Was kostet eigentlich? Ein kurzer Arztbesuch in den USA

Alle weiteren Details dazu finden Sie in meinem Beitrag #WasKostetEigenlich. Nutzer diesem Stichwort finden Sie auch hier im Blog weitere Beispiele was einzelne Behandlungen so kosten können und wie sich Kosten zusammensetzen. Mehr Beispiele in der Rubrik:

#WasKostetEigentlich

Und all das ließe sich problemlos mit einer einfachen Auslandsreisekrankenversicherung versichern.

Was kostet so eine Absicherung?

Dazu sollten Sie zunächst einmal prüfen, ob Sie eine Kreditkarte besitzen, welche einen solchen Schutz schon enthält. Viele gängige Karten haben einen Auslandsreisekrankenversicherungsschutz und bieten hier eine Grundabsicherung. Das bedeutet keinesfalls, dass der Schutz auch reicht, gute Bedingungen hat oder sonst besonders ist. Selbst bei einer Gold- oder Platinkarte ist es nicht zwangsweise gut. Aber… jeder Schutz ist zunächst einmal besser als keiner.

Haben Sie einen solchen Schutz noch nicht in einer Karte eingeschlossen und benötigen Sie diese auch nicht, dann macht in jedem Fall ein Abschluss einer separaten Auslandskrankenversicherung Sinn. Ein Beispiel eines solchen Produkts ist das HALLESCHE KOLUMBUS

Kolumbus- der neue Auslandsschutz der HALLESCHE Krankenversicherung

Wo ist die Auslandskrankenversicherung sonst noch enthalten?

Einige Kreditkarten habe ich mir bereits in meinem anderen (Reise-)blog angesehen, meist weil diese andere Vorteile bieten. Daher erlaube ich mir hier einfach nur einige kurze Verlinkungen zu den dort bereits vorhandenen Beiträgen.

Lässt sich diese online Abschließen?

Ja und das sollten Sie auch tun, wenn Sie keinen solchen Schutz haben. Die Jahrespolicen für die Auslandsreisekrankenversicherung sind immer 12 Monate gültig und verlängern sich dann wieder, falls keine Kündigung erfolgt.

Für einen Jahresbeitrag von max. 12 € und damit für einen Euro pro Monat lassen sich hier diverse Anbieter finden, bei denen Sie den Schutz online abschließen können und somit auch bei sofortiger Abreise Versicherungsschutz haben. Hier einige Beispiele (welche ausdrücklich keine Bewertung der Produkte darstellen)

Eine Besonderheit bietet hier die Allianz. Hier bekommen Sie eine Kreditkarte (zumindest eine Art KK), welche die Allianz bei Bedarf aufladen kann. Durch diesen so genannten RealTime Schutz benötigen Sie keine eigene Karte oder kein Bargeld bei ambulanten Behandlungen oder Medikamenten und vereinfachen die Abwicklung und Abrechnung. Mehr Infos hierzu auf den Seiten der Allianz. Auch hier lassen sich für knapp 15 € Jahrespolicen abschließen.

Fazit:

Bitte niemals ohne Auslandsschutz ins Ausland. Nicht nur ein teurer Rücktransport, sondern schon Kleinigkeiten und einige Untersuchungen gehen schnell in die tausende Euro und sind es nicht wert riskiert zu werden.

16.
September '19

Kurzarbeit und die private Krankenversicherung – was Sie wissen müssen und warum es mehr Zuschuss gibt


Im Laufe des Arbeitslebens gibt es Veränderungen. So kann die Arbeitslosigkeit zur Versicherungspflicht (mit Befreiungsoption) führen, ebenso kann bei Ihrem Arbeitgeber Kurzarbeit angesagt sein. Dabei gilt es jedoch, in Bezug auf die Private Krankenversicherung, einige Besonderheiten zu beachten. Erstaunlicherweise führt Kurzarbeit zu einem höheren Zuschuss zur Privaten Krankenversicherung und hebelt dabei sogar die bisherigen Höchstgrenzen aus.

Was Sie bei drohender Kurzarbeit als Privatversicherter tun müssen und sollten und wie Sie an den höheren Zuschuss kommen, das habe ich Ihnen hier einmal aufbereitet und anhand eines Beispiels zusammengefasst. Zahlen und Fakten machen es oft einfacher, als bloß ein nüchterner Gesetzestext.

Insbesondere widmen wir uns in diesem Beitrag folgenden Fragestellungen:

  • Kurzarbeit – was passiert mit der PKV/ gesetzliche Grundlagen

  • Kurzarbeit – muss ich bei geringerem Einkommen zurück in die gesetzliche Krankenkasse? Wie lange?

  • Kurzarbeit – wie berechnet sich mein Arbeitgeberzuschuss?

Schauen wir uns also zunächst einmal die Grundlagen an. Dabei spielt auch hier das Sozialgesetzbuch V in der aktuellen Fassung eine wichtige Rolle. Das komplette Gesetz finden Sie auf den Seiten der Bundesregierung oder entsprechenden Dienstleistern, so zum Beispiel hier: GESETZE IM INTERNET

Kurzarbeit – was passiert mit der Privaten Krankenversicherung

Kurzarbeit ist ein temporärer Zustand, welcher dem Arbeitgeber ermöglicht auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren und mit Unterstützung der Arbeitsagentur eine Entlassung zu vermeiden. Diese Kurzarbeit führt auch zu einer geänderten Betrachtung der privaten Krankenversicherung.

Waren Sie also vor Eintritt der Kurzarbeit privat krankenversichert, da Sie hier ein Einkommen über der JAEG (Wert für 2019: 60.750 €) hatten, so bekommen Sie vom dem Arbeitgeber einen Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung nach 257 SGB V.

Durch die Kurzarbeit und den Bezug von Kurzarbeitergeld (KUG) tritt KEINE Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) ein. Es wird weiterhin das gleiche Einkommen angenommen, welches Sie bisher erzielt haben. Dabei spricht man von einem fiktiven Einkommen. Es wird also nur so getan, als bekämen Sie die gleichen Zahlungen wie bisher und überschreiten damit auch weiter die Grenze um privat versichert zu bleiben.

Diese Annahme gilt nicht, bei dem Transferkurzarbeitergeld, da hierbei klar ist, die Stelle wird nicht erhalten und der Arbeitnehmer bleibt nicht bei dem Unternehmen beschäftigt.

Vereinfacht:

  • * privat versicherte Arbeitnehmer bleiben auch weiterhin privat versichert (da fiktives Einkommen angenommen wird)

  • * freiwillig gesetzlich versicherte Arbeitnehmer bleiben weiterhin freiwillig gesetzlich versichert

  • * Pflichtversicherte sind weiter pflichtig versichert (auch hier zählt ein fiktives Einkommen ggf. für die Überschreitung der JAEG im Folgejahr)

Kurzarbeit – muss ich bei geringerem Einkommen zurück in die gesetzliche Krankenkasse?

Eindeutig nein. An dem bisherigen Versichertenstatus ändert sich nichts. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist daher nicht erforderlich, aber auch nicht möglich. Die Kurzarbeit eignet sich somit auch nicht dazu, eine Rückkehr in die GKV zu „konstruieren“.

Interessant ist aber ein ganz anderer Punkt, der Arbeitgeberzuschuss. Hierzu schauen wir uns zunächst einmal die gesetzlichen Grundlagen an.

Kurzarbeit – Grundlagen für den Arbeitgeberzuschuss zur KV?

Wichtig sind hierbei die Paragraphen 257 (hier besonders der Absatz 2) und der 249 des Sozialgesetzbuches V.

§ 249 Tragung der Beiträge bei versicherungspflichtiger Beschäftigung

(1) Beschäftigte, die nach § 5 Absatz 1 Nummer 1 oder Nummer 13 versicherungspflichtig sind, und ihre Arbeitgeber tragen die nach dem Arbeitsentgelt zu bemessenden Beiträge jeweils zur Hälfte. Bei geringfügig Beschäftigten gilt § 249b.
(2) Der Arbeitgeber trägt den Beitrag allein für Beschäftigte, soweit Beiträge für Kurzarbeitergeld zu zahlen sind.

Anders als sonst, ist hier für die Zeit des Kurzarbeitergeldes KEINE paritätische Trennung erforderlich. Der Arbeitgeber zahlt hier den Anteil ganz allein. Was das bedeutet sehen wir gleich noch im Detail.

Weiterhin maßgebend, der

§ 257 Beitragszuschüsse für Beschäftigte

(2) (…) Soweit Kurzarbeitergeld bezogen wird, ist der Beitragszuschuss in Höhe des Betrages zu zahlen, den der Arbeitgeber bei Versicherungspflicht des Beschäftigten entsprechend § 249 Absatz 2 zu tragen hätte, höchstens jedoch in Höhe des Betrages, den der Beschäftigte für seine Krankenversicherung zu zahlen hat; für die Berechnung gilt der um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz nach § 242a erhöhte allgemeine Beitragssatz nach § 241. Absatz 1 Satz 3 gilt.

Die Begrenzung liegt hier also nicht bei 50% des Beitrages den der Arbeitnehmer zu zahlen hätte, sondern bei dem ganzen Beitrag. Damit es etwas einfacher verständlich wird, hier einmal ein Beispiel. Dabei müssen wir zwischen IST Entgelt und dem fiktiven Entgelt unterscheiden, beide Bestandteile sind wichtig.

Arbeitgeberanteil auf der (verminderte) IST Entgelt

Hier wird- wie sonst auch- der Arbeitgeberanteil berechnet, in dem der halbe GKV Beitragssatz (in 2019 7,3%) und dazu der halbe Zusatzbeitrag (in 2019 die Hälfte vom durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 0,9%, also hier 0,45%) berücksichtigt wird.

Arbeitgeberanteil auf das FIKTIVE Entgelt

Anders als bei dem IST Entgelt, wird bei dem fiktiven Arbeitsentgelt der VOLLE Beitragssatz zu Grunde gelegt. Also in 2019 sind das dann 14,6% + 0,9% und somit 15,5% für 2019.

Kurzarbeit – Berechnung Kurzarbeiter-Arbeitgeberzuschuss zur KV?

Doch kommen wir nun zur Berechnung eines Beispiels.

Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer hat sonst ein monatliches Brutto von 6.000 €. In der Zeit der Kurzarbeit ergibt sich ein Entgelt von 3.000 €. Der Beitrag zur privaten Krankenversicherung soll hierbei 600 € betragen. Damit ergibt sich folgende Berechnung:

Auf das ISTEntgelt während der Kurzarbeit ergibt sich ein AG Anteil von:

7,75% (7,3+0,45) * 3.000 € = 232,50 €

Der Fiktivlohn wird bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet. diese liegt bei 4.537,50 € in 2019. Zuerst ermitteln wir aber den Fiktivlohn. Dieser beträgt 80% des Unterschiedsbetrages zwischen SOLL-Entgelt und IST-Entgelt. Also (6.000-3.000) * 80%

Fiktivlohn somit: 2.400 €

Jetzt sind IST LOHN und Fiktivlohn zu addieren, also 3.000 € + 2.400 € = 5.400 € und dieser auf die BBG zu begrenzen, also 4.537,50 € und von dieser wird dann der IST Lohn abgezogen, also – 4.537,50 – 3.000 € = 1.537,50 €

Dieser Betrag ist dann mit dem Zuschuss von 15.5% (14,6*0,9) zu multiplizieren,

also 1.537,50 * 15,5% = 238,31 € (AG Zuschuss auf Fiktivlohn)

Der HÖCHSTZUSCHUSS für unseren Arbeitnehmer während der Kurzarbeit beträgt somit maximal:

232,50 € (aus IST Entgelt) + 238,31 € (aus Fiktivem Entgelt) = 470,81 €.

Da der Beitrag zur PKV mit 600 € darüber liegt, bekommt der Arbeitnehmer 470,81 € Zuschuss,

also immerhin 78% Arbeitgeberzuschuss

statt der normalen 50% (300 €) bei normalem Arbeitsverhältnis.

Kurzarbeit – Grundlagen für den Arbeitgeberzuschuss zur Pflegeversicherung?

Auch hierfür finden sich im Sozialgesetzbuch (XI) die entsprechenden Grundlagen. Hier sind die benötigten Paragraphen die folgenden:

§ 61 Beitragszuschüsse für freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung und Privatversicherte
(…)
(2) Beschäftigte, die in Erfüllung ihrer Versicherungspflicht nach den §§ 22 und 23 bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen versichert sind und für sich und ihre Angehörigen oder Lebenspartner, die bei Versicherungspflicht des Beschäftigten in der sozialen Pflegeversicherung nach § 25 versichert wären, Vertragsleistungen beanspruchen können, die nach Art und Umfang den Leistungen dieses Buches gleichwertig sind, erhalten unter den Voraussetzungen des § 58 von ihrem Arbeitgeber einen Beitragszuschuß. Der Zuschuß ist in der Höhe begrenzt auf den Betrag, der als Arbeitgeberanteil bei Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung als Beitragsanteil zu zahlen wäre, höchstens jedoch auf die Hälfte des Betrages, den der Beschäftigte für seine private Pflegeversicherung zu zahlen hat. Für Beschäftigte, die Kurzarbeitergeld nach dem Dritten Buch beziehen, gilt Absatz 1 Satz 3 mit der Maßgabe, daß sie höchstens den Betrag erhalten, den sie tatsächlich zu zahlen haben. Bestehen innerhalb desselben Zeitraumes mehrere Beschäftigungsverhältnisse, sind die beteiligten Arbeitgeber anteilig nach dem Verhältnis der Höhe der jeweiligen Arbeitsentgelte zur Zahlung des Beitragszuschusses verpflichtet.

Weiterhin gilt § 58 Absatz 1 Satz 2 SGB XI

§ 58 Tragung der Beiträge bei versicherungspflichtig Beschäftigten
(1) Die nach § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 12 versicherungspflichtig Beschäftigten, die in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind, und ihre Arbeitgeber tragen die nach dem Arbeitsentgelt zu bemessenden Beiträge jeweils zur Hälfte. Soweit für Beschäftigte Beiträge für Kurzarbeitergeld zu zahlen sind, trägt der Arbeitgeber den Beitrag allein. Den Beitragszuschlag für Kinderlose nach § 55 Abs. 3 tragen die Beschäftigten.

Kurzarbeit und die Private Krankenversicherung

Auch wenn Kurzarbeit nicht die schönste Zeit ist, ermöglicht diese dem Arbeitgeber eine besondere Situation zu überstehen. Für privatversicherte Arbeitnehmer bedeutet das vereinfacht:

* Sie erhalten einen erhöhten Arbeitgeberzuschuss

* die 50% Grenze des tatsächlichen Beitrages entfällt

* es tritt keine Versicherungspflicht ein, da ein fiktives Einkommen angenommen wird

10.
September '19

Versicherungspflicht durch Erhöhung der Jahresarbeitentgeltgrenze, Befreiungsmöglichkeit und Fakten


Es ist wie jedes Jahr und so sind auch heute bereits die

Sozialversicherungswerte und der Arbeitgeberzuschuss 2020

jetzt bekannt. Ebenfalls wie in jedem Jahr hebt der Gesetzgeber damit die Jahresarbeitentgeltgrenze, die so genannte Versicherungspflichtgrenze, erneut an und verhindert damit für einige den Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV). Doch für wen sich genau welche Unterschiede ergeben und was diese Menschen nun tun können, um das gewünschte Ziel zu erreichen, das habe ich einmal hier genauer zusammengestellt und eine kostenlose, einfache Schritt-für-Schritt Anleitung vorbereitet.

Dabei gilt es zu unterscheiden, wie Sie heute versichert sind und welches Einkommen im aktuellen Jahr (also im Jahr 2019) erreicht wird. Auch stellt sich wieder einmal die Frage, welche Einkünfte überhaupt zur JAEG zu rechnen sind.

Personen die heute GKV versichert sind

Beginnen wir dabei mit denen, die heute neu in die private Krankenversicherung wechseln möchten und damit sich vielleicht eine Option mehr offen halten wollen. Wie die Gesundheitsversorgung nach der nächsten Bundestagswahl aussehen wird? Ich weiß es genau so wenig, wie Sie. Das allein ist aber auch kein Grund, auch wenn es eine Option mehr bietet. Eine Entscheidung für eine private Krankenversicherung will nicht nur wohl überlegt sein, sondern sollte mit Blick auf die langfristige Wirkung betrachtet werden.

Erstmaliges Überschreiten der JAEG 2019 in diesem Jahr

Wer bisher unter der Grenze verdient hat und damit pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse war, der kann durch Überschreiten der JAEG von 2019 versicherungsfrei werden. Dazu ist es zunächst einmal erforderlich, mit dem SV pflichten Bruttoeinkommen in der Lohnabrechnung die Grenze von 60.750 € zu überschreiten. (in dem Schema LILA hinterlegt)

Ist eine solche Überschreitung IM LAUFENDEN ARBEITSVERHÄLTNIS für das Jahr 2019 zu erwarten, so tritt Versicherungsfreiheit ab dem 01. Januar nur dann ein, wenn auch die voraussichtliche Grenze für das Folgejahr (in unserem Fall 62.550 € in 2019) überschritten werden. Wer aber ein Einkommen von mehr als 60.750 € aber unter 62.550 €, der wird zum 01. Januar 2020 NICHT aus der Pflicht zur GKV entlassen.

  • – Einkommen in 2019 über 60.750 € = Wechsel auch später in 2019 noch möglich. Wer so die GKV kündigt, dass er/sie noch zum 01.12. in die private Versicherung wechseln kann, der kann sich im Januar befreien lassen.

  • – Einkommen zwischen 60.750 € und 62.550 € erstmalig in 2019 = kein Wechsel mehr in 2020 möglich

  • – NEUER Job in 2019 mit hochgerechnetem Einkommen über 60.750 € aber unter 62.550 € = Wechsel derzeit (bis 30.11.) noch möglich, dann aber Befreiung für diesen speziellen Grund (Anstieg der Grenze) nötig

  • – NEUER Job in 2019 mit (hochgerechnetem) Einkommen über 62.550 € = Wechsel auch in 2020 noch möglich

Vergleichbare Regelungen treffen dann zu, wenn es sich um eine gravierende Änderung des Arbeitsverhältnisses handelt. Wer also eine neue Stelle im gleichen Unternehmen annimmt, befördert oder versetzt wird, für den gelten die oben genannten Werte ebenfalls. Auch hier sind teilweise viele Besonderheiten zu beachten und es ist nahezu unmöglich, verbindliche Aussagen ohne Kenntnis aller Daten zu treffen. Fragen Sie gern hier im LiveChat bei weiteren Fragen.

Heute schon freiwillig versichert

Wer im Jahre 2018 ein Bruttojahreseinkommen von 59.400 € überschritten hat und zudem auch die JAEG für 2019 von 60.750 € erreichte, der war und ist schon jetzt freiwillig versichert. Daher besteht für Sie auch weiterhin die Wahl, ob Sie sich aktuell in der privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung versichern wollen. Auch hier gilt aber. Durch ein Unterschreiten der zukünftigen Grenze für 2020 (mit dem Einkommen aus dem aktuellem Jahr) tritt ggf. wieder Versicherungspflicht ein.

Wer sich bisher für die freiwillige gesetzliche Krankenkasse entschied und dieses noch ändert möchte, der kann sich mit einer Kündigungsfrist zum Ende des übernächsten Monats aus der GKV verabschieden. Kündigung im September bedeutet daher Ende der GKV zum 30.11.2019. Das ist zudem die LETZTE Möglichkeit die GKV zu verlassen für all diejenigen, welche die Grenze in 2020 (62.550 €) nicht erreichen und dennoch in die PKV möchten.

Eine Kündigung der GKV ist risikolos möglich, auch wenn Sie sich noch nicht sicher sind. Wer seine GKV kündigt (eine Bindungsfrist von 18 Monaten gibt es hier nicht, auch wenn die Kassen das gern behaupten –> HIER nachlesen), der kann sich bis 30. 11. 2019 noch überlegen welches System das richtige für ihn ist.

Bei Bedarf habe ich Ihnen unter dem Punkt Downloads und Kündigungsvordrucke einige Beispiele und Formulare zur Verfügung gestellt.

Lese Tipp: Nicht jeder der kann und darf, der gehört auch in die PKV – wohl überlegte Entscheidungen sind wichtig

Also nochmals in Stichpunkten:

  • – heute noch GKV versichert und freiwillig, Einkommen unter 62.550 € aber über 60.750 €, Wechsel nur noch mit GKV Kündigung bis 30.09.19- wirksam dann zum 30.11.2019

  • – Einkommen über 62.550 € = Wechsel auch später

Personen die heute privat versichert sind

Hier muss unterschieden werden, wie das Jahreseinkommen aussieht oder aussehen wird. Dazu schauen wir uns zunächst noch einmal die genauen Grenzen für die Jahre 2017 bis 2020 an. Die Versicherungspflichtgrenze liegt also

  • – in 2017 bei 52.200 € pro Jahr (es ist immer eine Jahresgrenze)

  • – in 2018 bei 59.400 € pro Jahr

  • – in 2019 bei 60.750 € pro Jahr

  • – in 2020 bei 62.550 € pro Jahr

Dadurch erheben sich unterschiedliche Szenarien für bereits heute privat krankenversicherte Kunden. Liegt Ihr Einkommen aus einer angestellten Tätigkeit im Jahr 2019 über 60.750 € aber UNTER 62.550 €, so werden Sie ab dem 01. 01. 2020 wieder Pflichtmitglied in der GKV. Auch laufende Behandlungen werden dann nicht mehr durch die PKV übernommen, die Leistungspflicht endet mit dem Ablauf der Versicherung ab dem 31.12.2019.

Wer damit also DURCH DAS ANHEBEN der Versicherungspflichtgrenze (JAEG) versicherungspflichtig wird, der hat eine

Befreiungsmöglichkeit auf Antrag

und kann dann in der privaten Versicherung bleiben. Eine solche Befreiung ist im Sozialgesetzbuch V geregelt und findet sich dort im Paragraphen acht. Dort heißt es dazu:

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes v. 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477)
§ 8 Befreiung von der Versicherungspflicht

(1) Auf Antrag wird von der Versicherungspflicht befreit, wer versicherungspflichtig wird

1.
wegen Änderung der Jahresarbeitsentgeltgrenze nach § 6 Abs. 6 Satz 2 oder Abs. 7,
(…)
(2) Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse zu stellen. Die Befreiung wirkt vom Beginn der Versicherungspflicht an, wenn seit diesem Zeitpunkt noch keine Leistungen in Anspruch genommen wurden, sonst vom Beginn des Kalendermonats an, der auf die Antragstellung folgt. Die Befreiung kann nicht widerrufen werden. Die Befreiung wird nur wirksam, wenn das Mitglied das Bestehen eines anderweitigen Anspruchs auf Absicherung im Krankheitsfall nachweist.
(3) Personen, die am 31. Dezember 2014 von der Versicherungspflicht nach Absatz 1 Nummer 2a befreit waren, bleiben auch für die Dauer der Nachpflegephase nach § 3 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe c des Familienpflegezeitgesetzes in der am 31. Dezember 2014 geltenden Fassung befreit. Bei Anwendung des Absatzes 1 Nummer 3 steht der Freistellung nach § 2 des Familienpflegezeitgesetzes die Nachpflegephase nach § 3 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe c des Familienpflegezeitgesetzes in der am 31. Dezember 2014 geltenden Fassung gleich.

Das bedeutet für Sie, wenn Sie absehen können mit dem Jahreseinkommen 2019 die neue Grenze für 2020 (62.550 €) nicht mehr zu erreichen, dann können Sie über eine solche Befreiung nachdenken und sich diese überlegen. Wägen Sie bitte dabei die Vor- und Nachteile ab und lassen sich genau beraten.

Die Befreiung kann (FÜR DIESEN GRUND) nicht widerrufen werden. Das bedeutet: Wird die JAEG nochmals angehoben, so werden Sie dann nicht mehr versicherungspflichtig. Treten andere Gründe ein, wie zum Beispiel:

  • – Arbeitslosigkeit

  • – Elternzeit

  • – pflichtige Beschäftigung etc.

so werden Sie auch hier wieder ERNEUT versicherungspflichtig.

Sinkendes Einkommen ist KEIN Befreiungsgrund

Ganz wichtig: Die Möglichkeit der Befreiung von der gesetzlichen Krankenkasse haben nur diejenigen, welche DUCH DIE ERHÖHUNG der Grenze versicherungspflichtig werden. SINKT Ihr Einkommen jedoch durch eine Änderung des Arbeitsvertrages unter die existierende Grenze, so tritt Versicherungspflicht ein und eine Befreiung ist hier NICHT möglich. Daher ist eine solche Möglichkeit keine Option, um bei fallenden Einkünften in der privaten Krankenversicherung bleiben zu können.

Wer dennoch in der PKV bleiben möchte, der muss wohl mit seinem Arbeitgeber verhandeln. Auch die Reduzierung/ Veränderung von Direktversicherung oder anderen Bestandteilen im Lohn (steuerfreie Zuschüsse, Fahrtkosten etc.) können ggf. angepasst werden und verhindern hier, das keine Versicherungspflicht eintritt. Dabei gilt es hier genau abzuwägen und dann in Ruhe zu entscheiden.

Prüfung der eigenen Versicherungspflicht mit kostenloser Übersicht

Wer nun nach dem ganzen Text noch nicht ganz sicher ist, der findet in dem nun folgenden Schema weitere Hilfe. Hier gehen Sie einfach Schritt für Schritt durch und beantworten die für Sie zutreffenden Fragen. Beginnt Ihr Arbeitsvertrag in 2019 neu, so ist der lila hinterlegte Teil wichtig, sonst geht es oben los.

Hiermit kommen Sie am Ende zu der Antwort auf die Frage:

„Bin ich ab 01.01.2020 versicherungspflichtig oder kann ich zwischen PKV und GKV wählen?

In dem nun folgenden Schema können Sie dieses anhand Ihrer Einkommensdaten selbst prüfen. Durch Klick auf das Bild erhalten Sie die kostenlose pdf Datei, welche Sie auch im Downloadbereich finden.

06.
September '19

Sozialversicherungswerte 2020, Arbeitgeberzuschuss 2020 und die neuen Jahresarbeitentgeltgrenze bekannt


Die neuen Rechengrößen zur Sozialversicherung 2020 sind auch in diesem Jahr bereits bekannt. Dabei handelt es sich wie immer um vorläufige Größen, welche erst im Dezember final verabschiedet werden. Dennoch hatten wir in all den Jahren keinen Fall, wo sich diese nochmals verändert haben. Somit können Sie diese Werte als 2020er Zahlen heranziehen und sich hierauf bei der weiteren Planung berufen.

Dabei ändern sich die Jahresarbeitentgelt- und die Beitragsbemessungsgrenze wie in jedem Jahr aufgrund gestiegener Durchschnittseinkommen und damit nach gesetzlichem Automatismus. Darauf aufbauend ergeben sich auch im neuen Jahr neue Werte für den Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung und neue Zahlen für den GKV Höchstbeitrag. Alle Zahlen finden Sie auch in diesem Jahr zusammengefasst und aufbereitet als Übersichten hier im Beitrag und zum Download hier auf meiner Seite.

Nun sind aus dem Referentenentwurf auch weitere Zahlen bekannt. Klar ist derzeit auch, Beitragssätze für die Arbeitslosenversicherung werden sich in 2020 nicht ändern. Auch eine Änderung des Beitragssatzes der Pflegepflichtversicherung ist derzeit nicht geplant.

Hinweis an Kollegen: Unverändert können diese gern genutzt und weitergegeben werden. Für eine Nutzung mit eigenem Logo oder verändert, kontaktieren Sie mich bitte vorab.

Allen Tabellen und Berechnungen liegen folgende Daten zugrunde.

1.) Referentenentwurf mit den vorläufigen Zahlen 2020

2.) Annahme: durchschnittlicher ZUSATZbeitrag der GKV liegt unverändert bei 0,9%

Wie bereits veröffentlicht, hier zunächst die kurze Übersicht mit den wichtigen Zahlen zur Sozialversicherung 2020 und die Veränderungen gegenüber 2019. Einen kostenfreien Download finden Sie:

Sozialversicheurungswerte 2020Beitragsbemessungsgrenze zur Kranken- und Pflegeversicherung 2020

Die bisherige Grenze betrug in 2019 monatlich 4.537,50 € oder richtigerweise jährlich 54.450 €. Ab dem 01. 01. 2020 sind in der Kranken- und Pflegeversicherung Beiträge bis zur neuen Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4.687,50 €/ jährlich 56.250 € zu zahlen.

Beitragsbemessungsgrenze KV 2020:

56.250 € (2019: 54.450 €), monatlich ab 01.01.2020 sind das dann: 4.687,50 €

ACHTUNG! Für die Berechnung des Arbeitgeberzuschuss und auch der folgenden Höchstbeträge sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Dabei bleibt es auch weiterhin bei der paritätischen Versorgung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, welche in 2019 wieder eingeführt wurde. Aus der Veränderung aller Zahlen ergeben sich daher im neuen Jahr folgende, neue Werte.

Arbeitgeberzuschuss zur Privaten Krankenversicherung in 2020

Damit verändern sich zwangsläufig weitere Werte. Der Arbeitgeberzuschuss 2020 errechnet sich demnach wie folgt:

Zuschuss zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz, davon trägt der Arbeitgeber 7,3%

7,3% x 56.250 € = 342,19= AG Zuschuss zur Krankenversicherung 2020

Zuschuss zur Krankenversicherung (auf ZUSATZbeitrag)

DAZU kommt auch der kassenindividuelle ZUSATZbeitrag (dieser liegt zwischen null und 2 Prozent, der durchschnittliche ZUSATZbeitrag bei 0,9%)

Der Durchschnittliche Zusatzbeitrag wurde nun (28.10.2019) auf 1,1% für 2020 festgesetzt. Daher ergibt sich hier ein erhöhter Zuschuss.

Der berechnet sich also in 2020 wie folgt:

0,55% x 4.687,50 € = 25,78= AG Zuschuss zur Krankenversicherung TEIL II 2020

Zuschuss zur Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

Pflegeversicherung ZUSCHUSS berechnet sich also in 2020 wie folgt:

1,525 % x 4.687,50 € = 71,48= AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2020

Im Vergleich zu 2019 (Werte hier) steigt der Arbeitgeberzuschuss durch die neuen Werte Erhöhung der Beiträge in der Pflegepflichtversicherung auf folgende Werte:

Arbeitgeberzuschuss 2020 Krankenversicherung (inkl. ZUSATZbeitrag) = 367,97 EUR

Arbeitgeberzuschuss 2020 Pflegepflichtversicherung = 71,48 EUR

Berechnung der Höchstbeiträge 2020 in der gesetzlichen Krankenversicherung

Der Gesamtbeitrag der GKV in 2020 berechnet sich dann wie folgt:

Beitrag zur Krankenversicherung (Grundbeitrag)

14,6% GKV Beitragssatz

14,6% x 4.687,50 € = 684,38 € = Krankenversicherungsbeitrag (Höchstbeitrag) Teil I

dazu kommen Krankenversicherung auf ZUSATZbeitrag

0,39% bis 2,5% x 4.687,50 € = 18,28 € bis 117,19 € = Krankenversicherungsbeitrag TEIL II (ZUSATZbeitrag) 2020

Pflegeversicherung (Annahmen: 3,05% mit Kindern, 3,3% ohne Kinder)

KINDERLOS 3,3% x 4.687,50 € = 154,69 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2020

MIT KINDERN 3,05% x 4.687,50 € = 142,97 € = AG Zuschuss zur Pflegeversicherung 2020

demnach ergeben sich folgende Höchstbeiträge:

Gesetzliche Krankenkasse ohne ZUSATZbeitrag: 684,38 €

Gesetzliche Krankenkasse mit durchschnittlichem ZUSATZbeitrag (0,9%): 726,56 €

Gesetzliche Krankenkasse mit höchstem ZUSATZbeitrag (2,5%): 801,56 €

DAZU kommt die Pflegeversicherung

Gesetzliche Pflegeversicherung OHNE KINDER: 154,69 €

Gesetzliche Pflegeversicherung MIT KINDERN: 142,97 €

Ein Arbeitnehmer über der Beitragsbemessungsgrenze zahlt somit für seine

Krankenversicherung GKV (inkl. max. der Hälfte von 0,9% ZUSATZbeitrag) max. 363,28 EUR

zzgl. als Kinderloser Versicherter max. 77,34 EUR in der Pflegeversicherung

= 440,63 EUR

Liegt Ihr Jahreseinkommen zwischen 60.750 € p.a. und 62.550 €, so werden Sie dadurch voraussichtlich ab dem 1. Januar 2020 versicherungspflichtig in der GKV und müssen sich auf Antrag befreien lassen. Diese Befreiung gilt nur für den einen Grund (steigende Beitragsbemessungsgrenze) unwiderruflich, mehr Informationen in meinem Beitrag „Wie kann ich in der PKV bleiben

Die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung beträgt in 2020

West: 82.800 € oder 6.900 € monatlich (in 2019 waren es 84.400 € €, ein Plus von 2.400 €)

Ost: 77.400 € oder 6.450 € monatlich (in 2019 waren es 73.800 €, ein Plus von 3.600 €)

Vollständige Werte finden sich in meiner neuen Übersicht. Diese steht zur freien Verwendung (unverändert) jedermann zur Verfügung. Download als pdf und als Grafik