Archiv für die Kategorie ‘Krankenversicherung’

21.
Juli '21

Signal Iduna / Dt. Ring – eigene Bedingungen nicht verstanden? [UPDATE: Fall gelöst]


UPDATE siehe unten

Fitnessstudios sollten im Tarif PRIME der Signal Iduna/ des Deutschen Rings, als Zuschuss bezahlt werden. Tun Sie aber nicht, weil anscheinend der Versicherer seine eigenen Bedingungen nicht kennt.

Zuerst eines vorweg. Die Signal Iduna (der „Nachfolger“ auch für Versicherte des Deutschen Rings, siehe „Fusion“) sind seit Jahrzehnten ein durchaus ansprechender Versicherer. Als einer der ersten haben diese sich schon vor über 15 Jahren auf die Fahnen geschrieben, Bedingungen klar und deutlich zu formulieren.

Was leider aktuell zuzunehmen scheint ist leider etwas anders. Das Servicecenter, welches auch Anfragen von Kunden und manchmal auch von Vermittlern beantwortet, scheint nicht nur überlastet, sondern nicht zum ersten Mal ahnungslos.

Generell steht Ihnen als Kunde durchaus der Berater als erster Ansprechpartner zur Verfügung. Das ist gut und richtig, kennt der doch Ihre Situation und den Vertragsverlauf schnell und einfach. Viele meiner Kunden nutzen mich auch nach Jahrzehnten als direkten Kontakt bei Fragen rund um den Versicherungsschutz. Das geht schnell, zeigt mir als Berater auch, wie die Praxis in der Leistung so läuft und macht es für alle einfacher.

Versicherer verweist an Berater, der es aber nicht wissen kann

Ein schönes Beispiel wie es aber nicht geht, sehen wir hier. Einer meiner Kunden hat sich in dem Tarif PRIME der Signal, unter der Marke Deutscher Ring, versichert. Der PRIME ist der hochwertigste und umfangreichste Tarif, welche die Signal überhaupt hat.

Spannend wird es nun, wenn anscheinend auch die Mitarbeiter keine Ahnung haben, oder auch keine haben wollen. Unser gemeinsamer Kunde fragte also zuerst bei der Signal an. Er würde gern in ein Fitnesscenter gehen und die Tarifbedingungen sehen einen Zuschuss für so genannte „qualitätsgesicherte Fitnessstudios“ vor, „bis zu 600 EUR innerhalb von zwei Kalenderjahren“, laut Bedingungen.

Falls Sie es nachlesen wollen, auf Seite 128, unter Punkt 4 in der rechten Spalte steht es genau beschrieben.

Welche Fitnessstudios als „qualitätsgesichert“ gelten, wollte der Kunden nun einfach telefonisch erfragen. Allein die Aussage „fragen Sie mal Ihren Betreuer“ ist schon fragwürdig. 1.) wissen wir diese nicht, da die Signal keine Liste herausrückt und 2.) hat der Kunde durchaus einen Vertrag mit seinem Versicherer, daher kann dieser alles was zu Leistung betrifft auch einmal beantworten. Ist auch nicht so schwer.

Eigene Bedingungen nicht verstanden?

Doch nun wird es noch besser. Als weder wir, noch unser Maklerbetreuer noch anscheinend das Servicecenter helfen können, fragt der Kunde nun schriftlich an. Auch das richtig und wichtig. Wie sagte mein Opa schon:

Wer schreibt, der bleibt.

Schauen wir aber zuvor nicht nur in die Bedingungen, sondern auch noch einmal auf die Homepage des Versicherers, welcher auch heute (am 21.7.2021) folgendes bewirbt:

Nach knapp zwei Wochen antwortet dann auch der Versicherer. Schriftlich, wie erwartet und wie gewünscht und stellt unserem gemeinsamen Kunden die Informationen zur Verfügung, welche Fitnesscenter dann nun geeignet sind. Zumindest dachte ich das, als heute früh die E-Mail mit dem Hinweis auf die Anlage kam. Zu früh gefreut, wie wir gleich sehen.

Anscheinend hat dort der nächste nicht verstanden, dass es Aussagen in den Bedingungen gibt (die auf der Homepage auch noch beschrieben werden), welche nun auch bindend sind. Der große Vorteil einer privaten Krankenversicherung ist eben gerade, dass sich der Versicherer in der Zukunft an das halten muss, was dieser auch vorher zugesagt hat.

Nun ja, werden wir also dem Versicherer leider nochmal seine einigen Bedingungen erklären.

Nur damit es nicht falsch ankommt. Wo Menschen arbeiten passieren Fehler, mir, Ihnen und jedem anderen. Ist auch nicht schlimm. Hier jedoch hat es einen Beigeschmack, weil der Kunde ja explizit angefragt hat und die Bedingungen eindeutig sind.

UPDATE 22.07.2021 – Problem gelöst

So schnell geht das zu klären. Und es hat sich gelöst.

Zum Hintergrund: Die Signal musste, wie auch andere Unternehmen (BBKK zum Beispiel) die Erstattung der Fitnesscenter aus den Bedingungen für NEUkunden entfernen. Hintergrund ist, dass die BaFin als Aufsichtsbehörde hier eine versicherungsfremde Leistung sieht und die Erstattung damit als nicht zulässig erachtet.

Nun wissen wir, Bedingungen können im Bestand nicht geändert werden, für neue Kunden schon. Unser Kunde hier war an der Grenze von alt zu neu. Heißt, mit den Angebotsunterlagen gab es (zu recht) die alten Bedingungen, mit der Police einige Wochen später die neuen. (Manchmal vergehen zwischen erstem Angebot und der Beratung und dann dem Abschluss einfach einige Wochen.

Mit der Signal und dem Kunden wurde hier eine schnelle und unkomplizierte Lösung gefunden. Danke nochmals an die schnelle Reaktion und den das Gespräch mit Hr. S. Klar ist auch, die Webseite des Versicherers ist auch heute noch falsch (22.07.21), wird aber nun geändert und man ist froh über den Hinweis.

Wenn Sie also auch im PRIME Tarif versichert sind: Abschluss und Beginn vor dem 1.10.2020, dann bekommen Sie Leistungen für das Fitnesscenter, sind Sie danach versichert, dann nicht mehr.

Zum Vergleich einmal beide Formulierungen.

ALTE REGELUNG vor 10/2020

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.4b) sind die Kosten für – Präventionskurse und Mitgliedschaftsbeiträge der versicherten Person in einem qualitätsgesicherten Fitnessstudio bis zu 600 EUR innerhalb von zwei Kalenderjahren. Der Versicherer teilt der versicherten Person auf Anfrage mit, welche Fitness-studios als „qualitätsgesichert“ gelten. Nicht erstattungsfähig sind Mitgliedschaftsbeiträge für noch nicht zurückgelegte Mitgliedschaftszeiten und Mitgliedschafts-zeiten vor Versicherungsbeginn. Eingereichte Kostennach-weise müssen daher den Zeitraum enthalten, auf den sie sich beziehen. 

Erstattungsfähig gemäß Ziffer 1.4b) sind die Kosten für – Präventionskurse. Als Präventionskurse gelten Maßnahmen nach § 20 Abs. 1 SGB V, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sind. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass ein Nachweis über die Teilnahme an mindestens 80 % der Kurseinheiten vorgelegt und vom Kursanbieter auf einer Teilnahmebescheinigung bestätigt wird. Nicht erstattungsfähig sind Aufwände für noch nicht zurückgelegte Maßnahmen und Maßnahmen vor Versicherungsbeginn. Eingereichte Kostennachweise müssen daher den Zeitraum enthalten, auf den sie sich beziehen.

14.
Juli '21

Wo sind Sie versichert? Warum die Krankenversicherung Ihres Beraters (k)eine Rolle spielt


Die Frage nach meiner eigenen Versicherung kommt fast in jeder Beratung. „Wo ist denn mein Berater PKV versichert?“

Das ist auch gut so und legim. In einem anderen Beitrag habe ich bereits zu der Frage geschrieben, warum Freunde und Bekannte keine guten Ratgeber sind. Kleiner Tipp am Rande. Vergleichsrechner sind es auch nicht. Mehr dazu aber später, oder in einem anderen Beitrag.

In der privaten Krankenversicherung, das erzähle ich nun schon seit über 20 Jahren, spielt die Leistung des Vertrages eine entscheidende Rolle. Versicherer garantieren als einzigen Baustein mit den Bedingungen einen Leistungsumfang, welcher die vertraglich garantierten Leistungen abbildet. Diesen kann der Versicherer weder heute noch in Zukunft ändern. Diese Garantie einen festen Leistungsrahmen zu kaufen, welchen sie bis ins hohe Alter in ihrem Versicherungsschutz behalten ist ein wesentlicher Unterschied gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.

Mehr zu Systemunterschieden finden Sie auch in meinem Leitfaden.

Es gibt für den Versicherer keine Möglichkeit, ihnen einmal zugesagte Leistungen aus dem Vertrag zu streichen. Natürlich kann es in der Zukunft notwendig werden, den eigenen Versicherungsschutz anzupassen oder (zum Beispiel aus finanziellen Gründen) diesen zu reduzieren. Daher ist es in Bezug auf den Leistungsumfangs heute ebenso wichtig, sich bei der Auswahl des Versicherers Alternativen im Tarifwerk anzuschauen.

Leistung entscheidet heute, Flexibilität über das „Morgen“

Es nützt ihnen überhaupt nichts, einen hochleistungsfähigen Tarif zu wählen, welchen sie sich in wenigen Jahren nicht mehr leisten können. Ist der Versicherungsschutz unterhalb dieses Tarifes bei dem Versicherer dann ungeeignet, dann müssen sie vielleicht aus finanziellen Gründen reduzieren. Danach bleibt Ihnen nur einen deutlich schlechteren Versicherungsschutz, im schlimmsten Fall für den Rest ihres Lebens.

Meine eigene Private Krankenversicherung wurde vor über 20 Jahren deshalb so ausgewählt, weil mein Berater seinen eigenen Kopf hatte.

„Das machen wir jetzt so, oder gar nicht. Sonst geh bitte woanders hin.“

Um vielleicht auch meine Beratungsphilosophie ein bisschen besser zu verstehen, erzähle ich Ihnen eine kurze Geschichte zu meiner Tarifauswahl.

Ich war damals Anfang 20 und habe mich mit dem Thema Private Krankenversicherung eher so nebenbei beschäftigt. Kurz nach der Ausbildung und während eines Studiums war da nicht so richtig viel Zeit und auch nicht die nötige Lust vorhanden. Also habe ich mich an einen Berater gewandt, und diesen damals in seinem Büro besucht. Wir haben uns über viele mögliche Szenarien ausgetauscht, die in der Zukunft passieren könnten. Nun konnte ich mir in dem Alter schwer vorstellen chronische Diagnosen zu haben, Unfälle zu erleiden oder eine Familie zu gründen, kam alles anders. All diese Punkte sind aber möglich und bestimmen die Auswahl des Versicherungsschutzes.

Nie krank oder Millionär, dann reicht Basisschutz

Wüsste ich heute, dass ich niemals krank werde, bräuchte ich keinen guten Versicherungsschutz. Würde ich vielleicht die billigste aller Varianten nehmen? Falls ich steinreich werde (Lotto und so) brauchte ich dann überhaupt sowas? Kann ich es einfach selbst zahlen oder hohe Selbstbeteiligungen nutzen? Damals gab es vier Auswahlmöglichkeiten, angefangen von einem Einstiegsversicherungsschutz (das waren in meinem Fall die damaligen Tarife für die neuen Bundesländer der Signal, NO/NOZ), dann zwei Varianten des mittleren Versicherungsschutzes und ein Top-Tarif. Die Beitragsunterschiede in diesen Bereichen lagen zwischen dem billigsten und dem (damals) besten Versicherungsschutz bei fast 75%.

Ich stand also als junger Mensch vor der Entscheidung, will ich den besten Versicherungsschutz oder will ich eine hochwertigen Versicherungsschutz. Schutz, welchen ich vielleicht die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht brauche. Kann ich das Geld nicht lieber für Auto, Computer, Reisen, Party ausgeben? Mir passiert doch nix, oder?

Berater PKV – Konsequenz und Ehrlichkeit des Beraters

Nach ein paar Tagen und einigen Überlegungen fand unser nächste Gespräch statt. Ich hatte mich entschieden mir einen reduzierten Versicherungsschutz zu „gönnen“ und dafür nicht zu viel Geld zu investieren. Mein Berater war damals sehr direkt. Er meinte: „Wenn du nachher nach Hause fährst, da an der Ecke ist das Versicherungsbüro der Signal, schließe es gern dort ab.“

Mein Gesicht muss wohl etwas erschrocken ausgesehen haben, da antwortete er ergänzend: „Bei dem Prämienunterschied und mit Deinem Eintrittsalter, werde ich Dir den billigen Versicherungsschutz nicht verkaufen, aber den Antrag kannst du natürlich wo anders stellen.“

Ich fuhr dann nach Hause und dachte über diesen Punkt kurz nach, hatte es dann aber wieder verworfen. Am nächsten Morgen entschied ich mich dann doch nochmal zu dem Makler zu fahren und fragte nochmal nach. Er erklärte mir dann, dass er in seiner beruflichen Laufbahn genügend Fälle gesehen habe, denen doch „nie etwas passiert wäre“ und wo es dann doch ganz anders kam.

Es kam wie es kommen musste. Ich entschied mich um, ob nun aus Verständnis oder Sympathie zu dem Berater kann ich nicht mehr sagen. Es wurde der bestmögliche Schutz, den ich innerlich immer noch nicht so recht „brauchte“. Ich muss zugeben, so richtig und 100% überzeugt war ich wohl damals nicht. Ich sah nicht so richtig den Grund darin, mehr Geld für einen Versicherungsschutz auszugeben, welchen ich doch gar nicht brauchen würde. Aber, die Entscheidung war getroffen, die Monatsbeiträge wurden abgebucht und dann war es auch schnell vergessen.

1. kommt es anders, 2. als man denkt

Es vergingen keine zwei Jahre, da fuhr ich im Februar hier auf „meiner“ Insel über eine Landstraße. Es war der 3. Februar 2000, da hatte einen recht schweren Verkehrsunfall. Es kommt wie Sie sich denken können. Notarzt, Krankenwagen, Intensivstation gefolgt von stationären Aufenthalten, Operation und Reha und Anschlussheilbehandlung. Heilmittel und Physiotherapie schlossen sich an. Es trat also keine zwei Jahre nach dem Abschluss genau das ein, was mir ja nie passieren würde.

Im Laufe dieser Behandlungen kamen dann noch ein, zwei, drei andere Erkrankungen dazu und schon da wusste ich: Die Wahl war richtig. Das war auch das erste Mal, dass ich überhaupt mit einem Einzelzimmer in einem Krankenhaus in Berührung kam. Ein Einzelzimmer was totlangweilig sein sollte, oder wo doch auch das Zweibettzimmer reicht?

Langeweile im Einzelzimmer? Brauche ich nicht!

Ja, natürlich werden Sie auch in einem Mehrbettzimmer gesund. Ob da nun ein, zwei oder vier Personen drinliegen, das ändert erst mal nichts. Aber, das Einzelzimmer schafft Ruhe. Es schafft aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, dass ich mit meiner verbundenen Schulter einige Wochen im Krankhaus immer dann Besuch haben konnte, wann ich es wollte. Dabei war es nicht davon abhängig, wie es dem Bettnachbarn ging, was der hatte oder wann der Besuch hatte. Und das soll auch gar keine Laudatio auf ein Einbettzimmer werden, die Entscheidung müssen sie ganz für sich alleine treffen. Aber als es mir irgendwann besser ging, war ich sehr froh in meinem Zimmer tun und lassen zu können, was ich wollte.

Die Wahl ist der Punkt. Wer sich trotz Schutz gegen die Nutzung des Einzelzimmers entscheidet, bekommt meist etwas erstattet. Klar, denn die Versicherung spart auch Geld. Brauchen sie es aber wirklich, weil schwerkrank oder nicht mehr so schlimm, dass Sie telefonieren, arbeiten, Besuch empfangen wollen, ist es mehr als angenehm. Das Zimmer selbst lässt sich auch gut über ein Krankenhaustagegeld absichern. Mit der Wahlleistung „Privatarzt“ geht das so nicht, das habe ich im Beitrag „Krankenhaustagegeld ungeeignet für Chefarztbehandlung“ aufgeschrieben.

Dazu kamen in den Folgejahren noch einige andere Erkrankungen, bis hin zu einer heute bestehenden. Die schränkt mich jetzt nicht so weit ein, führt aber einmal im Jahr zu einem kurzen, stationären Aufenthalt und zudem zu ein paar Untersuchungen über das Jahr verteilt. Diese Untersuchungen und vor allem diese freie Auswahl des Arztes sind ein großes Privileg. Denn nur, weil ich den Arzt (und das muss gar nicht der Chefarzt sein, es kann auch gezielt ein Oberarzt in einer Klinik sein) selbst auswählen kann, nur deshalb lässt sich vieles beschleunigen. Ich bin sehr froh gut auf gehoben zu sein, in der Charité in Berlin und bei anderen Behandlern. Einige meiner Kunden kennen mein Erlebnis mit dem MRT Befund am Freitagnachmittag, vielleicht schreibe ich den auch nochmal auf.

Berater PKV – Beeinflusst die eigene Gesundheit, der eigene Tarif, die Beratung?

Ich glaube schon, dass eigene Erfahrungen des Beraters, eigene Erlebnisse im Krankenhaus oder bei Ärzten, seine Beratung beeinflusst. Das heißt keineswegs, dass sie sich für ein Einzelbettzimmer entscheiden müssen, nur weil ich eines habe. Das heißt auch nicht, dass sie nicht hohe Selbstbeteiligungen vereinbaren können, nur weil ich keine habe. Sie müssen auch keine Beitragsentlastungskomponente in ihren Vertrag integrieren, nur weil ich eine habe.

Eines „müssen“ Sie aber bei mir: Sie müssen verstehen wie ein Versicherungsschutz funktioniert und sollten sich dringend Gedanken darüber machen, was Ihnen in welchen Fällen wichtig ist.

Ich halte weder etwas vom „Klappern mit Sargdeckeln“, noch von der Angst vor dem Tanklaster. Klar kann Sie ein solcher überrollen, wenn Sie das Haus verlassen. Dennoch sollten Sie sich möglicher (Lebens-)Risiken bewusst sein und sollte sich klar vor Augen führen, dass sich Ereignisse ändern können. So kann die eigene Lebensplanung plötzlich komplett über den Haufen geworfen werden.

Kosten die Sie selbst übernehmen können, brauchen Sie nicht zu versichern. Eine Brille ist nicht entscheidend. Eine Vorsorge nett, aber nicht ruinös. 20.000 € Eigenanteil bei einer Prothese? Kosten vielleicht die eigene Altersvorsorge, belasten die Familienkasse oder schränken arg ein.

Was den Kunden finanziell ruiniert oder stark belastet, gehört abgesichert

Fragen sie ihren Berater ruhig, für welchen Versicherungsschutz er sich entschieden hat und warum. Nicht, weil sie dann auch diesen Versicherungsschutz bekommen sollen, sondern weil sie dann ein bisschen besser verstehen können wie ihr Berater so tickt. Wer sich selbst billig versichert, ohne zu wissen was er genau da tut und wie er die bestehenden oder noch kommenden Risiken ausgleichen kann, dem wird es schwer fallen glaubwürdig einen entsprechenden Versicherungsschutz zu vermitteln.

Wenn ich als Berater meinen eigenen Tarif nicht gelesen und verstanden habe, „das billigste Produkt“ entscheide, wie sollte es möglich sein einem Kunden den Sinn einer qualitativ hochwertigen Absicherung zu erklären.

Die Bedürfnisse können unterschiedlich sein, es ist durchaus denkbar, dass der Berater anderer Ansprüche hat. Wer Ärzte in der Familie hat und von denen behandelt wird, wer Millionen auf dem Konto hat und das Geld im Fall der Fälle dafür ausgibt, der hat einen anderen Anspruch. Dagegen spricht überhaupt nichts.

Ihre Tarifauswahl ist die eigene, nicht meine, nicht die des Nachbarn oder Kollegen.

Kommen wir nun wieder zurück zu ihrer Tarifauswahl, den die ist der Part, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Die Information, wo ich versichert bin ist ein netter Nebeneffekt, löst aber ihr Problem nicht. Daher der dringenden Tipp: machen sie sich Gedanken über ihren Bedarf. Dabei berücksichtigen sie bitte nicht nur den heutigen Bedarf, also vielleicht auch die Vorstellung: „ich bin jung, gesund, mir passiert nichts.“, sondern insbesondere auch die zukünftige Entwicklung.

Manchmal kann es sich sehr schnell ändern.

Ich möchte aber dennoch auflösen. Mein Versicherungsschutz besteht seit nunmehr 1998 bei der HALLESCHE im Tarif NK (damals NK3 mit 300 € SB, heute NK 2 mit 600 € SB).

Berater PKV Krankenversicherung Hallesche NK seit 1998

Im Jahr 2001 kam dann die Beitragsentlastung im Alter hinzu. Ja, auch als (damals) selbstständiger halte ich diese weiter für richtig und sinnvoll, heute mehr denn je.

Nur wenn Sie sich der Risiken und (möglichen) Veränderungen bewusst sind, können sie entsprechend handeln.

Auch vergessen Sie bitte nicht, der eigene Schutz bestimmt auch den des (zukünftigen Kindes. Wer heute einen minderwertigen Versicherungsschutz wählt, der kann diesen auch mit Optionen aufwerten. Es spricht erstmal generell nichts dagegen, den heutigen Bedarf anders einzuschätzen, wenn er genug Veränderungsmöglichkeiten bietet. Wählen sie also heute einen reduzierten Versicherungsschutz, welcher mit Anwartschaften und Optionen versehen ist, um diesen später auch zu ändern, dann kann auch dies der richtige Weg sein. Dabei spielt auch die berufliche Situation und das Einkommen eine Rolle. Als junger Angestellter sind hohe Selbstbeteiligungen oder Einsteigertarife selten optimal.

Vermitteln sie bestimmte Tarife nicht?

Ja, vielleicht weil ich damals tief beeindruckt war von der Beraterentscheidung in meinem Fall. Aber auch, weil ich aus tiefster Überzeugung bestimmte Tarife, Versicherer und Tarifmodelle für viele Kunden für nicht passend halte.

Wenn ich also in einer Beratung der Auffassung bin, bestimmte Tarife passen nicht zu ihnen, dann sagen sie ich ihnen das auch. Wenn Sie im Anschluss und Aufklärung über die Risiken immer noch der Meinung sind, einen Tarif oder Versicherer zu wählen, von dem ich klar abrate, Ihre Entscheidung. Aber dann werde ich Ihnen diesen,  gegen meine Überzeugung und nur um der Provision Willen verkaufen, sicher nicht verkaufen.

Es gab in der Vergangenheit sicherlich Kunden, die dann woanders hin gingen und noch heute in diesen Tarifen versichert sind. In den letzten Jahren hatte ich fünf solcher Beratungen, welche nach einem Abschluss eines Tarifes, von dem ich abriet, auf die Nase gefallen sind. Vier von denen kamen wieder zurück, für zwei gab es mit den Erkrankungen keine Chance auf eine Lösung. Ob sich dann eine solche Entscheidung dann revidieren lässt, ist schwer zu sagen und scheitert dann oft am Gesundheitszustand.

Ihr Geldbeutel, Ihr Leben, Ihre Entscheidung

Letztendlich müssen sie die Entscheidung für sich, Ihre Absicherung und Ihr Leben treffen. Das was ich tun kann, ist ihnen eine Hilfestellung geben. Ich werde Sie über Leistungen und Lücken aufklären und auf Gefahren hinweisen. Dennoch kann Ihnen niemand außer Sie selbst sagen, was sie für ein Haus bauen sollen, welches Auto sie kaufen sollen oder welche Krankenversicherung sie wählen. Der Berater kann nur unterstützen, Hilfestellung geben und ihnen zeigen wo versteckte Risiken liegen.

Am Ende ist es aber Ihr Leben, Ihre finanzielle Zukunft bei Krankheit und sie sind auch die/derjenige, die/der dann mit den Konsequenzen dieser Entscheidung leben muss.

Ich möchte aber weiter in den Spiegel schauen können und mir nicht vorwerfen, falsch beraten zu haben. Nicht heute und nicht in 10, 20 oder 30 Jahren.

Seien sie also gewiss, ich werde Ihnen nichts gegen meine eigene Überzeugung empfehlen. Das werden ihnen sicherlich Kunden bestätigen können, welche vor zehn, zwölf oder gar 15 Jahren ihre Krankenversicherung hier gewählt haben. Auf meiner Homepage unter Referenzen ganz bis ans Ende scrollen. Dort finden sie solche Erfahrungen und Beschreibungen von Kunden. Kunden, welche nun schon 10, 12, 15 Jahre bei „ihrer PKV“ sind und weiterhin die Entscheidung für die passende halten.

Für ihre Wahl, für oder gegen ein System der GKV oder PKV und für ihre Tarifentscheidung tragen Sie jedoch die letzte Verantwortung. Daher braucht es BeraterInnen, welche Sie in die Lage versetzen, solche Entscheidungen fundiert treffen zu können.

Die einzige und ehrlichste Hilfe, ist die Hilfe zur Selbsthilfe!

© Alfred Selacher (*1945), Schweizer Lebenskünstler

Bevor Sie nun auf die Suche nach Vergleichsportalen sind, auch die können Ihnen nicht den Tarif empfehlen. Vielleicht ist der an erster Stelle, der geschickte Formulierungen wählt um in der Software nach oben zu? Vielleicht der, der 602 € für eine Brille zahlt und nicht nur 600. Einer der „nach bester Medizin klingt“, den Namen aber nicht verdient?

Für den Anbieter sind die Tarife immer toll. Klar zeigt man gern, was der Tarif kann. Aber ist es nicht wichtiger zu wissen, was er nicht kann?

Daher… Lassen Sie sich ausbilden. Lernen Sie und verstehen. Sie werden am Ende sehen: Es ist nicht so schwer und (Zitat eines Kunden): „Versicherungsbedingungen lesen macht sogar Spaß, auch wenn ich mir das nie vorstellen konnte.

Unter den folgenden links habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt.

Beratungsseite zur PKV

Artikel zur Tarifauswahl

30.
Juni '21

Gesamteinkommen – was gehört für die Krankenkasse dazu, was nicht?


Das Gesamteinkommen, ein Buch mit sieben Siegeln. Gerade in Fragen via LiveChat oder über meine Kontaktseite zur Beratung häufen sich Fragen was wozu gerechnet wird. Was gehört zur Jahresarbeitentgeltgrenze? Wie berechne ich mein Gesamteinkommen und welche Einkünfte und Einkunftsarten werden zur Berechnung herangezogen.

Dabei ist im Wesentlichen zuerst einmal zu entscheiden, wofür wird das Gesamteinkommen benötigt und was ist die Jahresarbeitentgeltgrenze (JAEG). Auch der Begriff „Beitragsbemessungsgrenze“ spielt bei Fragen der GKV Beiträge eine Rolle. Eine Variante, wozu Sie diese benötigen, ist die Prüfung der Versicherungspflicht für einen Angestellten. Wer angestellt ist und dort hauptberuflich beschäftigt, dessen Einkommen wird jährlich überprüft. Liegt dieses Einkommen unter der Jahresarbeitentgeltgrenze (2021: 64.350 Euro), so besteht Versicherungspflicht. Verdienen sie über dieser Grenze, können sie sich freiwillig versichern. Dabei steht ihnen die Wahl zwischen gesetzlicher Krankenkasse (GKV) und den privaten Krankenversicherungen (PKV) offen.

Zu der Grenze werden nicht alle Einkünfte dazu gezählt. Generell ist diese Grenze jedoch eine Jahresgrenze. Diese kann zwar zu Vereinfachung auf den Monatswert herunter gebrochen werden, bleibt aber eine Jahresgrenze. Bekommen sie also mehr als zwölf Gehälter, so werden diese addiert und bilden das Jahreseinkommen.

Gesamteinkommen = Jahresarbeitentgeltgrenze?  Nein!

Ich habe bereits in anderen Beiträgen genauer beschrieben, welche Einkünfte hierzu zählen. Dabei ist zunächst einmal der Arbeitgeber verantwortlich hier korrekt zu melden und zu berechnen.

Wer als Angestellter dazu noch nebenberuflich selbstständig ist, bei diesem werden diese Einkünfte in der Regel nicht berücksichtigt. Auch Einkünfte eines Angestellten aus einer Photovoltaikanlage oder aus Vermietung und Verpachtung zählen hier nicht dazu.

Ausnahmen bestehen jedoch, bei einer parallelen und gleichwertigen Tätigkeit als Angestellter und als Selbstständiger. Dabei sind sowohl zeitliche, als auch finanzielle Punkte zu berücksichtigen. Wer als Angestellter hauptberuflich tätig ist, der hat auch nur dieses Einkommen aus dieser speziellen Angestelltentätigkeit bei der Berechnung zu berücksichtigen. Das kann positiv sein, wenn das Ziel ist, möglichst versicherungspflichtig in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu bleiben oder zu werden.

Nachteilig kann es jedoch sein, wenn das Ziel ist, die die Privaten Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Die Regelungen sind hier aber eindeutig. Zudem hat der Gesamtverband der gesetzlichen Krankenversicherungen hier umfangreiche Kataloge mit Einkunftsarten herausgegeben, welche genau und im Einzelnen beschreiben, welches Einkommen hinzugerechnet wird.

Rundschreiben: „Katalog von Einnahmen und deren beitragsrechtliche Bewertung nach § 240 SGB V

Gesamteinkommen – Wichtig für die Familienversicherung

Bei der Familienversicherung hingegen wird auch ein sogenanntes Gesamteinkommen benötigt. Das spielt immer dann eine Rolle, wenn Kinder von unterschiedlich versicherten Eltern (einer gesetzlich, einer privat) einen Anspruch auf eine kostenfreie Familienversicherung haben. Hierzu habe ich in einem anderen Beitrag bereits umfangreich beschrieben, wo das Kind zu versichern ist. In dem folgenden Schema (im Downloadbereich finde sie dieses als PDF) können Sie selbst ermitteln, ob ein Anspruch auf Familienversicherung besteht. Hier spielt die Jahresarbeitsentgeltgrenze eine Rolle und auch das Einkommen.

Bevor wir nun die Frage beantworten, welche Einkünfte hier berücksichtigt werden, zunächst noch einen Blick auf das sogenannte „regelmäßige Gesamteinkommen“. Bei der Ermittlung des Gesamteinkommens sind die Einkünfte zu berücksichtigen, die regelmäßig im Monat erzielt werden oder dem Versicherten zufließen. Aber Achtung:

Es zählen hier aber auch Einmalzahlungen hinzu, welche jährlich gewährt werden (mindestens einmal jährlich). Diese sind dann anteilig zu berücksichtigen und werden auf den Monat herunter gebrochen. So kann, zum Beispiel, neben einem laufenden Arbeitsentgelt auch ein Weihnachtsgeld berücksichtig werden. Dieses wird dann auf die Monate herunter gerechnet.

Gesamteinkommen bei Selbstständigen

Versuchen wir das Gesamteinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit zu berücksichtigen, ist dieses ungleich schwieriger. Das Einkommen schwankt gewöhnlich über die Jahre, und verändert sich somit regelmäßig. Es kann daher über der Grenze und auch wieder darunter liegen. Abhängig davon, wann der Monatsdurchschnitt berechnet wird. Aber auch hier vergegenwärtigen wir uns wieder die Tatsache, dass es eine Jahresbetrachtung ist. Es geht also nicht darum das Einkommen, beispielsweise von Januar bis Juni zu berücksichtigen und dieses auf den Monat aufzuteilen. Vielmehr betrachten wir grundsätzlich einen kompletten Zwölfmonatszeitraum.

Maßgebend ist hier der Einkommenssteuerbescheid. Das dort ermittelte Gesamteinkommen ist dann ab dem folgenden Monat zu berücksichtigen. Bekommen sie also ihren Steuerbescheid für das Jahr 2020 im August, können sie das dort genannte Gesamteinkommen durch zwölf teilen und haben dann die Berücksichtigungsgröße für die Prüfung der Familienversicherung. Nach Zustellung des Steuerbescheides kann somit die Familienversicherung entfallen sein. Wichtig dabei: Es kann auch rückwirkend passieren. Hier gilt es vorzusorgen, zum Beispiel mit Optionstarifen. (Dazu aber in einem anderen Beitrag einmal mehr. Bei Fragen, gern direkt fragen.)

Rückwirkende Versicherung von Kindern, nach zu hohem Gesamteinkommen

Dabei spielt es ausdrücklich keine Rolle, wie ihr tatsächliches und „echtes“ Einkommen aus der Selbständigkeit im aktuellen Jahr aussieht. Selbst wenn sie kein weiteres, momentanes Einkommen haben und ihre Einnahmen daher gegen null tendieren, entfällt die Familienversicherung nach Zugang des Steuerbescheides unter Umständen trotzdem.

TIPP: In solchen besonderen Fällen, oder wenn sich das Einkommen drastisch verringert hat, sollten sie unbedingt, mit dem Steuerbescheid, ihre gesetzliche Krankenkasse kontaktieren.

Eine hilfsweise Lösung kann es sein, durch den Steuerberater eine Reduzierung der Vorauszahlungen beim Finanzamt zu beantragen, denn dieses erstellt dann einen neuen Steuerbescheid (einen Vorauszahlungsbescheid). Dieser, an die Krankenkasse geschickt, kann und eine entsprechende Neueinstufung zum nächsten Monatsersten bewirken kann. So kommen, in einigen Fällen, ihre Kinder in die kostenfreie Familienversicherung zurück, obwohl noch kein Steuerbescheid für das laufende Jahr vorliegt.

Wichtig dabei: Diese Nachweise und Belege müssen von Dritten erstellt worden sein. Eine selbsterstellte BWA (wenn sie die Buchhaltung für sich bzw. für ihr Unternehmen selbst erstellen) zählt hier nicht. Sie benötigen einen neutralen Dritten, kann das Steuerbüro sein, aber auch das Finanzamt. Erst mit einem neuen Steuerbescheid ist eine Neueinstufung möglich.

Ganz entscheidend: Die Familienversicherung für Kinder kann auch rückwirkend enden. Stellt also das Finanzamt erst im Jahr 2021 den Steuerbescheid 2020 fertig und dort wird die JAEG überschritten, so endet gegebenenfalls die Familienversicherung rückwirkend. In den folgenden Beiträgen zur Familienversicherung und dem Entfall bzw. der rückwirkenden Versicherung für Kinder, habe ich umfangreiche Informationen dazu aufgeschrieben. Auch lesen Sie dort Hilfestellungen und Tipps darüber, wie Sie eine rückwirkende Versicherung erreichen und was Sie schon weit im Voraus hierzu bedenken müssen.

Gesamteinkommen – gesetzliche Grundlagen

Als Ergänzung zu den oben genannten Ausführungen noch der Hinweis auf den Paragrafen 16 des Sozialgesetzbuches 4. Der Begriff Gesamteinkommen wird in dem Paragrafen 16 als die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts definiert.

㤠16 Gesamteinkommen

Gesamteinkommen ist die Summe der Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts; es umfasst insbesondere das Arbeitsentgelt und das Arbeitseinkommen.“

Sind Sie nun schlauer? Nicht wirklich, dann gern noch etwas detaillierter.

Hierzu gehören nach dem Paragrafen 2 Absatz 1 des Einkommenssteuergesetzes zwei unterschiedliche Einkommensarten. Die sogenannten „Überschusseinkünfte“ und die „Einkünfte mit Gewinnermittlung“.

Überschusseinkünfte

Hierzu zählen Einkünfte

– aus nichtselbstständiger Arbeit das Arbeitsentgelt
– Einmal jährlich gewährte Einmalzahlungen (u.a. Weihnachts-/ Urlaubsgeld)
– Abfindungen bei Auflösung eines Arbeitsvertrages
– Einkünfte aus Kapitalvermögen, zum Beispiel Zinserträge
– Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
– Sonstige Einkünfte wie zum Beispiel Renten (kein Abzug von Werbungskosten)

Bei diesen Überschusseinkünften mindern die Werbungskosten das Gesamteinkommen. So wird bei dem Bruttoarbeitsentgelt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR pro Jahr abgezogen, es sei denn es werden höhere Werbungskosten nachgewiesen. Auch bei Kapitaleinkünften kann der Freibetrag (801 EUR bei Alleinstehenden oder 1.602 EUR bei gemeinsam steuerlich veranlagten Partnern) berücksichtigt werden.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden gemindert um sämtliche Aufwendungen, welche durch diese Einkommensart verursacht wurden und dieser zuzuordnen sind. (Betriebskosten, Erhaltungsaufwand, Kosten der Geldbeschaffung, Versicherungen für die Immobilie u.v.m.). Eine Tilgung des Darlehens aber nicht, denn dieses sorgt ja dafür, dass Sie diese Immobilie irgendwann besitzen.

Einkünfte mit Gewinnermittlung

Hierzu zählen

– selbstständigen Tätigkeiten,
– Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
– Einkünfte aus Gewerbebetrieben

Gesamteinkommen richtig ermitteln

Generell sollten Sie sich hierzu professioneller Hilfe bedienen. Ein Steuerberater kann Ihnen bei der Ermittlung des Gesamteinkommens helfen. Hier müssen Sie jedoch zunächst Unterlagen besorgen und die nötigen Informationen liefern. Zu beachten sind jedoch die unterschiedlichen Anrechnungen von verschiedenen Einkunftsarten. Der Steuerberater kennt sich mit Steuern aus, nicht aber mit der Krankenversicherung – ist auch nicht sein Job!

Abhängig von dem Zweck der Berechnung erkennen Sie somit schnell, welche Einkunftsarten zu berücksichtigen sind. Angestellte, welche prüfen möchten, ob sie versicherungspflichtig sind, vergleichen Ihr Einkommen mit der Jahresarbeitentgeltgrenze.

Versicherungspflichtig oder versicherungsfrei als Angestellter?

Bei der Prüfung der Familienversicherung hingegen, sind umfangreiche Aufstellungen nötig, um hier ggf. auch Abzüge und anrechenbare Beträge zu berücksichtigen. Schwankt das Einkommen eines Selbstständigen stark, welcher seine Kinder privat versichern will oder muss, bestehen besondere Herausforderungen. Insbesondere, wenn sich die Einkünfte mal über und mal unter der JAEG bewegen, gilt es hier besondern gut vorzusorgen.

Fragen hierzu? Auch bei der Frage, wie Sie hohe Nachzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse umgehen können, lesen Sie gern die weiteren Beiträge.

Beiträge zur Familienversicherung
Kann mein Kind rückwirkend versichert werden?
Die Krankenkasse droht mit hohen Nachzahlungen

Bereits in der Vergangenheit habe ich hierzu eine Artikelserie veröffentlicht. Hier beschreibe ich detailliert und verständlich alle Probleme und Lösungen zum Gesamteinkommen, der Kinderversicherung und den Auswirkungen für eine Familienversicherung.

Kinderkrankenversicherung – alles was Sie wissen müssen, Teil 1 und Kinderkrankenversicherung Teil 2

Im Rundschreiben des GKV Spitzenverbandes (letzter Stand 2020) finden Sie zudem weitere Informationen und eine detaillierte Liste zu den Einkunftsarten. Als Anlage finden Sie dort auch eine Liste mit allen Einkunftsarten, der Frage nach der Anrechnung auf das Gesamteinkommen und die Rechtsgrundlage.

Rundschreiben: Gesamteinkommen im Rahmen der Prüfung der Familienversicherung

28.
Juni '21

ARAG MedBest – einfach günstig oder zu billig?


In der letzten Zeit häufen sich Fragen zu einem speziellen Tarif einer Gesellschaft, oder besser einem (neuen) Tarifwerk. Wobei das Wort „neu“ es gar nicht mehr so genau trifft. Die ARAG Krankenversicherung AG hat im Jahr 2019 zwei neue Tarife eingeführt. Den ARAG MedExtra und den ARAG MedBest. Beide sind Tarife der privaten Krankenvollversicherung, mit der Zielgruppe Angestellte, aber auch Selbstständige.

Die ARAG hatte natürlich auch vorher schon Tarife der privaten Krankenversicherung, und so ergeben sich bei den neuen Tarifen einige Besonderheiten und Fragen. Oftmals kommen Interessenten zu mir, welche sich schon einmal im Internet zu der PKV informiert haben. Dabei häufen sich einige Fragen.

Interessent_ARAG_MedBest_Schwachstellen

Die Tarife erscheinen auf dem ersten Blick extrem günstig. Gerade im oberflächlichen, direkten Vergleich mit Mitbewerbern stellt sich der Kunde durchaus die Frage, warum ist der Tarif so günstig. Die ARAG wirbt auch gern damit, einen hochleistungsfähigen Tarif zu haben, welcher viel besser ist (oder zu sein scheint) im Vergleich zum Rest des Marktes.

Dabei sind sie in der Preisregion gar nicht mal allein. Ein dreißigjähriger Versicherter muss für den ARAG MedBest 0 (ohne Selbstbeteiligung) einen Beitrag von 521 Euro, zuzüglich gesetzlichem Zuschlag aufwenden.

ARAG MedBest – billig oder gerechtfertigt?

Wenn wir uns die private Krankenversicherung genauer anschauen, dann stützt sich eine Entscheidung für oder gegen einen Tarif auf mehrere Grundlagen. Zuerst einmal ist dort das Leistungsspektrum des Tarifes. Die vertraglich garantierten Leistungen eines Tarifes lassen sich durch den Versicherer nicht einseitig ändern. Vereinfacht formuliert bedeutet das, heute in den Versicherungsbedingungen garantierte Leistungen bleiben auch für die nächsten Jahrzehnte erhalten. Der Versicherer kann nichts herausstreichen, aber auch nichts hinzufügen. Die Leistung ist damit die einzige Säule bei der Tarifentscheidung, welche dauerhaft konstant ist. Das bedeutet nicht, das sie nicht selbst aktiv etwas ändern können, Tarife wechseln oder Veränderungen vornehmen. Die zweite Säule ist dabei die zukünftige Beitragsentwicklung. Es nützt uns allen wenig, wenn wir in einem Tarif versichert sind, welcher unbezahlbar wird. Warum er das werden kann, beziehungsweise warum die Beiträge steigen können, habe ich in einem anderen Betrag bereits ausführlicher erklärt.

Erklärungen und Infos: Beitragsanpassungen in der PKV

Wie funktioniert eine Krankenversicherung generell?

In der privaten Krankenversicherung vereinbart der Versicherer einen Beitrag, der zunächst einmal heute gilt. Dieser kalkulierte Betrag basiert auf Informationen zu statistischen Kostenwahrscheinlichkeiten, der Lebenserwartung und der Kalkulation des Versicherers. Würde ich also als Versicherer A davon ausgehen, dass sie nur sechzig Jahre alt werden, wäre mein Betrag viel geringer. Warum? Nun, ich müsste nur entstehenden Kosten bis zu diesem Zeitpunkt kalkulieren. Das geht nicht, daher greifen Versicherer auf sogenannte Sterbetafeln zurück. Diese statistischen Berechnungen und Behebungen bilden die Grundlage. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Menschen werden älter, die Medizin wird besser und ermöglicht ein längeres Leben.

Langes Leben – hohe Kosten?

Wer nun länger lebt, der verursacht auch länger Kosten. Neben dieser Kostensteigerung spielen auch die medizinischen Kosten und die Weiterentwicklung in der Medizin eine deutliche Rolle. Wenn wir uns überlegen, wie viele Menschen vor Jahrzehnten noch an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sind, und wie lange diese heute (teilweise wieder unbeschwert) leben, wird diese Entwicklung sehr deutlich.

Der dritte Punkt, welcher eine Rolle bei der Kalkulation spielt, ist der Rechnungszins. Stellen wir uns vor, wir müssten zu einem bestimmten Termin eine Summe von 100.000 Euro angespart haben. Bei einem Zins von 5% und der daraus resultierenden Zinseszinsen müssen sie dazu einen Betrag X jeden Monat weglegen. Beträgt der Zins nur noch 3%, so müssen sie dafür einen wesentlich höheren Betrag jeden Monat auf die hohe Kante legen, damit sie nach gleichem Zeitablauf den gleichen Endbetrag haben.

Ein Zahlenspiel

In Zahlen. Um in 30 Jahren 100.000 € anzusammeln, braucht es bei 5% Zins 122 € und bei nur 3% Zins schon 172 €. Zwei Prozent weniger Zins auf 30 Jahre führen zu einer fast ein Drittel höheren Sparrate.

Diese wirkt sich auch gleich auf die private Krankenversicherung aus. Stichwort Niedrigzinsphase. Je geringer die Zinserträge aus den Kapitalanlagen sind, desto schneller muss ich meine Prämien anpassen.

ARAG MedBest – das Rad neu erfunden?

Sie als Kunde verursachen generell erst mal nicht mehr oder nicht weniger Kosten. Unterstellen wir völlige Leistungsgleichheit zweier Tarife (die es so nicht gibt) so werden sie nicht kränker oder bleiben nicht gesünder, nur weil sie bei Versicherer A, B oder C versichert sind. Der Versicherer erstattet ihnen die Versicherten- und die angefallen Krankheitskosten. Er kann aber wenig dafür und es liegt außerhalb seiner Macht, wie gesund oder wie krank sie sind. Haben sie jetzt also zwei Leistungsgleiche Tarife mit unterschiedlichem Beitrag, stellt sich die Frage, für welchen sie sich entscheiden.

Sie wählen den Tarif, welcher 500 statt 600 Euro Monatsbeitrag kostet? Dann stehen diesem Tarif auch 100 Euro weniger für die Bildung für Alterungsrückstellungen zur Verfügung. Der Versicherer legt also generell einen Teil des Beitrags zurück. Das Geld was er nicht für die aktuelle Risikodeckung benötigt wird angelegt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei dann der Zins- und Zinseszins Effekt. Entscheide ich für den Versicherer mit dem geringeren Beitrag, nehme ich ihm die Chance mehr Geld zurückzulegen. Geld was ich nicht habe, kann ich weder anlegen, noch ausgeben.

ARAG MedBest – ist günstiger Beitrag das das entscheidende Ziel?

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn etwas einen geringeren Preis hat. Auch spielen leider Preise eine übergeordnete Rolle in vielen Bereichen. Sei es ein Internetvergleichsrechner bei Check24, oder leider auch in viele Beratungen. Der Makler, Vertreter oder der Kunde selbst sortieren sich ihre Tabellen nach Preisen. Das ist jedoch in der Krankenversicherung der falsche Ansatz. Die Sortierung nach dem Preis und das „immer der billigste sein zu wollen“ verschiebt teilweise die Wahrnehmung.

ARAG MedBest – wie machen die das zu diesem Preis?

Wer sich nun mit den Leistungen der Tarife beschäftigt, der wird sich irgendwann eine berechtigte Frage stellen. Wie kommt die Kalkulation des Versicherers für den Tarif MedBest zustande? Ein Tarif ohne Selbstbeteiligung und mit (auf den oberflächlichen Blick) hohen Leistungen, der zu dem bis zu 200 Euro weniger im Monatsbeitrag kostet. Andere Toptarife liegen da zum Teil deutlich darüber. Natürlich unterscheiden sich die Leistungen. Wichtiger als die oberflächliche Leistung in einem Prospekt zu lesen, sind die Versicherungsbedingungen. Dabei kann manchmal ein kleines Wörtchen in einem Satz die Entscheidung darüber treffen, ob ein Versicherer leisten muss oder eben nicht. Solche Leistungsbeschränkungen finden wir auch in allen Versicherungsbedingungen. Eine Frage ist am Ende jedoch, wie diese ausgestaltet sind.

Als Beispiel schauen wir uns einmal die Formulierung bei den Hilfsmitteln an.

(Auszug aus den Versicherungsbedingungen, Paragraf 4 Absatz 2 Punkt 5):

Hilfsmittel mit einem Bezugspreis von unter 1.000 Euro sind ohne vorherige Genehmigung durch den Versicherer erstattungsfähig. Wird ein Hilfsmittel mit einem Bezugspreis ab 1.000 Euro ohne vorherige schriftliche Zusage des Versicherers bezogen, werden 80% des erstattungsfähigen Rechnungsbetrags für die funktionale Standardausführung für die tarifliche Erstattung zu Grunde gelegt. Als Bezugspreis gilt der Preis für die gesamte Versorgung.

Diese Formulierung bringt gleich mehrere Probleme mit sich. Natürlich ist jede Regelung akzeptabel, welche vor Vertragsabschluss klar und deutlich kommuniziert wird. So lange sie „wissen was sie da tun“ können sie unterschreiben was sie möchten.

Die erste Einschränkung besteht in dem ARAG MedBest darin, dass sie bei Hilfsmitteln über 1.000 Euro eine schriftliche Genehmigung benötigen. Weiterhin, und die Einschränkung ist deutlich größer, ist nur die sogenannte „funktionale Standardausführung“ erstattungsfähig.

Wenn sie Zeit und Lust haben, gehen sie beim nächsten Spaziergang durch die Stadt an einem Sanitätshaus vorbei. Dort fragen sie, was eine moderne Prothese des Unterschenkels in der besten Absicherung und einmal in der Standardausführung (funktional) kostet. Sie werden überrascht sein, wie groß der Unterschied ist.

Dieses ist nur ein sehr einfaches Beispiel, es zeigt aber sehr gut, warum ein Tarif billig kalkuliert werden kann. Wenn ich mir als Versicherer genug Formulierungen, in den Bedingungen schaffen, in denen ich meine Leistungen begrenzen oder reduzieren kann, dann ist es auch möglich einen billigen/günstigen Tarif auf den Markt zu bringen.

ARAG MedBest – Wollen sie billig? Günstig? Oder gut?

Natürlich gibt es Situationen, Kunden und Ansprüche, wo auch dieser Tarif passen kann. Jedoch sollten sie sich sehr genau die Frage stellen, wie eine solche Kalkulation zustande kommt. Dabei ist es wichtig die Bedingungen bis in den letzten Winkel zu lesen. Ohne einen spezialisierten Berater wird das oftmals etwas schwierig. Leider wird jedoch von vielen Beratern „nach dem Preis“ verkauft. Frei nach dem Motto: „Bevor ich gar nichts verkaufe, verkaufe ich lieber etwas Billiges.“ und habe ein Geschäft gemacht.

Damit kann ich mich nicht anfreunden. Es gibt Tarife, Gesellschaften und Konstellationen, wo die private Krankenversicherung nicht passt. Es gibt Kunden, wo die PKV nicht passt. Dabei habe ich kein Problem damit, von Tarifen oder dem generellen Wechsel abzuraten.

Ich möchte auch nicht, dass dieser Beitrag als generelle Meinung gegen den MedBest der ARAG KV verstanden wird, ich möchte sie aber sensibilisieren. Machen sie sich klar, wo die Lücken und Haken sind. Fragen sie sich wie eine Kalkulation funktionieren soll, wenn diese weit vom Durchschnitt des Marktes abweicht. Schon mein Opa hat schon früher gesagt: „Wer billig kauft, kauft zweimal“.

Das Problem in der Krankenversicherung ist jedoch, dass es in vielen Fällen keinen zweiten Kauf geben wird. Wenn sie merken, dass ihre Entscheidung falsch war und sie nun krank sind, dann lässt sich diese nicht mehr revidieren. Daher möchte ich sie nur eindringlich warnen, voreilig aufgrund des Preises eine Tarifentscheidung zu treffen. Machen sie sich in Ruhe Gedanken zu den Fragen, was ihnen persönlich wichtig ist. Sie müssen keinesfalls immer den besten Tarif kaufen, ein guter Mittelklassewagen fährt ebenso. Je geringer der Preis, umso weniger Leistungen kann ein Tarif (wenn er vernünftig kalkuliert ist) auch enthalten.

Fragen sollten sie sich aber in jedem Fall: „Wie kann etwas, was vermeintlich gleich gut sein soll“, deutlich billiger sein?

Wer sich für einen reduzierten Versicherungsschutz entscheidet, und das weiß, für den sind auch solche Tarife in Ordnung. Viele meiner Kunden kennen aus der Beratung einen Satz:

„Wichtiger als zu wissen was ein Tarif leistet, ist zu wissen, was er nicht leistet.“

Sie müssen verstehen und begreifen, wo es Leistungslücken und Probleme eines Tarifes liegen. Aus meiner Sicht sind in den Tarifen hier Punkte vorhanden, welche sie zum Nachdenken bringen sollten. Zum einen handelt es sich um einen neuen Tarif am Markt (Einführung war 2019) und daher fällt es uns schwer etwas zu den Versichertenkollektiven zu sagen. Eine Beitragsanpassung hat bisher nicht stattgefunden. Diese wir auch zum 1.1.2022 nicht stattfinden, da die sogenannten auslösenden Faktoren sich erreicht sind. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass eine Beitragsanpassung in Zukunft all die Anpassungen nachholen muss, welche bisher nicht erfolgt sind.

Auch halte ich Formulierungen in den Bedingungen für bedenkenswert. Als Beispiele seien hier die Hilfsmittel, die Heilmittel, die Geltung im Ausland, Zahnhöchstgrenzen, KFO oder auch andere Punkte genannt. Unbestimmte Begriffe oder beschränkte Leistungen können zu riesigen Eigenanteilen führen.

Ein Beispiel wie das mit der „mittleren Ausführung“ und der „funktionalen Standardausführung“ aussehen kann, finden sie auch in dem folgenden Beitrag unter dem Link:

Continentale: „einfach vs. billig“ oder „Was Hilfsmittel kosten

ARAG MedBest – Ein Fazit?

Nicht ganz, denn ich kann ihnen weder eine Tarif Empfehlung für oder gegen einen solchen Tarif geben. Das möchte ich auch nicht tun. Um eine solche, weitreichende Entscheidung treffen zu können, benötigen sie Beratung. Lassen sie sich durch ihren Berater ausbilden. Er muss sie in die Lage versetzten, dass es ihnen gelingt Bedingungsaussagen zu lesen und zu verstehen, um dann die Auswirkungen abschätzen zu können.

Das ist sicher der Grund, warum es keinen guten oder schlechten Tarif gibt, nur einen passenden oder unpassenden. Nur, wenn sie verstehen welche Risiken in Tarifen enthalten sind (sei es in der Kalkulation oder in den Leistungen) nur dann können sie fundiert entscheiden.

Informationen wie sie zur passenden privaten Krankenversicherung kommen, welche Fragen sie ihrem Berater oder sich selbst stellen müssen, dazu habe ich ihnen weitere Informationen zusammengestellt. Unter den folgenden Links finde sie die entsprechenden Beiträge.

21.
Juni '21

Risikovoranfrage PKV – Fehler vermeiden, sicher beantragen


Auf dem Weg zur passenden privaten Krankenversicherung haben Sie sich bisher mit Tarifen und den Auswahlkriterien beschäftigt, nun folgt dann die Risikovoranfrage PKV. Jetzt  Alle Prämien aus den Tarifunterlagen beziehen sich auf einen gesunden Neukunden in ihrem Alter. Das heißt aber auch, dass der Versicherer erst dann eine genaue  und finale Einschätzung abgeben kann, wenn er ihren Gesundheitszustand genauer kennt. Für diese Einschätzung nutzen wir den Weg der anonymen Risikovoranfrage.

Warum anonym? Weil sie nicht möchten, dass entsprechende Gesundheitsangaben bei den Versichern liegen, die wir vielleicht später nicht mehr korrigieren können. Dabei geht es keinesfalls darum, Angaben zu verschweigen oder schön zu reden. Wir benötigen vielmehr eine genaue Aufbereitung der gesundheitlichen Historie.

In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen, wie der Prozess der anonymen Risikovoranfrage abläuft, welche Unterlagen wir benötigen und was sie parallel vorbereiten können.

Risikovoranfrage – welche Unterlagen benötigen Sie?

Bei der Risikovoranfrage geht es um eine detailgenaue Beantwortung der Gesundheitsfragen, welche bei jedem Versicherer unterschiedlich sind. Um diese Fragen richtig und vollständig beantworten zu können, benötigen wir die Angaben zu ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte. An größere Sachen werden sie sich meist direkt erinnern. Wer einmal im Krankenhaus war, der weiß das in der Regel. Auch wenn die Behandlung schon einige Zeit zurückliegt, größere Behandlungen im Krankenhaus, ambulante Operationen, aber auch Reha-Aufenthalte bleiben im Gedächtnis.

Die Erinnerungslücken werden meist größer, wenn es sich um kleinere Erkrankungen handelt, wenn sie also erkältet waren oder eine Magen-Darm-Grippe hatten. Auch einen eingewachsenen Fußnagel, Nagelpilz oder Kopfschmerzen werden schnell vergessen. Dennoch sind diese Angaben, wenn der Versicherer danach fragt, in ihrem Antrag auf eine Private Krankenversicherung anzeigepflichtig .

Besorgen sollten sie sich deshalb folgende Unterlagen:

– eine Kopie der Krankenakte ihres Hausarztes
– eine Kopie der Krankenakte bei Fachärzten
– Informationen zu Behandlungen bei ihrem Zahnarzt, inklusive fehlender Zähne
– wenn vorhanden, die Entlassungsberichte des Krankenhauses (das kann auch der Arztbrief vom Krankenhaus an ihren Hausarzt sein)
– einen Auszug ihrer gesetzlichen Krankenkasse (den finden sie online im Portal ihrer GKV, oder diesen fordern sie schriftlich an)

Für die Anforderung der Krankenakte habe ich Ihnen im Downloadbereich Musterformulare und Musterschreiben zur Verfügung gestellt. Mit diesen ist es einfach und schnell möglich, die Krankenakte anzufordern. Weitere Details und Fragen rund um Ihre Patientenakte finden Sie HIER in den Beiträgen zur

„Krankenakte und den Patientenunterlagen“.

Ist eine Praxis schon geschlossen, da der Arzt sich zur Ruhe gesetzt hat, finden Sie hier Hilfe. „So kommen Sie an die Krankenakte nach Schließung der Praxis„. Diese Unterlagen müssen nicht zwingend bei ihrem Versicherer eingereicht werden und in einigen Fällen sollten Sie dieses auch nicht tun. Was aber wichtig ist, was nicht fehlen darf, das klären wir gemeinsam. Es erleichtert ihnen aber die sorgfältigere Beantwortung der Gesundheitsfragen sehr.

Risikovoranfrage PKV – muss ich wirklich jede Erkältung angeben?

Ein Versicherer wird sie nicht ablehnen, weil sie im Frühjahr Herbst und Winter eine entsprechende Erkältung hatten. Dennoch, ganz genau genommen, sind auch diese Erkältungen oder grippalen Infekte anzeigepflichtig. Wenn sie jetzt einen Blick an die Anträge werfen, dann werden sie sehen, es gibt hier nur wenige kleine Felder. Bei den meisten Antragstellungen passen hier unmöglich alle Untersuchungen hinein. Sie können also einfach eine Tabelle anfügen, in der sie die Gesundheitsangaben ergänzen. Wichtig ist dabei, dass sie sie angeben wann die Behandlung war, welche Behandlung es war, ob diese zu Arbeitsunfähigkeit geführt hat und ob diese ausgeheilt ist.

Ebenso hilfreich ist die Frage, ob sie operiert wurden oder ob noch Untersuchungsergebnisse ausstehend sind oder weitere Behandlungen geplant sind. Wenn sie sich nicht sicher sind, welche Angaben sie aus einem Krankenhausentlassungsbericht, fügen sie gern den Bericht als Foto oder als Scan direkt der Voranfrage bei. Auch Operationsberichte oder Befunde und Laborwerte legen Sie einfach bei. Bevor dieser an den Versicherer geht, anonymisieren wir ihre Anfrage und löschen die persönlichen Daten aus dem Dokument.

Risikovoranfrage PKV – der Arzt sagt: „Der Versicherer soll direkt bei mir anfragen“

Viele Ärzte haben diese Antwort auf eine Anfrage parat. Die Ärzte meinen, wenn der Versicherer etwas wissen möchte, dann soll er doch bitte direkt bei mir anfragen. Hintergrund hierzu, der Arzt kann diese Anfrage abrechen. Das wollen wir aber nicht. Dazu muss der Versicherer dann persönliche Anhaben haben. Mit der Schweigepflichtsentbindung fragt er an, aber dann ist es mit der anonymen Voranfrage vorbei. Denn sobald der Versicherer Kenntnis über ihren Namen, dem Geburtsdatum und dem Arzt bekommt, kann eine Anfrage unmöglich anonym sein. Damit wir also unser Ziel einer anonymen Anfrage verfolgen können, brauchen wir auch die mit Hilfe des Arztes.

Einige Ärzte sträuben sich auch aus einem anderen Grund ihnen ihre Krankenakte zu geben. Wenn sie in den letzten Jahren einige Berichte in der Presse mitverfolgt haben, dann werden sie gelesen haben, dass hier vielfach Abrechnungsdiagnosen gab. Freundlich formuliert hat sie ihr Arzt also „kränker“ gemacht, als sie in Wirklichkeit waren. Der Hintergrund dafür ist die Abrechnungsfrage. Ohne das jetzt im letzten Detail zu der Abrechnungsmodalität erklären zu wollen, umso kränker sie sind, umso besser für die Krankenkasse und den Arzt. Eine Rolle spielen hierbei Zuweisungen von Beträgen aus dem Gesundheitsfonds.

Was tun, wenn die Angaben in der Krankenakte falsch sind?

Jetzt kann es durchaus passieren, dass in ihrer Krankenakte Angaben zu ihren Diagnosen finden, die vielleicht gar nicht hatten. Weit verbreiten sind Diagnosen wie stressbedingte Überlastung oder Skoliose, auch Rückenprobleme und andere Untersuchungsergebnisse tauchen dort auf. Die erste Wahl ist es immer, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. Aus Erfahrung sind viele Ärzte durchaus bereit Diagnosen auch nachträglich sauber zu attestieren. Hier kann es sich um weitere Befunde handeln, oder auch den Hinweis, dass es die abgerechnete Diagnose so nicht gab. Dabei geht es gar nicht um die Löschung oder nachträglicher Veränderung der Krankenakte. Ziel ist ein entsprechendes Attest und damit eine Klarstellung. Wer also in seiner Krankenakte chronische Rückenschmerzen findet, aber nur einmal beim Arzt da war, der sollte das klarstellen lassen.

Das allein ist nicht der Schlüssel aller Probleme, aber ein Weg dahin. So tauchen immer wieder so genannte F-Diagnosen, also Krankheiten aus dem Bereich der Psyche auf. Diese verhindern, ohne weitere Aufbereitung der Unterlagen, eine Aufnahme in die PKV. Manchmal merken auch Ärzte, dass hier mit einer abgerechneten Diagnose über das Ziel hinaus geschossen wurde. Der Arzt muss also mit ins Boot, auch wenn dies die Einträge bei der Krankenkasse nicht ändert.

Mobbing PKV Antrag

Kommen sie mit dem Arzt nicht allein zurecht, hilft manchmal ein entsprechendes Muster zukommen lassen. Einige Ärzte fragen auch direkt, wie Kollegen dies gelöst haben. Schließlich ist auch für den Arzt Abrechnungsbetrug kein Kavaliersdelikt. Vielen Ärzten hilft es, ihnen eine Brücke zu bauen. Eine falsche Diagnose nur der Abrechnung willen ist falsch und das wissen auch Ärzte. Gemeinsam lassen sich aber meist Lösungen finden.

Risikovoranfrage – wie nun weiter?

Wenn sie die Antragsangaben gemacht haben, so senden sie mir diese Unterlagen gern wie gehabt per E-Mail zu. Alles was nicht in die Formulare passt, einfach auf einem Beiblatt beschreiben und auflisten. Sie können diese mit einem Passwort versehen alternativ kann ich ihnen einen Link zu einem passwortgeschützten Ordner senden. Nachdem diese Unterlagen vorliegen biete ich ihnen an, diese vorab noch einmal zu besprechen. Damit beseitigen wir Unklarheiten, ergänzen Angaben und schauen gemeinsam, dass nichts vergessen wird. Wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben (Allergien, Rückenbeschwerden, Einlagen für die Schuhe), dann kann es sinnvoll sein dem Versicherer gleich den entsprechenden Fragebogen beizulegen. Eine große Anzahl der Fragebögen, finden sie auf der Homepage unter Downloads und Antragsunterlagen klicken, und sich dann bei der jeweiligen Gesellschaft den Fragebogen heraussuchen, der auf ihre Erkrankung am Besten passt.

Ein Beispiel:

Es bringt relativ wenig, wenn im Antrag steht „Heuschnupfen“. Es bringt aber durchaus viel, wenn im Antrag neben der Angabe Heuschnupfen der Allergiefragebogen ausgefüllt und beigelegt wird. Hier stellt der Versicherer zusätzliche Fragen, zum Beispiel nach der Beteiligung von Asthma. Die Dauer Ihrer Beschwerden, oder noch geplanten Desensibilisierungen sind ebenso wichtig. Je genauer ihre Angaben, desto besser und einfacher ist eine entsprechende Einschätzung möglich.

Sobald ich von den Versicherern eine Rückmeldung bekommen habe, sammle ich diese und stelle ihnen dann die Auswertung der Tarife mit den realen Prämien zu Verfügung. Das sind dann die Prämien, die bereits den Risikozuschlag enthalten. Auch bekommen sie Informationen darüber, ob der Zuschlag dauerhaft ist oder nach einer bestimmten Zeit entfällt oder überprüft werden kann.

Erst wenn all diese Angaben vorliegen, schätzt der Versicherer das Risiko final ein. Nun haben wir verbindliche Prämien, erst dann besprechen wir die finale Ausgestaltung. Dazu gehören Fragen zur Höhe des Krankentagegeldes, zur Beitragsentlastung und weiteren Bausteinen. Erst weit nach der Risikovoranfrage PKV stellen wir dann einen Antrag. Finden sich im Antrag die identischen Angaben wie in der Voranfrage, ist die Entscheidung sicher. Der Versicherer nimmt diesen Antrag zu den angebotenen Konditionen an.

Keine Angst, aber in Ruhe und beacht entscheiden

Ohne Ihnen Angst machen zu wollen, bedenken sie dabei aber:

Alle neuen Erkrankungen, die bis zur tatsächlichen Antragsstellung dazu kommen, sind auch weiterhin angabepflichtig. Lassen wir uns zu viel Zeit und es haben sich weitere vielleicht Erkrankungsbilder ergeben. Auch eine Vorsorgeuntersuchung mit neuen Laborwerten oder eine Krankheit, kann schnell einen Antrag verhindern. All das müssten wir nachträglich nachmelden. Damit beginnt der Prozess der Vorantrage dann erneut.

Mit diesem Weg kommen wir jedoch schnell und auch sicher zu einer sauberen Voranfrage. Wir vermeiden das Risiko einer Anzeigepflichtverletzung und späteren Problemen. Im besten Fall ist es ein rückwirkender Zuschlag, im schlimmsten Fall aber auch die Kündigung durch den Versicherer. Auch ein späterer Rücktritt wäre ein Problem. Beides möchte niemand und Sie ganz sicher nicht erleben.

Auch wenn ein Zuschlag mehr Beitrag bedeutet, in vielen Fällen ist der sinnvoll und nötig. Warum, habe ich in einem anderen Beitrag zu Risikozuschlägen aufgeschrieben und erkläre ich in einem anderen Beitrag anhand meiner persönlichen Geschichte nochmals.

Sie haben weitere Fragen dazu, oder sie interessieren die Themen Voranfrage oder Zuschläge? Klicken Sie auf die folgenden Beiträgen für umfangreiche Information: