Archiv für die Kategorie ‘Krankenversicherung’

16.
November '19

Beitragsanpassungen in der Pflegepflichtversicherung – es geht alles so und es wird weiter gehen (müssen)


In den nächsten Tagen bekommen Sie Post. Dabei ist es völlig egal bei welchem Unternehmen Sie krankenversichert sind, Sie haben immer auch eine private Pflegepflichtversicherung. Diese Beiträge für den Schutz sind gleich! Nur bis auf wenige Cent Beträge unterscheiden sich diese Beiträge bei den Gesellschaften und auch die Leistungen sind zu 100% identisch.

Warum steigen Beiträge in der Pflegepflichtversicherung an?

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Einer der entscheidendsten Gründe ist durchaus positiv zu werten.

Grund 1: WIR LEBEN LÄNGER

Um zu verdeutlichen wie sich die Lebenserwartung eines gesunden Neugeborenen entwickelt hat, schauen wir uns deren Entwicklung in den letzten Jahren einmal genauer an. Das Statistische Bundesamt hat hierzu gerade vor einigen Wochen neue Zahlen veröffentlicht.

Die Grafik zeigt uns zwei unterschiedliche Faktoren, die aber recht deutlich. Auf der einen Seite ist die Lebenserwartung bei Geburt des Neugeborenen in den letzten Jahren stetig gestiegen. Wer in dem Jahr 1991 als Junge geboren wurde, hatte eine Lebenserwartung von 72,47 Jahren, bei Mädchen lag diese bei 79,01 Jahren. Im Jahr 2016 hingegen wurde ein Junge schon 78,48 Jahre alt (statistisch) und damit knapp 6 Jahre älter, Mädchen haben nunmehr vier Jahre mehr zu erwarten und werden statistisch 83,27 Jahre alt. Dazu noch der Hinweis:

Die aktuellen Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes sind sogenannte Periodensterbetafeln. Sie basieren auf Daten zu den Gestorbenen und der Bevölkerung nach Einzelaltersjahren im Betrachtungszeitraum. Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für den jeweiligen Zeitraum (aktuell die Jahre 2016 bis 2018). Eine Prognose der zukünftigen Entwicklung der Lebenserwartung ist demzufolge nicht eingeschlossen. Die Lebenserwartung bei Geburt gibt an, wie lange Neugeborene den aktuellen Überlebensverhältnissen entsprechend durchschnittlich leben würden. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Der zweite Punkt den wir der Grafik aber auch entnehmen können, die Steigerung geht langsamer vorab. Während sich von 1991 bis 2006 die Männer über 4,4 Jahre mehr Lebenserwartung freuen konnten, waren es in den Jahren 2001 bis 2016 (also auch wieder 15 Jahre) nur noch 3,1 Jahre an Zuwachs.

Für die Versicherer bedeutet das aber auch, diese müssen einige Jahre mehr leisten. Gerade in der Pflegeversicherung beutet dieses, am Ende kommen „teure Jahre hinten dran“.

Grund 2: medizinische Versorgung und Pflege wird besser

Ein zweiter Grund der steigenden Kosten ist auch die Tatsache, dass Patienten länger, aufwändiger und damit besser gepflegt und versorgt werden können. Denken Sie einmal an Ihre Großeltern und Urgroßeltern zurück und überlegen sich, wie „fit“ diese mit 60, 70, 80 Jahren so waren. Nun schauen Sie sich die heutige Generation in dem Alter an.

Alt und gebrechlich passt gehört eben nicht mehr zwangsläufig zusammen

Auf der anderen Seite und so makaber das klingen mag, bei einigen Erkrankungen, gerade im Bereich der Herz- Kreislauferkrankungen, nach Schlaganfall oder Herzinfarkt verstarben Menschen früher und damit war nicht nur deren Leben, sondern auch eine Pflege zu Ende. Heute ist das- zum Glück- in vielen Fällen nicht mehr so. Auf der anderen Seite kommen so viele Kosten in der Altenpflege auf uns zu und diese sind durch die Pflegeversicherung abzufedern.

Ganz salopp und klar: Wer länger lebt, wird länger gepflegt.

Das Alter hat es nun einmal so ansich, dass Fähigkeiten und Leistung nachlassen und das viele Menschen am Ende Hilfe benötigen. Diese Kosten und Leistungen werden in der Pflegeversicherung erbracht und steigen dementsprechend.

Auch einen dritten und vierten Grund möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten. Zum einen hat der Gesetzgeber die Leistungen der Pflegeversicherung in den letzten Jahren deutlich verbessert und das Geld dafür muss auch irgendwo herkommen. Zum anderen haben- zumindest die privaten- Pflegeversicherer mit Niedrigzinsen zu kämpfen, welche sich in der gesetzlichen als umlagefinanziert so nicht auswirken. Dort sind eher wirtschaftliche Entwicklung, Rezession und steigende/ sinkende Löhne Einflussfaktoren.

Leistungen bei GKV und PKV gleich?!

Ja, denn die Leistungen in der Pflegepflichtversicherung sind identisch. Sowohl privat versicherte Kunden, aber auch jeder gesetzlich Versicherte Kunde bekommt im Falle der Pflegebedüftigkeit den gleichen Umfang an Leistungen. Auch die Einstufung der Pflegegrade, also die Feststellung wie hoch Ihr Leistungsanspruch sein wird/ ist, wird in beiden Systemen nach gleichen Kriterien vorgenommen. Gutachter des medizinischen Dienstes oder aber der Begutachtung der PKV stellen den Grad der Pflegebedürftigkeit fest.

Beitragsvergleich GKV und PKV Pflegeversicherung

Die Beiträge aber werden gänzlich nach anderem Modell berechnet. Während in der sozialen Pflegepflichtversicherung die Beiträge prozentual vom Einkommen berechnet werden und der Gesetzgeber hier einen Beitragssatz festlegt, ist es in der privaten Krankenversicherung vom Alter abhängig.

So ist es in der Privaten Pflegeversicherung vom Eintrittsalter abhängig. Ich nehme hier- da ich die Daten alle hier habe – meinen eigener Vertrag als Beispiel. Im Jahr 2002, da war ich 25 Jahre alt, betrug mein Beitrag in der Privaten Pflegeversicherung 18,50 €. Wäre ich – zum Höchstbeitrag – in der GKV versichert gewesen, wären dieses damals 57,38 € gewesen.

Nun ist das Alter mit 25 kein typisches PKV Eintrittsalter könnte man meinen, oder doch? Ich habe durchaus eine ganze Reihe Kunden, bei denen das so ist. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Ein heute 30jähriger zahlt folgende Beiträge:

Höchstbeitrag Selbstständiger
Private Pflege GKV ohne Kind 3000 EUR brutto
Eintrittsalter 30 in 2019 32,04 € 149,74 € 99,00 €
in 2020 38,53 € 154,69 € 99,00 €
Steigerung 6,49 € 4,95 € – €

 

Gut zu erkennen, für einen Angestellten in der PKV, der sonst HÖCHSTBEITRAG in der GKV zahlt, ändern sich die Beiträge in beiden Systemen. In der Privaten jedoch prozentual höher. Das liegt aber auch an die niedrigeren absoluten Beiträgen.

Verdient ein Selbstständiger aber 3.000 € Brutto und hat somit keinen Höchstbeitrag zu zahlen, so ändert sich der Beitrag in der Pflegeversicherung der GKV für diesen nicht, da der Höchstbetrag zwar verändert wurde, der Beitragssatz aber nicht. Zumindest solange nicht, bis der Gesetzgeber den Beitragssatz wieder anpasst.

Eines ist aber noch sehr gut zu erkennen. Der heute privat versicherte Arbeitnehmer zahlt knapp EIN FÜNFTEL des GKV Beitrages in der Pflegeversicherung und bekommt von diesem jeweils die Hälfte als Arbeitgeberzuschuss. Selbst nach Berücksichtigung des AG Zuschusses liegt das Verhältnis bei einem Viertel.

Wie wirkt sich meine Erhöhung aus?

Nun, die erhöhten Beiträge in der Pflegepflichtversicherung sind von Ihnen ab 1.1.2020 zu tragen. Davon trägt der Arbeitgeber auch die Hälfte. Somit werden von zum Beispiel 10 € Anpassung in der Pflege nur 5 bei Ihnen bleiben.

Auch in Zukunft wird es Erhöhungen in der Pflegeversicherung geben. Zum einen bei der privaten, zum anderen auch durch Anpassung des Beitragssatzes in der Pflegeversicherung der GKV. Am Ende ist- glaube ich- allen klar.

Pflege und Versorgung im Alter wird teurer werden und wir werden mehr Geld aufwenden müssen.

So schön langes Leben, gute Pflege und bessere Medizin auch sein mag- diese kostet eben Geld. Für privat versicherte bedeuten diese Anpassungen prozentual große, aber absolut in Euro vertretbare Zahlen.

Wie Sie gehen steigende Pflegekosten vorsorgen können, das zeige ich Ihnen in einem weiteren Beitrag in den nächsten Wochen. Wer schon einmal ein solches Modell anschauen will, der findet den Beitrag zum Pflegetagegeld OLGA Flex und auch einen Modellrechner hier.

30.
Oktober '19

Arbeitgeberzuschuss für privat Krankenversicherte steigt 2020 deutlich


Der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung ist eine zugesicherte und gesetzlich geregelte Entlastung der Arbeitnehmer. Arbeitgeber sind gemäß §257 des Sozialgesetzbuches V verpflichtet, einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung zu zahlen.

Warum verändert sich der Zuschuss in 2020?

Der Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung wird durch zwei wesentliche Faktoren direkt beeinflusst. Dabei spielen:

  • die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und
  • der durchschnittliche Zusatzbeitrag

eine entscheidende Rolle. Beide Werte verändern sich im Rahmen der jährlichen Änderungen der Sozialversicherungswerte, so gelten ab dem 01. Januar 2020 die neuen Zahlen.

Wie berechnet sich der AG Zuschuss?

Unterschieden wird hier in zwei Teilzuschüsse, dem Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung und dem Arbeitgeberzuschuss zur Pflegepflichtversicherung.

Beide haben eines gemeinsam. Diese sind auf maximal 50% des tatsächlich gezahlten Zuschuss begrenzt und dürfen maximal bis zum Höchstzuschuss gezahlt werden. Diese Höchstzuschüsse berechnen sich wie folgt:

Höchstzuschuss zur privaten Krankenversicherung 2020 richtig berechnen

Zur Berechnung benötigen wir zunächst die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung. Diese beträgt ab dem Januar 2020 jährlich 56.250 €, somit monatlich 4.687,50 € .

Der Zuschuss setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der allgemeine Teil, also die Hälfte des GKV Beitragssatzes von 14,6% und dann dem zweiten Teil. Dieser berechnet sich aus der Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrages. Nach der Änderung ab Januar 2029 wird auch dieser seither wieder paritätisch finanziert. Daher gilt folgende Berechnung:

  • 7,3% * 4.687,50 € = 342,19 € (TEIL I)

  • 0,55% * 4.687,50 € = 25,78 € (TEIL II)

In der Summe ergibt sich somit ein maximaler Arbeitgeberzuschuss 2020 in Höhe von:

342,19 € + 25,78 € = 367,97 € = AG Zuschuss KV 2020

Weiterhin gilt jedoch die Obergrenze von 50% des tatsächlich gezahlten Beitrages. Im Vergleich zum Vorjahr (2019) bekommen Arbeitnehmer nun 16,31 € mehr Zuschuss durch den Arbeitnehmer und können somit 32,62 € Mehrbeitrag hälftig finanzieren und somit zum Beispiel die Beitragsentlastungskomponente aufstocken.

Höchstzuschuss zur privaten Pflegepflichtversicherung 2020 richtig berechnen

Auch in der Pflegepflichtversicherung gelten gleiche Regeln. Hier ist jedoch zusätzlich zu beachten, dass der Zuschuss nur für den Pflichtteil gilt und nicht auf Zusatzversicherungen wie Pflegekosten oder Pflegetagegelder ausgedehnt werden kann. Auch der Zuschlag für Kinderlose ist vom Arbeitnehmer allein zu tragen und wirkt sich bei der Berechnung des Höchstzuschusses nicht aus. Da der Beitragssatz in der Pflegepflichtversicherung bei 3,05 % (plus 0,25% für Kinderlose) liegt, ergibt sich dafür folgende Rechnung.

  • 1,525 % * 4.687,50 € = 74,48 € (TEIL I) = Zuschuss PV 2020

Hier gilt ebenfalls die Begrenzung auf max. 50% der tatsächlich gezahlten Beiträge. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich der Zuschuss um 2,28 €.

Alle Zahlen können Sie auch in der Übersicht der Sozialversicherungswerte 2020 nachlesen, welche ich Ihnen hier kostenfrei als pdf Download zur Verfügung stelle.

Sozialversicherungswerte 2020 in der kompletten pdf Übersicht.

21.
Oktober '19

AXA Krankenversicherung mit Beitragsanpassungen im BESTAND zum 01.01.2020


Nachdem viele Gesellschaften zunächst die Zahlen für das Neugeschäft veröffentlicht haben, ist die AXA dieses Jahr sehr früh mit den Zahlen für den Bestand. Auch wenn die Informationen an die Kunden erst in einigen Wochen versandt werden, hier schon einmal Zahlen, Daten, Fakten zur Beitragsanpassung für Bestandskunden zum 01.01.2020 bei der Axa und auch bei der DBV als Untermarke der Axa.

Deutlich trifft es dieses Jahr einige Tarife und versicherte im EL Bonus. Nachdem die Anpassungen im VITAL Tarif die letzten Jahre sehr deutlich waren (Informationen dazu hier) folgt nun der nächste Streich. Interessant zudem hier der von der Axa selbst bereitgestellte Beitrasgverlauf. Dazu aber gleich mehr.

AXA Krankenversicherung – Beitragsanpassung 2020 im Bestand

Die Anpassungen werden in den Kundeninformationsschreiben ab dem 12. NOVEMBER 2019 verschickt. Auch erst ab diesem Zeitpunkt können Umstellungsangebote in andere Tarifstufen berechnet werden. Alle Zahlen und Daten stammen aus der, von der AXA selbst herausgegebenen Broschüre BAP 2020.

Welche Tarife werden angepasst

Final ist noch nicht alles veröffentlicht, klar sind aber Anpassungen in den folgenden Tarifen im BESTAND. Dennoch hier zunächst die bereits verfügbaren Informationen zur den Tarifen, welche angepasst werden.

EL BONUSXXXEL BONUSXXX

Tarif Kinder /
Jugendliche
Männer Frauen
EL BONUS X X X
EL BONUS U X X X
EL BONUS N X X X
EL Elementar X X X
EL Elementar N X X X
EL Elementar 400 X X X
EL Elementar 400 N X X X
ECO 1300 X X X
ECO 2600 X X X
ECO 4800 X
ECO 5200 X X
ECR 2600 X
ECR 5000 X
DBV 0140 X
DBV 0140A X
DBV 0141/18 X X
DBV 0141/20 X X X
DBV 0141A/18 X
DBV 0141A/20 X X
DBV 0142/20 X
DBV 0144/20 X X X
DBV 0144A/18 X X
BEA X X
Ärzte VA100-2 X X X
Ärzte PRAXMed X X X
Vision Med X X X
Vision Med A X X
Vision Med-N X X X
Vision Med NA X X
DBV Ärzte Tarif 110 X X X
DBV Ärzte Tarif 110A X X
DBV Ärzte Tarif 112 X
DBV Ärzte Tarif 112A X
DBV Ärzte Tarif 113 X
DBV Ärzte Tarif 113A X
DBV Ärzte Tarif 115 X X
DBV Ärzte Tarif 115A X X
DBV Ärzte Tarif 116 X X
DBV Ärzte Tarif 117 X X
DBV Zahnarzt T. 150 X X
DBV Zahnarzt T. 150A X
DBV Zahnarzt T. 150N X X
DBV Zahnarzt T. 150NA X
DBV Zahnarzt T. 152 X
DBV Zahnarzt T. 153 X X
DBV Zahnarzt T. 153A X
DBV Zahnarzt T. 153N X X
DBV Zahnarzt T. 153NA X
DBV Zahnarzt T. 154 X X
DBV Zahnarzt T. 152 X X

Interessant sind aber neben den Tarifen der Anpassung insbesondere die Zahlen und die Zusammensetzung einer Anpassung. Auch geht die Axa hier sehr offen damit um und veröffentlicht (gegenüber den Maklern) auch Zusammensetzungen der BAP in Teilen.

Axa Beitragsanpassung im Bestand – Zahlen

So ist am Beispiel des EL Bonus gut zu erkennen, wo die Entwicklung herkommt. Dabei mildern die Stornogewinne (also verbleibende Rücklagen weil Versicherte dem Unternehmen den Rücken gekehrt haben, welche Ihre Rückstellungen nicht mitnehmen konnten) die Anpassung für die verbleibenden Kunden.

Dennoch ist die Entwicklung- speziell im „zu billig kalkulierten“ EL-Bonus teilweise erschreckend. Hier hat sich die Prämie innerhalb von knapp 7 Jahren (also ab 213 € für einen heute 55 jährigen mehr als verdoppelt. QUELLE: AXA Maklerinfo BAP 2020.

Was sich aber auch sehr gut zeigt, wie „billig“ der Tarif im Vergleich zum GKV Höchstbeitrag war. Wer also in 2013 die Differenz dazu angelegt hat, der sollte auch heute wie zukünftig keine Probleme haben. Selbst heute liegen hier noch einige hundert Euro dazwischen.

Noch einige Beispiele zu Anpassungen:

Auch hier ein Beispiel mit einer weiteren Anpassung und auch einem Verlauf der letzten 10 Jahre. Es handelt sich hierbei um Ärztetarife.

Und nun, was tun?

Erstmal nichts. Da die Anpassungen regelmäßig kommen und sinnvoll sind, um die Leistungen zu erhalten, macht ein Versichererhopping keinen Sinn. Wer schon Jahre in den Tarifen versichert ist, der hat teilweise länger keine Anpassung bekommen und „Geld gespart“, da nötige Anpassungen nicht erfolgt sind. Diese werden nun nachgeholt und das „Gesparte“ kommt nun mit einer höheren Anpassung.

Wer aber im EL oder EL Bonus versichert ist, der sollte sich spätestens jetzt eine Strategie überlegen. Ansparen wenn es noch geht, Tarifwechsel überlegen aber sich darauf einstellen, dass es hier teurer wird.

In dem folgenden (älteren) Artikel habe ich bereits einige Hinweise und Tipps dazu aufgeschrieben.

1.) Beitragserhöhung in der PKV – und nun? Nur nichts überstürzen

2.) Beitragserhöhung in der PKV – warum Sie nicht voreilig kündigen sollten

 

Quellen: AXA, AXA MaklerInfo und GewaComp

16.
Oktober '19

Finanztest PKV Test 2019 – wieder nichts gelernt oder bewusst getäuscht?


Es ist eine „neverending story“. Unter dem Stichwort „Finanztest“ finden sich hier unzählige Beiträge zu fragwürdigen Tests von Privater Krankenversicherung und/ oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Diese können Sie hier nochmals detailliert nachlesen.

Heute ist nun endlich der neue Test erschienen, welcher sich in der Ausgabe 11/2019 der „berühmten Zeitschrift“ nachlesen lässt. Eines hat sich geändert, denn so viele Testsiegel wird man bei diesem dilettantischen Test wohl nicht verkaufen können. Wobei ich hier Wetten abgebe, das sich „Testsieger“ finden und diese mit wehenden Fahnen durch die Lande ziehen. Schlimm, da es eine falsche Erwartung und eine vermeintliche Sicherheit erzeugt, welche es so nicht gibt. Doch schauen wir zunächst etwas detaillierter auf den Test, denn nicht alles ist schlimm und schlecht, einige Fakten und Hinweise sind durchaus richtig.

Finanztest PKV Test 2019 – allgemeine Hinweise zu den Systemen und der PKV

Richtig und wichtig ist Aufklärung und lange nicht jede(r) der/die in die private Krankenversicherung wechseln könnte oder dürfte sollte das auch tun. Ich habe unzählige Beiträge dazu geschrieben und mit Blick auf Veränderungen und Risiken auf vieles hingewiesen. Ein Beitrag, welcher das ganz gut zusammenfasst, auch wenn dieser schon etwas älter ist:

aber auch:

Auch Finanztest greift dieses in der Einleitung zum neuen PKV Test 2019 auf und schreibt unter dem Titel „Bund fürs Leben“ über genau diese Entscheidungen und auch damit vorhandene Risiken. Das sollten einige mehr tun, denn nur so kommen wir endlich weg von dem „Ich muss in die PKV“. NEIN, es MUSS niemand, wenn er das nicht möchte. Es muss auch niemand ein Haus bauen, niemand einen Baum pflanzen und niemand sonstigen Luxus kaufen und nutzen. Private Krankenversicherung und damit verbundene Absicherungen sind (teilweise) Luxus. Diese ermöglichen im Gegensatz zur gesetzliche Krankenversicherungen eben insbesondere eine freie Gestaltung der Leistungen und des Umgangs.

Wer sich für die private Krankenversicherung bewusst und langfristig entscheidet und dabei auch mögliche Risiken und Veränderungen bedenkt, der wird hier auch zufrieden sein. Wer aber nur deshalb die GKV verlässt, weil er glaubt hier billiger versichert sein zu können, der irrt nicht nur sondern wird es bitter bereuen.

In der Privaten Krankenversicherung sparen Sie KEIN GELD, NIE! Auch ist es völlig egal wo Freunde und Bekannte versichert sind und wie deren Schutz aussieht. Sie ziehen auch nicht die gleichen Klamotten an, haben nicht die gleiche Wandfarbe und auch keine Identischen Möbel- oder?

So geht es auf Seite 78 der aktuellen Ausgabe dann auch mit den Hürden weiter. Ja, Finanztest kann auch noch nicht wissen, dass die Grenzen für die Jahresarbeitentgeltgrenze 2020 schon bekannt sind und sich damit die Sozialversicherungswerte 2020 ändern. (hier alle Werte 2020). Vielleicht liest man zukünftig einfach hier mit, liebe Redaktion, dann kann man zumindest in einer Ausgabe im November schon einmal die Zahlen haben. Sind ja nun schon einige Wochen bekannt. Somit liegt für Angestellte die Hürde nunmehr bei 62.550 € und eben nicht mehr (wie in diesem Jahr) bei 60.750 €.

Der Testzeitpunkt – unwissend oder mutwillige „falsch gewählt“?

„Warum falsch? Wann ist denn richtig?“ werden nun einige von Ihnen fragen. Dazu muss man etwas hinterfragen wann in der PKV was genau passiert. Bei der Masse der Gesellschaften und Tarife ist das Versicherungsjahr gleich dem Kalenderjahr, wie Sie in dieser Übersicht hier sehen können. Auch finden bei der Masse der Unternehmen Überprüfungen und Beitragsanpassungen zum Jahresende statt. Da ist es wenig hilfreich einen solchen Test mit Datenstand August im Oktober zu veröffentlichen, stimmen doch hier die meisten Daten schon rein gar nicht mehr nach weiteren zwei Monaten.

Möchte man hier bewusst bestimmte Szenarien oder Tarife bevorzugen oder hat in der Auswahl einfach jemand keine Ahnung gehabt? Nein, sicher nicht. Es geht schlichtweg um Auflage. Zum Jahreswechsel beschäftigen sich viele Angestellte mit der Frage der passenden Versicherung. Einerseits nach Anpassungen, andererseits nach Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze. Alle diese Kunden sollen nun schnell noch zum Kauf der aktuellen Ausgabe gelockt werden, denn so steigern sich die Verkaufszahlen. Auch lassen sich im „Jahresendgeschäft“ noch schnell ein paar Testsiegel an die Versicherer verkaufen, welche dann mit dem Zeug werben.

Finanztest PKV Test „Unser Rat“

Einzig der kleine Kasten auf der Seite 79 ist durchaus und teilweise nachvollziehbar. So rät Finanztest allen, welche sich mit dem Thema beschäftigen, genau abzuwägen und weißt insbesondere auch auf die möglichen, besseren Leistungen der Privaten Absicherung hin. Der Hinweis „Achten Sie nicht nur auf den Preis“ ist zwar augenscheinlich gut gemeint, geht aber mit dem Test und dem Aufbau gar nicht konform und ist eher Augenwischerei.

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11.
Oktober '19

Kopie der Krankenakte und der Patientenunterlagen nach Schließung der Praxis


Ärztliche Unterlagen sind wichtig und können auch nach Jahren in der Verlaufskontrolle oder bei der Diagnose und Anamnese sehr wichtig werden. Nicht nur Versicherungen benötigen ggf. zur Prüfung von Leistungsansprüchen eine Auskunft zu Behandlungen vor Antragstellung oder eine Information zu einem Krankheitsverlauf, auch Patienten und neue Behandler benötigen diese.

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, wie Sie überhaupt an eine Krankenakte kommen. Dazu habe ich Ihnen in zwei Beiträgen MUSTERFORMULARE zur Anforderung der Krankenakte und auch detaillierte Informationen zusammengestellt.

So kommen Sie an eine Kopie Ihrer Krankenakte/ der Patientenunterlagen

–> Anforderung der Krankenakte in Kopie für Sie oder den neuen Arzt

Grundlage ist hier §10 Berufsordnung der Ärzte und §630g BGB

–> Anforderung der Krankenakte als kostenlose Kopie

Grundlage ist hier die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

–> Musterformulare und Anschreiben zur Anforderung der Kopie der Patientenunterlagen

–> Was Sie tun können, wenn der Arzt die Herausgabe verweigert oder Sie zum persönlichen Vorbeikommen auffordert

Doch nachdem das alles ganz wunderbar bei Ärzten und Krankenhäusern funktioniert und auch meist nicht zu großen Problemen führt, erwartet uns in Zukunft immer Häufiger ein anderes Problem. Die Ärzte werden immer älter und finden immer weniger Nachfolger. Praxen bleiben leer oder werden durch neue Kollegen übernommen und diese erhalten nicht immer alle Akten. Daher ist es wichtig zu wissen, wo denn nun die Krankenakten gelagert sind und wie Sie an diese kommen.

Praxis geschlossen – Krankenakte verloren?

Zunächst einmal legt der Gesetzgeber dem Arzt zahlreiche Dokumentations- und Informationspflichten auf und viele Ärzte kommen diese gewissenhaft und problemlos nach. Doch auch Ärzte sind nur Menschen und werden einmal schwer krank, haben Unfälle oder schließen Praxen aus Altersgründen. Daher ist es hier wichtig und gut zu wissen, wie Sie dann immer noch an eine Akte kommen und welche gesetzlichen Grundlagen hier gelten.

Auch sind die Zuständigkeiten nicht klar. Wenn eine Arztpraxis plötzlich nicht mehr existiert und nicht gerade im Wohnhaus des Arztes untergebracht war und somit der Arzt noch erreichbar ist, dann wird es schnell zu einem Problem. Neben den Kassenärztlichen Vereinigungen oder den Ärztekammern gilt es hier einen Kontakt zu finden. Daher schauen wir uns zwei Fälle getrennt an. Einmal den der regulären Schließung und einmal den der Übergabe der Praxis.

Ein Bundesland, nämlich Rheinland-Pfalz hat hier eine Regelung in sein Heilberufsgesetz geschrieben, welches hier helfen soll. Dort heulst es in Paragraph 22:

(2) Die Kammermitglieder haben beim Ausscheiden aus einer eigenen Niederlassungg oder bei deren Schließung dafür zu sorgen, dass die in Ausübung ihres Berufs gefertigten medizinischen und pflegerischen Aufzeichnungen und sonstigen dort vorhandenen Patientenunterlagen nach den Vorschriften der Schweigepflicht und des Datenschutzes untergebracht und nur für Berechtigte zugänglich gemacht werden. Kommt ein Kammermitglied dieser Pflicht nicht nach, ist die Kammer verpflichtet, die Unterlagen im Rahmen der Verwaltungsvollstreckung zu verwahren und zu verwalten. Die Kammern können auch gemeinsame Einrichtungen zur Aufbewahrung und Verwaltung errichten oder nutzen; das Nähere regelt die Satzung.

Praxis an neuen Arzt übergeben

Sollte der neue Arzt eine bestehende Praxis übernommen haben, so können hier meist auch die Patientenakten weiter eingesehen werden. Jedoch ist es datenschutzrechtlich nicht einfach möglich, dass hier der alte Arzt es einfach an den neuen übergibt. Es könnte ja sein, dass Sie als Patient oder Patientin gerade diesem Arzt keine Einsicht geben möchten. Daher sind hier Lösungen wie geschützte Datenräume (physisch wie virtuell) denkbar und werden teilweise auch so praktiziert. Dabei werden die Akten unter Verschluss gehalten, bis Sie dem neuen Arzt die Verwendung gestatten.

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